Freitag, 16. September 2016

Mit Hypoport richtig verdienen am Umbruch der Bankenbranche

Seit einiger Zeit überrollt eine neue Welle die Börsen, die Fintechs. Klassische Banken ächzen zunehmend darunter, dass immer mehr Kunden lieber online am heimischen PC ihre Bankgeschäfte abwickeln und immer seltener in die personalintensiven Filialen kommen. Vor 15 Jahren wurden die Comdirectbank oder Consors noch als Tagesgeldbanken belächelt, dann schnappten sie den Filialbanken und Sparkassen den Wertpapierhandel weg, da ihre Gebühren weniger als die Hälfte der üblichen Provisionen ausmachten und Abwicklung und Service auch noch reibungsloser gewährleistet wurden. Die Online-Broker von damals sind inzwischen zu Vollbanken herangewachsen und werden kaum noch belächelt. Viel zu stark punkten sie in Sachen Profitabilität und Service im Vergleich zu ihren strauchelnden Mutterkonzernen.

Doch nicht sie sind es, die die Fintech-Revolution ausgelöst haben, sondern überwiegend kleine, innovative Unternehmen im Finanzsektor. Social-Trading-Banking, Peer-to-Peer-Lending, Mobile-Payment sind Schlagworte aus der Fintech-Branche. Die Möglichkeiten und Angebote sind vielfältig und kaum überschaubar und bei vielen muss sich erst noch beweisen, dass sie auf Kundenakzeptanz stoßen und das zeug haben, sich am Markt auch durchzusetzen. Sie haben allerdings eines gemein: sie erodieren das klassische Bankgeschäft. Dabei sind es zumeist keine Killer-Applikationen, die von heute auf morgen die Filialbanken ersetzen, aber sie knabbern Stück für Stück an deren Geschäftsmodell und bringen sie unter enormen Kostendruck. Die Hypovereinsbank als Tochter der italienischen UniCredit ist dabei, die Hälfte ihrer Filialen in Deutschland zu schließen. Die Deutsche Bank dünnt ihr Filialnetz um hunderte von Filialen aus, bei Volksbanken und Sparkassen sieht die Lage nicht anders aus. Einerseits können die Filialbanken so erheblich Personal sparen, andererseits begeben sie sich zunehmend in direkte Konkurrenz zu Onlinebanken – und da können sie mit ihren historisch hohen Kostenstrukturen kaum bestehen. Und aufgrund der reduzierten Filialen und damit persönlichen Kundenkontakte fehlt ihnen die Vertriebsschiene für ihre Provisionsprodukte. Nachdem auch das Investmentbanking mehr Probleme als Gewinne abwirft, schien in den letzten 15 Jahren der Vertrieb von Lebensversicherungen und Bausparverträgen das neue lukrative Standbein der Banken zu sein. Doch auch dieses ist inzwischen mehr als wurmstichig.

Nachdem die Banken also auf mehr und mehr Geschäftsfeldern kräftig Boden verlieren, hatten sie wenigstens auf das Kreditgeschäft gehofft. So eine Immobilienfinanzierung ist schon beratungsintensiv und kann nicht einfach mit ein paar Klicks online erledigt werden. Schließlich geht es auch um große Summen, da ist die Seriosität des persönlichen Kontakts mit dem Bankberater ein echtes Asset. Naja war… dann kam die Bankenkrise, das Image der Banken rauschte in den Keller, immer häufiger werden enorme Skandale und finstere Machenschaften bekannt, wo sie Banken und Banker zulasten der Kunden und Steuerzahler die Taschen vollgestopft haben. Inzwischen sind in Umfragen nur noch Politiker weniger beliebt als Banker und werden als noch weniger glaubwürdig eingestuft. Und das hat auch konkrete Auswirkungen auf das Kreditgeschäft, denn neue Konkurrenten haben es folgerichtig leichter, den Banken den Schneid abzukaufen. Da man diesen nicht mehr vertraut, kann man sich ebenso gut an jemand anderen wenden, denn das Risiko scheint nicht ungleich größer zu sein.

 Hypoport (Quelle: finanzen.net) 
Hypoport: Dienstleister, Partner, Wettbewerber
Und hier treffen wir auf Hypoport,ein Unternehmen, das kaum jemand kennt, denn man tritt gegenüber Endverbrauchern selbst nicht in Erscheinung. Hypoport ist ein Finanzdienstleister und bedient mit seinen drei Sparten unterschiedliche Segmente. Der unbedeutendste Bereich ist die Beratung und Finanzierungsabwicklung für institutionelle Kunden beim Sozialen Wohnungsbau. Daneben ist man hinter Marktführer Interhyp zweitstärkster Anbieter bei der Online-Finanzierungsvermittlung an Privatkunden, die man über die Tochter Dr. Klein bedient. Und man hat über die Tochter Europace, wo man für institutionelle Kunden, vor allem Banken, Finanzierungen und Finanzprodukte online abwickelt, de facto eine Monopolstellung in Deutschland.

Dr. Klein ist online zu erreichen und dort bekommt Otto-Normalverbraucher schnell einen Kredit für seine neue Eigentumswohnung oder sein neues Auto vermittelt. Zusätzlich gibt es in ausgesuchten Großstädten auch richtige Filialen. Das Kreditverfahren ist hochgradig standardisiert und führt für die meisten Fälle schnell ans Ziel. Wo es schwierig wird, weil es bei der Bonität zwickt oder weil Selbständige mehrere unterschiedliche Einkommensarten haben, da wird das Geschäft einfach nicht gemacht. Diese aufwändigen und daher weniger margenträchtigen „Problemfälle“ überlässt man dann der Konkurrenz der Filialbanken.

Zündet die Kursrakete nicht mehr?
Im letzten Jahr hat Hypoport den Kursturbo gezündet und die Aktie hat sich um mehrere hundert Prozent in die Höhe geschraubt. Vom Höchstkurs bei fast €100 ist der Wert inzwischen wieder deutlich zurückgekommen und nach der großen Anfangseuphorie pendelt der Kurs seit einiger Zeit um Kurse von €80. Ein Abstand von 20% zum Allzeithoch ist allerdings kein ausreichender Kaufgrund, da muss es schon bessere Argumente geben.

Während Hypoport im Bereich Business-to-Consumer mit seiner Marke Dr. Klein zwar sehr erfolgreich ist, aber sich auch starken Wettbewerbern wie InterHyp und Check24 ausgesetzt sieht, sollten Anleger ihren Fokus vor allem auf das Quasi-Monopol Europace legen, wo Hypoports Kunden Banken und Finanzdienstleister sind. Hier steigt die Zahl der Partner weiterhin stark an, da immer mehr Banken ihre Geschäfte auch über Europace abwickeln und inzwischen auch verstärkt die Volksbanken und Sparkassen hinzukommen. Damit reduzieren die Filialbanken ihre Kosten und können im Wettbewerb gegen Banken mit hohem Kostenapparat besser bestehen. Diese schließen weitere Filialen und so wandern mehr Kunden in die Onlinevermittlung ab und das erhöht nun selbst wieder den Druck auf die Banken. Das ist für die Banken ein zweischneidiges Schwert, denn sie können ohne Europace kaum noch bestehen, andererseits erhöht der Erfolg von Europace den Druck auf die teilnehmenden Banken weiter.

Für Hypoport als Europace-Mutter ist diese Konstellation hingegen geradezu traumhaft, denn mit jedem abgewickelten Geschäft verdient Hypoport an den Gebühren. Der Clou ist, dass die Plattform digital ist, also zusätzliche Teilnehmer nicht entsprechend höhere Kosten verursachen. Man spricht bei diesem Effekt von Skalierbarkeit. Wachstum bedeutet Ausweitung der Margen und das ist der Traum eines jeden Unternehmers. Und Hypoport wächst.

Erstes Halbjahr mit Rekordwerten
Die Halbjahreszahlen belegen, dass Hypoport weiter auf einer Erfolgswelle schwimmt. Im ersten Halbjahr 2016 konnte der Finanzdienstleister nach vorläufigen Zahlen den Umsatz von €67,5 Mio. auf €73 Mio. steigern und das EBIT von €9,1 Mio. auf €11 Mio. Bei der Tochter Europace dämpften auch im April und Mai noch die negativen Auswirkungen der Wohnraumkreditrichtlinie die Umsätze, die aber gegen Ende des Quartals spürbar anzogen und so für die zweite Jahreshälfte merklich anziehende Zahlen erwarten lassen.

Auch Zukäufe auf dem Schirm
Mit dem Erwerb des Softwareunternehmens NKK Programm Service AG durch die eigene Tochter Insurtech hat Hypoport seine Wettbewerbsposition im Versicherungsmarkt gestärkt. Ich hatte ja kürzlich unter Verweis auf den hohen Kostendruck und die anstehenden enormen Investitionssummen im Versicherungsbusiness Aktien von GFT Technologies und msg life gekauft und auf meine Empfehlungsliste genommen - und Hypoport stößt mit diesem Zukauf ins gleiche Horn. NKK bietet seinen Kunden seit fast 30 Jahren Softwarelösungen zur Verwaltung von Versicherungsverträgen an und diese Software wird von verschiedenen Hypoport-Konzerntöchtern bereits seit mehreren Jahren genutzt. Neben der Weiterführung der Produktentwicklung und dem "Heben von Synergieeffekten aus Technologietransfer und gemeinsamem Marktzugang" soll die Integration von NKK auch neue Geschäftsmodelle im Versicherungsmarkt eröffnen.

Value trifft Growth
Hypoport ist weder eine typische Wachstumsaktie, noch ein klassischer Value-Wert. Das Wachstum ist rasant und wird auf absehbare Zeit auch kaum nachlassen, aber das 2017er KGV von 21 lässt auch nicht sofort auf eine Unterbewertung schließen. Man könnte Hypoport bei €80 also als fair bewertet einschätzen, vor allem nach der Kursvervielfachung im letzten Jahr. Die EBIT-Steigerung von 40% im ersten Quartal spricht allerdings eine andere Sprache und berücksichtigt man, dass die belastenden Effekte aus der Regulierungsumsetzung, die das Neugeschäft gebremst hatten, nun abgearbeitet sind, dann dürfte auch der Umsatz in den Folgequartalen wieder stärker zulegen. Und das bei sich ausweitenden Gewinnmargen.

Meine Einschätzung
Wir sollten uns also an die weisen Worte Warren Buffetts erinnern, der sagte, man solle nicht auf den Einkaufspreis schauen, sondern darauf, was das Unternehmen (und damit seine Aktien) in ein paar Jahren wert sein werden. Und wenn ich diesem Rat folge, dann komme ich zu dem Schluss, dass Hypoport weiter wachsen wird, dass man mit der Technik von Europace ein einzigartiges und kaum kopierbares Produkt hat, das sich hervorragend skalieren und damit die Margen weiter wachsen lässt. Und man hat eine Quasi-Monopolstellung und die Banken müssen sich auf Europace einlassen, um überhaupt noch konkurrenzfähig bleiben zu können. Das nennt man einen ökonomischen Burggraben und es ist ein geradezu klassisches Beispiel für eine disruptive Enwtwicklung!

Treffen meine Annahmen zu, dann wird die Hypoport-Aktie bald auch dreistellige Kurse sehen. Ob dies in einem Monat oder in einem Jahr soweit ist, kann ich nicht abschätzen. Was ich sehe ist jedoch, dass das operative Geschäft stark wächst und zwar profitabel mit weiter wachsenden Margen. Und das ist seit jeher das beste Treibmittel für steigende Börsenkurse. Daher sollte Hypoport auf dem aktuellen Kursniveau für langfristige Anleger ein lohnendes Investment sein, denn es verbindet Wachstum und Werthaltigkeit in idealer Weise.

Hypoport befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Mittwoch, 14. September 2016

Deutsche Beteiligungs AG tankt frisches Geld für neue Co-Investments

Die 1965 gegründete Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) ist eine der ältesten deutschen Beteiligungsgesellschaften, bei der mit knapp 20 Prozent die Drogeriefamilie Rossmann mit an Bord ist. Das SDAX-Mitglied ist weniger auf Sanierung und Exit seiner Töchter aus, sondern mehr auf Bestandsauf- und ausbau. Daneben hat man vor einigen Jahren Beteiligungsfonds aufgelegt (ganz klassisch wie die US-Finanzinvestoren KKR oder Blackstone), in die Investoren Geld einbringen können, ohne sich direkt an der DBAG AG beteiligen zu müssen. Die DBAG übernimmt an diesen Fonds auch selbst Anteile bzw. tritt bei Investment des Fonds als Co-Investor auf und erhält von den Fonds Management-Gebühren. Über diese Konstruktion kann die DBAG mit dem gleichen Eigenkapitalanteil wesentlich mehr bewegen, da ja der Großteil der Gesamtinvestitionen von Investoren stammen. Der EK-Hebel bei einem erfolgreichen Verkauf der Beteiligung ist entsprechend geringer, aber über die Beteiligungsdauer fließen der DBAG stetige Erträge aus den Provisionen der Fonds zu. Sie hat also ihr Geschäftsmodell verstetigt, nachdem sie über die letzten 15 Jahre betrachtet 15,2% und über die letzten 10 Jahre immerhin noch 13% an durchschnittlich Erträgen für ihre Aktionäre erwirtschaftet hat.

Kapitalerhöhung für weitere Co-Investments
Soeben hat die DBAG verkündet, frisches Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen. Und zwar soll das Grundkapital der Gesellschaft von €48.533.334,20 aus genehmigtem Kapital gegen Bareinlage um nominal bis zu €4.853.330,23 (entsprechend rund 10% des derzeitigen Grundkapitals) auf bis zu €53.386.664,43 erhöht werden durch Ausgabe von bis zu 1.367.635 neuen, auf den Namen lautenden Stückaktien der Gesellschaft. Das Bezugsrecht der bestehenden Aktionäre der Gesellschaft wird ausgeschlossen und die neuen Aktien sind für das laufende, am 30. September 2016 endende Geschäftsjahr 2015/2016 dividendenberechtigt.

 Deutsche Beteiligungs AG (Quelle: finanzen.net) 
Die DBAG ist in letzter Zeit eine ganze Reihe von Investments eingegangen für ihre diversen Fonds. Und immer ist sie auch als Co-Investor mit einem niedrigen Prozentanteil mit an Bord. Der jüngste Einstieg beim MedTech-Unternehmen Polytech kostet die DBAG bis zu €12 Mio. an Eigenmitteln für einen 18%-Anteil, rund 76% übernimmt der DBAG Fund VI und die übrigen Anteile wird das Management des Unternehmens erwerben. Der Vollzug des Kaufvertrags wird innerhalb der kommenden sechs Wochen erwartet. Polytech ist die zehnte Beteiligung des DBAG Fund VI, der nach dieser Transaktion zu mehr als 75 Prozent investiert ist. Somit bleibt noch Raum für eine weitere Akquisition, da die DBAG-Fonds grundsätzlich nicht mehr als 85% des Kapitals investieren, um noch trockenes Pulver zu haben für Add-on-Zukäufe für die Portfoliounternehmen.

Die DBAG ist also nicht etwa in Schwierigkeiten, sondern sie ist sehr erfolgreich am Markt unterwegs - und dafür benötigt sie frisches Geld. Während sie Investorengelder für die neuen Fonds akquiriert, ist sie auch auf Eigenkapital angewiesen, um selbst ihre Co-Investments leisten zu können. (Nur) so wird auch ein größtmöglicher Mehrwert für die Aktionäre geschaffen.

Mit dem neuen Buy-out-Fonds DBAG Fund VII im Gesamtvolumen von €1 Mrd., der zwischenzeitlich erfolgreich eingeworben wurde, vergrößert sich künftig die Basis für die Erträge aus der Fondsberatung. Zugleich sind höhere Co-Investitionen an der Seite des Fonds vorgesehen; der Eigenanteil der DBAG wird knapp €200 Mio. betragen und somit rund ein Fünftel des Fondsvolumens. Die frisch eingeworbenen Gelder aus der Kapitalerhöhung sind also bereits verplant und werden nicht lange auf dem Girokonto zinslos vor sich hin darben.

Deutlich besseres Quartalsergebnis erwartet
Das dritte Geschäftsquartal war mäßig verlaufen, jedenfalls was das Bewertungsergebnis betrifft, weil das Brexit-Votum die Börsenkurse abschmieren ließ und die DBAG aufgrund ihrer Bilanzierung nach IFRS entsprechend ihre Beteiligungen um satte €12 Mio. abgewertet hat. Inzwischen haben die Börsen den Brexit-Schock verdaut und neue Höchststände erklommen - sollte das jetzige Quartal auf diesem Börsenniveau abschließen, dürften also mindestens diese €12 Mio. an Zuschreibungen das Quartalsergebnis pushen - zuzüglich der ohnehin erfolgreichen operativen Ergebnisentwicklung. Und nachdem das Management kürzlich erst noch seine Jahresprognosen bestätigt hatte und schon einige lukrative Exits erfolgt sind, dürfte die DBAG auf ein weiteres äußerst erfolgreiches Jahr zusteuern.

Meine Einschätzung
Die Kapitalerhöhung verwässert zwar den Anteil der Altaktionäre, aber das frische Geld dient dem Ausbau des Geschäfts und der damit verbundenen Co-Investments. Es schafft also Mehrwert, auch für die Altaktionäre, und daher sollte der Kursdämpfer nur von kurzer Dauer sein. Ich habe ihn jedenfalls genutzt, um meinen DBAG-Bestand etwas auszubauen, denn ich halte die DBAG für eine echte Mittelstandsperle mit mittel- und langfristig hervorragendem Wertsteigerungspotenzial. Die Aktie notiert aktuell mit einem Aufschlag von rund 10% zu ihrem NAV, was aufgrund des hervorragenden Track-Records des Managements, der weiterhin positiven Aussichten und der attraktiven Dividendenrendite oberhalb von 3% mehr als verständlich ist und künftigen Kurssteigerungen nicht im Weg stehen sollte. Zumal seit einiger Zeit, insbesondere dank des Niedrigzinsumfelds, auch die Unternehmen aus der Peer-Group der DBAG an der Börse mit teilweise satten Aufschlägen auf den NAV bepreist werden.

Die DBAG befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.


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Ergänzung vom 15.09.2016
Die Deutsche Beteiligungs AG hat die am 14. September 2016 angekündigte Erhöhung des Grundkapitals um rund zehn Prozent erfolgreich abgeschlossen. Die 1.367.635 neu ausgegebenen Stückaktien wurden zu einem Preis von €28,25 pro Aktie bei deutschen und internationalen institutionellen Investoren platziert und damit in etwa auf dem Niveau von vor der Ankündigung der Kapitalerhöhung. Die Platzierung führt zu einem Bruttoerlös von rund €38,6 Mio.


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Ergänzung vom 16.09.2016
Nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung hebt das Analysehaus Warburg Research sein Kursziel auf €35 (€32,50) an; die Empfehlung lautet weiterhin "buy". Bis die neuen Investments zu Ergebnisbeiträgen bei der DBAG führen, vergehe in der Regel ein Jahr. Die Kurszielanhebung erfolge daher auch, weil man nun den Fokus der Value-Indikatoren bereits auf die Erwartungen für 2018 richte und nicht mehr auf 2017.

Dienstag, 13. September 2016

MPC Capital mit frischem Geld für Immobilien- und Infrastruktur-Investments

Die MPC Münchmeyer Petersen Capital AG ist ein Asset-Manager und hat im früheren Leben Kapitalanlagen in geschlossenen Fonds verkauft - und damit bei den privaten Investoren nicht nur Freude verbreitet. Immer mal wieder poppen noch gerichtliche Altlasten hoch, weil viele dieser Fonds aus den Bereichen Immobilien und Schifffahrt in der großen Finanzkrise in Schieflage gerieten. MPC notierte zu ihren besten Zeiten mal mit knapp €350 und stürzte im Zuge der Finanzkrise und sich daran anschließender regulatorischer Drangsalierungswut seitens der Regierung total ab; es drohte die Pleite. Der Kurs implodierte auf €1 und im Jahr 2013 war man fast am Ende. Fast. Es folgten Kapitalschnitt und Rekapitalisierung und nun läuft die Wiederauferstehung.

Inzwischen ist man unternehmerisch anders unterwegs und zwar als Initiator/Projektierer von Investments für institutionelle Anleger, denen man passgenaue Sachwertanlagen vermittelt mit Schwerpunkt Schifffahrt, Immobilien und Infrastruktur.

Wachstum auch über Kapitalerhöhungen
Operativ fährt man wieder in solideren Gewässern, 2016 soll der Umsatz um mindestens 10% steigen, nachdem er 2015 um 38% in die Höhe geschnellt war. Die AUM (Assets und Management) sollen mittelfristig von €5 Mrd. auf €10 Mrd. ausgebaut werden. Und dabei will man selbst mit Co-Investments einsteigen und die nötigen Eigenmittel hierzu wurden durch eine Kapitalerhöhung im März eingeworben. Satte €12 Mio. flossen MPC an frischem Geld zu und die Eigenkapitalquote erreicht inzwischen sehr solide 42%. 2017 sollen das Ergebnis je Aktie (EPS) auf €0,60 steigen und gelingt die AUM-Ausweitung auf €10 Mrd., dürften 2017 vielleicht sogar €0,80 hängen bleiben, denn der Gewinn dürfte dank verbesserter Margen und positiver Skaleneffekte überproportional steigen.

 MPC Capital (Quelle: finanzen.net) 
Und bei Präsentation der Halbjahreszahlen bestätigte MPC Capital nicht nur die eigene Jahresprognose, sondern kündigte auch an, über eine weitere Kapitalerhöhung nachzudenken, um die Bereiche Real Estate und Infrastructure weiter ausbauen zu können. Der üblicherweise auf die Ankündigung einer Kapitalerhöhung erfolgende Kursdämpfer fand nicht statt, was zeigt, dass MPC Capital am Kapitalmarkt wieder als ernsthaftes und interessantes Investment wahrgenommen wird.

Und gestern erfolgte dann bereits die Umsetzung der Kapitalerhöhung. In einem sog. Pre-Placement wurden institutionellen Anlegern Aktien zum Preis von €6 angeboten, bevor dann die bisherigen Aktionäre über Bezugsrechte ebenfalls die Möglichkeit erhalten, junge Aktien zu zeichnen.

Das Pre-Placement der Kapitalerhöhung wurde innerhalb kürzester Zeit erfolgreich abgeschlossen und insgesamt 3.560.229 neue Aktien bei ausgewählten institutionellen Investoren außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika platziert. Das Buch war zum Platzierungspreis von €6 deutlich überzeichnet. Das Pre-Placement stellt den ersten Teil der gestern bekanntgegebenen Kapitalerhöhung von bis zu 6.085.583 neuen Aktien dar. Aktionäre der MPC Capital AG werden im Rahmen der Bezugsfrist, die voraussichtlich am 14.09.2016 startet und voraussichtlich bis einschließlich 27.09.2016 laufen wird, neue Aktien im Verhältnis 4 zu 1 zum Bezugspreis von €6 je neuer Aktie beziehen können. Sämtliche junge Aktien werden ab dem 1. Januar 2016 gewinnberechtigt sein. Auf Basis dieses Bezugspreises und unter der Annahme, dass sämtliche 6.085.583 neuen Aktien im Rahmen des Angebots platziert werden können, würde MPC Capital aus dieser Kapitalerhöhung einen Bruttoemissionserlös von rund €36,5 Mio. erzielen.

Neue Asset-Deals voraus
Und MPC Capital hat viel vor mit dem frisch eingeworbenen Geld. Erst letzte Woche hat MPC Capital ihr Portfolio in den Niederlanden und Deutschland ausgebaut und 10 Einkaufszentren mit einem Gesamtvolumen von rund €60 Mio. akquiriert. Damit wird ein Immobilienfonds für Logistik- und Leichtindustrie von rund €115 Mio. auf gut € 150 Mio. ausgebaut. MPC Capital selbst ist mit einem kleineren Anteil von bis zu 5% Co-Investor, verdient künftig aber vor allem an Gebühren und Provisionseinnahmen aus dem Management des Fonds. Und die künftigen Investments werden ebenso in diese Richtung zielen.

Zukunftsmarkt Micro-Appartments für Studenten
Wie auch der Ausbau der Micro-Appartments für Studenten zeigt. Hier hatte MPC Capital Ende Juli verkündet, ein zweites Projekt in Berlin für seine Micro-Living-Plattform Staytoo initiiert zu haben. Hierzu hat man in der Leibnizstraße im Stadtteil Charlottenburg eine Büroimmobilie auf einem 1.231 Quadratmeter großen Grundstück erworben. Der Umbau soll noch in diesem Jahr beginnen und im Frühjahr 2018 abgeschlossen sein. Mit dem Erwerb des sechsten Objekts ist das Vermögen des Spezial-AIF MPC Student Housing Venture I nahezu vollständig investiert, man habe noch Luft für ein bis zwei weitere Projekte. An insgesamt fünf Standorten in Berlin-Kreuzberg, Nürnberg, Bonn, Kaiserslautern und Leipzig befinden sich weitere Staytoo-Projekte, wo sich rund 1.000 Apartments in der Umsetzungsphase befinden. Die ersten hiervon sollen im Herbst in Bonn und Nürnberg eröffnet werden.

Meine Einschätzung
MPC Capital hat aus der Vergangenheit noch einige (Rechts-)Risiken an der Backe, die sich bei Konkretisierung auch erheblich auf die Bilanz auswirken könnten. Für den überwiegenden Teil dieser Risiken gibt es Versicherungsschutz, aber nicht für alle Altproblemfälle. Ob sich hier aus den diversen anhängenden Klagverfahren Zahlungen für MPC Capital ergeben, ist nicht abschätzbar. Wer es genau(er) wissen will, sollte die entsprechenden umfangreichen Risikohinweise aus dem die Kapitalerhöhung begleitenden Wertpapierprospekt (PDF-Download) studieren und sich ein eigenes Bild machen.

Die institutionellen Anleger, die im März und heute wieder die Kapitalerhöhung gezeichnet haben, sehen jedenfalls mehr Chancen als Risiken in Aktien der MPC Capital. Und ich auch. Ich hatte ja vor einiger Zeit schon Aktien zu knapp unter €6 erworben und meine Position bei Schwäche auch noch aufgestockt. Zu diesem Kurs kommen nun auch die jungen Aktien und ich werde bei der Kapitalerhöhung mitziehen, denn MPC Capital profitiert massiv von der Niedrigzinsphase und vom globalen Hunger der Liquidität nach Rendite. Die Neustart der Gesellschaft bietet für risikobewusste Anleger einen interessantes Chance-Risiko-Mix mit der Aussicht auf weitere deutliche Kurssteigerungen - wenn sich das Unternehmen mit dem frischen Geld auch künftig so erfolgreich entwickelt wie in den letzten Jahren.

MPC Capital befindet sich sich als aussichtsreiche Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.


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ERGÄNZUNG vom 27.09.2016

MPC Capital gab heute bekannt, dass die am 12. September 2016 beschlossene Kapitalerhöhung erfolgreich abgeschlossen wurde. Nachdem im Pre-Placement bereits 3.560.229 Neue Aktien vorab bei institutionellen Investoren platziert wurden, übten die weiteren bestehenden Aktionäre ihre Bezugsrechte für die verbleibenden 2.525.354 Neuen Aktien nahezu vollständig zu rund 90% aus. Die restlichen, nicht bezogenen Aktien werden zum Bezugspreis von der MPC Participia GmbH hat erworben. Aufgrund der erfolgreichen Platzierung der Kapitalerhöhung fließt der Gesellschaft ein Bruttoemissionserlös von voraussichtlich rund €36,5 Mio. zu. Die Neuen Aktien werden voraussichtlich am 30. September 2016 in den Börsenhandel einbezogen und damit steigt der Streubesitz-Anteil auf rund 36%.

Montag, 12. September 2016

Börsenweisheit der Woche 37/2016

"Die meiste Zeit geht dadurch verloren, dass man nicht zu Ende denkt."
(Alfred Herrhausen)

Mittwoch, 7. September 2016

S&T will nach TecDAX-Aufnahme nun die Margen kräftig steigern

Der Linzer Technologiekonzern S&T AG kommt den selbstgesteckten Zielen seines Großaktionärs und CEO Hannes Niederhauser mit großen Schritten näher. Nach seinem Einstieg bei der früheren Gericom, die später unter Quanmax firmierte, wandelte er den siechenden PC-Fertiger zu einem System-IT-Haus mit Schwerpunkt auf der DACH-Region und Ausrichtung auf Zukunftsmärkte. Schon vor fünf Jahren erklärte Niederhauser, er strebe eine Aufnahme von S&T, wie Quanmax nach der Verschmelzung mit dem Systemhaus S&T System Integration & Technology Distribution seit Ende 2012 heißt, in den TexDAX auf, den Technologie-Index der Deutschen Börse. Und nun ist es soweit, S&T wird demnächst Süss Microtec im TecDAX ersetzen. Dies dürfte dem Aktienkurs, der seit 2010 von €2 auf heute €9 abgestiegen ist, weiteren Auftrieb bringen, denn nun werden auch verstärkt Fonds auf den Nebenwert aufmerksam.

 S&T AG (Quelle: finanzen.net) 
S&T trennt sich von PC-Eigenfertigung
Bereits seit einiger Zeit schrumpfen die Hardware-Umsätze, weil sich S&T immer stärker auf das margenstärkere IT-Beratungsgeschäft und neue Märkte konzentriert, wie z.B. das Smart-Metering, also das intelligente Steuern von Stromnetzen, und IT-Sicherheit. Und heute kann man mit einer weiteren Meldung punkten, denn S&T verkauft  die logistisch und technisch komplexe Fertigung von Eigenmarken-PC (insbesondere der Marken MAXDATA und Proworx) an die Wiener Omega Handelsgesellschaft m.b.H., die das Geschäft weiterführen und in Zukunft eng mit der S&T kooperieren wird. S&T wird sich damit stärker auf das Kerngeschäft als Systemhaus fokussieren und bereits kurzfristig die Bruttomargen innerhalb des Segmentes "Services DACH" steigern können.

Darüber hinaus ist eine weiterer Stärkung des Systemhaus-Geschäftes geplant, denn es stehen Unternehmenszukäufen in den Bereichen POS-Management und Rechenzentrum "unmittelbar bevor", wo S&T bereits heute zu den Premium-Anbietern im Workplace- bzw. POS-Management-Umfeld gehört.

Die Transaktionen sollen keine wesentlichen Auswirkungen auf den Barmittelbestand von S&T haben und auch umsatzseitig seien keine wesentlichen Effekte zu erwarten, da sich die Geschäftsvolumina kompensieren würden, teilte S&T weiter mit.

Meine Einschätzung
S&T ist ein sehr agiles Unternehmen, das in seiner Geschichte mehrmals vor schwierigen Problemen stand, als das alte Geschäftsfeld sich nicht mehr zukunftsfähig erwies. Unter der Führung von Hannes Niederhauser ist es gelungen, das Unternehmen immer wieder erfolgreich in neue Wachstumsfelder zu positionieren und es dort als signifikanten Player zu etablieren. Die TecDAX-Aufnahme ist das Ende des Anfangs vom Aufstieg der S&T und da Niederhauser S&T nicht nur auf Umsatzwachstum trimmt, sondern vor allem auch die Margen stärkt, sind die Aktionäre bisher voll auf ihre Kosten gekommen. Und das sollten sie auch in nächster Zeit, denn der Weg von Niederhauser und S&T ist noch lange nicht vorbei. Langfristig orientierte Anleger können sich bei S&T in einem aufstrebenden und agilen Unternehmen mit attraktiver Bewertung positionieren und sollten in den nächsten Jahren viel Freude an ihrem Investment haben.

S&T befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot. Die leicht schwächeren Kurse heute morgen, die entsprechend der Börsenweisheit "buy the rumors, sell the facts" bzgl. der TecDax-Aufnahme den Kurs belasten, habe ich zum Aufstocken meiner Position genutzt.

Montag, 5. September 2016

Sollte man Suncor Energy lieber in Deutsche Rohstoff AG tauschen?

Eine interessante Frage warf Alex auf zu Suncor Energy und der Deutschen Rohstoff AG, beides Werte auf meiner Empfehlungsliste und beide in maßgeblichem Geschäftsumfang im Öl-Fördergeschäft tätig.

Leserfrage
Hallo Michael,
hältst du es für sinnvoll, Suncor zu verkaufen, um damit DRAG-Anteile zu kaufen? Allein die Größe macht es für Suncor doch viel schwieriger zu wachsen. Steuerliches bitte nicht berücksichtigen.
LG Alex

Meine Antwort
Moin Alex
ich möchte Deine Frage in zwei Teilen beantworten und zunächst die beiden Unternehmen vergleichen und ihre Chancen und Risiken, bevor dann die Überlegung ansteht, ob man ggf. die eine in die andere Aktie tauschen sollte.

 Suncor Energy (Quelle: finanzen. net) 
Kurzprofil von Suncor Energy
Suncor Energy ist in Kanada beheimatet und betreibt Ölsandwäscherei. Bei diesem sehr energieaufwändigen und daher auch sehr teuren Verfahren wird Öl aus Ölsand gewonnen, der zumeist nicht sehr ergiebig ist. Vom Ölpreisverfall ist Suncor Energy daher stark getroffen worden und die Ergebnisse sanken deutlich. Andererseits hat Sucor Energy ein zweites Standbein, sein Raffineriegeschäft. Und dieses ist auf das spezielle Öl aus der eigenen Förderung ausgelegt, so dass hier immer Nachschub kommt. In diesem Bereich verdient Suncor sehr gute Margen und fängt mit dieser Sparte die Verluste im Ölsandwaschen auf.

Für Suncor Energy spricht, dass es sich ausschließlich auf Kanada beschränkt und daher wenig anfällig ist für geopolitische Unruhen, die andere Ölförderer im Nahen Ost oder Indonesien bisweilen hart treffen. Da Suncor Energy die Schwäche der Konkurrenz nutzt und gestrauchelte Wettbewerber aufkauft, steigt nicht nur auszubeutende Fläche und die Ressourcen, sondern auch die Verschuldung stark an. Auch wenn Suncor Energy bevorzugt in eigenen Aktien bezahlt. Sollte der Ölpreis sich nicht wieder deutlicher erholen, wird Suncors Gewinn auf Jahre keine großen Sprünge machen können. Und auch die nicht unattraktiven Dividendenausschüttungen könnten dann infrage gestellt sein.


 Deutsche Rohstoff Ag (Quelle: finanzen.net) 
Kurzprofil Deutsche Rohstoff AG
Die Deutsche Rohstoff AG ist neben der ÖL- und Gasförderung auch in weiteren Bereichen tätig, so insbesondere über Minderheitsbeteiligungen an Hammer Metals (Zinn, Kupfer) und Almonty Industries (Wolfram). Der klare Schwerpunkt liegt aber in den USA und bei der Suche und Erschließung von Öl- und Gaslagerstätten. Hier hatte man in 2014 seine Aktivitäten mit hohem Gewinn verkauft und das quasi unmittelbar vor dem Ölpreisabsturz. Die erzielten rund $200 Millionen investiert man nun zu Niedrigstpreisen wieder in neue Lagerstätten uns bekommt so einen Großteil der zuvor auf den Gewinn entrichteten US-Steuern zurück. Die beiden US-Töchter Cub Creek Energy (CCE) und Elster Oil and Gas (EOG) sind vor allem im Umfeld der früheren, sehr ergiebigen Aktivitäten tätig und haben ihr Bohrprogramm forciert. Dabei sind diese Bohrungen das teuerste an der Förderung, wenn erst einmal die Produktion anläuft, hat man nur noch vergleichsweise geringe Betriebskosten. Und seit einigen Wochen sprudelt das Öl und damit auch das Geld.

Meine Einschätzung
Beide Unternehmen investieren kräftig in einer Phase, wo die Rohstoffpreise am Boden liegen und dieser antizyklische Ansatz ist vielversprechend und birgt große Chancen auf künftige Gewinne. Suncor Energy hat als zweites Standbein sein Raffineriegeschäft, das satte Gewinne abwirft und so die teure Ölförderung intern subventionieren kann. Die Deutsche Rohstoff AG hat bei ihren weiteren Aktivitäten im Rohstoffbereich hingegen mit niedrigen und weiter sinkenden Rohstoffpreisen zu kämpfen, so dass hier auf absehbare Zeit eher Belastungen in Form von Kapitalzuschüssen an die Tochterunternehmen anstehen dürften, bevor bei steigenden Rohstoffpreisen die Zeit der Ernte beginnen kann. Der große Vorteil der DRAG ggü. den meisten Wettbewerbern besteht darin, dass man auf einem immer noch großen Berg an Cash sitzt, den man sukzessive in die neuen Lagerstätten und Bohrungen in den USA investiert - und für jeden hier investierten Dollar erhält die DRAG gezahlte Steuern zurück (und das war 2014 ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag). Die Kosten fallen bereits seit einiger Zeit an, die Erträge beginnen jetzt erst zu sprudeln. Und da man zu Kosten von unter $30 produzieren kann, verdient man auch bei aktuellen $45 für WTI-ÖL "richtig Geld". Das wird sich in den nächsten Unternehmenszahlen, also ab dem dritten Quartal 2016, immer stärker niederschlagen.

Mein Fazit
Beide Unternehmen sind gut positioniert. Suncor Energy ist erheblich größer und recht gut abgesichert, ist allerdings auch eine Wette auf wieder erstarkende Ölpreise. Die DRAG hingegen ist ein vergleichsweise kleiner Nischenwert, der aufgrund der hohen Kapitalausstattung gut nach unten abgesichert ist und der jetzt von Tag zu Tag mehr Umsätze erzielen und damit Gewinne anhäufen wird. Die DRAG verdient auch bei aktuellen Ölpreisen gutes Geld und birgt aufgrund dieser Konstellation aus meiner Sicht weniger Risiken bei gleichzeitig viel größeren Chancen. Und sollte der Ölpreis deutlich anziehen, wird der Gewinn bei der DRAG ebenfalls explodieren.

Sollte man Suncor in DRAG tauschen?
Die DRAG ist also die aussichtsreichere Investition und bei einem Neuinvestment ist die Entscheidung aus meiner Sicht klar. Bei einem Tausch fallen doppelt Gebühren an und ggf. auch Steuern auf bisher erzielte Kursgewinne. Oder ggf. müsste man Verluste glattstellen. Dies sollte aber nicht der entscheidende Aspekt für ein Investment sein, sondern vielmehr das Chance-Risiko-Verhältnis. Und das spricht meines Erachtens eindeutig für die Deutsche Rohstoff AG. Ein Tausch wäre also durchaus sinnvoll, sofern die DRAG-Position im Depot nicht einen zu großen Stellenwert einnimmt unter dem Stichwort Diversifikation.

Suncor Energy befindet sich bisher als Halte-Position auf meiner Empfehlungsliste, während die Deutsche Rohstoff AG ein Kauf-Votum hat und in meinem Depot eine der größeren Positionen ausmacht. Ich nehme jedoch diese Analyse zum Anlass und werde Suncor Energy von der Empfehlungsliste streichen, da das Chance-Risiko-Verhältnis sich zuletzt doch eingetrübt hat. Dass Warren Buffett im letzten Quartal ebenfalls seine Suncor Energy-Aktien um ein Viertel reduziert hat, ist dabei durchaus bemerkenswert, aber nicht maßgeblich für meine Entscheidung.

Börsenweisheit der Woche 36/2016

"Man sucht nach falsch bewerteten Anlagen. Das ist Investing. Und man muss wissen, wann die Anlagen falsch bewertet sind. Das ist Value Investing."
(Charlie Munger)

Freitag, 2. September 2016

Berentzen: Aurelius hat weitere Anteile verkauft

Der Münchener Finanzinvestor Aurelius Equity Opportunities SE & Co. KGaA war bis vor Kurzem noch Mehrheitseigentümer beim traditionsreichen Spirituosenhersteller Berentzen, doch schon länger gab es Gerüchte, wonach sich Aurelius von seinen 51,04% trennen wolle.

Im März gab man dann bekannt, über eine Privatplatzierung im beschleunigten Bookbuildingverfahren seine Anteile abgeben zu wollen und konnte einen Großteil bei institutionellen Anlegern platzieren. Zurück blieb ein Anteil von 18,75%, der weiterhin zur Disposition steht.

 Aurelius SE (Quelle: finanzen.net) 
Heute meldete dann Berentzen, dass Aurelius eine Meldeschwelle unterschritten habe, nämlich 15%. Aurelius hatte über die Börse weitere Berentzen-Aktien verkauft und weist nun noch einen Bestand von 14,22% auf, so dass 4,53% abgegeben wurden. Aurelius hält nun also noch 1.365.012 von insgesamt 9.600.00 Stimmrechten bzw. Anteilen. Bei einem aktuellen Brentzen-Kurs rund €6,60 macht die Beteiligung noch gut €9 Mio. aus und es ist davon auszugehen, dass Aurelius auch die restlichen Stücke sukzessive abgeben wird.

Aurelius befindet sich in meinem Depot und ist eine der ältesten und erfolgreichsten Werte auf meiner Empfehlungsliste. Langfristig orientierte Anleger bleiben investiert und nutzen Kursrücksetzer konsequent zum Aufstocken.


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ERGÄNZUNG VOM 22.09.2016
Soeben meldete Berentzen, Aurelius habe seinen Anteil weiter reduziert und zwar auf nun nur noch 6,26%. Es ist davon auszugehen, dass auch die restlichen Anteile zeitnah über die Börse veräußert werden.


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ERGÄNZUNG VOM 29.09.2016
Seit heute hält Aurelius keine Aktien der Berentzen AG mehr; sämtliche Anteile wurden veräußert, wurde vermeldet.

Donnerstag, 1. September 2016

Ernst Russ, Lloyd Fonds, MPC Capital: Profiteure der Hanjin-Pleite?

Seit der großen Finanzkrise 2008/2009 leiden nicht nur die europäischen Banken, sondern mindestens genauso darbend präsentiert sich der Bereich Schifffahrt und Seehandel. Dabei gehen beide Problemzonen Hand in Hand, denn insbesondere die norddeutschen Landesbanken, aber auch die Commerzbank, waren und sind ganz stark exponiert im Bereich der Schiffsfinanzierungen. Der hohe Wettbewerbsdruck durch Überkapazitäten und dadurch sinkende Frachtraten hat zu vielen Ausfällen von Schiffsfinanzierungen geführt mit entsprechenden Belastungen für die Bilanzen der Banken und die Darlehen bzw. Investments der Anleger, die z.B. in steueroptimierte Schiffsfonds investiert hatten.

Und nun muss die weltweit siebtgrößte Reederei, die südkoreanische Hanjin Shipping, die Segel streichen und Insolvenzverwaltung beantragen. Sie verfügt über eine Flotte von 141 Schiffe, darunter alleine 90 Container-Schiffe, und erreicht nach Bloombergangaben einen Weltmarktanteil von 2,9%. Ein Gericht entscheidet nun, ob gleich die Abwicklung erfolgt, oder ob Hanjin Shipping noch eine Chance zur Restrukturierung bekommt. Das gilt auch für die Tochterfirmen der Gruppe, zu der etwa die südkoreanische Fluggesellschaft Korean Air gehört.

Erst vor wenigen Tagen hatten die Gläubiger des Unternehmens eine Kreditlinie gekündigt, nachdem selbst eine Finanzspritze von mehr als 1 Billion Won (€804 Mio.) Hanjin Shipping nicht über Wasser halten konnte. Insgesamt hat das Unternehmen inzwischen einen Schuldenberg von €4,5 Mrd. angehäuft, den man nicht mehr bedienen kann.

Mit weitreichenden Konsequenzen, denn da nunmehr auch keine Hafengebühren mehr entrichtet werden können, sperren die Häfen weltweit ihre Tore für Hanjin-Schiffe. Was auch für die an Bord befindliche Ware zu einem Problem wird und damit für die Kunden der Reederei, deren Produkte nicht mehr oder zumindest nicht mehr rechtzeitig ausgeliefert werden. Die Kunden werden sich also ganz schnell andere Logistik-Partner suchen und ihre Waren über andere Reedereien verschiffen. Eine Restrukturierung von Hanjin dürfte damit kaum mehr möglich sein, denn eine Rückkehr der Kunden nach erfolgtem Wechsel zur Konkurrenz ist eher unwahrscheinlich.

Umso wahrscheinlicher ist daher die Option, dass der Mitbewerber Hyundai Merchant Marine wichtige Vermögenswerte von Hanjin übernehmen wird, darunter Schiffe und das Verkaufsnetz im Ausland.

Für Wettbewerber, wie AP Moeller-Maersk oder Hapag-Lloyd sind dies durchaus positive Nachrichten, denn sie dürften von der Pleite profitieren und zusätzliche Aufträge abgreifen. Und auch für die Schiffsfinanzierer könnte sich ein Silberstreif am Horizont auftun, denn die weniger rentablen und älteren Kähne von Hanjin dürften abgewrackt werden und somit für geringere Frachtkapazitäten auf den Weltmeeren sorgen.

Und das führt mich zu meinen Investments... Denn die Ernst Russ AG hat eigene Schiffe und einen eigenen Reederei-Betrieb, Lloyds Fonds und MPC Capital haben Fonds aufgelegt, die in Schiffe investiert haben, und wo sie an den Gebühren für die Verwaltung dieser Fonds verdienen. Sie alle dürften mittel- und langfristig zumindest indirekt von der Hanjin-Pleite profitieren, denn sie alle haben einen Vorteil davon, wenn nun Überkapazitäten abgebaut werden und die Frachtraten wieder steigen. Weniger Margendruck sollte zu steigenden Gewinne führen und das ist Wasser auf Anlegers Mühlen.

Ernst Russ, Lloyd Fonds und MPC Capital befinden sich als aussichtsreiche Turnaround-Spekulationen auf meiner Emfehlungsliste und in meinem Depot.


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ERGÄNZUNG VOM 13.09.2016

Das Manager Magazin berichtet, dass aufgrund der Pleite von Hanjin Shipping die Frachtraten weltweit kräftig anziehen würden. Aus Daten der Schifffahrtsbörse in Shanghai gehe hervor, dass sich die Frachtraten zwischen Asien und Nordeuropa allein in der ersten Woche nach dem Konkurs um fast 40 Prozent, auf dem Pazifik im Frachtverkehr zwischen Asien und den USA sogar um mehr als 50 Prozent erhöht hätten.

Es bleibe allerdings abzuwarten, wie nachhaltig dieser Anstieg sei, denn einerseits sei ein Teil der 90 Container-Schiffe von Hanjin Shipping mit geladenen 500.000 Standardcontainern Eigentum von Charterreederein, die ihre Schiffe bei einer Hanjin-Pleite zurückerhielten, so dass diese dann wieder auf dem Weltmarkt zur Verfügung stünden. Und auch die eigenen Hanjin-Schiffe (etwa 60) würden bei einem Konkurs verkauft werden und so ggf. wieder die Kapazitäten erhöhen. Wann dies der Fall sein wird, und ob nicht eher ein erheblicher Anteil der Schiffe abgewrackt würde, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall freuen sich Reedereien weltweit über die unerwarteten zusätzlichen Einnahmen, die ihnen die gestiegenen Charterraten einspielen.


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ERGÄNZUNG VOM 14.09.2016
Nach Informationen des Manager Magazins wird Hanjin Shipping keine Hilfen von Seiten des Südkoreanischen Staates erhalten, weil man dort erkannt habe, dass der Markt seit langem unter Überkapazitäten leide und dringend einer Bereinigung bedürfe. Folgerichtig habe nun der Notverkauf der ersten Hanjin-Schiffe begonnen, die in etwa zu Buchwerten über den Tisch gingen. Experten erwarten indes, dass die siebtgrößte Reederei der Welt am Ende allenfalls als lokaler Player diese Krise überleben wird.

Mittwoch, 31. August 2016

Deutsche Rohstoff AG: Ab jetzt sprudeln die Gewinne. Und zwar kräftig...

Die Deutsche Rohstoff AG (DRAG) gleicht einem brodelnden Vulkan, der kurz vor der (Kurs-)Explosion steht. Es ist nicht mehr die Frage, ob es los geht, sondern nur noch, wann. Und die Treibmittel heißen Öl und Gas.

Vor einigen Wochen hatten die beiden Explorations-Töchter der DRAG in den USA ihre Bohrprogramme aufgenommen, nachdem man sich dort zu Schnäppchenpreisen mit Lizenzen, Rechten und Equipment eingedeckt hatte. Und nur drei Wochen ist es her, dass man weitere Förderrechte zugekauft hat. Und heute gab die DRAG Daten zum aktuellen Verlauf der Förderungen der Tochter Elster Oil & Gas (EOG) bekannt und konnte die eigenen Erwartungen sogar leicht übertreffen. Die DRAG hält 93% an der EOG, deren wirtschaftlicher Anteil (sog. Working Interest) sich im betreffenden Feld auf durchschnittlich 50% beläuft.

Die Produktionsraten aller sechs Bohrungen entsprechen den von EOG erwarteten Mengen, wobei der Anteil der Ölproduktion etwas über den Erwartungen liegt. Alle sechs Bohrungen produzieren aus der Niobrara Formation. Bei den Bohrungen aus dem Jahr 2015 handelte es sich um vier Codell Bohrungen und eine Niobrara Bohrung. Die Codell Formation ist in diesem Teil des Feldes besonders ergiebig und konnte somit bei den ersten fünf Bohrungen zu einer etwas höheren Anfangsproduktion beitragen. Typischerweise fördern die Bohrungen aus den beiden Formationen über die Lebenszeit der Bohrung aber in etwa die gleiche Menge an Öl und Gas.

Zusätzlich sind in den kommenden Monaten weitere Einnahmesteigerungen zu erwarten, da
EOG auch erstmals Umsätze aus sogenannten Mineral Rights (Royalties) zufließen werden. Diese Royalties bestehen bei der 100-prozentigen Tochter von EOG, der Diamond Valley LLC, auf deren Flächen der Inhaber der Leases neun Bohrungen niedergebracht hat. Diese Bohrungen produzieren seit Juli und EOG. erhält einen Anteil an den Umsätzen dieser Bohrungen, ohne selbst mit investieren oder laufenden Kosten mittragen zu müssen.


 Deutsche Rohstoff AG (Quelle: finanzen.net) 
Meine Einschätzung
Die Öl- und Gaspreise haben sich von ihren Tiefstständen deutlich erholt und aufgrund der stark zurückgegangenen Neuerschließungen in den USA und dem rund um den Globus fast zum Erliegen gekommenen Explorationsgeschäft dürften die Preise in absehbarer Zeit eher aufwärts als abwärts tendieren. Die DRAG kann sogar bei WTI-Ölpreisen von unter $30 wirtschaftlich fördern und bei einem Preis von annähernd $50 macht sie fette Gewinne. Und diese werden in den kommenden Monaten in den Geschäftsberichten der DRAG ihren Niederschlag finden und die Gewinn-und-Verlustrechnung bzw. die Kasse mächtig zum Klingeln bringen.

Anleger dürften nach einer langen Konsolidierungsphase nun endlich voll auf ihre Kosten kommen und in den Genuss stark steigender Unternehmensgewinne. Und Aktienkurse. Gut möglich, dass wir im Verlauf des nächsten Jahres schon neue Allzeithochs sehen werden - auch ohne Ölpreisnotierungen oberhalb von $100.

Die Deutsche Rohstoff AG befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und als einer der aussichtsreichsten und am stärksten gewichteten Werte in meinem Depot.

Dienstag, 30. August 2016

Warren's BYD: Buffetts chinesische Wette auf den Erfolg der Elektro-Mobilität

 Warren Buffett 
Die BYC Co Ltd. ist ein chinesischer Elektro-Mobilitäts-Spezialist und obwohl Elektromobilität gerade en vogue ist, wird eigentlich immer nur über Tesla gesprochen und das neue Modell, das in ein paar Jahren mal auf den Markt kommen wird. Dabei spielt vor allem im Reich der Mitte die Musik, wenn es um Absatzmöglichkeiten und Wachstumspotenziale bei Elektro-Autos geht.

BYD, ein Akronym für build your dreams, baut Elektro-Autos für den chinesischen Markt und ist bereits profitabel. Insbesondere im Bereich von Elektro-Bussen ist man führend und hat auch schon in Deutschland E-Busse verkauft; insgesamt rollten schon mehr als 10.000 Stück vom Band. Für dieses Jahr peilt das Unternehmen den Absatz von 120.000 Elektro- und Hybridfahrzeugen an und bliebe damit der weltgrößte Elektro-Auto-Hersteller, deutlich vor Tesla, die mit 80.000 Autos planen.

Top Halbjahreszahlen
Und dass BYDs Pläne nicht nur Luftblasen sind, konnte man bei Vorlage der Halbjahreszahlen sehen, in dem $2,25 Mrd. umgesetzt wurden und damit 160 Prozent mehr als im Vorjahresraum. Insgesamt erlöste das Unternehmen sogar, $6,54 Mrd., denn man baut auch noch konventionelle Autos. Der Gewinn sprang um 384 Prozent auf €0,31 Mrd. nach oben, wobei damit dennoch nur das untere Ende der selbst ausgegebenen Prognose von 382 bis 425 Prozent Wachstum erreicht wurde. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres sollen die Gewinne um 83 bis 91 Prozent steigen, plant BYD, und damit schwächt sich das rasante prozentuale Wachstum ab, in absoluten Zahlen stehen die Ampeln weiterhin voll auf Grün.

Hohe Abhängigkeit von Subventionen
Der Boom kommt nicht von ungefähr, denn China leidet unter einer extremen Luftverschmutzung und steuert daher stark um in Richtung regenerativer Energien und sauberer Antriebsarten. Daher unterstützt die Regierung die Branche mit Milliardensubventionen, was auch die immer stärkere Beliebtheit der Elektro-Autos (mit) erklärt. So flossen von 2013 bis 2015 nach Reuters-Angaben $7,2 Mrd. an Subventionen und auf einzelne Autos entfallen bisweilen mehr als $10.000. Bis zum Jahr 2020 sollen 5 Mio. Elektro-Autos auf den Straßen fahren und der Geldregen zeigt durchaus Wirkung: So wuchs im vergangenen Jahr wuchs der Absatz von Plugin-Hybrid- und reinen Batteriefahrzeugen um 350 Prozent auf 331.000 Stück, während in Deutschland gerade einmal 19.000 Wagen abgesetzt wurden. Einheimische Hersteller werden bei der Förderung allerdings bevorzugt; so erlässt der chinesische Staat den Käufern dieser Modelle die Mehrwertsteuer.

BYDs Pläne gehen inzwischen weit über Elektro-Autos hinaus, und ähnlich wie Teslas Elon Musk ist der Traum, alles zu elektrifizieren, was irgendwie einen Antrieb hat.

So ist inzwischen auch der weltweit zweitgrößte Produzent von Lithium-Ionen-Akkus für elektrisch betriebene Fahrzeuge mit einem 2015er Weltmarktanteil von bereits 14,4 Prozent. Dieser soll in den nächsten Jahren weiter ansteigen und investiert BYD in den nächsten Jahren Milliarden in neue Batterie-Fabriken. Konsequent, denn auch heute schon setzt BYD nicht etwas auf Zulieferer, sondern baut fast alle Komponenten selbst. Und gerade Batterien werden in Zukunft die Schlüsseltechnologie sein, wenn es um Mobilität geht, nicht die Motoren, so wie heute. Denn Elektromotoren sind vergleichsweise simpel, die Batterietechnik hingegen nicht. Sie ist heute und morgen der Dreh- und Angelpunkt, wenn es um den Erfolg der Modelle geht. Denn sie entscheidet über das (bisher noch) wichtigste Kriterium: die Reichweite. BYDs neue Modelle kommen hier auf Werte jenseits der 400 km und damit liegen sie in Bereichen, die Käufer als angenehm empfinden und die ihnen ein subjektives Sicherheitsgefühl geben hinsichtlich der Alltagstauglichkeit und der Verfügbarkeit von Elektro-Tankstellen.

 BYD Co. Ltd. (Quelle: finanzen.net) 
BYD illustre Partner: Daimler, Buffett, Munger, Samsung
BYD ist schon länger im Bereich der Elektroantriebe und Batteriesystem tätig und kann daher einige interessante Partner aufweisen. Und Anteilseigner. Aus Deutschland dürfte vor allem Daimler bekannt sein, die ihr Aktienpaket an Tesla verkauft haben und nun Betterien von den Chinesen beziehen werden. Daimler-Chef Dieter Zetsche soll sogar gesagt haben, der Verkaufstag des Tesla-Aktienpakets sei der einzige Tag gewesen, an dem Daimler mit E-Mobilität Geld jemals verdient habe. Auch bei der Stuttgarter Edelkarosserieschmiede, dass die Tage der Verbrennungsmotoren sich dem Ende zuneigen und man hat die Abkehr vom gehypten Ex-Partner Tesla mit Bedacht eingeläutet. Nicht nur, weil zunehmend Zweifel aufkommen, ob Tesla nicht auf veraltete Batterietechnik setzt, sondern Daimler ist beim chinesischen Unternehmen BYD ("Build your Dreams" Anteilseigner und damit beim mit Abstand größten E-Auto-Hersteller der Welt. Unter der Marke Denza wird in China von beiden Konzernen gemeinsam überwiegend E-Mittelklassefahrzeuge angeboten, die chinesische Fertigungseffizienz mit den hohen Qualitätsstandards von Daimler verbinden. Es ist davon auszugehen, dass Daimler die hier gemachten Erfahrungen und die Technik früher oder später für seine eigene Mercedes-Modelle übernehmen wird.

Neben Daimler gibt es bei BYD allerdings weitere weltbekannte Anteilseigner. So ist Warren Buffetts Berkshire Hathaway seit 2008 über ihre Energietochter Aktionär und hat damals für das Aktienpaket von 10% rund $232 Mio. bezahlt. Heute sind diese Aktien, die noch 8,3% am Unternehmen ausmachen, das Achtfache wert, denn der Konzern wird mit insgesamt $18,4 Mrd. an der Börse bewertet. Auch Buffets Partner Charlie Munger hat sich privat zusätzlich Anteile gesichert und kürzlich wurde bekannt, dass der koreanische Elektronikgigant Samsung sich mit 4% eingekauft hat, in dem er junge Aktien einer Kapitalerhöhung zeichnete. Und ich bin auch seit einiger Zeit mit an Bord, allerdings mit einem deutlich kleineren Anteil...

Meine Einschätzung
BYD baut bereits E-Autos für den chinesischen Markt und agiert profitabel. Insbesondere im Bereich von E-Bussen ist man führend und hat auch schon in Deutschland E-Busse erfolgreich abgesetzt. BYD sollte auch dank seiner finanzstarken und langfristig orientierten Großaktionäre Warren Buffett und Charlie Munger, sowie seiner internationalen Partner Daimler und Samsung einer der Gewinner des E-Mobilitätstrends sein. Für Anleger sollte sich ein langfristig orientiertes Investment in dieser Boombranche und in den Marktführer auszahlen. So gehen die Prognosen für Deutschland inzwischen für das Jahr 2025 nicht mehr von knapp 5% Anteil der Elektro-Autos aus, sondern nun von 20 bis 25% der produzierten Wagen. Wurden im gesamten Vorjahr weltweit 540.000 Elektroautos ausgeliefert, verkaufte die Autoindustrie allein im Juni 312.000 Elektroautos und damit 49% mehr als im Vorjahresmonat. Dieser neue Mega-Trend ist nicht nur für die Hersteller eine enorme Herausforderung, sondern auch für die Autozulieferer, denen die Abnehmer ihrer Stammprodukte, wie Motor- und Antriebskomponenten wegfallen werden.

BYD befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Montag, 29. August 2016

Börsenweisheit der Woche 35/2016

"Der Totalverlust ist die hässliche Schwester des Turnarounds."
(Michael C. Kissig)

Freitag, 26. August 2016

Genworth Financial: Übernahme von AIGs United Guaranty-Sparte beflügelt

Vor einigen Tagen berichtete das Wall Street Journal, dass sich der weltgrößte Versicherungskonzern AIG seinem Ziel nähere, seine Immobilienkreditversicherungssparte loszuschlagen. Bisher hatte AIG den Plan verfolgt, einen Minderheitsanteil der Sparte an die Börse zu bringen, doch nun scheint die Arch Capital Group bereit zu sein, $3,4 Mrd. für die gesamte  United Guaranty-Sparte zu bezahlen.

Dies beflügelt auch den Aktienkurs von Genworth Financial Inc. (NYSE: GNW), denn die ehemalige Versicherungssparte des US-Giganten General Electric ist aufgrund erheblicher Probleme selbst auf der Suche nach einem Abnehmer seiner entsprechenden Sparte. Und der kolportierte Kaufpreis zeigt durchaus attraktive Konditionen auf, sowohl für den Käufer als auch den Verkäufer. Vielleicht ist hier für Genworth Financial mehr zu holen, als die Börse bisher annimmt.

 Genworth Financial Inc. (Quelle: finanzen.net) 
Mit einem Kurs, der bei nur rund 20% des NAV notiert, wird Genworth Financial aktuell als Quasi-Ausfall bepreist und der seit Monaten immer mehr Fahrt aufnehmende Turnaround wird noch weitgehend ignoriert.

Doch langsam scheint hier ein Umdenken einzusetzen und eine Neubewertung von Genworth Financial an der Börse könnte bevorstehen. Was nicht bedeutet, dass wir in absehbarer Zeit gleich die früheren All-Time-High-Kurse von knapp $37 sehen werden. Zur Zeit liegt der Kurs noch gut 80% unter dieser Marke und hat gerade erst die $4,5 überwunden (€4,10). Ein Blick auf den Langzeitchart zeigt, dass die starken Kurszuwächse mit der Kursverdopplung seit den Tiefstständen zu Jahresanfang nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind auf dem Weg zurück in normale Bewertungsrelationen...

Genworth Financial befindet sich als Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

DIC Asset: Lohnenswerte Substanzspekulation. Und noch einiges mehr...

Die im Nebenwertesegment der Deutschen Börse SDAX beheimatete Frankfurter DIC Asset AG ist ein auf Gewerbeimmobilien spezialisiertes Unternehmen und damit in einem Bereich tätig, der von den starken Preissteigerungen am deutschen Immobilienmarkt noch nicht so stark erfasst wurde. Und auch aus anderen Gründen könnte sich ein genauerer Blick auf das Unternehmen für langfristig orientierte Anleger lohnen. Immerhin steht DIC für Deutsche Immobilien Chancen.

Während man mit Immobilien und Immobilienaktien in Deutschland zuletzt richtig gut Geld verdienen konnte (der DIMAX der Immobilienwerte hat seit Ende 2014 den DAX um gut das Dreifache ausperformt), haben die DIC-Aktien diese Rallye nicht wirklich mitgemacht. Zugegeben, der Aktienkurs hat sich von den Tiefstkursen Ende 2011 von €5 auf aktuell fast €9 nicht schlecht entwickelt, verglichen mit anderen Immobilienwerten hinkt er aber meilenweit hinterher. Und schaut man auf seinen historischen Höchststand von €34, den er 2006 und damit unmittelbar vor der Immobilien- und Finanzkrise erreichte, sieht es sogar ziemlich trostlos aus. Und dafür gab es Gründe. Doch ebenso gibt es Argumente, weshalb DIC Asset nun bald aus seinem Dornröschenschlaf erwachen könnte.

Verschuldungsgrad bremst
DIC Asset hat gleich mehrere entscheide Schwachstellen, schon seit Jahren. Einerseits drückt ein recht hoher Verschuldungsgrad, der dem Unternehmen in der Immobilienkrise fast das Rückgrat gebrochen hat. Zum anderen wies DIC Asset immer eine überdurchschnittlich hohe Leerstandquote auf, was Zweifel an der Qualität der Liegenschaften nährte. Im Halbjahresbericht 2016 gab man nun bekannt, dass man die Leerstandquote auf 6,1% senken konnte, nachdem man zum Vorjahr noch auf 7,2% kam. Kein kleiner und kein ganz unwichtiger Punkt, wenn es um die Bewertung des Unternehmens geht. Darüber hinaus gab es immer wieder Kritik, das Geschäftsmodell sein eher undurchsichtig, weil man sowohl als Projektentwickler, Co-Investor als Bestandshalter von Immobilien agiere.

Diese Schwachpunkte hat das Management erkannt und geht die Beseitigung aktiv an. So wird trotz Ausschüttung einer attraktiven Dividende sukzessive die Verschuldung abgebaut und damit verbessern sich die Bilanzrelationen. Der Verschuldungsgrad oder LTV (Loan-to-Value) konnte von zeitweilig deutlich über 60% auf inzwischen akzeptable 57% gesenkt werden. Und bezüglich des Geschäftsmodells sortiert DIC Asset aus. So hat man vor rund anderthalb Jahren verkündet, dass man die Entwicklung von Gewerbeobjekten ab 2015 gemeinsam mit dem US-amerikanischen Finanzinvestor KKR & Co. in der gemeinsamen Tochter German Estate Group (GEG) betreiben wird. Doch nun hat der neue Vorstand angekündigt, sich vom volatilen Projektentwicklungsgeschäft und von den bestehenden Joint-Venture-Strukturen ganz trennen zu wollen. Was nichts anderes heißt, als dass man die eigenen Anteile an der GEG abgeben will. Und mit KKR & Co. dürfte ein übernahmewilliger Investor schon parat stehen, es wird wohl "nur" eine Frage des Preises sein.

 DIC Asset (Quelle: finanzen.net) 
Chancen winken
Und damit kommen wir bereits zu den möglicherweise bestehenden Chancen. Denn zuletzt hat die DIC Asset vor allem durch ihren Einstieg beim Mitbewerber WCM von sich Reden gemacht, wo man sich in einem Überraschungscoup mehr als 20% der Anteile gesichert hatte, die inzwischen auf knapp 25% ausgebaut wurden. WCM habe ich ja hier seit ihrem Neustart auf der Liste und die Aktien haben sich, wie auch das Unternehmen, fulminant entwickelt. Bisher wird noch gerätselt, was die DIC Asset mit dem Anteilspaket von WCM wirklich erreichen will, aber es gibt durchaus Hinweise. So glaube ich nicht, dass man mehr als 25% der Aktien übernehmen wird, denn das würde den Verlustvortrag in Höhe mehrerer hundert Millionen Euro in der WCM zunichtemachen. DIC Asset wird allerdings versuchen, den Anteil bei 25% zu halten, also auch bei Kapitalerhöhungen mit- oder nachziehen. Die üppige Dividendenzahlung von WCM dürfte allerdings nicht das einzige Argument für den Einstieg sein und bei einem Kursniveau von über €3 notiert die WCM-Aktie mit einem deutlichen Aufschlag auf ihren Nettoinventarwert (NAV). Zukäufe bieten sich hier momentan nicht an.

Nun könnte man auf den Gedanken kommen, dass es die DIC Asset ernst meint mit der Transformation ihres Geschäftsmodells und dass die Ankündigung von CEO Aydin Karaduman so gedeutet werden kann, dass man mittelfristig seinen eigenen Immobilienbestand sukzessive oder auf Schlag an die WCM abgeben oder in diese einbringen will. Erklärtes Ziel der WCM ist ja, mittelfristig einen Bestand von 1 Milliarde Euro aufzubauen, und nach schnellem Start im Jahr 2015 geht man zuletzt eher verhaltener zu Werke. Vielleicht arbeiten beiden Parteien, die verdächtig ruhig zum Thema DIC-Beteiligung geblieben sind, im Hintergrund ja bereits am "großen Wurf". Zunächst hat DIC Asset jedoch die Optimierung des eigenen Immobilienportfolios von rund €1,7 Mrd. auf der Agenda und möchte sich hier von Liegenschaften im Wert von €100 Mio. trennen. Auch hier könnte durchaus Interesse seitens WCM bestehen, das wäre dann eine vergleichsweise "kleine Lösung". So oder so wird bei WCM nicht mehr viel gegen den Willen der DIC Asset passieren, hier wird es früher oder später ein engeres Zusammengehen oder -arbeiten geben.

Wandel hin zum Asset-Manager
Für die DIC Asset stellt sich dann aber irgendwann die Frage, was aus dem Unternehmen wird, sollte man sich vom eigenen Bestandsportfolio komplett trennen. Hier deutet der Trend Richtung Asset-Management, eine Sparte, in der DIC Asset bereits mit einem Volumen von €1,2 Mrd. AUM tätig ist und die man kräftig ausbauen will. Im laufenden Jahr sollen die AUM auf immerhin schon €3,6 Mrd. gesteigert werden.

Man möchte also Immobilien für Dritte betreuen und bewirtschaften und so mit wenig Eigenkapitaleinsatz stetige Provisionen und Gebühren vereinnahmen. Im ersten Halbjahr wurden in der neuen Sparte bereits €14,1 Mio. verdient nach €2,3 Mio. im Vorjahreszeitraum, was die enorme Schlagkraft des neuen Schwerpunkts zeigt. Und regelmäßige Leser meines Blogs wittern spätestens jetzt, wo mein Interesse für die DIC Asset herkommt, denn entsprechende Geschäftsmodelle halte ich für sehr aussichtsreich angesichts der Strafzinspolitik der Notenbanken. Daher habe ich ja bereits einige aussichtsreiche Werte aus diesem Bereich hier im Blog vorgestellt, eine Patrizia Immobilien, eine Publity, eine Deutsche Beteiligung, eine Ernst Russ, eine Lloyds Fonds oder eine MPC Capital.

Hoher Abschlag zum Substanzwert
Doch während dieses Szenario noch im Entstehen und damit Zukunftsmusik ist, sprechen auch heute schon starke Argumente für die Aktien von DIC Asset. Denn im Gegensatz zu vielen Immobilienunternehmen auf dem deutschen Kurszettel, die mit teilweise beträchtlichen Aufschlägen auf den NAV gehandelt werden, bekommt man die Aktien der DIC Asset mit einem signifikanten Abschlag. Der Substanzwert liegt nämlich momentan bei rund €13 und der Aktienkurs notiert bei €8,75, mithin nur bei 67% des Substanzwerts. Im Klartext: man kann also heute DIC-Aktien zu einem Drittel unterhalb ihres Substanzwertes kaufen! Angesichts der herausragenden Aussichten im Gewerbeimmobilienbereich schier unglaublich und wohl nur darauf zurückzuführen, dass dies schon seit längerer Zeit so ist und die Börse hier noch blind ist. Denn während andere Immobilienaktien die historischen Abschläge zum NAV mittlerweile in satte Aufschläge verwandelt haben, hat die Börse dies bei DIC Asset bisher komplett verschlafen. Doch ich glaube, dass sich dies demnächst ändern wird.

Niedriges Kurs-FFO-Verhältnis lockt
Für eine deutliche Unterbewertung der DIC Asset-Aktien spricht aber noch ein weiteres Argument. Bei Immobilienunternehmen kommt es weniger auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) an, sondern der Blick richtet sich auf die FFO, die Funds from Operations. Einerseits um das Unternehmen selbst zu bewerten, aber auch zum Vergleich mit seiner Peergroup, also den Unternehmen mit ähnlichen Geschäftsmodellen. Die Kennzahl FFO bemisst die Rentabilität des operativen Geschäfts und errechnet sich aus dem Ergebnis des Vermietungsgeschäfts abzüglich aller Kosten, Zinsen und Steuern. Dieses Geld steht dann für Investitionen und Dividenden zur Verfügung. Entscheidender Unterschied der FFO zum KGV, das ja auf den Jahresüberschuss abzielt, ist das Nichteinbeziehen von Veräußerungsgewinnen (oder -verlusten). In den FFOs bleiben somit die möglicherweise sehr hohen Einmaleffekte ausgeblendet und die dauerhafte Leistungsfähigkeit des operativen Geschäfts tritt zutage.

Im Vergleich zur Peergroup weist DIC Asset ein ziemlich moderates Kurs-FFO-Verhältnis auf. Die 2016er FFOs dürften bei etwa €0,65 liegen, das Unternehmen selbst erwartet €0,63 bis €0,66. Dass die FFO unterhalb der des Vorjahres liegen werden, liegt an strategiekonform durchgeführten Portfolioverkäufen. Und die bringen natürlich keine Mieteinnahmen mehr. Dividiert man nun den Kurs durch die FFO, kommt man auf den Faktor 13,5. DIC Asset wird also momentan mit dem 13,5-fachen FFO bewertet, während eine Adler Real Estate hier auf 25,5 kommt oder die Deutsche Wohnen auf 29,5. Die auch im Gewerbesektor tätige WCM kommt immerhin noch auf einen Faktor von 18,2. Auch bei dieser Betrachtungsweise scheint der Kurs der DIC Asset-Aktie einigen Nachholbedarf zu haben. Oder anders ausgedrückt: erhebliches Kurspotenzial.

Gewinn explodiert, Prognosen erhöht
Kürzlich wurden die Halbjahresergebnisse präsentiert und im Anschluss konsequenterweise die Jahresprognosen erhöht. Denn Der Gewinn stieg von €5 Mio. auf €20,2 Mio. an, was maßgeblich auf Verkaufserfolge aus dem Bestand und auf ein verbessertes Zinsergebnis zurückzuführen ist. Der relativ hohe Verschuldungsgrad bietet durch ein Senken der Zinssätze natürlich auch noch einiges an Ergebnisverbesserungspotenzial für die Zukunft. So kommt Konkurrent WCM auf einen durchschnittlichen Zinssatz von unter 2,1% - davon ist DIC Asset noch um einiges entfernt, zumal ein Großteil der Kreditverbindlichkeiten älteren Datums sind und erst nach und nach zur Um- oder Nachfinanzierung anstehen - mit entsprechend niedrigeren Zinssätzen und Zinslasten. Die Folge sind dann ein verbessertes Zinsergebnis und unterm Strich bleibt mehr Gewinn kleben. Doch auch ohne die lukrativen Verkaufe brummt das Geschäft, denn das operative Ergebnis wurde um satte 15% gesteigert!

Attraktive Dividendenrendite
Und zu guter Letzt hat DIC Asset Anfang Juli eine Dividende von €0,37 je Aktie ausgeschüttet und kommt damit bezogen auf den aktuellen Börsenkurs auf eine Dividendenrendite von mehr als 4%. Auch dies ist ein Argument, das für ein langfristiges Engagement in DIC Asset spricht.

Meine Einschätzung
DIC Asset bewegt sich in einem boomenden Markt und hat mit der Übernahme von 25% der Anteile an der WCM einen echten Erfolgscoup gelandet. Das Unternehmen wandelt sich hin zu einem Asset-Manager und will sich von volatileren und spekulativeren Unternehmensbereichen trennen. Hinzu kommt eine deutliche Unterbewertung der Aktien ggü. ihrem Substanzwert und vergleichbaren Unternehmen.

Aus all diesen Gründen habe ich mir kürzlich Aktien von DIC Asset ins Depot gelegt und nehme das Unternehmen auf meine Empfehlungsliste. Der Wert sollte auch bei einer deutlichen Börsenkorrektur nach unten hin gut abgesichert sein und aufgrund der massiven Unterbewertung, gepaart mit einer Reihe potenzieller Gewinntreiber, bietet sich dem langfristig orientierten Anleger bei der DIC Asset ein ausgezeichnetes Chance-Risiko-Verhältnis.

Mittwoch, 24. August 2016

Investor-Update: Icahn, Soros, Aurelius, Deutsche Rohstoff, Ringmetall, Steico

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Sommerrallye und nun...?
Die meisten Marktteilnehmer wurden eiskalt auf dem falschen Fuß erwischt, denn sie hatten sich bereits vor Wochen auf fallende Kurse eingestellt und sich entsprechend positioniert. Und dann das... die Börsen stiegen scheinbar unaufhaltsam an, zweistellige Kursgewinne allenthalben, neue Allzeithöchststände bei S&P 500, Dow Jones und MDAX. Doch der Sommer neigt sich dem Ende zu und wir steuern saisonal auf den statistisch schlechtesten aller Börsenmonate zu, den September. Die Luft wird also dünner.

Montag, 22. August 2016

(Noch) höhere Margen: Steico kündigt millionenschwere Rekordinvestitionen an

Die Steico SE, ein Hersteller holzfaserbasierter Bauprodukte, profitiert vom Trend zum nachhaltigen und CO2-armen Bauen und auch die beiden großen Trends hin zu Immobilien in Ballungsräumen und schnelle Lösungen für die Flüchtlingsunterbringung bieten dem Unternehmen zusätzliche Chancen. Erst kürzlich wurden "saustarke" Halbjahreszahlen vorgelegt, die belegen, dass sich die Unternehmensstrategie des "integrierten Holzbausystems" richtig auszahlt. Eine steigende Nachfrage nach ökologischen Holzfaser-Dämmstoffen und die erfreulichen Margenbeiträge aus der neuen Produktionsanlage für Furnierschichtholz sind maßgebliche Treiber dieser erfreulichen Entwicklung.

Steico steht nach wie vor im harten Preiswettbewerb bei Dämmmaterialien und kämpft dabei mit Überkapazitäten in der Branche. Aus diesem Grund hat man sich vor einiger Zeit entschlossen, neue Produktionskapazitäten aufzubauen, um fremdvergebene Teilaufträge selbst abwickeln zu können, wodurch man weniger abhängig von Zulieferern wurde und in diesem Bereich eine höhere Wertschöpfungstiefe erreicht und somit insgesamt höhere Margen. Das Management hat dem entsprechend auch seine Gesamtjahresprognose konkretisiert und erwartet nun "ein EBIT-Wachstum im oberen zweistelligen Prozentbereich".

 Steico SE (Quelle: finanzen.net) 
Die bisherigen Investitionen von annähernd €50 Mio. werden nun durch ein weiteres Investitionsprogramm von €45 Mio. ergänzt. Geplant ist eine Verdoppelung der jährlichen Produktionskapazitäten von derzeit rund 80.000 cbm auf rund 160.000 cbm. Hierfür wird die bestehende Linie für Furnierschichtholz entsprechend modifiziert und erweitert. Die bestehende Linie, die Anfang 2016 in Betrieb genommen wurde, wurde von Beginn an mit Blick auf eine künftige Erweiterung geplant und errichtet. Dass diese Erweiterung bereits nach kurzer Zeit erfolgen kann, ist der erfreulich hohen Nachfrage nach Furnierschichtholz aus verschiedenen Branchen zu verdanken.

Nicht ganz unwichtig für Aktionäre ist dabei, dass das Investitionsprogramm über die Erweiterung des bestehenden Konsortialvertrages, und somit über Fremdmittel, erfolgen wird und nicht über eine Kapitalerhöhung. Des Weiteren hatte man bei der Erstinvestition vorausschauend bereits eine spätere Ausweitung mit einkalkuliert, so dass aufgrund der vorbereitenden Planungen für die Erweiterung die Gesamtinvestitionen nun rund €15 Mio. unterhalb der Kosten für die erste Produktionslinie liegen werden. Und das wird der künftigen Wirtschaftlichkeit in Form höherer Margen und Gewinne zugutekommen!

Meine Einschätzung
Kaum verwunderlich dürfte sein, dass sich meine Einschätzung in den letzten Wochen nicht sehr verändert hat; sie ist weiterhin sehr positiv. Die Investitionen von weiteren €45 Mio. sind angesichts der Überkapazitäten und des Preisdrucks in der Branche durchaus mit Risiken verbunden, setzen aber im margenstarken neuen Bereich an, so dass sich das Wagnis auszahlen sollte. Durch die Investitionen werden Kosten gespart und die Margen ausgeweitet und man kann gleichzeitig davon profitieren, dass die herkömmlichen Wärmeverbundsysteme aufgrund ihrer Problembehaftung (Krebsrisiko, Umweltschädlichkeit, Brandgefahr) sukzessive vom Markt gedrängt werden und immer häufiger hochwertige ökologische Dämmmaterialien zum Einsatz kommen. Darüber hinaus verbreitert die eigene Stegträger-Produktion die Angebotspalette und sorgt für eine Verbreiterung und Ausweitung der Margenbasis.

Der Margenausweitung steht gegenüber, dass ein nicht unerheblicher Umsatzanteil in Großbritannien (rund 15%), dem zweitwichtigsten Absatzmarkt nach Deutschland, erzielt wird, und hier dürfte die Pfund-Abwertung im Zuge des Brexit-Votums - zumindest vorübergehend - für eine Margenabschwächung sorgen.

Ich habe Steico seit vielen Jahren auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot und werde das Unternehmen auf seinem erfolgreichen Weg noch lange Zeit weiter begleiten. Steico bietet für langfristig orientierte Anleger ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis.

Börsenweisheit der Woche 34/2016

"Wenn Prinzipien nicht mehr taugen, ändert man sie."
(Warren Buffett)

Sonntag, 21. August 2016

Eon: Die Risiken überwiegen

Vor rund sieben Monaten hatte ich Eon als aussichtsreiche Turnaround-Spekulation vorgestellt und seitdem hat sich der Kurs unter stärkeren Schwankungen gen Norden orientiert. Meine damalige Annahme, die Aufspaltung in zwei Geschäftseinheiten würde für neue Impulse sorgen und das größte Risiko seien die Kosten für den Atomausstieg, haben sich nicht ganz so konkretisiert, wie ich dachte. Denn wenn auch die Lösung für den Atomausstieg teuer wird, ist sie letzten Endes nicht existenzgefährdend. Allerdings wird Eon wohl nicht wenig seines fossilen Kraftwerksgeschäfts veräußern müssen, um seinen Anteil an den Kosten stemmen zu können. Diese werden nun in die separate Einheit Juniper abgespalten und bei Eon entsteht nun hoher Abwertungsbedarf in Milliardenhöhe auf dieses Geschäft. Erneut.

Der Turnaround ist nicht gescheitert, er dauert noch an, mit offenem Ende. Es kann auch noch viel schlimmer kommen, bevor es (vielleicht) besser wird. Somit bleibt unterm Strich ein sich (wieder) verschlechterndes Chance-Risiko-Verhältnis mit einem sich eintrübenden Ausblick. Für mich bedeutet dies, dass ich die bisher nach dem halben Jahr aufgelaufene Rendite von 7,5% an Kursgewinnen und Dividendenausschüttung mitnehme und die Spekulation an diesem Punkt beende.

Ich streiche daher Eon von meiner Empfehlungsliste.