Freitag, 14. Oktober 2016

Setze nicht alles auf eine Karte

Die Börse lebt von Extremen, Langeweile und Ruhe sind ihr zuwider. Und damit befriedigt sie die Bedürfnisse des Menschen nach Abwechslung, nach Aufregung - und seine Gier. Investoren sollten sich bei ihren Investmententscheidungen dieser Gefühle entledigen und sie vielmehr für ihre eigenen Vorteile nutzen. Denn wenn Panik herrscht, werden auch die besten Aktien zu Ausverkaufspreisen auf den Markt geworfen und wenn Gier vorherrscht, erzielen auch Ramsch-Titel ungeahnte Preise.

»Die Märkte können länger irrational bleiben, als du solvent.«
(John Maynard Keynes)

Die Börse ist alles, nur nicht rational. Und da Übertreibungen auch lange anhalten können, sind sie auch dazu geeignet, Anlegers Geldbörse stark zu schrumpfen. Daher ist es wichtig, seine Anlagen zu streuen, um das Risiko eines Totalverlusts zu verringern. Denn man sollte nicht zuerst nach den Chancen sehen, sondern zuvorderst die Risiken bedenken.

»Ein Investment liegt immer dann vor, wenn nach einer gründlichen Analyse in erster Linie Sicherheit und erst im Anschluss daran eine zufriedenstellende Rendite steht.«
(Benjamin Graham)

Die breiteste Diversifikation erzielt man, wenn man "den Markt kauft", also einen Fonds oder einen ETF erwirbt, der den jeweiligen Gesamtmarkt abbildet. Dann schwimmt man mit dem allgemeinen Trend und der Ausfall einzelner Titel fällt nicht stärker ins Gewicht als beim zugrundeliegenden Index. Langfristig erzielen US-Aktien eine Jahresperformance von durchschnittlich gut 8 Prozent. Wenn man die Gebühren für die Fonds/ETFs abzieht, bleibt immerhin noch eine zweistellige Rendite, was angesichts der "Null-Zins-Politik" der Notenbanken aktuell eine schwer zu toppende Aussicht ist und für viele Anleger, insbesondere aber Sparer, dürfte sich diese Strategie auszahlen.

»Bringe so viel Mut und Überzeugung auf, dass du zumindest 10 Prozent deines Kapitals in eine Geldanlage stecken kannst.«
(Warren Buffett)

Wer sich sein eigenes Depot zusammenstellen möchte, auch der sollte diversifizieren. Nach Anlageformen, nach Branchen, Regionen, Währungen. Durch dieses Streuen mindert man die Risiken relativiert jedoch im Gegenzug die Chancen, wenn man einen wirklichen Renditekracher im Depot hat. Dessen Anteil sinkt, je mehr andere Werte man noch mit im Portfolio führt. Doch man sollte natürlich stets bedenken, dass man nur äußerst selten vorher weiß, welche Unternehmen sich zu wahren Kursraketen entwickeln - und welche in die Insolvenz schlittern.

»Kaufen Sie nicht zu viele verschiedene Wertpapiere. Setzen Sie besser auf einige wenige Investitionen, die Sie im Blick behalten können.«
(Bernard Baruch)

Ich bin allerdings auch kein Freund einer zu breiten Streuung, sondern setze eher auf Konzentration statt Diversifikation. Und in der Tat, man kann beides haben! Nicht alles auf eine Karte zu setzen bedeutet nämlich nicht, alles zu kaufen. Sinnvoll ist vielmehr, sich (nur) die besten Unternehmen auszusuchen mit den besten Bewertungskennzahlen, den besten unternehmerischen Aussichten und den besten Managern und konsequent auf diese Besten zu setzen. Allerdings nicht nur auf einen, sondern auf die Besten der verschiedenen Branchen, Märkte, Regionen. Auch so diversifiziert man innerhalb seines Portfolios! Man muss nicht sechs Banken und zwölf Autobauer im Depot haben, sondern man sollte konsequent auf den bzw. die Besten von ihnen setzen. Und noch andere Branchen mit aufnehmen, um ein ausgewogenes, sicherheits- und gleichzeitig chancenorientiertes Portfolio aufzubauen.

Dabei habe ich ein kleine Zahl von großen Ankerinvestments, bei denen ich bei Kursschwäche sukzessive die Position immer mal wieder etwas aufstocke, und ich habe eine ganze Reihe von kleinen und mittleren Positionen von Werten, die größere Chancen und/oder höhere Risiken bergen. Bei diesen kann es auch zu einem schnelleren Austausch kommen, als es bei meinen Ankerinvestments der Fall ist. Diese sind "für die Ewigkeit" gedacht - solange sie die Qualitätskriterien noch erfüllen, die bei ihrem Kauf für mich ausschlaggebend waren.

Grundprinzipien eines solchen Depots sind die des Buy & Hold-Ansatzes, also langfristige Investitionen in Unternehmen, die auf eine solide Art und Weise in beständigen Märkten ihr Geld verdienen, die ihre operativen Gewinne und Cashflows Jahr für Jahr steigern und die attraktive und beständige Dividenden ausschütten und diese bestenfalls jedes Jahr noch anheben. Und auch die Vorzüge von Aktienrückkäufen sollte man nicht außer Acht lassen.

Kommentare:

  1. Guten Abend,

    Wieder ein klasse Artikel von dir und das mit den Ankerinvestm. Sehe ichbjbd handhabe ich genau so.
    Schön wäre es wenn wie bei deinen Turnaround Aktien, die du mit einem T versiehst, deine Ankerinvests mit einem A versehen würdest auf deiner Empfehlungsliste.
    Nur so ein Gedanke

    Schönen Abend zusammen

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    1. Interessante Idee. Allerdings ist der Zusatz "Turnaround" ja ein objektiver, weil sich das Unternehmen in einer Sondersituation befindet und daher Investments hier erhöhte Risiken bergen. Das "T" ist insofern ein Risikohinweis. Dem gegenüber wäre eine Kennzeichnung meiner Ankerinvestments ja rein subjektiv, nur auf meine persönliches Investmentportfolio bezogen. Die Empfehlungsliste soll allerdings nicht mein Depot abbilden, sondern eine kurze Übersicht über meine bisherigen Empfehlungen und ihre Entwicklung geben. Wenn man dort einen interessanten Wert entdeckt, kann (und sollte) man sich hier im Blog über diesen informieren. Und natürlich noch bei anderen Quellen, am besten auf der eigenen Website des Unternehmens durch Studium von deren Geschäftsberichten.

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  2. Hallo Herr Kissig,
    vielen Dank für diesen sehr schönen Artikel zum Thema Diversifikation. Besser kann man es nicht beschreiben! Noch bin ich eine Anfängerin in Sachen Aktien, Geld anlegen & Co. und finde Ihren Blog wirklich sehr spannend zu verfolgen. Freue mich auf weitere interessante Beiträge von Ihnen.
    Beste Grüße,
    Alessia

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  3. Guter Beitrag von dir (ich darf doch du sagen?) Michael!
    Ab wie vielen Positionen siehst du denn ein Portfolio ausreichend diversifiziert (sofern es über Währungen, Branchen und Länder ebenfalls ist)?
    Wo liegt für dich die max. Größe einer Position im Portfolio? Gibt es da auch Ausnahmen?

    Gruß
    Valueer

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    1. Moin Valueer,
      ich denke, dass man schon mindestens 5 Werte im Depot haben sollte, das ist für mich allerdings die absolute Untergrenze. Ich selbst habe zumeist 5 Ankerinvestments, das sind meine größten Positionen und dazu dann eine Reihe von mittleren und kleineren. Und ich habe ab und zu auch Kleinstpositionen von Turnaroundwerten, bei denen sich ein solcher noch nicht wirklich abzeichnet und die daher äußerst spekulativ sind.

      Über 25% sollte eine einzelne Position keinesfalls ausmachen, eher sollten 20% das Maximum sein. Aurelius war einmal bei mir so groß aufgrund der Kursgewinne, und auch Publity. Da war aber von vornherein für ich klar, dass ich nur einen Teil als Investment halte und aufgrund der starken Schwankungen der Aktie einen Teil als Spekulativen Trade-Bestand. Inzwischen halte ich "nur" noch den Investmentbestand von Publity als mittelgroße Position.

      Was die Diversifikation über Währungen und Länder angeht, so halte ich diese für zunehmend unwichtiger. Nimmt man den Euro, hat man schon eine breite Verteilung über verschiedene Länder, obwohl es dieselbe Währung ist. Und Aufgrund des hohen Anteils an ausländischen Produktionsstätten bei vielen Werten sind diese selbst als Unternehmen schon breit diversifiziert. Daher fokussiere ich mich eigentlich hauptsächlich auf Deutschland und die USA.

      Anders sieht es bei Branchen aus, hier sollte man schon aufpassen, nicht zu sehr auf eine oder zwei zu setzen. Wobei ich auch hier etwas anders agiere, denn ich setze ja stark auf Beteiligungsgesellschaften. Das könnte man als Klumpenrisiko bezeichnen, allerdings sind diese Unternehmen allesamt unterschiedlich aufgestellt. Bavaria und Blue Cap setzen auf Sanierungsfälle, Aurelius spielt inzwischen europaweit und in einer anderen Liga. MAX Automation, MBB und RIngmetall sind klassische Industrieholdings. Und auch die Deutsche Beteiligung ist eine solche, jedenfalls vom Investmentansatz her. Da sie inzwischen hauptsächlich über ihre selbst aufgelegten Fonds investiert und dabei Co-Investments bis zu 20% eingeht, ist sie auch ein Asset-Manager - ein weiterer Schwerpunkt meiner Investments (Publity, Llyods Fonds, Ernst Russ, MPC Capital, Patrizia Immobilien). Und Scherzer & Co. sowie Shareholder Value Beteiligungen sind auf deutsche börsennotierte AGs spezialisiert und auf Sondersituationen wie Squeeze-outs. Trotz der Branchenähnlichkeit findet sich hier eine breite Streuung. Natürlich sind sie alle auch vom Aktienmarkt abhängig und bei einem starken Markteinbruch alle negativ betroffen...

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