Samstag, 16. Mai 2026

Wochenrückblick 20/2026: Meine stärksten Kurstreiber im Depot waren Rocket Lab, Pfisterer, Vincorion, Almonty, LandBridge - die gleichen Tops und Flops wie letzte Woche?!

Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.

Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung nebst altkluger Einschätzungen. Natürlich... ツ

Dies waren in der vergangenen Börsenwoche die größten Gewinner und Verlierer in meinem Depot:

📈 Rocket Lab +19,9%
📈 Pfisterer Holding +13,9%
📈 LandBridge +8,1%
📈 Costco +5,5%
📈 Quanta Services +4,7%
📈 Deutsche Rohstoff AG +4,4%
📉 KKR & Co. -4,1%
📉 Rheinmetall -7,3%
📉 Almonty Industries -10,1%
📉 Vincorion -12,5%

Es war eine weitere volatile Börsenwoche, in der der S&P 500 und NASDAQ am Ende deutliche hauchdünne Kurszuwächse verzeichneten und - zumindest zwischenzeitlich - neue Allzeithochs markierten. Soweit die Parallelen zu den Vorwochen. Und doch...

Zunächst mal hat die US-Notenbank (endlich) einen neuen Chef: Kevin Warsh wird ab sofort die Spitze übernehmen und nach acht Jahren Jerome Powell ablösen. Während Warsh Trumps Favorit ist, schlug er beinahe pausenlos auf den "späten Powell" ein, weil dieser nach Ansicht von Trump die Zinsen nicht schnell und stark genug gesenkt hatte. Trump überzog Powell daher nicht nur mit verbalen Attacken, sondern unterstellte ihm auch Verschwendungssucht (man finde die Ironie!) und ließ ihn vor Gericht dafür anklagen. Erst nachdem diese Klagen zurückgezogen wurden, machten Widerständler in den Reihen der Republikaner Warshs Anhörung im Kongress möglich, wo dieser dann mit 55:45 denkbar knapp gewählt wurde. Und genauso uneinig zeigt sich auch die Fed selbst, wie die letzten Abstimmungen zeigten.

Wohl auch deshalb bleibt Powell auf seinem Posten - jedenfalls im Notenbank-Gouverneursrat, wo er seine Amtszeit bis Ende Januar 2028 voll ausschöpfen will. Und somit bleibt ein (weiterer) Notenbanker an den Entscheidungshebeln, wenn es um die Frage der Stabilität der US-Währung geht. Und die Inflationsdaten zeigen, wie wichtig dieses Thema ist, bleibt und wieder wird.

Darüber hinaus bleibt abzuwarten, ob Warsh wirklich nur Trumps Handlanger sein will wird und einfach ohne Rücksicht auf (Währungskurs-) Verluste einfach die Zinsen senkt, oder ob er seiner Verpflichtung gerecht wird. Und die lautet dem Gesetz nach Preisstabilität und ein gesunder Arbeitsmarkt. Sollte Warsh aber nicht schnell die Zinsen senken können, ob aus eigenem Antrieb heraus oder mangels Mehrheiten in der Notenbank, wird ihn schnell die Verachtung und zumindest verbale Kanonade Trumps treffen. Es dürfte sich also lohnen, Popcorn vorrätig zu halten.

Derweil tourt Trump durch China und macht sich dort zum Hans. Es ist wirklich kläglich mit ansehen zu müssen, wie Trump "die Supermacht USA verzwergt", wie n-tv titelte. Und die Bilder sprechen eine ganz ähnliche Sprache: Trump ist geradezu unterwürfig, während Chinas Staatslenker Xi Jinping kühl und distanziert bleibt. Der "Führer der freien Welt" ist in der Defensive. Ob er selbst noch an sein Schauspiel glaubt?
 
Trump spielt den Verleihnix, doch er sieht sich selbst eher als Asterix, den cleveren und mitreißenden Anführer, dem alle gern und bedingungslos folgen. Dabei würde die Welt Trump am liebsten in der Rolle des Troubadix sehen: gefesselt und mundtot, während der Rest der Welt feiert.

Doch so schnell wird das nicht passieren, denn Trump findet sich selbst total klasse und stets im Recht. Inzwischen folgen ihm auf seinem Weg immer weniger Bürger und ebenso verhält es sich mit den Wählern. In einigen Monaten sind die Midterm-Elections und da dürfte es nach derzeitigem Stand für die Republikaner kräftige Einbußen geben; es droht der Mehrheitsverlust im Senat und dann wäre es vorbei mit dem Durchregieren, weil dann die Demokraten Trumps Dekretismus endlich etwas Wirksames entgegenzusetzen hätten. Ich sage "endlich" nicht, weil ich Trumps Politik für falsch halte (was ich ja ganz offensichtlich tue), sondern weil ich sein Vorgehen für demokratiefeindlich halte. Er regiert mittels Erlassen und hebelt damit die Rechte des Parlaments aus, das sich dies aufgrund der republikanischen Mehrheiten gefallen lässt. Dieser Weg führt geradezu in eine Autokratie, besser bekannt als Diktatur. Und dabei ist es völlig egal, ob es ein rechter oder ein linker Populist ist, der diesen Weg beschreitet, ob ein Trump, ein Orban, ein Erdogan, ein Putin, ein Xi Jinping, ein Hugo Chavez, eine Marie LePen oder ein Nigel Farage. Als überzeugter und freiheitsliebender Anhänger der repräsentativen Demokratie sehe ich diese Entwicklungen mit großer Sorge! Und es macht natürlich einen Unterschied, ob dies in einer Bananenrepublik in Südamerika oder Afrika stattfindet oder im "Land der Freien und Tapferen", wie sich die USA selbst besingen. Dem Land mit der mächtigsten Wirtschaftskraft der Welt, dem stärksten und größten Militär und mit Atomraketen - das von einem labilen Geist geführt wird. "Verzwergung" halt, aber eine sehr gefährliche...

So, back to business. Die Inflation nimmt weiter Fahrt auf, denn soeben wurden die US-Einkaufspreise gemeldet und die liegen bei +6% gegenüber dem Vorjahreswert. Natürlich maßgeblich angetrieben durch die Energiepreisentwicklung. Damit steigen die Kosten der Unternehmen deutlich an, was diese entweder zulasten ihrer Margen einfach schlucken (und dann entsprechend niedrigere Gewinne erzielen) oder aber an ihre Kunden weitergeben, also andere Unternehmen und am Ende den Verbraucher. Dies wird so kommen, ob man das nun ignoriert, oder nicht. In drei bis sechs Monaten sehen wir massive(re) Preisschübe bei Nahrungsmitteln, den Dingen des täglichen Bedarfs, bei Restaurants, überall. Das wird Zinserhöhungen auf den Plan rufen und dann erleben wir ein zweites 2022. Die Aktienkure der REITs (Real Investment Trusts) zeichnen das schon vor und fallen entsprechend. Insbesondere dürfte es erneut den Bereich Commercial Real Estate treffen, weil viele Unternehmen kein bzw. nicht genügend finanziellen Spielraum haben, um die Nase noch über Wasser zu halten. Wenn ihnen noch mehr Kunden wegbrechen, gehen hier schnell die Lichter aus. Und das führt zu steigenden Leerständen bei Büros und Gewerbeimmobilien, also zu sinkenden Mieteinnahmen bei den Vermietern. Die daraus ihre Kredite bei den Banken bedienen. Wie gesagt, diese Abwärtsspirale haben wir bereits 2022 gesehen und der Plot folgt nun dem gleichen Script. Nur ein paar Darsteller haben gewechselt, aber es ist nur ein lausiges Remake...

"Die Wirtschaft" und "das BIP" wird das nicht so stark zeigen, jedenfalls nicht in den USA. Denn dort gibt es ja die KI-Giganten, die weiterhin für große Nachfrage und Goldgräberstimmung sorgen - und entsprechend hohe Cashflows und Gewinne einfahren. Das zieht jede Statistik nach oben, aber wenn man an den guten Carl Gauss denkt und seine Normalverteilungskurve, schwant einem Schlimmes: die Daten werden von einigen Wenigen an den Endpunkten dominiert, die breite Masse leidet. So erklärte der Chef von Kraft Heinz kürzlich, man sehe an den eigenen Umsätzen, dass die Menschen ab dem 20. eines Monats kein Geld mehr hätten. Und Costco, deren Geschäfte weiterhin bombig laufen, erklärte, man sehe die typischen Rezessionsmuster, weil die Kunden nun wieder verstärkt auf günstigere Fleischsorten umsteigen würden. See the writings in the Wall...

Der Wirtschaftswinter naht und auch Anleger sollten sich wappnen. Dabei sollte es nicht darum gehen, einfach sein Depot leerzuräumen. Das ist selten eine gute Methode, denn dieses Markttiming funktioniert einfach nicht. Man verkauft und dann steigen die Aktienkurse trotzdem einfach weiter und man verliert Rendite. Und wenn es dann wirklich abwärts geht, verpasst man den Tiefpunkt zum Wiedereinstieg. Entweder man greift ins fallende Messer und kauft damit zu früh, so dass man dann seine Verluste begrenzen muss und ordentlich Geld verliert. Und/oder man kauft zu spät und lässt so viel Kurspotenzial liegen - weil man dem Anstieg nicht traut (denn meistens steigen die Kurse schon Monate bevor die Schlagzeilen Erholung signalisieren) oder der Anstieg einfach zu schnell geht. So oder so man erwischt (so gut wie) nie den optimalen Höhepunkt für den Ausstieg und (so gut wie) nie den optimalen Tiefpunkt für den Wiedereinstieg. Nur bei rückwärts gewandten Blick auf den Chart sind diese Punkte dann klar zu erkennen. Beim Blick nach vor aber nicht!
Also sollte man das Markttiming lieber gleich lassen und stattdessen lieber auf Qualitätsunternehmen setzen, die den Sturm gut überstehen, selbst wenn ihr Aktienkurs aufgrund der Anlegerpanik vielleicht auch gedrückt wird. Aber die Kurse von Qualitätsunternehmen erholen sich wieder.
Meiner Erfahrung nach rentiert es sich unterm Strich mehr, wenn man einfach voll investiert ist bleibt und seinen Qualitätsunternehmen die Treue hält - solange es nicht außergewöhnliche Umstände gibt, eine Aktie dennoch zu verkaufen. Und mit außergewöhnlichen Umständen meine ich nicht einen Kurseinbruch, sondern z.B. die Erkenntnis, dass das Geschäftsmodell erodiert, der Burggraben löchrig wird oder das Management versagt. Dann - und nur dann - sollte muss man sich von seinem Unternehmen trennen! Nicht wegen des Kursverlaufs.

Der Fear-and-Greed-Index ist in der letzten Woche von 67 auf 63 Punkte zurückgegangen, was aber weitgehend auf den Einbruch am Freitag zurückgeht. Insgesamt war die Stimmung bis dahin weiter entspannt und ob sich nun ein Stimmungsumschwung abzeichnet, bleibt abzuwarten.  Aktuell signalisiert der F&G weiterhin "Gier". Der Zinsauftrieb dämpft die Stimmung und trotz Haussesegen trauen einige Anleger dem Braten nicht so richtig. Die totale Euphorie ist also noch (?) nicht ausgebrochen.


Nun der Blick in mein Depot, das in dieser Woche nach dem jüngsten Einbruch wieder etwas zulegen konnte. Dabei bliebt ein Muster bestehen, denn die größten Verlierer waren die Werte, die schon letzte Woche Federn lassen musste und die Gewinner sind auch alte Bekannte: vor allem Rüstung und Rohstoffe gaben nach, während KI-Werte und Weltraumabenteuer weiter haussierten.

Costco liefert einfach weiter ab

Costco meldete für den Einzelhandelsmonat April einen Nettoumsatz von 197,2 Milliarden Dollar, was einem Anstieg von 9,5% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der vergleichbare Umsatz, also die fünf Wochen bis zum 3. Mai 2026, ist um 11,6% gestiegen, darunter ein Zuwachs von 11,7% in den USA, 11,5% in Kanada und 11,5% in anderen internationalen Märkten. Der vergleichbare E-Commerce-Umsatz stieg mit 18,8% im Monatsverlauf erneut deutlich stärker.

Mein Fazit: Costco zeigt keine Anzeichen von Schwäche und bleibt einfach auf Erfolgskurs. In einem Szenario steigender Inflation und Konsumdruck auf die Verbraucher, neigt Costcos Business dazu, seine Stärken noch deutlich ausspielen zu können. Handlungsdruck kommt für Anleger hier also nicht auf!

Deutsche Rohstoff mit schwachen Zahlen. Ne, anders. Aber echt!

Bei der Deutschen Rohstoff AG sank der Umsatz im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 26% aufgrund geringerer Fördermengen und Absicherungsverlusten. Das operative Ergebnis (EBITDA) stieg jedoch um 192% auf 126 Millionen Euro, was vor allem auf einen Veräußerungsgewinn von 97 Millionen Euro aus dem Teilverkauf der Beteiligung an Almonty Industries zurückzuführen ist. Die liquiden Mittel haben sich auf 149 Millionen Euro mehr als verdoppelt und bieten damit die finanzielle Schlagkraft für eine rasche Ausweitung der Geschäftstätigkeit. Das Unternehmen erhöht die Anzahl seiner Bohranlagen von einer auf drei und plant, im Geschäftsjahr 2026 insgesamt 26 Bohrlöcher zu bohren, wodurch die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die Produktion in der zweiten Jahreshälfte 20.000 BOEPD übersteigt. Die Gesamtjahresprognose bleibt unverändert, mit einem erwarteten EBITDA von 290 bis 340 Millionen Euro und Investitionsausgaben von 215 bis 235 Millionen Euro.

Mein Fazit: Die Geschäfte brummen und die anhaltend hohen Ölpreis dürften für weitere Prognoseanhebungen im Jahresverlauf sorgen. Die Aktie ist nach wie vor eine der günstigsten auf dem deutschen Kurszettel und hat weiteres kräftiges Wachstumspotenzial.

Almonty gelingt der Durchbruch

Bleiben wir bei Almonty Industries, meiner Wolfram-Spekulation. Im ersten Quartal 2026 hat sich der Umsatz im Vorjahresvergleich von 7,9 Millionen auf 25,4 Millionen CAD mehr als verdreifacht. Ungewöhnlich daran ist, dass dieser Anstieg nicht auf den Produktionsstart in Sangdong in Südkorea zurückzuführen ist, sondern ausschließlich auf die verbesserte operative Stabilität im Bergwerk Panasqueira in Portugal, das damit weiterhin die wichtigste Produktionsstätte des Konzerns blieb.

Gleichzeitig unterstreicht diese Entwicklung die zunehmende operative Hebelwirkung des Geschäftsmodells, denn obwohl die Produktionskosten von 6,6 Millionen auf 11,8 Millionen CAD stiegen, wuchs die Kostenbasis deutlich langsamer als der Umsatz. Daraus ergeben sich entsprechende positive Auswirkungen auf die operative Rentabilität und so stieg das Ergebnis aus dem Bergbaubetrieb von 0,8 Millionen im ersten Quartal 2025 auf nun 13,0 Millionen CAD.

Der Bericht für das erste Quartal 2026 ist damit nach ein klarer Beleg für den tiefgreifenden Wandel des Unternehmens. Während Almonty in den letzten Jahren vor allem als hochspekulatives Wolfram-Explorations- und Projektentwicklungsunternehmen wahrgenommen wurde, präsentiert es sich zunehmend als strategisch positioniertes Rohstoffunternehmen mit einer soliden Kapitalbasis, Zugang zu institutionellen Kapitalmärkten und einer deutlich verbesserten operativen Größe - mit entsprechenden Skalierungsfortschritten.

Die operative Leistung im ersten Quartal 2026 war insbesondere durch einen erheblichen Umsatzanstieg, eine deutliche Verbesserung der operativen Rentabilität und eine weiterhin starke Liquiditätsposition gekennzeichnet. Die Aufnahme des Regelbetriebs in der wichtigsten Mine Sandong steht indes noch weiter aus.

Mein Fazit: Wichtigster Treiber bleibt bis auf Weiteres der Wolfram-Preis. Je mehr Menge Almonty produzieren kann, desto stärker wirkt sich der enorm gestiegene Rohstoffpreis dabei aus. Hieraus speist sich auch die weitere Phantasie für die Aktie. Der Fokus liegt hierbei natürlich auf den operativen Fortschritten in Sandong, sowohl bzgl. der Wolfram-Produktion, des Ausbaus der zweiten Produktionsstätte sowie des angrenzenden Molybdän-Projekts.

Almonty ist meine erfolgreichste Turnaround-Spekulation und bleibt ein wesentlicher Bestandteil meines Depots. Der spekulative Charakter und die Zugehörigkeit zum grundsätzlich zyklischen Rohstoffsegment verleihen dem Engagement erhebliche Volatilität und damit meinem Depot insgesamt mehr Schwankungen als ich es gewohnt bin. Der Rohstoff-Superzyklus, vor allem im Bereich "Seltener Erden" und KI-kritischer Rohstoffe wird die Preise weiter hoch halten und und damit die Gewinne antreiben. Wettbewerber mit nennenswerten neuen Produktionsstätten kommen im Wolfram-Sektor in den nächsten Jahren nicht an den Start. Chinas restriktive Exportpolitik bleibt daher Mana für Almontys GuV. Und mein Depot.

Rocket Lab hebt total ab

Erneut die Rakete abgeschossen hat mein Weltraumabenteuer Rocket Lab ab. Letzte Woche gab es Quartalszahlen und eine bahnbrechende Übernahme, in dieser Woche treibt die Phantasie beim größeren Wettbewerber und Platzhirsch SpaceX die Kurse Gier.

Das Weltraum -und Raketenunternehmen von Elon Musk, dürfte der mit größter Spannung erwartete Börsengang seit Jahrzehnten sein. Es wird erwartet, dass das Unternehmen beim Börsengang 40 bis 80 Milliarden Dollar einnehmen wird, was den bisherigen Rekordhalter, Saudi Aramco, in den Schatten stellen würde, der bei seinem Börsengang im Jahr 2020 "nur" 29 Milliarden Dollar einnahm.

Bei einer angepeilten Bewertung von rund 2 Billionen USD plant Elon Musk einen Free Float von lediglich 5% - allerdings gibt es unterschiedliche Aktien mit unterschiedlichen Stimmrechten, so dass er auf jeden Fall die Kontrollmehrheit behält und damit ausgeschlossen ist, dass er jemals als Chef gefeuert werden kann. Diese Allmacht scheint die Investoren aber nicht zu stören.

Damit SpaceX überhaupt in S&P 500 und Nasdaq 100 aufgenommen werden kann, und das gleich schon vom Start weg, haben die Indexanbieter eigens ihre Regeln angepasst: kürzere Wartezeiten, gelockerte Float- und Profitabilitätskriterien. Für Anleger ergibt sich daraus eine risikobehaftete Konstellation, selbst wenn sie keine Aktien von SpaceX erwerben. Denn aufgrund der schieren Größe und Marktkapitalisierung und dank der sofortigen Indexaufnahme, muss quasi jeder Fonds und jeder ETF, der den S&P 500 abbildet, umgehend massiv SpaceX-Aktien erwerben. Und damit wird nach dem IPO; egal zu welchem Kurs, die Nachfrage künstlich hochgetrieben. Und jeder S&P 500-Investierte bekommt damit anteilig SpaceX-Anteile ins Depot. Indirekt, aber auf jeden Fall nicht zu knapp.

Das ist eine gewaltige Wohlstandsverschiebung weg von Privat- und Kleinanlegern hin zu vermögenden Investoren und Hedgefonds, die bereits "pre IPO" investiert haben und dabei teilweise extrem niedrigere Preise bezahlt haben.

So ist Starinvestor Ron Baron schon seit vielen Jahren als Frühphaseninvestor mit dabei und Apollo Global Management ist mit an Bord, seit SpaceX und xAI fusioniert wurden. Zudem gab Brookfield soeben bekannt, nun ebenfalls 2 Milliarden Dollar in SpaceX investiert zu haben. Und auch Blackstone hält eine Beteiligung über seinen Blackstone Private Equity Strategies Fund (BXPE), dem auf die private Vermögensverwaltung ausgerichteten Fonds des Unternehmens. Ebenfalls beteiligt ist BlackRock mit rund 2 Milliarden Dollar.
So kritisch man dies werten kann muss, richtet es doch den Fokus auf einen extrem wachstumsdynamischen Sektor mit enormen Zukunftschancen. Und man muss Elon Musk bei aller kritischer Zurückhaltung zubilligen, dass er es war, der die Kosten für Weltraumtransporte massiv gesenkt hat damit erst für ein breiteres Publikum geöffnet hat. Nur deshalb sind überhaupt Sattelitennetzwerke wie Starlink (SpaceX) oder Leo (Amazon, ehemals "Kuiper" genannt) und weitere möglich geworden und eröffnen ganz neue Gedankenspiele hinsichtlich dauerhaft bemannter Mond- und Marsstationen, satellitengestützter Kommunikation, Weltraum-KI-Rechenzentren oder Rohstoffgewinnung auf anderen Planeten.

Und neben SpaceX wünscht sich einfach jeder, ob Regierungen, Unternehmen oder Kunden, weitere Anbieter, um sich nicht völlig dem Musk auszuliefern. Und Rocket Labs ist auf bestem Weg, hier ein bedeutender Mitspieler zu werden.

Mein Fazit: Rocket Lab ist raketengetriebene Dynamik pur und schießt auch mein Depot weiter in die Höhe. Die Bewertungsrelationen sind allerdings bereits seeehr abgehoben...

LandBridge LLC - (m)ein nächster Royalty-Play

Bei LandBridge LLC handelt es sich um einen Landbesitzer, der seit seiner Gründung im Jahr 2021 Land im Permian Basin (Texas) aufkauft. Das Perm-Becken ist die aktivste Region für Erdöl- und Erdgasexploration in den USA, weil dort noch reichlich Erdöl- und Erdgasressourcen vorhanden und die Erschließungskosten niedrig sind. Das dürfte euch von meinen regelmäßigen Berichten über Texas Pacific Land bekannt vorkommen.

Eine weitere Parallele ist, dass Horizon Kinetics größter Anteilseigner bei LandBridge LLC ist, die Investmentfirma des kürzlich verstorbenen Murray Stahl. Stahl zeichnete sich zeitlebens als Investor mit Weitblick und ausgezeichneter Spürnase für Gelegenheiten aus. Und das führt uns zu und mich in LandBridge.

LandBridge ist mit einer Marktkapitalisierung von gerade einmal 5,5 Milliarden Dollar vergleichsweise klein. Und es kein Öl- und Gasunternehmen. Es produziert nichts. Es besitzt lediglich Grundstücke an den strategisch wichtigsten Standorten des Perm-Beckens. Es ist der Grundstückseigentümer, der anderen die Nutzung seines Landes gestattet. Im Gegenzug erhält das Unternehmen Lizenzgebühren, Nutzungsrechte an der Oberfläche und andere Cashflows, die direkt in das Endergebnis einfließen.

Und das mündet darin, dass - festhalten - jeder erwirtschaftete Umsatzdollar einen freien Cashflow von 0,80 Dollar generiert. Was für ein hocheffizientes Geschäftsmodell!

Ich werde LandBridge noch ausführlich vorstellen, aber da ich die Aktien inzwischen als kleine Position im Depot habe, und weil der Kurs diese Woche zu den Top-Performern zählt, ist es mir an dieser Stelle schon mal eine Erwähnung wert.

Private Credit: Voll am Ende

Zuletzt darf ein Abriss zu Private Credit nicht fehlen. Natürlich nicht. Ich mache es an dieser Stelle kurz, weil ich dazu vor einigen Tagen eine ausführliche Positionierung verfasst habe.
Es gibt Rauch, es knackt im Gebälk, aber ein Flächenbrand ist nicht zu befürchten erwarten. Dennoch ist die Stimmung entsprechend panisch und das sorgt für Gelegenheiten. So ist und bleibt KKR mein Sektorfavorit und ich erwarte, dass das Unternehmen sich weiterhin als so starker Compounder erweist wie in den letzten Jahrzehnten.


Mein Vermögen hatte schnell und stark auf +10% zugelegt, doch nach einigen heftigen Rücksetzern lag es zum Ende des 1. Quartals bei -1,5%. Nach vier starken Wochen in Folge und einem anschließenden deutlicheren Rücksetzer, folgte nun wieder ein Wochenzuwachs um +1,0%. Meine 2026er Vermögensveränderung liegt nun bei +10% (YTD).

Meine Cashquote liegt bei für mich unüblichen 20% 10% 7,5% und meine Gründe dafür habe ich inzwischen ja mehrfach erläutert. Zuletzt und sehr ausführlich in meinem aktuellen Investor-Update.

Mein Investor-Update zum Q1/2026 - brandneu und in Farbe!
Auf welche Unternehmen und welche Schwerpunkte ich in meinem Depot setze zeigt mein Investor-Update, das ich immer zu Ende eines Quartals veröffentliche - quasi mein persönliches 13F.
Meine langfristige durchschnittliche Zielrendite liegt bei +15% pro Jahr. Bei diesem Wert lande ich selten; meistens liegt meine Performance bei über +20%, aber alle drei bis vier Jahre auch im Minus, teilweise satt. Seit ich meiner Ergebnisse ermittle, also seit 2011, komme ich auf rund 20% pro Jahr. Auch dank einiger herausragender Jahresergebnisse, zu denen insbesondere 2023 und 2024 zählen.

Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10% pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien herausdrängen lassen. Auch wenn heftige Korrekturen emotional stressig sind und der Weg zur Wunschrendite anschließend sehr viel länger ist. Ich versuche immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich nicht mit Aktien spekuliere, sondern in herausragenden Unternehmen investieren, dort also Miteigentümer werde. Auch deshalb fahre ich einen fokussierten Investmentstil mit selten mehr als 15 Werten im Depot. Ich will und muss mich in "meinen" Unternehmen eben gut auskennen. Ansonsten lasse ich lieber die Finger davon.

Der Kompetenzkreis gewinnt also immer mehr Bedeutung. Je älter ich werde und je länger ich an der Börse aktiv bin, desto größer wurde er (naja, etwas zumindest). Vor allem erkenne ich immer besser, welche Themen und Branchen außerhalb meins Kompetenzbereichs liegen - dummerweise zählen dazu meistens auch die neuen, besonders aussichtsreichen, aber auch gehypten Themen. In "den neuen heißesten Scheiß" investiere ich daher selten(er) - und wenn, dann mit einer kleinen spekulativ orientieren Position.
Es bleibt spannend - wie eigentlich immer an der Börse. ツ

Disclaimer: Habe die meisten der genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

2 Kommentare:

  1. Hallo Herr Kissig,
    Kevin Warsh ist mit Wirkung vom 15. Mai an die Spitze der Fed berufen worden und Jay Powell bleibt baw, längstens bis 2028 Mitglied des Gouverneursrat.
    Und wenn Sie aus dem "Organ" einen Orban machen, passt wieder alles :-)
    Herzliche Grüße aus München. Christian

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    1. Moin Christian,
      danke für die Hinweise; ich hab's korrigiert. Powell bleibt übrigens bis max. 31.1.2028 an Bord. ;-)

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