Dienstag, 7. September 2021

Good News bei... Mutares: Umsatz- und Gewinnexplosion, Prognoseerhöhung - und mehr

Sanierungsspezialist Mutares meldet sich mit einer Machtdemonstration aus der Sommerpause zurück. Die Halbjahreszahlen strotzen nur so vor Kraft und auch beim Blick nach vorne wird Mutares optimistischer. Sehr viel optimistischer, muss man schon sagen, denn Mutares schraubt seine Mittelfristziele deutlich nach oben.

Darüber hinaus böte sich "in der aktuellen Marktsituation eine einmalige Chance, den erfolgreichen Wachstumspfad weiter zu beschleunigen. Die in den vergangenen Monaten vorgegebene Taktzahl soll daher weiter erhöht werden und neue Märkte wie Benelux oder Polen schneller erschlossen werden". Daher würden auch "verschiedene Optionen zur Finanzierung des weiteren strategischen Wachstums, einschließlich einer Bezugsrechtskapitalerhöhung kombiniert mit einem Uplisting in den regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse (Prime Standard)" geprüft.

Während die Aussicht auf eine Kapitalerhöhung regelmäßig die Anleger vorübergehend verschreckt, könnte dies im Fall vom Mutares komplett anders aussehen. Denn wenn das Unternehmen €100 durch Ausgabe neuer Aktien einnimmt, diese aber in kürzester Zeit in €125 oder €150 wandelt, weil man so viele gewinntreibende Chancen vor der Nase hat, dann muss Bestandsaktionären vor einer Kapitalerhöhung nicht bange sein. Im Gegenteil, sie würde ja beinahe umgehend Wert schaffen. Und dass Mutares etwas von Wertschöpfung versteht, das zeigen die Halbjahreszahlen eindrucksvoll...

Und die schauen wir uns jetzt mal genauer an:

Mutares verzeichnete im ersten Halbjahr 2021 ein Umsatzwachstum auf €22,8 Mio. (H1/20: €14,4 Mio.) und ein Wachstum des Konzernumsatzes auf €1.093,9 Mio. (H1/20: €620,5 Mio.) Das Nettoergebnis der Mutares beläuft sich, geprägt durch den Ergebnisbeitrag aus dem Verkauf der Anteile an der STS Group AG, für das erste Halbjahr 2021 auf €19,9 Mio. (H1/20: €-4,8 Mio.). Der deutliche Umsatzzuwachs basiert vor allem auf der hohen Transaktionsaktivität im ersten Halbjahr 2021 mit bereits sieben abgeschlossenen Akquisitionen.

Das Konzern-EBITDA lag mit €411,5 Mio. (H1/20: €41,5 Mio.) um 891,5% über dem Wert des Vorjahres. Das Adjusted EBITDA belief sich auf €-4,6 Mio. (H1/20: €-16,7 Mio.) und verbesserte sich dank der Restrukturierungsfortschritte in den Portfoliounternehmen, insbesondere bei der Donges Group, der Elastomer Solutions Group, der KICO Group und der BEXity, deutlich.

Die liquiden Mittel im Konzern betrugen zum 30. Juni 2021 €246,1 Mio. (31.12.20: €145,3 Mio.), die Eigenkapitalquote des Konzerns erhöhte sich daher signifikant auf 26% gegenüber 16% zum Jahresende 2020.

Umsatz wächst in allen Segmenten deutlich

Im Segment Automotive & Mobility konnten die Umsatzerlöse im ersten Halbjahr 2021 auf €353,0 Mio. (H1/20: €216,4 Mio.) gesteigert werden. Ursächlich hierfür sind einerseits das organische Wachstum gegenüber dem von COVID-19 beeinträchtigten Vorjahreszeitraum und die Plattform-Akquisitionen von SFC Solutions und iinovis, die im Juli bzw. November 2020 abgeschlossen wurden. Das EBITDA des Segments lag mit €-2,6 Mio. (H1/20: €2,4 Mio.) unter dem Vorjahreswert, der von Bargain Purchases in Höhe von €18,6 Mio. positiv beeinflusst war. Das Adjusted EBITDA des Segments konnte auf €4,7 Mio. (H1/20: €-13,8 Mio.) gesteigert werden, was insbesondere auf die Optimierungserfolge bzw. positiven Ergebnisbeiträge bei der STS Group, der Elastomer Solutions Group und der KICO Group zurückzuführen ist.

Das Segment Engineering & Technology verzeichnete im ersten Halbjahr 2021 einen Umsatzanstieg auf €413,0 Mio. nach €241,6 Mio. im ersten Halbjahr 2020. Maßgeblich zum Anstieg beigetragen haben vor allem die neuen Plattform-Akquisitionen Lacroix + Kress sowie Royal De Boer und Japy Tech im vierten Quartal 2020, die Akquisitionen des Berichtszeitraums (Clecim und La Rochette Cartonboard) sowie die in 2020 erfolgten Add-on-Akquisitionen für die Donges Group und die Balcke-Dürr Group. Das EBITDA des Segments stieg im ersten Halbjahr 2021 auf €35,3 Mio. (H1/20: €23,1 Mio.) und war im Wesentlichen begünstigt vom Erwerb von Clecim und dem Veräußerungsgewinn von Balcke-Dürr Rothemühle. Das Adjusted EBITDA des Segments lag aufgrund des negativen Marktumfelds bei EUPEC und der Gemini Rail Group sowie den noch negativen Ergebnisbeiträgen von Royal De Boer und Japy Tech bei €-7,1 Mio. im ersten Halbjahr 2021 nach €0,7 Mio. im ersten Halbjahr 2020.

Die Umsatzerlöse im kletterten im ersten Halbjahr 2021 auf EUR 327,9 Mio. (H1/20: €162,5 Mio.). Der Umsatzanstieg ist im Wesentlichen auf den Erwerb von Lapeyre, der gemessen am Umsatz und an der Anzahl der Mitarbeiter größten Akquisition der Mutares-Historie, sowie auf die im zweiten Halbjahr 2020 abgeschlossenen Plattform-Akquisitionen von der Terranor Group und SABO zurückzuführen. Das EBITDA des Segments belief sich auf €404,5 Mio. (H1/20: €23,2 Mio.). Hier wirkten sich vor allem der Erwerb von Lapeyre sowie die Veräußerung von Nexive positiv aus. Das Adjusted EBITDA des Segments lag nach sechs Monaten im Geschäftsjahr 2021 bei €-3,8 Mio. (H1/20: €-1,5 Mio.). Die noch negativen Ergebnisbeiträge von EXI und Repartim/Maisoning Group überkompensieren noch die Restrukturierungserfolge bei BEXity sowie der Plattform-Akquisitionen Terranor Group und SABO.

Die operativen Fortschritte und Ergebnisse der Tochterunternehmen sind für die Holding allerdings lediglich Wegweiser. Die Holding erzielt ihre Einnahmen aus Provisionen für die Betreuung und Dienstleistungen, die man für die Töchter erbringt. Des Weiteren ggf. aus Gewinnabführungen (Dividenden) und natürlich aus Gewinnen beim Verkauf und/oder Bargain Purchases beim Kauf von Tochterunternehmen.

Hohe Transaktionsaktivität auf Kauf- und Verkaufsseite

Das erste Halbjahr 2021 war erneut von einer hohen Transaktionsaktivität geprägt. Insgesamt hat Mutares im Berichtszeitraum drei Exits und sieben Akquisitionen erfolgreich abgeschlossen.

Auf der Exit-Seite realisierte Mutares im ersten Halbjahr 2021 den Verkauf von Balcke-Dürr Rothemühle an die Howden Group, von Nexive an Poste Italiane und von der STS Group an die Adler Pelzer Group. Darüber hinaus hat Mutares nach dem Stichtag 30. Juni 2021 den Verkauf von Cenpa und den Verkauf von TréfilUnion, EUPEC und La Meusienne erfolgreich abgeschlossen, sowie den Verkauf von Norsilk eingeleitet.

Noch aktiver als die Exit-Seite hat Mutares im ersten Halbjahr 2021 die Opportunitäten auf der Akquisitionsseite genutzt und ist mit sieben abgeschlossenen Akquisitionen mit einem Jahresumsatz von circa €1,3 Mrd. weiterhin auf einem dynamischen Wachstumskurs. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 hat Mutares mit EXI, Clecim, Repartim/Maisoning Group, Lapeyre, La Rochette Cartonboard und ADComms sechs Plattform-Akquisitionen sowie mit NCC Road Services in Dänemark eine Add-on-Akquisition für die Terranor Group erfolgreich abgeschlossen.

Nach dem 30. Juni 2021 konnten zudem bereits zwei weitere Transaktionen abgeschlossen werden, eine Add-on-Akquisition, Permasteelisa Group für die Donges Group, und eine Plattform-Akquisition, namentlich drei Exterior-Werke von Magna.

Darüber hinaus wurden nach dem 30. Juni 2021 drei weitere Akquisitionen unterzeichnet: Für Rasche Umformtechnik als Add-on für PrimoTECS, für Ganter Construction & Interior als Plattform für das Segment Goods & Services und für die Innomotive Systems Hainichen als Plattform für das Segment Automotive & Mobility. Der Abschluss dieser drei Transaktionen wird noch für dieses Jahr erwartet.

Mutares erwirbt kriselnden Unternehmen oder ungeliebte Randbereiche großer Konzerne. Daher muss man beim kauf nicht viel Geld auf den Tisch legen, sondern bekommt oft sogar noch eine finanzielle Mitgift oben drauf ("Bargain Purchase"), weil man dem abgebenden Konzern die Sanierung und Umstrukturierung erspart und den damit möglicherweise einhergehenden Ärger mit Belegschaft, Gewerkschaften, Politik.

Der Vorstand erkennt in der aktuellen Lage "enorme Chancen", vor allem auf den Kaufseite, und will daher seine Schlagzahl noch weiter erhöhen. Dazu ist u.a. eine (schnellere) Expansion ins angrenzende Ausland geplant.

Mutares übernimmt die neuen Unternehmen entweder als neues Plattforminvestment oder gliedert sie einem solchen bestehenden an. Generell erfolgen Neuerwerbungen als separate Unternehmen, so dass sie selbst bei einer Pleite nicht den Konzern gefährden, sondern "nur" zu einem Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

Mutares setzt neben Eigenkapital auch Fremdkapital ein und die Eigenkapitalquote ist eine bedeutende Kennziffer, wenn es um die Finanzierungskosten geht (Kreditzinsen). Die neuen, größeren Wachstumspläne werden daher auch frisches Eigenkapital nötig machen. Aber darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen und es ist davon auszugehen, dass eine solche Maßnahmen erst und nur dann erfolgen wird, wenn Mutares positive flankierende Infos zu vermelden hat (zB konkrete Übernahepläne und/oder das Uplisting des Börsensegments). Ein Uplisting würde die Mutares-Aktie für institutionelle Anleger investierbar(er) machen, vor allem aus dem angelsächsischen Raum, und damit nicht nur die Nachfrage nach Mutares-Aktien erhöhen, sondern auch den dortigen Bekanntheitsgrad, sowohl bei Investoren, als auch bei Unternehmen, also potenziellen Übernahmezielen.

Bis es aber soweit ist, schauen wir erstmal "nur" auf den angehobenen Ausblick, den Mutares mit den bestehenden Bordmitteln erreichen will.

Ausblick

Basierend auf den im Geschäftsjahr 2021 bereits abgeschlossenen und unterzeichneten Akquisitionen sowie den Aussichten in den einzelnen Segmenten erwartet der Vorstand im Geschäftsjahr 2021 weiterhin einen signifikanten Anstieg des Konzernumsatzes um mehr als 50% gegenüber dem Wert aus dem Geschäftsjahr 2020 in Höhe von €1,6 Mrd. Das erwartete Umsatzwachstum wird von allen Segmenten getragen. (...) Aufgrund der sich bietenden Chancen erhöht der Vorstand auch das mittelfristige Konzernumsatzziel für das Geschäftsjahr 2023 von bisher €3 Mrd. auf mindestens €5 Mrd. Erklärtes Ziel ist es, mittel- bis langfristig ein Nettoergebnis der Mutares auf Holdingebene von 1,8% bis 2,2% des Konzernumsatzes zu erreichen.

Das ist schon ein großes Ausrufezeichen: Schon in 2023 werden €2 Mrd. mehr an Konzernumsatz erwartet, eine Steigerung von zwei Dritteln!

Dabei ist davon auszugehen, dass die an die Holding abzuführenden Provisionen umso höher sind, je größer der Umsatz der Portfoliounternehmen ausfällt. Auch wenn es nicht unbedingt eine direkte Beziehung zwischen Umsatz und provisionshöhe geben muss, wird eine Tochter mit €10 Mio. Umsatz wohl deutlich weniger für Controlling, Beratung, (Umstrukturierungs-) Expertise seitens der Mutter berappen müssen, als eines mit €100 Mio.

Und nicht zu vergessen: die Basisdividende speist sich aus genau diesem Einnahmestrom. On top kommt dann ggf. die Partizipationsdividende, die sich aus den Gewinnen erfolgreicher Exits finanziert.

Meine Einschätzung

Mutares ist full on track und sogar noch besser als erwartet. In meinem Investor-Update zum Ende des 1. Quartals hatte ich ja dargelegt, dass ich Mutares deutlich aufgestockt hatte, denn es ist einer meiner Nebenwertefavoriten für 2021. Der Aktienkurs hat (inkl. der Bruttodividende von €1,50 je Aktie) seit dem Jahresstart um 85% zugelegt und bestätigt damit meine Überlegungen.

Quelle: wallstreet-online.de
Das KGV für 2021 sieht verlockend günstig aus. Aber Vorsicht! Davon sollte man sich nicht blenden lassen. Denn bei einer Beteiligungsgesellschaft wie Mutares ist das KGV noch weniger aussagekräftig als bei "normalen" Unternehmen. Es speist sich nämlich so erheblichen Teilen aus einmaligen Verkaufsgewinnen und die kann man nicht genau vorhersagen - weder in der Höhe noch bzgl. ihres Eintrittszeitpunkts.

Viel interessanter ist daher das operative Ergebnis ohne Verkaufsgewinne und/oder Bargain Purchases. Und hier stehen bei Mutares alle Zeichen auf Wachstum und Erfolg. Aus diesem Grund (!) ist Mutares auch nach dem starken Kursanstieg nicht zu teuer, sondern weiterhin vergleichsweise (zu) günstig in Anbetracht der großen Chancen und überschaubaren Risiken.

Daher dürfte es nicht verwundern, dass sich Mutares aktuell einen Zweikampf mit KKR & Co. um den zweiten Platz in meinem Depot liefert, denn auch KKR glänzt durch außerordentlich starkes profitables Wachstum und konnte in diesem Jahr bereits um gut 75% zulegen. Ich gönne beiden ihren Erfolg - und das durchaus eigennützig. ツ

Disclaimer: Habe KKR, Mutares auf meiner Beobachtungslisten und/oder in meinem Depot/Wiki.

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