Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.
Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung sowie altkluge Einschätzungen. Natürlich... ツ
Dies waren in der vergangenen Börsenwoche die größten Gewinner und Verlierer in meinem Depot:
📈 Vincorion +9,4%
📈 Verisk Analytics +6,9%
📈 Costco +4,1%
📉 Deutsche Rohstoff -0,8%
📉 KKR & Co. -5,6%
📉 Quanta Services -10,8%
📉 Comfort Systems -16,4%
📉 Almonty Industries -17,4%
📉 2G Energy -18,6%
📉 Rocket Lab -25,7%
Es war eine volatile Börsenwoche, in der die Angst vor einem Platzen der KI-Bubble weiter Fahrt aufnahm und den Kursrutsch an der Nasdaq zu einer Korrektur ausweitete. Die Earnings Season läuft eigentlich ziemlich rund, die Banken legten passable Ergebnisse vor, doch die Sorge um Kreditausfälle nehmen weiter zu. So steht insbesondere Coreweave unter Druck, weil immer größere Zweifel aufkommen, ob die erwarteten Gewinne aus dem KI-Boom die enormen Investitionen rechtfertigen - konkret ziehen immer mehr Anleger in Zweifel, dass die Investitionen in KI-Rechenzentren schnell genug durch entsprechende Umsätze refinanziert werden, bevor die Zins- und Schuldenlast zu einem Zusammenbruch führt. Infolge dieser Sorgenflut wurden gnadenlos alle KI-Werte abverkauft mit deutlich zweistelligen Kurseinbrüchen. Und auch angrenzende Sektoren und solche, die indirekt vom KI-Boom profitieren.
Die Zinsen hingegen haben sich etwas zurückentwickelt und so den Druck aus dem Anleihemarkt genommen. Das hob sie Stimmung bei kapitalintensiven Unternehmen, die zuletzt unter den steigenden Zinsen gelitten hatten.
Insgesamt ist zu beobachten, dass das Geld nicht völlig raus aus dem Markt fließt, es gibt also keine wirklich Panik. Stattdessen wird fleißig umgeschichtet in andere Branchen, wie defensive Konsumwerte, Medizintechnik, Burggrabenunternehmen mit Preissetzungsmacht. Ich meinte ja bereits letzte Woche, dass "anhaltende Preissetzungsmacht und Burggräben damit noch stärker zu Erfolgsfaktoren werden".
Der Ölpreis hält sich auf hohem Niveau und kann die Marke von 100 Dollar verteidigen. (Auch) als Folge dessen gewinnt die Inflation weiter an Fahrt und entwickelt sich zum von mir erwarteten Problem. Erinnerungen an 2022 werden wach, zumal fast 85% der Werte im S&P 500 mindestens 10% unter ihren jeweiligen Allzeithochs notieren. Besonders heftig erwischt hat es dabei einzelne Branchen: im Immobiliensektor liegen 97% der Aktien mindestens 10% unter ihren Höchstständen, bei Grundstoffen sind es 96%, bei Versorgern 94% und bei zyklischen Konsumgütern 92%.
Das ist aber nur das halbe Drama, denn es befinden sich 59% der Indexmitglieder mindestens 20% unter ihren Höchstständen, 41% haben mehr als 30% eingebüßt, und 17% notieren sogar mehr als 50% unter ihren früheren Spitzenkursen. Solche Kursrückgänge sind keine gewöhnliche Korrektur mehr; vielmehr gilt ein Kursverlust von 20% als Schwelle zum Bärenmarkt. Und das Bärenmarktterrain haben wir inzwischen erreicht - sofern man die stärksten 10 Werte aus dem S&P 500 ausklammert. Denn offiziell befinden wir uns in einem Bullenmarkt - also einem Bullenmarkt der wenigen.
Der Fear-and-Greed-Index ist in der letzten Woche von 45 auf 18 Punkte eingebrochen und hat damit vom neutralen Bereich gleich auf "extreme Angst-Terrain" umgeschaltet.
Nun der Blick in mein Depot, das in der letzten Woche ebenfalls stark korrigiert hat, nachdem schon die Vorwoche deutliche Verluste eingespielt hatte.
2G Energy
Bei 2G Energy gab es den offiziellen Halbjahresbericht - und "Shorty" René Parmantier hat die Gelegenheit genutzt, gleich eine weitere Verkaufsanalyse loszulassen. Das kommt mir inzwischen nicht mehr koscher vor!
Klar, der hat das Recht, skeptisch zu sein, die Aktie für überbewertet zu halten und zum Verkauf zu raten. Aber... das hat er nun innerhalb weniger Wochen dreimal gemacht und immer mit denselben Argumenten. Und nun tun er so (unter Zitierung aus dem Halbjahresbericht), als würde es irgendwelche neuen Erkenntnisse geben - negative wohlgemerkt. Und da sich kaum ein Anleger die Mühe macht, den Bericht selbst zu lesen, wird (gezielt) Panik erzeugt - bei einem ziemlich marktengen Wert. An einem Tag, an dem ohnehin der gesamte "KI-Sektor" an allen Börsen massiv unter Druck steht und die Nerven der Anleger blank liegen.
Für mich wirkt das wie eine gezielte Short-Attacke. Ob von interessierten Dritten bezahlt, ob durch eigene Short-Positionen motiviert oder einfach nur aus unmoralischen (marktbeeinflussenden) Gründen, weiß ich nicht. Ich will auch nicht behaupten, dass es so ist. Aber es wirkt so. Und wo es stinkt, findet sich meistens auch ein Haufen.
Wo ich seiner "Analyse" zustimme, ist, dass 2G Energy im vierten Quartal noch ordentlich zulegen muss, um die Jahresprognosen zu erreichen. Allerdings ist das wegen des hohen Projektanteils und des üblichen saisonalen Musters eher die Regel als die Ausnahme. Insofern bleibe ich hier entspannt und werte den Einbruch als Chance. Der Kurs ist kurzfristig getrieben, aber die Geschäfte und Trends sind mittel- und langfristig und laufen alle zu 2Gs Gunsten.
Meine Einschätzung zu 2G Energy: Die fetten Rechenzentrumsaufträge zeigen, dass die dezentralen Energieerzeugungssysteme von 2G (nicht nur) in den USA zum echten Kassenschlager werden angesichts immer größerer Widerstände gegen stromnetzbasierte Rechenzentren. Auch und gerade in Texas, wo der Ausbau jüngst vom Gouverneur auf Halde gelegt wurde, solange die Unternehmen nicht ihre Unbedenklichkeit hinsichtlich der Strompreise und der Netzkosten nachweisen. Und so präsentiert sich 2G als relevante und quasi sofort verfügbar Lösung. Weitere Aufträge wären also keine Überraschung und für 2030 scheint die Umsatzmilliarde greifbar zu werden. Wobei 2G für 2027 mit 570 bis 620 Mio. Euro Umsatz rechnet.
Steigende Margen bei stark steigenden Umsätzen befeuert die Ergebnisse – und das sollte auch den Aktienkurs nicht kalt lassen. Zumal es sich erkennbar nicht um Eintagsfliegen handelt. Allerdings sind kurzfristig erstmal Kosten zu verdauen, während Umsätze und Gewinne erst einige Quartale später folgen werden. Von den Zahlen zum 3. Quartal 2026 sollten Anleger daher noch nicht zu viel erwarten, aber ab dem 4. Quartal sollten sich die KI-Umsätze erstmals positiv bemerkbar machen.
Rocket Lab
Ganz übel lief es für mein Weltraumabenteuer Rocket Lab. Das Unternehmen hat Lufteinschlüsse in einer Schutzmembran entdeckt und deshalb den Start der neuen Neutron-Raketen auf 2027 verschoben. Das ist natürlich sinnvoll, denn mit dem "Arbeitstier" Electron weist man eine lupenreine Erfolgsquote auf bei rund 100 erfolgreichen Starts. Zuverlässigkeit und Sicherheit gehen vor Schnelligkeit. Aber... Neutron als (weitgehend wieder verwertbare) Transportrakete für mittelschwere Lasten ist ein großer Hoffnungsträger für Rocket Lab, so dass sich die finanziellen Auswirkungen der (erneuten) Verzögerung zwar in Grenzen halten, aber der psychologische negative Effekt wirkt trotzdem heftig nach. Und ließ den Kurs nochmals kräftig einbrechen, denn die Aktie ist "priced for perfection" und Perfektion wird auch geliefert - später. Mit einem Kurs-Umsatzverhältnis von gut 30 ist die Aktie auch jetzt nicht günstig. Und bleibt (m)ein spekulatives Weltraumabenteuer.
Mein Vermögen hatte 2026 anfangs schnell auf +10% zugelegt, doch nach einigen heftigen Rücksetzern lag es zum Ende des 1. Quartals bei -1,5%. Nach einem starken Start ins 2. Quartal kosteten der Juni wieder kräftig Rendite und so schloss das 1. Halbjahr am Ende mit einem moderatem Plus ab. Seitdem schwankt meine Depot weiterhin deutlich, kann sich aber von der Nullmarke nicht wirklich deutlich absetzen. Und nachdem das 3. Quartal bei -4,75% aus dem Rennen ging, folgte zum Start ins 4. Quartal eine deutliche Erholung, aber die letzten beiden Wochen ging es wieder deutlich abwärts. Die letzte Börsenwoche schleppte sich dabei mit -7,25% in die Ringecke.
Meine 2026er Vermögensveränderung liegt nun bei -10,00% (YTD) und meine Cashquote bei rund 1,0%.
Mein Investor-Update zum Q3/2026 - brandneu und in Farbe!
Auf welche Unternehmen und welche Schwerpunkte ich in meinem Depot setze zeigt mein Investor-Update, das ich immer zu Ende eines Quartals veröffentliche - quasi mein persönliches 13F.
Meine langfristige durchschnittliche Zielrendite liegt bei +15% pro Jahr. Bei diesem Wert lande ich selten; meistens liegt meine Performance bei über +20%, aber alle drei bis vier Jahre auch im Minus, teilweise satt. Seit ich meiner Ergebnisse ermittle, also seit 2011, komme ich auf rund 20% pro Jahr. Auch dank einiger herausragender Jahresergebnisse, zu denen insbesondere 2023 und 2024 zählen.
Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10% pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien herausdrängen lassen. Auch wenn heftige Korrekturen emotional stressig sind und der Weg zur Wunschrendite anschließend sehr viel länger ist. Ich versuche immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich nicht mit Aktien spekuliere, sondern in herausragenden Unternehmen investieren, dort also Miteigentümer werde. Auch deshalb fahre ich einen fokussierten Investmentstil mit selten mehr als 15 Werten im Depot. Ich will und muss mich in "meinen" Unternehmen eben gut auskennen. Ansonsten lasse ich lieber die Finger davon.
Der Kompetenzkreis gewinnt also immer mehr Bedeutung. Je älter ich werde und je länger ich an der Börse aktiv bin, desto größer wurde er (naja, etwas zumindest). Vor allem erkenne ich immer besser, welche Themen und Branchen außerhalb meins Kompetenzbereichs liegen - dummerweise zählen dazu meistens auch die neuen, besonders aussichtsreichen, aber auch gehypten Themen. In "den neuen heißesten Scheiß" investiere ich daher selten(er) - und wenn, dann mit einer kleinen spekulativ orientieren Position.
Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10% pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien herausdrängen lassen. Auch wenn heftige Korrekturen emotional stressig sind und der Weg zur Wunschrendite anschließend sehr viel länger ist. Ich versuche immer im Hinterkopf zu behalten, dass ich nicht mit Aktien spekuliere, sondern in herausragenden Unternehmen investieren, dort also Miteigentümer werde. Auch deshalb fahre ich einen fokussierten Investmentstil mit selten mehr als 15 Werten im Depot. Ich will und muss mich in "meinen" Unternehmen eben gut auskennen. Ansonsten lasse ich lieber die Finger davon.
Der Kompetenzkreis gewinnt also immer mehr Bedeutung. Je älter ich werde und je länger ich an der Börse aktiv bin, desto größer wurde er (naja, etwas zumindest). Vor allem erkenne ich immer besser, welche Themen und Branchen außerhalb meins Kompetenzbereichs liegen - dummerweise zählen dazu meistens auch die neuen, besonders aussichtsreichen, aber auch gehypten Themen. In "den neuen heißesten Scheiß" investiere ich daher selten(er) - und wenn, dann mit einer kleinen spekulativ orientieren Position.
Es bleibt spannend - wie eigentlich immer an der Börse. ツ
Disclaimer: Habe die meisten der genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

Hallo,
AntwortenLöschenich sehe das Problem bei 2G Energy das der Verkauf der Kraftwärmekopplungsanlagen ins stocken gerät, wegen den hohen kosten für Gas als Brennstoff. Was fast jede Wirtschaftlichkeitsberechnung zerstört besonders bei kleineren Anlagen
Grüße aus der Eifel
In Europa/Deutschland ist der hohe Gaspreis sicherlich ein Problem. Aber in den USA im Süden, wo die neue großen KI-Rechenzentren entstehen, eher nicht. Dort fällt Gas ja eher als Abfallprodukt an beim Fracken und wird abgefackelt, weil es für größere Mengen keine Speicher- oder Transportmöglichkeiten gibt. Daher herrsch dort Gasüberangebot und Preisverfall - die Wirtschaftlichkeit der Anlagen von 2G Energyzum dezentralen Betrieb der KI-Rechenzentren sollte also deutlich besser sein als hierzulande.
LöschenAlmonty erstmals seit langem unter 9 Euro. Dramatisch. Allgemeine Panik. Ich mache trotzdem nichts.
AntwortenLöschenMoin Georg,
Löschenbei Almonty wird der Kurs wohl durch die Sorge von einem Preisverfall bei Wolfram gespeist - falls China auf einmal die Exportbeschränkungen lockern sollte. Halte ich für wenig wahrscheinlich.
Ich hab meine Position nochmals etwas aufgestockt, allerdings (natürlich!) nicht zum Tiefstkurs, sondern schon früher. Insofern sind die neuen Aktien auch gleich mal mit abgetaucht und haben mein Wochenminus vergrößert. Aber das ist ja nur die kurzfristige Betrachtung...