Samstag, 24. Oktober 2026

Kissigs Wochenrückblick 43/2026: Die Kurstreiber in meinem Depot waren Comfort Systems, Quanta Services, Almonty, 2G Energy und KKR. Der entschleunigte AI-Trade kostet (mich) weiterhin Rendite. Und Nerven...

Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.

Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung sowie altkluge Einschätzungen. Natürlich... ツ

Dies waren in der vergangenen Börsenwoche die größten Gewinner und Verlierer in meinem Depot:

📈 KKR & Co. +6,4 %
📈 Deutsche Rohstoff  +5,8 %
📈 Rocket Lab +3,9 %
📈 Verisk Analytics +2,9 %
📈 Costco +1,8 %
📉 Vincorion -5,0 %
📉 2G Energy -6,4 %
📉 Almonty Industries -9,7 %
📉 Quanta Services -13,2 %
📉 Comfort Systems -19,0 %

Es war eine weitere heftige Börsenwoche, in der sich die Angst vor einem Platzen der KI-Bubble weiter beschleunigte und die Korrektur an der Nasdaq fortführte. In aller Kürze könnte man sagen, dass die KI-Euphorie Risse bekommt und der Ölpreisschock die Märkte belastet (sowie Bürger und Unternehmen).

Dabei begann die letzte Börsenwoche mit der Hoffnung auf eine Fortsetzung der Erholung, endete aber deutlich ernüchternder. Vor allem an der Wall Street gerieten Technologie- und KI-Aktien unter Druck, als Zweifel an der Rentabilität der gewaltigen KI-Investitionen aufkamen. Gleichzeitig sorgte die Eskalation im Nahen Osten für einen kräftigen Anstieg der Ölpreise. In Deutschland kamen schwächere Konjunktursignale und Verluste bei wichtigen Industrie- und Technologiewerten hinzu.

USA: Zweifel am KI-Boom drücken die Technologiebörse

Die wichtigste Entwicklung an der Wall Street war der Stimmungsumschwung bei KI-Aktien. Nachdem sich die US-Börsen zu Wochenbeginn zunächst erholt hatten, sorgten die Quartalsberichte und Geschäftsaussichten großer Technologiekonzerne für neue Zweifel. Anleger wollen zunehmend wissen, wann sich die Milliardeninvestitionen in Rechenzentren, Chips und KI-Infrastruktur tatsächlich in dauerhaft höhere Gewinne und freie Cashflows übersetzen. Es scheint so, als würde sich bei allen Quartalsergebnissen der Fokus nur noch auf diesen Punkt verengt haben und jede Zahl würde negativ interpretiert. Besonders deutlich zeigte sich die Nervosität am Donnerstag, als der Nasdaq Composite 2,6 % verlor und der S&P 500 um 1,2 % nachgab.

Das hat schon (erste) panikartige Züge und kommt grenzt an Anlegerkapitulation - im Technologiespektrum. Währenddessen legen gleichzeitig viele Aktien außerhalb des Technologiesektors zu und das deutet darauf hin, dass es sich nicht um einen flächendeckenden Ausverkauf, sondern vor allem um eine Neubewertung hoch bewerteter Wachstumswerte handelt. Allerdings gab es schon öfter solche anfänglichen Wechseltendenzen, die sich aber seit 2009 nie durchgesetzt haben, sondern immer nach kurzer Zeit wieder umschwenkten zur Outperformance der Technologiewerte. Weil dort die freien Cashflows immer gewaltiger wurden - und nun sind die freien Cashflows bei den Hyperscalern ins Minus gerutscht und weitergewandert. Aber zu den Chipherstellern, die ebenfalls zum Technologiesektor zählen. Die Geschichte ist also an dieser Stelle noch nicht zu Ende erzählt.

Meta: Gute Umsätze, aber der freie Cashflow bricht ein

Exemplarisch dazu passt die Entwicklung bei Meta Platforms, denn der Quartalsbericht von Meta wurde zum Sinnbild des Dilemmas, vor dem die großen KI-Investoren stehen. Der Facebook- und Instagram-Konzern steigerte seinen Umsatz im dritten Quartal um 26 % auf 64,6 Mrd. Dollar. Gleichzeitig erhöhten sich die Investitionsausgaben auf 34,9 Mrd. Dollar und der freie Cashflow rutschte mit -2,1 Mrd. Dollar ins Minus. Für 2026 stellte Meta nochmals leicht erhöhte Investitionen von bis zu 145 Mrd. Dollar in Aussicht. Damit verschob sich der Fokus der Anleger von der operativen Stärke hin zur Frage, wie lange sich die milliardenschwere KI-Offensive finanzieren lässt und wann sie sich auszahlt. Die Aktie geriet unter Druck, obwohl das operative Werbegeschäft weiterhin kräftig wuchs. 

Tesla: Weniger Investitionen sorgen für neue Fragezeichen

Auch Tesla lieferte ein Beispiel für die zwiespältige Stimmung rund um künstliche Intelligenz. Der Elektroautobauer überraschte mit einem positiven freien Cashflow von 1,53 Mrd. Dollar im dritten Quartal und senkte zugleich seine Investitionsplanung für das Gesamtjahr von mehr als 25 Mrd. auf rund 20 Mrd. Dollar. Was zunächst nach finanzieller Disziplin aussieht, weckt allerdings Zweifel. Denn wenn Tesla bei KI, Robotaxis und humanoiden Robotern tatsächlich eine führende Rolle spielen will, dürfte ein geringeres Investitionstempo auch die Wachstumsambitionen von Konzernchef Elon Musk bremsen. Die Aktie konnte ihre anfänglichen Kursgewinne nicht halten. Das zeigt, wie stark die Bewertung inzwischen von Zukunftsversprechen abhängt.

SpaceX: Ein Lichtblick für die KI-Investoren

Ein positiver Kontrapunkt kam von SpaceX, dessen Quartalszahlen am Markt Hoffnungen auf eine wirtschaftlich erfolgreiche KI-Expansion weckten. Das Unternehmen meldete für das dritte Quartal einen Umsatzanstieg um 161% auf 14,6 Mrd. Dollar und erzielte erstmals seit dem Börsengang einen Gewinn. Ein wesentlicher Teil des Geschäfts entfiel auf die KI-Sparte. Das ist zwar kein Beweis dafür, dass sich die hohen Investitionen aller Technologiekonzerne rechnen werden. Es zeigt aber, dass einzelne Unternehmen bereits erhebliches Wachstum aus dem Zusammenspiel von Infrastruktur und KI-Geschäft erzielen können. Für den Markt bleibt entscheidend, ob weitere Unternehmen solche Ergebnisse vorweisen können.

Der neuste Taschenspielertrick von Elon Musk wirkt allerdings eher wie der eines Getriebenen und die in den Raum gestellte mögliche Fusion von Tesla mit SpaceX überzeugt nicht (nur mich) nicht wirklich.

Ölpreis: Nahostkonflikt verschärft die Inflationssorgen

Neben den kritisch beäugten Unternehmenszahlen entwickelte sich der Ölmarkt zum zweiten großen Belastungsfaktor - mal wieder und immer noch. Nach neuen Angriffen der Huthi auf Saudi-Arabien und der Sorge vor einer weiteren Eskalation im Nahen Osten stieg der Preis für Brent zeitweise auf rund 116 Dollar je Barrel. Höhere Energiepreise wirken wie eine zusätzliche Steuer auf Unternehmen und Verbraucher, denn sie verteuern Produktion und Transport, schmälern Kaufkraft und heizen die Inflation weiter an.

Dabei stehen die USA noch vergleichsweise gut da, denn Benzin, Diesel oder Gas sind dort wesentlich preisgünstiger als in Europa und Asien. Und dennoch auf Rekordniveau, was die Amerikaner zunehmend gegen Trump und seinen Kamikazekurs aufbringt. Der ist zwei Wochen vor den Midterms inzwischen so verzweifelt, dass er Diesel bei Despot Putin erbettelt und nun auch noch US-Raffinerien 150 Mio. Dollar zur Verfügung stellt, um die Kraftstoffversorgung auszuweiten – zu einem Zeitpunkt, an dem diese Raffinerien die höchsten Gewinnspannen ihrer Geschichte verzeichnen.  Aber Trump will mit allen Mitteln die Preise an den Tankstellen senken, bevor die Wähler seine Republikaner bei den Midterms aus den Ämtern jagen. Raffineriebetreiber Philipps 66 profitiert von der Entwicklung ebenso wie die US-Eisenbahngesellschaft Union Pacific.
Bei beiden Unternehmen habe ich die Entwicklung früh (genug) erkannt, mich aber dennoch nicht zu einem Investment verleiten lassen. Zu blöd, denn die Kurse haben sich weiter prächtig entwickelt...

Bei Qiagen gehen die Börsenlichter aus

Bei Qiagen kommt Bewegung in die seit sieben Jahren andauernden Übernahmespekulationen: EQT wird den Molekulardiagnostik-Spezialisten für 9,6 Mrd. Euro übernehmen und anschließend von der Börse nehmen. Es ist die erste Übernahme eines DAX-Unternehmens durch einen Private Equity-Investor.

Mein Fazit: Der Markt verlangt zunehmend Beweise statt Versprechen

Die vergangene Börsenwoche machte deutlich, dass die Anleger bei KI-Unternehmen anspruchsvoller werden. Umsatzwachstum allein reicht nicht mehr aus, wenn gleichzeitig die Investitionsausgaben explodieren und der freie Cashflow unter Druck gerät. Die hohen Ölpreise verschärfen zudem die Inflationsrisiken und erschweren eine Entspannung an der Zinsfront.

Die Wochenbilanz fiel entsprechend gemischt aus: Während der Dow Jones leicht zulegte, verloren S&P 500 und Nasdaq auf Wochensicht an Boden. Der DAX entwickelte sich ebenfalls schwach. Für Anleger dürfte deshalb in den kommenden Wochen vor allem entscheidend sein, welche Unternehmen ihre hohen Bewertungen mit nachhaltig steigenden Gewinnen und Cashflows rechtfertigen können.

Der Fear-and-Greed-Index ist in der letzten Woche von 18 auf 21 Punkte leicht angestiegen, signalisiert aber weiterhin die "extreme Angst" der Anleger.


Nun der Blick in mein Depot, das in der letzten Woche weiter korrigiert hat, nachdem schon die Vorwochen deutliche Verluste eingespielt hatten. Der Oktober hat sich damit bisher als echter Börsenhorrormonat entpuppt, jedenfalls was mein Depot angeht.

KKR: Der KI-Boom trocknet doch nicht wirklich finanziell aus?!

KKR ist ein Lichtblick in dieser Woche. Denn bei allen KI-Sorgen rückt ein weiterer Aspekt ins Rampenlicht: Geld. Ed Yardeni erklärte hierzu kürzlich: "Anleger haben sich Sorgen gemacht, dass KI-Unternehmen zu viel für Rechenzentren ausgeben. Die einst reichlichen freien Cashflows dieser Unternehmen sind negativ geworden und zwingen sie, Geld zu leihen. Die Bedenken sind gewachsen, dass sie die Finanzierungskosten in die Höhe treiben und keine ausreichenden Renditen erzielen werden, um ihre riesigen Investitionen zu rechtfertigen. Nun rückt eine weitere Sorge in den Vordergrund: Gibt es überhaupt genug Kapital, um die ambitionierten KI-Ausgabenpläne aller zu finanzieren?"

Mehrere Branchenführer haben diese Sorge bestätigt. Hock Tan, CEO von Broadcom, warnte kürzlich, dass Kapital der größte Engpass für die KI-Entwicklung werden könnte. Larry Fink, CEO von BlackRock, sagte, der Wettbewerb um Kapital sei der härteste, den er in seiner Karriere erlebt habe. Und am Donnerstag warnte Nvidia-CEO Jensen Huang, dass die Nachfrage nach Neoclouds "durch die Decke geht", aber Kapital knapp ist.

Während die Börse bei den Alternativen Asset Managern weiterhin zuvorderst auf die siechenden Private Equity-Verkaufserlöse starrt und die Aktien deshalb abstraft (der Sektor liegt branchenweit knapp 50 % unterhalb seiner Allzeithochs), boomt der Bereich Private Credit ungebremst. Denn genau hierher stammt das Geld, was den KI-Boom finanziert. Die "Fee Related Earnings", also die steigen Provisionserlöse aus dem Managen der weiterhin sprudelnden Investorengelder, steigen weiter kräftig an und machen die Unternehmen immer wertvoller. Wie schon 2022 laufen die Exit von Unternehmensbeteiligungen aktuell nicht rund, aber das sind keine abgesagten Verkäufe (und Gewinnanteile), sondern aufgeschobene. Auch 2022 löste sich der Knoten nach einiger Zeit und die Exits und Gewinne schossen wieder in die Höhe. Bei den Alternativen Asset Managern winken also erhebliche (Kurs-) Potenziale - aber das erkläre ich ja schon seit Wochen und Monaten.

Deutsche Rohstoff AG: Vor dem nächsten Gewinnschub?

Auch der Kurs der Deutschen Rohstoff AG konnte erneut ordentlich zulegen. Die DRAG produziert über mehrere Tochterunternehmen Öl und Gas in den USA und verdient sich damit gerade eine goldene Nase. Der größte Gewinnbeitrag stammt aber aus einer Rohstoff-Investition, die bereits vor deutlich mehr als 10 Jahren eingegangen wurde: Almonty Industries. Und das Setzen auf den kritischen Rohstoff Wolfram zahlt sich jetzt so richtig aus. Für Almonty, aber auch für die Deutsche Rohstoff AG.

Bis zum 30. Juni 2026 realisierte die Deutsche Rohstoff zudem aus Teilveräußerungen von 11,6 Mio. Almonty-Aktien einen Gewinn vor Steuern von rund 128 Mio. Euro. Insgesamt wurden in 2026 aber bereits 14,3 Mio. Almonty-Aktien veräußert, davon 2,7 Mio. Aktien aber erst nach dem 30. Juni 2026 - deren Gewinn fließt also in die Ergebnisse des dritten Quartals ein. Der zweite Teilverkauf der Almonty-Position von rund 5 Mio. Anteilen erfolgte zu 16 Dollar und damit wurde ein weiterer außerordentlicher Gewinn von rund 65 Mio. Euro erzielt; zusammen sind es bisher 193 Mio. Euro (vor Steuern). Folgerichtig hob die DRAG vor einigen Monaten ihre Gewinnprognose für 2026 an und erwartet nun im Basisszenario ein EBITDA von 355 bis 375 Mio. Euro statt zuvor 290 bis 310 Mio. Euro.

Das Zauberwort ist "Basisszenario". Denn dabei kalkuliert die DRAG mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 75 Dollar je Barrel. Und der Ölpreis notiert seit einem halben Jahr solide und zunehmend über dieser Marke. Zudem hat die DRAG mit einem Teil des Verkaufserlöses aus dem Alonty-Verkäufen ihr Bohrprogramm ausgeweitet und damit ihre Förderung hochgeschraubt. Sie wird daher im zweiten Halbjahr und damit auch im Gesamtjahr 2026 sehr viel mehr Öl und Gas fördern, als in 2025. Damals produzierte sie durchschnittlich rund 13.550 BOEPD (Barrel Öl-Equivalent pro Tag) und aktuell dürften es bereits um die 25.000 BOEPD sein – mit weiter steigender Tendenz. Es ist also absehbar, dass die DRAG sehr viel mehr verdienen wird, als geplant. Des Weiteren hat das DRAG-Management bei Präsentation der Halbjahresergebnisse erklärt, aktuell kaum Preisabsicherungsgeschäfte vorzunehmen, so dass die höheren Erlöse voll in der Gewinn- und Verlustrechnung aufschlagen. Eine weitere Anhebung der Gewinnprognosen scheint also unausweichlich!

Aber es kommt noch besser. Denn die Deutsche Rohstoff AG hat viele Jahre lang Almonty beinahe im Alleingang finanziert und immer wieder frisches Geld in das Unternehmen gesteckt, als dessen Erfolg allenfalls ein Wagnis war, aber keinesfalls sicher. Zu der Zeit notierte der Almonty-Aktienkurs deutlich unter einem kanadischen Dollar (CAD) und Almonty hat mehrfach Wandelanleihen begeben, die von der DRAG gezeichnet wurden. Und drei dieser Wandelanleihen laufen am 31.10.2026 aus und stehen zur Rückzahlung an. Bei einer der Anleihen hat Almonty die Wahl, ob in Cash oder Aktien zurückgezahlt wird. Und angesichts des um ein Vielfaches erhöhten Almonty-Kurses wird Almonty die Cash-Option ziehen. Hieraus fließen der DRAG dann rund 2 Mio. CAD zuzüglich aufgelaufener Zinsen von 6 % pro Jahr.

Bei den anderen beiden Wandelanleihen liegt das Optionsrecht auf Seiten der DRAG. Und die wird garantiert die Wandlung nutzen, weil ihr so rund 4 Mio. frische Almonty-Aktien zufließen. Die eine Anleihe im Volumen von 6 Mio. CAD zzgl. 6 % Zinsen hat einen Wandlungspreis von 2,175 CAD, die andere Anleihe im Volumen von 1 Mio. CAD kann zu 1,275 CAD gewandelt wer-den zzgl. 5 % Zinsen pro Jahr.

So… nach dem zuletzt veröffentlichten Teilverkauf hielt die DRAG Ende Juli noch 5,5 Mio. Almonty-Aktien. Nun fließen ihr demnächst höchstwahrscheinlich 4 Mio. zusätzliche Aktien zu, für die sie nur einen Bruchteil des aktuellen Börsenkurses bezahlen muss. Hier winkt also ein fetter Buchgewinn - oder die DRAG verkauft die Anteile. Falls sie es nicht bereits im Vorgriff tut bzw. getan hat, was dann den abbröckelnden Kurs von Almonty (mit-)erklären würde.

Dabei hat die DRAG inzwischen ein echtes Geldproblem: sie sitzt auf viel zu viel Cash. Die Öl-Förderung findet in den USA statt und dort finanziert der Cashflow der vier Tochtergesellschaften das (ausgeweitete) Bohrprogramm von selbst. Die bisher von den US-Töchter an die deutsche Konzernmutter abgeführten Gewinnbeiträge bzw. Dividenden dürften erstmal ausgesetzt werden, so dass in den USA reichlich Cash für die Bohrprogramme zur Verfügung steht.

Die Almonty-Verkaufserlöse flossen der deutschen Konzernmutter zu, liegen also auf dem Konto der Deutschen Rohstoff AG. Wo es eigentlich nicht benötigt wird, sofern die DRAG nicht in neue Beteiligungen investiert. Mit Struve Gold hat man sich hier bereits auf ein neues Venture eingelassen, aber dabei nicht viel Geld in die Hand genommen.

Die DRAG könnte der nächsten Hauptversammlung in 2027 eine üppige Sonderdividende vorschlagen. Oder sie könnte ein ausgedehntes Aktienrückkaufprogramm beschließen lassen. Auf dem derzeitigen massiv unterbewerteten Kursniveau wäre dies die rentierlichste Form der Kapitalallokation.

So oder so, die Begehrlichkeiten der Aktionäre dürften auf der 2027er Hauptversammlung enorm zulegen, gerade weil so viel Cash vorhanden ist. Die Dividendenrendite ist mit rund 5% bereits heute nicht unattraktiv, aber das ist auch der unerwartet schlechten Kursperformance geschuldet.

Denn die DRAG-Aktie strebt angesichts der Rekordgewinne und des gewinnträchtig hohen Ölpreises nicht etwa auf Allzeithoch. Nein, sie liegt beinahe 25% unter dem Anfang Juni markierten Hoch bei 100 Euro. Nachvollziehbar ist das nicht angesichts der ununterbrochenen Erfolgsserie, die DRAG mit ihrem Ölbusiness in den USA fährt und den enormen Gewinnen aus ihrer Almonty-Spekulation.

Mein Fazit: Bei der Deutschen Rohstoff AG passt alles zusammen – nur der Aktienkurs spielt nicht mit. Noch nicht. Die Erfahrung lehrt, dass solche Ungleichgewichte an der Börse nicht von Dauer sind und sich irgendwann auflösen. Bedeutet, dass die Gewinne der DRAG massiv einbrechen werden oder dass der Kurs kräftig steigt. Ich setze klar auf das letztere Szenario...

Comfort Systems: Sold on a beat

Heftige Verluste verbuchte Comfort Systems USA - erneut. Nach Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal 2026 rauschte der Kurs um 9 % in den Keller, nachdem er bereits in der Vorwoche einen ähnlich heftigen Einbruch zu verkraften hatte. Dabei lagen die Ergebnisse über den Erwartungen und das Unternehmen hob nach diesem Rekordquartal auch noch die Jahresprognosen an.

Aber der Reihe nach: Comfort Systems erwirtschaftete im dritten Quartal 2026 einen Umsatz von 3,77 Mrd. Dollar und damit 53,7 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch die operative Entwicklung fiel positiv aus: Die Vertriebs- und Verwaltungskosten sanken von 9,4 % des Umsatzes im Vorjahresquartal auf 8,3 %, wodurch sich die operative Marge auf 16,6 % verbesserte. 

Noch eindrucksvoller als das starke Umsatzwachstum ist die Entwicklung des Auftragsbestands, der zum Ende des dritten Quartals insgesamt 17,81 Mrd. Dollar erreichte. Ein Jahr zuvor waren es noch 9,38 Mrd. Dollar gewesen, so dass ein Anstieg um rund 90 % zu verzeichnen war. Die Cashflow-Entwicklung war ein weiterer Lichtblick. So erreichte der operative Cashflow im dritten Quartal rund 1,01 Mrd. Dollar (+82,5 %) und der freie Cashflow lag bei 805,6 Mio. Dollar (+55,2 %).

Ein wesentlicher Grund dafür waren Vorauszahlungen der Kunden. Die erhaltenen Zahlungen für noch nicht vollständig erbrachte Leistungen beliefen sich zum Quartalsende auf rund 3,87 Mrd. Dollar und damit mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Durch diese Vorauszahlungen kann Comfort Systems kann einen Teil der notwendigen Ausgaben finanzieren, bevor die eigentlichen Bauleistungen abgeschlossen sind. Das verbessert den Mittelzufluss und reduziert zunächst den Finanzierungsbedarf und damit die eigenen Zinsbelastungen. Zudem sorgt es für ein höheres Maß an Planungssicherheit, gerade auch bei längerfristigen Bauprojekten. Zum Quartalsende verfügte das Unternehmen über eine Nettoliquidität von rund 2,11 Mrd. Dollar. Im Vorjahr war die finanzielle Position mit 724,5 Mio. Dollar weit weniger komfortabel gewesen.

Jetzt kommen wir zu dem Teil, der die Freude etwas eintrübt. Denn trotz der beeindruckenden Wachstumszahlen zieht die Bruttomarge nicht mit. Und nicht nur das: sie sank im dritten Quartal auf 24,8 %, nachdem sie im zweiten Quartal noch 25,9 % betragen hatte. Und damit fiel sie auch unter die erwartete Spanne von 25,2 % bis 26,3 %. Aufmerksamkeit verdient die Bruttomarge, weil sie zeigt, welcher Anteil des Umsatzes nach Abzug der unmittelbar zurechenbaren Kosten für Dienstleistungen und Projekte übrig bleibt. Ein Rückgang kann dabei verschiedene Ursachen haben, etwa höhere Lohn- und Materialkosten, eine ungünstigere Zusammensetzung der Projekte oder Veränderungen bei der Abrechnung bereits laufender Aufträge.

Im Earnings-Call erklärte das Management, die Margen wären etwas niedriger als anvisiert, weil ein höherer Anteil an Ausrüstung und Marialien verkauft worden sei und die erzielten geringere Margen. Zudem gab es im Vorjahr einmalige positive Effekte. Es gäbe also keinen Grund zur Sorge; vielmehr erwartet man, dass die Margen auch im nächsten Jahr auf dem hohen Niveau gehalten werden können, auch wenn sie unterjährig mal schwanken.

Prognoseanhebung - und Enttäuschung?

Gegenüber dem Vorquartal hob das Management die Formulierung zum flächenbereinigten Wachstum 2026 von "mittlerer bis hoher 30 %-Bereich" im zweiten Quartal auf "mittlerer 40 %-Bereich" im dritten Quartal an. Zudem wurde der Kapazitätsausblick für den modularen Bereich von "rund 5 Mio. Quadratfuß (…) bis Spätsommer 2027" im zweiten Quartal auf "rund 6 Mio. Quadratfuß (…) bis Ende 2027" im dritten Quartal ausgeweitet. Von Wachstumsschwäche also keine Spur! Oder?

Vielleicht stieß den Börsianern die Prognose für 2027 sauer auf und sorgte für den Abverkauf. Denn das Management plant für 2027, dass "der flächenbereinigte Umsatz im Gesamtjahr 2027 im mittleren 20 %-Bereich wachsen" wird. Das ist ziemlich stark. Aber eben auch erheblich unter dem Rekordwachstum, das für 2026 angepeilt wird ("mittlerer 40 %-Bereich"). Möglicherweise wurde die Planung vom Markt als Wachstumsabschwächung (fehl-)interpretiert.

Freier Cashflow und Kapitalallokation beeindrucken

Der freie Cashflow betrug im dritten Quartal 2026 satte 806 Mio. Dollar und zum Quartalsende lag die Nettoliquidität bei rund 2,11 Mrd. Dollar. Dabei wurden mehr als 100 Mio. Dollar in den Ausbau von Vorfertigungsanlagen investiert (Capex) und seit Jahresbeginn insgesamt 349 Mio. Dollar an dieAktionäre zurückgeführt und rund 212.000 Aktien eingezogen.

Übernahme gehören aber auch zur DNA von Comfort Systems. Das Management erklärte, man gehe hier behutsam vor und greife nur dann zu, wenn es lohnende Zukäufe gebe und nicht, weil gerade Geld auf dem Konto rumliege. Sehr gute Einstellung! Und die bedeutet nicht, dass gar nicht passiert. Vielmehr kündigte CEO Lane mit Boys Electrical und NeoPod die Übernahme von zwei Unternehmen zum 1. August an. Es kommt zum organischen Wachstum also auch weiterhin anorganisches Wachstum hinzu. Und bisher konnten die hohen Margen dabei aufrecht erhalten werden.

Mein Fazit: Comfort Systems USA gehört zu den Unternehmen, die von den milliardenschweren Investitionen in KI-Rechenzentren und digitale Infrastruktur profitieren. Das dritte Quartal 2026 bestätigt die enorme Dynamik, denn der Umsatz legte um mehr als die Hälfte zu, der Auftragsbestand erreichte einen Rekord und der Cashflow fiel außergewöhnlich stark aus.

Gleichzeitig wird das Geschäftsmodell kapitalintensiver. Der Rückgang der Bruttomarge, die stark steigenden Investitionen und die Abhängigkeit von großen Technologiekunden sind Risiken, die sich nicht allein mit dem Hinweis auf den KI-Boom beiseiteschieben lassen.

Es kommt deshalb darauf an, ob Comfort Systems das Wachstum weiterhin in nachhaltig hohe Gewinne und attraktive Kapitalrenditen übersetzen kann. Die Auftragslage liefert dafür eine vielversprechende Grundlage, doch ob die Rechnung wirklich aufgeht, wird sich erst zeigen, wenn die neuen Produktionskapazitäten ausgelastet sind und die Margen auch bei weiter steigenden Umsätzen überzeugen können.

Börsenlegende Peter Lynch stellt gerne auf das PEG ab, das Price-Earnings-Growth. Das PEG setzt das KGV ins Verhältnis zum Gewinnwachstum und ergibt damit die Gewinnwachstumsrate. Die Aktie von Comfort Systems notiert mit einem 2027er KGV von 19 und unter Einbeziehung des Netto-Cash sind es sogar nur 18,3. Dem steht ein erwartetes Gewinnwachstum für 2027 von 22,7 % gegenüber. Das PEG liegt damit bei 0,81 und ein PEG unterhalb von 1 ist ein bullishes Zeichen. Zumal bei einem Wachstumsunternehmen, wo sowas eher selten vorkommt. Und bei Comfort Systems dürften ja auch in 2027 weitere profitable Firmenzukäufe hinzukommen, so dass das Gewinnwachstum noch stärker ausfallen dürfte.
Aus meiner Sicht spricht alles für eine Fortsetzung des langjährigen Erfolgskurses dieses Serial Acquirers und ich habe meine Position wieder aufgestockt.


Mein Vermögen hatte 2026 anfangs schnell auf +10 % zugelegt, doch nach einigen heftigen Rücksetzern lag es zum Ende des 1. Quartals bei -1,5 %. Nach einem starken Start ins 2. Quartal kosteten der Juni wieder kräftig Rendite und so schloss das 1. Halbjahr am Ende mit einem moderatem Plus ab. Nachdem das 3. Quartal bei -4,75 % aus dem Rennen ging, folgte zum Start ins 4. Quartal eine deutliche Erholung, aber die letzten drei Wochen ging es wieder deutlich abwärts. Die letzte Börsenwoche schleppte sich dabei mit -2,25 % in die Ringecke.

Meine 2026er Vermögensveränderung liegt nun bei -12,75 % (YTD) und meine Cashquote bei rund 1,0%.


Mein Investor-Update zum Q3/2026 - brandneu und in Farbe!
Auf welche Unternehmen und welche Schwerpunkte ich in meinem Depot setze zeigt mein Investor-Update, das ich immer zu Ende eines Quartals veröffentliche - quasi mein persönliches 13F.
Meine langfristige durchschnittliche Zielrendite liegt bei +15% pro Jahr. Bei diesem Wert lande ich selten; meistens liegt meine Performance bei über +20%, aber alle drei bis vier Jahre auch im Minus, teilweise satt. Seit ich meiner Ergebnisse ermittle, also seit 2011, komme ich auf rund 20% pro Jahr. Auch dank einiger herausragender Jahresergebnisse, zu denen insbesondere 2023 und 2024 zählen.

Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10% pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien herausdrängen lassen. Auch wenn heftige Korrekturen emotional stressig sind und der Weg zur Wunschrendite anschließend sehr viel länger ist. Ich versuche immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich nicht mit Aktien spekuliere, sondern in herausragenden Unternehmen investieren, dort also Miteigentümer werde. Auch deshalb fahre ich einen fokussierten Investmentstil mit selten mehr als 15 Werten im Depot. Ich will und muss mich in "meinen" Unternehmen eben gut auskennen. Ansonsten lasse ich lieber die Finger davon.

Der Kompetenzkreis gewinnt also immer mehr Bedeutung. Je älter ich werde und je länger ich an der Börse aktiv bin, desto größer wurde er (naja, etwas zumindest). Vor allem erkenne ich immer besser, welche Themen und Branchen außerhalb meins Kompetenzbereichs liegen - dummerweise zählen dazu meistens auch die neuen, besonders aussichtsreichen, aber auch gehypten Themen. In "den neuen heißesten Scheiß" investiere ich daher selten(er) - und wenn, dann mit einer kleinen spekulativ orientieren Position.

Es bleibt spannend - wie eigentlich immer an der Börse. ツ

Disclaimer: Habe die meisten der genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

1 Kommentar:

  1. Danke für den Überblick. Keine schöne Entwicklung momentan für dein Portfolio gerade wenn man bedenkt, was ein ACWI, S&P500, NASDAQ100 oder auch die KI heavy EM Y/D für Renditen liefern. Momentan sind konservative, breit diversifizierte Depots in schwierigem Fahrwasser sicher besser aufgestellt als fokussierte mit viel AI Anteil bzw. spekulativen, hoch bewerteten Titeln. Ich drücke die Daumen, dass die Dynamik bald zurück kommt. Der Wind kann auch wieder drehen auch wenn das bei hartnäckiger Inflation und hohen Zinsen unwahrscheinlich erscheint. Mittlerweile sind wir 66 Monate über dem FED Ziel von 2%. p.a.

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