"Reiche Menschen sind dadurch reich, dass sie weniger ausgeben, als sie einnehmen."
(Ferdinand Piëch)
Montag, 15. Juli 2013
Dresdner Factoring: Übernahmeangebot annehmen oder auf Squeeze-out setzen?
Die Dresdner Factoring AG hat seit meiner Empfehlung im Februar 2012 eine rasante Unternehmens- und Kursentwicklung hingelegt, von 3,80 EUR auf rund 8,80 EUR oder etwa 140 Prozent. Dabei resultiert der Kursanstieg auch aus mehreren Sonderfaktoren: zunächst kaufte Aufsichtsratsmitglied Agerholm sukzessive mehr als 10 Prozent der Anteile zusammen, dann musste ein weiteres Aufsichtsratsmitglied, Jürgen Freisleben, für seine Wegold Holding ein (wohl 4 Jahre versäumtes) Pflichtübernahmeangebot abgeben und schließlich gab die abcfinance Beteiligungs AG im Juni bekannt, die Aktien der Dresdner Factoring für 8,75 EUR komplett übernehmen zu wollen. Seitdem liegt der Aktienkurs knapp über dieser Marke und wird zumindest bis zum Ende der Angebotsfrist am 26. Juli 2013 auch nicht darunter fallen. Die Bedingung, dass mindestens 70 Prozent der Aktien angedient werden müssen, ist bereits erfüllt. Denn die Wegold Holding und mindestens ein weiterer Großaktionär der Dresdner Factoring AG haben bereits zugestimmt und nachdem das Unternehmens selbst seine Aktien aus Rückkaufprogrammen, die es im eigenen Bestand hält, ebenfalls andienen wird, ist die Marke von 70 Prozent deutlich überschritten.
Für die übrigen Aktionäre stellt sich nun die Frage, ob man das Angebot annehmen oder seine Aktien behalten sollte und das sollte man alleine daran festmachen, ob die Dresdner Factoring attraktiv bewertet ist und man künftig von Kursanstiegen ausgehen kann. Ist dies nicht der Fall, sollte man aussteigen und die Aktien entweder über die Börse verkaufen (dann hat man sofort sein Geld) oder aber das Übernahmeangebot annehmen.
Kürzlich hat die DFAG ihre Halbjahreszahlen veröffentlicht und die können sich sehen lassen. Das Factoringvolumen ist auf 331 Mio. EUR gestiegen und erzielte ein Ergebnis vor Ertragssteuern (EBT) von 1,1 Mio. EUR. Zusätzlich wurde von den Banken erneut das Kreditvolumen angehoben, so dass die DFAG nunmehr über 52 Mio. EUR verfügen kann und durch die Andienung der 279.957 eigenen Aktien (9,87%) fließt der Gesellschaft Liquidität in Höhe von zusätzlichen rund 24,5 Mio. EUR zu. Und da diese Aktien ja zu deutlich niedrigeren Börsenkursen erworben wurde, wird es in 2013 einen deutlichen außerordentlichen Ertrag hieraus geben.
Vereinfacht auf das Jahr hochgerechnet ergäben sich also ein Factoringumsatz von 662 Mio. EUR und ein EBT von 2,2 Mio. EUR. In 2011 hatte die DFAG noch 458 Mio. EUR umgesetzt und einen Vorsteuergewinn von 1,6 Mio. EUR ausgewiesen (2010 lag dieser noch bei 0,8 Mio. EUR). Legt man nun die Konsensschätzung für den Gewinn von 0,69 EUR je Aktie für 2014 zugrunde, kommt man auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,8. Damit liegt das KGV deutlich höher als bei meiner Empfehlung im Februar 2012 und das Kurs-Umsatz-Verhältnis ist mit 5,77 ebenso wenig günstig, wie das Kurs-Buchwertverhältnis von 1,68. Allerdings weisen die Kennzahlen insgesamt auf keine Überbewertung hin, zumal Umsatz und Gewinn seit Jahren deutlich steigen. Das Unternehmen ist also bei 8,80 EUR fair bewertet.
Für einen Neueinstieg wäre mir der Kurs inzwischen zu hoch, aber als Aktionäre, der auf Kursgewinnen sitzt, stellen sich ja zwei Frage: möchte man die angefallenen Kursgewinne (jetzt) versteuern und welche Anlagealternativen bieten sich zurzeit? Behält man die Aktien weiter, arbeitet der Steueranteil für einen und fließt (noch) nicht ans Finanzamt. Der Vorteil des Zinseszinsfaktors liegt also aufseiten des Aktionärs. Und richtig günstige Alternativen muss man erst einmal finden. Auf dem erhöhten Kursniveau der Börsen gibt es auch jetzt aussichtsreiche und attraktiv bewertete Unternehmen, aber eben deutlich weniger als noch vor einigen Monaten.
Und ein weiterer Aspekt könnte für die Entscheidungsfindung interessant sein: die abcfinance wird wohl deutlich mehr als 70% der Aktien angedient bekommen und es könnte eine Überlegung wert sein, dass sie sich mittelfristig auch den Rest einverleiben möchte. Dies kann sie über Zukäufe machen, also auch über die Börse, was aufgrund des immer geringer werdenden Streubesitzes, also der frei verfügbaren Aktien, zu steigenden Kursen führen würde. Oder über ein weiteres, dann zu einem noch höheren Kurs, Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre. Am Ende der Entwicklung kann dann sogar ein Squeeze-out stehen, eine relativ sichere und lukrative Spekulation für die freien Aktionäre.
Fazit: wenn ich die Fakten gegeneinander abwäge, erscheint es mir attraktiver, die Aktien der Dresdner Factoring AG zu behalten. Das Unternehmen wächst rasant und wirft in steigendem Maße Gewinne ab, die Börsenbewertung ist angemessen und bietet weiteres Kurspotenzial bei vergleichsweise niedrigem Kursrisiko und es gibt einen Großaktionär, der mittelfristig weitere Aktien - vielleicht sogar alle - einsammeln könnte.
Kürzlich hat die DFAG ihre Halbjahreszahlen veröffentlicht und die können sich sehen lassen. Das Factoringvolumen ist auf 331 Mio. EUR gestiegen und erzielte ein Ergebnis vor Ertragssteuern (EBT) von 1,1 Mio. EUR. Zusätzlich wurde von den Banken erneut das Kreditvolumen angehoben, so dass die DFAG nunmehr über 52 Mio. EUR verfügen kann und durch die Andienung der 279.957 eigenen Aktien (9,87%) fließt der Gesellschaft Liquidität in Höhe von zusätzlichen rund 24,5 Mio. EUR zu. Und da diese Aktien ja zu deutlich niedrigeren Börsenkursen erworben wurde, wird es in 2013 einen deutlichen außerordentlichen Ertrag hieraus geben.
Vereinfacht auf das Jahr hochgerechnet ergäben sich also ein Factoringumsatz von 662 Mio. EUR und ein EBT von 2,2 Mio. EUR. In 2011 hatte die DFAG noch 458 Mio. EUR umgesetzt und einen Vorsteuergewinn von 1,6 Mio. EUR ausgewiesen (2010 lag dieser noch bei 0,8 Mio. EUR). Legt man nun die Konsensschätzung für den Gewinn von 0,69 EUR je Aktie für 2014 zugrunde, kommt man auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,8. Damit liegt das KGV deutlich höher als bei meiner Empfehlung im Februar 2012 und das Kurs-Umsatz-Verhältnis ist mit 5,77 ebenso wenig günstig, wie das Kurs-Buchwertverhältnis von 1,68. Allerdings weisen die Kennzahlen insgesamt auf keine Überbewertung hin, zumal Umsatz und Gewinn seit Jahren deutlich steigen. Das Unternehmen ist also bei 8,80 EUR fair bewertet.
Für einen Neueinstieg wäre mir der Kurs inzwischen zu hoch, aber als Aktionäre, der auf Kursgewinnen sitzt, stellen sich ja zwei Frage: möchte man die angefallenen Kursgewinne (jetzt) versteuern und welche Anlagealternativen bieten sich zurzeit? Behält man die Aktien weiter, arbeitet der Steueranteil für einen und fließt (noch) nicht ans Finanzamt. Der Vorteil des Zinseszinsfaktors liegt also aufseiten des Aktionärs. Und richtig günstige Alternativen muss man erst einmal finden. Auf dem erhöhten Kursniveau der Börsen gibt es auch jetzt aussichtsreiche und attraktiv bewertete Unternehmen, aber eben deutlich weniger als noch vor einigen Monaten.
Und ein weiterer Aspekt könnte für die Entscheidungsfindung interessant sein: die abcfinance wird wohl deutlich mehr als 70% der Aktien angedient bekommen und es könnte eine Überlegung wert sein, dass sie sich mittelfristig auch den Rest einverleiben möchte. Dies kann sie über Zukäufe machen, also auch über die Börse, was aufgrund des immer geringer werdenden Streubesitzes, also der frei verfügbaren Aktien, zu steigenden Kursen führen würde. Oder über ein weiteres, dann zu einem noch höheren Kurs, Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre. Am Ende der Entwicklung kann dann sogar ein Squeeze-out stehen, eine relativ sichere und lukrative Spekulation für die freien Aktionäre.
Fazit: wenn ich die Fakten gegeneinander abwäge, erscheint es mir attraktiver, die Aktien der Dresdner Factoring AG zu behalten. Das Unternehmen wächst rasant und wirft in steigendem Maße Gewinne ab, die Börsenbewertung ist angemessen und bietet weiteres Kurspotenzial bei vergleichsweise niedrigem Kursrisiko und es gibt einen Großaktionär, der mittelfristig weitere Aktien - vielleicht sogar alle - einsammeln könnte.
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Montag, 8. Juli 2013
Börsenweisheit der Woche 27/2013
"Die fünf teuersten Worte auf dem Gebiet des Geldanlegens sind: dieses Mal ist alles anders."
(Sir John Templeton)
(Sir John Templeton)
Montag, 1. Juli 2013
Börsenweisheit der Woche 26/2013
"Wenn die Geschichte alle Antworten lieferte, würde sich die Forbes-400-Liste der Reichsten der Welt aus Bibliothekaren zusammensetzen."
(Warren Buffett)
(Warren Buffett)
25 Jahre DAX - Feier für einen Überflüssigen?
Der Deutsche Aktienindex (DAX) wurde 25 Jahre alt und das wurde groß gefeiert. Mit seiner Einführung 1988 wurden die 30 größten börsennotierten Unternehmen der Frankfurter Börse in einem Index zusammengefasst und so ein allgemeines Stimmungsbild der Börsenlage in Deutschland abgebildet - und zwar in Echtzeit. Der bis dato bestimmende und breiter aufgestellte FAZ-Index wurde schnell in den Hintergrund gedrängt.
Wie auch beim Dow Jones Index, dem FTSE 100, dem Nikkei oder dem Hang-Seng-Index räumen die Medien in ihrer Berichterstattung dem Auf und Ab des DAX nicht unerheblichen Raum ein und der Beobachter ist geneigt, aus der Indexentwicklung auf die allgemeine Entwicklung an der Börse und in der Wirtschaft zu schließen. Dabei sollte genau dieser Irrtum tunlichst unterlassen werden!
Denn obwohl der DAX die 30 größten Schwergewichte der deutschen Industrie enthält, handelt es sich einerseits nur um die börsennotierten Unternehmen und insbesondere die Wirtschaft in Deutschland wird von einem breiten Mittelstand getragen. Daher bildet der DAX nur unzureichend die allgemeine Entwicklung ab. Hinzu kommt, dass der DAX einige Branchen deutlich übergewichtet (z.B. Automobile) und sich die Zusammensetzung häufig ändert. Was wiederum zur Folge hat, dass der heutige Indexstand mit dem von früher schwer(er) zu vergleichen ist. Und die Entwicklung einzelner Werte kann teilweise erheblich von der Entwicklung des DAX insgesamt abweichen. So stand der DAX bereits im Jahr 2000 bei 8.000 Punkten mit einer Deutschen Telekom bei über 100 EUR. Und im Jahr 2013, bei erneuten 8.000 DAX-Punkten liegt der Kurs der Telekom bei gerade einmal 9 EUR. Während sich der Index also von seinem starken Einbruch (2003 lag er bei nur noch 2.300 Punkten) erholt hat, ist dies nicht bei allen Indexwerten der Fall.
Losgelöst von diesen allgemeinen Unzulänglichkeiten eines Index stellt sich die Frage, inwieweit der Indexstand für einen langfristig anlegenden Investor interessant ist. Und die Antwort ist so kurz wie einfach: überhaupt nicht. Denn ob der DAX bei 1.000 oder 10.000 Punkten steht, ist für mich als Value Investor belanglos. Ich kaufe keine Aktien, weil der DAX niedrig ist und ich verkaufe keine Aktien, weil er hoch steht. Ich kaufe, weil ich ein Anteile an herausragenden Unternehmen zu einem deutlich unter ihrem fairen Wert liegenden Aktienkurs kaufen kann - und dem entsprechend verkaufe ich die Aktien, wenn sie deutlich über dem fairen Wert notieren. In der Zwischenzeit tue ich nichts, sondern "sitze auf meinem Hintern und warte ab", wie es Charlie Munger, der kongeniale Partner Warren Buffets formulierte. Was der Index währenddessen treibt, hat für mich keine Relevanz! Und daher sehe ich die Veränderungen des DAX-Standes eher als Gradmesser für die allgemeine Stimmungslage am Markt, die den Börsenkommentatoren unermüdlich Munition für (zumeist nichtssagende) Kommentare bietet - mehr hat mir der Index nicht zu bieten. Abgesehen davon, dass ich heute diesen Artikel verfassen kann. Immerhin etwas...
Wie auch beim Dow Jones Index, dem FTSE 100, dem Nikkei oder dem Hang-Seng-Index räumen die Medien in ihrer Berichterstattung dem Auf und Ab des DAX nicht unerheblichen Raum ein und der Beobachter ist geneigt, aus der Indexentwicklung auf die allgemeine Entwicklung an der Börse und in der Wirtschaft zu schließen. Dabei sollte genau dieser Irrtum tunlichst unterlassen werden!
Denn obwohl der DAX die 30 größten Schwergewichte der deutschen Industrie enthält, handelt es sich einerseits nur um die börsennotierten Unternehmen und insbesondere die Wirtschaft in Deutschland wird von einem breiten Mittelstand getragen. Daher bildet der DAX nur unzureichend die allgemeine Entwicklung ab. Hinzu kommt, dass der DAX einige Branchen deutlich übergewichtet (z.B. Automobile) und sich die Zusammensetzung häufig ändert. Was wiederum zur Folge hat, dass der heutige Indexstand mit dem von früher schwer(er) zu vergleichen ist. Und die Entwicklung einzelner Werte kann teilweise erheblich von der Entwicklung des DAX insgesamt abweichen. So stand der DAX bereits im Jahr 2000 bei 8.000 Punkten mit einer Deutschen Telekom bei über 100 EUR. Und im Jahr 2013, bei erneuten 8.000 DAX-Punkten liegt der Kurs der Telekom bei gerade einmal 9 EUR. Während sich der Index also von seinem starken Einbruch (2003 lag er bei nur noch 2.300 Punkten) erholt hat, ist dies nicht bei allen Indexwerten der Fall.
Losgelöst von diesen allgemeinen Unzulänglichkeiten eines Index stellt sich die Frage, inwieweit der Indexstand für einen langfristig anlegenden Investor interessant ist. Und die Antwort ist so kurz wie einfach: überhaupt nicht. Denn ob der DAX bei 1.000 oder 10.000 Punkten steht, ist für mich als Value Investor belanglos. Ich kaufe keine Aktien, weil der DAX niedrig ist und ich verkaufe keine Aktien, weil er hoch steht. Ich kaufe, weil ich ein Anteile an herausragenden Unternehmen zu einem deutlich unter ihrem fairen Wert liegenden Aktienkurs kaufen kann - und dem entsprechend verkaufe ich die Aktien, wenn sie deutlich über dem fairen Wert notieren. In der Zwischenzeit tue ich nichts, sondern "sitze auf meinem Hintern und warte ab", wie es Charlie Munger, der kongeniale Partner Warren Buffets formulierte. Was der Index währenddessen treibt, hat für mich keine Relevanz! Und daher sehe ich die Veränderungen des DAX-Standes eher als Gradmesser für die allgemeine Stimmungslage am Markt, die den Börsenkommentatoren unermüdlich Munition für (zumeist nichtssagende) Kommentare bietet - mehr hat mir der Index nicht zu bieten. Abgesehen davon, dass ich heute diesen Artikel verfassen kann. Immerhin etwas...
Montag, 24. Juni 2013
Börsenweisheit der Woche 25/2013
"Das Problem zu erkennen ist wichtiger, als die Lösung zu finden, denn die genaue Darstellung des Problems führt fast automatisch zur richtigen Lösung."
(Albert Einstein)
(Albert Einstein)
Montag, 17. Juni 2013
Börsenweisheit der Woche 24/2013
"Geld veranlasst die Menschen Dinge zu tun, die sie gar nicht tun wollen."
("Gordon Gekko" in Oliver Stones Epos "Wall Street")
("Gordon Gekko" in Oliver Stones Epos "Wall Street")
Montag, 10. Juni 2013
Donnerstag, 6. Juni 2013
Chancen und Risiken von Mittelstandsanleihen am Beispiel der Gamigo-Anleihe
Das Zinsniveau ist für Anleger ein wahrer Alptraum, fehlen ihnen doch die attraktiven Anlagemöglichkeiten. Während Tagesgeld und Bundesanleihen nicht einmal mehr die Inflation kompensieren können, also unter dem Strich einen realen Vermögensverzehr bedeuten, drängen immer mehr Unternehmen auf den Markt, um den renditehungrigen Anlegern Anleihen zu offerieren, die zumeist mit Zinscoupons aufwarten, die im mittleren oder gar hohen einstelligen Prozentbereich notieren.
Hohe Zinsen zahlen die Unternehmen jedoch nicht, weil sie Mitleid mit gebeutelten Anlegern haben, sondern weil sie es müssen. Denn die optisch hohen Zinscoupons sind der Preis für das nicht unerhebliche Risiko, das man bei einer Investition in Unternehmensanleihen eingeht.
Anleihen stellen aus Sicht des Unternehmens Fremdkapital dar, das gegen Zinsaufwendungen für eine festgeschriebene Zeit zur Verfügung gestellt wird und am Ende an den Anleihegläubiger zurückgezahlt werden muss. Dieser wird also nicht Anteilseigner des Unternehmens, wie ein Aktionär, trägt aber ebenfalls das Risiko eines Teil- oder Totalausfalls, wenn die Geschäfte des Unternehmens schlecht laufen. Im Insolvenzfall ist der Anleihegläubiger vor einem Aktionär an der Insolvenzmasse zu beteiligen, was aber in der Praxis jedoch nur das zweitschlechteste Ergebnis ist. Denn wenn ein Unternehmen Insolvenz anmelden muss, steht ein Totalverlust für den Anleger ins Haus und dann ist es unerheblich, ob als Rendite 8,9 oder 12 Prozent versprochen worden sind.
Wichtigster Faktor ist also das Einschätzen des Verlustrisikos. Je höher dieses ist, desto höher muss auch die Rendite sein, mit der man sich dieses Risiko bezahlen lässt. Dabei sollte man sich nicht auf große und bekannte Namen verlassen, denn auch "Blue Chips" können straucheln, wie man z.B. an den US-Investmentbanken oder den US-amerikanischen Automobilherstellern sehen konnte. Um eine genaue Prüfung der Geschäftszahlen des Unternehmens kommt man also nicht herum und es kann auch nicht schaden, jenseits des Emissionsprospekts nach Researchmaterial umzusehen.
Die Gamigo AG betreibt und vermarktet online Spiele, sog. Massively Multiplayer Online Games, und tummelt sich dabei in einem rasant wachsenden, aber auch hart umkämpften und sehr kurzlebigen Markt. Gegründet wurde die Gamigo AG im Jahr 2000 als “Gamesweb.de AG”, 2007 stiegen die Axel Springer AG die börsennotierte bmp AG als Investoren ein, bis 2009 dann Axel Springer alle Anteile übernahm. Im Oktober 2012 übernahm die Samarion SE dann diese Anteile. Diese wiederum gehört zu 90 Prozent dem heutigen Chef der Gamigo AG, Remco Westermann. Westermann selbst ist in der Branche kein Unbekannter, war er doch lange Jahre Miteigentümer und Vorstandsvorsitzender der Bob Mobile AG, die heute unter Cliq Digital AG firmiert.
Das Geschäftsmodell ist relativ simpel: Gamigo erwirbt Lizenzen für Online-Spiele, die für die Spieler grundsätzlich kostenlos sind. Allerdings besteht die Möglichkeit, zusätzliche Goodies zu erwerben gegen Zahlung mit einer virtuellen Währung - die muss natürlich selbst gegen "echtes Geld" eintauschen.
Je mehr Spieler also Gefallen an dem Spiel finden und je länger sie in diese virtuelle Welt abtauchen, desto höher sind die Einnahmemöglichkeiten für die Gamigo AG. Das Risiko besteht also darin, dass die Games nicht genügend Interessenten finden oder aber zu schnell durch vermeintlich interessantere Spiele abgelöst werden. Dann sinken die Einnahmen rapide ab. Der wohl bekannteste Player in diesem Markt, die inzwischen auch börsennotierte Zynga, muss gerade 520 Mitarbeiter entlassen, weil immer weniger Leute "Mafia Wars" oder "Farmville" spielen und entsprechend für zusätzliche Features bezahlen. Nicht jedes Spiel ist so lange so erfolgreich wie World of Warcraft. Die Gamigo AG hat momentan 10 Spiele im Angebot, wie das Strategie Browser Game Cultures Online, das 3D Browser Game Dino Storm oder den Clan-Klassiker King of Kings III.
Die Gamigo-Anleihe
Die Anleihe soll ein Volumen von 15 Mio. EUR aufweisen, das auf bis zu 25 Mio. EUR aufgestockt werden kann - was schon deutlich mehr als dem Jahresumsatz des Unternehmens entspräche. Mit den neuen Mitteln sollen (neben den Kosten der Emission) Altverbindlichkeiten abgelöst, aber auch Investitionen in die Zukunft getätigt werden, sowohl für organisches Wachstum als auch für Übernahmen. Die Verzinsung von 8,5% pro Jahr wird jeweils nachträglich gezahlt, die Laufzeit beträgt 5 Jahre und die Mindeststückelung liegt bei EUR 1.000. Die Anleihe soll nach der Emission im Entry Standard an der Frankfurter Börse gehandelt werden, was einen börsentäglichen Handel gewährleistet. Sie kann dort im Zeitraum vom 05.bis 18.06.2013 gezeichnet werden; der eigentliche Emissionstermin ist dann der 20.06.2013. Der rechtlich maßgebliche Wertpapierprospekt ist kostenfrei erhältlich über www.gamigo-anleihe.de oder über die gamigo AG, Behringstraße 16b, 22765 Hamburg.
Ich finde es relativ schwierig, den Markt für Onlinespiele einzuschätzen und auch das Potenzial, das sich hier ggf. in Umsätzen und bestenfalls Gewinnen niederschlagen kann. Einen entsprechenden Versuch haben die Analysten von GBC unternommen, die eine Research-Studie eigens für die Emission dieser Anleihe verfasst haben, und ich lege sie jedem Interessierten ans Herz. Hier sind alle relevanten Informationen zu Historie, Geschäftsverlauf und eine Einschätzung für die Entwicklung der nächsten drei Jahre zu finden - es dürfte nicht überraschen, dass das Urteil der Analysten "überdurchschnittlich attraktiv" lautet.
Fazit
Die Anleihe weist eine attraktive Verzinsung auf, jedenfalls verglichen mit Festgeld oder Bundesanleihen. Das Geschäftsfeld, in dem sich die Gamigo AG tummelt, ist sehr schnelllebig und Trends wechseln in kurzen Abständen. Das Ziel, lange und profitable Kundenbeziehungen herzustellen, ist ambitioniert und nur durch ständige Innovationen in einem hart umkämpften Markt zu erreichen. Ob dies gelingen wird, ist schwer einzuschätzen, so dass die im Verhältnis dann doch lange Laufzeit von 5 Jahren nicht ohne Risiken ist. Vergleicht man hingegen die angebotene Rendite, so liegt sie nicht deutlich höher als Anleihen von Unternehmen, die schon seit Jahren erfolgreich am Markt tätig sind und deren Geschäftsmodell daher zielsicherer einzuschätzen ist. Um sich in der Gamigo Anleihe zu engagieren muss der Anleger also eine erhöhte Risikoaffinität mitbringen; für konservative Anleger oder als sog. "Witwen- und Waisen-Investment" dürfte die Anleihe nicht geeignet sein. Persönlich bevorzuge ich sowieso Direktinvestitionen in Unternehmen und werde mich bevorzugt an Aktien halten. Anleihen können eine attraktive Beimischung im Depot sein, sollten das Risiko des Depots jedoch tendenziell eher senken als erhöhen.
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"Risiko ist die Bugwelle des Erfolgs."
(Carl Amery)
Hohe Zinsen zahlen die Unternehmen jedoch nicht, weil sie Mitleid mit gebeutelten Anlegern haben, sondern weil sie es müssen. Denn die optisch hohen Zinscoupons sind der Preis für das nicht unerhebliche Risiko, das man bei einer Investition in Unternehmensanleihen eingeht.
Anleihen stellen aus Sicht des Unternehmens Fremdkapital dar, das gegen Zinsaufwendungen für eine festgeschriebene Zeit zur Verfügung gestellt wird und am Ende an den Anleihegläubiger zurückgezahlt werden muss. Dieser wird also nicht Anteilseigner des Unternehmens, wie ein Aktionär, trägt aber ebenfalls das Risiko eines Teil- oder Totalausfalls, wenn die Geschäfte des Unternehmens schlecht laufen. Im Insolvenzfall ist der Anleihegläubiger vor einem Aktionär an der Insolvenzmasse zu beteiligen, was aber in der Praxis jedoch nur das zweitschlechteste Ergebnis ist. Denn wenn ein Unternehmen Insolvenz anmelden muss, steht ein Totalverlust für den Anleger ins Haus und dann ist es unerheblich, ob als Rendite 8,9 oder 12 Prozent versprochen worden sind.
"Regel Nummer eins lautet: nie Geld verlieren. Regel
Nummer zwei lautet: vergiss nie Regel Nummer eins."
(Warren Buffett)
Wichtigster Faktor ist also das Einschätzen des Verlustrisikos. Je höher dieses ist, desto höher muss auch die Rendite sein, mit der man sich dieses Risiko bezahlen lässt. Dabei sollte man sich nicht auf große und bekannte Namen verlassen, denn auch "Blue Chips" können straucheln, wie man z.B. an den US-Investmentbanken oder den US-amerikanischen Automobilherstellern sehen konnte. Um eine genaue Prüfung der Geschäftszahlen des Unternehmens kommt man also nicht herum und es kann auch nicht schaden, jenseits des Emissionsprospekts nach Researchmaterial umzusehen.
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| Cultures Online |
Die Gamigo AG betreibt und vermarktet online Spiele, sog. Massively Multiplayer Online Games, und tummelt sich dabei in einem rasant wachsenden, aber auch hart umkämpften und sehr kurzlebigen Markt. Gegründet wurde die Gamigo AG im Jahr 2000 als “Gamesweb.de AG”, 2007 stiegen die Axel Springer AG die börsennotierte bmp AG als Investoren ein, bis 2009 dann Axel Springer alle Anteile übernahm. Im Oktober 2012 übernahm die Samarion SE dann diese Anteile. Diese wiederum gehört zu 90 Prozent dem heutigen Chef der Gamigo AG, Remco Westermann. Westermann selbst ist in der Branche kein Unbekannter, war er doch lange Jahre Miteigentümer und Vorstandsvorsitzender der Bob Mobile AG, die heute unter Cliq Digital AG firmiert.
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| Dino Storm |
Das Geschäftsmodell ist relativ simpel: Gamigo erwirbt Lizenzen für Online-Spiele, die für die Spieler grundsätzlich kostenlos sind. Allerdings besteht die Möglichkeit, zusätzliche Goodies zu erwerben gegen Zahlung mit einer virtuellen Währung - die muss natürlich selbst gegen "echtes Geld" eintauschen.
Je mehr Spieler also Gefallen an dem Spiel finden und je länger sie in diese virtuelle Welt abtauchen, desto höher sind die Einnahmemöglichkeiten für die Gamigo AG. Das Risiko besteht also darin, dass die Games nicht genügend Interessenten finden oder aber zu schnell durch vermeintlich interessantere Spiele abgelöst werden. Dann sinken die Einnahmen rapide ab. Der wohl bekannteste Player in diesem Markt, die inzwischen auch börsennotierte Zynga, muss gerade 520 Mitarbeiter entlassen, weil immer weniger Leute "Mafia Wars" oder "Farmville" spielen und entsprechend für zusätzliche Features bezahlen. Nicht jedes Spiel ist so lange so erfolgreich wie World of Warcraft. Die Gamigo AG hat momentan 10 Spiele im Angebot, wie das Strategie Browser Game Cultures Online, das 3D Browser Game Dino Storm oder den Clan-Klassiker King of Kings III.
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| King of Kings III |
Die Anleihe soll ein Volumen von 15 Mio. EUR aufweisen, das auf bis zu 25 Mio. EUR aufgestockt werden kann - was schon deutlich mehr als dem Jahresumsatz des Unternehmens entspräche. Mit den neuen Mitteln sollen (neben den Kosten der Emission) Altverbindlichkeiten abgelöst, aber auch Investitionen in die Zukunft getätigt werden, sowohl für organisches Wachstum als auch für Übernahmen. Die Verzinsung von 8,5% pro Jahr wird jeweils nachträglich gezahlt, die Laufzeit beträgt 5 Jahre und die Mindeststückelung liegt bei EUR 1.000. Die Anleihe soll nach der Emission im Entry Standard an der Frankfurter Börse gehandelt werden, was einen börsentäglichen Handel gewährleistet. Sie kann dort im Zeitraum vom 05.bis 18.06.2013 gezeichnet werden; der eigentliche Emissionstermin ist dann der 20.06.2013. Der rechtlich maßgebliche Wertpapierprospekt ist kostenfrei erhältlich über www.gamigo-anleihe.de oder über die gamigo AG, Behringstraße 16b, 22765 Hamburg.
Ich finde es relativ schwierig, den Markt für Onlinespiele einzuschätzen und auch das Potenzial, das sich hier ggf. in Umsätzen und bestenfalls Gewinnen niederschlagen kann. Einen entsprechenden Versuch haben die Analysten von GBC unternommen, die eine Research-Studie eigens für die Emission dieser Anleihe verfasst haben, und ich lege sie jedem Interessierten ans Herz. Hier sind alle relevanten Informationen zu Historie, Geschäftsverlauf und eine Einschätzung für die Entwicklung der nächsten drei Jahre zu finden - es dürfte nicht überraschen, dass das Urteil der Analysten "überdurchschnittlich attraktiv" lautet.
Fazit
Die Anleihe weist eine attraktive Verzinsung auf, jedenfalls verglichen mit Festgeld oder Bundesanleihen. Das Geschäftsfeld, in dem sich die Gamigo AG tummelt, ist sehr schnelllebig und Trends wechseln in kurzen Abständen. Das Ziel, lange und profitable Kundenbeziehungen herzustellen, ist ambitioniert und nur durch ständige Innovationen in einem hart umkämpften Markt zu erreichen. Ob dies gelingen wird, ist schwer einzuschätzen, so dass die im Verhältnis dann doch lange Laufzeit von 5 Jahren nicht ohne Risiken ist. Vergleicht man hingegen die angebotene Rendite, so liegt sie nicht deutlich höher als Anleihen von Unternehmen, die schon seit Jahren erfolgreich am Markt tätig sind und deren Geschäftsmodell daher zielsicherer einzuschätzen ist. Um sich in der Gamigo Anleihe zu engagieren muss der Anleger also eine erhöhte Risikoaffinität mitbringen; für konservative Anleger oder als sog. "Witwen- und Waisen-Investment" dürfte die Anleihe nicht geeignet sein. Persönlich bevorzuge ich sowieso Direktinvestitionen in Unternehmen und werde mich bevorzugt an Aktien halten. Anleihen können eine attraktive Beimischung im Depot sein, sollten das Risiko des Depots jedoch tendenziell eher senken als erhöhen.
Montag, 3. Juni 2013
Freitag, 31. Mai 2013
Das Ende der Quartalsberichtsmanie
Börsenlegende Warren Buffett ignoriert Quartalsberichte aus guten Gründen und nun hat EU-Kommissar Barnier eine entsprechende Regelung angekündigt, die dann in nationales Recht umgesetzt und ab 2015 in Kraft treten soll.
Die Reform der Transparenz-Richtlinie wird die verpflichtenden Quartalsberichte für börsennotierte Unternehmen abschaffen und diese somit nicht nur von "überflüssiger Bürokratie" entlasten, sondern die neue Regelung soll Unternehmenslenkern wieder mehr Zeit geben, richtige und sich langfristig auszahlende Entscheidungen zu treffen. Denn während die Quartalsberichte bisher zwar den Hunger der Anleger auf stetige Informationen bedienen, führen sie leider auch dazu, um der besseren kurzfristigen Quartalszahlen wichtige und nötige Entscheidungen, die sich erst mittel- und langfristig auszahlen würden, aber zulasten der kurzfristigen Gewinne gehen, aufzuschieben. Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat sich daher stets vehement gegen Quartalsberichte ausgesprochen. Weiterhin vorzulegen haben Unternehmen die Halbjahreszahlen und die Geschäftsberichte.
Selbst in den USA, wo Quartalsberichte quasi wie Manna verehrt werden, gibt es Unternehmen, die sich diesem Druck entziehen. Zwar berichtet auch Amazon vierteljährlich, aber Jeff Bezos, Gründer und Großaktionär des Online-Händlers, setzt seit einiger Zeit auf die strategische Expansion seines Unternehmens und opfert dafür die Gewinne. Bezos ist überzeugt, dass sich die heutigen Investitionen in Wettbewerbsfähigkeit und Marktanteile mittel- und langfristig in deutlich höheren Gewinnen auszahlen werden. Diese Strategie kann er fraglos nur deshalb durchziehen, weil er mehr als der Chef ist - ihn gehört ein großer Teil des Unternehmens und daher fällt es Kritikern schwer(er), Wiederstand gegen sein Vorgehen zu organisieren. Diesen Luxus haben aber die wenigsten Unternehmenslenker, meistens sind sie bloß Angestellte mit allenfalls marginalen Beteiligungen an ihren Unternehmen. Dabei wirtschaften inhabergeführte Unternehmen meist besser, weil das eigene Kapital des Chefs im Unternehmen steckt und sein Arbeitsplatzrisiko gleichzeitig mit einem erheblichen Vermögensrisiko verknüpft ist.
Abzuwarten bleibt, wie sich die Unternehmen ab 2015 entscheiden werden. Denn auch wenn Quartalsberichte nicht mehr vorgeschrieben sind, so können sie doch freiwillig weiterhin vorgelegt werden. Und insbesondere die großen Konzerne, die einen nicht unerheblichen Teil anglo-amerikanischer Aktionäre haben, werden von diesen vermutlich Druck bekommen, auch künftig Quartalsberichte vorzulegen. Was ein zusätzliches Argument für den deutschen Mittelstand ist und die sog. Nebenwerte.
Die Reform der Transparenz-Richtlinie wird die verpflichtenden Quartalsberichte für börsennotierte Unternehmen abschaffen und diese somit nicht nur von "überflüssiger Bürokratie" entlasten, sondern die neue Regelung soll Unternehmenslenkern wieder mehr Zeit geben, richtige und sich langfristig auszahlende Entscheidungen zu treffen. Denn während die Quartalsberichte bisher zwar den Hunger der Anleger auf stetige Informationen bedienen, führen sie leider auch dazu, um der besseren kurzfristigen Quartalszahlen wichtige und nötige Entscheidungen, die sich erst mittel- und langfristig auszahlen würden, aber zulasten der kurzfristigen Gewinne gehen, aufzuschieben. Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat sich daher stets vehement gegen Quartalsberichte ausgesprochen. Weiterhin vorzulegen haben Unternehmen die Halbjahreszahlen und die Geschäftsberichte.
Selbst in den USA, wo Quartalsberichte quasi wie Manna verehrt werden, gibt es Unternehmen, die sich diesem Druck entziehen. Zwar berichtet auch Amazon vierteljährlich, aber Jeff Bezos, Gründer und Großaktionär des Online-Händlers, setzt seit einiger Zeit auf die strategische Expansion seines Unternehmens und opfert dafür die Gewinne. Bezos ist überzeugt, dass sich die heutigen Investitionen in Wettbewerbsfähigkeit und Marktanteile mittel- und langfristig in deutlich höheren Gewinnen auszahlen werden. Diese Strategie kann er fraglos nur deshalb durchziehen, weil er mehr als der Chef ist - ihn gehört ein großer Teil des Unternehmens und daher fällt es Kritikern schwer(er), Wiederstand gegen sein Vorgehen zu organisieren. Diesen Luxus haben aber die wenigsten Unternehmenslenker, meistens sind sie bloß Angestellte mit allenfalls marginalen Beteiligungen an ihren Unternehmen. Dabei wirtschaften inhabergeführte Unternehmen meist besser, weil das eigene Kapital des Chefs im Unternehmen steckt und sein Arbeitsplatzrisiko gleichzeitig mit einem erheblichen Vermögensrisiko verknüpft ist.
Abzuwarten bleibt, wie sich die Unternehmen ab 2015 entscheiden werden. Denn auch wenn Quartalsberichte nicht mehr vorgeschrieben sind, so können sie doch freiwillig weiterhin vorgelegt werden. Und insbesondere die großen Konzerne, die einen nicht unerheblichen Teil anglo-amerikanischer Aktionäre haben, werden von diesen vermutlich Druck bekommen, auch künftig Quartalsberichte vorzulegen. Was ein zusätzliches Argument für den deutschen Mittelstand ist und die sog. Nebenwerte.
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Dienstag, 28. Mai 2013
Gier? Es geht auch anders...
Schon seit längerem kann einem regelmäßig übel werden, wenn man über Raffgier und Skrupellosigkeit in der Finanzbranche liest und es sind nicht mehr nur die Investmentbanken in den USA, die der Welt die Banken- und Finanzkrise eingebrockt haben, unter der wir alle heute noch leiden, sondern es sind auch "normale" Banken von nebenan. Das Geschacher des gefeuerten Ex-Chefs der Hypo Real Estate AG, Georg Funke, der als Dank dafür, dass er die HRE ruiniert und viele Kleinanleger um ihr Erspartes gebracht hatte, auch noch eine satte Abfindung einstecken wollte. Oder die Ex-Investmentbanker der Dresdner Bank, die der Bank mit ihren Finanzwetten eine Milliardenschieflage beschert hatten, die die Commerzbank, die die DreBa auf dem Hochpunkt der Finanzkrise übernommen hatte, Millionenboni kosten. Und natürlich die Deutsche Bank, die gerne über "Kulturwechsel" spricht, aber die Allmacht der Gier in sich schier endlos aneinanderreihenden Skandalen vorlebt. Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren scheint hier leider die Maxime zu sein. Und deshalb verwundert auch nicht, dass zunehmend darüber diskutiert wird, welche Vorstandsvergütungen und welche Boni noch "anständig" sind. Zurecht, denn Eigennutz kann und darf nicht alleiniger Antrieb und vor allem nicht der Maßstab sein!
Dass es auch anders geht, zeigen zum Beispiel Warren Buffett und Microsoft-Gründer Bill Gates, die beide zu den reichsten Menschen auf unserem Erdball gehören. In ihrer Initiative "The Giving Pledge" versammeln sich weltweit Milliardäre, die ihr Vermögen größtenteils spenden werden und nicht einfach nur ihren Erben hinterlassen. Und insbesondere Warren Buffett weist immer wieder darauf hin, wie wichtig ihm die Integrität des Managements bei der Auswahl seiner Investments ist - bisweilen ist sie der ausschlaggebende Faktor für einen Kauf.
Allerdings kann nicht jeder Mensch ein Milliardär sein und riesige Summen spenden. Viele Wohltätigkeitsorganisationen fokussieren sich daher auf eine große Zahl von freigiebigen Kleinspendern, denn Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist. Vermutlich jeder von uns hat - vor allem kurz vor Weihnachten - schon die Bittbriefe diverser Hilfsorganisationen im Briefkasten gehabt. Doch es gibt auch innovative Unternehmer, die mit indirekten Spenden Gutes tun und gleichzeitig daran verdienen. Das muss nicht unbedingt ein Widerspruch sein. So stellen Unternehmen den Hilfsorganisationen kostenlos Fahrzeuge zur Verfügung, die diese für ihre Zwecke nutzen können. Dadurch bleiben mehr Spenden für die eigentlichen Aufgaben der Organisationen übrig. Ein Geschäft wird aus dem Deal für das Unternehmen natürlich erst, wenn es aus der Aktion auch Erträge generieren kann, also entweder durch eine umfangreiche Presseberichterstattung über diese Freigiebigkeit oder aber zum Beispiel dadurch, dass das kostenlose zur Verfügung gestellte Auto dann über Werbung (re)finanziert wird. So berichtet akzent Sozialsponsoring unter anderem regelmäßig über seine diesbezüglichen Aktivitäten, die inzwischen bundesweit angeboten werden und bei denen die werbetreibenden Kunden den zusätzlichen Wohlfühlfaktor haben, dass mit ihrer Werbung gleichzeitig Gutes erreicht wird.
Bekanntlich führen viele Wege nach Rom und weniger wichtig ist, was man tut, als vielmehr, dass man etwas tut. Dass man seinen Reichtum mit anderen teilt, dass man nicht die Jagd nach dem letzten Penny zum Lebensinhalt macht, sondern dass man stets bedenkt, dass Geld kein Selbstzweck ist, sondern das Leben lebenswerter machen soll. Und das erreicht man bisweilen auch dadurch, dass man einen Teil seines Geldes anderen überlässt. Und letztlich sind auch Unternehmen, die sich für die Gesellschaft engagieren und soziale oder kulturelle Projekte unterstützen, langfristig erfolgreicher als jene, die nur auf den maximalen Profit aus sind. Denn auch die Unternehmenskultur ist eine Charakterfrage und wie Warren Buffett es formulierte: "mit schlechten Leuten macht mein keine guten Geschäfte". Ich bin mir sicher, dass Buffett keine Aktien der Deutschen Bank kaufen würde, selbst wenn die Zahlen und die Bewertung wieder stimmen sollten.
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Dieser Artikel wurde finanziell gesponsort von akzent Sozialsponsoring.
Dass es auch anders geht, zeigen zum Beispiel Warren Buffett und Microsoft-Gründer Bill Gates, die beide zu den reichsten Menschen auf unserem Erdball gehören. In ihrer Initiative "The Giving Pledge" versammeln sich weltweit Milliardäre, die ihr Vermögen größtenteils spenden werden und nicht einfach nur ihren Erben hinterlassen. Und insbesondere Warren Buffett weist immer wieder darauf hin, wie wichtig ihm die Integrität des Managements bei der Auswahl seiner Investments ist - bisweilen ist sie der ausschlaggebende Faktor für einen Kauf.
Allerdings kann nicht jeder Mensch ein Milliardär sein und riesige Summen spenden. Viele Wohltätigkeitsorganisationen fokussieren sich daher auf eine große Zahl von freigiebigen Kleinspendern, denn Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist. Vermutlich jeder von uns hat - vor allem kurz vor Weihnachten - schon die Bittbriefe diverser Hilfsorganisationen im Briefkasten gehabt. Doch es gibt auch innovative Unternehmer, die mit indirekten Spenden Gutes tun und gleichzeitig daran verdienen. Das muss nicht unbedingt ein Widerspruch sein. So stellen Unternehmen den Hilfsorganisationen kostenlos Fahrzeuge zur Verfügung, die diese für ihre Zwecke nutzen können. Dadurch bleiben mehr Spenden für die eigentlichen Aufgaben der Organisationen übrig. Ein Geschäft wird aus dem Deal für das Unternehmen natürlich erst, wenn es aus der Aktion auch Erträge generieren kann, also entweder durch eine umfangreiche Presseberichterstattung über diese Freigiebigkeit oder aber zum Beispiel dadurch, dass das kostenlose zur Verfügung gestellte Auto dann über Werbung (re)finanziert wird. So berichtet akzent Sozialsponsoring unter anderem regelmäßig über seine diesbezüglichen Aktivitäten, die inzwischen bundesweit angeboten werden und bei denen die werbetreibenden Kunden den zusätzlichen Wohlfühlfaktor haben, dass mit ihrer Werbung gleichzeitig Gutes erreicht wird.
Bekanntlich führen viele Wege nach Rom und weniger wichtig ist, was man tut, als vielmehr, dass man etwas tut. Dass man seinen Reichtum mit anderen teilt, dass man nicht die Jagd nach dem letzten Penny zum Lebensinhalt macht, sondern dass man stets bedenkt, dass Geld kein Selbstzweck ist, sondern das Leben lebenswerter machen soll. Und das erreicht man bisweilen auch dadurch, dass man einen Teil seines Geldes anderen überlässt. Und letztlich sind auch Unternehmen, die sich für die Gesellschaft engagieren und soziale oder kulturelle Projekte unterstützen, langfristig erfolgreicher als jene, die nur auf den maximalen Profit aus sind. Denn auch die Unternehmenskultur ist eine Charakterfrage und wie Warren Buffett es formulierte: "mit schlechten Leuten macht mein keine guten Geschäfte". Ich bin mir sicher, dass Buffett keine Aktien der Deutschen Bank kaufen würde, selbst wenn die Zahlen und die Bewertung wieder stimmen sollten.
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Montag, 27. Mai 2013
Börsenweisheit der Woche 21/2013
"Wer der Meinung ist, dass man für Geld alles haben kann, gerät leicht in den Verdacht, dass er für Geld alles zu tun bereit ist."
(Benjamin Franklin)
(Benjamin Franklin)
Freitag, 24. Mai 2013
Investmentfonds sind meistens schlecht(er)
Die vor allem in Deutschland vorherrschende Meinung ist, als Privatanleger könne man kein erfolgreiches Stock-Picking betreiben und sollte sein Geld lieber in Fonds investieren - und das möglichst breit gestreut, um das Risiko zu minimieren. Ebenso vernünftig klang es, dass die Erde eine Scheibe wäre, allerdings haben beide Denkansätze einen entscheidenden Makel: die Fakten sprechen dagegen!
Über Planeten und die Form der Erde werde ich mich nun nicht näher auslassen, aber zum Thema Direktanlage in Aktien versus Fondsinvestments hingegen schon. Der Gedanke eines Fonds ist, dass man als Anleger nur Geld einzahlt und die Auswahl der Anlageobjekte dann einem (gut bezahlten) Fachmann überlässt. Klingt plausibel und vernünftig. Allerdings zahlen auch Fonds Transaktionsgebühren für ihre An- und Verkäufe und die Fondsmanager erhalten Gehälter und/oder Provisionen. Darüber hinaus verdient auch die Fondsgesellschaft, denn zwischen An- und Verkaufskursen liegt ein nicht selten hoher Spread, wenn die Anteile denn überhaupt über die Börse gehandelt werden können. Viele sind nur bei der jeweiligen Fondsgesellschaft erhältlich und können nur an diese zurückgegeben werden - was in der Regel keinen großen Nachteil bedeutet, wenn man nicht gerade auf Immobilienfonds gesetzt hat und der Fonds wegen zu großer Anteilsrückgaben in akute Liquiditätsprobleme geschliddert ist. Was in den letzten Jahren eher die Regel als die Ausnahme war. Bei den übrigen Assetklassen, wie Aktien, Renten (verzinsliche Wertpapiere), Geldmarktpapiere usw. kassiert die Fondsgesellschaft dann noch einen Ausgabeaufschlag, der bis zu 7,5% betragen kann. Diese ganzen Kosten muss der Fondsmanager erst einmal wieder verdienen, ehe das Investment des Anlegers überhaupt aus der Verlustzone kommt. Und abgesehen vom Ausgabeaufschlag fallen die Kosten ja nicht nur einmal an, sondern jährlich immer wieder auf's Neue.
Und trotzdem... immerhin sind Profis am Werk, Anlageexperten, die viel Geld verdienen, die wissen schon, was sie tun. Sollte man meinen. Der Finanzdienstleister Gecam hat nun die Performance von 9.428 Aktien-, Renten-, Geldmarkt-, Dach- und Mischfonds analysiert, die in Europa zum Vertrieb zugelassen sind. Und das Ergebnis ist niederschmetternd: magere 23 Prozent der Investmentfonds schafften es in den vergangenen drei Jahren, ihren jeweiligen Vergleichsindex zu übertreffen. Mit anderen Worten: 77 Prozent der Fonds, also mehr als drei Viertel, schnitten schlechter ab als "der Markt". Beim Roulette liegt die Gewinnchance bei knapp unter 50 Prozent, wenn man auf Rot oder Schwarz setzt (die Null spielt ja auch mit), bei Investmentfonds nur bei 23 Prozent. Als rational denkender Mensch sollte man spätestens jetzt akzeptieren, dass die vermeintlich gute Anlage in Investmentfonds eben auch nur vermeintlich die beste Anlagevariante ist.
Gründe für das schlechte Abschneiden liegen auf der Hand: die Fondsmanager bilden zu mehr als 70 Prozent einfach nur ihren jeweiligen Vergleichsindex ab, so dass sie bei hohem Kostenaufwand keinen Mehrwert schaffen können. Sie müssen quasi schlechter als der Vergleichsindex abschneiden, denn es verbleiben ja nur 30 Prozent der investierten Summe, die sie anders einsetzen. Und da Fonds immer ein gewisses Maß an Liquidität halten, z.B. um ausstiegswillige Anleger auszahlen zu können, liegt die wirkliche "Eigenleistungsquote" noch niedriger. Und dieser geringe Anteil müsste dann die Kosten verdienen und auch noch eine Out-Performance gegenüber dem Vergleichsindex. Das geht nur auf zwei Arten: enormes Glück oder hohes Risiko. Hat der Fondsmanager nur Glück, stellt sich die Frage, weshalb der Anleger diesen "Experten" braucht. Und erkauft sich der Fondsmanager die bessere Performance durch ein erhöhtes Risiko, widerspricht dies dem Sinn einer sicheren Anlage und es kann gut sein, dass sich auch einmal das Risiko nicht auszahlt und ein Fonds nach guten Jahren sehr viel schlechtere aufweist. Studien haben belegt, dass Fonds, die drei Jahre lang besonders gut abgeschnitten haben, danach meistens zu den Verlierern zählen.
Wenn man also schon "den Markt" kaufen möchte, sollte man lieber auf ETFs (Exchange-traded Fund) setzen bzw. Produkte, die nicht aktiv gemanaged werden, sondern wirklich nur den Markt 1:1 abbilden - die produzieren nämlich fast keine Kosten, so dass für den Anleger eine weitaus größere Chance besteht, in die Gewinnzone zu kommen.
Aber es gibt noch eine weitere Möglichkeit: Direktinvestments in Aktien. Warren Buffett meint hierzu, dass jeder durchschnittlich begabte Mensch in der Lage sei, wenn er nur einige wenige Dinge beherzige:
Es kommt also letztlich darauf an, seinen eigenen Verstand einzusetzen und dann Aktien günstig zu kaufen und lange zu halten. Das ist die Strategie des Buy & Hold, die dem Zinseszinseffekt erst die Chance gibt, sein Potenzial zu entfalten und Anleger reich zu machen. Wer häufig(er) sein Depot umschichtet läuft Gefahr, zum falschen Zeitpunkt ein- und auszusteigen. Und auch das belegen empirische Untersuchungen, dass Anleger eben meistens mit der Herde schwimmen und daher bei stark fallenden Kursen verkaufen und bei stark steigenden Kursen kaufen. Sie handeln also nicht rational, sondern emotional. Und versenken damit eine Menge Geld und füllen nur die Taschen der Broker, die an den Transaktionskosten prächtig verdienen.
Die richtigen Aktien zu finden, ist natürlich in der Praxis nicht ganz so einfacht. Schon Oscar Wilde bemerkte, dass es leichter sei, über Geld zu schreiben, als Geld zu machen. Und so kann ein interessierter Anleger auch "einfach" sein Geld in Aktien von Unternehmen investieren, die ihrerseits Unternehmen und/oder Aktien kaufen. Der Unterschied zu Fonds ist hierbei, dass man an dem Unternehmen als Aktionär direkt beteiligt ist, dass man die Investmententscheidungen näher miterleben kann, z.B. durch die Geschäftsberichte, Quartals- und teilweise Monatsberichte und natürlich durch Adhoc- und sonstige Publikationen des Unternehmens. Und man kann sich in Unternehmen engagieren, wo der Vorstand selbst signifikante Anteile hält, also ein erhebliches Interesse daran hat, den Unternehmenswert zu mehren. Es gibt eine ganze Reihe von Unternehmen auf dem deutschen Kurszettel, die diese Anforderungen erfüllen können.
Zum einen gibt es Unternehmen, die sich auf das Investieren in börsennotierte Unternehmen spezialisiert haben. Hier sind die Shareholder Value Beteiligungen AG, die Allerthal-Werke AG, oder die Scherzer & Co. AG zu nennen, über deren Websites man sich über Anlagemethode und die größeren Investments informieren kann.
Und es gibt "richtige" Beteiligungsgesellschaften. Einige sind auf Frühphaseninvestments spezialisiert, wie die Blue Cap AG oder die mic AG, andere erwerben Krisenunternehmen, um sie wieder aufzupäppeln, wie die Bavaria Industriekapital AG. Dann gibt es Unternehmen, wie die Aurelius AG, die gerne Randaktivitäten großer Konzerne erwerben und zu neuen Einheiten formieren und sie dann auf mittlere Sicht gewinnbringend wieder veräußern. Und zuletzt gibt es langfristig orientierte Industrieholdings, bei denen die Veräußerungserlöse von Tochtergesellschaften eher die Ausnahme als die Regel sind. Hier sind AdCapital, die Deutsche Beteiligungs AG, Gesco, Indus, MAX Automation, MBB Industries zu nennen. Und natürlich Warren Buffetts Investmentkonglomerat Berkshire Hathaway, das in einer ganz anderen Liga spielt, als z.B. Greiffenberger AG oder die H.P.I. Holding AG, die nur jeweils ein oder zwei Beteiligungsunternehmen aufweisen und auf ein Segment fokussiert sind. Insbesondere Aurelius und MBB Industries halte ich für nach wie vor für mittel- und langfristig hervorragende Investments, bei denen man gerne Partner (Mitaktionär) der erfolgreichen Vorstände ist.
Bleibt noch die Frage, weshalb man in lieber Aktien investieren sollte und nicht in Immobilien, Tagesgeld, Anleihen, Gold, Rohöl oder Schweinebäuche. Die habe ich allerdings bereits unter dem Titel "2013 wird das Jahr der Aktien" ausführlich beantwortet und spare mir deshalb an dieser Stelle die Wiederholung.
Also, es ist gar nicht so schwer, erfolgreich an der Börse zu investieren. Sofern man die Börse nicht als Casino und Aktienkäufe als Zocken missversteht, sondern Aktien als Partnerschaftsanteile an Unternehmen und die Börse als Handeslplatz, wo man diese Anteile erwerben kann, bleiben gar nicht so viele Möglichkeiten, gravierende Fehler zu machen. Ein wenig Mut und etwas Vertrauen in das eigene Urteilsvermögen gehören zwar schon dazu, aber beides benötigt man auch, wenn man unbeschadet eine fremde Katze streicheln will...
"Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung".
Über Planeten und die Form der Erde werde ich mich nun nicht näher auslassen, aber zum Thema Direktanlage in Aktien versus Fondsinvestments hingegen schon. Der Gedanke eines Fonds ist, dass man als Anleger nur Geld einzahlt und die Auswahl der Anlageobjekte dann einem (gut bezahlten) Fachmann überlässt. Klingt plausibel und vernünftig. Allerdings zahlen auch Fonds Transaktionsgebühren für ihre An- und Verkäufe und die Fondsmanager erhalten Gehälter und/oder Provisionen. Darüber hinaus verdient auch die Fondsgesellschaft, denn zwischen An- und Verkaufskursen liegt ein nicht selten hoher Spread, wenn die Anteile denn überhaupt über die Börse gehandelt werden können. Viele sind nur bei der jeweiligen Fondsgesellschaft erhältlich und können nur an diese zurückgegeben werden - was in der Regel keinen großen Nachteil bedeutet, wenn man nicht gerade auf Immobilienfonds gesetzt hat und der Fonds wegen zu großer Anteilsrückgaben in akute Liquiditätsprobleme geschliddert ist. Was in den letzten Jahren eher die Regel als die Ausnahme war. Bei den übrigen Assetklassen, wie Aktien, Renten (verzinsliche Wertpapiere), Geldmarktpapiere usw. kassiert die Fondsgesellschaft dann noch einen Ausgabeaufschlag, der bis zu 7,5% betragen kann. Diese ganzen Kosten muss der Fondsmanager erst einmal wieder verdienen, ehe das Investment des Anlegers überhaupt aus der Verlustzone kommt. Und abgesehen vom Ausgabeaufschlag fallen die Kosten ja nicht nur einmal an, sondern jährlich immer wieder auf's Neue.
Und trotzdem... immerhin sind Profis am Werk, Anlageexperten, die viel Geld verdienen, die wissen schon, was sie tun. Sollte man meinen. Der Finanzdienstleister Gecam hat nun die Performance von 9.428 Aktien-, Renten-, Geldmarkt-, Dach- und Mischfonds analysiert, die in Europa zum Vertrieb zugelassen sind. Und das Ergebnis ist niederschmetternd: magere 23 Prozent der Investmentfonds schafften es in den vergangenen drei Jahren, ihren jeweiligen Vergleichsindex zu übertreffen. Mit anderen Worten: 77 Prozent der Fonds, also mehr als drei Viertel, schnitten schlechter ab als "der Markt". Beim Roulette liegt die Gewinnchance bei knapp unter 50 Prozent, wenn man auf Rot oder Schwarz setzt (die Null spielt ja auch mit), bei Investmentfonds nur bei 23 Prozent. Als rational denkender Mensch sollte man spätestens jetzt akzeptieren, dass die vermeintlich gute Anlage in Investmentfonds eben auch nur vermeintlich die beste Anlagevariante ist.
Gründe für das schlechte Abschneiden liegen auf der Hand: die Fondsmanager bilden zu mehr als 70 Prozent einfach nur ihren jeweiligen Vergleichsindex ab, so dass sie bei hohem Kostenaufwand keinen Mehrwert schaffen können. Sie müssen quasi schlechter als der Vergleichsindex abschneiden, denn es verbleiben ja nur 30 Prozent der investierten Summe, die sie anders einsetzen. Und da Fonds immer ein gewisses Maß an Liquidität halten, z.B. um ausstiegswillige Anleger auszahlen zu können, liegt die wirkliche "Eigenleistungsquote" noch niedriger. Und dieser geringe Anteil müsste dann die Kosten verdienen und auch noch eine Out-Performance gegenüber dem Vergleichsindex. Das geht nur auf zwei Arten: enormes Glück oder hohes Risiko. Hat der Fondsmanager nur Glück, stellt sich die Frage, weshalb der Anleger diesen "Experten" braucht. Und erkauft sich der Fondsmanager die bessere Performance durch ein erhöhtes Risiko, widerspricht dies dem Sinn einer sicheren Anlage und es kann gut sein, dass sich auch einmal das Risiko nicht auszahlt und ein Fonds nach guten Jahren sehr viel schlechtere aufweist. Studien haben belegt, dass Fonds, die drei Jahre lang besonders gut abgeschnitten haben, danach meistens zu den Verlierern zählen.
Wenn man also schon "den Markt" kaufen möchte, sollte man lieber auf ETFs (Exchange-traded Fund) setzen bzw. Produkte, die nicht aktiv gemanaged werden, sondern wirklich nur den Markt 1:1 abbilden - die produzieren nämlich fast keine Kosten, so dass für den Anleger eine weitaus größere Chance besteht, in die Gewinnzone zu kommen.
Aber es gibt noch eine weitere Möglichkeit: Direktinvestments in Aktien. Warren Buffett meint hierzu, dass jeder durchschnittlich begabte Mensch in der Lage sei, wenn er nur einige wenige Dinge beherzige:
- er müsse bereit sein, seine Emotionen aus der Anlageentscheidung herauszuhalten und auf Basis von Fakten zu investieren,
- er müsse bereit sein, sich durch Geschäftsberichte durchzuackern und nicht auf Börsentipps von Freunden, Brokern, Börsenblättern oder Astrologen zu setzen,
- er sollte in Unternehmen investieren, deren Geschäftsmodell er versteht,
- er sollte antizyklisch investieren (niedrig kaufen, hoch verkaufen),
- und er sollte Aktien zu Kursen kaufen, die deutlich unterhalb ihres wahren Wertes notieren, und diese dann lange halten.
"Jedes intelligente Investieren ist das Investieren in Werte - mehr
bekommen als das, wofür du bezahlst. Investieren ist, wenn du einige
großartige Unternehmen findest und dann auf deinem Hintern sitzt."
(Charlie Munger)
bekommen als das, wofür du bezahlst. Investieren ist, wenn du einige
großartige Unternehmen findest und dann auf deinem Hintern sitzt."
(Charlie Munger)
Es kommt also letztlich darauf an, seinen eigenen Verstand einzusetzen und dann Aktien günstig zu kaufen und lange zu halten. Das ist die Strategie des Buy & Hold, die dem Zinseszinseffekt erst die Chance gibt, sein Potenzial zu entfalten und Anleger reich zu machen. Wer häufig(er) sein Depot umschichtet läuft Gefahr, zum falschen Zeitpunkt ein- und auszusteigen. Und auch das belegen empirische Untersuchungen, dass Anleger eben meistens mit der Herde schwimmen und daher bei stark fallenden Kursen verkaufen und bei stark steigenden Kursen kaufen. Sie handeln also nicht rational, sondern emotional. Und versenken damit eine Menge Geld und füllen nur die Taschen der Broker, die an den Transaktionskosten prächtig verdienen.
"Regel Nummer eins lautet: nie Geld verlieren. Regel
Nummer zwei lautet: vergiss nie Regel Nummer eins."
Nummer zwei lautet: vergiss nie Regel Nummer eins."
(Warren Buffett)
Die richtigen Aktien zu finden, ist natürlich in der Praxis nicht ganz so einfacht. Schon Oscar Wilde bemerkte, dass es leichter sei, über Geld zu schreiben, als Geld zu machen. Und so kann ein interessierter Anleger auch "einfach" sein Geld in Aktien von Unternehmen investieren, die ihrerseits Unternehmen und/oder Aktien kaufen. Der Unterschied zu Fonds ist hierbei, dass man an dem Unternehmen als Aktionär direkt beteiligt ist, dass man die Investmententscheidungen näher miterleben kann, z.B. durch die Geschäftsberichte, Quartals- und teilweise Monatsberichte und natürlich durch Adhoc- und sonstige Publikationen des Unternehmens. Und man kann sich in Unternehmen engagieren, wo der Vorstand selbst signifikante Anteile hält, also ein erhebliches Interesse daran hat, den Unternehmenswert zu mehren. Es gibt eine ganze Reihe von Unternehmen auf dem deutschen Kurszettel, die diese Anforderungen erfüllen können.
Zum einen gibt es Unternehmen, die sich auf das Investieren in börsennotierte Unternehmen spezialisiert haben. Hier sind die Shareholder Value Beteiligungen AG, die Allerthal-Werke AG, oder die Scherzer & Co. AG zu nennen, über deren Websites man sich über Anlagemethode und die größeren Investments informieren kann.
Und es gibt "richtige" Beteiligungsgesellschaften. Einige sind auf Frühphaseninvestments spezialisiert, wie die Blue Cap AG oder die mic AG, andere erwerben Krisenunternehmen, um sie wieder aufzupäppeln, wie die Bavaria Industriekapital AG. Dann gibt es Unternehmen, wie die Aurelius AG, die gerne Randaktivitäten großer Konzerne erwerben und zu neuen Einheiten formieren und sie dann auf mittlere Sicht gewinnbringend wieder veräußern. Und zuletzt gibt es langfristig orientierte Industrieholdings, bei denen die Veräußerungserlöse von Tochtergesellschaften eher die Ausnahme als die Regel sind. Hier sind AdCapital, die Deutsche Beteiligungs AG, Gesco, Indus, MAX Automation, MBB Industries zu nennen. Und natürlich Warren Buffetts Investmentkonglomerat Berkshire Hathaway, das in einer ganz anderen Liga spielt, als z.B. Greiffenberger AG oder die H.P.I. Holding AG, die nur jeweils ein oder zwei Beteiligungsunternehmen aufweisen und auf ein Segment fokussiert sind. Insbesondere Aurelius und MBB Industries halte ich für nach wie vor für mittel- und langfristig hervorragende Investments, bei denen man gerne Partner (Mitaktionär) der erfolgreichen Vorstände ist.
Bleibt noch die Frage, weshalb man in lieber Aktien investieren sollte und nicht in Immobilien, Tagesgeld, Anleihen, Gold, Rohöl oder Schweinebäuche. Die habe ich allerdings bereits unter dem Titel "2013 wird das Jahr der Aktien" ausführlich beantwortet und spare mir deshalb an dieser Stelle die Wiederholung.
"Habe den Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen".
Also, es ist gar nicht so schwer, erfolgreich an der Börse zu investieren. Sofern man die Börse nicht als Casino und Aktienkäufe als Zocken missversteht, sondern Aktien als Partnerschaftsanteile an Unternehmen und die Börse als Handeslplatz, wo man diese Anteile erwerben kann, bleiben gar nicht so viele Möglichkeiten, gravierende Fehler zu machen. Ein wenig Mut und etwas Vertrauen in das eigene Urteilsvermögen gehören zwar schon dazu, aber beides benötigt man auch, wenn man unbeschadet eine fremde Katze streicheln will...
Montag, 20. Mai 2013
Börsenweisheit der Woche 20/2013
"Wenn man kein Geld hat, denkt man immer an Geld. Wenn mal viel Geld hat, denkt man nur noch an Geld."
(Jean Paul Getty)
(Jean Paul Getty)
Mittwoch, 15. Mai 2013
Lese-Tipp: "Warren Buffett: Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie"
Autor: Robert G. Hagstrom
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Börsenmedien
Auflage: 1 (15. Dezember 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3942888459
Hagstrom gilt als profunder Kenner der Lebensgeschichte und der Anlagestrategie von Warren Buffett und hat dies mit diesem Buch einmal mehr bestätigt.
Das Besondere an diesem Buch ist, dass es die entscheidenden Grundsätze von Buffetts genialer Anlagestrategie aufzeigt und sie anhand vieler Beispiele erläutert. Die einfachen - und wenigen - Prinzipien, die Warren Buffett stets zur Basis seiner Anlageentscheidung macht, können so von jedem Privatanlager verstanden und nachgeahmt werden, ohne dass er ein BWL-Studium absolvieren müsste.
Prädikat: absolutlesenswert studierenswert!
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Börsenmedien
Auflage: 1 (15. Dezember 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3942888459
Hagstrom gilt als profunder Kenner der Lebensgeschichte und der Anlagestrategie von Warren Buffett und hat dies mit diesem Buch einmal mehr bestätigt.
Das Besondere an diesem Buch ist, dass es die entscheidenden Grundsätze von Buffetts genialer Anlagestrategie aufzeigt und sie anhand vieler Beispiele erläutert. Die einfachen - und wenigen - Prinzipien, die Warren Buffett stets zur Basis seiner Anlageentscheidung macht, können so von jedem Privatanlager verstanden und nachgeahmt werden, ohne dass er ein BWL-Studium absolvieren müsste.
Prädikat: absolut
Labels:
Charlie Munger,
Literatur,
Warren Buffett
Montag, 13. Mai 2013
Mittwoch, 8. Mai 2013
DAX auf Allzeithoch - sind das noch Kaufkurse?
Gestern knackte der Dow Jones Index erstmals die 15.000er Marke und der DAX erreichte ein neues Allzeithoch bei über 8.200 Punkten. Und sofort prangt auf der Titelseite der BILD-Zeitung der DAX-Chart und die Frage, ob man noch einsteigen solle.
Üblicherweise sind Boulevardblätter wie die BILD ein prima Kontraindikator. Als Anfang 2000 die "New Economy" Euphorie auf dem Höchststand war, berichtete die BILD-Zeitung fortgesetzt vom Börsengeschehen und auch der letzte Sparer räumte seine Konten, um Aktien zu kaufen. Und vor gut einem Jahr war Gold das Titelthema der BILD-Zeitung, ebenfalls kurz vor dem massiven Kursabsturz. Eine Regel ist: wenn sich die breite Masse für Kurse interessiert, sind bereits alle Käufer im Markt und wenn niemand mehr kaufen kann, fallen die Kurse, weil weitere Käufer ausbleiben.
Sir John Templeton sagte einmal, "dieses Mal ist alles anders" seien die teuersten fünf Worte der Börsengeschichte. Und er hat Recht. Doch dieses Mal ist es wirklich anders...
Montag, 6. Mai 2013
Montag, 29. April 2013
Montag, 22. April 2013
Montag, 15. April 2013
Montag, 8. April 2013
Börsenweisheit der Woche 14/2013
"Ein Investment liegt immer dann vor, wenn nach einer gründlichen Analyse in erster Linie Sicherheit und erst im Anschluss daran eine zufriedenstellende Rendite steht."
(Benjamin Graham)
(Benjamin Graham)
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