Montag, 24. April 2017

Börsenweisheit der Woche 17/2017

"Wenn die richtige Aktie gefunden ist, dann ist es nie zu früh und nie zu spät, sie zu kaufen."
(Peter Lynch)

Freitag, 21. April 2017

Wahre Stärke: Hypoport erzielt 17 Prozent Wachstum in stagnierendem Gesamtmarkt

Das FinTech-Unternehmen Hypoport hat heute Zahlen zum Transaktionsvolumen im ersten Quartal 2017 gemeldet und kann deutlich zweistellig zulegen. Das ist umso bemerkenswerter, als dass laut der Deutschen Bundesbank der Gesamtmarkt für Immobilienfinanzierungen im Januar und Februar 2017 in Summe auf Vorjahresniveau stagnierte.

Dabei erzielte die Sparte Europace über alle Produktbereiche hinweg im ersten Quartal 2017 ein Transaktionsvolumen von 12,2 Mrd. Euro und damit gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres ein Wachstum von 17% (Q1/2016: 10,4 Mrd. Euro).

Europace wird insbesondere von den vielen Sparkassen und Volksbanken immer stärker angenommen, die sich so gegen ihre hohen Kostenstrukturen aufgrund des noch immer ausgeprägten Filialnetzes stemmen. So weitete die Sparkassenorganisation ihr Transaktionsvolumen auf 1,2 Mrd. Euro (Q1/2016: 0,7 Mrd. Euro) und 61% aus und die genossenschaftlichen Finanzgruppe der Volks- und Raiffeisenbanken ihren Anteil um 27% auf 0,9 Mrd. Euro aus (Q1/2016: 0,7 Mrd. Euro).

Die digitalisierte Beratung in der privaten Immobilienfinanzierung durch die Ausstattung der eigenen Berater mit Europace-Technologie  bietet enorme Effizienzgewinne, die durchaus zu einer Verdoppelung des abgeschlossenen Kreditvolumens bei gleicher Berateranzahl führen kann.

 Hypoport (Quelle: finanzen.net
Meine Einschätzung
Der enorme Kostendruck für die Banken, insbesondere auch kleinere Institute, wird anhalten. Filialschließungen bleiben an der Tagesordnung, kommen bei den betroffenen Kunden natürlich nicht gut an. Vor allem die Älteren leiden darunter. Kostenmindernd wirken sich für die Kreditinstitute aber eben auch die von Hypoport angebotenen digitalen Immobilienfinanzierungen aus, so dass hier auch in den nächsten Jahren mit weiter deutlich steigenden Partnern und Transaktionsvolumina zu rechnen ist. Da die Zinsmarge der Banken immer weiter dahin schmilzt, ist dieser Trend kaum umkehrbar, sondern wird sich weiter beschleunigen und somit auch in einem stagnierendem Finanzierungsumfeld zu weiterem deutlichem Wachstum bei Hypoport führen.

Große Hoffnung verbindet sich mit Europace im Bereich der Versicherungen; hier könnte ein ähnlicher Verlauf bevorstehen, wie vor drei Jahren im Bankensektor. Und das dürfte den Aktienkurs von Hypoport noch einmal so richtig Feuer geben und deutlich in den dreistelligen Bereich hieven.

Hypoport ist und bleibt als wachstumsstarkes und profitables FinTech-Unternehmen einer der größten Profiteure der Digitalisierung im Finanzwesen und sollte daher in keinem langfristig ausgerichteten Depot fehlen. Hypoport befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und ebenfalls in meinem Depot.

Donnerstag, 20. April 2017

Berentzen: Knackiger Spaß gibt Gas

Der Spirituosenhersteller Berentzen war früher in aller Mund und das im wahrsten Sinne des Wortes. Zu den bekanntesten Marken im Sortiment gehören Pushkin, Bommerlunder, Doornkaat, Hansen, Springer Urvater, Echt Stonsdorfer. Von Linie Aquavit und Licor 43 hat man sich inzwischen getrennt. Doch die kleinen Liköre und die Kornverschnitte gerieten seit Ende der 1980er Jahre zunehmend ins Aus und der Absatz ging immer mehr zurück. Daher positionierte man sich mit zweitem Standbein als Lizenz-Abfüller für andere Hersteller, insbesondere Pepsi.

Zum unternehmerischen Niedergang gesellte sich dann noch eine zerstrittene Eigentümerfamilie hinzu, die jahrelang kein Umsteuern zuließ so dass das Traditionsunternehmen vor sich hin siechte. Bis dann 2008 schließlich der Finanzinvestor Aurelius die Anteile der Alteigentümer übernahm und für klare Verhältnisse sorgte. Es war Rettung in letzter Sekunde, könnte man sagen. 

Steiniger Sanierungsweg
Es folgte ein dornenreicher Weg für Berentzen, um sich gesund zu schrumpfen und mit neuer Strategie wieder erfolgreich und profitabel zu werden. Und nicht immer sah es danach aus, als wenn dieser Umschwung gelingen würde. Denn es gab zahlreiche Rückschläge in einem hart umkämpften Markt moderaten Wachstumsraten und -aussichten.

Montag, 17. April 2017

Börsenweisheit der Woche 16/2017

"Der Schlüssel zum erfolgreichen Investieren liegt nicht in der Frage, wie sehr eine Industrie die Gesellschaft beeinflusst oder ob sie wachsen wird, sondern darin, herauszufinden ob ein bestimmtes Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil hat, und wenn ja, wie lange dieser anhalten wird."
(Warren Buffett)

Samstag, 15. April 2017

Waste Management oder der Geruch des Geldes

Abfall, Müll, Ausschuss. Kaum jemand verbindet mit diesen Begriffen positive Assoziationen und vor allem im Sommer sind stinkende Mülltonnen keine Freude für empfindsame Nasen. Daher sind die meisten Menschen froh, wenn er endlich aus ihrem Blickfeld verschwindet und nicht weiter die empfindlichen Sinne belästigt. Und wenn man sich die Müllmänner so bei der Arbeit ansieht, kommt man auf den ersten Blick nicht drauf, dass hier besonders viel Geld zu verdienen sein könnte...

Donnerstag, 13. April 2017

Blue Cap übertrifft die Erwartungen und macht für 2017 Lust auf mehr. Viel mehr...

Die Beteiligungsgesellschaft Blue Cap investiert überwiegend in süddeutsche mittelständische Nischenunternehmen und konzentriert sich dabei auf operativ tätige technologiegetriebene Gesellschaften mit bestehendem profitablem Kerngeschäft, die sich in Umbruch- oder Sondersituationen befinden. Im Klartext investiert man in sanierungsbedürftige oder insolvente Unternehmen, Konzernausgliederungen und in Gesellschaften mit ungelöster Unternehmensnachfolge. Die Tochterunternehmen werden eigenständig und unternehmerisch geführt.

Nachdem man im vergangenen Jahr aus der Insolvenz heraus die Vermögensgegenstände der Neschen AG übernommen hat, hinterlassen die Einsparungen und Synergieeffekte nun deutliche Spuren in der Blue Cap-Bilanz, wie die heute präsentierten vorläufigen Zahlen für 2016 belegen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016 erwirtschaftete die Unternehmensgruppe einen vorläufigen Umsatz nach Erlösschmälerungen von 96,6 Mio. Euro (Vorjahr 79,8 Mio. Euro ) und ein vorläufiges EBITDA von 6,9 Mio. Euro (Vorjahr 5,7 Mio. Euro). Das EBIT wird bei 4,2 Mio. Euro (Vorjahr 3,7 Mio. Euro) und der Konzernjahresüberschuss nach Steuern bei 1,4 Mio. Euro (Vorjahr 1,2 Mio. Euro) liegen. Dabei wurde das operative Ergebnis (EBITDA und EBIT) um neutrale Erträge und Aufwendungen bereits bereinigt. Die Bilanzsumme ist angewachsen von circa 63,7 Mio. Euro auf circa 88,8 Mio. Euro. Das Eigenkapital wird zum 31.12.2016 voraussichtlich 21,1 Mio. Euro betragen.

Maßgeblich für den Anstieg von Umsatz und Bilanzsumme war vor allem die Akquisition der Neschen Gruppe, die zum 01.12.2016 in den Konsolidierungskreis der Blue Cap AG aufgenommen wurde, was zu einer Neubewertung von Blue Cap führen wird.

 Blue Cap (Quelle: finanzen.net
Der Bereiche Klebstoff- und Beschichtungstechnik entwickelte sich dann auch erwartungsgemäß positiv und in der Sparte Medizintechnik ist es gelungen Produktentwicklungen umzusetzen und für den Vertrieb notwendige Zertifizierungen abzuschließen - hier hatte ja die Tochter WISAP einige Zeit schwer zu kämpfen. Der Bereich Produktionstechnik und der damit verbundene Sondermaschinenbau blieb hinter den Erwartungen zurück - die Tochter Gämmerler macht weiterhin Probleme und das in 2016 aufgelegte Restrukturierungsprogramm entfaltet noch nicht genügend Wirkung. Allerdings ist die Umsetzung auch noch für 2017 angedacht, so dass hier durchaus begründete Erfolgshoffnungen bestehen.

Da es sich bisher nur um vorläufige Zahlen für 2016 handelt, kann man nicht wirklich großartige Einschätzungen abgeben, auch wenn eine Steigerung des EPS um 16,66% bzw. von 1,2 Mio. auf 1,4 Mio. Euro schon eine ordentliche Hausnummer ist. Zumal ein Großteil der Kosten für die Integration/Neuausrichtung von Neschen bereits in 2016 geleistet und verbucht wurde, das Unternehmen jedoch erst seit Dezember 2016 in der Blue Cap-Bilanz voll konsolidiert wird.

Vergleich mit Studie von Warburg-Research
Im Januar hatte Warburg Research eine Analyse zu Blue Cap abgegeben und wenn man die nun vorgelegten Zahlen mit deren Annahmen vergleicht, so konnte Blue Cap sämtliche Einschätzungen übertreffen.

Warburg Erwartungen für 2016
Umsatz: 93,7 Mio. Euro
EBITDA: 5,8 Mio. Euro
EBIT: 3,9 Mio. Euro
E: 1,3 Mio. Euro
EPS: 0,327 Euro

Blue Cap vorl. Zahlen 2016
Umsatz: 96,6 Mio. Euro
EBITDA: 6,9 Mio. Euro
EBIT: 4,2 Mio. Euro
E: 1,4 Mio. Euro
EPS: 0,352 Euro

Die vorläufigen Zahlen von Blue Cap liegen also allesamt deutlich über den Annahmen von Warburg. Und Warburg gab aufgrund der Januar-Analyse ein Kursziel von 14,50 € aus. Insofern hat Blue Cap für 2016 geliefert.

Verheißungsvoller Ausblick auf 2017
Vorstand Dr. Hannspeter Schubert gibt sich optimistisch für das laufende Jahr: "Die einzelnen Gesellschaften zeigen unabhängig voneinander aufgrund der Investitionen der vergangenen Jahre ein positives Wachstumsszenario. Das erste Quartal 2017 untermauert die positiven Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr". So wird für das erste Quartal 2017 ein Umsatz- und Ergebnissprung gegenüber dem Vorjahresquartal erwartet mit Umsatzerlösen von 35 Mio. Euro und einem EBITDA von 2,5 Mio. Euro.

Meine Einschätzung
Die hohen Erwartungen an 2016 wurden von Blue Cap übertroffen und und der Ausblick auf 2017 auf Basis des Q1 dürfte noch einiges an Potenzial bieten, auch für den Kurs der inzwischen im neuen Qualitätsbörsensegment Scale gelisteten Aktie. Mit dem Warburg-Kursziel von 14,50 € kann ich mich daher sehr gut anfreunden. Mit einer immer mal wieder diskutierten Aufnahme von Dividendenzahlungen rechne ich allerdings noch nicht für das Geschäftsjahr 2016; Genaueres hierzu dürften wir spätestens mit der Einladung/Tagesordnung zur Hauptversammlung am 11. August erfahren.

Blue Cap ist einer meiner Jahresfavoriten 2017 auf befindet sich auf meiner Empfehlungsliste sowie als eine der größten Positionen in meinem Depot.

Mittwoch, 12. April 2017

KAP: Carlyles Trüffelschwein für den Deutschen Mittelstand

Die KAP Beteiligungs-AG ist ein relativ unbeachtetes deutsches Beteiligungsunternehmen, das aber in nächster Zeit aus seinem Dornröschenschlaf erwachen könnte. KAP hat jahrelang in nicht immer  gut laufende Mittelständler investiert und ab und zu schöne Verkaufserfolge erzielen können. Was zu üppigen Dividendenausschüttungen führte, allerdings nicht in  jedem Jahr. Dann erfolgte der Strategieschwenk und die vorhandenen Mittel wurden in Aktien großer, börsennotierte Unternehmen angelegt. Was KAP für mich (noch) uninteressanter machte. Doch der Wind hat sich gedreht, denn ein neuer Großinvestor ist an Bord und mit ihm wird eine neue Strategie verfolgt. Und hier wird es dann auch interessant...

Montag, 10. April 2017

Stella -Jones: Alles andere als auf dem Holzweg

Konsumgüterhersteller sind gefragt an der Börse und das schon seit einigen Jahren. Die früher als unsexy und langweilig verschrienen defensiven Titel erfreuten sich in Zeiten sinkender Zinsen zunehmender Beliebtheit, da immer mehr Anleger auf stetige Geschäftsmodelle und sichere, hohe Dividendeneinnahmen setzten. „Dividenden sind der neue Zins“ ist so ein neuer geflügelter Euphemismus, der in diesem Zusammenhang gerne gebraucht wird. Und es sprechen ja auch starke Argumente für Konsumgüterhersteller.

Sie liefern solide Umsätze ab, da die Menschen selbst in Zeiten von Unsicherheit und Rezession Dinge des täglichen Bedarfs einkaufen. Gespart wird woanders. Wer also nicht ständig auf seinen Depotauszug schaut, um sich an Kursgewinnen zu erfreuen, sondern wer mehr Wert auf einen steigenden Zahlungszufluss aus Dividenden- und Zinseinnahmen setzt, ist mit Aktien von Konsumgüterherstellern gut bedient. Trotz ihrer inzwischen teilweise recht anspruchsvollen Bewertung.

Bei Konsumgütern denken wird an Windeln, Zahnpasta, Nahrungsmittel, Taschentücher. Schauen wir über den Tellerrand hinaus, finden sich Geschäftsmodelle und Branchen, die nach demselben Muster funktionieren, aber dennoch keine Konsumgüter herstellen. Einen solchen Wert möchte ich heute vorstellen: Stella Jones.

Börsenweisheit der Woche 15/2017

"Kapitalanlage besteht darin, die Erträge eines Vermögensgegenstands während seiner Laufzeit vorherzusagen. Spekulation besteht darin, die Psychologie des Marktes vorherzusagen."
(John Maynard Keynes)

Mittwoch, 5. April 2017

Zwei Übernahmen: Deutsche Beteiligung formt europäischen Marktführer für Fertiggerichte

Die im Nebenwerte-Index SDAX gelistete Deutsche Beteiligungs AG ist eine der ältesten deutschen Beteiligungsgesellschaften und mit knapp 20 Prozent ist die Drogeriefamilie Rossmann an Bord. Die DBAG ist als Asset Manager tätig und investiert das Geld ihrer Aktionäre und Investoren in Unternehmensbeteiligungen. Vor einem halben Jahr führte die DBAG eine Kapitalerhöhung durch, um frisches Geld für neue Investments zu haben und legte umgehend den neuen Buy-out-Fonds DBAG Fund VII im Gesamtvolumen von 1 Mrd. Euro auf. Dabei sind höhere Co-Investitionen an der Seite des Fonds vorgesehen und der Eigenanteil der DBAG wird knapp 200 Mio. Euro, also rund ein Fünftel des Fondsvolumens.

Und inzwischen ist die DBAG sehr aktiv auf Akquisitionssuche für den Milliarden-Fonds. Als erste Investition tätigte man den Kauf zweier Radiologiepraxen, die künftig als ein regional führender Anbieter radiologischer Untersuchungen und Behandlungen am Markt operieren werden. Der Fonds erwirbt dabei die Anteile von einer Gruppe aus 18 Ärzten, die die beiden Gemeinschaftspraxen in den vergangenen Jahren geführt und sehr erfolgreich weiterentwickelt haben. Alle bisherigen Gesellschafter werden sich mit etwa 44 Prozent rückbeteiligen, die übrigen Anteile wird der DBAG Fund VII halten. Die DBAG selbst wird für ihre Co-Investition zunächst rund 15 Mio. Euro aus ihrer Bilanz aufwenden und auf sie entfallen künftig rund elf Prozent der Anteile. Der Vollzug des Kaufvertrags wird für die Jahresmitte erwartet; er bedarf noch der Zustimmung der Kartellbehörden und anderer Institutionen.

Politische Börsen haben kurze Beine

Donald Trump wird ist der nächste Präsident der USA, ein Gedanke, an den man sich erst gewöhnen muss. Die politischen Auswirkungen sind kaum abzuschätzen, doch eines steht seit der Wahl fest: es wird unberechenbarer.

Im Vorfeld der Wahl wiesen die Aktienkurse eine hohe Korrelation auf mit den Meinungsumfragen. Lag Trump in Führung, rauschten die Börsen nach unten, zog Clinton an ihm vorbei, erholten sich die Kurse. Nicht etwa, weil Clinton so beliebt war, sondern weil die Märkte sie und ihre Positionen zu kennen glaubten. Denn wenn die Börse eines hasst, dann ist es Unsicherheit. Und mit Clinton schien man auf der sichereren, weil berechenbareren, Seite.

Und doch kam alles ganz anders. Erst gab es zum Wochenstart eine Erholungsrallye, weil die Umfragen Clinton zur Siegerin ausriefen, doch der eine oder andere fühlte sich an das Brexit-Votum aus dem Sommer erinnert, das nach demselben Muster ablief. Kurz vor der Entscheidung schien sich alles zum Guten zu wenden, die Börsen nahmen diesen Erfolg vorweg, um dann geschockt ins Tal der Tränen abzustürzen.

Und in einem solchen Tal fand sich der DAX am Mittwochmorgen wieder, nachdem Trump als Sieger feststand. Satte 5 Prozent rauschte er vorbörslich in die Tiefe und alle, die zu diesen Kursen Bottom-Fishing betrieben, wurden stattlich belohnt. Denn nach dem kurzen Schock berappelte sich der DAX zusehends, auch die Futures auf den S&P 500 und den Dow Jones Index verließen das tiefrote Terrain und reduzierten ihre Verluste beinahe im Minutentakt. Zum Handelsende standen DAX und Dow Jones sogar mit jeweils mehr als einem Prozent im Plus. Verkehrte Welt? Irre Welt! 

Dienstag, 4. April 2017

MBB setzt nach Aumann-Erfolg auf Sonderdividende und weitere Übernahmen

MBB bestätigt die bereits veröffentlichten vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 und konnte einen neuen Umsatzrekord in Höhe von 332,2 Mio. Euro (Vorjahr 252,8 Mio. Euro) erzielen, was Wachstum von 31,4% entspricht. Das EBITDA befindet sich mit 30,4 Mio. Euro (Vorjahr 24,8 Mio. Euro) auf einem neuen Höchststand und die EBITDA-Marge beträgt 9,1%. Das Konzernergebnis beträgt 14,3 Mio. Euro (Vorjahr 11,8 Mio. Euro), so dass ein Ergebnis je Aktie in Höhe von 2,16 Euro (1,79 Euro im Vorjahr) erzielt wurde. Damit übertreffen Umsatz und Ergebnis die Managementprognose von 310 Mio. Euro Umsatz und 2,10 Euro Ergebnis pro Aktie. Die Konzernliquidität ist per Ende 2016 deutlich auf 77,4 Mio. Euro (54,0 Mio. Euro per Ende 2015) gestiegen und die Nettoliquidität hat sich auf 22,2 Mio. Euro (8,1 Mio. Euro per Ende 2015) erhöht. Das Eigenkapital stieg zum Ende des Geschäftsjahres 2016 auf 98,4 Mio. Euro (Vorjahr 87,7 Mio. Euro), was einer Eigenkapitalquote von 36,9% (Vorjahr 39,4%) entspricht.

Am 24. März 2017 hat die MBB-Tochter Aumann einen sehr erfolgreichen Börsengang durchgeführt, in dessen Zuge die MBB SE ihren Anteil durch Kapitalerhöhung und Umplatzierung von 93,5% auf 53,6% reduziert hat. Der für die MBB Aktionäre realisierte Wertzuwachs aus dem Börsengang wird gem. IFRS im ersten Quartal 2017 erfolgsneutral über das Konzerneigenkapital erfasst. Hierdurch erhöht sich das den Aktionären der MBB SE zuzurechnende Eigenkapital nach vorläufigen Zahlen um mehr als 140 Mio. Euro oder mehr als 21,00 Euro pro Aktie. Die Konzernliquidität steigt durch den Börsengang per Ende März 2017 nach vorläufigen Zahlen auf über 260 Mio. Euro, die Nettoliquidität auf über 210 Mio. Euro. Davon entfällt nach vorläufigen Zahlen eine Nettoliquidität von über 170 Mio. Euro auf die Konzernmuttergesellschaft MBB SE.

 MBB SE (Quelle: finanzen.net
2017 rechnet MBB mit einem organischen Umsatzzuwachs von 18% auf 390 Mio. EUR. Trotz des Abgangs eines wesentlichen Teils der Beteiligung an der Aumann AG, plant das Management ein Ergebnis je Aktie auf dem Vorjahresniveau. Diese Entwicklung wird erwartet, da der Auftragseingang und die Kapazitätsauslastung zu Beginn des neuen Geschäftsjahres auf organisches Wachstum bei allen MBB Tochterunternehmen hinweisen.

Das Management der MBB betrachtet die Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung als hervorragende Voraussetzung, um einerseits im aktuellen Marktumfeld organisch sowie durch die Zukäufe neuer Tochterunternehmen zu wachsen. Für das Geschäftsjahr 2016 wird der am 28. Juni 2017 stattfindenden Hauptversammlung eine auf 61 Euro-Cent/Aktie oder 4,0 Mio. Euro (im Vorjahr 59 Euro-Cent/Aktie oder 3,9 Mio. Euro) steigende Dividende vorschlagen. Aufgrund des erfolgreichen Börsenganges wird zudem in gleicher Höhe eine Sonderdividende vorgeschlagen, so dass insgesamt 8,0 Mio. Euro an die Aktionäre ausgeschüttet werden sollen.

Meine Einschätzung
MBB kann hervorragende Ergebnis vorweisen und zeigt, dass es bei Übernahmen auf die richtigen Unternehmen setzt. Ruhig und bedächtig geht man vor und daher freut mich die Aussage, man wolle "im aktuellen Marktumfeld organisch sowie durch die Zukäufe neuer Tochterunternehmen" wachsen. Das erklärt auch, dass die Gesamtdividende von 1,22 Euro je Aktie recht mager ausfällt, von der Basisdividende von 0,61 je Aktie ganz zu schweigen. Mir gefällt da sehr, denn der Track-Record von MBB zeigt, dass das Geld im Unternehmen am besten eingesetzt werden kann. Und ich vertraue auf das Erfolgs-Duo Nesemeier/Freimuth und ihr Gespür für außerordentliche Gelegenheiten. Wie bei der Übernahme der Claas Fertigungstechnik und beim Kauf der Aumann-Gruppe, aus denen MBB dann die Aumann AG formte.

MBB wird momentan mit rund 575 Mio. Euro bewertet und zieht man davon die Nettoliquidität von rund 170 Mio. Euro ab, bleiben knapp 405 Mio. Euro. Aumanns Börsenwert liegt bei 720 Mio. Euro (Aktienkurs von 51,50 Euro) und MBB hält jetzt 53,5%, macht 385 Mio. Euro. Die Differenz beträgt mal gerade 20 Mio. Euro und darunter fällt ja auch Delignit, deren Börsenbewertung bei 36,5 Mio. Euro liegt und MBBs Anteil von 76% steht alleine hier schon für 27,5 Mio. Euro. Was nichts anderes heißt, als dass beim aktuellen MBB-Börsenkurs von 86 Euro alle sonstigen MBB-Aktivitäten ohne Aumann und Delignit sogar mit einem Abschlag von 7,5 Mio. Euro bewertet werden. Würde heißen, der Markt geht davon aus, dass die übrigen Töchter Verluste einfahren und/oder Sanierungsfälle sind, die nur Geld verschlingen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall!

Denn nach Aussage des MBB-Vorstands laufen alle Konzerntöchter hervorragend und weisen deutliches organisches Wachstum auf. Sie müssten also mit einem deutlichen eigenen Anteil in die Bewertung einfließen, nicht mit einem Abschlag. Man kann es nun so interpretieren, dass der MBB-Kurs aktuell mit einer Sicherheitsmarge versehen ist, oder dass es noch einige an Kurspotenzial bis zum fairen Wert gibt. Oder beides. Vermutlich wird der Kurs nach der starken Rallye erst einmal eine Zeit lang konsolidieren, aber spätestens wenn die nächste Übernahme eingetütet wird, dürfte er wieder anspringen und Kurs auf die 100-Euro-Marke nehmen. Oder wenn die Töchter, inkl. Aumann, weiter so stark und profitabel wachsen. Und die Aussage des Managements spricht auch dafür, dass die 76,08-Prozent-Tochter Delignit demnächst mit tollen Zahlen und Perspektiven aufwarten wird.

Sowohl MBB als auch Delignit befinden sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.


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ERGÄNZUNG VOM 15.05.2017, 18:43

▸ Hauck & Aufhäuser hebt Kursziel auf 120 Euro

Die Analysten von Hauck & Aufhäuser bestätigen die Kaufempfehlung für die Aktien von MBB und heben das Kursziel von bisher 86,00 auf 120,00 Euro an. Sie gehen von mindestens einem großen Zukauf in diesem Jahr aus und rechnen mit einem Gewinn je Aktie von 2,61 Euro, während MBB selbst 2,16 Euro prognostiziere. H&A sieht dies als sehr konservativ an und erwartet eine Prognoseanhebung mit Vorlage der Halbjahreszahlen im August.

DIC Asset, Publity, WCM: Was geht bei den Gewerbeimmobilien-Profis?

Im Gewerbeimmobilienbereich tut sich was und das nicht zu knapp. Käufe, Verkäufe und Übernahmespekulationen treffen auf ein Umfeld niedriger Zinsen und explodierender Mieten - und Preise.


DIC Asset
So verkauft DIC Asset ein Immobilienpaket im Volumen von 143 Mio. Euro bestehend aus zehn Liegenschaften in deutschen A- und B-Städten. Dabei handelt es sich vorwiegend um Single-Tenant-Büroobjekte in deutschen A- und B-Städten, wie unter anderem Hamburg, Köln, Mannheim und Erlangen mit einer Gesamtmietfläche von 100.000 Quadratmetern. Die erwirtschafteten annualisierten Mieteinnahmen der verkauften Liegenschaften liegen bei rund 11 Mio. Euro. DIC Asset will durch gezielte Verkäufe sein Commercial Portfolio optimieren und weiterentwickeln und mit dieser Transaktion hat DIC Asset bereits zwei Drittel des für 2017 kommunizierten Verkaufsziels erreicht.

Meine Einschätzung
Mit dem Verkauf kommt DIC Asset dem Ziel, zu einem Asset Manager für deutsche Gewerbe-Immobilien zu werden, einen großen Schritt näher. Der Eigenbestand wird reduziert und die ins Unternehmen fließenden 143 Mio. Euro können nun für weitere Co-Investments genutzt werden, um die AuM kräftig auszuweiten. Zudem dürften durch den Verkauf erhebliche stille Reserven aufgelöst worden sein und in Form von üppigen Gewinnen in die GuV einfließen. DIC Asset notiert weiterhin deutlich unterhalb des NAV, den das Unternehmen per 31.12.2016 mit 12,83 Euro ausweist, und bleibt eine interessante Depotbeimischung im Immobiliensektor, zumal die Neuausrichtung hin zum Asset Manager zusätzliches Potenzial bietet und gleichzeitig Risiken reduziert.

Geschäftsbericht der DIC Asset zum 31.12.2016


Publity
Publity kann ebenfalls einen Verkaufserfolg melden, nachdem man zuletzt verstärkt auf der Käuferseite zu finden war. Der geschlossene AIF "publity Performance Fonds Nr. 8", welcher Anfang 2016 in die Platzierung ging, verkauft das im Juli 2016 erworbene Bürogebäude in der Berner Straße in Frankfurt am Main, welches langfristig an zwei Tochterunternehmen aus dem Unternehmensverbund der WISAG voll vermietet ist, nachdem erst im Oktober das Asset Management Team von Publity über 1.600 m² an die WISAG Facility Management GmbH & Co. KG vermieten konnte. Publity sieht die schnelle Weiterveräußerung als Erfolg für seine "Manage-to-Core-Strategie", bei der Immobilien mit Wertsteigerungspotenzial erworben und wieder veräußert werden, nachdem sie wertsteigernd durch das Asset Management der Publity entwickelt wurden.

Und erst kürzlich hat Publity ein weiteres Asset Management Mandat eines institutionellen Investors erhalten, nämlich von der Consus Commercial Property AG, die von Publity-CEO und Großaktionär Olek gegründet wurde.

Publity wird für Consus Commerical Property am deutschen Markt attraktive Büroimmobilien identifizieren, den Ankaufsprozess begleiten und bei der anschließenden Wertentwicklung als Asset Manager fungieren. Die entsprechende vertragliche Vereinbarung wurde zu den bei Publity üblichen Konditionen geschlossen. Damit adressiert Publity eine neue Größenklasse von Büroimmobilien mit einem Ankaufspreis zwischen 10 und 25 Mio. Euro. Der Investitionsschwerpunkt liegt dabei auf etablierten Bürostandorten in deutschen Metropolregionen. Bereits zum Auftakt der Zusammenarbeit wurde ein Bestandsportfolio von Gewerbeimmobilien im Marktwert von über 200 Mio. Euro im Einzelankauf erworben.

Meine Einschätzung
Die Geschäfte scheinen reibungslos zu laufen und Publity vermeldet Ankaufs- und Vermietungserfolge in Serie. Der Consus-Deal birgt den Vorteil, dass Consus auf Publitys Research zurückgreifen und dafür bezahlen wird und Publity auf der anderen Seite kleinere Objekte in den Fokus nehmen kann, die man bisher nicht bedienen kann.

Publity bleibt ein Investment für Anleger mit robustem Magen, die auch stärkere Kursschwankungen aushalten, ohne gleich nervös zu werden.


WCM
WCM hat drei Einzelhandelszentren mit rd. 88.000 Quadratmetern vermietbarer Fläche gekauft und damit die am 1. Dezember 2016 vermeldete Transaktion des Mia-Portfolios erfolgreich abgeschlossen. Die annualisierten Mieteinnahmen betragen 7,6 Mio. Euro, die Funds from Operations (FFO I) rund 4,3 Mio. Euro und der Nettokaufpreis von 98,2 Mio. Euro wurde mit Eigenmitteln und einer deutschen Großbank zu attraktiven Konditionen finanziert. Mit der Transaktion liegt der Schuldzins für das Gesamtportfolio nunmehr knapp 2%.

Der Buchwert des WCM-Portfolios beträgt zum Stichtag 31. März 2017 rund 800 Mio. Euro. Die annualisierten Mieteinnahmen steigen auf insgesamt 47,5 Mio Euro und die vermietbare Gesamtfläche erhöht sich auf über 426.000 Quadratmeter. Die Leerstandsrate liegt bei 4,3% und die durchschnittliche Restlaufzeit der Mietverträge (WALT) bei aktuell 8,2 Jahren.

Meine Einschätzung
WCM hat keine Zukäufe mehr in Arbeit, alle gemeldeten Transaktionen sind "geclosed". Der Kauf von Einzelhandelszentren begeistert mich allerdings nicht wirklich denn auch der Lebensmitteleinzelhandel wird zunehmen durch Online-Handel bedroht, namentlich durch Amazon und seine Angebot Amazon Fresh und Amazon Dash. Ich hatte diese disruptive Entwicklung schon mal beschrieben in meinem Artikel "Enttäuschung? Nein! Bei Amazon kauft jeder ein. Auch ich...". Edeka, Rewe, Lidl & Co. haben nämlich eine entscheidende Schwachstelle: bei ihnen fehlt das Einkaufserlebnis. Niemand geht gerne im Supermarkt einkaufen, das ist eine lästige Pflichtaufgabe. Und diese wird zunehmend von den Einzelhändlern selbst ersetzt (Rewe Lieferservice) und eben auch von Amazon.

Bringt uns zurück zu den Immobilien. Denn für die Lieferungen benötigt man keine Supermärkte, man braucht Logistikstandorte, von denen aus die frischen Waren transportiert werden. Rewe dockt sein Lieferprogramm momentan noch bei den lokalen Supermärkten an, aber das ist nur eine Übergangslösung. Ich denke, die Supermärkte werden eine ähnliche Entwicklung nehmen wie die Banken. Auch da fing es langsam an und dann beschleunigte sich der Trend. Wer, wie Fair Value REIT, stark auf Immobilien mit Bankfilialen gesetzt hat, hatte ein echtes Problem vor der Brust. Und die Supermarkt-Immobilien werden folgen. Nicht heute, nicht morgen, aber in einigen Jahren wird das bereits losgehen und dann immer schneller um sich greifen. Daher halte ich wenig von langfristigen Investitionen in diese Immobilien, da die auch schwerlich für etwas anderes genutzt werden können. Jedenfalls nicht zu annähernd vergleichbaren Mietkonditionen. Und das hat durchaus starke Auswirkungen auf den Wert und die Rendite.

Bei WCM wird momentan auch eher die Übernahmekarte gespielt, weil Großaktionär DIC Asset seinen Anteil zuletzt über die Schwelle von 25% ausgebaut hatte und einige nun von einer Komplettübernahme von WCM ausgehen. Ich hatte dies bezüglich ja bereits im Januar auch schon Überlegungen angestellt, gehe aber nach wie vor davon aus, dass eine Übernahme frühestens zum Jahresende erfolgen würde. Wenn überhaupt. Denn "Mr. WCM" Karl Ehlerding wird hier auch ein Wörtchen mitreden wollen und DIC Asset kaum kampflos das Feld überlassen. Vermutlich wird es daher eher auf eine Kooperation oder einen Asset-Deal hinauslaufen. Aber das bleibt abzuwarten, es bleibt auf jeden Fall spannend.

DIC Asset, Publity und WCM befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 3. April 2017

Börsenweisheit der Woche 14/2017

"Erfolgreiches Investieren benötigt Zeit, Disziplin und Geduld. Unabhängig davon, wie groß Dein Talent oder Deine Anstrengungen sind, einige Dinge brauchen einfach Zeit: Man kann kein Kind in einem Monat bekommen, indem man neun Frauen schwängert."
(Warren Buffett)

Freitag, 31. März 2017

Zinsen, Inflation: Die weiteren Aussichten für Asset-Manager wie Corestate Capital, Deutsche Beteiligungs AG, DIC Asset, Ernst Russ, Lloyd Fonds, MPC Capital, Patrizia, Publity

Asset-Manager legen im Auftrag ihrer Kunden Geld an, überwiegend für institutionelle Investoren wie Family Offices, Versicherungen, Pensionsfonds. Eine Reihe von ihnen bietet seine Dienstleistungen allerdings auch Privatkunden an, gerne über Fonds. Und diese Unternehmen hatten die letzten Jahre regen Zulauf, sie konnten ihre Assets under Management (AuM), also das von ihnen verwaltete Vermögen erheblich ausweiten. Was nicht zuletzt am immer weiter fallenden Zinsniveau in der Eurozone lag, das die Jagd auf Rendite immer mehr verschärfte. Im Zuge der Niedrigzinsphase kamen und kommen auch zunehmend "Bastionen der Sicherheit" in immer ärgere Bedrängnis, wie Versicherungen und Bausparkassen. Von Banken ganz zu schweigen, denen ist das Kerngeschäft komplett weggebrochen da ihre Zinsmarge immer weiter zusammenschrumpft. Ich hatte neulich wieder ein längeres Gespräch mit dem Vorstand unserer örtlichen Sparkasse, bei dem es um das unerfreuliche Thema Filialschließungen ging. Dabei wurden auch erneut Zahlen präsentiert, die ich hier im Blog schon mehrfach angesprochen habe.

Zinsmarge implodiert
In der Vergangenheit konnte bei einem höheren Zinsniveau die Zinsmarge von den Banken relativ konstant bei 2% gehalten werden. Für die Spar- und Termineinlagen der Kunden erhielten diese also im Schnitt etwa 2% weniger an Zinsen gutgeschrieben, als Kunden für Anschaffungs- und Immobilienkredite zahlen mussten. Ich meine damit die durchschnittliche Zinsmarge über alle Fristen hinweg. Für die Banken war das Zinsniveau relativ belanglos, denn ob die ihre 2% Marge zwischen 6 und 8 Prozent oder zwischen 3 und 5 Prozent verdienten, war ihren eigentlich egal. Das Zinsniveau hatte, ebenso wie die allgemeine Konjunkturlage, eher Auswirkungen auf das Volumen der nachgefragten Kredite.

Mittwoch, 29. März 2017

Phillips 66 ist Buffetts raffiniertestes Öl-Investment

Warren Buffett ist der Großmeister des Value-Investings und er steht auf verlässliche Geschäftsmodelle, die sich relativ leicht in die Zukunft fortschreiben und damit bewerten lassen, möglichst mit langer Geschäftshistorie. Und er betont stets, man solle Aktien kaufen, als würde man das ganze Unternehmen erwerben, sich an einem Business beteiligen, an dem man für mindestens fünf Jahre festhalten wird. 

Weshalb nun gerade ein börsennotiertes Unternehmen aus der Öl-Branche mit ihren starken Preisschwankungen in den letzten drei Jahren zwischen 30 und 110 Dollar für WTI (West Texas Indermediate), und das erst seit wenigen Jahren eigenständig ist und an der Börse notiert, sich seiner zunehmenden Beliebtheit erfreut, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Da müssen wir schon genauer hinsehen, um vielleicht auch zu erkennen, was Buffett an Phillips 66 so begeistert.

Wie Buffett zu Phillips 66 kam
Seine ersten Aktien von Phillips 66 hat Buffett nicht gekauft, sie wurden ihm geschenkt. Und zwar als Abspaltung, als Spin-off, des Energieriesen ConocoPhillips, der vor gut vier Jahren seine langweilige und margenschwache Sparte unbedingt loswerden wollte, um sich ganz auf die damals viel lukrativere Öl-Förderung zu konzentrieren. Damals hatte das zu diesem Zeitpunkt wertvollste Unternehmen der Welt, der Energie-Gigant ExxonMobil gerade vermeldet, dass man einen Jahresgewinn von 40 Milliarden Dollar erzielt hätte. Und niemand wollte damals ein unspektakuläres Raffineriegeschäft haben und ein mindestens ebenso unattraktives Tankstellennetz. Naja, alle außer Warren Buffett…

Dienstag, 28. März 2017

Short, shorter, Attacke: Ströer, Wirecard - und jetzt auch Aurelius...

„Die Börse ist keine Einbahnstraße“ heißt es so schön und allen Anlegern ist klar, dass die Kurse steigen, aber auch fallen können. Und je nach Einstellung zum Gesamtmarkt oder einzelnen Wertpapieren beschleicht einen manchmal der Wunsch, auch auf fallende Kurse setzen zu können. Otto Normalanleger bieten sich hier z.B. über Puts geeignete Möglichkeiten.

Für Langfristanleger, insbesondere Value Investoren, sind Put-Strategien eigentlich kein Bestandteil des Investorenwerkzeugkastens, denn schaut man sich die langfristige Entwicklung von Aktien an, dann schneiden diese je nach Länge des untersuchten Zeitraums mit durchschnittlichen sieben bis neun Prozent jährlicher Rendite ab. Die Chance, genau zum richtigen Zeitpunkt mal mit dem Setzen auf fallende Kurse Geld zu verdienen, wiegt das Risiko, am langfristigen Ansteigen der Kurse nicht mehr teilzuhaben, nicht auf.

Und doch werden sich auch Value-Investoren und Langfristanleger in Deutschland zunehmend mit fallenden Kursen auseinandersetzen müssen – und zwar nicht, weil die Börsen zu hoch bewertet wären oder aber eine große Korrektur bevorstünde. Sondern einfach, weil die angloamerikanische (Un-)Sitte des Leerverkaufens immer häufiger auch deutsche Unternehmen an heimischen Börsenplätzen trifft und somit unsere Portfolios...

Mit Großauftrag auf Turnaroundkurs: Muehlhan legt noch eine Schicht drauf

Die Hamburger Muehlhan AG ist im Bereich Oberflächenbeschichtung aktiv und hier insbesondere in den Bereichen Schifffahrt, Pipelines, Bohrplattformen und (Offshore-)Windkraftanlagen. Alle Segmente standen die letzten Jahre unter Druck, weil die Kunden sich mit Investitionen zurückhielten und jeden Euro zweimal umdrehen mussten. Die Schifffahrt befindet sich seit zehn Jahren in einer Dauerkrise, einhergehend mit sinkenden Frachtraten, Überkapazitäten, Fusionen und Pleiten großer global Player wie Han-Jin. Die Offshore-Windparks kamen in Deutschland lange Zeit nicht richtig vom Fleck und der gesunkene Ölpreis machte Ölplattformen in der Nordsee extrem unattraktiv. Für Muehlhan ging es also immer mehr um Konstenreduzierungen und das eigene Überleben. Ich hatte das Unternehmen vor einem Jahr als Turnaround-Spekulation vorgestellt und bisher hat der Kurs noch nicht wirklich viel reißen können. Bis jetzt. Doch das könnte sich nun ändern.

Denn inzwischen zeichnen sich einige Silberstreifen am Horizont ab. Nachdem Muehlhan einige Jahre durch ein Tal der Tränen gehen musste, konnte man auch aufgrund von Rationalisierungen und Fokussierung auf margenstärkere Aufträge wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Nicht ganz in dieses Bild passt der gerade erzielte Abschluss mit Moeller-Maerks, der weltgrößten Reederei, die auch im Nordseeölbohren ein ganz großer Player ist.

Die dänische Tochter Muehlhan A/S schloss mit Maersk Oil eine Vereinbarung mit einem Auftragsvolumen zwischen 100 und 130 Mio. Euro über die nächsten 5 Jahre ab. Zur Erfüllung wird Muehlhan sein dies bezügliches Personal von 80 auf 380 Mitarbeiter aufstocken. Die Auswirkung auf das EBIT der Gruppe seien allerdings gering, teilt Muehlhan mit. Und das passt eigentlich nicht zur Fokussierung auf margenstärkere Aufträge. Andererseits ist dies der größte Auftrag der Firmengeschichte und auch eine unterdurchschnittliche Marge bringt noch Geld ein, während auf der anderen Seite es wohl auch darum ging, den langjährigen Kunden Maersk Oil zu halten. Denn die Reederei-Tochter selbst ist im Konzern nicht mehr uneingeschränkt geliebt und soll in absehbarer zeit abgegeben werden. Muehlhan hat hier also einen Fuß in der Tür und darüber hinaus erzielt dieser große Auftrag natürlich auch Aufmerksamkeit und kann der Türöffner für andere Kunden und Projekte sein.

Montag, 27. März 2017

Capital Stage präsentiert mehr als sonnige Zahlen für 2016

Die Capital Stage AG, ein im SDAX-notierter Hamburger Solar- und Windparkbetreiber, kann für das Geschäftsjahr 2016 auf Basis vorläufiger operativer Geschäftsergebnisse sehr erfreuliche Zahlen vorlegen und übertraf damit sogar die eigene operative Ergebnisprognose trotz eines vergleichsweise schwachen Windjahres.

2016 war stand auch im Zeichen der Geschäftsausweitung durch den Ausbau des Portfolios aus Solar- und Windparks sowie die Übernahme der CHORUS Clean Energy AG im Oktober 2016. Inzwischen verfügt Capital Stage über mehr als 95% der Anteile und hat einen Squeeze-out in die Wege geleitet.

Vorläufige 2016er Zahlen
Die Umsatzerlöse der Capital Stage AG stiegen im Geschäftsjahr 2016 deutlich um mehr als 25% auf rund 141,8 Mio. Euro und das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (operatives EBITDA) erreichte rund 106,1 Mio. Euro. Auch das operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen (operatives EBIT) konnte im Berichtszeitraum auf nunmehr rund 61,6 Mio. Euro gesteigert werden, während der erwirtschaftete operative Cashflow sich im ebenfalls deutlich auf über 103,8 Mio. Euro erhöhte. Die vorläufigen operativen Ergebniskennziffern liegen damit über den eigenen Erwartungen des Unternehmens an das Geschäftsjahr 2016 und enthalten erstmalig auch die Ergebnisbeiträge der CHORUS Clean Energy für das vierte Quartal 2016. Im Vergleich zum Bilanzstichtag des Vorjahres erhöhte sich die Eigenkapitalquote nach vorläufigen Berechnungen auf 25,9%, die Bilanzsumme stieg auf rund als 2,4 Mrd. Euro.

Börsenweisheit der Woche 13/2017

"Es werden mehr Vermögen durch jahrelanges Sitzen auf guten Wertpapieren gemacht als durch ständiges Handeln."
(Philip Carret)

Freitag, 24. März 2017

MBB im Geldrausch: 3.000 Prozent Plus durch Aumann-IPO

Die MBB-Tochter Aumann AG ging heute an die Börse. Aumann ist ein weltweit führender Hersteller von innovativen Spezialmaschinen und automatisierten Fertigungslinien mit Fokus auf Elektromobilität. Das Unternehmen verbindet einzigartige Wickeltechnologie zur hocheffizienten Herstellung von Elektromotoren mit jahrzehntelanger Automatisierungserfahrung, insbesondere in der Automobilindustrie. Weltweit setzen führende Unternehmen auf Lösungen von Aumann zur Serienproduktion rein elektrischer und hybrider Fahrzeugantriebe, sowie auf Lösungen zur Fertigungsautomatisierung.

Angeboten wurden aus einer Kapitalerhöhung 1,5 Mio. Aktien zur Wachstumsfinanzierung im Bereich E-Mobility und zusätzlich stellt Großaktionär MBB im Wege einer Umplatzierung 4,48 Mio. Aktien inklusive Mehrzuteilungsoption zur Verfügung. MBB bleibt also auch nach dem Börsengang mit 53,6% Mehrheitsaktionär, während der Streubesitz nach dem IPO nun 46,4% beträgt. Denn wie MBB mitteilte, war die Emission mehrfach überzeichnet und die Aktien wurden zu 42€ am oberen Ende der Bookbuildingspanne zugeteilt. Inkl. der Mehrzuteilungsoption. Aumann flossen aus der Emission brutto 63 Mio.€ zu, der Rest ging an die Altaktionäre.

Aumann-Kursfeuerwerk erfreut auch MBB
Kurz nach der Aufnahme der Notiz an der Frankfurter Börse schoss der Aumann-Kurs auf 49€ hoch, was zu einer Bewertung von 686 Mio.€ führt. Für MBB ergeben sich hieraus gleich mehrere positive Nachrichten. Denn MBB erzielte einen Bruttoemissionserlös von 175,9 Mio. € und hält weiterhin die Mehrheit von 53,6% an der Aumann AG. Zur Erinnerung: die Aumann AG entstand aus dem Zusammenschluss der MBB Fertigungstechnik (MFT) und der Aumann-Gruppe. Für die MFT hatte MBB 2012 in Summe rund 31 Mio.€ bezahlt, wobei 29 Mio.€ in der Kasse lagen. Und für den 75%-Anteil an Aumann hat man dem Vernehmen nach rund €19 Mio. bezahlt. Also in Summe zwischen 16 und 17 Mio.€ für alle von MBB gehaltenen Anteile. Rechnet man nun die Bruttoemissionserlös von 176 Mio.€ zum MBB-Anteil von 53,6% an der Aumann-Gruppe auf Basis des Aktienkurses von 49€, also 367,7 Mio.€, stehen für MBB nun gut 543 Mio.€ an Börsenwert und Emissionserlös gegen die aufgewendeten 17 Mio.€. Das ist also ein Zuwachs von gut 3.000 Prozent!

In Hamburg sagt man Tschüss - Softing weiß nicht (mehr) zu überzeugen

Beim Anbieter von Messtechnikgeräten Softing haben Anleger in letzter Zeit viel Geduld aufbringen müssen und die hat sich - wieder einmal - nicht ausgezahlt.

Ich habe Softing vor knapp anderthalb Jahren auf meine Empfehlungsliste gesetzt, weil ich der Meinung war, CEO Trier würde mit der großen Übernahme von OLDI in den USA der große Wurf gelingen und Softing nach einer überschaubaren Übergangszeit noch besser in die Spur zurückbringen. Mehrmals konnte er seine vollmundigen Versprechen nicht einhalten und hat erneut enttäuscht. Dazu nimmt er nicht konkret Stellung, vielmehr variiert er in seinen Geschäftsberichten die Formulierungen, um gerade nicht zu lügen und dennoch sein Versagen nicht offen zugeben zu müssen. Anfangs versprach er für 2016 eine "deutlichen" Steigerungen bei Umsatz und EBIT, diese wurden im Jahresverlauf dann zu "moderaten Zuwächsen", nachdem erst die angekündigten weiteren Übernahmen verschoben werden mussten und CEO Trier uns Anleger auf das zweite Halbjahr vertröstete, wo die Geschäfte bei OLDI saisonal angeblich viel besser laufen würden.

Und nun hat Trier die 2016er Zahlen vorgelegt und seine eigenen, gestutzten Prognosen erreicht. Am untersten Rand, gerade mal eben so. Und das auch nur, weil ein Sondereffekt das Ergebnis rettete, ansonsten läge das EBIT nur bei 6,17 Mio.€, also meilenweit entfernt von den zuletzt versprochenen 7 bis 8 Mio.€. Das bereinigte operative EBIT liegt also nur noch bei 2,6 Mio.€ (Vorjahr 7,1 Mio.€). Der Sonderertrag resultiert aus einer Verminderung des Kaufpreises für OLDI, weil die viel schlechter abschnitten, als erwartet. Clever verhandelt oder eher wieder mal den Mund zu voll genommen? Inzwischen tendiere ich zu Letzterem.

Donnerstag, 23. März 2017

GBK Beteiligungen: Dividendenprimus bereitet weitere gewinntreibende Exits vor

Die auf Eigenkapitalbeteiligungen an mittelständischen Unternehmen fokussierte GBK Beteiligungen AG bestätigt die vorläufigen Zahlen zum Jahresabschluss 2016 und damit ein Rekordergebnis. So haben die Hannoveraner im Geschäftsjahr 2016 ein Realisiertes Ergebnis in Höhe von €12,5 Mio. erwirtschaftet und unter Berücksichtigung des Nicht realisierten Ergebnisses beläuft sich das Ergebnis des Geschäftsjahres auf €7,6 Mio. Dieses ist maßgeblich durch den Verkauf von drei Beteiligungen positiv beeinflusst worden. Der Nettoinventarwert je Aktie ist weiter gestiegen und beläuft sich am 31.12.2016 auf €10,18 je Aktie. Das Unternehmen wird der Hauptversammlung am 23. Mai eine Ausschüttung von €1,00 je Aktie vorschlagen wird, also einen Gesamtbetrag von €6,75 Mio. Dies entspricht bei einem aktuellen Börsenkurs von €12 einer Dividendenrendite von 8,33%. Die Dividende setzt sich dabei aus einer Basisdividende von €0,10 sowie einer Sonderdividende von €0,90 zusammen (Vorjahr: €0,10 und €0,60).

Verkäufe
Die hohen Ergebnisse speisen sich ja zuvorderst aus Gewinnen beim Verkauf von Anteilen an Beteiligungsunternehmen und Grundlage des GBK-Erfolgs ist nach wie vor das breitgestreute Portfolio. Hieraus wurden 2016 gleich drei Beteiligungen gewinnbringend veräußert: die österreichische IS Inkasso GmbH, die Raith GmbH, die Schlemmer GmbH. Dabei ist zu berücksichtigen, dass GBK selten ganze Unternehmen kauft oder Mehrheitsbeteiligungen eingeht, sondern sich mit der Rolle des Minderheitseigentümers zufrieden gibt.

Käufe
Auch auf der Kaufseite war GBK im Geschäftsjahr 2016 aktiv. In einem anspruchsvollen Marktumfeld konnte GBK das Portfolio durch Investitionen in Höhe von insgesamt €7,6 Mio. um drei neue Beteiligungsengagements erweitern. Dabei setzt GBK mit einer Beteiligung an der ACHAT Hotel- und Immobilienbetriebsgesellschaft mbH auf einen Betreiber von Value- und Budgethotels in der sich wandelnden Hotelbranche. Mit der MOESCHTER Group Holding GmbH & Co. KG erwarb die Beteiligungsgesellschaft Anteile an einem Innovationsführer und Spezialisten für die Entwicklung und Fertigung von Präzisionsbauteilen, Isolierungen und Komponenten aus Hochleistungswerkstoffen. Und mit der Schiller Fleisch GmbH & Co. KG nahm GBK einen Premiumanbieter hochwertiger Fleischprodukte in das Portfolio auf.