Sonntag, 2. Juli 2017

Baruchs Börsenwissen: "Die Bären machen Schlagzeilen, die Bullen machen Geld."

Angst und Gier sind die vorherrschenden Emotionen an der Börse und sie sind die Triebfedern für die großen Übertreibungen bei den Aktienkursen, in völlig überzogene Höhen als auch in ungerechtfertigte Tiefen. Unsere evolutionsbedingte Grundkonditionierung legt hierfür die Basis und so neigen wir Menschen dazu, negative Dinge viel stärker wahrzunehmen als positive. Gefahr, Risiko, Angst das weckt unseren Fluchtinstinkt und sollte so unser Überleben sichern. An der Börse hingegen ist rationales, kühles Agieren der Schlüssel zum Erfolg. Und dennoch reizt uns die Gefahr, dieses Gefühl, alles verlieren zu können. Wir sehen deshalb Horrorfilme oder suchen den Kick bei Extremsportarten - natürlich immer in der Überzeugung, dass es am Ende gut ausgehen wird.

Wenig überraschend ist daher, dass auch (selbsternannte oder von Medien wichtiggeschriebene) "Börsengurus" viel eher Gehör finden, wenn sie vor der bevorstehenden Finanzapokalypse warnen und uns den unmittelbar bevorstehenden finalen Crash ankündigen. Selbstverständlich nicht, ohne dazu passende Tipps, wie man doch noch glimpflich aus der Nummer herauskommt.

Und Finanzcrash-Gurus gibt es einige und sie tauchen in regelmäßigen Abständen auf und erklären, weshalb die Börsen zu hoch stünden, die Bewertungen übertrieben seien und die Kurse ins Bodenlose abstürzen müssten. Mark Faber ("Dr. Doom") ist einer dieser Sorte und er wird sicherlich Recht behalten. Wie immer. Denn es wird zum Crash kommen und Anleger werden viel Geld verlieren an der Börse. Das ist sicher! Jeder weiß es. Es liegt am System und an unserer Natur, am Wechselspiel aus Euphorie und Panik. Nur... wir wissen nicht, wann es soweit ist.

Und das ist der entscheidende Punkt. Hausse-Phasen wechseln sich ab mit Baisse-Phasen, allerdings dauern die Hausse-Phasen viel länger an als die Baisse-Phasen. Schaut man auf langfristige Charts, so sieht man, dass diese trotz aller Katastrophen, Crashs und Apokalypsen eigentlich nur eine Richtung kennen: nach oben. Langfristig betrachtet stellte bisher jeder Kurseinbruch eine ideale Einstiegsmöglichkeit dar. Und wer in diesen Crash-Phasen seine Aktien nicht verkauft hat, erblickte zwar vorübergehend einen deutlich geringeren Betrag auf seinem Depotauszug, aber er hatte nicht weniger Aktien als zuvor. Und der Preis dieser Aktien hat sich auch in relativ kurzer Zeit wieder erholt. Buy & Hold funktioniert, sofern man nicht als Anleger durch eigene Versuche, den Markt zu timen, das Konzept gegen die Wand fährt. Wer nämlich bei Kursabstürzen verkauft und dann bei steigenden Kursen wieder in den Markt einsteigt, zahlt nicht nur die Börsenspesen und Brokerprovisionen, sondern meistens steigt er tiefer aus, als er später wieder höher wieder einsteigt. Und vermasselt damit seine Performance.

Was für den Gesamtmarkt gilt, gilt auch für Einzelwerte. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass es losgelöst vom Gesamtmarkt natürlich Situationen gibt, in denen das Festhalten an bestimmten Aktien nicht angebracht ist, weil Buy & Hold in Form einer Vogel-Strauss-Taktik nicht sinnvoll ist. Wenn Unternehmen nämlich in existenzbedrohliche Schieflagen geraten, dann muss man als Anleger die Reißleine ziehen und den Verlust dem Totalverlust vorziehen. Die Praktiker-Pleite auszusitzen war jedenfalls keine gute Idee...

Doch kommen wir zurück zu den Crash-Apologeten. Auch Mark Faber wird wieder Recht bekommen und wenn irgendwann der nächste Crash stattfindet, dann wird er wieder als Prophet verherrlicht, weil er es ja gewusst hat. Angeblich hat er die Japan-Baisse, den Börsencrash von 1987, die Asienkrise und das Platzen der Technologie-Blase 2000 richtig prognostiziert.

Ausgeblendet wird allerdings, dass er ständig und bei jeder Marktlage Horrorszenarien an die Wand malt und zum Ausstieg rät. So wie 2009 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise und dem Tiefpunkt der Aktienmärkte. Oder alle paar Wochen in den letzten drei, vier Jahren - man kann fast im Vierzehntagesrhythmus auf den Titelblättern von Focus Money vom bevorstehenden Crash lesen. Die anderen Ausgaben raten allerdings zum All-in bei Aktien. Zur Seriosität dieser Zeitschrift kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen. Wer ständig Crashs prophezeit, hat irgendwann auch mal Recht. Denn Crashs passieren an der Börse regelmäßig. Und (alleine deshalb) hat Mark Faber Recht. Geld kann man mit seinen Prognosen als Anleger aber kaum bis selten verdienen.

»Sich selbst zu erforschen ist das erste Studium.«
(Johann Michael Sailer)

Fakt ist nämlich auch, dass Anleger, die auf die Crash-Gurus hören, den größten Teil der Börsenhausse verpassen und ihr Cash zu Niedrigstzinsen oder gar Negativzinsen vor sich hingammeln lassen, während andere fette Kursgewinne einstreichen. und das über Jahre. Und wenn dann der Crash kommt? Dann traut sich keiner, in die abstürzenden Börsenkurse hinein Aktien zu kaufen. Denn auch das widerspricht unserer Natur! Wenn die Börsenampeln auf Rot stehen, die Kurse abstürzen, dann kauft niemand. Alle denken, es geht noch weiter runter und warten. Bis die Börsen sich irgendwann deutlich erholt haben und wieder aufwärts streben. Dann haben sich die Emotionen abgekühlt und die Anleger sagen sich, dass sich die Welt doch weiter drehen wird und sie beim nächsten Kursrücksetzer einsteigen werden. Denn sie sind ja extrem schlaue Anleger, die antizyklisch handeln. Doch in Wahrheit ist genau das Gegenteil der Fall: die große Mehrheit der Anleger agiert nicht antizyklisch, sondern folgt dem Markt wie die Lemminge. Und das muss nicht verkehrt sein, denn da die Börsen langfristig immer weiter steigen, ist man als Aktien-Lemming mit konsequentem Buy & Hold am besten dran. Man sollte sich das nur eingestehen und dann auch konsequent dieser Strategie folgen. Und eben nicht im Crash verkaufen und den Kursen hinterherlaufen.

»Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte, eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11497.«
(Warren Buffett)

Tatsache ist, dass man in Crash-Phasen Buchverluste erleidet. Fakt ist aber auch, dass diese zumeist deutlich geringer sind als die Kursgewinne, die man zuvor in der Börsenhausse eingefahren hat. Und im Anschluss an den Crash wieder. Börsenlegende Bernard Baruch hat dieses Wissen in einem prägnanten Satz zusammengefasst: "Die Bären machen Schlagzeilen, die Bullen machen Geld". Während die einen vom Untergang faseln, fahren die anderen über Jahre hohe Kursgewinne ein. Und in den kurzen Crash-Phasen nutzen sie ihr Cash-Polster und die stetig eintrudelnden Dividendeneinnahmen zum Aufstocken ihrer Aktienpositionen. Das ist Buy & Hold, der Weg des Warren Buffett. Und niemand war jemals erfolgreicher an der Börse als das "Orakel von Omaha".

Also, was lernen wir daraus? Hören wir auf die Mark Fabers dieser Welt oder machen wir es Warren Buffett nach? Ich habe mich schon vor langer Zeit entschieden und diese Entscheidung fiel mir nicht schwer...

Kommentare:

  1. Bin kein Marc Faber, und ein Warren Buffett schon gar nicht, aber auch ich denke, dass ein "Crash" bald kommen wird.

    "Sei ängstlich wenn andere gierig sind", sagt Warren Buffett, recht hat er! Ich habe nicht nur angst, sondern momentan gar panik - lieber heuer weniger Rendite und dafür während und nach dem Crash hohe Renditen bei Qualitätsunternehmen - die hohen Renditen im Crash gleichen die "geringeren" Renditen in den Folgejahren aus - für mich ist das völlig in Ordnung.

    Allen viel Erfolg beim investieren. Ach, auch das will ich los werden: Gold hilft auch nicht weiter. Vielleicht am Anfang um 10 oder 20 Prozent "extra Renditen" zu machen, aber während (im Höhepunkt) eines Crashes ist Gold wie Aktien "billig" zu haben, sprich: verliert an Wert. Dann doch lieber Aktien :-)

    Aus Bayern

    DD

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    1. Definieren wir mal Crash? Ich denke auch das früher oder später die Märkte sich natürlich regulieren werden also zurückkommen um 20 Prozent aber ist das ein Crash? Für mich jedenfalls nicht und ich sehe auch nicht warum der Markt mehr einbrechen sollte, höre mir aber gerne begründete Meinungen dazu an! Wo sollen die Anleger denn hin mit ihrem Geld? Wie viel Millionenbeträge die gerne angelegt wären wurden die letzten Jahre zurückgehalten weil der Markt angeblich überhitzt ist!? Ich denke ich bleibe dabei und investiere monatlich den gleichen Betrag plus Erträge aus Anlagen und werde mich weiterhin von jeglichem marktiming distanzieren

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  2. Crash ist für mich nicht 20 Prozent. 20 Prozent ist vielleicht eine "Marktschwäche" - mehr nicht. Ich definiere mit Crash, wenn weltweit die Kurse jenseits der 30-40 Prozent abstürzen.

    Die Meinung, dass "angeblich überhitzen Marktes" und das sich deshalb jeder zurückhält, kann ich so nicht bestätigen. Niemand hält sich zurück, und von einem überhitzen Markt geht niemand aus. Weil ein, oder zwei Blogger, meinen oder schreiben, es könnte zur einer Überhitzung kommen, heißt es nicht, dass der Markt diese Meinung auch hat. Ich sehe seit Jahren, dass jeder fleißig investiert (ich gehöre auch dazu). Sprich, am Markt herrscht die Meinung eines überhitzen Marktes gar nicht.

    Ich war bis letztes Jahr relativ positiv eingestellt aufgrund der Tatsache, dass viel Geld am Markt ist. Inzwischen bin ich aber der Meinung, dass die Börsen überbewertet sind, auch aufgrund des vielen Geldes. Es ist wie eben beim Value Investing: oberste Tugend ist Geduld. Und auch hier wird sich die Geduld auszahlen am Markt - da bin ich mir sicher! Ich kann natürlich nicht sagen, wann die Kurse abstürzen werden, aber beim Value Investing weiß ich auch nicht, wann der Markt meine Meinung teilt, und den Kurs steigen lassen wird :-)


    DD

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  3. Wie geschrieben bin ich froh um jede Meinung den jeder sieht die Welt mit eigenen Augen und es Ostbahnhof nicht so als würde oh dir nicht teilweise recht geben aber es fehlen mir einfach die Alternativen wo das viele Geld welches investiert sein will außer in Aktien hin soll die nächsten Jahre!?
    Natürlich geht der Markt zurück und natürlich kommt suche nochmal ein Crash aber darauf warten finde ich auch nicht die Lösung!
    Die verpasste Rendite muss auch erst mal eingeholt werden denn wann der Markt zurück geht weiß niemand! Das er zurück geht aber anscheinend jeder!
    So Entwicklungen wie bei corestate oder ähnliche will ihr jeder verpassen in nächster Zeit!

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  4. Ich bin auch froh über jede Meinung! Ja, die wenigen Alternativen (Rohstoffe, Immobilien, evtl. noch Oldtimer) haben auch mich dazu bewogen, (überwiegend) in Aktien zu investieren. Weil, wenig Rendite ist besser als gar keine Rendite!

    Ich denke unsere Ansicht unterscheidetet sich vom "möglichen Timing", nicht grundsätzlich ob es zu einer Krise kommen wird. Ich bin nicht mehr im Aktienmarkt investiert, weil ich eben in den nächsten, ein oder zwei Jahren von einem Crash, oder Korrektur oder wie auch immer man das nennen mag, ausgehe.

    Was Corestate angeht: das ist natürlich für mich ärgerlich, keine Frage! Ich sehe das aber entspannt entgegen, da ich denke, dass ist der Preis den ich (jetzt) zahle, um später Renditen zu erzielen. Mir ist es, vor allem langfristig, wichtig, Renditen zu erzielen die mein Vermögen vermehren. Ob eine andere Aktien mehr oder weniger steigt als meine, ist mir egal. Ob ich 10 Prozent mehr habe als Du, oder 10 Prozent weniger als Michi, ist mir auch egal - wichtig ist mir, dass ich meine 20 Prozent habe - was ihr habt kann mir theoretisch egal sein. Du gibst mir ja nichts ab von den 30,40 oder 50 Prozent die evtl. mit anderen Aktien verdienst :-)

    Zustimmung: jeder weiß, dass eine Krise kommt, aber wann weiß keiner. Ist während einer Krise auch so z. B. VW. Jeder wusste, es wird sich erholen - VW geht doch nicht Pleite, aber wann steigt die Aktie den wieder? Wusste keiner. VW war im Übrigen einer meiner letzteren Käufe - habe damit mehr verdient als bei Amazon :-)

    DD

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    1. Aber wenn ich dir unterstelle das du zwei oder drei Jahre dich komplett aus dem Aktienmarkt zurück ziehst und du mit 20 Prozent Rendite pro Jahr rechnest bleibt es doch gleich wenn der Markt mal 40 Prozent zurück kommt? Das Risiko das er nicht so heftig zurück kommt ist doch viel höher oder das es eben noch 4 Jahre dauert!? Du hast vier Jahre keine Rendite und keine Zinseszins Wirkung unter Umständen, nur um dann evtl günstig einsteigen zu können und zu hoffen das es wieder schnell nach oben geht !?
      Ob das der wahre Jakob ist, für mich jedenfalls nicht;)
      Ich bin Anfang 30 und hoffe sogar auch auf die Erfahrung Crash und günstige Einstiegspreise aber in timing probiere ich mich überhaupt nicht

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  5. Ich habe das Jahr 2017 teilweise noch mitgemacht, jetzt bin ich draußen. Wenn in den nächsten ein oder zwei Jahren keine Renditen erzielt werden könne von mir, dann ist das so - dazu muss ich stehen. Es muss nicht schnell gehen, es muss langfristig "einfach" klappen.

    Warren hat unter anderem auch immer gewartet, obwohl er Milliarden mehr hat als ich, warum sollte ich es nicht tun? Berkshire Hathaway hat momentan ca. 150 Milliarden Euro zum investieren und es wird jedes Jahr mehr. Gibt es den keine Unternehmen die er kaufen könnte, selbst wenn er "nur" 5 Prozent Rendite erzielen würde, immerhin: 7,5 Milliarden Euro, die er jetzt nicht hat. Also, warum investiert er nicht? Ganz einfach, es wird, vielleicht seine größte Investition sein die er tätigen wird, und die wird er in einer Krise tätigen, mit unglaublich viel Geld viele billige Aktien - ein Traum!

    Bin denke ich sogar etwas jünger als Du :-)

    DD

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    1. "Historisch gesehen entwickeln sich Aktien in 62 Prozent der Kalendermonate positiv. Anleger sollten also mehr Angst haben, dass sie die Anstiege des Marktes verpassen, als das sie einen Crash erleben".
      (Ken Fisher)

      ;-)

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  6. Wie gesagt gebe dir ja gar nicht unrecht und es wäre auch interessant zu wissen welche Strategie am Ende die beste Performance bringt!
    Hast du deine Beute denn schon ausgemacht wenn es kracht?;) also eine Auswahl zusammen gestellt? Würde mich interessieren wie du dann vorgehen willst

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  7. Ich habe eine Watchlist mit der ich dann einige Aktien beobachten kann. Darunter sind viele Midcaps, aber auch einige Blue und Smalls.

    Bei der Erstellung dieser Liste habe ich auf die Größe, und vor allem auf die langfristigen Wachstumschancen geschaut. Oder wie stark sie unser Leben beeinflussen (Google, Facebook mit Instagram oder Whatsapp). Die Titel sind weltweit gestreut, Google und Facebook habe ich erwähnt, aber auch eine Nike ist dabei, oder auch eine Berkshire Hathaway :-)

    Ich glaube aber dennoch das ich, wenn es denn soweit ist, eher in Deutschen titel investieren werde, weil mein Englisch nicht so gut ist (lese gerne Geschäftsberichte) und wegen der möglichen Dividende (die mir aber nicht ganz so wichtig ist, achte eher auf die Kursgewinne).

    DD

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