Mittwoch, 23. August 2017

Investor-Update: Mein Dividendendepot - einige BDCs und ein REIT

In meinen Investor-Updates notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Heute gibt es eine Sonderausgabe, da ich mich ausschließlich mit den Werte befasse, die in meinem Dividenden-Depot liegen. Das sind bis auf eine Ausnahme BDCs (Business Development Companies), denn diese weisen nicht selten zweistellige Dividendenrenditen auf.

Habe Geduld!

Beim Erwerb von Aktien das richtige Timing zu erwischen, ist fast unmöglich. Daher sollte man es gar nicht erst versuchen. Ist man von einem Unternehmen überzeugt und bekommt man die Aktien zu einem guten Preis, sollte man zugreifen. Und die Aktien halten, auch wenn der Kurs erst einmal fallen sollte.

Denn sobald man Aktien erworben hat, ist man darauf angewiesen, dass andere ihren Wert erkennen und ebenfalls kaufen. Sonst steigen die Aktienkurse ja nicht, denn sie basieren auf Angebot und Nachfrage. Man kann aber nicht beeinflussen, ob und wann andere Anleger den wahren Wert des Unternehmens erkennen und dessen Aktien kaufen. Daher sollte man seine eigene Einschätzung nicht vom Aktienkurs abhängig machen und auch nicht nervös werden, wenn der Kurs einige Zeit - manchmal Jahre - benötigt, um auf seinen fairen Wert zu steigen.

»Geduld ist die oberste Tugend des Investors.«
(Benjamin Graham)

Der üblichste Fehler der Anleger ist es, heißen Nachrichten und anspringenden Kursen hinterherzulaufen. Aber das funktioniert nicht, denn damit bezahlt man nur die Kursgewinne der Anderen. Denn nachdem der Kurs einen Luftsprung gemacht hat, konsolidiert er meistens einige Zeit. Und die Anleger, die nur wegen der heißen Nachrichten in die Aktien gestürmt sind, kriegen kalte Füße, wenn die Kurse nicht mehr weiter steigen - und verkaufen wieder. Nicht selten mit Verlust.

Dienstag, 22. August 2017

Technotrans erhöht nach Top-Zahlen die Gewinnprognose um ein Drittel

Der Technologiekonzern Technotrans ist schon länger kein Geheimtipp mehr und nachdem man für 2016 das beste Geschäftsjahr in diesem Jahrzehnt und dazu noch ein bärenstarkes Auftaktquartal vermelden konnte, legte man nun sogar noch eine Schippe drauf. Denn im zweiten Quartal ging das rasante Wachstum unvermindert weiter und sprengt alle Erwartungen!

Die Zahlen
Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2017 um 62,3 Prozent auf 103,2 Mio. Euro, während das operative Ergebnis (EBIT) um 92,2 Prozent auf 8,4 Mio. Euro zulegte. Dies entspricht einer EBIT-Marge von 8,2 Prozent (Vorjahr: 6,9 Prozent). Nach dem starken Auftaktquartal lief auch das zweite Quartal in nahezu allen Unternehmensbereichen besser als erwartet: Hier stieg der Umsatz um 52,0 Prozent auf 50,4 Mio. Euro, während sich der Gewinn auf EBIT-Basis auf 4,1 Mio. Euro (Vorjahr: 2,3 Mio. Euro) verbesserte.

Die Gründe
Der Wachstumskurs im ersten Halbjahr ist auf zwei wesentliche Faktoren zurückzuführen. Zum einen leisteten die im vergangenen Jahr akquirierten Gesellschaften einen Umsatzbeitrag in Höhe von 28,4 Mio. Euro. Dabei wächst Technotrans nicht nur anorganisch durch die Zukäufe, sondern auch sich selbst heraus. Hier summierte sich das Wachstum auf 11,2 Mio. Euro (plus 17,7 Prozent) und der Gewinn nach Steuern wurde auf 6,1 Mio. Euro annähernd verdoppelt, was einer Umsatzrendite von 5,9 Prozent entspricht (Vorjahr: 5,0 Prozent).

Montag, 21. August 2017

Investments konzentrieren oder diversifizieren?

Benjamin Graham war ein großer Befürworter des Diversifizierens. Seiner Überzeugung nach kann eine möglichst breite Streuung im Portfolio das Risiko deutlich reduzieren, Opfer von hochemotionalen Kurseinbrüchen zu werden.

Und Peter Lynch kaufte für seinen Fonds immer mehrere Werte eines ganzen Sektors, wenn er bei einem Unternehmen auf eine Perle gestoßen war - allerdings war dies natürlich auch dem enormen Investitionsvolumen des Magellan-Fonds geschuldet, für den die Börsenkapitalisierungen vieler Einzelwerte einfach zu klein waren.

»Warum sollte ich die zweitbeste Aktie kaufen, wenn ich die beste haben kann?«
(Warren Buffett)

Warren Buffett hingegen lehnt diese Strategie ab und ist ein klarer Verfechter des "Focus Investing". Einige wenige sehr gute Werte sollen das Portfolio beherrschen und weitere Titel allenfalls Beimischungen sein. Er ist der Überzeugung, dass man nur die besten Unternehmen auswählen und von diesen dann so viele Aktien wie möglich kaufen sollte. Buffett spekuliert nicht mit Aktien, er investiert in Unternehmen, er beteiligt sich, wird Partner. Diese von ihm bevorzugte qualitative Selektion schließt eine zu große Streuung faktisch aus und im Portfolio seiner Investment-Holding Berkshire Hathaway hatte er die vier größten Positionen mehr als 20 Jahre lang nicht verändert.

Börsenweisheit der Woche 34/2017

"Reichtum bedeutet nicht, eine Menge Geld zu haben, sondern eine Menge Möglichkeiten."
(Chris Rock)

Samstag, 19. August 2017

Dividendeninvestoren setzen auf Business Development Companies (BDCs)

Insbesondere für Dividendeninvestoren stellen Business Development Companies eine interessante Anlagekategorie dar, zeichnen sie sich doch durch attraktive Dividendenrenditen aus. Doch üppige Dividendenrenditen sind nicht alles, bei BDCs sind schon einige ganz besondere Aspekte zu beachten, um mit überschaubarem Risiko überdurchschnittliche Renditen zu erzielen.

Eine Business Development Company (BDC) ist ein in den USA tätiger Finanzinvestor für kleine und mittlere nicht-börsennotierte Unternehmen. BDCs stellen etablierten Unternehmen sowie Startups Kapital zur Verfügung, entweder in Form von Eigenkapital, so dass die BDC Miteigentümerin wird, oder durch Fremdkapitalhingabe als nachrangige Kredittitel mit niedrigerem Investment-Grade ("Private Debt") oder als sog. Collateralized Loan Obligations (CLOs), also verbriefte Unternehmenskredite. Dabei vergeben BDCs ihre Mittel traditionell an kleinere und weniger beachtete Unternehmen, die eine geringere Bonität aufweisen und daher auch höhere Finanzierungskosten akzeptieren (müssen). Diese Unternehmen können sich nicht so leicht über Anleihen und/oder Bankkredite finanzieren und greifen daher gerne auf Eigen- oder Fremdkapitalgaben von BDCs zurück.

Ein wesentliches Merkmal einer BDC ist, dass sie selbst börsennotiert ist und somit Anlegern die Möglichkeit bietet, sich über den Kauf von Aktien der BDC an dem ansonsten eher schwer zugänglichen Markt der privaten Unternehmenskredite und Venture Capital Finanzierungen zu beteiligen. Und das, ohne sich an einem illiquiden, geschlossenen Fonds zu beteiligen, bei dem man als Anleger erst durch Verkauf der Assets bzw. Auflösung des Fonds wieder an sein Geld kommt.

Grundlage: Investment Company Act von 1940
BDCs unterliegen strengen Regularien; sie müssen sich als BDC registrieren lassen und dazu ist erforderlich, dass sie die Voraussetzungen des Investment Company Act von 1940 erfüllen bzw. einer speziell für BDCs geschaffenen Ergänzung aus dem Jahr 1980. Der US-Kongress wollte nämlich jungen, aufstrebenden Firmen dabei helfen, die benötigten Finanzmittel zu erhalten.

Die meisten BDCs wählen aus steuerlichen Gründen die Form der "Regulierten Investment Company" (RIC) und eine Konsequenz hieraus ist, dass sie mindestens 90% ihrer steuerrelevanten Gewinne ("Taxable Income") an ihre Anteilseigner ausschütten müssen. Hier sind sie mit den inzwischen auch in Deutschland bekannten REITs (Real-Investment-Trust) vergleichbar. BDCs weisen daher nicht selten zweistellige Dividendenrenditen auf und sind daher besondere bei Dividendeninvestoren sehr beliebt.

Empfehlungsliste

Performance seit Erstempfehlung inkl. Brutto-Dividenden. Das regelmäßige Update erfolgt jeweils zum Wochenende.














»Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.«, riet Immanuel Kant. Also, Leute, denkt selbst! Diese Liste ist eine Anregung, mehr nicht. Sie dient dazu, dass Ihr Euch Eure eigenen Gedanken zu den Unternehmen macht, Euren eigenen Investment-Case erarbeitet. Dazu könnt Ihr gerne auf meine Einschätzungen zurückgreifen und gerne können wir über die einzelnen Positionen und das (Value) Investing diskutieren. Denn das ist der Grund, weshalb ich dieses Blog betreibe: ich möchte mit Euch ins Gespräch kommen, von Euch lernen, und auch dadurch ein besserer Investor werden.

▶ Historie der Transaktionen auf meiner Empfehlungsliste
Auf der ▸Transaktionsliste finden Sie alle bisherigen Aufnahmen und Streichungen auf meiner Empfehlungsliste.

▶ Veränderungen in dieser Woche...

Freitag, 18. August 2017

Bei Publity steigt alles: Umsatz, AuM, Gewinn. Nur der Aktienkurs (noch) nicht...

Publity, der erfolgreiche Investor in und Asset-Manager von deutschen Büroimmobilien, hat heute Zahlen für das erste Halbjahr vorgelegt und die bestätigen einmal mehr, dass sich das Unternehmen operativ hervorragend entwickelt. So wurde der Umsatz um 11% auf 12,9 Mio. Euro gesteigert, das EBIT um 27% auf 8,1 Mio. Euro und der Nettogewinn sogar um 31% auf 5,5 Mio. Euro, während die Eigenkapitalquote bei soliden 49 Prozent liegt.

Die Hauptaktivitäten des Unternehmens liegen im Erwerb, der Verwaltung und der Verwertung von gewerblichen Grundstücken und Gebäuden. Dabei konzentriert sich Publity vor allem auf die Ballungszentren Frankfurt und München sowie andere deutsche Großstädte. Zuletzt hat man sich aber auch mit den umliegenden Städten der Randgebiete dieser Metropolen befasst und sich hier stärker engagiert. Das Unternehmen übernimmt dabei alle Aufgaben der Wertschöpfungskette, also die Strukturierung von Anlageprodukten für institutionelle und private Investoren, den Ankauf der Immobilien oder von NPLs (Non Performing Loans) sowie das Asset-Management und die Verwertung/Verkauf. In allen Stadien der Wertschöpfungskette verdient Publity Gebühren und/oder Provisionen.

Bei VTG läuft es (zu) gut: Kosten rauf, Gewinne auch. Aber erst später...

Den Schienenlogistik-Konzern VTG hatte ich Ihnen kürzlich erst wieder ans Herz gelegt und eigentlich läuft für die Hamburger alles wie am Schnürchen. Nun ja, es läuft eben zu gut und daher gab das Unternehmen heute die Anpassung seiner Jahresprognosen bekannt. Und diese Meldung scheint auf den ersten Blick eher zu verwirren, denn man könnte sie als Gewinnwarnung auslegen - und zwar in beider Richtungen.

Und genau das ist auch das Problem, denn aus der bisherigen Formulierung eines konkreten Gewinnziels wurde nun eine Bandbreitenprognose. Und ob sich das Ergebnis eher am unteren oder am oberen Ende einfinden wird, hängt davon ab. Und das gleich von mehreren Faktoren.

Was ist... eine Börsenmantel-Spekulation?

"Als Börsenmantel wird eine börsennotierte Aktiengesellschaft bezeichnet, die ihr operatives Geschäft aufgegeben hat und demzufolge nur noch ihr Vermögen (Immobilien, Barvermögen) verwaltet. Auch aus insolventen Gesellschaften kann ein entschuldeter Mantel erworben werden. Börsenmäntel können dritten Unternehmen den Börsengang ermöglichen und so eine Alternative zu einem IPO mit Kapitalerhöhung und einer bloßen Notierungsaufnahme ohne Kapitalerhöhung darstellen. Dieser Vorgang wird als Reverse Merger, Reverse Takeover, Reverse IPO oder Back Door Listing bezeichnet." (Quelle: Wikipedia)

Totgesagte leben länger. Manchmal jedenfalls.
Im Kern geht es um zumeist im Centbereich vor sich hin dümpelnde Aktien (sog. "Penny-Stocks"), die ihre besten Tage lange hinter sich haben. Früher einmal mögen sie großen Firmennamen gehabt haben, wie Praktiker, Karstadt oder Holzmann, heute tut sich bei ihnen nichts mehr. Zumindest operativ. Denn diese leeren Aktiengesellschaften haben durchaus noch einen Wert: ihre Börsennotierung. Denn ein Unternehmen an die Börse zu bringen, ist mit hohem Aufwand verbunden, die bürokratischen und regulatorischen Anforderungen werden immer wieder verschärft und die Kosten für Banken, Anwälte, Gerichte, Börse sind immens. Viel einfacher ist es somit, wenn andere Firmen mit ihrem operativen Geschäft und ihrem Vermögen in diese leere Hülle eines börsennotierten Unternehmens schlüpfen und somit verhältnismäßig unaufwändig selbst zu dessen Börsennotierung gelangen.

Besser zweimal hinsehen
Allerdings gilt es hierbei einige Hürden zu überwinden und damit meine ich nicht zuerst, dass die neue börsennotierte Gesellschaft selbstverständlich alle Voraussetzungen der Börse in ihrem jeweiligen Segment erfüllen muss, die auch für alle "normalen" hier gelisteten AGs gelten. Vielmehr wird nicht nur der Namen und die Börsenzulassung übernommen, sondern auch alle ehemaligen Forderungen und Verbindlichkeiten, die der alten AG gehörten. Wenn also noch Gläubiger zu bedienen sind, dürften die sich freuen, wenn auf einmal wieder Vermögen "zu holen" ist. Oder es können noch Verlustvorträge in dem Börsenmantel schlummern, die man sich nutze machen könnte.

Donnerstag, 17. August 2017

Softship: Das Ende aller (Börsen-)Tage. Übernahme und Delisting angekündigt...

Die Tage der Softship AG, einem Hamburger IT-Dienstleister für Spezialsoftware für die Linienschifffahrt, dürften gezählt sein, zumindest die an der Börse. Denn heute hat die CargoWise GmbH, eine 100-prozentige Tochter des Softship-Großaktionärs WiseTech Global Ltd., den übrigen Aktionären ein Delisting-Erwerbsangebot unterbreitet.

"CargoWise GmbH, Bremen (der "Bieter"), gibt heute seine Entscheidung bekannt,
  • ein Angebot an die Aktionäre der Softship AG, Hamburg ("Softship") abzugeben, sämtliche Aktien der Softship (ISIN DE0005758304 /WKN 575830), die nicht bereits vom Bieter gehalten werden 
  • zu einem Angebotspreis von EUR 10,00 in bar je Aktie zu erwerben, d.h. mit einer Prämie von 
    • 9,4% über dem XETRA-Schlusskurs der Softship-Aktie an der Börse Frankfurt am 16. August 2017 von EUR 9,14 
    • 27,1% über dem durchschnittlichen täglichen XETRA-Schlusskurs der Softship-Aktie an der Börse Frankfurt während der sechs Monate vor dem 16. August 2017 von EUR 7,87 (basierend auf XETRA Daten).
Das Angebot wird spätestens am 31. August 2017 veröffentlicht und vor folgendem Hintergrund erfolgen:

"Free Lunch" für Anleger beim Tausch von Kontron-Aktien in S&T?

Eine sehr interessante Frage erreichte mich bzgl. des Umtausches von Kontron-Aktien in S&T. Die österreichische S&T AG habe ich ja schon länger auf der Empfehlungsliste, während ich vor einigen Jahren vor einem Investment in Kontron abgeraten hatte. Und nun...?

"Speziell zu S&T habe ich nun eine Nachfrage in Bezug auf die Verschmelzung mit Kontron. 
Haben wir hier nicht eine free lunch-Situation? Das Umtauschverhältnis ist auf 39 Kontron-Aktien für 10 S&T-Aktien definiert (Umtauschfrist 23.8. bis 19.9). Die Kontron-Aktie steht gegenwärtig bei 3,83 EUR, ergo 39x3,83=149,37 EUR. Gleichzeitig zahlt man aktuell ca. 173,50 EUR für 10 S&T-Aktien am Markt. Das ist eine Differenz von ca. 24 EUR, die man relativ risikolos mitnehmen kann, denn das einzige Risiko besteht doch letztlich darin, dass die Verschmelzung nicht wie geplant eingetragen wird. Dazu kommt noch, dass man je erhaltener S&T-Aktie nochmal 0,15 EUR erhält. 
Nun die Frage, ob ich etwas übersehen habe?!"

Hier meine Einschätzung
Das sieht wirklich verlockend aus. Doch leider hat der Hund doch ein paar Flöhe und die finden sich in den Details der Umtauschbedingungen.

Mittwoch, 16. August 2017

Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 2. Quartal 2017?

Value Investor Warren Buffett, das "Orakel von Omaha", musste für seine Investmentholding Berkshire Hathaway wieder das sog. Formular 13F bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) einreichen. In diesem vierteljährlich vorzulegenden Dokument müssen institutionelle Asset-Manager ab einem verwalteten Vermögen von $100 Mio. ihre Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen offenlegen.

Veränderungen im 2. Quartal 2017
Auch im abgelaufenen Quartal gab es einige bemerkenswerte Veränderungen an Buffetts Positionen.

Käufe
Überraschen kam Buffetts 10-prozentiger Einstieg Immobilien-REIT (Real Investment Trust) Store Cap Corp., die sich auf Handelsimmobilien mit mittelgroßen Mietern konzentrieren. Die Sorge, ob die Händler dem zunehmenden Druck seitens des Online-Handels gewachsen sein werden und dem entsprechend die Immobilien ihren (Miet-) Wert erhalten können, hatte den Aktienkurs unter Druck gebracht. Der vergleichsweise günstige Einstiegskurs bei einer attraktiven Dividendenrendite und mittel- bis langfristig stabilen Aussichten, dürften für Buffett der Grund für den Kauf gewesen sein.

Die zweite völlig neue Position ist die von Synchrony Financial, der ehemaligen Finanzsparte von General Electric. Die zunehmende Verschuldungskrise privater Haushalte in den USA hat den Kurs taumeln lassen und auch hier stieg Buffett gegen den Trend ein. Er liebt Kreditkartenfirmen und hält ja auch große Pakete an American Express, Mastercard und VISA.

Dienstag, 15. August 2017

MAX Automation mit Halbjahreszahlen: unaufgeregt, solide, weiterhin aussichtsreich...

Die international agierende Beteiligungsgruppe MAX Automation präsentierte Halbjahreszahlen und die sind durchaus einen Blick wert. So liegt der Auftragsbestand mit 189,1 Mio. Euro auf hohem Niveau, der Konzernumsatz legte um 12,6 % auf 180,2 Mio. Euro zu und das Konzern-EBIT vor PPA konnte auf 9,7 Mio. Euro nahezu verdoppelt werden. Infolgedessen hat das Management den Ausblick für Gesamtjahr 2017 bestätigt.

Soweit so gut. Doch die MAX Automation ist in den beiden Kernsegmenten Umwelttechnik und Industrieautomation tätig. Sie verfügt direkt oder indirekt über 11 Beteiligungsunternehmen, von denen nach dem Verkauf der altmayerBTD nur noch Vecoplan dem Bereich Umwelttechnik zuzuordnen ist. Und diese Sparte war bisher das Sorgenkind und hat regelmäßig schwache Ergebnisse eingefahren. Nun hat man "in einem weiterhin herausfordernden Umfeld" zumindest den Turnaround geschafft, vor allem durch Kostensenkungen. Das Ergebnis der Mühe sind nun deutlich verbesserte Zahlen bei Vecoplan. Und so bieten sich hier ganz neue Optionen...

Montag, 14. August 2017

Buy & Hold: Geh den Weg des Warren Buffett

Warren Buffett liebt und lebt das Prinzip des Buy & Hold, des Kaufens und Behaltens. Seine bevorzugte Anlagedauer sei für immer, hat er öffentlich verkündet. Und wenn man sich die größten Positionen in dem Portfolio seiner Investmentholding Berkshire Hathaway ansieht, so sind sie teilweise seit Jahren und Jahrzehnten unverändert: Wells Fargo, American Express, Coca Cola. Auch seine im lukrativen Duracell-Deal eingetauschten Procter & Gamble-Aktien hielt er weit mehr als 10 Jahre - sie resultierten aus seinem Einstieg bei Gillette, die dann später von P&G übernommen wurden.

Seine Einstellung zum langfristigen Investieren legt Buffett auch immer wieder in seinen Jahresberichten dar, die er den Berkshire-Aktionären und Anlegern weltweit zur Verfügung stellt. Zwei besonders bemerkenswerte Passagen aus Jahresberichten von Mitte der 1990er Jahre möchte ich heute mal aufgreifen und in Erinnerung rufen.

Börsenweisheit der Woche 33/2017

"Beim Investieren geht es nicht darum, andere in ihrem Spiel zu schlagen. Es geht darum, sich selbst im eigenen Spiel zu kontrollieren."
(Benjamin Graham)

Freitag, 11. August 2017

Liquidität bringt langfristig die Rendite!

Liquidität, also die kurzfristig verfügbaren Finanzmittel, wird zurzeit so schlecht verzinst, wie noch nie. Ob auf dem Girokonto, als Tages- oder Festgeld, die Zinssätze sind historisch niedrig und decken nicht einmal die - selbst moderate - Inflationsrate ab. Es ist daher für den Vermögensauf- und -ausbau erstrebenswert, sich rentierlichere Assets zu suchen. Nur wenn das Geld arbeitet, also in Anleihen, Aktien, Fonds steckt, kann es dort Erträge in Form von Zinsen, Dividenden, Kursanstiegen erwirtschaften; solange es auf dem Konto schlummert, bringt es keine Rendite und schmälert in der Gesamtbetrachtung die Performance. Man sollte also meinen, stets zu 100 Prozent investiert zu sein, sei der sicherste Weg zu nachhaltigem Reichtum und dass Börsenlegende Warren Buffett stets einige Milliarden Dollar als Liquiditätsreserve hortet, wäre demnach unerklärlich. Es sollte sich also lohnen, mal genauer hinzusehen...

Buffett versteht Liquidität nicht als Anlage, Tagesgelder betrachtet er nicht unter dem Aspekt des Zinsertrages, sondern als schlichte Notwendigkeit. Denn da Buffett langfristig investiert, treffen ihn auch die großen Schwankungen an der Börse stets mit voller Wucht, sowohl in der Hausse als auch in der Baisse. Und gerade, wenn die Kurse stark fallen, hat Buffett gute Laune, obwohl sein Portfolio dann Milliarden an Wert verliert. Die Antwort liegt in einem Wort: Liquidität!

Donnerstag, 10. August 2017

Spekuliere niemals auf Kredit

Unternehmen nutzen Fremdkapital, der Staat begibt Anleihen, Privatleute finanzieren Möbel, Autos, Häuser über Kredite. Weshalb sollten Anleger nicht auch auf Kredite zurückgreifen, um an der Börse zu spekulieren? Immerhin gibt es speziell zugeschnittene Wertpapierkredite (auch Effekten-Lombard-Kredit genannt), bei denen man zu vergleichsweise attraktiven Zinskonditionen Kredit erhält gegen Verpfändung von Wertpapieren. Also eigentlich doch eine sichere Sache, oder?

Jedenfalls so lange, bis die Aktienkurse zu fallen beginnen. Denn dann sinkt auch der Wert der als Sicherheit hinterlegten Papiere und wenn er unter den des Kreditbetrages fällt, fordert die Bank zum Nachschießen auf (sog. Margin Call). Dann muss man entweder frisches Geld einzahlen, um den Kreditbetrag zu senken, oder Wertpapiere veräußern. Die besondere Gefahr liegt darin, dass die Wertpapiere niemals zu ihrem Nominalwert, also 100%, als Sicherheit akzeptiert werden. Aktien von DAX-Unternehmen sind meist zu 60% beleihbar, ausländische Aktien zu 50%, Optionsscheine und andere Derivate überhaupt nicht. Ist der Kreditbetrag ausgereizt und die Kurse laufen in die falsche Richtung, muss man Wertpapiere glattstellen, nachdem sie bereits erhebliche Kursverluste verzeichnet haben. Die Ansätze des Value Investings sind aber genau andere: in Krisen zukaufen und in Euphorie verkaufen - und dazwischen einfach abwarten.

»Spekuliere niemals auf Kredit. Ich hatte 1924 einen Margin Call und ich schwor mir, niemals wieder auf Kredit zu spekulieren. Das ist einer der entscheidenden Gründe, weshalb ich durch die 1930er Jahre kam.«
(Philip Carret)

Mittwoch, 9. August 2017

VTG: Mit Schienenlogistik verlässlich auf Kurs

▸ Kissigs Kolumne vom 17. Juli 2017, Aktien Magazin 19/2017 

Der Schienenlogistik-Konzern VTG erfreut sich großer Unbekanntheit, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass man mit seinen Produkten und Dienstleistungen als Otto Normalverbraucher kaum direkt in Berührung kommt. Die Kunden von VTG sind überwiegend große Unternehmen aus den Bereichen Erdöl, Erdgas, Chemie, Nahrungsmittel und Handel. Für diese transportiert VTG Waren durch ganz Europa und das auf der Schiene.

Der Schienenverkehr bietet enorme Kostenvorteile gegenüber seinem Hauptkonkurrenten, dem Lkw auf der Straße, den stetig strengere Vorschriften, wie kürzere Fahr- und längere Standzeiten und Mautkosten gängeln. Zusätzlich kann der Schienengüterverkehr mit seinem großzügigen Platzangebot punkten und vergleichsweise wenig Staus – sofern nicht gerade bei der Bahn gestreikt wird. Andererseits ist der Gütertransport ein Massengeschäft mit dem eher geringe Margen zu verdienen sind. Hier verdient man nur über Menge und Auslastungsgrad.

Und auch von anderer Seite könnte der Schienenverkehr zusätzlichen Rückenwind bekommen, denn es wird angestrebt, die Trassenpreise für den Schienengüterverkehr, die sog. Schienenmaut, deutlich zu senken, was die Güterbahnen in Höhe von 330 bis 350 Millionen Euro pro Jahr entlasten könnte. Damit würde der Schienenverkehr gegenüber dem Lkw weiter an Attraktivität gewinnen und sich damit auch die Nachfrage nach VTG-Waggons weiter erhöhen.

Dabei unterhält die im SDAX beheimatete VTG kein eigenes Schienennetz, wie die Deutsche Bahn oder die amerikanische Union Pacific, sondern sie lebt von der Vermietung von Waggons. Neben Tank-Containern, die auch abseits der Schiene eingesetzt werden können, vermietet man Kessel- und Flachwagen sowie Waggons für Großraumgüter und man stellt diese auch selbst her. Darüber hinaus ist man in der Schienenlogistik tätig und organisiert den Transport von Mineralöl und Chemieprodukten. VTGs Kernmarkt liegt in der DACH-Region, also Deutschland, Österreich und der Schweiz, man ist aber auch in ganz Europa, den USA und Russland aktiv.

Dienstag, 8. August 2017

Erneute Prognoseanhebung: Deutsche Beteiligungs AG zielt auf Gewinnverdopplung

Sie hat es schon wieder getan: die Deutsche Beteiligungs AG hat ihre Zahlen zum abgelaufenen 3. Geschäftsquartal vorgelegt (ihr Geschäftsjahr endet am 30. September und wusste einmal mehr zu überzeugen. Und nicht nur das. Sie hat sogar die im Mai erst erhöhten Jahresziele nochmals angehoben! Doch der Reihe nach...

Die DBAG weist nach den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2016/2017 ein Konzernergebnis von 78,6 Mio. Euro aus. Darin enthalten sind insbesondere die sechs bisherigen Exits und anders als bei der Prognoseanhebung im Mai nun auch die Verkaufsgewinne von Formel D, ProXES und Schülerhilfe. Ich hatte ja auf die zu erwartenden positiven Effekte ausgiebig hingewiesen. Und diese drei Deals waren nicht zu unterschätzen, denn nahezu die Hälfte des Ergebnisses nach den ersten neun Monaten (78,6 Mio. Euro ggü. 34,5 Mio. Euro im dritten Quartal 2015/2016) sind hierauf zurückzuführen. Das Konzernergebnis zum 30. Juni 2017 führt zu einer Rendite auf das Eigenkapital je Aktie von 22,1% nach neun Monaten.

Erfreulich ist, dass zu dem überdurchschnittlich guten Konzernergebnis nach drei Quartalen beide Geschäftsfelder der DBAG beitrugen. Im Segment Private-Equity-Investments wirkten sich neben den erfolgreichen Veräußerungen auch höhere Ergebniserwartungen der verbliebenen Portfoliounternehmen positiv aus. Des Weiteren kam dem Wertansatz dieser Unternehmen das höhere Bewertungsniveau an den Kapitalmärkten zugute.

Der Großteil des Nettogewinns stammt mit über 75 Mio. Euro aus dem Beteiligungsgeschäft. Hierbei erhöhte sich der Fair Value der Beteiligungen trotz der Beteiligungsverkäufe aufgrund der Zukäufe und des allgemeinen positiven Marktumfelds um rund 72 Mio. Euro, wodurch der Portfoliowert im Verlauf der ersten neun Monate um über 55 Mio. Euro auf fast 360 Mio. Euro gestiegen ist.

Blue Cap trumpft mit Umsatz- und Ergebnisexplosion auf

Die Münchner Beteiligungsgesellschaft Blue Cap hat heute ihre Halbjahreszahlen präsentiert und die sorgen für Furore. So konnte der Konzernumsatz um über 70% auf 74,4 Mio. Euro gesteigert werden, wobei das operative Ergebnis (EBITDA) bei 7,2 Mio. Euro lag (Vorjahr 3,7 Mio.) und das vorläufige EBIT bei rund 5,8 Mio. Euro (Vorjahr 2,6 Mio.). Diese Zahlen wurden bereits um den Veräußerungserlös der Beteiligung Biolink sowie neutrale Aufwendungen und Erträge bereinigt.

Insbesondere die erst im letzten Jahr erworbene neue Beteiligung Carl Schäfer mausert sich prächtig und auch das neue Schwergewicht Neschen leistet seinen positiven Beitrag zu den hervorragenden Zahlen.

Aus dem Verkauf der 89,85-prozentigen Beteiligung Biolink zum 30. Juni 2017 konnte Blue Cap einen Veräußerungserlös von knapp 41,7 Mio. Euro einstreichen, was in etwa meiner Erwartung entspricht. Die hohen liquiden Mittel sollen zur Abtragung von Bankverbindlichkeiten und für neue Beteiligungsengagements genutzt werden. Hier hat CEO Hannspeter Schubert schon einiges im Auge.

Kostolanys Know-how: Börsengewinne sind Schmerzensgelder

André Kostolany war ein erfolgreicher Börsenspekulant, Bonvivant und Autor und er wäre in diesem Monat 110 Jahre alt geworden. Zahlreiche Bücher hat er verfasst über seine große Leidenschaft, die Börse, und er war viele Jahre lang gern gesehener Gast in allen Fernsehtalkshows. Denn er schaffte es nicht nur erfolgreich sein Geld anzulegen, sondern auch das komplexe und verwirrende Börsengeschehen in kurzen, knackigen und sehr oft auch humoristischen Weisheiten und Anekdoten zusammenzufassen. Sein Buch "Kostolanys Börsenseminar" war das erste Buch, das ich jemals über das Thema Börse gelesen habe. Und ich habe nicht nur viel über sie gelernt, sondern es hat mich auch mit dem Börsenfieber angesteckt, das bis heute nicht abgeflaut ist. Über eine seiner vielen Weisheiten möchte ich heute sprechen, denn es geht um Kursverluste, den Umgang mit ihnen und dass sie nicht etwa es Ungewöhnliches an der Börse sind, sondern einfach dazugehören.

»Börsengewinne sind Schmerzensgelder. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld.«
(André Kostolany)

Die Ineffizienz der Märkte
Was sich auf den ersten Blick witzig anhört, verbirgt eine tiefe Wahrheit rund um das Börsengeschehen. Wenn wir ein Unternehmen analysiert haben und uns seine Aktien unterhalb seines fairen Werts ins Depot gelegt haben, also mit einer Sicherheitsmarge, dann sollten wir vor Kursverlusten gefeit sein. Trotzdem treten sie ein. Denn der Markt ist nicht effizient, egal, was die Anhänger des Wirtschaftsnobelpreisträgers Eugene Fama auch denken mögen. Es ist einfach unsinnig anzunehmen, dass zu jeder Zeit und allen Marktteilnehmern gleichzeitig sämtliche Informationen zur Verfügung stehen und daher der Kurs/Preis eines Marktes zu jederzeit richtig bewertet ist. Nonsens, Blödsinn, um es vorsichtig auszudrücken. Es bekommt nicht jeder Mensch alle Informationen, nicht jeder nutzt sämtliche Informationswege und nicht jeder mit der selben Geschwindigkeit. Und auch nicht jeder kann zu jeder Sekunde alle ihn erreichenden Informationen lesen, verstehen und augenblicklich danach handeln. Dieses Konzept scheitert an der Natur des Menschen. Und dann ist da noch die subjektive Bewertung, die in Anlageentscheidungen mit einfließt. Wir Anleger bekommen eine Meldung auf den Tisch und diese ist kein objektives Kriterium, sondern individuell auszulegen, denn Anleger bewerten Nachrichten unterschiedlich, jeweils auch von ihrem Standpunkt und aus ihrer eigenen Lage heraus. Diese subjektive Bewertung steht aber nicht allen anderen zur Verfügung, sondern es ist eine ganz persönliche Einschätzung.

Montag, 7. August 2017

Gewinnrückgang auch im 2. Quartal: Hat Buffett sein goldenes Händchen verloren?

Warren Buffett ist der erfolgreichste Investor aller Zeiten, aber auch er liefert nicht nur Erfolge ab. Gerade musste er für sein Investmentkonglomerat Berkshire Hathaway einen Gewinnrückgang im zweiten Quartal 2017 melden. Nachdem bereits im ersten Quartal 23 Prozent weniger zu Buche schlugen als im gleichen Vorjahreszeitraum, verdiente Buffett nun 15 Prozent weniger als im zweiten Quartal 2016. Der Überschuss sank auf 4,3 Mrd. Dollar und das operative Ergebnis ging um 11 Prozent auf 4,1 Mrd. Dollar zurück.

Anders als im ersten Quartal gab es dieses Mal aber keine so enormen Sondereffekte. Denn im ersten Quartal des Vorjahres wirkten sich die Übernahme von Precision Castparts für 37 Mrd. Dollar und vor allem der Tausch von Duracell gegen den Anteil an Procter & Gamble mit hohen Einmalgewinnen aus. Will man Buffetts Erfolg anhand der Gewinne beurteilen, muss man diese Effekte fairer Weise herausrechnen.

Im Industrie- und Handelsbereich erzielte Berkshire knapp 1,7 Mrd. Dollar an Gewinnen und damit rund 11 Prozent mehr als in der vergleichbaren Vorjahresperiode. In diesem Bereich agieren u.a. Precision Castparts, Lubrizol, See's Candies und die Autohandels- und Möbelgeschäfte.

Im Eisenbahnbereich verspürt BNSF (Burlington Northern Santa Fe Railroad) seit einiger Zeit kräftig Gegenwind aufgrund gefallener Rohstoffpreise für Öl und Kohle. Im zweiten Quartal konnte dieser Trend etwas gestoppt werden und gleichzeitig greifen die Maßnahmen zur Kostenreduzierung bei BNSF. Unterm Strich legte die Profitabilität so um 24 Prozent zu, so dass BNSF 958 Mio. Dollar zum operativen Ergebnis beisteuern konnte.

Börsenweisheit der Woche 32/2017

"Wenn es um Geld geht, gibt es nur ein Schlagwort: 'Mehr!'"
(André Kostolany)

Sonntag, 6. August 2017

Was ist... ein ökonomischer Burggraben?

Unter einem ökonomischen Burggraben ("Economic Moat") versteht man kein Bauwerk und keine Investments in Bau, Steine, Erden. Vielmehr geht es um die Markteintrittshürden, den die Wettbewerber zu überwinden haben - und auch die eigenen Kunden, sollten sie sich vom Unternehmen trennen wollen. Es geht also um Wettbewerbsvorteile von Marken und Produkten, um Unternehmen, die ihren Markt beherrschen. Diese Unternehmen bezeichnet Warren Buffett als Festungen.

Derartige wirtschaftliche Trutzburgen sind Unternehmen, deren Produkte oder Dienstleistungen

  • in den Augen der Verbraucher konkurrenz- und alternativlos sind,
  • benötigt und gewünscht werden,
  • nicht übermäßig kapitalintensiv sind,
  • nicht staatlich beaufsichtigt werden.

Beispiele sind Microsoft, die 20 Jahre lang mit Windows und Office zwei Produkte im Angebot hatten, an die sich so gut wie jeder Konkurrent die Zähne ausgebissen hat. Oder Alphabet, das mit seiner Suchmaschine Google den Suchmaschinenmarkt dominiert und quasi ein Monopol im Online-Werbeanzeigenmarkt einnimmt.

»Der Schlüssel zum erfolgreichen Investieren liegt nicht in der Frage, wie sehr eine Industrie die Gesellschaft beeinflusst oder ob sie wachsen wird, sondern darin, herauszufinden ob ein bestimmtes Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil hat, und wenn ja, wie lange dieser anhalten wird
(Warren Buffett)

Samstag, 5. August 2017

Genworth Financial: Kommt die Übernahme durch China Oceanwide? Ja? Nein? Egal!

Ich wurde zu meiner aktuellen Einschätzung zu Genworth Financial Inc. gefragt, den strauchelnden US-Versicherer, den ich ja schon seit einiger Zeit als Turnaround-Spekulation begleite und bei dem ich im letzten Oktober riet, auf den Übernahmepoker zu setzen.

"Wie bewertest du den aktuellen Kursverlauf von Genworth Financial im Zusammenhang mit der Wahrscheinlichkeit einer geplanten Übernahme durch China Oceanwide? Ich kann zumindest in den hiesigen Foren keine Informationen finden, die darauf schließen lassen, dass die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Übernahme signifikant gefallen ist. Der Kursabschlag zur Übernahmeofferte ist aktuell schon recht groß und bringt mich in Versuchung, meine Position nochmals zu erhöhen. Die Q2-Zahlen waren auch überzeugend. Einzig der Kursverlauf irritiert."

Meine Einschätzung
Genworth Financial Inc. ist einer meiner Jahresfavoriten 2017. Der Kursverlauf ist ein echtes Trauerspiel. Bis jetzt. Ich war ja davon ausgegangen, dass bis Mitte 2017 die Übernahme "durch" ist und man die 5,43 Dollar kassieren kann. Das hat nicht geklappt. Die chinesische Oceanwide und GNW haben jetzt bekannt gegeben, dass sie eine Fristverlängerung bei Genehmigungsbehörden beantragt haben und dass sie den Merger/die Übernahme bis Ende Oktober 2017 anstreben. Alle Konditionen etc. bleiben ansonsten weiterhin intakt. Die Verzögerung belastet natürlich den Kurs, weil die Unsicherheit bleibt, ob die Übernahme wirklich kommt.

»Die Zukunft ist niemals klar: Schon für ein bisschen Gewissheit muss man einen hohen Preis zahlen. Unsicherheit ist deshalb der Freund von Langfristinvestoren.«
(Warren Buffett)

Dass sich die Übernahme um ein paar Monate verzögert, ist nicht schön und verunsichert viele Anleger. Andererseits bietet sich dadurch weiter die Chance, günstig an GNW-Aktien zu kommen. Wie Du schon schreibst, gab es in den letzten beiden Quartalen erfreuliche Ergebnisse.

Freitag, 4. August 2017

Squeeze-out: Mit langem Atem sicher Geld verdienen

Firmenübernahmen sind "en vogue" und nicht selten sind Unternehmen betroffen, die an der Börse notiert sind. Der neue Mehrheitseigentümer unterbreitet den Minderheitsaktionären ein Angebot, das üblicherweise deutlich über dem letzten aktuellen Kurs vor der Übernahmeankündigung liegt, um möglichst viele Aktien angedient zu bekommen. Bisweilen kommt es auch zu Übernahmeschlachten, wenn mehrere Unternehmen sich um dasselbe Übernahmeobjekt rangeln, wie z.B. bei Rhön Klinikum zu sehen war, wo Helios (die Krankenhaustochter von Fresenius) sich mit Asklepios in die Haare geriet.

Doch bei fast jeder erfolgreichen Übernahme bleiben einige Aktionäre zurück, die das Angebot nicht angenommen haben. Hat der Haupteigentümer mehr als 95% der Anteile zusammenbekommen, kann der die übrigen Aktionäre zwangsweise aus dem Unternehmen drängen. Das nennt man Squeeze-out und für die Abfindung der Herausgedrängten gibt es mittlerweile feste Regeln, so dass es eine vollständige Kompensation für den Verlust des Eigentums an den Aktien geben muss.

Die konkrete Höhe der Barabfindung ist jedoch meistens umstritten, denn der Übernehmende möchte nicht mehr bezahlen, als unbedingt nötig, während die Alteigentümer auf eine möglichst hohe Abfindung setzen. Und hier beginnt eine bisweilen lukrative Spekulation mit eingebautem Sicherheitsnetz - jedenfalls für Investoren mit langem Atem.

Denn in den meisten Fällen kommt es nach dem Squeeze-out zu einem Spruchstellenverfahren, bei dem die Angemessenheit der Barabfindung überprüft wird. Und nicht selten kommt es hier zu einem satten Aufschlag auf den ursprünglichen Abfindungsbetrag. In 2012 lag die Rendite der Nachbesserungen durchschnittlich bei 15,9%. Allerdings sind die Verfahren langwierig und dauern schon mal mehrere Jahre. Und umso interessanter für den Spekulanten ist, dass der Nachbesserungsbetrag dann rückwirkend jährlich mit einem Aufschlag von 5% auf den jeweiligen Basiszinssatz verzinst wird. Gerade in Niedrigzinsphasen ein zusätzliches lukratives Bonbon.

Mittwoch, 2. August 2017

Lanxess – Bayers erfolgreich(st)er Spin-off

▸ Kissigs Kolumne vom 4. Juli 2017, Aktien Magazin 18/2017 

Der Chemie- und Agrarkonzern Bayer ist nicht nur einer der bekanntesten deutschen Konzerne, sondern auch einer der erfolgreichsten. Und diese Erfolge basieren auf eigener Expertise, wie dem Schmerzmittel Aspirin, und auf geschickten Firmenübernahmen. Dabei wandelt sich insbesondere durch die Zukäufe auch immer wieder das Gesicht von Bayer und die Ausrichtung wird mal ein wenig, mal stärker neu justiert. So wie es auch gerade mit der aktuellen Übernahme von Monsanto geschieht, durch die Bayer seinen Schwerpunkt erheblich in Richtung Agrarchemie und Saatgut verlagern wird. Dabei werden im Rahmen der Übernahme wohl einige Auflagen auf Bayer zukommen und der Konzern vermutlich einige Geschäftsbereiche abgeben müssen, da weltweit die Kartellbehörden monopolartige Konzentrationen verhindern möchten.

Doch nicht nur im Rahmen von Übernahmen hat Bayer sich und sein Geschäft verändert, auch aus eigenem Antrieb heraus erfolgten Verkäufe oder Abspaltungen von Geschäftsfeldern. Eine enorme Veränderung gab es im Jahr 2004, als das damalige Sortiment des Vorgängerunternehmens Bayer Polymers AG neu sortiert wurde. Ein Teil wanderte inklusive der Produktionsstätten in die neue Gesellschaft Lanxess, der andere Teil verblieb im Bayer-Konzern und wanderte in die Bayer MaterialScience AG, die man heute als Covestro kennt und die seit Herbst 2015 ebenfalls an der Börse notiert.

Bayer ist mit 100 Milliarden Euro ein DAX-Schwergewicht, während Covestro mit 13 Milliarden und Lanxess mit 6 Milliarden Euro im MDAX gelistet sind. Doch während Covestro bereits einige Monate nach dem Börsenstart in den MDAX aufstieg, hatte Lanxess einen viel längeren Weg bis dorthin vor sich. Denn Bayer trennte sich bereits 2005 von Lanxess und ließ die Aktien dieses Spin-offs einfach den Bayer-Aktionären zusätzlich ins Depot buchen. Man könnte fast sagen, Bayer entledigte sich einfach der ungeliebt gewordenen Sparte, während man von Covestro nur einen Teil an die Börse brachte und seitdem den Bestand immer mal wieder reduziert. Zuletzt unterschritt man die Schwelle von 50 Prozent.

Dienstag, 1. August 2017

Meide Neuemissionen!

Wagt eine Aktiengesellschaft den Sprung aufs Börsenparkett, nennt man diesen Börsengang neudeutsch Initial Public Offering (IPO). Medienwirksame IPOs der letzten Jahre waren u.a. Facebook, AlibabaRocket InternetZalando oder jüngst Delivery Hero.

Für ihr IPO erstellen die Unternehmen einen umfassenden Emissionsprospekt, der alle relevanten Informationen enthalten muss, vor allem aber erläuternde Hinweise zu den Risiken und in den diversen Börsenblättchen - und Blogs - wird über den Börsengang berichtet, zumeist mit Handlungsempfehlungen. Also eine sichere Sache, sollte man meinen, oder?

Zu Zeiten des Neuen Markts war das so. Egal, zu welchem Preis unrentable Unternehmen an die Börse gebracht wurden, die Emissionen waren mehrfach überzeichnet und die Kurse schossen durch die Decke. Das lag jedoch nicht an den Unternehmen, sondern an der liquiditätsgetriebenen Hausse, der Gier der Anleger und an dem vielen billigen Geld, mit dem die Notenbanken den Markt geflutet hatten. Zumindest letzteres ist auch heute gegeben, aber von Euphorie an den Börsen sind wir meilenweit entfernt.

Von Kursverlusten und Pleiten
Und wenn man sich die Kursentwicklung einiger Börsengänge der jüngsten Zeit ansieht, drängt sich nicht der Eindruck auf, man hätte hier als erster dabei sein müssen. So hat sich der Kurs der Rocket-Internet-Aktien nach der Emission inzwischen halbiert und auch die Kurse anderer IPOs haben deutlich nachgegeben, schauen Sie sich Groupon oder Snapchat an. Allerdings sind viele der jüngeren IPOs schnell wachsende Internet-Unternehmen, bei denen Umsatz- und Kundenwachstum hoch bewertet werden und die Aussicht auf zukünftige Erträge und Gewinne versprechen. Und hier liegt genau das Risiko, denn die Erwartungen sind das eine, die Realität das andere. Weder Groupon noch Snapchat konnten mit Geschäftszahlen überzeugen und haben die hochfliegenden Erwartungen nicht erfüllt. Der Aktienkurs nimmt nun die entsprechenden Anpassungen vor und die Anleger sitzen auf den Kursverlusten - während sich diejenigen, die frühzeitig an den Unternehmen beteiligt waren, wie auch die Unternehmensgründer, satte Millionen- oder gar Milliardenerlöse aus dem Verkauf ihrer überteuerten Aktien gezogen haben. Daneben gibt es aber auch "grundsolide" Unternehmen, die an die Börse streben, wie der Modekonzern Steilmann. Der allerdings nach nur wenigen Monaten Insolvenz anmelden musste. Ein Armutszeugnis für alle Beteiligten, Banker, Berater, Firmenlenker, und Prüfungsgegenstand seitens der BaFin und vermutlich auch der Staatsanwaltschaft. Immerhin geht es um die Frage, ob Anleger bewusst getäuscht (im Juristendeutsch "betrogen") worden sind, als ihnen die Aktien angedreht wurden.

Montag, 31. Juli 2017

Weshalb Warren Buffett nicht in Bitcoins, 3D-Druck oder Biotech investiert

Warren Buffett ist der weltweit bekannteste und erfolgreichste Value Investor und er investiert anhand bestimmter Kriterien in Aktien. Anfangs waren diese vor allem durch die Lehren seines Mentors und Lehrers Benjamin Graham geprägt und stützen sich vor allem auf Kennzahlen und starke Unterbewertungen. Charlie Munger inspirierte ihn, sich stärker an Markt- und Preissetzungsmacht, Wettbewerbsvorteilen, hohen Eigenkapitalrenditen und steigenden Cashflows zu orientieren und so hat sich Warren Buffett vom Value Investor zum Quality Investor weiterentwickelt.

Diese Kriterien sind nicht auf bestimmte Branchen beschränkt sondern finden sich übergreifend bei vielen Unternehmen bzw. ihren Aktien. Und doch setzt Buffett bekanntlich auf eher langweilige Branchen und ist nicht auf der Suche nach den "Investmentstorys von morgen". Dabei ist abzusehen, dass die Biotech-Branche die Welt verändern wird, ebenso der 3D-Druck. So wie vormals die Autoindustrie oder die Eisenbahn. Weshalb also Buffetts Zurückhaltung?

Im Prinzip ist es ganz simpel: denn Buffett interessiert sich nicht dafür, ob eine Branche oder ein Unternehmen etwas Revolutionäres erfindet, ob es die Welt verändert oder fast aus den Angeln hebt. Er versucht nicht, heute schon in das Iphone von morgen zu investieren, oder in das nächste Blockbuster-Medikament. Das überlässt er anderen. Denn die meisten dieser Pioniere scheitern und gehen Pleite. Zurück bleiben einige wenige Anbieter, die sich durchgesetzt haben.

Börsenweisheit der Woche 31/2017

"Eine Aktiengesellschaft ist eine raffinierte Einrichtung zur persönlichen Bereicherung ohne persönliche Verantwortung."
(Ambrose Bierce)

Sonntag, 30. Juli 2017

Was ist... Stock-Picking?

Unter Stock-Picking versteht man das Investieren in einzelne Aktien (engl. Stocks) und es ist die Grundlage der Strategien sowohl von Value Investoren als auch von Quality Investoren.

Durch gezieltes Investieren in Aktien einer bestimmten Gesellschaft, eines bestimmten Marktes oder Sektors wird eine überdurchschnittliche Rendite erwartet. Dabei ist der Grundgedanke, dass anhand einer fundamentalen Analyse der Kennzahlen eines Unternehmens und des Marktes, in dem es sich bewegt, diejenigen herausgefiltert werden können, die sich langfristig besser entwickeln werden als der Gesamtmarkt bzw. ihr Vergleichsindex. Entweder aufgrund ihrer besonders attraktiven Bewertung oder wegen ihrer herausragenden Marktstellung ("Moat"). Oder beidem.

»Die Frage, wie man reich wird, ist leicht zu beantworten. Kaufe einen Dollar, aber bezahle nicht mehr als 50 Cents dafür.«
(Warren Buffett)

Das Stock-Picking steht damit in Konfrontation zu der Erkenntnis, dass die meisten Anleger schlechter abschneiden als der Markt. Auch und vor allem die Profis! Allerdings gibt es eine Reihe von Investoren, die über lange Zeiträume bessere Ergebnisse abliefern, wie Bernard Baruch, Warren Buffet, Benjamin Graham, Philip A. Fisher, Peter Lynch, George Soros, Charlie Munger, Walter Schloss oder John Templeton. Es kann also als erwiesen gelten, dass Stock-Picking erfolgreich sein kann. Es liegt allerdings am jeweiligen Investor selbst und ist keine Strategie für Börsenneulinge, für die Investments in ETFs oder Indexfonds als aussichtsreicher und risikoärmer gelten können.

Samstag, 29. Juli 2017

Starbucks: Prognosesenkung schickt Aktie auf Talfahrt. Bieten sich neue Chancen?

Der Kaffeeröster Starbucks hat Zahlen zum zweiten Quartal 2017 präsentiert und einmal mehr beeindruckt. Allerdings musste das Unternehmen die Gewinnprognose für das Gesamtjahr leicht zurücknehmen und schickte damit den Aktienkurs auf Talfahrt. Ein zweiter Blick könnte sich aber durchaus lohnen...

Gleich vorweg: das nächste Quartal wird herausfordernd für Starbucks. Denn im Vorjahr hatte man im dritten Quartal das beste der 25-jährigen Unternehmensgeschichte abgeliefert als der Gewinn um 23 Prozent auf 801 Mio. Dollar zulegte und die Erlöse um 16 Prozent auf auf 5,7 Mrd. Dollar kletterten. Zum anderen befasst man sich mit den Gründen für die Prognosesenkung: Teavana. Starbucks hatte die Teekette vor einigen Jahren erworben und seitdem deren Produkte in seinen eigenen Filialen sehr erfolgreich angeboten. Die eigenen Teavana-Lokale erfüllen aber nicht den Starbucks-Anspruch an Rentabilität und daher wird man die 379 Filialen schließen, während die rund 3.000 Angestellten in Starbucks-Filialen einen Job angeboten bekommen. Die Entscheidung ist konsequent, denn Starbucks' Erfolgsrezept ist, dass man zum "Third Place" geworden ist, dem dritten Platz neben Zuhause und Arbeit, wo sich Menschen aufhalten. (Auch) deshalb kann Starbucks für seine Produkte einen deutlich höheren Preis verlangen als Wettbewerber und dieser Nimbus ist der wichtigste Teil von Starbucks' ökonomischem Burggraben ("Moat"). Des Weiteren liegen die Teavana-Filialen überwiegend in Shopping Malls und die leiden immer stärker unter Amazons Erfolgszug und dem Niedergang des klassischen Einzelhandels. Weniger Besucher in den Malls bedeuten aber auch zwangsläufig weniger Besucher in den Teavana-Filialen. Hier konsequent gegenzusteuern, bevor der Niedergang alloffensichtlich ist, sollte sich mittel- und langfristig auszahlen.

Freitag, 28. Juli 2017

Was ist... der Graumarkt?

Grau ist die Farbe des Zweifels, des Zwielichts, nicht weiß (gut), aber auch nicht schwarz (böse), sie liegt irgendwo dazwischen.

Als weißen Kapitalmarkt bezeichnet man die Bereiche des Finanzmarktes, die staatlicher Aufsicht und Regulierung unterliegen, als schwarzen Kapitalmarkt, wo erlaubnispflichtige Geschäfte illegal betrieben werden, wie illegales Glücksspiel oder Wetten.  Die überwiegend genutzten Vertriebswege sind die Postalische Prospektwerbung, Telefonwerbung, Anzeigenwerbung, E-Mail-Werbung, Fax-Werbung. Gerade unaufgeforderte Telefonwerbung und Abschlussverhandlungen durch persönlichen Besuch sind relativ häufig vertreten. Aber aus dem Vertriebsweg alleine lässt sich kein Schluss über die Seriosität der Anbieter und Produkte ziehen.

Der Graumarkt umfasst staatlich nicht kontrollierte Finanzgeschäfte und zieht daher auch dubiose Geschäftemacher und Abzocker an, die es nicht selten auch gerade auf Schwarzgeld der potenziellen Opfer abgesehen haben, da hier die Verfolgung durch offizielle Stellen selbst bei Totalverlusten oftmals unterbleibt aus Angst vor den eigenen steuerstrafrechtlichen Konsequenzen auf Seiten des Opfers. Schutz gegen unseriöse Abzocker in der Finanzbranche bietet alleine, sich vor Vertragsabschluss gründlich zu informieren und bei Zweifeln, die Finger davon zu lassen. Getreu dem Motto: "Wenn ein Geschäft zu gut klingt, um wahr zu sein, dass ist es meistens auch nicht wahr".

Donnerstag, 27. Juli 2017

Ignoriere Quartalsergebnisse. Konzentriere Dich auf das Unternehmen und sein Business!

Es ist Berichtssaison und die Wall Street wird heftig durchgeschüttelt, weil etliche Unternehmen mit ihren Quartalsergebnissen die Erwartungen des Marktes und/oder der Analysten nicht ganz erreichen bzw. teilweise auch recht deutlich verfehlen. Das muss ein schlechtes Zeichen sein, sollte man meinen, und doch sollten gerade langfristig orientierte Value-Anleger sich der Worte Warren Buffetts erinnern und genauer hinsehen.

»Solange unsere Investments in jedem Jahr 15 Prozent zulegen, mache ich mir um Quartalszahlen keine Sorgen.«
(Warren Buffett)

Damit meint das "Orakel von Omaha", dass Quartale zu kurze Zeitspannen sind, um die Entwicklung eines Unternehmens exakt zu planen und zu bewerten. Liegen ein paar Feiertage mehr auf Wochentagen in dem Quartal oder verschiebt sich ein größerer Zahlungseingang um wenige Tage, kann dies das Quartalsergebnis beeinflussen, ohne dass es für das Jahresergebnis wirklich Relevanz hätte. Deshalb liest Warren Buffett keine Quartalsberichte, er schwört auf den jährlichen Geschäftsbericht und den darin mit enthaltenen Lagebericht des Vorstands. Und er geht sogar noch weiter, indem er Anlegern rät, nicht nur auf ein Jahr zu schauen, sondern sich mindestens vier, fünf Jahre vorzunehmen, um ein Gespür für das Unternehmen und seine Geschäfte zu bekommen.

Corning bietet Quartalszahlen mit Kater und Gorilla. Abgesang oder Kaufgelegenheit?

Der Glaspezialist Corning hat Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt und die Erwartungen übertroffen. Es folgte ein Kursabsturz um mehr als 6 Prozent. Denn die Befürchtungen wurden bestätigt. Und die Hoffnungen erfüllt.

Ich habe Corning ja schon etwas länger auf meiner Empfehlungsliste und erst neulich ausführlich das Geschäftsmodell mit seinen fünf Sparten vorgestellt ("Corning: Der gläserne Riese!"). Die Quartalszahlen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Umwelttechnologien (Environmental Technologies) sind um 2% gewachsen auf 263 Mio. Dollar und Corning erwartet für das nächste Quartal ein weiteres Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
     
  • Biowissenschaften (Life Sciences) wuchs um 3% auf 221 Mio. Dollar und auch hier wird ein weiteres Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich für das dritte Quartal erwartet.
     
  • Optische Kommunikation (Optical Communications) legte um 13% zu auf 882 Mio. Dollar um im dritten Quartal soll der Umsatz um weitere 10% zulegen gegenüber dem Vorjahreswert.
     
  • Spezialmaterialien (Specialty Materials) explodierte förmlich um 27% aufgrund der stark anziehenden Nachfrage nach Gorilla Glas und im dritten Quartal soll der Umsatz um weitere rund 15% zulegen ggü. dem Vorjahreswert.
     
  • Anzeigentechnologien (Display Technologies) erzielten 7% weniger Umsatz und lagen bei nur noch 748 Mio. Dollar, was an einer geringeren Nachfrage und Preisrückgängen lag. Für das dritte Quartal erhofft sich Corning ein prozentual mittleres einstelliges Wachstum.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Chemikaliengroßhändler Brenntag schmiert die Weltkonjunktur

▸ Kissigs Kolumne vom 20. Juni 2017, Aktien Magazin 17/2017 

Mit den Produkten der Brenntag AG kommen Verbraucher kaum in Berührung, jedenfalls nicht, bevor diese weiterverarbeitet wurden. Denn Brenntag ist kein Produzent, sondern ein Händler. Ein Chemikalienhändler genauer gesagt und zwar der Weltmarktführer. Das klingt allerdings gewaltiger als es ist, denn Brenntags Weltmarktanteil liegt bei gerade einmal 6 Prozent. Denn der Markt ist sehr fragmentiert. Und hart umkämpft.

Gesteuert wird Brenntag seit 2011 von Steven Holland und zwar von London aus. Dennoch ist und bleibt Brenntag ein urdeutsches Unternehmen, das in seinen Ursprüngen bis ins Jahr 1874 zurückreicht. Inzwischen ist man Weltmarktführer im Markt für Chemikalien und dieser ist etwa 165 Milliarden Euro schwer. Dabei ist man als global agierendes Unternehmen von der weltweiten Konjunkturlage abhängig und zählt zu den sogenannten zyklischen Werten. Was sich auch am Kursverlauf der letzten Jahre ablesen lässt, denn nach der Finanzkrise konnte sich der Aktienkurs in den letzten sieben Jahren gut verdreifachen. Diese stolze Bilanz darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Aktienkurs seit zwei Jahren in einer Seitwärtsbewegung gefangen ist, und Anlegern somit zuletzt eher wenig Freude bereitet hat angesichts steigender Aktienmärkte.

 Brenntag AG (Quelle: finanzen.net
Als Großhändler ist Brenntag weniger anfällig für die Konjunkturzyklen als die Chemieproduzenten selbst, kann sich aber nicht völlig von diesen abkoppeln. Der Chemiegroßhandel konnte in den letzten Jahren um durchschnittlich neun Prozent zulegen, wobei zwischen 2008 und 2012 auch außergewöhnlich starke Jahre dabei waren. Seit 2015 schwächelt man aber, was vor allem am Ölpreis liegt. Denn das Nordamerikageschäft der Brenntag ist stark von der dortigen Frackingindustrie geprägt und die durchlebte in den letzten zwei Jahren ein Wechselbad der Gefühle. Zunächst stürzte der Ölpreis um weit mehr als die Hälfte ab, bevor er sich dann um die 50 Dollar stabilisieren konnte. Gleichzeitig sanken die Zahlen neuer und aktiver Bohrlöcher immer weiter ab, was auch zu geringerer Nachfrage und sinkenden Preisen für die für das Fracking benötigten Chemikalien führte. Aber es gibt gerade hier einen Hoffnungsschimmer, denn nachdem die OPEC eine Förderkürzung beschlossen hatte, nahmen die Zahlen der neuen Bohrlöcher in den USA wieder zu.

Dienstag, 25. Juli 2017

Was ist... ein Dividendenaristokrat?

Viele börsennotierte Unternehmen beteiligen ihre Aktionäre am Erfolg durch Zahlung einer Dividende. Die Dividendenrendite spielt daher für die Anlageentscheidung eine wichtige Rolle, doch kann sie auch künstlich hochgehalten werden, um das Unternehmen attraktiver aussehen zu lassen, als es auf den zweiten Blick ist. Dann werden zum Beispiel 10 Cents je Aktie als Dividende ausgeschüttet, während im Geschäftsjahr nur 5 Cents verdient wurden oder gar ein Verlust anfiel. In diesem Fall geht die Ausschüttung zulasten der Substanz des Unternehmens und wenn dies mehrmals passiert, ist das Unternehmen irgendwann ausgezehrt.

Die sog. "Dividendenaristokraten" sollen hier Abhilfe schaffen, denn zu diesem erlesenen Club gehören nach der Definition von Standard & Poors nur die Unternehmen, die in den vorausgegangenen 25 Jahren in Folge ihre Ausschüttungen erhöht oder zumindest konstant gehalten haben. Das ist keine Kleinigkeit, da sich in regelmäßigen Abständen starke Kurseinbrüche oder gar Aktiencrashs an der Börse ereignen, die nicht selten auf wirtschaftliche Schwächephase folgen oder diese auslösen. Man denke nur zurück an die Dot-Com-Blase im Jahr 2000, die Terroranschläge des 11. September 2001 oder die Immobilien- und Finanzkrise 2008/2009 mit jeweils Kurseinbrüchen weit im zweistelligen Bereich und erheblichen negativen Auswirkungen auf die globale Wirtschaft. In solchen Zeiten die Dividenden nicht zu kürzen, ist schon eine Glanzleistung und verdient daher auch eine entsprechende honorige Auszeichnung, wie sie das Prädikat "Dividendenaristokrat" darstellt.

In Deutschland gibt es keine solche lange Tradition der Dividendenausschüttungen, da bei uns die Altersversorgung traditionell auf der Gesetzlichen Rentenversicherung fußt und nicht auf privater Kapitalvorsorge, wie z.B. in den USA. Dort hat sich also der Fokus schon frühzeitig auf steige und hohe, möglichst steigende, Dividendenzahlungen gerichtet und die ältesten Dividendenaristokraten zahlen bereits seit 125 Jahren kontinuierlich Dividenden.

Montag, 24. Juli 2017

Börsenweisheit der Woche 30/2017

"Börsengurus empfehlen oft genau die Aktien, die sie selbst zu einem günstigen Kurs loswerden wollen".
(André Kostolany)

Sonntag, 23. Juli 2017

Dauerenttäuschung DEWB: Dreht hier gerade der Wind oder ist die Luft völlig raus?

Die Deutsche Effecten- und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft AG (DEWB) hat viele Jahre lang viel versprochen und schaut man auf den Kursverlauf, dann sieht man auf den ersten Blick, wie viel davon eingehalten wurde. Nullkommanichts. Für ihre Aktionäre war die DEWB über viele Jahre hinweg ein Eurograb und ich habe mich in meinen unregelmäßig erscheinenden Branchenabrissen über die deutschen Beteiligungsgesellschaften auch immer mal wieder mit dem Dauerfiaskolieferanten beschäftigt. Ende letzten Jahres war sie mir allerdings keine besondere Erwähnung mehr wert, nachdem auch die letzte verbliebene Hoffnung, die Biotechbeteiligung Noxxon, nicht den ersehnte Geldregen, sondern zweistellige Millionenabschreibungen eingebracht hatte. Doch im Dezember 2015 hatte ich die damalige Situation der DEWB zusammengefasst mit den Worten die DEWB sei langweilig und könne weder durch Tatkraft noch durch das Einhalten von Prognosen und Ankündigungen bestechen. Die extrem illiquide Aktie eigne sich allenfalls als kleine Depotbeimischung für hartgesottene Anleger. Dem ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen, außer dass es den Anschein hat, dass der DEWB gerade wieder Leben eingehaucht werden könnte...

Wiederauferstehung der DEWB?
Die DEWB ist eine börsennotierte Ventrue Capital-Gesellschaft mit Schwerpunkt auf Unternehmen aus den Bereichen Photonik und Sensorik. Zur Zeit hat man noch 6 Portfoliounternehmen:

  • MueTec Automatisierte Mikroskopie und Messtechnik GmbH, München (Anteil 92%)
    - Mikroskopie
  • LemnaTec GmbH, Aachen (Anteil 49,7%)
    - Optische Inspektionsgeräte
  • Nanotron Technologies GmbH, Berlin (Anteil 30,5%)
    - Drahtlose Sensornetzwerke
  • Nanotron Technologies Ltd., London (Anteil 20,7%)
    - Holding der Nanotron Technologies GmbH
  • Decimo GmbH, Berlin (Anteil 16,7%)
    - Online-basierte Plattform für Factoring-Dienstleistungen
  • Noxxon Pharma N.V., Amsterdam (Anteil 12,1%)
    - Entwicklung Pharmazeutika auf Basis der Spiegelmertechnologie

Die früheren Beteiligungen DirectPhotonics und JenaBatteries befinden sich nicht mehr im Depot. DirectPhotonics ist nach einer gescheiterten Sanierung vollständig abgeschrieben worden (Ergebnisbelastung 2,6 Mio. Euro), doch mit dem Verkauf der Anteile an JenaBatteries wurden 2,25 Mio. Euro erlöst und ein Gewinn von 1,7 Mio. Euro verbucht. Das eingesetzte Kapital konnte damit in wenigen Jahren vervierfacht werden und dieser Exit war ein der wenigen Lichtblicke in den letzten Jahren. Auf der anderen Seite hat man leider auch eine äußerst interessante Beteiligung in einem Zukunftsmarkt recht früh aus der Hand gegeben, denn JenaBatteries forschte an Energiespeicher ohne seltene Erden - die momentan zu rund 90% aus China stammen und daher der Flaschenhals für unsere zunehmend technisierte Welt darstellen.

Samstag, 22. Juli 2017

Was ist... eine Aktiendividende?

Kapitalgesellschaften schütten oft einen Teil ihrer Gewinne in Form von Dividenden an ihre Aktionäre aus. Dies erfolgt ganz überwiegend als Bardividende und der Aktionär erhält Geld auf sein Konto und er muss diese gegenüber dem Finanzamt versteuern; in Deutschland in der Regel über die sog. Abgeltungssteuer, eine spezielle Form der Kapitalertragsteuer.

Eine Alternative zur Bardividende ist die sog. Aktiendividende, bei der die Ausschüttung in Form neuer Aktien erfolgt. Der Aktionär erhält also Aktien anstelle der Bardividende - steuerlich ist auch diese Aktiendividende so zu behandeln wie die "normale" Bardividende. Deshalb erfolgt die Ausschüttung in der Art, dass der entsprechende die Steuer ausmachende Betrag als Bardividende deklariert - aber einbehalten und an das Finanzamt abgeführt - und der verbleibende Rest als Aktiendividende in das Depot des Aktionärs gebucht wird. Der Aktionär hat nach der Dividendenzahlung also nicht mehr Geld auf dem Konto, aber mehr Aktien im Depot. Mit allen Rechten und Pflichten, die auch schon die alten Aktien gewährten, also insbesondere einem Anspruch auf den anteiligen Unternehmensgewinn.

Nun könnte man meinen, dass eine solche Aktiendividende für die Aktionäre mit Nachteilen verbunden wäre, weil ja eine höhere Anzahl von Aktien eine Verwässerung des Gewinns für alle bedeutet, denn der gleiche Gewinn muss ja nun auf mehr Aktien verteilt werden. Dem lässt sich entgegenhalten, dass auch die Ausschüttung einer Bardividenden für die Aktionäre mit dem Nachteil verbunden ist, dass effektiv ein Geldabfluss stattfindet und somit eine Verminderung des Unternehmenswertes. Unter dem Strich bleiben sich die Auswirkungen beider Dividendenalternativen für den Aktionär gleich. Als Vorteil der Aktiendividende kann allerdings gelten, dass der Aktionär hier nicht mit Börsenspesen belastet wird, wohingegen diese natürlich anfallen, sollte er seine Bardividende selbständig wieder in Aktien des selben Unternehmens anlegen wollen.

Ob den Aktionären überhaupt eine Aktiendividende angeboten wird, muss die Hauptversammlung beschließen. Zumeist erhält der Aktionär hier dann ein Wahlrecht, ob er die Aktiendividende oder die klassische Bardividende erhalten möchte.

Freitag, 21. Juli 2017

McCormick und der scharfe Ritt: Kurseinbruch nach Übernahme als Chance?

Der Gewürzhersteller McCormick & Company ist ein ziemlich unbekannter Riese, jedenfalls hierzulande. Das ist insofern verständlich, als dass Otto Normalverbraucher mit seinen Produkten (bisher) eher selten direkt in Kontakt kommt. Denn der 1889 in Baltimore gegründete Konzern stellt Gewürze oder Gewürzmischungen her und vertreibt sie an die Lebensmittelindustrie. Dabei ist es fast unmöglich als Konsument, nicht täglich etwas zu Essen oder zu Trinken, was nicht mit Zutaten von McCormick gewürzt wurde, zumindest in deren Hauptmarkt, den USA. Und in den letzten drei Jahren hatten die Aktionäre auch viel Freude mit ihrem Investment, denn McCormick zählt zu den gesuchten defensiven Werten, die auch in einer Rezession gute Geschäfte machen.

Neben den Gewürzen ist McCormick allerdings inzwischen auch selbst als Hersteller von Lebensmitteln aktiv und diese ist vor allem in den USA momentan im Umbruch. Denn die Verbraucher wenden sich vom Zucker ab und schauen verstärkt danach, Produkte aus regionalem und ökologischem Anbau zu bevorzugen. Das stellt einige der Platzhirsche der Branche vor große Herausforderungen, wie Campbell Soup oder General Mills. Und zumindest teilweise nun auch McCormick.

Während also das Gewürzbusiness weiter attraktive Renditen abwirft, sich auch McCormick mit seinen Produkten zunehmendem Gegenwind ausgesetzt. Und begegnet diesen auch durch Übernahmen. So hat man den Tubenkräuterspezialisten Gourmet Garden und den Saucenprofis Cajun Injector gekauft und ganz aktuell das Lebensmittelbusiness von Reckitt Benckiser für 4,2 Mrd. Dollar. Dieser letzte Zukauf kommt an der Börse nicht gut an und wird als zu teuer eingestuft. Immerhin hatte sich McCormick in einem Bieterverfahren gegen andere Größen der Branche durchgesetzt und am Ende einiges mehr bezahlt, als Analysten als Wert für RBs Lebensmittelbusiness angesetzt hatten. Der Kauf soll überwiegend über Kredite finanziert werden, was prompt die Ratingagentur Moody's auf den Plan rief, die eine Bonitätsabstufung für McCormick in Aussicht stellt. Also alles schlecht und der Kurseinbruch nur allzu gerechtfertigt. Oder?

Donnerstag, 20. Juli 2017

Blue Cap: Stagnierende Gewinne als Turbo für den Aktienkurs?

Die mittelständische Beteiligungsgesellschaft Blue Cap steht vor einem tiefgreifenden Wandel, was mit einem Zukauf und einem Verkauf zu tun hat, die mächtig Spuren hinterlassen werden in der Bilanz der Münchner. Unter dem Strich könnte dies zu stagnierenden Gewinnen führen, womit Blue Cap erhebliches Kurspotenzial aufweisen sollte. Wie das...?

Nun, Blue Cap investiert überwiegend in süddeutsche mittelständische Nischenunternehmen und konzentriert sich dabei auf operativ tätige technologiegetriebene Gesellschaften mit bestehendem profitablem Kerngeschäft, die sich in Umbruch- oder Sondersituationen befinden. Im Klartext investiert man in sanierungsbedürftige oder insolvente Unternehmen, Konzernausgliederungen und in Gesellschaften mit ungelöster Unternehmensnachfolge. Die Tochterunternehmen werden eigenständig und unternehmerisch geführt. Im vergangenen Jahr gelang ein großer Coup, als man aus der Insolvenz heraus die Vermögensgegenstände der Neschen AG übernommen hat. Die Zahlen für 2016 zeigen, dass sich die erhofften Effekte einstellen, also der Umsatz in die Höhe schießt, während Synergien in der Klebesparte die Kosten senken und damit die gewinne befeuern. Dabei ist die Neschen-Gruppe erst zum 01.12.2016 in den Konsolidierungskreis der Blue Cap AG aufgenommen worden. Aus dem Geschäftsbericht für 2016 der Blue Cap ist zu entnehmen, dass der Vorstand im Bereich Beschichtungstechnik davon ausgeht, "im Vorjahresvergleich durch die erfolgreiche Integration der Neschen-Gruppe in den Konzern ein starkes Umsatz- und Ergebniswachstum (EBIT) aufweisen" zu können. Der Aktienkurs hat diese positiven Entwicklung mit Verzögerung dann auch eingepreist und solide in den zweistelligen Bereich geführt.

Mittwoch, 19. Juli 2017

Was ist... Buy & Hold?

Buy & Hold ist eine Anlagestrategie, die darauf abzielt, Wertpapiere langfristig zu halten. Hierdurch wird das Risiko durch die Schwankungen an den Märkten gesenkt und die Erfolgsaussicht auf hohe Renditen erhöhen sich.

»Meine bevorzugte Anlagedauer ist für immer.«
(Warren Buffett)

Historische Daten belegen für für den S&P 500 zwischen 1926 und 2010 eine durchschnittliche jährliche Aktienrendite von 9,7%, während Staatsanleihen nur 5,6% p.a. brachten. Dabei unterliegen die Kurse in einzelnen Jahren durchaus heftigen Schwankungen, die auch schon mal 50 Prozent und mehr ausmachen können. Auch in diesen Phasen kann und sollte man nicht panisch verkaufen und versuchen, den Markt zu timen. Mit Geduld und Ruhe hat man in den letzten 90 Jahren jedenfalls nichts falsch gemacht am Aktienmarkt. Denn die durchschnittliche Überrendite von 4% pro Jahr erzielte man durch Nichtstun.

»Du machst kein Geld, wenn du Aktien kaufst. Du machst kein Geld, wenn Du Aktien verkaufst. Du verdienst Geld, wenn Du abwartest.«
(Charlie Munger)

Dabei muss man wissen, dass zwischen 80 und 90 Prozent der Anlagegewinne in einem relativ kurzen Zeitfenster entstehen, nämlich zwischen 2 und 7 Prozent der Anlagedauer. Die meiste Zeit über bringt eine Aktie also kaum Performance, während sie in kurzen Phasen deutlich ansteigt. Wer diese wenigen kurzen Phasen verpasst, lässt auch den Großteil der Gesamtrendite dieser Aktie liegen. Und senkt damit seine Durchschnittsrendite ganz erheblich ab.

»Es ist so gut wie unmöglich, mit Markt-Timing zuverlässig Geld zu verdienen; es lohnt sich mehr, langfristig zu investieren und Unebenheiten auszuhalten.«
(Christopher H. Browne)

Das erfolgreichste Vorbild für klassisches Buy & Hold ist die Aktie von Buffetts und Mungers Investmentholding Berkshire Hathaway selbst. Als Buffett sie 1965 kaufte, stand sie im Tief bei 19 Dollar. 2015 war sie die mit Abstand teuerste Aktie der Welt und durchbrach die Marke von 220.000 Dollar. Buffett hat seine Aktien nie gesplittet. Und doch ist auch Buffetts Aktie nicht ohne größere Rücksetzer 50 Jahre lang nur angestiegen. Vielmehr gab es Phasen mit erheblichen Kurseinbrüchen, wie zwischen Juni 1998 und März 2000 als Berkshire Hathaway einen Maximum Drawdown von knapp 49 Prozent einstecken musste oder während der Finanzkrise im Jahr 2009, als vom Höchstkurs sogar 51 Prozent Kurseinbruch zu verzeichnen waren. Wer die Aktien damals verkauft hat, hat eigentlich alles falsch gemacht. Denn sie stieg nach diesen heftigen Kursabstürzen auf neue Höchststände und wurde zur teuersten Aktie der Welt. Keine andere Firma hat so viele Aktionäre zu Millionären gemacht - aber natürlich nur die, die ihre Aktien nicht in Panik verkauft, sondern auch in den Schwächephase Buffett die Stange gehalten haben. Diese Buy & Hold-Anleger wurden für ihre Geduld und ihre Ausdauer reichlich mit Kursgewinnen entlohnt.