Dienstag, 2. Juni 2026

[Guru Investing] Berkshires große KI-Wette ist jetzt... Alphabet

Greg Abel hat Warren Buffett als CEO von Berkshire Hathaway beerbt und ist seit dem Jahresanfang für alle Investmententscheidungen verantwortlich. Im ersten Quartal überwiegten die Verkäufe klar die Käufe, so dass Berkshires Cashberg auf atemberaubende 393 Milliarden Dollar angewachsen war – und Sorgen nährte, auch Greg Abel würde keine geeigneten Investmentziele finden. Irrtum!

Allerdings hatte Abel unter anderem sämtliche Position glattgestellt, die der zu JPMorgan gewechselte Todd Combs verantwortet hatte, während er Buffetts fünf "Japan Bets" auf jeweils über 10% an deren Kapital erhöhte hatte und bei Alphabet Berkshires Position mehr als verdreifachte auf 6,3% des Berkshire-Portfolios.
Die Beteiligung an der Google-Mutter war Ende März rund 17 Milliarden Dollar schwer und ist durch Kursgewinne seitdem auf knapp 20 Milliarden Dollar angewachsen. Und nun kommen weitere 10 Milliarden Dollar hinzu, so dass Abel Berkshires Position um ein weiteres Drittel erhöht.

Alphabets fette Kapitalerhöhung

Hintergrund ist die soeben von Alphabet angekündigte Kapitalerhöhung um 80 Milliarden Dollar, um damit den kostspieligen Ausbau seiner KI-Infrastruktur zu finanzieren. Alphabet hatte im April seine Prognose für die jährlichen Investitionsausgaben um fünf Milliarden auf 180 bis 190 Milliarden Dollar angehoben und folgt damit dem Trend anderer Hyperscaler.

Und die Investitionen tragen Früchte: So integriert Alphabets Google künstliche Intelligenz immer stärker in sein Ökosystem, da laut CEO Sundar Pichai das Unternehmen nun einen Punkt erreicht hat, an dem Nutzer von KI in Alltagsprodukten "echten Mehrwert" erwarten.

Bei seiner Rede auf der Google I/O 2026 gab Pichai bekannt, dass Google mittlerweile über 13 Produkte mit mehr als einer Milliarde Nutzern verfügt, während fünf Produkte – Google Search, Gmail, Android, Google Chrome und YouTube – jeweils über drei Milliarden Nutzer weltweit bedienen.

Nun gibt es die umfassendste Neugestaltung von Google Search seit mehr als 25 Jahren. Anstelle separater KI-Tools bindet Google die KI direkt in das Hauptsuchfeld ein, so dass Nutzer können nun längere Fragen eingeben und Bilder, Videos, Dateien und sogar Chrome-Tabs hochladen, während die KI dabei hilft, Suchanfragen in Echtzeit zu formulieren.

Ziel ist, Reibungsverluste zwischen der traditionellen Suche und KI-Gesprächen zu beseitigen. Search-Chefin Elizabeth Reid sagte, Nutzer wollten nicht mehr darüber nachdenken müssen, zwischen der "klassischen Suche" und dem "KI-Modus" zu wechseln.

Doch das war noch nicht alles: Alphabet stellte außerdem "Information Agents" vor, KI-Tools, die Websites, Shopping-Plattformen und soziale Medien eigenständig nach benutzerdefinierten Aufgaben wie der Wohnungssuche oder der Produktverfolgung durchsuchen. Die Agents werden im Sommer 2026 für Abonnenten von Google AI Pro und Ultra verfügbar sein.
"Das Unternehmen verzeichnet eine starke Nachfrage von Firmen und Verbrauchern nach seinen KI-Lösungen und -Dienstleistungen in einem Ausmaß, das seine verfügbaren Kapazitäten übersteigt."
(Sundar Pichai)
Alphabet verdient mit seinen KI-Angeboten also bereits ordentlich Geld und steigert seinen operativen Cashflow und seine Gewinne gewaltig. Und doch fehlt nun das nötige Kleingeld?

So ist es. Bisher war Google ein Asset-light-Business, das vergleichsweise wenig Investitionen erforderte und damit hohe und stetig steigende Cashflows erwirtschaftete. Nun investiert auch Alphabet massiv in die Cloud und in KI-Rechenzentren. Google Cloud ist inzwischen die globale Nummer drei hinter Marktführer AWS (Amazon) und Herausforderer Azure (Microsoft). Nur die Google Cloud wächst holt mit großen Schritten auf und steigert dabei sogar noch ihre Profitabilität.

Doch da die Investitionen so gewaltig sind mit fast 200 Milliarden Dollar pro Jahr, ist der bisher so üppige freie Cashflow in die Knie gegangen. Er errechnet sich aus dem boomenden operativen Cashflow abzüglich der Investitionen.

Alphabet nimmt, wie auch andere Hyperscaler, zur Finanzierung seiner KI-Investitionen Fremdmittel auf. Doch auch das hat seine Grenzen. Denn beim Blick auf Bilanz muss das Fremdkapital (Anleihen und Kredite) in einem gesunden Verhältnis zum Eigenkapital stehen. Ansonsten steigt das Zinsniveau für das Unternehmen an oder die Banken treten bei neuen Krediten sogar auf die Bremse.

Also besorgt sich Alphabet nun nicht nur frisches Fremdkapital, sondern auch zusätzliches Eigenkapital. Und zwar gleich 80 Milliarden Dollar.

Berkshire geht "all in"…

30 Milliarden davon sollen durch öffentliche Platzierungen von Aktien und Wandelanleihen eingenommen werden, weitere 10 Milliarden werden von Berkshire Hathaway übernommen, wobei jeweils fünf Milliarden auf die A- und die C-Klasse-Aktien entfallen werden.

Neben diesen 40 Milliarden an frischem Eigenkapital soll im dritten Quartal 2026 ein Programm gestartet werden, das Alphabet den schrittweisen Verkauf von Aktien im Wert von 40 Milliarden Dollar ermöglicht (ATM).

…und der Kurs fällt

Der Aktienkurs von Alphabet fällt in einer ersten Reaktion auf die Neuigkeiten und das ist keine Überraschung. Denn Kapitalerhöhungen verwässern die Altaktionäre: ihnen gehört künftig ein kleinerer Anteil am Unternehmen und auch viele Kennzahlen sehen erstmal schlechter aus. So der Gewinn je Aktie, denn nur weil mehr Eigenkapital und damit mehr Aktien vorhanden sind, wird ja nicht sofort mehr Gewinn erzielt.

Doch der ist absehbar und deshalb dürfte der Markt die Kapitalerhöhung schnell verdauen. Denn Alphabet investiert zwar enorm, aber diesen Investitionen stehen ja beinahe sofort steigende Einnahmen gegenüber.

Des Weiteren ist das dritte fette Milliarden-Investment von Berkshire in Alphabet eine deutliche Ansage und Bestätigung der Werthaltigkeit und der starken Zukunftsperspektiven der Google-Mutter. Denn Berkshire kauft keine Aktien, sondern man kauft sich in ein Business ein und zwar mit dem Ziel, zu bleiben. Und das auf dem aktuellen Kursniveau!
"Wenn wir Aktien kaufen, erwerben wir einen Anteil an einem Unternehmen. Wir besitzen einen Anteil an dessen Cashflow. Wir besitzen einen Anteil an seiner Bilanz. Es ist nicht nur eine Aktie."
(Greg Abel)

Buffett hat Google einfach verpasst

Warren Buffett hat Google verpasst, obwohl er es direkt vor Augen hatte. Dazu erklärte er auf der Hauptversammlung von Berkshire im Jahr 2017: "Wir waren schon sehr früh Kunde von Google, bei GEICO, zum Beispiel, und wir haben ihnen, soweit ich mich erinnere, 10 oder 11 Dollar pro Klick gezahlt. Und wenn man jemandem jedes Mal 10 oder 11 Dollar zahlt, nur weil jemand auf einen kleinen Button klickt, der einem selbst überhaupt nichts kostet, dann ist das ein gutes Geschäft, es sei denn, jemand nimmt es einem weg. Und so haben wir die Auswirkungen davon hautnah miterlebt… Aber, weißt du, so ein Geschäft hat man fast noch nie gesehen."

Er und Charlie Munger hätten dieses tolle Geschäftsmodell gesehen, aber sie kamen zu keiner Einschätzung, wie lange es funktionieren und Google seine dominante Marktstellung behaupten würde können. Und beim Quality Investing muss man nicht nur ein Unternehmen mit einem starken Burggraben finden, sondern man muss auch erkennen, wie lange dieser Moat Bestand hat. Nur dann investiert man – und deshalb kaufen Buffett und Munger Google nicht.

Mein Fazit

Aber nun wittert Greg Abel bei Alphabet (s)eine Chance auf große Gewinne. Berkshire hat nun 30 Milliarden Dollar in Alphabet investiert und es ist gut möglich, dass man während des zweiten Quartals weitere Aktien über die Börse zugekauft hat.

Mit einem Gewicht von 30 Milliarden Dollar ist Alphabet inzwischen auf Augenhöhe mit Buffetts Kult-Investment Coca-Cola, die bisher Berkshires drittgrößte Position war.

Und dann ist da noch die sich verflüchtigende Sorge, Berkshire würde keine lukrativen Investmentziele mehr finden. Gerade erst hat man für 6,8 Milliarden Dollar die Übernahme der Taylor Morrison Home Company angekündigt, heute folgt das zusätzliche 10-Milliarden-Investment in Alphabet und morgen… Ja, morgen könnte der nächste Deal von Greg Abel anstehen. Und das ist seit langem eine neue Entwicklung bei Berkshire. Und zwar eine gute…

Alphabet bleibt eine solide Wette auf die Zukunft und Berkshire ebenfalls. Beide waren in früheren Zeiten auch schon mal im Gewinner-Depot und haben hier schöne Renditen eingespielt. Vielleicht sieht man sich ja bald wieder?

Disclaimer: Habe Alphabet, Amazon, Berkshire, Microsoft auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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