Montag, 5. August 2019

Warren Buffett rät Anlegern zum Diversifizieren. Aber nicht zu sehr...

Die Börse lebt von Extremen, Langeweile und Ruhe sind ihr zuwider. Und damit befriedigt sie die Bedürfnisse des Menschen nach Abwechslung, nach Aufregung - und seine Gier. Investoren sollten sich bei ihren Investmententscheidungen dieser Gefühle entledigen und sie vielmehr für ihre eigenen Vorteile nutzen. Denn wenn Panik herrscht, werden auch die besten Aktien zu Ausverkaufspreisen auf den Markt geworfen und wenn Gier vorherrscht, erzielen auch Ramsch-Titel ungeahnte Preise.
»Die Märkte können länger irrational bleiben, als du solvent.«
(John Maynard Keynes)
Die Börse ist alles, nur nicht rational. Und da Übertreibungen auch lange anhalten können, sind sie auch dazu geeignet, Anlegers Geldbörse stark zu schrumpfen. Daher ist es wichtig, seine Anlagen zu streuen, um das Risiko eines Totalverlusts zu verringern. Denn man sollte nicht zuerst nach den Chancen sehen, sondern zuvorderst die Risiken bedenken.

»Ein Investment liegt immer dann vor, wenn nach einer gründlichen Analyse in erster Linie Sicherheit und erst im Anschluss daran eine zufriedenstellende Rendite steht.«
(Benjamin Graham)
Die breiteste Diversifikation erzielt man, wenn man "den Markt kauft", also einen Fonds oder einen ETF erwirbt, der den jeweiligen Gesamtmarkt abbildet. Dann schwimmt man mit dem allgemeinen Trend und der Ausfall einzelner Titel fällt nicht stärker ins Gewicht als beim zugrunde liegenden Index. Langfristig erzielen US-Aktien eine Jahresperformance von durchschnittlich gut 8 Prozent. Wenn man die Gebühren für die Fonds/ETFs abzieht, bleibt immerhin noch eine zweistellige Rendite, was angesichts der "Null-Zins-Politik" der Notenbanken aktuell eine schwer zu toppende Aussicht ist und für viele Anleger, insbesondere aber Sparer, dürfte sich diese Strategie auszahlen.
»Bringe so viel Mut und Überzeugung auf, dass du zumindest 10 Prozent deines Kapitals in eine Geldanlage stecken kannst.«
(Warren Buffett)
Wer sich sein eigenes Depot zusammenstellen möchte, auch der sollte diversifizieren. Nach Anlageformen, nach Branchen, Regionen, Währungen. Durch dieses Streuen mindert man die Risiken relativiert jedoch im Gegenzug die Chancen, wenn man einen wirklichen Renditekracher im Depot hat. Dessen Anteil sinkt, je mehr andere Werte man noch mit im Portfolio führt. Doch man sollte natürlich stets bedenken, dass man nur äußerst selten vorher weiß, welche Unternehmen sich zu wahren Kursraketen entwickeln - und welche in die Insolvenz schlittern.
»Kaufen Sie nicht zu viele verschiedene Wertpapiere. Setzen Sie besser auf einige wenige Investitionen, die Sie im Blick behalten können.«
(Bernard Baruch)
Ich bin kein Freund einer zu breiten Streuung, sondern setze eher auf Konzentration statt Diversifikation. Und in der Tat, man kann beides haben! Nicht alles auf eine Karte zu setzen bedeutet nämlich nicht, wahllos alles zu kaufen. Sinnvoll ist vielmehr, sich (nur) die besten Unternehmen auszusuchen mit den besten Bewertungskennzahlen, den besten unternehmerischen Aussichten und den besten Managern und konsequent auf diese Besten zu setzen. Allerdings nicht nur auf einen, sondern auf die Besten der verschiedenen Branchen, Märkte, Regionen. Auch so diversifiziert man innerhalb seines Portfolios! Man muss nicht sechs Banken und zwölf Autobauer im Depot haben, sondern man sollte konsequent auf den bzw. die Besten von ihnen setzen. Und noch andere Branchen mit aufnehmen, um ein ausgewogenes, Sicherheit- und gleichzeitig Chancen orientiertes Portfolio aufzubauen.
»Breite Diversifikation ist nur dann nötig, wenn Investoren ihr Handwerk nicht verstehen
(Warren Buffett)
Dabei habe ich ein überschaubare Zahl von großen Ankerinvestments, bei denen ich bei Kursschwäche sukzessive die Position immer mal wieder etwas aufstocke, und ich habe einige kleinen und mittleren Positionen von Werten, die größere Chancen und/oder höhere Risiken bergen. Bei diesen kann es auch zu einem schnelleren Austausch kommen, als es bei meinen Ankerinvestments der Fall ist. Meine Ankerinvestments sind "für die Ewigkeit" gedacht - solange sie die Qualitätskriterien noch erfüllen, die bei ihrem Kauf für mich ausschlaggebend waren: echte Qualitätsinvestments eben mit breitem ökonomischen Burggraben (Moat). Die kleinen, spekulativeren, Werte stocke ich bei Gegebenheit auf, wenn sich mein Investmentcase bestätigt.

Grundprinzipien eines solchen Depots sind die des Buy & Hold-Ansatzes, also langfristige Investitionen in Unternehmen, die auf eine solide Art und Weise in beständigen Märkten ihr Geld verdienen, die ihre operativen Gewinne und Cashflows Jahr für Jahr steigern und die attraktive und beständige Dividenden ausschütten und diese bestenfalls jedes Jahr noch anheben. Und auch die Vorzüge von Aktienrückkäufen sollte man nicht außer Acht lassen. Als Ergänzung würze ich mein Depot noch mit der einen oder anderen Turnaround-Spekulation, wobei Chancen, aber vor allem auch Risiken erheblich höher sind als bei den Standardwerten. Und der Aufwand, auf dem Laufenden zu bleiben.


Meine Lese-Tipps
▶ "Buffett. Die Geschichte eines amerikanischen Kapitalisten" von Roger Lowenstein
▶ "Das Tao des Warren Buffett" von Mary Buffett und David Clark
▶ "Die Essays von Warren Buffett: Die wichtigsten Lektionen für Investoren" von Lawrence A. Cunningham
▶ "Investieren mit Warren Buffett. Sichere Gewinne mit der Fokus-Strategie" von Robert G. Hagstrom
▶ "So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen" von Mary Buffett und David Clark
▶ "So macht es Warren Buffett: 24 einfache Anlagestrategien" von James Pardoe
▶ "Warren Buffett. Das Leben ist wie ein Schneeball" von Alice Schroeder
▶ "Warren Buffett – Der Jahrhundertkapitalist" von Gisela Baur
▶ "Warren Buffett: Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie." von Robert G. Hagstrom

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    der Spruch mit der Diversifikation ist gar nicht so verkehrt in meinen Augen. Wobei man ja hauptsächlich gegen die Psyche und die Finger der "Anderen" ankämpft und da auch mal Qualität die einen sogenannten "klumpen" bildet unter harten Schwankungen leiden kann.

    Nur wirds wie schon beschrieben von dir einfach nachgekauft, solange der Investmentcase intakt ist. Schön beschrieben.

    Ich habe heute erst wieder im Zuge von Recherche meinerseits zu "überhöhten Erwartungen" und Vorschusslorbeeren bei Techunternehmen gelesen und dann bin ich auf Stadler Rail gestoßen, wo e in meinen AUgen ähnlich ist, dass viel Geplänkel da ist bei eigentliche soliden Zahlen, Aber die Psyche der Leute rationale Überlegungen ad acta legt.

    Trotzdem kann ich mir dann ein bisschen Mitgehen mit der Stimmung selten verkneifen, solange mein Spass Depot noch Cash hat. Ist das bei dir auch so? oder bist du selbst bei Turnarounds so garnicht gepackt von einer gewissen Mentalität?

    Viele Grüße, Dagobert

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich spreche ja nie von Turnaround-Investitionen, sondern immer von Turnaround-Spekulationen. Die trenne ich (gedanklich) von meinen Investments, weil man an Turnarounds ganz andere Maßstäbe und Erwartungen legen muss. Sie haben ganz andere, niedrigere Risikotoleranzen und machen in meinem Depot dem entsprechend auch immer nur einen kleinen Teil aus. Ich würde sie als Beimischung sehen mit Extra-Kick, nicht als Diversifikation. Bei meinen "Standardinvestments" konzentriere ich mich auf wenige Werte - ich muss nicht fünf US-Großbanken im Depot haben, da kann ich mir schon die beste herauspicken. Und wenn ich dazu nicht in der Lage bin, dann sind vielleicht doch eher ETFs oder Fonds die richtige Wahl für mich und nicht Stock-Picking...

      Löschen
  2. thenextbigthing06.08.19, 10:08

    Ich finde das mit jeden Tag den man an der Börse ist, immer mehr die Kurse zur Nebensache werden. Klar ist es schon blöd, wenn Titel wie MBB plötzlich 30% im Minus sind, aber wenn es gute Unternehmen sind, dann muss man einfach Geduld haben. Geduld kann man wunderbar an der Börse erlernen.

    Und auch Aktienrückkaufprogramme begrüße ich immer sehr. Mein Depot ist definitv Buy&Hold, allerdings sollte man - wie geschrieben - auch immer die Unternehmen im Auge behalten. ETF's habe ich auch, aus dem einfachen Grund das ich eben nicht jedes Unternehmen ständig verfolgen kann und etwas Sicherheit haben möchte.

    AntwortenLöschen
  3. Ich bin ein Freund davon, den Weltmarkt zu kaufen. Warum? Niemand weiß, ob die großen Automobilunternehmen in Zukunft noch existieren werden. Oder ob es Automobile in Zukunft noch gibt. Aber: Es wird in 20 Jahren noch das Bedürfnis geben, mobil zu sein. Ob dann mit einem Flugauto, Raketentornister oder Segelboot, das weiß niemand. Aber es wird die grundsätzliche Nachfrage geben. Mit einem Weltportfolio, der die größten Unternehmen bündelt, trage ich dem Rechnung. Mir ist es egal, welcher Unternehmer in welchem Land das Rennen macht, ich gehe dahin, wo das Kapital hinfließt. Und das hat, auf lange Sicht, immer Recht.

    AntwortenLöschen