Samstag, 22. August 2020

Frank Sands kombiniert Value und Growth und setzt auf langfristiges profitables Wachstum

Frank Sands ist ein überaus erfolgreicher Investor und leitet die gleichnamige Anlagegesellschaft Sands Capital Management seit er sie 1992 gegründet hat – inzwischen gemeinsam mit seinem Sohn Frank Sands Jr. Dabei setzen sie bei Unternehmen auf langfristiges profitables Wachstum.

Der klassische Konflikt zwischen Value und Growth, also bei der Auswahl zwischen unterbewerteten Buchwert-Schnäppchen oder Wachstumsaktien, beschäftigt Frank Sands nicht. Er hält es hier wie Warren Buffett, der bereits vor vielen Jahren meinte, er sähe diesen Zwiespalt auch nicht mehr. Obwohl er zwischen beiden Ansätzen in seinen jungen Jahren auch eine strikte Trennung gesehen habe, sei er inzwischen längst der Auffassung, Wachstum sei ein Bestandteil des Value-Ansatzes und daher liege hier kein grundsätzlicher Konflikt vor, sondern man müsse jeweils den Einzelfall betrachten: ein Wachstumsunternehmen, das keinen nachhaltigen Wert schafft, ist kein gutes Investment. Ein Value-Unternehmen ohne Wachstum reduziert das Anlagespektrum auf die berühmten Zigarrenstummel nach Benjamin Graham. Frank Sands hingegen bevorzugt, wie auch Buffett, Unternehmen mit solidem Wachstum zu einem attraktiven Preis.

Dabei waren Wachstumsunternehmen eine Zeit lang verpönt, denn vor dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000 war ja die "New Economy" ausgerufen worden, in deren Folge die Aktienkurs von allem was nach Internet oder Telekommunikation klang, in schwindelerregende Höhen schoss. Grundgedanke der New Economy war, dass die Transformation unseres Lebens hin zu modernen Kommunikationsmitteln die Grundsätze der Wirtschaft, die wir spätestens seit Adam Smith verstanden haben, aus den Angeln heben würde. Nicht neu, gleiches hat man auch von den Eisenbahnen gedacht, das mal so am Rande.
»Wenn man mit jedem ausgegebenen Dollar nur 90 Cents erwirtschaftet, ist Wachstum keine Lösung.«
(Jack Welch)
Die New Economy agierte nach dem Motto: "Umsatz ist der neue Gewinn" und das funktionierte genau so lange, bis die Verluste anhäufenden Wachstumsunternehmen am Kapitalmarkt kein frisches Geld mehr bekamen. "Cash-Burn-Rate" wurde dann auf einmal zum Börsenwort des Jahres. Dabei ist es ganz einfach, denn die Grundmechanismen der Ökonomie gelten in jedem Markt. Werden sie ignoriert, bilden sich Blasen und die platzen irgendwann.
»Für augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht.«
(Werner von Siemens)
Siemens und Welch sind zwei Unternehmenspatriarchen, die als Chefs von Industriegiganten kaum verdächtig gewesen wären, dass sie sich von der New Economy hätten anstecken lassen. Nicht nur, weil sie deutlich vor dieser Zeit aktiv waren. Und ihre beiden Aussagen widersprechen sich auch nicht; sie sind eher als Leitplanken derselben Straße zu verstehen. Wachstum um jeden Preis, führt zur Katastrophe; es muss auch profitabel sein. Für überschaubare Zeiträume kann man Gewinn für Wachstum opfern, wenn man z.B. einen neuen Markt erobern will. Aber eben nur vorübergehend; am Ende muss wieder die Gewinnerzielung stehen. Nur so funktioniert das Wirtschaftsleben.

Dieses Verständnis ist auch die Grundlage der Investmentphilosophie von Frank Sands. Er ist auf der Suche nach dominierenden Wachstumsunternehmen und geht nach einem strikten Katalog mir sechs Kriterien vor:
  1. Nachhaltiges überdurchschnittliches Gewinnwachstum
  2. Marktführerschaft in ihrer jeweiligen Branche
  3. Bedeutende Wettbewerbsvorteile sowie ein einzigartiges Geschäftsmodell (Burggraben, Moat)
  4. Eine klare Philosophie mit Wert schöpfendem Fokus
  5. Finanzstärke
  6. Angemessene Bewertung im Hinblick auf Markt- und Geschäftsaussichten
Mir gefällt sein Investmentansatz und ich finde viel von meinen eigenen Überlegungen darin wieder. Auch deshalb ist Frank Sands ein gern gesehener Gast in meiner Serie "Portfoliocheck", in der ich regelmäßig die Depots der besten Value Investoren unserer Zeit unter die Lupe nehme.

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