Freitag, 6. September 2013

Deutschlands Bankenlandschaft stabilisiert sich

Spätestens seit der Finanzkrise, dem Zusammenbruch der HypoRealEstate (HRE), den vielen staatlichen Stützungsmaßnahmen für die IKB, die Commerzbank und die Landesbanken, hat wohl jeder begriffen, dass das Bankensystem in Deutschland anfällig war. Basel III soll es nun richten und die Banken bereiten sich seit Jahren darauf vor - mit Erfolg, wie die Ratingagentur Moodys nun bescheinigt. Die deutschen Banken profitierten von der robusten Wirtschaftslage in Deutschland, mit der eine geringere Anzahl von Privatinsolvenzen und Firmenpleiten einhergeht, und damit weniger Wertberichtigungs- und Abschreibungsbedarf auf Kredite entsteht. Und die Banken haben ihre Eigenkapitalbasis verstärkt, was sie weniger anfällig für Krisen macht.

Vom Eis ist die Kuh allerdings noch lange nicht. Moodys hebt seinen Ausblick für die deutschen Banken von "negativ" auf "stabil" und macht damit deutlich, in den nächsten 12 bis 18 Monaten keine Verschlechterung in diesem Sektor mehr zu erwarten. Eine so gute Perspektive gab es seit 2008 nicht mehr und es ist zu erwarten, dass das Licht am Horizont bald noch heller werden könnte, wenn weitere Großkrisen ausbleiben. Insgesamt ist dies eine gute Nachricht für den Wirtschaftsstandort Deutschland, nicht nur für seine Banken, denn er zeigt an, wie robust und sicher das System ist. Nicht umsonst hat Deutschland die Finanzkrise und die sich anschließende Euro- und Wirtschaftskrise so unbeschadet überstanden.

Mittwoch, 4. September 2013

Microsoft: die Chancen nutzen...

Vor gut einem halben Jahr habe ich über "Microsoft, das verkannte Value-Investment" geschrieben und nachdem sich in den letzten Tagen die Meldungen bei dem Dow-Jones-Wert geradezu überschlagen, habe ich gestern (erneut) zugeschlagen: 23,80 EUR - das ist der Kurs, zu dem ich heute Microsoft nachgekauft habe, mehr als 6 Prozent tiefer ggü. dem vorherigen Schlusskurs.

Nicht, weil ich davon überzeugt bin, dass Microsoft mit den NOKIA-Handys einen (schnellen) Erfolg feiern wird, sondern aus anderen Gründen: Steve Ballmer räumt den Chefsessel und Mircosoft wird an der Spitze neue Impulse erfahren. Dabei läuft das Kerngeschäft rund, die Spielekonsolen, Windows, Office und vor allem die Verankerung im Businessbereich spülen jeden Monat einen operativen Cashflow von gut 2,5 Mrd. USD in die Kassen, der Cash-Bestand in der Bilanz beläuft sich auf (nach dem Nokia-Kauf) rund 75 Mrd. USD bei nur 12 Mrd USD Schulden und der Jahresgewinn liegt nach Abschreibungen bei 20 Mrd. USD.

Für die NOKIA-Handysparte wurden 5,5 Mrd USD ausgegeben, das hat Microsoft in weniger als einem Vierteljahr wieder eingespielt - allerdings hat Microsoft auch alle dazugehörigen Patente von NOKIA übernommen und diese sind nicht zu unterschätzen, nachdem sich die Tech-Konzerne gerne gegenseitig vor den Kadi ziehen. Google hat übrigens für den Kauf der Motorola-Molbilfunk-Sparte inkl. der Patente gut das Doppelte bezahlt und Motorola hatte nie eine entsprechende Marktstellung wie früher Nokia und war auch nie technologisch führend.

Fazit: Microsoft ist weiterhin ein solides Tech-Basisinvestment mit hoher Dividendenrendite und niedrigem KGV, das über ein unglaubliches Franchise verfügt. Das wird noch lange schöne Erträge abwerfen und die Wandlung vom Software- zum integrierten Tech-Konzern und mit neuer Spitze bieten darüber hinaus zusätzliche Chancen...

Microsoft befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 2. September 2013

Börsenweisheit der Woche 35/2013

"Geduld ist die oberste Tugend des Investors."
(Benjamin Graham)

Dienstag, 27. August 2013

Niedrigzinsniveau gefährdet Lebensversicherer

Seit rund 30 Jahren sinken die Zinsen und haben ein historisch niedriges Niveau erreicht. Damit wollen die Notenbanken die Auswirkungen der Banken- und Staatsschuldenkrise eindämmen, aber die Mager-Zinsen haben auch negative Auswirkungen und zwar ganz massive.

So werden die Sparer schleichend enteignet, denn ihre Spargroschen bringen weniger Zinsen ein, als ihnen die Inflation an Wert entzieht. Die magere 1%-Zinsgutschrift muss man ggf. sogar noch versteuern, während man mit den 2,5% Geldentwertung alleine klar kommen muss.

Doch auch die Bausparkassen haben Probleme, ihre früheren Zinsversprechen einzuhalten und deutlich schlimmer steht es um die Lebensversicherer. Denn die haben in früheren Zeiten hohe Garantieversprechen bzgl. der Verzinsung abgegeben, die sie heute nicht mehr einhalten können. Denn seit 2003 investieren sie so gut wie gar nicht mehr in Aktien (die Versicherer sind also zu Tiefstkursen nach dem "Dot-Com-Crash" ausgestiegen), sondern sie setzen auf Anleihen, also festverzinsliche Wertpapiere. Was doppelt kritisch ist! Denn aufgrund der aktuellen Niedrigzinsen nehmen die Versicherer weniger Geld an Zinserträgen ein, als sie eigentlich ihren Kunden gutschreiben müssten. Daher suchen sie nach einträglicheren Einnahmequellen, wie Stromnetzen, Straßenbau, Mauteinnahmen. Und auf der anderen Seite lauert die große Gefahr des Zinsanstiegs, der verbunden ist mit einem Absinken der Anleihekurse (jedenfalls der börsennotierten). Das ist solange kein Problem, wie die Anleihe bis zum Laufzeitende gehalten und dann zu pari, also dem Nominalwert, zurückgezahlt wird. Teuer wird es allerdings, wenn vorher Liquiditätsbedarf besteht und die Anleihen vor dem Laufzeitende veräußert werden müssen - liegt dann Zinsniveau oberhalb des in der Anleihe verbrieften Nominalzinssatzes, notiert der Anleihekurs unter 100%, was bei einem Verkauf zu einem Kursverlust führt.

Doch zunächst versuchen sich einige Lebensversicherer, mit einem Trick über die Runden zu helfen. Sie haben sich an die BaFin gewandt, um die garantierten Zinsen drücken zu dürfen und ihren Kunden weniger ausschütten zu müssen. Zwar müssten die zu wenig gezahlten Zinsen irgendwann nachgezahlt werden, aber ob dies jemals geschehen wird, bleibt abzuwarten. Es ist eher zu vermuten, dass die Kunden ihrem jeweiligen Einzelschicksal überlassen werden und ihrem Geld jeder einzeln hinterherlaufen müssen...

Montag, 26. August 2013

Börsenweisheit der Woche 34/2013

"Banken sind Einrichtungen, von denen man sich Geld leihen kann - vorausgesetzt man kann nachweisen, dass man es nicht braucht."
(Mark Twain)

Freitag, 23. August 2013

[Kissigs Börsenlexikon] Margin of Safety

Die "Margin of Safety" (Sicherheitsmarge) ist ein Konzept Benjamin Grahams, das er in seinem Buch "Intelligent Investieren" vorgestellt hat. Ein ganzes Kapitel widmet der Urvater des Value Investings der Sicherheitsmarge, die er als die Differenz zwischen Preis und fairem Wert einer Anlage definiert. Da der Aktienkurs nicht immer den wirklichen Wert eines Unternehmens wiedergibt, kann der Anleger sein Risiko umso stärker senken, je höher die Sicherheitsmarge ausfällt.

Die Höhe dieser Sicherheitsmarge ist dabei individuell festzulegen und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Branche, in der das Unternehmen tätig ist, oder der eigenen Risikobereitschaft des Anlegers. Die Sicherheitsmarge garantiert keine Kursgewinne, aber sie begrenzt das Kursrisiko. Damit sie iihre Wirkung entfalten kann, sollte der Einstiegskurs schon mindestens 20 % unter dem ermittelten fairen Wert liegen

H.P.I. Holding: mit frischem Geld auf Kaperfahrt

Gleich mehrere (kurs-)bewegende Neuigkeiten gibt es bei der H.P.I. Holding AG, dem "schön langweiligen Beteiligungsdornröschen", wie ich es vor anderthalb Jahren formulierte.

Hauptversammlung
Zunächst findet heute die Hauptversammlung statt und es dürfte für das Geschäftsjahr 2012 eine Dividende von 0,06 EUR je Aktie geben, die sich dann am Montag als Abschlag im Aktienkurs bemerkbar machen dürfte.

Kapitalerhöhung
Aber nicht nur die Dividende wird kurzfristig auf den Kurs drücken, sondern auch die lang erwartete Kapitalerhöhung, die das Unternehmen soeben ankündigte: "so soll unter Ausnutzung des Genehmigten Kapitals das Grundkapital der Gesellschaft von gegenwärtig EUR 15.600.000 um bis zu EUR 5.200.000 auf bis zu EUR 20.800.000 gegen Bareinlage erhöht werden. Die Aktionäre haben das Recht, für 3 alte Aktien 1 neue auf den Inhaber lautende Stückaktie (Stammaktie) mit einem rechnerischen Anteil am Grundkapital von EUR 1,00 zu einem Bezugspreis von EUR 1,35 je Aktie zu erwerben. Ein börsenmäßiger Bezugsrechtshandel findet nicht statt. Der Mittelzufluss, der bei vollständiger Zeichnung der Kapitalerhöhung gut 7 Mio. EUR in die Kassen des Unternehmens spülen würde, soll für den Ausbau des Beteiligungsportfolios verwendet werden. Die H.P.I. Holding Aktiengesellschaft beabsichtigt, mit dem zufließenden Emissionserlös weitere Unternehmen zu erwerben oder Umfinanzierungen von bereits erworbenen Unternehmen durchzuführen".

Übernahme
Und auch eines dieser Übernahmeziele steht schon fest, wie H.P.I. mitteilte. So soll das Traditionsunternehmen HSM Hans Sauermann GmbH & Co KG erworben werden, "ein Spezialist für Metallbe- und verarbeitung sowie die Herstellung von Anhängerkupplungen. Die HSM entwickelt, konstruiert und fertigt Bauteile, komplette Systeme und Geräte - vorwiegend aus Metall. Das Angebot umfasst diverse Fahrzeugteile, wie z.B. Brems- und Kupplungspedale, Anhängerkupplungen für LKW, Elektrokarren und für Zugmaschinen in der Land- und Forstwirtschaft, Halterungen für Hydraulikkomponenten, Hubmastteile für Flurförderfahrzeuge sowie unterschiedlichste Gussgehäuse und komplexe Schweißbaugruppen. Die Produkte der HSM Hans Sauermann GmbH & Co. KG finden vornehmlich Verwendung in Flurförderfahrzeugen, Maschinen und Geräten für Land- und Forstwirtschaft, Nutzfahrzeugen sowie in der Medizin- und Industrietechnik".

Fazit
Die Kapitalerhöhung um 25 Prozent stellt eine erhebliche Verwässerung des Stammkapitals dar und der Aktienkurs dürfte etwas zu schlucken haben und sich kurzfristig Richtung des Ausgabepreises von 1,35 EUR entwickeln. Andererseits fließt das frische Geld in konkrete Übernahmen, wie der Vorstand ja bereits auf der außerordentlichen Hauptversammlung im April angekündigt hatte. Die neuen Mittel fließen also in den Ausbau der Beteiligungsportfolios und sollen den Unternehmenswert steigern. Und auch wenn über den Kaufpreis für die HSM Stillschweigen vereinbart wurde, so ist doch davon auszugehen, dass die H.P.I. nach der Kapitalerhöhung noch über reichlich Mittel für die weiteren Übernahmepläne verfügt. Daher sollte der Aktienkurs sich in absehbarer Zeit wieder fangen und dem (erwarteten) steigenden Unternehmenswert entsprechend folgen.

Montag, 19. August 2013

Börsenweisheit der Woche 33/2013

"Du machst kein Geld, wenn du Aktien kaufst. Du machst kein Geld, wenn du Aktien verkaufst. Du verdienst Geld, wenn du abwartest."
(Charlie Munger)

Freitag, 16. August 2013

Abschied von Celesio

Vor gut einem Dreivierteljahr habe ich Celesio auf meine Empfehlungsliste genommen und heute endet dieses "Listing".

Als ich investierte, ging ich davon aus, dass das Management die "Episode" Doc Morris beenden und aufgrund der früher herausragenden Marktstellung wieder zu alter Stärke zurückfinden würde. Darüber hinaus stand mit Haniel ein Ankerinvestor hinter dem Unternehmen, der nicht nur Stabilität versprach, sondern auch am nachhaltigen Erfolg des Unternehmens Interesse hat(te). Die Parameter haben sich allerdings inzwischen deutlich verändert bzw. einige Überlegungen wurden von der Realität eingeholt.

Haniel hat so massive eigene Probleme, dass sie mal ihren Anteil reduzieren, dann ganz verkaufen wollen und dann doch wieder behalten - ein Schlingerkurs, der Celesio gar nicht guttut. Den Vorstandschef haben sie Knall auf Fall vor die Tür gesetzt, obwohl er ja der Hoffnungsträger war. Das Kapitel Doc Morris wurde zwar abgehakt, aber die gute Stellung ggü. den Apotheken konnte nicht wieder erlangt werden, nicht einmal ansatzweise. Zudem hat sich die Wettbewerbssituation deutlich verschlechtert, nachdem die Österreichische Post unlängst verkündet hat, mit einem eigenen Pharmagroßhändler den deutschen Markt bedienen zu wollen. Und die letzten vorgelegten Zahlen zeigen, dass der Patient Celesio erheblich heftiger erkrankt ist, als es zuvor aussah, und dass die Wettbewerber tougher sind, als gedacht.

All diese Aspekte zusammen lassen für mich das Investment als deutlich weniger aussichtsreich erscheinen, als bei meinem Einstieg. Auch glaube ich, dass eine mögliche Erholung der Unternehmenszahlen - wenn überhaupt - erheblich mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, als ich damals annahm. Ich denke, es gibt aussichtsreichere Investments als Celesio und spätestens die "goldene Regel" Warren Buffetts, man solle nur Aktien haben, die einen auch ruhig schlafen lassen würden, wenn die Börse für 5 Jahre schlösse, lässt mich den Wert aus meinem Portfolio kegeln. Zumal ich ja einen (sehr) bescheidenen Gewinn mitnehmen kann.

Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 2. Quartal 2013?

Im zweiten Quartal 2013 hat Warren Buffetts Beteiligungsholding Berkshire Hathaway Inc. einige Änderungen an ihrem Portfolio vorgenommen, wie aus einer Pflichtmitteilung (sog. 13-F-Formular) an die amerikanische Börsenaufsicht SEC hervorgeht.
Warren E. Buffett

Reduzierungen
Am auffälligsten dürfte die massive Reduzierung der Konsumgüterwerte Kraft Foods und Mondelez International (ein Spin-Off von Kraft Foods im Oktober 2012) sein. Berkshire hielt per 30. Juni noch 192.666 Aktien von Kraft, eine Reduzierung von 88% gegenüber dem gehaltenen Anteil, wie er zum Ende des ersten Quartals berichtet wurde. Und der Bestand an Mondelez wurde sogar um fast 92% abgebaut auf nur noch 578.000 Aktien. Des Weiteren reduzierte Buffett den Anteil an der Ratingagentur Moodys um 12,3% und alle seine 1,7 Mio. Aktien von Gannett.

Keine Hinweise finden sich auf die u.a. vom Handelsblatt behauptete Reduzierung des Anteils an Coca Cola - Berkshire hält nach wie vor 400 Mio. Aktien oder 9,02% an dem Softdrink-Hersteller.

Erhöhungen / Neuengagements
Im Gegenzug erhöhte Buffett seine Position an GM um 60% und hält nun 40 Mio. Aktien des US-Autobauers mit einem Gesamtwert von rund 1,4 Mrd. USD. Ebenfalls aufgestockt wurden US Bankcorp (plus 27,4% auf 78.277.301 Aktien im Wert von 2,9 Mrd. USD) und Bank of New York Mellon (plus 30,1% auf 24.644.029 Aktien im Wert von 747 Mio. USD). Darüber hinaus stieg Buffetts Anteil an National Oilwell Varco um 18,6% und der erst im ersten Quartal begonnene Aufbau einer Position in Chicago Bridge & Iron wurde fortgesetzt um 46,7% auf jetzt 9.550.755 Aktien im Wert von 577 Mio. USD. Und an VeriSign wurde der Anteil glatt verdreifacht auf jetzt 10.897.420 Aktien (533 Mi. USD).

Ganz neu dabei in Berkshires Portfolio sind Dish Network mit 547.312 Aktien (24 Mio. USD) und die kanadische Suncor Energy mit 17.769.457 Aktien (586 Mio. USD).


Fazit
Konsumgüter (und auch Pharma) sind bereits seit einiger Zeit nicht mehr Buffetts bevorzugte Anlagesparte und er reduziert konsequent seine Positionen, während er zunehmend auf US-Banken und auf Energieförderer setzt. Das Handelsblatt schlussfolgert, Buffett setze nicht mehr auf eine schnelle Erholung der US-Konjuntur, doch ich bewerte etwas das anders. Die gut gelaufenen, defensiven Branchen reduziert er zugunsten der konjunktursensibleren Bereiche Energie und Finanzen/Immobilien. Er setzt also weiterhin auf eine anziehende US-Konjunktur und ein Wiedererstarken des US-Immobilienmarktes. Und insgesamt hat er den Aktienanteil in Berkshires Portfolio weiter ausgebaut, was ebenfalls einen gewissen Otimismus erkennen lässt.

Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 12. August 2013

Börsenweisheit der Woche 32/2013

"Wenn du alle Fakten zusammen hast, kann deine Entscheidung richtig sein; wenn du nicht alle Fakten zusammen hast, kann sie nicht richtig sein."
(Bernard Baruch)

Montag, 5. August 2013

Börsenweisheit der Woche 31/2013

"Stop Loss sind gut für die Nerven, aber sie vernichten Kapital."
(Max Otte)

Freitag, 2. August 2013

Squeeze-out: wenn die Kasse zweimal klingelt

Wie sich mit Squeeze-outs sicher Geld verdienen lässt, habe ich ja bereits mehrfach angesprochen. Doch den dafür notwendige lange Atem - man muss die Aktien erwerben und so lange behalten, bis der Großaktionär die Entscheidung trifft, alle Aktien einsammeln zu wollen und das kann bisweilen mehrere Jahre dauern - haben nicht alle Anleger. Zumeist gibt es bei den entsprechenden Werten zwar eine satte Dividende, aber Geduld ist nicht jedermanns Sache.

Man kann sich den ganzen Aufwand, die lukrativen und wahrscheinlichsten Kandidaten für eine Übernahme durch den Großaktionär allerdings auch sparen, indem man andere Leute die Arbeit verrichten lässt. Und das ist ganz einfach und die machen es sogar freiwillig: man muss lediglich Aktien einer börsennotierten Gesellschaft erwerben, die sich auf derartige Geschäfte spezialisiert hat. Und auf dem deutschen Kurszettel finden sich mehrere Werte, die das sehr transparent und überwiegend erfolgreich machen: die Allerthal-Werke AG, die Scherzer & Co. AG (die auch ein großes Paket von 24,99% an der Allerthal hält), die Shareholder Value Beteiligungen AG oder die Sparta AG. Zu erwähnen ist hier auch noch die Deutsche Balaton AG, allerdings empfinde ich deren Kommunikation mit dem Kapitalmarkt und deren Methoden als gelinde gesagt deutlich ausbaufähig und das Unternehmen für den Normalanleger daher nur bedingt investitionswürdig.

Alle drei genannten Unternehmen sind Beteiligungsgesellschaften, die sich überwiegend an börsennotierten Unternehmen aus Deutschland beteiligen und dabei gerne auf Sondersituationen setzen, wie eben Squeeze-outs. Als kürzlich der italienische Großaktionär den Squeeze-out für die Generali Deutschland verkündete, haben alle drei Beteiligungsgesellschaften davon profitiert, denn alle haben sie Generali seit Jahren in ihren Depots liegen (und in der Zwischenzeit satte Dividenden eingefahren). Und nun kommt die Zeit zum Ernten, denn nachdem die Scherzer & Co. AG sich mit der Mutter auf die Aktienübernahme geeinigt hatte, überschritt diese mit ihrem Anteil die nötige 95%-Marke und gab umgehend den Squeeze-out für die ausstehenden Aktien bekannt. Nun wird der Durchschnittskurs der letzten drei Monate als Abfindung gezahlt und vermutlich wird einer der Beteiligten dann ein Sprungstellenverfahren verlangen, um eine zusätzliche Abfindung zu erstreiten. Das Gute hieran ist, dass die Entscheidung der Spruchstelle allen betroffenen Minderheitsaktionären, die vom Squeeze-out betroffen waren, zugutekommt und das man die Aktien nicht mehr im Depot haben muss. Denn mit dem Squeeze-out werden diese vom übernehmenden Unternehmen eingezogen und man erhält im Gegenzug die Abfindung. Für die Nachbesserung wird also kein Kapital gebunden; dieses kann bereits woanders gewinnbringend investiert werden.

Sowohl die Shareholder Value AG als auch die Scherzer & Co. AG informieren monatlich über den fairen Wert bzw. Nettoinventarwert oder Net-Asset-Value ihrer Aktien. So gab die Scherzer & Co. AG für Juni einen NAV von 1,51 EUR an zzgl. einem Andienungsvolumen von 88 Mio. EUR oder 2,94 EUR je Aktie bekannt, wohingegen der aktuelle Aktienkurs bei 1,29 EUR liegt. Die zehn größten Aktienpositionen der Gesellschaft per 30. Juni 2013 waren (geordnet nach Positionsgröße auf Basis der aktuellen Kurse): MAN SE (Stämme), Generali Deutschland Holding AG, IBS AG, GK Software AG, WMF AG (Vorzüge), Allerthal-Werke AG, Biotest AG (Stämme), MAN SE (Vorzüge), InVision AG, Tipp24 SE und machen zusammen gut 46,5% des Portfolios der Scherzer & Co. AG aus.

Man bekommt also den Wert von 1,51 EUR für den Preis von 1,29 EUR, also mit einem Abschlag von 15%. Hinzu kommt das Andienungsvolumen von 2,94 EUR je Aktie - allerdings sind das nicht mögliche zusätzliche Einnahmen, sondern das gesamte Volumen von bereits erhaltenen Abfindungen, deren Höhe derzeit gerichtlich auf Angemessenheit überprüft wird. Wenn man hier die durchschnittlich erzielten Erträge von gut 15% ansetzt, ergäbe das über den Daumen gepeilt weitere 0,45 EUR je Aktie an Potenzial. Damit dürfte die Scherzer & Co. AG auf dem aktuellen Kursniveau eine attraktive Investitionsmöglichkeit sein, um von künftigen Squeeze-outs profitieren zu können, ohne selbst größeren Arbeitsaufwand hineinstecken zu müssen. Und der soeben erfolgte Generali-Deal hat der Scherzer & Co. AG einen Gewinn von rund 1,5 Mio. EUR eingebracht - in etwa die Hälfte des gesamten Jahresgewinns 2012. Und vor einigen Tagen hat das Unternehmen einen operativen Gewinn von 0,99 Mio. EUR (1,83 Mio. EUR) für das erste Halbjahr vermeldet, so dass der Gewinn je Aktie von 0,13 EUR aus 2012 im laufenden Jahr vermutlich deutlich übertroffen werden dürfte. Vorausgesetzt es kommt im weiteren Jahresverlauf nicht zu stärkeren Verwerfungen an den Aktienmärkten, denn einen erheblichen Teil seiner Gewinne erzielt Scherzer mit der Veräußerung seiner zuvor günstig(er) eingekauften Aktienpositionen. Bei einem EPS von 0,13 EUR beträgt das KGV knapp unter 10, bei einem EPS von 0,16 EUR (wie von Börse Online für 2014 erwartet) sogar nur noch 8.

Fazit
Scherzer ist eine interessante Spekulation und sollte langfristig ein einträgliches Investment sein.

Mittwoch, 31. Juli 2013

[Kissigs Börsenlexikon] Andienungsvolumen

Unter dem Andienungsvolumen versteht man das gesamte Volumen von bereits erhaltenen Abfindungen aus durchgeführten Squeeze-out-Verfahren, deren Höhe noch gerichtlich auf Angemessenheit überprüft wird.

Erfahrungsgemäß ergeben sich aus solchen Verfahren Nachschläge von durchschnittlich 15 % auf den ursprünglichen Abfindungsbetrag.

Montag, 29. Juli 2013

Börsenweisheit der Woche 30/2013

"Nicht die Nachrichten machen die Kurse, sondern die Kurse machen die Nachrichten."
(André Kostolany)

Dienstag, 23. Juli 2013

Aurelius will mit frischem Kapital in neue Dimensionen wachsen

Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius hat am Montag die Märkte verschreckt mit der Ankündigung einer Kapitalerhöhung - und da Börsianer derartige Maßnahmen gar nicht schätzen, ging der Kurs auch um mehr als 10 Prozent in die Knie, bevor er sich wieder etwas gefangen hat. Denn durch die Ausgabe zusätzlicher Aktien sinkt der Gewinnanteil einer jeden Aktie entsprechend, sog.  Verwässerungseffekt.

Konkret sah die Kapitalerhöhung so aus, dass die Geschäftsführung von Aurelius  das Grundkapital der Gesellschaft unter Ausschluss des Bezugsrechts der Aktionäre durch eine teilweise Ausnutzung des genehmigten Kapitals um bis zu zehn Prozent bzw. 2.880.000 EUR durch Ausgabe von bis zu 2.880.000 neuen auf den Inhaber lautenden Aktien (Stückaktien) gegen Bareinlage erhöhen wollte. Hinzu kamen 800.000 Aktien aus dem Bestand eines Altaktionärs, die gleich mit unplatziert werden sollen - dem Handelsblatt zufolge handelt es sich um Gert Purkert, der sich damit von einem Drittel seines Aktienpakets von 8 Prozent trennen würde.

Insgesamt sollten so dem Unternehmen so bei einem Platzierungspreis von 20,00 EUR je Aktie 57,6 Mio. EUR an frischen Mitteln zufließen, die es für seine weitere Expansion benötigt. Denn "die Gesellschaft sieht im aktuellen Marktumfeld zahlreiche attraktive Übernahmekandidaten und die Chancen zur Übernahme auch größerer Unternehmen", begründete Aurelius seinen Schritt. Die Aktien sollten bei institutionellen Anlegern im Rahmen eines beschleunigten Platzierungsverfahrens (Accelerated Bookbuilding) platziert werden.

Am selben Abend vermeldete Aurelius dann bereits Vollzug: die neuen Aktien seien auf so großes Interesse gestoßen, dass die Kapitalerhöhung bereits abgeschlossen sei.

Bewertung
Die plötzliche Ankündigung der Kapitalerhöhung war nicht sehr erfreulich, zumal kürzlich erst eine Sonderdividende von 2,30 EUR je Aktie ausgeschüttet wurde. Das hätte man sich sparen können, wenn das Unternehmen Finanzbedarf hat.

Andererseits ist die schnelle Durchführung der Kapitalerhöhung zu 20,00 EUR ein Zeichen, dass die institutionellen Anleger auf diesem Kursniveau die Aktien als aussichtsreich einstufen - was nach dem fulminanten Kursanstieg der Aureliusaktien in den letzten Monaten durchaus beruhigend wirken kann. Die Gewinnverwässerung hingegen, tritt erst einmal ein, da die neuen Aktien bereits ab dem 1.1.2013 gewinnberechtigt sind. Andererseits basiert das Geschäftsmodell von Aurelius gerade darauf, unterbewertete Unternehmen bzw. Randaktivitäten aufzuspüren, zu übernehmen und ihren Wert dann zu heben und deutlich zu steigern. Dass Aurelius sich jetzt auf die Schnelle zusätzliches Kapital besorgt deutet darauf hin, dass die von Aurelius-Chef Dr. Dirk Markus angekündigten Übernahmen von mehreren größeren Zielen unmittelbar bevorstehen sollten. Immerhin will er Aurelius in wenigen Jahren von 1,6 auf 5 Milliarden EUR Umsatz ausbauen. Und dazu braucht es viel Eigenkapital, das nun zur Verfügung steht.

Fazit
Aurelius wächst mit Riesenschritten in neue Dimensionen hinein und die aktuellen Marktlage, vor allem in Südeuropa, bieten dem Unternehmen enorme Chancen. Das Management hat in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass es in der Lage ist, das Geld der Aktionäre gewinnbringend zu investieren und deutliche Wertzuwächse im Portfolio zu schaffen und daher ist die Kapitalerhöhung ein positives Signal für weiteres profitables Wachstum. Trotz des rasanten Kursanstiegs der vergangenen Monate ist Aurelius noch nicht zu teuer bewertet und es sollte sich lohnen, investiert zu bleiben oder gar weitere Aktien hinzuzukaufen. Ich denke, auf mittlere und lange Sicht überwiegen die Chancen die Risiken deutlich.

Aurelius befindet sich auf meiner Empfehlungliste.

Montag, 22. Juli 2013

Börsenweisheit der Woche 29/2013

"Wer keine Fehler macht, hat es sich nur zu einfach gemacht."
(Warren Buffett)

Dienstag, 16. Juli 2013

[Einfach gedacht] Sind offene Immobilienfonds ein Investment wert?

In einer Woche, genauer ab dem 22. Juli 2013, gilt das neue Kapitalanlagegesetzbuch und es bringt einige neue Regelungen bzgl. offener Immobilienfonds. Dabei bestand noch vor einem Jahr die Hoffnung, dass dieser unrühmlichen Anlageklasse ganz der Garaus gemacht wird, aber leider konnte sich die Regierung letztlich nicht gegen die geballten Interessen der Finanzlobby durchsetzen. Wieder einmal nicht.

Offene Immobilienfonds sind eine Mogelpackung, denn sie halten nicht, was sie vollmundig versprechen: sie suggerieren dem Anleger, dass er jederzeit seine Anteile zu Geld machen kann, aber spätestens die Immobilien- und Finanzkrise hat gezeigt, dass dies nicht der Fall ist. Denn als alle gleichzeitig aus ihren Fonds aussteigen wollten, war deren Liquiditätsreserve für Ankäufe der eigenen Fondsanteile schnell verbraucht und der überwiegende Teil des Geldes steckt natürlich in Immobilienwerten. Und die lassen sich nun mal nicht von heute auf morgen verkaufen.

Montag, 15. Juli 2013

Börsenweisheit der Woche 28/2013

"Reiche Menschen sind dadurch reich, dass sie weniger ausgeben, als sie einnehmen."
(Ferdinand Piëch)

Dresdner Factoring: Übernahmeangebot annehmen oder auf Squeeze-out setzen?

Die Dresdner Factoring AG hat seit meiner Empfehlung im Februar 2012 eine rasante Unternehmens- und Kursentwicklung hingelegt, von 3,80 EUR auf rund 8,80 EUR oder etwa 140 Prozent. Dabei resultiert der Kursanstieg auch aus mehreren Sonderfaktoren: zunächst kaufte Aufsichtsratsmitglied Agerholm sukzessive mehr als 10 Prozent der Anteile zusammen, dann musste ein weiteres Aufsichtsratsmitglied, Jürgen Freisleben, für seine Wegold Holding ein (wohl 4 Jahre versäumtes) Pflichtübernahmeangebot abgeben und schließlich gab die abcfinance Beteiligungs AG im Juni bekannt, die Aktien der Dresdner Factoring für 8,75 EUR komplett übernehmen zu wollen. Seitdem liegt der Aktienkurs knapp über dieser Marke und wird zumindest bis zum Ende der Angebotsfrist am 26. Juli 2013 auch nicht darunter fallen. Die Bedingung, dass mindestens 70 Prozent der Aktien angedient werden müssen, ist bereits erfüllt. Denn die Wegold Holding und mindestens ein weiterer Großaktionär der Dresdner Factoring AG haben bereits zugestimmt und nachdem das Unternehmens selbst seine Aktien aus Rückkaufprogrammen, die es im eigenen Bestand hält, ebenfalls andienen wird, ist die Marke von 70 Prozent deutlich überschritten.

Für die übrigen Aktionäre stellt sich nun die Frage, ob man das Angebot annehmen oder seine Aktien behalten sollte und das sollte man alleine daran festmachen, ob die Dresdner Factoring attraktiv bewertet ist und man künftig von Kursanstiegen ausgehen kann. Ist dies nicht der Fall, sollte man aussteigen und die Aktien entweder über die Börse verkaufen (dann hat man sofort sein Geld) oder aber das Übernahmeangebot annehmen.

Kürzlich hat die DFAG ihre Halbjahreszahlen veröffentlicht und die können sich sehen lassen. Das Factoringvolumen ist auf 331 Mio. EUR gestiegen und erzielte ein Ergebnis vor Ertragssteuern (EBT) von 1,1 Mio. EUR. Zusätzlich wurde von den Banken erneut das Kreditvolumen angehoben, so dass die DFAG nunmehr über 52 Mio. EUR verfügen kann und durch die Andienung der 279.957 eigenen Aktien (9,87%) fließt der Gesellschaft Liquidität in Höhe von zusätzlichen rund 24,5 Mio. EUR zu. Und da diese Aktien ja zu deutlich niedrigeren Börsenkursen erworben wurde, wird es in 2013 einen deutlichen außerordentlichen Ertrag hieraus geben.

Vereinfacht auf das Jahr hochgerechnet ergäben sich also ein Factoringumsatz von 662 Mio. EUR und ein EBT von 2,2 Mio. EUR. In 2011 hatte die DFAG noch 458 Mio. EUR umgesetzt und einen Vorsteuergewinn von 1,6 Mio. EUR ausgewiesen (2010 lag dieser noch bei 0,8 Mio. EUR). Legt man nun die Konsensschätzung für den Gewinn von 0,69 EUR je Aktie für 2014 zugrunde, kommt man auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,8. Damit liegt das KGV deutlich höher als bei meiner Empfehlung im Februar 2012 und das Kurs-Umsatz-Verhältnis ist mit 5,77 ebenso wenig günstig, wie das Kurs-Buchwertverhältnis von 1,68. Allerdings weisen die Kennzahlen insgesamt auf keine Überbewertung hin, zumal Umsatz und Gewinn seit Jahren deutlich steigen. Das Unternehmen ist also bei 8,80 EUR fair bewertet.

Für einen Neueinstieg wäre mir der Kurs inzwischen zu hoch, aber als Aktionäre, der auf Kursgewinnen sitzt, stellen sich ja zwei Frage: möchte man die angefallenen Kursgewinne (jetzt) versteuern und welche Anlagealternativen bieten sich zurzeit? Behält man die Aktien weiter, arbeitet der Steueranteil für einen und fließt (noch) nicht ans Finanzamt. Der Vorteil des Zinseszinsfaktors liegt also aufseiten des Aktionärs. Und richtig günstige Alternativen muss man erst einmal finden. Auf dem erhöhten Kursniveau der Börsen gibt es auch jetzt aussichtsreiche und attraktiv bewertete Unternehmen, aber eben deutlich weniger als noch vor einigen Monaten.

Und ein weiterer Aspekt könnte für die Entscheidungsfindung interessant sein: die abcfinance wird wohl deutlich mehr als 70% der Aktien angedient bekommen und es könnte eine Überlegung wert sein, dass sie sich mittelfristig auch den Rest einverleiben möchte. Dies kann sie über Zukäufe machen, also auch über die Börse, was aufgrund des immer geringer werdenden Streubesitzes, also der frei verfügbaren Aktien, zu steigenden Kursen führen würde. Oder über ein weiteres, dann zu einem noch höheren Kurs, Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre. Am Ende der Entwicklung kann dann sogar ein Squeeze-out stehen, eine relativ sichere und lukrative Spekulation für die freien Aktionäre.

Fazit: wenn ich die Fakten gegeneinander abwäge, erscheint es mir attraktiver, die Aktien der Dresdner Factoring AG zu behalten. Das Unternehmen wächst rasant und wirft in steigendem Maße Gewinne ab, die Börsenbewertung ist angemessen und bietet weiteres Kurspotenzial bei vergleichsweise niedrigem Kursrisiko und es gibt einen Großaktionär, der mittelfristig weitere Aktien - vielleicht sogar alle - einsammeln könnte.

Montag, 8. Juli 2013

Börsenweisheit der Woche 27/2013

"Die fünf teuersten Worte auf dem Gebiet des Geldanlegens sind: dieses Mal ist alles anders."
(Sir John Templeton)

Montag, 1. Juli 2013

Börsenweisheit der Woche 26/2013

"Wenn die Geschichte alle Antworten lieferte, würde sich die Forbes-400-Liste der Reichsten der Welt aus Bibliothekaren zusammensetzen."
(Warren Buffett)

25 Jahre DAX - Feier für einen Überflüssigen?

Der Deutsche Aktienindex (DAX) wurde 25 Jahre alt und das wurde groß gefeiert. Mit seiner Einführung 1988 wurden die 30 größten börsennotierten Unternehmen der Frankfurter Börse in einem Index zusammengefasst und so ein allgemeines Stimmungsbild der Börsenlage in Deutschland abgebildet - und zwar in Echtzeit. Der bis dato bestimmende und breiter aufgestellte FAZ-Index wurde schnell in den Hintergrund gedrängt.

Wie auch beim Dow Jones Index, dem FTSE 100, dem Nikkei oder dem Hang-Seng-Index räumen die Medien in ihrer Berichterstattung dem Auf und Ab des DAX nicht unerheblichen Raum ein und der Beobachter ist geneigt, aus der Indexentwicklung auf die allgemeine Entwicklung an der Börse und in der Wirtschaft zu schließen. Dabei sollte genau dieser Irrtum tunlichst unterlassen werden!

Denn obwohl der DAX die 30 größten Schwergewichte der deutschen Industrie enthält, handelt es sich einerseits nur um die börsennotierten Unternehmen und insbesondere die Wirtschaft in Deutschland wird von einem breiten Mittelstand getragen. Daher bildet der DAX nur unzureichend die allgemeine Entwicklung ab. Hinzu kommt, dass der DAX einige Branchen deutlich übergewichtet (z.B. Automobile) und sich die Zusammensetzung häufig ändert. Was wiederum zur Folge hat, dass der heutige Indexstand mit dem von früher schwer(er) zu vergleichen ist. Und die Entwicklung einzelner Werte kann teilweise erheblich von der Entwicklung des DAX insgesamt abweichen. So stand der DAX bereits im Jahr 2000 bei 8.000 Punkten mit einer Deutschen Telekom bei über 100 EUR. Und im Jahr 2013, bei erneuten 8.000 DAX-Punkten liegt der Kurs der Telekom bei gerade einmal 9 EUR. Während sich der Index also von seinem starken Einbruch (2003 lag er bei nur noch 2.300 Punkten) erholt hat, ist dies nicht bei allen Indexwerten der Fall.

Losgelöst von diesen allgemeinen Unzulänglichkeiten eines Index stellt sich die Frage, inwieweit der Indexstand für einen langfristig anlegenden Investor interessant ist. Und die Antwort ist so kurz wie einfach: überhaupt nicht. Denn ob der DAX bei 1.000 oder 10.000 Punkten steht, ist für mich als Value Investor belanglos. Ich kaufe keine Aktien, weil der DAX niedrig ist und ich verkaufe keine Aktien, weil er hoch steht. Ich kaufe, weil ich ein Anteile an herausragenden Unternehmen zu einem deutlich unter ihrem fairen Wert liegenden Aktienkurs kaufen kann - und dem entsprechend verkaufe ich die Aktien, wenn sie deutlich über dem fairen Wert notieren. In der Zwischenzeit tue ich nichts, sondern "sitze auf meinem Hintern und warte ab", wie es Charlie Munger, der kongeniale Partner Warren Buffets formulierte. Was der Index währenddessen treibt, hat für mich keine Relevanz! Und daher sehe ich die Veränderungen des DAX-Standes eher als Gradmesser für die allgemeine Stimmungslage am Markt, die den Börsenkommentatoren unermüdlich Munition für (zumeist nichtssagende) Kommentare bietet - mehr hat mir der Index nicht zu bieten. Abgesehen davon, dass ich heute diesen Artikel verfassen kann. Immerhin etwas...