Montag, 10. Oktober 2016

Aktienrückkaufprogramm für 52 Mio. Euro: Aurelius zündet den nächsten Turbo

Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius betreibt weiterhin aktive Kurspflege zum Wohl ihrer Aktionäre. So wird regelmäßig über das jeweils aktuelle Zahlenwerk berichtet und CEO Dr. Dirk Markus gibt gerne und häufig Interviews in Finanzblättern. Doch Anlegerherzen schlagen besonders hoch, wenn das Zauberwort Aktienrückkaufprogramm fällt. Denn Aktienrückkäufe sind ein Wundermittel mit Nebenwirkungen für den Aktienkurs. Und zwar überwiegend positiven.

Nachdem das bisherige, äußerst erfolgreiche, Aktienrückkaufprogramm im Sommer ausgelaufen war und man sich auf der Hauptversammlung die Möglichkeit für eine Neuauflage hatte absegnen lassen, ließ man heute Taten folgen. Das Unternehmen gab bekannt, man werde ein weiteres Aktienrückkaufprogramm starten. Dazu sollen in der Zeit vom 17. Oktober 2016 bis zum 16. Oktober 2019 insgesamt bis zu 471.000 eigene Aktien der Gesellschaft zurückgekauft werden in einer maximalen Gesamthöhe von €26 Mio.

Daneben hat der Aufsichtsrat zugestimmt, dass der Vorstand der persönlich haftenden Gesellschafterin nach eigenem Ermessen im Zeitraum vom 17. Oktober 2016 bis zum 16. Oktober 2019 weitere Aktienrückkaufprogramme in Höhe von bis zu weiteren €26 Mio. beschließen darf. Die Rückkaufprogramme betragen somit in Summe bis zu €52 Mio.

 Aurelius (Quelle: finanzen.net) 
Nun ist es nicht das erste Mal, dass Aurelius zu diesem Mittel greift und um sich ein Bild zu machen, wie der Einfluss auf den Kurs und den Wert des Unternehmens sein kann, lohnt ein Blick auf die beiden vorherigen Aktienrückkaufprogramme. Bis zum 26. Juni 2015 hat Aurelius insgesamt 279.998 eigene Aktien zu einem Durchschnittskurs von €31,884 zurückgekauft. Und bis zum Sommer 2016 wurden weitere 210.723 Aktien zurückgekauft zu einem Durchschnittskurs von €47,045. Wenn wir dies mit dem aktuellen Aktienkurs von rund €55 vergleichen, sollten wir die beiden Dividendenausschüttungen von zusammen €4,45 nicht vergessen. Aurelius hat seine Aktien also zu deutlich unterhalb ihres Börsenpreises zurückgekauft und somit einen Mehrwert für seine Aktionäre geschaffen. Denn die Aktien wurden eingezogen, jedenfalls die aus dem 2015er ARP. Und es ist davon auszugehen, dass mit den 2016er-Aktien genauso verfahren wird.

Somit verringert sich die Anzahl der ausstehenden Aktien der erzielte Jahresüberschuss verteilt sich auf weniger Aktien (auch eigene Aktien im Bestand der Gesellschaft bleiben bei der Gewinnausschüttung unberücksichtigt). Der Gewinn je Aktie (EPS) steigt also, auch wenn der absolute Jahresüberschuss stagnieren sollte. Doch davon ist aufgrund der ausgezeichneten operativen Erfolge wohl kaum die Rede, insbesondere nachdem man gerade mit der Übernahme von Home Office Europe auf einen Schlag €2 Mrd. an Umsatz hinzugekauft hat. Die "magische Grenze" von €5 Mrd. ist somit in unmittelbarer Reichweite.

Das Aktienrückkaufprogramm wirkt sich also wie ein Turbo auf das EPS aus. Und aufgrund dieser "Nebenwirkungen" kommt diese Maßnahme bei den Aktionären in der Regel sehr gut an.

Aurelius befindet sich als einer der größten Positionen in meinem Depot und ist eine der ältesten und erfolgreichsten Werte auf meiner Empfehlungsliste. Es ist und bleibt einer der Top-Picks im Beteiligungssektor. Langfristig orientierte Anleger bleiben investiert und nutzen Kursrücksetzer konsequent zum Aufstocken ihrer Position. Die Aktienrückkäufe dürften den Kurs zusätzlich stützen und beflügeln.

Börsenweisheit der Woche 41/2016

"Bankgeschäfte sind notwendig, Banken sind es nicht."
(Bill Gates)

Freitag, 7. Oktober 2016

Blue Cap und der große Wurf - steht eine Neubewertung an?

Die Beteiligungsgesellschaft Blue Cap investiert überwiegend in süddeutsche mittelständische Nischenunternehmen und konzentriert sich dabei auf operativ tätige technologiegetriebene Gesellschaften mit bestehendem profitablem Kerngeschäft, die sich in Umbruch- oder Sondersituationen befinden. Im Klartext investiert man in sanierungsbedürftige oder insolvente Unternehmen, Konzernausgliederungen und in Gesellschaften mit ungelöster Unternehmensnachfolge. Insbesondere bei Sanierungsfällen sieht man noch günstige Einkaufsmöglichkeiten, weil bei operativ erfolgreichen Unternehmen die Preise inzwischen zu oft zu hoch seien. Den dann erforderlichen Mehraufwand, um das Ruder in diesen Betrieben herumreißen zu können, nimmt Blue Cap dabei bewusst in Kauf, liegen hierin ja auch besondere Chancen.

Branchenschwerpunkte setzt Blue Cap bei seinen Übernahmen in den Bereichen Produktionstechnik, Klebstoff und Medizintechnik und die Tochterunternehmen werden eigenständig und unternehmerisch geführt. Das Portfolio enthält die INHECO Industrial Heating and Cooling GmbH (Laborzulieferer), WISAP Medical Technology (Medizintechnik), Planatol Wetzel / Planatol System (Klebstoffe), Biolink (Klebstoffe), Gämmerler (Maschinenbau), SMB David (Maschinenbau), em-tec (Medizintechnik) und Nokra (Spezialmaschinenbau). Neu im Portfolio sind die Gold- und Silberscheideanstalt Carl Schaefer aus Pforzheim sowie das operative Geschäft der Neschen AG samt deren operativ tätigen Filmolux-Tochtergesellschaften.

Dabei wurden die beiden Zukäufe em-tec und Nokra aus Sondersituationen heraus gekauft und bieten einiges an Potenzial, wenn die sich abzeichnende Umstrukturierung nachhaltig Erfolge zeigen sollte. Insbesondere bei em-tec dürften sich die beiden Kooperationen mit Satorius Stedim, die auf die Vermarktung der em-Tec Produkte im Bereich des Biotech-Sektors abzielen und mit Medistim positiv auswirken. Medistim ist ein junges skandinavisches Unternehmen und vermarktet weltweit Herz-Lungen Maschinen und Geräte für die Gefäßchirurgie. Und in den neuen Generationen dieser Geräte werden die Blut-Messsysteme von em-tec integriert.

Anfang diesen Jahres übernahm Blue Cap die Gold- und Silberscheideanstalt Carl Schaefer, die man mit deutlich weniger Umsatz, aber profitabel neu aufstellen will; evtl. auch mit Produkten für den Kapitalmarkt. Vor der Insolvenz bracht es Schäfer schon mal auf rund €400 Mio. Jahresumsatz, für 2016 sind erst einmal Erlöse zwischen €15 Mio. und €20 Mio. angepeilt und eine Bruttomarge von 10%.

 Blue Cap AG (Quelle: finanzen.net) 
Verhaltene Halbjahreszahlen verschleiern (noch) das Potenzial
Blue Cap hat im ersten Halbjahr 2016 den Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahr um 7,2% gesteigert bei Umsatzerlöse von €42,9 Mio. und somit €2,9 Mio. mehr als im Vorjahreszeitraum (€40,0 Mio.). Das Konzernergebnis vor Steuern konnte von €1,5 Mio. auf €1,9 Mio. erhöht werden, das EBITDA betrug im ersten Halbjahr 2016 €3,5 Mio. (€3,0. Mio.), das EBIT €2,4 Mio. (€1,8 Mio.). Die Ergebnissteigerung im ersten Halbjahr 2016 konnte erzielt werden, da eine Reihe von Reorganisationsmaßnahmen erfolgreich abgeschlossen wurde und sich die Profitabilität in den Beteiligungsgesellschaften, insbesondere in den Sparten Klebstofftechnik und Medizintechnik, verbessert hat. Die Erhöhung der Ertragskraft ist gelungen, obwohl Restrukturierungsaufwendungen bei der jüngst erworbenen Beteiligung Carl Schaefer und Entwicklungsaufwendungen bei der WISAP GmbH angefallen sind. Bei einer Bilanzsumme von €66,0 Mio. (€63,7 Mio.) beläuft sich das Eigenkapital auf €21,0 Mio. (€19,8 Mio.) und hat damit einen Anteil von 31,9% am Gesamtkapital. Die Investitionen betrugen im ersten Halbjahr 2016 €3,7 Mio. und Blue Cap verfügt zum 30. Juni 2016 über Liquiditätsreserven in Höhe von insgesamt €17,3 Mio, auch Dank der Aufnahme eines Schuldscheindarlehens. "Damit sind wir auch für weitere Akquisitionen gut vorbereitet", meint CEO Schubert. Hier sei man in Gesprächen, aber es sei nichts Konkretes in Aussicht.

Neschen-Deal ist der nächste Wachstumstreiber
Besonderer Clou ist aber die Übernahme der Vermögensgegenstände der Neschen AG sowie deren operativ tätigen Filmolux-Tochtergesellschaften aus der Insolvenz heraus.

In einem Interview mit Börsen Radio Network gab Blue Cap-CEO Hannspeter Schubert einige Einblick in den Deal und die Beweggründe, beim Folienbeschichter Neschen zuzuschlagen. Danach lief es bei Neschen operativ rund, die Insolvenz entstand aus einer Überschuldungssituation, weil ein im Zuge der Finanzkrise von einer regionalen Bank an einen Finanzinvestor weiterverkaufter Kredit fällig gestellt wurde. Was daran lag, dass der Finanzinvestor eigentlich Neschen komplett übernehmen wollte, was die HV aber nicht absegnete. Daraufhin forderte der Finanzinvestor sein Geld zurück, was die Neschen AG nicht begleichen konnte.

„Mit der Akquisition von Neschen ist es uns gelungen, den Klebstoffbereich in unserer Gruppe weiter auszubauen. Neben den positiven Effekten zu unseren bestehenden Unternehmen können wir uns damit in neuen und wachstumsrelevanten Geschäftsfeldern der Klebstoffverarbeitung platzieren“, sagte CEO-Schubert. Dabei dürfte helfen, dass die Neschen bereits seit mehreren Jahren mit den beiden Blue Cap-Töchtern Planatol und Biolink zusammenarbeitet und man sich daher bestens kennt.

Bei Vorlage der Halbjahreszahlen bestätigte Schubert die Planungen, wonach im Jahr 2016 ein Umsatz der Gruppe von €100 Mio. erreicht werden soll - ohne Einbeziehung der Neschen-Akquisition. Die kommt dann noch on Top und wird in 2017 weitere rund €50 Mio. zum Umsatz beisteuern.

Optisch hohe Verschuldung vs. hohe stille Reserven
Das Geschäftsmodell von Blue Cap ist nicht ganz risikolos, aber wenn die Neupositionierung der günstig erworbenen Töchter gelingt, winken hohe Gewinne, denn Blue Cap bilanziert, wie Bavaria Industries auch, strikt nach HGB. Und das bedeutet, dass die neu erworbenen Unternehmen zumeist mit ihrem geringen Anschaffungspreis in den Büchern stehen und sich bei ihrer unternehmerischen Gesundung so hohe stille Reserven in der Blue Cap-Bilanz aufbauen. Dabei ist auch zu beachten, dass Blue Cap jeweils den Grundbesitz und die Immobilien seiner Tochtergesellschaften mit erwirbt. So stehen der ggü. der Börsenkapitalisierung von €32,5 Mio. optisch hohen Verschuldung von rund €35 Mio. eigene Immobilien gegenüber, die Blue Cap auf einen aktuellen Marktwert von €30 Mio. bis €35 Mio. beziffert. In der Bilanz dürften diese mit etwa €20 Mio. ausgewiesen werden; vor den beiden letzten Zukäufen waren es noch gut €17 Mio. Der Verschuldungsgrad ist also kein Grund für schlaflose Nächte.

Erste Dividendenzahlung schon für 2016?
Des Weiteren nährt Hannspeter Schubert Spekulationen, wonach Blue Cap bereits für das Geschäftsjahr 2016 eine erste Dividende ausschütten könnte, also nach der Hauptversammlung im Jahr 2017. Damit könnte Blue Cap auch für eine andere Zielgruppe als Investment interessant werden, nämlich die "Einkommensinvestoren", die auf regelmäßige Einkommensströme aus Dividenden aus sind. Aber vordringlich sollte weiterhin sein, die liquiden Mittel der Gesellschaft für für lukrative Zukäufe und die operative Gesundung der Tochterunternehmen aufzuwenden.

Meine Einschätzung
Ich habe das Unternehmen auf meine Empfehlungsliste genommen, als ich Ende letzten Jahres erstmals in Blue Cap investierte, und ich habe im Sommer in den weiteren Kursverfall Richtung €5 meine Position weiter aufgestockt. Seit der ersten Ankündigung des Neschen-Deals habe ich Blue Cap dann zu einer der größten Positionen in meinem Depot ausgebaut, weil ich glaube, dass die Substanz der Beteiligungen bisher noch gar nicht richtig wahrgenommen wird und sich diese in den nächsten Geschäftsberichten deutlich abzeichnen dürfte.

»Geduld ist die oberste Tugend des Investors.«
(Benjamin Graham)

Die Aktie stellt auf ihrem Weg zu zweistelligen Kursen für geduldige und risikobewusste Anleger eine interessante Investitionsmöglichkeit dar; allerdings ist die Aktie recht markteng, trotz eines Streubesitzanteils von rund 55%. Bei überschaubaren Risiken winken großen Chancen - wenn man die nötige Zeit mitbringt, sich die Dinge entwickeln zu lassen.

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Buffett hat ausgekaut: Mars übernimmt Wrigley komplett

2008 hatte der Süßwarengigant Mars den Kaugummihersteller Wrigley schlucken wollen, war aber auf potente Schützenhilfe angewiesen, um den 23 Milliarden-Dollar-Deal stemmen zu können. Und die erhielt Mars von Warren Buffett, der auf diese Weise zu 19,4% der Aktien von Wrigley kam. Mars hatte von Anfang an eine Komplettübernahme im Sinn und kauft Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway nun aus.

Nach der Komplettübernahme soll das Kaugummi- und das Schokoriegelgeschäft in der neuen Firma "Mars Wrigley Confectionary" mit Sitz in Chicago gebündelt werden.

Buffett hielt "Preferred Stocks", also Vorzugsaktien von Wirgley, die ihm eine jährliche 5-prozentige Dividendenzahlung garantierten. Nach der ursprünglichen Vereinbarung hatte Mars das Recht, ab heute, dem 6. Oktober 2016, die Hälfte dieser Vorzugsaktien zurückzukaufen und die andere Hälfte im Jahr 2021. Mars gab bekannt, dass man den Rückkauf "beschleunigt" habe, um schneller an den gesamten ausstehenden Aktienbesitz von Berkshire zu bekommen. Und das dürfte eine nette Prämie für Buffetts Aktienpaket bedeuten...

Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste. und auch dank dieser Transaktion steigt Buffetts Cash-Bestand von bisher rund $70 Mrd. weiter an.

Montag, 3. Oktober 2016

Deutsche Rohstoff AG: Ein Ölpreis zwischen 40 und 50 Dollar in 2017 wäre ideal

Vor einigen Tagen schrieb ich bzgl. der Einigung der OPEC auf Förderobergrenzen und des Bohrprogramm der Deutschen Rohstoff AG, das im vierten Quartal nun richtig ins Laufen kommt und Erträge abwirft, der Startschuss für die Rallye sei gefallen. Ich habe jetzt mal wieder einfach gedacht und überlegt, welche Ölpreisentwicklung im nächsten Jahr am besten für die Deutsche Rohstoff AG wäre. Und damit für langfristig engagierte Anleger.

Ideales Szenario: Ölpreis zwischen $40 und $50 in 2017
Es gibt ja zwei Betrachtungsweisen, die auf den Aktienkurs und die auf das Unternehmen, das operative Geschäft. Das ideale 2017er Szenario für das Unternehmen (was nicht gleichbedeutend mit dem Aktienkurs ist!) wäre ein Ölpreis zwischen $40 und $50 je Barrel (WTI). Warum? Weil man so schon nette Gewinne einfährt und damit weitere Bohrungen veranlassen kann, die sich rechnen. Denn die DRAG produziert ja zu Kosten von annähernd $30.

Beim Verkauf ihrer US-ÖL-und Gas-Tochter Tekton Energy Anfang 2014 für $220 Mio. waren knapp $38 Mio. an Steuern angefallen, die man bei neuen Investitionen in Exploration in den USA anteilig zurückerstattet bekommen kann, überwiegend wohl für Personalkosten. Laut Auskunft der DRAG fließen alleine in diesem Jahr bereits $3,9 Mio. zurück und in 2016 wird aufgrund des deutlich ausgeweiteten Bohrprogramms noch sehr viel mehr erstattet werden.

Da die Steuererstattungen sich wohl hauptsächlich auf Personalkosten beziehen, sind während der Bohrphase also niedrige Personalkosten für die DRAG von Vorteil. Je weniger sie je Bohrung für Personal ausgeben muss, desto mehr Bohrungen kann sie platzieren - und die Steuererstattungen verteilen sich auf mehr Bohrungen. Aber auch die anderen Kosten für Equipment, ggf. neue Grundstücke und/oder Bohrrechte usw. bleiben bei Ölpreisen unterhalb von $50 günstig und damit ebenso die Kostenbasis für die DRAG.

Der Aktienkurs wird bei Ölpreisen zwischen $40 und $50 im Jahr 2017 natürlich nicht so stark anspringen, als wenn der Ölpreis höher stünde, denn in den Unternehmenszahlen wird sich ja nun zunehmend der Erlös aus den Öl- und Gasverkäufen niederschlagen und je höher der Verkaufspreis ist, desto höher sind die Gewinne. Und umso größer wird das Leuchten in den Augen kurzfristig orientierter Spekulanten - mir ist es lieber, dass die DRAG zunächst kostengünstig ihr Bohrprogramm durchziehen kann, als dass der Aktienkurs schnell anspringt.

 Deutsche Rohstoff AG (Quelle: finanzen.net) 
Steigende Ölpreise bitte erst ab 2018
Aber... wenn die DRAG den größten Teil ihres Bohrprogramms in 2017 erfolgreich erledigt hat, dann darf der Ölpreis gerne mit dem Steigen anfangen. Aber bitte erst dann! Denn dann sind die Kosten für die DRAG Geschichte und es fallen neben den Abschreibungen nur noch die laufenden Betriebskosten an (Chemikalien, Wasser, Sand, Wartung, Vertrieb, Transport etc). Diese würden mit steigenden Ölpreisen und damit wieder verstärkt auftretender Konkurrenz durch andere Explorationsfirmen zwar auch steigen, aber die anderen müssten auch bereits höhere Preise für Rechte, Grundstücke, Personal usw. zahlen.

Sollte dieses Ölpreis-Szenario so eintreten, 2017 relativ konstant und ab 2018 steigend, wäre das also ideal für die operative Entwicklung der DRAG und damit auch für einen lang anhaltenden Kursanstieg, denn die Unternehmenszahlen würden dann die zunehmenden Erlöse bei gleichbleibender Kostenbasis zeigen, Quartal für Quartal - der Stoff aus dem Investorenträume gemacht sind. Die kurzfristige Spekulation würde natürlich viel stärker durch eine Preisexplosion beim Öl Zunder kriegen, aber mir als Langfristinvestor ist "mein" Idealszenario lieber. Dann kann ich nämlich lange von den Erfolgen der DRAG profitieren und an ihrem Wertzuwachs teilhaben.

Ein paar weitergehende Gedankenspiele
Ach so, dass die DRAG vor einigen Wochen Teile ihrer höher verzinslichen Anleihe in eine deutlich niedriger verzinste Anleihe umfinanziert hat (5,625% anstelle von bisher 8%), wird ab 2017 das Finanzergebnis natürlich zusätzlich verbessern. Und sollte mein erwartetes Szenario eintreffen mit steigenden Ölpreisen ab 2018 (ohne die nicht mehr vorhandene Kostenbelastung aus dem dann abgeschlossenen Bohrprogramm), könnte die alte Anleihe mit einem ausstehenden nominalen Restvolumen von €15,8 Mio. ggf. sogar ohne neue Schulden bzw. Anleihe ganz abgelöst werden. Einfach so aus dem Cashflow.

Bei Ölpreisen oberhalb von $80 und einem abgeschlossenen Bohrprogramm mit vollständig laufender Produktion wäre auch wieder ein Verkauf der beiden US-Töchter Cub Creek Energy und Elster Oil and Gas eine Option. Wie 2014 bei der Tekton Energy, womit man ja seinerzeit einen Riesengewinn eingefahren hat. Aber über derartige Optionen sinnieren wir, wenn die Zeit reif dafür ist...

Die DRAG befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot und ich habe immer mal wieder Zukäufe getätigt, da sie für mich ein ganz heißester Anwärter für die Jahresendrallye ist und auch im nächsten Jahr für kräftig sprudelnde Umsätze und Gewinne sorgen dürfte. Und damit für Freude bei den Aktionären.

Börsenweisheit der Woche 40/2016

"Gold wird aus dem Boden geholt - in Afrika oder irgendwo sonst. Dann schmelzen wir es ein, graben ein neues Loch, vergraben es wieder und bezahlen Leute, um dieses Loch zu bewachen. Es ergibt keinen Sinn. Jeder, der uns vom Mars aus beobachten würde, würde nur den Kopf schütteln."
(Warren Buffett)

Sonntag, 2. Oktober 2016

Und was macht Warren Buffett mit seinen Wells Fargo-Aktien?

Ich hab mal einfach gedacht, was Warren Buffett wohl mit seinen Wells Fargo-Aktien anstellen wird angesichts des aktuellen Skandals. Denn Warren Buffett liebt Wells Fargo, jedenfalls war das bisher so. Die amerikanische Großbank, die kein bwz. kaum Investment-Banking betreibt, sondern sich auf das klassische Bankgeschäft konzentriert, war lange Zeit die größte Beteiligung in Berkshire Hathaways Aktien-Portfolio, bevor sie durch The Kraft Heinz. Co abgelöst wurde, als Buffett Heinz Ketchup und Kraft Foods fusionierte. Ende des zweiten Quartals 2016 hielt Buffett rund 480 Mio. Aktien von Wells Fargo in einem Gesamtwert von $22,7 Mrd. und das machte immerhin 17,5% an Buffetts Gesamtportfolio aus.

Seitdem ist der Aktienkurs von Wells Fargo stark eingebrochen, weil man in einen Skandal verwickelt ist. Dabei geht es um das Provisionssystem und dessen Anreize, das Mitarbeiter genutzt haben, um mehr als 2 Mio. gefälschte gebührenpflichtige Konten im Namen von (unwissenden) Kunden zu eröffnen, woraufhin sie ihre von der Bank gesteckten Ziele erreichten bzw. übererfüllten und fette Prämien einsackten. 5.000 Mitarbeiter haben daraufhin bisher ihren Job verloren. Das eigentliche Problem für Wells Fargo liegt neben der öffentlichen Schmach, der Strafe von 185 Mio., die man aufgebrummt bekam, und dem massiven Image- und Vertrauensverlust darin, dass das einst hoch gelobte Anreizsystem von Wells Fargo wohl nicht (länger) funktioniert. Und dass die Kontrollsysteme der Bank versagt haben und einer Erneuerung bedürfen. Darüber hinaus fürchten manche wohl den "Deutsche Bank-Effekt", dass also nach einem ersten Skandal und dem notwendigen genaueren Hinsehen immer wieder neue, bisher unter Verschluss gehaltene, Skandale  und Skandälchen aufpoppen. Nun, Banker haben kein hohes Ansehen mehr, vorsichtig ausgedrückt, und sie haben es spätestens seit der Finanzkrise auch zurecht.

Der Blick richtet sich auf Warren Buffett
Als vor vielen Jahren die US-Investmentbank Salomon Bros. in Schieflage kam, kam ihr Warren Buffett zu Hilfe, weil er vom Management und der Bank überzeugt war. 1991 musste er deshalb vor einem Kongressausschuss aussagen und äußerte sich dahingehend, dass er gnadenlos durchgreifen werde, sollten Mitarbeiter den Ruf ihres Arbeitgebers auf Spiel gesetzt haben. Später sagte er einmal, das sei mit die schwerste Zeit seines Lebens gewesen, weil er starken öffentlichen Anfeindungen ausgesetzt war und sich die beteiligten Banker als weit weniger ehren- und vertrauensvoll erwiesen, als Buffett gedacht hatte. Und Buffett legt extrem großen Wert auf Seriosität bei den Managern der Unternehmen, in die er investiert.

»Man braucht 20 Jahre, um sich einen guten Ruf aufzubauen, und nur 5 Minuten, um ihn zu verlieren. Wer das beherzigt, handelt bewusster.«
(Warren Buffett)

Als größter Aktionär von Wells Fargo kommt ihn in der aktuellen Phase wieder eine entscheidende Rolle zu und auf die Frage, was er von alledem halte, äußerte sich Buffett zurückhaltend. Er habe ein Telefonat mit dem Vorstandsvorsitzenden von Wells Fargo, John Stumpf, geführt und ihm gesagt, dass das Problem größer sei, als Stumpf annehme. Stumpf habe ihm zugestimmt, das Thema zunächst unterschätzt zu haben. Buffett wird sich darüber hinaus öffentlich aber erst im November äußern, wenn Berkshire Hathaway seinen quartalsweisen Depotbericht offenlegen wird (sog. 13-F-Formular). Das hindert uns natürlich nicht daran, unsere eigenen Überlegungen anzustellen und was Buffett wohl tun wird und vielleicht schon tut.

 Wells Fargo Co. (Quelle: finanzen.net) 
Und was tut Buffet nun?
Verglichen mit dem Stand vom 30. Juni hat Buffetts Aktienposition mehr als $1,5 Mrd. eingebüßt. Doch das interessiert den Börsenaltmeister nicht, das ist nicht auf seinem Investment-Radar. Er schaut auf ganz andere Dinge.

Klar ist jedenfalls, dass er als größter Aktionär mit einem Anteilsbesitz vom rund 10% nicht einfach seine Aktien auf den Markt werfen kann, dann würde der Aktienkurs ins Bodenlose abstürzen. Der Aktienkurs hat seit Bekanntwerden des Skandals von $51 auf $44 nachgegeben, also fast 15%. Das spricht nicht für massive Verkäufe von Buffett. Im Gegenteil, ich vermute, dass Buffett seinen Bestand an Wells Fargo aufstockt.

Kauft Buffett zu?
Er hat ein Gespräch mit dem CEO geführt und sich dabei wohl der Glaubwürdigkeit und Aufrichtigkeit des Managements versichert. Das ist ihm sehr wichtig. Und er wird sich erst in einigen Wochen äußern, wenn ohnehin jeder sieht, was Buffett in Bezug aus Wells Fargo unternommen hat. Das deutet alleine weder auf Zukäufe noch Verkäufe hin, doch Buffett handelt nach klaren Prinzipien und hier dürften eine ganz entscheidende Grundregel seiner Investment-Philosophie greifen.

Warren Buffet wurde einmal gefragt, welche Aktie er wählen würde, könnte er in seinem ganzen Leben nur eine einzige kaufen. Und seine Antwort war: Wells Fargo. Aktien dieser Bank hat er erstmals gekauft, als sie vor langer Zeit bereits einmal durch trübe Wasser schlingerte und er hat seitdem seine Position immer weiter aufgestockt. Und ich denke, er wird dies auch heute tun. Denn eine von Buffets goldenen Investmentregeln lautet: "Große Anlagemöglichkeiten kommen immer dann, wenn hervorragende Unternehmen vorübergehend in schwieriges Fahrwasser geraten und deshalb unterbewertet werden". Für Buffett ist und bleibt Wells Fargo ein hervorragendes Unternehmen, seine Rentabilität sucht ihresgleichen und ihr Verhalten vor, während und nach der Finanzkrise ist vorbildlich, auch wenn sie insbesondere dank der Übernahme von Wachovia auch Negativschlagzeilen produzierte. Was allerdings mit dem negativen Gebahren anderer US-Bankinstitute kaum mithalten kann.

Meine Einschätzung
Ich bin überzeugt davon, dass Buffett Wells Fargo die Treue halten wird. Und dass er aktuell auf der Käuferseite zu finden ist und sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen wird. Immerhin sitzt er aktuell auf rund $70 Mrd. an Liquidität, die er investieren kann und will. Dass ihm dieser Skandals die Möglichkeit bietet, seine Lieblingsaktie statt zum 2014er Höchstkurs von $58 zu $44 zu kaufen, also fast 25% niedriger, dürfte sein Herz höher schlagen lassen. Und wir können sicher sein, dass Buffett dafür Sorge tragen wird, dass die Bank den Skandal offensiv aufarbeiten und abstellen wird und dass sie wieder zu der seriösen Bankinstitution wird, als die sie bekannt war. Für Buffett ist Wells Fargo ein hervorragendes Unternehmen, das vorübergehend in schwieriges Fahrwasser geraten ist. Und das ist für ihn immer ein Kaufgrund. Und Anleger sind selten schlecht damit gefahren, wenn sie auf Buffets Rat hörten...

Berkshire Hathway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und ist dort die älteste meiner Empfehlungen. Zu Zeit sehe ich sie als Halteposition, da mir die große Abhängigkeit vom Finanzsektor, vor allem von der Versicherungsbranche, nicht behagt. Hier hat Buffet schon gegengesteuert und einen Teil seiner Versicherungsaktivitäten verkauft; und die letzten Zukäufe fanden allesamt im industriellen Sektor statt und damit wird Berkshire Hathaway (wieder) breiter aufgestellt, was ich sehr befürworte.


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ERGÄNZUNG VOM 13.10.2016
Kurz vor Bekanntgabe der Quartalszahlen ist John Stumpf zurückgetreten, CEO und Chairman von Wells Fargo. Neuer CEO wird der für das operative Geschäft Verantwortliche Tim Sloan.


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ERGÄNZUNG VOM 11.11.2016
Seit heute ist klar, dass Buffett keine einzige Aktie von Wells Fargo verkauft hat, wie er CNBC im Interview verriet.

Samstag, 1. Oktober 2016

MPC Capital: Schiffsportfolio-Verkauf für 400 Mio. Dollar macht Lust auf mehr

Die MPC Münchmeyer Petersen Capital AG ist ein Asset-Manager und hat im früheren Leben Kapitalanlagen in geschlossenen Fonds verkauft - und damit bei den privaten Investoren nicht nur Freude verbreitet. Immer mal wieder poppen noch gerichtliche Altlasten hoch, weil viele dieser Fonds aus den Bereichen Immobilien und Schifffahrt in der großen Finanzkrise in Schieflage gerieten.

Dass es auch anders geht, zeigt der jüngste Verkauf eines Schiffsportfolios für $398 Mio., für das MPC Capital vor gut 10 Jahren bei Investoren knapp €175 Mio. eingeworben hatte. Mit dem nun beschlossenen Verkauf erzielen die Investoren eine durchschnittliche jährliche Nachsteuerrendite von 6% auf ihr eingesetztes Kapital. Die IRR (Internal Rate of Return) liegt bei bis zu 7,7%, der Gesamtmittelrückfluss bei bis zu 195%. Käufer der "M-Star-Flotte" mit acht Vollcontainerschiffen ist ein asiatisches Finanzkonsortium, das eine Weiterbeschäftigung der Schiffe im Charterbetrieb beabsichtigt.

Asset under Managament sollen auf €10 Mrd. verdoppelt werden
Dieser Erfolg dürfte für MPC Balsam auf die Seele sein und bei künftigen Vermarktungs- und Akquiseaktivitäten helfen. Auf der anderen Seite sinken durch den Verkauf die Assets under Management (AuM) natürlich um rund €355 Mio. ab und das widerspricht dem Ziel von MPC Capital, mittelfristig die AuM von €5 Mrd. auf €10 Mrd. auszubauen.

Da man dabei selbst mit Co-Investments einsteigen möchte, hat man im März bei einer Kapitalerhöhung €12 Mio. an frischem Geld eingeworben (Bezugskurs €5,70) und gerade erst eine weitere Kapitalerhöhung im Gesamtvolumen von €36,5 Mio. durchgeführt (Bezugskurs €6,00). Der Streubesitzanteil stieg durch die beiden Maßnahmen auf 36% und das macht die bisher recht marktenge Aktie deutlich besser handelbar.

Wie bei den meisten Kapitalerhöhungen üblich, zeigt sich der Aktienkurs etwas irritiert und richtungslos. Das sollte sich allerdings bald geben und die operativen Geschäfte von MPC Capital wieder in den Vordergrund rücken. Und hier ist man ziemlich erfolgreich in den  neuen Bereichen unterwegs.

 MPC Capital (Quelle: fnanzen.net) 
Immobilien-Fonds-Portfolio wächst
Vor kurzem hat MPC Capital ihr Immobilien-Portfolio in den Niederlanden und Deutschland ausgebaut und 10 Einkaufszentren mit einem Gesamtvolumen von rund €60 Mio. akquiriert. Damit wird ein Immobilienfonds für Logistik- und Leichtindustrie von rund €115 Mio. auf gut € 150 Mio. ausgebaut. MPC Capital selbst ist mit einem kleineren Anteil von bis zu 5% Co-Investor, verdient künftig aber vor allem an Gebühren und Provisionseinnahmen aus dem Management des Fonds. Und die künftigen Investments werden ebenso in diese Richtung zielen.

Zukunftsmarkt Micro-Appartments für Studenten
Wie auch der Ausbau der Micro-Appartments für Studenten zeigt. Hier hatte MPC Capital Ende Juli verkündet, ein zweites Projekt in Berlin für seine Micro-Living-Plattform Staytoo initiiert zu haben. Hierzu hat man in der Leibnizstraße im Stadtteil Charlottenburg eine Büroimmobilie auf einem 1.231 Quadratmeter großen Grundstück erworben. Der Umbau soll noch in diesem Jahr beginnen und im Frühjahr 2018 abgeschlossen sein. Mit dem Erwerb des sechsten Objekts ist das Vermögen des Spezial-AIF MPC Student Housing Venture I nahezu vollständig investiert, man habe noch Luft für ein bis zwei weitere Projekte. An insgesamt fünf Standorten in Berlin-Kreuzberg, Nürnberg, Bonn, Kaiserslautern und Leipzig befinden sich weitere Staytoo-Projekte, wo sich rund 1.000 Apartments in der Umsetzungsphase befinden. Die ersten hiervon sollen im Herbst in Bonn und Nürnberg eröffnet werden.

Meine Einschätzung
Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase sind Asset-Manager sowohl von privaten als auch institutionellen Investoren gesucht, weil sie eine attraktive Rendite versprechen, während Bankguthaben teilweise bereits mit Strafzinsen belegt werden. Für Asset-Manager wie MPC Capital kommt die aktuelle Marktlage einem Schlaraffenland gleich und für Anleger bieten sich hier interessante Möglichkeiten.

Trotz der noch ausstehenden Rechtsrisiken aus der Vergangenheit und allen Risiken, die sich aus dem Engagement im Bereich Schifffahrt ergeben können, scheint MPC Capital ein aussichtsreiches Chance-Risiko-Verhältnis zu bieten und daher befindet sich der Wert als aussichtsreiche Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Nächster erfolgreicher Asset-Deal: Publity peilt Gewinnverdopplung an

Die Publity AG ist ein Investor in und Asset-Manager von deutschen Büroimmobilien mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Immobilienfinanzierung in Sondersituationen und Publity hat Großes vor, denn der Immobilienbestand per Ende 2015 von €1,6 Mrd. soll bis Ende 2017 auf €5 Mrd. verdreifacht werden und mit dem jüngsten Deal ist man diesem Ziel wieder ein ganzes Stück näher gekommen.

Als zweites Standbein wird die Betreuung von Non performing Loans (NPL), also in Schieflage geratenen und mit Immobilien besicherten Krediten, aufgebaut. Nachdem man in den letzten Monaten bereits mehrere lukrative NPL-Deals in Milliardenhöhe an Land ziehen konnte, hat man nun einen weiteren Asset-Management-Vertrag über €350 Mio. mit einem internationalen Investor unterzeichnet und so die Assets under Management (AuM) in diesem Jahr um insgesamt €0,9 Mrd. auf aktuell €2,5 Mrd. gesteigert - und hat somit das Zwischenziel für 2016 von €3 Mrd. AuM in Sichtweite. Die Vereinbarung umfasst ein Portfolio von 6 Assets in Berlin Mitte, Berlin- Dahlem, Berlin Friedrichshain, Potsdam und München.

Jahresziele und Dividendenprognose werden bestätigt
Nach den erfolgreichen ersten drei Quartalen bestätigt publity die Gesamtjahresprognose 2016, die eine Verdoppelung des Jahresüberschusses auf €25 Mio. und eine Steigerung des EBIT von €20,3 Mio. auf €37,5 Mio. sowie des Umsatzes von €23,0 Mio. auf €44 Mio. vorsieht.

Darüber hinaus wird die Dividendenprognose mit einer geplanten Ausschüttung von €2,80 je Aktie erneut bestätigt, was bei einem aktuellen Aktienkurs von €31,50 fast 9% Dividendenrendite ergibt.

 Publity AG (Quelle: finanzen.net) 
Schöne Aussichten
In 2016 wird sich erstmals der Ganzjahreseffekt der höheren AuM aus den Co-Investments des Jahres 2015 einstellen und daher die Umsätze und Gewinne stark zulegen. Und für das Geschäftsjahr 2017 ist nochmals mit einem solchen Boom-Effekt zu rechnen, da die AuM in 2016 ja über das Jahr verteilt von €1,6 Mrd. auf €3 Mrd. in etwa verdoppelt werden sollen.

Des Weiteren ist Publity in fortgeschrittenen Verhandlungen über den Verkauf von weiteren Immobilien aus Joint-Venture- Vereinbarungen. Und da Publity ja in mehreren Phasen an seinen Deals verdient (das Geschäftsmodell habe ich hier ausführlich beschrieben), einer Finders Fee beim Ankauf, Management-Gebühren bei der Verwaltung und Vermietung, sowie ggf. einer Erfolgsprovision beim Verkauf, würde ein solcher Deal einen weiteren Schub beim Ergebnis bedeuten.

Meine Einschätzung
Der Kursverlauf ist seit dem Allzeithoch zur Hauptversammlung im Sommer von €44 auf €26 zurückgekommen, was der hohen Dividendenausschüttung von €2 geschuldet ist, der überfallartigen Kapitalerhöhung direkt am Tag nach der Hauptversammlung, dem Ausstieg eines britischen Hedge-Fonds sowie Zweifeln, ob Publity seine ehrgeizigen Ziele und Prognosen überhaupt erreichen kann. Diese Zweifel nagen bis heute an der Aktie und so kommt es immer wieder zu Abverkäufen, trotz eines stetigen positiven News-Flows. Dabei ist der Immobilien-Manager aussichtsreich positioniert und die vorgelegten Zahlen bestätigen die operativen Erfolge regelmäßig.

Bis zum Allzeithoch bei über €40 ist noch reichlich Luft und seit den Tiefs bei €26 konnte die Aktie bisher immerhin schon über 20% zulegen. Hier zeichnet sich vielleicht die Trendwende ab, die nach André Kostolany "Zittrigen" genannten Anleger haben ihre Aktien auf den Markt geschmissen und nun sind fast nur noch "Hartgesottene" an Bord, die auf eine weiterhin erfolgreiche Umsetzung des Geschäftsmodells setzen. Und auf die niedrige Bewertung, die Publity als echtes Schnäppchen erscheinen lässt.

Publity befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot und stocke bei Kursschwäche eher weiter auf.

Freitag, 30. September 2016

Patrizia macht für Samsung-Konzern Commerzbank-Tower-Deal klar

Die im Nebenwerte-Index SDAX gelistete Patrizia Immobilien ist als bankenunabhängiges Immobilien-Investmenthaus für Investoren und Privatanleger tätig und nun scheint ihr ein echter Coup gelungen zu sein. Denn Patrizia erwirbt den Commerzbank-Tower in Frankfurt am Main als Investment Manager im Rahmen eines Individualmandats für den südkoreanischen Samsung-Konzern. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, allerdings wird über €620 Mio. gemunkelt. Mit der Commerzbank als Mieter wurde ein langfristiger Mietvertrag vereinbart für das Gebäude am Kaiserplatz, das mit seinen 259 Metern das höchste Gebäude in Deutschland ist und als ein Wahrzeichen der Bankenmetropole gilt.

Mit diesem Kauf unterstreicht Patrizia einmal mehr ihre besondere Expertise, die bei immer mehr institutionellen Investoren Anklang findet. Insbesondere Investoren aus Asien setzen bei ihren europäischen Immobilieninvestments verstärkt auf Partizia als Investment-Manager, die allein in den letzten 15 Monaten für asiatische Investoren rund €1,3 Mrd. in Immobilien in ganz Europa investiert hat.

Schon zum Halbjahr hatte Patrizia hervorragende Zahlen präsentieren können. Das operative Ergebnis hatte sich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres auf €231,8 Mio. vervielfacht und auch ohne die sog. Harald-Transaktion wurde das operative Ergebnis um mehr als 90 Prozent auf €23,8 Mio. gesteigert, im Vergleich zu €12,5 Mio. im ersten Halbjahr 2015.

 Patrizia Immobilien (Quelle: finanzen.net) 
Neben dem deutlich gestiegenen Transaktionsvolumen nahm auch das Wachstum des betreuten Immobilienvermögens weiter zu. Dabei spielt Patrizia das Niedrigzinsumfeld immer stärker in die Hände, da immer mehr Anleger, gerade auch institutionelle, händeringend nach rentierlichen Investitionsmöglichkeiten suchen und auf Spezialisten wie Patrizia angewiesen sind. Und so konnten bei institutionellen und privaten Investoren mehr als €900 Mio. Eigenkapital für Investitionen eingeworben werden und damit mehr als doppelt so viel wie im ersten Halbjahr 2015. Insgesamt erhöhte sich das betreute Immobilienvermögen zum 30. Juni 2016 auf €17,2 Mrd. nach €16,6 Mrd. Ende 2015. Nach mehreren kleineren Investments nimmt Patrzia bei den Assets under Management nun mit dem Commerzbank-Tower im Volumen von €600 Mio. einen kräftigen Schluck aus der Pulle.

Meine Einschätzung
Patrizia ist hervorragend positioniert und dürfte auch weiterhin stark davon profitieren, dass die Niedrigstzinsen keine attraktiven Renditen für Geldanlagen mehr bringen und Anleger auf andere Anlagen ausweichen müssen. Der anstehende Brexit und der seit dem Votum massiv einbrechende britische Immobilienmarkt verlagern Anlegergelder in dieser Asset-Klasse weg von den britischen Inseln hin zu den Metropolen Kontinentaleuropas und hier insbesondere in den sicheren Hafen Deutschland. Die angespannte Lage am heimischen Immobilienmarkt bei gleichzeitig günstigen Co-Finanzierungsmöglichkeiten über Kredite birgt enormes Potenzial für das Geschäft von Patrizia. Die Aktuelle Kursschwäche nach der Ausgabe von Berichtigungsaktien im Verhältnis 10:1 sollte für langfristig orientierte Anleger eine gute Einstiegsgelegenheit darstellen.

Patrizia befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Donnerstag, 29. September 2016

mVISE übernimmt Mehrheit an Just Intelligence GmbH und bleibt voll auf Kurs

Die mVISE AG ist ein Spezialist für cloudbasierte mobile Digitalisierung und hat einige schwere Jahre hinter sich. Seit 2015 läuft der Turnaround und der nimmt immer mehr Gestalt an.

Im Jahr 2015 wurde die Gesamtleistung der mVISE AG um 174% von €2,1 Mio. auf €5,9 Mio. gesteigert und die Mitarbeiterzahl im selben Zeitraum von 32 auf 64 verdoppelt. Ebenso erfreulich entwickelte sich die Eigenkapitalquote von 24% auf 48%. Die Bereinigung defizitärer Geschäftsfelder ist abgeschlossen und sämtliche Altverbindlichkeiten wurden getilgt.

Der Turnaround setzt sich auch in 2016 fort, wie die Ergebnisse des ersten Halbjahres zeigten. Die erwartete Gesamtleistung steigt um mehr als 50% auf circa €3,7 Mio. nach €2,4 Mio. im Vorjahreszeitraum. Ebenso erfreulich zeigt sich das erwartete EBITDA mit +€160.000 ggü. -€380.000 bereinigtem EBITDA im Vorjahreszeitraum. Der Vorstand der mVISE AG bestätigte daher die Prognose einer Gesamtleistung von knapp €10 Mio. für das Jahr 2016 bei einer angenommenen Konsolidierung der übernommenen Just Intelligence GmbH, Hamburg ab dem 3. Quartal 2016.

Konsolidierung der Just Intelligence GmbH ab dem vierten Quartal 2016
Und eben diese Übernahme der Just Intelligence GmbH ist nun erfolgt; mVISE gab die Aufstockung seiner Unternehmensanteile an der Hamburger Just Intelligence GmbH auf 78% bekannt, an der man bereits seit 2014 mit zuletzt 33,4% beteiligt war. Die Aufstockung erfolgt durch Barmittel in Höhe von €180.000, die in die Just Intelligence GmbH eingezahlt werden und durch Ausgabe von 210.000 Aktien im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung aus genehmigten Kapital der mVISE AG. Die Barmittel werden aus der eigenen Finanzkraft erbracht, eine Kapitalmaßnahme ist nicht nötig. Für die verbleibenden 22% wurde ebenfalls eine vertragliche Regelung getroffen.

 mVISE AG (Quelle: finanzen.net) 
Damit kann die Just Intelligence GmbH in den Geschäftszahlen der mVISE AG konsolidiert werden, allerdings erst ab dem vierten Quartal. Dies hat allerdings nach Auskunft des mVISE-Vorstands keine negativen Auswirkungen auf die prognostizierten 2016er Jahresziele, da die Geschäfte operativ ziemlich rund laufen und die Ziele auch so erreicht werden dürften; also ein EBTIDA in Höhe von über €1 Mio. bei einer Gesamtleistung von knapp €9 Mio., was zu einer überplanmäßigen Rentabilität führt. Darüber hinaus geht mVISE im Zusammenhang mit der Mehrheitsbeteiligung an der Just Intelligence GmbH von einem positiven Impuls auf das Umsatz- und Ertragswachstum aus, da die ICC Cloud von Just Intelligence eine hervorragende Ergänzung des mVISE SaaS-Produktportfolios darstelle und die Partnerschaft mit Marktführer 4Com das Vertriebspotential der Just Intelligence um über 60% erhöhe.

Meine Einschätzung
Der Vollzug der bereits länger angekündigten Übernahme sollte dazu führen, dass die Jahresziele erreicht werden und diese neue Verlässlichkeit steht der mVISE gut zu Gesicht. Die Übernahme birgt darüber hinaus weitere Vertriebspotenziale und dürfte den mVISE-Konzern stärken.

mVISE befindet sich als aussichtsreiche, aber nicht ganz risikolose Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot und ich bin zuversichtlich, dass die operative Entwicklung weiterhin so positiv fortschreitet.

Startschuss gefallen: Deutsche Rohstoff AG ist bereit für die Rallye

Etwas mehr als zwei Jahre ist es her, dass ich die Deutsche Rohstoff AG erstmals hier im Blog vorgestellt und als "antizyklisches Value-Investment" auf meine Empfehlungsliste genommen habe. Danach ging es mit dem Kurs im Zuge des Ölpreisverfalls und des andauernden Preisdesasters bei den Rohstoffen, insbesondere bei Wolfram und Kupfer, bergab. Inzwischen hat sich der Aktienkurs soweit erholt, dass er inkl. der zweimaligen Dividendenzahlungen zumindest das Einstiegsniveau meiner Erstempfehlung erreicht hat. Außer Spesen nichts gewesen, könnte man sagen, allerdings habe ich in der Zwischenzeit mehrmals weitere Aktienpakete zu deutlich niedrigeren Kursen gekauft und daher steht die Deutsche Rohstoff AG heute als meine größte Einzelposition und mit einem netten Kursgewinn in meinem Depot.

Auch wenn die DRAG Beteiligungen in anderen Rohstoffen unterhält, insbesondere an Almonty Industries und Hammer Metals, spielt die Musik doch maßgeblich im Bereich des US-Öl- und Gasgeschäfts. Hier ist die DRAG mit ihren beiden neuen Töchter Cub Creek Energy (CCE) und Elster Oil & Gas (EOG) in der Exploration aktiv und schickt sich an, an alte Erfolge anzuknüpfen. Zur Erinnerung: Mitte 2014 hatte die DRAG ihre damalige Tochter Tekton Energy veräußert und einen dreistelligen Millionenerlös erzielt. Quasi zum Hochpunkt der Ölpreise, denn zum Jahresende 2014 hin stürzte der Ölpreis weltweit ab und nahm die ganze Branche mit sich. Nicht so die DRAG, denn die saß ja auf einem riesigen Cash-Berg. Dennoch gab auch der Kurs der DRAG im weiteren Verlauf der Ölpreis-Krise um mehr als 30% nach.

Seit Anfang 2015 hat sich die DRAG über ihre beiden Töchter CCE und EOG wieder auf die Suche nach interessanten Flächen für die Öl- und Gas-Exploration gemacht. Und inzwischen ist man ziemlich weit, denn man hat nicht nur Flächen in unmittelbarer Nähe zum damaligen Feld, das der Tekton so viel Erfolg bescherte, akquiriert, sondern man profitiert generell von den stark gefallenen Kosten für Grundstücke, Bohrrechte, Equipment, Personal - und auch vom Fortschreiten der Technik, denn heute bekommt man viel mehr Öl- und Gas aus dem Schiefergestein als es noch vor zwei Jahren der Fall war.

Das Bohrprogramm ist seit einigen Monaten am Start und seit dem dritten Quartal produzieren die ersten Quellen auch. Das ist insofern entscheidend, weil rund 90% der Kosten für das Bohren anfallen und für das Fördern nur rund 10%. Ist eine Quelle erst einmal produktionsbereit, spielt sie der DRAG schnell Geld ein. Denn die DRAG kann zu Kosten von annähernd $30 je Barrel (WTI) fördern und erzielt damit bereits beim heutigen Ölpreis von $47 schöne Gewinne. Das liegt auch daran, dass die DRAG für den Verkaufsgewinn bei der Tekton vor zweieinhalb Jahren rund $38 Mio. an Steuern in den USA zahlen musste, die man bei Neuinvestments in die Exploration innerhalb der USA sukzessive erstattet bekommt. Ein enormer Wettbewerbsvorteil für die DRAG, den kaum eine andere Gesellschaft in die Waagschale werfen kann.

Halbjahreszahlen erwartungsgemäß im Minus
Der Deutsche Rohstoff-Konzern hat im ersten Halbjahr nach ungeprüften HGB-Zahlen erwartungsgemäß einen Konzernfehlbetrag in Höhe von €-3,9 Mio. erzielt. Das Ergebnis vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern (EBITDA) belief sich zum 30. Juni 2016 auf € 3,0 Mio., während das Eigenkapital im Konzern sich gegenüber dem 31. Dezember 2015 leicht um €0,7 Mio. auf €62,5 Mio. erhöhte. Dies entspricht einer Eigenkapitalquote von 48,4% gegenüber 48,3% Ende 2015. Die liquiden Mittel beliefen sich auf €74,6 Mio. (31. Dezember 2015: €83,0 Mio.).

Dabei ist zu berücksichtigen, dass für das Bohrprogramm natürlich schon Kosten angefallen sind, die ersten Umsätze aus der Förderung und somit dem Verkauf von Öl und Gas jedoch erst sukzessive anlaufen. Diese Umsätze aus Produktverkäufen betrugen im ersten Halbjahr €1,1 Mio. an.

 Deutsche Rohstoff AG (Quelle: finanzen.net) 
Jahresprognose zeigt die Phantasie
Für das Gesamtjahr 2016 erwartet das Unternehmen einen Nettogewinn im Konzern von €8-10 Mio.. Das Ergebnis wird wesentlich von den Öl- und Gasverkäufen der US-Töchter Elster Oil & Gas und Cub Creek Energy im 4. Quartal sowie von Steuererstattungen in den USA bestimmt sein. Elster Oil & Gas produziert bereits seit Ende Juli aus sechs weiteren Bohrungen. Im ersten Monat hatten diese Bohrungen 2.700 Barrel Öl-Äquivalent (BoE) pro Tag erbracht, von denen wirtschaftlich ca. 1.350 BoE auf Elster entfallen. Cub Creek Energy hatte im ersten Halbjahr noch keine Produktion, wird im Oktober und November aber mindestens 19 Horizontalbohrungen in Produktion bringen, an denen Cub Creek im Durchschnitt einen wirtschaftlichen Anteil von fast 90% hält.

Und nicht nur in 2016, auch im nächsten Jahr wird sich dieser Trend verstärken. Denn die Kosten für die Bohrungen belasten das DRAG-Ergebnis bereits seit 2015, während die Umsätze aus dem Verkauf erst jetzt mit dem Produktionsstart von immer mehr Bohrungen loslegen. Und damit die Gewinne.

Ausweitung des Bohrprogramms
Vor wenigen Tagen hat Cub Creek zusätzlich die Genehmigung für zwei weitere Bohrungen vom Markham-Bohrplatz erhalten, von dem das Unternehmen derzeit bereits zehn Bohrungen niederbringt. Aller Voraussicht nach werden Deutsche Rohstoff und Cub Creek in den kommenden Tagen entscheiden, die beiden zusätzlichen Bohrungen direkt im Anschluss an die derzeit laufenden Bohrungen abzuteufen, d.h. noch im Oktober.

Die Inbetriebnahme aller dann zwölf Bohrungen vom Markham Bohrplatz wird sich gegenüber der bisherigen Planung um circa drei bis vier Wochen auf die erste Dezemberhälfte verschieben. In der Ergebnisprognose ist dieser Effekt bereits berücksichtigt.

Cub Creek und Elster verfügen über ein Inventar von weiteren rund 100 geplanten Bohrungen, die bis 2018 niedergebracht werden sollen. Cub Creek hat darüber hinaus kürzlich die Akquisition weiterer 1.500 Acres netto bekannt gegeben. Für diese Flächen werden derzeit die Genehmigungsverfahren vorbereitet. Nach Ansicht des Managements könnten die Flächen das Potential für weitere 50 Bohrungen mit größtenteils 2 Meilen Länge bieten.

Erste Steuererstattungen stehen bevor
Einen wesentlichen Einfluss auf das Konzernergebnis wird auch das Steuerergebnis haben. Für das Veranlagungsjahr 2015 erwartet die Deutsche Rohstoff USA, die die Beteiligungen der Deutsche Rohstoff AG in den USA hält, eine Steuererstattung in Höhe von $3,9 Mio., die in den kommenden Wochen ausgezahlt werden wird. Für 2016 wird die Erstattung aufgrund des hohen Investitionsvolumens nochmals deutlich steigen.

Dividende soll mindestens stabil bleiben
Die Muttergesellschaft Deutsche Rohstoff AG erwartet für das Gesamtjahr 2016 ebenfalls ein positives Ergebnis. Der Vorstand geht deshalb weiterhin davon aus, eine Dividende mindestens auf dem Niveau des Vorjahres vorschlagen zu können, als €0,55 je Aktie ausgeschüttet wurden, was einer Erhöhung um 5 Cents oder 10% ggü. dem Vorjahr entsprach.

Meine Einschätzung
Die Deutsche Rohstoff AG dürfte eine der heißesten Kandidaten für eine schöne Jahresendrallye sein. Die aktuelle Bewertung preist noch viel Unsicherheit hinsichtlich der Entwicklung des Öl-Preises ein, was aber meiner Ansicht nach unbegründet ist. Die DRAG produziert zu unter $30 je Barrel (WTI) und erzielt daher bereits auf dem heutigen Öl-Preis-Niveau stattliche Gewinne. Die Hälfte der Produktion sichert sie auch durch Terminverkäufe bereits ab, was einerseits das Risiko reduziert, andererseits allerdings auch Chancen nimmt, sollte sich der Öl-Preis wieder Richtung seiner alten Hoch bei über $100 aufmachen.

Inwieweit die Einigung der OPEC auf Förderobergrenzen nachhaltige Auswirkungen auf den Öl-Preis haben wird, bleibt abzuwarten. Dies ist bei meinem DRAG-Investment-Case allerdings auch nur "on top". Denn die Umdrehungen für die nächsten Zahlenwerke kommen daraus, dass die Produktion endlich angelaufen ist und ständig zunimmt. Daher legen Umsätze und Gewinne die nächsten Quartale immer mehr zu, das ist heute schon absehbar. Und sollte der Öl-Preis wirklich einen Beitrag leisten und sich in Gefilde oberhalb von $50 aufmachen oder sogar noch höher, schlägt dies fast 1:1 auf die Gewinne der DRAG durch.

Die DRAG befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot. Ich habe sie durch Zukäufe inzwischen zu meiner größten Depotposition gemacht - zuletzt habe ich gestern nach Vorlage der Zahlen noch einmal zu unter €19 aufgestockt.

Montag, 26. September 2016

Börsenweisheit der Woche 39/2016

"Kaufe niemals eine Aktie, nur weil sie gerade gestiegen oder gefallen ist."
(Benjamin Graham)

Samstag, 24. September 2016

Home Office Europe-Übernahme: Aurelius kauft 2 Milliarden Euro Umsatz zu

Dem Münchner Finanzinvestor Aurelius Equity Opportunities SE & Co. KGaA ist ein Mega-Deal geglückt. In der nach Umsatz größten Transaktion der Aurelius- Unternehmensgeschichte übernimmt er Office Depot Europe, die europäischen Geschäftsaktivitäten des US-Konzerns Office Depot, Inc. Die zu übernehmenden Aktivitäten erwirtschaften mit rund 6.500 Mitarbeitern einen Umsatz von ca. €2 Mrd. Verkäufer ist die in Florida ansässige Office Depot, Inc., ein Anbieter von Bürobedarf und -dienstleistungen.

Über den Kaufpreis, "der in Höhe und Zusammensetzung der bisherigen Aurelius-Praxis entspricht", wurde Stillschweigen vereinbart. Man kann also davon ausgehen, dass der Kaufpreis eher marginal ausgefallen sein dürfte, das Unternehmen sollte operativ eine schwarze Null fahren und es sollten ausreichend eigene finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um die anstehende Umstrukturierung damit begleichen zu können; ggf. erhält Aurelius on Top noch eine "Bargain Purchase", also eine Mitgift für die zu erwartenden Umstrukturierungskosten. Aurelius spricht jedenfalls von "großen Potenzialen für den Aurelius-Ansatz".

Office Depot Europa verfügt über einen starken Markennamen, eine hohe Kundenloyalität und ist mit seinen drei Kernsparten bzw. -marken "Viking", Contract- und dem Retail-Geschäft in 14 europäischen Ländern aktiv. Über die renommierte Marke "Viking" ist das Unternehmen ein führender Anbieter in den sechs Produktbereichen Bürobedarf, Druck- und Dokumentendienste, Papier, Computer und Drucker, Firmendienstleistungen wie Facility Management sowie Büromöbel. Im Direktvertrieb wird an über 1,2 Millionen kleine und mittelständische Unternehmen in zehn europäischen Ländern über den Online-Auftritt, Katalogversand und Call-Center verkauft. Hauptmärkte für "Viking" sind die DACH-Region und Großbritannien. Die Sparte "Contract" verfügt über eine attraktive und loyale Kundenbasis sowie ein stabiles Distributionsnetzwerk und unterhält Verträge für die Belieferung von über 100.000 größeren Firmenkunden und Unternehmen in den Hauptmärkten Großbritannien, Frankreich sowie der DACH-Region. Der Retail-Bereich verkauft unter der Marke "Office Depot" in über 100 Geschäften und im Online-Handel an über 600.000 aktive Kunden. Großes Potenzial für den operativen Ansatz von AURELIUS Die bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Neuausrichtung von Office Depot Europa sollen direkt und teilweise durch lokale Partner und das Management vor Ort fortgesetzt werden. Wachstumsinitiativen durch neue Produkt- und Serviceangebote und das paneuropäische Distributions- und Logistiknetzwerk sollen ausgebaut und das E-Commerce-Geschäft weiter forciert werden.

 Aurelius (Quelle: finanzen.net) 
Details zum Deal
Die Aurelius-Konzerntochter Aurelius Rho Invest DS GmbH hat sich heute in einem bindenden Angebot verpflichtet, die europäischen Geschäftsaktivitäten des US-Konzerns Office Depot, Inc. zu erwerben. Nach Ablauf üblicher Konsultationsprozesse mit verschiedenen Arbeitnehmervertretungen des Office Depot Konzerns in Frankreich kann die Verkäuferseite einen bereits ausverhandelten Kaufvertrag abschließen. Die Parteien haben Exklusivität während dieses Zeitraums vereinbart. Die Transaktion, die dann noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Kartellbehörde sowie weiterer Closing-Bedingungen stehen wird, soll voraussichtlich in den nächsten Monaten vollzogen werden.



Meine Einschätzung
Die Aurelius-Konzerngesellschaften erwirtschaften bisher €3 Mrd. Umsatz pro Jahr und mit dem Zukauf von Home Office Europa schnellt dieser auf €5 Mrd. nach oben. Die Größe dieser Transaktion zeigt, in welche Dimensionen Aurelius nach nur 10 Jahren Geschäftstätigkeit hineingewachsen ist und welche finanzielle Power sich in dem Konzern und dem Geschäftsmodell verbergen.

Die Aktien von Aurelius liegen bei knapp über €50 und damit oberhalb des von Aurelius selbst ausgewiesenen NAV, des Nettoinventarwerts - vor Berücksichtigung dieser Mega-Transaktion. Wie diese jüngste Transaktion allerdings aufs Neue belegt, ist dieser Erfolgsaufschlag auch gerechtfertigt, denn Aurelius hat bisher durchschnittlich seinen Einsatz bei allen Transaktionen um den Faktor 9 vermehrt. Die Kursschwankungen der Aurelius-Aktie sollten Anleger in Kauf nehmen und auch, dass es ab und zu längere Phasen ohne große Kurssteigerungen gibt. Entscheidend ist die Entwicklung des Eigenkapitals und an der wird sich der Aktienkurs immer wieder orientieren, wenn auch zeitversetzt. Ich gebe jedenfalls keine meiner Aurelius-Aktien aus der Hand und es bleibt die größte Position in meinem Aktienportfolio. Kursrücksetzer sind immer wieder Kaufgelegenheiten, auch für Dividendenfans, denn Aurelius schüttet neben einer Basisdividende auch eine sog. Partizipationsdividende aus, die die Anleger am operativen Erfolg des Geschäftsjahres teilhaben lässt. Zuletzt kam man so auf Dividendenrenditen oberhalb von 5%.

Aurelius befindet sich in meinem Depot und ist eine der ältesten und erfolgreichsten Werte auf meiner Empfehlungsliste. Langfristig orientierte Anleger bleiben investiert und nutzen Kursrücksetzer konsequent zum Aufstocken ihrer Position.

Montag, 19. September 2016

Börsenweisheit der Woche 38/2016

"Der größte Fehler, den Anleger machen können, liegt darin, Kauf- oder Verkaufentscheidungen von den aktuellen Schlagzeilen abhängig zu machen."
(Warren Buffett)

Sonntag, 18. September 2016

Starbucks bleibt weiter heiß und die Aussichten alles andere als trübe

Es gibt Unternehmen, die wie ein Uhrwerk schnurren, vor sich hin wachsen und erfolgreich ihre Geschäfte tätigen, die sich von den Wirrungen der Ökonomie und der Konjunktur nur bedingt beeindrucken lassen. Dies sind die Unternehmen, die Warren Buffett liebt, wenn sie verlässlich gute Zahlen abliefern, stabile und prognostizierbare Cashflows, aus denen sie ihr Business finanzieren können und die Dividenden für die Aktionäre und am besten noch Aktienrückkäufe. Und da diese Qualitäten gesucht sind, sind es auch die Aktien dieser Unternehmen und entsprechend hoch bewertet sind sie. Für Value-Anleger sind sie damit meist zu teuer, für Anhänger von Benjamin Graham auf jeden Fall. Denn dieser setzte stets auf unterbewertete Schnäppchen. Warren Buffett hingegen setzt auf Qualität und ist bereit, dafür auch einen höheren Preis zu zahlen.

»Es ist besser, ein hervorragendes Unternehmen zu einem guten Preis zu kaufen, als ein gutes Unternehmen zu einem hervorragenden Preis.«
(Warren Buffett)

Und das führt uns zu Starbucks, die ich schon öfter hier vorgestellt und als langfristiges Investment empfohlen habe. Eine Aktie, die 2015 herausragend performte, in diesem Jahr aber bisher nicht an gewohnte Kurserfolge anknüpfen kann. Ein Unternehmen, das Warren Buffett nicht in seinem Portfolio hat, und das mit einem erwarteten 2017er KGV von 25 höher bewertet ist als Durchschnittsaktien. Eine Aktie also, die besonders anfällig ist für konjunkturelle Turbulenzen, einen starken Dollar, chinesische Irritationen - und damit reif ist für einen Kursabsturz. Eigentlich. Denn Starbucks ist anders.

Als Aktionär freut man sich über schöne Zahlen und Erfolge der Vergangenheit, doch der Blick ist natürlich auf die Zukunft gerichtet. Und angesichts der Unsicherheiten an den Märkten und der doch bereits üppigen Bewertung der Starbucks-Aktien stellt sich natürlich die Frage, ob diese durch künftiges hohes Wachstum im operativen Bereich gerechtfertigt ist. Alkohol und Snacks sind einige der erfolgversprechenden Wachstumstreiber, dazu gesellen sich die unter dem Namen "Verismo" verkauften Kaffeemaschinen für Kaffeekapseln sowie das zunehmende Angebot von Starbucks-Produkten in Supermärkten und Tankstellen. Starbucks ist hierbei hochpreisig (und hochmargig!), aber man verkauft eben nicht nur Kaffee, sondern vor allem ein Lebensgefühl.


 Starbucks Corp. (Quelle: finanzen.net) 
Die zweitgrößte Restaurantkette der USA
Der Kaffeehausbetreiber ist inzwischen die zweitgrößte Restaurantkette der USA und hat sich zwischen die nun drittplatzierte Subway's und den schwächelnden Platzhirschen McDonald's geschoben. Nun ist Größe nicht alles, aber Starbucks verdankt seinen Aufstieg seinem starken Wachstum, nicht (nur) der Schwäche der Konkurrenten.

Starkes, profitables Wachstum
Starbucks verfügt über einen ökonomischen Burggraben und damit über die Preissetzungsmacht. Während Konkurrenten Kunden über Rabatte locken, rennen diese Starbucks die Türen ein. Nicht trotz der angehobenen Preise, sondern eben weil diese angehoben wurden. Weil Starbucks es geschafft hat, mehr zu sein als ein Kaffeeausschenker: Starbucks ist zum „Third Place“ geworden, zum dritten Platz, an dem sich Menschen aufhalten neben ihrem Zuhause und ihrem Arbeitsplatz. Starbucks verkauft Lifestyle, ein Lebensgefühl und daher spielt der Preis seiner Produkte für die Kunden nicht die entscheidende Rolle wie Mc Donald‘s oder Burger King.

Starbucks-Kaffee-Pads für Nespresso-Maschinen
Der Kaffeehausgigant möchte den nächsten Schalter auf Wachstum umlegen und startet in Europa mit eigenen Starbucks-Kaffee-Pads für Nespresso-Maschinen. Starbucks bietet weltweit hochpreisigen Kaffee (und mehr) an man hat festgestellt, dass sehr viele Starbucks-Kunden zuhause eine Nespresso-Maschine hätten. Die ebenfalls mit ihren Pads das Hochpreissegment bedienen. Um den perfekten Starbucks-Genuss auch zuhause bieten zu können, hat Starbucks sich viel Zeit gelassen, genauer gesagt gut zwei Jahre. Und erst jetzt ist man mit dem Ergebnis so zufrieden, dass man die Kaffee-Pads den Kunden anbieten mag. Obwohl Starbucks die mit Abstand meisten Kunden in den USA hat, startet man mit dem neuen Produkt in Europa. Was merkwürdig klingt, hat einen profanen Hintergrund, denn die Top-Fünf der Kaffee-konsumierenden Staaten sind die Niederlande, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland. Und hier liegt der Anteil der "Ein-Portionen-Kaffee-Maschinen" am Gesamtverbrauch bei rund 40%, so dass Starbucks sich einem riesigen, noch völlig unerschlossenen, Markt gegenüber sieht, den man nun erobern will.

Tee-Kooperation mit Anheuser-Busch InBev
Zuletzt ging man eine Kooperation mit dem weltgrößten Bierbrauer Anheuser-Busch InBev ein, um künftig beim Vertrieb von Fertiggetränken der Tee-Tochter Teavana zusammenzuarbeiten und hier ähnliche Erfolge zu erzielen, wie bei den Kaffeefertiggetränken. Der Markt für trinkfertige Tees habe in den USA ein Volumen von $1,1 Mrd. pro Jahr und wachse mit durchschnittlich 10 Prozent.

Tee-Offensive in Asien
Darüber hinaus startet Starbucks eine Tee-Offensive in China bzw. der Asien-Pazifik-Region. Dort sollen in mehr als 6.200 Starbucks-Läden speziell auf den dortigen Teegeschmack zugeschnittene Angebote lanciert werden. Vom globalen Tee-Markt, der rund $125 Mrd. ausmacht (auf China alleine entfallen hiervon $9,5 Mrd.), will sich Starbucks so bis Ende 2020 Tee-Umsätze von $3 Mrd. abschneiden.

Starbucks-Geschenkkarte ist ein Hit
Darüber hinaus ist die Starbucks-Geschenkkarte zu dem Top-Weihnachtsgeschenk avanciert. Denn nachdem bereits im Vorjahr jeder siebte Amerikaner eine solche Starbucks-Geschenkkarte auf dem Gabentisch fand, war es 2015 bereits jeder sechste. Für Starbucks ist das Beste daran, dass man das Geld bereits eingenommen hat, egal, ob die Karten auch wirklich eingelöst werden.

Die Marke Starbucks ist der Burggraben
Das Snack-Angebot ist mit 20% Zuwachs einer der Wachstumstreiber. Hier steckt noch eine Menge Potenzial drin, allerdings kein endloses, denn Starbucks wird keine reinrassige Restaurantkette werden, die auf eigene Küchen setzt. Das ausgeweitete Angebot an Bier und Wein wird von den Kunden gut angenommen und füllt die Läden in der Nachmittags- und Abendzeit. Auch hiermit unterstreicht Starbucks seinen Anspruch, der "Third Place" zu sein, und Starbucks ist es gelungen, seine Marke zum Statussymbol zu machen, zur Coca Cola des Kaffees. Auch wenn andere Ketten das Konzept kopieren wollen, werden sie es sehr schwer haben, Starbucks hier Paroli zu bieten. Asien wächst rasant Und dann ist da noch China. Hier trinken die Leute durchschnittlich drei Tassen Kaffee - pro Jahr. Mit mehr Ladenlokalen kann Starbucks den wachsenden Kaffeedurst der Chinesen bedienen und das Wachstum speist sich aus mehr Filialen und höherem Kaffeekonsum pro Gast. Und auch in Indien, dem Teetrinker-Paradies, legt der Kaffeedurst stark zu.

Mobiler Kaffeegenuss
Ein weiterer Wachstumstreiber ist die Starbucks-App. Nun kann man natürlich keinen Kaffe durch sein iPhone trinken, aber die App ist dennoch ein echter Wachstumstreiber für Starbucks. Denn die Stoßzeit bei Starbucks liegt am frühen Morgen, wenn sich sogar Schlangen an den Tresen bilden, weil die Menschen ihren Coffee-to-go bei Starbucks ordern auf dem Weg zur Arbeit. Da das Bestellen, Zubereiten und Bezahlen einige Zeit in Anspruch nimmt, hat Starbucks eine App kreiert, mittels derer die Kunden ihren Kaffee und die sonstigen Starbucks-Angebote bequem vorab ordern und bezahlen können und diese dann nur noch in der Filiale abholen müssen. Die Wartezeiten reduzieren sich hierdurch enorm und es gelingt Starbucks auf diese Weise, selbst die bereits unter Volllast laufenden Geschäftszeiten nochmals viel besser auszunutzen. Und dabei verringert sich noch die Gefahr, dass Kunden aufgrund der langen Wartezeiten genervt sind und ggf. zur Konkurrenz abwandern.

Starbucks ist innovativ
Nicht unterschätzen darf man die Innovationskraft des Managements. Denn Starbucks hat nicht einfach nur ein Konzept, das weltweit kopiert wird und überall den gleich hohen Wiedererkennungswert bietet. Starbucks ist kein McDonald's! Starbucks testet neue Wege, nicht nur mit der individuellen Gestaltung seiner Läden, die sich auch schon mal stark ins heimatliche Kolorit einpassen und wie ein Shinto-Schrein daherkommen. Natürlich mit der gut sichtbaren grün-weißen Starbucks-Nixe am Eingang. Darüber hinaus werden ständig neue Dinge ausprobiert, wie die das Bier- und Weinangebot am Abend, die jüngst gestartete Edelkaffeehauskette "Starbucks Reserve Roastery and Tasting Room", mit der das höherpreisige Segment angesprochen werden soll oder die kleinen 25-Quadratmeter-Shops in New York, die für zusätzlichen Absatz sorgen, ohne die großen Läden zu kanibalisieren. Oder die Kooperation mit Spotify, dem angesagten Musik-Streaming-Dienst, der nun sogar in das Starbucks-Stars-Programm aufgenommen wurde. Diese neuen Ideen halten Starbucks am Leben, bieten den Kunden immer wieder etwas Neues, ohne das Bewährte in den Hintergrund zu drücken.

Und wenn eine der neuen Ideen nicht zündet, dann wird sie ebenso schnell wieder beerdigt. Wie das kurzzeitige Engagement bei der Bäckereikette "la Boulange". Das Konzept mit den eigenen Läden hat sich nicht ausgezahlt, die Erwartungen, die mit der Übernahme verbunden waren, sich nicht erfüllt. Und der Zopf schnell abgeschnitten und sich erfolgversprechenderen Überlegungen zugewandt.

Es gibt auch Schattenseiten
Ende November 2015 markierte der Aktienkurs bei knapp über €59 sein Allzeithoch, bevor es unter Schwankungen bergab ging. Aktuell notiert die Aktie bei gut €48 und damit mehr als 15% niedriger. Und das hat natürlich Gründe, die vor allem in wachsenden Bedenken hinsichtlich der weiteren Wachstumsaussichten begründet sind. Denn die Zahlen zum zweiten Quartal 2016 lagen deutlich unter den Analystenerwartungen und das lastet seitdem auf dem Kurs. Insbesondere im stärksten Markt, den USA, verlangsamte sich das Wachstum. Nicht, dass es einen Rückgang gegeben hätte, nur weniger rasante Zuwächse. So stiegen die "Same-Store-Sales" nur noch um 4%, während die Anzahl der Filialen um 8% wuchs. Was nichts anders heißt, als dass die Stores, die mindestens schon seit 13 Monaten bestehen, ein Wachstum von 4% hingelegt haben. Das wiederum zeigt, dass die Wachstumsstory völlig intakt ist, denn die USA befinden sich in einer Rezession, auch wenn das Wort noch niemand in den Mund nimmt. Fallendes Wachstum, hohe Arbeitslosenzahlen, überall aufkommende Konjunktursorgen. Und dennoch kann Starbucks aus seinen "alten" Läden immer noch mehr Umsatz und Gewinn herausholen. Und man wächst auch über die neu hinzukommenden Läden; alleine in China sollen ja in den nächsten 5 Jahren jährlich 500 weitere Shops hinzukommen. Wachstumssorgen? Wohl eher nicht angebracht, auch wenn die Same-Store-Sales im entsprechenden Vorjahresquartal noch um 7% zugelegt hatten. Insgesamt stieg der Starbucks-Umsatz im zweiten Quartal um 7% auf $5,24 Mrd.- beeindruckend, wenn auch unterhalb der Analstenerwartungen von $5,35 Mrd.

Des Weiteren gab es Verstimmungen, weil Starbucks die Bedingungen für sein Loyality-Programm verändert hat. Anstatt wie bisher die Anzahl der Besuche zu belohnen, wird nun auf den dabei erzielten Umsatz abgestellt. Wer viel Umsatz macht, bekommt viele Punkte. Das führt natürlich bei Kunden, die nur einen simplen Kaffee trinken, zu Unmut, denn sie erhalten künftig viel weniger Punkte. Aber das ist für Starbucks langfristig genau der richtige Weg, denn die Filialen (vor allem in den USA) platzen ja zu Spitzenzeiten aus allen Nähten. Und als "Third Place" ist Starbucks daran gelegen, dass in den Verweildauern möglichst viel Umsatz gemacht wird. Wie bei jeder Änderungen gibt  es Verlierer und Profiteure. Die Kunden, die viel in die Starbucks-Kassen spülen, werden künftig stärker belohnt. Und das wird sich für Starbucks schlussendlich auszahlen, wenn sich die erste Empörung etwas gelegt hat. Und auch die Kunden, die aus Protest nun die Läden gemieden haben, werden wieder zurückkehren.

Meine Einschätzung
All diese Faktoren machen Starbucks nicht immun gegen eine Rezession oder einschneidende Ereignisse, wie die Terroranschläge in Paris, aber sie zeigen auf, dass es Starbucks immer wieder gelingt, sich anzupassen. Und zwar schneller und besser als die Konkurrenz. Weil der Kunde im Mittelpunkt steht, nicht das Produkt alleine. Und daher sind Starbucks-Aktien auch bei einer absolut betrachteten hohen Bewertung ein Top-Pick, der Top-Pick im Restaurant-Sektor. Denn relativ gesehen, also im Verhältnis zum Wachstum, liegt die Bewertung dieses schnell wachsenden Unternehmens im fairen Bereich.

Und da schließt sich wieder der Kreis zu Warren Buffett, der ein solches Unternehmen eigentlich kaufen müsste, weil alle seine Kriterien für ein Quality Investment erfüllt sind. Insbesondere auch eine attraktive Dividendenrendite, denn Starbucks hatte vor einigen Monaten die vierteljährliche Ausschüttung von $0,16 auf $0,20 angehoben, also um 25 Prozentpunkte. Das macht auf das Jahr gerechnet 1,5%, nicht unbedingt üppig, aber auch nicht niedrig für einen Wachstumswert. Und der hohe Free-Cashflow dürfte dafür sorgen, dass Starbucks die Dividende weiterhin deutlich anheben wird in den nächsten Jahren.

Doch der eigentliche Grund dafür Starbucks-Aktien zu kaufen, liegt natürlich in seinem profitablen Wachstum, das mit durchschnittlichen 18% jährlich erwartet wird. Insbesondere in China wird die Musik spielen, denn der starke Dollar sorgt hier nicht für schlechte Ergebnisse, sondern vor allem dafür, dass es für Starbucks immer günstiger wird, neue Läden zu eröffnen. Und Starbucks-CEO Howard Schultz spricht bereits offen davon, dass China irgendwann die USA als wichtigsten Markt ablösen dürfte. 500 neue Shops pro Jahr sind ein ambitioniertes Wachstumstempo und Anleger haben die Chance, dieses Qualitätsunternehmen auf seinem Weg zu begleiten. Als Mitinhaber und damit Profiteur.

Starbucks befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot