Sonntag, 30. August 2026

Kissigs Rückblick 35/2026: Die Kurstreiber in meinem Depot waren Rocket Lab, Comfort Systems, Vincorion, Deutsche Rohstoff AG und Quanta Services. Meine Finanzinvestoren legten zu, alles andere tauchte ab. Mehr oder weniger...

Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.

Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung sowie altkluge Einschätzungen. Natürlich... ツ

Dies waren in der vergangenen Börsenwoche die größten Gewinner und Verlierer in meinem Depot:

📈 Apollo +2,6%
📈 KKR & Co. +0,9%
📉 BioTech ETF -1,5%
📉 Almonty Industries -1,8%
📉 Texas Pacific Land -3,4%
📉 Quanta Services -5,0%
📉 Deutsche Rohstoff -6,6%
📉 Vincorion -6,7%
📉 Comfort Systems -7,5%
📉 Rocket Lab -10,6%

Es war eine weitere volatile Börsenwoche, die ganz unter dem Eindruck des alljährlichen Notenbank-Symposiums in Jackson Hole (Wyoming) stand. Die erhöhte Inflation in den USA hatte die Angst vor einer Zinserhöhung angeheizt, doch die blieb aus. Andererseits verschärfte die erste große Grundsatzrede des neuen US-Notenbankchefs Kevin Warsh die Inflationswarnungen deutlich. Die Renditen kurzfristiger US-Staatsanleihen sprangen sprunghaft an und markierten neue Zwanzigjahreshochs, da die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung im September 2026 deutlich gestiegen ist. Und das angesichts einer galoppierenden US-Staatsverschuldung, die inzwischen die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten hat. Und das ist gleich mehrfach beängstigend: einerseits kosten die neu aufgenommenen Staatsschulden viel mehr Zinsen als in früheren Jahren, gleichzeitig laufen aber auch ältere kurz- und mittelfristige Schuldtitel aus und müssen zu den neuen, höheren Konditionen neu ausgegeben werden. Die Zinslast der USA steigt also stark an und den Anteil der Zinslast am Gesamthaushalt nimmt gefährliche Ausmaße an. Und Donald Trump zeigt keinerlei Anzeichen, dagegen etwas zu unternehmen. Im Gegenteil: alle seine Maßnahmen der letzten anderthalb Jahre haben die Teuerung und die Verschuldung weiter und noch schneller in die Höhe getrieben: inzwischen um rund 5,4 Mio. Dollar - pro Minute!!!

Im Nahen Osten gibt es weiterhin kein Zeichen von Entspannung. Die USA drohen dem Iran inzwischen mit dem totalen Wirtschaftskrieg, der Iran hält - noch - dagegen. Währenddessen vermelden die USA in/mit Venezuela einen Öl-Deal, bei dem sie die Mehrheitskontrolle über 65 Mrd. Barrel aus den venezolanischen Erdölvorkommen erhalten. Trump erklärte, durch den "größten Öl-Deal in der Weltgeschichte" würden sich die Ölreserven der USA mehr als verdoppeln. US-Außenminister Marco Rubio meint, die Vereinbarung werde Venezuela fast 100 Mrd. Dollar an privaten Investitionen bringen sowie "Tausende gut bezahlte Jobs" und einen Beitrag zum "Wiederaufbau von Venezuelas Wirtschaft". Der Vorteil für die USA und ihre Bürger läge in stabilen Energiereserven und niedrigeren Energiepreisen. Imperialismus pur und künftig werden sich Trumps Augen verstärkt Kuba zuwenden - und Grönland.

Bei PayPal gehen die Lichter aus - zumindest was den Übernahmeversuch durch Wettbewerber Stripe angeht. Das Angebot wurde zurückgezogen und der PayPal-Aktienkurs brach zweistellig ein. Er pulverisierte damit seine vorherigen Gewinne, die er beinahe ausschließlich wegen der Übernahmespekulation eingefahren hatte. Nun muss PayPal wieder aus eigener Kraft aus seiner selbstverschuldeten Krise kommen.

Die Earnings Season brachte noch einmal erfreuliche Ergebnisse. So bewiesen einige gewichtige Werte aus dem Softwaresektor, dass die seit sechs Monaten vorherrschenden Angst vor einer vollständigen KI-Disruption überzogen waren - und sind. Salesforce oder Crowdstrike zeigten operative Stärke und belegen, dass auch in Zukunft nicht alle ihre Kunden auf einmal ihre Software selbst schreiben, obwohl KI sie (vermutlich) dazu in die Lage versetzten würde. Die Einbindung in in die Unternehmenstrukturen, die richtige Vernetzung der Datenbestände und die langjährig aufgebauten Kundenbeziehungen, also die Vertrauensbasis, bleiben die Schlüsselfaktoren. Und die kann KI nicht einfach kopieren/ersetzen. Also legten der Softwaresektor deutlich zu und auch meine Turnaround-Spekulation (im Wiki) ServiceNow profitierte.

ServiceNow

Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 24% auf rund 4 Mrd. Dollar, wobei die abobasierten Einnahmen  sogar um 24,5% auf 3,88 Mrd. Dollar zulegten. Die Ergebnisse lagen über den Erwartungen und ServiceNow hob folgerichtig seinen Jahresausblick an.

Denn auch der Auftragsbestand macht weiterhin gute Laune: Die vertraglich gesicherten Umsätze für die kommenden 12 Monate wuchsen währungsbereinigt um 21,5%  auf 13,2 Mrd. Dollar, was den Auftragsbestand insgesamt auf 29 Mrd. Dollar hochtrieb und damit 22% über den Vorjahreswert.

Die Stärke wird besonders bei den KI-Produkten selbst deutlich: Im Februar lag das wiederkehrende Vertragsvolumen von Now Assist bei etwas mehr als 600 Mio. Dollar und das Ziel, im Jahr 2026 die Schwelle von 1 Mrd. Dollar zu überschreiten, wurde bereits im zweiten Quartal erreicht. Daher werden nun für das Gesamtjahr 1,5 Mrd. Dollar Vertragsvolumen mit den KI-Produkten (KI-ACV) angepeilt. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Kunden, die ServiceNows agentenbasierte KI produktiv einsetzen, innerhalb von neun Monaten verneunfacht. ServiceNow wächst also nicht nur noch stärker und kann KI in seine Produkte integrieren, sondern es gelingt auch, die diesen Trend in erheblichem Umfang zu monetarisieren.

Dabei spielen auch die großen Kunden eine wichtige Rolle: Im vergangenen Quartal schloss ServiceNow 123 neue Verträge mit einem zusätzlichen jährlichen Vertragsvolumen von jeweils mehr als 1 Mio. Dollar ab und damit knapp 40% mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig verbucht man inzwischen mit 658 Kunden  ein jährliches Vertragsvolumen von jeweils mehr als 5 Mio. Dollar.

Aber ServiceNow ruht sich nicht auf dem Erreichten aus, sondern hat mit den Übernahmen von Veza und insbesondere Armis sein Geschäft deutlich in Richtung Cybersecurity ausgeweitet. Armis erkennt und überwacht vernetzte Geräte und andere digitale Assets und Veza kontrolliert  Identitäten und Zugriffsrechte – nicht nur von Mitarbeitern, sondern auch von Maschinen und KI-Agenten. Je mehr KI-Agenten in einem Unternehmen arbeiten, desto komplexer wird nicht nur deren Steuerung, denn es entstehen auch zusätzliche digitale Identitäten, Zugriffsrechte und potenzielle Angriffspunkte. Die sichere Vernetzung all dieser Zugriffe ist daher elementar und ServiceNow investiert gezielt in diesen Bereich, indem Orchestrierung, Governance und Sicherheit auf einer Plattform zusammengeführt werden. Der Wachstumsbereich Security- und Risk-Geschäft hat inzwischen die Marke von 1 Mrd. Dollar beim jährlichen Vertragsvolumen überschritten und ServcieNow adressiert durch Armis und Veza nun einen dreimal so großen "adressierbaren Markt".

Mein Fazit zu ServiceNow: Das Unternehmen entwickelt sich zunehmend von einer Workflow-Plattform zu einer Infrastruktur für die Steuerung und Absicherung automatisierter Unternehmensprozesse. Von KI-Disruption ist keine Spur zu sehen; vielmehr wird KI zum zusätzlichen Treiber.

Nvidia

Und dann gibt es ja noch Nvidia. Der US-Halbleiterriese hat mit seinen Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 die Erwartungen erneut deutlich übertroffen und verdoppelte den Umsatz im Jahresvergleich auf 96,22 Mrd. Dollar. Getrieben wurde dieses massive Wachstum fast ausschließlich durch das Rechenzentrumsgeschäft (Data Center), das allein einen Umsatz von 89 Mrd. Dollar beisteuerte und damit ein Plus von 117% im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete. Der Nettogewinn kletterte parallel auf 59,7 Mrd. Dollar, was einem bereinigten Gewinn je Aktie (Non-GAAP) von 2,22 Dollar entspricht. Sowohl die Bruttomarge als auch die operative Marge zeigten sich mit 75% weiterhin auf einem extrem hohen Niveau stabil.

Neben den reinen Rekordzahlen überzeugte vor allem der optimistische Ausblick von CEO Jensen Huang. Für das laufende dritte Quartal prognostiziert Nvidia einen weiteren Umsatzsprung auf 108 Mrd. Dollar und für das gesamte darauffolgende Geschäftsjahr 2028 wird ein weiteres Umsatzwachstum von rund 70% in Aussicht gestellt. Der weltweite KI-Infrastrukturboom sollte also ungebrochen anhalten, wobei der limitierender Faktor hierbei vorrangig das Angebot bleibt: Huang betonte, dass die Nachfrage die Produktionskapazitäten weiterhin deutlich übersteigt, da anhaltende Engpässe bei Speicherkomponenten (HBM) das Expansionstempo bremsen. Gleichzeitig wies Finanzchefin Colette Kress darauf hin, dass die Bruttomargen in den kommenden Quartalen durch die Skalierung neuer, komplexer Systeme und steigende Komponentenkosten leicht unter Druck geraten und sich Richtung 70% entwickeln könnten. Insbesondere der Ausblick sorgte für einen Freudensprung beim Kurs, doch anschließend ließ die Euphorie etwas nach, nachdem die Fed-Tagung die Zinssorgen wieder stärker ins Blickfeld schob und den Börsen insgesamt zum Wochenende hin die Luft ausging.

Der Fear-and-Greed-Index ist in der letzten Woche von 55 auf 54 Punkte kaum weiter gefallen und hat sich damit im "neutralen Terrain" etabliert.


Nun der Blick in mein Depot, das nach der ruhigen Vorwoche nun wieder deutliche Minuszeichen ausspuckte. Dabei ließen alle Werte rund um den "AI-Trade" weiter Luft ab und auch der Energiebereich musste Federn lassen. Lediglich meine beiden Finanzinvestoren Apollo und KKR hielten die Nase über Wasser.

2G Energy

Bei 2G Energy fand die Hauptversammlung statt und Jonathan Neuscheler (Abilitato.de) hat dazu einen umfassenden und sehr informativen Bericht verfasst, den ich euch wärmstens ans Herz lege. Darin beschriebt er das Geschäftsmodell sowie die aktuellen und künftigen Entwicklungen.
Der Fokus liegt zur Zeit auf dem enormen Potenzial im Bereich Datacenter und hier vor allem in den USA. Dort ist war Texas das Epizentrum, doch aufgrund anhaltender Proteste der Bürger und sich rapide verteuernder Strom- und Netzkosten hat der Gouverneur Greg Abbott eine Art Moratorium verhängt, so dass auch dort die Entwicklung "entschleunigt" wurde. Die dezentralen Stromerzeugungsmodule von 2G Energy können dabei den "Gordischen Knoten" durchschlagen, weil spottbilliges Natural Gas in rauen Mengen vorhanden ist, mit dem die 2G-Anlagen befeuert werden können, die dann Strom erzeugen - ohne Netzanschluss! Eine dezentrale und vor allem autarke Stromversorgung könnte viele der gegenwärtigen Hemmnisse relativ zügig beseitigen und genau auf dieses mittel- und langfristige Potenzial setze ich mit meinem Investment. Treten meine Erwartungen ein, sollten wir in den nächsten Jahren locker dreistellige Kurse sehen...


Mein Vermögen hatte 2026 anfangs schnell auf +10% zugelegt, doch nach einigen heftigen Rücksetzern lag es zum Ende des 1. Quartals bei -1,5%. Nach einem starken Start ins 2. Quartal kosteten der Juni wieder kräftig Rendite und so schloss das 1. Halbjahr am Ende mit einem moderatem Plus ab. Und der Juli war sehr volatil und am Ende schloss er tiefrot ab bei -4,75% ab. Der August startete hingegen mit starkem Aufwärtsdrang und zwei Sprüngen von 3,0% und 4,5%, doch die letzte Woche brachte einen erneuten Absacker um -2,75%.

Meine 2026er Vermögensveränderung liegt nun bei +0,25% (YTD) und meine Cashquote bei rund 1,0%.


Mein Investor-Update zum Q2/2026 - (nicht mehr ganz) brandneu und in Farbe!
Auf welche Unternehmen und welche Schwerpunkte ich in meinem Depot setze zeigt mein Investor-Update, das ich immer zu Ende eines Quartals veröffentliche - quasi mein persönliches 13F.
Meine langfristige durchschnittliche Zielrendite liegt bei +15% pro Jahr. Bei diesem Wert lande ich selten; meistens liegt meine Performance bei über +20%, aber alle drei bis vier Jahre auch im Minus, teilweise satt. Seit ich meiner Ergebnisse ermittle, also seit 2011, komme ich auf rund 20% pro Jahr. Auch dank einiger herausragender Jahresergebnisse, zu denen insbesondere 2023 und 2024 zählen.

Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10% pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien herausdrängen lassen. Auch wenn heftige Korrekturen emotional stressig sind und der Weg zur Wunschrendite anschließend sehr viel länger ist. Ich versuche immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich nicht mit Aktien spekuliere, sondern in herausragenden Unternehmen investieren, dort also Miteigentümer werde. Auch deshalb fahre ich einen fokussierten Investmentstil mit selten mehr als 15 Werten im Depot. Ich will und muss mich in "meinen" Unternehmen eben gut auskennen. Ansonsten lasse ich lieber die Finger davon.

Der Kompetenzkreis gewinnt also immer mehr Bedeutung. Je älter ich werde und je länger ich an der Börse aktiv bin, desto größer wurde er (naja, etwas zumindest). Vor allem erkenne ich immer besser, welche Themen und Branchen außerhalb meins Kompetenzbereichs liegen - dummerweise zählen dazu meistens auch die neuen, besonders aussichtsreichen, aber auch gehypten Themen. In "den neuen heißesten Scheiß" investiere ich daher selten(er) - und wenn, dann mit einer kleinen spekulativ orientieren Position.

Es bleibt spannend - wie eigentlich immer an der Börse. ツ

Disclaimer: Habe die meisten der genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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