Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.
Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung...
Dies waren in der vergangenen Börsenwoche die größten Gewinner und Verlierer in meinem Depot:
📈 Almonty Industries +20,4 %
📈 SoFi Technologies +17,1 %
📈 LendingClub +10,5 %
📈 Comfort Systems USA +8,6 %
📈 Quanta Services +7,4 %
Es war eine sattgrüne Börsenwoche, in der sich die Kurse von ihrem vorherigen kräftigen Einbruch erholten. Auch wenn der November kurz vor seinem Ende unterm Strich damit noch immer richtig rot dasteht. Die schwächelnden Konjunkturdaten in den USA vermiesen die Stimmung, doch da hierdurch die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinssenkung der USA Notenbank im Dezember zunimmt, kommt auch Hoffnung auf.
Die Black Week hat am Freitag mit dem Black Friday ihren Höhepunkt erreicht und in den USA gab es die verkürzte Thanksgiving-Woche. Der Cyber Monday wird die Kaufrauschsause dann abschließen. Schnäppchen gab es nicht nur im Laden, sondern auch an der Börse, denn es sieht danach aus, dass es mehr Andrang gab als im letzten Jahr, aber pro Person wurde etwas weniger konsumiert. Das passt zu der ohnehin gedrückten Konsumstimmung der US-Verbraucher.
Rüstungswerte konsolidieren weiter, weil in der Ukraine weiterhin die Friedenskarte gespielt wird. Doch abseits von Verlautbarungen kommt da nichts bei rum - und die sind alleine dadurch geprägt, Donald Trump Honig ums Maul zu schmieren, seinen Einsatz zu loben und ihn nur ja nicht zu verstimmen. An den Positionen der Kriegsgegner hat sich nichts verändert, weder bei den sich verteidigenden Ukrainer noch bei Putins und seinen Invasoren. Derweil nimmt die hybride Kriegsführung Russlands gegen die europäischen NATO-Staaten weiter zu und die wachsende Bedrohungslage führt zu sich weiter erhöhender Verteidigungsbereitschaft - und Auftragserteilungen an (europäische) Rüstungsunternehmen. ReArm Europe wird uns noch mindestens ein Jahrzehnt lang begleiten, denn selbst wenn in der Ukraine Friede ausbrechen und Putin einen Vertrag mit der NATO schließen würde, wäre der nicht viel wert. Denn dass Putin sein Wort und Verträge bricht, wenn es ihm zum Vorteil gereicht, hat er mehrfach bewiesen. Was ein Charakterzug ist, den er mit Donald Trump teilt. Europa muss sich wappnen - so oder so!
Der Fear-and-Greed-Index ist von 11 auf 24 Punkte gestiegen, doch damit regiert weiterhin "extreme Angst" an den US-Börsen. Und die Weltbörsen leiden mit.
Nun der Blick in mein Depot, das in dieser Woche die Verluste der Vorwoche mehr als ausgleichen konnte. Und das, obwohl meine größte und aufgestockte Depotposition Rheinmetall nochmals etwas nachgab - als einziger Wert in meinem Depot.
Meine FinTechs LendingClub und SoFi Technologies haben sich gewaltig erholt, während meine Alternativen Asset Manager Apollo und KKR nur leicht zugelegt haben.
David Sambur, Co-Chef des Bereichs Private Equity bei Apollo Global Management warnt, dass die Branche in eine härtere Phase eintritt, in der sich Unternehmen, die echten operativen Wert generieren, von denen unterscheiden werden, die ein Jahrzehnt lang (nur) von extrem niedrigen Zinsen profitiert haben. Sambur argumentiert, dass die lange Phase des billigen Kapitals eine Welle von Transaktionen ausgelöst habe, bei denen die Renditen weitgehend durch eine Multiple Expansion und nicht durch verbesserte Fundamentaldaten getrieben waren. Angesichts des nun etablierten höheren Zinsniveaus seien eine Reihe von Managern gezwungen, Vermögenswerte zu halten, die zu Spitzenbewertungen gekauft wurden, und auf eine Erholung zu warten, die möglicherweise nicht eintreten werde. Für diese Fonds, die sich nicht auf die Schaffung von Wert konzentriert hätten, sei eine solche Ungewissheit wohlverdient", so Sambur. Branchenweit sitzen Private-Equity-Manager Berichten zufolge auf rund 1,2 Billionen USD an Dry Powder, von denen ein beträchtlicher Teil inzwischen länger als vier Jahre auf seinen Einsatz wartet, was die Schwierigkeit unterstreicht, Kapital zu attraktiven Bewertungen einzusetzen.
Dieses Szenario dürfte auch weiterhin die großen Finanzinvestoren begünstigen, während kleinere Häuser stärkere Schwierigkeiten haben dürften. Allerdings kommt es auch auf die Branchengewichtung an, wie das (zu) einseitige Exposure von Blue Owl im Bereich KI-Datenzentren zeigt - oder der neuerliche Kaufrausch von Softbank im Bereich von KI-Startups. Mit Apollo und KKR setze ich auf die absehbaren langfristigen Gewinner.
Funfact zu Softbank
Softbank war einmal der größte Aktionär von Nvidia mit annähernd 5 %. Doch 2019 verkauft Masayoshi Son sämtliche Nvidia-Aktien für 3,6 Mrd. USD. Aktuell wäre Softbanks Nvidias-Aktienpaket rund 215 Mrd. USD wert. Eine andere Art von "Opportunitätskosten", die Charlie Munger gerne ins Feld führt(e)...
Kräftig erholt haben sich auch meine "KI-Schaufelverkäufer" Amphenol, Comfort Systems und Quanta Services. Bei Quanta habe ich meine Position in den Ausverkauf hinein aufgestockt, denn der Ausbau der Energienetze ist ein Megatrend, der über Jahre (und Jahrzehnte) anhalten wird. Denn noch reagiert KI auf Anfragen seiner Nutzer, aber "Agentic AI" wird viele Dinge des Alltags im Hintergrund regeln und abwickeln und damit dauerhaft Energie benötigen, nicht nur auf Zuruf. Es wird also nicht nur sehr viel mehr Energie und hier vor allem Strom benötigt, sondern es müssen auch die Energienetze geschaffen werden, um diese ganze Energie von den Kraftwerken zu den Rechenzentren und/oder Verbrauchern zu transportieren. Marktführer Quanta Services sollte hier zu den größten Profiteuren gehören mit steigender Kundennachfrage und steigenden Margen. Was zu steigenden Gewinnen führen wird.
Mein Vermögen hatte sich den ersten Wochen des Jahres 2025 nach den Rekordzuwächsen in 2024 zunächst um +8 % weiter sehr positiv entwickelt. Doch anschließend ging es durch das Börsenblutbad Anfang April auf -17 % abwärts - einen "Maximum Drawdown" von -25 % erlebt man auch nicht allzu oft (glücklicherweise). Doch seit dem Tiefpunkt im April legt mein Depot auf Monatssicht wieder zu, trotz zwischenzeitlicher weiterer teilweise heftiger Kursrücksetzer. Ende Oktober lag ich noch 13 % im Plus, Ende letzter Woche waren davon nur noch 1,0 % übrig. Doch der jüngste Rebound ergab ein Wochenplus von + 5,0 %. Meine 2025er Vermögensveränderung liegt damit bei +6,0 % (YTD).
Die von Trump bewusst lancierte Dollarschwäche belastet US-Werte auf Euro-Basis seit dem Jahresstart mit über 10 %. Und da ich einen hohen Anteil an US-Werten im Depot halte (knapp 80 %), wirkt sich die Dollarschwäche natürlich entsprechend negativ auf die diesjährige Performance aus.
Auch wenn ein Zuwachs von nur (noch) 1 % magersüchtig aussieht und enttäuschend, ist er das nicht wirklich. Es kommt auf die Perspektive an. Der Vergleich wird ja mit dem Wert am Jahresstart gezogen, aber das 4. Quartal 2024 war (m)ein absolutes Rekordquartal und hat damit die Messlatte sehr hoch gehängt. Vergleiche ich meinen Vermögensstand heute mit dem Wert vom 30.09.2024, dann liegt die Veränderung bei +26 %. Und 26 % Zuwachs in 15 14 Monaten ist granatenstark! Es gibt also überhaupt keinen Grund, enttäuscht zu sein.
Und insgesamt kann ich aber nach den beiden Rekordjahren 2023 und 2024 samt annähernder Vermögensverdopplung mit der Entwicklung ohnehin sehr zufrieden sein. Und das bin ich...ツ
Oktober-Update - (fast noch) brandneu und in Farbe!
Auf welche Unternehmen und welche Schwerpunkte ich in meinem Depot setze zeigt mein Investor-Update, das ich immer zu Ende eines Quartals veröffentliche - quasi mein persönliches 13F.
Meine langfristige durchschnittliche Zielrendite liegt bei +15 % pro Jahr und die ersten Börsenwochen des Jahres hatten mit +8 % schon mal gut darauf eingezahlt. So hätte es gerne weitergehen können, ging es aber - natürlich - nicht. Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10 % pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien spülen lassen. Auch wenn heftige Korrekturen emotional stressig sind und der Weg zur Wunschrendite anschließend sehr viel länger ist.
Es bleibt spannend - wie eigentlich immer an der Börse. ツ
Disclaimer: Habe die meisten der genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

Hallo Herr Kissig,
AntwortenLöschenihre Fintech-Spekulation Paypal ist wohl ihrem Nachkauf bei Rheinmetall zum Opfer gefallen oder haben Sie grundsätzlich das Vertrauen in diese Investition verloren?
Diese Nachfrage könnte man eigentlich noch verallgemeinern. Es ist schade, dass solch Änderungen hier in der Regel unkommentiert bleiben, obwohl gerade interessant wäre, was gegeneinander abgewogen wird bzw. ob sich etwas am bisherigen Investment Case geändert hat.
LöschenMir ist das auch schon aufegfallen, wenn man sich hier die Artikel zu einem bestimmten Unternehmen durchliest. In einem der totale Abgesang und im nächsten ein großes Loblied, ohne darauf einzugehen, warum sich die Einschätzung so diametral geändert hat. Dabei wäre gerade in solchen Fällen interessant, ob sich etwas am Unternehmen geändert hat, oder ob man mit der vorherigen Einschätzung falsch lag.
Für meine beiden Nachkäufe bei Rheinmetall und Quanta Services benötigte ich Geld und das habe ich mir von PayPal genommen. Es war/ist keine Entscheidung gegen PayPal, aber der Turnaround des Aktienkurses dürfte noch einige Zeit in Anspruch nehmen und bisher zeigt sich noch keine Änderung beim Sentiment. Vielleicht kommt das (auch erst) mit den Zahlen zum 4. Quartal und/oder den Jahreszahlen 2025, wenn sich die Stärken im Zahlenwerk zeigen und die Angst weicht, PayPal könnte irrelevant werden. Ob ich damit richtig liege, wird sich zeigen. Und auch, ob ich noch rechtzeitig wieder einsteigen kann, oder mir der Zug vor der Nase wegfährt.
LöschenMeinst du mit Sentiment etwas objektiv Messbares, oder geht es eher um deine persönliche Wahrnehmung (Medien, Diskussionen usw.)? Wie integrierst du Sentiment als Aspekt ins Value Investing, wenn du kein Market Timing betreiben willst?
LöschenIch habe zunehmend den Eindruck, dass sich deine Prinzipien beim Investieren verwässern, seit du bezahlte Aktienanalysen für Zeitschriften schreibst. Nix für ungut!
Danke für Ihre Antwort! Ich bleibe im Zug sitzen und hoffe Sie steigen rechtzeitig wieder ein ;-)
LöschenSentiment meint die Stimmung und wie Fakten und Zahlen an der Börse wahrgenommen werden. Das kann sich auf die Börse insgesamt oder ein Unternehmen bzw. eine Aktie alleine beziehen. Für den Gesamtmarkt gibt es ja populäre Stimmungsmesser wie z.B. den Fear-and-Greed-Index, der aus einer Reihe Indikatoren das aktuelle Sentiment ermittelt. Für die Wirtschaftslage (in Deutschland) gibt es seit Jahrzehnten den ifo-Geschäftsklimaindex. Für Einzelwerte eher nicht. In Bezug auf PayPal geht es also im meine persönliche Wahrnehmung über die letzten Monate und rund anderthalb Jahre.
LöschenMit dem Schreiben bezahlter Aktienanalysen wird das wenig zu tun haben, was du festgestellt haben willst. Denn die schreibe ich seit mehr als 10 Jahren. Ich bemerke allerdings, dass viele Menschen es irgendwie als persönlichen Affront wahrnehmen, wenn ich mal eine Aktienposition verkaufe. Das ist aber keine neue Wahrnehmung, sondern begleitet mich schon seit Jahrzehnten an der Börse. Ich habe mich nun nicht gegen PayPal entschieden, sondern ich benötigte schlicht Geld, um woanders zugreifen zu können. Denn ich bin immer voll investiert - das hat eben auch seine Schattenseiten (wie ggf. Kapitalmangel), aber ich habe festgestellt, dass die Vorteile einer niedrigen Cashquote deutlich überwiegen (und sich eben am Ende auch in der Rendite positiv niederschlagen).