Sonntag, 26. Juli 2026

[Kissigs Kloogschieterei] Waghalsige Öl-Manöver in trüben Gewässern

Der Iran-Krieg ist zurück. Naja, eigentlich war er nie wirklich weg, denn Trumps Pseudo-Friedensagreement war so löchrig, dass ganze Flugzeugträger hindurchgepasst hätten. Die einzige Einigkeit zwischen den USA und dem Iran bestand eigentlich darin, dass man sich nicht einig ist – und sich 60 Tage darüber streiten will, über was an sich eigentlich einigen müsste. Was auch immer, der Ölpreis war von seinen Kriegsangsthochs wieder zurück auf Los geschnellt – doch inzwischen ist alles wieder vorbei.

Es wird wieder geschossen, die Straße von Hormuz ist dicht, der weltweiten Öl-Versorgung fehlen 20% an Kapazität. Und doch gibt es Neues: der Iran soll seine Huthi-Verbündeten im Jemen aufgefordert haben, die Meerenge von Bab al-Mandab zu sperren. Bab al-Was? Genau, niemand kennt das, aber den Suez-Kanal, von dem hat man schon gehört. Asiens schnellste Verbindung nach Europa führt durch Ägyptens künstliche Wasserstraße ins Mittelmeer. Und an der südwestlichen Spitze der Arabischen Halbinsel liegt der Jemen.

Wird auch diese Route gesperrt, wird der Seeweg für arabisches Öl sehr viel länger. Die ersten Raketen auf Saudische Öl-Tanker wurden bereits von den Huthis abgeschossen und die Route ist de facto dicht. Damit steigen die Frachtraten und es wird weniger Öl transportiert, weil dieselben Tankerkapazitäten länger mit derselben Menge an Öl beschäftigt sind.

Neu ist allerdings auch, dass weltweit Staaten ihre strategischen Öl-Reserven auf den Markt geworfen haben, um den Öl-Preisschock abzumildern. Mit Erfolg, was den Preisauftrieb anging. Dummerweise sind die Reserven nicht unendlich und weitgehend geleert. Diese Zusatzangebot fällt also bald aus und kehrt sich dann in Zusatznachfrage um, denn der Iran-Krieg hat gezeigt, dass strategische Öl-Reserven elementar sind.

Es droht ein Dreifachpunch aus zwei Sperrungen wichtiger Schifffahrtsrouten und dem Versiegen der Öl-Reserveflut. Die sich gerade etwas beruhigenden Inflationsdaten dürften nun neue Nahrung kriegen, die dann weit nach 2027 hineinschwappen dürfte. Jedenfalls wenn die Sperrungen nicht sofort aufgehoben werden. Und danach sieht es nicht aus. Da kann auch das erhöhte Fördervolumen der OPEC+ allein und die aktuelle Nachfrageschwäche in Asien nicht mehr viel retten.

Die Inflation ist da. Und sie wird erstmal bleiben. So wie auch das erhöhte Zinsniveau. Das steht natürlich nicht auf den Titelseiten. Noch nicht. Aber das kommt. Und schlaue Anleger machen ihr Depot entsprechend sturmfest, um nicht voll unter die Räder zu kommen, wenn es hart auf hart kommt...

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

5 Kommentare:

  1. Konstantin26.07.26, 15:23

    ..und dann ist noch das Thema Gasversorgung in Europa und speziell Deutschland, das uns vermutlich im Winter beschäftigen wird: Aktuell sind die EU-Gasspeicher zu rund 54,6 % gefüllt (https://agsi.gie.eu/). Der EU-Füllstand liegt derzeit also ungefähr 14 Prozentpunkte unter dem saisonalen Fünfjahresmittel von rund 68–69 %. Deutschland verfügt über rund 244 TWh Speicherkapazität; aktuell sind davon gerade mal ungefähr 112 TWh gefüllt. https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Gasversorgung/aktuelle_gasversorgung/_svg/Gasspeicher_Fuellstand/Speicherfuellstand.html

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    1. Moin Konstantin,
      bzgl. der Gasfüllstände bin ich weitgehend bei dir. Der niedrige Füllstand im Winter 2025/26 war schon gefährlich, da der Winter kälter war und deutlich länger anhielt als erwartet. Ich bin als Aufsichtsratsvorsitzender ja dies bezüglich oft im engen Austausch mit der Geschäftsführung unserer Stadtwerke und führe da entsprechende Gespräche. Und von dort kommt regelmäßig das Argument, dass die breite Versorgung insbesondere über diverse LNG-Quellen, eine stabile Versorgungslage sicherstellt und die Gas-Füllstände im Winter nicht mehr die gleiche wichtige Bedeutung haben wie noch vor einigen Jahren.

      Solange nichts Gravierendes passiert, ist das sicherlich richtig. Wir haben aber ja auch erst kürzlich (in 2022) erlebt, wie sich ein Abdrehen des russischen Gashahns existenzbedrohlich auswirken kann. Das war zwar selbst verschuldet bzw. politisch gewünscht von deutscher/europäischer Seite aus, aber die Gasmangellage war ja ein reales Szenario. Nun beziehen wir kein russisches Pipelinegas mehr, aber dafür ist eine Pipeline aus Norwegen inzwischen von erheblicher Bedeutung. Und wenn hier die Zuleitung ausfällt, z.B. wegen Wartung, Unfall, Anschlag, dann haben wir durchaus eine Gasversorgungskrise. Und wenn sowas im tiefsten Winter passiert, dürfte das gefährlich werden.

      Ich will damit nur sagen, dass die Versorgungslage solange entspannt aussieht und die Gasfüllstände kein Problem darstellen, wie alles im geplanten Rahmen läuft. Doch nach meiner Erfahrung gibt es immer wieder mal Episoden, wo es stottert. Und das bereitet mir durchaus Sorgen und verhindert, dass ich mich einfach entspannt zurücklehne.

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    2. ..und wie könnte man ein Depot sturmfest machen...wäre für Anregungen dankbar
      Vielen Dank

      Gruß Michael

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    3. Moin Michael,
      sturmfest gestaltet man sein Depot, indem man nicht auf momentumgetriebene Highflyer setzt, sondern auf solide Qualitätsunternehmen, die auch in herausfordernden Zeiten gute Geschäfte machen. Nur wenige tun das, denn in Hypes gehören diese Unternehmen nicht zu beliebtesten und ihre Aktienkurse steigen nicht so stark wie die der Hype-Werte - manchmal dümpeln sie auch nur so vor sich hin oder geben sogar nach. Stanley Druckenmiller sagte einst, es sei die Liquidität, die die Märkte bewegt. Und die fließt kurzfristig immer in Hype-Aktien und genauso schnell auch wieder raus, wenn sich das Momentum umkehrt.

      Hinsichtlich der Entwicklungen und Folgen des Iran-Kriegs und der steigenden Preise/Inflation hatte ich mich schon vor drei Monaten geäußert in "Am Öle hängt, zum Öle drängt doch alles" und in "Biste wirklich schon bereit für die Inflationsdruckbetankung?". Meine darin geäußerten Befürchtungen sind bisher nicht (voll) eingetreten, weil die Liquidität weiterhin hoch ist an den Börsen und weil die Staaten in bisher ungekanntem Ausmaß ihre strategischen Öl-Reserven freigegeben und damit den Öl-Preisanstieg gebremst haben. Aber das Szenario "steht" weiterhin und mein Hinweis auf das Jahr 2022, als wir bereits einmal eine stark angestiegene Inflation erlebten mitsamt Wirtschaftseinbruch und Börsenabsturz ebenfalls.

      Die Entwicklung in 2022 kann zeigen, wohin die Reise geht: welche Branchen sich gut/besser behaupten und welche ziemlich stark unter die Räder kommen wegen der stark gestiegenen Preise und der deshalb ansteigenden Zinsen. Die Notenbanken (Fed und EZB) halten momentan still, aber die Zinsen am Anleihemarkt und an den Kreditmärkten haben sich bereits wieder spürbar verteuert.

      Profitieren werden Energiewerte und Finanzwerte (sofern es nicht zu Pleitewelle mit entsprechenden Kreditausfällen kommt). Leiden werden kapitalintensive Branchen wie Immobilien (hier vor allem erneut Gewerbe- und Büro, also Commercial Real Estate), aber auch Chemie, Stahl, Kupfer- und Aluminiumverarbeitung. Rüstungswerte und Pharmawerte leiden weniger stark, weil ihre Güter auch in Krisen weiter nachgefragt werden (müssen). Und wenn das Geld knapper wird, leiden Luxusunternehmen und Konsumgüterhersteller, während Basiskonsumgüterhersteller weniger leiden und Günstig-Anbieter insgesamt Zulauf bekommen.

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    4. 2/2

      Mein Dauerinvestment Costco hat auch in 2022 bewiesen, dass sein mitgliederbasiertes Geschäftsmodell beinahe in jeder Wirtschaftslage resilient ist. Der Blick auf den Chart zeigt, dass Costco 2022 gut überstanden hat, während die Börsen ein sehr schlimmes Jahr hatten, und anschließend seine Marktanteilsgewinne und Stärken auch an der Börse für einen massiven Kursanstieg sorgten. Seit zwei Jahren konsolidiert der Kurs diesen Anstieg, was kurzfristig orientierte Anleger nervt, aber für Langfristanleger wie mich ganz normal ist. Denn Costco dümpelt oft jahrelang vor sich hin, bevor der Kurs dann in kurzer Zeit die Gewinne einfährt. Ich bin seit Oktober 2019 investiert und das war ja unmittelbar vor dem Corona-Crash nicht gerade der ideale Einstiegszeitpunkt. Und trotzdem hat die Aktie seitdem inkl. Dividenden 19% pro Jahr zugelegt. Obwohl der Kurs mit 800 Euro auf dem gleichen Niveau liegt wie vor zwei Jahren.

      Eine sturmfeste Depotaufstellung bedeutet nicht, dass die Kurse der eigenen Aktien im Krisenfall nicht auch fallen. Aber das starke fundamentale Business leidet nicht so stark und diese Unternehmen gewinnen in solchen Phasen oft Marktanteile hinzu und/oder nutzen die Chancen, sich noch besser aufzustellen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ihre Kurse schnell(er) wieder erholen, ist hier größer und weniger spekulativ.

      In meinem letzten Investor-Update von Ende Juni kannst du sehen, welche Branchen (und Werte) ich favorisiere.

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