Dienstag, 20. November 2018

Bernard Baruch lehrt uns: "Die Bären machen Schlagzeilen, die Bullen machen Geld!"

Angst und Gier sind die vorherrschenden Emotionen an der Börse und sie sind die Triebfedern für die großen Übertreibungen bei den Aktienkursen, in völlig überzogene Höhen als auch in ungerechtfertigte Tiefen. Unsere evolutionsbedingte Grundkonditionierung legt hierfür die Basis und so neigen wir Menschen dazu, negative Dinge viel stärker wahrzunehmen als positive. Gefahr, Risiko, Angst das weckt unseren Fluchtinstinkt und sollte so unser Überleben sichern. An der Börse hingegen ist rationales, kühles Agieren der Schlüssel zum Erfolg. Und dennoch reizt uns die Gefahr, dieses Gefühl, alles verlieren zu können. Wir sehen deshalb Horrorfilme oder suchen den Kick bei Extremsportarten - natürlich immer in der Überzeugung, dass es am Ende gut ausgehen wird.

Wenig überraschend ist daher, dass auch (selbsternannte oder von Medien richtig wichtig geschriebene) "Börsengurus" viel eher Gehör finden, wenn sie vor der unmittelbar bevorstehenden Finanzapokalypse warnen und uns den heraufziehenden finalen Crash ankündigen. Selbstverständlich nicht ohne dazu passende Tipps, wie man doch noch glimpflich aus der Nummer herauskommt.

Finanzcrash-Gurus gibt es einige und sie tauchen in regelmäßigen Abständen auf und erklären, weshalb die Börsen zu hoch stünden, die Bewertungen übertrieben seien und die Kurse ins Bodenlose abstürzen müssten. Mark Faber ("Dr. Doom") gehört zu dieser Spezies und er wird sicherlich Recht behalten. Wie immer. Denn es wird zum Crash kommen und Anleger werden viel Geld verlieren an der Börse. Das ist sicher! Jeder weiß es. Es liegt am System und an unserer Natur, am Wechselspiel aus Euphorie und Panik. Nur, wir wissen nicht, wann es soweit ist. Und genau das macht den Unterschied aus zwischen Investmenterfolg und Börsenversagen, zwischen Bullen und Bären...

Hausse-Phasen wechseln sich ab mit Baisse-Phasen, allerdings dauern die Hausse-Phasen viel länger an als die Baisse-Phasen. Schaut man auf langfristige Charts, so sieht man, dass diese trotz aller Katastrophen, Crashs und Apokalypsen eigentlich nur eine Richtung kennen: nach oben. Langfristig betrachtet stellte bisher jeder Kurseinbruch eine ideale Einstiegsmöglichkeit dar. Und wer in diesen Crash-Phasen seine Aktien nicht verkauft hat, erblickte zwar vorübergehend einen deutlich geringeren Betrag auf seinem Depotauszug, aber er hatte nicht weniger Aktien als zuvor. Und der Preis dieser Aktien hat sich auch in relativ kurzer Zeit wieder erholt. Buy & Hold funktioniert, sofern man nicht als Anleger durch eigene Versuche, den Markt zu timen, das Konzept gegen die Wand fährt. Wer nämlich bei Kursabstürzen verkauft und dann bei steigenden Kursen wieder in den Markt einsteigt, zahlt nicht nur die Börsenspesen und Brokerprovisionen, sondern meistens steigt er tiefer aus, als er später wieder höher wieder einsteigt. Und vermasselt damit seine Performance.

Was für den Gesamtmarkt gilt, gilt auch für Einzelwerte. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass es losgelöst vom Gesamtmarkt natürlich Situationen gibt, in denen das Festhalten an bestimmten Aktien nicht angebracht ist, weil Buy & Hold in Form einer Vogel-Strauss-Taktik nicht sinnvoll ist. Wenn Unternehmen nämlich in existenzbedrohliche Schieflagen geraten, dann muss man als Anleger die Reißleine ziehen und den Verlust dem Totalverlust vorziehen. Die Praktiker-Pleite auszusitzen war jedenfalls keine gute Idee...

Doch kommen wir zurück zu den Crash-Apologeten. Auch Mark Faber wird wieder Recht bekommen und wenn irgendwann der nächste Crash stattfindet, dann wird er wieder als Prophet verherrlicht, weil er es ja gewusst hat. Angeblich hat er die Japan-Baisse, den Börsencrash von 1987, die Asienkrise und das Platzen der Technologie-Blase 2000 richtig prognostiziert.

Ausgeblendet wird allerdings, dass er ständig und bei jeder Marktlage Horrorszenarien an die Wand malt und zum Ausstieg rät. So wie 2009 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise und dem Tiefpunkt der Aktienmärkte. Oder alle paar Wochen in den letzten drei, vier Jahren - man kann fast im Vierzehntagesrhythmus auf den Titelblättern von Focus Money vom bevorstehenden Crash lesen. Die anderen Ausgaben raten allerdings zum All-in bei Aktien. Zur Seriosität dieser Zeitschrift kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen. Wer ständig Crashs prophezeit, hat irgendwann auch mal Recht. Denn Crashs passieren an der Börse regelmäßig. Und (alleine deshalb) hat Mark Faber Recht. Geld kann man mit seinen Prognosen als Anleger aber kaum bis selten verdienen.

»Sich selbst zu erforschen ist das erste Studium.«
(Johann Michael Sailer)

Fakt ist nämlich auch, dass Anleger, die auf die Crash-Gurus hören, den größten Teil der Börsenhausse verpassen und ihr Cash zu Niedrigstzinsen oder gar Negativzinsen vor sich hingammeln lassen, während andere fette Kursgewinne einstreichen. und das über Jahre. Und wenn dann der Crash kommt? Dann traut sich keiner, in die abstürzenden Börsenkurse hinein Aktien zu kaufen. Denn auch das widerspricht unserer Natur! Wenn die Börsenampeln auf Rot stehen, die Kurse abstürzen, dann kauft niemand. Alle denken, es geht noch weiter runter und warten. Bis die Börsen sich irgendwann deutlich erholt haben und wieder aufwärts streben. Dann haben sich die Emotionen abgekühlt und die Anleger sagen sich, dass sich die Welt doch weiter drehen wird und sie beim nächsten Kursrücksetzer einsteigen werden. Denn sie sind ja extrem schlaue Anleger, die antizyklisch handeln. Doch in Wahrheit ist genau das Gegenteil der Fall: die große Mehrheit der Anleger agiert nicht antizyklisch, sondern folgt dem Markt wie die Lemminge. Und das muss nicht verkehrt sein, denn da die Börsen langfristig immer weiter steigen, ist man als Aktien-Lemming mit konsequentem Buy & Hold am besten dran. Man sollte sich das nur eingestehen und dann auch konsequent dieser Strategie folgen. Und eben nicht im Crash verkaufen und den Kursen hinterherlaufen.

»Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte, eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11497.«
(Warren Buffett)

Tatsache ist, dass man in Crash-Phasen Buchverluste erleidet. Fakt ist aber auch, dass diese zumeist deutlich geringer sind als die Kursgewinne, die man zuvor in der Börsenhausse eingefahren hat. Und im Anschluss an den Crash wieder. Börsenlegende Bernard Baruch hat dieses Wissen in einem prägnanten Satz zusammengefasst: "Die Bären machen Schlagzeilen, die Bullen machen Geld". Während die einen vom Untergang faseln, fahren die anderen über Jahre hohe Kursgewinne ein. Und in den kurzen Crash-Phasen nutzen sie ihr Cash-Polster und die stetig eintrudelnden Dividendeneinnahmen zum Aufstocken ihrer Aktienpositionen. Das ist Buy & Hold, der Weg des Warren Buffett. Und niemand war jemals erfolgreicher an der Börse als das "Orakel von Omaha".

Also, was lernen wir daraus? Hören wir auf die Mark Fabers dieser Welt oder machen wir es Warren Buffett nach? Ich habe mich schon vor langer Zeit entschieden und diese Entscheidung fiel mir nicht schwer...

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    nachdem ich eher zufällig auf Deine Seite gestossen bin, finde ich Deine Einstellung im oben beschriebene Artikel aber echt klasse. Leider gibt es in Deutschland kaum Börseninformationsdienste, die genau diese (langweilige) Anlagestrategie vermitteln. Man mag ja darüber streiten, welche weltweiten Aktien dafür am besten geeignet sind, wichtig ist dabei ist aber eine vernünftige Branchen-, Länder- und Währungsmischung. Ich hatte das Glück, bereits Anfang der 90er Jahre auf einen solchen Börsendienst zu stossen und habe seit dem meine private Alterversorgung auf dieser Basis aufgebaut. Was wurde ich belächelt, als ich dem "Neuen Markt" ferngeblieben bin oder sonstige Hypes ausgelassen habe. In knapp 6 Jahren gehe ich in Rente und werde mir allein durch Dividenden eine stattliche Zusatzrente zahlen können. Mit den richtigen Aktien sind dann sogar jährliche Einkommenssteigerungen durch Dividendenerhöhungen möglich. Natürlich hilft es bei einem Zusammenbruch unseres Weltwirtschaftssystems auch nicht mehr, aber dann kann unser deutsches (Umlage)-Rentensystem zumindest seine Stärken ausspielen.

    Lieben Gruß

    Uwe H.

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  2. Michael, baust Du in der aktuellen Marktlage Cash ab?
    Viele Werte gibt es jetzt recht günstig. Auf weiteren Sinkflug zu setzen wäre Market-Timing.

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    1. Ich habe schon vor einigen Wochen damit begonnen, in meinem Depot Gewichtungen anzupassen.

      1. Übergewichtet: Werte mit starker Burggraben und überdurchschnittlich positiven mittelfristigen Aussichten, Werte, bei denen ggf. schlechte Nachrichten bereits "herausgekommen" sind und/oder Unternehmen, bei denen ich für 2019 operativ gute Chancen sehe.

      2. Reduziert: Werte, wo ich bzgl. der Prognosen Befürchtungen habe, ob diese am Ende eingehalten werden können. Dabei reicht ja schon eine marginale Verfehlung, um prozentual zweistellige Kursabstürze auszulösen.

      !! Ich habe daher mein Depot so ausgerichtet, dass ich mich mit jeder einzelnen Position wohl fühle, dass ich (ala Buffett) emotional damit klarkommen würde, sollten die Börsen für fünf Jahre schließen und ich diese Aktien nicht verkaufen können.


      Der Kurseinbruch hat natürlich trotzdem auch mein Depot empfindlich getroffen. Nur weil Amazon, MasterCard, PayPal, Microsoft (um mal einige zu nennen), eine herausragende Marktstellung und weiterhin sehr gute Perspektiven aufweisen, sind ihre Kurse dennoch auch überwiegend von den Emotionen der Anleger abhängig. Bewertung und Perspektiven ist das eine, Kurse und Emotionen das andere.

      Ja, ich habe die letzten Tage Cash abgebaut. Aufgestockt habe ich vor allem bei den aussichtsreichsten deutschen Beteiligungsgesellschaften Aurelius, Blue Cap, Deutsche Beteiligung, KAP, MBB. Aurelius und DBAG hatten 2018 ein Übergangsjahr - nach Rekordgewinnen 2017 aufgrund von Beteiligungsverkäufen gab es 2018 vergleichsweise niedrige Gewinne. Das war absehbar und beide Unternehmen haben das viele in 2017 erzielte Geld in neue lukrative Beteiligungen investiert. Die aber einige Zeit brauchen, um "zu reifen". Ab 2019 dürften wider Gewinn treibende Exits anstehen. MBB sitzt ebenfalls auf viel Geld und sie haben Aumann zu Höchstpreisen anteilig veräußert. Die momentane Börsenlage macht Zukäufe billiger und darauf warten alle bei MBB. Bei Blue Cap sorgt die Verunsicherung über den PartnerFonds-Einstieg weiter für Unruhe und äußerst attraktive Einstiegskurse. Und bei KAP, seit zwei Jahren das "Trüffelschwein für den deutschen Mittelstand" des Finanzinvestors Carlyle, gibt es auch nur positive Nachrichten und Entwicklungen. Grundsolides Investment, unspektakulär, unbemerkt, überdurchschnittliche Renditen.

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  3. Hallo Michael,habe seit mehreren Monaten Apple im Depot. Kaufkurs 20stk.zu 193 usd. Möchte die Position aber noch aufstocken. Was meinst du zum jetztigen Zeitpunkt? Bzw. Zu welchem Kurs könnte man zukaufen? Gruss Christoph

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    1. Ob der Kurs von Apple (und das gilt auch für jede andere Aktie) noch weiter nachgibt, oder ob er ab sofort wieder steigt, kann ich beim besten Willen nicht vorhersagen. Wenn Du vor einigen Monaten bei $193 der Meinung warst, Apple sei ein Kauf, dann hattest Du dafür doch sicherlich gute Gründe. Sofern diese Gründe jetzt noch vorliegen und/oder Dein Investmentcase noch intakt ist, dann wäre Apple bei jetzt $178 erst recht ein Kauf, oder?

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  4. Mein Investmentcase ist voll intakt. Zum aktuellen Kursverlauf kann ich meinerseits nur sagen ist zumindest mein Eindruck.. das der Kurs momentan launenhaft halb manisch-depressiv ermittelt bzw. An der Börse bestimmt wird... danke für deine Antwort. Lese deinen Blog sehr gerne. Deine Ansichten inspirieren mich sehr.

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