Mittwoch, 2. März 2016

Aurelius kann es immer noch (besser)

Der Münchener Finanzinvestor Aurelius SE & Co. KGaA hat heute seine vorläufigen Zahlen für das Jahr 2015 vorgelegt und konnte dabei die hochgesteckten Prognosen sogar noch übertreffen. Der Konzernumsatz erhöhte sich um 31% auf €2.013 Mio. und unter Berücksichtigung der bis zum 31.12. noch übernommenen Beteiligungen stieg der annualisierte Konzernumsatz sogar auf €2.960 Mio.

Das Ergebnis vor Abschreibungen, Ertragsteuern und Zinsen (EBITDA) des Gesamtkonzerns lag im Geschäftsjahr 2015 konnte um 65% auf €266,0 Mio. gesteigert werden und übertraf damit deutlich die von Aurelius kommunizierten Prognose von €220 Mio.

Hier lohnt ein zweiter Blick durchaus, denn Aurelius erzielt einen Teil seiner Gewinne aus der Übernahme und dem verkauf von Beteiligungen, aber auch in der Zwischenzeit, wenn diese saniert und/oder weiterentwickelt werden, steuern sie zum Konzernergebnis bei.

Aurelius übernahm im Geschäftsjahr 2015 sechs neue Konzernunternehmen und zwei weitere Unternehmenskäufe wurden mit Closing zum 1. Januar 2016 abgeschlossen. Die Restrukturierungs- und Einmalaufwendungen hieraus beliefen sich im Jahr 2015 €63,3 Mio. und die Erträge aus der Auflösung negativer Unterschiedsbeträge aus der Kapitalkonsolidierung ("Bargain Purchase") lagen durch die sehr rege Transaktionstätigkeit im Geschäftsjahr 2015 sogar bei €176,8 Mio., nachdem sie im Vorjahr noch €76,9 Mio. EUR ausmachten.

Hinzu kommt die Verbesserung des operativen Konzern-EBITDA um 30% auf €123,1 Mio. und dies zeigt, dass die Neuausrichtung der Konzernunternehmen erfolgreich verläuft. Aurelius führt dies darauf zurück, dass die Beteiligungen überdurchschnittlich von der Managementerfahrung und Finanzkraft von Aurelius profitieren.


 Aurelius (Quelle: comdirect.de) 
Eigenkapitalquote und liquide Mittel steigen deutlich an
Anfang Dezember hatte Aurelius eine Wandelanleihe begeben und zu diesen frischen €166 Mio. kamen noch die Veräußerungserlöse für das mit zweistelligem Millionengewinn in 2015 verkaufte Hotelimmobilienportfolio, so dass der Bestand an liquiden Mittel im Aurelius-Konzern zum Stichtag 31. Dezember 2015 mit €549,0 Mio. einen neuen Rekordwert erreichte (2014: €333,3 Mio.). Die Eigenkapitalquote verbesserte sich von 26% auf 28%.

Anhebung der Basisdividende und erneute Sonderdividende
Aurelius schüttet aus den operativen Ergebnissen eine Basisdividende aus und diese soll für 2015 von €0,80 auf €0,90 je Aktie angehoben werden. Darüber hinaus möchte Aurelius seine Aktionäre an seinen Beteiligungserfolgen teilhaben lassen und gibt rund die Hälfte dieser Gewinne in Form einer Partizipationsdividende weiter. Diese soll zusätzliche €0,65 je Aktie betragen, so dass sich die Gesamtausschüttung auf €1,45 je Aktie beläuft. Damit liegt sie sogar noch um €0,05 über meiner Erwartung.

Weitere Deals in Planung
Der Markt für Unternehmenstransaktionen wird sich auch 2016 weiter erfreulich entwickeln, zeigt sich Dr. Dirk Markus, Vorstandsvorsitzender von Aurelius, optimistisch. Man plane fünf bis sieben Neuakquisitionen im laufenden Jahr und das Interesse an den aktuellen Tochterunternehmen des Aurelius-Konzerns sei hoch. Den ersten Exit des Jahres strebt man bei Berentzen an, allerdings nicht über einen klassischen Verkaufs-Deal, sondern über eine Privatplatzierung der Mehrheitsbeteiligung an der Börse an institutionelle Investoren. Und soeben vermeldet man, dass man hierdurch 21,88% der Anteile veräußern konnte und nun noch 29,17% an dem Getränkehersteller hält.

Aurelius befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und ist die mit Abstand größte Position in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Frag ich mich, wieso Aurelius eine kleine Ewigkeit bei 10 € rumdümpelte und was der Treibsatz ist, der die Aktie auf jetzige Höhen schiebt? Wie lange hält der unbekannte Treibsatz?

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    1. Aurelius hatte die Finanzkrise zu schultern, da sind ja einige Tochterunternehmen mit sich beschäftigt gewesen und Beteiligungsgesellschaften an sich nicht gut gelitten. Ab 2012 zeigte sich dann aber der Erfolg des Geschäftsmodells und die guten Geschäfte von Dr. Markus und seinem Team brachten hohe Gewinnzuwächse ein. Diese wurden nur teilweise an die Aktionäre ausgekehrt und zum Teil eben für neue Investments genutzt. Dadurch fallen immer höhere gewinne ein - bisher hat Aurelius jeden eingesetzten Euro in etwas verneunfacht. Das ist für mich der wesentliche Kurstreiber in den letzten Jahren. Und da ich Aurelius hier schon lange auf meiner Empfehlungsliste habe, kann man über mehrere Jahre hinweg meine Artikel zu dem Unternehmen nachlesen und viele Zwischenschritte des Konzerns zu seiner heutigen Größe und seiner heutigen Bewertung nachvollziehen.

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  2. Es ist immer wieder zu beobachten, dass Aktien, wie auch in diesem Fall Aurelius lange Zeit vor sich "hindümpeln" und dann auf einmal wie von der Tarantel gestochen anfangen zu steigen. So auch bei Unternehmen wie GFT in 2014 und Hypoport in 2015 usw. Es scheint, dass es einen Auslöser braucht, der den Markt zum umdenken bewegt und zu einer Neubewertung veranlasst. Welcher das im Falle von Aurelius war, ist schwer zu sagen. Es könnte am steigenden Umsatz liegen, welcher sich zwischen 2011 und 2014 verdoppelt hat. Komisch hierbei, dass der Gewinn nicht wirklich gefolgt ist.

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    1. Der Gewinn je Aktie ist bei Aurelius seit 2011 nicht gestiegen? Aber klar doch...

      2011: -2,21
      2012: 1,41
      2013: 0,10
      2014: 3,14
      2015: 3,97

      Und der Umsatz ist inzwischen auf fast 3 Milliarden Euro angewachsen, eine enorme Steigerung.

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  3. Einen interessanten Ausblick gibt Aurelius-CEO Dirk Markus auf "boersengeflüster.de":
    http://boersengefluester.de/aurelius-vorstand-dirk-markus-wir-kaufen/

    Martin Kellermann

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    1. Wirklich ein gutes Interview. Vorallem gefällt mir der Satz "Die neuen Mitglieder unserer Aurelius-Familie entwickeln sich.". Aus dem "Neue Familienmitglieder" kann man doch schon auf die Philosophie schließen, die mir bei Aurelius sehr zusagt und nicht nur rhetorisches Mittel ist.

      Beste Grüße
      Thomas

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  4. Ich habe Aurelius schon lange im Depot und kann nur sagen: das Management macht eine gute Figur und die Transparenz des Geschäftsmodells ist eindeutig. Hab mich in einem anderen Forum mal mit dortigen usern ausgetauscht, die allesamt die komischten Anlagemöglichkeiten angepriesen haben. Kommst Du mit sowas herkömmlichen wie Aurelius, lach(t)en sie. Naja, manchmal ist das Vernünftigste nicht das beliebteste. Für mich ist die Performance entscheident und das Verstehen dessen, was dahinter steckt.

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    1. Stimmt, auch wenn es einem Finanzinvestor vor allem ja um Gewinne und Renditen gehen sollte, hat man bei Aurelius nie das Gefühl, dass dies alles ist, sondern dass die Entwicklung der Tochterunternehmen ihnen wirklich am Herzen liegt. Was für abgebende Eigentümer ja mitunter eine entscheidende Komponente ist; mal wollen die bei einem Spartenverkauf nicht als die Bösen dastehen und einen "guten" Investor präsentieren und mal will der Gründer und Eigentümer eines Unternehmens in Familienbesitz sein Lebenswerk in guten und seriösen Händen wissen. Dies kann Aurelius bieten, nicht nur beim Ankauf, sondern vor allem auch beim Weiterverkauf. Ich halte das für ein nicht zu unterschätzendes Asset einer Beteiligungsgesellschaft.

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