Donnerstag, 12. März 2020

Was ist... Bottom-Fishing?

Bottom-Fishing ("den Grund abfischen") ist eine Auswahlmethode für Wertpapiere, bei der besonders stark abgestürzte Wertpapiere auf die Anzeichen einer Bodenbildung hin abgeklopft werden, um dann einzusteigen und den erwarteten Wiederanstieg mitzunehmen.

Das Bottom-Fishing basiert auf der Annahme, dass die Kurserholung der wirtschaftlichen Erholung des zugrunde liegenden Unternehmens vorangeht und sich deshalb am Boden günstige Einstiegschancen finden. Wann der Boden wirklich erreicht wurde, lässt sich dabei immer erst in der Rückschau erkennen.

Der alten Börsenweisheit "greife nie in ein fallendes Messer" kann hierbei insofern Rechnung getragen werden, als dass man nicht in den Kursabsturz hinein kauft, sondern erst dann, nachdem sich der Kursverlauf abgeflacht hat und in eine Seitwärtsbewegung übergegangen ist (einen Boden ausgebildet hat).
»Der Tiefstpunkt ist an dem Tag erreicht, bevor der Kurs anfängt zu steigen. Aber woher weiß man das? Der Tiefstpunkt ist nur im Nachhinein zu erkennen. Man weiß, wann man ganz unten ist; aber man habt möglicherweise das Gefühl, dass etwas billig ist, und wenn es billig ist, sollten man es kaufen. Wenn es noch weiter sinkt, dann das war nicht der Tiefstpunkt, dann kauft man etwas mehr und behält die Nerven.«
(Howard Stanley Marks)
Star-Investor Howard Marks hält nicht wirklich viel von Bottom-Fishing, sondern setzt lieber auf günstige Einstiegskurse. Und die finden sich nicht nur am tiefsten Punkt, sondern immer dann, wenn der Wert eines Assets über dem seines Preises liegt - Value Investing basiert genau auf diesem Prinzip.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    wie reagierst du momentan auf die Kursverluste an der Börse ? Macht ein Wertpapierkredit Sinn, wenn man ansonsten voll investiert ist? Es ist sehr ruhig hier im Blog, alle sind irgendwie in Schockstarre. Ich bin hin - und hergerissen in Qualitätsaktien bzw. ausgebombte Dividendenaktien ( Telekommunikation, Energie,Tabak etc. ) zu investieren.

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    1. Moin Dirk,
      ich habe in meiner Rubrik "Kissigs Kunstfehler" einen ausführlichen Artikel zum Thema Spekulieren auf Kredit verfasst, der meine Erfahrungen wiedergibt. Kannste unter Ein Margin Call? Das ist ja wohl das allerletzte... Warnsignal! nachlesen.

      Gerade bei diesem Thema Benjamin Grahams Rat befolgen und zuerst und ganz besonders an die Risiken zu denken und erst dann an die möglichen Chancen!

      Klar, nach 25% Markteinbruch schreien einem viele Aktien geradezu "billig" entgegen. Was aber nicht bedeutet, dass der Markt nicht noch weitere 25% fallen kann. Ein Bonmot zu Kursabstürzen ist: "Was ist eine Aktie, deren Kurs um 95% gefallen ist? Eine Aktie, deren Kurs sich halbiert hat, nachdem er bereits um 90% gefallen war".

      Ein Wertpapierkredit ist deshalb ein so großes Risiko, weil er mit den gekauften Wertpapieren besichert wird. Sagen wir mal zu 60%. Brechen die Kurse dann massiv ein, so wie aktuell, dann biste schnell an dieser "magischen Grenze", wo die Bank dann frisches Geld von Dir möchte oder Du gezwungen wirst, die Aktien zu verkaufen, um den Kredit abzuzahlen. Mir ist das so passiert, ich weiß also, wovon ich rede. Und zwar in genau so einer Situation wie aktuell, als die Kurse von Panik gemacht wurden und nicht abzusehen war, wann wieder Vernunft einkehrt. Deine Hoffnung ist ja, dass der Markt sich von jetzigen Niveau aus weider erholt und Du dann durch den Hebel des Kredits schneller wieder im grünen Bereich landest. Super Idee! Aber wenn der Markt nicht dreht und weiter abstürzt, dann wirkt der Hebel in die andere Richtung. Und kann im Extremfall sehr großen Schaden anrichten. In so emotionalen und volatilen Zeiten einen Wertpapierkredit einzusetzen, halte ich daher für sehr riskant.

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  2. Hallo zusammen,

    ruhig hier: ist mir auch aufgefallen :)

    mich würde die aktuelle Strategie/Vorgehensweise/Fahrplan von Michael auch sehr interessieren. Ein Einblick in dein operatives Tagesgeschäft während dieser Krise wäre ebenfalls sehr interessant.

    Ich bin ebenfalls investiert und mich trifft es auch hart. Aber ich treibe aktuell allen cash zusammen um nach und nach zuzukaufen. Mein Fokus liegt ebenfalls auf Michaels TOP 2020 Werte sowie einige Energiewerte, Versicherung (Allianz) sowie Aurelius, die auch massiv leiden.

    Beste Grüße
    Joe

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    1. Joe, ich hatte etwas Geld frei, weil ich zu Beginn des Abrutschens meine Favoriten und Corona-resistentesten werte aufstocken wollte zugunsten der Werte, die stärker unter der Krise und ihren Folgen leiden werden. Angesichts des panikartigen Abverkaufs habe ich dann aber nicht sofort alles investiert, so dass ich erst tiefer angefangen habe, aufzustocken. Allerdings weiterhin deutlich höher als zu aktuellen Kursen. Ich habe nun bei einigen Werten Abstauberlimits im Markt, von denen sogar schon zwei bedient wurden gestern, drei liegen noch im Markt (ich habe die Limits allerdings einmal deutlich nach unten angepasst, als der Ausverkauf an Fahrt aufnahm). Da für die Orders ja entsprechendes Cash auf dem Konto vorgehalten werden muss, falls sie ausgelöst werden, habe ich also defacto momentan eine überschaubare Cash-Quote. Aber nicht aus Berechnung oder strategisch.

      Grundsätzlich ist es natürlich so, dass man als voll investierter Langfristinvestor in solchen turbulenten Börsenphasen zunächst mal wie ein Idiot dasteht. Kurszfrstig scheinen alle anderen cleverer zu sein, die ihre Aktien auf den markt schmeißen und geringere Verluste erleiden. Aber da die Börsen sich wieder erholen und die meisten dann nicht (wieder) investiert sind, weil die dem Braten nicht trauen, verpassen sie dann auch die Kurserholung - und auf lange Sicht schneiden die Langfristanleger besser ab. Das ist wie bei neuen Ideen, die klingen auch erstmal dämlich - bis sie sich durchgesetzt haben... ;-)

      P.S.: Wenn Du mein Blog schon länger verfolgst, weißte bestimmt, was ich von Lebensversicherungen (als Investments) halte. Und im Energiesektor würde ich auch nicht gegen die sich immer deutlicher abzeichnenden Trend investieren wollen. Daher habe ich mich zuletzt bei Energiekontor eingekauft (und zuvor ja bereits bei PNE).

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    2. Hi Michael,

      ich verfolge deinen Blog aktiv seit ca 1,5 Jahren und lese nahezu alle Beiträge. Bis gestern als stiller Leser. Was dich und deine Beiträge für mich ausmacht ist einerseits deine unkomplizierte Art dich auszudrücken. Liest sich alles sehr gut :) Vor allem aber wirst du nicht fürs Beiträge schreiben bezahlt sondern wirst durch kluge Investment Entscheidungen belohnt, die du hier mit uns teilst. Danke dafür!!

      Ich habe btw heute in einer ersten Tranche einige ausgebombte Werte nachgekauft (Shell - ja ich kenne deine Meinung :) - Aurelius und TUI) zudem habe ich eine erste Position bei Mastercard aufgebaut.

      In 14 Tagen erwarte ich einen weiteren MittelZufluss aus einem BSV, die dann vollständig in die von dir empfohlenen top Werte 2020 fließen werden.

      Mit dem Investment in eine Versicherungs(Gesellschaft) meinte ich die Allianz Aktie, nicht eine Lebensversicherung bei der Allianz.

      Beste Grüße Joe

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    3. Vielen Dank für das freundliche Lob, Joe.

      Bei Aurelius drückt momentan zusätzlich, dass der/die Leerverkäufer ihre Quoten hoch fahren. Daher leidet der Kurs überproportional. Was sich auf lange Sicht natürlich als besonders lukrative Einstiegsmöglichkeit entpuppen könnte, aber das weiß man natürlich sicher erst in der Rückschau.

      Bei den Reiseunternehmen habe ich so meine Zweifel, dass die sich schnell wieder erholen, aber in der Branche bin ich nun wahrlich kein Experte (alleine aus diesem Grund investiere ich dort schon nicht).

      Bei Deinem Hinweis zu Lebensversicherungen musste ich schmunzeln. Mir war schon klar, dass Du Versicherungsunternehmen bzw. -aktien meintest und nicht eine Kapital-Lebensversicherungspolice. Wobei eine Risiko-Lebensversicherung jetzt wohl keine so schlechte Idee wäre für Leute, die eine Familie abzusichern und womöglich auch noch hohe Kreditverpflichtungen haben (z.B. für Wohnung, Haus, Auto). Unter dem Label "Lebensversicherung" findest Du eine Reihe von kritischen Artikeln zu der Branche und Versicherungsunternehmen. Dabei ist strikt zu unterscheiden zwischen "normalen" Anlegern, die nur die Aktien kaufen, und Mehrheitseigentümern, die Zugriff auf den Float (die Versicherungsprämien) haben, wie Buffett bei Berkshire Hathaway oder Fairfax Financial oder Markel Corp. oder Alleghany. Meine kritische Haltung zielt vor allem auf die deutschen Lebensversicherungskonzerne und ihre Produkte ab. Und damit natürlich auch auf die Allianz.

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  3. der Versuch den "niedrigsten Kurs" zu finden, ist das was viele vom investieren in diesen Zeiten abhält, es könnte ja noch tiefer gehen usw.
    genau diese Leute sind es dann die dann in ein paar Jahren sagen, "ach hätt' ich doch..."
    oder "..was für eine verpasste Chance damals.."
    Ich denke dieses Verhalten liegt in der menschlichen Natur und man muss sich zwingen diesen Gedanken des "bottom fishings" zu vermeiden.

    Das Thema wurde in ähnlicher Form bereits hier im Blog thematisiert, glaube ich..

    VG
    JB

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    1. Ja muss noch förmlich zwingen die Schleusen zu öffnen. Bisher tröpfelt es nur. Die Krise wird aber erst noch tiefer, gerade sperrt Deutschland zu. Wenn in USA Läden zu machen wird es billig... Aber wohl nur wenn...

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