Samstag, 6. Januar 2018

Bernard Baruch erinnert: "Die Bären machen Schlagzeilen, die Bullen machen Geld!"

Angst und Gier sind die vorherrschenden Emotionen an der Börse und sie sind die Triebfedern für die großen Übertreibungen bei den Aktienkursen, in völlig überzogene Höhen als auch in ungerechtfertigte Tiefen. Unsere evolutionsbedingte Grundkonditionierung legt hierfür die Basis und so neigen wir Menschen dazu, negative Dinge viel stärker wahrzunehmen als positive. Gefahr, Risiko, Angst das weckt unseren Fluchtinstinkt und sollte so unser Überleben sichern. An der Börse hingegen ist rationales, kühles Agieren der Schlüssel zum Erfolg. Und dennoch reizt uns die Gefahr, dieses Gefühl, alles verlieren zu können. Wir sehen deshalb Horrorfilme oder suchen den Kick bei Extremsportarten - natürlich immer in der Überzeugung, dass es am Ende gut ausgehen wird.

Wenig überraschend ist daher, dass auch (selbsternannte oder von Medien wichtig geschriebene) "Börsengurus" viel eher Gehör finden, wenn sie vor der unmittelbar bevorstehenden Finanzapokalypse warnen und uns den heraufziehenden finalen Crash ankündigen. Selbstverständlich nicht, ohne dazu passende Tipps, wie man doch noch glimpflich aus der Nummer herauskommt.

Und Finanzcrash-Gurus gibt es einige und sie tauchen in regelmäßigen Abständen auf und erklären, weshalb die Börsen zu hoch stünden, die Bewertungen übertrieben seien und die Kurse ins Bodenlose abstürzen müssten. Mark Faber ("Dr. Doom") ist einer dieser Sorte und er wird sicherlich Recht behalten. Wie immer. Denn es wird zum Crash kommen und Anleger werden viel Geld verlieren an der Börse. Das ist sicher! Jeder weiß es. Es liegt am System und an unserer Natur, am Wechselspiel aus Euphorie und Panik. Nur... wir wissen nicht, wann es soweit ist.

Und das ist der entscheidende Punkt. Hausse-Phasen wechseln sich ab mit Baisse-Phasen, allerdings dauern die Hausse-Phasen viel länger an als die Baisse-Phasen. Schaut man auf langfristige Charts, so sieht man, dass diese trotz aller Katastrophen, Crashs und Apokalypsen eigentlich nur eine Richtung kennen: nach oben. Langfristig betrachtet stellte bisher jeder Kurseinbruch eine ideale Einstiegsmöglichkeit dar. Und wer in diesen Crash-Phasen seine Aktien nicht verkauft hat, erblickte zwar vorübergehend einen deutlich geringeren Betrag auf seinem Depotauszug, aber er hatte nicht weniger Aktien als zuvor. Und der Preis dieser Aktien hat sich auch in relativ kurzer Zeit wieder erholt. Buy & Hold funktioniert, sofern man nicht als Anleger durch eigene Versuche, den Markt zu timen, das Konzept gegen die Wand fährt. Wer nämlich bei Kursabstürzen verkauft und dann bei steigenden Kursen wieder in den Markt einsteigt, zahlt nicht nur die Börsenspesen und Brokerprovisionen, sondern meistens steigt er tiefer aus, als er später wieder höher wieder einsteigt. Und vermasselt damit seine Performance.

Was für den Gesamtmarkt gilt, gilt auch für Einzelwerte. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass es losgelöst vom Gesamtmarkt natürlich Situationen gibt, in denen das Festhalten an bestimmten Aktien nicht angebracht ist, weil Buy & Hold in Form einer Vogel-Strauss-Taktik nicht sinnvoll ist. Wenn Unternehmen nämlich in existenzbedrohliche Schieflagen geraten, dann muss man als Anleger die Reißleine ziehen und den Verlust dem Totalverlust vorziehen. Die Praktiker-Pleite auszusitzen war jedenfalls keine gute Idee...

Doch kommen wir zurück zu den Crash-Apologeten. Auch Mark Faber wird wieder Recht bekommen und wenn irgendwann der nächste Crash stattfindet, dann wird er wieder als Prophet verherrlicht, weil er es ja gewusst hat. Angeblich hat er die Japan-Baisse, den Börsencrash von 1987, die Asienkrise und das Platzen der Technologie-Blase 2000 richtig prognostiziert.

Ausgeblendet wird allerdings, dass er ständig und bei jeder Marktlage Horrorszenarien an die Wand malt und zum Ausstieg rät. So wie 2009 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise und dem Tiefpunkt der Aktienmärkte. Oder alle paar Wochen in den letzten drei, vier Jahren - man kann fast im Vierzehntagesrhythmus auf den Titelblättern von Focus Money vom bevorstehenden Crash lesen. Die anderen Ausgaben raten allerdings zum All-in bei Aktien. Zur Seriosität dieser Zeitschrift kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen. Wer ständig Crashs prophezeit, hat irgendwann auch mal Recht. Denn Crashs passieren an der Börse regelmäßig. Und (alleine deshalb) hat Mark Faber Recht. Geld kann man mit seinen Prognosen als Anleger aber kaum bis selten verdienen.

»Sich selbst zu erforschen ist das erste Studium.«
(Johann Michael Sailer)

Fakt ist nämlich auch, dass Anleger, die auf die Crash-Gurus hören, den größten Teil der Börsenhausse verpassen und ihr Cash zu Niedrigstzinsen oder gar Negativzinsen vor sich hingammeln lassen, während andere fette Kursgewinne einstreichen. und das über Jahre. Und wenn dann der Crash kommt? Dann traut sich keiner, in die abstürzenden Börsenkurse hinein Aktien zu kaufen. Denn auch das widerspricht unserer Natur! Wenn die Börsenampeln auf Rot stehen, die Kurse abstürzen, dann kauft niemand. Alle denken, es geht noch weiter runter und warten. Bis die Börsen sich irgendwann deutlich erholt haben und wieder aufwärts streben. Dann haben sich die Emotionen abgekühlt und die Anleger sagen sich, dass sich die Welt doch weiter drehen wird und sie beim nächsten Kursrücksetzer einsteigen werden. Denn sie sind ja extrem schlaue Anleger, die antizyklisch handeln. Doch in Wahrheit ist genau das Gegenteil der Fall: die große Mehrheit der Anleger agiert nicht antizyklisch, sondern folgt dem Markt wie die Lemminge. Und das muss nicht verkehrt sein, denn da die Börsen langfristig immer weiter steigen, ist man als Aktien-Lemming mit konsequentem Buy & Hold am besten dran. Man sollte sich das nur eingestehen und dann auch konsequent dieser Strategie folgen. Und eben nicht im Crash verkaufen und den Kursen hinterherlaufen.

»Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte, eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11497.«
(Warren Buffett)

Tatsache ist, dass man in Crash-Phasen Buchverluste erleidet. Fakt ist aber auch, dass diese zumeist deutlich geringer sind als die Kursgewinne, die man zuvor in der Börsenhausse eingefahren hat. Und im Anschluss an den Crash wieder. Börsenlegende Bernard Baruch hat dieses Wissen in einem prägnanten Satz zusammengefasst: "Die Bären machen Schlagzeilen, die Bullen machen Geld". Während die einen vom Untergang faseln, fahren die anderen über Jahre hohe Kursgewinne ein. Und in den kurzen Crash-Phasen nutzen sie ihr Cash-Polster und die stetig eintrudelnden Dividendeneinnahmen zum Aufstocken ihrer Aktienpositionen. Das ist Buy & Hold, der Weg des Warren Buffett. Und niemand war jemals erfolgreicher an der Börse als das "Orakel von Omaha".

Also, was lernen wir daraus? Hören wir auf die Mark Fabers dieser Welt oder machen wir es Warren Buffett nach? Ich habe mich schon vor langer Zeit entschieden und diese Entscheidung fiel mir nicht schwer...

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