Hier könnt ihr mir eure Fragen stellen zu einzelnen Aktien, Verbesserungswünsche loswerden und natürlich Kritik abladen...
Stellt bitte hier alle Fragen zu Aktienwerten, die nicht direkt mit einem Thema in einem Artikel zu tun haben. Also auch zu (noch) nicht hier im Blog besprochenen Aktien oder zu allgemeinen Themen rund um die Themen Geld, Aktien und Börse.
Ich freue mich darauf, mit euch ins Gespräch zu kommen, denn dieses Blog lebt nicht nur durch meine Beiträge und Meinungen, sondern vor allem auch durch euren Input. Also, legt einfach los...

Hallo Michael,
AntwortenLöschenich bin mir nicht sicher, ob ich hier jetzt richtig gelandet bin, aber ich versuche es einfach mal an dieser Stelle. Du hast Dich früher ziemlich verhalten geäußert zum den Aussichten im Immobiliensektor, dann aber eine zeitlang auch Immobilienwerte hier in Deinem Blog vorgestellt. Wenn ich mich recht entsinne, hat es mit WCM angefangen. Inzwischen liest man immer häufiger von einer Blase am Immobilienmarkt und dass steigende Zinsen für die Immobilienwerte Gift seien. Siehst Du hier einen größeren Korrekturbedarf und wenn ja ab wann rechnest Du damit? Welche Auswirkungen wird das auf die Kurse haben und sollte man vielleicht schon jetzt lieber die Reißleine ziehen und die Gewinne realisieren?
Danke für die ganze Mühe, die Du hier mit Deinem Blog gibst und für die viele Zeit, die Du hier investierst. Du hast meine größten Respekt dafür, vor allem, weil Du uns Dein Wissen und Deine Ideen auch noch kostenlos zur Verfügung stellst. Danke!
Ich denke, dass es im Immobiliensektor durchaus Übertreibungen gibt, allerdings nicht flächendeckend. Während es in den Ballungszentren wie Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Stuttgart schon unbezahlbare Preise und Mieten gibt, sind Eigenheime und Mietobjekte in ländlicheren Regionen kaum oder nur mit erheblichem Wertverlust zu verkaufen. Es gibt in Deutschland nicht zu wenig Wohnraum und auch nicht zu wenig bezahlbare Wohnungen - sie liegen nur nicht unbedingt dort, wo alle hinziehen und wohnen wollen. So gesehen könnten Bestandshalter von B- und C-Lagen künftig Probleme bekommen, weil sie immer häufiger und länger mit Leerstand zu kämpfen haben werden. Und sollten irgendwann die Zinsen wieder anfangen zu steigen, kann sich die zu großen Problemen auswachsen: sinkende Mieteinnahmen und steigende Zinslasten.
LöschenUnd da sind wir schon bei den Zinsen. Anders als in den USA; wo wir uns auf mehrere Zinsanhebungen in diesem Jahr einstellen müssen, wird es in der Eurozone in absehbarer Zeit noch keine Zinsanhebungen geben. Zwar phrasisieren einige Gazetten von steigender Inflationsrate, aber die Kernrate (ohne Energie) dümpelt weiter vor sich hin. Und der Teurungseffekt durch die gestiegenen Energiepreise wirkt nur in diesem Jahr und auch nur in den ersten und den letzten Monaten des Jahres, denn nur in diesen Monaten waren die Energiepreise im letzten Jahr deutlich niedriger. Der Teurungseffekt verpufft also bereits in wenigen Wochen und damit der Grund für die EZB, die Zinsen in der Eurozone anzuheben. Denn eigentlich liegt die Konjunktur noch am Boden und auch die Regierungen sind froh, wenn sie sich weiterhin so günstig verschulden können.
In den nächsten ein, zwei Jahren dürften die Zinsen in Euroland weiter niedrig bleiben. Das bedeutet weitere Probleme für die Banken und die Versicherungen, positive Effekte für die Immobilienwirtschaft und die Unternehmen, die sich günstig ver- oder umschulden können, und natürlich für die Asset-Manager, denen Anleger auf der Suche nach auskömmlichen Renditen immer mehr Geld anvertrauen.
Auf Sicht der nächsten 12 bis 24 Monate sollten also Aktien von u.a. Immobilienwerten, Asset-Managern, Beteiligungsunternehmen und Finanzinvestoren gute Bedingungen vorfinden. Und die aussichtsreichsten von ihnen finden sich auf meiner Empfehlungsliste.
Also, Marco, Du bist hier mit Deiner Frage genau richtig gelandet, genau dafür ist dieser Strang gedacht. Und vielen Dank für die netten, lobenden Worte. Da habe ich mich sehr drüber gefreut.
Hallo Michael,
Löschenich würde gerne deine Meinung zu Ares Capital ARCC einholen. Ich habe mich erst seit kurzem mit BDCs beschäftigt und mich reizt vor allem die Kursperformance und die Dividendenrendite. hast Du Ares auch in Deinem Portfolio?
Viele Grüße und vielen Dank!
Mit dem Thema Business Development Companies befasse ich mich schon mehr als 10 Jahre und bin grundsätzlich ein großer Fan dieser Mittelstandsfinanzierer und Dividendenmonster. Aber... aktuell habe ich keine BDCs im Depot, weil mir das Umfeld in den USA zu unsicher ist und ich lieber auf deren Mütter setze, die Alternativen Asset Manager wie KKR, Apollo, Blackstone.
LöschenZum Geschäftsmodell, den rechtlichen Grundlagen sowie den Vor- und Nachteilen von BDCs habe ich einen sehr ausführlichen Artikel verfasst.
o Dividendeninvestoren setzen auf hohe Renditen - mit Business Development Companies
Ares Capital selbst habe ich vor einigen Wochen ausführlich vorgestellt.
o Im Fokus: Ares Capital ist ein wahres Dividendenmonster
Vielleicht sind die beiden Artikel für die interessant und bieten dir einige Ansichten rund um das Thema und/oder das Unternehmen. Und wir können auch gerne darüber bzw. das Thema BDCs diskutieren. =)
Hallo Michael,
AntwortenLöschenwann ist für dich der Zeitpunkt für Gewinn-Mitnahmen reif? Würdest du Aktien mit Gewinn verkaufen, falls es zu einem starken Kurseinbruch kommt, ohne dass sich der Unternehmenswert groß geändert hat?
Wie erklärst das Phänomen, dass nach Präsentation von starken Zahlen, es bei manchen Unternehmen trotzdem zum Kurssturz und Gewinnmitnahmen kommt?
Danke!
Gewinnmitnahmen geht ja in Richtung Markt-Timing. Der Grundgedanke ist, die Kurse sind seit dem eigenen Kauf gestiegen und man will diese Buchgewinne nicht wieder verlieren. Der entscheidende Fehler bei diesem Denken ist, dass Deine Gewinne niemanden interessieren, außer Dich und das Finanzamt Deines Vertrauens. Niemand sonst kennt Deinen Einstandskurs und für die Börse und alle anderen hat er keine Relevanz. Er ist schlichtweg egal! André Kostolany sagte einmal, man müsse seine Aktien nach dem Tagespreis bewerten, nicht nach dem eigenen Einstandspreis. Und das ist richtig. Wenn Du ein gutes Unternehmen in Deinem Depot hast, das in den nächsten Jahren fast sicher seine Gewinne steigern wird, dann wird dies fast sicher auch der Aktienkurs tun. Selbst wenn er zwischenzeitlich einmal einbricht. Es wäre also nicht schlau zu versuchen, diese Phase des Kurseinbruchs zu timen. Würdest Du mit Deiner selbstgenutzten Eigentumswohnung ja auch nicht machen, oder? Sie verkaufen, weil Du befürchtest, der Preis könnte demnächst fallen. Und dann hoffst Du, dass Du sie in ein paar Monaten oder Jahren billiger zurückkaufen kannst. Bei guten Aktien ist es genau das selbe. Nur, dass man diese per Knopfdruck und ohne viel Aufwand über die Börse handeln kann, anders als Immobilien. Aber deshalb gelten dabei keine anderen Grundprinzipien.
LöschenWas Kursrückgänge nach guten Zahlen angeht, so liegt es wohl daran, dass einige Leute auf gute zahlen spekulieren und der Kurs daher im Vorfeld steigt. Werden die Zahlen dann veröffentlicht, nehmen sie ihre Gewinne mit. "Buy the rumor, sell the fact" heißt das Sprichwort dazu. Für Value Investoren bieten sich durch den Rückgang dann eher Kaufgelegenheiten, weil wir ja auf die langfristige Entwicklung der Unternehmen setzen, nicht auf die kurzen Kurszuckungen. Schau Dir mal die Charts an von Apple oder Amazon oder Alphabet. Alle paar Monate kommen Quartalszahlen - wie oft wird man da wohl richtig gelegen haben, wenn man versucht hat, diese immer korrekt zu timen? Und wäre es nicht schlauer gewesen, die Aktien einfach nur im Depot liegen zu lassen? Solange die Entwicklung weiterhin stimmt und es im Unternehmen und/oder dessen Markt nicht zu schwerwiegenden Problemen kommt, gibt es eigentlich keinen Grund, sich von den Aktien zu trennen. Egal, ob 5% oder 500% in Deinem Depotauszug als Performance dahinter steht. Der Wert der Aktie ist der heutige Wert. Und wenn dieser nicht massiv unterhalb der heutigen Aktienkurses liegt, sollte man sich nicht am Timing versuchen...
Hallo Michael,
AntwortenLöschenich habe einige grundsätzliche Fragen zum Value Investing. Die Strategie des Value Investings besagt, dass man Aktien mit niedrigem KGV kaufen soll. Wenn ich mir Aktien wie Evotec, NVIDIA, Aumann oder auch Hypoport anschaue, wäre die Empfehlung eines Value Investors die Aktien zu diesem Zeitpunkt nicht mehr einzukaufen, da die KGVs über 35, sogar über 40 liegen. Betrachtet man aber diese Aktien aus heutiger Sicht ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse weiter steigen, hoch. Die Evotec Aktien zum Beispiel legte innerhalb eines Monats von 17-18 Euro auf 20 Euro, Tendenz steigend, Analystenempfehlung "kaufen". Auch riesige Zukunftsgewinne können so ein KGV nicht rechtfertigen. Also aus meiner Sicht Spekulation pur und extrem überteuert. Als Aktionär kann man aber trotzdem riesige Gewinne mit diesen Aktien einfahren.
Woran liegt diese Irrationalität auf dem Markt? Welche Risiken siehst Du zum Beispiel beim Kauf einer Hypoport Aktie zum heutigen Kurs und würdest Du die Aktie heute kaufen? Was erwartest Du z.B. im Falle eines Börsencrashes, wie würde sich der Kurs von Hypoport entwickeln und wie von Apple oder Gilead Sciences?
Danke für Deine Antwort und viele Grüße
Thomas
Value Investing bedeutet nicht, Aktien mit niedrigem KGV zu kaufen. Das ist zu kurz gesprungen. Value Investing betreibt, wer Aktien kauft, die weniger kosten als sie wert sind. Entweder heute (Ansatz nach Benjamin Graham) oder in der Zukunft (Philip Fisher). Buffett hat sich von Graham zu Fisher hin entwickelt. Man schaut also auf die Gewinne, die ein Unternehmen in der Zukunft erwirtschaften wird, und zinst diese nach heute hin ab. So erhält man einen auf heute bezogenen Zukunftswert, den man mit dem aktuellen Preis (Aktienkurs) vergleicht. Soviel zur Theorie der Discounted-Cash-Flows...
LöschenEin wenig simpler ist das Verwenden des PEG, des Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnisses. Man nimmt also nicht nur das aktuelle KGV, sondern man nimmt den Durchschnitt über einen Zeitraum, also 5 oder 10 Jahre. Wie sind in diesem Zeitraum die Gewinne gewachsen? Und die das KGV? Wenn die Gewinne jährlich um 30% wachsen, ist ein KGV von 25 nicht teuer. Legen die Gewinne nur um 3% pro Jahr zu, dann schon.
Hypoport wächst sehr schnell und profitabel. Man hat sehr viel Geld in die neue Versicherungsplattform Insurtech gesteckt und wenn diese auch nur halb so gut angenommen wird, wie erwartet (und wie es bei der Kreditplattform der Fall war), dann werden die Gewinne explodieren. Der Markt billigt deshalb aktuell ein höheres KGV zu. Und aus meiner Sicht zurecht. Ebsno bei Vectron. Sollte die Coke-Kooperation (GetHappy-App) einschlagen, wird der Gewinn von Vectron explodieren. Dann sind 25 Euro glatt geschenkt. Wird das ein Rohrkrepierer, dann wäre Vectron eher bei 15 Euro angemessen bewertet mit seinem Stammgeschäft.
Im Falle eines Börsencrashs erwarte ich, dass alle Aktien stark fallen. Denn ein Crash passiert ja aus Irrationalität heraus, wenn Panik herrscht. Ich habe ja schon einige mitgemacht und weiß daher, wie besch... sich so etwas anfühlt und wie schwierig es ist, einen kühlen Kopf zu bewahren. Nur wenige (wie Warren Buffett) schaffen das und kalkulieren; die meisten schmeißen einfach nur ihre Aktien auf den Markt, egal welche, alle. Und Apple? Die werden fallen wie ein Stein. Die sind in jedem Depot, in jedem Fonds und wenn Anleger ihre Gelder abziehen, werden vor allem die großen, liquiden Werte verkauft. Weil die am wenigsten darunter leiden. Da dies dann aber alle gleichzeitig tun, stürzen die ab wie Supermann auf Kryptonit.
Danke für Deine kompetente Antwort Michael! Wie würdest Du kalkulieren und reagieren, wenn es ein Börsencrash gibt? Ich halte 30% Cash für den Fall, es kann ja jeden Tag passieren.
LöschenDa man einen Crash nicht vorhersehen kann, ist ein zu hohes Cashpolster auch keine Lösung, da es ja bei den Magerzinsen kein Geld verdient in der Zeit, während man auf den Crash wartet. Ich habe daher selten eine Cashquote über 15%. Eigentlich nur, wenn ich Verkäufe tätige und mal keine neuen guten Investmentideen habe. Und dann ist es auch so, dass ein Crash selten von allen Branchen ausgelöst wird, sondern dass der Auslöser meistens ein Bereich ist. Hier kann man dann gezielt reduzieren, da der Abschwung vermutlich länger andauert und stärker ausfällt, während die übrigen Sektoren sich nach kurzer Panik meistens schnell wieder erholen (im großen Crash 200 bis 2003 hat das weniger gut funktioniert, der war ungewöhnlich lange und hat fast alle Branchen erwischt). Mit dem sowieso bestehenden Cashpolster hat man dann genug trockenes Pulver, um sich die Rosinen herauszupicken.
LöschenHallo Herr Kissig,
AntwortenLöschenich habe eine Frage zu MPH Health Care. Die Aktie hat sich in den letzten Monaten gut entwickelt. Ich habe mir auch den Jahresabschluss 2017 angesehen. Die Gesellschaft hat drei börsennotierte Töchter, deren Aktien sich in 2017 gut entwickelt haben. Das hat zu Gewinnen der MPH in 2017 geführt. So weit so gut.
Dann gibt es noch die nicht börsennotierte Magnum AG, die 60% an der MPH AG hält. Nun hat die MPH in 2017 ihren Kurs nicht steigern können. Trotzdem hat die Magnum AG in 2017 einen großen Gewinn gemacht. Ich habe das nicht verstanden.
Gibt es da etwas, was man noch wissen sollte oder mache ich einen Denkfehler.
Und es würde mich natürlich interessieren, ob Sie die MPH oder eine ihre Töchter für eine gute langfristige Geldanlage halten.
Vielen Dank und schöne Grüße
Ich meide Unternehmen aus dem Dunstkreis der Magnum. Haemato war mal die Windsor AG und ein Immobilienunternehmen - mit einer Tochter namens MPH, das im Pharmabereich tätig war und hohe Dividenden liefern sollte. Und zwei weiteren Pharmatöchtern, Pharmigon und Simgen (eine wurde später in Haemato umbenannt, glaube ich). Dann wurde - nach heftigen Misserfolgen bei der Windsor - schlagartig das Immobilienbusiness verkauft und die Windsor übernahm das Pharmageschäft der Haemato und der anderen Pharmatöchter. Das Immobilienunternehmen wurde mal eben so zum Pharmaunternehmen! Und der Immobilienbereich ausgegliedert und verscherbelt. Am Ende dieses ganzen Kuddelmuddels war auf einmal die MPH war die Mutter der Haemato/Windsor.
LöschenDie Aktionäre waren dem Hin- und Her schutzlos ausgeliefert und den besten Schnitt zu jedem Zeitpunkt hat immer die Magnum gemacht. Weiß nicht, ob ich die inzwischen Jahre zurückliegenden Vorgänge korrekt zusammengefasst habe, aber für mich ist seit jener Zeit klar, dass ich mit diesen Leuten (Magnum) keine Geschäfte mehr machen möchte. Als Aktionär bin ich denen nicht wichtig, die agieren ausschließlich aus Eigennutz.
P.S.: Die Windsor AG war das erste Unternehmen, das ich hier im Blog besprochen habe (Dezember 2011). Ich habe also meine persönlichen Erfahrungen mit der Magnum gemacht, auch als herumgeschubster Aktionär ihrer Beteiligungen.
Hallo Herr Kissig,
AntwortenLöschenich habe mehrere Fragen und würde gerne mit Ihnen darüber ins Gespräch kommen.
1. Wie stellt sich Ihr beruflicher Werdegang dar? Genauer, wie landet man bei einer GmbH mit ausreichend Verlustvortrag und denkt sich: "ich weiß, was ich tue, kenne mich mit den Finanzmärkten aus, also lasse ich mir von der Gesellschaft ein kleines Gehalt auszahlen und versuche darüber hinaus, mit Aktien Geld zu verdienen? So etwas entscheidet man schließlich nicht einfach mal so.. Ich frage rein aus persönlicher Neugier, da ich kurz vor dem Abschluss eines Bachelors stehe und mich für diese "Geschäftsidee" interessiere.. Es ist mein großer Traum, Ihren Weg zu gehen. Mit meiner eigenen Firma und mich mit Bilanzen, Geschäftsmodellen und Bewertungen zu befassen. Nicht primär um so reich wie Buffett zu werden, sondern, weil ich das ganze System, einen Teil von großartigen Unternehmen zu besitzen und damit Geld zu verdienen, toll finde.
Mir fehlt allerdings eine genaue Vorstellung davon, wie sich das verwirklichen lässt. Fehler, die Sie mit einer Zeitreise vermeiden würden, ungenutzte Chancen oder eventuell ein Ratschlag wären mir viel wert.
2. Wie ermitteln Sie den inneren Wert einer Aktie? Die bekannteste Methode ist die des discounted cash flows (DCF). Hier stelle ich mir jedoch die Frage, auf welcher Basis man die Cash Flows der Zukunft schätzen will. Zudem ändern sich die Zinssätze und auf wie viele Jahre zinsen Sie die Beträge ab? All das erscheint mir sehr vage. Da es aber das Herzstück des Value Investing bildet, komme ich nicht umhin, das verstehen zu wollen.
3. Was genau ist Ihrer Meinung nach der Beweggrund Warren Buffetts, in Apple zu investieren. Ja, es ist das mit Abstand profitabelste Unternehmen der Welt. Nichtsdestotrotz ist es kein "typisches Buffettinvestment". Die Aktie war bei seinem Einstieg mit ca 160 USD keinesfalls unterbewertet. Es war aus meiner Sicht mehr eine Growth, denn eine Value-Aktie. Könnte es die erhoffte Wirkung der Steuerreform sein? Ist es aus Ihrer Sicht für einen Einstieg zu spät, jetzt bei ca. 210 USD noch einzusteigen; quasi in der Hoffnung auf gigantische Sonderdividenden und Aktienrückkäufe angesichts der Berge an geparktem Geld im Ausland?
Schönes Wochenende weiterhin und viele Grüße
Danner
Eine Sache hätte ich fast vergessen:
LöschenWenn ich in meinem Onlinedepot eine Aktie kaufen möchte, fragt mich die Seite, bei welchem Börsenplatz ich die Aktie kaufen möchte.. Ich verstehe nicht, wie es sein kann, dass ein- und dasselbe Unternehmen an verschiedenen Börsen verschiedene Kurse haben können? Es ist doch derselbe Anteil desselben Unternehmens und müsste folglich an allen Kursen gleich viel wert sein?
Muss ich bei Investments in zB Dollar-Aktien den Wechselkurs beachten?
Moin Thomas,
Löschenbei Dir klingt das fast so, als hätte ich in jungen Jahren einen Plan gefasst, mit Mitte 40 eine eigene Firma zu haben und mich mit der Anlage meines eigenen Vermögens in Aktien zu beschäftigen. Dieser Weg war nicht vorgezeichnet und stellt sich so auch nur aus der Rückschau als zielgerichtet dar. So, wie sich meine Lebenskonstellation momentan ergibt, ist sie das Ergebnis der Entwicklung, aber nicht Ergebnis einer konkreten Planung. Es hat sich halt so ergeben. Nach der Schule habe ich eine Banklehre gemacht (gezielt, weil ich mich für das Bankwesen interessiert habe und weil ich der Meinung war, dass diese Ausbildung eine gute Grundlage für jede Art der beruflichen Beschäftigung im kaufmännischen Spektrum wäre). Im Anschluss habe ich mein Volks- und Rechtswissenschaftsstudium aufgenommen, weil mich diese Themen interessierten und andererseits weil ich mir meine Zeit frei einteilen konnte. Ich habe mich parallel mit zwei Freunden selbständig gemacht - im Immobilienbereich und zwar mit einer GmbH. "Der" GmbH. Das lief anfangs ganz gut, dann stieg der eine Partner aus persönlichen Gründen aus und wir beiden verbliebene haben die Firma weitergeführt. Allerdings hatten wir beide parallel auch anderweitige berufliche Aktivitäten, so dass das Immobiliengeschäft von uns beiden eher stiefmütterlich betrieben wurde. Kann sich heute kaum jemand vorstellen, aber der Immobilienmarkt lief nicht immer so wie heute, sondern es war eine lange Zeit eher schwierig. Dann kam die Immobilienkrise und das hat für heftig rote Zahlen gesorgt. Und irgendwann haben wir uns überlegt, dass wir beruflich getrennte Wege gehen wollen - mein Ex-Partner hat das operative Immobiliengeschäft übernommen, die GmbH aber blieb über. Die hätten wir abgewickelt - da kam mir die Idee, dass ich die vielleicht selbst nutzen könnte. Die Gelegenheit war da, aber keine Planung eine solche zu schaffen. Daher kann ich auch nicht beurteilen, ob dies bzw. ein ähnlicher Weg für jemand anderen eine Perspektive darstellen könnte. Oder sollte.
Zu den Discounted Cashflows habe ich ein zwiegespaltenes Verhältnis. Ich kenne auch keine andere/bessere Methode als das DCF-Modell, um den Wert einer Firma zu bestimmen. Also die erwarteten Gewinnen der Zukunft in die Gegenwart abzuzinsen und das Ergebnis dann mit dem heutigen Preis/Kurs abzugleichen. Aber... da man eine Reihe von Annahmen treffen muss und zwar für einen längeren Zeitraum in der Zukunft, ist das Ergebnis maßgeblich davon abhängig, welche Annahmen man trifft und wie gut/realistisch diese sind. Das macht das Ergebnis (beinahe) beliebig.
LöschenBuffett meinte mal, auch wenn zwei Leute die selben Annahmen träfen und in das gleiche DCF-Modell eingäben, würden sie am Ende unterschiedliche Ergebnisse bekommen. Und Charlie Munger frozzelte mal über Buffett, er würde ihn ständig über Discounted Cashflows reden hören, hätte ihn aber nie einen berechnen sehen.
Die Ergebnisse beim DCF hängen ausschließlich von den zugrundeliegenden Annahmen ab und auch kleine Abweichungen machen hier große Unterschiede. Mein Hauptkritikpunkt am DCF ist aber nicht dies, sondern dass das Modell am Ende eine Zahl ausspuckt. Und diese Zahl suggeriert, dass es mit mathematischer Genauigkeit (und Unfehlbarkeit) einen absoluten "wahren" Wert gibt. Und das ist Quatsch. Jedenfalls dass die DCF-Methode diesen ermitteln könnte. Eben weil sie aufgrund der Annahmen so beliebig ist.
"Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen", sagte Mark Twain. Genau so ist es und das betrifft auch die DCF-Methode und sogar in erhöhtem Maße. Weil sie auf 10 oder mehr künftige Jahre abzielt, man aber heute Annahmen treffen muss mit denen man das Modell füttert. Ich stelle daher keine solchen konkreten Berechnungen an. Ich mache diese Rechnungen überschlägig um ein Gespür dafür zu bekommen, wie sich der Wert des Unternehmens in die Zukunft entwickeln wird. Und seine Gewinne. Das ist natürlich ungenau, aber objektiv ungenau im Gegensatz zur DCF-Methode, sie ihre Genauigkeit bei der Wertermittlung nur vorgaukelt.
Wie sklavisch man sich an diese Berechnungsmethode hält, muss jeder für sich selbst herausfinden. Sehr vereinfachend hat Buffett es einmal so dargelegt: "Fügen Sie ein Portfolio von Unternehmen zusammen, deren summierte Gewinne über die Jahre steigen und der Marktwert Ihres Portfolios wird dies ebenfalls tun". Folgt man dem Ansatz, muss man "nur" noch im Blick behalten, ob die Entwicklung sich anhand der Geschäftszahlen auch wie erwartet einstellt, oder ob es schlechter läuft. Dann muss man ggf. eine Neubewertung vornehmen oder die Reißleine ziehen.
Zu Apple kann ich nur so viel sagen, als dass Buffett sie nicht als Tech-Unternehmen ansieht, sondern als Konsumwert. Apple hat ein eigenes Ökosystem geschaffen, in das man schnell reinkommt, aber kaum wieder raus. Das gefällt Buffett, das versteht er als den Burggraben von Apple und wegen dieser extrem hohen Kundenbindung kauft er Apple. Während ich Apple sehr kritisch sehe wegen der extrem hohen Abhängigkeit vom Iphone. Wenn das Iphone floppt, stehen dreiviertel von Apples gewinnen im Feuer. Dieses Klumpenrisiko ist mir viel zu groß. Daher keine Apple-Aktien (mehr) für mich...
LöschenUnd zu den unterschiedlichen Kursen an unterschiedlichen Börsenplätzen: das war früher der Normalfall, damit konnte man Arbitragegewinne einfahren. Kurse sind das Resultat von Angebot und Nachfrage. Bei marktengen Werten sieht man das auch heute noch: ein Provitanleger will in Stuttgart zu 18 Euro verkaufen und seine Order ist so ziemlich die einzige. In Frankfurt will jemand anderes verkaufen und hat dort 17,50 Euro vorgegeben als Limit. Schon hat man den Preisunterschied. Bei größeren Werten tritt sowas kaum mehr auf, weil zu viele Marktteilnehmer die unterschiedlichen Preise im Blick haben und diese auszunutzen versuchen. Und dank des automatisierten Computerhandels erfolgt dies heute in Sekundenbruchteilen. Allerdings eben nicht immer, vor allem bei kleinen Nebenwerten und Nebenbörsen, wie Düsseldorf oder Hamburg. Hier sind die KIs nicht aktiv und daher finden sich manchmal starke Preisunterschiede.
Wenn Du US-Werte kaufst, hast Du immer ein Wechselkursrisiko, weil Du ja im Euro-Raum lebst. Entweder Du kaufst an einer US-Börse in Dollar. Dann trifft Dich der Wechselkurs nur/erst, wenn Du verkaufst und das Geld wieder auf ein deutsches Konto (in Euro) transferierst. oder Du kauft an einer deutschen Börse in Euro und hast ständig den Wechselkurs "an Bord", weil der maßgebliche US-Kurs in Dollar gestellt wird und ständig in Euro umgerechnet wird, um hier den gleichen Wechselkurs bereinigten Eurokurs anzuzeigen.
So eine ausführliche Antwort habe ich erhofft, aber nicht erwartet. Vielen Dank dafür. Ich werde versuchen, Sie so gut ich kann mit Spenden jeden Monat zu unterstützen, damit Ihr tolles Projekt weiterhin Gehör findet.
LöschenEine Frage noch: wie kann ich mir das vorstellen, wenn Sie sagen, "Ich habe mich parallel mit zwei Freunden selbständig gemacht - im Immobilienbereich und zwar mit einer GmbH". Haben Sie eine GmbH gegründet, mit dieser Immobilien gekauft und quasi versucht, mit den Mietzinsen Gewinne zu erwirtschaften?
Unsere GmbH war im Bereich Hausverwaltung, Vermietung und Vermittlung von Grundstücken, Wohnungen etc. tätig. Einen eigenen Wohnungsbestand hatte sie nicht - wohl aber wir selbst, mit wechselnden Beteiligungen an den einzelnen Objekten und auch teilweise mit weiteren Partnern an Bord (nicht jeder war an jedem Immobilienprojekt beteiligt). Ein Großteil der Immobilien befand sich in Ostdeutschland und wurde aus Insolvenzverfahren heraus erworben und anschließend saniert. Das wurde dank des wirtschaftlichen Abschwungs im Osten immer schwieriger und 2008/09 dann extrem unerfreulich. Hat nicht jeden von uns gleich stark getroffen, denn jeder hatte ja auch seine weiteren Einnahmequellen. Bei mir waren es vor allem Immobilien und Aktien. 2008/09 keine Traumkombination - da konnte das eine das andere nicht gerade stützen.
LöschenAus dieser Zeit und meinen gemachten Erfahrungen heraus bin ich bei Immobilien skeptisch; viele Leute glauben, es kann nur steil nach oben gehen mit den Preisen und Mieten. Ich habe es über 20 Jahre hinweg auch anders erlebt. Und meine Einstellung zu Kreditfinanzierungen, Sicherheiten und der vermeintlichen Sicherheit von Zinsbindungen hat sich grundlegend geändert. Die Frage "was kann im schlimmsten Fall passieren?" sollte man sich vor allem auch bei Immobilien stellen mit dem für Otto Normalbürger enormen Investitionsvolumen. "Wird schon gutgehen" ist kein guter Ansatz und schon gar kein solides Fundament. Auch deshalb habe ich heute bei meinem Investment-Portfolio (in der GmbH) keinerlei Fremdfinanzierung (darüber denke ich ja schon seit längerer Zeit nach, bisher ohne Ergebnis) und bei meinem privaten Dividenden-Depot habe ich einen begrenzten Wertpapierkredit in Anspruch genommen,der durch die Dividendeneinnahmen mehr als bezahlt wird (das habe ich mal in dem Artikel "Meine High-Yield-BDC-Dividend-Debt-Strategie. Einfach perfekt oder ziemlich blöd?" dargelegt. Weitere Kredite habe ich nicht und plane ich auch nicht. Immobilien habe ich keine (mehr). Mein Vermögen steckt in Aktien - ggf. auch mal in Immobilienaktien...
Hallo Michael,
AntwortenLöschenIch habe eine grundsätzliche Frage.
Wie gehts Du psychologisch damit um bei "Qulitätsunternehmen" einzusteigen, die einen nahezu ungebrochenen Aufwärtstrend vorweisen? Microsoft, Cisco, McDonalds, Waste Management uvm. - weisen diesen typischen "Raketen"Chart auf der langsam flach beginnt und dann nach rechts immer steiler aufwärts führt.
Wie geht man damit gedanklich um, hier nicht auf "Rücksetzer" des Kurses zu warten sonder einfach zu akzeptieren, dass man viele gute Jahre verpasst hat und eher die Zukunft betrachtet?
Ich tue mir da tatsächlich sehr schwer mit, auch mit einer "Berechnung" oder Überlegung ob die aktuelle Bewertung fair / gerechtfertig ist oder nicht und daraus folgernd ob sich ein Einstieg lohnt oder nicht...
Vermutlich alles wirres Zeug, aber vielleicht verstehst Du mein Problem ja und hast einen Vorschlag :-)
Danke & Viele Grüße
Martin
Wenn Kurse gestiegen sind, dankt man immer, man werde einsteigen, wenn es mal einen Kursrücksetzer von 5% gibt. Wenn der aber dann kommt, dann gibt es meistens ja auch Gründe (weil der Markt generell gerade konsolidiert und/oder die Stimmung schlecht ist) und man denkt dann, "lieber nochmal abwarten, das geht bestimmt noch tiefer". Mit der Folge, dass der Kurs sich wieder erholt und man - mal wieder - nicht eingestiegen ist. Und denkt "beim nächsten Kursrutsch von 5% steige ich ein". Also schaut man den Kursen weiter hinterher.
LöschenPeter Lynch rät daher: "Wenn die richtige Aktie gefunden ist, ist es nie zu früh oder zu spät, sie zu kaufen".
Bedeutet: auf das Unternehmen schauen, nicht auf die Kurse. Und trotzdem bleibt der Blick natürlich nicht aus. Wenn Du die "Fahnenstange" ansprichst, dann ist das oft ein verzerrtes Bild. Und nach Karl Marx bestimmt der Standpunkt die Perspektive. ^^ Also mal den Standpunkt ändern; hier konkret, den Chart auf "logarithmisch" umstellen. Dann sieht die Fahnenstange gleich nicht mehr so steil aus.
Die logarithmische Anzeige hat aber nicht nur optische Auswirkungen, sondern es gibt handfeste Gründe, sie zu bevorzugen. Wenn eine Aktie bei 10 Euro gestartet ist und nun bei 100 Euro steht, dann wird im "normalen" Chart der Kursanstieg von 10 auf 20 Euro gleich stark angezeigt wie der Anstieg von 90 auf 100 Euro. Dabei war das erste ein Anstieg von 100%, der zweite nur etwas mehr als 11%. Gäbe es nun zuletzt auch einen Anstieg von 100%, also von 90 auf 180 Euro, dann sieht das wieder wie ein Raketenstart aus.
Also lieber die logarithmische Darstellung wählen, weil so die prozentualen Kursveränderungen dargestellt werden. Und man so viel eindeutiger die wirklichen Kursveränderungen erkennen kann.
Und das führt mich zurück zu den Qualitätsunternehmen. Die weisen alle ähnliche Merkmale auf: den starken Burggraben (also Wettbewerbsvorteile), hohe und steigende Free Cashflows, steigende Umsätze, steigende Gewinne und am besten ein ordentliches Cashpolster in der Hinterhand. Dafür kann man guten Gewissens mehr bezahlen. Weil die Unternehmen auch in schwierigeren Phasen solide dastehen und weiterhin gute Geschäfte machen werden. Ihnen brechen nicht schlagartig Kunden weg oder sie haben Liquiditäts- oder Finanzierungsprobleme. Auf diesen Schlitten kann man auch mal mit ins Tal fahren, ohne in großer Gefahr zu sein, und sie schaffen es auch ohne Hilfe wieder aus dem Tal hinaus. Weil in Krisensituationen der Preis (Kurs) viel schneller in den Keller geht, als es der Wert des Unternehmens tut. Also kann und sollte man ganz entspannt sein, denn mit der Aktie hat man einen Anteil am Wert des Unternehmens gekauft, nicht einen Teil an seinem Aktienkurs. ;-)
Hallo Michael,
AntwortenLöscheneine Frage: was hältst Du eigentlich von der momentanen Wasserstoff-Euphorie? Nimmt diese Technologie langsam konkretere Fahrt auf, oder tun das nur die Aktienkurse? Bei diesen Kurswachstum in den vergangenen Monaten kann man NASDAQ 100, die besten großen Aktien etc. nur als lahme Schnecken bezeichnen.
Ich lese etwas von wertvollen Kooperationen, die eingegangen werden, Aufträge für großtechnische Prototypen etc. Eigentlich höre ich nur gute Nachrichten, manche Know How Träger generieren Umsatz (verbrennen aber halt natürlich noch Geld) und so weiter...
Ich investiere nicht in neue und gehypte Trendsektoren. Ich lege Dir dazu mal Buffetts Ansicht ans Herz: "Der Schlüssel zum erfolgreichen Investieren liegt nicht in der Frage, wie sehr eine Industrie die Gesellschaft beeinflusst oder ob sie wachsen wird, sondern darin, herauszufinden ob ein bestimmtes Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil hat, und wenn ja, wie lange dieser anhalten wird."
LöschenElektroautos, Wasserstoffantrieb, Cannabis, 3D Druck, das wird die Welt verändern, unbestritten. Aber welches Unternehmen setzt sich hier durch? Welches Unternehmen kann die neue Technologie in massentaugliche Produkte umsetzen? Welches Unternehmen kann hiermit Geld verdienen (einfach mal den Langfristchart von Ballard Power aufrufen und heulen, wenn man das Kursniveau von Mitte und Ende der 1990er Jahre sieht, wo Wasserstoff schon einmal "der ultimative neuste heiße Scheiß" war). Und, ganz elementar, welches Unternehmen kann seine ggf. erreichte Spitzenposition dauerhaft behaupten?
Einfach mal googeln (Wortspiel), welche "heißen" Suchmaschinen es vor 25 Jahre alles so gab. Heute kennen wir Google, vielleicht BING (von Microsoft, aber noch vergleichsweise jung). 1999 war Yahoo! ganz vorne mit dabei und Lycos und zig andere. Wo sind die jetzt? Nur eine (!) verdient wirklich Geld und zwar enorm. War damals aber nicht absehbar! Googles größte Wettbewerber sind heute nicht klassische Suchmaschinen, sondern Facebook und Amazon. FB gab es 1999 noch gar nicht und Amazon war ein Online-Buchhändler. Wie man "Cloud" schreibt und was man damit anstellen kann, wusste man 1999 auch noch nicht...
Es gab auch mal mehr als 1.000 Autohersteller in den USA. Und unzählige Eisenbahngesellschaften oder Fluglinien. Die meisten sind in den Ruin geschlittert und ihre Anleger (Aktionäre und Anleihegläubiger) haben viel/alles des eingesetzten Kapitals verloren. Außer bei den einigen wenigen Überlebenden. Die haben heute Quasi-Monopolstellungen und (nur) deshalb verdienen sie Geld. Aber wie erkennt man in einem gehypten Markt, wo es jeden Tag zig neue Ideen/Anbieter gibt, wer der künftige Dominator wird? Ich habe die Antwort bisher nicht gefunden, daher setze ich lieber auf Branchen, wo die Entwicklung (der Unternehmen) abschätzbarer ist. Relativ sichere Sachen, Quality Investing: der "bewährte alte geile Scheiß" eben... ;-)
Hallo Michael, ich bin ebenfalls mehr als vorsichtig mit neuen „Hypes“. In der Erholung nach dem Crash habe ich mit Powercell gut Geld verdient - bis ich in der Nacht las, welchem Risiko ich mein Kapital da eigentlich ausgesetzt hatte (siehe die Hedgefont-Angriffe auf Wirecard etc).
LöschenCannabis war ein Strohfeuer, das viel Geld verbrannt hat. Trotzalledem hätte damit natürlich gut Kasse machen können, wer rechtzeitig einstieg und dann wieder rausging. Hausfrauenhausse lässt grüßen...?
Genauso könnte es vielleicht auch mit „alternativen Antrieben“ sein. Das Problem an einem Hype ist wohl vor allem, dass man nie weiss, wann er vorbei ist, und alles platzt und schlagartig in sich zusammenfällt...
Ob „alternative Antriebe“ jetzt ein Luftblasen-Hype ist, oder tatsächlich die Richtung, die genau jetzt Fahrt aufgenommen hat? Spätestens als erste Städte Fahrverbote für Dreckschleudern ausgesprochen haben, wird wohl auch dem letzten Autofahrer (und dem letzten Automotive-Manager) klargeworden sein, dass es (vielleicht) nicht ewig so weitergehen kann mit den fossilen Antrieben. Und was, wenn „Elektro/H2“ plötzlich „hip“ wird...? Wenn die Menschen aus Prestige/Überzeugung/Mode anfangen, alternativ angetriebene Fahrzeuge zu kaufen? Nicht, weil die Politik sie dazu zwingt, oder weil ein paar Umwelt-Aktivisten gebetsmühlenartig permanent in's Gewissen reden, sondern weil sie es - wollen...? Wenn ein Run einsetzt? Dann geht's rund die nächsten Jahre... ich selbst finde in meinem Wohngebiet schon zwei Elektro-Tankstellen-Plätze, die immer frei sind. Wer hindert mich daran, einmal im Monat das lästige Laden durchzuführen, und ansonsten schick „Elektro“ zu fahren (oder noch besser: zu leasen, und die Prämie einzustreichen?). Ok, mein ganz persönliches Bedürfnis nach komfortablem automobilem Mittelklasse-Ambiente und quasi-Vollausstattung ist es, aber sonst...
Powercell hat nicht die unrühmliche Historie der anderen Wasserstoffler (endlose Selbstfinanzierung durch Kapitalerhöhungen zum Beispiel, abgestürzte Kurse, wo ich mir immer denke: wenn die dann wirklich mal steigen, werden viele Altaktionäre Kasse machen, um die Dinger bloss endlich loszuwerden, was dann den Kurs bremst). Die Schweden sind an den Markt gegangen, als Wasserstoff (vielleicht?) gerade begann, ernsthaft interessant für die Zukunft zu werden.
Es wäre mir persönlich egal, ob die Schweden jetzt die Massenfertigung selbst übernehmen (wohl eher unwahrscheinlich bei einer Klitsche von 38 oder 60 Leuten), oder ob sie teuer eingekauft werden von einem potenteren Partner. Auszahlen würde sich für mich beides...
Allerdings bin ich wirklich der letzte, der sowieso schon gehypte Trends für andere stille Mitleser attraktiv reden will. Ich selbst werde die Finger da brav draussen lassen, und allenfalls ein kleines Spielgeld einsetzen, wenn überhaupt.
Soviel auf jeden Fall meine Gedanken dazu.
Chris, Du beschreibst perfekt, wie Momentumtrader Geld machen (wollen): einen Hype bzw. Trend reiten, bis er seinen Antrieb verliert und dann schnell (genug) Kasse machen. Das hat mit langfristiger Aktienanlage nicht wirklich etwas zu tun, obwohl beide Strategien oft die gleichen Werte "herauspicken". Denn auch die von mir bevorzugten Qualitätsunternehmen folgen ja einem Trend, jedenfalls was ihr Business angeht, und daher weisen ihre Aktien auch oft einen positiven und langfristigen Trend auf. Aber ein Investor steigt nicht gleich aus "seinem Unternehmen" aus, nur weil der Kurstrend mal kurzfristig nach unten ausbricht, um dann wieder einzusteigen, wenn der Wind/Trend sich wieder dreht. Das ist ein erheblicher Unterschied in der Einstellung und Vorgehensweise. Und ob das eher hektische Hin- und Hertraden auf lange Sicht bessere Ergebnisse erzielt (nicht in der Theorie, sondern wirklich anhand der real durchgeführten Trades), da müssen die meisten Trader den Nachweis schuldig bleiben...
Löschen... und selbst wenn "Erfolgsstories" berichtet werden, kann man davon ausgehen, dass all die anderen Market-Timing Versuche, die (voll) in die Hose gingen, halt einfach unter den Tisch gekehrt werden... Nein, ich bin da ganz bei Dir: in Qualitätsunternehmen investieren, das "wirklich freie" Geld alles 'rein, und dann die Marktentwicklung langfristig einfach voll mitnehmen (und sein Investment regelmäßig überprüfen). Ein Ausstiegszeitfenster von vlt. drei Jahren einplanen, dann hat man genügend Zeit, ggf. die nächste Hausse abzuwarten, um die Aktien final zu Geld zu machen, wenn man es denn braucht und will.
LöschenDas dürfte die "Königsstrategie" der Geldanlage in Aktien sein - sofern man sich die Mühe macht, und sein Portfolio selbst verwaltet. Wobei man, mit etwas Geschick, auf diese Weise schon ordentlich etwas aus der Sache herausholen können müsste.
Zur Wasserstoff-Euphorie: ich weiss leider nicht, wie das damals war, beim Aufstieg von Amazon, oder Google usw. Wahrscheinlich im Kern das gleiche: Aktien mit einer Volatilität, dass einem schwindelig werden konnte, und die trotzdem anscheinend nur eine Richtung kannten: nach oben... wobei man sich wohl jeden Tag fragte: wie lange geht das noch so weiter, bzw. wie lange kann es noch so weitergehen.
Wobei ich im Wasserstoff oder bei Elektro nun nicht die übermäßige Phantasie habe. Eine neue Technologie muss sich ja nicht nur durchsetzen, man muss auch mit ihr und an ihr richtig kräftig verdienen - dann wird auch der Unternehmenswert (und parallel: die Aktie) nach oben gehen.
Wahrscheinlich wissen wir in ein, zwei Jahren schon ein bisschen mehr...
Davon ab ist das, wie gesagt, kein Investitionsumfeld für mich.
Hallo Michael, nachdem es in in letzter Zeit wieder etwas ruhiger geworden ist, habe ich mir einige Gedanken gemacht. Vielleicht schreibe ich sie hier mal.
AntwortenLöschenAktien... eigentlich gewinne ich am Aktienmarkt durch die Verluste Anderer. Wenn ich zu einem Zeitpunkt kaufe, bevor es viele andere tun, profitiere ich von deren Käufen und schöpfe am Ende deren Geld ab, wenn ich den Gewinn schliesslich mitnehme. Geld wird ja letzten Endes nicht vermehrt, sondern nur umverteilt (so ähnlich sagte schon Gordon Gekko im phantastischen Film "Wall Street" 1987).
Wenn ich also "cleverer" agiere, als all die anderen Mitspieler am Tisch, dann kann ich Gewinn machen.
Und dann habe ich habe gesehen, es gab lange Phasen, wo mit Aktien praktisch gar nichts ging, zum Beispiel hatte man mit Microsoft von 2000 bis 2013 keine besondere Freude. Das Unternehmen hat z.B. Umsatz und Gewinn kontinuierlich gesteigert, der Kurs rührte sich aber nicht. Weisst Du, was da damals los war? Allgemeine Aktienmüdigkeit nach Dotcom-Blase, Börsengang Telekom, Infineon, usw.? Angst vor Technologie-Werten? Andere grosse Aktien haben sich in dieser Zeit entwickelt, bzw. deren Stern ging auf.
Und was mich selbst angeht: letzten Endes bin ich gar nicht so unglücklich damit, mein Geld wieder komplett aus dem Markt zu haben, solange er offenbar nicht weiss, wo er hin will. Aus meiner Sicht wäre es gut, wenn alles nochmal so richtig crashen würde, sodaß man seelenruhig einkaufen könnte ("An offer that you can't resist"). Alternativ wäre ich auch für eine stabile Börseneuphorie/Hausse zu haben, auf die man mit guten Qualitätsaktien vielleicht aufspringen könnte. Ansonsten beobachte ich im Moment nur, und ein paar "Micro-Wetten" nebenbei sind nicht so recht aufgegangen (haben mir aber auch keinen Verlust beschert). Soviel meine Gedanken, und Fragen, im Moment...
Hallo Chris,
Löschenerst einmal Chapeau an Michael, dass er Dir seine Gedanken hier so mühevoll aufdröselt. Dafür solltest Du ihm wirklich dankbar sein.
Ich hätte noch ein paar Anmerkungen, um mögliche Widersprüche mit Deiner Vorstellung vom Investieren aufzuzeigen.
Ich hoffe, ich werde nicht missverstanden, aber ich finde, Deine wortreichen Posts machen Deinem Namen alle Ehre, denn sie vermitteln den Eindruck von schönen und reinen Gedankengebäuden, die die Realität nicht 1:1 abbilden wird. Du schreibst z.B. (ich zitiere aus dem Gedächtnis), dass Du in Qualitätsunternehmen investieren, "langfristig dabei bleiben" und "Gewinne voll mitnehmen" willst, mit einem "Ausstiegsfenster von vielleicht bis zu 3 Jahren"...
Warren Buffett sagt, dass, wer beim Kauf nicht bereit ist, ein Unternehmen für mindestens 10 Jahre zu halten, es auch keine 10 Minuten besitzen sollte. Das vermittelt Dir einen ungefähren Eindruck davon, was ein Investor meint, wenn er von "langfristig" spricht. Auch bei einem Qualitätsunternehmen ist die Aussicht, auf Sicht von nur 3 Jahren eine passable Rendite einzufahren, ziemlich ungewiss, und zwar vor allem dann, wenn das Unternehmen beim Einstieg schon hoch bewertet ist. There is no free lunch, oder, nach Kostolany: kein Geld ohne Schmerzen.
Nimm zum Beispiel Amazon, nach eigenem Bekunden Dein Lieblingsunternehmen. Der Corona-Boost scheint mir eingepreist, (fast) alle Anleger lieben und haben das Unternehmen, starke wie zittrige Hände, und selbst gestandene Investoren haben ihre Investmentgrundsätze über den Haufen geworfen, um es zu besitzen. Die Erwartungen sind enorm. Ich finde, dem stehen ein paar nicht ganz unerhebliche Risiken gegenüber. Wenn sich davon eines (oder auch mehrere) in den nächsten Jahren materialisiert, könnte das einen herben (aber wahrscheinlich temporären) Kursrückschlag zur Folge haben. Wenn Du dann mit nur 3 Jahren geplantem Inverstitionszeitraum dabei bist, kann Deine Liebe schnell erkalten. Rechnest Du hingegen mit mindestens 10 Jahren Engagement, sind Deine Aussichten auf eine passable Rendite sehr gut - auch wenn das Unternehmen beim Kauf hoch bewertet war, zwischenzeitlich ein oder zwei schwierige Marktphasen durchlaufen hat und Du nicht zum idealen Zeitpunkt aussteigst. Denn nur über den langen Zeitraum werden temporäre negative Effekte, die durchaus mal Jahre dauern können, durch die Unternehmensentwicklung hinreichend zuverlässig überkompensiert. Dass man dann in vielen Fällen aus dem einen oder anderen Grund letztendlich doch früher als erwartet aussteigt, steht dem nicht entgegen. Fortsetzung folgt...
Denke auch daran, dass es auch noch andere Risiken als direkte Kursrisiken gibt. Beim Investieren in US-Unternehmen hast Du z.B. ein Währungsrisiko. Es kann z.B. sein, dass Deine Unternehmen an der NASDAQ die schönste Rally hinlegen, an den deutschen Handelsplätzen und in Deinem EUR-geführten Depot davon aber nur ein kleiner Teil ankommt, weil zufällig zeitgleich der EUR erstarkt. Auch damit musst Du rechnen und umgehen, und auch dabei hilft tendenziell ein langer Zeitraum.
LöschenRechne damit, dass ein Investment auch scheitern kann, egal, wie gut es am Anfang aussah und wie viele Gedanken Du Dir darüber gemacht hast. Deshalb braucht es ein Mindestmaß an Diversifikation.
Du sagst, Du willst Investments kontrollieren und mitverfolgen. Sei Dir aber im Klaren, dass, wenn Du aus sich abzeichnenden Entwicklungen eine Kauf- oder Verkaufentscheidung ableiten willst, dies tun musst, bevor der Markt - z.B. aufgrund von Geschäftszahlen - eine veränderte fundamentale Lage feststellt. Denn wenn der Markt daraufhin eine Neubewertung vornimmt, geschieht das mitunter
innerhalb von Minuten, evtl. noch von Stop-Loss-Kaskaden unterstützt. Niemand wartet auf Deine Meinungsbildung. Es ist sehr schwer, kurzfristig cleverer zu sein als andere. Aber auch wenn Du das nicht bist, partizipierst Du ja trotzdem an der langfristigen Wertentwicklung. Es wird also keinesfalls einfach nur Vorhandendes "umverteilt".
Bis jetzt machst Du den Eindruck, dass Du alles mal kurz ausprobierst und theoretisierst und versuchst, daraus Entscheidungen abzuleiten, was für Dich passt. Das ist schwierig, weil Du dadurch kein "Gefühl" für die Sache bekommst. Du könntest Dir aber z.B. überlegen, versuchsweise ein kleines Investment zu tätigen, dessen Totalverlust Dich ggf. nicht sehr schmerzt, und einfach dabeizubleiben. Kurse werden fallen, und Du wirst zwangsläufig auf Artikel stoßen, in denen dargelegt wird, warum jemand Dein Investment vollkommen unmöglich findet, während XYZ doch viel aussichtsreicher ist. Ich würde dann nicht unreflektiert hin und her springen, denn wenn man damit erst einmal anfängt, freut sich auf lange Sicht nur der Broker. Wenn Du mit dem Einstieg darauf wartest, dass die Kurse noh einmal massiv einbrechen und daraus Deinen Gewinn zu ziehen, könntest Du evtl. enttäuscht werden; auch ich rechne zwar mit einem nochmaligen Einbruch, aber ausgemacht ist das nicht. Das wäre dann aber auch eher Market timing als langfristiges Anlegen.
Beste Grüße
Jens
Moin Chris,
AntwortenLöschenich antworte mal in zwei Teilen. Zunächst zur Microsoft-Historie. Anfang 2000 war MSFT exorbitant hoch bewertet. Damals sprach man von der "New Economy" und war wirklich der Auffassung, dass das Internet alles verändern würde - sogar die Grundgesetze des Marktes und der Ökonomie. Richtig ist, dass das Internet unser aller Leben stark verändert hat, aber falsch war, dass Unternehmen keine gewinne machen müssen, dass jede noch so utopische Idee funktionieren wird, dass quasi über Nacht das Internet die "Old Economy" ablöst. Anfang 2000 hat man gedacht und gefühlt, als wäre das Internet so dominant wie es das heute wirklich ist. Aber 2000 steckte das noch in den Kinderschuhen! Wenn Dein Smartphone heute nur das mieseste Funknetz erwischt, also "EDGE", dann ist das das UMTS-Netz. Dafür waren 1999 mal gerade die Frequenzen versteigert worden. Mobiler Datenverkehr, Streaming, wie wir es heute kennen, war damals gar nicht möglich. Man wähnte sich in einem Ferrari auf der Rennstrecke, aber man saß in einem klapprigen Hyundai auf einer Buckelpiste.
MSFT war 2000 ein Monopolist mit Windows und missbrauchte seine Dominanz, um eigene Dienste zu pimpen. So war der Netscape Navigator der Standard-Browser, doch Microsofts Internet Explorer überholte den innerhalb weniger Jahre und erreichte Marktanteile von über 80%. Weil er bei jedem ausgelieferten Windows-PC (und damit liefen fast alle PCs und Notebooks) vorinstalliert war. In den USA und in Europa liefen daher Kartellverfahren gegen Microsoft und in den USA gab es ein Urteil, dass Microsoft zerschlagen werden müsse. Dagegen ging MSFT natürlich juristisch vor und das verzögerte die Sache um viele Jahre. In der Zeit hat die EU-Kommission MSFT so gegängelt, dass MSFT zustimmte, den Internet Explorer nicht mehr vorzuinstallieren, sondern bei Aktivierung von Windows jeweils vier Browser vorzuschlagen als Alternative (immer incl. des IE). MSFT wurde zu dieser Zeit als "der Feind" angesehen von so gut wie jedem Programmierer und vielen Kunden. Es war verhasst, weil die Produkte nicht die besten waren, aber jeder damit arbeiten musste. Es gab Alternativen, wie von Stardivision (Softwareschmiede aus Hamburg), die dann aufgekauft wurden. Deren Produkte wurde zu Open Source-Programmen und die kann man heute noch finden als OpenOffice. Und auch die IE hatte seine Marktstellung verloren; vor allem in Deutschland war der Firefox inzwischen Marktführer. Später kam dann Chrome und der dominiert ja seitdem den Markt (neben Safari, das mit dem Wiederaufstieg von Apple und dem Iphone seinen Marktanteil stetig ausbauen konnte).
Das Kartellverfahren verlief dann im Sand. Weil MSFT seine Dominanz verloren hatte und an allen Fronten von Gegner in die Mangel genommen wurde. Das Kartellverfahren wurde auf Eis gelegt - aus Mitleid, könnte man sagen...
2000 war MSFT utopisch hoch bewertet und mindestens 10 Jahre Zukunftsphantasie bereits eingepreist. Dann brach die Börse zusammen und 90% aller gehypten Internetklitschen gingen pleite, weil sie Unmengen von Geld verbrannten und nun kein Geld mehr rein kam. Die "New Economy" war tot, alle erkannten, dass die Naturgesetze der Ökonomie noch immer wirkten. Und MSFT war 200 verhasst und ein komplett abgeschottetes Unternehmen - seine Produkte liefen nur "mit sich selbst", es gab kein Office für Apple-Geräte oder so etwas.
Hinzu kamen viele Fehlentscheidungen. MSFT hat das Tablet erfunden, aber Windows war dafür nicht ausgelegt und das Gerät zu klobig. Ein Flop. Ein paar Jahre später kam Steve Jobs mit dem Ipad und es wurde ein Hit. MSFT hat das Iphone verschlafen. Es gab Handys mit Windowsbetriebssystem, aber die waren dritte Wahl. Nokia, vor den Smartphones Weltmarktführer bei Handys, war von BlackBerry verdrängt worden und schmiss sein eigenes OS über Bord und sattelte auf Windows-OS um. Kurze Zeit später kaufte MSFT dann die Nokia-Handysparte, nur um nach zwei (?) Jahren fast $40 Mrd. darauf abschreiben zu müssen.
2/2
AntwortenLöschenMSFT war zu diesen Zeit kein Wachstumsunternehmen mehr. Bei mobilen Endgeräten spielte Windows keine Rolle, seine Suchmaschine Bing sah keinen Stich gegen Google. MSFT begann mit Dividendenzahlungen und wurde mit einstelligen KGVs bewertet. Damals stieg ich ein. Und dann kam Satya Nadella und hat MSFT komplett umgekrempelt und so gut wie alles Negative ins Positive gewandelt. Und seitdem laufen die Geschäfte und der Aktienkurs ebenfalls; auch weil der Markt MSFT wieder als erfolgreiches Wachstumsunternehmen wahrnimmt und ihm deutlich zweistellige KGVs zubilligt.
So, nun zum anderen Part: Du sagst, Du hättest alle Deine Aktien wieder verkauft, weil Du nicht wüsstest, wie sich der Markt entwickeln würde. Du sagst ja selbst, dass Du noch nicht viel Erfahrung an der Börse hast und das merkt man an dieser Stelle. Versteh mich bitte nicht falsch, das ist kein Vorwurf. Es ist normale, (fast) jeder macht diese Entwicklung durch. Auch ich habe so gedacht und gefühlt vor 20 Jahren.
AntwortenLöschenDu blickst auf die Kurse, Du nimmst Chancen und Risiken als Kursschwankungen wahr. Aber... darauf kommt es nicht an. Buffett sagt: "Die Börse ist nur der Marktplatz, die Wertschöpfung findet im Unternehmen statt". Und genau das ist der zentrale Punkt, der (einzige) entscheidende Faktor an der Börse. Man sucht sich die besten Unternehmen heraus und wird dort Miteigentümer, Aktionär. Man kauft nicht deren Aktien in der Hoffnung, dass der Kurs steigt. Nein, man kauft Anteile an einem wundervollen Unternehmen, weil man an seinen Erfolgen beteiligt sein will. Man nimmt an der Wertsteigerung des Unternehmens teil und diese resultieren dann früher oder später auch in Kurssteigerungen.
Man muss diesen Unterschied zwischen Preis (Kurs) und Wert einer Aktie verinnerlichen. Das ist keine Sprechblase, es ist das Fundament für erfolgreiche Investments. Ich reite hier im Blog nicht ohne Grund so häufig auf diesen Basics herum, eben weil sie so entscheidend sind. Denn als Aktionär von Top-Unternehmen muss - und sollte! - ich mir um die Aktienkurse keine Gedanken machen. Das Management kümmert sich um die Entwicklung, um Corona, um Lockdowns, um Home Office usw. Das ist nicht mein Job als Aktionär! Mein Job ist, mir die richtigen Unternehmen auszusuchen, die auch in solchen Phasen gut durchkommen und die sich bietenden Chancen nutzen (können). Dass der Aktienkurs auch dieser Unternehmen stark schwankt, das gehört dazu. Aber es ist nur eine Nebensächlichkeit. Obwohl die meisten Anleger nur darauf achten und den Erfolg ihrer Investments alleine daran festmachen, ob in ihrem Depot hinter der Aktie in möglichst fettes Plus oder ein Minus steht. Aber das ist der falsche Ansatz, der falsche Gedanke. Denn den Aktienkurs kannst Du nicht beeinflussen!!! Niemand weiß, wo er morgen steht oder in vier Wochen oder in zwei Jahren. Du kannst nur das Unternehmen analysieren und bewerten und dann einsteigen, wenn sein Wert höher ist als das, was Du heute dafür bezahlst. Benjamin Graham stellte dabei auf den heutigen Wert ab, Buffett, Munger, Fisher auf den künftigen Wert. Deshalb setzen sie auf Quality Investing, auf Unternehmen, deren Entwicklung man relativ sicher abschätzen kann. Nicht auf Klitschen, nicht auf Turnarounds, sondern auf Unternehmen mit soliden Bilanzen und starken Burggräben. Oder wie Buffett auch sagt: man muss sich auf das Spielfeld konzentrieren (die Unternehmen), nicht immer auf die Anzeigentafel starren (Aktienkurse).
Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, sie wirklich zu verstehen und zu verinnerlichen, braucht man Jahre und viele Erfahrungen an der Börse. Denn es ist nicht einfach. Auch mir setzen Minuszeichen im Depot zu und ich muss mir dann diese Grundsätze wieder bewusst machen, um mich an ihnen zu orientieren. Buffett lebt sie, ich wende sie an - oft klappt das, aber nicht immer. Das sich schon den dritten Crash miterlebe mit der dazugehörigen Endzeitstimmung, ist natürlich ein Hilfe dabei. Das Wissen, dass es in der Nacht dunkel ist, aber es danach wieder hell wird. Für wen es zum ersten Mal Nacht wird, der muss das erst noch lernen...
Hallo Michael, zunächst vielen Dank für Deine umfangreichen Ausführungen! Manche der Dinge über Microsoft hatte ich tatsächlich schon mal gehört oder gelesen, aber nicht mit dem historischen Aktienkurs in Verbindung gebracht. Die Sichtweise des Investments, die Du in Deinem Blog vermittelst, finde ich ja durchaus auch sehr reizvoll: ich vertraue mein Geld Unternehmen an, von denen ich glaube, dass sie gut aufgestellt sind, und gute Aussichten auf die Zukunft haben. Ich stelle mir dabei immer vor, wie Manager, Mitarbeiter und viele kluge Köpfe ihre 50-Stunden-Wochen (für mich) herunterreissen, Meetings abhalten, Strategien entwickeln, Probleme lösen... um das Unternehmen, in das ich investiere, und damit letztlich auch mich, erfolgreicher zu machen. Das ist tausendmal besser, als mein Geld auf einem Negativzinsenkonto und durch die Inflation langsam verfaulen zu lassen. Die Wirtschaft ist es, die die Wertschöpfung in den Industriestaaten schafft, und genau das ist wohl der Grund, warum Aktien sich so prächtig entwickelten in den letzten Jahren. Die andere Sache gegenüber dieser etwas romantischen Sichtweise ist natürlich, dass wir alle de facto das gleiche Ziel haben: wir wollen einfach, dass sich unser Geld vermehrt. Ob wir das nun so offen zugeben wollen oder nicht, deswegen machen wir in Aktien. Bzw. beschäftigen uns mit diesem Thema. Manche wohl etwas erfolgreicher (und da zähle ich die Leser dieses Blogs dazu, wegen der sinnvollen vermittelten Grundlagen). Und andere verbrennen sich wohl eher die Finger mit Derivaten, Hypes, falschen Hoffnungen, und falschen Vorstellungen davon, was Börse ist, wie sie funktioniert, und wie man sich (halbwegs erfolgreich) auf diesem Parkett bewegt.
AntwortenLöschenWie man letztlich handelt, oder handeln möchte, muss man allerdings, wie Du auch gesagt hast, für sich selbst herausfinden; ich habe das immer schon so gemacht, und ich werde da über kurz oder lang meinen Weg finden. Es gibt da vieles zu bedenken... wieviel Zeit kann oder möchte ich in das ganze Thema stecken; welchen zeitlichen Horizont will ich abdecken (mit einer 5 vor der Jahreszahl bin ich schon etwas spät dran); mit wieviel investiertem Geld kann ich ruhig schlafen; wo liegen realistische Ziele bei der ganzen Sache uswusf. Ich habe mir damals in Dotcom-Zeiten auch ein paar finanzielle Schrammen geholt. Bei mir war es ein guter Bekannter, der mich auf Aktien brachte. Er hatte es absolut gut gemeint - das änderte aber nichts daran, dass er von Unternehmensbewertung, Spekulationsblasen oder Hypes einfach nichts wußte, und ich auch nicht. Ich bin dann irgendwann wieder raus, er blieb glaube ich noch länger drin in der verpuffenden Blase.
@Jens ich glaube, Du hast ein paar Dinge etwas missverstanden, die ich meinte. Ich lese so oft, wie man in Aktien gut strategisch vorgeht, aber eigentlich nie, wie man das Thema sinnvoll abschliesst. Mit „Ausstiegszeitfenster“ meinte ich, es wäre ungünstig, wenn ich am Tiefstpunkt einer Wirtschaftskrise in Rente gehe, und genau dann meine Aktien alle verkaufen müsste. Klüger wäre es, den erwünschten bzw. geplanten Lebensstandard notfalls 3 oder 5 Jahre lang aus anderen Quellen finanzieren zu können. Die Aktien mache ich dann zu Geld, wenn die Wirtschaftskrise wieder überwunden ist, und ich entsprechend mehr Geld dafür bekomme.
AntwortenLöschenBezüglich steigender Kurse, darfst Du Dir aber nichts vormachen. Zum einen: Aktien steigen oder fallen nicht wegen Krisen, Wirtschaftsboom, Pandemien, oder weil sich Unternehmen im Umsatz und Gewinn verzehnfacht haben, sondern nur deswegen, weil sich Angebot (Verkäufer) und Nachfrage (Käufer) am Aktienmarkt verschieben. Das treibt die Preise bzw. Kurse dann nach oben, oder läßt sie fallen. Es mag beobachtbare mittelbare Zusammenhänge zwischen den äußeren Geschehnissen und den Bewegungen der Kurse geben, aber keine zwingend ursächlichen, wenn Du verstehst, was ich meine. Es sind immer Menschen, die Aktien kaufen oder verkaufen wollen. Und deren Motive kann man in ihrer Gesamtheit nur wenig (oder gar nicht) überschauen.
Und wenn sich ein Aktienkurs seit Deinem Investment gut entwickelt hat, dann nur deswegen, weil viele Leute nach Dir diese Aktie kaufen wollten. Und wenn Du irgendwann verkaufst, dann nimmst Du all diesen Menschen einen kleinen Teil ihres Geldes. Indem Du nämlich den Aktienkurs beim Verkauf um ein winziges Stückchen nach unten ziehst... so sind die Zusammenhänge. Es ist ein Nullsummenspiel...
Es ist übrigens keineswegs gesagt, dass sich Aktien die nächsten 10, 20 Jahre weiterhin so gut entwickeln werden, wie sie das in den letzten Jahren getan haben. Ich gehe zwar aus gewissen Gründen davon aus, dass das erstmal so bleibt, und wir alle hoffen das auch, aber wirklich wissen kann es niemand. Sehr gut denkbar wäre auch ein Szenario, an dem sich der Kurs aller Unternehmen an der Börse ihrem realen Wert in der realen Wirtschaft anpasst, und dann kein weiteres Kurswachstum mehr erfolgt. Ich schätze, das dürfte einigen Dinos am Markt auch schon so passiert sein.
Oder das Gegenteil: mangels Alternativen, zuviel flüssigem Geld usw. stürzen sich irgendwann alle auf Aktien, und der komplette Markt geht in eine Überbewertung. Was dann konsequenterweise folgen muss, ist das Platzen einer solchen Blase, mit allen bekannten unangenehmen Folgen.
Aber Stand heute ist das noch nicht soweit, oder absehbar, würde ich sagen.
Chris, die Aussage (von Gekko), die Börse wäre ein Nullsummenspiel, ist nicht korrekt, da saß sein Erschaffer Oliver Stone einem Irrtum auf. Es wäre nur dann ein Nullsummenspiel, wenn die Börse ein in sich geschlossener Kreislauf wäre. Sie ist aber nicht geschlossen, denn es fließt tagtäglich Geld hinein und wieder heraus - aber nicht die gleiche Summe. Und gerade in den Jahren seit der Finanzkrise sind Unmengen an Zentralbankgeld in die Börsen geflossen, so dass es eben kein Nullsummenspiel ist. Mehr Geld bedeutet mehr Aktienkurs. Und der "Verlierer" ist die Notenbank und zwar so lange, bis sie dieses zusätzliche Geld wieder abschöpft. Die Geldmenge steigt aber immer weiter an und dieses Geld fließt in Assets, in Aktien und Immobilien. Eine Geldinflation bleibt (deshalb bisher) aus, aber die steigenden Aktien- und Immobilienpreise stellen eine Vermögenswertinflation dar. Und je niedriger die Zinsen, desto stärker ist der Zustrom des Geldes in Vermögenswerte...
LöschenHallo Michael. In welcher Form sind denn Geldmengen der ZB in die Börsen geflossen? Und wie kann dieses Geld wieder abgeschöpft werden? Das müsste doch dann durch den Kauf/Verkauf von Wertpapieren passiert sein, bzw. passieren. Das ist ja sogar geplant im Moment, habe ich gelesen.
LöschenUnd mal etwas anderes: wieso ist eigentlich eine gesteuerte Inflation das Ziel der EZB (ich lese: 2%)? Sollte die EZB nicht darum bemüht sein, sowohl eine Inflation als auch eine Deflation vom Euro fernzuhalten? Und woher kommen die seit mehreren Jahren 0% Zinsen? Sich Geld zu leihen, sollte doch eigentlich (logischerweise) immer einen Preis haben. Und wenn man jemandem Geld zur Verfügung stellt (Sparbuch etc.), mit dem derjenige arbeiten kann (z.B. Banken), dann sollte man dafür doch auch mit Verzinsung belohnt werden. Wieso wurde dieses Modell eigentlich gekippt? Irgendwo wurde zum Beispiel geschrieben, das wurde deswegen gemacht, damit sich der Staat einfacher verschulden kann... was übrigens m.E. auch nicht der Weg sein kann...
Und zur Bewertung von Unternehmen... ich habe gelesen, Buffet hält die Aktien aktuell für stark überbewertet. Was wäre überhaupt ein realistischer Preis für ein Unternehmen? Vielleicht alle Besitzümer, plus den prognostizierten Wertzuwachs von vlt. 10 Jahren? Dann würde ein Investor ab dem 10. Jahr Gewinn machen mit dem Kauf einer Firma (der Gewinn/generierte Cashflow gehört ja dann ihm). Viele Grüße.
Der normale Weg einer Notenbank ist kein direkter. Sie verändert Zinssätze, weil dies den Banken ermöglicht, ihre Zinssätze zu verändern - und so landet das Geld dann bei Verbrauchern und Unternehmen. Oder durch veränderte Mindestreserveanforderungen, weil es so für Banken teuer oder eben billiger wird, Geld zu verleihen.
LöschenDass die EZB direkt Unternehmensanleihen kauft, ist ein Bruch mit ihrer klassischen Rolle. Auch die FED tut dies ja seit der Finanzkrise 2008/09.
Wenn also die Zinsen sinken und die Geldmenge steigt, dann landet das Geld bei den banken und diese geben es als Kredite an Privatleute und Unternehmen heraus. Doch die konsumieren nicht etwa in großem Stil, sondern viel von diesem Geld wurde von diesen stattdessen in Immobilien oder eben Aktien gesteckt.
Abschöpfen kann die EZB das Geld wieder, indem sie es teurer macht und geringere Mengentender für die Banken zur Verfügung stellt. Die können sich dann weniger frisches Geld bei der EZB leihen, als sie ihr gleichzeitig zurückzahlen müssen. Das knappere Geld wird dann teuer für die Kreditkunden. Soweit die Theorie, denn in der Praxis ist es gar nicht so leicht, eine "auf Speed" gedopte Wirtschaft sanft zu entwöhnen, ohne einen Kollaps zu verursachen. Als die Notenbank in den 1930ern die Zinsen anhoben, stürzte die Wirtschaft und die Börse ab. Als die FED 1999 mehrmals die Zinssätze anhob, crashte dann bald die Börse. Und als die FED 2017/18 damit begann, mehrmals die Zinsen anzuheben... Ende 2018 stürzte die Börse ab. Ist also nicht so einfach...
Zinsen sind eigentlich die Risikoprämie dafür, dass man ggf. sein Geld nicht zurückbekommt. Je höher dieses Risiko, desto höher der Zinssatz. Wenn nun aber Geld quasi unbegrenzt und für jeden zur Verfügung steht, entfällt das Risiko. Das ist eine grundsätzlich ungesunde Entwicklung/Situation. Denn es hält auch viele Unternehmen am Leben, die es nicht sollten; weil so die besseren sich nicht durchsetzen können. Ausführlich habe ich das hier erläutert: "Der Tod des Risikos - Winken durch Niedrigzinsen paradiesische Zustände oder droht uns Zombiland?.
Eine moderate Inflation ist wichtig und sogar notwendig. Sie bedeutet, dass Unternehmen höhere Preise verlangen können und die Menschen mehr kaufen, weil es demnächst teurer wird. Umgekehrt, bei Deflation, wird die Wirtschaft abgewürgt. Wenn man glaubt, dass die preise fallen, kauft man heute nicht, sondern wartet so lange wie möglich ab. Die Nachfrage bricht ein und die Unternehmensgewinne in der Folge auch, was zu Kosteneinsparungen und Entlassungen führt. Und ggf. weiteren Preissenkungen, um den Absatz anzukurbeln. Eine Teufelsspirale, aus der nur schwer herauszukommen ist. Japan schafft das seit Jahrzehnten nicht...
1/2
2/2
LöschenBuffett hält Aktien nicht für überbewertet! Bitte nicht den Mist glauben, den irgendwelche Kommentatoren so von sich geben, vor allem, wenn sie sich auf Shillers Cape-Ratio berufen. Buffett hat auch zuletzt mehrfach gesagt (!), dass Aktien eher preiswert sind - weil die Zinsen so niedrig stehen und weiter fallen. Deshalb seien höhere Bewertungen angemessen und kein Hinderungsgrund, solide Qualitätsaktien zu kaufen. Man muss sich immer die Opportunitätskosten anschauen, rät Buffett. Also den Vergleich, was man mit einer anderen Anlage in der gleichen Zeit verdienen kann. Also als Standard die 10-jährige US-Schatzanleihen. Die ~0,5% stehen in Konkurrenz zu den Unternehmensgewinnen in der gleichen Zeit. Ken Fisher sagt, KGVs sind relativ nutzlos, weil sie die Vergangenheit betrachten. Stattdessen sollte man die Gewinnrendite ermitteln. Geht ganz einfach: Gewinn durch Kurs teilen (also genau anders herum als beim KGV). Mitte Februar lag die Gewinnrendite des US-Markts bei rund 5%, die des DAX bei fast 6,5%. Nun dürfte es deutlich weniger sein, weil Corona die gewinne schmilzt. Aber nicht bei allen. Selbst wenn wir jetzt 2,5% annehmen für das Jahr 2020 bei den US-Märkten, ist das noch immer 2% höher als die Rendite der US-Staatsanleihen. Mit anderern Worten: Aktien haben zurzeit gegenüber Anleihen einen 2-prozentigen Renditevorteil. Und wenn man jetzt davon ausgeht, dass sich die Wirtschaft bald wieder zu erholen beginnt und die Gewinne der Unternehmen wieder steigen, steigt auch der Renditevorteil. Denn die Zinsen sind wegen der Krise kurzfristig hoch gesprungen, werden aber dauerhaft niedrig bleiben; die Notenbanken werden noch länger die Märkte mit Geld fluten.
Daher bleibe ich dabei: Aktien sind das Maß der Dinge. Aktien von Qualitätsunternehmen, bei denen absehbar höhere Umsätze, Cashflows und Gewinne winken.
Da bin ich übrigens nicht ganz der Meinung, dass Aktien das Maß aller Dinge sind. Das wäre in meinen Augen, die nächste große Erfindung zu machen, die die Welt im großen Stil verändern wird - so, wie das unsere beliebten Technologie-Unternehmen an der Börse wiederholt bewerkstelligt haben.
LöschenAber mit Aktien kann man auf jeden Fall relativ bequem Geld verdienen (wenn es denn hinhaut). Meine drohende Altersarmut kann ich damit allerdings nicht vom Tisch schaffen, das ist mir inzwischen schon klargeworden...
Die Informationen über Buffett habe ich hierher:
https://www.onvista.de/news/es-gibt-keine-zweifel-mehr-buffett-denkt-dass-aktien-stark-ueberbewertet-sind-332189397
oder auch hier:
https://boerse.ard.de/anlagestrategie/geldanlage/Buffettt-indikator-schlaegt-alarm100.html (2019)
Das klingt zumindest alles plausibel beschrieben und gut recherchiert... ich werde mir aber nicht die Mühe machen, jetzt alles gegenzuchecken.
Vom dem Schrottwert Wells Fargo hat Buffett mehr Aktien verkauft, als an einem Tag überhaupt an der NYSE gehandelt werden. Das ist keine Erholung, was ich da am Kurs seit 6 Wochen sehe, das sind eher ein paar verzweifelte Todeszuckungen... willkommen zurück im Kursniveau von vor 10 Jahren.
Zur Bewertung von Unternehmen: das KCV sagt aus, wieviel Jahre es dauert, bis sich ein von mir aufgekauftes Unternehmen rechnet, und anfängt, Gewinn in meine Tasche zu spülen. Man kann sich überlegen, ob ein Wert von 20 oder 30 auch nur für irgendeinen Investoren interessant wäre (von der Wachstumsphantasie des spezifischen Unternehmens einmal abgesehen).
Ich glaube, wenn große Investoren von „Value Investing“ reden, dann meinen sie insbesondere zwei Dinge: a) aus speziell dieser Sache werde ich irrsinnig viel herausholen können und b) die ganze Sache ist auch so gut wie sicher.
Und alles andere, was mir so über den Weg läuft, lasse ich gleich links liegen. Nur so wird man wohl irgendwann Multimilliardär...
Oder frei nach Gordon Gekko: „Die meisten spielen an der Börse Roulette; so blöd bin ich nie gewesen. Ich mach' nur sichere Sachen“.
Was die EZB und andere große Mitspieler da bisweilen so treiben, entzieht sich meinem Verständnis - und auch meinem Grundlagenwissen über BWL. Besonders gesund kann das alles aber nicht sein. Die EZB kauft in großem Stil Schrottpapiere aller Art (von Staat, Unternehmen, ...) um bankrotten Staaten über die Hintertür Milliarden zuzuschustern, die mal lieber endlich schauen sollten, von selbst auf die Beine kommen, und ihre inhärenten Probleme zu lösen. Und um die Inflation mit allen denkbaren Mitteln auf 2% hochzuprügeln. Ja, hochzuprügeln... nicht etwa herunterzudrücken. Und teuer bezahlen tun das dann die kleinen Leute, die Geld auf Sparbüchern oder sonstwo haben, und sich nicht teure Finanzberater leisten können, um ihren Reichtum gewinnbringend anzulegen, oder in Steueroasen zu verstauen... während Preise und Lebenshaltungskosten dann stetig steigen... aber was verstehe ich schon von solchen Dingen...
Im ersten Artikel (auf onvista) wird behauptet, Buffetts hoher Cashbestand würde bedeuten, Aktien seien überteuert (sonst würde er ja kaufen). Dem widerspreche ich, Buffetts größtes Problem ist, dass er immer weniger geeignete Zielfirmen findet, in die er überhaupt investieren kann. Berkshire hat weit mehr als $200 Mrd. an Beteiligungen, Buffett kann nicht mehr in eine Firma mit einer Marktkapitalisierung von €100 Mio. investieren. Er würde niemals einen signifikanten Anteil zusammenbekommen, ohne den Preis durch die Decke zu schießen. Er kann also nur noch auf Großwildjagd gehen und dafür kommen an der Börse vielleicht gerade mal noch um die 100 Aktien infrage. Und ein Drittel davon hat er schon im Portfolio!
LöschenDes Weiteren werden seine fortgesetzten Verkäufe bei Wells Fargo als Grund genannt. Und das ist mal definitiv Nonsens und schlecht recherchiert. Auf dem Thema reite ich seit drei Jahren herum bei jedem Quartalsupdate: Buffett darf aus regulatorischen Gründen an keiner US-Bank mehr als 10% Anteile halten. Er ist bei Wells Fargo schon mehrfach an dieser Grenze gewesen, weil die ihre eigenen Aktien zurückkaufen. Buffett verkauft dann einige seiner Aktien und durch die Rückkäufe steigt sein Anteil wieder an. Dann muss er wieder einige Aktien verkaufen. Ist ihm jetzt auch bei der Bank of New York Mellon passiert, auch da rutschte er über 10% und musste deshalb einige Aktien verkaufen. Wer sich mit Buffett beschäftigt, weiß das! Das hätte also so nicht in dem Artikel stehen sollen/dürfen.
Aber das sind/waren keine Vorwürfe an Dich, bitte nicht missverstehen. Ist klar, dass man nicht jede Info nochmals überprüfen kann, sondern auf ihre Qualität vertraut.
Über den Buffett-Indikator habe ich auch schon berichtet (zum Artikel), doch genau auf diesen angesprochen hat er ja geäußert, dass Aktien zwar absolut betrachtet sehr hoch bewertet seien, aber eben relativ nicht (siehe meine Ausführungen zuvor zu Niedrigzinsen und Gewinnrendite).
Zur EZB. Ja, ich bin auch kein Freund dieser Anleiheankäufe. Es gibt allerdings einen Hintergrund, weshalb die EZB vor ~10 Jahren damit anfing, Staatsanleihen zu kaufen. Der US-Imobilienmarkt brach zusammen und die ganzen strukturierten Produkte darauf mit den ganzen Schrottkrediten darin. Da haben auch die europäischen Banken viel von in den Büchern gehabt und das hat riesige Verluste verursacht. Hinzu kam, dass auch die europäischen Immobilienwerte massiv einbrachen und reihenweise Kredite platzten. Die Banken standen ohne Hosen da bzw. ihr Eigenkapital rauchte sehr schnell auf. Die Staaten musste die Banken stützen, aber nun kamen die Spekulanten und wetten gegen einige Euro-Staaten, dass sie aus dem Euro rausfliegen und pleite gehen würden. Die Zinsen schossen extrem nach oben und damit wurde aus der Immobilienkrise in den USA eine weltweite Finanzkrise und dann eine Staatsschuldenkrsie in der Eurozone. Aus diesem Grund hat die EZB angefangen, Staatsanleihen von Euro-Staaten zu kaufen. So wurden diese Staaten in die Lage versetzt, ihre Banken zu stützen. Aber... die Banken haben jeweils große mengen der "eigenen" Staatsanleihen im Bestand, das ist ein großes Risiko (in Italien oder Spanien) und sie haben hohe Quoten an uneinbringlichen Krediten in ihren Bilanzen (wieder Italien und Spanien vorneweg). Wenn aber die Banken umfallen, dann müssen die Staaten, die selbst kurz vor dem Kollaps stehen, einspringen. Die Krux ist, dass durch die rigiden Sparprogramme und Steuererhöhungen auch die Wirtschaft abgewürgt und mehr Leute in Arbeitslosigkeit gebracht werden. Was wiederum die Kreditausfälle erhöht. Ein verdammt schwierige Lage und nicht einfach zu lösen.
LöschenDem gegenüber stehen die USA mit ihrer Wirtschaftskraft und ihrer unerschütterlichen Bonität (trotz mehr als 1 Billion neuer Schulden pro Jahr!!!), die locker ihre Banken stützen konnten und dafür für fast null Zinsen weltweit Geld geliehen bekommen. Daher... ich finde die Politik der EZB nicht gut, aber ich habe keinen besseren Vorschlag. :-(
Hm, es sieht ganz so aus, als ob wir diese Unterstützung auch einfach machen müssen, wenn wir in Europa nicht irgendwann von sog. „gescheiterten Staaten“ umgeben sein wollen... das ist es sowieso, wie ich Deutschland und die EU sehe: D. Spielt mit seiner bärenstarken Wirtschaft den Zahlmeister, und dafür erhält es die Hegemonie in Europa. Geld gegen Macht - ein altes Spiel. Ob das wirklich so ist, weiss ich nicht, aber mir scheint es ganz so.
LöschenUnd ich glaube, die EZB treibt da ein bedenkliches Spiel. Die Deflation, die sie so verzweifelt versucht niederzuringen (wohl auch deswegen, weil man mit Geld, das von selbst immer mehr wert wird, kein Geld mehr verdienen kann, was das das grundlegende Geschäftsmodell von Banken darstellt) kommt vielleicht einfach daher, dass die EU mehr aus China importiert, als sie exportiert. Jedes Produkt, das ich direkt oder indirekt aus China kaufe, spült ein paar Euros nach China. Die Geldmenge in der Eurozone sinkt, und daraus folgt die Deflation. Indem die EZB jetzt Geld in wertlosen Papieren (oder wie seinerzeit die USA: in wertlose Immobilien) bindet, zieht sie den Wert des Geldes wieder herunter. Unangenehm könnte es dann werden, wenn diese überbewerteten Konstrukte uns irgendwann um die Ohren fliegen (weil irgendjemand versucht, sie wieder zu Geld zu machen, etc.).
----
Mit Warrens Argumentation muss man etwas vorsichtig sein. Es interessiert die grundlegenden Mechanismen der Wirtschaft wenig, ob Anleger deswegen Aktien kaufen, weil sie die einzige bzw. eine der wenigen überhaupt noch aussichtsreichen Anlagemöglichkeiten sind.
Und manche KBV's (Kurs-Buch-Verhältnis) gefallen mir gar nicht.
----
Mit „Nullsummenspiel“ meinte ich, dass niemand die Aktien eines Unternehmens mit Gewinn verkaufen kann, ohne den restlichen Anteilseignern einen (kleinen oder großen, je nach Verkaufsvolumen) Verlust zuzufügen. Der (realisierte) Gewinn des einen, ist der Verlust des anderen - und umgekehrt.
Ich versuche mir immer noch die Frage zu beantworten, ob wir im Moment auf einer riesigen Aktien-Spekulationsblase sitzen, oder nicht. Die Antwort darauf ist die einfache Frage, ob börsennotierte Unternehmen heute ihren Preis (= ihre Marktkapitalisierung) wirklich wert sind, oder nicht. Ist der Preis ähnlich demjenigen, den ein Investor für eine Firmenübernahme eines NICHT börsennotierten Unternehmens zahlen würde, oder nicht...
AntwortenLöschenSind die AG's unverhältnismässig teurer, dann sitzen wir auf einer Blase, und die ganze Aktiengeschichte ist einigermassen riskant (weil Blasen irgendwann platzen, oder die Luft rausgelassen wird, das ist nur eine Frage der Zeit). Weiss jemand Antworten?
Die Frage stelle ich mir auch schon seit längerem. Ich bin absolut der Meinung von Michael hinsichtlich seiner Favoriten (Burggraben, Zukunftsaussichten,...) ABER die Bewertung macht mir echt Sorgen. Habe auch meine Bauchschmerzen wenn ich oft höre, dass z.B. eine Amazon schon immer so teuer war. So wirklich ist, dass für mich kein Argument.
LöschenAuf der anderen Seite fehlen einem die Alternativen und es ist soviel verfügbares Geld da...aber ob das langfristig gut geht...???
Viele Grüße, Basti
Moin Basti,
Löschennach welchen Maßstäben ist Amazon denn teuer? Das KGV hat ausgedient, das sagt selbst Warren Buffett. Und Ken Fisher hat bereits 1984 in "Super Stocks" vom KGV abgeraten, weil damit Wachstumsaktien nicht zu bewerten sind - er präferierte das KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis). Auf Deutsch ist das Buch 2008 erschienen ("Die Kunst der richtigen Aktienauswahl", es ist aber meist vergriffen oder sündhaft teuer.
Amazon investiert jeden Dollar, der reinkommt, in den Ausbau seines Geschäfts. Nur deswegen wächst man so schnell, nur deswegen ist man so innovativ und nur deswegen ist man in mehreren Bereichen Marktführer. Man sollte auf die Umsätze und die Cashflows schauen und ob diese zulegen. Die Gewinne entstehen dann "automatisch", sobald die Investitionen nicht mehr so hoch ausfallen. Der entscheidende Punkt ist, dass Amazon jederzeit Gewinne ausweisen könnte, indem sie einfach keine weiteren Investitionen mehr tätigen (nur noch Ersatzinvestitionen, aber nicht ins Neugeschäft). Das ist der elementare Unterschied zu 2000, als die Unternehmen allesamt Geld verbrannten ohne Aussicht auf schwarze Zahlen oder auch nur operative Gewinne.
@Michael darum geht's in meiner Frage nicht, sondern darum, wie Aktiengesellschaften allgemein heute so bewertet sind. Ich habe mal etwas recherchiert: nicht börsennotierte Unternehmen gehen in etwa zu einem Preis über den Ladentisch, der dem Umsatz entspricht. Die Marktkapitalisierung vieler Aktiengesellschaften liegt aber bei einem Vielfachen des Umsatzes (Amazon: Faktor vier!) - Aktien sind also heute im Grunde schon (viel) zu teuer. Augenscheinlich deswegen, weil niemand mehr weiss, wie er sein Geld sonst anlegen soll.
LöschenIch selbst werde auch weiter in Aktien spielen, aber die latente Gefahr dahinter im Hinterkopf behalten (Stop Loss einziehen u.ä.).
Hallo,
AntwortenLöschenmich würde Ihre Meinung zu Iberdrola interessieren. Die Versorgeraktien sind ja zuletzt nicht so gut gelaufen. Strom wird jedoch immer benötigt und die Nachfrage wird in den nächsten Jahren vermutlich weiter steigen. Das Unternehmen scheint auf den ersten Blick auch stark im Bereich erneuerbare Energien/grüner Strom zu sein. Könnte mit der zunehmenden E-Mobilität hier Wachstumspotenzial vorhanden sein?
Vielen Dank für Ihre Arbeit.
LG
Ich bin kein großer Fan von Stromerzeugern/Versorgern. Die agieren in einem Markt, der stark von staatlicher Regulierung geprägt ist und dazu noch sehr kapitalintensiv. Bei den großen Versorgern kommt hinzu, dass sie alle Milliarden in alten, fossilen Kraftwerken stecken haben, die sie nun nicht mehr angesagt sind und daher abgeschrieben werden müssen. Ihre Lebens- und Nutzungsdauer wurde künstlich verkürzt und das bedeutet erhebliche Wertverluste für die Unternehmen.
LöschenIn der Wahrnehmung der Börse werden bei RWE, Iberdrola, Enel usw. fast nur noch die Aktivitäten im Bereich erneuerbarer Energien angesprochen, aber die haben (noch) einen sehr geringen Umsatzanteil. Hier müssen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten hohe Milliardenbeträge investiert werden, um überhaupt einen signifikanten Anteil zu erzielen. Ob die nun bestehende Wind-/Solarparks übernehmen oder Projekte oder selbst in die Projektierung von EE-Anlagen einsteigen, ist dabei unerheblich. Es bedeutet auf jeden Fall Kosten.
Ich finde daher die EE-Projektierer und Bestandshalter viel aussichtsreicher. Bin ja bei Energiekontor, PNE und ABO Wind an Bord. Wobei ich die Unternehmen in dieser Reihenfolge "spannend" finde. Die erstellen Wind- und Solarparks, haben entsprechend Projekte in der Entwicklung und ggf. auch eigene EE-Parks im Bestand (EKT und PNE). Dieser Bestand, aber auch die Projektpipeline weckt immer mehr Interesse, weil alle großen Versorger, aber auch Finanzinvestoren solche Projekte/EE-Parks kaufen wollen. Der Wert der Anlagen und Projekte steigt daher deutlich an.
Das liegt auch daran, dass neue Projekte nicht endlos zur Verfügung stehen. Es sind nur wenige Flächen verfügbar, es gibt lange Genehmigungsverfahren und Bürgerproteste, Gerichtsverfahren. Wer heute bei null startet, braucht viele Jahre, bevor er ein Projekt genehmigt bekommen hat und dann muss es auch erstmal errichtet werden. EKT, PNE, ABO Wind haben hier schon jahrzehntelange Erfahrungen und Vorarbeiten geleistet. Sie können "liefern", wobei ihr Angebot deutlich geringer ist als die Nachfrage. So hat EKT gerade eben erst ein großes Windparkprojekt in Schottland verkauft. EKT und PNE nehmen rund die Hälfte der von ihnen fertiggestellten EE-Parks in den eigenen Bestand, die andere Hälfte verkaufen sie. In beiden Fällen übernehmen sie zumeist den Betrieb der Anlagen, was ihnen über die Laufzeit (zumeist mind. 20 Jahre) weitere und stetige Einnahmen verschafft.
Zusätzlich gibt es in dem Sektor große Übernahmephantasie. Die Überlegung der großen Versorger ist dabei, dass sie lieber einen Wind- und Solarparkersteller und -betreiber kaufen, als dass sie ihm nur seine Projekte und fertigen EE-Parks abkaufen. Können sie sich den Projektierer einverleiben, haben sie nicht nur eine gesicherte Pipeline, sondern die Konkurrenz bekommt vom diesem keine Anlagen mehr - und man gerät nicht in eine mögliche Bieterschlacht um die Projekte/Parks.
Aber... bei allen drei genannten, bei EKT, PNE, ABO Wind, gibt es dominierende Anteilseigner, teilweise sogar Mehrheitseigentümer. Wenn die nicht verkaufen wollen, wird es nichts mit einer Komplettübernahme. Bei PNE hat MSIP (Morgan Stanley Infrastructure Partners) dies vor gut einem Jahr versucht und ist gescheitert. Mehr als rund 40% der Anteile haben sie nicht. Evtl. planen sie nun einen zweiten Versuch. Bei EKT und ABO Wind haben die Gründer die größten Aktienpakete; hier könnte aus Altersgründen die Verkaufsbereitschaft mit zunehmender Zeit steigen. Aber die zu bezahlenden Preise dürften sehr deutlich über den aktuellen Aktienkursen liegen. Auf eine Übernahme spekuliere ich aber bei keinem der Werte, es ist immer nur eine mögliche zusätzliche Chance.
Das ist keine Frage, sondern ein Kommentar: In meinen Augen gibt es derzeit sehr viele Aktien, die inzwischen sehr attraktiv bewertet sind. Allerdings betrifft das nicht pauschal alle Aktien, deren Kurs stark gefallen ist. Will sagen: Mir scheint langsam eine interessante Zeit zu sein, selektiv Cash abzubauen. Was nicht gleich bedeutet, dass der Markt nicht weiter fallen kann.
AntwortenLöschenKonstantin, wer jetzt Cash hat, hat ja nur drei Wege, wie er dazu gekommen ist (abgesehen von einem Erbe oder Lottogewinn): 1. Durch aufgesparten Cashflow (Gehalt, Zinsen/Dividenden) oder 2. durch zuvor getätigte Aktienverkäufe oder 3. weil er generell Cash hält. Im letzten Fall ist ihm dann aber auch ein Großteil der zuvor erzielten Kursgewinne entgangen, weil das Cash dem Konto rumlungerte.
LöschenIch stimme Dir allerdings zu, dass es abseits der Kursverluste am Markt günstige Aktien gibt.
Michael, bei vielen Aktien sind die "entgangenen" Kursgewinne schon Geschichte. Insb. bei Growthaktien trifft das zu, da fast alle Kursgewinne während der Corona Zeit innerhalb der letzten drei Monate abgegeben worden sind. auf der anderen Seite kann man jetzt eine schöne Cashquote von 10-15% als Hebel verwenden. Investoren wie Warren Buffett (siehe Cashberg Berkshire Hathaway) oder auch Seth Klarmann halten auch Cash. Oder auch Beteiligungsfirmen wie KKR ;) Cashquote von 0% in Bullenzeiten ist super, in längeren Korrekturphasen hat man jedoch mit der Strategie relativ schlechte Karten.
LöschenDa muss ich widersprechen, sorry. ;-)
Löschen1. KKR hält kein Cash, weil sie wollen, sondern weil ihnen frische Mittel überlassen werden von Investoren und sie anhand der vereinbarten Kriterien investieren müssen. Das braucht Zeit.
2. Buffett hält Cash, weil er sicherstellen will, dass Berkshire und alle seine Tochtergesellschaften zu jeder Zeit mit Liquidität versorgt sind, ohne dass sie auf externe Geldquellen (Bankkredite, Anleiheemission usw.) angewiesen sind. Er hat dies zuletzt wieder so geäußert und auch schon mal im Zusammenhang mit der Frage, weshalb er die Airlineaktien alle im Coronacrash verkauft hat. Buffett meinte, dass der Staat die Airlines gerettet habe, aber nur, weil Berkshire nicht mehr parat stand. Wäre Berkshire weiterhin signifikant an den Airlines beteiligt gewesen, wären diese wohl ohne oder mit viel weniger staatlicher Hilfsknete ausgestattet worden. Sein Airlineverkauf war also nicht der schlechte Timingdeal, wie viele Kommentatoren es darstellen, sondern eine strategische Entscheidung.
3. Cash zu horten, um im Crash dann günstig einkaufen zu können, klingt bestechend überzeugend. Es zahlt sich auf lange Sicht aber nicht aus! Weil man im Crash nicht nachkauft, jedenfalls erwischt man den Tiefstpunkt nicht. Man kauft entweder zu früh und verkauft dann mit Verlust, oder man kauft zu spät, wenn ein Großteil des Rebounds schon absolviert ist. Cashhorten ist eine tolle Theorie, die an der Praxis scheitert. Sehr ausführlich habe ich das vor einiger Zeit in diesem Artikel erläutert: "Ist eine hohe Cash-Quote für günstige Gelegenheiten wirklich eine gewinnbringende Idee?.
Aber richtig ist, dass man bei voller Investitionsquote im Kursabstürzen natürlich mehr verliert, als wenn man 25% Cash hält. Mein Paradebeispiel dafür, dass eine hohe Cashquote ein Renditekiller ist, ausgerechnet der von mir sehr geschätzte Stefan Waldhauser mit seinem High Growth Wiki. Er hat in seinem Wiki immer (!) eine Cashquote zwischen 20% und 30%. In der Hausse, wie auch in der Baisse. Sicher, sie variiert, weil er sie mal hoch und mal runter fährt, aber selten über die beiden Maximalwerte hinaus. Da er auch bei Kursabstürzen niemals sein Cash voll einsetzt und auf die Cashquote auf null fährt, bleibt das Geld "dead money". Schlimmer noch, dank der Inflation verliert es nun ständig und zunehmend an Wert. Und tolle Einstiegsgelegenheiten gab es: Ende 2018 oder im Coronaabsturz 2020. Aber Stefan hat die Chancen nicht (voll) genutzt. Und auch im sich anschließenden Börsenboom war es nie voll investiert, sondern hielt immer mindestens 20% Cash. Dead Momey.
Ich will jetzt nicht Stefan anrüpeln, sein Wiki fährt trotzdem eine tolle Rendite ein. Ich habe ihn nur exemplarisch genannt, weil viele Anleger so verfahren. Und deshalb Rendite verschenken. Denn die Börsen steigen langfristig gesehen in zwei Drittel der Zeit. Und sie steigen auf lange Sicht immer weiter an, trotz all der zwischenzeitlichen Markteinbrüche.
Ganz einfache Rechnung dazu: mit US-Aktien fährt man langfristig gute 7% pro Jahr ein (inkl. aller Crashs). Bei 100% Investment also 7% und dann geht der Zinseszinseffekt los. Investiert man nur 80%, weil man ständig/durchschnittlich 20% Cash hält, Würde man im ersten jahr nur 5,6% statt 7% Rendite erzielen. Und dann summiert sich der fehlende Ertrag wegen des Zinseszinseffekts schnell zu riesigen Beträgen auf.
Ist nur eine vereinfachte Beispielrechnung; aber wenn man das Prinzip einmal versteht, wenn es einmal "klick" gemacht hat, dann ist es so offensichtlich...
Hallo Michael,
AntwortenLöschenein großes Lob zu deinen ausführlichen, fundierten Analysen. Hierzu eine Frage, die mehr ganz praktische Aspekte eines jeden erfolgreichen Value Investings betrifft. Welche professionellen Tools und Informationsquellen benutzt du für dein Research hauptsächlich? Ebenfalls sehr praktisch: Welche Software benutzt oder empfiehlst du zum Portfoliomanagement oder sogar breiteren Vermögensverwaltung (du erwähntest Immobilien und andere Assetkategorien).
Besten Gruß
Martin
Ich nutze kein Tool regelmäßig für die Analyse, sondern gehe anders vor. Ich suche mir Megatrends raus und filtere die Sektoren heraus, von denen ich gar nichts verstehe. Dann schaue ich auf führende Unternehmen des Sektors und beginne erst im Anschluss damit, mich mit ihnen zu beschäftigen - also Geschäftsberichten, Kennzahlen, Analystenreports usw. Im Bereich der Bewertung schaue ich mir dann verschiedene Websites/Tools an und was die so an Daten hervorbringen. Leider gibt es hier erhebliche Unterschiede an Daten, obwohl viele auf die gleiche Basis (Factset) zurückgreifen. Das macht die Analyse schwierig und hinterlässt oft Zweifel an der Korrektheit. Denn wenn die Datenbasis fehlerhaft ist, wie kann dann eine auf ihrer Grundlage erstellte Analyse gut sein?
LöschenEine spezielle Software nutze ich nicht; für die eine oder andere Anwendung habe ich eigene Excel-Sheets entwickelt. Meine Depotbewegungen erfasse ich seit 2014 über ein Musterdepot bei Finanzen100. Das ist ganz okay und genügt meinen Zwecken.
Informationsquellen für mein Research ist bei US-Titeln SeekingAlpha oder auch Motley Fool. Des Weiteren habe ich für die mich interessierenden Werte eine Watchlist angelegt bei finanznachrichten.de, wo dann auch andere Quellen auftauchen. Sehr praktisch ist hier, dass man Medien auf eine Blacklist setzen kann, so dass man die Quellen inhaltloser und/oder marktschreierischer Hot-Stock-Blubbereien aussieben kann.
Darüber hinaus nutze ich einen RSS-Reader, in dem ich eine Reihe von interessanten Websites und Blogs folge, sowohl deutsch- als auch englischsprachigen. Ich bin daher immer enttäuscht, wenn ich ein tolles neues Blog entdecke und dieses keinen RSS-Feed anbietet. Dann bin ich mir fast sicher, kaum jemals wieder auf dem Blog zu landen...
Danke für die Erläuterung. Ähnelt dem top-down approach von Jesse Livermore, richtig?
LöschenIch fahre einen gemischten Bottom-Up-Top-Down-Ansatz, bei dem ich einerseits auf Makroökonomische Trends setze, andererseits mir innerhalb dieser Trends dann die am besten positionierten und/oder bewerteten Unternehmen herauspicke.
LöschenDie Bücher von Jesse Livermore habe ich vor 25 Jahren gelesen; ich fand die sehr interessant aber seine Art des Tradens ist nicht mein Investmentansatz, insofern bin ich hinsichtlich seiner Methoden nicht (mehr) wirklich im Bilde.
Hi, Michael, welche Leseempfehlungen kannst du zu Investment-/Anlagestrategien, wie Top-down, Bottom-up etc., geben. Livermore ist in der Tat sehr old school. Gibt es ein gutes Buch, dass zumindest die meisten, gängigen Ansätze zusammenfassend darstellt? Nicht einfach, zwischen Asset Management und Beate Sander etwas Vernünftiges zu finden, dass weder zu umfangreich noch zu flach ist. Besten Dank und Gruß, Martin
LöschenMoin Martin,
Löschenich kenne leider kein entsprechendes Buch, was unterschiedliche Investmentansätze miteinander vergleicht. Evtl. "Die besten Anlagestrategien aller Zeiten" von James P. O'Shaughnessy, aber das ist auf Deutsch schon länger vergriffen und auch eher "trockener" Stoff.
Möglicherweise könnte "Aktien für die Ewigkeit" von Jeremy J. Siegel Deinen Vorstellungen entsprechen; aber bitte die aktuellste Auflage kaufen, die schreibt er alle paar Jahre fort.
Zu einzelnen Investmentansätzen/-strategien fand ich lesenswert:
- "Die Profi-Investment-Strategie" von Philip A. Fisher,
- "Warren Buffett: Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie." von Robert G. Hagstrom
- "Der Börse einen Schritt voraus" von Peter Lynch
- und die Bücher von Ken Fisher.
Des Weiteren kann man sich auch "Die Börsenzauberformel" von Joel Greenblatt versuchen.
Die genannten und grundsätzlich lesenswerte Börsenbücher findest Du hier auf meiner Bücherliste; teilweise auch mit Kursrezensionen von mir.
Vielleicht findest Du ja was Geeignetes für Dich oder einer der Blogleser kann Dir eine weitere/bessere Empfehlung geben?
Vielen Dank!
LöschenMich würde Deine Meinung zu der D-Notierung von Haier Smart Home interessieren.
AntwortenLöschenDie Branche (Haushaltselektrogeräte) als solche fände ich nicht so spannend, aber immerhin ist Haier Smart Home Weltmarktführer, hat u. a. GE Appliances gekauft, hat einen guten track record und wächst bei Umsatz und Gewinn mit knapp zweistelliger CAGR. Phantasie kommt noch ein bißchen durch das Thema Ökosystem (Smart Home), IoT und Nutzerdaten. Tatsächlich hätte ich schon längst erwartet, dass Apple, Alphabet oder Facebook als Teil ihrer Devicestrategie einen Kühlschrank auf den Markt bringen - mit Verbindung zu Alexa/Siri - und angeschlossenem Lieferdienst.
Also ganz unspannend ist Unternehmen nicht und die Kursziele der Analysten liegen über den Kursen der Shanghai-Notierung (A-Aktie). Diese liegt wiederum über der Hongkong-Notierung (H-Aktie) und jetzt kommt's: es gab vor Jahren einen Börsengang mit einer weiteren Aktiengattung, der D-Aktie. Die A-, H- und D-Aktien haben gleiche Stimmrechte und gleiche Dividendenberechtigung. Die D-Aktie notiert aber bei 1/3 des Kurses der A-Aktie.
KGV der D-Aktie liegt bei ca. 5,5 und die Dividendenrendite in ähnlicher Größenordnung. Und wie gesagt, wachsender Gewinn und Umsatz.
Wie kann ein solcher Spread der drei Aktiengattungen erklärt werden? Wenn schon die H- und die A-Aktie nach Ansicht der Analysten unterbewertet sind und der Chart der A-Aktie (älteste und größte der drei Notierungen) langfristig steigt, müßte doch die D-Aktie als krass unterbewertet anzusehen sein.
Ich habe zu Haier Smart Home und deren D-Aktien keine fundierte Einschätzung. Haier weist starkes Wachstum auf über Jahre, auch/vor allem durch Zukäufe. Einen Burggraben erkenne ich da nicht, eher "die schiere Macht der Größe". Im Hintergrund wollen sie bei all ihren Haushaltsgeräten und unterschiedlichen Marken eine zentrale Plattform schaffen für das "Smart Home". Da sind aber andere Anbieter schon ziemlich erfolgreich.
LöschenDie D-Aktien notieren nur in Deutschland und mit großem Abschlag zu den anderen Notierungen (wie Hongkong und Shanghai). Theoretisch haben alle Aktien die gleichen Rechte und daher sollten sie theoretisch in etwa gleich hoch notieren. In der Praxis kann man die D-Aktien aber bisher wohl nicht in andere Gattungen umtauschen, also haben sie einen "Defekt" oder Malus oder wie auch immer. Das Vertrauen darin, dass diese D-Aktien im Ernstfall wirklich den anderen Aktien gleichgestellt sind, ist schlicht nicht/kaum vorhanden. Das erklärt den Abschlag. Und ich glaube, dass der bestehen bleiben wird bis Haier de facto die Möglichkeit des direkten Tauschs von D-Aktien in die anderen Aktiengattungen her- und sicherstellt. Dann dürfte es den von vielen erhofften starken Kurssprung der D-Aktien geben. Aber aus meiner Sicht eben auch nur dann.
Solange kauft man mit den D-Aktien einfach nur einen Anteil am chinesischen Unternehmen Haier Smart Home mit allen Vor- und Nachteilen und man nimmt an deren wirtschaftlichen Entwicklung teil.
Vielen Dank für Deine Einschätzung.
LöschenTatsächlich bin ich in zwei Punkten anderer Meinung.
1. Natürlich gibt es Wettbewerber. der Markt für Haushaltsgroßgeräte/sog. "Weiße Ware" ist sogar sehr fragmentiert. Ich verstehe daher die Grundannahme, dass hier aufgrund des Wettbewerbs kein Burggraben bestehe, bzw. eine Ausweitung der Marge nur über Skaleneffekte und Fixkostendegression laufe. Tatsächlich gewinnt Haier Smart Home aber im chinesischen Markt Marktanteile gegenüber den Hauptkonkurrenten Midea und Gree. In den USA gewinnt die Haier-Tochter GE Appliances Marktanteile gegenüber Whirlpool. Irgendetwas müssen sie also bei den Produkten richtig machen, was die Konsumenten überzeugt.
2. Nach gängiger Theorie müsste doch ein und dasselbe Gut, in diesem Fall die Haier-Aktie, unabhängig von Umtauschbarkeit, den gleichen Preis haben. Die Hongkonger und die Shanghaier Aktien sind ja auch nicht in Frankfurter Aktien umtauschbar. Auch bei anderen Unternehmen mit nicht umtauschbaren Aktiengattungen ist der Spread viel geringer. Die niederländische und die britische Aktie von Shell lagen meiner Erinnerung nach maximal +/- 10% auseinander. Australische und britische Notierung von Rio Tinto und BHP Billiton ebenso. Von daher kann ich die fehlende Umtauschbarkeit als Erklärung für den krass höheren Spread nicht so wirklich nachvollziehen. Die Konvertierbarkeit würde natürlich zu einem sofortigen Kursprung führen. Die Konvertierbarkeit ist eine hinreichende Bedingung für eine Angleichung, aber eben keine notwendige Bedingung.
Oder anders gewendet: Warum sind den Analysten mit ihren Kurszielen und den internationaen Anlegern die gleichberechtigten Anteilsscheine ein KGV von 10 wert und den deutschen Anlegern nur ein KGV von 5?
Die unterschiedlichen Haier-Aktiengattung sind aber nicht "dasselbe Gut" von gleicher Qualität. (1.) Die D-Aktien sind nur in Deutschland handelbar, also an einem vergleichsweise illiquiden Markt, so dass sie für größere Investoren weniger attraktiv sind (Ein- oder Ausstieg mit höherer Stückzahl beeinflusst den Kurs entsprechend). Und (2.) sind die D-Aktien nicht einfach in die anderen Gattungen umtauschbar und das IST ein klarer Nachteil, solange dies nicht in der Realität hergestellt wird. Solange dürfte die D-Aktie mit ihrem hohen Abschlag auf die anderen Aktiengattungen ein vermeintliches Schnäppchen bleiben.
LöschenHallo Michael,
AntwortenLöschenwie siehst Du das mit der Absicherung des Depot bei einem Crash?
Bin gerade bei einer Überlegung ob ich nicht 2 -3 Aktien von Lind ins Depot lege, damit ich gegeben falls bei einem Crash eine Absicherung habe wenn ich bei der Entnahme bin.
Danke und viele Grüße
Reiner
Moin Reiner,
Löschenich kann deinem Gedankengang nicht folgen. Meinst du, dass du Geld in Lindt-Aktien anlegen willst, weil du glaubst, die würden bei einem Börsencrash nicht fallen und dann könntest du sie verkaufen, um günstige/abgestürzte Aktien zu kaufen? Sollte das deine Überlegung sein, kann ich dir nur dringend abraten denn in einem Crash agiert niemand rational an der Börse und die Nachfrage ist gering, während das Angebot hoch ist. Da werden dann auch beste Qualitätsaktien gnadenlos abverkauft zu Schleuderpreisen. Aktien, egal welche, sind also niemals ein Liquiditätsersatz für einem bzw. in einem Crash.
Hallo Michael,
Löschensorry, habe mich vielleicht nicht gut ausgedrückt.
Ich möchte in 5 Jahren eine mtl. Zusatzrente von 1000 € mtl. mir erarbeiten.
Daher meine Überlegung wenn es zu einem Crash kommt eine Aktie im Depot zu haben die nicht so Volatil ist und ich dann nur 1 bis 2 Aktien zur Überbrückung des Crash verkaufen müsste.
Viele Grüße
Reiner
Moin Reiner,
Löschenin einem Börsencrash fallen ja nur die Kurse, aber nicht zwangsläufig die Gewinne der Unternehmen. Natürlich hat ein Crash meistens einen realwirtschaftlichen Auslöser, aber dass flächendeckend Gewinne sinken und Dividenden gestrichen werden, ist schon selten. In der Globalen Finanzkrise 2008/09 war es vielerorts so, in der Corona-Panik auch (2020). Wer solche Risiken vermeiden will, muss sich Bundesanleihen kaufen, also eine feste Verzinsung wählen bei einem weitestgehend risikolosen Schuldner. Mit entsprechend niedrigen Zinssätzen, das ist eben der Preis.
Oder... man setzt auf Cashcows, also große Unternehmen, die hohe Cashflows erzielen und das über stetige Einnahmen. Microsoft ist so eine oder Apple, nur mal so als Beispiel. Die haben keine besonders hohen Dividendenrenditen, aber sie haben viel Cash und generieren viel Cash, dass sie auch Krisen gut durchstehen und man trotz fallender Aktienkurse in einem Crash bei den Unternehmen keine Panik haben muss. Bei irgendwelchen unprofitablen Internet-, Biotech, KI-Klitschen geht irgendwann das Geld zur neige und die stehen vor dem Exitus. Passiert gerade ja im Immobiliensektor, weil dort jahrelang Gier regierte und nun die Realität die Rechnung präsentiert.
Ich sag's ja fast nicht gerne, aber meine so "geliebten" Alternativen Asset Manager sind auch für Crash-Phasen aus meiner Sicht eine gutes Investment. Die haben viel Kapital, das sie dann einsetzen können, während sie natürlich auch leiden, weil ihre Gebühreneinnahmen zusammenschrumpfen und damit ihre Dividendenzahlungen reduziert werden. Aber die fallen nicht um, weil sie (anders als früher) Vermögensverwalter sind und nicht mehr so sehr mit eigenem Kapital investieren. Ein Börsencrash oder auch eine Korrektur wie wir sie seit Ende 2022 haben, ist für Apollo, Blackstone, KKR eine Dürrephase, aber mehr auch nicht; sie verdursten nicht. Und sie stehen nach der Korrektur stärker da, weil sie das freie Geld in sich dann auszahlende Assets investiert haben. Auch deshalb habe ich mehr als ein Drittel meines Geldes in diese Unternehmen investiert. Sicherheit und Rendite.
Hallo Michael,
Löschendie AAM werden in einer Krise wahrscheinlich Mittelabflüsse erleiden. Ich habe keinen Einblick, wie langfristig die Kundengelder gebunden sind. Aber diese werden doch auch über mehrere Jahre investiert. Kann das den AAM nicht auf die Füße fallen, analog zu den offenen Immobilienfonds vor mehr als zehn Jahren?
Moin Florian,
Löschendu meinst die Assets under Management? Die kann man nicht mit Publikumsfonds vergleichen, wo es tägliche Rückzahlungsmöglichkeiten gibt. Die AuM der Asset Manager sind fest vereinbart, zumeist um die sieben bis acht Jahre. Auch deshalb haben Apollo, Blackstone, KKR usw. ja in den letzten Jahren sich Versicherungen gekauft oder kooperieren mit denen, weil deren Float verlässliche Kapitalströme erzeugt und deren Anlagevermögen den Asset Managern für bis 30 Jahre zur Verfügung steht.
Das Risiko in einer richtigen Finanzkrise ist eher, dass keine frischen Mittel mehr hinzukommen und ggf. ältere Gelder zur Rückzahlung anstehen. Dadurch sinkt dann das Provisionseinkommen, weil sich die AuM-Basis verringert. Das haben APO, BX, KKR schon mehrfach durchgemacht und sich insofern dies bezüglich besser aufgestellt.
Lieber Michael Kissig, mich würde deine Einschätzung zu einer deutschen Beteiligungsgesellschaft interessieren. Ich habe in den vergangenen Tagen die Geschäftsberichte der Brockhaus Technologies AG heruntergeladen. Kennst du die Gesellschaft? Der Track record als börsengelistete Firma ist ja noch nicht so gigantisch lang. Deine Einschätzung interessiert mich sehr.
AntwortenLöschenHerzliche Grüße,
Joachim
Moin Joachim,
Löschenzu Brockhaus Technology kann ich keine fundierte Einschätzung abgeben. Ich hab das Unternehmen beim IPO mal oberflächlich angesehen aber nichts entdeckt, was mich besonders angesprochen hätte; damit meine ich, dass ich dort nichts gesehen habe, was ich bei den vielen anderen Beteiligungsgesellschaften, die ich mal mehr oder weniger stark 'covere', nicht auch gesehen habe. Brockhaus war für mich also lediglich eine "Me too-Beteiligungsgesellschaft". Und die operative Performance hat bisher auch nicht überzeugt. Mir ist dabei natürlich klar, dass auch Brockhaus eine schwere Phase durchgemacht hat die letzten Jahre, insofern will ich da nicht zu kritisch urteilen. Wie gesagt, ich bin da nicht im Detail drin und habe bisher auch nicht den Impuls aufgenommen, hieran was zu ändern.
Lieber Michael,
Löschenauf den ersten Blick sind die 2023 sehr interessant. Die Umsätze wachsen mit 31% auf knapp 190 Mio EUR. Die Ebitda Marge von 36% ist stark für eine deutsche Beteiligungsgesellschaft. Die MBB SE freut sich nun 10% Ebitda Marge zu erreichen. 44 Mio Cash Flow vor Steuern. Auch die Bilanz ist durch den Verkauf der Tochtergesellschaft Palas schuldenfrei. 25Mio Cash.
Cheers, Joachim
Du meintest sicherlich Brockhaus und nicht MBB? ;-)
LöschenDie Zahlen und die Bilanz sind das Eine, Joachim. Sie sind aber die Rückschau, die Erfolge der Vergangenheit. Für die Zukunft und damit auch die Aktienkursentwicklung ist aber entscheidend, wie sich die Geschäfte künftig entwickeln, ob und wie schnell das Unternehmen Werte schaffen kann.
Als ich 2012 bei der MBB eingestiegen bin, erschien mir das als No-Brainer. MBB hatte gerade die Claas Fertigungstechnik übernommen (heute ein Teil von Aumann) und so den Konzernumsatz verdoppelt und das bei höherer Profitabilität als die bisherigen MBB-Töchter. Es war also absehbar, dass der Umsatz sich verdoppeln und das Ergebnis sich noch stärker entwickeln wird. Dennoch ist der Aktienkurs nach der Meldung nur um 20 % gestiegen und bröckelte danach wieder ab. Dabei gab es bei jeder 2012er Quartalsmitteilung einen weiteren Freudensprung, denn da zeigten sich erneut die anteiligen Umsatz- und Gewinnsteigerungen. Diese Übernahme war also der Trigger, der mich von der großen Chance bei MBB überzeugt hat. Ich habe etwas gesehen, was der Markt nicht gesehen hat. Und dann habe ich darauf gesetzt und konnte hohe Gewinne einfahren.
Und dieser Trigger, der fehlt mir bei Brockhaus. Aktuell auch bei anderen Beteiligungsgesellschaften, wie Blue Cap, KAP, GESCO, aber bei Brockhaus müsste mich schon deutlich mehr 'anspringen', wenn ich mir die auch noch en Detail ansehen sollte. Wo ist der Mehrwert? Diese Frage bleibt bisher für mich unbeantwortet. Und... du schreibst ja selbst, einen überzeugenden Track-Record haben die bisher nicht vorzuweisen.
Da sehe ich bei meinen hoch gewichteten Alternativen Asset Managern KKR, Blackstone und Apollo eine ganz andere (und positive) Einschätzung und Visibilität bzgl. der künftigen Ertrags- und Wertpotenziale. Bei denen habe ich eine viel höhere Überzeugung vom Businessmodell und den mittel- und langfristigen Aussichten und deshalb habe ich genau hier so viel 'Skin the Game' mit über 40 % Depotgewichtung.
Hallo Herr Kissing....können Sie mir vielleicht die Frage beantworten. Ich investiere gerne in BDC`s aber ich verstehe bis heute nicht warum diese zb. beim Verkauf Steuerlich unterschiedlich behandelt werden. ZB. Prospect Capital wird als Investmendfonds behandelt ( Steuertopf Sonstiges) und zb TPVG wird als normale Aktie besteuert. Kann man das im Vorfeld sehen wie welcher BDC eingestuft wird ?
AntwortenLöschenEs ist mir auch immer wieder ein Rätsel, wie diese Einstufungen zustande kommen. Beispiel KKR: seit 2018 eine C-Corp, ein ganz normales Unternehmen mit einer ganz normalen Aktie. Aber in Deutschland wird diese Aktie als AIF (Alternativer Investmentfonds) eingestuft mit der Folge, dass man jährlich "Fake-Steuern" entrichten muss auf Kursgewinne - so wie bei Investmentfonds. Auch scheint es von Broker zu Broker unterschiedliche Behandlungen von Aktien zu geben, so dass zB die BDC FS KKR Capital bei manchen Brokern handelbar ist, bei anderen dies aber abgelehnt wird. Wer hier für was wirklich zuständig ist und wer die Einstufungen verbindlich festlegt, weiß ich leider auch nicht.
LöschenHallo Herr Kissing...ich habe es herausgefunden....Es gibt die Klassifizierung nach
LöschenClassification of Financial Instuments Codes (CFI, ISO-Norm 10962:2015) Nach dieser ISO wird verfahren... bei WM Dataservice...kann man jedes Wertpapier abfragen wie dieses Eingestuft wird.
Nachsehen, wie wird die Aktie eingestuft:
Löschenwww.wmdatenservice.com/index.php?mid=70
Unter WM-Wertpapier-Register - WPKN eingeben.
Neben - Wertpapierart / CFI Standard - Kürzel nachsehen.
2 Buchstaben werden angezeigt.
Legende Einstufung von Wertpapieren:
www.iotafinance.com/de/CFI-codes-ISO-10962.html
Beispiel: PSEC WKN A0B746 Einstufung – CP = Private-Equity-Fonds
Beispiel: TPVG WKN A1XFEK Einstufung – ES = Stammaktie
Moin Michael. Herzlichen Dank für diese wertvolle und lehrreiche Webpräsenz mit den vielen zeitlosen Inhalten. Ich bin in meinem Depot mit über 20 Einzelwerten recht Deutschland-lastig und möchte den US Anteil erhöhen. Ein Hemmnis für mich ist oft die Sprache bzw. das Thema "woher beziehe ich Informationen". An Kennzahlen (EKR, EKQ, KUV, Umsätze/Gewinneentwicklungt) kommt man oft eher gut ran, aber welches Vorgehen bzw. Infoquellen würdest du empfehlen, wenn man sich darüber hinaus kritisch mit US-Unternehmen auseinandersetzen möchte, die man auf der Watchlist hat? Also, was sind Risiken vs. Chancen, welche Marktstellung, Bullcase/Bearcase.... Herzliche Grüße und Danke
AntwortenLöschenErdin
Moin Erdin,
Löschendie Seite "fool.com" (The Motley Fool) bietet viele kostenlose Informationen rund um Unternehmen und oft interessante (kurze) Einblicke in das Geschäftsmodell oder aktuelle Entwicklungen.
Mir gefällt Seeking Alpha, die meisten Artikel sind allerdings kostenpflichtig; ich habe mich vor einiger Zeit für das Basismodell entschieden, das mit gut 250 Euro pro Jahr natürlich nicht billig ist, aber jeden Cent wert. Dort finden sich zu den interessantesten US-Aktien Börseneinschätzungen der Community und nicht selten auch mal zu deutschen Unternehmen. Zusätzlich gibt es eine umfassende Datenbank mit Kennzahlen, Informationen und Vergleichsmöglichkeiten.
Beide Seiten sind natürlich auf Englisch, aber es gibt ja inzwischen einfache Möglichkeiten, die Inhalte übersetzen zu lassen, wie DeepL oder Google Translator. Das klappt zumeist ziemlich gut (bei besonders relevanten Passagen nutze ich das regelmäßig, damit auch verstehe, was genau gemeint ist).
Ansonsten haben vielleicht ja Blogleser weitere Vorschläge oder Vorlieben, wie/wo sie sich bevorzugt über US-Werte informieren?
Sehr geehrter Herr Kissig,
AntwortenLöschenüber Jahre hinweg standen Sie positiv zu einem Engagement bei der Deutsche Beteiligung (DBAG).
Nun sinkt der Börsenkurs - unter einigen Schwankungen - seit gut sieben Jahren in Folge. In jüngster Zeit hat sich der Trend gen Süden noch deutlich verstärkt. Und das trotz vollmundiger Ankündigungen des Vorstandes sowie Verbreiterungen der Kapitalbasis zulasten des Unternehmenswertes ja Aktie.
Halten Sie vor diesem Hintergrund Ihre Empfehlung noch aufrecht? Und falls ja, was spricht aus Ihrer Sicht noch für das Ausharren bzw. ein Neuengagement?
Danke im Voraus für Ihre Gedanken.
Werner Wagner
Moin Herr Wagner,
Löschenin Ihrer Aussage finde ich mich nicht wirklich wieder. Ich war vor vielen Jahren mal sehr positiv gestimmt für die Deutsche Beteiligungs AG und hatte sie auch im Depot. Ich habe das Unternehmen mit Artikeln hier im Blog weiterhin begleitet und das Geschäftsmodell auch grundsätzlich als attraktiv eingestuft, aber meinen Schwerpunkt schon vor vielen Jahren in Richtung der großen Finanzinvestoren verlagert. Erst waren das KKR und Blackstone, dann Apollo und in diesem Jahr noch Brookfield und Ares. Das habe ich - gefühlt - in jedem dritten Artikel hier im Blog kommuniziert.
Meine Einschätzung zur DBAG war stets, dass die Ausrichtung auf DACH und vor allem Deutschland und die vergleichsweise geringe Größe ein struktureller Nachteil sind. Von einer "Empfehlung" für die DBAG zu sprechen, halte ich für überinterpretiert.
Richtig ist, dass die DBAG aus ihren Möglichkeiten viel zu wenig macht. Für die Aktionäre ist das seit Jahren ein Nullsummenspiel und angesichts der vielen Kursgewinne, die anderorts an der Börse zu erzielen waren, ist es ein Trauerspiel - die Opportunitätskosten sind hier enorm. Man hat sich viel zu spät vom Industriesektor weg- und zu Software hingewandt und das dann zu einem Zeitpunkt, als die Bewertungen dort auf dem Höhepunkt waren. Das hat sich nicht unbedingt positiv ausgezahlt.
Ich kann (auch) heute nicht sehen, dass die DBAG einen strategischen Vorteil ggü. den Finanzinvestoren hätte, dass hier größere verborgene Reserven schlummern oder dass hier entscheidende Wettbewerbsvorteile vorhanden wären. Angesichts der aktuellen und sich verschlechternden Wirtschaftslage in Deutschland ist hier auch kurzfristig kein Ergebnistrigger zu erwarten. Insofern ist die DBAG aus meiner Sicht als Unternehmen und als Investment weiterhin deutlich unattraktiver als die Alternativen Asset Manager. Und wenn man den Bereich deutscher Nebenwerte bevorzugt, wäre und ist hier MPC Capital meine erste Wahl. Und eine PATRIZIA könnte auch wieder interessant werden, je nachdem, wie dort die Neuausrichtung gelingt...
Hallo Michael,
AntwortenLöschenin einem Kommentar wurde hier mal die Chapters Group erwähnt.
Leider weiß ich nicht mehr unter welchem Artikel und über die Suchfunktion finde ich hier nichts.
Wenn ich mich richtig erinnere wolltest du dich mit dem Unternehmen mal beschäftigen.
Konntest du was herausfinden und über welchen Broker könnte man die Aktie kaufen?
Grüße und weiter so.
Moin Kai,
Löschendie Chapters Group finde ich grundsätzlich interessant. Hier wird ein erfolgreicher Serial-Acquirer aufgebaut mit Rückendeckung eines der Danaher-Gründer. Ich fand es allerdings schwer, das Business wirklich nachzuvollziehen (ähnlich wie bei Constellation Software), weil die Transaktionen querbeet erfolgen und aus meiner Sicht nicht wirklich strategisch. Da ist mir eine Roper Technologies mit ihrem Ansatz näher, auch wenn deren Performance nicht mit Constellation mithalten kann. Dennoch liebäugele ich mit einem Add-On-Investment bei Chapters Group, falls ich mal Geld übrig habe. Nicht aus wirklicher Überzeugung, sondern als Mitläufer-Aktie, also eher als langfristige Spekulation und nicht als Investment aus Überzeugung. Bisher habe ich mein Geld aber andernorts investiert und sehe keinen Grund, eines meiner Investments aufzugeben oder zu verkleinern zugunsten dieser Spekulation. Aber wer weiß...
P.S.: Bzgl. der Broker bin ich überfragt. Bei der Commerzbank und bei der Comdirect ginge es jedenfalls.
Moinsen Michael,
Löschenwenn Du über Add-On-Investments sprichst, ist eine Kinsale vielleicht auch eins davon?
Erfolgreiche Versicherungen / Maklergesellschaften für diese gibt es ja auch einige, wie Progressive oder Brown&Brown, und weitere, die den S&P-Index für Versicherungen weit abhängen auf die lange Sicht. Ich bin grundsätzlich immer etwas skeptisch, wenn ich aufgrund der Erfolge der Vergangenheit heute hohe KGV als Strafe fürs späte Einsteigen zahlen soll, aber Kinsale zeigt, dass es sich durchaus lohnen kann, auf eine Fortsetzung des guten Weges zu setzen.
Viele Grüße
Christian
Moin Christian,
LöschenKinsale Capital finde ich sehr interessant und war dort auch einige Jahre investiert - mit tollen Erfolgen. Aktuell nicht, da ich das Geld vor einem halben Jahr zum Aufstocken der Alternativen Asset Manager verwendet habe. Aber bei einem kräftigeren Kursrücksetzer ist Kinsale Capital immer einen Blick und ein Investment wert, denn die liefern einfach ab. Seit Jahren...
Moin Herr Kissig
AntwortenLöschenWir waren vor einiger Zeit mal wg. Chapters Group im "Gespräch".
Im Februar 2025 haben sie dazu eine interessante Analyse geschrieben.
Dies Podcast auf YT (https://m.youtube.com/watch?v=E1yn_ZcLlNs&pp=ygUOQ2hhcHRlcnMgZ3JvdXA%3D )finde ich auch interessant. Besonders die letzten beiden Kapitel.
Heute ist meine Investition auf 100% gestiegen.n(weil eine neue Verbindung veröffentlicht wurde.)
Ich feier das, auch wenn ich weis, dass es sich wieder ändern kann.
Ich habe gesehen, dass auch sie bei Chapters Group investiert haben.
Dann schauen wir mal wie es weiter geht.
Im Juli ist Hauptversammlung in Hamburg. Ich werde das zweite mal dabei sei. Schnittchen essen und weiter lernen.
Viele Grüsse aus Hamburg
Alice Behrend
Ja, die CHAPTERS Group macht alles/vieles richtig. Die Kapitalerhöhungen werden grundsätzlich von den Großaktionären mitgezeichnet und das frische Geld fließt zügig in profitable Zukäufe. Cashflow und Gewinn steigen so, nicht nur der Umsatz.
LöschenIch habe vor einigen Wochen meine kleine Position deutlich aufgestockt und seitdem hat der Kurs kräftig zugelegt, inzwischen ist der Wert in meine Top 10 aufgestiegen. Alleine heute nochmal 10 % wegen der neusten Übernahme. Ich denke, wenn die "einfach so weitermachen", sind 100 % Plus nur der Anfang... ;-)
Hallo Herr Kissig, ich habe seit einigen Jahren Metro Inhaber Stammaktien in meinem Depot. Kaufpreis ca. 15 Euro pro Aktie. Nun wurde ja ein Delisting-Angebot gemacht für 5,33 pro Aktie. Ich habe keine Erfahrungswerte, was passiert, wenn ich das Delisting-Angebot ablehne. Ist die Aktie dann immer noch in Hamburg handelbar oder ist das Geld dann blockiert? Wie kann ich denn dann zukünftig wissen, welchen Kurswert die Stammaktie hat, wenn sie nicht mehr börsennotiert ist. Verliert sie dann auch ihre ISIN? Vielen Dank für Ihre Expertise.
AntwortenLöschenZu Metro kann ich hinsichtlich des Business und ob man an der Aktie festhalten sollte, nichts sagen; ich habe mich nie mit dem Unternehmen beschäftigt.
LöschenBei einem Delisting werde die Aktien von der Börse genommen; an den Eigentumsverhältnissen ändert sich nichts. Man kann also auch Aktien an nicht-börsennotierten Unternehmen halten. Nur der An- und Verkauf ist dann entsprechend schwierig, weil es keinen Marktplatz (Börse) dafür gibt. Manche Aktien werden dann z.B. bei "Valora" gelistet, oft übernimmt die Regionalbörse Hamburg auf eigene Veranlassung hin ein Listing. In diesen Fällen kann also Börsenhandel stattfinden - allerdings ist das Handelsvolumen eher gering. Auch weil viele professionelle Anleger (wie Fonds) aufgrund ihrer Statuten nicht in offiziell nicht-gelistete Aktien investieren dürfen.
Bei der Metro gab es seitens des Großaktionärs ein Delisting-Erwerbsangebot, das inzwischen ausgelaufen ist. Nun bietet man den Aktionären die Möglichkeit, nochmals Aktien anzudienen: bis zum 30. Juni zahlt die EPGC erneut 5,33 Euro je Metro-Aktie, anschließend (vom 9. Juli bis 30. September) nur noch 4,99 Euro pro Stück. Wenn man seine Aktien einfach loswerden möchte, sollte man das zügig für 5,33 Euro erledigen. Später zu einem niedrigeren Kurs zu verkaufen, wäre wenig schlau.
Die Alternative ist, die Aktien zu behalten. Ob die Hamburger Börse eine Notierung aufrecht erhält, weiß ich nicht. Verpflichtet ist sie dazu nicht; sie könnte die Notierung ggf. auch später ohne Angabe von Gründen oder Einhaltung von Fristen einstellen.
Wenn es nur darum geht, keinen Verlust mit der Aktie zu machen, ist das ohnehin der grundsätzlich falsche Gedanke! Jeder Anleger liegt mal falsch, jeder macht mal Verluste. Wenn man das erkennt, sollte man verkaufen! Denn man muss seine Verluste nicht mit derselben Aktie wieder ausgleichen. Lieber in ein Unternehmen investieren, das besser läuft - dann holt man den Verlust viel schneller wieder auf.
Michael,
AntwortenLöschenDu warst/bist doch seit langem ein Verfechter von Energiekontor und dessen Geschäftsmodell, auch wenn Du schon länger nichts mehr dazu geschrieben hast.
Es gibt dazu einen aktuellen ausführlichen Bericht von Abilitato:
https://abilitato.de/energiekontor-aktie-hv-bericht-starkes-wachstum-voraus-steht-der-turnaround-nun-endlich-bevor/?ml_recipient=159809562625443540&ml_link=159809550157875011#elementor-toc__heading-anchor-3
Gruß
Konrad
Moin Konrad,
LöschenEnergiekontor habe ich einige Jahre und sehr erfolgreich als Aktionär begleitet. Ich bin ja schon seit fast 20 Jahren Mitglied im Aufsichtsrat eines kommunalen Energieversorgers und habe in dieser Zeit die teilweise geschäftsabwürgenden Einflüsse des Gesetzgebers in den unterschiedlichsten Bereichen erleben müssen/dürfen und bin daher kein Freund von Investments in der Energiebranche (mehr). Willkürliche politische Vorgaben, teilweise "über Nacht" durchgedrückt, schrotten immer wieder und immer öfter langfristig orientierte Projekte und ganze Geschäftsmodelle. Das trifft nicht nur auf Deutschland zu, sondern auch andere Länder, wie die USA oder Frankreich - der von dir verlinkte Artikel legt da ja auch genau dort den Finger in die Wunde.
Ich halte mich hier also fern, weil (a.) der willkürliche Staatseinfluss viel zu groß ist und (b.) die Entwicklung für mich nicht wirklich visibel ist. Pläne sind ja ganz nett, aber es muss ein hohes Maß an Umsetzung geben, ansonsten sind die Pläne nichts wert.
In der Energiebranche sehe ich die Rahmenbedingungen als zu schlecht bzw. "suboptimal" an, um dort Geld zu investieren. Zumal es ja in anderen Branchen/Sektoren durchaus attraktive Unternehmen und Businessmodelle gibt, so dass man durchaus eine Wahl hat.
Hallo Michael,
AntwortenLöschenich bin ziemlich sicher, dass Du eine Artikel über "The Plattform Group" ( DE000A2QEFA1) hattest. Ich bin über den Zukauf der Bau-Plattform We Connect Work und Anpassung der Ergeniszahlen nach oben (wieder) darauf aufmerksam geworden.
Leider kann ich Deinen Artikel nicht mehr auffinden!? Oder habe ich den doch woanders gelesen? Unabhängig davon, wie ist Deine Einschätzung? Plattformunternehmen sind doch zumindest in Deinem Beuteschema enthalten.
Vielen Dank
Konrad
Moin Konrad,
Löschenüber "The Platform Group" habe ich noch nie geschrieben, denn das Geschäftsmodell erschließt sich mir nicht. Klar, Serial Acquirer, gut und schön, aber wankende Plattformen anzuhäufen, insbesondere im Modebusiness, ist meines Erachtens eine Todesspirale ohne Zukunftsperspektive. In anderen Branchen (Versicherungen, mission-critical Software) bin ich mit JDC Group und/oder CHAPTERs Group oder Roper Technologies ja interessiert und investiert, aber bei TPG sehe ich keinen validen Investmentcase. Und ich rate dringend dazu, die kritischen Artikel des Manager Magazins dazu zu lesen!
Hallo Herr Kissing,
AntwortenLöschengibt es einen sinnvollen Grund die Aktien der Funkwerk AG im Depot zu behalten, da es ja kein Abfindungsangebot gibt? Bzw. gibt es andere Beispiele wo dies sinnvoll war?
Dank u. Gruß JM
Die Frage müsste anders herum gestellt werden: "Gibt es einen Grund, die Funkwerk-Aktie (nur) wegen des anstehenden Delistings aus dem Depot zu werfen? Denn am Wert der Aktie ändert sich ja nichts.
LöschenIch hatte das Thema vor einigen Tagen in meinem Wochenrückblick aufgegriffen, vielleicht gibt das schon eine gute Lagebestimmung?
Andere Beispiele finden sich viele, denn eine ganze Reihe von "delisteten" Aktien finden sich noch immer an der Börse (Hamburg). OHB zum Beispiel, allerdings ist der Streubesitzanteil nur noch bei 5 % und dem entsprechend ist die Aktie markteng und schwer zu handeln. KKR hat hier ein Going Private durchgeführt - ebenso bei Encavis. Die Aktie wurde auch noch einige Zeit in Hamburg gehandelt, doch vor ein paar Wochen erfolgte der Squeeze-out, so dass in dessen Folge auch der Börsenhandel erlosch.
Ein Delisting alleine ist kein Grund, eine Aktie zu verkaufen. Es gehen einige Nachteile damit einher und darüber sollten die Anleger Bescheid wissen bzw. diese ggf. bei ihren Dispositionen berücksichtigen.
Sie würden die Aktie behalten und abwarten?
LöschenDiese Frage kann ich nicht beantworten, denn die hängt von der jeweiligen persönlichen Situation sowie der eigenen Risikoaffinität ab. Was dafür spricht, die Funkwerk-Aktie nicht alleine wegen des Delistings zu verkaufen, habe ich ja dargelegt.
LöschenMoin Michael, gestern und heute habe ich nach einem Grund für den aktuellen Kursrückgang bei Leonardo DRS, Inc. (NASDAQ: DRS) gesucht. Aktuelle QZ sind ja noch nicht dran und da erwarte ich auch keine dunkelen Gewitterwolken. Jetzt bin ich mit einer größeren 5-stelligen Summe eingestiegen, nachdem ich vor Kurzem meine Bedenken zur Rüstungsindustrie eingedämmt habe.
AntwortenLöschenEin paar aktuelle Worte hier zu deinem Invest wenn du magst.
bess demnähx, knigge-beatnik
Die Rüstungsaktien standen gestern allesamt unter Druck, weil US-Finanzminister Scott Bessent geäußert hat, er würde es gerne sehen, wenn die Rüstungsfirmen ihre Aktienrückkäufe runterfahren und stattdessen in einen (noch) stärkeren Ausbau der Produktionskapazitäten investieren würden. Dem Trump-Regime ist zuzutrauen, dass sie solche Forderungen auch mit Gewalt (also Erlassen, Verordnungen, Gesetzen) durchdrücken. Das hat die Partystimmung - etwas und vorübergehend - vermiest. Dabei ist die "Lösung" ganz einfach: die Regierung muss verlässliche Rahmenbedingungen und Rahmenverträge bieten, dann investieren die Firmen auch noch mehr in Produktionskapazitäten, da sie wissen, dass die auch ausgelastet werden - zumindest eine Weile.
LöschenGrundsätzlich wird der Rüstungssektor weiter boomen, ob nun in Gaza der Friede ausbricht oder man sich in der Ukraine auf einen Waffenstillstand verständigt oder sonstwas. Alle haben - vor allem anhand des Ukrainekriegs - erkannt, dass ihre Armeen veraltet aufgestellt und ausgerüstet sind für moderne Schlachtfelder und moderne hybride Kriegsführung. Drohnen und Cyberkriegsführung sind der Game Changer - mich erinnert das an den 1. Weltkrieg, wo zum ersten Mal Panzer eingesetzt wurden und alles verändert haben. Und dann die Flugzeuge, die aber erst 25 Jahre später so richtig Wirkung erzielten.
Insbesondere Europa wird massiv aufrüsten müssen, weil die Behaglichkeit der letzten 30 Jahre verschwunden ist. Mit Putins Russland gibt es wieder einen Nachbarn, der zu Eroberungskriegen bereit ist. Ob man nun einen Angriff gegen die NATO-Ostflanke für realistisch hält oder nicht, das Bedrohungsszenario ist vorhanden und nicht mehr wegzudiskutieren. Und die einzige Möglichkeit, dem effektiv zu begegnen, ist durch Abschreckung, also eine so große Stärke, dass keiner zuzubeißen wagt. Und das erreicht man nicht nach dem Biss - so wie Noah seine Arche ja auch nicht nach der Sintflut gebaut hat, sondern vorher... Rüstung bleibt ein boomender Zukunftsmarkt und Rheinmetall in Europa im Zentrum. Aber nicht alleine, es sind viele Waffensysteme auf Zulieferer und Kooperationen angewiesen und zu den attraktive(re)n gehören Hensoldt und Leonard DRS (meine aktuelle Einschätzung.
Hallo Michael,
AntwortenLöschenich verfolge deinen Blog schon seit mehreren Jahren und finde ihn sehr informativ. Aus diesem Grund habe ich auch etwas Geld in deine Wikifolios investiert.
Meine Frage wäre: Was hältst du von AUR PORTFOLIO III? Wäre das aus deiner Sicht ein investierbares Unternehmen – insbesondere im Hinblick auf das Management?
Ich wünsche dir schöne Weihnachten und eine erholsame Zeit.
Viele Grüße
Matthias
Moin Matthias,
Löschenmeine Antwort ist ein klares Nein! Die AUR Portfolio III SE & Co. KGaA ist letztlich die Aurelius Equity Opportunities und hier gehen bei mir alle Warnlampen an. An dem Ursprungsunternehmen Aurelius AG war ich ja viele Jahre beteiligt, als die Interessen der Großaktionäre und des Managements (v.a. Dr. Dirk Markus) noch mit denen der Kleinaktionäre übereinstimmten. Doch das hat sich schon vor Jahren komplett geändert und inzwischen kann man das nur als Selbstbedienungsladen zulasten der Kleinaktionäre sehen. Schier uninvestierbar!. Nicht nur hat man die meisten gebührenerzeugenden Aktivitäten ausgegliedert und nur einen überschaubaren (und risikoreicheren) Private Equity-Arm übrig gelassen, und dann hat man noch die Rechtform in die Abzockvariante SE & Co. KGaA umgewandelt - für die Kleinaktionäre bietet diese Rechtsform keinen einzigen (!) Vorteil, sondern nur Nachteile. Die "Initiatoren" sichern sich alle Rechte und Möglichkeiten, ohne die Kapitalmehrheit zu haben und sie entziehen sich jeder Kontrolle (durch die Hauptversammlung). Auf sowas sollte man sich als Aktionäre ausschließlich dann einlassen, wenn man ein sehr sehr großes Vertrauen ins Management hat und dieses Vertrauen über viele Jahre gerechtfertigt wurde. Beide Kriterien liegen bei Aurelius nicht (!) vor. Und genau das ist der entscheidende Unterschied zu Mutares, obwohl die eben auch diese rechtsbeschneidende Rechtsform gewählt haben.
Soweit meine persönliche Erfahrung und Einschätzung. Du kannst natürlich trotzdem in Aurelis investieren, aber bitte nur/erst, wenn du dir über die Risiken völlig im Klaren bist und sie für dich keine (entscheidende) Rolle spielen. Für mich sind diese Red Flags klare KO-Kriterien - wer, wie ich, den Neuen Markt miterlebt hat und die vielen Betrüger und Abzocker, macht um jede ähnlich riechende Bude einen großen Bogen. Und es ist ja nicht so, als würde man keine Alternativen haben/finden...
Ich hoffe, ich habe dir nicht die Weihnachtsstimmung vermiest, und wünsche dir und deinen Lieben ebenfalls erholsame Festtage.
Moin Micha, ich habe nun deinen 'unermüdlichen' Tipp beherzt und bin heut morgen in Cosco rein, nach Rücksetzer.
AntwortenLöschenIch wünsche uns einen 'guten Rutsch' und das Uns im neuen Jahr neben Gesundheit auch sonst wieder so Einiges gelingen möge.
bess demnähx
Auch dir alles Gute für 2026 und natürlich wünsche ich dir (ganz uneigennützig) besonders viel Erfolg mit deinem Costco-Investment! =)
LöschenHallo Michael,
Löschenwünsche Dir auch für 2026 alles erdenklich Gute und ein Glückliches Händchen.
Habe heute auch zum zweiten Mal den Rücksetzer genutzt um bei Costco nochmal nachzulegen.
Vielen Dank, wünsche ich dir auch! =)
LöschenMagst Du Dir mal den 3-J.-Chart meines 'Favoriten' Weebit Nano anschauen. Ich mag den eigentlich garnicht mehr als Favoriten nennen, weil es ist deutlich, daß Die jedesmal kurz vorm Jahreswechsel mit 'good News' daher kommen und der Kurs nach meiner Nennung jedesmal 1 bis 2 Wo. zu früh steigt, grumphhfff. Aber schau die akt. news:
AntwortenLöschenhttps://www.wallstreet-online.de/nachricht/20317254-weebit-nano-secures-a-license-agreement-with-texas-instruments
Sorry, zu Weebit Nano kann ich leider überhaupt nichts beitragen. Der Chip-Sektor gehört nicht in meinen Kompetenzkreis und vom dem Unternehmen hatte ich bisher noch nie gehört. Und bei der Ansicht der ersten Schlagzeilen habe ich nicht wirklich verstanden, um was es da geht (also bei der Technologie). Insofern würde eine Einschätzung von mir nicht viel Substanzielles beisteuern, sondern auf reines Nachplappern hinauslaufen. Und das hätte null wert, also erspare ich uns beiden das lieber.
LöschenDanke Michael für deine Antwort. Überzeugend und nachvollziehbar.
LöschenJa, du hältst dich an Warren Buffett's Rat, nur in Unternehmen zu investieren, wo du auch das Geschäftsmodell bzw. das Produkt verstehst.
LöschenIch habe mal vor'n paar Jahren einen Bericht gesehen, wo millionen chinesische bildungsarme Kleininvestoren als Entscheidungshilfe ein 'Pendel' benutzten.
Heute fällt der KKR-Kurs um -10%! 2wei Tage vor den Zahlen.
AntwortenLöschenTja... auch die Kurse von Apollo und Ares fallen. Und auch Blackstone hat Federn gelassen, obwohl man ein neues Rekordergebnis und weitere AuM-Zuflüsse vermeldet hatte.
LöschenDann hängt das also nicht nur an KKR und den Zahlen am Do.
LöschenDanke vielmals für deine wiedermal prompte Aussage, Michael.
Einen konkreten Grund kenne ich nicht. Allerdings werden aktuell ja eine ganze Reihe von Geschäftsmodellen dem KI-Überlebenstest unterzogen, nicht nur im Bereich Software/SaaS. Und da kommen einige ziemlich unter die Räder - möglicherweise ziehen einige Anleger daraus den Schluss, dass die Beteiligungen in den Portfolios der Finanzinvestoren dann auch weniger wert sein könnten, wenn diese mal verkauft werden. Keine Ahnung. Aber selbst wenn... zum Business der Finanzinvestoren gehört das Verkaufen UND das Kaufen. Wenn die Preise für Targets und/oder ganze Branchen sinken/steigen, hat das auf beiden Enden der Gleichung Konsequenzen. Es kommt auf die Qualität der Asset Manager an und ich bleibe davon überzeugt, dass die Großen der Branche echte Wettbewerbsvorteile gegenüber den Kleinen haben.
LöschenKeine Ahnung, ob und wie das zusammenhängen könnte, aber auch S&P und Moodys kriegen ja heute schwer einen mit. Da könnte man ja auf die KI-Idee in Sachen Analyse kommen, Stichworte Anthropic vs Wolters Kluwer, Relx. Aber das passt ja wohl kaum zu Private Equity. Aber auffällig ist, dass es sich allesamt um Firmen aus dem Finanzbereich handelt. Hängt das irgendwie mit dem kommenden FED-Chef zusammen? Ich kriege das jedenfalls nicht zusammen und finde auch nichts dazu bei Barrons oder Morningstar und dergleichen. Kann da irgendjemand weiterhelfen, wäre sehr interessant.
LöschenOkay, dann hängt das alles offenbar doch mit der KI-frisst-Software-Panik zusammen. Bei den Ratingagenturen wegen Anthropic und deren neuem Feature. Zu den Private-Equity-Managern hat ja eben ein anderer Leser den Artikel aus dem WSJ gepostet, von wegen KI mindert in der Konsequenz den Wert der Software-Beteiligungen von KKR, Blackstone und Co. Jetzt kapiert man diese irren/irrsinnigen Kursausschläge wenigstens. Ist ja eine wahnsinnige Nervosität im Markt.
LöschenJa, keiner kann das "KI-Risiko" adäquat einschätzen und Unsicherheit sorgt für Verkaufsdruck. Das bietet anderen entsprechend Chancen.
LöschenHier noch der Link zu besagtem WSJ-Artikel.
Moin Michael, du hast es dem anderen Leser (zufällig auch namens Marc) ja sehr gut erklärt. Ich kann mit solchen Kursausschlägen nach mittlerweile doch einigen Jahren an der Börse schon leben und nutze sie ggf. auch als Nachkaufchance. Ich muss nur verstanden haben, weshalb es zu diesen Reaktionen - du hast absolut recht mit dem Begriff Panikverkäufe, zu dem was da gestern bei einigen Werten gelaufen ist - gekommen ist. Dann kann ich mich entsprechend verhalten.
LöschenMeines Erachtens gibt es für das derzeit hochnervöse Marktverhalten neben der KI-Software-Thematik schon auch noch zahlreiche andere Gründe, zB Trumps (FED-)Politik, sehr hohe US-Marktbewertungen, US-Schulden, Geopolitik etc, you name it. Bewerten soll und muss das natürlich jede/r Investor/In für sich selber, und wie das enden wird, darüber will ich jetzt hier nicht spekulieren. Ich reduziere jedenfalls sukzessive mein U.S.-Exposure (nicht völlig natürlich) und spiele generell mehr Defense bzw. habe damit schon vor einer Weile begonnen.
Vielen Dank jedenfalls für deine Informationen zum Thema und einen schönen Tag dir! Marc
Moin Michael, eigentlich wollte ich dich schon länger auf Chapters Group und Sea Limited ansprechen, jetzt passt es nach den Kursabstürzen nochmal besonders gut.
LöschenDu hast ja beide Werte letztes Jahr nach relativ kurzer Zeit wieder aus deinen Depots geworfen, nachdem du sie einige Wochen vorher sehr optimistisch eingeschätzt hattest. Ich konnte dann keine zufriedenstellende Begründung finden und habe beide behalten. Bei Sea geht es ja seit Monaten nur abwärts und Chapters hat gestern gut „aufgeholt“. Spätestens jetzt frage ich mich, was du schon wusstest, als du ausgestiegen bist oder fallen die beiden Werte auch „nur“ unter Panikverkäufe.
Gruß Isabelle
Grüße Sie Herr Kissig,
AntwortenLöschenich wollte Aktien von KKR kaufen. Dies über meinen Onlinebroker maxblue der Deutschen Bank AG. Leider ging das nicht, da diesen Wert nur professionelle Händler handeln könnte, ich "für den Zielmarkt keine Legitimation hätte". Kennen Sie dieses Problem von anderen Followern? Vielen Dank. Grüße Frank
Moin Frank,
Löschendas ist wirklich ärgerlich. KKR wird in Deutschland als Alternativer Investmentfonds (AIF) eingestuft und nicht als Inc bzw. Corp, warum auch immer. Das kann dazu führen, dass Broker hierfür eine Extra-Qualifikation verlangen: man muss ja sein Risikoprofil hinterlegen, welche Kenntnisse man hat und welche Produkte man kaufen darf. Hier muss man ggf. für AIF freigeschaltet werden. Evtl. kannst du das selbst veranlassen mit einem Onlineformular oder du müsstest mal deinen Berater fragen bzw. den Chatbot von maxblue. So sollte das Problem zu beheben sein.
Eine Besonderheit noch dazu: durch die Einstufung als AIF wird am Jahresanfang auch der unrealisierte Kursgewinn automatisch versteuert, wie bei allen Investmentfonds seit einigen Jahren üblich. Da werden einem dann ein paar Euros vom Giro abgebucht; dafür spart man sich die Steuern auf diesen Gewinnanteil beim Verkauf.
Hallo Michael, siehst du ein Risiko durch die KI bei JDC Group? Kurs hat in den letzten Wochen stark nachgegegeben. Danke und Viele Grüße
AntwortenLöschenJDC Group hat starke Zahlen abgeliefert und belegt weiterhin, dass man operativ gut unterwegs ist. Der Kurs hat aus zwei Gründen verloren: (1.) ist die Aktie nach wie vor hoch bewertet und (2.) spielt die Angst vor einem negativen Einfluss von KI auf das Geschäftsmodell eine Rolle.
LöschenUnd KI wird einen Einfluss haben! Der positive Impact dürfte für JDC sogar größer sein, weil man die Verwaltung der Versicherungsbestände viel effizienter gestalten kann. Negativ könnte sich auswirken, wenn KI Agents künftig auf Kundenfang gehen - andererseits hat JDC mit den vielen Kooperationspartner ja starke Vertriebspartner an Bord, die für weiteren Kundenzulauf sorgen. Und man will (nicht nur über das JV mit Großaktionär Great-West Lifeco aus Kanada) ja weitere Bestände übernehmen und auf die Plattform ziehen.
Ich denke, JDC ist gut positioniert und will/wird bei der fortgesetzten Konsolidierung im Sektor eine aktive Rolle spielen. Als Übernahmekandidat sehe ich JDC weniger, aber möglicherweise als Fusionspartner - auch für einen bisher nicht börsennotierten Wettbewerber.
Hallo Michael, mal eine theoretische Frage:
AntwortenLöschenAngenommen, du würdest im aktuellen Umfeld von einer möglichen DAX-Korrektur von etwa 20–25 % ausgehen – würdest du dein Depot darauf vorbereiten? Wenn ja, wie genau?
Würdest du z. B. trotzdem voll investiert bleiben, selbst wenn sich ein mögliches Stagflationsszenario abzeichnen würde? Oder würdest du eher taktisch reagieren?
Rein hypothetisch natürlich:)
Moin Konstantin,
Löschenich befasse mich schon einige Tage mit der Frage, wie ich mit dem sich abzeichnenden "toxischen" Wirtschaftsszenario umgehen soll. Und ich habe für mich (wohl) die Antwort gefunden: Risikoreduzierung.
Ich habe mir meine Depotpositionen angesehen und mir überlegt, ob deren Geschäfte halbwegs gut durch die bevorstehenden Stürme segeln wird oder ob sie sogar profitieren dürften. Diese Positionen habe ich nicht angetastet. Bei den übrigen, die vermutlich einen Hit kassieren werden, habe ich die Position jeweils um rund die Hälfte gestutzt.
Völlig trennen will ich mich nicht von meinen Unternehmen, weil ich von deren langfristigem Erfolg überzeugt bin. Aber es wird ja Einschläge geben in den kommenden Quartalszahlen, wegen der stark gestiegenen Energiepreise, der Inflation und der daraus resultierenden Preissteigerungen an allen Ecken und Kanten und ggf. sogar Zinsanhebungen der Notenbanken. Wie sehr das die Unternehmen und deren Aktienkurse belasten kann, haben wir 2022 gesehen.
Die Folge meiner Entscheidungen ist, dass ich meinen Wertpapierkredit völlig getilgt habe und nun sogar über eine Cashquote von rund 10 % verfüge. Das ist für mich seit Jahren ungewohnt - ich halte das Cash nicht vor, weil ich auf Schnäppchenjagd gehen will, sondern weil ich das Risiko in meinem Depot verringert habe. Wenn die Auswirkungen von Trumps Irrsinn halbwegs absehbar sind, werde ich mein Depot wieder hochfahren - wenn das dann zu niedrigen Kursen möglich ist als heute, umso besser. Aber das wäre nur ein netter Nebeneffekt.
Ich hatte auch überlegt, mein Depot mit einem DAX-Put abzusichern, aber da sprechen zwei Faktoren gegen: (1.) habe ich mit solchen Puts nur negative Erfahrungen gemacht, weil ich das Timing-Spiel nicht beherrsche und (2.) ist die Volatilität bereits dermaßen hoch, dass die Puts entsprechend fette Prämien beinhalten, so dass sie unattraktiv sind. Also eher nix für mich...
Wie die konjunkturelle Entwicklung mitte- und langfristig aussehen wird, hängt natürlich entscheidend davon ab, wie lange der Nahost-Krieg noch anhält und vor allem, wie massiv und für die Energieinfrastruktur beschädigt/zerstört wird (von beiden Seiten). Trump hat hier "nur" ein Preisproblem, kein Versorgungsproblem, anders Europa und Asien. Das lässt mich befürchten, dass Trump seinem Wahnsinn noch länger freien Lauf lässt. Rationalität hat momentan wenig Macht, weder an den Börsen noch im Weißen Haus.
Moin Michael, so ähnliche Überlegungen wie du stelle ich auch gerade an. Würdest du verraten, bei welchen Werten du reduziert hast? Gehören KKR und Apollo auch dazu? In deinen Wikis konnte ich noch nichts nachvollziehen.
LöschenGruß Isabelle
Moin Isabelle,
Löschenmeine FinTechs habe ich reduziert, ebenso zyklische Werte wie TransDigm, ESCO, aber auch Comfort Systems und Quanta Services. Bei den Alt. Asset Managern fokussiere ich mich zZ auf KKR, aber auch hier ist die Position geschrumpft. Das lag aber eher an den starken Kursverlusten.
Mein nächstes Investor-Update mit meine 12 größten Positionen gibt es wieder Anfang April. Da werde ich auch auf die Veränderungen eingehen, vor allem aber auf die aktuelle Positionierung für die nächsten Monate. Allerdings... kann sich bis dahin noch wieder einiges ändern, das weiß man bei Trumps Eskapaden ja nie.
Hi Michael,
AntwortenLöschenich hätte mal eine Frage zu Funkwerk. Habe jetzt einen Brief von Funkwerk bzgl. Aktienkrückkaufprogramm bekommen. Hier habe ich bis zum 31.3. Zeit das Angebot anzunehmen. Sie "drohen" damit, dass zum 31.3.26 jeglicher Börsenhandel eingestellt wird.
Wie schätzt du die Situation ein und würdest du das Angebot annehmen?
Danke.
Viele Grüße, Basti
Moin Basti,
LöschenFunkwerk tut (mit Rückendeckung von Mehrheitsaktionär Hörman Industries) alles, um Aktionäre zum aufgeben zu zwingen. Dieses Spiel spielt das Unternehmen nicht zum ersten Mal. Richtig ist, dass die Aktien offiziell delistet werden, aber... sie werden wohl auch künftig an der Börse Hamburg handelbar sein, wie so viele andere auch. Insofern ergibt sich hieraus keine große Einschränkung für Kleinaktionäre.
Der Börsenrückzug führt allerdings dazu, dass Funkwerk künftig nicht mehr unterjährig berichten muss; es wird also mindestens immer den jährlichen Geschäftsbericht samt Jahresabschluss geben und den Bericht auf der Hauptversammlung. Zudem hat Hörman eine börsennotierte Anleihe begeben, so dass Hörman quartalsweise Ergebnisse vorlegt. Und deren Geschäftsbereich "Communication" besteht beinahe ausschließlich aus Funkwerk, so dass man die Entwicklung indirekt dennoch gut verfolgen können wird.
Hieraus alleine ergibt sich meines Erachtens kein zwingender Verkaufsgrund. Und operativ ist Funkwerk ja recht gut auf Kurs (ohne Funkwerk würde Hörman ganz erheblich Schlagseite haben)...
Hallo Michael,
AntwortenLöschenkurze Frage zu Rexford Ind. Realty: Bedingt durch Trumps Zollpolotik hat sich die Aktie gut gehalten. Doch nun fällt sie jeden Tag. Siehst Du da einen Zusammenhang mit dem Iran Krieg oder hat es einen anderen Grund ? Bin gerade unsicher ob ich aussteigen soll.
Danke für deine Antwort.
Freundliche Grüße
Reiner
Moin Reiner.
Löschenzu dem REIT Rexford Industrial Reality hatte ich mich vor einem Jahr bei einem Ron Baron-Portfoliocheck geäußert. Ich bin eher erstaunt gewesen, dass Trumps Strafzollpolitik dort (bisher) keinen großen Schaden angerichtet hat, da Rexford ja Gewerbeimmos an der US-Ostküste betreibt und dort früher ein erheblicher Teil der billigen chinesischen Importe angelandet wurde, die besonders unter Trumps Strafzöllen leiden.
Ich denke, dass die Aussicht auf sinkende Zinsen das überkompensiert hat - oder vielmehr hatte. Denn sinkende Zinsen wird es jetzt erstmal nicht mehr geben können, weil Trumps Iran-Krieg die Inflation massiv in die Höhe treibt. Das kommt erst in den nächsten Monaten so richtig in den Zahlen an und wird insgesamt das Zinsniveau erhöhen. Und das ist ja ohnehin schon deutlich hochgeschnellt.
Was wir aktuell erleben, ist quasi die Wiederholung von 2022: massiv steigende Öl- und Gaspreise mit einer parallel laufenden und länger anhaltenden Angebotsverknappung (damals die Abkehr Westeuropas vom russischen Erdgas, heute die Zerstörung der LNG-Kapazitäten Katars durch den Iran sowie der Sperrung der Straße von Hormus).
Und 2022 bedeutete steigende Preise, steigende Inflation, steigende Zinsen bei einem Nachlassen der Nachfrage nach Industrie- und Gewerbeimmobilien. Das wird sich wiederholen; nur diesmal sinkt die Nachfrage nicht wegen Homeoffice, sondern wegen Entlassung aufgrund von KI und wegen der aufziehenden Rezession in den USA.
Und das ist kein attraktives Szenario für Immobilienunternehmen, denn ihre Kosten steigen, während die Leerstandsquote steigt und die Banken größere Zweifel an dem Wert der Immobilien bekommen, die als Sicherheiten für die Kredite dienen.
Für mich sind Immobilien und der gesamte Sektor nach wie vor kein Bereich, wo ich Geld im Feuer haben möchte. Und wenn, dann über Alternative Asset Manager wie Blackstone oder Brookfield, die am Management der Immobilien verdienen, wo aber die Abschreibungen und Wertverluste sich nicht durch die eigene Bilanz fressen.
Ich wünsche dir ein glückliches Händchen mit deiner Entscheidung, Reiner.
Vielen Dank Michael für die Infos und deine Einschätzung.
LöschenHast du den "Emerging Market" im Blick/Depot? Ist der Zug evtl. schon abgefahren?
AntwortenLöschenEine Beteiligungsgesellschaft konzentriert auf Schwellenländer vielleicht?
ein Bekannter schreibt mir: " Da hatte ich mal A1JNZ9 und A12HUR. Da war mir irgendwann die Dividende zu mickrig.Ansonsten zu empfehlen "
LöschenIch habe den
LöscheniShares MSCI EM ex China UCITS ETF
gefunden. Für mich zählt Thesaurierend + Ex China.
Aber ob ich wirklich da investiere irgendwann, steht in den Sternen
Nein, Emerging Markets sind nicht meine Spielwiese, jedenfalls nicht direkt. Ich bin da nur über KKR indirekt investiert.
LöschenJa bei KKR bin ich auch fett investiert, deine Empfehlung.
LöschenSehr schön! Dann muss die Gurke nur noch Flügel kriegen... =)
LöschenMoin Michael,
AntwortenLöschenunter Aktienfinder.de habe ich die Aktie „Deutsche Rohstoff“ mal nachgesehen,
der faire Aktienkurs wird mit 903,00 € angegeben, kann das so richtig sein ?
Alles Gute und schöne Grüße
Gerhard
Moin Gerhard,
Löschenda solltest du dich an das Team vom Aktienfinder wenden, denn das ist ganz sicher ein Fehler...
Moin Michael,
Löschenich habe mal das Team vom Aktienfinder dazu kontaktiert und folgende Antwort bekommen:
„Das liegt u.a. daran, dass der bilanzierte Gewinn für das laufende Geschäftsjahr einmalig äußerst hoch ausfallen soll. Ein Fehler sind die fairen Werte nicht. Allerdings stößt die automatisierte fundamentale Bewertung bei der Rohstoff AG aufgrund des Gewinnanstiegs und der schwankenden Gewinnentwicklung an ihre Grenzen. Für realistisch halte ich die fairen Werte nicht. Hier sollte man besser im Aktienfinder die Rohstoff AG vertieft analysieren und manuell bewerten.“
Kannst du diese Einschätzung teilen?
Gruß Isabelle
Moin Isabelle,
Löschendann muss man leider feststellen, dass vom Aktienfinder ausgewiesene "faire Wert" totaler Blödsinn ist - den sollte Torsten Tiedt dann lieber in die Tonne treten, denn in dieser Form ist das ja Anlegerverdummung!
Ich formuliere das so deutlich, weil ich mich über Datenbanken maßlos ärgere, wenn die dann völlig falsche Ergebnisse ausspucken. Und im Finanzbereich ist das leider der Normalfall.
Und warum funktioniert das hier nicht? Weil es sich der Aktienfinder (zu) leicht macht und keine Einmaleffekte herausfiltert. Klar, wäre Aufwand. Aber er wäre dringend geboten!
Konkret auf die Deutsche Rohstoff AG bezogen: Deren Konzernergebnis (Jahresgewinn) für das Geschäftsjahr 2025 lag bei 28,9 Mio. Euro. Und im 1. Quartal 2026 hat man durch den Teilverkauf seiner Almonty-Beteiligung 100 Mio. Euro außerordentlichen Gewinn gemacht. Also fast das Vierfache des normalen Jahresgewinns.
Sowas kann und darf man natürlich nicht einfach in die Zukunft fortschreiben, denn einmalige Effekte sind eben das: einmalig. Selbst wenn die DRAG noch eine Almonty-Restposition im Bestand hat, die aktuell rund 230 Mio. Euro wert ist - und die im Falle eines Verkaufs ebenfalls sehr hohe Gewinne erzeugen dürfte, da die DRAG vor vielen Jahren und zu vergleichsweise niedrigen Kursen (unter 1 Euro) eingestiegen ist.
Die DRAG ist durchaus attraktiv bewertet und wird einen außergewöhnlich hohen Gewinn für 2026 ausweisen - wegen des Almonty-Teilverkaufs. Das operative Geschäft läuft hervorragend und ich stufe die Aktie als attraktives Investment ein. Aber nicht mit einem "Pseudowert" von 900 Euro, das ist einfach nur lächerlich.
Vielen Dank für diese klaren Worte!
LöschenIsabelle
Ein paar weitere Gedankengänge: Der Vorstand der Deutschen Rohstoff AGhat soeben auf der HV den Wert der Almonty-Beteiligung auf einen Wert von 230 Mio. Euro taxiert (Annahmen: Almonty-Kurs von 18,50 Dollar und Euro-Wechselkurs von 1,14). Weil man die Aktien vor Jahren extrem günstig erworben hat (aus heutiger Sicht), dürften von den 230 Mio. Buchwert gut 200 Mio. Euro Buchgewinn sein. Die Börsenbewertung der DRAG liegt aktuell bei rund 400 Mio. Euro - "spottbillig" ist also keine hohle Phrase!
LöschenAnders ausgedrückt: die Börse bewertet das operative Geschäft der DRAG, obwohl es seit Jahren immer profitabler wird und auf Rekordniveau liegt, nur mit 200 Mio. Euro. Und 300 Mio. Euro an Extragewinnen winken (100 Mio. Euro wurden bereits realisiert mit dem Almonty-Teilverkauf, weitere 200 Mio. Euro könnten noch erzielt werden - falls der Almonty-Kurs weiter steigt auch mehr).
Immer wenn ich mir diese Zahlen vor Augen halte, habe ich das Gefühl, noch viel zu wenig DRAG-Aktien im Depot zu haben...
Almonty kostet aktuell aber "nur noch" 16,5 USD - keine 18,5 USD. Ich verstehe außerdem dein Vergleich mit den 300Mio potenziellem Gewinn nicht. 200Mio hast du schon eingerechnet um zu sagen, dass das operative Geschäft der DRAG mit 200Mio bewertet wird. Müsste man nicht davon aber auch die Gewinne 1H26 abziehen inkl. 100Mio Buchgewinn durch den Teilverkauf der Almonty?
LöschenNaja, das war ja nur eine kurze Überschagsrechnung. Ich habe die Marktkapitalisierung um den Wert der Almonty-Beteiligung reduziert und das ergibt dann das operative Geschäft. Es ist keine Sum-of-the-Parts-Bewertung, dann müssten auf jeden Fall die Schulden/Anleihen mit einbezogen werden und natürlich der Cashbestand (v.a. durch den Almonty-Verkauf). Von dem Cash fließt aber ja einiges in das ausgeweitete Bohrprogram, vor einigen Wochen im Update bekanntgegeben wurde.
LöschenNicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft wird im Kurs abgebildet. Es kommt auf die Entwicklung des Ölpreises an und der ist am Fallen aktuell - das wird wohl noch zunächst so bleiben, wenn in Iran auch in den kommenden Wochen Ruhe herrscht. Keine gute Voraussetzung für steigenden Kursaktien von DG
LöschenKI sagt: Konzern-Gewinn ungefähr null bei 50–55 USD/bbl WTI (entspricht ca 53–60 USD/bbl Brent).
Die KI nennt hier die Werte, die für US-Fracker in den vergangenen Jahren üblich waren. Inzwischen produzieren die aber alle deutlich billiger. In den letzten Jahren ist die Zahl der produzierenden Öl-Quellen in den USA um fast ein Drittel gesunken und trotzdem hat sich die Öl-Förderung erhöht: dank neuer Techniken, tieferer Bohrungen - und KI.
LöschenZudem hat das DRAG-Management ja vor einigen Tagen selbst die konkreten Zahlen für die DRAG genannt, also kann man wohl am ehesten auf diese Werte (Break-even bei 45 Dollar je Barrel bzw. bei 40 Dollar unter Berücksichtigung der Gasförderung). Insofern ist die KI-Aussage, der Konzerngewinn läge bei 50 bis 55 Dollar7bbl WTI bei null" schlicht falsch.
Außerdem ist hier relevant auch, was das praktisch schuldenfreie Unternehmen zu den Kosten schreibt:
Löschen"Der Materialaufwand sank auf 43,3 Mio. EUR (Vorjahr: 44,9 Mio. EUR). Je Barrel lagen die Betriebskosten im Vergleich zum Gesamtjahr 2024 auf einem leicht höheren Niveau von 9,90 USD/BOE (31. Dezember 2024: 9,00 USD/BOE). Die Abschreibungen für Öl- und Gasförderanlagen sanken leicht auf 16,31 USD/BOE (31. Dezember 2024: 16,46 USD/BOE)." Quelle: https://rohstoff.de/de/news#!529879316