Dienstag, 16. Januar 2018

Kostolanys Know-how: An der Börse ist zweimal zwei nicht vier, sondern fünf minus eins

Der erfolgreiche Börsenspekulant, Bonvivant und Autor André Kostolany hat zahlreiche Bücher verfasst über seine große Leidenschaft, die Börse, und er war viele Jahre lang gern gesehener Gast in allen Fernsehtalkshows. Denn er schaffte es nicht nur erfolgreich sein Geld anzulegen, sondern auch das komplexe und verwirrende Börsengeschehen in kurzen, knackigen und sehr oft auch humoristischen Weisheiten und Anekdoten zusammenzufassen. Sein Buch "Kostolanys Börsenseminar" war das erste Buch, das ich jemals über das Thema Börse gelesen habe. Und ich habe nicht nur viel über sie gelernt, sondern es hat mich auch mit dem bis heute anhaltenden Börsenfieber angesteckt. Über eine seiner vielen Weisheiten möchte ich heute sprechen, denn es geht um die Schwankungen der Börsenkurse, ihren nicht linearen Verlauf und wie Anleger sie bei ihrer Aktienanlage als etwas Natürliches akzeptieren sollten.

»An der Börse sind zwei mal zwei nicht vier, sondern fünf minus eins. Und man muss die Nerven haben, dieses minus eins auszuhalten.«
(André Kostolany)

Ich halte ja nichts von Charttechnik, aber wenn man sich den Verlauf von Börsenkursen ansieht erkennt man schnell, dass sie nicht linear von einem Punkt zum anderen führen, sondern ein ziemliches Hin- und Hergezucke sind. Auch wenn sich aus ihnen eine Tendenz ablesen lässt und man sie durch Verbinden des Startpunkts der Ansicht mit dem Endpunkt "glätten" kann. Manche Kurscharts vermitteln den Eindruck, als würde es mit der Aktie nur nach oben gehen, schnurgerade von links unten nach rechts oben. Aber natürlich gibt und gab es unterwegs immer Schwankungen, meistens sogar deutliche Kurseinbrüche, die sich im Nachhinein beim Betrachten des Kursverlaufs als Kaufgelegenheiten entpuppen. Aber Hinterher ist man ja bekanntlich immer klüger.


Und genau dieses Kursverhalten möchte Kostolany uns verdeutlichen, dass es an der Börse einfach dazu gehört, dass die Kurse nicht nur steigen können, sondern auch mal einbrechen. Denn die Kurse basieren nicht alleine auf fundamentalen Daten, sondern zum größten Teil sind sie aus der Psychologie der Marktteilnehmer heraus getrieben, ihrer Einschätzung zu den Fakten und Nachrichten. Und diese Meinung, diese Stimmung, kann schnell drehen und heftige Kursveränderungen auslösen. Obwohl sich an den fundamentalen Gegebenheiten des Unternehmens rein gar nichts verändert hat. Der Investierte geht also davon aus, dass er 2 und 2 richtig zusammengezählt hat und dies 4 ergeben muss. Die Börse strebt langfristig auch zu diesem Wert, allerdings eben nicht schnurstracks, sondern mit Kurssprüngen und Kurseinbrüchen, so dass sie erst auf 3, dann auf 5 oder 6 springt, um sich irgendwann dem fairen Wert von 4 anzunähern.

Qualität schafft Sicherheit
Üblicherweise haben Anleger wenig Probleme damit, wenn der Kurs zu hoch steigt - sie freuen sich und werden bisweilen gierig. Sie denken, da wäre noch mehr drin. Wenn aber der Kurs ihrer Aktie nicht sofort nach dem Kauf in die richtige Richtung strebt, die 4 nicht sofort in Angriff nimmt, sondern vorher vielleicht erst einmal absackt, dann werden sie nervös und nicht selten stellen sie ihre Position schnell glatt. Weil sie meinen, sie hätten sich geirrt. Dabei muss das gar nicht der Fall sein. Was sie auf jeden Fall nicht hatten, ist Geduld. Die Geduld, die man dem Markt geben muss, damit er den fairen Wert der Aktie in ihrem Kurs abbildet. Um sich diese Geduld leisten zu können, muss man natürlich die richtigen Aktien ausgewählt haben, Aktien von Unternehmen, die den Kriterien eines Value Investments entsprechen: ein herausragendes Geschäftsmodell mit möglichst hohen Wettbewerbsvorteilen, also einem ökonomischen Burggraben und damit einhergehender Preissetzungsmacht, ein ehrliches und qualifiziertes Management und natürlich eine attraktive Bewertung im Verhältnis zu seinem fairen Wert.

»Wenn man billig einkauft, muss man Geduld mitbringen und abwarten, bis der Markt einem zustimmt.«
(Joel Greenblatt)

Hält sich ein Anleger bei der Auswahl seiner Aktien an diese Kriterien, dann kann er das Minus 1 des Aktienkurses entspannt durchhalten, denn er weiß um die Qualität seines Unternehmens und um den wahren Wert seiner Aktien. Die Zuckungen der Aktienkurse, die durch den nervösen Aktivismus der anderen Börsenteilnehmer verursacht werden, können ihn ganz einfach kalt lassen. Value Investoren sind coole Anleger, abgeklärt und weitgehend emotionslos bei ihren Investmententscheidungen. So, und nur so, funktioniert das Prinzip des Buy & Hold und fährt die hohen Renditen ein. Dies ist der Weg des Warren Buffett und wir sollten ihm auf seinen erfolgreichen Pfaden folgen, um uns von der irrigen Psychologie der Massen nicht vereinnahmen zu lassen.

Kommentare:

  1. André Kostolany - Der Wanderer und sein Hund

    http://aktien-boersen.blogspot.de/2015/12/andre-kostolany-der-wanderer-und-sein.html

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  2. Guten Abend Michael,

    habe eine Frage zur Patrizia Immobilien: die hatten, wenn ich mich nicht irre, vor einigen Jahren ein großes Wohnungsbestand in Bayern gekauft - wurde dies schon veräußert? Und, weiß man schon, was der Wert dieser Immobilien ungefähr ist/war?

    Herzlichen Dank!

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    1. Das GWB-Portfolio mit 30.000 Wohnungen hat Patrizia 2013 für 2,45 Mrd. Euro von der BayernLB gekauft und seitdem hebt man die Werte (über Sanierungen und Mieterhöhungen). Ich habe dazu letzten März einen ausführlichen Artikel geschrieben und denke, weniger als 3 Mrd. Euro wird man nicht erlösen. Eher noch mehr. Die Frage ist nur, wann es soweit ist. Aktuell hebt man noch die Werte und die Preise in Bayern, speziell in München, ziehen weiter kräftig an. Daher sehe ich einen Verkauf jetzt nicht unmittelbar bevorstehen. Möglich wäre auch, dass Patrizia für den einen oder anderen ihrer Investoren und/oder ihre Fonds einzelne Immobilien aus dem Portfolio herauslöst und an diese Investoren/Fonds veräußert. Also quasi intern. Wahrscheinlicher erscheint mir aber ein Verkauf des gesamten Portfolios oder mehrerer größerer Teilstücke. Und dann wird die Patrizia-GuV Freudentränen vergießen. Auch deshalb wird Patrizia beim KGV rund doppelt so hoch bewertet wie Coretaste Capital. Der potenzielle einmalige Riesengewinn lockt halt...

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    2. Danke Dir für die schnelle Antwort. Ich überlege grad, für mich eine große Summe, in die Patrizia zu investieren.

      Vor kurzem hat die Patrizia mitgeteilt, mehrere Übernahmen getätigt zu haben, und trotzt dieser großen Übernahmen hat das Unternehmen 450 Millionen Euro liquide Mittel zu Verfügung. Patrizia schütte keine Dividende aus (bzw. schont die Liquidität), wird wahrscheinlich durch die Übernahmen mehr Gewinn erzielen und hat durch den Immobilienbestand die Möglichkeit die Liquidität zwischen 3 und 4 Milliarden Euro zusätzlich zu erweitern..

      Also: das Unternehmen schwimmt Geld. Weißt Du bzw. hast Du dir schon Gedanken gemacht, was mit drei, vier Milliarden Euro die Patrizia anfangen könnte? In Europa wird es recht schwer die Milliarden für Übernahmen auszugeben... Wäre ein Einstieg in den USA möglich?

      Würde mich über die Einschätzung zur Patrizias "naher Zukunft" sehr freuen :)

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    3. Patrizia ist (wieder) interessant. Man konnte die Assets under Management durch zwei große Übernahmen massiv ausweiten, wodurch sich das Provisionsaufkommen künftig deutlich erhöhen wird. Alleine das rechtfertigt höhere Bewertungen und Kurse.

      Bzgl. des Verkaufserlöses bei der GWB sollte man nicht in Euphorie verfallen. Das kann noch längere Zeit dauern, auch mehrere Jahre, bis Patrizia hier an einen Verkauf denkt. Sollte dieser dann aber stattfinden, dürfte Patrizia das viele Kapital dazu nutzen, zügig weitere Mitbewerber zu übernehmen und so seine AuM schnell weiter zu steigern, und man hat die Möglichkeit, noch mehr Investments für seine Kunden zu generieren, da man den Eigenanteil, die C-Investments, locker stemmen kann. Ohne hierbei auf Fremdmittel angewiesen zu sein. Ggf. investiert man auch höhere Eigenanteile, das bleibt abzuwarten. Ich habe jedenfalls nicht den Eindruck, dass Patrizia darum verlegen wäre, attraktive Investment-Targets zu finden.

      Was die USA angeht... wenn ich mich recht erinnere, ist Patrizia letztes jahr in den USA auf Roadshow gewesen. Vordringlich, um US-Investoren zu akquirieren, aber ich vermute auch, um den Markt dort zu sondieren. Wobei ich zum Einstieg dann eher die Übernahme eines US-Asset Managers erwarten würde und nicht al erstes einzelne Investments.

      Zur Dividenden... ja, Patrizia zahlt keine Bardividenden. Aber die letzten drei Jahre wurden jeweils "Gratisaktien" im Verhältnis 10:1 ausgegeben. Das ist ja eine Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln und kostet keine Liquidität, verwässert aber den Aktienanteil jeweils um 10%. Das EPS sinkt also entsprechend und die Aktienanzahl steigt.

      Unterm Strich lag ich nicht richtig, als ich Patrizia vor einigen Monaten von meiner Empfehlungsliste genommen habe. Seitdem hat das Unternehmen vieles richtig gemacht und gerade die großen Übernahmen finde ich überzeugend. Das war/ist ja der Erfolgsfaktor, der mir bei Corestate Capital so gefallen hat. Patrizia hat würdig gekontert und perspektivisch dürften beide Unternehmen weiter auf der Sonnenseite surfen. Corestate Capital ist deutlich günstiger bewertet, Patrizia weist den Zusatzkick des möglichen hohen Einmalgewinns aus einem GWB-Verkauf auf. Habe beide im Depot, wobei meine Corestate-Position etwa doppelt so groß ist (ist ja eine meiner Top 3).

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    4. Ich dachte du hättest Patrizia Mitte letzten Jahres mit 7% Verlust verkauft - beim Streichen von der Empfehlungsliste?

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    5. Richtig, ich habe den größten Teil meiner Patrizia-Aktien in Corestate Capital getauscht, als ich Patrizia von der Empfehlungsliste genommen habe. Die kleine Restposition habe ich vor einigen Wochen wieder angefangen aufzustocken, nachdem Patrizia die großen Zukäufe vermeldet hat und sich dadurch die relativ hohe Bewertung relativiert und die Perspektiven für die Zukunft deutlich aufgehellt haben.

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  3. Sorry,aber solche Trans"aktionen"(Streichung von der Liste und dann wieder zukaufen), untergräbt durchaus deine Glaubwürdigkeit bzw. sorgt zumindest bei mir für Irritationen.
    Aber wie Kant schon sagte,habe Mut........

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