NASDAQ und S&P 500 feiern Rekorde und erklimmen ein neues Allzeithoch nach dem anderen. Dabei kann sollte einem ganz schön schwindelig werden. Denn diese "meistgehasste Hausse" wird vor allem durch KI-Wetten und Chipwerte angetrieben, während sich der Rest der Unternehmen und die Wirtschaft insgesamt verwundert die Augen reibt.
Aber es auch eine Geschichte von stärker als erwartet sprudelnden Unternehmensgewinnen und Liquidität. Denn die neuen, leichteren US-Regeln für Banken-Eigenkapital setzt dort gewaltige Summen frei und diese machen sich umgehend auf die Suche nach Rendite. Sie fließen in Gold, in Rohstoffe, aber nicht so sehr in Anleihen, denn die sind angesichts vermutlich bald wieder steigender Zinsen keine gute Anlageform, und in Aktien. Vor allem in momentumgetriebene Werte, denn immer öfter haben Algorithmen die Hand am Zug, wenn es um Anlageentscheidungen geht. Und die spielen selten(er) das Fundamentalspiel, sondern setzen auf schnelle Gewinne. Auch so lässt sich Geld verdienen, doch sterbliche Anleger haben es hier natürlich schwer, mit den KI-Börsenbots mitzuhalten.
Es geht auch anders: Man sucht sich Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen heraus, die über einen starken und anhaltenden Burggraben verfügen und dennoch Wachstum bei Umsatz, Cashflow und Gewinnen versprechen. Man sucht Growth-Aktien zu Value-Preisen – was zugegebenermaßen nicht ganz einfach ist, denn diese Kombination ist fast so selten wie ein Einhorn. Fast. Charlie Munger sagt, man müsste nur alle 10 Jahre ein solches Einhorn entdecken und dann einen Haufen Geld investieren. So würden Anleger Superrenditen einfahren, auch wenn sich ansonsten in ihrem Depot eher Mittelmaß die Klinke in die Hand gibt.
"Überrenditen" sind das Zauberwort. Fast jeder von uns hat mal eine Kursrakete im Depot gehabt, aber nur einige wenige haben lange genug daran festgehalten, um aus dem Verdoppler einen Verzehnfacher, einen Verhundertfacher oder einen Vertausendfacher heranwachsen zu lassen. Die ersten 100% fühlen sich grandios an, ganz außergewöhnlich, und man neigt dazu, seine "Gewinne mitzunehmen".
Gewinne sichern, bevor die Aktie wieder einbricht. Verständlich, aber töricht. Denn jede Superaktie erleidet auf ihrem Höhenflug mehrmals heftige Kursrücksetzer. (Nur) wer an Bord bleibt, kann die Erfolgswelle vollständig auskosten – und das Einhorn durchs Ziel reiten.
Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

Was sind denn Giftelstürmer?
AntwortenLöschenFreudianer auf Gipfelstürmerkurs. ;-)
LöschenOkay, danke. Können sie mir bitte auch ein paar vertausendfacher nennen? Dankeschön!
AntwortenLöschenHier ein paar Beispiele für Thousandbagger: Alphabet, Amazon, Apple, Berkshire Hathaway, Constellation Software, Domino's Pizza, Microsoft, Netflix.
Löschen@Michael Sorry, da fehlte ein Wort. "Zukünftige" ;-)
LöschenNaja, wenn ich eine Aktie kennen würde, die sich "ganz sicher" vertausendfachen würde (und bis wann), dann würde ich all mein Geld darauf setzen und mich bis zur Hutschnur verschulden, um noch mehr der Aktien kaufen zu können. ;-)
LöschenLeider spuckt meine Glaskugel hierzu keinen Namen aus, egal wie sehr ich daran reibe oder reinstarre. Geht aber wohl den meisten Menschen so. Daher kann man nur Research betreiben, auf die sichersten Kandidaten setzen und an diesen festhalten, solange sie sich in die gewünschte Richtung entwickeln - und zwischenzeitliche Kurseinbrüche aussitzen.
Klar ist, dass das Potenzial am größten ist, je niedriger man einsteigt. Deshalb setzen ja viele Spekulanten auf Hot Stocks oder Pennystocks, aber das zahlt sich meiner Erfahrung nach nicht aus. Denn wenn die nicht über eine starkes Business verfügen, sind die Kurssteigerungen selten nachhaltig und dann wird aus der vermeintlichen Kursrakete schnell eine Pump & Dumb-Pleite.
Manchmal, und das gehäuft auf dem emotionalen Tiefpunkt eines Börsencrashs, kriegt man aber auch Top-Unternehmen zu echten Schnäppchenpreisen. Auch das ist aber eher Glückssache und die wenigsten halten dann nach den ersten 100% Kurszuwachs durch.
Ansonsten bleibt nur, sein Gehirn einzuschalten und sich tiefgreifende Überlegungen zu machen, in welche Richtungen sich die Welt entwickeln wird. Also frühzeitig die nächsten Supertrends identifizieren, dann die aussichtsreichsten Kandidaten in diesem Bereich und deren Aktien kaufen. Aber leider halten hier auch nur wenige Anleger durch, denn selbst wenn man das ideale Unternehmen gefunden hat, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Kurs jahrelang nicht von der Stelle kommt - weil der Markt das Potenzial (noch) nicht erkennt. Und solche "Depotleichen" schleppt niemand dauerhaft mit durch. Und wenn sie dann durchstarten, blockiert einen der Ankereffekt: denn wenn man eine Aktie im Depot hatte und nach fünf Jahren ohne Gewinn wieder verkauft hat, und dann später die Aktie durchstartet, aber schon dreimal so hoch steht, greift man nicht zu. Weil man sich dann eingestehen müsste, dass man viel Geld "verschenkt" hat, weil man nun etwas zu 5 Euro kauft, was man "neulich" noch im Depot hatte, als es nur 1 Euro kostete.
So oder so, die meisten Anleger verpassen die Tausendbagger. So ist es mir bisher auch immer ergangen. Aber vielleicht bessere ich mich ja doch noch irgendwann...
Das mit dem Research ist schon gar nicht so einfach. Wie Unterscheidet man Rauschen, Finanzp**n von echten Infornationen die man zur Kaufentscheidung. Heranziehen kann? Klar, Onvista, Yahoo, Traderfox etc. Nutze ich hier immer gerne. Aber sowas wir Focus Money, Börse online oder Aktienwelt etc. da wird es schon kritisch. Und von den vielen Finfluencern möchten wir erst gar nicht reden. Mir platzt oft der Schädel bei Recherchen. Gerade vor kurzem erst im Thema Quantencomputer. ..
LöschenUnd ja. Zu früh verkaufen ist mehr als bitter. So ging es mir mit Palantir mit einem EK von 6 Euro…
In meiner Anfangszeit an der Börse war ein zentrales Problem das Herankommen an Informationen. Kein Internet, kein Smartphone, keine allwissenden Datenbanken; stattdessen Zeitungen, gedruckte Geschäftsberichte (die man postalisch oder über Telefon anfordern musste). Heute ist ein zentrales Problem das Filtern von Informationen bzw. das Herausfiltern der relevanten Informationen.
LöschenIch nutze z.B. finanznachrichten.de und habe mir dort eine Liste angelegt mit den Unternehmen, über die ich informiert werden möchte. Sehr viel länger ist allerdings meine "Blacklist" mit Quellen, die ich nicht mehr sehen kann (im wahrsten Sinne). Da landet der ganze Finanzpornodreck, mit dem ich so gar nicht erst belästigt werden. Und meine Blacklist erweitere ich regelmäßig, weil immer mehr und immer neue Müllquellen auftauchen.
Konsequentes Aussieben bereits von Quellen und nicht nur von einzelnen Infos anhand der Schlagzeilen führt zu einem Gewinn an Informationen: Gewinn an Qualität, Gewinn an Zeit (weil man den Müll nicht ständig durchwühlen muss). Und so kristallisieren sich mit der Zeit auch die Quellen heraus, die besonders gute und/oder erhellende Informationen bieten. An denen sollte man festhalten und den Rest links liegen lassen.
Moin Michael,
AntwortenLöschendas erinnert mich stark an einen Gedanken, den ich so um die Jahrtausendwende mal hatte: Bei der Zeitschrift "Chip" hatte ich einen Artikel über Bitcoins gelesen. Damals wurde ein Bitcoin zu einem Euro gehandelt - mein erster Gedanke war: Da versucht einer aus Müll Geld zu machen ohne jeglicher Substanz dahinter - Kostolany hätte so etwas nie gekauft, da ein Bitcoin doch keinerlei Substanz hinter sich hat (siehe seine damalige Warnung zum "Neuen Markt"). Nun - ich habe natürlich keine Bitcoins zu einem Euro gekauft - doch wenn - wann hätte ich verkauft?? Ich glaube ich hätte den USB-Stick mit den Bitcoins verlegen müssen, um ihn jetzt wiederzufinden, da ich nie so lange gewartet hätte. Jetzt habe ich keine Bitcoins und muss über den schwierigen Weg der Börse nehmen, um zu Geld zu kommen. Gruß, Reginald
Richtig gedacht, Reginald. Bitcoin hat keinen Wert. Aber der Preisanstieg ist schon gewaltig - dank der künstlichen Verknappung und der Gier der Menschen. Mitgenommen hätte man die Gewinne aber trotzdem. ;-)
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