Samstag, 15. August 2020

Daniel Loeb : Quality Investments sind die unbekannte Seite des aktivistischen Investors

Daniel Loeb ist ein Star in der Investmentszene und man kann ihn mit vielen Attributen versehen: sympathisch, eloquent, durchsetzungsstark, erfolgreich. Und Letzteres über viele Jahre, was ihn von so manchem gefallenem Star unterscheidet, der nach kurzen, Aufsehen erregenden Erfolgen eher mit teuren Fehlgriffen auf sich aufmerksam machte.

Seit 1995 ist Loeb mit seiner eigenen Investmentfirma Third Point als aktivistischer Investor unterwegs, doch Erfahrungen hat er bereits in den elf Jahren zuvor gesammelt: beim Private-Equity-Spezialisten Warburg Pincus, beim Plattenlabel Island Records, bei der US-Investmentbank Jefferies und bei der Citigroup. Dieser Weg schien irgendwie für ihn vorgezeichnet, denn bereits als Schüler begann er mit dem Investieren und später schloss sich ein Studium an; zunächst in Berkeley, dann an der Columbia in New York. Dort war es auch, wo er schnell $120.000 verdiente und diese genauso schnell wieder verlor, weil er alles auf das falsche Investment gesetzt hatte. Die Firma für Atemgeräte bekam Schnappatmung, nachdem ihre Produkte eklatante Mängel aufwiesen. Doch das konnte ihn nicht aufhalten...

Third Point LLC gründete Daniel Loeb mit $3 Mio. und verwaltet heute mehr als $6 Mrd.; seine durchschnittliche Jahresrendite liegt um die 15%. Und in diese Zeit fallen die drei großen Crashs, die Internetblase (2000) und die Finanzkrise (2008/09) und natürlich der Corona-Crash, was die Ergebnisse umso bemerkenswerter macht. Dabei führt uns der Unternehmensname zu einer weiteren Leidenschaft von Loeb, dem Surfen. Denn Third Point ist ein bei den Wellenreitern beliebter Anlaufpunkt in Malibu.

Der aktivistische Investor

Loebs charismatisches und freundliches Auftreten sollten nicht darüber hinweg täuschen, dass er als aktivistischer Investor klare Vorstellungen hat und diese auch durchzusetzen weiß. Dabei legt er sich nicht mit Schwächlingen an, sondern ist in den letzten Jahren auch mit Unternehmensgiganten in den Ring gestiegen und deren Chefs bisweilen mächtig auf die Füße getreten. Darunter so illustre Namen wie Philips, Sotheby’s, Yahoo, Sony, Eon, Nestlé, United Technologies, Campbell Soup. Gerne versucht er, durch öffentlichen Druck Sitze im Aufsichtsrat der Unternehmen zu bekommen und platziert seine Vorstellungen zur Unternehmensstrategie oder Abspaltungen lautstark und setzt das Management so erheblich unter Druck. In den meisten Fällen mit Erfolg, so dass er bei Yahoo seinen Einsatz knapp verdreifachte oder bei Sony in einem Jahr einen Return von 20% einstrich.

Quality Investments

Über so manche Langzeitposition in seinem Depot konnte man sich eigentlich nur wundern, denn Loeb hielt an den Aktien fest, ohne großartig aktivistisches Engagement zu entfalten. Licht ins Dunkel brachte er nun selbst in seinem Investorenbrief zum 2. Quartal 2020, wo er sich explizit dazu äußerte.
»In Qualitätsunternehmen zu investieren, ist für uns nicht neu, sondern eher altbekannt. Einige unserer erfolgreichsten Investments, die sich während unseres Investitionszeitraums verdoppelt oder verdreifacht haben, können zu Recht als solche bezeichnet werden. Um es klar zu sagen, Quality Investing und ereignisgesteuerte Situationen schließen sich nicht zwangsläufig aus. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass unser ereignisgesteuerter Fokus uns einzigartige Gelegenheiten bietet bei der Gründung oder Entwicklung eines Qualitätsunternehmens, da diese häufig aus Unternehmensereignissen oder Veränderungen im Management hervorgehen.«
(Daniel Loeb)
Daniel Loeb sucht also nicht gezielt nach Qualitätsunternehmen, um hier zu investieren. Aber wenn er sich in ein Unternehmen eingekauft hat und feststellt, dass das Unternehmen - auch ohne sein aktivistischen Eingreifen - überdurchschnittliche Rendite abzuwerfen verspricht aufgrund seines hochwertigen Geschäftsmodells, dann bleibt er "einfach" an Bord und lässt sich die Dinge entwickeln. Exemplarisch nannte Loeb S&P Global, Visa, Danaher, Adobe, Salesforce und Sherwin Williams.
»Manchmal sind die besten Performer in deinem Portfolio jene Dinge, die du bereits sehr lange Zeit besitzt.«
(Daniel Loeb)
Man könnte es auch mit den Worten beschreiben: "Never change a winning team". Hat man ein dauerhaft erfolgreiches Unternehmen im Depot, wäre man ja verrückt, es zu verkaufen. Und gegen die Aktien eines Unternehmens zu tauschen, das man erst noch kennenlernen muss.

Meine Einschätzung

Ich finde Daniel Loebs Investmentansatz durchaus interessant und versuche bei seinen aktivistischen Investments seine Überlegungen nachzuvollziehen, um ggf. auf attraktive Gelegenheiten zu stoßen. Steckt das Heben mittel- und langfristiger Potenziale dahinter, kann ich mich eher erwärmen, als wenn es augenscheinlich nur um den Versuch geht, schnell den Kurs in die Höhe zu treiben. Seine Ansichten zu Quality Investments teile ich vollumfänglich, auch wenn ich diese gezielt als Investmentgelegenheiten suche.

Dabiel Loeb ist häufig Gast in meiner Serie "Portfoliocheck", in der ich regelmäßig die Depots der besten Value Investoren unserer Zeit unter die Lupe nehme.


Daniel Loebs Börsenweisheiten
  • Die einzige Sache, bei der wir uns zu 100 Prozent sicher sind, ist dass wir fehlbar sind, nicht alle Antworten haben und Fehler begehen werden.
  • Die einzigen Dinge, die aus Chaos resultieren, sind Chancen.
  • Dieses Geschäft erfordert die Bereitschaft Risiken einzugehen und den Willen Erträge zu generieren. Das kannst du nicht, solange du keinen ausgeprägten Appetit auf Risiko hast.
  • Es gibt Zeiten, in denen der Markt Investitionen in sehr illiquiden Situationen mit außergewöhnlichen Renditen belohnt.
  • Ich mag das Wort Instinkt nicht, weil es sich wie etwas aus dem Bauch heraus anhört. Ich glaube, dass das, was wir Instinkt nennen tatsächlich eine Art Mustererkennung ist, die aus Erfahrung resultiert.
  • In Qualitätsunternehmen zu investieren, ist für uns nicht neu, sondern eher altbekannt. Einige unserer erfolgreichsten Investments, die sich während unseres Investitionszeitraums verdoppelt oder verdreifacht haben, können zu Recht als solche bezeichnet werden. Um es klar zu sagen, Quality Investing und ereignisgesteuerte Situationen schließen sich nicht zwangsläufig aus. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass unser ereignisgesteuerter Fokus uns einzigartige Gelegenheiten bietet bei der Gründung oder Entwicklung eines Qualitätsunternehmens, da diese häufig aus Unternehmensereignissen oder Veränderungen im Management hervorgehen.
  • Kapitalismus ohne den Bankrott ist wie das Christentum ohne die Hölle.
  • Manchmal sind die besten Performer in deinem Portfolio jene Dinge, die du bereits sehr lange Zeit besitzt.
  • Risiko zu bewerten ist ein dynamischer Prozess und einer, den wir permanent kalibrieren.
  • Unsere Philosophie ist es opportunistisch zu sein, und zwar quer durch die Kapitalstrukturen von Fremd- bis Eigenkapital und über alle Industrien und Assetklassen hinweg.
  • Wir müssen uns permanent fragen: wie viel der schlechten Nachrichten ist bereits in den Kursen eingepreist?
  • Wir suchen nach Unternehmen, die vom Markt nicht verstanden und falsch bepreist werden.

Disclaimer
Adobe, Danaher, Salesforce, VISA befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wikifolio.

1 Kommentar:

  1. Loeb's "poison pen" Briefe an die CEOs sind legendär. Hier einige Auszüge: https://www.vanityfair.com/news/2013/10/dan-loeb-mean-letters

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