Montag, 19. Januar 2026

Kissigs Portfoliocheck: Buffett im (Un-)Ruhestand – und was wird jetzt aus Berkshire?

In meiner Kolumne "Kissigs Portfoliocheck" nehme ich regelmäßig für das "Aktien Magazin" von Traderfox die Depots der besten Investoren unserer Zeit unter die Lupe.

In meinem 330. Portfoliocheck blicke ich wieder Warren Buffett über die Schulter. Seine Performance ist atemberaubend: über mehr als 50 Jahre hinweg legte er eine Rendite von fast 20 % pro Jahr hin und schlug den S&P 500 in den meisten Jahren. Das "Orakel von Omaha", wie Warren Buffett von seinen Anhängern auch ehrfurchtsvoll genannt wird, ist einer der reichsten Menschen der Welt, doch er ist kein Unternehmer, sondern er ist Investor. Ein Investor der Superlative, denn seinen Reichtum verdankt er ausschließlich dem Investieren.

Ende des 3. Quartals 2025 hatte Buffett 41 Aktienpositionen im Depot, darunter eine Neuaufnahme, während der Gesamtwert seines Aktienportfolios leicht auf 267,3 Mrd. USD anwuchs. Sein Portfolio bleibt stark fokussiert, denn die drei größten Positionen stellen mehr als die Hälfte des Gesamtwerts und die fünf größten Positionen bringen es auf mehr als zwei Drittel Gewichtung. Mit einer Turnoverrate von 2 % war er etwas aktiver als zuvor, aber insgesamt gewohnt passiv. Er hat Aktien im Wert von 7,1 Mrd. USD gekauft, aber im Gegenzug Verkäufe im Volumen von 11,6 Mrd. USD getätigt. Er war also erneut Nettoverkäufe von Aktien und Berkshires Aktienquote sank mit 267,3 Mrd. USD auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren – auch wenn der Depotwert sich dank steigender Börsenkurse um knapp 10 Mrd. USD erhöht hat.

Spitzenreiter bei der Sektorgewichtung bleiben weiterhin die Finanzwerte mit wieder deutlich erhöhtem Anteil von 41 %, während die dahinter liegenden Technologiewerte 23,6 % auf die Waage bringen. Defensive Konsumwerte sanken leicht auf 15,0 %, halten sich aber vor dem Energiesektor mit 11,8 % und den Kommunikationswerten, die ihren Anteil auf 3,5 % annähernd verdoppelt haben und damit die Gesundheitsbranche überholten, die weiter nachgab auf 2,3 %.

Nach einer vorübergehenden Pause hat Buffett nun zum zweiten Mal wieder Apple-Aktien verkauft. Er trennte sich von 14,8 Mio. Anteilen bzw. knapp 15 % seines Bestands. Und auch bei der Bank of America blieb er auf der Verkäuferseite und stieß weitere 6 % seiner Position ab, während er bei VeriSign sogar ein Drittel seiner Position verkauft hat.

Erneut aufgestockt hat Buffett seine Position am Spezialversicherer Chubb Ltd., SiriusXM und an Domino's Pizza. Besonders bemerkenswert ist allerdings Buffetts Einstieg bei der Google-Mutter Alphabet. Den Zug hatte er immer wieder verpasst und im Jahr 2017 angemerkt, dass er Google schon vor Jahren hätte kaufen sollen.

Und doch ist dies alles nur Begleitmusik, denn die eigentliche Geschichte spielt sich woanders ab: nach 60 Jahren auf dem Chefposten ist Warren Buffett ins zweite Glied zurückgetreten und hat den Staffelstab an Greg Abel übergeben. Operativ liefen die Geschäfte bei Berkshire hervorragend, aber der Kurs preist schon länger den "Buffett-Faktor" aus und hinkt der Börsenentwicklung hinterher. Doch Buffett hat seine Entscheidung für Abel nicht aus der Not heraus getroffen, sondern aus Überzeugung! Und zeigte er sich überzeugt, dass Berkshire auch in hundert Jahren noch bestehe und erfolgreich sei - aber kann das wirklich wahr sein?


Disclaimer: Habe Alphabet, Apple, Berkshire, Domino's auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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