Montag, 31. August 2015

Buffetts großer Bluff... Phillips 66

Wenige Tage nach seinem 85. Geburtstag hat Value Starinvestor Warren Buffet mal wieder alle an der Nase herumgeführt. Auch mich. Kürzlich musste er als institutioneller Asset-Manager mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 100 Mio. USD seine Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) offenlegen. Das vierteljährlich vorzulegendes  Formular 13F zeigt seinen Aktienbestand im Portfolio seiner Beteiligungsholding Berkshire Hathaway zum Ende des zweiten Quartals und damit die veränderungen ggü. dem 1. Quartal. Und eine der wenigen Auffälligkeiten darin war, dass Buffett seine Investments bei den Öl-Werten National Oliwell Varco und Phillips 66 komplett veräußert hat.

Über die Bestandsmeldung hinaus hatte Berkshire bei seiner SEC-Meldung angekündigt, eine 3,09 Mrd. USD schwere Beteiligung an einem nicht genannten Unternehmen eingegangen zu sein. Diese Möglichkeit zur Verschleierung wird zur Offenlegung verpflichteten Investoren eingeräumt, um ihnen die Chance zu geben, selbst eine größere Position in börsennotierten Unternehmen aufzubauen, bevor Trittbrettfahrer die Kurse hochtreiben, weil sie ja anhand der 13F-Veröffentlichung sehen können, wo der Starinvestor zukauft. Und am vergangenen Freitag hat Buffett nun die Kuh über den Eimer geschoben und alle überrascht!

Buffett hält nun mehr als 10 Prozent an Phillips 66
Denn er hat entgegen der Angaben im 13F im zweiten Quartal nicht seinen kompletten Bestand an Phillips 66 verkauft, sondern massiv zugekauft. Denn zum Ende des ersten Quartals hatte Berkshire noch rund 7,5 Mio. Aktien des Raffinerie- und Tankstellenbetreibers im Portfolio gehabt im Wert von damals etwa 590 Mio. USD und nun meldete Buffett, er halte inzwischen fast 58 Mio. Aktien mit einem Marktwert von 4,5 Mrd. USD. Er hat seine Position also fast versiebenfacht und hält nun mehr als 10 Prozent an Phillips 66.

 Phillips 66 (Quelle: comdirect)
Um die Bedeutung dieses Engagement besser einschätzen zu können, muss man nur in sein Portfolio blicken: mit 4,5 Mrd. USD ist die Phillips 66-Position größer als die von Walmart oder Procter & Gamble. Sie ist nun hinter Wells Fargo, Coca Cola, IBM und American Express die fünftgrößte Position in Berkshires Beteiligungsportfolio. Bezieht man allerdings die Wandeloptionen der Bank of America im Wert von rund 4,9 Mrd. USD mit ein, liegt Phillips 66 immerhin noch auf Platz sechs.

Einschätzung
Ich finde dieses Engagement bemerkenswert, denn der Öl- und Gassektor steckt aufgrund des niedrigen Ölpreises in einer heftigen Krise. Und die Anzeichen mehren sich, dass der Ölpreis sich nicht so schnell wieder erholen und auf absehbare Zeit unterhalb von 50 USD (WTI) notieren wird. Die Raffinerie-Betreiber wie Phillips 66 sind davon bisher wenig betroffen, denn Benzin wird weiterhin stark nachgefragt - aufgrund des niedrigen Benzinpreises greifen die Amis sogar wieder mit beiden Händen zu bei den spritfressenden SUVs. Allerdings waren die letzten Meldungen aus den USA zum Lagerbestand bei Benzin alles andere als ermutigend, denn mitten in der Hauptsaison des Benzinverbrauchs schnellten sie um 300.000 Barrel auf 811.000 Barrel nach oben. Was mich zu der Frage führte, ob der Ölpreisverfall nun auch die Raffinerie-Margen killt.

Nun, Buffett ist ja als Langfristinvestor bekannt und schert sich nicht um kurzfristige Trends. Er geht davon aus, dass die Industrie und die Autofahrer weiterhin auf hohem Niveau Benzin verbrauchen werden und mit Phillips 66 setzt er auf das solide Raffineriegeschäft und auf das Tankstellenetz - in Deutschland die JET-Tankstellen. Buffetts massive Zukäufe erklären auch, weshalb sich der Aktienkurs von Phillips 66 im zweiten Quartal so ausgesprochen gut entwickelt hat, während alle anderen Ölwerte geradezu abgestürzt sind.

Was mich an diesem Zukauf und auch an seiner Übernahme von Kraft Foods und von Precision Castparts zuversichtlich stimmt, ist die damit einhergehende Verringerung der Abhängigkeit Berkshires von den Versicherungsaktivitäten. Denn dieser schwächelnde Sektor wird auf absehbare Zeit unter Druck bleiben und birgt zunehmend höhere Risiken, auch für Berkshire. Einerseits reduziert Buffett inzwischen seine Versicherungsaktien, wenn auch in (noch) kleinem Umfang, und auf der anderen Seite baut er seine Engagements im Bereich Industrie und Konsumgüter massiv aus. Das gefällt mir und zeigt, dass Buffett die Zeichen der Zeit nicht nur erkennt, sondern auch entsprechend handelt.

Berkshire Hathaway befindet sich als "Gründungsmitglied" auf meiner Empfehlungsliste, war für mich zuletzt aufgrund der trüben Aussichten im Bereich Versicherungen jedoch nur noch eine Halteposition. Ich bin geneigt, mein Urteil zu revidieren und Berkshire wieder als Kauf zu betrachten.

Börsenweisheit der Woche 35/2015

"Die Zukunft kann man nicht im Rückspiegel sehen".
(Peter Lynch)

Freitag, 28. August 2015

Investor-Update: Aurelius, Blackstone, Dow Chemical, Starbucks

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Was für eine Woche, unglaublich!!!
So etwas habe ich in meinem Leben als Value Investor noch nicht erlebt, allenfalls in meinem früheren Leben als Mehr-oder-weniger-Trader am Neuen Markt. Die Medien sprechen vom "Bloody Monday" und was da Montagabend an der Wall Street abging, war Panik, schlichtweg nackte Panik, ein sog. "Fire Sale". Und dem entsprechend rauschten auch bei uns im Späthandel bei Tradegate die Kurse zweistellig in den Keller. Ich habe versucht, ein guter Value Investor zu sein, gierig zu sein, wenn andere Panik schieben, und dann zu kaufen, wenn alle anderen verkaufen. Wie Warren Buffett es predigt, er, der vergnügt ist, wenn die Kurse fallen, weil er dann noch mehr Aktien für weniger Geld kaufen kann. Ja, das habe ich getan, aber ich war nicht vergnügt, ich habe gelitten. Denn die massiven Kurseinbrüche der US-Aktien wurden ja noch verstärkt, weil der Euro zum Dollar auf bis zu 1,17 hochschoss und somit die Kurse der amerikanischen Aktien an den deutschen Börsen noch einmal verstärkt niederkartäschte. Also meine Ankerinvestments Blackstone und Starbucks, blutrot im Minus! Der größte Tagesverlust, den ich jemals in einen mehr als 25 Jahren an der Börse hinnehmen musste. Aber... ich habe gekauft, vier Unternehmen, deren Aktien spottbillig einzusammeln waren. Drei davon sind "alte Bekannte", nämlich meine Ankerinvestments, die habe ich jeweils um ein Viertal aufgestockt kurz vor 22 Uhr auf Tradegate: Aurelius für 37 EUR, Blackstone für 27 EUR und Starbucks für 41,50 EUR. Auf den vierten Wert gehe ich später näher ein.

Der Grund, weshalb ich meine erst kürzlich freigeschaufelte Liquidität so stark eingesetzt habe, ist einfach: die fast mit Händen greifbare Panik hat zu Ausverkaufskursen geführt und ich konnte Aktien kaufen, deren Wert ich deutlich höher ansiedele, als ihr Kurs am Montagabend aussagte. Und abgesehen von Aurelius habe ich US-Werte gekauft, denn die waren doppelt günstig. Die Kursexplosion des Euro ggü. dem Dollar rührte daher, dass am Markt auf einmal angenommen wurde, die FED könnte die eigentlich für September als sicher geltende Zinswende aufgrund der Marktturbulenzen verschieben. Klar, heben die Amis die Zinsen an und die EZB muss eher noch ihr Anleihen-Ankaufprogramm ausweiten, da die Euro-Inflation sich weiter abschwächt, dann muss der Dollar steigen und der Euro sinken. Im gegenwärtigen Euro-Dollar-Kurs ist dieses Szenario enthalten - aber... nur, weil es vielleicht ein paar Wochen später stattfindet, ist das kein Grund für einen so dramatischen Kursanstieg des Euro. Ich war mir also sicher, dass dieser Ausreißer nach oben nur von kurzer Dauer sein würde und daher bei Käufen von US-Aktien noch ein zusätzlicher Sicherheitspuffer bestünde.

Und der Abverkauf bei Aurelius war für mich überhaupt nicht nachzuvollziehen. Denn gerade erst hatte man Spitzenzahlen präsentiert und steuert auf ein weiteres Rekordjahr zu, dann hat man endlich den ersten Exit im Jahr 2015 vermelden können und schon eine weitere Partizipationsdividende - und dann wird der Kurs um 15 Prozent runtergeprügelt. Unbegreiflich, was für eine Kaufgelegenheit!

Ich habe also meine Liquidität genau dafür verwendet, wozu sie da ist: Kaufgelegenheiten nutzen. Allerdings habe ich nicht damit gerechnet, dass die Märkte innerhalb kürzester Zeit wieder so massiv umdrehen und in die Höhe schießen. Ich muss zugeben, das sehe ich mit zunehmender Besorgnis. Auch die Stimmung in den Börsen-Foren ist bereits wieder im "Normalmodus", die Erleichterung geht schon fast wieder in Sorglosigkeit über. Und mich beschleicht das Gefühl, dass dies der Nährboden ist für (mindestens) eine weitere heftige Attacke nach unten. Daher habe ich gestern alle drei Positionen wieder reduziert und mit starken Kursgewinnen auf die gleiche Aktienanzahl zurückgefahren, die diese Positionen Ende letzter Woche hatten. Ich fühle mich mit mehr Liquidität einfach wohler, zumal die eigentlichen "saisonal schlimmen" Börsenwochen ja noch nicht einmal angefangen haben. Cash is King. Und so bleibt unter dem Strich nur eine Veränderung am Ende dieser ereignisreichen Woche und auch wenn es so nicht geplant war und ich auch nicht Stolz darauf sein kann, weil es kein "Verdienst" meinerseits ist, so ist am Ende diese neue Position zwar nur eine Anfangsposition, aber sie ist letztlich bezahlt mit den Kursgewinnen meiner unfreiwilligen "Kurzzeittrades" mit meinen drei Ankerinvestments.

Dabei muss ich natürlich noch anmerken, dass ja bzgl. des Aktienan- und verkaufs im Depot das Fifo-Prinzip gilt: First in first out. Ich habe also nicht genau die Aktien wieder verkauft, die ich am Montag erst gekauft habe, sondern natürlich die jeweils ältesten in meinem Depot. Mit den entsprechenden niedrigsten Einstandskursen und dem entsprechend einem hohen - zu versteuernden - Gewinn. Der andere Nebeneffekt ist, dass sich meine durchschnittlichen Einstiegskurse bei allen drei Aktien durch dieses Hin- und Her natürlich erhöht haben. Doch nun zu meinem vierten Einkauf:

+ Dow Chemical
Dow Chemical ist einer der weltgrößten Chemiekonzerne und sein Umsatz verteilt sich etwa zu jeweils einem Drittel auf die Regionen Nordamerika, Europa, Asien. Daher ist man natürlich vom Dollaranstieg negativ getroffen und der Umsatz geht leicht zurück. Der Aktienkurs war die letzten Wochen von der Spitze bei 48 EUR auf gut 40 EUR zurückgekommen, auch aufgrund wachsender Sorgen um die Weltkonjunktur, von der ein Chemiekonzern natürlich extrem abhängig ist; andererseits sind Chemiekonzerne doppelte Profiteure von niedrigen Ölpreisen, denn einerseits sind sie große Energieverbraucher und andererseits benötigen sie große Mengen an Öl als Rohstoff für ihre Produktion. Beim Verkauf wiederum erhöhen sich die Margen, sofern diese Vorteile nicht vollständig an die Kunden weitergegeben werden müssen. Ein auf absehbare Zeit niedriger Ölpreis ist also wie ein kleines Konjunkturpaket für Dow Chemical. Durch den Kurzrückgang näherte sich die Aktie einer Bewertung, die mir interessant erscheint. Auf Basis von 40 EUR liegt das KGV 2015 bei 13, die Dividendenrendite bei 3,8 Prozent. Daher stand Dow Chemical schon länger auf meiner Watchlist und dann kam der "Bloody Monday", die Aktie rauschte um weitere 10 Prozent in den Keller - und ich habe zugegriffen bei 34,77 EUR. Diese Gelegenheit konnte ich mir entgehen lassen. Und an diesen Aktien halte ich fest, auch wenn ich davon ausgehe, dass es mit den Börsen noch einmal deutlicher abwärts gehen dürfte. Denn unter 35 EUR sind die Aktien von Dow Chemical ein wahres Schnäppchen und somit mein erster Einstieg in diese neue Langfristposition. Sollte ich noch einmal Aktien zu tieferen Kursen bekommen, werde ich selbstverständlich zugreifen. Ansonsten werde ich bei Gelegenheit die Position weiter ausbauen. Denn auch bei 40 EUR ist das Unternehmen attraktiv bewertet.

.: Cashquote
Meine Cashquote liegt trotz des Zukaufs bei über 20 Prozent und ich warte auf die nächsten Kaufgelegenheiten, die sich vermutlich in den nächsten Wochen ergeben werden. Ein nochmaliges Hin- und Her wie in dieser Woche muss ich aber nicht haben, auch wenn es dieses Mal sehr lukrativ für mich ausgegangen ist.

Mittwoch, 26. August 2015

Andere Ansichten: 6 wissenswerte Dinge zu Marktkorrekturen

Börsenkorrekturen sind eine normale Sache und sie kommen häufiger vor, als man denkt. Von einer Marktkorrektur spricht man, wenn der Index bezogen auf seinen vorherigen Höchststand mehr als 10 Prozent niedriger notiert. Bei Akten, Anleihen, Devisen, Rohstoffen gilt das Gleiche.

"The Motley Fool" hat sich nun des Themas angenommen und eine Menge Dinge zusammengetragen, die man über solche Korrekturphasen wissen sollte. So kommen Korrekturen im Durchschnitt alle 357 Tage vor, also fast jährlich. Sie dauern beim Dow Jones Index 71,6 Tage an oder rund 14 Wochen.

Interessant für Value Investoren und Langfristanleger ist vor allem, dass man von derartigen Marktkorrekturen profitieren kann, weil man in diesen Phasen auch die Aktien von Unternehmen günstig kaufen kann, die üblicherweise hoch bewertet sind. Mit Blick auf einen langfristigen Anlagehorizont böten Korrekturphasen grundsätzlich große Chancen für Investoren.

Andere Ansichten: Magisches Zinseszinswachstum

Der "Forbes"-Kolumnist und milliardenschwere Value-Investor Ken Fisher hat sich jüngst in seiner Kolumne in "Focus Money" zur Magie des Zinseszinses geäußert, die er für die beste und grundlegendste Unterrichtsstunde in Sachen Finanzen hält.

Fisher erklärt auf anschauliche Weise, weshalb der Zinseszins die Antwort auf eine immer weiter steigende Lebenserwartung ist, sowohl für Junge wie auch für Alte. Und Fisher legt jedem ans Herz, "noch heute" Aktienbesitzer zu werden und zuzusehen, wie aus kleinen Beträgen große Vermögen werden - dank des Zinseszinseffekts.

Montag, 24. August 2015

Ist BB Biotech ein Investment wert?

"Die Geister, die ich rief"... So kann's kommen, mich erreichen immer mehr Leserfragen zu Einzelwerten, vermutlich ist das auch der großen Unsicherheit aufgrund der aktuellen Marktkorrektur geschuldet. Ich kann leider nicht jede Anfrage ausführlich hier im Blog beantworten, denn ich würde zu gar nichts anderem mehr kommen. Aber auf die eine oder andere versuche ich auch weiterhin, hier zeitnah einzugehen.

Die heutige Leserfrage betrifft die Schweizer Biotech-Investmentholding BB Biotech.

Profil

Die BB Biotech AG ist eine der größten Beteiligungsgesellschaften der Welt, die über ihre Tochtergesellschaften ausschließlich in Unternehmen der Bio- und Gentechnologie sowie der Pharmaindustrie investiert. Der Verwaltungsrat des Unternehmens, darunter ein Nobelpreisträger, verfügt über langjährige Erfahrung in der Biotechnologie und der pharmazeutischen Industrie. Für die Fundamentalanalyse und die Vermögensverwaltung der BB Biotech wird auf die Molekularbiologen, Ärzte und Finanzspezialisten der Bellevue Asset Management Gruppe zurückgegriffen. BB Biotech investiert ausschließlich in Unternehmen, die ein ausgezeichnetes Management, eine solide Wirtschafts- und Technologiebasis und eine gesunde Finanzstruktur aufweisen können. Beteiligungen sind unter anderem Dendreon, Lupin Pharmaceuticals, novo nordisk, Human Genome Sciences und Radius. (Quelle: comdirect.de)

Leserfrage von T.S.

Hallo Herr Kissig,
in der letzten Zeit kamen Sie dem Wunsch einiger Leser nach, ein Unternehmen aus Ihrer Sicht zu bewerten. Daher möchte ich auch einmal eine Anfrage an Sie stellen, ob Sie BB Biotech näher unter die Lupe nehmen könnten? Beteiligungsunternehmen scheinen doch einen gewissen Reiz auch auf Sie zu haben, denkt man an KKR, Blackstone oder Aurelius. Es wäre schön. wenn Sie bei Gelegenheit auf BB Biotech in Ihrem Blog eingehen könnten. Vielen Dank im Voraus.
Sommerliche Grüße aus Mallorca
T.S.

Meine Einschätzung
Bevor ich auf das Unternehmen eingehe, muss ich mal ein paar (er)klärende Worte vorweg schicken: ich habe nicht Medizin studiert, ich habe keine Ahnung von der Biotech-Branche und kann nicht einschätzen, ob ein in der Entwicklung befindlicher Wirkstoff auch Wirkung entfalten kann oder gar in den Genuss von Kostenübernahmen seitens der Krankenkassen kommen wird - nicht in Deutschland und andernorts schon mal gleich gar nicht. Ich fokussiere mich also ausschließlich auf das Unternehmen BB Biotech.

BB Biotech ist kein Fonds, sondern eine Schweizer Aktiengesellschaft, die allerdings verschachtelte Beteiligungsstrukturen aufweist (Sub-Holding-Domizile wie Curacao oder Mauritius) und so ihre Steuerquote unter die Schweizerische Gewinnsteuerquote von 7,8% drückt. Die Umsätze und Ergebnisse werden in Schweizer Franken (CHF) ermittelt, was ein mehrfaches Währungsrisiko beinhaltet: der weitaus größte Teil der Beteiligungen befindet sich in den USA, deren Ergebnisse werden in CHF umgerechnet und dann in EUR für deutsche Investoren.

Bis vor Kurzem war BB Biotech in Deutschland noch im TecDAX vertreten, musste diesen aber im Juni verlassen. Das hatte alleine börsenregulatorische Gründe, denn BB Biotech ist nicht nur in Deutschland, sondern auch an den Börsen in Italien und der Schweiz notiert. Doch nur wenn mindestens ein Drittel der Handelsumsätze an den Börsen Frankfurt und Xetra abgewickelt werden, kann eine Aktie Mitglied im TecDAX sein. Und diese Vorgaben erfüllte BB Biotech nicht mehr.

 BB Biotech (Quelle comdirect)
Die Biotechbranche
Um die Jahrtausendwende waren Biotechs neben Internet- und Telekommuniaktionswerten schon einmal die Börsenlieblinge und es kamen fast täglich neue Unternehmen an die Börse. Sie alle hatten gemein, dass sie in ganz frühen Phasen der Wirkstoffentwicklung steckten und Unsummen an Geld "verbrannten", während Gewinne allenfalls in weiter Ferne am Horizont auszumachen waren. Der Absturz beim Platzen der Dotcom-Blase zog auch die Biotechs mit und erst vor drei Jahren begann die Branche mit einem neuerlichen Hausse-Trend. Inzwischen gibt es neben den Frühphasen-Unternehmen auch viele gereifte Firmen, die mit Produkten am Markt sind und enorme Umsätze und gewinne machen. Das bringt eine ganz andere Qualität für Anleger mit sich, weil es nicht mehr nur um Hoffnungen und Phantasien geht, sondern um handfeste Ertragsaussichten und Unternehmensgewinne.

Für Anleger ist es allerdings schier unmöglich abzuschätzen, welche Sektoren besonders lukrativ sind (Krebs, Herz-Kreislauf, Hepatitis, HIV) und welche Therapieansätze bzw. Wirkstoffe hier wirklich Chancen bieten. Denn von 10.000 Wirkstoffen schafft es mal gerade ein einziger zum marktfähigen Medikament - und dieses eine Medikament muss dann in der Phase seines Patentschutzes die enormen Entwicklungskosten aller 10.000 Wirkstoffe mit verdienen. Im Durchschnitt liegen diese Kosten bei rund 1 Mrd. USD.

 (Quelle: BB Biotech) 
Expertise und Beteiligungen
Hier kommt BB Biotech ins Spiel, denn das Unternehmen beschäftigt eine Reihe von Experten, die sich genau hierauf konzentrieren und auf Basis von deren Einschätzung werden die Investitionsentscheidungen getroffen. Dabei investiert BB Biotech in einige wenige Ankerinvestments, also etablierte Firmen, die bereits Medikamente am Markt haben und somit Gewinne erzielen, und würzt das Portfolio mit einer Vielzahl von kleineren Beteiligungen. Dabei liegt der Schwerpunkt bei börsennotierten Aktiengesellschaften aus den USA, aber es finden sich auch europäische Unternehmen im Portfolio ebenso wie nicht-börsennotierte Werte. In der Regel ist BB Biotech in rund 35 Unternehmen investiert. Die 6 Ankerinvestments sind zur Zeit Celgene, Incyte, Isis Pharmaceuticals, Gilead, Actelion und Radius Health.

Geschäftszahlen des 1. Halbjahres
BB Biotech erzielte einen Nettogewinn für das 1. Halbjahr von 716.8 Mio. CHF (261.1 Mio. CHF fn der Vorjahresperiode), resultierend aus Dividendenzahlungen der Beteiligungen und vor allem aus Zuschreibungen aufgrund der deutlich gestiegenen Aktienkurse. So ist denn auch die relevante Steuerungsgröße der Net-Asset-Value (NAV), der im 1. Halbjahr um 21,5% in CHF, 38.7% in EUR und 29.1% in USD anstieg. Das verwaltete Kundenvermögen von BB Biotech stieg dank der Zuwächse im 2. Quartal bis Ende Juni auf ungefähr 4 Mrd. CHF.

Aufgrund der von mir bereits angesprochenen mehrfachen Währungsunsicherheiten sowie der starken Abhängigkeit von der Entwicklung der Aktienkurse der Beteiligungen ist es schwierig, die Gewinne für dieses Jahr und die Zukunft zu prognostizieren. Die Datenbank von Börse Online gibt den geschätzten Gewinn je Aktie für 2015 mit 30 EUR an und für 2016 mit 40 EUR, was zu KGVs deutlich unterhalb von 10 führen würde. Allerdings bleibt abzuwarten, inwieweit die aktuellen Börsenturbulenzen zu Revidierungen dieser Gewinnschätzungen führen werden. Die Dividendenrendite ist jedenfalls sehr attraktiv, denn zuletzt schüttete BB Biotech hier im März 11,40 EUR aus, was beim aktuellen Aktienkurs von 240 EUR eine Rendite von 4,7% p.a. ergäbe.

Abschlag zum NAV ist kein Kaufgrund!
Der Aktienkurs von BB Biotech notiert regelmäßig deutlich unterhalb des NAV, zumeist zwischen 10 und 20 Prozent. Dies alleine stellt allerdings keinen Kaufgrund dar, denn da der Abschlag dauerhaft vorhanden ist und nur leicht schwankt, ist auch künftig nicht davon auszugehen, dass dieser "Mehrwert" realisiert werden kann!

 BB Biotech (Quelle: comdirect) 
Fazit
BB Biotech setzt auf einen zukunftsträchtigen Markt, in dem auch Mehrwert geschaffen wird durch spektakuläre Firmenübernahmen. Insbesondere die großen Pharmakonzerne versuchen verstärkt, Biotech-Firmen mit attraktiven Produktpipelines zu übernehmen, um so eigene Forschung zu sparen und ihre eigene Medikamentenpipeline auf Vordermann zu bringen.

Die Aktienkurse der Biotechs sind sehr schwankungsanfällig, in beide Richtungen. BB Biotech bietet für Investoren, die sich mittel- und langfristig in diesem Segment engagieren wollen, eine attraktive Gelegenheit. Denn aufgrund der Zusammensetzung des Portfolios und der Expertise des Managements sichert man sich hier die besten Chancen im Markt. Dabei ist BB Biotech moderat bewertet und schüttet eine hohe Dividende an seine Aktionäre aus.

Allerdings sollte nicht unterschätzt werden, dass der Aktienkurs von BB Biotech extrem vom allgemeinen Börsenumfeld abhängt und von der Entwicklung der Biotech-Branche im Speziellen. Für Anleger, die hier investieren wollen, bietet sich ein Engagement in BB Biotech jedenfalls viel eher an, als in Einzelwerten dieser Branche.

Was ich nicht beurteilen kann ist, ob der Kurs bei 240 EUR und der aktuelle Zeitpunkt eine gute Einstiegsgelegenheit darstellen. Dazu sind die Börsen aktuell viel zu nervös und das allgemeine Marktumfeld dermaßen negativ, so dass es ratsam erscheint, lieber noch einige Wochen abzuwarten, bis sich der Markt beruhigt hat. Ein Investment in BB Biotech erscheint aussichtsreich, wenn an der Börse wieder Zahlen und Fakten regieren und nicht Panik und Gier.

Umfrage: Wollt ihr ein Wikifolio von "iNTELLiGENT iNVESTiEREN"?

Ich habe eine Umfrage gestartet und möchte von euch wissen, ob ihr ein Wikifolio auf Basis der Empfehlungen dieses Blogs für interessant haltet und ob ihr ggf. Interesse hättet, darin zu investieren. Ich würde mich freuen, wenn ihr zahlreich an der Abstimmung teilnehmt. Ihr findet sie in der rechten Leiste und sie läuft bis zum 5. September.

Die Idee hierzu stammt von Malte, der sie bei meiner letzten Umfrage, ob euch dieses Blog gefällt, aufgebracht hat.

Ich habe bisher keine praktischen Erfahrungen mit Wikifolios und wäre euch daher neben dem reinen Abstimmen über zahlreiche Kommentare unter diesem Artikel sehr dankbar.

Also, Feuer frei! Geizt nicht mit eurer Meinung...

Umfrage-Ergebnis: "iNTELLiGENT iNVESTiEREN" kommt bei euch gut an

Ich hatte euch in einer 14 Tage laufenden Umfrage um eure Meinung gebeten, wie euch mein Blog "iNTELLiGENT iNVESTiEREN" gefällt. Besonders freue ich ich über die große Beteiligung, denn immerhin haben 137 Leser des Blogs ihre Stimme abgegeben, so dass das Ergebnis durchaus Aussagekraft hat. Und das sage ich nicht, weil ich mit dem Ergebnis mehr als zufrieden sein kann.

Wie gefällt Dir dieses Blog?
Sehr gut106 (77%)
Ganz okay23 (16%)
Geht so8 (  5%)
Gar nicht0 (  0%)

Mehr als zwei Drittel der Leser gefällt das Blog "sehr gut" und keinem der 137 Abstimmenden "gar nicht". Ein Traumergebnis, das für mich Bestätigung und Ansporn zugleich ist, diese Quote noch verbessern und noch mehr Leser begeistern zu können.

"Wer aufhört, besser sein zu wollen, hat aufgehört, gut zu sein."

Ein zweiter, für mich sogar noch interessanterer Teil, war der zu der Abstimmung gehörende Artikel, in dem ich euch um Anregungen, Verbesserungsvorschläge und Kritik gebeten hatte. Auch hier bin ich von der regen Teilnahme überwältigt und möchte mich bei allen Teilnehmern an Umfrage und Meinungsäußerung ganz herzlich für das Feedback bedanken!

Was wollt ihr eigentlich?
Die mehr als 50 Kommentare haben mir eine große Menge an Tipps und Hinweisen geliefert, was ich künftig anders und besser machen kann. Ich habe sie mal in drei Kategorien eingeteilt:

1. Lob
  • Layout gefällt, Börsenzitate kommen gut an
  • ausführliche Analysen, breites Wissensangebot
  • kostenloses Angebot
  • wenig Werbung
  • fundierte und sachliche Schreibweise mit persönlichem Touch
  • klar und sachlich begründete Entscheidungen zum Kauf oder Verkauf einzelner Aktien
  • langfristig geführte Empfehlungsliste
  • nicht mehr Zahlen als nötig
  • offener Umgang mit eigenen Investmententscheidungen im Portfolio

2. Anregungen
  • Zahlenteil in Analysen kommt zu kurz
  • Aktien zur Auswahl stellen, die dann analysiert werden
  • lieber längere und intensiver recherchierte Beiträge, als hohe Anzahl 
  • Checkliste bei Aktienanalysen (welche Frage ich mir gestellt habe, welche Quellen ich verwende, wie die Investmententscheidung zustande kam)
  • Wikifolio anbieten

3. Kritik
  • Zitate der Börsengurus werden zu häufig eingestreut
  • im Blog erfolgt kein "intelligentes Investieren", sondern Position-Trading mit teuren Aktien

Und wie geht es nun weiter?
Über das viele Lob habe ich mich sehr gefreut, wirklich! Ich werde daher weitgehend so weiter machen wie bisher. Was die beiden kritischen Anmerkungen angeht, so werde ich weiterhin meine geliebten Börsenzitate bringen (ich habe inzwischen einen Vorrat an montagmorgendlichen Zitaten bis in das Jahr 2026 hinein!) auch in den Artikeln. Der Grund liegt darin, dass diese auf wenige Wörter zusammengestauchten Aphorismen das Wissen ganzer Bücher kurz und prägnant darstellen und - zumindest mir - beim Lesen immer wieder das Wesentliche ins Gedächtnis rufen, das ich mal gelesen (und vielleicht schon wieder vergessen) habe. Daher finde ich sie so wertvoll.

Hinsichtlich des Vorwurfs, ich würde hier "Position-Trading" betreiben, weiß ich gar nicht, wie ich reagieren soll. Mag sein, dass dies an den von mir erst kürzlich eingeführten "Investor-Updates" liegt, in denen ich darstelle, was ich privat (!) in meinem Depot mache. Da habe ich Ankerinvestments, die ich sehr lange halte, doch auch in denen verändere ich bisweilen die Positionsgrößen, kaufe bei Gelegenheit mal zu und wenn der Kurs deutlich angestiegen ist, verkaufe ich mal einige Aktien. Und daneben habe ich einige kleinere Positionen, die ich auch mal kurzfristiger halte, weil ich hier besondere Chancen sehe. Daraus können sich auch langfristige Engagements entwickeln und aus kleinen Anfangspositionen können größere werden. Mit diesen befriedige ich sozusagen meinen Spieltrieb, damit ich bei den großen, auf Dauer angelegten Investments nicht ins Zocken verfalle. Ich habe diese Investor-Updates eingeführt, weil ich öfter gefragt worden bin, ob ich denn bestimmte Werte auf meiner Empfehlungsliste noch für gut befinde (ja, sonst streiche ich sie dort!) oder ob ich bei einzelnen Werten auf dem dann aktuellen Kursniveau noch zukaufen würde. Ich bin mir selbst unschlüssig, ob es sinnvoll ist, meine persönlichen Investmenthandlungen im Rahmen dieses Blogs zu dokumentieren. Denn Grundlage ist die Empfehlungsliste, dort fasse ich die Aktien zusammen, die man im Depot haben sollte. Aber es ist eben kein Musterdepot! Ich muss zugeben, dass ich diesen Widerspruch noch nicht wirklich auflösen konnte.

Dann wurde noch kritisiert, ich würde hier kein reines Benjamin-Graham-Zigarrenstummel-Investieren betreiben. Richtig, gut erkannt! Solche Aktien stelle ich mitunter auch vor, aber sie sind nicht der Schwerpunkt dieses Blogs. Der liegt auf langfristigen Investments in profitable Unternehmen mit einem Burggraben und solider Bilanz - und möglichst attraktiver Dividendenausschüttung. Wer dies nicht für "intelligentes Investieren" hält, mag woanders glücklich werden.

So, viel interessanter sind allerdings die vielen positiv-kritischen Anregungen, was ich hier im Blog noch so verbessern könnte.

Den Zahlenteil werde ich künftig ausweiten, aber er wird nicht ausufern. Schwierig wird es beim Umfang meiner Analysen, denn einerseits verstehe ich den Wunsch nach mehr Informationen und tiefgründigeren Rechercheergebnissen, andererseits sind für viele Leser noch längere Analysen eher wenig lesenswert. "Mehr, aber nicht länger", das wird ein schwieriger Spagat werden, aber ich  werde mich bemühen, mehr Substanz in den gleichen Umfang hineinzubringen. Nicht bei jeder Analyse, denn oft handelt es sich ja auch um ein Update zu Aktien, die ich auf meiner Empfehlungsliste habe, und bei denen gerade tagesaktuell interessante Entwicklungen den Ausschlag geben für einen Artikel. Hier verlinke ich ja gerne auf vorherige Berichte, um nicht alles immer wieder schreiben zu müssen. Das werde ich auch so beibehalten. Dennoch... die Botschaft ist angekommen.

Aktien zur Auswahl stellen, die ich dann analysiere, mit dem Gedanken kann ich mich nicht so anfreunden. Ich bekommen heute schon recht viele Anfragen (vor allem über Email), ob ich nicht mal eine bestimmte Aktie analysieren und im Blog vorstellen kann. Dem komme ich gerne nach, allerdings ist das sehr zeitaufwändig und oftmals handelt es sich um Werte, die so gar nicht im meinem Kompetenzbereich liegen und wo meine Besprechung daher eher oberflächlich bleiben muss. Ich bin mir unschlüssig, ob dies dann einen wirklichen Mehrwert für das Blog bedeutet. Ich habe die Befürchtung, dass ich so zu viel zeit auf Aktien ver(sch)wende, die für mich niemals infrage kommen würden. Wie gesagt, es ist auch eine Zeitfrage.

Der Wunsch nach einer Checkliste wird immer wieder geäußert und ich kann den gut nachvollziehen, mir ging es genauso, als ich mit dem Value Investing anfing. Damals wollte ich auch eine Liste haben mit einigen Kriterien, die ich stur abarbeiten könnte, um so zu den lukrativen Investments zu gelangen. Das wäre ein Wahnsinnsaufwand, jeden einzelnen Schritt einer Analyse darzulegen, das ist meines Erachtens nicht zu leisten. Was ich hier anbiete, ist die Darstellung der Ergebnisse, meine Schlussfolgerungen aus meinen Überlegungen und die wesentlichen Eckpunkte, die mich zu einer positiven oder negativen Entscheidung geführt haben. Daran werde ich festhalten, denn ich kann - und darf! - hier keine Anlageberatung machen und habe das auch nicht vor. Wie Warren Buffet sagte: "Value Investing is simple, but not easy". Hier im Blog finden sich viele Beiträge, die sich mit der Auswahl und der Bewertung von Unternehmen befassen und ich denke, man muss den "harten" Weg gehen und sich daraus selbst den richtigen Investmentplan zusammenstellen. Hierbei will ich gerne weiterhin behilflich sein, aber ein einfaches Schema-F kann ich nicht bieten. Wer mag, kann es gerne Joel Greenblatts "Value Investing Zauberformel" versuchen. Allerdings musste selbst er zugeben, dass seine Kinder es nicht schafften, danach vorzugehen - obwohl die Methode eigentlich recht simpel ist. Doch die wesentlichen Faktoren, die für ein gutes Investment Voraussetzung sind, sind eben nicht nur die nackten Zahlen, sondern auch der Burggraben und das Management. Buffetts: "Good business, good management, good price" bleibt die Richtschnur, anhand derer man Unternehmen unter die Lupe nehmen sollte. Und damit meine ich vor allem deren Geschäftsberichte! Darin finden sich nicht nur die Zahlen, sondern vor allem die Einschätzungen des Vorstands zur Lage und zum Unternehmen. Und der Umgang mit eigenen Fehleinschätzungen - ein ganz wesentlicher Punkt, wenn man die Fähigkeiten des Managements einschätzen möchte.

Ein Wikifolio zum Blog anzubieten, kommt ja fast einem Musterdepot gleich, was ich bisher immer vermeiden wollte. Aber vielleicht ist die Idee doch ganz reizvoll, ich werde mal drüber nachdenken. Und euch dabei mit ins Boot holen, denn die nächste Umfrage wird genau dieses Thema betreffen.

Börsenweisheit der Woche 34/2015

"Ein gutes Unternehmen, zu teuer bezahlt, ist ein schlechtes Investment".
(Roland Könen)

Freitag, 21. August 2015

Investor-Update: Blackstone, H.P.I. Holding, MBB, Steico

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

+ Blackstone Group
Der Kursrutsch der Börsen hat auch erheblich den Kurs der Blackstone Group gebeutelt, dabei gibt es keine negativen Nachrichten. Im Gegenteil. Das Erstarken des Euro ggü. dem Dollar hat sein Übriges getan und den Kurs nachbörslich bei Tradegate bis auf 30 EUR gedrückt, wo ich meine bereits größte Position im Depot gestern nochmals kräftig aufgestockt habe.

= H.P.I. Holding
Die mittelständische Beteiligungsholding konnte einen weiteren Zukauf für ihre Fassring-Tochter vermelden. Allerdings ist die Metallwarenfabrik Berger GmbH nicht "der große Wurf", den ich neulich als möglichen großen Zukauf thematisiert habe. Angesichts des Börsenabschwungs der letzten Tage präsentiert sich der kleine Nebenwert äußerst stabil und bestärkt mich in meiner Ansicht, dass hier etwas interessantes im Busch sein könnte.

- MBB SE
Der Kurs von MBB kommt seit einiger Zeit nicht richtig vom Fleck, was daran liegt, dass man einerseits den hohen Cash-Bestand nicht für Zukäufe nutzen konnte, obwohl das Teil der Unternehmensstrategie ist, und andererseits mehr als die Hälfte des Umsatzes in der Automobilsparte gemacht wird. Und die steht ja gerade kritisch im Feuer wegen der zunehmenden Ängste um Chinas Nachfrage, speziell in diesem Bereich. Erst im nächsten Jahr werden sich die massiven Investitionen in die Töchter Hanke Tissue und Delignit bemerkbar machen, daher bleibe ich grundsätzlich positiv gestimmt für MBB.

Da ich freie Liquidität in meinem Depot schaffen wollte, habe ich mich deshalb gegen MBB entschieden, denn hier erscheint mir das Kurspotenzial in den nächsten Wochen und Monaten eher begrenzt.

- Steico SE
Steico ist in einem aussichtsreichen und wachsenden Markt positioniert, de der ökologischen Dämmmaterialien für den Hausbau. Große Investitionen sollen die Margen verbessern und der Markt wächst. Daher bin ich grundsätzlich positiv gestimmt für Steico, auch wenn das Management in einem preisumkämpften Markt erst noch beweisen muss, dass man die Margen ausweiten kann, ohne Umsätze zu verlieren.

Da ich freie Liquidität in meinem Depot schaffen wollte, habe ich mich deshalb gegen Steico entschieden, denn hier erscheint mir das Kurspotenzial in den nächsten Wochen und Monaten eher begrenzt.


.: Cashquote
Um meine Cashquote wieder deutlich über die 10-Prozent-Marke zu heben, habe ich wie angekündigt vor zwei Wochen MBB und Steico verkauft. Diese beiden Aktien. weil ich hier in nächster Zeit nicht mit großen Fortschritten rechne, weder operativ noch bei den Aktienkursen. Eigentlich sind beide Positionen weiterhin Haltepositionen für mich, weil ich mittel- und langfristig durchaus Potenzial bei beiden Unternehmen sehe - deshalb bleiben sie auch auf meiner Empfehlungsliste. Der Verkauf war "nur" meiner Liquiditätssituation geschuldet. Und die habe ich zum Teil gestern bereits wieder in Blackstone investiert. Unter dem Strich fahre ich aktuell dennoch mit einer erhöhten Cash-Position, da das Börsenklima die nächsten Wochen bestimmt noch rauh bleiben wird und sich immer wieder mal Chancen für attraktive Käufe bieten werden. Damit meine ich ausdrücklich auch Nachkäufe bei bereits bestehenden Positionen in meinem Depot.

Weshalb ich gestern kräftig weitere Blackstone-Aktien gekauft habe

Finanzinvestor Blackstone Group L.P. ist bereits meine größte Position im Portfolio und der deutliche Kurssturz hat sich dort entsprechend negativ bemerkbar gemacht. Vom Hoch Ende Mai bei 40 EUR sackte der Kurs bis gestern Abend nachbörslich bei Tradegate auf 30 EUR ab, also glatte 25 Prozent. Autsch. Zeit, sich meine Investmentthese vorzuknöpfen und zu bewerten, ob ich (noch) richtig liege - und daraus Schlüsse zu ziehen.

Risiken für Blackstone
Direkte negative Nachrichten zu Blackstone gibt es nicht. Im Gegenteil. Indirekt wird der Sturz der Börsenindices allerdings Auswirkungen auf Blackstones Business haben, ohne Frage. Zum Einen wirken sich die reduzierten Börsenkurse natürlich auf das Bewertungsergebnis im Blackstone-Portfolio aus und wird daher vermutlich zu einem negativen Quartalsergebnis führen, denn dort werden sich die wertmäßigen Zu- und Abschreibungen ggü. dem Vorquartal sich negativ bemerkbar machen. Und zum Anderen reduziert sich Blackstones Aussichten, bei Verkäufen hohe Preise und damit Gewinne zu erzielen. Weil das allgemeine Preisniveau etwas gesunken ist und weil Börsengänge im aktuellen Marktumfeld als alternative Exit-Strategie eben momentan nicht zünden.

Chancen für Blackstone
Im Gegenzug bedeuten die gesunkenen Kurse (Preise) aber auch, dass Blackstone als Käufer und Investor günstiger an neue Assets herankommt. Und das ist positiv für die Zukunft. Das von Blackstone verwaltete  Vermögens, die "Assets under Management", betrugen per 30. Juni 333 Mrd. USD und damit 19% mehr als die am Ende des Vorjahreszeitraums verwalteten 279 Mrd. USD. Ende März hatten die AUM noch bei 310 Mrd. USD gelegen. Blackstone verzeichnet also weiterhin steigende Mittelzuflüsse und diese Gelder wollen investiert werden - je tiefer die Preise, desto besser für Blackstone aus diesem Blickwinkel. Dabei ist Blackstone nicht auf Unternehmenskäufe fokussiert, sondern als größter Immobilieneigentümer der USA liegt hier ein Schwerpunkt und man hat für seine Fonds Milliarden eingesammelt für Investitionen in den US-Öl- und Gassektor. Der kriselt momentan gewaltig und immer mehr Firmen rutschen in die Insolvenz ab, da der Ölpreisverfall um mehr als 50% seit Ende 2014 kein kurzfristiger Einbruch zu sein scheint, wie zuerst angenommen. Jedenfalls ist Blackstone hier kaum betroffen, denn man hat die Gelder noch nicht investiert, wie CEO Stephen Schwarzman erklärte. Die Preise seien noch nicht tief und die Panik im Sektor nicht groß genug. Also alles richtig gemacht bisher.

 Blackstone Group (Quelle: comdirect)
Hohe Gewinne aus Exits
Zuletzt konnte Blackstone einige großartige Verkaufserfolge erzielen, nicht nur im Immobiliensektor, wo man noch auf einer großen Zahl an Immobilien sitzt, die man seit der Finanzkrise eingekauft hat - und die entsprechende Wertzuwächse aufzuweisen haben und hohe Verkaufsgewinne bringen. Einen besonders großen Geldsegen bringt der Verkauf der Beteiligung Avintiv für 2,45 Milliarden USD in bar an Berry Plastics. Blackstone hatte die PGI (Avintiv hieß bis vor kurzem noch PGI Specialty Materials Inc.) im Jahr 2010 gekauft hat und zwar zu einem Preis von 326,2 Mio. USD. Der Deal soll bis Jahresende abgewickelt sein und wird sich also noch nicht in der nächsten Quartalsdividende bemerkbar machen, aber bei der Februar-Ausschüttung für Freude sorgen.

Nettogewinn vs. ausschüttungsfähiger Gewinn
Vom Nettogewinn, der die dieser Periode zuzurechnenden Gewinne ausweist, ist der ausschüttungsfähige Gewinn zu unterscheiden. Dieser beziffert die Gewinne, die wirklich in dieser Periode zugeflossen sind und die für Ausschüttungen an die Aktionäre zur Verfügung stehen, während im ausgewiesenen Nettogewinn auch wertmäßige Zu- und Abschreibungen enthalten sind, die auf Assets (wie Immobilien, Aktien, Fondsanteile) anfielen. Diese erhöhen - oder reduzieren - aber erst dann das Ergebnis, wenn die Assets auch wirklich verkauft werden. Bis dahin stellen sie nur Buchgewinne oder -verluste dar. Blackstone investiert allerdings mittelfristig in seine Assets, also im Schnitt mindestens um die 5 Jahre, wodurch die Kursschwankungen einzelner Anlagen von Quartal zu Quartal nur eine untergeordnete Bedeutung haben. Weshalb der auf den ersten Blick enttäuschende Quartalsgewinn auch keine wirklich relevante Größe für Blackstone-Aktionäre ist, deren der Fokus viel mehr auf den ausschüttungsfähigen Gewinnen liegt, weil sich hieraus die hohen Renditen speisen - und die üppigen Quartalsdividenden.

 Blackstone Group (Quelle: comdirect.de)
Auswirkungen des Kurssturzes
Blackstones Gewinn sinkt aufgrund der Abwertungen der Asstes,  das Kurs-Gewinn-Verhältnis hingegen profitiert vom deutlich gesunkenen Börsenkurs. Sobald sich die Börse wieder beruhigt, werden die Assets wieder durch Zuschreibungen ihrer Werte den Gewinn von Blackstone nach oben treiben - ohne dass hierzu Geld fließen muss. Konkretisieren werden sich diese Werte erst bei einem Verkauf der Beteiligungen und sonstigen Assets.

Dividendenrendite klettert über 8 Prozent
Und das führt uns zur Quartalsdividende. Die ist von den Kursschwankungen an der Börse nicht tangiert, jedenfalls nicht unmittelbar. Denn sie basiert ja auf dem ausschüttungsfähigen Gewinn, den ich zuvor erläutert habe. Und daher kann man davon ausgehen, dass die für das prognostizierten Dividendenausschüttungen von 2,82 USD je Aktie auch in etwa eintreffen werden - zumal ja bereits zwei diesem Geschäftsjahr zuzurechnende Quartalsdividenden gezahlt wurden. 0,89 und 0,74 USD ergeben bisherige 1,63 USD je Aktie und damit 58% der prognostizierten Jahresdividende. Auf Basis des Aktienkurses von 34,5 USD ergäben die 2,82 USD somit eine Dividendenrendite von 8,17 Prozent.

Fazit
Für mich als Langfristinvestor zählt ja die Unternehmensentwicklung, nicht in erster Linie der Aktienkurs. Der stellt nur eine Möglichkeit dar, Aktien zu kaufen und zu verkaufen - ein Gradmesser, ob ein Investment richtig oder falsch war ist er nur bedingt. Aktuell tragen alle Trauer an der Börse, aber ich glaube, dass Blackstone noch ganz erhebliche Werte im Keller schlummern hat und dass man sich dort sehr gut darauf versteht, die jeweiligen Chancen und Risiken, die sich weltweit und in verschiedenen Branchen und Asset-Klassen bieten, zu bewerten und auszunutzen. Und das ist der Grund, weshalb ich weitere Aktien hinzugekauft habe, um noch stärker als zuvor an diesem Erfolgsbusiness beteiligt zu sein. Ich sehe den Kursabsturz daher eindeutig als Chance!

Mittwoch, 19. August 2015

Aurelius mit Immobilien-Exit - nun auch für 2015 Sonderdividende

Die Münchner Beteiligungsgesellschaft Aurelius hat ihren Worten endlich Taten folgen lassen und vermeldete heute den ersten Exit des laufenden Geschäftsjahres. Dabei handelt es sich um eine Hotelimmobilie im Münchener Glockenbachviertel, die man erst in einer Paketübernahme im Jahr 2010 von der Deutschen Annington erworben hatte. Eine Immoblilie in Braunschweig hatte man zwischenzeitlich bereits veräußert, so dass sich noch zwei weitere in München und eine in Hannover im Besitz von Aurelius befinden, die von der Aurelius-Tochter GHOTEL hotel & living als Hotelstandorte betrieben werden.

Zweistelliger Millionengewinn und Partizipationsdividende
Der Eigentumsübergang an die Heisig & Heisig Projektentwicklungs GmbH soll zum 31. Dezember 2015 erfolgen und spült damit noch in diesem Geschäftsjahr Geld in die Aurelius-Kassen. Und trägt ganz erfreulich zum Ergebnis bei, denn aus dem Verkauf erzielt Aurelius einen Ergebnisbeitrag in Höhe eines signifikant zweistelligen Millionenbetrages - den man in bewährter Manier in Form einer Partizipationsdividende an die Aktionäre ausschütten will. Über die Basisdividende hinaus beteiligt Aurelius seit Jahren schon seine Aktionäre an erfolgreichen Verkaufserlösen, in dem man die Hälfte in Form einer Gewinnbeteiligungsdividende auskehrt. Für das Geschäftsjahr 2014 kamen so 0,80 (Vorjahr 0,70 EUR) und 1,20 EUR (0,35 EUR), also insgesamt 2,00 EUR (1,05 EUR) Gesamtausschüttung zusammen. Rekord!

 Aurelius (Quelle: comdirect.de)
Einschätzung
Dies sind die lang ersehnten Nachrichten von Aurelius, denn Anlegern ist bekannt, dass ein wesentlicher Beitrag zum Jahresergebnis aus Veräußerungsgewinnen stammt. Und der erste erfolgreiche Exit soll nicht der letzte in diesem Jahr bleiben, kündigt Aurelius-CEO Dr. Dirk Markus an. Auf Grund der derzeit regen Kaufs- und Verkaufstätigkeit gehe man von weiteren Transaktionen im laufenden Geschäftsjahr 2015 aus. Insbesondere bei der Spirituosentochter Berentzen wird nach den jüngsten Vorgängen über einen Verkauf spekuliert.

Hinzu kommt, dass man kürzlich erst Zahlen zum 1. Halbjahr 2015 vorgelegt hatte, die so positiv ausgefallen sind, dass Aurelius davon ausgeht, das Rekordjahr 2014 übertreffen zu können. Das operative EBITDA, das die 22 Beteiligungen in Summe einspielen, werde sich nach rund 97 Mio. EUR im Vorjahr auf 120 bis 130 Mio. EUR erhöhen. Der soeben erzielte Millionengewinn wird zu einem neuen Rekordergebnis ebenso beitragen können wie die Erträge aus der Auflösung negativer Unterschiedsbeträge aus der Kapitalkonsolidierung ("bargain purchase") aus den im ersten Halbjahr 2015 erworbenen Unternehmen. Diese steuerten 65,4 Mio. EUR (43,6 Mio. EUR) bei, wobei die im dritten Quartal abgeschlossenen Übernahmen hierin noch nicht enthalten waren. Im Gegenzug waren durch die Neuausrichtung der Konzernunternehmen Restrukturierungs- und Einmalaufwendungen in Höhe von 19,4 Mio. EUR (15,3 Mio. EUR) angefallen.

Fazit
Aurelius befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und bleibt der Top-Pick unter den deutschen Beteiligungsgesellschaften, wo man an schwachen Börsentagen immer wieder mal zugreifen kann. Vom vermeintlich hohen KGV sollte man sich nicht abschrecken lassen. Denn die Schätzungen der Analysten beziehen sich zum Jahresanfang stets nur auf die operativen Gewinne der Konzerntöchter und erst im Jahresverlauf werden die Gewinne aus dem Beteiligungsgeschäft Stück für Stück einbezogen - sie sind halt schwerer zu prognostizieren, solange sie nicht in trockenen Tüchern sind. Ich wäre nicht verwundert, wenn der jetzt erfolgte Verkauf dazu führen würde, dass die Analysten ihre Gewinnschätzungen für Aurelius nach oben anpassen - und damit sänke das bisher noch optisch hohe ausgewiesene KGV weiter ab.

Montag, 17. August 2015

Versicherungen: Katastrophen voraus - "El Niño" lässt's krachen

Die Versicherungsbranche hat es nicht leicht, irgendwie gibt es fast nur noch schlechte Nachrichten, ich warne ja seit einiger Zeit davor, dass sich die Probleme bei Lebens- und Rückversicherungen zuspitzen und die ehemaligen Substanz- und Dividendenhits sich zu kolossalen Value Traps entwickeln. Das hört nicht jeder gerne und die jüngsten Kursrücksetzer werden noch immer als "Einstiegsmöglichkeiten" proklamiert. Als Beleg für die Richtigkeit dieser These werden dabei die Geschäftszahlen der Assekuranzen herangezogen, die diese zuletzt vorgelegt haben - und die oberflächlich betrachtet gar nicht so schlecht aussehen. Hätte aber auch verwundert, denn die Probleme kommen ja erst auf die Versicherungen zu und schaukeln sich immer mehr auf, sie werden sich dann exponentiell in die Bilanzen und GuVs fressen.

Die Katastrophen kommen - jetzt!
Ein Grund, weshalb die zurückliegenden Ergebnisse der Versicherer recht passabel ausfielen, ist eine niedrige Schadensquote. Das bedeutet, dass die Versicherungen (zu) hohe Beiträge einkassiert haben verglichen mit den Schäden, die dann wirklich eingetreten sind. Das kann zu niedrigeren Beiträgen führen, denn die großen Versicherungsnehmer schauen schon sehr kritisch darauf, ob "ihre" Versicherer zu viel an ihnen verdienen. Zumal der Druck durch branchenfremde Investoren, die aufgrund der Niedrigzinsen Risiken absichern, groß ist.

Doch die niedrigen Schadensquoten könnten sich dem Ende zuneigen und ein wahres Schaden-Armageddon vor der Tür stehen. Klingt übertrieben? Ist es aber leider nicht. Denn alle paar Jahre wieder tritt ein Wetterphänomen auf mit dem freundlich klingenden Namen "El Niño". Jörg Rohmann hat das hervorragend in der Telebörse beschrieben:

"El Nino beschreibt eine Klimaanomalie, die das Wetter auf zwei Dritteln der Erde maßgeblich beeinflusst. Sie ist ursächlich eine Abschwächung der Passatwinde, die zu einer deutlichen Erwärmung des tropischen Pazifiks führen. Dies erlaubt, dass das warme Wasser - statt kalt auf die asiatischen Küsten zu treffen - nach Osten strömt und eine höhere Niederschlagswahrscheinlichkeit mit sich trägt. Dies verursacht in einigen Regionen Dürren, während andere von heftigen Regenfällen betroffen sind. Das Phänomen tritt alle zwei bis sieben Jahre auf. 
Die jüngsten Messwerte im Pazifik signalisieren für dieses Jahr eine ähnliche Ausprägung wie beim bisher stärksten Ereignis in den Jahren 1997/98, was verheerende Folgen hatte. Damals starben weltweit 24.000 Menschen und ein wirtschaftlicher Schaden von etwa 34 Mrd. US-Dollar entstand. Dem US-Wetterdienst NOAA zufolge werden die stärksten El-Niño-Auswirkungen im Winter erwartet."

"El Niño" findet statt und zwar in diesem Jahr und wird uns über den Jahreswechsel begleiten. Natürlich kann man sich über die Auswirkungen auf verschiedene Agrarpreise Gedanken machen, über potenzielle militärische Konflikte aufgrund von Nahrungsknappheiten usw. Die für die Versicherungen - und deren Aktionäre - entscheidende Zahl ist aber 34 Milliarden Dollar. Nicht nur die Lebensversicherungen wären betroffen, wenn wieder Zehntausende Menschen ihr leben verlieren, vor allem die Sachversicherungen - und damit die Rückversicherungen werden bluten müssen. Und zwar enorm!

Selbstverständlich sind Versicherungen genau zu diesem Zweck da, unbestritten, aber aus Sicht ihrer Anleger stellt sich schon die Frage, ob man auf das richtige Pferd setzt. Und wenn man sich in Erinnerung ruft, dass die Versicherer bereits mit vielen anderen Problemen konfrontiert sind, die sie Rendite kosten, ihre Margen erodieren lassen, das Neugeschäft reduzieren und gleichzeitig die Regulierungsbehörden höhere Rücklagen verlangen (Stichworte: Solvency II und Zinszusatzreserve), dann ist das Letzte, was sie brauchen, ein Rekord-Katastrophenjahr. Doch 2015/2016 könnte genau das eintreten.

Aus Anlegersicht spricht eigentlich nicht mehr viel für die Versicherer, außer dass sie vermeintlich niedrig bewertet sind und vergleichsweise hohe Dividendenrenditen bieten. Doch die Frage ist, wie nachhaltig dies ist. Wenn die Gewinne einbrechen, schießen die KGVs in die Höhe und die Aktienkurse nach unten. Die eigentlich hierdurch ansteigenden Dividendenrenditen dürften dann jedoch realen Dividendenkürzungen gegenüberstehen. Oder aber, wie bereits in der Vergangenheit geschehen, die Dividenden werden aus den Rücklagen ausgeschüttet, wodurch die Substanz verzehrt würde. In einer Phase, wo die Versicherungen von den Aufsichtsbehörden ohnehin schon aufgefordert werden, ihre Kapitalausstattung zu erhöhen. Es mutet wie die Wahl zwischen Pest und Cholera an, wenn sich die Versicherer dann zwischen Dividendenkürzungen und massiven Kapitalerhöhungen entscheiden müssen. Aber um diese Wahl werden sie nicht herum kommen, sollte "El Niño" erst einmal loslegen.

Fazit
Nicht ganz überraschend dürfte sein, dass ich weiterhin von Aktienengagements in Lebens- und Rückversicherungsaktien abrate. Und zwar nicht unter kurzfristigen Aspekten, sondern vor allem Buy & Hold-Anleger sollten eher früher als später die Reißleine ziehen und aussteigen. Mittel- und langfristig wird mit den Aktien kaum Geld zu verdienen sein. Eher im Gegenteil. Das Chance-Risiko-Verhältnis pendelt immer stärker in Richtung Risiko.



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Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 2. Quartal 2015?

Value Investor und "Orakel von Omaha" Warren Buffett musste für seine Investmentholding Berkshire Hathaway wieder das sog. Formular 13F bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) einreichen. Das ist ein vierteljährlich vorzulegendes Dokument, mit dem institutionelle Asset-Manager ab einem verwalteten Vermögen von 100 Mio. USD ihre Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen offenlegen müssen.

Veränderungen im 2. Quartal 2015: Kabel hui, Öl pfui
Im zweiten Quartal gab es nur wenige Veränderungen an Buffetts Positionen. Auch deshalb ist das "Ergebnis aus Aktiengeschäften" von Berkshire Hathaway im 2. Quartal auf 123 Mio. USD zusammengeschrumpft, nachdem es im entsprechenden Vorjahreszeitraum noch stolze 2,06 Mrd. USD betragen hatte.

Auffällig ist, dass er seine bereits schon zuvor stark reduzierte Positionen im Öl-Sektor weiter abgebaut hat, indem er sich vollständig von National Oliwell Varco und Phillips 66 trennte. Im Gegenzug hat er weiter massiv bei John Malones Kabelnetzbetreiber Charter Communications aufgestockt, indem er seine Position um über 40% erhöhte. Charter übernimmt gerade Time Warner für 56 Mrd. USD in bar und Aktien und inkl. Schulden hat die Transaktion ein Volumen von fast 79 Mrd. USD.

Ganz neu im Portfolio ist eine 20-Mio-Aktien-Beteiligung am US-Autolackierer Axalta Coating Systems, den Buffett kürzlich für rund 660 Mio. USD von Carlyle Group kaufte. Des Weiteren hatte Berkshire in der vergangenen Woche verkündet, eine 3,09 Mrd. USD schwere Beteiligung an einem nicht genannten Unternehmen eingegangen zu sein. Hier darf man auf die Enthüllung gespannt sein.

Bei Buffetts 12 größten Positionen Wells FargoCoca ColaIBMAmerican ExpressWalmart Stores, Procter & GambleUS Bancorp, Davita Healthcare Partners, DirecTV, Moody's, Goldman Sachs sowie Deere & Co. gab es keinerlei Veränderungen. Procter & Gamble wird allerdings demnächst komplett aus dem Portfolio verschwinden, da Buffett diese gegen Duracell eintauschen wird.


Wichtigste Käufe                 Marktwert 30.06.    Anzahl 30.06.    Anzahl 31.03.    Veränderung
US Bancorp       3.691.742.000 $        85.063.167        83.773.390   +     1.289.777
Charter Communications       1.458.139.000 $          8.514.678          5.979.136   +     2.535.542


Wichtigste Verkäufe            Marktwert 30.06.    Anzahl 30.06.    Anzahl 31.03.    Veränderung
Phillips 66                               0                        0          7.499.450   -     7.499.450
Viacom          365.004.000 $          5.646,721          8.265.079   -     2.618.358
Chicago Bridge & Iron          466.719.000 $          9.326.921        10.701.110   -     1.374.189
Wabco Holdings          467.315.000 $          3.777.195          3.863.195   -          86.000
National Oliwell Varco                               0                        0          1.978.895   -     1.978.895


Buffett ist kein Freund des Diversifizierens
Bemerkenswert ist die Konzentration Buffetts auf einige wenige große Beteiligungen. So macht seine größte Position Wells Fargo alleine schon fast 25 Prozent und zusammen mit den zweit- und drittplatzierten Coca Cola und IBM rund 51 Prozent seines Börsen-Portfolios aus.

Was das 13F-Formular nicht zeigt...
In Buffetts Portfolio befinden sich ja auch eine Menge an nicht-börsennotierten Unternehmen und es enthält darüber hinaus sog. "Preferred Stocks" (nicht mit den deutschen Vorzugsaktien zu verwechseln). Diese Aktien enthalten Sonderrechte, die über die der allgemeinen Aktien hinausgehen, und werden daher eher als Hybrid Instrumente angesehen, denn als Aktien.

An Preferred Stocks hält Buffett einige große Pakete, die wahre Schätze verbergen.

  • Bank of America (BoA)
    2011 stieg Buffett ein und zwar durch eine in zwei Teile strukturierte Transaktion. Für 5 Mrd. USD kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks", die keine Laufzeitbeschränkung haben und jährlich 6% an Zinsen abwerfen. Sie können nicht in "Common Stocks" (Stammaktien) getauscht werden. Aber Warren Buffett wäre nicht Warren Buffett, gäbe es nicht den zweiten Part. Denn zusätzlich erhielt er "Warrants" (Wandeloptionen), die es ihm erlauben, bis September 2021 für 5 Mrd. USD BoA-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von 7,14 USD je Aktie. Bei Ausübung dieser Option würde Buffett 6,5% an BoA übernehmen.

    Am 30.06. notierten die BoA-Aktien bei 17,02 USD, Buffetts Buchgewinn bei Ausübung der Optionen läge also bei 4,94 Mrd. USD. Und in der Zwischenzeit erhielt er zusätzlich noch 300 Mio. USD jährlich an Zinsen, also bisher 1,2 Mrd. USD.

    In seinem 2014er Geschäftsbericht schrieb Buffett, er wolle die Optionen kurz vor Ende der Laufzeit wandeln und daher sei BoA objektiv betrachtet die viertgrößte Position in Berkshires Portfolio.
     
  • Dow Chemical
    2008 stellte Buffett Dow Chemical 3 Mrd. USD für die Übernahme der Spezialchemiefirma Rohm & Haas Co. zur Verfügung und erhielt im Gegenzug Preferred Stocks, die eine jährliche Dividende von 8,5% ausschütten, oder 255 Mio. USD. Dabei hat Dow Chemical das Recht, die Preferred Stcokks in ganz normale Aktien umzuwandeln, wenn ihr Aktienpreis für 20 Tage innerhalb einer Periode von 30 Tagen oberhalb von 53,72 USD schließt. Dabei würde Buffett 62,6 Mio. Stammaktien erhalten zu einem festgelegten Bezugspreis von 41,32 USD. Was ihn zu einem der größten Aktionäre von Dow Chemical machen würde.
     
  • Goldman Sachs
    2008 bereits griff Buffett Goldman Sachs unter die Arme durch eine ebensolche in zwei Teile strukturierte Transaktion, die später auch als Blaupause für den BoA-Deal diente. Für 5 Mrd. USD kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks" und "Warrants", die es ihm erlaubten, für 5 Mrd. USD Goldman Sachs-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von 115 USD je Aktie.

    Doch fünf Jahre später stand die Aktie bereits bei 160 USD und beide Seiten einigten sich auf eine Lösung, die die Aktienzahl nicht zu sehr in die Höhe treiben und somit die Anteile der übrigen Aktionäre zu stark verwässern würde. Anstatt dass Buffett 43,5 Mio. Aktien zu 115 USD kaufte, übertrug ihm Goldman Sachs 13,1 Mio. Aktien - und zwar unentgeltlich. Netto lief das damals auf dasselbe Ergebnis hinaus.

    Die inzwischen auf rund 12.6 Mio. Aktien reduzierte Position in Buffetts Portfolio hat ihn also unter dem Strich keinen Penny gekostet!
     
Heinz Ketchup
Und dann ist da natürlich noch sein Paket an Heinz Ketchup, das über 11 Mrd. USD wert war, als Buffet zusammen mit dem brasilianischen Finanzinvestor 3G das Unternehmen schluckte und von der Börse nahm. Nach Vollzug der Übernahme von Kraft Foods und der Verschmelzung der beiden zur neuen "The Kraft Heinz Co." wird dieses neue börsennotierte Unternehmen dann allerdings in der Auflistung des 13F-Formulars auftauchen.

Was nach Quartalsende noch geschah...
Im dritten Quartal gab es bereits zwei nennenswerte Veränderungen. So hat Buffett jüngst die vollständige Übernahme des Raum- und Luftfahrtzulieferers Precision Castparts für 37,2 Mrd. USD verkündet und seine Aktien der Symetra-Versicherung verkauft und das Geld eingestrichen, das der japanische Lebensversicherer Sumitomo Life dafür auf den Tisch legt.

Einschätzung
Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste. Allerdings seit einiger Zeit nur noch als Halteposition, weil die starke Abhängigkeit vom Versicherungsgeschäft meines Erachtens immer größere Risiken birgt. Und über diese Sparte sagte Buffet kürzlich selbst, dass sie in den nächsten Zehn Jahren "nicht mehr so gut laufen werde wie in den letzten 30 Jahren". Die soeben vorgelegten Zahlen zum 2. Quartal geben hierzu einen ersten Vorgeschmack. Ich bewerte es daher positiv, dass Buffett sein Exposure in diesem Bereich reduziert.


Berkshire Hathaways Portfolio (Quelle: http://warrenbuffettstockportfolio.com)

Börsenweisheit der Woche 33/2015

"Die Börse ist ein Orientierungspunkt, ob Investoren zu Dummheiten bereit sind. Wenn wir Aktien kaufen, investieren wir in Unternehmen".
(Warren Buffett)

Freitag, 14. August 2015

Warren Buffett reduziert seine Versicherungsaktien

Value Investor Warren Buffet liebt Versicherungswerte, in seiner Beteiligungsholding Berkshire Hathaway wimmelt es nur so von ihnen. Neben den (nicht mehr börsennotierten) 100-Prozent-Tochtergesellschaften Geico (Autoversicherungen) und General Re (Rückversicherung), die beide voll bei Berkshire konsolidiert werden und Buffett so Milliarden an Cashflow einspielen, das er für Unternehmenszukäufe nutzen kann, hält er auch viele Minderheitsbeteiligungen an Versicherungskonzernen, darunter die Munich RE und die Swiss RE.

Aufgrund der sich immer weiter eintrübenden Aussichten für die Versicherungsbranche, sowohl was das klassische Lebensversicherungsgeschäft angeht, aber auch den Bereich der Rückversicherungen, hatte ich schon einmal darüber spekuliert, ob Buffett nicht bald beginnen würde, seine Rückversicherungsaktien aus dem Depot zu schmeißen, insbesondere seine europäischen Finanzbeteiligungen. Bisher gibt er hierfür keine Anzeichen, denn anders als seine US-Beteiligungen muss Buffett seine sonstigen Engagements nicht in seinen quartalsweise vorzulegenden SEC-Berichten ausweisen.

 Berkshire Hathaway, B-Aktie (Quelle: comdirect.de)
Buffett steigt bei Symetra aus
Doch in einem anderen Bereich verkauft Buffett nun seine Versicherungsanteile gegen Bares, denn der japanische Versicherungskonzern Sumitomo Life will den US-Konzern Symetra für eine Gesamtsumme von 3,8 Mrd. USD schlucken und zu seinem Standbein in den Vereinigten Staaten machen. Auch Investorenlegende Warren Buffett, der über seine Holding Berkshire Hathaway bisher 17 Prozent der Symetra-Anteile kontrolliert, und der zweite Großaktionär White Mountains stimmen dem Deal zu. Den Symetra-Aktionären bietet Sumitomo für jeden ihrer Anteilsscheine 32,50 USD, davon entfallen 50 Cent auf eine Sonderdividende. Buffett wird für seinen Anteil also 646 Mio. USD erhalten - in bar. Somit reduziert er "elegant" sein versicherungslastiges Geschäft und streicht noch eine schöne Prämie auf seine ursprüngliche Investition ein.

Einschätzung
Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste. Allerdings seit einiger Zeit nur noch als Halteposition, weil die starke Abhängigkeit vom Versicherungsgeschäft meines Erachtens immer größere Risiken birgt. Und über diese Sparte sagte Buffet kürzlich selbst, dass sie in den nächsten Zehn Jahren "nicht mehr so gut laufen werde wie in den letzten 30 Jahren". Die soeben vorgelegten Zahlen zum 2. Quartal geben hierzu einen ersten Vorgeschmack. Ich bewerte es daher positiv, dass Buffett sein Exposure in diesem Bereich reduziert.



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MAX Automation läuft wie geschmiert

Die MAX Automation AG ist eine international agierende Beteiligungsgruppe mit den Kernsegmenten Umwelttechnik und Industrieautomation. Sie verfügt aktuell über 7 Beteiligungsunternehmen, von denen 2 dem Bereich Umwelttechnik zuzuordnen sind und notiert seit einigen Monaten im Prime Standard der Frankfurter Börse.

Neuer Ankerinvestor gibt die Richtung vor
Seit etwa zwei Jahren gehört die M.A.X. Automation zur Günther-Gruppe und damit zum Imperium einer der reichsten Familien Deutschlands - sie halten 29,9% der Anteile. Seit diesem Einstieg läuft die Fokussierung auf die beiden Kernbereiche, um die MAX als High-Tech-Automatisierungsspezialisten zu positionieren. Nicht zu diesem Kernbereich gehörende Tochterunternehmen wurden veräußert, andere hinzugekauft. Aus der Umweltsparte steht die altmayerBTD GmbH zum Verkauf.

Industrieautomation
  • AIM-Assembly in Motion GmbH (Anlagen für Motorenkomponenten wie Zylinder- und Kurbelgehäuse sowie Reinigungsanlagen, Prüf- und Montageanlagen)
  • bdtronic GmbH (Dosiertechnik)
  • IWM Automation GmbH (Spezialist für den Sondermaschinenbau für Automobilindustrie)
  • NSM MAGNETTECHNIK GmbH (führender Systemanbieter von Handlings- und Automatisierungsanlagen)
  • Mess- und Regeltechnik Jücker GmbH (mess- und regeltechnische Anlagen)

Umwelttechnik
  • Vecoplan AG (Maschinen und Anlagensysteme für die Zerkleinerung, Förderung und Aufbereitung von Primär- und Sekundärrohstoffen, wie Holz und Pellets)
  • altmayerBTD GmbH (Pionier in der modernen Behältertechnik)

Insgesamt ist die MAX somit stark im zyklischen Maschinenbau tätig und hat als Hauptabnehmer die Automobilbranche, was sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt.

Das Zahlenwerk
Aufgrund der Umstrukturierung der Unternehmensgruppe, also mehreren Zu- und Abgängen im Beteiligungsportfolio, ist es nicht einfach, die aktuellen Zahlen mit den Werten aus den Vorjahren zu vergleichen. Und der "typische" Geschäftsverlauf lässt aufgrund der üblichen Saisonalität des MAX Automation-Geschäfts erwarten, dass mit den wesentlichen Umsatz- und Ergebnisbeiträgen in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen ist.

 M.A.X. Automation (Quelle: comdirect.de)
Die zum Halbjahr vorgelegten Zahlen können dennoch sich sehen lassen. Nach dem guten Jahresauftakt in den ersten drei Monaten verzeichnete man im zweiten Quartal eine zunehmende Geschäftsdynamik. Der konsolidierte Auftragseingang des Konzerns nahm in den ersten sechs Monaten um 9,5% auf 176,0 Mio. EUR zu (Vorjahreszeitraum: 160,7 Mio. EUR). Davon entfielen 85,1 Mio. EUR auf das zweite Quartal. Der Orderbestand per 30. Juni 2015 lag mit 163,5 Mio. EUR um 7,8% über dem Wert Vorjahreswert und die Book-to-bill-Ratio lag mit 1,03 ebenfalls über Vorjahresniveau. Der Konzernumsatz stieg um 4,3% auf 170,5 Mio. EUR (163,4 Mio. EUR). Das Periodenergebnis drehte auf den positiven Wert von 2,3 Mio. EUR nachdem im Vorjahreshalbjahr noch ein Verlust von 0,4 Mio. EUR zu verzeichnen war.

Das Eigenkapital per 30. Juni 2015 lag aufgrund der Ende Juni beschlossenen Dividendenzahlung für das Jahr 2014 (4,0 Mio. EUR) mit 98,3 Mio. EUR leicht unter dem Vorjahreswert, die Eigenkapitalquote blieb dennoch mit soliden 32,0 % über der angestrebten Mindestmarke von 30%. Die Nettoverschuldung konnte weiter reduziert werden und lag zur Jahresmitte mit 52,4 Mio. EUR um rund 23,0 Mio. EUR unter Vorjahresniveau.

Doch am Ende zählt, was unter dem Strich übrig bleibt: Mit 7,6 Mio. EUR konnte die MAX Automation das operative Konzernergebnis (EBIT) vor PPA-Abschreibungen (Purchase Price Allocations) im Periodenvergleich mehr als verdoppeln (erstes Halbjahr 2014: 3,6 Mio. EUR). Im zweiten Quartal erhöhte sich das EBIT vor PPA um 9,2% auf 5,8 Mio. EUR (5,3 Mio. EUR). Das EBIT nach PPA belief sich im ersten Halbjahr 2015 auf 5,3 Mio. EUR und damit auf mehr als das Dreifache des Vorjahreswerts von 1,6 Mio. EUR. Davon entfielen 4,6 Mio. EUR auf das zweite Quartal (Q2 2014: 4,4 Mio. EUR).

Die Geschäftsentwicklung des ersten Halbjahres liegt voll im Rahmen der eigenen Erwartungen des Unternehmens und folgerichtig bestätigte der Vorstand vor diesem Hintergrund die wirtschaftlichen Ziele für das Gesamtjahr 2015. Er geht unverändert von einem Konzernumsatz in der Spanne von 360 bis 380 Mio. EUR und von einem Konzern-EBIT vor PPA-Abschreibungen zwischen 20 und 22 Mio. EUR aus.

Neue Konzernfinanzierung senkt die Zinslast beträchtlich
Neben den operativen Fortschritten kommt die MAX auch in anderen Bereichen voran. So wurde Mitte Juni die neue Finanzierungsstruktur vermeldet, bei der fünf namhafte Banken unter Führung der Commerzbank einen Konsortialkredit im Gesamtvolumen von 150 Mio. EUR zur Verfügung stellen. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre und enthält mehrere Optionen zur Verlängerung des Kredits. Aus dieser neuen Finanzierungsstruktur in Verbindung mit einem verbesserten Working Capital-Management solle eine Reduzierung der Zinsaufwendungen von bis zu 1 Mio. EUR pro Jahr resultieren mit entsprechend positiven Auswirkungen auf die Ertragslage der Gesellschaft.

Ausblick
Die Zahlen belegen, dass die MAX auf einem guten Weg ist. Dabei war sie in der Vergangenheit eher als margenschwach einzustufen und der Vorstand hat das erklärte Ziel, diese Margen deutlich zu verbessern. Ohne Abschreibungen aus Kaufpreisallokationen lag die operative Marge 2014 bei 5,8% und soll 2015 auf  bis zu 6% steigen. Ab 2016 soll sich die Profitabilität dann weiter verbessern. Dies soll auch gelingen, indem man "Verbundeffekte" zwischen den einzelnen Tochterunternehmen besser nutzt, zum Beispiel durch einen gemeinsamen Einkauf. Des Weiteren wird neben dem geplanten Verkauf der altmayerBTD über sinnvolle margenverbessernde Zukäufe nachgedacht.

Fazit
Die MAX Automation befindet sich seit Ende Juni auf meiner Empfehlungsliste und entwickelt sich prächtig. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung in China und hier insbesondere des Automobilsektors halten den Aktienkurs noch an der kurzen Leine, ansonsten dürfte er der positiven operativen Geschäftsentwicklung folgen. Mit einem 2016er KGV von 10 und einer Dividendenrendite von annähernd 3% steht die Aktie trotz des jüngst erreichten Kurshochs mittelfristig vor neuen Höchstkursen. Das historische Allzeithoch aus dem Jahr 1999 lag bei 6,88 EUR und ist damit nicht in unerreichbarer Ferne.