Freitag, 16. November 2012

Leifheit: solides Investment mit Übernahmephantasie

Den Haushaltsgerätehersteller Leifheit habe ich schon länger auf meiner Watchlist und nun habe ich zugeschlagen, nachdem der Kurs zuletzt schon angezogen war. Doch bei Leifheit kommen mehrere Faktoren zusammen, die das Unternehmen attraktiv und die Perspektiven interessant machen.

Gestern kam die Meldung über die Ticker, die beiden Großaktionäre, die HOME Beteiligungen GmbH und die MKV Verwaltungs GmbH, die 49% und 10% an Leifheit halten, sich von ihren Anteilen trennen möchten. Hinter den beiden Gesellschaften verbergen sich die Gründerfamilien Schuler-Voith und Knapp-Voith, deren Kinder andere Interessen hätten. So war man kürzlich bereits bei der Schuler AG ausgestiegen.

Die Leifheit AG wird also "ins Schaufenster" gestellt und ein Erwerber könnte auf einen Schlag mit 59% die Mehrheit an dem Unternehmen erlangen. Die Anteile sollen außerbörslich verkauft werden und ein Erwerber müsste dann den freien Aktionären ein Angebot für ihre Aktien machen. Und solche Angebote liegen üblicherweise im zweistelligen Bereich über den aktuellen Börsenkursen, weil man es den Aktionären ja schmackhaft machen muss, sich von ihren Anteilen an einem gut laufenden Unternehmen zu trennen. Wer also heute die Aktien der Leifheit AG kauft, setzt mittelfristig (auch) auf eine Übernahme. Und Übernahmen in Deutschland kommen gerade wieder in Mode, denn einerseits sind die deutschen Unternehmen wirtschaftlich hervorragend aufgestellt, andererseits aber stärker fremdfinanziert, was bei der sich abzeichnenden künftigen Zurückhaltung der Banken in der Mittelstandsfinanzierung (Stichwort Basel III und Eigenkapitalverschärfungen) nach neuen Finanzierungsmodellen schreit.

Übernahmephantasie alleine ist aber kein Grund, eine Aktie zu kaufen. Denn es ist nicht sicher, ob ein neuer Mehrheitsaktionär seinen Anteilsbestand dann signifikant ausbauen möchte und davon hängt ja ab, wie attraktiv sein Angebot an die anderen Aktionären sein wird, oder ob er nur dem Mindestpreis für das Pflichtangebot nachkommt. Ein Einstieg lohnt sich also nur, wenn das Unternehmen auch ohne Übernahmephantasie eine gute Investition wäre und man mittel- und langfristig an dem Unternehmen seine Freude haben wird.

Wer oder was ist Leifheit?
Leifheit stellt Haushaltsgeräte her und zwar unter den eigenen Marken Leifheit und Soehnle. Bis Ende des Jahres stammen auch noch die Dr. Oetker Backgeräte aus dem Hause Leifheit, doch hat man gerade eben den Lizenzvertrag zum Jahresende beendet, um sich stärker auf die beiden Kernmarken zu fokussieren und das breite Produktportfolio zu konzentrieren. "Ziel der Strategie ist es, die Marke Leifheit mit ihren Kategorien 'Reinigen', 'Wäschepflege' und 'Küche' stärker herauszustellen sowie die Marke Soehnle als attraktive, moderne Wellnessmarke zu positionieren". Die Produktsparte Dr. Oetker Backgeräte erzielte im Geschäftsjahr 2011 einen Umsatz von EUR 6,3 Mio. EUR, davon knapp 50 Prozent in Deutschland. Dieser Umsatzanteil - und die daraus resultierenden Gewinne - werden also künftig fehlen.

Und wie laufen die Geschäfte?
Die Marktkapitalisierung der Leifheit AG liegt bei etwas über 130 Mio. EUR und damit zählt das Unternehmen zu den kleineren Nebenwerten in Deutschland. Der 9-Monatsumsatz betrug 164 Mio. EUR (inkl. Dr. Oetker), wobei das Markengeschäft gute Zuwächse verzeichnete, während das Volumengeschäft (Herby, Birambeau) um 10% auf 32 Mio. EUR nachgab. Trotz leicht rückläufiger Umsätze steigerte Leifheit das operative Ergebnis um fast 10% auf 7,7 Mio. EUR. Das liegt vor allem an der neuen Strategie „Leifheit Go!“, einem Mix aus Preiserhöhungen, Innovationen und einer Sortimentsüberarbeitung mit Verzicht auf das margenschwache Geschäft, wodurch sich konzernweit die Brutto-Marge in den ersten neun Monaten um 1,5 Prozentpunkte auf 44 Prozent erhöhte. Positiv stimmt zudem die Entwicklung im dritten Quartal, denn das Margengeschäft entwickelte sich stärker als noch in den ersten sechs Monaten und wesentliche Kennzahlen wie die Bruttomarge und EBIT legten weiter zu. Konsequent hält Leifheit daher an seinen Prognosen für das Gesamtjahr fest und rechnet mit Erlöszuwächsen gegenüber dem Vorjahr, als 222 Mio. EUR umgesetzt wurden.

Gegenüber der Krise in Südeuropa stellt sich das Management nicht taub, sondern reagiert: man konzentriert sich nun verstärkt auf die Wachstumsmärkte in der Region Osteuropa und in ausgewählten Ländern Asiens und im Vertrieb soll künftig der Absatzkanal E-Commerce eine stärkere Rolle spielen. So sollen künftig die Produkte noch wesentlich stärker über den Internethandel verkauft werden, wobei Partnerschaften mit internationalen Kooperationspartnern forciert werden sollen.

Abgesehen vom Krisenjahr 2009 schreibt Leifheit Gewinne und wenn auch die Konsumzurückhaltung nicht spurlos an dem Unternehmen vorüber geht, hat das Management doch richtig reagiert und seine Strategie angepasst. Für 2012 gehen die Analysten vom Bankhaus Lampe von einem Gewinn je Aktie (EPS) von 1,82 EUR aus und für 2013 von 2,16 EUR. Allerdings noch inkl. der Sparte Dr. Oetker Backgeräte. Das 2013er KGV liegt somit bei rund 12,4 und die Dividendenrendite soll von 5,30% in 2012 sogar auf 6,15% in 2013 steigen.

Fazit
Leifheit betreibt kein spektakuläres Geschäft, sondern verdient grundsolide sein Geld. Die Produkte tauchen in vielen Haushalten auf und sind von hoher und langlebiger Qualität. Die Strategie wird angepasst, um auch in Krisenzeiten weiterhin gute Geschäfte machen und die Margen steigern zu können und die sich abzeichnende neue Eigentümerstruktur bietet zusätzliche Chancen für geduldige Aktionäre. Die Wartezeit wird einem mit einem risikoreduzierten Geschäftsmodell und einer hohen Dividendenrendite versüßt, so dass sich eine Übernahmespekulation bei Leifheit lohnen sollte.

Ich nehme Leifheit auf meine Empfehlungsliste.

Donnerstag, 15. November 2012

Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 3. Quartal 2012?

Im dritten Quartal 2012 hat Warren Buffetts Beteiligungsholding Berkshire Hathaway einige Änderungen an ihrem Portfolio vorgenommen, wie aus einer Pflichtmitteilung an die amerikanische Börsenaufsicht SEC hervorgeht.
Warren Buffett

Aufgestockt hat Buffett bei seiner Lieblingsbank Wells Fargo & Co, an der er nun 422,5 Mio. Aktien (+11 Mio.) hält, bei IBM (+ 872.500) und bei Deere & Co (+ 4 Mio.).

Weiter abgebaut hat Buffett seine Beteiligungen an ConocoPhillips, Johnson & Johnson (-95%), Kraft Food Group, U.S. Bancorp, General Motors (-88%) und Procter & Gamble.

Damit reduziert Warren Buffett insbesondere den in der Krise hervorragend gelaufenen defensiven Konsumgütersektor und zeigt auch durch sein weiter wachsendes Engagement bei Wells Fargo & Co., dass er von einer Konjunkturbelebung in den USA und einem Wiedererstarken des US-Immobilienmarktes überzeugt ist.

Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Mittwoch, 14. November 2012

Bei der H.P.I. Holding AG tut sich was

Das inhabergeführte Beteiligungsunternehmen H.P.I. Holding AG hat sich wie angekündigt von seiner kleineren Beteiligung, der Zimmer & Kreim GmbH getrennt. Käufer ist der schweizer Elektronik- und Softwareproduzent INDEL AG, der neuer Mehrheitseigner wird, während bei der H.P.I. Holding ein kleiner Anteil verbleibt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Interessant ist der Verkauf für die H.P.I. Holding, weil bei Z&K zuletzt Verluste anfielen und weil der Verkauf die nötigen Mittel generieren sollte, um aus Privatbesitz ein schuldenfreies deutsches metallverarbeitendes Unternehmen zu erwerben mit einem Umsatzvolumen von 15,0 bis 16,0 Mio. EUR und einem Vorsteuerergebnis von rund 1,7 Mio. bis 2,0 Mio EUR. Nachdem der Verkauf nun unter Dach und Fach ist, könnte es mit der bis Ende des Jahres geplanten Übernahme noch klappen.

Montag, 12. November 2012

Die MBB Industries AG im Bewertungs-Check

Der Aktienkurs der mittelständischen Beteiligungsgesellschaft MBB Industries AG ist nach Bekanntgabe der 9-Monatszahlen um 25% auf rund 17 EUR angezogen und nach einem solchen rasanten Anstieg wäre eine Konsolidierungsphase nicht ungewöhnlich und auch gesund.

Ist die MBB-Aktie nun teuer?
Optisch hat sich der Kurs in wenigen Monaten mehr als verdoppelt, daher kann man auf den ersten Blick zu dem Schluss kommen, dass die Aktie nun teuer ist. Der zweite Blick gilt dann den fundamentalen Daten und hier gab es signifikante Änderungen. Denn der Erwerb der Claas Feinmechanik GmbH und dessen Konsolidierung in den Konzernzahlen der MBB ab dem zweiten Quartal 2012 hat den Konzernumsatz nahezu verdoppelt und die Gewinne überproportional in die Höhe katapultiert. Das senkt die Bewertungskennzahlen und die Analystenhäuser beginnen gerade erst, ihre aktuellen Zahlen anzupassen. So hat Börse Online seine Gewinnprognosen angehoben und erwartet für 2012 nun 2,00 EUR (bisher 1,40) und für 2013 2,10 EUR (bisher 1,50). Die Analysten von Close Brothers Seydler haben ebenfalls ihre Schätzungen angehoben, wenn sie auch nicht ganz so optimistisch ausfallen, wie die von Börse Online. Nach einer EBIT-Marge von 8,5 Prozent im dritten Quartal rechnen die Experten für das Gesamtjahr mit einer Marge von 8,9 Prozent und erhöhen ihre Gewinnprognose je Aktie von 1,45 EUR auf 1,84 Euro und für 2013 von 1,71 EUR auf 1,89 EUR. Sie bestätigen die Kaufempfehlung für die Aktien von MBB Industries und geben ein erhöhtes Kursziel von 21,50 EUR aus (zuvor 17,20 EUR).

Nehmen wir einfach mal den Durchschnittswert beider Prognosen, dann kommen wir auf einen Gewinn je Aktie für 2012 von 1,92 EUR und für 2013 von 2,00 EUR. Bei einem aktuelle Kurs von 17 EUR ergäbe sich auf dieser Basis ein 2012er KGV von 8,85 und ein 2013er KGV von 8,5.

Vergleichen wir das mit anderen börsennotierten deutschen Beteiligungsgesellschaften:

Aurelius (Marktkap. 384 Mio. EUR), 2013er KGV: 30,5
Dt. Beteiligungen (Marktkap. 255 Mio EUR), 2013er KGV: 24,9
Gesco (Marktkap. 217 Mio. EUR), 2013er KGV: 9,9
Indus (Marktkap. 1.104 Mio EUR), 2013er KGV: 8,7
MBB Industries (Marktkap. 112 Mio. EUR), 2013er KGV: 8,5

Das zeigt, dass das Unternehmen MBB Industries trotz des starken Kursanstiegs im Peer Group-Vergleich weiterhin attraktiv bewertet ist und keinesfalls zu teuer. Im Gegenteil: die Mitbewerber verzeichnen teilweise bereits Bremsspuren beim Wachstum (Gesco, Indus), während MBB Umsatz und Ergebnis deutlich ausbaut.

Und neben den hervorragenden Zahlen wird noch ein Ereignis den Blick stärker auf MBB Industries lenken, denn vom 12. bis 14. November findet in Frankfurt das "Deutsche Eigenkapitalforum" statt und dort wird sich auch die MBB Industries AG präsentieren und eine Analystenkonferenz abhalten.

Darüber hinaus dürfte es in absehbarer Zeit zu heißen Spekulationen über die zukünftige Dividendenhöhe kommen, denn 2009 und 2011 hat MBB beinahe den gesamten Jahresgewinn von jeweils rund 0,50 EUR je Aktie als Dividenden ausgekehrt, in 2012 immerhin 0,44 EUR. Würde das Unternehmen dieser Strategie weiterhin folgen, wäre eine Dividende für 2012 von mindestens 1,50 EUR, wenn nicht gar 1,80 EUR drin. Und dann reden wir bei einem Kurs von 17,00 EUR von einer Dividendenrendite von 8,8 bis 10,6 Prozent - und das nach den starken Kursanstiegen der letzten Wochen.

Mein Fazit
Nach dem starken Kursanstieg der letzten Tage täte dem Aktienkurs der MBB Industries AG zunächst einmal eine Verschnaufpause ganz gut, bevor er weiter an Höhe gewinnt. Aufgrund der starken fundamentalen Daten und der weiterhin attraktiven Bewertung des Unternehmens dürfte es sich nicht lohnen, auf deutlich tiefere Kurse zu warten. Langfristig orientierte Anleger sollten an der inhabergeführten MBB Industries auch weiterhin ihre Freude haben.

Börsenweisheit der Woche 46/2012

"Spekulieren ist kein Spiel mehr; es ist eine Maßnahme zum Schutz des Vermögens."
(André Kostolany)

Samstag, 10. November 2012

Greiffenberger AG bestätigt Planungen für 2012

Die Beteiligungsholding Greiffenberger AG, die ich vor einiger Zeit als "kleine Mittelstandsholding mit großem Potenzial" vorgestellt hatte, konnte ihren Umsatz in den ersten 9 Monaten des Geschäftsjahres auf 122,4 Mio. EUR (116,7 Mio. EUR) steigern. Der Jahresumsatz soll zwischen 158 und 166 Mio. EUR liegen, der Gewinn vor Zinsen und Steuern eine Summe zwischen 8 und 10,5 Mio. EUR erreichen.

Wermutstropfen in den ansonsten robusten 9-Monatszahlen ist der deutlich zurück gegangene Auftragseingang, der von 130,8 auf 109,6 Mio. EUR sank, was einer Book-to-bill-Ratio von 0,84 entspricht. „Ein Grund für den Rückgang beim Auftragsbestand ist die merklich dynamisierte Prozesskette in allen Teilbereichen des Konzerns. Die von den Kunden abgerufenen Aufträge kommen so inzwischen wesentlich schneller zur Auslieferung. Im Zusammenspiel mit der aktuell vorsichtigen Grundstimmung der Unternehmen sehen wir aber auch eine temporär zurückhaltendere Ordertätigkeit“, kommentiert Konzernchef Stefan Greiffenberger die Entwicklung.

Greiffenberger bleibt also vom globalen Konjunktureinbruch nicht verschont, bleibt aber solide auf Kurs. Aufgrund der noch immer relativ niedrigen Eigenkapitalquote wird das Unternehmen jedoch keine großen Sprünge machen, was die Übernahme attraktiver Investments im südeuropäischen Raum angeht, wo sich größere Konkurrenten, wie z.B. die Aurelius AG ja aktuell zu Schnäppchenpreisen eindecken. Und Aurelius weist trotz ambitionierter Bewertung für 2012 eine Dividendenrendite im zweistelligen Bereich auf. Doch das momentan beste Chance-Risiko-Verhältnis mit fast unschlagbar attraktiven Bewertungskennzahlen bietet bei den deutschen Beteiligungsgesellschaften die MBB Industries AG, die soeben wieder einmal überragende Zahlen präsentiert hat, so dass man von "Goldgräberstimmung bei MBB Industries" sprechen kann.

Die Greiffenger AG hat langfristig Potenzial, auch wenn die kraftstrotzende Konkurrenz aktuell besser punkten kann.

Donnerstag, 8. November 2012

Dividendenwerte schlagen Lebensversicherungen!

Es dürfte niemanden überraschen, dass die Lebensversicherer zunehmend Probleme bekommen, denn die aktuelle Niedrigzinsphase dauert ja nun schon einige Zeit an. Und was schön ist für Häuslebauer und Leute, die gerne auf Pump kaufen, aber auch den Staat, der sich zu Rekord-Tiefstzinsen finanzieren kann, ist für Sparer ein Albtraum. Und nicht nur Sparbuch, Tagesgeld und Bundesanleihe bringen kaum noch Zinsen, auch Bausparkassen und Lebensversicherungen geraten in arge Bedrängnis. Denn sie garantieren ihren Kunden einen festen Zinssatz und müssen diesen bis zum Ende des Vertrages durchhalten. Bei Bausparkassen dauert die Sparphase in der Regel zwischen 7 und 9 Jahren, Lebensversicherungs- und Rentenverträge laufen 30, 40 Jahre oder noch länger. Und die Garantiezinsen liegen schon seit einiger Zeit deutlich über dem Zinsniveau, das die Anbieter selbst noch am Markt erzielen können mit der Folge, dass sie ihre Reserven anzapfen müssen, um die Garantiezinsen aufbringen zu können. Doch Reserven aufzulösen kann immer nur eine kurzfristige Maßnahme sein, denn die Rücklagen sind ja nur begrenzt vorhanden und entstammen den hohen Überschüssen der Vergangenheit...

Dienstag, 6. November 2012

Goldgräberstimmung bei MBB Industries

Die mittelständische Beteiligungsgesellschaft MBB Industries AG hat heute ihre 9-Monatszahlen bekannt gegeben und die sind fulminant ausgefallen: das Ergebnis steigt nach 9 Monaten um 272 Prozent auf 9,1 Mio. EUR oder 1,41 EUR pro Aktie, der  Umsatzzuwachs beträgt 90 Prozent auf 151 Mio. EUR, das EBITDA legte um 190 Prozent auf 17,3 Mio. EUR (Vorjahr 6,0 Mio. EUR) zu. Bei einem EBIT von 13,6 Mio. EUR betrug der Zuwachs 348 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 3,0 Mio. EUR.

Die sehr positive Geschäftsentwicklung wurde von sämtlichen Beteiligungen getragen, zudem ist in den Zahlen die Ende des 1. Quartals 2012 erworbene MBB Fertigungstechnik anteilsmäßig enthalten. Für das Gesamtjahr 2012 geht die MBB Industries von einer Fortsetzung der positiven Geschäftsentwicklung aus und erwartet unverändert einen Umsatz von mehr als 200 Mio. EUR. Der erfreuliche Geschäftsverlauf führte zu einer weiteren Erhöhung des Nettofinanzmittelbestandes per Ende September 2012 auf 28,3 Mio. EUR. Diese Erhöhung im Jahresverlauf 2012 konnte trotz der zwischenzeitlich erfolgten Übernahme der MBB Fertigungstechnik sowie der geleisteten Dividendenzahlung von rd. 2,8 Mio. EUR (0,44 EUR je Aktie), erzielt werden. Mit liquiden Mitteln von 51,5 Mio. EUR verfügt die MBB Industries über die Möglichkeit, neben dem internen Ausbau des Geschäfts auch durch weitere Akquisitionen zu wachsen.

Erst kürzlich im September hatte ich Ihnen die familiengeführte MBB Industries AG ans Herz gelegt und auf die rasant steigende Substanz- und Ertragskraft hingewiesen. Der Kurs lag damals bei 11,25 EUR, nachdem er bereits von 6 EUR um gute 50% zugelegt hatte, also rund 3 EUR niedriger als heute und es stellt sich die Frage, ob man auf diesem Kursniveau immer noch in das Unternehmen einsteigen sollte.

Anfang September lagen die Gewinnschätzungen für das Gesamtjahr 2012 bei 1,45 EUR je Aktie und das ergab beim damaligen Kurs ein 2012er KGV von unter 8. Doch heute gab MBB Industries bekannt, dass man in 2012 bereits nach 9 Monaten 1,41 EUR je Aktie Gewinn erzielt habe - und es stehen noch 3 gewinnträchtige Monate aus. Der Umsatz- und Gewinnbringer ist zweifelsohne die neue Tochter MBB Feinmechanik, die jedoch erst seit dem zweiten Quartal in der MBB-Konzernbilanz konsolidiert wird - die Analysten werden also ihre Ergebnis- und Gewinnprognosen für 2012 und die Folgejahre deutlich nach oben anpassen müssen. Was dazu führt, dass trotz des Kursanstiegs von gut 25% seit meiner Empfehlung im September die Aktie, was das die Gewinnbewertung angeht, (wieder) auf demselben Niveau notiert. Und geht man von einer gleich hohen Ausschüttungsquote bei der Dividende aus, wird auch diese auf dem aktuellen Kursniveau bei über 45% bleiben.

Fazit
Einstelliges Kurs-Gewinn-Verhältnis, sehr attraktive Dividendenrendite, starkes Umsatz- und Gewinnwachstum und hoher Liquiditätsbestand für weitere Übernahmen - Anlegerherz, was willst Du mehr? Ich erneuere meine Einschätzung vom September: "Das Unternehmen hat noch erhebliches Potenzial hinsichtlich seiner Beteiligungen und dem möglichen Ausbau des Portfolios und bietet auf dem derzeitigen Kursniveau mit niedrigem KGV und attraktiver Dividendenrendite eine günstige Einstiegschance für ein langfristiges Investment".

Montag, 5. November 2012

Börsenweisheit der Woche 45/2012

"Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Liquidität. Wenn Du keine hast, kannst du auch niemandem ans Bein pinkeln."
("Gordon Gekko" in Oliver Stones Epos „Wall Street“)

Freitag, 2. November 2012

Deutsche Telekom: Dividendenkürzung ante portas?

Der Wettbewerb in der Telekom-Branche wird immer härter und das drückt die gewinne. Denn einerseits müssen Milliarden in neue Technik investiert werden (LTE, VDSL) und andererseits kommen immer mehr junge und freche Anbieter auf den Markt, die ohne eigenes Netz nur große Minutenkontingente bei den Netzbetreibern einkaufen und so günstige Tarife für die Verbraucher bieten. In Deutschland ist zudem durch die Regulierungsbehörde der Preis, den die Deutsche Telekom als Ex-Monopolist für die Nutzung ihrer Netze von den Wettbewerbern verlangen darf, gedeckelt.

Bisher hat die Deutsche Telekom eine hohe Dividende "garantiert", aber das Versprechen, 3,4 Mrd. EUR auszuschütten, endet 2013. Dass sich die Telekom diese hohe Dividende schon heute längst nicht mehr leisten kann, weil die deutlich weniger verdient, als sie ausschüttet, habe ich kürzlich hier dargelegt: "Deutsche Telekom: Raubbau an der Substanz durch zu hohe Dividende". Und dem Handesblatt zufolge, denkt man in den (Aufsichtsrats-)Kreisen der Telekom inzwischen auch so.

Blickt man auf die Konkurrenz, legt das ebenfalls den Schluss nahe, dass die Telekom vor einer massiven Dividendenkürzung steht: die niederländische E-Plus-Mutter KPN hat ihre Ausschüttung gekürzt, France Telekom hat die Dividende um zwei Fünftel gesenkt, Telekom Austria reduzierte sie von 38 Cents auf 5 Cents und die spanische Telefonica hat sie gar ganz gestrichen und auch das Aktienrückkaufprogramm gestoppt.

Die Zeit der (zu) hohen Dividenden bei der Deutschen Telekom neigt sich dem Ende zu und das ist auch gut so. Eine derartige substanzverzehrende Dividendenpolitik schädigt das Unternehmen nachhaltig und muss enden! Die Telekom sollte ihr Geld für die dringend benötigten Infrastrukturinvestitionen nutzen, um wieder wettbewerbsfähig(er) zu werden und als Dividende sollten die üblichen 40 bis 60 Prozent des Gewinns ausgeschüttet werden, mehr nicht. Unsolides Finanzgebaren macht sich auch an der Börse auf Dauer nicht bezahlt. Im Gegenteil. Und die Anleger sollten sich von einer optisch hohen Dividendenrendite nicht blenden lassen, wenn diese nicht durch Gewinne verdient wird.

Montag, 29. Oktober 2012

Börsenweisheit der Woche 44/2012

"Wir müssen wohl den Preis für unsere Fehler zahlen."
(Josef Ackermann)

Freitag, 26. Oktober 2012

Celesio: nach Rosskur eröffnen sich neue Perspektiven

Die im deutschen MidCap-Index MDAX notierte Celesio AG ist wieder ein reinrassiger Pharmahändler. "Wieder", weil nach Jahren des starken Wachstums außerhalb des Kerngeschäfts - und noch dazu äußert unerfolgreich - vom seit gut einem Jahr amtierenden Chef Markus Pinger eine Rückbesinnung des Unternehmens auf seine Kernbereiche und Kernkompetenzen erfolgt. Und die ist auch dringend nötig, denn war Celesio bis 2007 ein Wachstumswert und eine Kursrakete, folgten der Irrstrategie schmerzhafte 70 Prozent Kursverlust. Weil nach 20 Jahren des Umsatz- und Ergebniswachstums innerhalb weniger Jahre die Ergebnisse auf nur noch knapp die Hälfte abgeschmolzen wurden und sich bisher nicht wieder erholten.

Neben teuren Akquisitionen erwies sich insbesondere der Kauf der niederländischen Internetversand-Apotheke Doc Morris als Wertvernichter. Nicht nur, weil der Europäische Gerichtshof die deutsche Rechtspraxis im Kern bestätigte und so Doc Morris in Deutschland die Geschäftsgrundlage weitgehend entzogen war, sondern weil Celesio sich klar als Konkurrent zu den von ihm belieferten Apotheken positioniert hatte. Und die verprellten Apotheken wanden sich reihenweise der Konkurrenz von Celsio zu.

Mit dem Verkauf von Doc Morris beendet Celesio das unrühmliche Kapitel und schreibt ein weiteres - und letztes - Mal 30 Mio. EUR ab. Das wird das Ergebnis des dritten Quartals rückwirkend entsprechend belasten. Des Weiteren wurden inzwischen Beteiligungen wie die am Marketing- und Vertriebsdienstleister Pharmexx und der Pharmalogistiker Movianto verkauft und aus einigen kleineren Ländern Europas zieht sich der Pharmagroßhändler zurück.

Der zweitgrößte deutsche Pharmagroßhändler bestätigte nach den Verkäufen seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) soll sich mindestens auf dem Niveau des Geschäftsjahres 2011 belaufen und nicht unter 550 Millionen Euro liegen.

Zum aktuellen Kurs von 15 EUR notiert Celesio in etwa zum Buchwert und mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 11,5. Die Chancen von Celesio stehen gut, wieder deutlich Marktanteile zurückzugewinnen und die Margen auszubauen - viele Jahre lang lag die EK-Rendite bei über 20%, während sie seit 2007 dramatisch auf zuletzt 4% eingebrochen war. Eine lesenswerte Analyse des Unternehmens mit einer Darstellung der Ergebnisse, Renditen und Dividenden der letzten 20 Jahre hat Till Schwalm in seinem Blog SFG Value Investing erst im Juli vorgenommen, und ich empfehle Ihnen diese Lektüre!

Ganz einfach wird es für Celesio nicht, zu alter Stärke zurückzukehren. Verlorenes Vertrauen muss zurückgewonnen und neue Märkte erschlossen werden und es gilt, die alte Renditestärke zurückzuerlangen. Gerade erst wurde die zweite Unternehmensanleihe über 350 Mio. EUR platziert und war sechsfach überzeichnet.

Auf dem aktuellen Kursniveau sollten die Chancen die Risiken deutlich überwiegen und für langfristig orientierte Anleger bietet sich eine attraktive Einstiegschance.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Aurelius mit weiterem Zukauf und Rekordergebnissen

Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius war gleich zweimal in den Medien: zunächst gab man die Übernahme der spanischen Steria Iberica vom französischen Steria-Konzern bekannt, der sich auf seine Kernmärkte fokussieren will.

Die neue Tochtergesellschaft, die als zweites Spanisches IT-Unternehmen ins Aurelius-Portfoio wandert und über deren Kaufpreis Stillschweigen vereinbart wurde, sei „ein renommierter Player auf dem spanischen IT-Service-Markt sowohl für private als auch für öffentliche Kunden und bietet IT-Dienstleistungen wie integrierte Lösungsansätze für Application-Management, Systemintegration, Infrastruktur-Management sowie Testing und Qualitätssicherung“, teilte Aurelius mit. Im vergangenen Jahr setzten die gut 900 Mitarbeiter etwa 42 Mio. EUR um.

Und einen Tag später präsentierte Aurelius Rekordzahlen zum dritten Quartal: der Neunmonatsumsatz stieg um 7,1% auf 1,02 Mrd. EUR und das EBITDA auf 164,7 Mio. EUR (+ 237%). Die Verkaufsgewinne der im Jahr 2012 erfolgreich veräußerten Konzernunternehmen Consinto und Schabmüller betrugen insgesamt 59,7 Mio. EUR. Durch die Veräußerungserlöse stiegen die liquiden Mittel im Konzern auf 195,9 Mio. EUR zum Stichtag 30. September 2012 (31. Dezember 2011: 154,4 Mio. EUR).

Aurelius dürfte angesichts der hervorragenden Zahlen seine reguläre Dividende auf 1,70 EUR (bisher 1,50 EUR) anheben und eine zusätzliche Sonderausschüttung von 2,00 EUR vornehmen werde. Insgesamt könne die Ausschüttung für 2012 bis zu 4,00 EUR betragen, hatte sich Aurelius-Chef Dirk Markus kürzlich geäußert.

Warren Buffett hält Aktien für "teilweise ambitioniert" bewertet

Der erfolgreiche Value-Investor Warren Buffett hat über die Weltwirtschaft, die Euro-Krise und die aktuelle Bewertung der Aktienmärkte geäußert, vermeldet heute das Handelsblatt.

Warren Buffett
Buffett meint, dass die Weltwirtschaft in eine Rezession abrutscht, wobei Euro nach seiner Ansicht das Problem sei und weniger die USA. Hier würden die positiven Signale vom Immobilienmarkt stützen, weshalb der Chef und Großaktionär der Investmentholding Berkshire Hathaway auch weiterhin Aktien der US-Bank Wells Fargo & Co. kaufe, auch wenn generell im Bankensektor künftig wohl kaum mehr die hohen Renditen wie vor der Finanzkrise zu erzielen wären.

Auch wenn Warren Buffett zuletzt vor allem im Sektor für regenerative Energien, Wind und Solar, aktiv war, hält er sich aktuell mit Käufen eher zurück, denn er stuft die Preise für Aktien als "teilweise ambitioniert" ein.

Das hängt natürlich auch mit den sinkenden Gewinnen der Unternehmen zusammen, denn niedrigere Gewinne erhöhen das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und damit die Bewertung der Aktien, ohne dass sich der Kurs selbst verändert. Schlechtere globale Konjunkturaussichten und schleppendes Umsatz- und Gewinnwachstum reduzieren auch den fairen Wert der Unternehmen.

Einzelne Unternehmen sind weiterhin zu fairen Kursen zu bekommen, aber der Gesamtmarkt weist nach seinen deutlichen Steigerungen in diesem Jahr eine höhere Bewertung auf, als vor Jahresfrist. Kein Grund zu verkaufen, aber Neuengagements bedürfen einer noch sorgfältigeren Auswahl, auch wenn die Kurse schon korrigiert haben. Denn wenn eine Aktie im Kurs einbricht, die Gewinnerwartungen aber ebenfalls deutlich reduziert werden, dann reduziert sich das KGV nicht unbedingt und die Aktie wird durch den Kurssturz nur optisch billig, aber nicht fundamental. Oder wie Peter Lynch es formulierte: "nur weil eine Aktie fällt, heißt das nicht, dass sie nicht noch weiter fallen kann".

Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Dienstag, 23. Oktober 2012

Villeroy & Boch bleibt stark auf Kurs

Der Keramikhersteller Villeroy & Boch hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres weniger Umsatz mit Geschirr, Küchenutensilien und Accessoires erzielt, allerdings entfielt das Minus ausschließlich auf die Sparte "Tischkultur". "Die für Villeroy & Boch wichtigen Märkte des Euroraums befinden sich in einer Rezession", hieß es. Darüber hinaus war ein Werk in Südamerika verkauft worden, in dem überwiegend margenschwache Erzeugnisse gefertigt wurden und im Vorjahreszeitraum schlug ein großer Einmalauftrag positiv zu Buche. Das Konzernergebnis blieb mit 6 Mio. EUR genau auf Vorjahresniveau.

Die Zahlen belegen, dass Villeroy & Boch es versteht, seine Margen zu verbessern und trotz widrigem Marktumfeldes unternehmerisch Kurs zu halten. Darüber hinaus bietet das Unternehmen neben der attraktiven Dividendenrendite von 5,5% und der moderaten Bewertung (2013er KGV von 7) auch erheblich Phantasie bzgl. der möglichen Grundstücksverkaufserlöse in Luxemburg.

An meiner positiven Einschätzung für Villeroy & Boch aus dem September hat sich nichts geändert und ich halte die Aktie weiterhin für unterbewertet.

Montag, 22. Oktober 2012

Börsenweisheit der Woche 43/2012

"Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist."
(Henry Ford)

Freitag, 19. Oktober 2012

Ignoriert Quartalsergebnisse!

Es ist Berichtssaison und die Wall Street wird heftig durchgeschüttelt, weil etliche Unternehmen mit ihren Quartalsergebnissen die Erwartungen des Marktes und/oder der Analysten nicht ganz erreichen bzw. teilweise auch recht deutlich verfehlen. Das muss ein schlechtes Zeichen sein, sollte man meinen, und doch sollten gerade langfristig orientierte Value-Anleger sich der Worte Warren Buffetts erinnern und genauer hinsehen.

"Solange unsere Investments in jedem Jahr 15 Prozent zulegen, mache ich mir um Quartalszahlen keine Sorgen."
(Warren Buffett)
Damit meint das "Orakel von Omaha", dass Quartale zu enge Zeitspannen sind, um die Entwicklung eines Unternehmens exakt zu planen und zu bewerten. Liegen ein paar Feiertage mehr auf Wochentagen in dem Quartal oder verschiebt sich ein größerer Zahlungseingang um wenige Tage, kann dies das Quartalsergebnis beeinflussen, ohne dass es für das Jahresergebnis wirklich Relevanz hätte. Deshalb liest Warren Buffett keine Quartalsberichte, er schwört auf den Geschäftsbericht und den darin mit enthaltenen Lagebericht des Vorstands.

Montag, 15. Oktober 2012

Aurelius AG: 12% Dividendenrendite für 2012

Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius erwartet ein mehr als erfolgreiches Geschäftsjahr 2012: der operative Gewinn solle über dem des Vorjahres liegen und aus getätigten Firmenverkäufen und außerordentlichen Erträgen wären bereits mehr als 100 Mio. EUR realisiert worden.

Aurelius-Chef Dirk Markus hat deshalb gegenüber der Zeitschrift "Euro am Sonntag" davon gesprochen, die reguläre Dividende auf 1,70 EUR anheben und zusätzlich eine Sonderdividende von 2,00 EUR ausschütten zu wollen. Insgesamt könnten sogar bis zu 4,00 EUR auf die Aktionäre zukommen, was beim gegenwärtigen Aktienkurs von rund 33,00 EUR eine Dividendenrendite von gut 12% ausmache. Rekordverdächtig! Aber auch die reguläre Dividende bringt immerhin schon über 5% Rendite, denn der Bonus wird nur einmalig fließen.

Börsenweisheit der Woche 42/2012

"Für Börsenspekulationen ist der Februar einer der gefährlichsten Monate. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Oktober."
(Mark Twain)

Sonntag, 14. Oktober 2012

[Einfach gedacht] Die Deutsche Telekom "glänzt" mit Substanz-Raubbau durch zu hohe Dividenden

Die Deutsche Telekom steht als Ex-Monopolist seit Jahren mächtig unter Druck. Einst als "Volksaktie" an den Markt gebracht und in utopische Bewertungshöhen gepusht, folgte dann der jähe Absturz von Kursen jenseits der 100 EUR auf deutlich unter 10 EUR. Um diesen Stand - zumeist allerdings darunter - pendelt der Wert seit vielen Jahren mit einiger Volatilität.

Insbesondere der Ausflug in die USA bereitet Telekom-Chef Obermann seit Jahren Kopfzerbrechen und Ende letzten Jahres wollte man das traurige Kapital schließen, in dem man die US-Tochter an den dortigen Platzhirschen AT&T verkaufen wollte. Doch der Deal platze, weil die Genehmigungsbehörden in den USA negative Auswirkungen für die Verbraucher witterten und die Deutsche Telekom erhielt als Trostpflaster wenigstens Einmalprämien in Milliardenhöhe von AT&T. Das half dem Gesamtergebnis des Vorjahres durchaus. Und nun soll die US-Tochter, knapp ein Jahr später, mit dem direkt hinter ihr an fünfter Stelle rangierenden Anbieter MetroPCS fusioniert werden - und das interne Berechnungs- und Bewertungsergebnis würde bei der Telekom zu einer weiteren Milliardenabschreibung von rund 7 bis 8 Mrd. EUR auf den Wert der US-Tochter führen und den erwarteten Konzerngewinn von rund 2,6 Mrd. EUR mehr als aufzehren. Unter dem Strich dürfte diese Strategie allerdings die einzige zu sein, die dem siechen Geschäft in den USA auf die Beine helfen kann.

"Shit happens", sollte man meinen, aber es wird schlimmer. Denn Telekom-Chef Obermann will an der "Garantiedividende" festhalten und wieder 70 Cents je Aktie ausschütten. Damit wird an dem Kamikazekurs der Vorjahre festgehalten, denn seit Jahren schüttet die Deutsche Telekom mehr an ihre Aktionäre aus, als sie überhaupt verdient. Und während das Unternehmen sich stolz der höchsten Dividendenrendite aller DAX-Werte rühmt, dümpeln die Aktien weiter vor sich hin. Kein Wunder, denn der Raubbau an der Substanz des Konzerns geht ja an den Bilanzen nicht spurlos vorüber und die Anleger verstehen durchaus, dass man ihnen hier strotzende Gesundheit vorgaukelt, wo markzehrendes Siechtum folgen wird. Wer auf Dauer seine Rücklagen verbraucht, um Dividenden auszuzahlen, tut den Aktionären nichts Gutes! Nein, er schädigt das Unternehmen und damit das Vermögen der Aktionäre, das ihm anvertraut ist!

Doch da die Deutsche Telekom anders nicht mehr zu punkten in der Lage ist, wird sich Obermann wohl nicht bekehren lassen und von seinem unternehmensschädigenden Plan absehen. Die Anleger sollten die Signale erkennen und die Reißleine ziehen. Sie sollten ihr Geld nehmen und woanders investieren, in Unternehmen, die solide Erträge erwirtschaften und die Aktionäre über Dividenden und Aktienrückkaufprogramme teilhaben lassen am unternehmerischen Erfolg. Und die nicht Raubbau an der Substanz betreiben.

Ist der Kaufkraftverlust für Rentner alternativlos?

Deutschlands Rentner haben seit dem Jahr 2000 rund ein Fünftel ihrer Kaufkraft eingebüßt, wie die Bundesregierung eingestehen musste. Im Westen waren es 17%, im Osten 22% - und gerade dort zähl(t)en Rentner zu den Besserverdienenden. Die durchschnittlichen Rentenzahlbeträge nach Abzug aller Sozialbeiträge lagen in den alten Bundesländern zuletzt bei 1.062 EUR (+17 EUR seit 2000) und in den neuen Ländern bei 1.047 EUR (-23 EUR seit 2000). Allerdings stieg im selben Zeitraum der Verbraucherpreisindex um etwa 20% an, woraus sich der hohe Kaufkraftverlust erklärt.

Die Debatte über die Altersarmut ist in vollem Gange und heutige Geringverdiener werden künftig eher weniger als mehr Rente erhalten. Dazu kommt die von der großen Koalition aus CDU und SPD im Jahr 2006 beschlossene Rentenreform, also die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre und die Absenkung des Rentenniveaus auf 43%, so dass sich auch für Normalverdiener die zu erwartenden Renten absenken werden - der demographische Wandel und die höhere Lebenserwartung lässt das Umlageverfahren eben an seine Grenzen kommen.

Seit Jahren wird daher für Ergänzungen zur gesetzlichen Rentenversicherung getrommelt und die sog. Riester-Rente wird staatlich mit Milliardensummen gesponsert. Millionen deutscher Arbeitnehmer riestern kräftig mit, doch die Erträge aus den Verträgen werden enttäuschend ausfallen: das niedrige Zinsniveau und exorbitant hohe Abschluss- und Verwaltungsspesen fressen die Renditen weitgehend auf. Der deutsche Michel kann schon froh sein, wenn er am Ende nicht weniger rausbekommt, als er eingezahlt hat - trotz staatlicher Förderung. Und wenn man die Geldentwertung mit berücksichtigt, kann man gleich jede Hoffnung fahren lassen.

Und doch gibt es Alternativen!

Immobilien stellen aktuell neue Preisrekorde auf, auch aufgrund der große Unsicherheit über die Zukunft des Euros, die Staatsschuldenkrise und ein mögliches Aufflammen der Inflation. Allerdings sind Immobilien, wie der Name schon sagt, relativ unflexibel und so bieten sich zum Beispiel börsennotierte Immobilien-AGs oder REITS für die Altersvorsorge an. Von (offenen) Immobilienfonds sollte man lieber die Finger lassen. Und das manager-magazin weist darauf hin, dass das Betongold hierzulande kaum mit der Wertentwicklung des Aktienmarktes mithalten kann.

Alternativ kann man sein Geld in solide und dividendenstarke Aktiengesellschaften stecken und wenn man dies regelmäßig tut, kommen dabei erkleckliche Summen zusammen, die dann zunehmend - und nicht erst im Rentenalter - ein zusätzliches monatliches Einkommen generieren. Dabei kommt es allerdings auf die richtige Auswahl der Dividendenperlen an, um ein ausgewogenes Chance-Risiko-Verhältnis sicherzustellen. Oder man wählt einen ETF, die es auch für Dividendenwerte gibt. Und wer nicht über Aktien Miteigentümer eines Unternehmens werden möchte, kann einem solchen auch Geld leihen - da fallen deutlich bessere Zinsen ab, als bei Bundesanleihen, allerdings muss man sich auch über den Schulder sorgfältig Gedanken machen. Dann können sich Unternehmensanleihen als Alternativen zu Aktien durchaus lohnen.

Es gibt also bereits Lösungen für die sich abzeichnenden Probleme und je früher man ein paar Taler zurücklegt, desto eher erhält man daraus Erträge und desto besser stellt sich die eigene finanzielle Situation (im Alter) dar. Jeder Tag des Zögerns schmälert die Rendite und verschlechtert die Absicherung des Lebensstandards, heute und im Alter. Daher ist Zögern keine Option und wenn doch, dann die teuerste.

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Spinn-Offs: Ende der steuerlichen Benachteiligung deutscher Anleger

Spinn-Offs (Ausgründungen) können für Unternehmen ein Befreiungsschlag sein, sowohl für das Abspaltende wie auch das Abgespaltene. Kraft Foods hat es gerade vorgemacht und seine europäischen und Non-Food-Aktivitäten unter dem Kunstnamen "Mondelez International" ausgegliedert und so an die Börse gebracht. Vereinfacht gesagt, hat Kraft sich aufgeteilt und seine Aktionäre haben nun zwei Aktien im Depot - der Kurs der Kraft-Aktien sank entsprechend des Wertes der neuen Mondelez-Aktien.
Bei amerikanischen Unternehmen sind Spin-Offs keine Seltenheit, in Deutschland hingegen sind sie bisher eher nur vereinzelt anzutreffen. Allerdings wurde gerade der Spezialchemiehersteller Lanxess in den DAX aufgenommen, dabei ist das Unternehmen eine Ausgliederung aus dem Bayer-Konzern, der 2005 seine siechende Chemie- und Polymersparte hier gebündelt und abgestoßen hatte. Seitdem hat sich einiges geändert und Lanxess sich zu einen ertrag- und margenstarken Unternehmen gewandelt, das mit der DAX-Aufnahme nun quasi den Ritterschlag erhalten hat. Und auch der DAX-Konzern Siemens liebäugelt nun mit einem Spinn-Off seiner Glühlampen-Tochter Osram, nachdem ein Verkauf und Börsengang mehrfach nicht zu Ende gebracht werden konnten.

Für deutsche Anleger sind Spin-Offs bisher allerdings mit Problemen behaftet, Steuerproblemen. Denn während bei deutschen Unternehmen die neuen Aktien einfach mit dem Anschaffungspreis von Null Euro ins Depot gebucht werden (und der Kurs des abgebenden Unternehmens entsprechend fällt), erfasste das Finanzamt Spin-Offs amerikanischer Unternehmen als Ertrag und verlangte auf die Einbuchung entsprechend 25% Kapitalertragsteuer (Abgeltungssteuer). Und das, obwohl der Anleger keinen Vermögens- oder Ertragszuwachs hatte, den der Kurs des abspaltenden Unternehmens fiel ja um den Kurswert des angespaltenen Teils.

Diese die Realität verkennende und ignorante Benachteiligung soll nun mit dem Jahressteuergesetz 2013 beendet werden und zwar für alle Vorfälle ab dem 1. Januar 2013. Ein zum Anfang 2012 rückwirkendes Inkrafttreten haben die Banken ggü. der Bundesregierung erfolgreich verhindert, weil sie sich nicht in der Lage sehen, die rückwirkende Berechnung korrekt durchführen zu lassen. Ich lasse dieses Argument unserer ach so am Kundeninteresse ausgerichteten Banken mal kommentarlos stehen und hoffe, dass die Banker bei der Berechnung ihrer Boni genauso einfallsfreudig sein werden, wenn um das Nichtberechnenkönnen geht.

Tatsache ist, dass sich Spin-Offs in der Regel für die beteiligten Unternehmen und die Aktionäre auszahlen und ab 2013 kann dies der deutsche Anleger auch steuergefahrlos genießen. Erst beim Verkauf der Aktien muss der erzielte Kursgewinn dann ggf. versteuert werden.

[Kissigs Börsenlexikon] Diversifikation

Diversifikation oder auch Diversifizierung bezeichnet in der Wirtschaftswissenschaft eine Ausweitung des Sortiments und ist das Gegenteil einer Monostruktur. Wenn ein Unternehmen diversifiziert, baut es eine neue Sparte auf, zum Beispiel durch den Zukauf von Unternehmen.

An der Börse versteht man unter Diversifikation hingegen die Risikostreuung innerhalb eines Depots, also das gleichzeitige Investieren in unterschiedliche Währungen, Branchen und Anlageklassen, wie Aktien, Anleihen oder Festgeld.