Samstag, 24. Juni 2017

Warren Buffett und der unterschätzte Mehrwert von Aktienrückkäufen

"Einfallslos und langweilig" sind die nicht selten zu vernehmenden Einschätzungen, wenn Unternehmen Aktienrückkaufprogramme verkünden. Der freie Cashflow solle doch lieber im eigenen Unternehmen investiert werden, in die Entwicklung neuer Produkte oder gezielt in Zukäufe. Und diese Sichtweise hat durchaus etwas für sich, sofern das Unternehmen etwas Sinnvolles mit dem Geld anstellt.

Nicht selten werden aber Zukäufe getätigt, die sich dann als Rohrkrepierer erweisen und unter dem Strich das Geld der Aktionäre vernichten. Oder so teuer sind, dass sie in absehbarer Zeit eigentlich keine Rendite einfahren können. Abschreckende Beispiele gibt es zuhauf, wie die Time Warner Übernahme durch AOL oder das Skype-Experiment von Ebay, die Pleite von Rupert Murdochs News Corp. mit MySpace oder die gescheiterte Rover-Übernahme durch BMW. Ganz zu schweigen von dem traurigen Einkaufsmix, den sich Yahoo über die Jahre zusammenschustert und der nie zu einer erfolgreichen Strategie geführt hat. Konsequenz ist, dass man sein Stammgeschäft nun an Verizon verkauft hat und dass Yahoo nur noch eine Holding für die Alibaba-Beteiligung und den Anteil an Yahoo Japan. Passend dazu ist neue Firmenname Altaba ist eine einfallslose Verquickung aus "alternatvie" und "Alibaba". Was für ein Trauerspiel für diesen Internet-Pionier, der die Internetsuche noch vor Google beherrschte - und sich dann die Butter vom Brot nehmen ließ, weil man sein Kerngeschäft zugunsten vermeintlicher Wunderideen vernachlässigte.

Wie man anhand dieser Beispiele sehen kann, fahren Aktionäre unter Umständen besser, wenn die liquiden Mittel des Unternehmens in die eigenen Aktien investiert werden, als irgendetwas Dummes mit dem Geld anzustellen. Doch auch Aktienrückkäufe sind kein Selbstgänger, die immer Mehrwert für Aktionäre schaffen. Es kommt eben drauf an...

Warren Buffett liebt Aktienrückkäufe - meistens
Value-Investor Warren Buffett ist ein großer Befürworter von Aktienrückkäufen, jedenfalls dann, wenn diese den gleichen Grundprinzipien folgen, die er bei seiner Anlagestrategie, dem Value Investing an den Tag legt.

»Keine andere Maßnahmen nützt Aktionären so viel Aktienrückkäufe. Sofern das Unternehmen über ausreichend Liquidität für das operative Geschäft verfügt und die Aktie mit einem nennenswerten Abschlag auf den inneren Wert notiert - konservativ gerechnet.«
(Warren Buffett)

Die Rückkäufe müssen also für die Aktionäre einen Mehrwert generieren und das tun sie wenn die Aktien eine höhere Rendite aufweisen, als es Investitionen ins operative Geschäft (oder eine Übernahme eines anderen Unternehmens) täte. Und sie dürfen natürlich keine Probleme im Unternehmen verursachen, sie müssen also aus dem freien Cashflow bestritten werden können.

»Was zu einem bestimmten Preis klug ist, ist zu einem anderen dumm.«
(Warren Buffett)

Mehrwert durch Aktienrückkäufe
Seinen großen Mehrwert entwickelt ein Aktienrückkauf dann auf zweierlei Art. Zunächst erzeugt das Unternehmen durch seine Käufe selbst zusätzliche Nachfrage nach seinen Aktien, was sich tendenziell kurssteigernd auswirkt. Und dann verringert sich durch den Aktienrückkauf die Anzahl der Anteile, auf die der Jahresüberschuss zu verteilen ist. Es steigt also der Gewinn je Aktie, auch wenn der Jahresüberschuss an sich gleich geblieben ist. Das wiederum erzeugt eine günstigere Bewertung hinsichtlich der wichtigen Kennzahlen, wie einem niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und einer höheren Dividendenrendite, und macht die Aktien für Investoren dadurch noch attraktiver.

Attraktive Alternative zu Dividendenausschüttungen
Ein dritter Aspekt macht Aktienrückkäufe für Anleger auch deshalb interessant, weil die Gewinnausschüttung über Dividenden grundsätzlich versteuert werden muss. In Deutschland zurzeit pauschal mit 25 Prozent, bei ausländischen Werten mindestens mit der dortigen Quellensteuer (die dann in Deutschland auf die Steuerlast angerechnet wird). Aktienrückkäufe durch das Unternehmen sind für den Aktionär hingegen  steuerfrei. Die führen in der Regel zu steigenden Aktienkursen durch die höhere Nachfrage nach den Aktien und die besseren Bewertungsrelationen, weil sich der Gewinn ja auf weniger Aktien verteilt. Und eine Besteuerung der Kursgewinne fällt hier erst beim Verkauf der Aktien an. Man hat so zumindest den Vorteil, dass man die Steuern nicht sofort, sondern ggf. erst viele Jahre später zahlen muss. Und in dieser ganzen Zeit können diese gesparten Steuern für einen arbeiten und sich vermehren. Stichwort hierbei ist der Zinseszinseffekt.

Aus diesen Gründen sind Aktienrückkäufe daher nicht nur in den USA sondern auch zunehmend in Deutschland als ein geschätztes Mittel zur Steigerung des Shareholder Values anerkannt. Und so führt oft alleine schon die Ankündigung eines Aktienrückkaufprogramms zu steigenden Aktienkursen über einen Zeitraum von zwei Monaten bis hin zu zwei Jahren. Insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen ist dieser Effekt zu beobachten.

Was tun mit den zurückgekauften Aktien?
In Deutschland dürfen Unternehmen maximal 10 Prozent der eigenen Aktien erwerben und diese dann im Bestand behalten. Wenn sie diese dann offiziell einziehen, also das Grundkapital um diese eigenen Aktien herabsetzen, können sie wiederum weitere 10 Prozent des dann restlichen Grundkapitals erwerben. Das Einziehen ist nur eine Variante, was das Unternehmen mit seinen Aktien anstellen kann - und für Aktionäre die zumeist beste. Es kann die Aktien aber auch einfach im Bestand behalten, dann werden diese Aktien bei der Gewinnverteilung nicht berücksichtigt - der Gewinnanteil für die übrigen Aktionäre steigt dem entsprechend an. Oder sie werden als Akquisitionswährung eingesetzt, um einen Zukauf damit zu bezahlen, ohne neue Aktien ausgeben zu müssen. Auch dies kann eine sinnvolle Maßnahme sein, vor allem, wenn die Aktien zu niedrigeren Kursen zurückgekauft worden sind, als sie bei der Übernahme als Wert angesetzt werden. Des Weiteren können diese Aktien dazu verwendet werden, Mitarbeiter und/oder das Management mit Aktienoptionen zu bezahlen. Dies ist die vermutlich schlechteste und wertverzehrendste Variante für die Aktionäre, weil dies zumeist mit deutlichen Abschlägen zum aktuellen Aktienkurs angeboten wird. Und wenn das Unternehmen die Aktien gerade erst selbst zu diesen Kursen gekauft hat, wird so Aktionärsvermögen zulasten der Angestellten vernichtet. Hier sollte man also genauer hinsehen und sich nicht alleine wegen des Etiketts Aktienrückkauf an der falschen Stelle freuen.

»Regel Nummer eins lautet: niemals Geld verlieren. Regel Nummer zwei lautet: vergiss nie Regel Nummer eins.«
(Warren Buffett)

Bei der Auswahl der richtigen Aktien für ein langfristiges Investment sollten Anleger neben einer günstigen Bewertung und einer attraktiven Dividendenrendite auch darauf achten, ob das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm betreibt oder plant. Die positiven Auswirkungen auf den Kurs kann man auch im Umkehrschluss betrachten: als zusätzliche Sicherheitsleine. Sollte es nämlich zu Kursturbulenzen an den Börsen kommen, sorgen die Aktienrückkäufe für ein stabilisierendes Element beim Aktienkurs. Und die Risiken sollte man bei jeder Anlage stets ganz fest im Blick haben. Oder wie Warren Buffett es ausdrückte: "Regel Nummer eins lautet: niemals Geld verlieren".

Empfehlungsliste

Performance seit Erstempfehlung inkl. Brutto-Dividenden. Das regelmäßige Update erfolgt jeweils zum Wochenende.














»Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.«, riet Immanuel Kant.
Also, denkt selbst! Diese Liste ist eine Anregung, mehr nicht. Sie dient dazu, dass Ihr Euch Eure eigenen Gedanken zu den Unternehmen macht, Euren eigenen Investment-Case erarbeitet. Dazu könnt Ihr gerne auf meine Einschätzungen zurückgreifen und gerne können wir über die einzelnen Positionen und das (Value) Investing diskutieren. Denn das ist der Grund, weshalb ich dieses Blog betreibe: ich möchte mit Euch ins Gespräch kommen, von Euch lernen. Ich möchte ein besserer Investor werden.


Historie der Transaktionen auf meiner Empfehlungsliste
Auf der ▸Transaktionsliste finden Sie alle Aufnahmen und Streichungen auf meiner Empfehlungsliste seit Start des Blogs.


Investor-Update
Die Empfehlungsliste ist nicht zwangsläufig identisch mit meinem Investment-Portfolio, auch wenn  sie viele Überschneidungen aufweist. Im Investor-Update beschreibe ich daher in unregelmäßigen Abständen, wie die Entwicklungen bei den einzelnen Unternehmen sich in meinem Depot als Käufe, Verkäufe oder Umschichtungen niedergeschlagen haben.


RECHTLICHER HINWEIS NACH WPHG
Viele der in meinem Blog erwähnten Werte halte oder handle ich regelmäßig. Die in diesem Blog enthaltenen Beiträge sind meine persönliche Meinung und stellen weder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar, noch sind sie als Beratungsleistung zu werten. Ich übernehme trotz aller Sorgfalt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen; sie beruhen auf Quellen, die ich für vertrauenswürdig und zuverlässig halte.

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass der Handel mit Aktien, Optionsscheinen, Zertifikaten, Optionen und anderen Finanzprodukten mit grundsätzlichen Risiken verbunden ist und zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen kann. Gewinne der Vergangenheit können zukünftige Ergebnisse nicht garantieren.

Für Investitionen, die aufgrund meiner Aussagen getätigt werden, übernehme ich keinerlei Verantwortung. Jeder Anleger handelt auf eigenes Risiko und sollte sich von einem Bank unabhängigen Experten beraten lassen, inwieweit die vorgestellten Wertpapiere zu seinem persönlichen Risikoprofil passen.

Donnerstag, 22. Juni 2017

Publity nach der Rekorddividende: Ist die Luft jetzt raus oder startet die Aktie durch?

Publity, der erfolgreiche Investor in und Asset-Manager von deutschen Büroimmobilien, hat soeben seine Hauptversammlung hinter sich gebracht und auf dieser wurde die Rekorddividende von 2,80 Euro je Aktie beschlossen. Damit verschwindet das Thema Dividende von der Agenda und der Fokus der Anleger dürfte sich wieder stärker auf das operative Geschäft richten - das ja die üppigen Dividenden erst einmal verdienen muss...

Die Hauptaktivitäten des Unternehmens liegen im Erwerb, der Verwaltung und der Verwertung von gewerblichen Grundstücken und Gebäuden. Dabei konzentriert sich Publity vor allem auf die Ballungszentren Frankfurt und München sowie andere deutsche Großstädte. Zuletzt hat man sich aber auch mit den umliegenden Städten der Randgebiete dieser Metropolen befasst und sich hier stärker engagiert. Das Unternehmen übernimmt dabei alle Aufgaben der Wertschöpfungskette, also die Strukturierung von Anlageprodukten für institutionelle und private Investoren, den Ankauf der Immobilien oder von NPLs (Non Performing Loans) sowie das Asset-Management und die Verwertung/Verkauf. In allen Stadien der Wertschöpfungskette verdient Publity Gebühren und/oder Provisionen.

In diesem Jahr gab es bisher zwei einschneidende Ereignisse für Publity. Zum Einen gewann man die von Publity-CEO und Großaktionär Thomas Olek ins Leben gerufene Consus Commercial Property AG als Kunden. Dieser "Erfolg" ist natürlich nicht wirklich schwer gefallen, aber das macht das Business nicht minder einträglich, denn Consus hat selbst keine Ankaufsabteilung und überlässt dieses Feld entgeltlich vollständig der Publity. Und zum Anderen gewann Publity einen südamerikanischen Investor, der für einen Milliardenbetrag Gewerbeimmobilien in Deutschland erwerben möchte - durch Publity. Und zwar mit deutlich geringerer Renditeerwartung als bei den bisherigen Publity-Kunden aus der Finanzszene üblich. Insofern hat sich Publity hier keine Kunden-Konkurrenz ins Haus geholt, sondern mit den beiden Deals sein Leistungsspektrum erweitert.

 Quelle: Publity 
Kurz vor der Hauptversammlung gab Thomas Olek den Analysten von GSC Research ein Interview und darin finden sich einige bemerkenswerte Aussagen. Olek sieht Publity gut aufgestellt, um die eigenen Prognosen zu erfüllen. Diese seien, wie Olek betont, in Bezug auf die AuM (Assets under Management) kürzlich erst erhöht worden, so dass Publity nun von AuM von 5,2 Mrd. Euro per Ende 2017 und 7,0 Mrd. Euro per Ende 2018 ausgeht. Durch die Ausweitung des Ankaufsspektrums ergäben sich eine höhere Schlagdistanz, auch wenn Publity nicht mehr so oft zum Zuge komme, wie noch vor einigen Jahren. Darüber hinaus könnten durchaus weitere Investoren an Bord kommen, was die AuM noch zusätzlich erhöhen würde.

Publity hat zwar hohe Mittelzusagen im Milliardenbereich von Finanzinvestoren, diese aber noch nicht vollständig in AuM umsetzen können. Alleine aus der Investition dieser Mittel heraus ergeben sich weitere Gewinnpotenziale auf Sicht der nächsten Jahre.

Für das laufende Geschäftsjahr ist Olek optimistisch und plant eine weitere Umsatz- und Ergebnissteigerung. Durch Beurkundungen von Objektverkäufen habe man bereits jetzt umfangreiche Erlöse und Gewinne für 2017 gesichert, zu denen noch Erträge aus dem erwarteten Anstieg der AuM, Erlöse aus weiteren Objektverkäufen sowie aus der Verwertung unseres NPL-Portfolios hinzukämen.

Meine Einschätzung
 Publity AG (Quelle: finanzen.net
Das Mandat der Consus ermöglicht es Publity, deutlich kleinere Objekte zu erwerben und zu betreuen, als es bisher der Fall war. Und das Südamerika-Mandat lässt zu, dass Publity hier qualitativ niedrigere und damit risikoreichere Standorte erwirbt, da die Renditeerwartungen bei diesem neuen Mandanten niedriger liegen, als bei den bisherigen Mandaten von internationalen Finanzinvestoren. Insbesondere bei dem Südamerika-Mandat geht Publity davon aus, dieses auf der bestehenden Asset Management Plattform ohne den Aufbau nennenswerter zusätzlicher Ressourcen umsetzen zu können. Was nichts anderes heißt, als dass man sein Geschäftsmodell skalieren kann, also ohne nennenswerte zusätzliche kosten mehr Umsatz und damit mehr Gewinn erzielen können wird. Und auch bei dem Consus-Mandat verdient Publity prächtig, denn Consus verfügt über keine eigene Bewertungs- und Ankaufserfahrung und nutzt vollständig das Publity-Know-How und Personal. Gegen entsprechendes Entgelt. Auch hier dürfte Publity überproportional dran verdienen.

Unterm Strich zeigen die beiden neuen Mandate, dass es Olek und seiner Publity weiter gelingt, neue Mandate an Land zu ziehen, so dass die für Ende diesen Jahres anvisierten 5,2 Mrd. Euro AuM (Assets under Management) schon heute in greifbarer Nähe liegen sein dürften. Die stetigen Provisions- und Gebühreneinnahmen dürften weiter deutlich zulegen, da mit jedem neuen Objektankauf der Zähler mitrattert.

Hierzu tragen natürlich auch die umfangreichen NPL-Mandate bei, die inzwischen 3,2 Mrd. Euro ausmachen und wo Publity nach der Verwertung 22% der Verkaufserlöse als Provision vereinnahmen kann. Hier fallen in der Zwischenzeit bis zum Verwertungserfolg erst einmal Kosten an, die Provision fließt erst beim Verkaufserfolg, also in den nächsten Jahren. Und natürlich kann man die 22% nicht an den Nominalwert des NPL-Portfolios berechnen, denn hier wird nur ein Bruchteil des ursprünglichen Nominalwerts noch beizutreiben sein.

Nachdem im Zuge der überraschenden Kapitalerhöhung unmittelbar nach der letzten Hauptversammlung der Aktienkurs mächtig unter Druck geraten war, gab Olek zwei interessante Aussagen ab: eine Kapitalerhöhung für 2017 schließt er aus und inzwischen bestünden die Partner nicht mehr auf Co-Investments seitens Publity von 3%, sondern würden sich zumeist auch mit 1% zufrieden geben. Auch hieraus ergibt sich ein geringerer Eigenkapitalbedarf für Publity und ein geringeres Erfordernis, beim AuM-Wachstum ggf. frisches EK einwerben zu müssen.

Publity ist weiter gut auf Kurs und selbst ein nachlassen des Immobilienbooms dürfte sich nicht allzu negativ auf das Geschäft auswirken. Der NPL-Bereich dürfte dann eher noch zusätzliches Wachstum bieten. Eine spürbare Anhebung des Zinsniveaus hingegen könnte es für Publity schwerer machen, weitere Mandate von Investoren an Land zu ziehen, da alternative Anlagen, wie Termingelder, wieder an Attraktivität gewinnen würden. Aber von diesem Szenario sind wir noch ein ganzes Stück weit entfernt.

Publity befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und nachdem ich aus steuerlichen gründen vor der Dividendenausschüttung meinen Aktienbestand deutlich reduziert hatte, habe ich nun damit begonnen, ihn ex-Dividende wieder aufzustocken.

Dienstag, 20. Juni 2017

S&T und Kontron können nach den erfolgreichen HV-Voten ihre Verschmelzung angehen

Der Linzer Technologiekonzern S&T AG ist den selbstgesteckten Zielen seines CEO und ehemaligen Großaktionärs Hannes Niederhauser einen großen Schritt näher gekommen, denn sowohl die Hauptversammlung der Kontron AG als auch die der S&T AG haben jeweils mit großer Mehrheit dem Verschmelzungsvertrag der beiden Unternehmen zugestimmt. Die Verschmelzung der Kontron AG auf die 100 prozentige Tochter der S&T AG, die S&T Deutschland Holding AG, in der das Embedded-Know-How der Gruppe gebündelt wird, soll die Stellung des zukünftigen Unternehmensverbunds für Embedded Module, Boards und Systeme sowie Internet der Dinge weiter ausbauen. Über die Softwarekompetenz der S&T-Gruppe hat die Kontron zudem die Möglichkeit, das Produktportfolio mit Softwarelösungen und Softwaredienstleistungen zu erweitern und ihre Technologieführerschaft zu stärken.

Niederhauser möchte mit der gebündelten Power von Kontron und S&T Technologie- und Marktführer werden und bereits ab 2018 die Eine-Milliarde-Euro Marke beim Umsatz überschreiten. Zwischenziel für das Geschäftsjahr 2017 sind Umsätze zwischen 860 und 890 Millionen Euro und ein EBITDA von 50 Millionen Euro.

Meine Einschätzung
Nach den zustimmenden Voten der beiden Hauptversammlungen kann nun die Verschmelzung angegangen werden. Erhebliche Sanierungsvorarbeiten auf Seiten Kontrons wurden bereits im Vorfeld geleistet, so dass künftig der Fokus auf dem heben der Synergiepotenziale und der zu schaffenden neuen gemeinsamen Schlagkraft liegen wird. Bisher konnte Hannes Niederhauser immer überzeugen und seine Visionen erfolgreich umsetzen. Und auch bzgl. Kontron scheint er auf dem richtigen Pfad zu sein und nach dem Thema IT-Sicherheit für S&T ein weiteres, wichtiges Zukunftsfeld zu besetzen.

S&T befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 19. Juni 2017

Weltmarktführer Ringmetall kauft munter weiter zu. Und bleibt aussichtsreich...

Die inzwischen als Industrieholding agierende Ringmetall AG (früher H.P.I. Holding AG) ziert nun schon mehr als vier Jahre meine Empfehlungsliste. Damals stellte ich hier das "schön langweilige Beteiligungsdornröschen" vor und bis heute hat das Unternehmen noch kein bisschen von seinem Schwung verloren. Aus der bisherigen europaweit tätigen Beteiligungsgesellschaft wird seit einiger Zeit eine operativ tätige globale Industrieholding geformt mit dem Schwerpunkt Industrial Packaging und Industrial Handling für Kunden in der chemischen, petrochemischen, pharmazeutischen und Lebensmittel verarbeitenden Industrie. Aus der grauen Provinzmaus wird ein globaler Herr der Ringe.

Das Jahr 2016 hatte man mit Rekordwerten abschließen können und auch das erste Quartal 2017 lief verheißungsvoll an. So erhöhte sich der Konzernumsatz deutlich um 19,2 Prozent auf 26,7 Mio. Euro (Q1 2016: 22,4 Mio. Euro). Der Rohertrag stieg um 13,6 Prozent auf 11,8 Mio. Euro (Q1 2016: 10,4 Mio. Euro), wenngleich auch die Rohertragsmarge vor dem Hintergrund des stahlpreisbedingt gestiegenen Materialaufwands mit 44,3 Prozent geringer ausfiel als im Vorjahr (Q1 2016: 46,5 Prozent). Dieser Effekt wirkte sich entsprechend auch auf die weiteren Ergebnismargen aus. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) lag mit 3,2 Mio. Euro um 7,9 Prozent über dem Vorjahreswert (Q1 2016: 3,0 Mio. Euro), während das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) 2,1 Mio. Euro noch stärker bzw. um 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegte (Q1 2016: 1,9 Mio. Euro).

Doch Ringmetall ruht sich nicht auf seinen Erfolgen aus, sondern forciert sein Geschäft. Auf der einen Seite kann man noch immer erhebliche Synergieeffekte aus der großen Self Industries-Übernahme heben, was den Margen und Gewinnen zugute kommt, und andererseits befindet man sich weiterhin auf Einkaufstour. Nachdem man sich bereits vor einigen Jahren dem großen Wachstumsmarkt China zugewandt hat, übernimmt man dort nun im Rahmen eines Asset Deals mit HongRen einen chinesischen Produzenten von Spannringen und Fassverschlusssystemen. HongRen mit Sitz in Changzhou erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016 mit 29 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 1,2 Mio. Euro bei einem deutlich positiven Ergebnisbeitrag. Zu den Produkten von HongRen zählen neben Fassspannringen für unterschiedliche Anwendungsbereiche auch Hebelverschlüsse für Industriefässer. Das Unternehmen ist überdurchschnittlich gut am chinesischen Markt positioniert und verfügt über langjährige Geschäftsbeziehungen zu wichtigen Kunden der Verpackungsindustrie. Insbesondere verschafft sich Ringmetall einen "optimalen Zugang" zum Asiengeschäft des international führenden Fassherstellers Greif.

 Ringmetall (Quelle: finanzen.net)
Obwohl es sich um eine relativ kleine Übernahme handelt, schaut man auch hier auf die Kosten und auf Einsparpotenziale, nicht nur auf die Chancen. So wird die HongRen-Produktion an den chinesischen Standort von Ringmetall in Changshou verlagert.

Neben den gewachsenen Kundenbeziehungen will Ringmetall aber vor allem vom langjährigen Markt-Knowhow und den sehr guten Kunden- und Lieferantenbeziehungen von HongRen profitieren. Die erhöhten Produktionskapazitäten eröffnen darüber hinaus nun auch die Möglichkeit zum Export nach Singapur, Malaysia, Korea und Australien und die Produktion von Hebelverschlüssen soll stückzahlenmäßig weiter erhöht werden und HongRen so zum internen Lieferanten der Ringmetall-Gruppe ausgebaut werden.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, jedoch meint Ringmetall, sich in seinem üblichen Rahmen zu bewegen. Aufgrund der regulatorisch-administrativen Vorgaben in China rechnet Ringmetall mit einem Closing der Übernahme gegen Ende des erst Jahres 2017. Des Weiteren befindet man sich mit weiteren Zielunternehmen in fortgeschrittenen Stadien der Vertragsverhandlungen,, so dass es im laufenden Geschäftsjahr 2017 noch zu mindestens einem weiteren Zukauf kommen soll.

Meine Einschätzung
Ringmetall ist in der Vergangenheit insbesondere durch Zukäufe gewachsen und hier hat man auch für 2017 noch mehr im Blick. Nicht jede Übernahme klappte in der Vergangenheit, aber die letzten Zukäufe - insbesondere Self Industries - sind echt gelungen. Hier dürfen sich Aktionäre also berechtigt Hoffnungen machen, dass Ringmetall seinen eingeschlagenen Kurs weiter erfolgreich fortsetzen wird.

Der Aktienkurs hat nach einem starken Anstieg zuletzt auf einem Niveau von über 3 Euro konsolidiert und die eingespielten Ergebnisse zeigen, dass das erhöhte Kursniveau auch seine Berechtigung hat. Mittelfristig dürfte Ringmetall eine Umsatzverdopplung anpeilen und weitet seine Geschäftsaktivitäten sukzessive in angrenzende Bereiche aus. Das ist ein vielversprechender Ansatz und daher sollte Ringmetall weiterhin eine attraktive Depotbeimischung bleiben. Defensiv mit begrenztem Rückschlagpotenzial; auf der anderen Seite mit stetiger positiver Geschäftsentwickelung und immer für Überraschungen gut. Insbesondere durch sinnvolle Übernahmen. Dass diese ggf. durch kleinere Kapitalmaßnahmen finanziert werden, sollte Anleger nicht schrecken. Denn diese haben sich in der Vergangenheit mehr als bezahlt gemacht. Und auch die Analysten von Montega bewerten die Aktie von Ringmetall weiter positiv und heben heute ihr Kursziel auf 3,90 Euro an (bisher 3,50 Euro).

Ich habe Ringmetall auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Börsenweisheit der Woche 25/2017

"Warum nicht Geld in einer Firma anlegen, die man mag? Mae West sagte: ‚Zuviel des Guten kann wunderbar sein‘".
(Warren Buffett)

Sonntag, 18. Juni 2017

Weshalb Fairfax Financial jetzt kein Investment (mehr) wert ist

Prem Watsas Fairfax Financial Holdings Ltd. habe ich erst vor einiger Zeit hier im Blog vorgestellt und auf meine Empfehlungsliste genommen. Der Kurs ist seitdem weiter abgebröckelt und nun leicht zweistellig im Minus. Das alleine stimmt mich nicht nachdenklich, allerdings bin ich bei der Überprüfung meiner Investments zu dem Schluss gekommen, dass ich heute Fairfax Financial. nicht mehr kaufen würde.

Bei  meinem Einstieg habe ich kein glückliches Timing-Händchen beweisen, aber die Gründe für die schlechte Entwicklung liegen doch woanders. So ist Fairfax in Kanada beheimatet und das Land leidet nicht nur unter Donald Trumps Strafzöllen (gegen die Holzindustrie) und Trumps Attacken gegen den Freihandel, speziell das NAFTA-Abkommen, sondern vor allem unter der sich immer stärker zuspitzenden Lage am kanadischen Häusermarkt und der drohenden massiven Belastung für den Banken - und Finanzsektor. Diese Bedrohung ist nicht neu, ich habe sie nur nicht als so gewichtig eingestuft, wie ich es jetzt tue. Vielmehr war meine Überlegung, dass Fairfax ausreichend global diversifiziert ist mit seinen Investments und Beteiligungen. Doch hier zweifele ich meine These selbst zunehmend an.

 Fairfax Financial (Quelle: finanzen.net) 
Einerseits ist Fairfax Financial stark in US-Anleihen investiert und auch wenn man den Bestand bereits reduziert, so werden die Anleihekurse von den Zinsanhebungen der US-Notenbank FED empfindlich getroffen - und sorgen für Abwertungsbedarf in der Fairfax-Bilanz, wenn auch nur bis zum Laufzeitende, sofern sie nicht vorher verkauft werden. Doch genau das tut man jetzt. Und andererseits kauft Fairfax weltweit Finanzunternehmen, Banken und Versicherungen. Nicht nur in Griechenland und der Eurozone kauft man sich - vermeintlich - billig ein, sondern auch in Indien und andernorts. Und genau hier entstehen zusätzliche Risiken, denn ein Finanzkollaps von Kanadas Immobilienmarkt dürfte auch Assekuranzen und Banken weltweit treffen. Keinesfalls in dem Ausmaß wie bei der globalen Immobilien- und Finanzkrise, aber die vormals lukrativen kanadischen Investments dürften einiges an Abschreibungsbedarf mit sich bringen, sofern die Situation eskaliert.

In Summe überwiegen für mich die Risiken inzwischen die Chancen deutlich und daher streiche ich Fairfax Financial von meiner Empfehlungsliste.

Aktienkategorien

Wer sein Geld in Unternehmen investieren will, möchte (Kurs)gewinne erzielen. Dies gelingt zumeist nur, wenn das Unternehmen Gewinn erwirtschaftet und zwar dauerhaft. Bei der Betrachtung der Gewinne kennt man allerdings nur die Vergangenheit, während die zukünftigen Aussichten/Erträge geschätzt werden müssen. Das macht die Bewertung schwierig. Um diese Einschätzung erfolgreich vornehmen zu können, schlägt Peter Lynch in seinem Buch "Der Börse einen Schritt voraus" deren Einteilung in sechs Kategorien vor.


Aktienkategorien

  1. Wachstumsschwache Aktien
    Große, alte Unternehmen mit einem Wachstum knapp oberhalb des Bruttosozialprodukts.
     
  2. Stetige Aktien
    Kontinuierlich wachsende Unternehmen.
     
  3. Wachstumsstarke Aktien
    Kleine, aggressive, neue Unternehmen, die mit 20 bis 25 Prozent pro Jahr wachsen.
     
  4. Zyklische Aktien
    In zyklischen Branchen lösen sich Expansion und Schrumpfung regelmäßig ab (Auto, Stahl, Chemie, Luftfahrt, Chips) und genauso verhält es sich mit den Gewinnen.
     
  5. Turnaround-Aktien
    Zumeist arg mitgenommene Unternehmen, die stark geschwächt sind und einem drohenden Konkurs nur knapp entgehen können. Kein Wachstum, Kurse auf Tiefstniveau - kurz: Todeskandidaten. Jedoch mit einem Hoffnungsschimmer auf Rettung.
     
  6. Substanz-Spekulation
    Das Unternehmen verfügt über Betriebsvermögen, dass die Börse bei ihrer Bewertung bisher übersehen hat. Diese Substanz kann aus Immobilien bestehen, Maschinen oder hoher Liquidität und sogar aus Verlustvorträgen (weil das Unternehmen zukünftig Steuern spart).

Will man also die künftige Ertragslage beurteilen, hängt dies davon ab, zu welcher Kategorie das Unternehmen gehört.

Bei Zyklikern sind keine dauerhaften Erträge vorhanden, Gewinne und Verluste wechseln sich ab (man denke an Chip-Hersteller). Hier muss man schon durch das Timing des Ein- und Ausstiegs Geld verdienen; für langfristig orientierte Investoren sind dies 'schwierige' Unternehmen.

Und zwischen Turnaround-Kandidaten und wachstumsstarken Aktien liegen Welten, insbesondere beim vorherrschenden Risiko. Während ein Turnaround-Wert mit sich selbst kämpft, um wieder auf die Beine zu kommen, wachsen andere Unternehmen rasant und ziehen so umgehend aggressive Nachahmer an, die ihm so die Gewinnmargen und Erträge nehmen.

Bei Wachstumsaktien kann man die Wachstumsraten in einem expandierenden Markt also nur fortschreiben, wenn es hier hohe Eintrittsbarrieren für Mitbewerber gibt (z.B. Urheberrecht oder hohe Anfangsinvestitionen), ansonsten wird sich das Wachstumstempo schnell abschwächen - was dann wiederum Auswirkungen auf die Bewertung des Unternehmens hat.

Fazit
Hat man die Aktien einer Kategorie zugewiesen, kennt man die grundlegenden Erwartungen, die man an die Entwicklung des Unternehmens haben kann. Und hieraus resultierende die Gewinnerwartungen. Als nächstes kann man auf dieser Basis dann die Unternehmensgewinne selbst näher in  Augenschein nehmen und dann Vergleiche anstellen mit Unternehmen aus der selben Branche und in einem vergleichbaren Stadium der Unternehmensentwicklung. Es ergibt sich hieraus nicht nur eine absolute Bewertung des Unternehmens, sondern auch eine relative im Verhältnis zu ähnlichen Firmen, der sog. Peer-Group.

Freitag, 16. Juni 2017

Kleine Meldung, Riesending: Corestate Capital und die Hannover Leasing-Übernahme

Die in Luxemburg beheimatete Corestate Capital Holding SA ist ein Immobilien-Beratungsunternehmen, das seine Kunden europaweit während allen Lebenszyklen einer Immobilie begleitet: von der Akquisition über das aktive Asset Management über Projektentwicklung bis hin zum Verkauf von Gewerbe- und Wohnimmobilien. Dabei ist Corestate Dienstleister und nicht Bestandshalter der Immobilien. Also ein klassischer Asset Manager. Corestate war erst vergangenen Oktober an die Börse gegangen und hat seitdem ein rasantes Tempo vorgelegt, was das Aufbauen neuer Geschäftsfelder und Zukäufe angeht. Und der Kurs hat mit dem Wachstumstempo locker Schritt halten können: vom Emissionskurs bei 17 Euro hat die Aktie um mehr als 150 Prozent zulegen können und wer meiner Erstempfehlung Ende März bei knapp 27 Euro folgte, kann sich auch über ein Kursplus von deutlich mehr als 50 Prozent freuen. Und heute gab es endlich die Nachricht, die so unscheinbar daherkommt, dass man sie fast beiläufig übersehen könnte. Dabei ist sie "der Game-Changer" für Corestate...

Denn heute hat die BaFin der Übernahme der Hannover Leasing grünes Licht gegeben. Im Dezember 2016 hatte Corestate Capital den Kauf von 94,9% der Anteile an der Hannover Leasing GmbH & Co. KG einschließlich der zur Hannover Leasing-Gruppe gehörenden Konzerngesellschaften bekannt gegeben. Der Vollzug der Transaktion stand unter dem Vorbehalt des Abschlusses des Inhaberkontrollverfahrens durch die BaFin, das nunmehr erfolgreich abgeschlossen ist. Die BaFin hat mitgeteilt, dass dem Erwerb keine Untersagungsgründe entgegenstünden, so dass der Vollzug der Transaktion Anfang Juli diesen Jahres erfolgen kann. Verkäufer sind im Wesentlichen die Mehrheitsgesellschafter Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale (Helaba) und die Hessisch-Thüringische Sparkassen-Beteiligungsgesellschaft (HTSB). Die Helaba bleibt als Minderheitsgesellschafter mit 5,1 Prozent an der Hannover Leasing Gruppe beteiligt. So umgeht man die Zahlung der Grunderwerbssteuer.

 Corestate Capital (Quelle: finanzen.net
Die Auswirkungen der HL-Übernahme kann man gar nicht genug betonen, denn zum Jahresende 2016 hatte die Corestate Capital Assets und Management (AuM) von rund 2,5 Mrd. Euro unter Betreuung und durch die Übernahme der HL werden die AuM auf deutlich mehr als 16 Mrd. Euro in die Höhe katapultiert! Das liegt daran dass, besagte Hannover Leasing einmal einer der größten Anbieter geschlossener Immobilienfonds für Privatanleger in Deutschland war, inzwischen legt man allerdings fast ausschließlich Fonds für institutionelle Kunden auf. Mit der Übernahme will Corestate seinen Zugang zu neuen institutionellen Kapitalquellen verbessern, insbesondere erhält Corestate nicht nur besseren Zugang zum Markt für geschlossene Fonds für Groß- und Kleinanleger, sondern auch die Möglichkeit, offene Immobilienspezialfonds nach deutschem Recht aufzulegen (sog. offene Spezial-AIF). Corestate will dem entsprechend auch das Publikumsfondsgeschäft fortführen, denn die HL hat noch immer fast 70.000 Privatanleger als Kunden.

Damit nähert sich Corestate auf einen Schlag der Patrizia Immobilien an, nicht nur was die Geschäftsausrichtung angeht, sondern auch bei der Größe der AuM. Corestate und seine Aktionäre profitieren dabei von den Verwaltungsgebühren, die aus dem Fondsgeschäft stammen und das künftig in ganz neuen Größenordnungen. Und es bieten sich erhebliche Synergien zwischen Corestate und Hannover Leasing. Zumal die HL zuletzt eher lethargisch vor sich hinschlummerte, während Corestate äußerst agil am Markt unterwegs ist und neue Geschäfte anbahnt. Sollte es Corestate gelingen, den schlafenden Riesen HL wachzuküssen, dürften hier enorme Schätze gehoben werden können.

Corestate Capital-CEO Sascha Wilhelm zeigt sich dann auch entsprechend begeistert: "Die Übernahme der Hannover Leasing stellt eine attraktive Kombination aus vertraglich gesicherten, langfristigen Asset-Management Umsätzen und großem Potenzial für Neugeschäft dar. Wir erweitern und diversifizieren das Produktangebot und verbessern unseren Zugang zu neuen Kapitalquellen".

Meine Einschätzung
Corestates Wachstumstempo ist beeindruckend und die Potenziale durch die Übernahme der Hannover Leasing sind enorm. Ab dem zweiten Halbjahr 2017 wird die HL in das Corestate-Zahlenwerk einfließen und spätestens dann werden die Anleger realisieren, was sich hier für eine Perle entwickelt. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase sehe ich hier gute Chancen, dass Anleger mittel- und langfristig überdurchschnittliche Renditen einfahren können mit einem Investment in Corestate-Aktien. Auch und trotz eines schon vor allem in Deutschland gut gelaufenen Immobilienmarkts.

Corestate Capital befindet sich in meinem Depot und auf meiner Empfehlungsliste.

Mittwoch, 14. Juni 2017

Villeroy & Boch: Tradition trifft Zukunft. Und den Geist der Zeit...

▸ Kissigs Kolumne vom 22. Mai 2017, Aktien Magazin 14/2017 

Wenn es auf dem deutschen Kurszettel ein Traditionsunternehmen gibt, dann dürfte dies Villeroy & Boch sein. Die Marke ist jedem ein Begriff, nicht nur der Großmutter, die noch der Idee nachhängt, dass gute Geschirrset müsse von Generation zu Generation weitervererbt werden, um dann beim Sonntagskaffee im großen Familienkreis aufgetischt zu werden.

Doch die Zeiten der großen Familien und häufigen Zusammenkünfte sind längst vorbei und auch der Stellenwert der Aussteuer samt Omas hochwertigem Kaffeeservice ist deutlich gesunken. Anhand des Kursverlaufs der Villeroy & Boch-Aktie kann man dies gut ablesen. Denn schaut man weit in die Vergangenheit zurück, dann findet man Anfang der 1990er Jahre Kurse von über 35 Euro. Das ist beinahe doppelt so hoch wie heute und doch liegen die aktuellen 19 Euro, die man für jetzt einen Anteil an der Börse bezahlen muss, um das Fünffache höher, als zum Tiefstkurs während der Finanzkrise, als man eine Aktie für gerade mal 3,10 Euro bekam.

Dieses Auf- und Ab der Kurse spiegelt die Geschichte des Unternehmens gut wider und zeigt, wie schwer es Traditionsunternehmen mitunter haben, sich aus ihren traditionellen Geschäftsfeldern zu lösen und sich neu zu erfinden. Villeroy & Boch ist dies seit seiner Gründung im Jahr 1748 mehrfach gelungen. Obwohl man weiterhin vor allem für das hochwertige Porzellangeschirr bekannt ist, bieten die Saarländer heute ein weitaus breiteres Angebotsspektrum an. So ist man inzwischen zu einem Einrichtungs- und Ausstatterhaus geworden, das Architekten, Planern und Bauherren Einzel- und Komplettangebote bietet zum Thema Inneneinrichtung, Bad und Armaturen, Wohnkultur. Ganz wesentliches Element der Firmenphilosophie ist dabei der Qualitätsanspruch.

Villeroy & Boch beschäftigt weltweit rund 7.000 Mitarbeiter und fertigt an 14 Produktionsstätten in Europa, Mexiko und Thailand komplette Einrichtungen für Bad und Küche mit Komponenten, wie Waschbecken, WCs, Bidets, Urinale, Duschwannen, Armaturen, Dusch- und Badewannen aus hochwertigem Kunststoff, keramische Küchenspülen, Bad- und Küchenmöbel, Bad-Accessoires. Durch eigene Vertriebsgesellschaften und Importeure ist das Unternehmen in 125 Ländern der Erde vertreten und es gelingt dem Unternehmen, seinen guten Namen als Porzellanmanufaktur in die neuen Bereiche zu transferieren und sich hier als hochwertiger Life-Style-Anbieter zu positionieren. Darüber hinaus betreibt Villeroy & Boch inzwischen in 20 Ländern eigene Online-Shops und bietet seine Produkte über 5.250 Verkaufsstellen weltweit an. Mit 29 Prozent Umsatzanteil bleibt dabei Deutschland der wichtigste Markt, gefolgt vom restlichen Westeuropa mit 30 Prozent, Nordeuropa mit weiteren 13 Prozent und Osteuropa mit 10 Prozent. Die Region Asien/Australien/Afrika steuert 12 Prozent bei, und „die Amerikas“ 6 Prozent.

Der Erfolg von Villeroy & Boch liegt in der starken Marke, doch auch eine solche muss gepflegt und weiter entwickelt werden. Dabei ist es dem Unternehmen in den letzten Jahren gelungen, seine Produkte aus unterschiedlichen Bereichen stärker in Richtung Lifestyle zu positionieren und das etwas angestaubte Image moderner und trendiger aufzustellen. Und das ist inzwischen so gut gelungen, dass Villeroy & Boch im letzten Geschäftsjahr mit neuen Problemen zu kämpfen hatte: mit Lieferengpässen.

 Villeroy & Boch (Quelle: finanzen.net
2016 konnte das Unternehmen seinen Umsatz um 2 Prozent steigern, wobei man unter Währungseinflüssen zu leiden hatte. Insbesondere der Mexikanische Peso, der Rubel und das Britische Pfund in Folge des Brexit-Votums haben deutlich an Wert verloren und damit auch den Umsatz negativ belastet. Um die Währungseffekte bereinigt, hätte der Umsatz sogar um weitere 3,3 Prozent höher gelegen. Der inzwischen größte Bereich Bad & Wellness legte insgesamt um 5,5 Prozent zu und hier kann das Unternehmen vor allem mit Badmöbeln punkten. Dagegen durchläuft der Traditionsbereich Tischkultur eine Neustrukturierung und die Entscheidung, sich auf margenstärkere Handelskanäle zu konzentrieren, kostete Umsatzanteile. Ebenso der restriktivere Umgang mit Rabattaktionen, sowie die Übertragung des Zweitmarkengeschäfts in das Lizenzgeschäft.

Auch wenn einige Entscheidungen Umsatz kosten, folgen sie doch einem höheren Zweck. Denn sie steigern die Rentabilität und hieran hatte Villeroy & Boch viele Jahre zu knabbern. Auch deshalb hat man sich schon vor längerer Zeit entschieden, einige traditionelle Produktionsstandorte aufzugeben. Eine positive Randerscheinung dabei ist, dass man nun teilweise in besten Citylagen von Ballungszentren über großflächige Grundstücke verfügt. Und der globale Trend zur Urbanisierung findet nicht nur in Deutschland statt, wo die Immobilienpreise in den Metropolen in die Höhe schießen und Bauland immer mehr zur Mangelware wird. So hat man vor einigen Jahren sein Grundstück in Lübeck verkauft und im schwedischen Gustavsberg ist man inzwischen mitten in der Projektabwicklung. So wurden in den Jahren 2013 bis 2016 Sondererträge von knapp 15 Mio. Euro realisiert. Hier stehen noch restliche Zahlungen aus, doch interessanter ist natürlich der Blick nach vorne. Und der führt uns nach Luxemburg.

Beim dortigen ehemaligen Werksgelände im „Rollingergrund“ wurde im Dezember die erste von zwei Teilflächen an die Stadt Luxemburg verkauft. Ein Großteil des hierfür angefallenen Verkaufserlöses wurde allerdings durch Rückstellungen für Abriss-, Rückbau- und Sanierungsarbeiten, zu denen sich Villeroy & Boch verpflichtet hat, aufgezehrt. Das Risiko ist also in der Bilanz bereits verarbeitet, während die Chancen erst noch kommen. So erhöhen laut Geschäftsbericht die gemeinsam mit der Stadt Luxemburg erzielten Fortschritte bei der Baurechtsschaffung den aktuellen Verkehrswert der zweiten Teilfläche des Entwicklungsgebietes um 12,2 Mio. Euro. Es bleibt abzuwarten, welche Sondererträge Villeroy & Boch am Ende insgesamt aus dem Luxemburger Gelände ziehen kann, allerdings gehen Experten aktuell davon aus, dass nach kompletter Vermarktung bei Villeroy & Boch zwischen 30 und 35 Mio. Euro hängen bleiben werden. Und die dürfte in den kommenden zwei bis drei Jahren erfolgen.

Nun sind diese hohen Sondererträge allerdings nur ein schönes Zubrot, das Hauptaugenmerk sollten Anleger weiterhin auf das Brot-und-Butter-Geschäft richten. So hat sich im Geschäftsjahr 2016 der operative Cashflow auf knapp 78 Mio. Euro mehr als verdoppelt und die Nettoliquidität vervierfachte sich sogar auf 60,7 Mio. Euro. Das ist vor allem auf das Umsatzwachstum zurückzuführen bei einem gleichzeitigen Abbau von Vorräten sowie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Darüber hinaus hat das Unternehmen vorübergehend seine Investitionen etwas zurückgefahren, wobei im Bereich Tischkultur insbesondere in den Ausbau und die Optimierung des Einzelhandelsnetzes investiert wurde.

Für 2017 erwartet der Vorstand bei einer fortgesetzt mäßigen weltwirtschaftlichen Dynamik einen Anstieg des Konzernumsatzes um 3 bis 5 Prozent sowie eine Steigerung des operativen EBIT um 5 bis 10 Prozent. Das Investitionsvolumen soll auf 35 Mio. Euro anwachsen und ganz überwiegend in den größten Bereich Bad & Wellness fließen. Hier will man die Kapazitäten erweitern, um die im letzten Jahr aufgetretenen Lieferengpässe bei Produktneuheiten zu beheben. Vor allem die neuen spülrandlosen WCs scheinen ein echter Kassenschlager zu sein.

Im Hinblick auf die mit 200 Mio. Euro recht hohen Pensionsverpflichtungen geht das Unternehmen davon aus, hier auf der sicheren Seite zu sein. Man diskontiert aktuell mit 1,25 Prozent und führt den Rückstellungen weniger zu, als man entnehmen muss. Die Pensionsverpflichtungen reduzieren sich also tendenziell. Und sollte das Zinsniveau sich in Zukunft wieder normalisieren, also erhöhen, würde dies sogar ergebniswirksame Reduzierungen der Rückstellungen nach sich ziehen. Also perspektivisch weitere Sondererträge.

Während Villeroy & Boch auch künftig rund die Hälfte des operativen Jahresergebnisses als Dividenden auskehren will, gilt dies nicht für die genannten Sondererträge. Hier gibt es weder Pläne für Extradividenden noch für Aktienrückkäufe. Daher dürften sich Anleger auf absehbare Zeit auf die normale Dividende einstellen, die aktuell immerhin rund 3 Prozent bietet. Also viel mehr als das Sparbuch.

Villeroy & Boch ist ein klassisches Langfristinvestment mit einem gewaltigen Schuss Tradition. Gleichzeitig fährt das Management einen Modernisierungskurs, ohne das Unternehmen, die Mitarbeiter und die Kunden zu überfordern. Und das kommt nicht von ungefähr, denn die Gründerfamilien halten weiter das Heft in der Hand. Sie sind sowohl im Aufsichtsrat als auch im Vorstand aktiv und an der Börse sind nur die stimmrechtslosen Vorzugsaktien notiert. Damit dürfte der Blick weniger auf die 270 Jahre Unternehmensgeschichte gerichtet sein, als vielmehr auf die langfristige Zukunft. Villeroy & Boch ist ein klassisches Buy & Hold-Investment, bei dem sich die Aktien hervorragend zum Vererben eignen. Wie das dazu passende Kaffeeservice der Großmutter.

Villeroy & Boch befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Dienstag, 13. Juni 2017

MBB: Insiderverkäufe ebnen Weg für SDAX-Aufnahme

Bei der mittelständischen Beteiligungsholding MBB SE geht es weiter Schlag auf Schlag. Nach dem erfolgreichen Börsengang der Tochter Aumann vermeldete das Unternehmen nun, dass sich die Gründer und Großaktionäre von einem Aktienpaket getrennt hätten. Was normalerweise für ein Aufhorchen sorgen sollte, hat einen einfachen Hintergrund - und der ist nicht die Absicht, Geld zu erzielen. Denn das hätten die Großaktionäre auch in Form einer üppigeren Dividendenausschüttung erreichen können. Nein, man trennt sich von insgesamt rund 6 Prozent der Aktien und gibt diese an institutionelle Investoren ab, um den Streubesitzanteil zu erhöhen. Gesagt, getan. Die 400.000 Aktien wurden zu 98 Euro außerbörslich platziert und der Freefloat steigt somit auf 35,2 Prozent an und die Großaktionäre halten künftig jeweils 32,4 Prozent bzw. zusammen 64,8% an MBB.

Gewünschter Effekt dieser Maßnahme ist, dass MBB mit dem erhöhten Freefloat näher dran an das erklärte Ziel rückt, in absehbarer Zeit in den SDAX aufgenommen zu werden. Bei den Kriterien kommt es neben der Börsenkapitalisierung und dem Börsenumsatz auch auf einen ausreichenden Streubesitzanteil an.

 MBB SE (Quelle: finanzen.net
Delignit räumt weitere Aufträge ab
Nachdem der Aktienkurs der MBB die letzten Tage stärker konsolidierte, was nach dem rasanten Kursanstieg der letzten Monate von 40 auf knapp 120 Euro auch normal und wünschenswert ist/war, kann MBB nun wieder mit positiven Nachrichten punkten.

Die börsennotierte Tochter Delignit hatte Anfang Juni Folgeaufträge für ihre Bahnsparte verkünden können und gab heute zwei Serienaufträge im Automotivebereich bekannt sowie die Gründung einer US-Dependance in Atlanta, Georgia. Und Delignit war auch Thema beim Interview des MBB-Chefeinkäufers Karalus, das er mit der Euro Am Sonntag führte, und in dem es um die anstehenden Zukäufe geht. MBB will in diesem Jahr noch mindestens eine Übernahme tätigen und geht dabei von einem Eigenkapitaleinsatz von bis zu 40 Mio. Euro aus. Mit dem aktuellen "Dry Podwer" könnte man also bis zu 5 derartige Übernahmen stemmen. Wobei auch vom Volumen her kleinere Add-on-Zukäufe für die Tochtergesellschaften angedacht sind, insbesondere für Delignit und den Cloud- und Datenspezialisten DTS.

Meine Einschätzung
Die mit Abstand größte Tochter, die Aumann AG, wird auch künftig eine gewichtige Rolle spielen. Denn MBB hält 53,6 Prozent der Aktien an der E-Mobilitäts- und Automotive-Company und damit was Unternehmen bilanziell voll konsolidiert in der MBB-Bilanz - und am Ende eine gehörige Portion Minderheitenanteile abgezogen. MBB wird versuchen, mit weiteren lukrativen Zukäufen seine Abhängigkeit von dieser einen Tochter, die für mehr als die Hälfte der MBB-Umsätze und Gewinne steht, zu verringern und das Beteiligungsportfolio wieder breiter auszustellen. Das hierfür nötige Cash ist in großzügigem Maße vorhanden und die ersten Targets hat MBB auch bereits im Auge. Allerdings muss auch der Preis stimmen, ein bei MBB seit jeher ganz entscheidendes Kriterium.

MBB ist die größte Position in meinem Depot und befindet sich seit vielen Jahren auf meiner Empfehlungsliste. Sie ist die mit Abstand erfolgreichste Position und konnte kürzlich als erste den Status "Tenbagger" für sich beanspruchen, nachdem sich der Kurs seit meiner Erstempfehlung mehr als verzehnfacht hatte - inkl. der Bruttodividendenzahlungen.

Was die Bewertung angeht, so dürfte MBB aktuell fair bewertet sein. Denn wenn man die Börsenkapitalisierung der börsennotierten Töchter Aumann und Delignit sowie die Cash-Reserven zusammenrechnet, dann werden die übrigen Tochtergesellschaften fast mit Null bewertet, geht man von der Börsenkapitalisierung von MBB aus. Der größte Hebel bleibt die Kursentwicklung von Aumann; für das künftige unternehmerische Potenzial sind aber die nächsten Zukäufe mindestens ebenso entscheidend. MBB bleibt daher für mich eine aussichtsreiche und langfristig gut positionierte Investition. Sofern keine breite Marktkorrektur einsetzt und/oder Aumann deutlich die - hohen - Erwartungen enttäuschen sollte, dürften Kurse von unter 100 Euro für MBB auf lange Sicht interessante Kaufkurse sein. Anleger sollten allerdings nicht erwarten, dass der Kurs in gleichem Tempo weiter ansteigen wird, wie er es die letzten sechs Monate getan hat...

Aumann, Delignit und MBB befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.


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ERGÄNZUNG VOM 14.06.2017, 16:45

▸ Sycomore Asset Management ist neuer Großaktionär bei MBB

Der Großteil des Aktienpakets von 6 Prozent der MBB-Aktien, das die Gründerfamilien an institutionelle Anlegern abgegeben haben, fand seinen Weg in das Depot der französischen Sycomore Asset Management, wie die eben veröffentlichte Stimmrechtsmitteilung besagt. Die Franzosen werden damit zum drittgrößten Aktionär von MBB, noch vor Finanzchef Anton Breitkopf, der ebenfalls 30.000 seiner 76.000 MBB-Aktien veräußert hatte. Seine restlichen 46.000 Aktien entsprechen etwa 0,7 Prozent der MBB-Aktien.

Meine Einschätzung
Nach dieser Meldung muss sich niemand Sorgen machen, dass die MBB-Aktien schnell wieder auf den Markt kommen und den Kurs drücken könnten. Mit der Sycomore Asset Management wurde ein langfristig orientierter Großaktionär gefunden, was dem Unternehmen zusätzliche Stabilität verschafft und des Weiteren aufzeigt, das auch jenseits des Managements und der Gründer noch erhebliches Potenzial in der MBB-Aktie gesehen wird.

Montag, 12. Juni 2017

Kurseinbrüche sind deine Chance auf außerordentliche Kursgewinne!

Seit Frühjahr letzten Jahres steigen die Börsen schier unaufhaltsam an und das trotz der regelmäßigen "Schwarzen Schwäne", die wie trächtige Säuen alle paar Monate durchs Dorf gejagt werden. Ob Ukraine-Krise, Brexit-Votum, Italien-Referendum oder die US-Wahl, bei allen Ereignissen wurden kräftige Kursverluste vorhergesagt - und wenn es welche gab, dann nur für kurze Zeit, bevor Anleger zurück in den Börsenmarkt strömten. Zu alternativlos erscheint der Aktienmarkt angesichts Negativzinsen zu sein.

Nun haben die meisten Unternehmen ihre Quartalszahlen vermeldet und in Deutschland ist Hauptversammlungssaison. Im Anschluss steuern die Börsen auf die eher unterdurchschnittliches Halbjahr titulierten Börsenmonate zu und auch der gefürchtete Herbst steht vor der Tür. Vorher lockt allerdings noch dem Sommer und bald schon kommen die nächsten Quartalsergebnisse, in der dann die Unternehmen ihre Geschäftszahlen aus dem zweiten Quartal präsentieren werden. Und mit den Ergebnissen einher gehen die Schätzungen und Erwartungen der Analysten.

 Quelle: statista) 
Zuletzt waren die Börsen besonders dank der US-Tech-Giganten Alphabet (Google), Amazon, AppleFacebook und Netflix angezogen, doch nun gab es einen deutlichen Rücksetzer gerade bei diesen Tech-Werten. Goldman Sachs warnte, die Bewertungen könnten inzwischen überzogen sein. Das ist wohl wahr. Andererseits sind gerade diese Tech-Giganten diejenigen Unternehmen, die unsere Welt komplett aus den Angeln heben und immer neue Märkte revolutionieren. Stichwort Disruption. Ihr Manna sind die Daten und wer die Daten kontrolliert (und auswerten kann), der gewinnt die Zukunft. Die Umsatzpotenziale sind enorm und die Wachstumsraten ebenso. Und anders als im Jahr 2000, als die Internetblase platzte, schreiben die heutigen Tech-Stars überwiegend Gewinne. Sie sind also nicht auf ständig neue Kapitalerhöhungen angewiesen, um ihr Wachstum stemmen zu können, sondern sie können es aus ihrem Cashflow finanzieren. Ihr Erfolg nährt sich selbst. Und macht die Bewertung umso schwieriger. Denn gemessen an klassischen Bewertungskennziffern, wie dem Kurs-Buchwert-Verhältnis oder dem Kurs-Gewinn-Verhältnis wären diese Unternehmen keinen zweiten Blick wert. Dass sie es trotzdem sind, liegt an der unbändigen, disruptiven Kraft, mit der sie bestehende Branchen aufrollen und unser aller Leben verändern.

Dieser Trend beschleunigt sich und daher sollte man auch als Investor (weiterhin) auf ihn setzen. Unabhängig von der aktuellen Bewertung der jeweiligen Aktien, getreu dem Investmentmotto von Börsenlegende Philip A. Fisher, der den günstigen Preis eines Wertpapiers nicht als entscheidend ansah, wenn ein wirklich hervorragendes Unternehmen mit nachgewiesener Profitabilität und ausgezeichneten Wachstumsaussichten dahinter stünde. Die nachhaltige Entwicklung eines Unternehmens, um sich vor der Konkurrenz zu schützen und ihr voraus zu sein sowie ein integeres Management waren für Fisher die wichtigeren Fakten.

»Den größten Investmenterfolg erzielt, wer durch Glück oder gesunden Menschenverstand gelegentlich ein Unternehmen findet, das seinen Umsatz und seinen Gewinn über die Jahre weit besser steigern kann als die Industrie als Ganzes. Des Weiteren zeigt sich, dass wir, wenn wir glauben, ein solches Unternehmen gefunden zu haben, besser über einen langen Zeitraum investiert bleiben sollten.«
(Philip A. Fisher)

Amazon, Alphabet, Facebook und Microsoft bleiben sind keine klassischen Value Investments, doch als Quality Investments bleiben sie ein Basisinvestments für jedes Depot und sollten unabhängig von den Kursschwankungen langfristig zu den Gewinnern zählen. Als Unternehmen und als Aktien. Sehr lesenswert zur zunehmenden marktbeherrschenden Stellung dieser Unternehmen ist der Artikel "Die Dominanz der Giganten" auf "Die Börsenblogger", in dem anschaulich beschrieben wird, wie sich die unternehmen ihren ökonomischen Burggraben (Moat) geschaffen haben und weshalb dieser immer breiter wird.

Verlasse dich nicht auf die Prognosen der Analysten
Nun beschäftigen sich die Analysten zwar gerne mit den Tech-Werten, aber sie haben auch andere Unternehmen auf dem Schirm. Und auch diese präsentieren Zahlen und übertreffen oder verfehlen die Prognosen. Insbesondere die in den USA anstehenden Zinsanhebungen belasten die meisten Werte, während sie für Banken und Versicherungen eher Vorteile bieten. Bis die Anleger merken, dass Trippelschritte beim Zinsniveau keine wirkliche Änderung der makroökonomischen Rahmenbedingungen bewirken; dazu müsste das Zinsniveau schon auf über 4 Prozent steigen.

Wenn Analysten ihre Prognosen ändern, bedeutet das für Anleger Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil ein prozentual zweistelliger Kurseinbruch in einem Bestandswert eine heftige Vermögensminderung bedeutet, Segen wiederum, weil er für alle noch nicht Investierten außergewöhnlich Chancen bietet. Ich rede vom Stock-Picking, also dem gezielten Auswählen der besten Aktien und das funktioniert auf am besten, wenn die Kurse unverhofft abstürzen und sich (neue) Kaufgelegenheiten bieten.

Natürlich darf man nicht jede Aktie bedingungslos kaufen, nur weil sie eine Gewinnwarnung ausgesprochen hat und ihr Kurs eingebrochen ist. Meistens gibt es ja schwerwiegende Ursachen für die Zielverfehlung und hier muss man schon genau hinsehen, ob es sich um eine günstige Gelegenheit handelt oder nur den Anfang weiter sinkender Kurse.

»Nur weil eine Aktie gefallen ist, heißt das nicht, dass sie nicht noch weiter fallen kann
(Peter Lynch)

Denn sieht man sich den Kursverlauf von RWE oder Eon an (das fossile Energiegeschäft notiert nun unter Uniper an der Börse), dann erkennt man schnell, dass es nicht ein Ausrutscher war, sondern eine massive Eintrübung im geschäftlichen Umfeld, der Atomausstieg und die Energiewende. Die Geschäftsmodelle der Energieriesen sind schlichtweg erodiert und auf Jahre hinweg werden die Unternehmen mit dem Rücken zur Wand stehen - und wenn sie dies überstehen, "winken" Milliardenlasten für die Abwicklung des Atomausstiegs und den Rückbau der Atomkraftwerke.

Quartalsberichte sind wenig aussagekräftig
Und dann gibt es einfach mal schlechte Quartale im Geschäftsleben und Unternehmen, die eigentlich hervorragend wirtschaften, müssen schlechte Zahlen präsentieren. Nun sind Quartalszahlen allerdings stichtagsbezogene Daten und da kann die Verschiebung eines Großauftrags um ein paar Tage schon starke Auswirkungen haben, die im Jahresergebnis gar nicht zum Tragen gekommen wären. Und man muss sehen, weshalb die Zahlen schlechter als erwartet ausfallen, ob ein Großkunde dem Unternehmen den Rücken gekehrt hat und nun dauerhaft die Auslastung niedriger ist, oder ob erhöhte Investitionen in künftige Aufträge die Ursache für ein schwaches Quartalsergebnis sind. Daher sollte man Quartalsberichte eher meiden und sich stattdessen auf die jährlichen Geschäftsberichte stützen.

»Große Anlagemöglichkeiten kommen immer dann, wenn hervorragende Unternehmen vorübergehend in schwieriges Fahrwasser geraten und deshalb unterbewertet werden.«
(Warren Buffett)

Kommen herausragende Unternehmen kurzfristig ins Straucheln, stellen die daraus resultierenden Kurseinbrüche echte Kaufgelegenheiten dar für Anleger mit mittel- und langfristigem Anlagehorizont. Denn sie können sich in der Panik der anderen günstig mit Aktien eindecken, die man sonst niemals zu diesen niedrigen Kursen einsammeln könnte. So etwas nennt man antizyklisches Investieren und es klingt ganz einfach. Doch in der Praxis fällt es dem meisten Menschen extrem schwer, sich gegen die Meinung der Masse zu stellen und zu kaufen, wenn alle anderen auf den Verkaufsknopf drücken.

»Aktienpreise schwanken stärker als Aktienwerte.«
(Sir John Templeton)

Nur wer vorbereitet ist, kann Chancen nutzen
Und manche greifen einfach ins fallende Messer, weil sie meinen, dass eine Aktie zu 20 Euro billig ist, nur weil sie vor kurzem noch bei 30 Euro notierte. Das ist natürlich ein kostspieliger Unsinn, denn dies setzt voraus, dass 30 Euro der wahre Wert der Aktie ist und nicht einfach eine Kursübertreibung war. Das kann man aber nicht anhand der Kurse ermitteln, sondern alleine durch die Bewertung des Unternehmens und dem Herunterbrechen des ermittelten Wertes auf eine einzelne Aktie. Also durch das Basiswerkzeug der Value Investoren. Diese fangen auch nicht bei einem Kurseinbruch mit der Analyse eines Unternehmens an, sondern bereits viel früher. Und er mitteln den sog. "fairen Wert" einer Aktie und warten dann, bis der Aktienkurs deutlich unter diesen fairen Wert fällt und schlagen dann zu. Value Investoren machen also ihre Hausaufgaben lange bevor sie sie brauchen!

Gewinnwarnungen sind keine schöne Angelegenheit, aber sie sind auch kein Weltuntergang. Vielmehr bieten sie den guten Investoren einmalige Kaufgelegenheiten, um bei Unternehmen zum Zuge zu kommen, die ansonsten nicht unterhalb ihres fairen Wertes notieren würden. Es kommt nur darauf an, bei den richtigen Aktien zuzugreifen, das trennt die Investoren von den Spekulanten, erfolgreiche Anleger von Aktienzockern.

Amazon und Microsoft befinden sich auf meiner Empfehlungsliste und Alphabet (A) und Facebook nehme ich neu mit drauf.

Börsenweisheit der Woche 24/2017

"Dividendenzahlungen bieten keine absolute Sicherheit, denn sie können gekürzt oder ganz gestrichen werden und dividendenzahle Unternehmen können Pleite gehen."
(Ken Fisher)

Donnerstag, 8. Juni 2017

EZB bleibt bei ihrer Nullzinspolitik. Und das hat Folgen...

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat getagt und es passierte... nichts. Naja, fast nichts und das ist dann eben doch schon was. Zunächst ließ EZB-Chef Mario Draghi den Leitzins unangetastet bei null Prozentpunkten. Das hatten nicht alle so erwartet, was mich wiederum verwundert. Denn Hauptaugenmerk der EZB ist ihr postuliertes Inflationsziel von 2 Prozent und als zum Jahresanfang die Energiepreise stiegen und mit ihnen die Inflationsrate, da meinten viele schon, die Inflation sei dauerhaft zurückgekehrt und die EZB würde nun endlich die Zinsen erhöhen. Falsch gedacht, wie ich Ende März schon schrieb, als ich den Immobilien-Manager Corestate Capital auf meine Empfehlungsliste nahm.

Schon damals meinte ich, die um die Energiepreise bereinigte Inflationsrate würde deutlich weniger stark ansteigen und aufgrund des Basiseffekts aus dem Vorjahr demnächst auch die Inflationsrate insgesamt wieder absinken. Und genau das geschieht nun, denn die EZB hat ihre Inflationserwartungen für die Eurozone für die Jahre 2017 bis 2019 gesenkt, während sie ihre Annahmen für das BIP-Wachstum erhöht hat, wie die Financial Times berichtet. Des Weiteren sieht Mario Draghi keine Deflationsgefahren mehr, was insgesamt beruhigend ist als Ausblick für die wirtschaftliche Gesamtsituation. Folgerichtig hat er auch erstmals nicht mehr sein Mantra von bestehenden konjunkturellen Abwärtsrisiken wiederholt und die Notenbank stellt auch keine weiteren Zinssenkungen mehr in Aussicht. Zumindest verbal steuert die EZB auf Normalkurs um, von einem Inflationsszenario ist jedoch weit und breit keine Spur.

 Quelle: Financial Times
Und das hat natürlich Folgen, denn damit rückt die Aussicht auf eine Zinswende auch in der Eurozone in weite(re) Ferne. Zumal auch in den USA die Stimmen leiser werden, die von schnellen weiteren Zinsanhebungen der FED ausgehen, da auch in den USA das Wachstum und die Arbeitslosenzahlen dies nicht (mehr) ohne Weiteres hergeben.

Wenn nun aber die Zinsen erst einmal nicht steigen, bleibt das Schuldenmachen weiter attraktiv, während das Sparen weiter nichts abwirft oder sogar schon Strafzinsen kostet. Daher dürften auch künftig Banken und Versicherungen unter Druck bleiben, während Asset Manager und Immobilien (-unternehmen) weiter auf der Sonnenseite stehen, ebenso das FinTech-Unternehmen Hypoport, das über seine Tochter Dr. Klein zweitgrößter Anbieter von Online-Immobilienkreditvermittlungen in Deutschland ist.

Meine Einschätzung
Anleger dürften also weiter profitieren mit Aktienanlagen in Asset Manager. Dabei kann man hier sein Geld streuen und auf die unterschiedlichen Geschäftsmodelle und Investitionsschwerpunkte setzen. Während die Deutsche Beteiligungs AG deutsche Mittelstandsunternehmen kauft und nach der Prognoseanhebung weitere zusätzliche Millionengewinne einstrich, setzt Ernst Russ auf die Bereiche Schifffahrt und Immobilien. Ebenso wie Lloyd Fonds, die ihren Schwerpunkt künftig auch im Sozialen Wohnungsbaus sehen und MPC Capital, die auf Mikroappartments für Studenten setzen. Publity ist ein Spezialist für notleidende Kredite und die Verwertung der für sie hinterlegten Büro- und Gewerbeimmobilien und punktet gerade mit seiner erfolgreichen Strategieausweitung, während Patrizia für institutionelle Investoren europaweit in Immobilienprojekte investiert. DIC Asset ist hier ein Nachzügler, weil man noch über einen großen Eigenbestand an Immobilien verfügt, den man aber sukzessive abbaut. Zugunsten von Fondsinvestments wie bei Patrizia, nur dass DIC Asset ausschließlich auf Deutschland setzt und rein auf Gewerbeimmobilien. Und dann sollte auch Corestate Capital weiter aussichtsreich sein, denn die Übernahme der HL sollte bald vollzogen sein und das Unternehmen in ganz neue Dimensionen katapultieren. Zuletzt wurde wieder ein weiterer Asset-Management-Deal an Land gezogen und Corestate hat die Anleger schon einmal moderat auf eine weitere Prognoseanhebung in diesem Jahr vorbereitet.

Corestate Capital, Deutsche Beteiligung, DIC Asset, Ernst Russ, Hypoport, Lloyd Fonds, MPC Capital, Patrizia und Publity befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Public Storage: Dieser REIT setzt voll auf die Lage(r)

▸ Kissigs Kolumne vom 4. Mai 2017, Aktien Magazin 12/2017 

Peter Lynch war der beste Fondsmanager der 1980er Jahre und er schrieb drei Bücher über die Börse. Das erste und bekannteste heißt „Der Börse einen Schritt voraus“. In seinen Büchern zeigt Lynch auf, dass im Grunde jeder Anleger mit Aktien reich werden kann, wenn er nur mit offenen Augen durch die Welt geht und die richtigen Schlüsse aus seinen Beobachtungen zieht. Damit habe der kleine Privatanleger sogar einen entscheidenden Vorteil gegenüber professionellen Fondsmanagern. Die große Mehrheit von denen schneidet nämlich schlechter als der Vergleichsindex ab – allerdings bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass man als Privatanleger alleine deshalb schon bessere Ergebnisse erzielt. Man muss schon etwas dafür tun.

»Wenn man die Augen offen hält, kann man auf spektakuläre Performer stoßen, und zwar entweder an seinem Arbeitsplatz oder in der Shopping Mall um die Ecke. Und das lange bevor die Wall Street darauf kommt.«
(Peter Lynch)

Halte einfach die Augen offen
Jeder von uns hat persönliche Vorlieben für bestimmte Produkte. Daraus kann man noch keinen Börsenerfolg ableiten. Wenn man sich aber im Bekanntenkreis umsieht, wird man schnell feststellen, welche Produkte gerade angesagt sind und über welche Neuerscheinungen positiv gesprochen wird. Und man kann in seiner Umgebung sehen, welche neuen Läden eröffnen und wo viel Kundenbetrieb herrscht oder welche Boutiquen inzwischen eher gemieden werden.

Sind die dahintersteckenden Unternehmen an der Börse notiert, dann sollte man zwar nicht sofort die Aktien dieser Unternehmen kaufen, aber man erhält aufgrund seiner Beobachtungen Iden, wo es lohnen könnte, genauer hinzusehen.

Natürlich hat sich die Welt seit den 1980er Jahren gewandelt und Einkaufsstraßen stehen unter Druck, weil sich immer mehr Handel ins Internet verlagert. Doch auch hier erfährt man im Bekanntenkreis und vor allem bei deren Kindern, welche Onlineshops angesagt sind, welche Trends gerade gehen oder welche Apps inzwischen völlig out sind. Im Grunde ist es dasselbe Schema.

An Peter Lynch musste ich über die Ostertage denken, als ich im TV-Programm in die Spalte von DMAX geriet. Denn dort lief einen ganzen Tag lang ein Marathon an Folgen von „Baggage Hunters“. Und daneben gibt es noch „Auction Hunters“ und inzwischen auch „Storage Hunters“. Dahinter verbergen sich Doku-Sendereihen, bei denen es um das Ersteigern geht. Und zwar werden blind, ohne vorher den Inhalt genau untersuchen zu können, Gepäckstücke versteigert. Interessanter sind aber Auction Hunters und Storage Hunters, denn nach demselben Prinzip werden hier die eingelagerten Sachen aus Lagerabteilen versteigert.

Nun müssen wir nicht über die Qualität dieser Serien streiten, aber fast beiläufig wird dort erwähnt, dass immer mehr Menschen solche Lagerappartments anmieten, um ihren Krempel besser, sicherer und trockener einzulagern, als es auf dem Dachboden, im Keller oder in der Garage möglich wäre. Denn die Menschen besitzen immer mehr Dinge, die sie nicht (mehr) brauchen, von denen sie sich aber auch nicht trennen wollen. Und das längst nicht mehr nur in den USA, sondern inzwischen auch in Europa.

In den DMAX-Serien geht es um Lagerappartments, bei denen sich kein Besitzer mehr finden lässt und wo die Mieten nicht mehr bezahlten wurden. Irgendwann werden die Apartments dann geräumt und ihr Inhalt versteigert – aus dem Versteigerungserlös werden dann die aufgelaufenen Mietschulden beglichen. Und hier kam mir meine Peter Lynch-Idee…

Natürlich geht es nicht um das Ersteigern, sondern um den Markt der Lagerabteile. Wenn immer mehr Leute solche Boxen anmieten und lässt sich damit bestimmt auch gutes Geld verdienen, so mein Gedanke. Und so habe ich mich mal an die Recherche gemacht und bin beim größten börsennotierten Branchenvertreter der USA gelandet: Public Storage.

Das im S&P 500 notierte Unternehmen mit Sitz in Kalifornien ist bereits seit 1972 am Markt tätig und erzielte 2016 mit knapp 5.500 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,6 Milliarden Dollar. Es ist als REIT konzipiert, als Real-Estate-Investment-Trust. Damit ist auch klar, dass es um Immobilien geht und darum, dass das Unternehmen den größten Teil seiner Gewinne an die Aktionäre ausschütten muss. Nun haben Immobilien einen ziemlichen Lauf hinter sich und es mehren sich Stimmen, die ein Ende des Booms in den USA und in Deutschland voraussagen. Insbesondere, wenn die Zinsen anfangen werden zu steigen. Zwar scheint eine rasche weitere Zinsanhebung in den USA wieder unwahrscheinlicher zu werden, doch ist das auch kein wirklich entscheidender Treiber für Public Storage. Denn das Unternehmen ist ein Anbieter von Spezialimmobilien und daher nicht einfach mit anderen Unternehmen oder REITs aus dem Sektor über einen Kamm zu scheren.

 Public Storage (Quelle: finanzen.net
Public Storage kauft, betreibt und verwaltet im Segment „Häusliche Selbsteinlagerung“ sog. Self-Storage-Anlagen für die private und geschäftliche Nutzung. Genauer gesagt, man vermietet Lagerräume auf monatlicher Basis an. Dabei ist man der größte Anbieter in den USA und betreibt direkt oder indirekt über Beteiligungen mehr als 2.200 dieser Self-Storage Anlagen. Des Weiteren ist man auch in Europa tätig über eine 49%-Beteiligung an Shurgard Europe Ltd., die über 190 Self-Storage-Anlagen in sieben Ländern in Westeuropa betreibt. Das Handelsgeschäft umfasst eine 42-Prozent-Beteiligung an der PS Business Parks Inc., die mehr als 2,6 Millionen m² vermietbare Gewerbeflächen besitzt und betreibt.

Wie man anhand dieser Zahlen sieht, spielt die Musik aber ganz klar in den USA, denn dort ist das Mieten von Lagerräumen geradezu eine Selbstverständlichkeit, vor allem in den Großstädten. Und inzwischen nutzen rund 9,5 Prozent der Amerikaner derartige Stellflächen, während es vor 20 Jahren gerade einmal 6 Prozent waren. Dabei ist in dieser Zeit auch noch die US-Bevölkerung stark angewachsen, so dass allein in den USA heute mehr als 30 Millionen Menschen derartige Storage-Lösungen in Anspruch nehmen. Ein großer und weiter wachsender Markt, in dem Public Storage der Platzhirsch ist.

Wir sind also nicht überrascht, dass ein Unternehmen mit einem so Konjunktur resistenten Geschäftsmodell in einer Wachstumsbranche entsprechend teuer bewertet wird. Jedenfalls auf den ersten Blick. Denn bei einem Kurs von rund 215 Euro kommt die Aktie auf ein 2017er KGV von 30 und eine Dividendenrendite von knapp 3,6 Prozent. Eindeutig teuer. Die Frage ist allerdings, ob die Aktie zu teuer ist, um ein gutes Investment zu sein.

Solide Bilanz und Marktdominanz
Die Verbindlichkeiten zum Jahresende 2016 lagen bei 689 Millionen Dollar, während das Eigenkapital mit 9,44 Milliarden Dollar ausgewiesen wurde. Diese hohe Eigenkapitalquote belegt, dass sich Public Storage vor Zinserhöhungen jedenfalls nicht sorgen muss.

Public Storage erzielt mit 2,56 Milliarden Dollar mehr Umsatz pro Jahr, als seine vier größten Wettbewerber zusammen und immerhin noch zweieinhalb Mal so viel, wie der nächstgrößere Konkurrent. Diese Marktdominanz spiegelt sich auch in der Umsatzrendite wider, die atemberaubende 57 Prozent erreicht und damit weit über denen der Wettbewerber liegt. Für jeden eingesetzten Dollar erzielte Public Storage also einen Vorsteuergewinn von 57 Cents! Und während man auf eine Auslastungsquote von 94,5 Prozent kommt, sollte nach Aussagen des Vorstands sogar eine Quote von 30 Prozent ausreichen, damit Public Storage noch kostendeckend arbeitet. Der geringe Verschuldungsgrad und die sehr hohe Profitabilität müden dann auch folgerichtig in ein A-Rating von Standard & Poor’s, was wiederum die Kapitalkosten niedrig hält, wenn denn überhaupt Fremdkapital aufgenommen werden sollte.

Klassisches Familienunternehmen
Darüber hinaus spricht noch ein weiteres Argument für das Unternehmen, denn die Gründerfamilie hält fast 15 Prozent der Aktien von Public Storage. Und mit Gründer Bradley Wayne Hughes, seinem Sohn Bradley Wayne Hughes Jr. sowie seiner Tochter Tamara Hughes Gustavson sitzen gleich drei Familienmitglieder im Aufsichtsrat. Bei derartigen Familienunternehmen kann man als Mitaktionär beinahe sicher sein, dass es nicht um schnell erzielte Gewinne geht, sondern um die langfristige Steigerung des Unternehmenswerts. CEO ist der 59-jährige Ronald Havner, der bereits seit 1986 für Public Storage tätig ist.

Qualität hat ihren Preis
Ich hatte schon das 30er-KGV angesprochen und das ist absolut betrachtet teuer. Also relativieren wir es, indem wir uns die durchschnittlichen Wachstumsraten der letzten Jahre anschauen. In den vergangenen 10 Jahren wurde der Umsatz um 6,4 Prozent pro Jahr gesteigert, der Nettogewinn um 17 Prozent pro Jahr und der Gewinn pro Aktie sogar um 35 Prozent pro Jahr. Und setzen wir das KGV ins Verhältnis zum Gewinnwachstum, also 30 zu 35, dann liegt das Gewinn-Wachstumsverhältnis sogar unter eins, genauer bei 0,86. Jedenfalls rückwärts betrachtet. Die Analysten erwarten für die nächsten Jahre ein Umsatzwachstum von 7 bis 8 Prozent und das würde sogar etwas oberhalb der bisherigen Zuwachsraten der letzten zehn Jahre liegen. Bedenkt man, dass Public Storage kaum Kosten produziert, wenn es neue Self-Storage-Anlagen errichtet und betreibt, dürfte das Gewinnwachstum auch künftig deutlich über dem Umsatzwachstum liegen. Und im Ergebnis stellt sich Public Storage trotz des hohen KGVs somit als gar nicht so teures Wachstumsunternehmen heraus, das sich hervorragend für eine langfristige Anlage eignen sollte.

Und das liegt vor allem daran, dass das Geschäft nicht besonders kapitalintensiv ist, so dass die Vollausschüttung der Gewinne als Dividenden nicht die Wachstumsaussichten bremst. Dieses kann einerseits organisch erfolgen durch weitere Effizienzsteigerungen und/oder Anhebung der Mietpreise, dann aber auch durch Zukäufe. Obwohl Public Storage der Marktführer in den USA ist und so groß wie die vier nächsten Wettbewerber zusammen, erreicht man dennoch nur einen Marktanteil in den USA von 5 Prozent. Übernahmen sollten also durchaus ein interessanter Wachstumstreiber sein, zumal Public Storage ja sehr günstig an Fremdkapital herankäme oder durch leichtes Absenken seiner Ausschüttungsquote schon enorme freie Mittel zur Verfügung bekäme. Und da der Markt so zersplittert ist und von vielen lokalen und regionalen Anbietern beherrscht wird, kann Public Storage über viele Jahre mit kleinen Zukäufen noch schneller wachsen. Für Anleger eigentlich eine ziemlich ideale Investmentgrundlage.

Dienstag, 6. Juni 2017

Nimmt der Turnaround bei Mutares jetzt richtig Fahrt auf?

Ich bin ein bekennender Fan von Beteiligungsgesellschaften und habe eine ganze Reihe von ihnen bereits in meinem Blog vorgestellt. Um Mutares habe ich lange einen Bogen gemacht und der durch operative Probleme und Fehlentscheidungen des Managements ausgelöste Kursabsturz gab mir Recht. Vor einem halben Jahr mehrten sich dann allerdings die Anzeichen für einen Turnaround, ausgelöst durch eine strategische Neuausrichtung - und ich nahm Mutares als aussichtsreiche Turnaround-Spekulation bei einem Kurs von 11 Euro auf meine Empfehlungsliste auf. Bisher ging die Spekulation prima auf und es mehren sich die Anzeichen, dass dies erst der Anfang einer sich entwickelnden nachhaltigen Erfolgsgeschichte war.

Mutares ist eine international ausgerichtete deutsche Beteiligungsgesellschaft, die sich nach Kapitalerhöhungen, Aktiensplits und Börsensegmentwechsel für Anleger attraktiver gestalten will. Das ist auch nötig, denn Mutares konnte den eigenen Ansprüchen bisher nicht gerecht werden und hat mit einigen Unwägbarkeiten und Problemen zu kämpfen. Der Kursverlauf bis Ende vergangenen Jahres zeichnet dieses Scheitern unschön nach. Doch Mutares scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und steuerte inzwischen um. Bereits im ersten Halbjahr 2016 hat man kräftig in den Ausbau des Teams und der Infrastruktur investiert und auch sie Strategie wurde angepasst. Anstatt wie bisher Stand-Alone-Restrukturierungsfälle zu akquirieren, will man künftig Cluster bilden und auch durch Synergien und Formierung größerer Einheiten Werte generieren und heben. Das klingt aussichtsreicher und erfolgversprechender, weil man so beim Exit auch ganz andere Interessenten ansprechen kann, nämlich strategische Investoren, für die das Übernahme-Target dann keine kleine Rand-Ergänzung ist, sondern ggf. ein weiteres Elefanten-Standbein. Geographisch bewegt sich Mutares mit dem Schwerpunkt Frankreich und Italien in einem Bereich, den andere Beteiligungsgesellschaften wie Aurelius oder Bavaria bisher nicht abdecken. Das Ziel, bald 1,8 Mrd. Euro Umsatz in den Beteiligungsunternehmen zu erzielen, ist jedenfalls schon mal eine markige Ansage, doch es müssen auch Taten folgen. Und die folgen...

Zunächst übernahm Mutares mehrere Automobilzulieferer in Frankreich und kommt so bei der Formierung eines globalen Zulieferers mit großen Schritten voran. Aber auch in anderen Bereichen ist Mutares aktiv und hat von der amerikanischen SPX Corporation das internationale Anlagenbauunternehmen Balcke-Dürr übernommen. In 2015 hat das Unternehmen mit 650 Mitarbeitern einen Umsatz von €142 Mio. erzielt und verfügt neben der Firmenzentrale in Düsseldorf über Entwicklungscenter und Produktionsstätten in Deutschland, Italien, Polen, China und Indien. Balcke-Dürr fertigt Komponenten für die Energieeffizienz und die Reduktion von Emissionen für die chemische und energieerzeugende Industrie. und wird Teil von Mutares "Engineering & Technology"-Segment.

Doch Mutares kauft nicht nur zu, sondern vernachlässigt auch nicht das andere Standbein seines Geschäfts, das Verkaufen. So konnte man den Verkauf von EUPEC Deutschland an die Wasco-Gruppe vermelden und im Idealfall kann der Verkaufspreis bis zum Jahr 2019 sogar auf 32 Mio. Euro steigen. Das operative Geschäft der EUPEC Frankreich bleibt Teil der Mutares-Gruppe. Und Ende April folgte der Verkauf der die Fertigungstechnik Weißenfels GmbH an ein deutsches Family Office. FTW entwickelt, produziert und vertreibt hochpräzise und dynamische NC-Rundtischsysteme und Spezialvorrichtungen für die Werkzeugmaschinenindustrie war im Februar 2010 seitens Mutares von der deutschen Römheld-Gruppe erworben worden.

Zahlen drehen ins Positive
Insbesondere der EUPEC-Verkauf hatte maßgeblichen Anteil an den sehr guten Zahlen zum Auftaktquartal 2017. Doch auch für drei Tochtergesellschaften seien hohe Steigerungen des operativen Profits vermeldet worden. So steigerte sich A+F um 60 Prozent, STS um 53 Prozent und Elastomer um 40 Prozent. In Summe ergab sich ein Umsatzwachstum von 36 Prozent auf 208,2 Mio. Euro während das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 4,2 auf 21,5 Mio. Euro gesteigert werden konnte. Der Substanzwert (NAV) des Mutares-Konzerns lag zum Ende des ersten Quartals bei 317,2 Mio. Euro und damit um 9,3 Mio. Euro über dem Wert zum Jahresende. Dies entsprach einem NAV je Aktie von knapp 20,50 Euro, der durch die weiteren nach Abschluss des Quartals gemeldeten Zukäufe auf aktuell etwa 400 Mio. Euro oder 25,80 Euro ansteigen sollte.

 Mutares (Quelle: finanzen.net
Der Vorstand hat große Ziele und möchte bis Ende 2018 den Umsatz auf 1,8 Mrd. Euro steigern. 2016 lag der Wert noch bei 648 Mio. Euro und damit sprechen wir fast von einer Verdreifachung! Um dieses Ziel zu erreichen, will Mutares insbesondere sogenannte „Add-on Akquisitionen“ forcieren, also bestehende Portfoliounternehmen durch Ergänzungsakquisitionen stärken. Auch dies ist Teil der neuen Cluster-Strategie, die nicht mehr auf möglichst viele Stand-Alone-Töchter setzt.

Deal-Pipeline ist prall gefüllt
In einem Interview mit financial.de gab CEO Dr. Axel Greuer Interessantes preis. So sei die Transaktionspipeline noch nie so gut gefüllt gewesen wie aktuell und Mutares geht davon aus, dass dies nachhaltig sein wird, da man in den letzten zwei Jahren signifikant in den Ausbau des M&A-Teams investiert habe. Bis Ende des Jahres 2017 sollen somit noch mindestens vier Akquisitionen und ein Exit realisiert werden. Speziell die Töchter A+F, STS und Elastomer Solutions hätten die Sanierung längst hinter sich und seien auf einem starken Wachstumskurs. Mutares sei mit den erzielten Ergebnissen sehr zufrieden, sehe jedoch noch weiteres Potenzial. Alle Unternehmen reifen zu interessanten Exit-Kandidaten heran.

Meine Einschätzung
Mutares hat dank des Strategiewechsels wieder Rückenwind und dürfte bald zu alter Stärke auflaufen. Die neue Strategie klingt viel versprechend und die Zukäufe sollten für neue Energie sorgen - das Ziel von 1,8 Mrd. Euro Umsatz des Beteiligungs-Portfolios bis Ende 2018 klingt jedenfalls nicht völlig utopisch angesichts der vielen Zukäufe der letzten Zeit und der angekündigten prall gefüllten Deal-Pipeline. Mit dem aktuellen Portfolio hat man das ursprüngliche Milliarden-Umsatz-Ziel jedenfalls bereits um 200 Mio. Euro übertroffen. Und die in den letzten Quartalszahlen noch nicht eingerechneten Zukäufe ergänzen weitere rund 250 Mio. Euro Umsatz.

Das dürfte auch dem Aktienkurs analog zum Voranschreiten des operativen Geschäft wieder Leben einhauchen. Ob der Sonderertrag aus dem EUPEC Deutschland Verkauf als Sonderdividenden ausgeschüttet oder lieber für weitere Zukäufe verwendet wird, bleibt abzuwarten - und betrifft sowieso erst das Geschäftsjahr 2017 und somit die Ausschüttung im Kalenderjahr 2018.

Mehr als 40 Prozent Abschlag auf den NAV
Ich denke, bei Mutares wird gerade der Grundstein gelegt für eine erfolgreiche Investment-Story und für geduldige und risikobereite Anleger bietet sich hier ein attraktives Chance/Risiko-Verhältnis. Daher befindet sich Mutares auf meiner Empfehlungsliste und ich bin Mitte Dezember bei 11 Euro mit einer ersten Position eingestiegen. Seitdem habe ich in den Kursanstieg bis 15 Euro hinein meine Position weiter ausgebaut. Der Kurs scheint nun seine Konsolidierung nach dem schnellen Anstieg abgeschlossen zu haben und setzt zu einem neuen Höhenflug an. Bis zum Erreichen des NAVs von 25,80 Euro ist jedenfalls noch reichlich Spielraum. Genauer gesagt notiert die Mutares-Aktie momentan trotz des jüngsten Kurssprungs noch immer mit einem Abschlag von mehr als 40 Prozent auf den NAV. Und so ein enormer Sicherheitsabschlag ist inzwischen keinesfalls mehr berechtigt, so dass weitere Kursteigerungen eigentlich vorprogrammiert sind. Und kommt Mutares operativ weiter so gut voran, nimmt der Turnaround also weiter richtig Fahrt auf, dann könnte sich das bisherige Allzeithoch aus dem August 2015 bei 22 Euro nur als Zwischenstation auf dem Weg in noch viel höhere Kursregionen darstellen.


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ERGÄNZUNG VOM 22.06.2017, 12:41

▸ mutares-Tochter STS erwirbt brasilianisches Werk von Autoneum

Die STS-Gruppe hat die Produktionsstätte mit 90 Mitarbeitern des Schweizer Autoneum-Konzerns im brasilianischen Betim erworben. Mit der Akquisition setzt STS seine Wachstumsstrategie konsequent fort, sich zu einem führenden globalen Zulieferer zu entwickeln. STS wird den bisherigen Kundenstamm weiter beliefern. Des Weiteren verfügen alle bestehenden Hauptkunden der STS-Gruppe über Produktionsstätten in Brasilien. STS erwartet daher ein starkes Potential für ein Umsatzwachstum im sich erholenden brasilianischen Markt und rechnet mittelfristig mit einem Umsatz von 12 Mio. Euro.

Die STS-Gruppe wird durch ihr organisches Wachstum und die Akquisitionen von Autoneum, Plastic Omnium und Mecaplast zu einem globalen Automobilzulieferer. Die Gruppe entwickelt und produziert Innen-, Außen- und NVH-Teile für leichte bis schwere Nutzfahrzeuge sowie für PKW. Mit 2.700 Mitarbeitern in 16 Werken auf vier Kontinenten wird ein Umsatz von 400 Mio. Euro erwirtschaftet. Das Produktportfolio ergänzt sich ideal und erlaubt eine Vielzahl an Synergien und Cross-Selling-Möglichkeiten.

Der Erwerb des brasilianischen Werks ist bereits die zweite Transaktion der mutares-Gruppe mit Autoneum. Der italienische Teil der STS-Gruppe wurde im Juli 2013 von Autoneum übernommen und hat sich seitdem herausragend entwickelt. Das gegenseitige Vertrauen zwischen Autoneum und mutares hat einen sehr kooperativen und exklusiven Transaktionsprozess ermöglicht.