Es war eine eine heftige Börsenwoche, nachdem Donald Trump am letzten Wochenende die feindliche Übernahme Grönlands zum Ziel erklärte und Strafzölle gegen Dänemark und die NATO-Partner und EU-Staaten verkündete, die daraufhin jeweils eine Handvoll Soldaten zur Erkundung der Situation vor Ort entsandt hatten. Die Börsen taumelten, auch wenn sie sich besser schlugen als die Male zuvor, als Trump die Zollkeule rausholte und wild um sich schlug.
Es folgte das übliche Trump-Strafzoll-Playbook:
- Am Freitag veröffentlicht Trump eine kryptische Botschaft, die Zölle für ein bestimmtes Land oder einen bestimmten Sektor ankündigt. Die Märkte geben nach, da die Unsicherheit steigt. Dies begann am Freitag, als Trump mit Zöllen gegen Dänemark drohte.
- Später am selben Tag oder kurz danach (in diesem Fall am Samstag) kündigt Trump einen neuen hohen Zollsatz an, oft 25 % oder mehr.
- Am Samstag und Sonntag wiederholt Trump seine erhöhten Zollandrohungen, um Druck auszuüben, während die Märkte geschlossen sind. Damit maximiert er die psychologische Wirkung.
- Über das Wochenende reagieren die von den neuen Zöllen betroffenen Länder in der Regel öffentlich oder signalisieren Verhandlungsbereitschaft.
- Am Sonntagabend, wenn die Terminmärkte wieder öffnen (in diesem Fall am Montagabend), fallen die Aktienmarkt-Futures als erste emotionale Reaktion auf die Schlagzeilen zu den Zöllen.
- Am Montag und Dienstag übt Trump weiterhin öffentlich Druck aus, aber die Anleger beginnen zu erkennen, dass die Zölle noch nicht in Kraft getreten sind und erst Wochen später, beispielsweise am 1. Februar, in Kraft treten sollen.
- Am Mittwoch derselben Woche treten Käufer auf den Plan, um den Dip zu kaufen, und lösen damit eine Erholungsrallye aus, die jedoch oft nur von kurzer Dauer ist und meistens von einem weiteren Rückgang gefolgt wird. In der Regel beginnt das "Smart Money" an dieser Stelle mit dem Kauf.
- Am folgenden Wochenende, etwa eine Woche später, gibt Präsident Trump bekannt, dass Gespräche im Gange sind und er mit den Staats- und Regierungschefs der von den Zöllen betroffenen Länder an einer Lösung arbeitet.
- Am Sonntagabend dieses Wochenende eröffnen die Futures aufgrund der zurückkehrenden Zuversicht deutlich höher, aber die Gewinne schwinden mit der Eröffnung des Kassamarktes am Montag.
- Nach der Eröffnung am Montag treten hochrangige US-Regierungsbeamte wie Finanzminister Bessent live im Fernsehen auf, um die Anleger zu beruhigen und die Fortschritte bei den Verhandlungen zu betonen.
- In den nächsten zwei bis vier Wochen geben verschiedene Mitglieder der Trump-Regierung weiterhin Hinweise auf Fortschritte bei den Verhandlungen über ein Handelsabkommen.
- Ein Handelsabkommen wird angekündigt und die Märkte erreichen neue Rekordhöhen.
- Wiederholung von Schritt 1.
Diesmal ging das alles im Zeitraffer, weil die meisten Regierungschefs beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos aufeinandertrafen und miteinander redeten. Und Trump hat zum ersten Mal eine annähernd geschlossene Front der EU-Länder gegen sich gehabt, die darüber hinaus noch mit einer Handels-Bazooka winkten - die EU ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner der USA und sollte die EU den Zugang der US-Unternehmen zu ihrem Markt deutlich beschränken, würde das in den USA zu einem massiven Jobabbau führen (und natürlich auch die EU-Staaten empfindlich treffen, aber Trump interessiert alleine die Wirkung auf die USA und seine immer weiter schwindenden Chancen im Hinblick auf die Zwischenwahlen im November).
Darüber hinaus brachte ein Analyst der Deutschen Bank noch die Finanz-Bazooka ins Spiel. Die EU-Länder kaufen und halten einen erheblichen Teil der US-Staatsanleihen, die das wachsende Budgetminus der USA finanzieren. Die EU-Länder könnten nicht nur den Kauf weiterer Anleihen unterlassen, sondern auch die bestehenden auf den Markt schmeißen. Das würde den Preis für alle US-Staatanleihen massiv einbrechen lassen und im Gegenzug die Zinsen extrem in die Höhe treiben. Egal für die bestehenden Anleihen, aber bei der Ausgabe neuer Schuldtitel würde sich deren Zinscoupon am Niveau der bestehenden orientieren. Bang! Im Grunde ist das viel mehr als eine Bazooka, es ist die Finanz-Nuklear-Option. Denn die darauf folgende Erschütterung des globalen Finanzsystems würde auch die EU-Länder, ihre Börsen und nachgelagert ihre Wirtschaft heftig treffen. Wie bei Nuklearwaffen üblich würden alle verlieren. Aber Trumps Panzer zeigte empfindliche Schwachstellen und er drohte umgehend mit... Strafzöllen.
Übrigens: den größten negativen Effekt erzielte Trump damit, dass er mehrfach betonte, die USA hätten noch nie von der NATO-Mitgliedschaft profitiert. Und auf die Unterstützung der Partner in Afghanistan (und im Irak) erklärte Trump schlicht, die hätten sich ja nur in zweiter Reihe aufgehalten und sich hinter den US-Streitkräften versteckt, "doing nothing for America since 9/11". Und damit hat er eine (emotionale) Grenze überschritten und alle gegen sich aufgebracht.
Während diese "Nichtstuns" hatten die beteiligten NATO-Partner folgende Gefallene zu beklagen:
- Großbritannien: 636
- Kanada: 160+
- Frankreich: 90
- Italien: 86
- Polen: 74
- Deutschland: 62
- Dänemark: 50
- Spanien: 46
- Australien: 43
- Niederlande: 27
- Tschechien: 15
- Estland: 11
- Norwegen: 10
Trumps Respektlosigkeit gegenüber den gefallenen Soldaten und ihrem Engagement an der Seite ihrer US-Verbündeten hat auch gewaltige Empörung unter den Ländern ausgelöst, die bisher wenig trumpkritisch aufgetreten waren.
Weitere Dümmlichkeiten waren vergleichsweise lächerlich. Dass Trump Grönland und Island ständig verwechselte oder dass er der Schweiz erklärte, ohne das Eingreifen der USA im Zweiten Weltkrieg würden man in der Schweiz heute Deutsch sprechen - was der größte Teil der Schweiz tut, aber nicht erst seit 1939, sondern seit Jahrhunderten (Deutsch ist die meistgesprochene Sprache in der Schweiz vor Französisch).
Trump entmystifiziert sich also zunehmend selbst, aber das macht ihn natürlich nicht weniger gefährlich. Die USA sind die stärkste globale Militärmacht, Wirtschaftsmacht und verfügen über die mit Abstand größte Finanzkraft. Trump wird immer öfter zum Verlierer, aber er hat die Macht, auch alle anderen verlieren zu lassen. Und in einer globalen Schlacht nur zweiter Verlierer zu sein, ist keine erstrebenswerte Aussicht. Insofern versuchen sich alle immer wieder zu beruhigen.
Dabei ist die Earnings Season inzwischen in Gang, auch wenn die Unternehmensergebnisse des 4. Quartal 2025 momentan wenig(er) Aufmerksamkeit finden. Mit Spannung wird vor allem erwartet, wie sich die KI-Hyperscaler schlagen und ob der KI-Boom Ermüdungserscheinungen zeigt. Mit Apple, Microsoft, Meta und Tesla legen vier der Mag7 vor, eine Woche später folgen noch Amazon und Alphabet. Wie hoch war ihr Capex und wird die KI-Party weiter befeuert? Und wie gestalten sich die Einnahmen aus diesen KI-Investments? Entwickeln sich hier tragfähige und profitable Businessmodelle? Und bei wem? Das sind die Fragen zum vierten Quartal, aber natürlich wird der Ausblick auf das laufende erste Quartal und die weiteren Perspektiven noch mehr darüber entscheiden, wie es mit den Aktienkursen weitergeht - und den Börsen insgesamt, denn die Mag7 dominieren in bisher ungekanntem Ausmaß den S&P 500 und auch den MSCI World.
Es gibt eben keine Chancen ohne Risiken. Aber auch keine Risiken ohne Chancen.
Der
Fear-and-Greed-Index ist von 62 auf 52 Punkte zurückgegangen. Er hat damit das "Gier-Territorium" wieder verlassen und zeigt sich nun wieder "neutral".
Nun der Blick in mein Depot, das in dieser Woche die Gewinne der Vorwoche wieder abgeben musste - und noch etwas mehr. Ich habe kürzlich meinen Jahresrück- und -ausblick veröffentlicht, in dem ich die allgemeinen Entwicklungen aufgegriffen habe. Die spiegeln sich auch überwiegend in meiner Depotaufstellung wider; in meinem Investor-Update zum 4. Quartal 2025 bin ich detailliert auf meine größten Depotposition eingegangen und was hinter den Veränderungen bzw. der neuen Gewichtung steckt.
Im Grunde haben die Gewinner der Vorwoche ihre Gewinne wieder abgegeben und sogar etwas mehr. Finanzinvestoren gaben stärker ab als KI-Schaufelverkäufer, aber auch Rüstungswerte schwächelten und ebenso Luft- und Raumfahrtwerte.
Während die Exit-Pipeline bei den Finanzinvestoren
in den letzten Jahren etwas verstopft war, hellt sich die Lage hier zusehends
auf. Dem entsprechend winken deutlich zunehmende Provisionserlöse aus
Verkäufen, was die Gewinne antreiben dürfte. Bisher kamen die Steigerungen
überwiegend durch das Wachstum der Assets under Management, doch das
Wachstumstempo ließ zuletzt nach – weil die Finanzinvestoren ihren Anlegern
nicht genügend altes Investmentkapital zurückzahlten, da es noch in Assets
gebunden war, hielten die sich mit der Zusage neuer Gelder spürbar zurück.
Zudem sanken die durchschnittlichen Provisionssätze, was Kritiker als Red Flag
ansehen. Doch der Trend geht Richtung größerer Fonds und dort sind die Gebühren
per se niedriger – wie auch die Kosten für die Asset Manager. Daher sinken ihre
Margen also nicht, obwohl die Provisionssätze niedriger liegen als früher.
Insgesamt behaupten sich die Großen der Branche deutlich besser als die Kleinen
und mit Apollo, Brookfield und KRR sehe ich mich hier genau richtig
positioniert für deutlich zweistellige Zuwachsraten auch in den nächsten
Jahren.
Dabei zeigt sich KKR weiterhin
besonders aktiv im Bereich Private Equity. So hat man seine Beteiligung an OneStream
für 24 USD je Aktie an die Private-Equity-Gesellschaft Hg verkauft und damit zu
einem Gesamtkapitalwert von rund 6,4 Mrd. USD. Damit erzielt KKR eine interne
Bruttorendite von 24,9 % auf Basis seiner ursprünglichen Investition in
OneStream im Jahr 2019. KKR hat damit in relativ kurzer Zeit sein eingesetztes
Kapital verviereinhalbfacht; die Investition erfolgte über KKRs Fonds Americas
Fund XII und Next Generation Technology, die beide eine starke Performance
gezeigt haben. So liegt die Netto-IRR des Americas Fund XII bei 19,9 % und die
des NGT-Fonds bei 23,7 %. KKR als Asset Manager erzielte hieraus die stetigen
Managementprovisionen und nun auch eine Gewinnbeteiligung.
Solche Erfolge bleiben nicht ohne
Wirkung und so vermeldet KKR, man werde wohl sein Ziel von 20 Mrd. USD für
seinen neuen Flaggschiff-Private-Equity-Fonds für Amerika übertreffen und peilt
nun eher 22 Mrd. USD für den North America Fund XIV an.
Während man in Asien gerade 2,5 Mrd.
USD für seinen zweiten auf Asien ausgerichteten Private-Credit-Fonds eingeworben
hat, liegt der Investitionsschwerpunkt nun auf Europa. RDer deutsche Energieriese RWE erhielt den
Zuschlag für die beiden neuen britische Nordsee-Windparks Norfolk Vanguard East
und West und verkauft die Hälfte davon an KKR. Des Weiteren investiert man
gemeinsam mit Oak Hill Capital in Global Technical Realty, eine
milliardenschwere europäische Plattform für maßgeschneiderte Rechenzentren; KKR
übernimmt rund 1,5 Mrd. USD, Oak Hill gut 400 Mio. USD. Zudem erhöht KKR seine
Beteiligung an dem kommerziellen Flugzeug-Leasingunternehmen Altavair und
dessen Schwesterunternehmen AV AirFinance.
Bei KI-Rechenzentren mischt auch Apollo
mit und stellt eine Finanzierung von 3,5 Mrd. USD für Valor Compute
Infrastructure zur Verfügung, um deren Kauf und Leasing von Recheninfrastruktur
für Rechenzentren für Elon Musks xAI im Wert von 5,4 Mrd. USD zu unterstützen.
Rocket Lab litt unter einem negativen Testergebnis zu seiner neuen Neutron-Rakete. Bei Überbeanspruchung eines Tank hielt dieser nicht stand - dafür sind Tests ja da. Es sollen mögliche Fehlerquellen frühzeitig ausgemerzt werden, damit später bei den Starts im Regelbetrieb nichts schiefgeht. Aber der Kurs preist so viel Zukunftsoptimismus ein, dass
kein Platz für Fehlschläge ist. So betrachtet hat sich der Kurs ziemlich wacker gehalten.
Costco meldete für den Einzelhandelsmonat Dezember einen Anstieg der vergleichbaren Umsätze um 7,0 %. Der vergleichbare Umsatz im E-Commerce stieg in dem Monat, in dem auch die Weihnachtsausgaben enthalten sind, um 18,9 %. Der Gesamtumsatz für den vierwöchigen Zeitraum bis zum 31. Dezember stieg um 8,5 % auf 29,9 Mrd. USD und lag damit deutlich über dem Durchschnitt des Einzelhandelssektors. Die nächste Quartalsdividende wird wieder 1,30 USD je Aktie betragen und am 13. Februar gezahlt; Ex-Dividendentag ist der 30. Januar.
Interessant, dass du dich so intensiv mit Donald Trump beschäftigst, obwohl du ihn ja offensichtlich nicht magst. Ich hätte gar nicht die Zeit dafür.
AntwortenLöschenDiese Äußerung kann ich nicht mal ansatzweise nachvollziehen. Selbstverständlich beschäftige ich mich mit Don Trump und es spielt dabei überhaupt keine Rolle, ob ich ihn leiden kann, oder für dumm halte, oder einen Spinner oder Rassisten oder Vergewaltiger oder Pädophilen oder Gottes Geschenk an die Welt. Trump hat größte Relevanz, weil er der amtierende US-Präsident ist. Relevanz für die USA, Europa, die Welt, die Wirtschaft, den Welthandel, die globale Sicherheitslage. Für alles. Sich nicht mit Trump und seinen Auswirkungen auf diese Faktoren zu beschäftigen, wäre geradezu fahrlässig - nicht nur im Hinblick auf das eigene Wertpapierdepot.
LöschenGute Antwort!
LöschenVolle Zustimmung!
LöschenWas ist daran interessant, wo du doch gar keine Zeit hast, dich mit der aktuellen politischen Weltlage zu "beschäftigen"?
LöschenGeschichte wiederholt sich und aktuell mal wieder lesenswert
Löschenhttps://de.wikipedia.org/wiki/War_Is_a_Racket
Was hältst du aktuell von Novo Nordisk? Ergibt sich hier aktuell eine gute Chance zum Einstieg?
AntwortenLöschenJa
LöschenSeit wann betreibt Almonty den Regelbetrieb mit Abbau in der Sandong Mine?
AntwortenLöschenMir ist das Neu. Nach meiner Kenntnis hat Almonty sehr Werbewirksam im Dezember 25 eine Ladung Erz in ein Zwischenlager befördert. Mehr nicht. Wurde ja super gehypt. Dann bring uns bitte auf den aktuellen Stand mit dem Betrieb. Wieviel wird aktuell im Betrieb gefördert?
Natürlich wird Rocket Lab Tests auswerten und bewerten. Falls das zur Folge , dass der Start der neuen Rakete verschoben oder abgesagt wird, wird das nach meiner Ansicht schon Auswirkungen auf den Kurs haben. Rocket Lab redet das nach meiner Ansicht schön (Tests sind Tests). Ich als Investor werde da hellhörig.
Gruß Michael
Du schreibst von volatilen Börsen. Ich beobachte bei mir und in meinem Bekanntenkreis (deutlich) mehr Aktivität an der Börse. Ich denke, dieses Jahr werden Börsenbetreiber sehr hohe Umsätze und steigende Gewinne aufweisen.
AntwortenLöschenInsbesondere die dt. Börse ist ja etwas zurückgekommen, hat zusätzlich hohe wiederkehrende Einnahmen und stellt sich mit dem aktuellen Zukauf noch breiter auf.
Hast du dazu eine Meinung Michael?
Die Börsen werden volatiler, das stimmt. Und die Umsätze steigen. Allerdings kann ich nicht wirklich einschätzen, ob bzw. wie viel Zuwachs hier von Privatanlegern stammt oder ob die nicht immer öfter nur zu ETFs greifen. Unsicher bin ich mir beim Thema KI bzw. Agentic Commerce - wenn KI das Shoppen übernimmt und zwar vorbei an den Shopping-Plattformen (Ebay hat soeben angekündigt, keine KI-Shop-Agenten zuzulassen), dann könnte KI auch Aktien- und ETF-Handel betreiben, ohne das über eine Börse abwickeln zu müssen.
LöschenIst bisher nur so ein Gedanke, den ich noch nicht richtig greifen kann. Wie so vieles, was mit KI zusammenhängt. Vielleicht hast du ja dazu eine Idee? Kann KI disruptiv auf Handelsplätze wirken?
Also Algos handeln ja jetzt schon große Beträge hin und her. Sie werden sicher weiterentwickelt und KI integrieren. Aber auch deren Transaktionen müssen ausgeführt und bezahlt werden.
LöschenWo ich disruptives Potenzial sehe ist die Tokenisierung. Schlanke, quasi Instant-Tranaktionen 24/7. Das wird sicher ein bedeutender Schritt für den Kapitalmarkt. Kosten gehen runter und Assets wie Kunst, Oldtimer und Immobilien werden an der Börse leicht handelbar. Der Handelsplatz, der das schnell und erfolgreich integriert, wird sicher seinen Schnitt machen.
Hallo Michael,
AntwortenLöschenLendingclub hat die Q4 Zahlen präsentiert.
Trotz guter Entwicklung und aussichtsreicher Zukunft schmiert der Kurs nun ab.
Ist das Ausscheiden eines Vorstandsmitglieds wirklich dafür verantwortlich?
Oder steckt etwas mehr dahinter?
Bin wie immer auf deine Einschätzung gespannt.
LG
Ich denke, es steckt viel weniger dahinter. ;.) Der Kurs von LendingClub ist ja bereits unmittelbar nach Veröffentlichung der Zahlen (nachbörslich) eingebrochen und was sich die Algos da gedacht haben, weiß ich nicht. Die Anleger laufen dem Trend hinterher und wen der nach unten zeigt, wittern sie Schlimmes - und verkaufen, was den Kurs weiter drückt. Eine fundierte Erklärung, weshalb sie verkaufen, können die meisten nicht liefern.
LöschenDie Zahlen waren top und haben alle Prognosen sogar noch übertroffen. Auch die Prognosen für Q1/26. Der Wechsel im Board dürfte kaum eine Rolle spielen. Motley Fool spekuliert, es ginge um die veränderten Buchungsmodalitäten. LendingClub will künftig alle Kredite in seiner Bilanz als "zu verkaufen" klassifizieren, weil dann ggf. weniger Kreditverlustvorsorge getroffen werden muss (die ollen CECL-Rückstellungen); die Kredite werden künftig also eher zum Markt- bzw. Risikowert bewertet. Das dürfte den Rückstellungsumfang reduzieren und mehr Geld für weitere Kreditvergaben freimachen. Da Rückstellungen die Gewinne schmälern, jedenfalls bis sie aufgelöst werden, könnten einige Anleger nun darauf gewartet haben, dass LC die Prognosen anhebt. Hat man aber nicht. Daher meint Motley Fool, könnten einige enttäuscht gewesen sein. Ist aber auch nur Kaffeesatzleserei. Und letztlich völlig unwichtig!
Entscheidend ist doch, dass es weiterhin total rund läuft bei und für LendingClub. Es steigen zwar auch die Marketingaufwendungen, aber weniger stark als die Umsätze/Gewinne. Die Aktie wird mit etwa dem zehnfachen Gewinn bewertet, das ist angesichts des Wachstums geradezu lächerlich...
Hallo Herr Kissig, ist die aktuelle Kursschwäche bei KKR eine Chance zum Einstieg?
AntwortenLöschenLG
Sabine
Moin Sabine,
LöschenKKR stellt aus meiner Sicht eine tolle Gelegenheit dar. Die Geschäfte laufen stark, aber das Sentiment für den ganzen Sektor ist eher negativ. Das drückt die Bewertung und den Kurs. Da dürfte sich ordentlich Potenzial aufstauen (wobei ein Teil der Kursschwäche in Euro auch auf den schwachen Dollar zurückzuführen ist).
Quartalszahlen wird KKR am Donnerstag vorlegen. Was wir zu erwarten haben, kann man in etwa aus den Zahlen von Blackstone ablesen, die gerade berichtet haben.
Blackstone-CEO Stephen Schwarzman hob im Earnings Call „die besten Ergebnisse in der 40-jährigen Geschichte" hervor mit ausschüttungsfähigen Gewinnen von 1,75 US-Dollar je Aktie und krönte damit ein Rekordjahr mit einem Anstieg der ausschüttungsfähigen Gewinne um 20 % auf 5,57 US-Dollar je Aktie oder 7,1 Milliarden US-Dollar. Die Zuflüsse erreichten im vierten Quartal mit 71 Mrd. USD den höchsten Stand seit 3,5 Jahren und für das gesamte Jahr warb Blackstone 240 Mrd. USD ein. Das verwaltete Vermögen (AuM) stieg um 13 % gegenüber dem Vorjahr auf einen neuen Branchenrekord von fast 1,3 Billionen USD.
Nun ist BX nicht direkt mit KKR vergleichbar, weil BX ein reiner Asset Manager ist und KKR ja auch noch teilweise die Investments in der eigenen Bilanz hat, aber der Trend (steigende AuM, sprudelnde Provisionen, wieder anziehende Exits und insgesamt ein sich verstärkender Dealflow) sollten auch KKRs Geschäfte beflügelt haben und weiter antreiben.
Die Dividende spielt bei KKR keine so große Rolle. Während Blackstone einen erheblichen Teil seiner "distributable Earnings" ausschüttet und daher die Dividenden teilweise deutlich schwanken, zahlt KKR ja eine feste (und eher niedrige) Quartalsdividende. Die einbehaltenen Gewinne werden wieder in eigene Investments gesteckt. Auch das ist ein Unterschied in der Geschäftspolitik.
Unterm Strich ist und bleibt KKR eines meiner bevorzugten Langfristinvestments. Auch Anfang 2022 während der "kleinen Finanzkrise" waren die Aktie der Finanzinvestoren nicht angesagt, obwohl die Geschäfte relativ gut liefen. Danach gab es massive Kurszuwächse, nachdem die Börse erkannt hat, dass sie es übertrieben hatte mit ihren Sorgen. Wenn nun der nächste Fed-Chef die Zinsen in den USA deutlicher senken wird, spielt das den Alternativen Asset Managern zusätzlich in die Karten (weil der "sichere" Zins für US-Anleihen sinkt und damit Alternativen attraktiver werden).
Herzlichen Dank, für die ausführliche Antwort und viele Grüße
LöschenSabine
Hallo Michael, bist du auch schon gespannt auf die Zahlen von KKR? Den aktuellen Kursrutsch kann ich nicht nachvollziehen - v.a. haut KKR regelmäßig positive Unternehmensnews raus. 87 Euro für die Aktie sind geschenkt...Ich habe im Vorfeld mein Bestand ausgebaut. Viele Grüße Dirk
AntwortenLöschenMoin Dirk,
Löschenich erwarte keine großen Überraschungen bei den Q4-Zahlen von KKR. Interessant sollte der AuM-Zuwachs sein und was KKR zu seinen "Strategic Holdings" zu berichten hat (und dabei zum Impact von KI auf die Beteiligungen); ggf. muss man hierzu auf die Fragen der Analysten im Earnings Call warten. KKR ist ja hier mit eigenem Geld investiert und daher anders betroffen als ein reiner Asset Manager. Möglicherweise ist dieser Aspekt der Grund dafür, dass die KKR-Aktie zuletzt stärker verloren hat als die Wettbewerber.
Ich komme jedenfalls zu dem gleichen Schluss, dass 87 Euro unverschämt günstig sind...
Ich hab jetzt meine letzten Groschen zusammengekratzt und mir ein paar weitere KKR ins Depot gelegt. Unfassbar, wie 17 % profitables Wachstum vom Markt abgestraft werden. Das Compounding läuft...
LöschenHallo Michael, wie sieht es denn mit Chapters Group aus? Denkst du, dass die zurecht von der KI-Panik getroffen werden? Oder könnte man da auch nachkaufen?
LöschenIch tue mich schwer damit, die konkreten Auswirkungen von KI auf Softwarefirmen einzustufen. Adobe, Constellation Software, Roper Technologies oder CHAPTERS Group wurden kursmäßig kräftig runtergeprügelt, aber ich bin nicht davon überzeugt, dass dies eine "once in a liftime opportunity" ist. Ich habe dazu schlicht kein überzeugendes Empfinden. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass die früher üblichen hohen Bewertungsmultiples zu Recht eingedampft wurden, weil sich der Burggraben als nicht mehr so stark erwiesen hat. Aber wirklich überzeugt bin ich nicht. Und deshalb habe ich mich in diesem Sektor weitgehend zurückgezogen. Ich will ja nicht spekulieren/zocken, sondern mit Überzeugung auf aus meiner Sicht sichere Entwicklungen setzen. Und im Bereich Software sehe ich keine Sicherheit (mehr).
LöschenVielen Dank für deine Antwort, Michael. Sie tut zwar weh, aber hat mich jetzt auch darin bestätigt, endlich das zu tun, was ich schon länger hinausgezögert habe. Mit 20 % Minus und so vagen Aussichten auf Erholung fliegt Chapters Group jetzt auch leider aus meinem Depot. Es gibt noch andere Kandidaten im roten Bereich, die mir aber aussichtsreicher erscheinen, da wandert das Geld dann hin.
LöschenHallo Michael,
AntwortenLöschenwie erklärst du dir die hohen Sonderdividenden der letzten Jahre von TransDigm? Bzw. wie begründet/rechtfertigt das Management diese? Die lagen doch oberhalb der EPS und im Cash schwimmen wird das Unternehmen bei der Verschuldung doch auch nicht.
TransDigm zahlt keine regulären Dividenden. Man benötigt seinen Cashflow, um damit weitere Unternehmen zu kaufen - die erzeugen dann ja sofort wieder Cashflow und erhöhen den Gewinn des Konzerns. TransDigm erhöht dann seine Kredite, um den Kauf zu refinanzieren und wieder Cash zur Verfügung zu haben. Man weitet also die Bilanz "auf beiden Seiten" aus, sowohl auf der Vermögensseite (Zukauf) als auch auf der Finanzierungsseite (Kredit). Die zu zahlenden Kreditzinsen liegen dabei deutlich unterhalb des neu hinzugekommenen Cashflows/Gewinns.
LöschenDaher steht Cash für Ausschüttungen zur Verfügung und das nutzt TransDigm. Und da man alle paar eine Dividende Jahre ausschüttet, kann sie den Gewinn eines Jahres durchaus übersteigen - kein Problem.