Mittwoch, 21. November 2018

Jubiläum: seit sieben Jahren wird hier intelligent investiert

Das verflixte siebte Jahr - mit dem heutigen Tag liegt es hinter mir. Vor genau sieben Jahren, am 21.11.2011, habe ich das Blog "Intelligent investieren" ins Leben gerufen. Und ich habe es bisher (fast) keinen Tag lang bereut. Das liegt vor allem daran, dass ich über ein Thema schreibe, das mich schon als Schüler interessierte und zunehmend fesselte: die Börse.

Alles begann - für mich - also bereits vor mehr als 30 Jahren und bis zum heutigen Tag fasziniert mich das Investieren und ich beschäftige mich gerne mit seinen vielschichtigen Aspekten.

Dabei war ich nicht immer Value Investor. Ich habe einiges ausprobiert und für meine Fehler reichlich Lehrgeld bezahlt. Also streng genommen für meine Erfahrungen, von denen ich heute profitiere und die ich hier im Blog mit euch teile...


Ich habe als Schüler am "Planspiel Börse" der Sparkassen teilgenommen und erlebt, dass dies ein zweischneidiges Schwert ist - gut gemeint, aber nicht gut gemacht. Einerseits bringt es junge Menschen an das Thema Börse heran. Andererseits läuft es nur wenige Monate und am Ende werden die Erfolgreichsten geehrt. Damit ist de facto nicht das Investieren das Mittel der Wahl, sondern das Zocken mit den gewinnträchtigsten und damit riskantesten Anlageprodukten. Eine frühzeitige Fehlkonditionierung, leider! Vermutlich hat sie auch mich früh falsch beeinflusst. Oder zumindest vorhandene spekulative Charakterzüge die Oberhand gewinnen lassen. Ich will mich da gar nicht aus der (Eigen-) Verantwortung stehlen.

Einige Jahre später habe ich dann mit japanischen Optionsscheinen Erfolge und Misserfolge gefeiert, am Neuen Markt viel Geld verdient und bei der Platzen der Internetblase noch mehr verloren. Und ich habe während der Finanzkrise meinen Aktienbestand relativ nah am Tief signifikant abverkaufen müssen, um fällige Immobilienkredite aus von der Bank nicht mehr verlängerten Immobilienfinanzierungen bedienen zu können. Der Verkauf erfolgte Ende 2009 unter massivem Druck der Bank und wurde somit zum Notverkauf mit entsprechend katastrophalem Ergebnis. Der Verkaufserlös reichte nicht einmal annähernd aus, die Kredite vollständig zu tilgen, da nicht nur die Banken umfielen wie die Fliegen, sondern auch die Immobilienpreise massiv eingebrochen waren und es kaum Käufer gab.

Zu dieser Zeit hatte ich mich bereits dem Value Investing zugewandt, hatte Bücher von Lynch, Kostolany und Buffett verschlungen - und doch konnte ich die Finanzkrise und den Börsencrash dann doch nicht nutzen, um zu Tiefstkursen Aktien spottbillig einkaufen zu können. Im Gegenteil, ich musste zu Tiefstpreisen Aktien verkaufen! Das war frustrierend, das war erschreckend, das war prägend. Meine heute vorherrschende starke Abscheu gegen Kredite resultiert aus dieser schmerzhaften Erfahrung.

Mit meinem kläglichen Aktien-Restbestand habe ich dann - mal wieder - einen Neuanfang als Investor gewagt und beschlossen, mich ausschließlich auf Aktien und Value Investing zu konzentrieren. Immobilien kommen mir allenfalls noch als Aktien ins Depot. Und Anleihen, von denen habe ich nur eine einzige gekauft: Solar Millennium, zwei Monate vor deren Insolvenz. Da hüllen wir mal lieber beschämt den Mantel des Schweigens drüber...

Na gut, wenn ihr es unbedingt wissen wollt... es war nur eine bescheidene Summe und auch kein wirkliches Investment, sondern der Wunsch, mich ökologisch stärker zu engagieren. Meine Recherchen fielen daher überaus bescheiden aus und das hat sich gleich ausgezahlt. Lehrgeld, ihr wisst schon...

Aber zurück zu diesem Blogprojekt. Mein Neustart als Value Investor lief gut an und während des Kursmassaker Ende 2011 habe ich beschlossen, dass ich meine Erfahrungen an der Börse teilen und die Erlebnisse und Ansichten anderer Anleger erfahren möchte. Es war ein spontaner Entschluss und ich hatte weder ein Konzept für ein Blog, noch eine Vorstellung wie so etwas funktioniert oder in welche Richtung ich dieses Projekt entwickeln wollte. Das Blog "stand in wenigen Minuten" und ich war entsprechend skeptisch. Und aufgeregt. Dieses Blog war quasi mein Ruf hinaus in die Welt, ob noch jemand anderes meine große Leidenschaft teilt. Und seit dem ersten Tag bastele ich mit meinen bescheidenden Kenntnissen an der Technik, dem Layout und der Gestaltung herum. Und fülle es mit Inhalt und Leben. Meine Zuneigung zu diesem Projekt hat sich jedenfalls in den letzten sieben Jahren nicht abgekühlt und darüber freue ich mich. Und ein ganz wesentlicher Faktor dabei ist natürlich das überwältigende Feedback, das ich hier durch euch erfahre. Das ist für mich eine ganz entscheidende Motivation und füllt immer wieder meine Akkus auf. Bedanken tue ich mich dafür erst weiter unten bei euch, damit ihr nicht die Chance nutzt und an dieser Stelle (schon) aussteigt aus meinem ausufernden Geschreibsel...

Die Börse, die Bullen, der Markt...

Immer wieder liest man, wir würden uns seit 2009 in einem ununterbrochenen Bullenmarkt bewegen. Dann reibe ich mir immer verwundert die Augen. Als ich Ende 2011 mit diesem Blog startete, hatte der DAX gerade einen Absturz von 30 Prozent hinter sich, nachdem er innerhalb von zwei Monaten von 7.600 auf 5.200 Punkte abgestürzt war. In den acht Monaten zwischen den Höchstständen des Jahres 2015 und den Tiefstkursen im Februar 2016 lagen ebenfalls 30 Prozent Kurseinbruch und ein Absacken des DAX von 12.400 auf 8.800 Punkte. Und jetzt, Ende 2018, hat der DAX innerhalb von nur zwei Monaten 18 Prozent verloren und ist von 13.600 Punkten auf 11.200 eingebrochen. Und wenn man auf den Februar/März diesen Jahres zurückblickt, hatten wir schon einmal einen prozentual zweistelligen Rutsch zu verdauen. Von einer "ungebremsten Aufwärtsbewegung" zu fabulieren, ist also äußerst fragwürdig. Tatsache ist, dass die beiden 30-Prozent-Korrekturen eigentlich als Crashs zu werten sind. Und wir somit "erst" seit Ende 2011 (wieder) einen Bullenmarkt haben.

Andere Leute setzen den Anfangspunkt eines neuen Bullenmarktes erst am den Punkt, wo die vor dem vorangegangenen Crash erreichten Höchststände erstmals überschritten wurden. Auch nach dieser Lesart würden wir uns erst deutlich später in einem neuen Bullenmarkt eingefunden haben. Was den Dow angeht.

Der DAX hinkt ohnehin deutlich hinterher und hat erst viel später neue Höchststände markiert. Und würde man, wie bei allen anderen international bedeutenden Indizes üblich, bei DAX ebenfalls auf den Kursindex setzen und nicht auf den Perfomanceindex (bei diesem werden die Dividendenausschüttungen so behandelt, als würden sie wieder reinvestiert; hierdurch werden die Kurse "künstlich" aufgebläht), dann sähe der Rückstand der Deutschen Blue Chips noch viel dramatischer aus. Kurzum: auf derartige statistische Aussagen gebe ich nicht viel und halte mich lieber an Handfestes. Auch hier im Blog.

Der Name ist Programm

Mein Blogprojekt habe ich nach einem Buch benannt, das mich sehr beeindruckt hat: "Intelligent investieren" bzw. "The Intelligent Investor" im Original. Benjamin Graham ist der Autor und es handelt vom Value Investing, dem Investieren in unterbewertete Assets, überwiegend Aktien. Warren Buffett hatte es ebenfalls die Augen geöffnet und ist die Grundlage des Investierens aller, die einen den Unterschied zwischen Preis und Wert einer Aktie erkennen.

Kritiker meines Blogs und meiner Art zu investieren führen gerne ins Feld, nur Grahams Weg sei wahres Value Investing, dass alleine die rückwärtsgewandte Analyse und Bewertung zu Zerschlagungswerten im Vergleich mit dem gegenwärtigen Aktienkurs zulässig sei. Warren Buffett wäre demnach kein Value Investor (mehr), denn er hat diesen eng gesetzten Weg schon vor Jahrzehnten verlassen. Eigentlich diesen Trampelpfad zu einer Autobahn ausgebaut, dem Quality Investing. Doch ich akzeptiere diejenigen, die der Ur-Lehre von Graham strikt folgen, wie auch Walter Schloss, weil man damit auch heute noch überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen kann. Sofern man die nötigen Charaktereigenschaften mit sich bringt. Wie schier unerschöpfliche Geduld, weitgehende Kontrolle über seine Emotionen und das Ausblenden jeglicher Mainstream-Meinungen, weil man antizyklisch agiert und damit immer gegen die vorherrschende Marktmeinung. Nur wenige Anleger sind hierzu in der Lage. Auch ich nicht (immer).

Kern von Grahams Überlegungen ist, dass es am Markt ständig zu Fehlbewertungen kommt. Dass also der wahre Wert von Assets nicht richtig bepreist wird. Und auch Quality Investing und selbst Growth Investing setzt auf der selben Annahme auf. Daher sind sie artverwandt und "es führen viele Wege in den Finanzhimmel", wie Buffett es einmal formulierte. Value Investing nach Graham bedeutet, heute Aktien zu kaufen, die heute viel mehr wert sind als ihren Preis/Kurs, in der Annahme, sie irgendwann in der Zukunft zu ihrem wahren Wert wieder verkaufen zu können. Wenn also die Börse bzw. der Markt ihren wahren Wert erkannt hat und einzupreisen bereit ist. Andere Value Investoren kaufen heute eine Aktie, weil relativ sicher absehbar ist, dass ihr Wert sich in Zukunft deutlich erhöhen wird. Und damit auch ihr Preis/Kurs. Im Unterschied zum reinen Spekulieren geht es nicht um einen künftigen Kursanstieg, also die alleinige Hoffnung, er werde sich schon ein Blöder finden, der noch mehr zu zahlen bereit ist (wie bei Gold oder Bitcoins), sondern es geht um einen sehr hohe Wahrscheinlichkeit auf Basis fundamentaler Überlegungen, dass der Wert des Unternehmens in Zukunft ansteigen wird. Und als dessen Folge dann auch seine Aktien, die ja "nur" ein Anteil an diesem Unternehmen darstellen. Spekulanten setzen auf Kurssteigerungen, Value Investoren auf Wertsteigerungen. Und wir alle setzen auf die Ineffizienz der Märkte, auf einen Unterschied zwischen Kurs und Preis. Und das bedeutet in letzter Konsequenz, wie Charlie Munger es so schön treffend formulierte, dass wir mit Idioten Geschäfte machen müssen (und sich am Ende leider manchmal herausstellt, dass wir selbst der Idiot bei einem Aktiengeschäft waren).

»Damit ein Wertpapier einen falschen Preis hat, muss jemand anderes ein verdammter Idiot sein. Das mag schlecht für die Welt sein, aber es ist nicht schlecht für Berkshire.«
(Charlie Munger, Buffetts Investmentpartner bei Berkshire Hathaway)

Zurück zum Thema: zu mir...

Warum schreibe ich so viel über das Investieren, wo es doch eigentlich um dieses Blog und sein Jubiläum gehen sollte? Der Grund liegt darin, dass ich (bisher?) mehreren Wegen des Value Investings folge und über sie hier im Blog berichte. Einerseits setze ich ab und zu auf Turnaround-Spekulationen mit hohen Chancen aber auch erhöhtem Risiko eines Totalverlusts. Dann führe ich ein separates Dividendendepot, wo ich auf hoch rentierliche Business Development Companies (BDCs) setze. Und in meinem "normalen" Investmentdepot habe ich sowohl Quality Investments, also Unternehmen mit einem tiefen ökonomischen Burggraben ("Moat", herausragender Marktstellung) als auch Deutsche Nebenwerte.

Als Kritik lasse ich zu, dass es nicht konsequent ist, mehrere verschiedene Ansätze zu verfolgen. Besser wäre es, sich nur den besten herauszusuchen und bei diesem Ansatz möglichst der beste Anleger von allen zu werden. Aber wie Yogi Barra schon sagte: "In der Theorie sind Theorie und Praxis gleich. In der Praxis nicht". In der Praxis scheitert das bisher noch daran, dass ich noch nicht sicher bin, welcher Investmentansatz der richtige, der beste (für mich) ist. Auch deshalb betreibe ich dieses Blog, um mich mit dieser Frage zu beschäftigen, darüber zu schreiben und mit euch darüber zu diskutieren. Ich möchte ein besserer Investor werden und das nicht nur auf Basis meiner eigenen Fehler, aus denen ich dann hoffentlich lerne, sondern auch durch eure Erfahrungen und Ansichten und Meinungen. Mit anderen Worten: ich setze auf eure Dummheit. Also eure früheren Dummheiten, die zu (kostspieligen) Fehlern geführt haben. Heute sind wir alle viel schlauer als früher. Krassklar ist das! ツ

»Erfahrungen sind die vernarbten Wunden unserer Dummheit.«
(Japanische Weisheit)

Ein weiterer Daseinsgrund für dieses Blog ist, dass ich mich meinen Fehlern bewusster stellen will. Es ist schmerzlich, Fehler zu machen. Es ist bisweilen demütigend, sie öffentlich einzugestehen. Und manches Mal auch emotional erschütternd, sich dann auch noch Spott und Häme und Besserwisserei anzuhören. Freiwillig. Bitte versteht mich nicht falsch, klookschietrische Kommentare sind ja hier die große Ausnahme (außer von mir), aber ich provoziere sie natürlich auch mit meiner Offenheit und letztlich bin ich auch dankbar für sie, weil sie mir wehtun und so meinen Lerneffekt steigern. Aber, wenn ich beispielsweise an mein Aurelius-Fiasko denke, habe ich dann dreifachen Schmerz: weil ich versagt und viel Geld versenkt habe, weil ich das noch einmal haarklein durchlebe, während ich einen Artikel darüber schreibe, und dann weil ich mit euch darüber diskutiere und mir eure berechtigte Kritik anhöre. Ob die Kommentare wohlwollend, mitfühlend, kritisch oder gar verletzend sind, jeder einzelne "nötigt" mir ein nochmaliges Beschäftigen mit meinem Fehler ab. Und doch... genau das will ich ja mit meinem Blog erreichen. Ich will lernen, ich will mich verbessern.

Ich erhebe nicht den Anspruch, alles zu wissen, alles zu können, alles richtig zu machen. Doch ich habe den Anspruch, viel mehr wissen zu wollen, alles besser können zu wollen, alles richtig(er) zu machen.

Und dabei helft ihr mir, so dass ich mich an dieser Stelle (und damit viel zu spät) bei euch allen bedanken möchte! Für eure Begleitung, eure Teilnahme und bisweilen eure Anteilnahme.

Es geht ums Rechthaben!

Vor sieben Jahren startete ich dieses Blog mit einer Börsenweisheit; natürlich von Benjamin Graham.

»Man hat weder Recht noch Unrecht, weil andere derselben Meinung sind. Man hat Recht, weil die Fakten stimmen und die Überlegungen folgerichtig sind.«
(Benjamin Graham)

Und Warren Buffett sagte einmal treffend: "Investoren werden nicht für Aktionismus bezahlt, sondern fürs Rechthaben". Ich möchte nicht bei meinen Artikeln hier im Blog Recht haben, ich möchte beim Investieren Recht behalten. Dass sich am Ende meine Entscheidungen als richtig erweisen, mein Investmentcase valide war und ich am Ende eine überdurchschnittliche Rendite erzielt habe. Das kann ich durch zufällige Glückstreffer erreichen, oder aber durch das stetige Reduzieren von Fehlerquellen und Fehlentscheidungen.

Sun Zi schrieb vor 2.500 Jahren in seinem Strategie-Standardwerk "Die Kunst des Krieges": "Keine Fehler zu machen, ist die Grundlage für die Gewissheit des Sieges. Denn es bedeutet, einen Feind zu besiegen, der bereits geschlagen ist".

An der Börse haben wir keine Feinde, aber wir stehen in Konkurrenz, im Wettbewerb. Bei jedem Aktiengeschäft gibt es einen Käufer und einen Verkäufer. Und einer von beiden muss sich irren. Je besser wir informiert sind, je besser wir analysiert haben, je mehr wir über das Unternehmen, sein Geschäft, seinen Markt, seine Bilanzen wissen, desto niedriger ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir der Irrende sind. Und wenn wir doch einen Fehler gemacht haben und dies erkennen, sollten wir daraus auch konsequent die Konsequenzen ziehen (ich hab das extra so blöd, aber einhämmernd formuliert!).

»Es kommt nicht darauf an, ob man richtig liegt oder falsch. Entscheidend ist, wie viel man verdient, wenn man richtig liegt, und wie viel man verliert, wenn man falsch liegt. (...) Mein Ansatz funktioniert nicht, weil er zutreffende Prognosen macht, sondern weil er mir erlaubt, falsche Prognosen wieder zu korrigieren.«
(George Soros)

Schlusswort(e)

Am Ende möchte ich noch mit ein paar Zahlen um mich werfen. Im ersten Jahr hatte dieses Blog rund 40.000 Seitenaufrufe und bis heute ist diese Zahl auf 5.437.200 angewachsen. Ich habe in den vergangenen sieben Jahren 1.487 Beiträge verfasst und weitere 860 sind bereits fertig, jedoch noch nicht veröffentlicht. Dies sind meine so geliebten "Börsenweisheiten der Woche", mit denen ich euch jeden Montagmorgen in die Woche schicke. Nach aktuellem Stand würde am 5.6.2034 mit der Börsenweisheit der Woche 23/2034 der letzte Beitrag in diesem Blog erscheinen, falls ich es irgendwann nicht mehr "füttern" wollte oder könnte. Ich hege die Hoffnung, dass ich dieses Datum erreichen werde und solange ich immer neue Weisheiten einstelle, sich mein eigenes Ablaufdatum immer weiter in die Zukunft schiebt. Oder wie Charlie Munger es mal formulierte: "Ich möchte nur eines sicher wissen: an welchem Ort ich sterben werde. Und dann würde ich niemals dort hingehen".

Ans Ende denke ich jetzt aber nicht; noch macht mir dieses Blog und das Investieren und das Leben viel zu viel Spaß und daher werde ich einfach so weitermachen. Und mich und das Blog mit eurer Hilfe weiterentwickeln.

»Du machst kein Geld, wenn du Aktien kaufst. Du machst kein Geld, wenn Du Aktien verkaufst. Du verdienst Geld, wenn Du abwartest. (...) Jedes intelligente Investieren ist das Investieren in Werte - mehr bekommen als das, wofür Du bezahlst. Investieren ist, wenn Du einige großartige Unternehmen findest und dann auf Deinem Hintern sitzt.«
(Charlie Munger)

Ich habe mir bewusst diese weisen Gedanken von Munger für den Schluss aufgehoben, da mir die Graham'schen Tugenden Geduld und Gelassenheit noch zu oft abgehen. Ich fühle mich oft an Oscar Wilde erinnert, der einmal schrieb: "Es ist leichter über Geld zu schreiben, als Geld zu machen". Mir geht es häufig auch so. Ich schreibe über das Investieren, weil ich dadurch mich selbst wieder an das Wesentliche erinnere und mich ermahne, mich entsprechend richtig zu verhalten. Wie Seneca es ausdrückte: "Durch lehren lernen wir". Aus Erfahrung kann ich sagen, dass es einen großen Unterschied macht, ob man einen Gedanken hat oder diesen ausformuliert veröffentlicht. Es ist mir schon passiert, dass ich über einen Sachverhalt etwas Positives schreiben wollte, und sich dann während des Schreibens meine Meinung verändert hat. Weil ich durch das Ausformulieren meiner Argumente gemerkt habe, dass diese nicht stimmig (genug) sind, dass meine Argumentation Lücken aufweist, dass ich das eine oder andere nicht oder nicht ausführlich genug bedacht habe. Dann bessere ich nach und veröffentliche den Artikel erst später. Und ab und zu krame ich ältere Artikel aus diesem Blog hervor und überarbeite sie. Weil ich neue Erkenntnisse gewonnen habe oder weil ich schlicht falsch lag. Frei nach John Maynard Keynes: "Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung".

Das schönste Kompliment hat mir - unbewusst - vor zwei Jahren meine Ex gemacht, als sie mich fragte, was ich so den ganzen Tag getrieben hätte. Ich antwortete, ich hätte gearbeitet. Daraufhin erwiderte sie: "Du arbeitest nicht. Du sitzt den ganzen Tag auf deinem Hintern und starrst in deinen Computer und beschäftigst dich mit diesen blöden Aktien. Normale Leute machen das mal eben so nach Feierabend, wenn sie von ihren richtigen Jobs nach Hause kommen". Sie hat das nicht als Kompliment gemeint, schon klar. Als ich erwiderte, ob es denn für sie ein richtiger Job wäre, wenn ich mein Büro nicht mehr in meiner Wohnung hätte, sondern mir wieder ein teures externes Büro anmieten und jeden morgen dorthin zur Arbeit fahren würde, sagte sie schlicht: "Ja, dann schon". Die Logik erschließt sich einem sofort! ツ

Als ich vor einigen Monaten für dieses Blog den "valueDACH Value Investing Blogpreis 2018" verliehen bekommen habe, fand sie klare Worte: "Das ist toll! Ich brauch 'ne neue Handtasche". Sie hatte durchaus auf dem Schirm, dass ich in beiden Kategorien, sowohl beim Publikumspreis als auch beim Juryentscheid den ersten Platz belegt und beides mit einem Preisgeld versehen war.

Ich hab sie echt gern.

Sie spiegelt mich, mehr als jeder andere Mensch das jemals könnte. Und sie zeigt mir immer wieder auf, dass ich nicht "normal" bin, dass ich anders bin. Auch wenn ich total normal rüberkomme (meine Ansicht, nicht ihre). Aber dieses Anderssein habe ich auch zum roten Faden in diesem Blog gemacht. Ich schreibe nicht abstrakt über das Investieren, sondern über meine Sicht auf das Investieren, meine Einschätzung zu einzelnen Unternehmen oder Marktentwicklungen. Genauso hat auch meine seit mehr als drei Jahren erscheinende Kolumne für das Aktien Magazin eine starke persönliche Note. Dieses Blog ist überhaupt der Grund, weshalb Traderfox-Chef Simon Betschinger seiner Zeit auf mich aufmerksam wurde und mich fragte, ob ich eine Kolumne in seinem neuen Börsenmagazin übernehmen würde.

Was bleibt, was kommt?

Ich bin zufrieden. Mit dem Blog, mit dem Investieren, mit meinem Leben. Ich habe nicht das Gefühl, unbedingt irgendetwas ändern zu müssen. Ich fühle mich frei. Trotz aller Verpflichtungen, trotz aller Ideen, trotz der einen oder anderen Problemzone. Und ich bin sehr dankbar für dieses Gefühl und die Umstände, die es erzeugen. Und in diesem Sinn möchte ich auch das Blog weiterführen: als Verantwortung, aber nicht als Verpflichtung, als Leidenschaft, aber nicht als Mission, als Medium zum Erfahrungsaustausch, aber nicht als Propagandainstrument zur Selbstdarstellung.

Apropos Werbung... die Werbebanner spielen rund 100 Euro pro Monat ein und durchschnittlich kommen durch den "Donate-Button" auch mal Spenden bei mir an, die über den Daumen gepeilt rund 50 Euro im Monat ausmachen. Sie lagen in den letzten 12 Monaten zwischen 2 und 100 Euro. Es ist und bleibt weiterhin nicht mein Ziel, mit diesem Blog Geld zu verdienen. Daher gibt es keinen kostenpflichtigen "Premiumbereich" und auch kein Wikifolio o.ä. Ich investiere mein eigenes Vermögen und damit verdiene ich mir (inzwischen) meinen Lebensunterhalt. Und ich schreibe darüber, das Bloggen ist und bleibt mein Hobby. Sämtliche eintrudelnden Werbeeinnahmen sehe ich nicht als Einkommen (auch wenn ich sie als solche beim Finanzamt meines Vertrauens versteuere), sondern als "Aufwandsentschädigung" eines Ehrenamtlichen. Also ohne Entgelt/Entlohnung. Aber keine Sorge, gemeinnützig ist dieses Projekt nicht. Ich betreibe es aus reinem Eigennutz. Um mit euch ins Gespräch zu kommen und ein besserer Investor zu werden; durch Selbstreflektion und durch eure Meinungen und Kommentare.

Außerdem müsste ich mir sonst doch noch einen "richtigen Job" suchen, wenn ich das Investieren und dieses Blog nicht hätte. Und zumindest in diesem Punkt soll/darf/kann meine Ex nicht Recht behalten... ツ

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    meinen herzlichen Glückwunsch zu deinem Jubiläum. Diesen möchte ich mit dem Dank für deine Idee, deine Erfahrungen mit uns zu teilen verbinden. Ich habe wirklich sehr viel Input aus deinen Beiträgen mitgenommen und der Besuch deines Blogs zählt für mich schon fast zum täglichen Ritual.

    Ich investiere zwar nicht hauptberuflich sondern nebenbei, deine Ex würde es wahrscheinlich besser finden, aber inzwischen doch recht erfolgreich. Ich habe ganz ähnliche, langjährige Erfahrungen wie du gemacht, auch viel Lehrgeld bezahlt und mittlerweile aber ein wesentlich entspannteres Verhältnis zu Aktien und ihren Schwankungen. Insbesondere die nach unten, so wie gerade aktuell, bringen mich kaum noch aus der Ruhe.

    Mit meinem "richtigen" Geschäft hatte ich bereits vor drei Jahren das 25jährige Jubiläum, aber unsere gemeinsame Leidenschaft macht mir (glaube ich) mehr Spaß.

    Nochmals vielen Dank und alles Gute für die Zukunft.

    Bruno

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  2. Alles Gute zum Jubiläum. Ja der Weg eines Aktionärs ist mit Schwierigkeiten und vielen Lernphasen durchsetzt. In den letzten 48 Jahren habe ich da einiges erlebt und gelernt :-)

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  3. Weiter-so-Glückwunsch auch von mir!
    Wobei wir die nächsten 7 Jahre hoffentlich innerlich entspannter und weniger schmerzlich als unsere "Lehrjahre" erleben werden ;-)

    Vor allem aber auch zufriedener:
    Reich ist der,
    der auf das Meiste nicht verzichten muss,
    weil er es gar nicht braucht

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  4. "Außerdem müsste ich mir doch einen "richtigen Job" suchen, wenn ich das Investieren und dieses Blog nicht hätte. Und zumindest in diesem Punkt soll/darf/kann meine Ex nicht Recht behalten... ツ "
    Na, wenn das mal nicht eine der größten Motivatoren ist :)

    Vielen Dank für deine Artikel, ich lese diese regelmäßig und habe auch schon öfters gespendet, wenn sich eine vorgestellte Aktie von dir besonders gut entwickelt hat :)

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  5. Mein Glückwunsch zum gelungenen blog und dem Jubiläum. Das regelmäßige reinschauen ist für mich zum Ritual geworden, weil viele der Gedanken und Anregungen die ich da lese habe ich auch, ohne diese jedoch so bewusst formuliert zu haben. Insofern ein Gedankenaustausch mit Gleichgesinnten. Verschiedene Investmentansätze zu verfolgen ist keine Schande, es gibt richtige Zeiten für jede Strategie, selbst parallel wenn man sie gedanklich auseinander hält. Investieren ist kein Dogmatismus und mancher Wachstumsansatz ist eigentlich ein Valueinvestment. Alles ist gerechtfertigt, wenn es zum Investmenterfolg führt.

    Weiterhin gutes gelingen!

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  6. Moin Michael,
    Auch von mir Glückwunsch zu deinem Jubiläum. Als regelmäßiger Leser deiner Artikel finde ich vorallem deine spezielle
    Herangehensweise bei Aktienbetrachtungen als sehr erfrischend, informativ und anregend.
    Vielen Dank und weiter eine gute Zeit

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  7. Hallo Herr Kissig,

    auch von mir ein Glückwunsch gesendet in den Möllers Park aus der Ecke Hatzburgtwiete.
    Gerne lese ich hier mit und danke für die immer wieder hervorragende Arbeit.
    Gruss B.L.

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    1. Moin moin,
      ich habe ja immer schon vermutet, dass unser Wedel irgendwie doch das Epizentrum der Aktienanlage in Deutschland ist - und fühle mich jetzt einmal mehr bestätigt. ;-)

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    2. Moin Moin ,Michael!
      Epizentrum in Wedel ist gut :-)
      Wenn Ok, sag ich einfach mal Du. Ich selbst bin auch Jahrgang 70 und heiße Börge.
      Ich bin meilenweit von deiner Kompetenz entfernt
      und Ich selbst zähle mehr zum Plankton im Haifischbecken ;-)
      Mein größte Rendite war es vor 7 Jahren mit dem rauchen aufzuhören.
      Innerhalb dieser Zeit kam ein nettes Sümmchen zustande, das ich anstatt in den Ziga-Automaten
      nun in GLAD , PNNT und TSLX angelegt habe.
      Diese Aktien lernte ich erst durch deinen Blog kennen.
      Danke dafür und ich werde ein weiterhin ein treuer Leser deines Blogs bleiben.
      Gruß Börge

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    3. Gern, Börge. Mit dem Rauchen habe ich auch aufgehört, allerdings schon 1999. Zehn Jahre habe ich 2 Schachteln am Tag weggeschmökt, das war nicht nur teuer sondern auch alles andere als gut/cool/gesund. Heute würde mich das wohl 400 Euro im Monat kosten, unfassbar! Vor allem, wenn man ausrechnet, wie viel Kapital benötigt, um das mit Dividenden zu erwirtschaften. Selbst mit BDCs und knapp 10% Durchschnittsdividende...

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  8. Glückwunsch Michael,

    mach weiter so und höre niemals auf, auch nach 2034 nicht ;-)

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  9. Hallo Michael, seit ca. zwei Jahren lese ich bei dir regelmäßig und empfinde deinen Stil als ehrlich und erfrischend. Meine Erfahrungen ähneln deinen sehr, dieser Artikel hat es mir wieder gezeigt. Spontan würde ich sagen: "Das war der beste Artikel ;-)"
    Alles Gute für dich und DANKE (dem Wort folgt auch ein Klick auf den energiegebenden Button...)
    Wolfgang

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  10. "Ich schreibe nicht abstrakt über das Investieren" - Das gefällt mir besonders am Blog!
    Herzlichen Glückwunsch!
    Und herzlichen Dank für's Teilhaben lassen an Reflektion, Fehlern, Erfolgen und 'Anders-sein'
    Weiterhin viel Spaß beim 'un-richtigen' Job! ;-)
    RS

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  11. Hallo Michael,

    man man man, sieben Jahre. Respekt!
    Ich bin leider erst vor kurzem auf deinen Blog aufmerksam geworden. Ist aber abonniert und wird nun regelmäßig gelesen. Alle 1487 Artikel werde ich wohl nicht nachlesen aber bin auf jeden Fall gespannt was die nächsten 1487 so hergeben werden.

    LG

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  12. Herzlichen Glückwunsch!
    Ich habe großen Respekt vor deiner Leistung. Du machst einen großartigen Job. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg, Marcel von www.Königsinvestor.de

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  13. Hi,
    auch von mir einen herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum! :)

    LG
    Johannes

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  14. Hallo Michael. Glückwunsch zum Jubiläum. Du bist übrigens nicht alleine im Hinblick auf das weibliche (Un-)Verständnis zum Thema Bloggen/Aktien/Investieren... ;) Gruß Thomas

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  15. Hallo Michael,

    auch von mir alles Gute zum Jubiläum! Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Wenn ich einen Hut auf hätte, würde ich ihn vor dir ziehen! Dank deiner Artikel habe ich sehr viel gelernt, vor allem Geduld! Auch Geduld in meinen Investmententscheidungen. Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß an deinem Hobby, mit diesem Blog. Auch wünsche ich mir, dass die persönliche Note nicht verloren geht! Denn dies macht "Intelligent-Investieren.net" so einzigartig. In diesem Sinne Happy Birthday!

    beste Grüße Hans-Jürgen

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  16. Hallo Michael,

    durch den Finanzwesir bin ich auf deinen Artikel gestolpert. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum. Ich wurde damals auch durch das Planspiel Börse von der Sparkasse an den Aktienmarkt herangeführt. Auch die Volksbank hatte ein ähnliches Konzept, nur hatte man eine größere Auswahl an Aktien. Und da stimme ich dir zu 100%, dass es durch das Zocken auf Zeit eine Fehlkonditionierung ist (Ich habe damals den 2. Platz gemacht, weil ich mein ganzes Geld in eine Aktie, die im Cent-Bereich notierte, investiert habe).
    Da ich erst ein neuer Leser von dir bin, lese ich mich sehr interessiert durch deine unterschiedlichen Strategien, da ich für mich auch noch nicht festgelegt habe, welche für mich die Richtige ist. :)

    Viele Grüße Jan

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