Die Stimmung an den Börsen hat sich wieder gedreht, nachdem am Golf nicht mehr geschossen wird. Der S&P 500 durchbrach erstmals die 7000er-Marke und markierte eine neues Allzeithoch, während der Fear-and-Greed-Index innerhalb von nur zwei Wochen vom Zustand "extremer Angst" ins "Gier-Terrain" hochschnellte.
Doch es herrscht (nur) eine trügerische Ruhe, denn eine endgültige Einigung zwischen den USA und dem Iran ist weiterhin in weiter Ferne. Währenddessen nimmt die Earnings Season in den USA Fahrt auf und Anleger hoffen auf Antworten – doch die werden die Zahlen (noch) nicht liefern. Denn der wirkliche Hammer trifft uns erst in den nächsten Monaten. Und da kommt richtig was auf uns zu…
Der Golfkrieg hat erhebliche Zerstörungen angerichtet und die gehen weit über eine – vorübergehende – Sperrung der Straße von Hormus hinaus. Qatar Energy hat seine LNG-Produktion aufgrund massiver Zerstörungen an der Infrastruktur heruntergefahren und rechnet mit einer Reparaturzeit von bis zu fünf Jahren. Dieses LNG, das vor allem für Asien bestimmt ist, aber auch in der Energievision Deutschlands und der EU eine zentrale Rolle spielt(e), fehlt dem Weltmarkt nun.
Es geht dabei um gewaltige Dimensionen: Wir erleben derzeit die größte Unterbrechung der Energieversorgung in der jüngeren Geschichte. Seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar wurden dem Weltmarkt mehr als 500 Millionen Barrel Rohöl und Kondensat entzogen. Damit ist seit Beginn des Iran-Kriegs vor fast 50 Tagen die weltweite Rohölproduktion um einen Wert von rund 50 Milliarden Dollar zurückgegangen. Das entspricht der Menge an Treibstoff, die benötigt wird, um die internationale Schifffahrtindustrie vier Monate lang am Laufen zu halten. Ein noch nie dagewesener Angebotsschock!
Aber es ist nicht nur das Öl selbst, es geht um viele Neben- und Folgeprodukte, die fehlen (werden). Wie Helium, das als Nebenprodukt bei der Gasgewinnung abfällt, und zu einem erheblichen Teil aus Katar stammt. Linde als größter Heliumanbieter der Welt hat bereits Mengen rationiert und die Preise massiv angehoben - und Helium ist oft unersetzbar, wie bei der Magnetresonanztomografie (MRT), der Halbleiterfertigung, in der Luft- und Raumfahrt sowie bei der Kernenergie. Was eine Chipmangellage anrichten kann, konnte man in der Corona-Phase bei den Autoherstellern sehen, die deswegen ihre Produktion drosseln oder ganz stoppen mussten!
Ebenso heftig ist der Preis für Düngemittel hochgeschossen und in den USA erzielen lebende Rinder Rekordpreise – die Burger werden also demnächst deutlich teurer. Welche erschütternden Folgen dies auf die Geschäftsergebnisse von McDonald's haben kann und wird, haben wir 2022 erlebt.
Und da sich die Energiepreise kräftig erhöht haben, schnellen auch die die Kosten für alles und jeden in die Höhe und zwar in mehreren Wellen. Momentan zuckt die Inflationsrate nur, aber in den nächsten Monaten werden wir massive Anstiege bei den Produzentenpreisen sehen (also bei den Unternehmen), was dann an die Kunden/Verbraucher weitergegeben wird in Form von Konsumentenpreisen. Hier tut es dann zunehmend weh, denn die Lebensmittelpreise (und anderes) verharren ja seit 2022 bereits auf einem schmerzhaft hohen Niveau. Aber da bleiben sie leider nicht. Die Inflation naht!
Dabei geht es nicht nur um Preiseffekte, sondern und wirkliche Mangellagen. Asien rationiert Energie, Benzin wird überall auf der Welt spürbar knapper. Das liegt auch daran, dass mit Rohöl nichts anzufangen ist – es muss erst raffiniert werden. Und jede Ölsorte hat ihre Vor- und Nachteile und benötigt unterschiedliche Raffinerieprozesse – und am Ende werden Ölprodukte mit unterschiedlichen Qualitäten erzeugt. Ein Engpass bei dem einen kann nicht durch die Mehrproduktion von einem anderen ausgeglichen werden. Und so warnen europäische Fluglinien vor Kerosinknappheit bereits in den nächsten Wochen.
US-Finanzminister sprach von "Shut ins". Die Ölfelder im Iran (wie auch in der restlichen Golfregion) sind klassische Ölbohrungen und wenn die Lager voll sind und/oder das Öl nicht mehr abtransportiert werden kann, müssen die Bohrlöcher verschlossen werden. Dabei können sie beschädigt werden, was die Wiederöffnung erschwert und mindestens verzögert, wenn nicht gar dauerhaft verhindert. Zumindest dauert die Wiederinbetriebnahme einige Zeit - das ist beim Fracking in den USA anders, dort kann man die einmal etablierte Förderung relativ einfach kappen oder wieder starten. Die iranische Förderung könnte also für länger ausfallen; rund 70% der Bohrlöcher könnten wohl innerhalb von Monaten wieder "online" gehen - das bedeutet aber auch, dass 30% länger ausfallen.
Durch die Ausfälle bzw. massiven Einschränkungen der Ölproduktion der Golfstaaten entstehen gleich mehrere Flaschenhälse, die die globalen Liefer- und Versorgungsketten stören. Als Kollateralschaden dieser Mangellagen schießen dann auch zusätzlich die Preise in die Höhe. Zudem werden allerorts (politische) Forderungen laut, Lagerbestände aufzubauen. Auch das haben wir 2022 erlebt. In Knappheitszeiten wird dadurch die Angebotsseite zusätzlich in die Höhe getrieben und damit auch die Preise. Um dann später zu einer Überflusslage zu führen, in der die Preise dann mangels Nachfrage kollabieren. Für die Produzenten ist das ein gewaltiges Problem, da sie nicht einfach einen Schalter umlegen können, um mehr zu produzieren. Sie müssen Produktionsanlagen errichten, deren Kosten in die Milliarden gehen, und die sich über 20, 30 oder 50 Jahre amortisieren (müssen). Solche Investitionen fassen die Unternehmen also nur an, wenn die Nachfrage absehbar hoch bleibt und nicht, wenn sie nur einen Nachfragepeak von ein oder zwei Jahren erwarten.
"Bisher ist die Nachfrage nach Öl trotz deutlich höherer Ölpreise nur um einen Bruchteil des Ausmaßes des Angebotsverlusts gesunken. Stattdessen läuft die Weltwirtschaft auf Reserve, indem Öl aus den Lagern entnommen wird. Da es nur eine begrenzte Menge Öl in den Tanks gibt, kann das nicht ewig so weitergehen. Wenn also die Straße von Hormus nicht wieder geöffnet wird, müssen die Preise stark genug in die Höhe schießen und dabei ausreichend wirtschaftlichen Schaden anrichten, um weitere 11 Millionen Barrel pro Tag oder mehr an Nachfrage zu vernichten. Das ist eine Menge."(Paul Krugman)
Wer sich erinnern möchte, wie dieses Boom-and-bust-Szenario eine ganze Industrie niederstreckt, braucht nur in die Corona-Phase 2020/21 zurückzublicken, als Medizintechnik und -equipment in rauen Mengen geordert wurde, um Testkapazitäten aufzubauen. Als Corona dann seinen großen Schrecken verlor, brach die Nachfrage massiv ein - und zwar für Jahre. Denn die Unternehmen hatten riesige Lagerbestände aufgebaut, die in den nächsten Jahren sukzessive abgebaut wurden. Hier prallte eine implodierende Kundennachfrage auf viel zu große Lagerbestände, was eine doppelten Nachfrageeinbruch auslöste, der den Herstellern massive Probleme bereitet(e) - denn ihre neue errichteten Fertigungskapazitäten wurden nicht mehr benötigt und die älteren waren auch nicht mehr ausgelastet. Danaher, GE Healthcare, Thermo Fisher leiden daher seit Jahren unter einer mauen Nachfrage und das Business dieser einstiegen Börsenlieblinge hat sich bis heute nicht wieder erholt - und ihre Aktienkurse haben in dieser Zeit auch keine Freude bereitet.
Meine Einschätzung
Es kommt ein neues 2022 auf uns zu. Nicht genauso und in alles Facetten, denn einige Rahmenbedingungen unterscheiden sich. Aber im Großen und Ganzen kennen wir die Einschläge, die auf uns einprasseln werden. Auch wenn viele diese Gefahr noch ausblenden und bei jeder kurzfristigen Entspannungsmeldung sofort Entwarnung geben. Aber lösen tut das keines der Probleme, die sich da aufschaukeln.
Und auch für Anleger bietet bloßes Aussitzen keine gute Lösung. Sie müssen sich schon aktiv um ihr Depot kümmern und abchecken, ob und wie sturmfest es positioniert ist. Neben dem KI-Impact (also dessen negative und/oder positive Folgen für/auf das Unternehmen) sollte man gleichzeitig die Auswirkungen der Mangellagen und des Inflationshammers unter die Lupe nehmen.
Da ist reichlich zu tun, aber Löcher im Deich kann man sich nur leisten, bevor die Sturmflut heranrollt. Es wird ein aktiver Prozess. Buy & Hold wird die beste Strategie sein, um die aufziehenden Turbulenzen möglichst unbeschadet zu überstehen. Nachdem (!) man sein Depot sturmfest gemacht hat. Also die potenziellen Verlierer der Entwicklungen lieber ausmisten und stattdessen (nur) auf absehbare Gewinner setzen und/oder Unternehmen, die sich anpassen können und werden.
Was nicht bedeutet, dass deren Aktienkurse nicht auch unter Druck geraten können. Denn das werden sie, wenn die Stimmung hochkocht und die Börsen wieder von Panik ergriffen werden. Doch mit den richtigen Unternehmen im Depot kann man sich dann weitgehend entspannt zurücklehnen und deren Management die Arbeit übernehmen lassen. Man selbst muss dann nur ggf. mal etwas Fine-Tuning betreiben, falls sich herausstellt, dass man eine Entwicklung doch etwas zu optimistisch oder pessimistisch eingeschätzt hat. Aber nur dann...
Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig
Disclaimer: Habe Danaher, GE Healthcare, Thermo Fisher auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.


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Hallo Michael. Du bist ja echt negativ gestimmt für die nächten Monate an der Börse. Ich würde da etwas gelassener sein. Einfach einen ETF auf den MSCI World besparen und nicht zu oft ins Depot schauen. Das halte ich immer noch für am besten. Den Markt langfristig outzuperformen ist extrem schwierig wenn nicht unmöglich.
AntwortenLöschenIch empfinde mich nicht als "ungelassen". Nach fast 40 Jahren Börse hab ich aber durchaus ein gewisses Gespür entwickelt für Situationen und es hat sich selten bewährt, wenn ich das ignoriert habe. 2020 und 2022 habe ich (zu) wenig reagiert, obwohl ich ziemlich sicher war, was passieren würde - aber ich hab halt gedacht, es wird schon nicht so schlimm kommen. Und 2024/25 beim Einbruch der Finanzinvestoren habe ich auch zu langsam die richtigen (und nötigen?) Schlüsse gezogen, was am Ende einiges an Geld gekostet hat. Aber man kann nicht immer richtig liegen - nur wenn man von etwas überzeugt ist, wenn man es "(vorher-)sehen" kann, sollte man es dann ignorieren? Ich versuch mich diesmal anzupassen und vorzubereiten - ohne alles auf eine Karte zu setzen (und mich ggf. richtig zu verzocken).
LöschenZweie xxx - ein Gedanke!
AntwortenLöschenDa konnte ich Freitag 160 Stk. DRAG für 83,30 €. ordern, auch weil ich wiedermal zu früh ausgestiegen war und nun prompt deine Bestätigung konform meines Investment-Cases.
Mein Einstiegskurs bei der DRAG ist 83,78 Euro - die dritte Trance (und ein Viertel des Gesamtbestands). Zuerst hab ich bei 88,80 Euro zugegriffen, danach zweimal bei weiter fallenden Kursen aufgestockt. Im Grunde ist die Position damit größer ausgefallen, als anfangs gedacht. Fühle mich mit der Größe/Gewichtung jetzt aber ziemlich wohl.
LöschenSehr gute Gedanken. Habe diese als Ausgang für meinen Beitrag auf dem Blog genommen.
AntwortenLöschenCool. Und danke für die Erwähnung und Verlinkung auf deinem Blog, Ahsen. =)
LöschenIch sehe das sehr ähnlich. Die aktuelle Marktberuhigung wirkt auf mich eher wie eine Momentaufnahme als eine echte Entwarnung. Die strukturellen Schäden an der Energieinfrastruktur und die daraus entstehenden Engpässe werden sich zeitverzögert bemerkbar machen. Das erinnert stark an die Dynamik von 2022.
AntwortenLöschenDRAG ist die eine Seite - z.B. Ballard, plug P., z.B. Nordex und jetzt auch eine geplante Zusammenarbeit von Rheinmetall und ITM im grossen Stil auf der anderen Seite?
AntwortenLöschenEs gibt ja viele interessante Ansätze im Bereich (dezentraler) Energieversorgung. Auf absehbare Zeit werden das aber nur Ergänzungen bleiben und ÖL/Gas unser Leben weiterhin dominieren. Was danach kommt, entscheidet nicht nur die Wirtschaftlichkeit, sondern auch Verfügbarkeit und Infrastruktur, also praktikable Nutzungsmöglichkeiten. Auf jeden Fall spannend...
LöschenSpannend, dass du oben Danaher erwähnst. Die habe ich aktuell ein bisschen im Blick, da da viel berg ab ging die letzten Jahre. Gleichzeitig wurden die Prognosen nun so angehoben, dass man eigentlich an die Vor-Corona Zeit anknüpfen müsste. Der Spin-Off Veralto läuft auch gut.
AntwortenLöschenBeide sollten relativ KI resistent sein und mein SAAS-Armageddon nicht noch mehr verstärken. (!)
Aktuell überlege ich eigentlich nur noch ab jetzt schon oder ob die höheren Zinsen etc über das Jahr noch bessere Einstiegschancen bieten werden. Bei Danaher sehe ich das Zeitfenster kritischer, da irgend wann auch der breite Markt die EPS Erholung sicher realisieren wird.
Moin Christoph,
LöschenDanaher und der gesamte MedTech-Sektor sollten wirklich bald "geerdet" und die zu hohen Erwartungen völlig aus den Kurs ausgepreist sein. Was mich vom gesamten Gesundheitssektor allerdings abschreckt, ist die US-Gesundheitspolitik unter RJ Kennedy (und Trump). Das geht weder mit rechten Dingen zu noch nach wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern eher mit Wünschelroute und und Irrlichtern. Ich empfinde das als Minenfeld und habe daher Hemmungen, mich darauf einzulassen.
Wie siehst/empfindest du das? Oder bereitet dir das keine Kopfschmerzen?
Das musste ich jetzt erst einmal mit Gemini besprechen. Nach der Rücksprache würde ich das Risiko nicht so groß, zumal (vermutlich) zeitlich begrenzt einordnen:
Löschen1. Die Zeitrechnung: Wie lange noch?
Donald Trump trat seine zweite Amtszeit am 20. Januar 2025 an. Gemäß der US-Verfassung endet diese regulär am 20. Januar 2029.
Verbleibende Amtszeit: Stand heute (20. April 2026) sind es noch knapp 2 Jahre und 9 Monate (ca. 33 Monate).
Die "Lame Duck"-Phase: Rechnet man die Zeit ab dem Wahlkampf für 2028 ab, hat die Regierung noch etwa 18 bis 20 Monate Zeit für massive, ungestörte Gesetzesänderungen, bevor der Fokus auf die Nachfolge rückt.
2. Sündenregister: Was hat RFK Jr. bisher "angerichtet"?
Seit seinem Amtsantritt als Gesundheitsminister (HHS Secretary) Anfang 2025 hat Robert F. Kennedy Jr. (RFK Jr.) die Branche kräftig durchgeschüttelt. Hier ist der Statusbericht 2026:
Der Kahlschlag beim Personal: RFK Jr. hat das Ministerium (HHS) massiv restrukturiert. Rund 10.000 Stellen wurden gestrichen oder durch Abgänge nicht neu besetzt. Das trifft besonders die FDA (-19 %) und die CDC (-18 %).
Forschungsstopp: Das Budget der NIH (National Institutes of Health) ist im laufenden Fiskaljahr 2026 stark unter Druck. Die Mittelbindungen für neue Forschungsstipendien lagen im März 2026 rund 34 % unter dem Niveau von 2024.
mRNA-Stopp: Verträge im Wert von ca. 500 Mio. $ für die Entwicklung neuer mRNA-Impfstoffe wurden gekündigt.
Ideologische Wende: Die Empfehlungen für Standard-Impfungen wurden gelockert oder mit neuen Warnhinweisen versehen, was die Planungssicherheit für die großen Pharma-Akteure zerstört hat.
Das "Irrlichter"-Risiko: Kissig hat recht – wenn wissenschaftliche Standards durch ideologische "MAHA"-Ziele (Make America Healthy Again) ersetzt werden, sinkt die Effizienz der Zulassungsprozesse massiv.
3. Was könnte er noch tun? (Zukunftsszenarien)
Die "Wünschelroute" könnte in den nächsten zwei Jahren noch folgende Minen legen:
Zulassungsstau: Durch den Personalmangel bei der FDA könnten neue Medikamente (die "Blades" für Danahers "Razors") Jahre länger brauchen, bis sie auf den Markt kommen.
Umverteilung der Gelder: Weg von der Molekularbiologie (Danahers Stärke) hin zur Ernährungs- und Umweltforschung. Das würde die Nachfrage nach High-End-Sequenzierern und Bioprocessing-Anlagen dämpfen.
4. Der "Danaher-Schadensbericht": Eine Schätzung
Danaher ist glücklicherweise kein klassisches Pharma-Unternehmen, das von einem einzelnen Medikament abhängt, aber es ist der Infrastruktur-Zulieferer. Wenn die Branche weniger forscht, braucht sie weniger Schaufeln.
Finanzielle Schadensschätzung (Hypothetisch für 2026/27):
Umsatz aus dem akademischen Sektor (~20-25 % des DHR-Umsatzes):
Wenn die NIH-Förderung um 30 % schrumpft, könnte das den Gesamtumsatz von Danaher um ca. 5 % bis 7 % drücken.
Verzögerungen im Bioprocessing:
Sollte die FDA-Zulassungsrate für neue Biologika um 20 % sinken, verlangsamt das das Wachstum der profitablen Verbrauchsmatieralien (Biotech-Sektor) um geschätzt 2 % bis 3 % pro Jahr.
Die "P/E-Kompression" (Bewertung):
Der Markt preist ein "Kennedy-Risiko" ein. Das KGV könnte dauerhaft 2-3 Punkte niedriger liegen als im historischen Schnitt.
-> vll warte ich nochetwas ab und dann renne ich irgendwann hinterher :D
Hi Michael, danke für Deine wertvollen Einsichten. Welche Sektoren/Branchen siehst Du als potenzielle Gewinner und Verlierer für den anstehenden Boom&Bust Zyklus?
AntwortenLöschenIch gehe wegen der anhaltenden Schäden an der Energieinfrastruktur ja von deutlich erhöhten Energiepreisen und deshalb erhöhten Produktpreisen aus. In einem ähnlichen Szenario 2022 haben besonders Branchen gelitten, die intensiv von Energiepreisen, Lieferkettenproblemen oder Kaufkraftverlusten der Verbraucher betroffen waren.
Löschen-o Energieintensive Industrien: Branchen wie die chemische Industrie, Metallerzeugung, Glas- und Keramikherstellung sowie die Papierindustrie litten unter den sprunghaft angestiegenen Preisen für Gas und Strom.
-o Baugewerbe: Hohe Materialpreise, Lieferengpässe und steigende Finanzierungskosten (Zinsen) führten zu einem deutlichen Rückgang der Bauinvestitionen, insbesondere im Wohnungsbau, aber auch zu Verzögerungen und/oder Verschiebungen von Wind- und Solarparks, die könnten also erneut nur vermeintliche Gewinner einer Energiekrise sein!
-o Verkehr und Logistik: Steigende Kraftstoffpreise (Diesel, Benzin) belasteten Transportunternehmen stark. Der inzwischen deutlich höhere Anteil an E-Fahrzeugen ist hier nur bedingt besser dran, da ja auch von steigenden Strompreisen auszugehen ist.
-o Lebensmittelhandel und verarbeitendes Gewerbe: Durch stark gestiegene Einkaufspreise für Rohstoffe und Energie (insbesondere Speisefette, Molkereiprodukte) standen die Margen unter Druck. Die bereits erfolgten Preisschübe bei Düngemitteln machen perspektivisch aber auch Getreide, Brot, Fleisch deutlich teurer.
-o Einzelhandel (nicht lebensmittelbezogen): Durch die hohe Inflation und die sinkenden Reallöhne hielten sich private Haushalte bei Anschaffungen zurück, die nicht zum täglichen Bedarf gehören. Möbel waren weniger gefragt, aber auch Kleidung. Wobei der Textilsektor 2022 auch zusätzlich noch durch die Corona-Effekte (Work-from-Home und Onlinehandel) getroffen wurde, weil die Menschen damals noch nicht wieder vor Ort shoppen gingen. Das ist inzwischen anders, wenngleich der Onlinehandel auch ohne diesen Rückenwind ja weiterhin kräftig zulegt - auch zulasten des stationären Handels.
-o Finanzsektor: Und wir dürfen bei steigenden Preisen und Inflationsdruck auch nicht die Gefahr, die von steigenden Zinsen ausgeht, vernachlässigen. In 2022 gerieten viele Gewerbeimmobilieneigentümer in Schieflage wegen zunehmender Leerstände und Mietausfälle sowie steigender Zinslasten für auslaufende Kredite. Das traf dann in der Folge auch kreditgebende Banken und wir haben im Frühjahr 2023 dann ja die "kleine Finanzkrise" erlebt mit mehreren großen Bankenpleiten in den USA. Das hat den gesamten Finanzsektor in Sippenhaft genommen und die Kurse mächtig abrutschen lassen.
Ich glaube nicht, dass sich 2022 1:1 wiederholt, aber man kann aus den damaligen Problemen und Abläufen Schlüsse ziehen und in 2026 vergleichen, ob es ähnlich läuft oder wo es ggf. Abweichungen (und damit besondere Chancen) gibt. Also Augen auf! ;-)
Hi Michael. Welche Sektoren hältst du in einem solchen Szenario für besonders aussichtsreich? Wie könnte insbesondere Software reagieren? (vermutlich auch indirekt betroffen bei steigenden Zinsen und riskoff)
AntwortenLöschenWann denkst du, fängt der Markt an, das ganze einzupreisen?
LöschenIch denke, dass sich folgende Branchen in (m)einem Szenario mit erhöhten Preisen und Energiekosten, Inflationsdruck und Zinssteigerungen gut/besser behaupten werden:
-o Energie- und Rohstoffsektor: Aufgrund steigender Öl-, Gas- und Kohlepreise dürften Energieunternehmen deutliche Gewinnsteigerungen verzeichnen, ohne dass ihre eigenen Kosten in gleichem Maße mit steigen. Risiko wird eine erneute "Übergewinnsteuer", die die Gewinne teilweise wegfressen könnte.
-o Rüstungsindustrie: Durch die geopolitischen Spannungen und den Rüstungsmegatrend dürfte die Nachfrage weiter ansteigen; die jüngsten Erfahrungen der Golf-Staaten dürften dort dem Schutz ihrer Energieinfrastruktur einen sehr viel höheren Stellenwert einräumen und hier erheblich mehr Nachfrage auslösen.
-o Finanzsektor (Banken & Versicherungen): Durch die Zinswende und steigende Zinsen der Zentralbanken dürften Banken wieder höhere Margen bei Krediten erzielen. Wie ich bereits bei den Risiken ausgeführt hatte, stehen dem allerdings wachsende Kreditausfallrisiken gegenüber. Großbanken dürften besser klarkommen als Regionalbanken. Zudem spielen die Alternativen Asset Manager auf beiden Seiten des Tisches mit: während sie bei Exits leiden und aufgrund der fallenden Bewertung ihrer Assets, können sie ihr großes Volumen an "Dry Powder" antizyklisch investieren - und so die Gewinne von Übermorgen eintüten.
-o Grundstoffindustrie & Rohstoffproduzenten: Unternehmen, die Stahl, Metalle oder Agrarrohstoffe produzierten, profitierten von der Möglichkeit, die hohen Rohstoffpreise an die Endverbraucher weiterzugeben. Texas Pacific Land und Deutsche Rohstoff sollten sehr gut klarkommen. Bei Stahlunternehmen gibt es wieder die Schattenseite dass sie sehr energieintensiv sind und daher hohe Energiepreise zur Belastung werden.
-o Konsumgüterhersteller: Unternehmen, die Produkte des täglichen Bedarfs herstellen oder verkaufen (Supermärkte, Discounter), dürften ihre steigenden Kosten durch Preissteigerungen an die Konsumenten weitergeben, da die Nachfrage trotz hoher Preise weitgehend stabil bleiben dürfte. Costco hat sich 2022 hier ganz hervorragend geschlagen mit seinem Mitgliedschaftsmodell und den ansonsten niedrig(st)en Preisen. Das sollte auch 2026 wieder so laufen.
Anders als 2022 dürfte es für die Tourismus- und die Gastronomiebranche laufen, denn nach dem Wegfall der Corona-Schutzmaßnahmen gab es einen erheblichen Nachholeffekt, der dem Gastgewerbe und der Luftfahrt trotz gestiegener Kosten fette Zuwächse und Gewinne bescherte. Hier ist in 2026 eher mit Einbrüchen zu rechnen (wobei im Hotelgewerbe perspektivisch der Einsatz von humanoiden Robotern einen echten Kick geben könnte, da dort die Personalkosten eine der größten Belastungen darstellen und damit mittelfristig überdurchschnittliche Gewinnpotenziale entstehen).
Die Softwarebranche wird weiter unter dem KI-Impact leiden, andererseits durch den eigenen Einsatz von KI massiv Personalkosten einsparen. Wer einen funktionierenden Burggraben und/oder supertreue Kunden hat, wird deutlich profitieren. Die anderen kommen unter die Räder.
Mit dem Einpreisen der Inflationsproblematik ist schon bald zu rechnen, jedenfalls mit dem Start. Denn wenn die Produzentenpreise deutlich hochschnellen, dann werden auch die Marktbeobachter, Wissenschaftler usw. immer häufiger und immer lauter von Inflation und drohenden Zinsanhebungen sprechen. Das wird die Stimmung drücken, weil die Menschen beim Einkauf auch die ersten eigenen Preissteigerungserlebnisse haben werden und daher Theorie auf Praxis trifft. Denke, es wird noch im 2. Quartal losgehen...
Es ist aktuell eine spannende Marktphase – gleichzeitig stellt sich für mich die Frage, wo Kapital sinnvoll zwischengeparkt werden kann. In diesem Zusammenhang habe ich eine Position aufgebaut, die für den einen oder anderen interessant sein könnte.
AntwortenLöschenIch habe die Aktienanleihe DE000VY0LSR7 (Vontobel) auf Rheinmetall ins Depot aufgenommen.
Es handelt sich um eine klassische Aktienanleihe mit einem Kupon von 10,50% p.a. und einem Basispreis von 1.200 € (rund 24% unter dem aktuellen Kurs) bei Laufzeit bis Juni 2027. Die Nettorendite liegt nach Kosten bei etwa 9,7% p.a.
Meine Überlegungen dazu: Europa und die NATO stehen vor einer strukturellen Aufholphase bei Verteidigungsinvestitionen – weitgehend unabhängig vom kurzfristigen Verlauf geopolitischer Konflikte. Rheinmetall verfügt über einen Auftragsbestand von über 40 Mrd. €, was eine hohe Visibilität für die kommenden Jahre bietet. Sollte die Aktie am Bewertungstag unter 1.200 € notieren, erfolgt eine Einbuchung – auf einem Niveau, das einem geschätzten KGV 2027e von rund ~19x entspricht und damit aus meiner Sicht auch für langfristige Investoren vertretbar erscheint.
Risikoseitig ist zu beachten: Es handelt sich um eine Inhaberschuldverschreibung mit Emittentenrisiko gegenüber der Vontobel Financial Products GmbH (garantiert durch Vontobel Holding AG, Moody’s A3). Es besteht keine Einlagensicherung und keine Besicherung (kein TCM). Im Falle einer Emittenteninsolvenz droht ein Totalverlust. Allerdings sollte es bei sich verschlechternder Bonität in der Regel ausreichend Zeit geben, die Position zu veräußern.
Es ist tatsächlich einige Jahre her, dass ich zuletzt eine Aktienanleihe im Depot hatte.
Vielen Dank für den Tipp. Diese Rheinmetall-Aktienanleihe klingt wirklich interessant. Mit einer Laufzeit von etwas mehr als einem Jahr ist der Zeitraum übersichtlich, die Verzinsung sehr attraktiv.
LöschenWarum wird sowas überhaupt ausgegeben? Da lässt sich ja für Rheinmetall am Kapitalmarkt günstiger Geld bekommen. Wo liegt der Haken?
LöschenDas ist ein Missverständnis. Es ist keine Unternehmensanleihe, sondern eine Aktienanleihe. Emittent (Herausgeber) ist nicht Rheinmetall, sondern das Bankhaus Vontobel; Rheinmetall hat damit eigentlich gar nichts zu tun. Vontobel zahlt die Zinsen und am Ende der Laufzeit das Anleihekapital zurück - es sei denn, der Kurs der Rheinmetall-Aktie steht dann unterhalb von 1.200 Euro. Dann bekommen die Anleihegläubiger ihr Kapital in Form von Rheinmetall-Aktien zurückgezahlt (Vontobel wird also entweder die nötige Anzahl an Aktien bereits im Bestand haben, oder muss sie sich dann am Markt beschaffen).
LöschenKurze Frage, weil du dir so unglaublich viel Arbeit Makro, Stock Picking und und deinen Strategien machst. Welches deiner Wikifolios hat seit Auflage bzw. in den letzten 5 Jahren Benchmarks wie den MSCI World, S&P500 oder NASDAQ100 geschlagen?
AntwortenLöschenIch fürchte keines...Sollte man seine Lebenszeit dann nicht sinnvoller nutzen?
In Unternehmen zu investieren ist 40 Jahren mein Hobby und inzwischen auch mein Beruf (als Investor). Ich tue das, was ich mag und möchte und verdiene damit auch noch mein Geld. Es ist - für mich - also die Traumkombination. Insofern kann und möchte ich meine Lebenszeit nicht "sinnvoller" nutzen.
LöschenDass meine Wikis nicht ganz so gut abgeschnitten haben bisher wie der eine oder andere Vergleichsindex, stimmt. Das Nebenwerte-Wiki mit annähernd 12% Zuwachs pro Jahr (nach Kosten) macht allerdings eine passable Figur. Und das hier der Schwerpunkt auf deutschen Nebenwerten liegt wäre als Vergleichsindex der SDA wohl angebrachter...
Gründe für die Underperformance gibt es einige: die Wiki-Gebühren, die vergleichsweise späte Auflage der Wikis (alle nach der langen Bullenmarktphase bis 2019, wodurch bei der Durchschnittsperformance diese Superjahre natürlich "fehlen"), aber auch die eine andere Fehlentscheidung (zu langes Festhalten an MedTechs wie Danaher oder Thermo Fisher) und der nicht so starke Fokus auf die Mag7.
In der Schule musste ich mal einen Roman lesen: "That was then, this is now". Mal sehen, was die Zukunft so bringt... ;-)
Die gleiche Frage stelle ich mir gerade mit Blick in mein Depot und wird vielleicht noch mehrere Anleger betreffen?! Natürlich hätte man es-jetzt in der Nachbetrachtung- mit einem Index viel einfacher haben können. Dazu noch ergänzend: Hängt die Outperformance dieser genannten Indizes nur mit den Mag7+KI zusammen? Wenn ja, wird das auch in Zukunft so sein? Von vielen Seiten wird ja behauptet, KI steht erst am Anfang. Wenn KI dominierend bleibt, sollten auch die Indizes mit diesen Werten weiter klettern. Und was passiert mit den Value-Titeln? Lohnen sich dort Investitionen oder bleiben das auf absehbare Zeit nur Schnäppchen. Vielleicht ist gerade jetzt die richtige Zeit um über solche Grundsatzfragen mal nachzudenken. Gruß Mario
AntwortenLöschenMoin Mario,
Löschengenau das ist der Punkt: rückblickend weiß man, was besonders gut performt hat und kann damit prima Vergleiche ziehen, bei denen dann alle anderen schlecht aussehen. Gleichzeitig gab und gibt es aber viele Alternativen, die sich ggf. auch nicht ganz so top entwickelt haben.
Wer die letzten 5 Jahre die Mag7 nicht oder nicht hoch genug gewichtet im Depot hatte, hatte kaum eine Chance, den S&P500 zu schlagen. Man schaue nur mal auf Buffett - und der hatte wenigstens Apple als Superkraft. ;-)
KI trägt momentan die Hyperscaler auf Flügeln - aber profitieren werden auch viele Industriewerte, die KI für große Profitabilitätssteigerungen nutzen können. Möglicherweise werden diese Value-Unternehmen die neuen Börsenüberflieger? Wir werden sehen...