Dienstag, 6. April 2021

Kissigs Investor-Update Q1/21 mit MBB, Energiekontor, Mutares, Hypoport, Costco, Funkwerk, Danaher, ABO Wind, 3U Holding, Deutsche Beteiligungs AG

Investor-Update zum Ende des 1. Quartals 2021

In meinen Investor-Updates blicke ich jeweils zum Ende des Quartals auf die vergangenen Monate zurück und berichte, was sich auf meiner Beobachtungsliste getan hat und stelle die TOP-Werte in meinem Investmentdepot vor. Des Weiteren beschäftige ich mich ggf. auch mal mit Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Das erste Quartal liegt hinter uns und dabei waren drei Themen bestimmend: das Wideraufflammen von Corona bei gleichzeitigem Impfstart und -chaos, die Billionenpakete von US-Präsident Joe Biden und das Anziehen der Zinsen aufgrund wachsender Inflationssorgen. Nach anfänglichen weiteren starken Kursgewinnen bei den Technologiewerten setzte Mitte Februar eine Sektorrotation ein, die zu teilweise heftigen Kurseinbrüchen bei den Wachstumswerten führte und zu einer Renaissance der Valuetitel und Konjunkturzykliker. Zuletzt konnten die "klassischen" Börsenindizes neue Allzeithochs vermelden, so wie der DAX mit erstmaligem Überschreiten der 15.000er Marke.

Die ganz großen Umwälzungen gab es nicht, denn mit meinen Depotschwergewichten fühlte und fühle ich mich grundsätzlich wohl. Doch auch in meinem Depot wirkt sich die veränderte Situation aus - gar nicht mal so stark im Vergleich zum Jahresende 2020, aber verglichen mit der Gewichtung zum Ende September ist es schon auffällig, dass ich inzwischen deutsche Nebenwerte deutlich höher gewichtet habe als US-Werte. Und das liegt nicht alleine an der überdurchschnittlich guten Performance dieser Aktien. Ende März waren die größten Positionen in meinem Investmentdepot MBB, Energiekontor, Mutares, Hypoport, Costco, Funkwerk, Danaher, ABO Wind, 3U Holding, Deutsche Beteiligungs AG. Damit haben es gleich 5 Werte neu in die Top 10 geschafft, wobei die meisten von ihnen "alte Bekannte" sind...

▶ "Investor-Update reloaded" - Ausgabe 11

Meine Investor-Updates zum Quartalsende machen mir jedes Mal viel Arbeit, aber auch eine Menge Spaß, wie ich gerne zugebe. Und sie sind für mich auch immer ein willkommener Anlass, die letzten drei Monate Revue passieren zu lassen.

Ich fahre ja einen gemischten Bottom-up-Top-down-Ansatz, bei dem ich einerseits auf Makroökonomische Trends setze, andererseits mir innerhalb dieser Trends dann die am besten positionierten und/oder bewerteten Unternehmen herauspicke.

Tendenzielle mittel- und langfristige Krisenprofiteure sind Unternehmen aus den Bereichen Cloud-Computing, Green Energy/ Dekarbonisierung, Digital Payments/ Fintech, Software-as-a-Service (SaaS), (Netz-) Infrastruktur, Cyber-Security, Medizintechnik und dort liegt der Schwerpunkt meiner Depotausrichtung. Sowohl bei meinen Top 10-Werten, die alle einen oder mehrere dieser Megatrends bedienen, aber auch bei meinen kleineren Positionen mit weniger als 2% Depotgewichtung.

Ich bin ja gerne voll investiert, weil nach meiner Erfahrung sich eine hohe Cashquote nur in der Theorie auszahlt (für günstige Nachkäufe), in der Praxis aber auf lange Sicht Rendite kostet (weil man die Nachkaufchancen dann doch nicht nutzt und somit Geld unnötig unrentierlich auf dem Konto verschimmelt). Dem entsprechend habe ich den Absturz, aber auch die anschließende Erholungsrallye voll mitgemacht. Und dank meiner Aktienauswahl auch überwiegend Gewinneraktien im Depot.


▶ Zur Marktlage

Auch dieses Investor-Update steht wieder maßgeblich unter dem Einfluss der Corona-Pandemie, die uns alle, die Bürger, die Unternehmen und die Börsen vor große Herausforderungen stellt. Corona wird uns das ganze Jahr 2021 hindurch begleiten und unser Leben beeinflussen. Hoffnungen und Enttäuschungen werden dabei sein und auch die Börsenkurse treiben. Die Hoffnungen ruhen auf Impferfolgen, Tests und einer zunehmenden Herdenimmunität, was uns eine weitgehende Rückkehr zu unserem "normalen" Leben ermöglichen wird.

Die Notenbanken und Regierungen werden weiterhin viel Liquidität ins System pumpen und die "Inflation der Vermögenswerte" wird weitergehen. Für die Börsen sind das positive Aussichten und wir werden uns auf absehbare Zeit daran gewöhnen müssen, dass es eine größere Kluft zwischen realwirtschaftlicher Entwicklung und Börsenkursen geben wird - auch wenn die Konjunktur in 2021 und vor allem 2020 deutliche Zuwachsraten aufweisen dürfte. Es ist so viel Geld im Markt, das kaum Zinsrenditen findet, dass jeder Markteinbruch schnell wieder hochgekauft werden dürfte.

Ich erinnere zum wiederholten Mal an Stanley Druckenmillers weisen Rat:
»Nicht die Unternehmensgewinne beeinflussen den Gesamtmarkt, es sind die Notenbanken. Und deshalb konzentriere ich mich auf die Zentralbanken und auf die Entwicklung der Liquidität, während die meisten Leute auf die Gewinne und konventionelle Kennzahlen blicken. Aber es ist die Liquidität, die die Märkte bewegt.«
(Stanley Druckenmiller)
Die zuletzt aufflammenden Inflationssorgen halte ich für unbegründet. Denn die Inflation ist (1.) hausgemacht, da die deutliche staatliche Verteuerung der Verschmutzungszertifikate Energie teurer macht und (2.) Inflationsraten von 1,3% nun wahrlich kein "Oha-Erlebnis" sind. Zumal die Notenbanken auf einen mittelfristigen Inflationskorridor umgeschwenkt sind und nun von "durchschnittlich 2% Inflation" ausgehen als Steuerungselement. Nach Jahren mit weniger Inflation könnte diese also auch auf 3%, 4% oder gar 5% hochschnellen, ohne dass die Notenbanken (FED, EZB) sich hier im Handlungsnotstand sehen. Die anziehenden Renditen bei Anleihen dürften haben sich von den Leitzinsen abgekoppelt und dürften sich auf dem etwas erhöhten Niveau einpendeln. Eine dauerhafte Zunahme erwarte ich auch hier nicht.

Obwohl es auch in den nächsten Woche zu (weiteren) Rebounds bei coronagecrashten Branchen kommen dürfte, halte ich mir hier eher zurück. Ich habe früher nicht in Airlines investiert oder in die Reisebranche und auch nur sporadisch (über ausgewählte Zulieferer und Beteiligungsgesellschaften) in den Automobilsektor und das werde ich auch jetzt nicht/kaum tun. Nur weil die Kurse Auftrieb kriegen könnten, ist mir als Grundlage für ein Investment zu wenig. Das grenzt an Market Timing, an Spekulation. Ich setze weiterhin auf die Megatrends und dabei auch gerne auf Unternehmen mit erheblichem Aufholpotenzial. Im vollen Bewusstsein, dass ich mir so vermeintliche schnelle Kurschancen entgehen lasse. Allerdings habe ich mein Engagement in gut positionierten Beteiligungsgesellschaften wieder erhöht (MBB, Mutares, DBAG), die von einer Konjunkturerholung und einem Wiedererstarken des Automobilsektors profitieren werden.


▶ Mein Investmentdepot

Investmentdepot inkl. Cash per 31.03.2021
Nun geht es ans Eingemachte: mein Depot. Ich setzte vor allem auf ausgesuchte Qualitätsunternehmen mit breitem ökonomischen Burggraben und das führt zu soliden und meistens überdurchschnittlichen Ergebnissen. Wenngleich mit den "heißen Wetten" natürlich größere Kursgewinne eingefahren werden können, jedenfalls für eine gewisse Zeit und durch ein viel höheres Risiko erkauft. Daher nehmen solche spekulativeren Werte nur kleine Positionen in meinem Depot ein; dazu zählen Turnaround-Spekulationen wie auch potenzielle Tenbagger - für beide braucht man viel Geduld.

Neben den Quality Investments liegt mein Interessenschwerpunkt weiterhin auf Deutschen Nebenwerten und abgerundet wird das Ganze mit einigen aussichtsreichen Turnaround-Spekulationen; diese stehen allerdings nun unter besonderer Beobachtung, denn gerade bei ihnen hat sich der finanzielle Stress merklich erhöht!

Angesichts der Corona-Pandemie und der sich immer schneller verändernden Welt muss man natürlich seine früher einmal gesetzten Prämissen überprüfen, weil die Krise auch die Rahmenbedingungen für viele Geschäftsmodelle prüft und teilweise infrage stellt. Und erkennt man, dass man nicht (mehr) richtig liegt mit seinen langfristigen Annahmen, dann muss man ggf. eben auch seine Positionierung korrigieren.

Ich folge dem Ansatz des Focus Investing und setze nur auf die besten Unternehmen. Des Weiteren halte ich eine signifikante Cash-Quote für renditevernichtend und bin damit stets zu mehr als 95% investiert (bezogen auf mein Investmentkapital).

Nun aber konkret zu den wesentlichen Veränderungen in meinem Investmentportfolio:



(Nur) fünf von zehn Werten blieben der TOP 10 erhalten. Energiekontor und MBB haben die Plätze getauscht; ich habe beide aufgestockt, aber MBB vor dem Vorwerk-IPO etwas mehr. Mutares ist durch das Aufstocken vom zehnten auf den dritten Rang vorgerückt vor Hypoport, wo ich in der jüngsten Kursschwäche wieder leicht aufgestockt habe. Mit Danaher und Costco Wholesale folgen zwei defensivere US-Werte, wo ich meine Position zulasten der Technologiewerte ausgebaut habe. Funkwerk ist abgerutscht, da der Kurs seit Monaten nicht aus dem Knick kommt. Hier sollten die Zahlen für 2020 eine deutlich positive Überraschung bringen und dem Kurs endlich den verdienten Auftrieb verschaffen. Auch ABO Wind, 3U Holding und Deutsche Beteiligung sind neu in meiner Top 10. Alle drei Werte habe ich ebenfalls aufgestockt und ihre Kurssteigerungen haben das Übrige getan.

Rausgefallen aus meiner Top 10, aber allesamt weiterhin in meinem Depot enthalten, sind PayPal, Amazon, Square, SBF und Dr. Hönle.

Die Gewichtung meiner Top 10-Werte hat sich von 54% auf fast 58% erhöht, bei den Top 5-Werten sind es 38% zu vorher 32%. Beteiligungsgesellschaften (MBB, Mutares, Danaher, 3U Holding, DBAG und im weiteren Sinne nach der Neustrukturierung als Holdinggesellschaft auch Hypoport) und die Green Energy-Werte (Energiekontor, ABO Wind, 3U Holding) dominieren. Mittelfristig stehen beide Branchen vor deutlichen Wachstumsschüben.

Green Energy: Energiekontor, ABO Wind, PNE

Es fließt viel Geld in den Green Energy-Sektor. Nicht nur Fördergelder für den Ausbau von Wind- und Solarenergie, sondern auch privates Geld von Investoren. Und inzwischen auch großes Summen von den Öl-Multis, wie BP oder Shell, die ihre langfristige Zukunft im Verkauf vom selbst erzeugten grünen Strom sehen und dem entsprechend ihre Investitionen in Öl- und Gasförderung runterfahren, während sie bei Wind- und Solarparks auf Shoppingtour gehen.

Die viel größere Nachfrage trifft auf ein unflexibles Angebot. Denn Wind- und Solarparks können nicht einfach so hochgezogen werden, sie haben eine lange Vorlaufzeit, bevor sich die ersten Windräder drehen und Sonnenstrahlen eingefangen werden. Es müssen geeignete Standorte identifiziert, die Grundstücke vertraglich gesichert und ein Projekt aufgelegt werden. Dieses muss dann von den Planungsbehörden genehmigt werden und es benötigt die Zulassung der Umweltbehörden (in Deutschland vor allem die BImSch-Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz). Erst dann kann der Bau losgehen und später erfolgt die Inbetriebnahme. Ach ja, zwischendurch muss auch noch das Auktionsverfahren erfolgreich abgeschlossen werden, sonst liegt das Projekt erstmal auf Eis.

Erschwerend kommt hinzu, dass immer öfter und immer verbissener gegen neue Anlagen geklagt wird. Jeder will sauberen Strom, aber keiner will die (vor allem) Windparks in der Nähe haben, wo sie seine freie Aussicht verschandeln.

Daher kann die stark steigende Nachfrage gar nicht so schnell bedient werden und somit steigen die Preise. Sowohl für Bestandsprojekte als auch für jene, die noch in der Planungsphase stecken. Wie die letzten Riesendeals (RWE, baywa.re) gezeigt haben.

Energiekontor plant und baut Wind- und Solarparks. Die Hälfte davon wird verkauft, die andere Hälfte wandert in den Eigenbestand. ABO Wind hat keinen Eigenbestand. Beide Unternehmen erfahren eine zunehmende Aufwertung ihrer Projektpipeline, weil die künftigen Verkaufserlöse immer höher anzusetzen sind. Dabei entsteht die größte Wertschöpfung, sobald Bau- und BImSch-Genehmigung vorliegen - die restlichen 5% bis 10% folgen dann noch, wenn die Anlagen gebaut sind und in Betrieb genommen werden. Dem entsprechend verkaufen die Unternehmen durchaus auch schon Projekte, die noch im Projektstatus sind. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern durchaus sinnvoll (Stichwort "Pareto-Prinzip").

Bei Energiekontor kommen zusätzlich noch hohe stille Reserven in der Bilanz hinzu. Beim Verkauf einer Anlage in Betrieb erzielt Energiekontor einen Gewinn, der sofort in der GuV aufschlägt. Wird der Wind- oder Solarpark hingegen in den Eigenbestand überführt, entfällt dieser Sofortgewinn natürlich. Er baut sich über die abschmelzenden Abschreibungen über die Jahre sukzessive auf, ist also nicht weg, sondern verteilt sich über 20 Jahre. Da Energiekontor aber jedes Jahr mehr Projekte beginnt und abschließt, sind die Gewinnanteile von Projekten aus 2005 oder 2010 oder 2015 viel geringer als es die von 2020 sind. Dem entsprechend sieht die Gewinnentwicklung zu niedrig aus und die Eigenkapitalquote (EK im Verhältnis zum Umsatz) schrumpft. Auf den ersten Blick könnte man hier eine sich verschlechternde Bilanzqualität und schlechte Geschäfte vermuten. Das Gegenteil ist aber der Fall. Ich empfehle den Geschäftsbericht 2020 von Energiekontor zur Lektüre, da wird dies ausführlich und sehr erhellend dargelegt.

Genau dieser Effekt lässt PNE im Vergleich alt älter aussehen. Denn der Großaktionär Morgan Stanley Infrastructure Partners ist nicht an schnellen Verkaufsgewinnen interessiert, sondern an einem hohen und schnell wachsenden Eigenbestand. Dem entsprechend verkauft PNE weniger Anlagen/Projekte, sondern behält sie nach Fertigstellung. Mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die GuV und Bilanz, wie zuvor beschrieben. PNE beziffert die "entgangenen Gewinne" durch den Verzicht auf einen Verkauf zugunsten der Überführung in den Eigenbestand allein für 2020 mit €50 Mio.!

Im Kennzahlenvergleich hinkt PNE deshalb hinter Energiekontor, ABO Wind und anderen hinterher. Und deshalb neigt der Aktienkurs im Peergroup-Vergleich auch zur Schwäche. Noch. Denn auf längere Sicht zahlt sich auch diese Strategie aus, nur sieht man es eben nicht sofort. Irgendwann wird die Börse dies erkennen und sich das bis dahin aufgestaute Nachholpotenzial dann schnell und kräftig entladen. Es ist keine Frage, ob dies eintritt, sondern "nur" wann. Und das kann noch einige Zeit dauern. Geduld ist also gefragt. Die "schnelle Mark" ist in nächster Zeit eher mit Energiekontor und ABO Wind zu machen, die ich momentan selbst auch höher gewichtet habe.

MBB

MBB ist einer der Tenbagger auf meiner Beobachtungsliste. Mit dem Kauf von Vorwerk gelang einmal mehr ein "Lucky Buy" und diese neu und mit Abstand größte Beteiligung ist als Netzspezialist ein großer Gewinner der Energiewende. Hinzu kommt, dass die zweitgrößte Beteiligung Aumann in 2021 einen kräftigen operativen Rebound hinlegen könnte, wenn die Automobilkonjunktur wieder anspringt mit steigenden Absatzzahlen und auch das Thema E-Mobilität wird stärker Fahrt aufnehmen.

Ich hatte im 4. Quartal 2020 meine Position deutlich aufgestockt und auch im 1. Quartal 2021 noch einmal etwas nachgelegt vor dem Vorwerk-IPO. MBB ist nun, auch dank des starken Kursanstiegs, meine größte Position im Depot. Stellt sich die Frage, ob nach dem IPO jetzt die Luft raus ist...

Inzwischen ist klar, dass das IPO von Friedrich Vorwerk erfolgreich war. Nach dem Ausgabepreis von €45 hat sich der Kurs im Wochenverlauf auf €52 nach oben gearbeitet. Die Konsortialbanken haben nun mitgeteilt, dass die Mehrzuteilungsoption vollständig ausgeübt wurde. Daher hält MBB jetzt noch genau 36% an der Friedrich Vorwerk AG bzw. 7,2 Mio. der auf 20 Mio. erhöhten Aktien und wird das Unternehmen somit vollständig in seiner Konzernbilanz konsolidieren. MBB erhielt für die 4,8 Mio. Aktien brutto €216 Mio., wovon netto rund €200 Mio. verbleiben dürften.

20% Abschlag auf den NAV von €156

MBB hat in der Holding zum Jahresende €182 Mio. Nettocash ausgewiesen und mit den rund €200 Mio. netto aus dem Vorwerk-IPO ergibt sich eine Nettocash-Position von €382 Mio. Friedrich Vorwerk weist eine Börsenkapitalisierung von €1,04 Mrd. auf, so dass der 36-prozentige MBB-Anteil rund €360 Mio. wert ist. Diesen €742 Mio. steht eine eigene Marktbewertung von €775 Mio. gegenüber, die man MBB bei einem Kurs von €130 zubilligt. Dabei hat MBB noch mehr zu bieten, denn neben den 76% an der ebenfalls börsennotierten Delignit AG gehören noch Hanke Tissue, OBO-Werke, CT Formpolster und DTS zum Beteiligungsportfolio. Und auch noch 40% an der Aumann AG. Die börsennotierten Beteiligungen an Aumann und Delignit sind dabei zusammen noch einmal rund €140 Mio. wert, so MBB aktuell mit mindestens €100 Mio. zu niedrig bewertet wird von der Börse.

Hinzu kommt das herausragende Management, das über die Jahre immer wieder enorme Wertsteigerungen für seine Aktionäre erzielt hat. Darüber hinaus dürfte nun die IT- und Cybersecurity-Tochter DTS wieder stärker ins Visier rücken, denn diese wird ebenfalls als heißer Aspirant für einen Börsengang gehandelt. Des Weitere hellt sich die Konjunktur weiter auf, insbesondere im Automobilsektor, und davon auch die MBB-Unternehmen profitieren werden.

Für die MBB-Aktionäre beginnt darüber hinaus nun die Phase der Spekulationen, denn es gilt, die €432 Mio. Nettocash zu verteilen, die MBB in der Kriegskasse hat. Entweder kann MBB das Geld in weitere lukrative Zukäufe investieren, oder man schlägt der Hauptversammlung eine fette Sonderdividende vor oder aber man legt erneut ein Aktienrückkaufangebot auf. Beim letzten Mal wurden fast 10% der eigenen Aktien für €98 je Aktie zurückgekauft. Ich hatte das Angebot damals angenommen und im Anschluss meine angedienten Aktien über die Börse wieder zurückgekauft. Und zwar deutlich billiger. Aus heutiger Sicht war das fast egal, weil MBB später dank des Vorwerk-Deals eine weitere Turbo-Stufe gezündet hat. Die erste war die Claas-Übernahme (die mich überhaupt erst auf MBB aufmerksam gemacht hatte), dann der Aumann-Zukauf und zuletzt eben Vorwerk. Angesichts eines Aktienkurses von nun über €130 ein sehr gutes Geschäft für alle Beteiligten.

Vielleicht entscheidet sich MBB ja auch für eine Kombination aus allen drei Möglichkeiten - Geld genug ist dafür jedenfalls vorhanden. Mir wäre dabei allerdings am liebsten, man würde viele preisgünstige Unternehmen mit viel Potenzial kaufen können. Geduld, über alle Schwankungen und Marktphasen hinweg, hat sich bei MBB wahrlich ausgezahlt und das dürfte auch in Zukunft so bleiben. Mein Sektor-Top-Pick und meine größte Depotposition.

Deutsche Beteiligungs AG

Die DBAG begleite ich bereits seit mehreren Jahren und hatte sie auch schon auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot. Doch im Juli 2019 war damit Schluss, nachdem sich nicht nur die Aussichten immer stärker eintrübten, sondern die DBAG selbst mit einer deftigen Prognosesenkung um die Ecke kam.

Meine damalige Einschätzung zum Abschied lautete: "Die DBAG bietet in absehbarer Zeit wenig positive Phantasie. Sie wird klassischerweise sogar oberhalb ihres NAV gehandelt, was den meisten anderen Beteiligungsgesellschaften schon länger nicht mehr zugebilligt wird. Ihr weitgehendes Alleinstellungsmerkmal als Asset Manager rechtfertigt ein gewisses Premium, weil sie aus dem Management der von ihr aufgelegten Beteiligungsfonds zusätzliche und stetige Provisionen vereinnahmt, aber auch hier muss man fairerweise sagen, dass diese zu einem Teil von der Marktlage abhängen und der Fähigkeit, bei Verkäufen hohe Gewinne auf das ursprünglich eingesetzte Kapital zu erzielen. Und diese Fähigkeit dürfte in nächster Zeit eher eingeschränkt sein".

Natürlich hatte ich damals nicht die Corona-Pandemie auf dem Schirm, sondern "nur" den US-China-Handelskrieg, die sich eintrübenden Konjunkturaussichten, das Endlosdrama "Brexit" und den durch den Abgasskandal ausgelösten Einbruch im Automotivesektor. Doch nun haben sich die Vorzeichen - wieder - geändert und bei der DBAG wechseln die Ampeln auf Grün. An dem Tag, an dem der Rauswurf der DBAG aus dem SDAX vollzogen wurde, griff ich in den erwartbaren letzten Kursabsacker hinein zu. Am Ende der Woche gab die DBAG dann bereits die von mir erwartete Meldung heraus, dass das Geschäftsjahr 2021/22 (von Oktober bis September) starke Gewinnzuwächse mit sich bringt. Und darüber hinaus wird sie von der Konjunkturerholung profitieren sowie vom zunehmenden Nachfolgedruck, der auf deutschen Mittelständlern lastet. Mehr dazu unter Deutsche Beteiligungs AG rockt (wieder): Back in black und well on track!.

Mutares

Mutares ist, wie auch schon im Vorjahr, einer meiner Nebenwertefavoriten für 2021. Man glänzt mit einer hohen Deal-Frequenz und hat seinen Mehrheitsanteil an der STS Group gewinnbringend veräußert. Als Dividende für 2020 werden €1,50 je Aktie vorgeschlagen, die sich als €1,00 Basisdividende und €0,50 Erfolgsdividende zusammensetzen. Mutares kauft Sanierungsfälle und Randaktivitäten großer Konzerne günstig ein und anschließend saniert man sie, strukturiert sie um und/oder ergänzt sie um weitere Add-on-Zukäufe. Dabei hat Mutares eine Plattform-Strategie etabliert und bildet Cluster, wodurch ein noch höherer Wertzuwachs erzeugt wird.

Was ich zu den starken Aussichten bei der DBAG geschrieben habe, gilt auch für Mutares (und natürlich auch für MBB). Muatres kann darüber hinaus von den zu erwartenden viele Insolvenzen profitieren, die nach Auslaufen des "Insolvenzverschleppungsgesetzes" zu erwarten sind.

Costco Wholesale und Danaher

Beide Unternehmen haben sich in der Corona-Zeit bewährt und werden dies auch nach Corona fortsetzen. Ich halte beide für mit am besten aufgestellt in ihrer Branche und bin davon überzeugt, dass sie auch künftig eine überdurchschnittliche Entwicklung vorlegen werden. Sowohl operativ als auch kurstechnisch.

3U Holding

Die kleine Beteiligungsgesellschaft entwickelt sich prächtig. Größter Trigger ist natürlich das IPO der ERP-Softwaretochter weclapp, das kürzlich noch für 2021 avisiert wurde. Hier dürften hohe stille Reserven aufgedeckt werden und ich will mir gar nicht ausmalen, was das  für den Kurs dieses noch immer recht marktengen Aktienwerts bedeuten kann/wird. Naja, irgendwie doch. Deshalb habe ich Anfang des Jahres meine Position aufgestockt und zuletzt Anfang März noch einmal, so dass die Aktie nun in meiner TOP 10 auftaucht.

Was man nicht (mehr) sieht...

Wie ich schon mehrmals erwähnt habe, bin ich bei einigen Technologiewerten mit kleinen Position eingestiegen; sie haben auf lange Sicht Tenbagger-Potenzial, sofern sie nicht gegen die Wand fahren und/oder sich ihre Technologie als nicht (mehr) führend erweist. Das Risiko ist bei diesen Werten höher, die Chancen auch verglichen mit meinen hoch gewichteten Quality Investments. Daher sind die "kleinen Raser" auch nur Depotbeimischungen - dabei haben einige in den letzten Monaten bzw. seit meinem Einstieg beachtliche Kurszuwächse erlebt, so dass diese Positionen nicht mehr ganz so klein sind. Ins Mittelfeld vorgeschoben haben sich u.a. Sea Limited, HelloFresh, Global Fashion Group oder Westwing. und auch Nynomic und Netfonds finden sich hier.

Daneben aussichtsreiche Unternehmen wie Amazon, Microsoft, PayPal, Intuit, die es auf Depotanteile zwischen 2,5% und 3% bringen. Hier habe ich jeweils ein bisschen meinen Bestand reduziert, um das Geld für meine Aufstockungen im Nebenwertebereich aufzubringen.


▶ Meine Wikifolios

Seit dem 19. Dezember 2020 kann in meine beiden Wikifolios "Kissigs Quality Investments" und "Kissigs Nebenwerte Champions" investiert werden und ich widme mich ihnen in meinem noch relativ neuen Format "Performance-Update", in dem ich künftig immer zum Monatsende die Entwicklung der Börsenindizes, meiner Wikis und meines Net Worth berichten werde.

Bei Interesse an meinen Wikis einfach hier mal hier reinschauen: Mein Wikifolio-Profil.



▶ Meine Cash-Quote

Wie ich vor einiger Zeit ausführlich erläutert habe, bin ich inzwischen zu der Überzeugung gekommen, dass eine hohe Cash-Quote langfristig mehr Rendite kostet, als wenn man annähernd voll investiert ist und dann auch bei Kursstürzen voll aufs Brett kriegt. Man muss dann eben "nur" die Ruhe bewahren. Meine Cash-Quote lag Ende des 1. Quartals wieder bei lediglich knapp 1%.


▶ Mein Net Worth

Entscheidend ist am Ende natürlich immer, "was hinten raus kommt", wie Altkanzler Helmut Kohl es mal formulierte. Nachdem mein operativer Net Worth (YTD) Mitte Februar bereits mit 17% im Plus gelegen hatte (und damit sogar noch stärker zugelegt hatte als in 2020 bis zu diesem Zeitpunkt), stürzte er bis Ende März ab. Auch das ist eine Parallele zum Vorjahr, allerdings gab es keinen Einbruch auf -16%, sondern lediglich auf +5,9% (YTD). Sollte sich dies über die nächsten drei Quartale fortsetzen, wäre ich sehr zufrieden, denn meine angepeilte durchschnittliche Jahresperformance liegt ja bei 15%. Dabei kann ein Ausnahmeergebnis wie die 37,37% aus 2020 natürlich nicht in jedem Jahr eingefahren werden, das sollte man immer im Hinterkopf behalten. Ansonsten würde man hier einem dummen Fehler aufsitzen, einem sog. Ankereffekt. Wegen der dann viel zu hohen Erwartungen, die fast zwangsläufig enttäuscht werden müssen, steigt der Druck, sich auf höhere Risiken einzulassen, um die Performance zu pushen. Was meistens in Verlusten endet, weil Chancen und Risiko keine Waisen sind, sondern Zwillinge und immer im Doppelpack auftauchen. Und nur, weil man den einen mal eine Zeit lang nicht wahrnimmt, heißt das nicht, dass er nicht doch da ist und sich irgendwann Geltung verschafft.

Also lieber einen vergleichsweise langweiligen, aber steigen Wertzuwachs als zu schnelles Auf und Ab mit größeren Abstürzen, oder...? ツ

Disclaimer: Die meisten der genannten Werte befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und/ oder in meinem Depot/ Wikifolio.

35 Kommentare:

  1. Das lang ersehnte Update :-) Vielen Dank dafür. Encavis ist nichts für Sie im Green Energy-Bereich? Auch eine Thermo Fisher würde neben einer Danaher vom Profil her prima zu Ihnen passen, finde ich.

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    1. Moin Peter,
      Encavis ist für mich nicht so interessant, da die Musik aus meiner Sicht vor allem bei den Projektierern und Entwickler im Green Energy-Sektor spielen wird und nicht bei jenen, die diese Projekte für den Eigenbestand immer teurer erwerben müssen.

      Thermo Fisher habe ich wirklich als Ergänzung zu Danaher auf der Liste. ;-)

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    2. Hallo Michael,
      von der Teuerungsrate bei den Windparks profitieren doch die Unternehmen, die am meisten Eigenbestände halten, oder? Encavis könnte sich ja z.B. auch bei entsprechend lukrativen Angeboten entschließen, die eigenen Bestände einfach zu verkaufen? Nach der Logik wären Encavis und PNE ja noch attraktiver als Energiekontor und ABO Wind. Auf der anderen Seite sollten die Kurse der Bestandshalter eher von den zuletzt erhöhten Inflationssorgen betroffen sein aufgrund der weiter in der Zukunft liegenden Gewinne, oder?
      Ist das Kurzfristpotential der Grund, weshalb PNE gar nicht in deiner Top-Liste auftaucht? Ich sehe da eigentlich noch einige Trigger wie einen etwaigen Beschluss, eigene Bestände einfach zu verkaufen oder auch die im Raum stehende Übernahme...
      Und welche Bedeutung misst du bei der Gewichtung innerhalb des Sektors dem Exposure in unterschiedlichen Regionen zu? Gibt es bei dir einen Bonus für ein erhöhtes Exposure in Deutschland, seitdem die CDU eine grüne Kanzlerin gewählt hat? ;)
      Viele Grüße
      Andreas

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    3. Moin Andreas,
      ich habe neulich eine sehr ausführlich Antwort gegeben, weshalb ich Energiekontor und ABO Wind einer PNE aktuell vorziehe. Ich stelle die im Anschluss hier nochmal ein.

      Zuvor Deine Frage zu den Materialsteigerungen/Inflation... Ich glaube nicht, dass sich dies positiv für Bestandshalter auswirkt, weil die ihre Einnahmeseite ja nicht einseitig verändern können. Die meisten Anlagen werden ja noch EEG-gefördert mit fester Einspeisevergütung. Deren Ertragswert ist also bis zum Laufzeitende begrenzt. Danach kann ein Weiterbetrieb oder ein Repowering interessant sein, sofern man nicht den Windpark abreißen muss. Beim Weiterbetrieb ist der Strompreis (PPA) die zentrale Größe, beim Repowering würden natürlich höhere Material- und Baukosten negativ zubuche schlagen. Aber da würde die Anlage ja komplett neu durchkalkuliert.

      Das Zinsniveau spielt insofern eine Rolle bei Bestandshaltern, als dass sie ggf. eine Finanzierung über 20 Jahre geplant haben, aber nur für 10 Jahre die Zinsen festgeschrieben wurden. Hier kann sich ggf. ein ziemliches Zinsänderungsrisiko einstellen, wenn die Zinsbindung ausläuft. Andererseits ist dann ja auch schon ein größerer Teil getilgt, so dass nicht mehr die Komplettsumme zur Refinanzierung ansteht.


      So, nun zu meiner Einschätzung Energiekontor/ABO Wind/PNE und ihren ähnlichen, aber doch auch sehr unterschiedlichen Geschäftsmodellen.

      ABO Wind ist ein reiner Projektierer. Die planen und bauen Wind- und Solarprojekte und veräußern diese; entweder noch im Projektstatus oder nach Fertigstellung. Den angefallenen Kosten stehen dann umgehend realisierte Verkaufserlöse gegenüber und idR Gewinne. So ist der Erfolg in der Bilanz, aber vor allem in der GuV "leicht" zu erkennen und das macht auch die Bewertung einfacher. Und dank der stark steigenden Nachfrage nach GreenTech-Investments/-Anlagen steigt auch der Wert der Projektpipeline deutlich an, denn es gibt ja nur begrenzt geeignete Flächen und die genehmigungsverfahren sind langwierig.

      Energiekontor ist ebenfalls ein Projektierer; die Aussagen zu ABO Wind gelten entsprechend. Doch etwa die Hälfte der fertiggestellten Anlagen werden in den Eigenbestand überführt. Dem entsprechend fallen 100% der Kosten an, aber nur 50% der Verkaufserlöse/Gewinne, die ihnen gegenüberstehen. Tendenziell sieht also die Bilanz und die GuV schwächer aus als bei ABO Wind. Allerdings wird der Eigenbestand über die nächsten 20 Jahre abgeschrieben und gleichzeitig entstehen ja Einnahmen aus der Stromeinspeisung (entweder nach EEG oder mittels PPA-Verträgen). Somit werden die Einnahmen und Gewinne "nur" gestreckt; das ist anfangs ein geringer Betrag, summiert sich aber mit jedem Jahr weiter auf, wenn weitere Anlagen in den Eigenbestand überführt werden. Des Weiteren steigt natürlich auch der Wert des Eigenbestands an analog zur Projektpipeline. Und Energiekontor könnte ja durchaus auch Anlagen aus dem Eigenbestand veräußern, womit dann die restlichen Erlöse/Gewinnen sofort realisiert würden.

      PNE ähnelt hier stark Energiekontor. Allerdings war man bis zum Einstieg von Morgan Stanley Infrastructure Partners (MSI? in 2019 ein reiner Projektierer (vgl. ABO Wind) und wandelt sich seitdem zu einem "dualen" GreenTech-Unternehmen (vgl. Energiekontor). Der eigentlich geplante Paketverkauf wurde gestoppt (das große "Windparkportfolio 2020") und stattdessen in den Eigenbestand überführt. Und auch weitere zuletzt fertig gestellte Projekte teilten dieses Schicksal. Der Verkauf soll auch weiterhin eine Rolle spielen und es ist wohl ebenfalls eine grundsätzlich hälftige Quote angestrebt zwischen Verkauf und Übernahme in den Eigenbestand.

      1/2

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    4. 2/2

      So, an dieser Stelle kommen wir zu dem großen Unterschied zwischen PNE und Energiekontor. Energiekontor verfolgt seine "geteilte" Strategie seit 20 Jahren und hat deshalb bereits einen großen Eigenbestand. Man hat also einen relativ großen Sockel, der bereits Gewinnanteile liefert. PNE hingegen hat vor allem Kosten in der Bilanz, während der Eigenbestand relativ jung ist - und dem entsprechend werden die Gewinnanteile noch viele Jahre vor sich hergeschoben. Auf lange Sicht gleicht sich das tendenziell aus, auf Sicht von 5 Jahren und weniger wird PNE hier in der Wahrnehmung und Darstellung immer schlechter dastehen als die Wettbewerber. Und auch bzgl. der Projektpipeline gibt es weniger Fantasie, da das erklärte Ziel von MSIP ja dauerhafte Infrastrukturinvestments sind und nicht zuvorderst Gewinnrealisierung.

      Insbesondere bis vor einiger Zeit noch als eher wertlos eingestufte Projekte in einigen Auslandsregionen bei ABO Wind und Energiekontor erweisen sich nun unter den veränderten/verbesserten Bedingungen doch noch als Werthaltig. Diese Zusatzpotenziale hatte ich (und andere) Ende 2020 noch nicht so stark auf dem Schirm.

      Insofern hat sich meine Einschätzung bzgl. PNE nicht geändert, jedoch die bzgl. ABO Wind und Energiekontor hat sich nochmals deutlich verbessert. Daher habe ich mich entschlossen, diese beiden Aktien, relativ gesehen, PNE vorzuziehen.

      Encavis als reinem Bestandshalter fehlt die Pipelinefantasie völlig. Sie kaufen am Ende ja die Projekte und bezahlen somit die Wertschöpfungskette der anderen. Richtig ist, dass Encavis natürlich Kasse machen könnte; seine eigenen Bestandsparks sind wertvoller geworden. Aber was dann? Man müsste ja dann das vereinnahmte Geld in neue, ebenfalls teurer gewordene neue Solar- und Windparks investieren; da wäre also nicht wirklich ein Gewinn zu machen. Außer, dass man kurzfristig stille Reserven hebt, kräftig Gewinne einfährt (und Steuern zahlt) und dann wieder von Null anfängt. Ich sehe hier kaum einen sinnvollen Ansatz in einem potenziellen Verkauf...

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    5. Hallo Michael,
      vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Und entschuldige, dass ich den Post mehrmals gepostet habe, da wusste ich nicht, dass der erst sichtbar wird nach einer Genehmigung.
      Hältst du bei PNE eine Übernahme für nicht sehr wahrscheinlich in nächster Zeit? Das ist für mich irgendwie ein Topargument für die Unternehmen mit einem großen Windparkportfolio, wenn andere große Unternehmen Geld unterbringen müssen oder ihr Geschäftsmodell einfach auf andere Beine stellen (wie ja jetzt auch Shell in den Niederlanden).
      Gruß Andreas

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    6. Moin Andreas,
      bei ABO Wind und Energiekontor haben die Gründer noch die Mehrheit; das waren und sind "Überzeugungstäter", die haben ja nicht mit dem bau von Windparks begonnen, weil sie darin eine besonders gute Geschäftsidee sahen, sondern weil sie regenerativen Strom erzeugen wollten. Diese Konstellation bedeutet aus meiner Sicht, dass hier die Nachfolge eher auf eine Fortführung der Ziele und Werte abzielen wird als auf Gewinnmaximierung. Aber wenn eine Übernahme kommen sollte, dann kann es eben auch ganz schnell gehen, weil die Mehrheit vergleichsweise leicht zu erreichen ist (sofern sich die Großeigentümer einig sind/bleiben).

      Bei PNE liegt die Sache etwas anders. Das ist ja längst ein "normales" Unternehmen, das nicht mehr von den idealisierten Gründern betrieben wird. Man hat einen Großaktionär (MSIP mit ~39,9%), der schon einmal versucht hat, sich das ganze Unternehmen einzuverleiben. Das ist ja bekanntermaßen am eigenen Geiz gescheitert; mit einem angemesseneren Abfindungsangebot hätte das sicherlich geklappt.

      Nun hat man selbst knapp 40% der Anteile, aber einige Aktionäre/ Aktionärsgruppen an Bord, die Pakete halten. Hier könnte MSI? mit entsprechend großem Geldbeutel relativ einfach die Mehrheit erreichen; immerhin haben sich die "Anti-MSIP-Aktionäre" vor allem um den Übernahmeversuch herum eingekauft und diesen aufgrund eines zu niedrigen Preises abgelehnt. Meine frühere Überlegung, dass MSIP relativ zügig nach der 1-Jahres-Stillhaltefrist einen zweiten Übernahmeversuch starten würde, hat sich zerschlagen.

      Natürlich könnte auch jemand anderes versuchen, PNE mehrheitlich zu übernahmen. Dazu müsste er aber das MSIP-Paket übernehmen, sonst wäre das Ganze kaum realistisch durchführbar. MSIP steht für Morgan Stanley Infrastructure Partners und die sammeln Investorengelder ein, um in Infrastruktur zu investieren. Es ist aus meiner Sicht kaum vorstellbar, dass die ihr PNE-Paket frühzeitig abgeben; selbst wenn sie damit einen schnellen Gewinn verbuchen können. Diese Fonds haben ja feste Laufzeiten und MSIP müsste beim Verkauf der PNE-Anteile ein neues Investment für die restliche Laufzeit finden. Ansonsten würden sie ja Rendite (ihrer Investoren) verschenken, da die Projekte und der Eigenbestand bei PNE absehbar weiter aufwerten werden.

      Ich vermute daher, dass MSIP in den nächsten Jahren nichts unternimmt. Und dann jemanden für die Abnahme seines 40%-Pakets sucht - der hätte dann natürlich die Option, wieder die Mehrheit anzustreben und vielleicht sogar alles.

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    7. 2/2

      Was das Shell-Urteil angeht... ja, das erzeugt nochmals mehr Druck auf dem Kessel und es steigert die Nachfrage nach GreenTech-Projekten weiter. Gerade die Zeitkomponente könnte hier zum Turbo werden. Denn neue Projekte haben ja eine vieljährige Vorlaufzeit und wenn nun alle/viele vor 2030 tätig werden und GreenTech-Bestände aufbauen müssen, anstatt das bis 2040 oder später "geruhsam" angehen zu können, werden die Preise deutlich anziehen. Denn das Angebot schnellt ja nicht in die Höhe.

      Ich könnte mir also vorstellen, dass Bestandshalter, die gleichzeitig selbst Projektierer sind, doch irgendwann ihre Altbestände verkaufen. Der grüne Strom würde ja weiterhin produziert, für die Umwelt wäre es also kein Minusgeschäft. Aber sie hätten dann ggf. viel schneller viel stärker Werte gehoben und wenn ihre Pipeline stark genug ist, dann könnten sie ja anstelle des Verkaufs späterer Parks, diese dann eine zeitlang vollständig in den Eigenbestand überführen, um diesen wieder aufzufüllen. Dann hätten sie hohe Gewinne erzielt, ihre Bilanzen total gepusht - und würden vor der Situation stehen, in der PNE aktuell ist: kaum Verkauf von Projekten/Parks, sondern vor allem Aufbau des Eigenbestands. Finde ich eine interessante Vorgehensweise. Aber eben nicht in den nächsten vier, fünf Jahren, sondern erst wenn die preise weiter deutlich angezogen haben und alle irgendwie Torschlusspanik bekommen, weil sie zu wenig "bis 2030" erreicht haben.

      Unterm Strich für mich perspektiven, die auf Sicht der nächsten fünf und zehn Jahre große Wertschöpfungspotenziale bieten bei den genannten Unternehmen.

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  2. Hältst du Aurelius auch (wieder) für aussichtsreich?

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    1. Aurelius legt zuletzt eine starke Deal-Performance hin. Allerdings haben die ein paar gewichtigere Beteiligungen in akuter Schieflage, was zu Abschreibungen und Ergebnisbelastungen führen kann. Auch ist die Vergütung des Managements ein berechtigter Kritikpunkt. Also ja, Aurelius schlägt sich wieder besser. Aber ich ziehe andere Unternehmen aus dem Sektor klar vor (v.a. Mutares, MBB, DBAG).

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  3. Stichwort Green Energy. Gerade in den USA wird sich mit Biden die nächsten Jahre viel tun. Hast du dir schonmal Maxeon Solar angeschaut? Die sollten aufgrund der Technologieführerschaft erheblich profitieren.

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  4. Hallo Michael,

    bin ja ein großer Freund deines Blogs. Vielen Dank für den tollen Input. Die Art zu investieren gefällt mir und entspricht auch im Wesentlichen meinem Investment-Stil..
    Hatte ursprünglich 2 Fragen zu diesem Blogartikel:

    1.) Warum ist Encavis nicht interssant? Wurde ja oben bereits beantwortet und sehe dort die gleichen Themen/Problemstellungen und ziehe daher auch Energiekontor vor
    2.) Cybersecurity sehe ich auch als absolutes Thema - ich sehe in den Beobachtungslisten außer DTS über MBB keinen Cyber-Security-Spezialisiten? hast du dich schon mal mit Crowdstrike beschäftigt? Finde die hochspannend aber derzeit natürlich auch extrem überhitzt.

    Beste Grüße
    Dennis

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    1. Moin Dennis,
      CrowdStrike ist mein Favorit unter den Cyber-Security-Werten. ;-) Wie Du selbst schreibst, ist der Wert aber so weit seinen Fundamentals enteilt, dass ich gar nicht wage, den anzusprechen... ^^

      Ansonsten gefällt mir Secunet sehr gut; aber da habe ich bisher immer den Einstieg verpasst und mich im Anschluss reichlich geärgert. Ende 2018 bei Kursen knapp unter €100 hab ich das letzte Mal gezögert - inzwischen steht der Kurs gut dreimal so hoch. Und das zurecht. Aber wer weiß, vielleicht wird aus uns beiden nochmal was.

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    2. Crowdstrike ist auch mein Cyber-Security Favorit :) Finde aber nicht, dass sie wirklich überhitzt sind, denn die Fundamentaldaten (82% Wachstum in 2020, 33% Free Cash Flow Marge) und das Geschäftsmodell (Cloud-Plattform, SaaS) bieten alles, was das Wachstums-Investorenherz begehrt und rechtfertigen den hohen Preis. M.E. wird es sie nur dann nochmal wesentlich günstiger geben, wenn das Wachstum unerwartet nachlassen sollte (oder vom Anleihemarkt nochmal Druck kommt). Im Moment sieht es aber eher so aus, dass sie den Wettbewerbern davoneilen. Hier meine Analyse: https://lionfolio.org/crowdstrike

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    3. Die 82% Wachstum von CrowdStrike in 2020 dürften aber kaum aufrecht zu erhalten sein, denn die waren ja auch stark durch Corona befeuert. Wenn die Wachstumsrate sinkt, wird die Aktie teurer. Ich bin mal gespannt, ob die nächsten Zahlen uns hier nochmal günstigere Kurse bescheren...

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    4. Richtig, für 2021 liegt die Wachstumserwartung geringer. Die guidance des Managements sagt 50%, die ist bisher aber immer konservativ gewesen. Falls sie im gleichen Maße wie letztes Jahr übertroffen wird, würde man bei etwa 70% landen. Einen Kurseinbruch wird es m.E. nur dann geben, wenn das tatsächliche Wachstum unter der durchschnittlichen Markterwartung liegt, aber nicht weil dem Markt plötzlich auffällt, dass die Wachstumsrate sinkt. Nach der guidance von 50% für 2021 hat der Kurs jedenfalls kaum reagiert, war also so erwartet.
      Nach meinem Bewertungsmodell kommt angesichts der technologisch führenden Stellung, des Wachstums und des Geschäftsmodells eine attraktive Gesamtbewertung heraus. Daher finde ich das Unternehmen nicht "extrem überhitzt" und nicht "weit seinen Fundamentals enteilt". Diesbzgl. kann es aber natürlich gerne unterschiedliche Meinungen geben.

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  5. Hallo Michael,
    hat die Nichtberücksichtigung von Lang & Schwarz in deinem Depot etwas damit zu tun, dass diese die Wikifolio-Plattform besitzen oder gibt es andere Gründe? Deine bisherigen Kommentare zu L&S waren ja in der Regel sehr optimistisch...
    Danke und Viele Grüße,
    Basti

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    1. Basti, Lang & Schwarz findet sich deshalb nicht in der Aufstellung, weil es keiner meiner Top 10-Werte ist. Liegt knapp dahinter und wenn der Kurs bis Ende Juni nochmal richtig durchstartet, könnte der Aufstieg gelingen... ;-)

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  6. Moin Michael,

    welche Werte aus Deiner Top10 sieht Du derzeit am aussichtsreichsten? Wo würdest du heute nachkaufen?

    Beste Grüße
    Pascal

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    1. Moin Pascal,
      welche Werte ich für "derzeit am aussichtsreichsten" erachte, das ist ja eine undankbare Frage. Denn sie impliziert ja, was man heute kaufen sollte, um möglichst schnell die stärksten Kursgewinne einzufahren. Und das weiß ich nicht, das kann ich leider nicht beantworten - würde ich es wissen, hätte ich all mein Geld in nur diesen einen Wert investiert.

      Das größte kurzfristige Kurspotenzial sollte Funkwerk haben. Völlig unbeachtete Aktie, konsolidiert schon länger, aber wenn demnächst die vorläufigen Zahlen für 2020 vorgestellt werden, wird es einen deutlichen Gewinnsprung geben. Denn selbst wenn nur das 2019er Ergebnis erzielt worden wäre, würde das Jahresergebnis um €5,9 Mio. steigen - weil 2019 diese Summe wegen der Euromicron-Pleite abgeschrieben wurde und damit den Gewinn gesenkt hat. Ob der von mir erwartete Kurshüpfer dann nachhaltig sein wird, hängt natürlich auch vom Ausblick und den weiteren Aussichten ab.

      Besonders interessant finde ich MBB; hier sollte es bald weitere Nachrichten zu dem einen oder anderen Portfoliounternehmen und/oder Zukäufen geben. Auch die DBAG sieht sehr stark aus, ebenso Mutares. Aber ich habe MBB am stärksten gewichtet, weil es mein langfristiger Favorit ist.

      Und dann noch Energiekontor. Nach dem starken Kursanstieg verschnauft die Aktie und holt Luft für den nächsten Auftrieb. Aufgestockt habe ich zuletzt jedoch ABO Wind, weil die schneller Gewinne einfahren werden. Im Gegensatz zu EKT hat ABO Wind keinen Eigenbestand, sondern verkauft alle Projekte bzw. Wind- und Solarparks. Damit fließt der Gewinn sofort nach Verkauf, während bei EKT nur die Hälfte verkauft wird und somit auch nur der halbe Gewinn realisiert wird. Die andere Hälfte wandert in den Eigenbestand, so dass der Gewinn über 25 oder 30 Jahre gestreckt in der GuV landet - was bei einem kürzeren Betrachtungszeitraum niedrigere Gewinne verspricht als bei ABO Wind. Andererseits bauen sich bei EKT mit jedem Jahr größere stille Reserven in der Bilanz auf mit dem zusätzlich positiven Effekt, dass die Wind- und Solarparks im Bestand wegen der stark steigenden Nachfrage natürlich auch immer wertvoller werden. Zumal die Standorte für ein Repowering infrage kommen, denn es ist einfacher, genehmigte Standorte zu pimpen, als gänzlich neue genehmigt zu bekommen. Allerdings... bleibt EKT mein Favorit. Und wäre meine Position von ABO nicht deutlich kleiner gewesen, hätte ich ebenso gut EKT aufstocken können.

      Hypoport ist ebenfalls weiterhin sehr aussichtsreich. Bei einem Rücksetzer Richtung €400 würde ich aufstocken. Hab gerade die jüngsten Zahlen zur Nachfrage nach Hypotheken in Deutschland gelesen und die Nachfrage ist ungebrochen - dabei steigt Hypoports Marktanteil auch noch weiter deutlich an. Ich habe zuletzt aber kein Konkurrenten Netfonds aufgestockt. Konkurrent nicht bei der Hypothekenplattform, sondern im Versicherungsbereich. Hinzu kommt der regulatorische "Mischmasch", wie Haftungsdach usw., der auch von dem deutliche gestiegenen Interesse der Anleger an Aktien und Investments profitiert. Durch meinen Nachkauf schnuppert Netfonds nun auch an der Top 10...

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  7. Na das ist doch mal eine Antwort :-)

    Top, weiter so.

    Schöne Grüße und ein sonniges Wochenende
    Pascal

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  8. Hallo Michael
    Weißt Du wann der Jahresbericht von Funkwerk veröffentlich wird?
    Auf der Webseite steht nur was von "April 2021"...
    Gruß
    Martin

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    1. Im letzten Jahr hat Funkwerk seinen Jahresabschluss am 29.April rausgebracht, daher dürfte es auch dieses Jahr eher auf Ende April hinauslaufen. Vorabzahlen gibt Funkwerk mWn nicht heraus.

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    2. Ja das ist recht spärlich was sie an Informationen herausrücken ;-)
      Man könnte glatt Methode dahinter vermuten...

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  9. Toller Blog!
    Bin erst vor kurzem drauf gestoßen.
    Kann man auch das komplette Investmentdepot einsehen oder nur die Top 10?

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    1. Ne, ich veröffentliche lediglich viertjährlich meine TOP 10 im Rahmen eines solchen Investor-Updates. Einen vollständigen finanziellen Striptease lege ich nicht hin. ;-)

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  10. Hallo Herr Kissig, ich hätte mal eine Frage zu Energiekontor. Wie schätzen Sie den Zubau des Eigenbestands bei Energiekontor ein? Aktuell hält man ca. 280 MW Windparks + Solarparks. Davon sind allein ca. 170 MW den Windparks. Ich habe mal kleine Milchmädchenrechnung zur Windenergie gemacht: 170 MW x 5000 h(theoretische Betriebsstunden 8760 h) x 1000 x 0,03 Euro pro kWh (Börsenpreis/lt. Geschäftsbericht ca. 0,06 Euro) = ca. 25 Mio Umsatz; der Umsatz der Solarsparte im Eigenbestand ist nicht mal dazu gerechnet. Dann hat dies noch enormes Potenzial nach oben. Die Frage ist nur, wie schnell kann man wachsen und wie schnell ist die Konkurrenz. Das Unternehmen wäre aus meiner Sicht in Zukunft enorm unterbewertet, wenn man fleißig weiter dazu baut und andere projektierte Parks verkauft.

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    1. Der Eigenbestand hat ja drei zentrale Stellschrauben: 1.) Die Zuführung weiterer Anlagen, 2.) den Wertzuwachs bei den bestehenden Anlagen aufgrund höherer Marktoreise für Anlagen und 3.) die Stromerzeugung. Bei der Stromerzeugung hängt man an der EEG-Förderung und zunehmend an den Preisen der Strombörse, wenn alte Anlagen aus der EEG-Einspeisevergütung fallen. Und natürlich zuletzt auch an PPA-Verträgen.

      Energiekontor agiert ja leider noch mit angezogener Handbremse, was den Ausbau angeht. In Deutschland hinkt der Ausbau ja seit drei Jahren, der Stau löst sich jetzt erst langsam wieder auf. Was nicht an EKT liegt, sondern an der politischen Weichenstellung und an endlosen Klagverfahren. Zumindest in Schleswig-Holstein hat das "Moratorium" ein Ende, weil Gerichte die Landesplanung gekippt hatten und diese nun rechtkonform überarbeitet wurde.

      Gerade hat Vinci erklärt, von ACS den Geschäftsbereich Industrial Services übernehmen zu wollen. Dafür bezahlt man rund €5 Mrd. Hier geht es zwar nicht nur um die EE-Pipeline von 22GW, sondern der Bereich umfasst die Planung, den Bau und den Betrieb von Energie-, Industrie- und Verkehrsinfrastruktur, aber der Deal zeigt, dass immer mehr Interessenten, auch branchenfremde, Geld in den Sektor pumpen.

      Insofern ist jeder neue Deal allenfalls eine Zwischenmeldung zu neuen Bewertungen. Je mehr Deals durchgezogen werden, desto kleiner wird die Menge an noch verfügbaren Pipeline/Projekten/Beständen und umso stärker steigen die Preise, da die Nachfrage, kaum schnell wieder nachlassen dürfte.

      Ich sehe bei Energiekontor daher sowohl was weitere Projekte angeht, als auch bei der Zuführung zum Eigenbestand und dessen Bewertung reichlich Potenzial. Und zwar nicht kurzfristig, sondern auf Sicht der nächsten drei, fünf, vielleicht zehn Jahre. Der nun weltweit eingeschlagene Trend hin zu Green Energy ist keine Eintagsfliege, sondern erfährt immer höhere Dynamik. Alles spricht daher für ein Engagement bei Energiekontor (und ABO Wind und PNE).

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  11. Wie berechnest du denn deine Rendite (Ziel 15% p.a.) ? Einfach die Veränderung des Vermögens vom 01.01 und 31.12. ? Das würde ja verfälscht werden, durch neu investiere Gelder die du dem Depot zuführst?

    Grüße Michael

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    1. Ja, die 15% pro Jahr sind mein Ziel für meine Vermögensmehrung. Wenn ich viel Geld ausgebe oder höhere Einnahmen verbuchen kann, weicht diese u.U. stärker von meiner Wertpapierrendite ab. Ist für mich aber auch nur eine grobe Richtschnur, auf die ich nicht sklavisch festgezurrt bin.

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  12. Hallo Michael, Funkwerk hat ja nun seine Zahlen veröffentlicht aber Kurs-seitig hat sich nichts getan. Umsatz war solala aber Gewinn und Rücklagenzuführung waren hoch. Frage: wie gehst du weiterhin mit dieser Aktie um? Deine Erwartung wurde ja nicht erfüllt (Kurssteigerung nach Zahlenbekanntgabe).

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    1. Moin Johannes,
      stimmt, der Kurs von Funkwerk ist nach der Zahlenvorlage nicht gestiegen, da hatte ich mehr erwartet. Allerdings ist er im Vorfeld schon geklettert und zwar seit Quartalsanfang bis heute um €2.

      Gerade bei Funkwerk sollte man sich nicht auf die teilweise oberflächlichen und wenig aussagekräftigen Meldungen verlassen, sondern sich lieber mit dem Geschäftsbericht auseinandersetzen. Da bin ich noch bei und ich kann bisher "nur" sagen, dass dort viel Interessantes zu entdecken ist und dass die Ausführungen den Geschäftsverlauf und auch die Aussichten wesentlich positiver erscheinen lassen, als es die "magersüchtige" Unternehmensmeldung vermuten lässt.

      Vom Allzeithoch aus 2001 bei über €40 sind wir noch ein gutes Stück entfernt, aber vom Zwischenhoch aus 2007 bei rund €26 nicht mehr so viel. Und das ist mehr als verdient. Und, wie ich bereits vor 9 Monaten schrieb, würden mir auch Kurse über €30 keine Sorgen bereiten. Nach Lektüre des 2020er Geschäftsberichts schon mal gar nicht. Die Planung sieht einen Betriebsgewinn auf Vorjahreshöhe vor; in Q1 stieg er schon mal um 25% an. Eine Anhebung der Jahresprognose im weiteren Jahresverlauf erscheint mir beinahe unausweichlich... ;-)

      Ich werde also keine Funkwerk-Aktie aus der Hand geben.

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    2. Etwas Abgabedruck kam heute auch deshalb auf, weil ein bekannter Nebenwerte-Wiki-Betreiber (Junolyst) sein Wiki aufgelöst bzw. komplett geleert hat. Da war auch noch eine Restposition Funkwerk drin und er hat wohl auf die Zahlenvorlage gewartet, um die Aktien kursschonend in den Markt geben zu können.

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  13. Bei MBB tritt CEO Nesemeier eine Stufe zurück und Dr. Mang wird CEO. Der hat auch gleich mal Aktien für 0,5 Mio € gekauft (da er jung ist für ihn sicher ein bedeutender Anteil). Ich bin überrascht von diesem Schritt, gerade das Händchen von Nesemeier war/ ist ein guter Teil meines Investmentcases. Wie schätzt du diesen Schritt ein?

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    1. Der Führungswechsel bei MBB ist für mich kein "Problem", sondern vielmehr eine positive Nachricht. Ich gebe Dir völlig Recht, dass der große Erfolg von MBB stark mit Dr. Nesemeier in Zusammenhang steht. Allerdings bleibt er ja weiter der starke Mann bei MBB und auch operativ voll eingebunden.

      Hintergrund ist die Unternehmensstruktur bei der MBB SE, die nicht dualistisch geprägt ist, also aus den Ebenen Vorstand und Aufsichtsrat bestehend, sondern monoistisch nach angelsächsischem Vorbild. Hier führt ein Verwaltungsrat als einziges Organ die Geschicke. Und nun wird der bisherige CEO Nesemeier zum Executive Chairman, also Verwaltungsratsvorsitzendem und geschäftsführendem Direktor. Bisher hatte der zweite Co-Gründer Gert-Maria Freimuth diese Posten inne und wird nun zu Nesemeiers Stellvertreter. Das Gremium, das die operativen Entscheidungen berät und beschließt, bleibt also unverändert - bzw. wird sogar erweitert.

      Dr. Constantin Mang war bereits seit 2014 des MBB Managements und verantwortet seit 2018 als CIO die Geschäftsbereiche M&A und Investor Relations. Als CEO wird er zukünftig außerdem den Bereich Finanzen verantworten.

      Klaus Seidel, der seit 1999 für MBB tätig ist, bleibt COO der MBB SE und ist neben der Entwicklung der Tochterunternehmen insbesondere für die Bereiche Technologie und Recht verantwortlich.

      Torben Teichler wird als neuer Geschäftsführender Direktor und CIO der MBB SE berufen. Er war seit 2018 als Vice President für die MBB SE tätig und wird zukünftig insbesondere die Bereiche Treasury und Kapitalallokation betreuen.

      Weiterhin bleiben Dr. Peter Niggemann und Anton Breitkopf Mitglieder des Verwaltungsrates.

      Das ist zwar ein ziemliches Wechselspiel, aber eigentlich passiert nicht wirklich viel. Die für den bisherigen Erfolg der MBB maßgeblichen Personen bleiben weiterhin federführend an Bord, während die zweite Reihe mehr Verantwortung übernimmt.

      Sehr positiv zu werten ist, dass hiermit nun auch schon frühzeitig die Weichen für eine irgendwann einmal fällige Nachfolge gestellt werden. Dr. Christof Nesemeier und Gert-Maria Freimuth haben das Unternehmen vor 25 Jahren gegründet und halten zusammen mehr als 65% des Aktienkapitals. Auch von dieser Seite spricht alles für eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte.

      Also kein Ende der Story und auch kein abrupter Wechsel der Strategie. Eher das Gegenteil...

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