Samstag, 21. März 2020

Weshalb Business Development Companies ganz besonders unter Corona leiden werden

Business Development Companies habe ich als Anlageklasse nun schon seit mehr als vier Jahren auf dem Schirm und so einige ausgesuchte BDCs auf meiner Beobachtungsliste. Bis zum Beginn der Trump'schen Handelskriege und der Wiederumkehr der US-Zinspolitik mit erneut sinkenden Zinsen  agierten die BDCs in ihrem eigenen Goldilocks-Umfeld aus robuster Konjunktur, niedrigen Steuern und moderat steigenden Zinsen. Doch diese besten aller Zeiten sind vorbei und die Corona-Pandemie wirft die Frage auf, wie schlimm es kommen kann und wird - und ob BDCs noch eine gute Anlageform darstellen oder ob sie inzwischen nicht ein zu schlechtes Chance-Risiko-Verhältnis aufweisen und zu den größten Verlierern der Krise gehören könnten...

Die kurze Antwort ist, dass ich BDCs auf kurze und mittlere Sicht als besonders bedroht einstufe durch die Corona-Pandemie. Wobei die Risiken für alle gestiegen sind und weiter steigen, aber es grundsätzlich natürlich Unterschiede gibt, weil nicht alle BDCs auf gleiche Art investieren: nur einige wenige setzen auf Collateralized Loan Obligations (CLOs), einige setzten stärker auf Eigenkapital, statt auf Fremdkapital und auch bei den Krediten kommt es darauf an, ob sie erst- oder nachrangig besichert sind. Und natürlich kommt es auf den Branchenmix an, wobei Öl- und Gas zurzeit unter besonderem Druck stehen.

Da ich BDCs bereits vor gut einem Jahr aus meinem Dividendendepot gestrichen hatte, habe ich sie nicht mehr so im Fokus wie früher und daher kann ich aktuell auch keine Differenzierung vornehmen, welche BDC im Vergleich besser oder schlechter positioniert ist. In den letzten tagen häufen sich allerdings die Fragen zu (einzelnen) BDCs und ich habe mich daher entschlossen, die komplett von meiner Beobachtungsliste zu streichen. Eine fundierte Risikoeinschätzung dieser Branche ist aus meiner Sicht momentan nicht darstellbar; die Branche steuert auf einen Überlebenskampf zu, der mit 2008 vergleichbar ist sein könnte.

Das Businessmodell der BDCs

Eine BDC ist ein in den USA tätiger Finanzinvestor für kleine und mittlere nicht-börsennotierte Unternehmen. Sie stellen etablierten Unternehmen sowie Startups Kapital zur Verfügung, entweder in Form von Eigenkapital, so dass die BDC Miteigentümerin wird, oder durch Fremdkapitalhingabe als nachrangige Kredittitel mit niedrigerem Investment-Grade ("Private Debt") oder als sog. CLOs, also verbriefte Unternehmenskredite.

Dabei vergeben BDCs ihre Mittel traditionell an kleinere und weniger beachtete Unternehmen, die eine geringere Bonität aufweisen und daher auch höhere Finanzierungskosten akzeptieren (müssen). Diese Unternehmen können sich nicht so leicht über Anleihen und/oder Bankkredite finanzieren und greifen daher gerne auf Eigen- oder Fremdkapitalgaben von BDCs zurück.

BDCs unterliegen strengen Regularien; sie müssen sich als BDC registrieren lassen und dazu ist erforderlich, dass sie die Voraussetzungen des Investment Company Act von 1940 erfüllen bzw. einer speziell für BDCs geschaffenen Ergänzung aus dem Jahr 1980. Die meisten BDCs wählen aus steuerlichen Gründen (sie unterliegen dann nicht der Einkommensteuer) die Form der "Regulierten Investment Company" (RIC) und eine Konsequenz hieraus ist, dass sie mindestens 90% ihrer steuerrelevanten Gewinne ("Taxable Income") an ihre Anteilseigner ausschütten müssen. Hier sind sie mit den inzwischen auch in Deutschland bekannten REITs (Real-Investment-Trust) vergleichbar. BDCs weisen daher nicht selten zweistellige Dividendenrenditen auf und sind besonders bei Dividendeninvestoren sehr beliebt.

Negative Einflussfaktoren

Der US-China-Handelskrieg führte bereits zu einem Abschwächen der weltweiten Konjunktur und einem Rückgang der Handelsaktivitäten, wodurch die US-Notenbank FED ihren Kurs der moderaten Zinserhöhungen wieder umkehren musste und vor gut einem Jahr damit begann, die Zinsen wieder zu senken. Das Umfeld für BDCs trübte sich seitdem bereits ein, aber seit dem Überschwappen der Corona-Pandemie auf die USA gewinnt die Abwärtsspirale ungeheuer an Dynamik und das aus gleich mehreren Richtungen.

1. Der Konjunktureffekt

Bei einer sich abschwächenden US-Konjunktur bekommen mehr Unternehmen Probleme und die Quote der notleidenden Kredite und Insolvenzen steigt an. Und damit die Ausfallquoten bei BDCs, die in diesem Segment aktiv sind. Werden Kredite uneinbringlich oder müssen "nur" umstrukturiert werden, geht das zulasten des NAV (Net Asset Value) der BDCs (Abwertungen und/oder Abschreibungen auf die Forderungen schlagen hier voll ein) und natürlich auch auf das NII (Net Investment Income), denn wenn Zinssätze reduziert werden müssen oder ganz ausfallen, sinken natürlich die Zinseinnahmen der BDC.

Risiko: Eine einbrechende Konjunktur führt zu erhöhten Kreditausfällen und wirkt sich negativ auf den NAV und das NII der BDCs aus.

2. Der Zinseffekt

BDCs vergeben Teile ihres Kreditportfolios als fest verzinste Darlehen. Diese Kredite profitieren daher während der vereinbarten Laufzeit bzw. Zinsbindung nicht von steigenden Zinssätzen; sie unterliegen aber auch nicht dem Risiko sinkender Zinsen bei einem Absenken des Zinsniveaus.

Viele BDCs vergaben jedoch erhebliche Anteile ihres Kreditportfolios als variabel verzinste Darlehen und daher sind sie von Änderungen des Zinsniveaus spürbar betroffen - in beide Richtungen. Solange die US-Notenbank FED klar auf Zinserhöhungskurs war, ergaben sich hierdurch zusätzliche Chancen für die BDCs. Um den Jahreswechsel 2019 herum schwenkte die FED auf einen zinsneutralen Kurs um, um in 2019 die Zinsschraube wieder in die abwärtsgewandte Richtung zu drehen - und in den letzten Wochen hat die FED wegen der Corona-Auswirkungen die Zinssätze bereits mehrfach um jeweils 0,5% gesenkt.

Risiko: Viele BDCs verdienten bei stabilen und steigenden Zinsen gutes Geld bei überschaubaren Risiken/Kreditausfällen. Durch die massiven Zinssnekungen verschlechtern sich die Einnahmeaussichten der BDCs aus ihrem variabel verzinsten Kreditportfolio. Und es ist nicht abzusehen, ob nicht noch weitere Zinssenkungen der FED folgen, auch ins negative Terrain hinein.

3. Von Sicherheiten und Rangfolgen

Vergeben BDCs Eigenkapital an Unternehmen, sind sie Miteigentümer und daher bei einer Pleite genauso wenig geschätzt wie andere Aktionäre/Eigentümer auch. Sie stehen ganz hinten in der Schlange, wenn es um die Rückzahlung eingebrachter Gelder geht. Vor ihnen stehen die Kreditgläubiger und auch bei diesen gibt es unterschiedliche Rangfolgen. Je nachdem, ob sie Kredite im ersten Rang vergeben haben oder nachrangige Kredite. Erstrangige Kredite weisen ein höhere Sicherheit der Rückzahlung aus, da sie ja bevorzugt zurückgezahlt werden aus der Insolvenzmasse, und daher liegt ihr Zins auch niedriger als bei Nachrangdarlehen. Diese sind risikobehafteter, aber auch einträglicher.

Risiko: Bricht die Konjunktur ein und steigt die Zahl der Insolvenzen, können die Kredite betroffener Unternehmen nicht mehr oder nur noch teilweise zurückgezahlt werden. Es entfallen also nicht nur die Zinszahlungen, sondern die Kredit werden (teilweise) uneinbringlich. BDCs, die ausschließlich erstrangig besichterte Kredite vergeben haben, dürften hier weniger negativ getroffen werden, bei den BDCs mit höherem Anteil von Nachrangdarlehen oder gar gänzlich unbesicherten Darlehen sieht die Sache deutlich schlechter aus. Hier sind mit erhöhten Ausfallquoten bei den Krediten zu rechnen mit entsprechend negativen Auswirkungen auf den NAV der BDCs.

4. Schuldenrisiko und Fremdkapitalhebel

Aus der großen Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre heraus unterlagen BDCs sehr strikten Fremdkapitalvorschriften. Dieser sog. Dodd-Frank-Akt wurde erst vor kurzer Zeit aufgeweicht, so dass BDCs jetzt einen höheren Fremdkapitalanteil verwenden dürfen. Konkret galt zuvor ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital (1:1) und inzwischen eines von 1:2.

Die Möglichkeit mehr Fremdkapital einzusetzen, birgt Chancen und Risiken. Wenn sich BDCs für 3% verschulden können, um dieses Geld zu 11% zu verleihen, entsteht hier ein enormer Gewinnhebel. Allerdings erhöht sich auch das Risiko, denn wenn ein Kredit ausfällt und die BDCs dieses Geld nicht zurück erhält, bleibt ihre eigene Verpflichtung zur Rückzahlung ihres eigenen Kredit hiervon ja unberührt. Obwohl sie keine Zinsen bekommt und auch das verliehene Geld nicht mehr zurück erhält, muss sie ihre eigenen Schulden zurückzahlen. Das kann im schlimmsten Fall schnell in ein "Ausgpresste-Zitrone-Szenario" ausufern.

Im letzten Jahr haben viele BDCs ihren Verschuldgsgrad entsprechend der neuen Möglichkeiten hoch gefahren; allerdings haben die meisten BDCs ihren neuen Fremdfinanzierungsspielraum noch nicht voll ausgeschöpft, was in der gegenwärtigen Lage von Vorteil ist bzw. die Risiken reduziert.

Risiko: Ein höherer Fremdkapitalhebel wirkt in beide Richtungen. Und bei erhöhten Kreditausfällen wirkt er wie ein Turbo auf NAV und NII - und zwar negativ!

5. Zusatzrisiko Collateralized Loan Obligations (CLOs)

Zuletzt noch ein paar Worte zu Collateralized Loan Obligations. Diese verbrieften Unternehmenskredite sind eigentlich eine ganz charmante Idee, nur leider haben sie sich in den letzten Jahren als geld- und wertvernichtende Instrumente dargestellt. Und die BDCs, die in größerem Umfang auf CLOs gesetzt haben, fuhren damit überwiegend negative Renditen ein. Daher sind für mich CLOs als Anlagevehikel in BDCs ein (weiteres) Warnsignal und ich sehe ein erhöhtes oder sogar nach ausgebautes CLO-Engagement äußerst kritisch. Mir ist es viel lieber, die BDCs investieren direkt in "ihre" Unternehmen und gehen mit denen auf Tuchfühlung, als dass sie über ein breit gestreutes Produkt ihr Geld anlegen.

Für mich als Anhänger des Focus Investings sind Unternehmen wenig(er) interessant, die ihr Geld über wenig übersichtliche Investmentvehikel breit streuen, ohne damit eine erhöhte Sicherheit oder gar Rendite einzufahren.

Meine Einschätzung

Die Entwicklungen hinsichtlich Handelskrieg(en), Strafzöllen, Konjunktur, Zinsen haben das allgemeine Umfeld für BDCs bereits deutlich eingetrübt, aber die Corona-Pandemie stellt alles in den Schatten. Die Geschäfte werden geschlossen und das öffentliche Leben kommt zum Erliegen. Kleine und mittlere Unternehmen mit geringer Kapitalausstattung werden hier reihenweise in die Pleite schlittern, während die großen Handelsketten und Online-Anbieter profitieren werden. Dieser Zustand wird viele Wochen andauern und hinzu kommt der rapide Ölpreisverfall. Benzin- und Heizkosten sinken hierdurch, aber in den USA wird die gesamte Öl- und Gasbranche ins Mark getroffen, weil sie nicht mehr zu auskömmlichen Kosten produzieren kann. Dabei sind viele dieser Unternehmen in hohem Maße Kredit finanziert und die Insolvenzen werden dramatisch zunehmen. Was wiederum auch die vielen Unternehmen in der Zulieferbranche betrifft und ebenso die indirekt von der Branche abhängigen Händler und Dienstleister. Wenn massenhaft Ölfeld-Arbeiter entlassen werden, dann kaufen die weniger ein und sparen auch am neuen Haarschnitt. Im Süden und mittleren Westen der USA wird es zu erheblichen negativen wirtschaftlichen Auswirkungen kommen. Und auch viele andere Branchen leiden: Restaurants, Touristik, Luftfahrt, Automobile uvm.

Zusammen mit dem abstürzenden Zinsniveau setzen diese Faktoren die BDCs massiv unter Druck und ich fürchte, es wird nicht bei Kreditausfällen und Abschreibungen (NAV) bleiben, sondern es wird wie 2008 zu massiven Dividendenkürzungen kommen. Wenn das Geld nicht mehr eingenommen wird, kann es auch nicht mehr ausgeschüttet werden. Denn es alternativ aus der Substanz herauszuquetschen, bedeutet einen Substanzverzehr und damit weiter fallende NAVs. Das ist schon in wirtschaftlich guten Zeiten eine Loser-Strategie und in einem dramatischen Wirtschaftsabsturz erst recht!

Das Chance-Risiko-Verhältnis für BDCs trübt sich dramatisch und rasant ein; bei einem länger anhaltenden Corona-Stillstand der Wirtschaft könnten auch BDCs selbst in Existenznot geraten. Wenn die Krise einmal überwunden ist, wird genau zu untersuchen sein, welche BDCs sich wie gut behauptet haben und dann wieder aussichtsreiche Geschäfte machen kann. Bis dahin gehören BDCs allerdings zu den gefährdeten Arten...

Ich habe daher gestern während der Erholungsphase der Börse die Entscheidung getroffen, alle BDCs von meiner Beobachtungsliste zu streichen. Auch aus der Überlegung heraus, dass das Wochenende ohne offene Börsen zuletzt immer für einen enormen Verkaufsdruck am Montag gesorgt hat.

Die Bilanz meiner BDC-Investments (inkl. der Bruttodividenden):

  • Ares Capital, 2,5 Jahre, 6,5% Rendite bzw. durchschnittlich 2,5% pro Jahr.
  • Gladstone Capital, 4Jahre, 112% Rendite bzw. durchschnittlich 19,6% pro Jahr.
  • Gladstone Investment, 2,5 Jahre, 29% Rendite bzw. durchschnittlich 2,5% pro Jahr.
  • Goldman Sachs BDC, 2,5 Jahre, -13% Rendite bzw. durchschnittlich -5,25% pro Jahr.
  • Main Street Capital, 4 Jahre, 13,5% Rendite bzw. durchschnittlich 3% pro Jahr.
  • New Mountain Finance, 2,5 Jahre, -16,5% Rendite bzw. durchschnittlich -6,5% pro Jahr.
  • Newtec Business Services, 2 Jahre, 4% Rendite bzw. durchschnittlich 2% pro Jahr.
  • TPG Specialty Lending, 2,5 Jahre, -4,5% Rendite bzw. durchschnittlich -1,75% pro Jahr.

Und falls die Frage kommt, ob ich diese Entscheidung nicht bereits vor zwei oder besser noch vier Wochen hätte treffen können sollen, ist die Antwort natürlich: Ja!

Disclaimer
Ich streiche alle BDCs von meiner Beobachtungsliste.

Kommentare:

  1. Hatte das schon mitbekommen, dass Du die vor einiger Zeit verkauft hast. Hab aber bewußt zunächst gehalten (außer Apollo, die flogen schnell raus)
    Hab gerade mal schnell nachgesehen. BDC machen aktuell 2,6% im Depot aus (Ares hat sich noch am besten gehalten mit -32%; Main und New Mountain je ca -50% Buchverlust). Aktuell hatte MAIN wieder pünktlich Divi gezahlt, zahlen ja bekanntlich mtl. Da sieht man schnell wenn es Probleme gibt.
    Du hast sich mit deiner Analyse recht, Danke dafür.
    Konsequenz für mich: Halten und die Divizahlungen beobachten, innerlich habe ich mich aber mal von den Werten verabschiedet. jetzt noch zu verkaufen fällt schwer.
    Andererseits weiß ich aber auch, dass eine Menge "seriöse" Alternativen gäbe, Wenn ich mir die aktuellen DR von Allianz, AT&T, Shell (selbst wenn sie etwas kürzen sollten) etc. ansehe. Werde vielleicht nochmal in mich gehen.
    Was würdest Du denn jetzt noch tuen??

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Pandemie wird uns wohl bis in den Sommer hinein beschäftigen, wenn nicht länger. Die Folgen für die Wirtschaft, die Bürger, die Gesellschaft werden aber viel länger zu spüren sein. Die Unternehmen, die jetzt schon schwanken und finanziell in Schieflage geraten, haben wenig(er) Aussichten, halbwegs gut durch diesen Sturm zu kommen.

      Einen Rat kann ich dir nicht geben, aber ich kann Dir sagen, dass ich alle Werte aus meinem Depot geworfen habe, die besonders krisenanfällig sind. Egal, wie gut positioniert die eigentlich sind/waren, die Rahmenbedingungen haben sich komplett verändert! Und es wird trotz der weltweit erforderlichen Solidarität keine solche geben, denn es gibt genug Egomanen, die aus der Situation ihren Vorteil ziehen wollen. Trump redet nur vom "chinesischen Virus" und wird seine Strafzölle nicht senken und/oder seine Handelskriege eher dazu nutzen, andere in die Knie zu zwingen. Die Chinesen behaupten über ihre Staatsmedien inzwischen allen Ernstes, das Virus sei von den Amerikaner nach China eingeschleppt worden. Und die Russen und die Saudis, ebenso die USA, haben in vollem Bewusstsein einen Öl-Krieg angezettelt, der den Ölpreis unter 20 (WTI) gedrückt hat. Das letzte Mal war der dort, bevor der Golfkrieg 1990 ausbrach, wenn ich mich recht erinnere.

      Trotz aller Bemühungen der Staaten, ihre eigene Wirtschaft irgendwie zu retten, wird es viele Opfer geben. Und einige Profiteure. Und ich setze auf die Unternehmen, die viel Cash haben, solide Cashflows, die zwar jetzt ggf. auch schrumpfen, aber eben nicht versiegen, und die Geschäftsmodelle haben, die von dem Virus und den Shutdowns wenig(er) betroffen werden. Software/Cloud (Microsoft, Adobe, Intuit, Amazon) profitieren vom Home Office und zwar nicht nur jetzt, sondern das ist nur eine vorgezogene Entwicklung hin zu mehr Digitalisierung, die ansonsten trotzdem, nur eben langsamer, stattgefunden hätte. Infrastruktur, u.a. Mobilfunkmasten/5G (American Tower, Crown Castle) werden weiterhin profitieren, Erneuerbare Energien (Energiekontor, PNE), Onlinehandel/Plattformen (Amazon, Zalando, MercadoLibre) ebenso und auch Payment (MasterCard, VISA, PayPal) - auch wenn hier natürlich eine merkliche Konjunktureintrübung das Wachstumstempo bremsen wird. Nach der Krise werden diese Unternehmen aber weitere Marktanteile gewonnen haben und weiter stark wachsen.

      Ölwerte, Versicherungen, Telekomanbieter sehe ich eher nicht als Krisengewinner und sie sind auch nicht auf meinem Kaufzettel. Aber sind sie schon länger nicht, insofern ist das nicht neu.

      Unterm Strich sollte man nur die Werte im Depot haben, von denen man überzeugt ist. Andere nicht! Auf keinen Fall irgendwas mit durchschleppen, nur weil da 50% Kursverlust hinter stehen. Sobald man die Aktie aus dem Depot geworfen hat, ist der Schmerz weg, das geht ganz schnell. Wenn man das Geld gleich wieder investieren will, dann auf die potenziellen Gewinner setzen, mit denen man auch beruhigt stürmische Wochen durchstehen kann...

      Löschen
    2. Moin Michael,
      gehören denn nach deiner Einschätzung Aurelius, Bausch Health, DIC Asset und MBB auch zu den Unternehmen, mit denen man die nächsten Wochen "überstehen" kann? Die Verluste in den letzten 4 Wochen betragen ja schon 52-60%, bei MBB "nur" 32%.
      Beste Grüße Isabelle

      Löschen
    3. MBB hat einen hohen Cashbestand; so hoch, dass sie nun sogar eigene Aktien zurückkaufen wollen.

      DIC Asset hatte vor Kurzem erst eine Kapitalerhöhung durchgeführt zu €16 je Aktie und hat einen Großaktionär im Hintergrund, der ggf. weitere Mittel zur Verfügung stellen könnte/würde - was ich nicht für nötig erachte.

      Bausch Health ist hoch verschuldet, aber sie haben kaum ausstehende Kreditverpflichtungen in den nächsten zwei Jahren. Und selbst dann zeigt die Erfahrung der letzten anderthalb Jahre, dass sie alte Schulden ggf. auch refinanziert bekommen und zwar zu deutlich besseren Konditionen als zuvor. BHCs Produkte werden weiterhin nachgefragt, auch wenn sie mit Bausch & Lomb natürlich im Bereich der Augenheilkunde und Optik unterwegs sind, die momentan nicht zu den bevorzugten Anwendungen gehören. Aber eine Gefahr sehe ich hierin auch nicht.

      Und auch Aurelius verfügt über einen hohen Bestand an liquiden Mitteln. Bei Firmenübernahmen wenden sie selten viel Geld auf, oft bekommen sie sogar noch eine Mitgift. Was jetzt mehr Geld verschlingen dürfte, ist das Stützen von schlingernden Töchtern und/oder deren Sanierung. Andererseits bietet sich hier auch die Chance, bisher eher nicht durchführbare Maßnahmen ergreifen zu können unter dem Vorwand der Corona-Krise; Gewerkschaften dürften da momentan auch weniger harte Verhandlunsgpartner/Gegner sein als unter normalen Umständen.

      Das größte Risiko bei Aurelius sehe ich eher in der Gefahr, dass sie die Dividende kürzen/aussetzen könnten. Das würde wohl am Markt nicht gut ankommen und wird wohl schon seit ein, zwei Wochen mit eingepreist.

      Löschen
    4. Moin Michael,
      vielen Dank für deine Einschätzungen. Die größten Sorgen macht mir nach wie vor Aurelius. Auf eine Dividende könnte ich wohl verzichten, wenn nur nicht der ganze Laden den Bach runtergeht ... Aber die Gefahr siehst du ja wohl eher nicht.
      Noch eine neugierige Frage: Kaufst du bei einem oder mehreren dieser geprügelten Werte nach? Ich fürchte ja eher noch weitere Kurseinbrüche.
      Beste Grüße Isabelle

      Löschen
    5. Hallo Michael,

      Wie sieht es bei der Hypoport Aktie aus? Sollte doch ähnlich wie bei den Payment Anbietern sein oder? Vielleicht findest Du ja noch ein paar Worte dazu...

      Danke schonmal! Grüße Franki

      Löschen
    6. @Isabelle
      Aurelius und Mutares lassen ihre Tochterunternehmen jeweils in separaten Einheiten operieren; wenn also eines dieser Tochterunternehmen in Schieflage gerät und ggf. in die Insolvenz schlittert oder gar abgewickelt werden muss, belastet das die Mutter nicht so sehr. Die Tochter ist dann zwar nichts mehr wert und ggf. muss der NAV nach unten korrigiert werden, aber es gefährdet nicht das ganze Unternehmen.

      Zum Nachkauf... bei DIC Asset habe ich bei €7 nachgekauft, bei MBB denke ich darüber nach. Der angekündigte Aktienrückkauf zeigt mir, dass hier reichlich Liquidität vorhanden ist. Bei Aurelius warte ich auf eine Äußerung zur Dividende - weil eine mögliche Streichung kurzfristig wohl negativ aufgenommen würde.

      Löschen
    7. @Franki
      Hypoport wird auch negative Einflüsse spüren, weil die Finanzierungstätigkeit zurückgehen wird für einige Zeit. Wenn alle zuhause sind, kaufen weniger Leute Immobilien oder gehen zu Wohnungsbesichtigungen. Auf der anderen Seite steigt der Grad der Digitalisierung bei Finanzierungen weiter an und gerade Volksbanken und Sparkassen stehen hier unter besonderem Druck - und das sind die beiden großen Wachstumstreiber für Hypoport. Hinzu kommt der bereich Insuretech, wo Hypoport zuletzt zweimal erfolgreich zugekauft hat. Und da man kürzlich zu Höchstkursen einige eigene Aktien verkauft hatte, hat man auch genügend Liquidität für Zukäufe.

      Mittel- und langfristig bleibt Hypoport erste Wahl. Kurzfristig dürfte der Kurs aber weiterhin sehr volatil bleiben und es ist auch nicht auszuschließen, dass er nochmal deutlicher unter Druck geraten könnte. Hier sitzen eben noch viele Leute auf Kursgewinnen und wenn die Börsen abschmieren, werden oft die verbliebenen Gewinner verkauft und an den Losern festgehalten. Was eine absolut Loserstrategie ist und Geld vernichtet, aber die Leute agieren eben so. Dumm - und eine Chance für alle anderen, Qualitätsaktien dann zu Ausverkaufskursen abstauben zu können.

      Löschen
  2. Hallo Michael,
    vielen Dank für deine Einschätzung zu den BDC's. Der Artikel kommt für mich auch wie gerufen.

    Da ich persönlich mit einer Rezession nach der Präsidentschaftswahlen in den USA gerechnet habe, wollte mich eigentlich im Laufe des Jahres so nach und nach von meinen BDC's trennen. Leider kam es zu diesen Black Swan Ereignis und ich habe deren Auswirkung und Geschwindigkeit massiv unterschätzt. Nun hadere ich mit mir ob ich die Buchverluste über die nächsten Jahre aussitzen soll oder sie sofort realisiere. Aufgrund deiner fundamentalen Einschätzung werde ich mich nun doch für letzteres entscheiden. Ich glaube der Boden an den Aktienmärkten ist noch lange nicht erreicht, aber besonders bei BDC's ist die Fallhöhe im Vergleich zu Value-Aktien durch noch folgende Insolvenzen überproportional hoch.
    Noch eine kurze Anekdote zur Behauptung der chinesischen Staatsmedien. Ich habe heute am Frühstückstisch als Spaß zu meiner Frau gesagt: "Es würde mich nicht wundern wenn die Demokraten den Virus in China eingeschleppt haben um durch einen Crash am Aktienmarkt Trumps Wiederwahl zu verhindern". Zu diesem Zeitpunkt war mir allerdings die Behauptung der Chinesen noch gar nicht bekannt.

    In diesem Sinne nochmal vielen Dank für deinen tollen Blog und bleib gesund.

    AntwortenLöschen
  3. Bleib gesund und lass dich weder von Panik noch von Covid-19 anstecken ;)

    AntwortenLöschen
  4. hallo micha.

    danke für deine ausführung von den BDCs .
    du glaubst also das z.b. gladstone mit seiner gesamten Investment - familie . Insolvent gehen kann ?

    Ich denke diese sind sehr gut aufgestellt. laut deinen älteren ausführungen?
    (auch mit der Fremdfinazierung)

    wenn ich das richtig deute, würst du wohl nicht wieder über die div-starken Unternehmen etwas schreiben.

    dies finde ich , und bestimmt auch andere sehr schade. :)


    mfg micha aus BS

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich gehe nicht davon aus, dass einzelne BDCs pleite gehen. Dennoch muss man dieses Szenario im Blick behalten, zumindest bei einigen könnte sich die Situation zuspitzen, wenn der Shutdown länger anhält und sich die Ausfälle im Kredit- oder Equity-Portfolio häufen.

      Momentan sind BDCs als Assetklasse für mich zu Risiko beladen und ich konzentriere mich hauptsächlich auf Qualitätswerte. Das bedeutet aber nicht, dass BDCs für mich nun dauerhaft gestorben sind und ich mir nicht die eine oder andere mal wieder ansehe und ggf. ins Depot lege. Und wenn sich die Branchenstimmung dort wieder aufhellt, berichte ich bestimmt auch wieder darüber...

      Löschen
    2. Zumindest scheinen die BDC´s noch zu zucken. Gestern und heute erstaunliche Kursgewinne. Als ich heute kurz vor 18 Uhr an der Börse Frankfurt geschaut habe, war Newtek Buisness (NEWT) 25 % im Plus. Ich habe also noch Hoffnung für diese Assetklasse.

      Liebe Grüße
      Bierfreund

      Löschen
  5. Michael, wie verhält es sich mit den Schulden bei Unternehmen im Allgemeinen? Eigentlich sehe ich es wie Du, dass schuldenfreie Unternehmen grundsätzlich immer solider dastehen. Aber es gehört wohl zum Geschäft Schulden zu haben.

    Wie ist das nun aber in der akt. Situation damit? Beispiel: Du hattest bei Deiner Besprechung von Iron Mountain (IRM) damals als einzigen Makel die hohen Schulden angemerkt. Nun ist es so, dass das Geschäftsmodell m.E. nicht unter Corona leiden wird. Doku ist nach wie vor notwendig. Aber vielleicht ziehen sich doch manche zurück.

    Die Zinsen für Schulden sind nun aber wieder gefallen. Was für die BDC schlecht ist. Aber hier bei einer "normalen" Firma doch eher gut, da sie nun eine geringere Zinsbelastung haben - oder nicht? Wie ist das einzuschätzen? Oder auf was ist da zu achten?? Sollte man überlegen Werte wie IRM trotzdem vorsichtshalber aus dem Depot werfen.

    Danke
    Konrad

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Moin Konrad,
      bzgl. Iron Mountain trügt Dich Deine Erinnerung, ich habe den Wert noch nie erwähnt oder gar analysiert; ich kann daher zu dem Unternehmen auch keine Einschätzung abgeben.

      Was Schulden angeht, sind natürlich nicht alle Schulden schlecht. Ein gewisses Maß an Fremdkapital ist durchaus nützlich; es kommt eben darauf an, wie gut dieses abgesichert ist und ob die Kredite auch jederzeit bedient werden können, selbst in einer Krisenphase. Hier setzt Buffett den Risiko-Maßstab: "Kredit ist wie Sauerstoff. Ist er vorhanden, bleibt seine Anwesenheit unbemerkt. Fehlt er, ist das alles, was bemerkt wird. Schon eine kurze Phase ohne Kredit kann ein Unternehmen in die Knie zwingen."

      Man muss sich also immer die frage stellen, wann die Kredite/Schulden fällig werden und ob das Unternehmen in dem Moment den Betrag zurückzahlen kann oder ob eine Verlängerung der Laufzeit, also eine Anschlussfinanzierung sicher oder zumindest sehr wahrscheinlich ist.

      Wenn also bei BDCs das NII sinkt, weil die variablen Zinsen sinken, und gleichzeitig die Wirtschaft kollabiert und somit eine starke Zunahme an Kreditausfällen absehbar wird, dann setzt das die eigene Fähigkeit der BDCs, Schulden zu bedienen, massiv unter Druck. Gleichzeitig erwarten die Aktionäre weiterhin die hohen Dividendenausschüttungen, und beide Ziele/Entwicklungen stehen in krassem Widerspruch zueinander. Kredite zurückzuzahlen hat allerdings die höhere Priorität... Und vom Grundsatz gilt das auch für alle anderen Unternehmen. Überschuldung und Illiquidität sind Insolvenztatbestände - nur weil die Pflicht zur Insolvenzanmeldung nun für drei Monate gelockert wurde, ändert das ja nichts an den zugrunde liegenden Problemen. Wer (zu) viele Schulden hat, ist in der Krise in der Defensive und steht unter zusätzlichem Druck. Und er kann ggf. aus Geldmangel auch nicht alle nötigen Schritte unternehmen, um sein Business durch die Krise zu bringen. Wie ein Arzt, dem bei einer Herz-OP nicht alle erforderlichen Geräte/Instrumente zur Verfügung stehen.

      Löschen
  6. Danke für die ausführliche Antwort. IRM Besprechung war in der Tat nicht von dir, sondern beim Aktienfinder ;-). Sorry. Aber es ging im Wesentlichen auch im das grundsätzliche Verständnis. Ich will dazulernen, was mir in deinem Blog gut gelingt :).

    AntwortenLöschen
  7. Hallo Herr Kissig, im Onlinehandel/Plattformen setzen Sie auf Amazon, Zalando und MercadoLibre: Wie schaut es eigentlich aktuell mit Ebay aus? Für Ebay könnte die derzeitige Situation ein kleiner Vorteil sein, um den stationären Handel zu helfen bzw. neue gewerbliche Kunden zu gewinnen. Wie sehen den aktuellen Aktienrückkauf des Unternehmens?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ebay wird ja von den beiden aktivistischen Investoren getrieben und verkauft die Sparten, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Mit den eingenommenen Geldern und dem stabilen Cashflow kauft man eigene Aktien zurück, das ist schon sinnvoll für die Aktionäre.

      Auf der operativen Ebene sehe ich Ebay weiterhin im Nachteil ggü. den Wettbewerbern wie Amazon und MercadoLibre, da hat man einfach jahrelang die Entwicklungen verpennt. Hier muss ein neuer CEO mit frischen Ideen her, ansonsten wird Ebay weiter Marktanteile verlieren. Dann bleibt eigentlich nur noch die Komplettübernahme, will man nicht den Weg einstiger Ikonen wie AOL oder Yahoo! gehen.

      Bin jedenfalls gespannt, wie Ebay sich in der Krise schlägt und ob man die (och) vorhandenen Chancen nutzt.

      Löschen
  8. Tja schade, hab die Newtek nun bei 10$ diese Woche rausgeworfen mit 50% Verlust, obwohl ich mit mir gehadert habe, aber der Schmerz ist nicht weg sondern richtig groß. Inzwischen stehen sie wieder bei 16,88$. Macht schlappe 8000€ Verlust, muss ich bei meinem Mindestlohn 6 1/2 Monate für arbeiten bzw. 10% Sparquote fast 6 Jahre ums wieder reinzuhören, schon hart. Kann nur jedem raten keine vorschnellen Entscheidungen zu treffen. Und nicht direkt Verluste zu realisieren wo Micha noch Gewinne mitnimmt, weil er schon seit Jahren drin ist...

    AntwortenLöschen