Sonntag, 19. März 2017

Kostolanys Know-how: An der Börse ist 2 mal 2 nicht 4, sondern 5 minus 1

Der erfolgreiche Börsenspekulant, Bonvivant und Autor André Kostolany hat zahlreiche Bücher verfasst über seine große Leidenschaft, die Börse, und er war viele Jahre lang gern gesehener Gast in allen Fernsehtalkshows. Denn er schaffte es nicht nur erfolgreich sein Geld anzulegen, sondern auch das komplexe und verwirrende Börsengeschehen in kurzen, knackigen und sehr oft auch humoristischen Weisheiten und Anekdoten zusammenzufassen. Sein Buch "Kostolanys Börsenseminar" war das erste Buch, das ich jemals über das Thema Börse gelesen habe. Und ich habe nicht nur viel über sie gelernt, sondern es hat mich auch mit dem bis heute anhaltenden Börsenfieber angesteckt. Über eine seiner vielen Weisheiten möchte ich heute sprechen, denn es geht um die Schwankungen der Börsenkurse, ihren nicht linearen Verlauf und wie Anleger sie bei ihrer Aktienanlage als etwas Natürliches akzeptieren sollten.

»An der Börse sind zwei mal zwei nicht vier, sondern fünf minus eins. Und man muss die Nerven haben, dieses minus eins auszuhalten.«
(André Kostolany)

Ich halte ja nichts von Charttechnik, aber wenn man sich den Verlauf von Börsenkursen ansieht erkennt man schnell, dass sie nicht linear von einem Punkt zum anderen führen, sondern ein ziemliches Hin- und Hergezucke sind. Auch wenn sich aus ihnen eine Tendenz ablesen lässt und man sie durch Verbinden des Startpunkts der Ansicht mit dem Endpunkt "glätten" kann. Manche Kurscharts vermitteln den Eindruck, als würde es mit der Aktie nur nach oben gehen, schnurgerade von links unten nach rechts oben. Aber natürlich gibt und gab es unterwegs immer Schwankungen, meistens sogar deutliche Kurseinbrüche, die sich im Nachhinein beim Betrachten des Kursverlaufs als Kaufgelegenheiten entpuppen. Aber Hinterher ist man ja bekanntlich immer klüger.


Und genau dieses Kursverhalten möchte Kostolany uns verdeutlichen, dass es an der Börse einfach dazu gehört, dass die Kurse nicht nur steigen können, sondern auch mal einbrechen. Denn die Kurse basieren nicht alleine auf fundamentalen Daten, sondern zum größten Teil sind sie aus der Psychologie der Marktteilnehmer heraus getrieben, ihrer Einschätzung zu den Fakten und Nachrichten. Und diese Meinung, diese Stimmung, kann schnell drehen und heftige Kursveränderungen auslösen. Obwohl sich an den fundamentalen Gegebenheiten des Unternehmens rein gar nichts verändert hat. Der Investierte geht also davon aus, dass er 2 und 2 richtig zusammengezählt hat und dies 4 ergeben muss. Die Börse strebt langfristig auch zu diesem Wert, allerdings eben nicht schnurstracks, sondern mit Kurssprüngen und Kurseinbrüchen, so dass sie erst auf 3, dann auf 5 oder 6 springt, um sich irgendwann dem fairen Wert von 4 anzunähern.

Qualität schafft Sicherheit
Üblicherweise haben Anleger wenig Probleme damit, wenn der Kurs zu hoch steigt - sie freuen sich und werden bisweilen gierig. Sie denken, da wäre noch mehr drin. Wenn aber der Kurs ihrer Aktie nicht sofort nach dem Kauf in die richtige Richtung strebt, die 4 nicht sofort in Angriff nimmt, sondern vorher vielleicht erst einmal absackt, dann werden sie nervös und nicht selten stellen sie ihre Position schnell glatt. Weil sie meinen, sie hätten sich geirrt. Dabei muss das gar nicht der Fall sein. Was sie auf jeden Fall nicht hatten, ist Geduld. Die Geduld, die man dem Markt geben muss, damit er den fairen Wert der Aktie in ihrem Kurs abbildet. Um sich diese Geduld leisten zu können, muss man natürlich die richtigen Aktien ausgewählt haben, Aktien von Unternehmen, die den Kriterien eines Value Investments entsprechen: ein herausragendes Geschäftsmodell mit möglichst hohen Wettbewerbsvorteilen, also einem ökonomischen Burggraben und damit einhergehender Preissetzungsmacht, ein ehrliches und qualifiziertes Management und natürlich eine attraktive Bewertung im Verhältnis zu seinem fairen Wert.

»Wenn man billig einkauft, muss man Geduld mitbringen und abwarten, bis der Markt einem zustimmt.«
(Joel Greenblatt)

Hält sich ein Anleger bei der Auswahl seiner Aktien an diese Kriterien, dann kann er das Minus 1 des Aktienkurses entspannt durchhalten, denn er weiß um die Qualität seines Unternehmens und um den wahren Wert seiner Aktien. Die Zuckungen der Aktienkurse, die durch den nervösen Aktivismus der anderen Börsenteilnehmer verursacht werden, können ihn ganz einfach kalt lassen. Value Investoren sind coole Anleger, abgeklärt und weitgehend emotionslos bei ihren Investmententscheidungen. So, und nur so, funktioniert das Prinzip des Buy & Hold und fährt die hohen Renditen ein. Dies ist der Weg des Warren Buffett und wir sollten ihm auf seinen erfolgreichen Pfaden folgen, um uns von der irrigen Psychologie der Massen nicht vereinnahmen zu lassen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen