Dienstag, 22. Dezember 2015

Beteiligungsgesellschaften: die Perlentaucher des deutschen Mittelstands

Ziemlich genau drei Jahre ist es her, dass ich hier darüber schrieb, welche Potenziale deutsche Beteiligungsgesellschaften bergen. Zeit für ein Resümee und eine Überarbeitung.

Anlass war seinerzeit, dass der mir persönliche bekannte damalige DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann eine Studie seines Hauses vorgelegt hatte, wonach 56 Prozent der Existenzgründer Schwierigkeiten hätten, die Finanzierung einer Betriebsübernahme zu stemmen. Das hat(te) insofern besorgniserregende Auswirkungen, als dass auch heute noch 40.000 deutsche Unternehmen auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger sind, der das Unternehmen fortzuführen bereit ist.

Und ironischerweise betraf dies kürzlich auch das Elmshorner Unternehmen Kölln-Flocken, deren Geschicke Hans Heinrich Driftmann Jahrzehnte lang als Geschäftsführender Gesellschafter gelenkt hat und nun an die Spitze des Aufsichtsrates wechselt*). Auch die Kölln-Werke, bekannt für ihre hervorragenden Frühstücksmüslis, Livio- und Mazola-Öl, haben sich mit dem ehemaligen schleswig-holsteinischen Umwelt- und Landwirtschaftsminister Dr. Christian von Boetticher nun erstmals einen externen Manager ins Boot holen müssen. Allerdings bleibt die Familie Kölln/Driftmann Eigentümer des Unternehmens.

Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und stellt rund 90 Prozent aller Arbeitsplätze, weshalb ungesicherte Unternehmensnachfolgen nicht nur für den jeweiligen Betrieb alleine ein Problem darstellen, sondern auch für die Mitarbeiter und unsere Volkswirtschaft als Ganzes.

Doch was des einen Leid, ist des anderen Freud oder hier eher die Chance. Denn für Beteiligungsunternehmen ist es eine große Chance, ein schier unendlicher Markt, um ihre Aktivitäten zu entfalten. Das hat auch Warren Buffett erkannt, als er mit seiner Beteiligungsholding Berkshire Hathaway Anfang des Jahres für 400 Mio. USD den Hamburger Produzenten für Motorradzubehör Detlev Louis übernahm. Die Summe ist für Buffetts Verhältnisse eher bescheiden, kauft er doch gerade für 37 Mrd. USD den Luftfahrtzulieferer Precision Castparts. Doch der Louis-Deal stellt für ihn eine Art Türöffner dar: "Wir haben den Code für Deutschland geknackt", sagte er.

Nun, Buffett kommt nach Deutschland, um sich hier nach interessanten Übernahmemöglichkeiten umzusehen. Und viele deutsche Unternehmen sind schon da und ebenfalls auf der Suche nach den schönsten Perlen des deutschen Mittelstands. Die sind zumeist nicht billig zu haben, sondern erfordern heutzutage erhebliche Anstrengungen, um mit ihnen einen Mehrwert zu erzielen. Vor einigen Jahren reichte es noch aus, ein Unternehmen zu kaufen und auf einen allgemeinen Aufschwung des Marktes zu setzen, um mit Profit wieder aussteigen zu können. Doch heute sind die Anforderungen gewachsen und nicht selten müssen die Beteiligungsgesellschaften ihre neuen Töchter erst noch aufwändig hochpäppeln, um ihre Potenziale zu bergen. Durch Add-on-Käufe, durch Sanierungen und Umstrukturierungen. Das nimmt Zeit und Geld in Anspruch und nicht immer führen die Anstrengungen zum gewünschten Ergebnis: dem gewinnträchtigen Verkauf. Daher reicht es auch für Anleger nicht (mehr), einfach irgendeine der vielen an deutschen Börsen notierten Beteiligungsgesellschaften zu kaufen, sondern er muss schon die richtigen erwischen, um selbst an den großen Chancen dieser Branche teilhaben zu können. Wir schauen uns daher mal eine Reihe von möglichen Kandidaten kurz an. Dabei lassen wir Frühphasenentwickler ("Venture Capital") wie die mic AG und reine Investmentgesellschaften, die in Aktien börsennotierten Unternehmen investieren, wie die Allerthal-Werke AG, die Scherzer & Co. AG oder die Shareholder Value Beteiligungen AG außen vor.


Aurelius
 Aurelius (Quelle: comdirect.de) 
Aurelius ist einer der erfolgreichsten Finanzinvestoren, denn man hat seit der Gründung der Gesellschaft im Jahr 2006 das eingesetzte Kapital im Schnitt bei jedem Deal verneunfacht. Inzwischen weist Aurelius eine Marktkapitalisierung von 1,5 Milliarden EUR auf und hat jüngst bei drei Übernahmen insgesamt über 1 Milliarden EUR an Umsatz hinzugekauft, so dass man dank der insgesamt 10 Zukäufe in 2015 nun auf einen annualisierten Konzernumsatz von über 3 Milliarden EUR kommt. Das mittelfristige Umsatzziel liegt sogar bei 5 Mrd. EUR. Dieses starke Wachstum wird auch über Kapitalerhöhungen finanziert und nachdem im Juli 2013 noch 10 Prozent über eine Barkapitalerhöhung hinzukamen, waren es im November weitere 166 Millionen in Form einer Wandelschuldverschreibung - verzinst mit läppischen 1 Prozent pro Jahr. Die Umsetzung benötigte nur wenige Stunden, dann war die Anleihe platziert, und der Aktienkurs notiert inzwischen mehr als 15 Prozent über den Kursen bei Ankündigung der Maßnahme. Alles zusammen ein mehr als deutliches Anzeichen, dass Investoren und Aktionäre von Aurelius begeistert sind und an eine Fortsetzung des Erfolgskurses glauben. Darüber hinaus steuert Aurelius auf ein weiteres Rekordergebnis zu und wird 2015 ein Gesamt-EBITDA von über 220 Mio. EUR erzielen. Dazu haben auch die jüngst erfolgten Verkäufe aller 4 restlichen eigenen Hotel-Liegenschaften beigetragen, die jeweils signifikante zweistellige Millionen-Gewinne einbrachten. Folglich steuert Aurelius auf das nächste Rekordergebnis zu und die Deal-Pipeline des Dr. Markus ist weiterhin prall gefüllt, sowohl auf der Kauf- wie auch auf der Verkaufsseite. Die Aktie bleibt für mich auch nach rund 350% Wertzuwachs seit meiner Erstempfehlung der aussichtsreichste Wert im deutschen - bzw. inzwischen sogar europäischen - Beteiligungssektor.

Marktkap.AktienkursEPS 2015eEPS 2016eKGV 2016eDiv. 2015eDiv.-Rendite
1,49 Mrd. €47,00 €4,01 €3,05 €15,41,7 €3,60 %


Bavaria Industries
 Bavaria Industries (Quelle: comdirect.de) 
Bavaria Industries ist eine börsennotierte Industrieholding, die mittelständischen Unternehmen übernimmt, wenn man bei diesen erhebliches Optimierungspotenzial ausgemacht hat. Oftmals handelt es sich hierbei um Restrukturierungsfälle, auch im europäischen Ausland. Die Bilanz von Bavaria sieht sehr konservativ aus und weist nur die Beteiligungen auf, die auch operativ zum Konzern beitragen. Was noch nicht mindestens ein Jahr im Konzern ist oder was Verluste schreibt, taucht nicht auf, so dass im Fall einer Veräußerung einer Beteiligung ein sehr großer Einmalertrag auf die Aktionäre wartet. Auffällig ist, dass der Halbjahresbericht per 30. Juni einen Finanzmittelbestand von rund 127 Mio. EUR aufwies. Da man nicht selten angeschlagene Unternehmen übernimmt, hält sich der Kapitaleinsatz allerdings auch in Grenzen. Andererseits ist das Ausfallrisiko deutlich höher als bei Unternehmen, die sich an prosperierenden Unternehmen beteiligen. Diesen höheren Risiken stehen auch höhere Chancen gegenüber und Bavarias Ziel ist es, ein Beteiligungsportfolio von etwa 10 Unternehmen aufzubauen. Also eigentlich alles sehr reizvoll für Value-Anleger, wenn da nicht der geringe Freefloat wäre. Denn es stehen nur noch knapp 10 Prozent der Bavaria-Aktien zur Verfügung, der Rest befindet sich in fester Hand (überwiegend in der des Gründers und Vorstandschefs Reimar Scholz). Und Bavaria selbst kauft auch noch eigene Aktien zurück, so dass die Handelbarkeit der Aktie stark eingeschränkt ist, trotz der an sich nicht geringen Börsenkapitalisierung von 250 Mio. EUR. Man sollte daher das latente Risiko eines "kalten Delistings" nicht unterschätzen, denn Aktionäre genießen bei Bavaria nicht unbedingt hohes Ansehen und werden kaum mit der sonst üblichen Kapitalmarktkommunikation bedacht. Bavaria konnte seit dem Börsengang 2006 das Eigenkapital um durchschnittliche 20 Prozent pro Jahr steigern und wird vom Vorstand wie eine eigene private Vermögensverwaltung geführt. Der Vorstand hat gut 90 Prozent seines eigenen Vermögens in der Bavaria konzentriert und daher großes Interesse daran, den Wert der Bavaria weiter zu steigern. Für langfristig orientierte Anleger mit dickem Fell und guten Nerven, die darüber hinaus mit wenig Informationen seitens des Unternehmens auskommen, bietet sich bei diesem marktengen Wert eine interessante Beteiligungsmöglichkeit.

Marktkap.AktienkursEPS 2015eEPS 2016eKGV 2016eDiv. 2015eDiv.-Rendite
253 Mio. €45,00 €1,20 €1,50 €29,70,00 €0,00 %


Blue Cap
 Blue Cap (Quelle: comdirect.de) 
Die Beteiligungsgesellschaft Blue Cap investiert überwiegend in süddeutsche mittelständische Nischenunternehmen und konzentriert sich dabei auf operativ tätige technologiegetriebene Gesellschaften mit bestehendem profitablem Kerngeschäft, die sich in Umbruch- oder Sondersituationen befinden. Im Klartext investiert man in sanierungsbedürftige oder insolvente Unternehmen, Konzernausgliederungen und in Gesellschaften mit ungelöster Unternehmensnachfolge. Die Tochterunternehmen werden eigenständig und unternehmerisch geführt und das Portfolio enthält die INHECO Industrial Heating and Cooling GmbH (Laborzulieferer), WISAP Medical Technology (Medizintechnik), Planatol Wetzel / Planatol System (Klebstoffe), Biolink (Klebstoffe), Gämmerler (Maschinenbau), SMB David (Maschinenbau), em-tec (Medizintechnik) und Nokra (Spezialmaschinenbau). Dabei wurden die beiden letzten Zukäufe em-tec und Nokra aus Sondersituationen heraus gekauft und bieten einiges an Potenzial, wenn die sich abzeichnende Umstrukturierung nachhaltig Erfolge zeigen sollte. Bei der Tochter Gämmerler entstanden in diesem Jahr durch die Aufgabe eines Produktionsstandortes hohe Einmalkosten, die künftig das Ergebnis nicht mehr belasten werden. Im Gegenteil, hier sind positive Effekte zu erwarten. Der optisch hohen Verschuldung von rund 25 Mio. EUR stehen eigene Immobilien im Wert von 17 Mio. EUR gegenüber, so dass man sich deswegen nicht gleich graue Haare wachsen lassen sollte. Das Geschäftsmodell von Blue Cap ist nicht ganz risikolos, aber wenn die Neupositionierung der günstig erworbenen Töchter gelingt, winken hohe Gewinne, denn Blue Cap bilanziert, wie Bavaria auch, strikt nach HGB. Und das bedeutet, dass die neu erworbenen Unternehmen zumeist mit ihrem geringen Anschaffungspreis in den Büchern stehen und sich bei ihrer unternehmerischen Gesundung so hohe stille Reserven in der Blue Cap-Bilanz aufbauen. Für risikobewusste Anleger stellt die Aktie daher eine interessante Depotbeimischung dar.

Marktkap.AktienkursEPS 2015eEPS 2016eKGV 2016eDiv. 2015eDiv.-Rendite
23,3 Mio. €5,85 €0,56 €0,60 €9,70,00 €0,00 %


Deutsche Beteiligung (DBAG)
 DBAG (Quelle: comdirect.de) 
Die DBAG ist eine der ältesten deutschen Beteiligungsgesellschaften, bei der mit knapp 20 Prozent die Drogeriefamilie Rossmann mit an Bord ist. Das SDAX-Mitglied ist weniger auf Sanierung und Exit seiner Töchter aus, sondern mehr auf Bestandsauf- und ausbau. Daneben hat man vor einigen Jahren Beteiligungsfonds aufgelegt (ganz klassisch wie auch US-Finanzinvestoren das ihrer Klientel anbieten), in die Investoren Geld einbringen können, ohne sich direkt an der DBAG AG beteiligen zu müssen. Die DBAG übernimmt an diesen Fonds auch selbst Anteile bzw. tritt bei Investment der Fonds als Co-Investor auf. Zusätzlich erhält sie von den Fonds noch Management Fees. 2014 war ein Ausnahmejahr durch den Verkauf der mit Abstand größten Beteiligung Homag AG und des daraus resultierenden Rekordgewinns (sowie entsprechender Rekorddividende). So ein Ausnahme-Deal ist in dieser Größe nicht wieder zu erwarten, aber das viele Geld wird sukzessive in neuen Unternehmen investiert, daher dürften Umsatz und Gewinne kräftig ansteigen. Die jüngste Dividendenankündigung von 50 Cents Basisdividende und 50 Cents Jubiläumsaufschlag sorgte für leichte Enttäuschung bei einigen Anlegern, die aufgrund der hohen Ausschüttung für 2014 von einer höheren Gesamtdividende ausgingen. Ich hingegen halte es für sinnvoll, die Liquidität in weitere interessante und renditeträchtige Übernahmen zu investieren, und finde eine Dividendenrendite von 3,5 Prozent durchaus attraktiv (genug). Eine weitere Mittelstandsperle, die mittel- und langfristig überdurchschnittliches Wertsteigerungspotenzial aufweist.

Marktkap.AktienkursEPS 2015eEPS 2016eKGV 2016eDiv. 2015eDiv.-Rendite
385 Mio. €28,15 €1,98 €2,91 €10,01,00 €3,55 %


Deutsche Effecten- und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft (DEWB)
 DEWB (Quelle: comdirect.de) 
Die DEWB ist eine börsennotierte Ventrue Capital-Gesellschaft mit Schwerpunkt auf Unternehmen aus den Bereichen Photonik und Sensorik. Zur Zeit hat man noch 6 Portfoliounternehmen: MueTec (Mikroskopie, Anteil 92%), DirectPhotonics (Direkt-Diodenlaser, Anteil 47%), LemnaTec (Optische Inspektionsgeräte, Anteil 44%), Nanotron Technologies (Drahtlose Sensornetzwerke, Anteil 21%), Jenabatteries (Energiespeicher ohne seltene Erden, Anteil 22%) und Noxxon Pharma (Entwicklung Pharmazeutika auf Basis der Spiegelmertechnologie, Anteil 11%). Die Marktkapitalisierung liegt bei gerade einmal 28 Mio. EUR und die Aktie ist extrem markteng. Unternehmerische Erfolge sind auch eher Mangelware, man glänzt eigentlich nur durch sehr hohe Vorstandsvergütungen und das Brechen von Ankündigungen. Aus dem Portfolio scheinen die beiden Letztgenannten interessant zu sein, Jenabatteries im Hinblick auf den Trend hin zur Elektromobilität und Noxxon mit einem möglichen Börsengang bzw. Verkauf. Allerdings ist diese Option bereits seit Jahren der einzige Lichtblick, ansonsten kommt die DEWB kaum voran mit ihrem Portfolio. Und auch Synergien ergeben sich hier kaum. Und so bleibt die DEWB langweilig und kann weder durch Tatkraft noch durch das Einhalten von Prognosen und Ankündigungen bestechen. Eine gute Verdienstmöglichkeit böte sich, wenn es bei Noxxon wirklich zum angekündigten Exit kommen sollte, denn daran würde die DEWB einmalig gut verdienen, sieht man sich die Kurse der Biotechwerte in den USA an. Ob der DEWB-Kurs im Anschluss wieder Schlafen legt oder durch die dann vorhandenen neuen Mittel neue Phantasie in die Aktie kommt, bleibt abzuwarten. Die extrem illiquide Aktie der DEWB eignet sich allenfalls als kleine Depotbeimischung für hartgesottene Anleger.

Marktkap.AktienkursEPS 2015eEPS 2016eKGV 2016eDiv. 2015eDiv.-Rendite
27,4 Mio. €1,80 €-0,08 €-0,02 €---0,00 €0,00 %


Gesco
 Gesco (Quelle: comdirect.de) 
Gesco ist eine Beteiligungsholding für den deutschen Mittelstand, die ihre Töchter langfristig hält und ausbaut. Schwerpunkt bilden bei ihr die Bereiche Werkzeug- und Maschinenbau sowie Kunststofftechnik und derzeit gehören 17 Unternehmen zur Gruppe. Zuletzt weniger erfolgreich, denn der Gesco-Aktienkurs steht heute dort, wo er bereits Anfang 2013 stand: bei 72 EUR. Und er hat sich in den letzten Jahren nur wenig bewegt, pendelte zwischen 65 und 80 EUR, trotz allgemein steigender Aktienkurse. Verständlich, denn obwohl Gesco seinen Umsatz um 8% steigern konnte, können die Gewinne schon länger nicht mehr Schritt halten. Gesco hat mehr und mehr Baustellen im Verbund und muss an mehreren Stellen löschen. Zusätzlich gab es jüngst einen weiteren Nackenschlag, als die Deutsche Börse mitteilte, dass Gesco am 21. Dezember aus dem Nebenwerteindex SDAX gestrichen wird. Gesco ist mit sich selbst beschäftigt und hat ziemlich zu kämpfen. Besserung ist in absehbarer Zeit nicht in Sicht und daher sind die Wettbewerber als deutlich chancenreicher einzustufen.

Marktkap.AktienkursEPS 2015eEPS 2016eKGV 2016eDiv. 2015eDiv.-Rendite
236 Mio. €71,00 €4,58 €5,67 €12,52,00 €2,80 %


Greiffenberger
 Greiffenberger (Quelle: comdirect.de) 
Die Greiffenberger AG ist eine deutsche familiengeführte Industrieholding, deren Aktienmehrheit in Familienbesitz liegt. Sie ist in den Bereichen Antriebstechnik, Metallbandsägeblätter & Präzisionsbandstahl sowie Kanalsanierungstechnologie tätig und die Tochterfirmen unter dem Dach der Holding sind die ABM Greiffenberger Antriebstechnik GmbH, die J.N. Eberle & Cie. GmbH und die BKP Berolina Polyester GmbH & Co. KG. Nicht nur wegen der erkennbar nicht vorhandenen Synergieffekte der Tochtergesellschaften untereinander hat Greiffenberger seit Jahren schwer zu kämpfen. Alleinvorstand Greiffenberger ist schwer erkrankt und es besteht ein Interimsmanagement, während sich das Unternehmen in einer existenziellen Notlage befindet. Denn nachdem man eine saftige Umsatz- und Gewinnwarnung für 2015 aussprechen musste, hat man inzwischen auch gegen die Konditionen der Konsortialdarlehensverträge verstoßen und ist somit dem Wohlwollen der kreditgebenden Banken auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Der Aktienkurs belegt die Talfahrt eindrucksvoll und ist von annähernd 9 EUR im Jahr 2011 inzwischen unter 3 EUR gefallen. Anleger sollten dies eher nicht als günstige Kaufgelegenheit missverstehen, denn ob Greiffenberger der Turnaround gelingt, dürfte momentan mehr als fraglich sein. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Komplettverkauf ebenfalls schwierig sein dürfte, so dass ggf. eher ein Ausverkauf der Beteiligungen stattfinden könnte. Hier sollte man aufgrund der operativen Probleme der Beteiligungen eher nicht auf Substanzgewinne setzen und die Aktie der Greiffenberger AG lieber weiter meiden.

Marktkap.AktienkursEPS 2015eEPS 2016eKGV 2016eDiv. 2015eDiv.-Rendite
15,8 Mio. €2,97 €VerlustVerlust---0,00 €0,00 %


Indus Holding
 Indus Holding (Quelle: comdirect.de) 
Die Indus Holding AG ist eine deutsche Industrieholding, die sich langfristig an Firmen des deutschen Mittelstandes beteiligt und inzwischen Beteiligungen an über 40 Firmen hält aus den Bereichen Bauwesen und Infrastruktur, Fahrzeugtechnik, Maschinen- und Anlagenbau, Metallbearbeitung sowie Medizin- und Gesundheitstechnik. Dabei ist Indus vor allem an der Weiterentwicklung ihrer Beteiligungen interessiert und nutzt den derart steigenden Cashflow, um damit weitere Beteiligungen übernehmen zu können. Dieser Geschäftsansatz bringt Indus bei immer häufiger anstehenden Nachfolgelösung im Mittelstand Pluspunkte, da viele Firmengründer ihr Lebenswerk gerne in gute Hände legen möchten und dabei vor klassischen Finanzinvestoren zurückschrecken. Künftig möchte Indus zusätzlich noch in die Bereiche Gesundheitswesen und Energie vorstoßen uns verspricht sich hier großes Wachstums- und Entwicklungspotenzial. Indus ist eine klassische Mittelstandsholding und eignet sich hervorragend, um auf breiter Basis in den Deutschen Mittelstand zu investieren.

Marktkap.AktienkursEPS 2015eEPS 2016eKGV 2016eDiv. 2015eDiv.-Rendite
2,08 Mrd. €44,25 €2,95 €3,17 €14,01,25 €2,82 %


MAX Automation
 M.A.X. Automation (Quelle: comdirect.de)
Die MAX Automation AG ist eine international agierende Beteiligungsgruppe mit den Kernsegmenten Umwelttechnik und Industrieautomation. Ich hatte sie anlässlich der Aufnahme auf meine Empfehlungsliste kürzlich hier vorgestellt. Sie verfügt aktuell über 7 Beteiligungsunternehmen, von denen 2 dem Bereich Umwelttechnik zuzuordnen sind und notiert seit einigen Monaten im Prime Standard der Frankfurter Börse. Das in der Vergangenheit eher als margenschwach einzustufende Unternehmen entwickelt sich unter der neuen Führung und dem neuen Großaktionär immer besser, denn der Vorstand hat das erklärte Ziel, die Margen deutlich zu verbessern. Dies soll auch gelingen, indem man "Verbundeffekte" zwischen den einzelnen Tochterunternehmen besser nutzt, zum Beispiel durch einen gemeinsamen Einkauf. Des Weiteren wird neben dem geplanten Verkauf der altmayerBTD über sinnvolle margenverbessernde Zukäufe nachgedacht. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung in China und hier insbesondere des Automobilsektors haben den Aktienkurs an der kurzen Leine gehalten, das dürfte aber bald der Vergangenheit angehören und er der positiven operativen Geschäftsentwicklung folgen. Zumal der Großaktionär gerade marginal die Schwelle von 30% Anteilsbesitz überschritten und so ein Pflichtangebot ausgelöst hat. Die gebotenen 5,30 EUR dürfte kaum ein Aktionär annehmen - aber bis zur Schwelle von 50% besteht nun keine Verpflichtung des Großaktionärs mehr, weitere Zukäufe zu veröffentlichen und sogar ein weiteres Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre abzugeben. Die Situation lässt für mich nur den Schluss zu, dass die Günther-Gruppe hier unbeobachtet weitere Anteile einsammeln will, was den Kurs nicht nur nach unten absichert, sondern eher nach oben ziehen wird. Die Aktie bietet eine aussichtsreiche Möglichkeit, sich an einem neuen "Hidden Champion" zu beteiligen.

Marktkap.AktienkursEPS 2015eEPS 2016eKGV 2016eDiv. 2015eDiv.-Rendite
148 Mio. €5,50 €0,42 €0,59 €9,30,15 €2,70 %


MBB SE (vormals MBB Industries)
 MBB SE (Quelle: comdirect.de) 
Die Beteiligungsgesellschaft MBB habe ich bereits vor einigen Jahren aufgrund ihrer steigenden Substanz- und Ertragskraft auf meine Empfehlungsliste genommen. MBB setzt nach eigenen Angaben auf "Wachstum durch den Kauf neuer Unternehmen und die Wertsteigerung der bestehenden Beteiligungen" und ihr Beteiligungsportfolio ist entsprechend bodenständig ausgerichtet. Neben Hanke Tissue, einem führenden Hersteller bedruckter Servietten, finden sich dort derzeit unter anderem die auf das Cloud-Computing spezialisierte DTS Systeme GmbH sowie der ebenfalls börsennotierte Holzwerkstoffprofi Delignit und die CT Formpolster GmbH wieder. Hanke Tissue gehört bereits seit 2006 zu MBB und ist im Portfolio eine der profitabelsten Unternehmen. Kein Wunder, dass MBB in die Verdopplung der Produktionskapazitäten bei dem Hersteller von Toilettenpapier, Servietten, Taschentüchern und Küchenrollen investiert hat. Aber auch bei den anderen Töchtern erfolgen Investitionen in den Ausbau des Geschäfts und ab und an kleinere Zukäufe. Die mit Abstand größte Tochter, die MBB Fertigungstechnik, gehört selbst erst seit 2012 zu MBB und verdoppelte damals auf Schlag den Umsatz und erhöhte den Konzerngewinn um deutlich mehr als das Doppelte. Der Aktienkurs stieg in der Folge stark an, um dann für zwei Jahre seitwärts zu tendieren. Doch nun gab es die Übernahme der Aumann Gruppe und diese soll mit der MBB Fertigungstechnik einen Verbund bilden, um Synergien zu heben und die Potenziale von Aumann auf die Straße zu bringen. Der Zukauf bringt eine deutlich höhere EBIT-Marge mit, als die übrigen MBB-Töchter bisher vorweisen können, und entsprechend begeistert zeigte sich MBB-CEO Nesemeier von dem Zuwachs. Für weitere Akquisitionen stehen noch ausreichend Gelder zur Verfügung und MBB geht in seiner Mittelfristplanung davon aus, den 2015er Umsatz von rund 250 Mio. EUR bis 2020 auf 500 Mio. EUR zu verdoppeln. Bei einer EBITDA-Marge von 10 Prozent. Klar, dass die Börse sich begeistert zeigte. MBB scheint aus seiner zweijährigen Lethargie erwacht zu sein und bietet wieder interessante(re) Perspektiven für langfristig orientierte Anleger.

Marktkap.AktienkursEPS 2015eEPS 2016eKGV 2016eDiv. 2015eDiv.-Rendite
174 Mio. €26,50 €1,78 €2,18 €12,20,65 €2,45 %


Mutares
 mutares (Quelle: comdirect.de) 
Eine Beteiligungsgesellschaft, die Aurelius nachstrebt und nach Kapitalerhöhungen, Aktiensplits und Börsensegmentwechsel sich für Anleger attraktiver gestalten will. Allerdings hat der Hund doch ein paar Flöhe, denn Mutares hat momentan mit einigen Unwägbarkeiten und Problemen zu kämpfen, was der Kursverlauf der letzten Monate "schön" nachzeichnet. Die jüngste Kapitalerhöhung zu 17,50 EUR drückt noch auf den Kurs, da haben sich einige wohl mehr versprochen (oder es wurden nicht alle Stücke platziert, so dass Emissionsbegleiter Hauck & Aufhäuser hier noch Aktien in den Markt drücken muss). Des Weiteren ist die französische E-Commerce-Tochter Pixmania pleite gegangen, das spricht nicht für ein gutes Näschen, denn die hatte man erst kurze Zeit zuvor erworben. Und dann gibt es ein nicht unbeträchtliches Öl- und Gasrisiko. Denn die größte Tochter EUPEC ist im Bereich Beschichtungen für Pipelines aktiv und die französische Beteiligung BSL stellt Pipelines her. Der weiter rapide sinkende Ölpreis und die von den Öl-Konzernen drastisch zusammengestrichenen Investitionskosten lassen hier ziemliches Ungemach erwarten, was sich auch schon in den nächsten Zahlen von Mutares widerspiegeln könnte. Insbesondere die Unsicherheiten rund um das Pipelineprojekt North Stream 2, das beim jüngsten EU-Gipfel zu erheblichem Streit zwischen Deutschland und Italien geführt hat, dürften den von vielen erhofften zeitnahen Exit der EUPEC unrealistisch machen. Denn er würde wohl in absehbarer Zeit viel weniger einbringen, als man eigentlich erlösen könnte. Daher sollte Mutares meiner Meinung nach davon erst einmal Abstand nehmen, ansonsten verzichtet man auf viel Geld (und vernichtet so Aktionärsvermögen). Unterm Strich bietet Mutares daher aktuell kein attraktives Chance/Risiko-Verhältnis und kommt daher für mich zur Zeit als Investment nicht infrage.

Marktkap.AktienkursEPS 2015eEPS 2016eKGV 2016eDiv. 2015eDiv.-Rendite
250 Mio. €16,20 €0,56 €1,37 €11,80,36 €2,20 %


Ringmetall (vormals H.P.I. Holding)
 Ringmetall (Quelle: comdirect.de)
Das Unternehmen ist eine mittelständische Beteiligungsgesellschaft mit dem Schwerpunkt auf der Fass-Ring-Produktion - da ist man inzwischen unangefochten Europas Marktführer. Dazu kommt die noch recht junge Beteiligung HMS Sauermann, die man aber erst noch zurück in die Erfolgsspur bringen muss. Nachdem man bei den Fass-Ringen am Ende der Fahnenstange angelangt ist, was Marktanteile in Europa angeht, schaut man nun über den großen Teich und hatte eine sehr große Übernahme in den USA im Auge. Darauf hat man sich ausgiebig vorbereitet und Ende 2014 den Vorstand erweitert um den Diplomingenieur Konstantin Winterstein, der das operative Geschäft und das technische Beteiligungsmanagement verantwortet, und man hat im Sommer eine zehnprozentige Barkapitalerhöhung durchgezogen. Der Aktienkurs dümpelt vor sich hin, denn das viele frische Geld bringt kaum Erträge. Das dürfte sich nun aber ändern, denn Ringmetall hat den amerikanischen Spezialanbieter von Verschluss- und Dichtungssystemen Self Industries übernommen. Die Amis sollen rund 28 Mio. USD Umsatz zum Ringmetall-Konzern beitragen, der es dann auf insgesamt über 90 Mio. EUR Umsatz bringt. Aus der Übernahmen heraus sollen sich neue Ansätze für Prozessoptimierungen und Cross Selling-Ansätze ergeben und auch die Kosten der Holding-Struktur, der sog. Wasserkopf, verteilen sich nun besser. Für geduldige Anleger dürfte Ringmetall eine interessante und aussichtsreiche Depotbeimischung bleiben.

Marktkap.AktienkursEPS 2015eEPS 2016eKGV 2016eDiv. 2015eDiv.-Rendite
37,5 Mio. €1,63 €0,14 €0,18 €9,10,08 €4,90 %


Fazit
Einige der hier angerissenen Unternehmen kennt ihr ja schon aus diesem Blog. Ich werde mich in absehbarer Zeit mit allen, insbesondere aber auch den "Neuen" auf dieser Liste hier noch einmal näher beschäftigen. Aurelius, Deutsche Beteiligung, M.A.X. Automation, MBB und Ringmetall finden sich bereits auf meiner Empfehlungsliste und Bavaria Industries und Blue Cap nehme ich neu mit drauf. Darüber hinaus hat Indus Holding reelle Chancen auf eine Aufnahme.

Greiffenberger hatte ich früher einmal auf der Liste und sie ist es zurecht nicht mehr. Die DEWBGesco und Mutares bleiben außen vor, weil sie den anderen Aktien gegenüber einen oder mehrere Nachteile bzw. weniger gute Aussichten aufweisen und damit ein deutlich schlechteres Chance-Risiko-Verhältnis.


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ANMERKUNG VOM 30. April 2016
Prof. Hans Heinrich Driftmann ist am 26. April 2016 nach schwerer Krankheit verstorben.

Kommentare:

  1. Danke für die Zusammenstellung Michael !
    Ich habe mich mit Aurelius, Bavaria, Gesco und Indus befaßt und halte derzeit noch Aurelius und Gesco im Portfolio,
    wobei letztere bereits seit 2006 im Depot sind (keine Abgeltungssteuer). Das SDAX delisting und die derzeitigen, operativen Probleme werden hoffentlich überwunden (es gab auch schon in der Vergangenheit ähnliche Phasen). Trotzdem hat Gesco bei mir inklusive Dividenden bisher 14% p.a. erzielt, was ganz ordentlich ist.
    Covacoro

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    1. Gesco hat früher sehr gute Arbeit geleistet, dann hat man sich verrannt und auch die Aktionäre schlecht behandelt. Man kann nicht die Prognosen öffentlich bestätigen, nur um wenige tage später eine Umsatz- und Gewinnwarnung herauszugeben. Das ist für mich ein K.O.-Kriterium! Da hat das Management sehr viel wieder gut zu machen - und nicht nur operativ. Und da stehen die meisten anderen von mir genannten Unternehmen weitaus besser da, in einem oder beiden Bereichen. Kann aber nachvollziehen, dass Du besondere persönliche Gründe hast, Deinen Altbestand an Gesco nicht zu veräußern.

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  2. Hallo Michael,
    wie beurteilst Du die aktuelle Entwicklung bei Gesco? Seit 2016 wurden ja einige Maßnahmen eingeleitet und die aktuellen Zahlen fallen wieder besser aus. Ist die Aktie wieder ein Investment wert?

    Vielen Dank schonmal für deine Einschätzung & Grüße

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    1. Gesco hat seinen größten Flop verkauft und inzwischen seine Bilanz bereinigt. Operativ macht man Fortschritte und die Zeichen stehen gut, dass man nach langer Stagnation endlich wieder Tritt fasst und Geld verdient. Auch für die Aktionäre. Ich hatte überlegt, mir ein paar Gesco-Aktien ins Depot zu legen. Aber ich finde nach wie vor die Mitbewerber, die ich auf meiner Empfehlungsliste habe, interessanter und aussichtsreicher. Andererseits sollte man mit Gesco künftig wenig bis nichts (mehr) falsch machen...

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