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Artikel aus "Der Nebenwerte Investor" Ausgabe 18/2026 vom 12.08.2026
Aktien in dieser Ausgabe: Alzchem, Hornbach Holding, MBB
MBB ist Deutschlands Aktionärsrenditechampion
Die MBB SE gehört zu den ungewöhnlichsten börsennotierten Beteiligungsgesellschaften Deutschlands. Während klassische Private-Equity-Gesellschaften ihre Beteiligungen häufig nach einigen Jahren wieder verkaufen, verfolgt MBB einen langfristigeren Ansatz: Das Berliner Familienunternehmen übernimmt mittelständische Unternehmen, entwickelt sie operativ weiter und hält erfolgreiche Beteiligungen über lange Zeiträume. Dabei verändert die Mittelstandsholding ihre Beteiligungshöhen je nach Marktlage und generiert so in unregelmäßigen Abständen nicht unerhebliche Zusatzgewinne.
Im Mittelpunkt des Übernahmeinteresses stehen für MBB keine beliebigen Unternehmen, sondern vor allem technologie- und ingenieurgetriebene Mittelständler, die von langfristigen strukturellen Trends profitieren können. Dazu zählen insbesondere der Ausbau der Energieinfrastruktur, die Elektrifizierung des Verkehrs, Automatisierung, Cybersecurity und der Einsatz nachwachsender Rohstoffe.
MBB wurde 1995 von Dr. Christof Nesemeier und Gert-Maria Freimuth gegründet. 1997 übernahmen die beiden eine ehemalige Tochtergesellschaft des damaligen Messerschmitt-Bölkow-Blohm-Konzerns und führten fortan die Abkürzung MBB im Unternehmensnamen. 2006 folgte der Börsengang, 2008 der Wechsel in den Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Inzwischen ist aus dem einst kleinen Beteiligungsunternehmen eine Gruppe mit mehr als 4.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 1,17 Mrd. Euro geworden. Allein seit dem Börsengang wuchs der Umsatz laut Unternehmen durchschnittlich um rund 19% pro Jahr.
Das Entscheidende an MBB ist jedoch weniger die absolute Größe als die Kombination aus unternehmerischer Kontrolle, langfristiger Kapitalallokation, hoher finanzieller Unabhängigkeit und einer außergewöhnlich starken Bilanz. MBB versteht sich nicht als klassischer Finanzinvestor, sondern als unternehmerischer Eigentümer. Genau daraus ergibt sich die Investmentstory: Die Muttergesellschaft soll durch den Kauf und die Entwicklung mittelständischer Unternehmen langfristig den Wert je Aktie erhöhen.
Kaufen, entwickeln und langfristig Wert schaffen
Das Geschäftsmodell von MBB lässt sich vereinfacht mit den Begriffen „Buy, Build and Hold“ beschreiben. MBB sucht mittelständische Unternehmen, die eine hohe technologische Kompetenz besitzen, in attraktiven Nischen tätig sind und langfristig überdurchschnittliche Wachstumsperspektiven haben. Nach der Übernahme werden die Unternehmen nicht in eine zentral gesteuerte Konzernstruktur gepresst. Vielmehr bleiben die Tochtergesellschaften weitgehend eigenständig und behalten ihre unternehmerische Verantwortung.
Diese dezentrale Struktur ist ein wesentlicher Bestandteil des MBB-Modells. Die Tochterunternehmen verfügen über eigene Managementteams, eigene Kundenbeziehungen und eigene operative Strukturen. Die MBB SE konzentriert sich stärker auf Kapitalallokation, Strategie, Akquisitionen und die langfristige Entwicklung der Beteiligungen. Dadurch ähnelt MBB in gewisser Hinsicht einer industriellen Holding oder einem dezentral organisierten Familienkonzern.
Ein entscheidender Unterschied zu Private Equity besteht in der Haltedauer. MBB ist nicht darauf angewiesen, Beteiligungen nach einer vorher festgelegten Laufzeit zu verkaufen. Ist ein Unternehmen erfolgreich, kann es über Jahrzehnte Teil der Gruppe bleiben. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, besonders erfolgreiche Beteiligungen über die Börse teilweise oder vollständig zu monetarisieren. Dieses Modell hat MBB bereits mehrfach praktiziert: Mit Aumann, Delignit und Friedrich Vorwerk wurden drei Tochterunternehmen an die Börse gebracht.
Für MBB entsteht dadurch ein besonderer Kapitalkreislauf. Die Muttergesellschaft generiert über ihre Beteiligungen Cashflows, kann erfolgreiche Tochtergesellschaften entwickeln und gegebenenfalls Beteiligungen über Kapitalmarkttransaktionen monetarisieren. Die daraus verfügbaren Mittel können anschließend wieder in neue Unternehmen investiert oder über Aktienrückkäufe und Dividenden an die Aktionäre zurückgegeben werden.
Dieses Kapitalallokationsmodell ist für die Bewertung der Aktie besonders wichtig. Ein Anleger kauft mit einer MBB-Aktie nicht einfach einen Industriekonzern, sondern erhält indirekt Zugriff auf ein Portfolio unterschiedlicher mittelständischer Unternehmen sowie auf die Liquidität der Holding. Der Wert der Aktie kann deshalb sowohl durch das operative Wachstum der Tochtergesellschaften als auch durch erfolgreiche Akquisitionen und eine intelligente Kapitalallokation steigen.
Sechs Fünf unterschiedlich attraktive Tochtergesellschaften
Heute konzentriert sich MBB auf sechs fünf wesentliche Geschäftsbereiche beziehungsweise Tochterunternehmen: Aumann, Friedrich Vorwerk, DTS, Delignit, Hanke Tissue und CT Formpolster. Die Geschäftsmodelle dieser Unternehmen sind ausgesprochen unterschiedlich. Genau darin liegt einerseits die Diversifikation der Gruppe, andererseits aber auch eine gewisse Komplexität für Anleger.
Friedrich Vorwerk – Der Energiewendemacher
Die wichtigste Beteiligung ist mittlerweile Friedrich Vorwerk. Das Unternehmen ist auf Pipeline- und Anlagenbau für Gas- und Stromnetze spezialisiert und profitiert damit unmittelbar von den massiven Investitionen in die europäische Energieinfrastruktur. Friedrich Vorwerk baut unter anderem Infrastruktur für Gas, Strom und Wasserstoff und ist damit an mehreren großen Transformationsprozessen beteiligt: dem Ausbau der Stromnetze, der Integration erneuerbarer Energien, der Modernisierung der Gasinfrastruktur und perspektivisch dem Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft.
Friedrich Vorwerk ist dabei längst nicht mehr nur ein klassischer Pipelinebauer. Das Unternehmen besitzt Kompetenzen entlang verschiedener Teile der Energieinfrastruktur und kann dadurch größere und technisch anspruchsvollere Projekte übernehmen. Besonders interessant ist der Bereich Strominfrastruktur, weil die Energiewende nicht nur zusätzliche Erzeugungskapazitäten erfordert, sondern vor allem Netze. Windparks im Norden müssen mit industriellen Verbrauchszentren im Westen und Süden verbunden werden, neue Stromleitungen benötigen Konverterstationen und Netzanbindungen, und zusätzlich entstehen Anforderungen durch Speicher, Wasserstoff und neue industrielle Verbraucher.
Für das zweite Quartal 2026 gab Friedrich Vorwerk hat starke vorläufige Ergebnisse bekannt gegeben und auch im ersten Halbjahr 2026 die Erwartungen klar übertroffen. Der Umsatz stieg um 11% auf 337,3 Mio. Euro, während das operative Ergebnis (EBITDA) um 70% auf 92,6 Mio. Euro zulegte. Die Produktionsleistung erhöhte sich um 35% auf 448,1 Mio. Euro, der Nettofinanzmittelbestand stieg dank hoher Cash Conversion auf 212,0 Mio. Euro (Vorjahr: 83,5 Mio.).
Treiber waren die starke Projektabwicklung und die weiterhin hohe Nachfrage. Der Auftragseingang legte auf 321,2 Mio. Euro zu (Vorjahr: 220,4 Mio.), während der Auftragsbestand mit 1,0 Mrd. Euro (inkl. Arbeitsgemeinschaften: 1,45 Mrd.) trotz leichter Normalisierung auf einem sehr hohen Niveau verbleibt.
Vor dem Hintergrund der starken Profitabilität hat das Unternehmen seine EBITDA-Prognose für 2026 auf 180 bis 200 Mio. Euro angehoben, während die Umsatzprognose von 730 bis 780 Mio. Euro bestätigt wurde. Die Zahlen unterstreichen die starke Positionierung des Unternehmens beim Ausbau der Energieinfrastruktur für Gas-, Strom- und Wasserstoffnetze und die Fähigkeit, aus den derzeit laufenden Projekten außergewöhnlich hohe Margen zu generieren.
Friedrich Vorwerk ist inzwischen nicht nur die größte, sondern auch die qualitativ wichtigste Beteiligung innerhalb des MBB-Portfolios.
Aumann: Automatisierung und Elektromobilität
Die zweite börsennotierte Kernbeteiligung ist Aumann. Das Unternehmen entwickelt und produziert Spezialmaschinen und automatisierte Fertigungslinien. Ursprünglich war Aumann insbesondere für Wickeltechnik bekannt, mittlerweile liegt der strategische Schwerpunkt deutlich stärker auf E-Mobility und industrieller Automatisierung.
Aumann liefert damit Produktionsanlagen, die beispielsweise bei der Herstellung von Elektromotoren und anderen Komponenten elektrifizierter Antriebe eingesetzt werden. Die zunehmende Elektrifizierung verändert Produktionsprozesse grundlegend. Während klassische Verbrennungsmotoren aus einer Vielzahl mechanischer Komponenten bestehen, erfordern elektrische Antriebe andere Fertigungs- und Automatisierungstechnologien.
Für Aumann entsteht daraus eine strukturelle Wachstumschance. Gleichzeitig ist das Unternehmen stärker von den Investitionsbudgets seiner Kunden abhängig. Wenn Automobilhersteller und Zulieferer ihre Investitionen in neue Antriebstechnologien verschieben, kann dies den Auftragseingang kurzfristig erheblich beeinflussen. Zudem ist die Transformation der Automobilindustrie nicht linear: Der Hochlauf von Elektrofahrzeugen hängt von Absatz, Förderpolitik, Rohstoffpreisen, Ladeinfrastruktur und den strategischen Entscheidungen der Fahrzeughersteller ab.
Aumann besitzt allerdings eine zusätzliche Wachstumsoption: industrielle Automatisierung außerhalb der reinen Elektromobilität. Die zunehmende Automatisierung von Produktionsprozessen, der Fachkräftemangel und der Wunsch nach höherer Fertigungseffizienz sprechen langfristig für Investitionen in automatisierte Produktionsanlagen.
Ihren Höchstkurs markierte die Aumann-Aktie kurz nach dem Börsengang im Herbst 2017 bei über 90 Euro. Doch der damalige E-Mobilitätshype war nicht nachhaltig und es lief mit den Geschäften weniger rund als erhofft und der Aktienkurs brach massiv ein. Seit Mitte 2019 bewegt er sich zumeist in einer Spanne zwischen 10 und 20 Euro.
Zuletzt hatte die Aumann AG ihren Aktionären ein umfassendes Aktienrückkaufangebot zu 17,80 Euro je Aktie unterbreitet, wobei ihr von ihren Aktionären 9.358.558 Stückaktien angedient wurden. Davon wurden insgesamt 1.291.200 Stückaktien zurück erworben, was einem Anteil von rund 10,00% des Grundkapitals der Gesellschaft entsprach. Ziel des Aktienrückkaufs war „vor dem Hintergrund der substanziellen Unterbewertung der Aumann-Aktie und der starken Kapitalausstattung … den Wert pro Aktie zu erhöhen“. Das ist in gewisser Weise gelungen, denn zunächst bot Aumann 16,50 Euro an, musste das Angebot aber aufgrund des zeitnahen Kurssprungs auf 17,80 Euro anheben.
Durch die Einziehung der zurückgekauften Aktien verringerte sich die Gesamtzahl der ausstehenden Stimmrechte, wodurch sich der prozentuale Stimmrechtsanteil des Hauptaktionärs MBB SE auf 49,41% erhöhte.
DTS: Cybersecurity als struktureller Wachstumsmarkt
DTS ist der IT- und Cybersecurity-Spezialist innerhalb der MBB-Gruppe. Das Unternehmen bietet IT-Security, Cloud- und Managed-Services an. Die Aktivitäten reichen von klassischen IT-Infrastrukturen bis hin zu Sicherheitslösungen und Cloud-Dienstleistungen.
Das Geschäftsmodell unterscheidet sich fundamental von den industriellen Beteiligungen. Während bei Aumann und Friedrich Vorwerk Projektgeschäft, Maschinenbau und Infrastrukturinvestitionen dominieren, basiert DTS stärker auf wiederkehrenden Dienstleistungen und langfristigen Kundenbeziehungen. Das kann grundsätzlich zu einer höheren Planbarkeit der Umsätze führen.
Der Cybersecurity-Markt wächst strukturell. Unternehmen müssen ihre IT-Systeme gegen Ransomware, Industriespionage, Sabotage und andere Angriffe schützen. Gleichzeitig führt die zunehmende Verlagerung von IT-Infrastrukturen in die Cloud zu neuen Sicherheitsanforderungen. Hinzu kommen regulatorische Vorgaben, die Unternehmen dazu zwingen, ihre IT-Sicherheit professioneller aufzustellen.
DTS ist damit ein gutes Beispiel für die MBB-Strategie, Unternehmen aus langfristigen Wachstumstrends heraus zu entwickeln. Cybersecurity ist weniger von einem einzelnen Konjunkturzyklus abhängig als beispielsweise der Maschinenbau. Allerdings ist der Markt wettbewerbsintensiv und technologisch anspruchsvoll. DTS muss deshalb kontinuierlich in Fachkräfte, Technologie und Sicherheitskompetenz investieren.
Delignit: Holzwerkstoffe als industrielle Nischenlösung
Delignit ist auf Systemlösungen und Werkstoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe spezialisiert. Im Mittelpunkt stehen insbesondere Holzwerkstoffe, die in verschiedenen industriellen Anwendungen eingesetzt werden. Dazu zählen unter anderem Nutzfahrzeuge, Automotive-Anwendungen, Innenausbau und weitere technische Einsatzbereiche.
Die Attraktivität von Delignit liegt weniger in einem spektakulären Einzelmarkt als in der Positionierung als Spezialanbieter. Kunden kaufen nicht einfach Holzplatten, sondern spezifische technische Lösungen, die bestimmte Anforderungen hinsichtlich Gewicht, Stabilität, Brandschutz oder Nachhaltigkeit erfüllen.
Ein wichtiger strategischer Schritt erfolgte Anfang 2026: Delignit übernahm im Rahmen eines Mietvertrages die Geschäftseinheit Rail und Marine des italienischen Traditionsunternehmens Bellotti S.p.A. und hat damit sein Portfolio um Anwendungen im Bahn- und Marinebereich erweitert.
Im Juli erfolgte dann die Verlängerung des Mietvertrags bis zum 31. Januar 2027 und wegen des zusätzlichen Umsatzbeitrages hieraus und zudem zuletzt wieder stärkeren Impulsen aus dem Kerngeschäft der Delignit-Gruppe erhöhte der Vorstand die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2026 von 66 Mio. auf 68 Mio. Euro bei einer stabilen Profitabilitätsprognose mit einer unverändert erwarteten EBITDA-Marge von 7% bis 8 %.
Hanke Tissue: Hygieneprodukte als defensiver Baustein
Hanke Tissue produziert Tissue- und Hygieneprodukte und ist damit der vergleichsweise defensive Teil des MBB-Portfolios. Das Unternehmen ist in Polen aktiv und produziert unter anderem Papierprodukte für den Hygiene- und Konsumbereich.
Im Gegensatz zu Aumann oder Friedrich Vorwerk ist Hanke Tissue weniger unmittelbar von großen Investitionszyklen abhängig. Toilettenpapier, Küchenrollen und andere Tissue-Produkte werden unabhängig von der konjunkturellen Lage benötigt.
Das Problem besteht allerdings in der begrenzteren Differenzierung. Tissue-Produkte sind wettbewerbsintensiv, und Margen können durch Zellstoffpreise, Energiepreise und den Preisdruck des Handels belastet werden. Hanke Tissue erfüllt innerhalb des Konzerns daher auch eine Diversifikationsfunktion: Das Unternehmen erweitert die Gruppe um einen vergleichsweise stabilen Konsumgüterbereich.
CT Formpolster: Matratzen und Logistik (verkauft!)
CT Formpolster ist auf Matratzen und Polsterlösungen spezialisiert und besitzt darüber hinaus Kompetenzen in der Logistik für den Online-Handel. Das Unternehmen gehört damit ebenfalls zu den weniger technologieintensiven Geschäftsbereichen der Gruppe.
Die Verbindung aus Produktion und Logistik kann insbesondere im Online-Matratzenhandel Vorteile bieten. Matratzen sind sperrige Produkte, deren Versand und Retourenlogistik komplex sind. Eine effiziente Produktion in Verbindung mit einer leistungsfähigen Logistik kann deshalb einen Wettbewerbsvorteil darstellen.
Gleichzeitig ist der Bereich stärker vom Konsumklima abhängig als DTS oder Friedrich Vorwerk. Sinkende Realeinkommen oder eine schwache Konsumnachfrage können die Nachfrage nach nicht zwingend notwendigen Produkten wie Matratzen belasten.
Ergänzung: CT Formpolster wurde am 13. August 2026 verkauft!MBB hat 100% der Geschäftsanteile der CT Formpolster GmbH an die auf Nachfolgelösungen fokussierte Nexeras GmbH verkauft und damit die Übergabe ihrer kleinsten Beteiligung und damit eine Fokussierung des bestehenden Portfolios beschlossen.Hinter Nexeras stehen Dr. Constantin Mang und Dr. Christian Theurer, die eine nachhaltige Weiterentwicklung der CT Formpolster anstreben. Als langjähriges Mitglied des MBB-Teams und CEO der Gruppe von 2021 bis 2025 verfügt Constantin Mang bereits über eine enge Bindung zur CT Formpolster und den handelnden Personen vor Ort.Meine Einschätzung: CT Formpolster bekam kaum Beachtung im MBB-Portfolio. Es ist in den letzten Jahren nicht gelungen, das Unternehmen auf eine signifikante Größe zu heben, weder operativ noch durch Zukäufe und dass nun eine tragfähige Nachfolgeregelung gefunden wurde, ist für alle Seiten eine gute Lösung. Auf die MBB-Bilanz und die GuV wird dieser Exit kaum Auswirkungen haben, aber künftig zumindest keine Managementkapazitäten in der Holding mehr binden.
Eine Holding mit zunehmender Ergebnisqualität
Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, wie stark sich MBB verändert hat. 2020 erzielte der Konzern einen bereinigten Umsatz von rund 689 Mio. Euro und ein bereinigtes EBITDA von rund 86 Mio. Euro. 2025 waren es bereits 1,17 Mrd. Euro Umsatz und 217 Mio. Euro bereinigtes EBITDA. Die EBITDA-Marge stieg damit von 12,5% auf 18,6%.
Besonders bemerkenswert ist, dass MBB nicht nur gewachsen ist, sondern gleichzeitig die Profitabilität deutlich verbessert hat. Zwischen 2023 und 2025 stieg das bereinigte EBITDA von rund 80 Mio. auf fast 217 Mio. Euro. Das entspricht einer Steigerung von mehr als 170% innerhalb von zwei Jahren.
2025 war dabei ein Rekordjahr. Neben dem Umsatz und EBITDA erreichten auch EBIT und Net Cash neue Höchststände. Die Holding verfügte zum Jahresende über rund 760 Mio. Euro Net Cash.
Zum Ende des Halbjahres war der Wert auf 432 Mio. Euro geschrumpft aufgrund der Dividendenzahlung und der Aktienrückkäufe.
Diese Bilanzstärke ist ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs. MBB ist nicht darauf angewiesen, jede Akquisition mit hohem Fremdkapital zu finanzieren. Stattdessen kann die Gesellschaft mit eigenem Kapital agieren und ist dadurch bei Übernahmen relativ unabhängig von den Bedingungen an den Kreditmärkten.
Starke Halbjahresergebnisse
Auch 2026 setzte sich die positive Entwicklung zunächst fort. Im ersten Quartal steigerte MBB das bereinigte EBITDA um 40% und überschritt erstmals eine Eigenkapitalmarke von 1 Mrd. Euro. Noch stärker fiel das zweite Quartal aus mit einem Anstieg des bereinigten EBITDA um 62% auf 75 Mio. Euro. Damit entwickelt sich MBB deutlich besser als zu Jahresbeginn erwartet.
Erhöhung der Jahresprognosen
Noch dem starken zweiten Quartal bei den prägenden Tochtergesellschaften hat auch MBB als Konzernmutter die Latte für die Profitabilität im Gesamtjahr höhergelegt. 2026 sollen bei MBB vom Umsatz nun 18% bis 20% als bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) übrig bleiben statt der zuvor angepeilten operativen Marge von 15% bis 18%.
Für Anleger ist die Margenentwicklung besonders interessant. Denn bei einem Konzern mit mehr als 1 Mrd. Euro Umsatz hat bereits eine Veränderung der EBITDA-Marge um einen Prozentpunkt erhebliche Auswirkungen auf das operative Ergebnis. Wenn MBB tatsächlich dauerhaft eine Marge nahe 20% erreichen kann, würde sich die Ertragskraft gegenüber dem Niveau der vergangenen Jahre nochmals deutlich erhöhen.
Die Gründer haben das Sagen
Die Aktionärsstruktur unterscheidet MBB deutlich von vielen anderen deutschen börsennotierten Unternehmen. Das Grundkapital beträgt 5.436.169 Euro und ist in ebenso viele Stückaktien eingeteilt. Rund 71% befinden sich mittelbar im Eigentum der beiden MBB-Gründer Dr. Christof Nesemeier und Gert-Maria Freimuth beziehungsweise ihrer Familien, vor allem über die MBB Capital Management GmbH. Damit handelt es sich faktisch um ein börsennotiertes Familienunternehmen mit einem erheblichen Streubesitz.
Diese Konstellation hat Vor- und Nachteile. Positiv ist die langfristige Ausrichtung. Die Gründer sind nicht auf kurzfristige Quartalsergebnisse angewiesen und können Entscheidungen mit einem Anlagehorizont von Jahrzehnten treffen. Genau dieser Ansatz ist für eine Beteiligungsgesellschaft besonders wertvoll, weil sich Unternehmensakquisitionen und operative Verbesserungen häufig erst über mehrere Jahre auszahlen.
Zugleich bedeutet der hohe Gründeranteil, dass Minderheitsaktionäre nur begrenzten Einfluss auf strategische Entscheidungen besitzen. Das ist der klassische Trade-off eines familiengeführten Unternehmens: hohe Interessenidentität zwischen Management und Eigentümern auf der einen Seite, geringere Einflussmöglichkeiten des Streubesitzes auf der anderen.
Insidertransaktionen generieren Kaufsignal
Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang eine aktuelle Directors'-Dealings-Transaktion. Am 8. Juli 2026 kaufte die MBB Capital Management GmbH MBB-Aktien im Gesamtvolumen von 753.727 Euro zu einem aggregierten Durchschnittspreis von 167,1976 Euro je Aktie.
Die Transaktion ist insofern bemerkenswert, als es sich nicht um einen kleinen symbolischen Insiderkauf handelt. Fast 0,75 Mio. Euro sind für eine einzelne Directors'-Dealings-Transaktion ein erhebliches Volumen. Die Käufe erfolgten zudem unmittelbar vor der Veröffentlichung der starken Halbjahresentwicklung, wobei die Transaktion selbst am 8. Juli stattfand und am 13. Juli veröffentlicht wurde.
Die Interpretation sollte dennoch differenziert erfolgen. Ein Insiderkauf ist kein Beweis dafür, dass eine Aktie unterbewertet ist. Gerade bei Großaktionären können Käufe Teil einer langfristigen Vermögensstrukturierung oder Kapitalallokation sein. Im Fall von MBB ist allerdings die ohnehin sehr hohe Beteiligung der Gründerfamilien zu berücksichtigen. Der zusätzliche Kauf unterstreicht zumindest die langfristige Kapitalbindung und das wirtschaftliche Interesse der Unternehmensführung am Aktienkurs.
Aktienrückkäufe als wesentlicher Bestandteil der Kapitalallokation
MBB selbst nutzt neben Dividenden regelmäßig Aktienrückkäufe als Instrument der Kapitalallokation. Im Mai 2026 wurde ein weiteres Rückkaufprogramm über 25 Mio. Euro abgeschlossen. Die Gesellschaft hatte das zuvor beschlossene Programm im April entsprechend aufgestockt beziehungsweise verlängert.
Aktienrückkäufe sind bei einer Holding besonders interessant, wenn der Börsenwert deutlich unter dem inneren Wert der Beteiligungen liegt. Kauft MBB eigene Aktien unter ihrem Substanzwert zurück, erhöht sich der Anteil jedes verbleibenden Aktionärs an den zugrunde liegenden Vermögenswerten.
Allerdings ist die Wirkung eines Rückkaufs immer vom Preis abhängig. Ein Rückkauf zu einem hohen Kurs kann Wert vernichten, während ein Rückkauf bei deutlicher Unterbewertung sehr attraktiv sein kann. MBB signalisiert mit seinen Rückkaufprogrammen jedenfalls, dass die Kapitalallokation auf Ebene der Holding eine zentrale Rolle spielt.
Dividendenpolitik: Kontinuität statt maximaler Ausschüttung
MBB verfolgt traditionell eine kontinuierliche Dividendenpolitik. 2026 wurde die Basisdividende auf 1,21 Euro je Aktie erhöht; es war die 16. Erhöhung in Folge.
Die Dividende ist allerdings nicht das Hauptargument für die Aktie, zumal die Dividendenrendite mit knapp unter 0,7% nicht gerade verlockend wirkt. Bei einem Unternehmen wie MBB ist es langfristig wesentlich interessanter, ob die Gesellschaft die einbehaltenen Gewinne mit hohen Renditen reinvestieren kann. Eine Beteiligungsgesellschaft sollte Kapital möglichst dort einsetzen, wo die erwartete Rendite über den Kapitalkosten liegt.
Aus dieser Perspektive ist die Kombination aus moderater Basisdividende, Aktienrückkäufen und erheblicher Liquidität sinnvoll. MBB kann den Aktionären laufend einen Teil des Kapitals zurückgeben und gleichzeitig genügend finanzielle Mittel für neue Akquisitionen vorhalten.
Sum-of-the-Parts-Bewertung
Für die MBB-Aktie ist die klassische Gewinnbewertung nur eingeschränkt aussagekräftig. Sinnvoller ist eine Sum-of-the-Parts-Betrachtung. Dabei werden die börsennotierten Beteiligungen, die nicht börsennotierten Tochtergesellschaften und die Netto-Cash-Position der Holding separat bewertet.
Das führt zu einer interessanten Besonderheit: Der Börsenkurs der MBB-Aktie kann zeitweise deutlich vom rechnerischen Wert der Beteiligungen abweichen. Ein solcher Holding-Abschlag ist nicht ungewöhnlich. Anleger müssen berücksichtigen, dass MBB Kosten auf Holdingebene verursacht, dass nicht alle Beteiligungen börsennotiert sind und dass die Kontrolle über die Tochtergesellschaften einen Wert hat, der sich nicht unmittelbar aus den Börsenkursen ableiten lässt.
Friedrich Vorwerk hat einen Börsenwert von 1,39 Mrd. Euro und MBB hält 44,25% der Anteile. Aumann bringt 180 Mio. Euro auf die Börsenwaage, von denen MBB 49,41% zustehen, also 88,9 Mio. Euro. An Delignit hält MBB 56,11% der Börsenwertung von 24,3 Mio. Euro, also 13,65 Mio.
Diese drei Börsenbeteiligungen stehen also für einen Wert von 717,75 Mio. Euro. Dem steht der eigene Börsenwert der MBB SE von 680 Mio. Euro gegenüber. Also bekommt man die MBB-Aktie zu einem niedrigeren Preis als ihr Anteil an den drei börsennotierten Töchtern wert ist.
Das ist aber längst nicht alles. MBB hat noch drei zwei weitere Töchter, die Hanke Tissus, die CT Formpolster und natürlich DTS, die MBB-Aktionäre quasi kostenlos on top "geschenkt" bekommen. Und dann verfügt die MBB auf Holdingebene noch über knapp 432 Mio. Euro Netto Cash, die man also von ihrem Börsenwert abziehen kann. Man bezahlt also 250 Mio. Euro für ein Unternehmen, das über 715 Mio. Euro wert ist – zuzüglich der drei nicht börsennotierten Töchter, von denen DTS am wertvollsten ist und immer wieder auch als IPO-Kandidat gehandelt wird.
Kalkuliert man also mit einem Gesamtwert von 850 Mio. Euro für MBB ergäbe sich bei 3,6 Mio. Aktien ein rechnerischer Wert von rund 210 Euro, also ein Abschlag von rund 12 %.
Bullcase vs. Bearcase
Die größte operative Wachstumschance liegt derzeit im Bereich der Energieinfrastruktur, also bei Friedrich Vorwerk. Europa benötigt massive Investitionen in Stromnetze, Gasinfrastruktur und perspektivisch Wasserstoffnetze. Der Ausbau erneuerbarer Energien erhöht den Bedarf an Netzen, weil Erzeugung und Verbrauch geografisch auseinanderfallen.
Friedrich Vorwerk kann von diesen Investitionen auf mehreren Ebenen profitieren. Der Ausbau des Stromnetzes, der Anschluss von Windparks, der Bau neuer Leitungen und die Entwicklung von Wasserstoffinfrastruktur schaffen langfristige Auftragsmöglichkeiten.
Aumann eröffnet MBB Zugang zu einem weiteren strukturellen Megatrend. Die Elektrifizierung des Verkehrs und die Automatisierung industrieller Fertigung erfordern neue Produktionsanlagen. Selbst wenn sich das Wachstum bei Elektrofahrzeugen kurzfristig verlangsamt, bleiben die langfristigen Investitionen in Automatisierung und Effizienz bestehen.
Hinzu kommt der Fachkräftemangel. Unternehmen können fehlende Arbeitskräfte teilweise durch Automatisierung kompensieren. Das erhöht den wirtschaftlichen Nutzen von Robotik, Spezialmaschinen und automatisierten Fertigungslinien.
Aumann besitzt damit eine interessante Kombination aus zyklischem Maschinenbau und strukturellem Automatisierungstrend.
DTS ist wiederum interessant, weil Cybersecurity zu den Märkten gehört, in denen der Investitionsbedarf strukturell steigt. Die Digitalisierung nimmt zu, gleichzeitig werden IT-Systeme immer stärker zum Angriffsziel.
Für Unternehmen ist IT-Sicherheit inzwischen kein optionales Technologieprojekt mehr. Sie ist Bestandteil des operativen Risikomanagements und teilweise regulatorisch vorgeschrieben. Dadurch kann DTS von einem langfristig wachsenden Markt profitieren, der weniger stark von klassischen Konjunkturzyklen abhängt.
Eine weitere große Chance liegt in der Akquisitionsstrategie. MBB besitzt durch seine Bilanzstärke die Möglichkeit, neue Unternehmen zu übernehmen. Die Gesellschaft sucht dabei gezielt nach mittelständischen Unternehmen mit Technologie- und Ingenieurskompetenz. Der deutsche Mittelstand bietet dafür ein großes Reservoir. Viele Familienunternehmen stehen in den kommenden Jahren vor Nachfolgeproblemen. Für MBB kann dies eine attraktive Quelle für Akquisitionen sein. Allerdings… liegt der letzte große Zukauf von MBB schon viele Jahre zurück, als man 2019 Friedrich Vorwerk übernahm. MBB kauft nur dann Unternehmen zu, wenn deren operative Entwicklung einen deutlichen Wertzuwachs ermöglicht und gleichzeitig der Kaufpreis sehr niedrig ist. Angesichts der Geldschwemme im Bereich Private Equity kommt MBB daher selten zum Zug, aber wenn, dann hat es sich für die Aktionäre bisher spektakulär ausgezahlt.
In den letzten 14 Jahren hat MBB aus Kurszuwächsen und Dividendenausschüttungen eine jährliche Aktionärsrendite von 23,3% erzielt. Und damit deutlich mehr als selbst Starinvestor Warren Buffett!
Das größte Risiko steht der größten Chance gegenüber: Die hohe Abhängigkeit von Friedrich Vorwerk. Denn Friedrich Vorwerk hat innerhalb des Konzerns inzwischen eine dominante Größe und damit eine enorme Bedeutung erlangt. Daher ist MBB trotz seiner sechs Tochterunternehmen nicht vollständig diversifiziert.
Der wesentliche Teil des operativen Wachstums hängt inzwischen an Energieinfrastruktur und damit an regulatorischen Entscheidungen, öffentlichen Investitionsprogrammen, Projektvergaben und der Fähigkeit von Friedrich Vorwerk, Großprojekte profitabel abzuwickeln.
Bei großen Infrastrukturprojekten besteht zudem das Risiko von Kostenüberschreitungen, Verzögerungen und Festpreisrisiken. Ein Auftrag kann auf Umsatzbasis sehr attraktiv aussehen und trotzdem aufgrund von Projektproblemen deutlich weniger profitabel sein.
Darüber hinaus bestehen zyklische Risiken bei Aumann und Delignit, die stark von der kriselnden Automobilbranche abhängen. Diese Risiken sind für MBB allerdings weniger problematisch als bei einem klassischen Ein-Produkt-Unternehmen, weil die übrigen Beteiligungen teilweise gegenläufige Konjunkturprofile aufweisen.
Mein Fazit: Eine Beteiligungsgesellschaft mit ungewöhnlicher Qualität
MBB SE ist eine der interessanteren deutschen Beteiligungsgesellschaften für Anleger, die langfristiges Wachstum mit einer starken Bilanz kombinieren möchten. Die Gesellschaft besitzt sechs operative Standbeine, wobei Friedrich Vorwerk, Aumann und DTS die strategisch interessantesten Wachstumstreiber darstellen. Friedrich Vorwerk profitiert vom Ausbau der Energieinfrastruktur, Aumann von Elektrifizierung und Automatisierung und DTS von der zunehmenden Bedeutung von Cybersecurity.
Gleichzeitig sorgt das Portfolio aus Delignit, Hanke Tissue und CT Formpolster für zusätzliche Diversifikation. Die Tochtergesellschaften unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Konjunkturabhängigkeit, Technologieintensität und Kapitalbindung deutlich voneinander. Das macht MBB zu einem komplexen, aber interessant diversifizierten Beteiligungsmodell.
Besonders überzeugend ist die finanzielle Ausgangslage. MBB verfügt über hohe Liquiditätsreserven, ist auf Konzernebene langfristig finanzschuldenfrei aufgestellt und kann dadurch Akquisitionen aus eigener Kraft finanzieren. Die starke Bilanz ermöglicht zudem Aktienrückkäufe und eine kontinuierliche Dividendenpolitik.
Für langfristig orientierte Anleger ist MBB interessant, weil die Gesellschaft mehrere attraktive Eigenschaften miteinander verbindet: ein unternehmerisch geprägtes Management, hohe Insiderbeteiligung, eine starke Bilanz, strukturelle Wachstumsmärkte und eine nachgewiesene Fähigkeit, mittelständische Unternehmen zu entwickeln.
Ob daraus auch künftig eine überdurchschnittliche Aktienrendite entsteht, hängt letztlich davon ab, ob MBB weiterhin zu attraktiven Preisen einkaufen und das operative Wachstum seiner Beteiligungen fortsetzen kann. MBB operiert dies bezüglich eindeutig nach dem Motto: in der Ruhe liegt die Kraft. Bisher sind die geduldigen MBB-Aktionäre dabei voll auf ihre Kosten gekommen. Und die jüngsten massiven Insiderkäufe deuten darauf hin, dass die MBB-Mehrheitsaktionäre auch für die Zukunft ähnlich gute Perspektiven sehen.
Die 4 wichtigsten Dinge, die man über MBB wissen muss
- MBB ist keine klassische Private-Equity-Gesellschaft, sondern eine langfristig orientierte, familiengeführte Beteiligungsholding, die mittelständische Technologieunternehmen kauft, entwickelt und langfristig hält.
- Friedrich Vorwerk ist inzwischen der wichtigste Wachstumstreiber, während Aumann mit Elektromobilität und Automatisierung, DTS mit Cybersecurity sowie Delignit, Hanke Tissue
und CT Formpolsterweitere Geschäftsfelder abdecken. - Die Investmentstory wird derzeit durch Rekordzahlen, eine starke Bilanz und strukturelle Wachstumstrends getragen und nach dem starken zweiten Quartal 2026 wurde die Margenprognose auf 18% bis 20% angehoben.
- Die Gründer Dr. Christof Nesemeier und Gert-Maria Freimuth kontrollieren mittelbar rund 71% der Aktien, und im Juli 2026 kaufte die mit Nesemeier verbundene MBB Capital Management GmbH MBB-Aktien für rund 754.000 Euro.
Disclaimer: Habe Delignit, Friedrich Vorwerk, MBB auf der Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

Lieber Michael,
AntwortenLöschenwie immer ein sehr interessanter Artikel. Diesmal möchte ich allerdings auf einige Punkte hinweisen, die – unter anderem aufgrund des heute veröffentlichten Halbjahresberichts – nicht mehr aktuell sind.
MBB hat im ersten Halbjahr 756.190 Friedrich-Vorwerk-Aktien und 1.335.354 Aumann-Aktien verkauft. Dadurch verringerte sich der Anteil an Friedrich Vorwerk zum 30. Juni 2026 auf 40,48 % und an Aumann auf 37,47 %. Gleichzeitig stieg durch die Verkaufserlöse der Cashbestand. Die früheren Beteiligungsquoten mit dem neuen Cashbestand zu kombinieren, führt daher zu einer teilweisen Doppelzählung: Man berücksichtigt sowohl die verkauften Aktien als auch deren Verkaufserlös.
Im Juli gab MBB außerdem 293.693 weitere Aumann-Aktien zu 17,80 € in das Rückkaufangebot von Aumann. Das brachte rund 5,23 Mio. € zusätzliches Cash und reduzierte den Beteiligungswert entsprechend. Für den gesamten NAV ist der Effekt allerdings gering.
Auch die verwendete Aktienzahl scheint nicht zu stimmen: MBB verfügt über 5.436.169 ausgegebene Aktien. Abzüglich der 235.642 eigenen Aktien waren zum 30. Juni rund 5,201 Mio. Aktien im Umlauf. (https://www.mbb.com/ir/aktie.html?utm_source=chatgpt.com) Die genannten 3,6 Mio. Aktien sind daher keine geeignete Grundlage für die Berechnung des NAV je Aktie.
Bei einem Kurs von 181,40 € beträgt die ökonomische Marktkapitalisierung somit ungefähr:
5,200527 Mio. Aktien × 181,40 € = 943,4 Mio. €
Die 431,9 Mio. € Netto-Cash auf Ebene der MBB SE stimmen zum 30. Juni 2026. Darin enthalten sind allerdings neben Bankguthaben auch Wertpapiere und physisches Gold. Der Anstieg resultierte zudem ausdrücklich auch aus 104,5 Mio. € Erlösen aus den Beteiligungsverkäufen.
Rechnet man mit den aktuellen Beteiligungsstückzahlen und den Börsenkursen vom 13. August 2026 weiter, entfallen auf MBB rund 540,8 Mio. € Vorwerk-Wert, 64,6 Mio. € Aumann-Wert und 14,3 Mio. € Delignit-Wert. Zusammen sind die drei börsennotierten Beteiligungen damit rund 619,7 Mio. € wert. Addiert man die pro forma auf etwa 437,1 Mio. € gestiegene Netto-Cash-Position der MBB SE, ergibt sich ein Hard NAV von rund 1,057 Mrd. € beziehungsweise 203,21 € je ausstehender MBB-Aktie. DTS und Hanke Tissus sind darin noch nicht bewertet. Der Verkauf von CT Formpolster bleibt mangels veröffentlichten Kaufpreises ebenfalls unberücksichtigt.Ihnen stehen allerdings die laufenden Holdingkosten, mögliche Steuer- und Transaktionsbelastungen sowie ein Abschlag für Kapitalallokations- und Governance-Risiken gegenüber.
Die grundsätzliche SOTP-These bleibt damit meines Erachtens durchaus interessant. Beim aktuellen Kurs beträgt der Abschlag gegenüber dem Hard NAV bereits ungefähr 10 - 12 %. Ob der faire Wert deutlich darüber liegt, hängt jedoch vor allem davon ab, welchen Wert man DTS beimisst.
Quelle: MBB-Halbjahresbericht H1 2026, insbesondere S. 5–7 und 21.
Moin Konstantin,
Löschendanke für deine Ergänzungen. Mein Artikel ist einige Tage alt und hat konnte daher nicht die neusten Entwicklungen der letzten Tage aufgreifen. Neben MBB haben ja auch die börsennotierten Unternehmen berichtet und dabei einige neue und interessante Einblicke über die teilweise vorab publizierten Zahlen hinaus veröffentlicht.
Insbesondere zu den Beteiligungsverhältnissen ergeben sich hier ja durchaus Unterschiede zu den "neulich" noch auf den Websites der Unternehmen und/oder von MBB publizierten Anteilen und damit bei der Wertermittlung der MBB-Aktie.
Der SOTP-Abschlag sollte aber niemals der alleinige Grund für ein Investment in MBB-Aktien sein. Denn der Abschlag ist bei Beteiligungsgesellschaften/Holdings im Allgemeinen üblich und bei MBB im Speziellen schon seit Jahren ebenfalls. NAV-Aufschläge kommen nur in besonderen Situationen vor, wie z.B. bei Berkshire Hathaway, wo dies unter Buffetts Führung üblich war und auch unter seinem Nachfolger Greg Abel mit dem Faktor 1,4 fortgesetzt wird.
Für MBB ist und bleibt die entscheidende Stellschraube Friedrich Vorwerk. Als es dort Anfang 2023 zu Problemen kam wegen der deutlichen Margeneinbrüche, sackte dort der Kurs massiv ab und auch die MBB-Aktie tauchte ab. Diese Hebelwirkung wird weiter bestehen, solange MBB nicht einen oder mehrere größere Zukäufe tätigt, um das Beteiligungsportfolio zu diversifizieren. Aber auf Zukäufe warten die MBB-Anhänger ja schon seit Jahren, darauf würde ich also nicht unbedingt wetten wollen...