Montag, 30. Juli 2018

Warren Buffett rät Anlegern zum Diversifizieren. Aber nicht zu sehr...

Die Börse lebt von Extremen, Langeweile und Ruhe sind ihr zuwider. Und damit befriedigt sie die Bedürfnisse des Menschen nach Abwechslung, nach Aufregung - und seine Gier. Investoren sollten sich bei ihren Investmententscheidungen dieser Gefühle entledigen und sie vielmehr für ihre eigenen Vorteile nutzen. Denn wenn Panik herrscht, werden auch die besten Aktien zu Ausverkaufspreisen auf den Markt geworfen und wenn Gier vorherrscht, erzielen auch Ramsch-Titel ungeahnte Preise.

»Die Märkte können länger irrational bleiben, als du solvent.«
(John Maynard Keynes)

Die Börse ist alles, nur nicht rational. Und da Übertreibungen auch lange anhalten können, sind sie auch dazu geeignet, Anlegers Geldbörse stark zu schrumpfen. Daher ist es wichtig, seine Anlagen zu streuen, um das Risiko eines Totalverlusts zu verringern. Denn man sollte nicht zuerst nach den Chancen sehen, sondern zuvorderst die Risiken bedenken.


»Ein Investment liegt immer dann vor, wenn nach einer gründlichen Analyse in erster Linie Sicherheit und erst im Anschluss daran eine zufriedenstellende Rendite steht.«
(Benjamin Graham)

Die breiteste Diversifikation erzielt man, wenn man "den Markt kauft", also einen Fonds oder einen ETF erwirbt, der den jeweiligen Gesamtmarkt abbildet. Dann schwimmt man mit dem allgemeinen Trend und der Ausfall einzelner Titel fällt nicht stärker ins Gewicht als beim zugrundeliegenden Index. Langfristig erzielen US-Aktien eine Jahresperformance von durchschnittlich gut 8 Prozent. Wenn man die Gebühren für die Fonds/ETFs abzieht, bleibt immerhin noch eine zweistellige Rendite, was angesichts der "Null-Zins-Politik" der Notenbanken aktuell eine schwer zu toppende Aussicht ist und für viele Anleger, insbesondere aber Sparer, dürfte sich diese Strategie auszahlen.

»Bringe so viel Mut und Überzeugung auf, dass du zumindest 10 Prozent deines Kapitals in eine Geldanlage stecken kannst.«
(Warren Buffett)

Wer sich sein eigenes Depot zusammenstellen möchte, auch der sollte diversifizieren. Nach Anlageformen, nach Branchen, Regionen, Währungen. Durch dieses Streuen mindert man die Risiken relativiert jedoch im Gegenzug die Chancen, wenn man einen wirklichen Renditekracher im Depot hat. Dessen Anteil sinkt, je mehr andere Werte man noch mit im Portfolio führt. Doch man sollte natürlich stets bedenken, dass man nur äußerst selten vorher weiß, welche Unternehmen sich zu wahren Kursraketen entwickeln - und welche in die Insolvenz schlittern.

»Kaufen Sie nicht zu viele verschiedene Wertpapiere. Setzen Sie besser auf einige wenige Investitionen, die Sie im Blick behalten können.«
(Bernard Baruch)

Ich bin kein Freund einer zu breiten Streuung, sondern setze eher auf Konzentration statt Diversifikation. Und in der Tat, man kann beides haben! Nicht alles auf eine Karte zu setzen bedeutet nämlich nicht, wahllos alles zu kaufen. Sinnvoll ist vielmehr, sich (nur) die besten Unternehmen auszusuchen mit den besten Bewertungskennzahlen, den besten unternehmerischen Aussichten und den besten Managern und konsequent auf diese Besten zu setzen. Allerdings nicht nur auf einen, sondern auf die Besten der verschiedenen Branchen, Märkte, Regionen. Auch so diversifiziert man innerhalb seines Portfolios! Man muss nicht sechs Banken und zwölf Autobauer im Depot haben, sondern man sollte konsequent auf den bzw. die Besten von ihnen setzen. Und noch andere Branchen mit aufnehmen, um ein ausgewogenes, sicherheits- und gleichzeitig chancenorientiertes Portfolio aufzubauen.

»Breite Diversifikation ist nur dann nötig, wenn Investoren ihr Handwerk nicht verstehen
(Warren Buffett)

Dabei habe ich ein überschaubare Zahl von großen Ankerinvestments, bei denen ich bei Kursschwäche sukzessive die Position immer mal wieder etwas aufstocke, und ich habe eine ganze Reihe von kleinen und mittleren Positionen von Werten, die größere Chancen und/oder höhere Risiken bergen. Bei diesen kann es auch zu einem schnelleren Austausch kommen, als es bei meinen Ankerinvestments der Fall ist. Meine Ankerinvestments sind "für die Ewigkeit" gedacht - solange sie die Qualitätskriterien noch erfüllen, die bei ihrem Kauf für mich ausschlaggebend waren. Die kleinen, spekulativeren, Werte stocke ich bei Gegebenheit auf, wenn sich mein Investmentcase bestätigt.

Grundprinzipien eines solchen Depots sind die des Buy & Hold-Ansatzes, also langfristige Investitionen in Unternehmen, die auf eine solide Art und Weise in beständigen Märkten ihr Geld verdienen, die ihre operativen Gewinne und Cashflows Jahr für Jahr steigern und die attraktive und beständige Dividenden ausschütten und diese bestenfalls jedes Jahr noch anheben. Und auch die Vorzüge von Aktienrückkäufen sollte man nicht außer Acht lassen. Als Ergänzung würze ich mein Depot noch mit der einen oder anderen Turnaround-Spekulation, wobei Chancen, aber vor allem auch Risiken erheblich höher sind als bei den Standardwerten. Und der Aufwand, auf dem Laufenden zu bleiben.

Kommentare:

  1. Nicht von Warren Buffet aber von Peter Lynch stammt diese Strategie: „Investieren in das, was du kennst“. Und diese Strategie gekoppelt mit dem Rat Buffets zu Diversifizieren ergibt eine wesentlich sichere Anlageform als das pure Zocken, was heute einen Großteil des Handels mit Wertpapieren ausmacht. Langfristig gesehen werfen große Unternehmen bessere Renditen ab, das Risiko ist immer überschaubar.

    Sehr interessanter Artikel,

    VG Markus Peters

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  2. Ich bin eher ein Freund der breiten Streuung bzw. Diversifikation. Dabei gebe ich Dir komplett recht - damit ist es unwahrscheinlicher, eine "Überrendite" zu erzielen. Das Risiko besonders hoher Ausfälle im Portfolio ist aber eben auch reduziert. Das diversifizierbare Risiko möchte ich also auch gerne rausdiversifizieren. Dazu muss ich aber nicht den ganzen Markt kaufen. Schon bei einer Verteilung ab 20 Titel (meine persönliche Meinung: ab 50 Titel) ist statistisch gesehen ein großer Teil des unsystematischen Risiko eliminiert.

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    1. Die Frage ist halt, ab wie vielen Einzeltiteln es nicht Sinn macht, gleich auf Branchen-ETFs zu setzen. Und bei 50 Titeln, möglichst breit über diverse Länder und Branchen gestreut, ist der Researchaufwand ja nicht unbeträchtlich. Jedenfalls wenn man seinen Investments ernsthaft folgen möchte.

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