Dienstag, 28. Juli 2015

Starbucks läuft heißer

Kaffeeröster Starbucks ist inzwischen die zweitgrößte Restaurantkette der USA und hat sich zuletzt zwischen den nun drittplatzierten Subway's und den stark schwächelnden Platzhirschen McDonald's geschoben. Nun ist Größe nicht alles, aber Starbucks verdankt seinen Aufstieg seinem starken Wachstum. Und die konnten bei Präsentation der Zahlen zum 3. Geschäftsquartal wieder in allen Belangen glänzen.

Der Umsatz konnte um 18 Prozent auf 4,9 Mrd. USD gesteigert werden und der Gewinn sogar um 22 Prozent auf 627 Mio. USD. Vor allem in den USA brummt das Geschäft und Starbucks verkauft längst nicht mehr nur Kaffee, sondern verdient inzwischen auch an der eigenen Tee-Tochter und an seinen Sandwiches und Säften prächtig. Um weiter kräftig zu wachsen, will Starbucks abends auch Alkohol ausschenken und testet derzeit den Alkohol-Verkauf in 30 Filialen. Der Test soll ausgeweitet werden und bis 2019 in bis zu jeder vierten US-Filiale Bier und Wein verkauft werden.

 Starbucks (Quelle: comdirect.de)
Die Zahlen hinter den Zahlen
Noch beeindruckender sind allerdings die Zahlen hinter den Zahlen. Insbesondere in Asien steigt die Zahl der Filialen stark an, so dass Starbucks nun weltweit auf 22.519 Dependancen kommt, also 431 mehr als zum Ende des letzten Quartals. Doch Starbucks wächst nicht nur quantitativ durch neue Läden und Flächen, sondern vor allem das qualitative Wachstum bricht alle Rekorde. Die sog. "Same Store Sales", das sind die Verkäufe in Läden, die bereits seit mindestens 13 Monaten geöffnet haben, legten weltweit um 7% zu. Zuvor lag die Steigerungsrate noch bei rekordverdächtigen 4%. In den USA waren es überdurchschnittliche 8% und in Asien-China-Pazifik (ACP) sogar 11%.

Nur in Europa und Vorderasien gab es mit 3% geringere Zuwachsraten. Hier zeigt sich, dass auch Starbucks von der Dollarstärke zunehmend betroffen ist, denn obwohl die Mehrzahl seiner Geschäfte in den USA liegt, wächst man doch vor allem im Ausland und unterliegt hier den Währungsschwankungen.

Weiter verbesserte Auslastung
Diese Zahlen bedeuten, dass mehr Leute in die Läden kommen und dort mehr verzehren. Für Starbucks und seine Aktionäre sind das die besten Nachrichten, denn die Strategie des Konzerns ist es, seine Läden außerhalb seiner Spitzenzeiten deutlich besser auszulasten - und das gelingt hervorragend. 4% mehr Kunden strömten in die Läden, das sind weltweit pro Laden 25 Menschen - pro Tag. Dieses Wachstum ist so beeindruckend, dass selbst das Management etwas zu bremsen versucht und andeutet, dass die 7% Zuwachs "außergewöhnlich" seien und man das nicht in jedem Quartal erwarten könne. Ich denke, wenn Starbucks es schafft, die 4%-Rate, die man zuvor erzielt hatte, weiter aufrecht zu erhalten, wäre das ein gesundes und starkes Wachstum, das auch noch über längere Sicht anhalten könnte.

Wo soll das weitere Wachstum herkommen?
Als Aktionär freut man sich über die schönen Zahlen und Erfolge der Vergangenheit, doch der Blick ist natürlich auf die Zukunft gerichtet. Und angesichts der doch bereits üppigen Bewertung der Starbucks-Aktien stellt sich natürlich die Frage, ob diese durch künftiges hohes Wachstum im operativen Bereich gerechtfertigt ist. Alkohol und Snacks sind einige der erfolgversprechenden Wachstumstreiber, dazu gesellen sich die unter dem Namen "Verismo" verkauften Kaffeemaschinen für Kaffeekapseln sowie das zunehmende Angebot von Starbucks-Produkten in Supermärkten und Tankstellen. Starbucks ist hierbei hochpreisig (und hochmargig!), aber man verkauft eben nicht nur Kaffee, sondern vor allem ein Lebensgefühl.

Die Marke Starbucks ist der Burggraben
Das Snack-Angebot ist mit 20% Zuwachs einer der Wachstumstreiber und auch die Tees werden immer beliebter. Hier steckt noch eine Menge Potenzial drin, allerdings kein endloses, denn Starbucks wird keine reinrassige Restaurantkette werden, die auf eigene Küchen setzt. Das ausgeweitete Angebot an Bier und Wein wird von den Kunden gut angenommen und füllt die Läden in der Nachmittags- und Abendzeit. Auch hiermit unterstreicht Starbucks seinen Anspruch, der"Third Place" zu sein, also der Ort, wo sich die Menschen neben Büro und Zuhause aufhalten. Starbucks ist Erlebnis, Lifestyle - und daraus speist sich die ungebrochene Preissetzungsmacht von Starbucks und die hohen Margen. Denn zuletzt hatte man nochmals die Preise erhöht und die Kunden kommen weiterhin und noch vermehrt. Starbucks ist es also gelungen, seine Marke zum Statussymbol zu machen, zur Coca Cola des Kaffees. Auch wenn andere Ketten das Konzept kopieren wollen, werden sie es sehr schwer haben, Starbucks hier Paroli zu bieten.

Asien wächst rasant
Und dann ist da noch China. Hier trinken die Leute durchschnittlich drei Tassen Kaffee - pro Jahr. Mit mehr Ladenlokalen kann Starbucks den wachsenden Kaffeedurst der Chinesen bedienen und das Wachstum speist sich aus mehr Filialen und höherem Kaffeekonsum pro Gast. Und auch in Indien, dem Teetrinker-Paradies, legt der Kaffeedurst stark zu.

Mobiler Kaffeegenuss
Ein weiterer Wachstumstreiber ist die Starbucks-App. Die Stoßzeit bei Starbucks liegt am frühen Morgen, wenn sich sogar Schlangen an den Tresen bilden, weil die Menschen ihren Coffee-to-go bei Starbucks ordern auf dem Weg zur Arbeit. Da das Bestellen, Zubereiten und Bezahlen einige Zeit in Anspruch nimmt, hat Starbucks eine App kreiert, mittels derer die Kunden ihren Kaffee und die sonstigen Starbucks-Angebote bequem vorab ordern und bezahlen können und diese dann nur noch in der Filiale abholen müssen. Die Wartezeiten reduzieren sich hierdurch enorm und es gelingt Starbucks auf diese Weise, selbst die bereits unter Volllast laufenden Geschäftszeiten nochmals viel besser auszunutzen. Und dabei verringert sich noch die Gefahr, dass Kunden aufgrund der langen Wartezeiten genervt sind und ggf. zur Konkurrenz abwandern.

Starbucks ist innovativ
Nicht unterschätzen darf man die Innovationskraft des Managements. Denn Starbucks hat nicht einfach nur ein Konzept, das weltweit kopiert wird und überall den gleich hohen Wiedererkennungswert bietet. Starbucks ist kein McDonald's! Starbucks testet neue Wege, nicht nur mit der individuellen Gestaltung seiner Läden, die sich auch schon mal stark ins heimatliche Kolorit einpassen und wie ein Shinto-Schrein daherkommen. Natürlich mit der gut sichtbaren grün-weißen Starbucks-Nixe am Eingang. Darüber hinaus werden ständig neue Dinge ausprobiert, wie die das Bier- und Weinangebot am Abend, die jüngst gestartete Edelkaffeehauskette "Starbucks Reserve Roastery and Tasting Room", mit der das höherpreisige Segment angesprochen werden soll oder die kleinen 25-qm-Shops in New York, die für zusätzlichen Absatz sorgen, ohne die großen Läden zu kanibalisieren. Oder die neue Kooperation mit Spotify, dem angesagten Musik-Streaming-Dienst, der nun sogar in das Starbucks-Stars-Programm aufgenommen wurde. Diese neuen Ideen halten Starbucks am Leben, bieten den Kunden immer wieder etwas Neues, ohne das Bewährte in den Hintergrund zu drücken. Und wenn eine der neuen Ideen nicht zündet, dann wird sie ebenso schnell wieder beerdigt. Wie das kurzzeitige Engagement bei der Bäckereikette "la Boulange". Das Konzept mit den eigenen Läden hat sich nicht ausgezahlt, die Erwartungen, die mit der Übernahme verbunden waren, sich nicht erfüllt. Und der Zopf schnell abgeschnitten und sich erfolgversprechenderen Überlegungen zugewandt.

Prognose angehoben
Starbucks ist hoch bewertet mit einem KGV von 30 bezogen auf den für 2016 erwarteten Gewinn - das damit doppelt so hoch liegt, wie bei einem durchschnittlichen amerikanischen Unternehmen. Allerdings wächst Starbucks auch sehr schnell und vor allem extrem profitabel und das rechtfertigt (und erklärt) die Aufschläge, die Anleger bereit sind, für die Starbucks-Aktien zu bezahlen. Aufgrund der vorgelegten Zahlen hat Starbucks nun seine Prognosen sogar noch weiter erhöht und hob das Gewinnziel für das Geschäftsjahr auf 1,57 bis 1,58 von 1,55 bis 1,57 Dollar pro Aktie an. Im Gesamtjahr sollen nun 1.650 neue Shops eröffnet werden.

Die Quartalsdividende von 16 US-Cents je Aktie soll am 21. August 2015 ausgeschüttet werden und zwar an die Aktionäre, die am 4. August Starbucks-Aktien im Depot haben. Ich werde dabei sein, denn Starbucks befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot. Auch bei einem Kurs von 51 EUR sind die Aktien für mich als Langfristanleger noch einen Kauf wert.

Montag, 27. Juli 2015

Umfrage-Ergebnis: Aktien, Aktien, Aktien ist alles, was ihr wollt!

Ich hatte hier die Frage gestellt, wie ihr investiert. Und ich kann feststellen, dass die Besucher meines Blogs genau so "ticken" wie ich selbst. Genauer gesagt diejenigen, die an der Umfrage teilgenommen haben. Dass die Ergebnisse zusammengerechnet nicht 100% ergeben liegt daran, dass Mehrfachnennungen möglich waren. Schließlich streuen manche Anleger ihre Anlegen breiter als andere...

In was investiert ihr?

Aktien40 (97%)
ETFs/Investmentfonds14 (34%)
Anleihen3 (  7%)
Rohstoffe3 (  7%)
Devisen1 (  2%)
Optionen/Zertifikate/Derivate0 (  0%)

Der hohe 97%-Anteil von Aktien-Direktinvestoren wundert mich nicht, schließlich beschäftige ich mich in diesem Blog ja überwiegend mit Investments in Aktien und zwar in Einzelwerte, nicht in Fonds oder ETFs. Gerade bei letzteren hätte ich allerdings einen höheren Anteil als 34% erwartet, zumal sich ETFs und Investmentfonds ja auch als Depotbeimischung hervorragend eignen.

Ich freue mich, dass mein Blog so regelmäßig gelesen und inzwischen bei einigen Beiträgen auch intensiv und konstruktiv diskutiert wird. Und die Umfrageergebnisse zeigen mir, dass ich mit meinen Ideen und Anregungen gar nicht so falsch liege, sondern es durchaus den einen oder anderen Interessierten gibt, für den meine Beiträge einen (Mehr-)Wert darstellen.

Börsenweisheit der Woche 30/2015

"Die Börsenspekulation ist wie eine Skatpartie: Man muss mit guten Karten mehr gewinnen als man mit schlechten Karten verliert."
(André Kostolany)

Freitag, 24. Juli 2015

Villeroy & Boch-CFO Warncke im Interview: "Potenziale sind Phantasie für die Zukunft"

Kürzlich hatte das 1748 gegründete Traditionsunternehmen Villeroy & Boch Halbjahreszahlen präsentiert und die können sich sehen lassen. Der Umsatz stieg um 4 Prozent auf 387 Mio. EUR und das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sogar um 16,3 Prozent auf 15,7 Mio. EUR. Insbesondere in den USA und in Europa laufen die Geschäfte rund, im Hoffnungsmarkt Russland steht man aber vor großen Herausforderungen. Im Gesamtjahr will der Konzern, der weltweit in 125 Ländern vertreten ist und rund 7.000 Mitarbeiter beschäftigt, seinen Umsatz um 3 bis 5 und das Betriebsergebnis um mehr als 5 Prozent verbessern und bekräftigte die diesbezügliche Jahresprognose.

Markus Warncke ist seit Anfang des Jahres Finanzvorstand, Neudeutsch CFO, beim Traditionsunternehmen Villeroy & Boch. iNTELLiGENT iNVESTiEREN befragte ihn zu den aktuellen Quartalszahlen und den weiteren Aussichten des Bad- und Keramikherstellers, der seit drei Jahren auf meiner Empfehlungsliste steht.

ii: Herr Warncke, zum zweiten Mal durften Sie die Zahlen des Villeroy & Boch Konzerns präsentieren und zwar gute. Welche Erfolge halten Sie für besonders erwähnenswert?

Warncke: Nach einem durchwachsenen ersten Quartal 2015 hat unser Geschäft zwischen April und Juni kräftig Fahrt aufgenommen – das hat uns sehr gefreut. Zum Halbjahr haben wir unseren Umsatz um 4 % gesteigert und liegen damit genau in der Mitte unserer Wachstumsprognose von 3 % bis 5 %. Unser operatives Ergebnis haben wir deutlich überproportional verbessert, nämlich um 16,3 %. Sowohl in der Produktion als auch in der Verwaltung arbeiten wir immer effizienter, außerdem hilft uns die höhere Umsatzqualität. In puncto Profitabilität sind wir aber noch nicht am Ende – mittelfristig wollen wir die EBIT-Rendite auf 7 % steigern.

ii: In der Vergangenheit war das Geschäft von Villeroy & Boch eher margenschwach und insbesondere nicht nur die nationalen Aktivitäten von großen Herausforderungen geprägt. Wie wollen Sie in Deutschland im Wettbewerb bestehen und ihre Margen verbessern?

Villeroy & Boch-CFO Markus Warncke
Warncke: Mit unserer starken Marke im Rücken haben wir zunächst einmal die perfekte Ausgangsposition. Europa ist und bleibt unser Heimatmarkt – hier sind wir bekannt und hier ist unsere Distribution am größten. Über den Erfolg entscheiden am Ende unsere Produkte und die Vermarktung. Im Bereich Tischkultur adressieren wir derzeit verstärkt spezielle Produktwelten für Trendthemen wie Barbecue, Pasta, Pizza und Kaffee. Ebenso wollen wir uns stärker im Segment hochwertiger Geschenke positionieren. Im Sanitärgeschäft rücken zunehmend digitale Service-Angebote zur Badezimmer-Planung in den Fokus, beispielsweise mit unserer neuen 3D-Brille, mit der man virtuell durch das zuvor am PC gestaltete Bad gehen kann. Produktseitig beschäftigen wir uns u.a. mit neuen Werkstoffen, um außergewöhnliche Formen mit enorm dünner Keramik herzustellen. Gleichzeitig arbeiten wir weiter daran, unsere Prozesse in Produktion und Verwaltung zu verbessern und Kosten zu sparen. Insgesamt sind wir auf dem richtigen Weg, davon bin ich überzeugt!

ii: Als einer der großen Zukunftsmärkte für V&B wurde in den letzten Jahren Russland bezeichnet. Die Ukrainekrise und die Russlandsanktionen treffen das Land hart und auch viele Deutsche Unternehmen. Inwieweit ist das Geschäft von V&B betroffen und hat dies Auswirkungen auf ihre Strategie?

Warncke: Im Bereich Tischkultur trifft uns die Krise vor allem, weil die russischen Verbraucher deutlich weniger in Konsumgüter investieren. Bei Bad und Wellness – mit einem Umsatzanteil von 80 % der deutlich größere Geschäftsbereich in Russland – zeigt sich aber ein ganz anderes Bild. Hier haben wir im ersten Halbjahr 40,5 % mehr umgesetzt als im Vorjahr. Der Grund: Es wird weiter massiv in langfristige Vermögenswerte investiert – und wo viel gebaut wird, sind wir mit unseren Sanitärprodukten zur Stelle. Dabei profitieren wir auch von unserem eigenen Lager in der Nähe Moskaus, durch das wir schneller liefern können als so mancher Wettbewerber. Außerdem gewährt unsere Rubel-Preisliste den Kunden Preissicherheit – ein wichtiges Argument in Zeiten der Währungsturbulenzen. An Russland als Wachstumsmarkt halten wir also fest.

Villeroy & Boch (Quelle: comdirect.de) 
ii: Neben den operativen Fortschritten sind die Geschäftsberichte immer wieder von außerordentlichen Faktoren geprägt. So werden dem Unternehmen über mehrere Jahre hinweg Einnahmen aus dem Grundstücksprojekt in Gustavsberg (Schweden) zufließen und auch in anderen Ländern hat V&B Standorte aufgegeben. Gibt es dort neue Entwicklungen? Insbesondere das Areal in Luxemburg war ja mit großen Hoffnungen verbunden.

Warncke: Die Entwicklung unseres Grundstücks in Luxemburg haben wir weiterhin fest im Blick! Wir sind in konstruktiven Gesprächen mit der Stadt Luxemburg und haben bereits Pläne vorgelegt, wie das über 60.000 m² große Areal, das mit rund 3,5 km Entfernung zum Stadtzentrum auch bestens für Wohnraum geeignet ist, genutzt werden kann. Bis zur Umsetzung wird es aber noch dauern. In Gustavsberg sind wir dagegen mitten in der Projektabwicklung. In den Jahren 2013 und 2014 haben wir bereits Sondererträge in Höhe von 11,8 Mio. € realisiert, im laufenden Jahr bislang 1,0 Mio. €. Von den ausstehenden 4,2 Mio. € erwarten wir den größeren Teil noch in diesem Jahr.

ii: Sie haben für das abgelaufene Geschäftsjahr die Dividende erhöht und weisen eine Rendite von 3,5% auf. Wie wichtig sind Dividenden für Sie und wie sieht ihre Dividendenstrategie aus?

Warncke: Wir wollen rund 50 % des operativen Gewinns an die Aktionäre ausschütten und die andere Hälfte nutzen, um Investitionen zu tätigen und die Substanz des Unternehmens zu stärken. Das bedeutet: Von unserer positiven Entwicklung und steigenden Gewinnen profitieren auch die Aktionäre.

ii: Im Zuge des Börsengangs 1990 wurden die stimmrechtslosen Vorzugsaktien eingeführt, während die vielen beteiligten Familienmitglieder die Stammaktien halten. In letzter Zeit legen immer mehr Unternehmen ihre Stamm- und Vorzugsaktien zusammen, um für den Kapitalmarkt attraktiver zu werden. Gleichzeitig wählen sie die Gesellschaftsform der KGaA, um den Einfluss der bisherigen Stammaktien-Inhaber zu sichern. Gibt es bei V&B auch Gedanken in diese Richtung?

Warncke: Nein, diese Gedanken gibt es derzeit nicht.

ii: Wenn Sie V&B einem Anleger in wenigen Worten beschreiben müssten, was würden Sie ihm sagen? Weshalb ist die V&B-Aktie aus ihrer Sicht ein lohnendes Investment?

Warncke: Wir verfügen mit unserer Marke über einen echten Wert und bieten Produkte von einer besonderen Qualität an. Außerdem sind wir in den europäischen Kernmärkten enorm gut aufgestellt. Gleichzeitig forcieren wir das Wachstumstempo außerhalb von Kerneuropa, arbeiten an unserer Effizienz in Produktion und Verwaltung und damit an unserer Profitabilität. Kurz gesagt: Wir haben in allen Bereichen noch Potenzial – sowohl auf der Umsatz- als auch auf der Ertragsseite. Und das ist es doch, was Investoren interessiert: Potenziale sind Phantasie für die Zukunft.

ii: Herr Warncke, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben für dieses Gespräch.

Mittwoch, 22. Juli 2015

[Einfach gedacht] Microsoft und die beiden Briefe des Nikita Chruschtschow

Es gibt eine Anekdote aus den Memoiren des einstigen sowjetischen Staats- und Parteichefs Nikita Chruschtschow, der 1964 wegen seiner peinlichen Auftritte vom Zentralkomitee der KPdSU entmachtet wurde.

Bevor er seinen Schreibtisch räumen musste, verfasste er an diesem zwei Briefe für seinen Nachfolger. Die verschlossenen Umschläge versah er noch mit einer begleitenden Notiz, die dann Leonid Breschnew nach seiner Amtsübernahme vorfand. Darin stand: "Für meinen Nachfolger: Solltest Du Dich einmal in einer aussichtslosen Situation befinden, aus welcher es kein Entrinnen gibt, öffne den ersten Brief und er wird Dich retten. Befindest Du Dich sich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal in einer ausweglosen Lage, dann öffne den zweiten Brief."

Es dauerte nicht lange und Breschnew hatte sich in eine ernste Bredouille manövriert und in seiner Verzweiflung öffnete er den ersten Brief. In diesem stand nur: "Schiebe alles auf Deinen Vorgänger". Breschnew befolgte diesen Rat und machte Chruschtschows Politik für alle jüngst aufgetretenen Probleme verantwortlich. Und es funktionierte.

Einige Jahre später fand sich Breschnew erneut in einer ausweglos erscheinenden Lage wieder und er erinnerte sich des zweiten Briefes. Ohne zu zögern öffnete er ihn in der Hoffnung auf einen weiteren rettenden Ratschlag. Und er las: "Setz Dich sich an Deinen Schreibtisch und schreib zwei Briefe..."

Gestern Abend nun hat der nicht mehr ganz so neue CEO des Softwarepioniers Microsoft, Satya Nadella, seinen ersten Brief geöffnet...

Der Apple fällt nicht weit vom Stamm... aber tief

Der Physiker und Astronom Isaac Newton entdeckte die Schwerkraft, als ihm ein Apfel auf den Kopf fiel, während er unter einem Baum döste. Dergestalt unsanft aus seinen Träumen gerissen, entwickelte er seine Gravitationstheorie. Und nach dem, was sich nachbörslich an der Wall Street abzeichnet, scheint einmal mehr ein Apfel die Gesetze der Schwerkraft auszutesten.

Denn Apple, der mit bisher 700 Mrd. USD Börsenkapitalisierung wertvollste Konzern der Welt, hat gestern nach Börsenschluss seine Zahlen zum abgelaufenen 2. Quartal präsentiert und die können sich eigentlich sehen lassen! Die Umsätze stiegen im Jahresvergleich um ein Drittel auf 49,6 Mrd. USD und der Gewinn lag mit 10,7 Mrd. USD sogar um 38 Prozent über dem des Vorjahresquartals. Beide Werte übertrafen die Erwartungen klar.

Klumpenrisiko iPhone
Doch Apple ist vor allem von einem einzigen Produkt abhängig, dem iPhone. Dessen Anteil am globalen Smartphonemarkt beträgt "nur" 18 Prozent, dennoch streicht Apple inzwischen rund 92 Prozent aller Gewinne im Smartphonemarkt ein. Dieses Klumpenrisiko für Apple ist enorm und war ja auch für mich vor Kurzem der Grund, weshalb ich Apple good bye gesagt und von meiner Empfehlungsliste gestrichen habe. Denn ich denke, dass Apple hier mit Erwartungen überfrachtet wird und die Fallhöhe, wenn das Unternehmen die hohen Erwartungen nicht (mehr) erfüllen kann, ist extrem.

iPhone-Absatz steigt rasant - und doch viel zu wenig
Und was konnte Apple nun berichten? Der Konzern verkaufte in dem Ende Juni abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal 47,5 Mio. iPhones und damit 35 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das ist beeindruckend und doch nicht beeindruckend genug, den die Analysten hatten zum Teil deutlich mehr erwartet - und die Aktien sinken nachbörslich wie ein Stein um gute 8 Prozent, wodurch sich mehr als 50 Mrd. USD an Börsenkapitalisierung in Luft auflösten. Wohl auch, weil Apple im zweiten Quartal 22 Prozent weniger iPhones verkaufen konnte als in den drei Monaten zuvor.

Apple (Quelle: comdirect.de)
Wandelt Apple auf Ikarus' Spuren?
Dädalus und sein Sohn Ikarus wurden als Strafe von König Minos im Labyrinth des Minotauros auf Kreta gefangen gesetzt. Zur Flucht erbaute Dädalus Flügel für sich und seinen Sohn, indem er Federn mit Wachs an einem Gestänge befestigte. Trotz der Warnungen seines Vaters, er dürfe unter keinen Umständen der Sonne zu nahe kommen, wurde Ikarus übermütig und flog immer höher und höher - bis die Sonne das Wachs seiner Flügel schmolz und er ins Meer zu Tode stürzte. Diese Geschichte aus der griechischen Mythologie könnte die Vorlage zur heutigen Geschichte von Apple sein. Ein Konzern, der immer höher von Erfolg zu Erfolg eilt, dem keine Grenzen gesetzt zu sein scheinen und der doch doch scheitert. Scheitern muss, weil sich alle an ihren immer höher geschraubten Erwartungen berauschen und sich daran gewöhnt haben, dass selbst die höchsten Erwartungen noch immer übertroffen wurden.

Und so kommt es, dass herausragende Zahlen zu einer Enttäuschung wurden, weil das Beste nicht mehr gut genug ist. Dabei ist Apple nicht schuldlos an der Situation, denn kein Unternehmen versteht es so wie Apple, sich zu inszenieren, sich den Nimbus des Unnahbaren, Unerreichbaren fast Mystischen zu geben. Und dieser Nimbus wird nun abrupt geerdet, schlicht, schnörkellos, durch das Drücken des Sell-Buttons beim Broker.

Ausblick
Die Kratzer dürften tief sein, die nun auf Apples zuletzt makelloser Bilanz prangen. Man fühlt sich ein wenig erinnert an den Herbst 2012, als nach dem Tod des Gründers und Ideengebers Steve Jobs die Zweifel groß waren und immer mehr wuchsen, ob Apple noch innovativ sein könnte, ob es neue Produkte ersinnen könnte, und als der Aktienkurs innerhalb von 9 Monaten von 100 USD auf unter 60 USD abstürzte. Die heutige Enttäuschung könnte ein neues Infernal für einen solchen schleichenden Abschwung sein, denn die Absatzzahlen des neuen Hoffnungsträger Apple Watch sind ernüchternd (vermutlich wurden bisher lediglich 2 Mio. Stück verkauft), das iPhone bleibt die einzige wirkliche Cash-Cow. Und gerade in China, dem größten Wachstumsmarkt, herrscht seit Mitte Juni lähmende Tristesse. Denn der Börsencrash in Shanghai hat nicht nur riesige Summen an Kapital vernichtet, er hat auch die Absatzzahlen ausländischer Luxusartikel einbrechen lassen. Und nicht nur die deutschen Premium-Automobil-Hersteller klagen über erhebliche Umsatzeinbußen, auch Luxusgegenstände wie Uhren, Schmuck und High-Tech-Geräte bleiben immer häufiger in den Läden liegen. Hier wächst das nächste große Enttäuschungspotenzial heran für die nächsten Quartalszahlen.

Fazit
Ich fühle mich in meiner Einschätzung bestätigt und denke, es war goldrichtig, die Apple-Aktien aus meinem Depot und von meiner Empfehlungsliste zu nehmen. Apple ist und bleibt ein tolles Unternehmen mit hervorragenden Produkten. Aber es ist auch nach wie vor zu abhängig von einem einzigen Produkt und meiner Ansicht nach noch immer deutlich zu hoch bewertet für sein sich zunehmend verschlechterndes Chance-Risiko-Profil.

Dienstag, 21. Juli 2015

IBM und der Big Blues

IBM hat heute Zahlen zum 2. Quartal präsentiert und wieder einmal hatte IBM-Chefin Ginni Rometty nichts Positives verkünden. Das dreizehnte Quartal in Folge sanken die Umsätze, der Gewinn sank ebenfalls.

Der Weg hin zu Software und Dienstleistungen unter Aussortierung der Hardware-Sparte mag richtig sein, natürlich kostet das Umsatzanteile (und auch Gewinne). Die Cloud-Geschäfte wachsen um 50% und ohne Wechselkurseinflüsse wären es sogar 70% gewesen. Aber... insgesamt sind die Erlöse in der Sparte Software um 10% gefallen ggü. dem Vorjahr, also schwächelt IBM auch in seinem Zukunftsbereich, wo man sich gegen andere Größen behaupten muss, die Amazons und Microsofts dieser Welt.

Diese Schwäche ist schon beängstigend, denn IBM glänzt zur Zeit eigentlich nur durch Kosteneinsparungen und Aktienrückkäufe. Die Neuausrichtung greift (noch) nicht, sollte sie nach so vielen Jahren aber mal endlich!

 IBM (Quelle: comdirect.de)
Ich stehe bei IBM weiterhin am Seitenrand und habe nicht das Gefühl, hier eine große Chance verpasst zu haben. Oder zu verpassen… Ich wäre aber auch nicht unglücklich, wenn sich Warren Buffetts Riecher am Ende doch wieder einmal als der richtige erweist - auf lange Sicht. Aber Buffett kauft ja auch nicht, weil er auf Kurssteigerungen setzt, sondern weil er das Unternehmen besitzen will. Bis in das letzte Quartal hinein hat er fleißig weitere IBM-Aktien eingekauft und solange er weitere Anteile erwerben will, ist er froh darüber, wenn der Kurs nicht steigt. Selbst über Jahre hinweg. Ich denke daher manchmal, dass der Kurs in den letzten drei Jahren noch viel stärker hätte sinken müssen, wenn nicht IBM und Berkshire Hathaway immer noch kaufen würden.

Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 20. Juli 2015

Börsenweisheit der Woche 29/2015

"Die Zukunft gehört denen, die Möglichkeiten erkennen, bevor sie offensichtlich werden."
(Oscar Wilde)

Donnerstag, 16. Juli 2015

Blackstone steigert nach schwierigem Quartal die Dividende um ein Drittel

Finanzinvestor Blackstone Group hat Zahlen zum 2. Quartal 2015 vorgelegt und die verfehlt in Teilbereichen die Erwartungen der Analysten.

Blackstones Quartalsgewinn fiel im 2. Quartal ggü. dem Vorjahreswert um 74% auf 134,2 Mio. USD (517 Mio.) oder 21 Cents je Aktie (85 Cents). Der Nettogewinn lag bei 508 Mio. USD bzw. 43 Cents je Aktie und lag in etwa auf Höhe der Analystenerwartungen. Im Vorquartal war noch eine Verdopplung des Nettogewinns vermeldet worden und diese hohen Schwankungen zeigen in besonderem Maß, dass das Private Equity Geschäft schwer in Drei-Monatszyklen zu erfassen ist, sondern mindestens in Jahresergebnissen betrachtet werden sollte.

Blackstone legt "solide Ergebnisse" vor
Dennoch schauen wir uns die Quartalszahlen ruhig noch etwas genauer an, denn Blackstones CEO Stephen Schwarzman meinte bei Vorstellung der Quartalszahlen, man habe "solide Ergebnisse für die Anleger im zweiten Quartal produziert mit starken Realisierungsaktivitäten trotz schwieriger Marktbedingungen". Beeindruckende Zahlen konnte er bzgl. des verwalteten Vermögens vermelden, denn diese "Assets under Management" betragen per 30. Juni 333 Mrd. USD und damit 19% mehr als die am Ende des Vorjahreszeitraums verwalteten 279 Mrd. USD. Ende März hatten die AUM noch bei 310 Mrd. USD gelegen. Der Glaube, dass Blackstone auch künftig hohe Rendite für das verwaltete Vermögen einfahren wird, ist also ungebrochen. Und da vieles von dem zu einem erheblichen Teil in Immobilien angelegten Geldes bereits in den ersten Nach-Krisenjahren investiert wurde, schlummern hier enorme Bewertungsreserven in der Blackstone-Bilanz bzw. in der ihrer Töchter und verwalteten Spezialfonds. Diese stillen Reserven werden in den nächsten Jahren sukzessive zu Geld gemacht und bescheren den Anlegern hohe Renditen. Hier erzielt Blackstone gleich doppelte Einnahmen: einerseits, weil man selbst Anteile an den Spezialfonds hält und andererseits, weil man hier die Managementgebühren und Erfolgsprovisionen kassiert. Solange es Blackstone gelingt, weitere Gelder zu akquirieren, wachsen alleine deshalb schon die Einnahmen weiter.

Nettogewinn vs. ausschüttungsfähiger Gewinn
Vom Nettogewinn, der die dieser Periode zuzurechnenden Gewinne ausweist, ist der ausschüttungsfähige Gewinn zu unterscheiden. Dieser beziffert die Gewinne, die wirklich in dieser Periode zugeflossen sind und die für Ausschüttungen an die Aktionäre zur Verfügung stehen, während im ausgewiesenen Nettogewinn auch wertmäßige Zu- und Abschreibungen enthalten sind, die auf Assets (wie Immobilien, Aktien, Fondsanteile) anfielen. Diese erhöhen - oder reduzieren - aber erst dann das Ergebnis, wenn die Assets auch wirklich verkauft werden. Bis dahin stellen sie nur Buchgewinne oder -verluste dar. Blackstone investiert allerdings mittelfristig in seine Assets, also im Schnitt mindestens um die 5 Jahre, wodurch die Kursschwankungen einzelner Anlagen von Quartal zu Quartal nur eine untergeordnete Bedeutung haben. Weshalb der auf den ersten Blick enttäuschende Quartalsgewinn auch keine wirklich relevante Größe für Blackstone-Aktionäre ist, deren der Fokus viel mehr auf den ausschüttungsfähigen Gewinnen liegt, weil sich hieraus die hohen Renditen speisen - und die üppigen Quartalsdividenden.

 Starbucks (Quelle: comdirect.de)
Quartalsdividende steigt um 35 Prozent
Eine Zahl, die Anlegerherzen wieder einmal höher schlagen lässt, ist die deutlich angehobene Quartalsdividende, denn der ausschüttungsfähige Gewinn liegt im 2. Quartal bei 1 Mrd. USD und übertrifft den Vorjahreswert von 765 Mio. USD deutlich. Folgerichtig will Blackstone die Quartalsdividende auf 74 Cents je Aktie anheben, nachdem im Vorjahr noch 55 Cents ausgeschüttet wurden. Anleger, die die Aktien am 23. Juli im Depot haben (Ex-Dividenden-Tag), bekommen die Dividende am 3. August ausgezahlt.

Dividendenhistorie
Der Aktienkurs von Blackstone hat sich in letzter Zeit prächtig entwickelt, für uns Anleger in Deutschland natürlich auch aufgrund des starken US-Dollars. Nun kann man die Quartalsdividende nicht einfach auf das Jahr hochrechnen, denn die Gewinne und damit die vierteljährlichen Ausschüttungen unterliegen deutlichen Schwankungen. Hier lohnt ein Blick auf die Dividendenhistorie der vergangenen Jahre und die Auszahlungsmonate sind stets Februar, Mai, August, November.

Seit 2011 wurden folgende Quartalsdividenden ausgeschüttet:

2011: 0,32 / 0,10 / 0,10 / 0,10 = 0,62 USD p.a.
2012: 0,22 / 0,10 / 0,10 / 0,10 = 0,52 USD p.a.
2013: 0,42 / 0,30 / 0,23 / 0,23 = 1,18 USD p.a.
2014: 0,58 / 0,35 / 0,55 / 0,45 = 1,92 USD p.a
2015: 0,78 / 0,89 / 0,74

Selbst wenn die letzte Quartalsdividende komplett ausfallen würde, lägen die dann in 2015 ausgeschütteten Dividenden nun bereits bei 2,14 EUR und bezogen auf den aktuellen Aktienkurs von 37 EUR ergäbe sich eine Dividendenrendite von 6%. Setzt man für 2015 die bisher durchschnittlich ausgeschütteten 0,80 USD je Aktie auch für das nächste Quartal an, läge die Gesamtjahres-Dividendenrendite entsprechend bei 8,7%.

Diese Rechnung ist selbstverständlich ziemlich überschlägig. Sie zeigt jedoch die Attraktivität dieses Investments für langfristig und auf Rendite orientierte Anleger, die mit einer erhöhten Schwankungsbreite des Aktienkurses leben können.

Blackstone profitiert vom niedrigen Zinsumfeld und der Suche der Investoren nach auskömmlichen Renditen. Neben der außergewöhnlich hohen Dividendenrendite schlagen auch noch weitere Kurschancen positiv zu Buche. Insbesondere in den Bereichen Immobilien und Öl- und Gas verstärkt Blackstone seine Investitionen, um einerseits stetige Einnahmen zu generieren und andererseits die sich bietenden antizyklischen Investitionschancen zu nutzen. Und bei seinen Verkäufen spielt das nach wie vor positive Börsenumfeld dem Finanzinvestor in die Karten und ermöglicht ihm, seine eingegangenen Beteiligungen aus früheren Jahren gewinnbringend zu veräußern. Blackstone verfügt zum Quartalsende über 82 Mrd. USD und damit über mehr als genug liquide Mittel, um sich die besten Chancen am Markt sichern zu können - auch und gerade, wenn die Börsen mal in den Korrekturmodus schalten. Die Aktien befinden sich auf meiner Empfehlungsliste und zählen weiterhin zu den aussichtsreichsten Investment-Chancen am Markt.

Mittwoch, 15. Juli 2015

eBook: iNTELLiGENT iNVESTiEREN ist eine der besten Finanzseiten

Alexander Wolf betreibt die Website "Aktien für Anfänger" und hat ein neues eBook herausgegeben, das "die 58 besten Finanzseiten" unter die Lupe nimmt. Dazu hat er die Blog-Betreiber kontaktiert und Ihnen einige Fragen gestellt. Darunter auch mir zu diesem Blog und meine Antworten könnt ihr hier direkt nachlesen. Die übrigen, allesamt lesenswerten Blogs, findet ihr mit den jeweiligen Antworten unter "Die 58 besten Finanzseiten" auf Alexanders Website zum kostenlosen Download.

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Alexander für seine große Mühe bedanken, die er sich mit dieser Zusammenstellung gemacht hat!

Montag, 13. Juli 2015

Aurelius mit weiterem Zukauf in der britischen Recycling-Branche

Die Münchner Beteiligungsfirma Aurelius ist weiter auf Einkauftour in Europa und erwirbt die Regain Polymers Holding Limited und somit nach der Übernahme von Eco Plastics Ende letzten Jahres das zweite Unternehmen aus der Recycling-Branche in Großbritannien.

"Regain ist seit Jahren erfolgreich im Wiederaufbereiten von recyceltem Hartplastik nach spezifischen Kundenvorgaben. Die Auftraggeber kommen aus den Branchen Automotive, Umwelt, Gartenbau, Verpackung und Anlagenbau. Die Bandbreite der Produkte umfasst Polymere wie Hartpolyethylen (HDPE), Polypropylen (PP), talkumgefülltes Polypropylen (PPT) und Polystyren (PS). Die sieben Extrusionsanlagen haben eine Gesamtleistung von rund 46.000 Tonnen pro Jahr. Zur Produktion gehören zudem zwei Waschanlagen und eine Materialvorbereitungsanlage mit einer Jahresleistung von 28.000 Tonnen. Hier werden Fremdmaterialien wie Papier, Metall oder Schmutz vor der Wiederaufbereitung entfernt.".

 Aurelius (Quelle: comdirect.de)
Die Sparte Wiederaufbereitung für Plastikmüll baut Aurelius mit der Übernahme kräftig aus und wird versuchen, über Effizienzsteigerungen die Profitabilität zu erhöhen und von der wachsenden Nachfrage von Händlern, Marken-Artiklern und Automotive-Herstellern nach Recycling-Kunststoffen sowie dem Streben nach einem verringerten Kohlenstoffanteil bei Verpackungen und Produkten zu profitieren.

Aurelius vermeldet bereits den vierten Zukauf in diesem Jahr und investiert auch stark in seine Bestandsunternehmen. Der Gewinn liegt bekanntlich im Einkauf und obwohl bei dieser jüngsten Transaktion Stillschweigen über den Kaufpreis vereinbart wurde, dürfte der Preis attraktiv gewesen und evtl. sogar mit einer Mitgift ("Bargain Purchase") ausgestattet gewesen sein. Bisher konnte Aurelius aus jedem eingesetzten Euro rund 9,3 EUR machen und ist bestrebt, diese außergewöhnliche Geldvermehrung noch zu intensivieren.

Aurelius befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und hat weiterhin eine prall gefüllte Deal-Pipeline. Mit dem einen oder anderen Exit ist in diesem Jahr auch noch zu rechnen, so dass Anleger keine Aktie aus der Hand geben sollten. Aurelius ist weiterhin der Top-Pick im deutschen Beteiligungssegment.

Börsenweisheit der Woche 28/2015

"Die beiden schwersten Sachen an der Börse sind, einen Verlust hinzunehmen und einen kleinen Profit nicht zu realisieren. Am schwersten aber ist es eine selbständige Meinung zu haben, das Gegenteil von dem zu machen, was die Mehrheit tut."
(André Kostolany)

Freitag, 10. Juli 2015

Investor-Update: Blackstone, MAX Automation, WCM

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

+ Blackstone Group
Vor zwei Wochen sah ich 36 EUR noch als günstige Kaufgelegenheit an, zwischenzeitlich gab es die Aktien sogar zu 34,50 EUR - und ich habe meinen Bestand nochmals aufgestockt, so dass meine Blackstone-Position inzwischen so groß ist, wie die beiden nächstgrößeren Positionen zusammen. Auf die nächste Quartalsdividende im August freue ich mich schon jetzt...

+ MAX Automation
Nachdem die Aktie bei 5,50 EUR an ihren Mehr-Jahres-Hochs aus den Jahren 2013 und 2014 kratzt, ist sie noch einmal etwas zurückgekommen und ich habe die Gelegenheit genutzt und meine Position weiter aufgestockt. Genauer gesagt, ich habe sie verdoppelt. Allerdings hatte ich die erste Hälfte der Position unmittelbar vor der Dividendenausschüttung erworben, während die neuen Aktien ja schon Ex-Dividende notieren.

+ WCM
Die Aktien aus der Kapitalerhöhung wurden in mein Depot eingebucht und ich habe die Rechnung dafür auf den Tisch bekommen, so dass WCM jetzt wieder eine der größten Positionen ist. Die Nachwehen der Kapitalerhöhung sollten bald vorüber sein und der Kurs sich entsprechend erholen. Ich gehe von einem stetigen positiven News-Flow in den nächsten Wochen aus, was die Entwicklung des Aktienkurses sicherlich auch nicht behindern würde.

.: Cashquote
Ich habe wieder deutlich weniger Cash auf dem Konto, der Bezug der neuen WCM-Aktien hat hier gnadenlos geräubert. Die übrigen Investments haben ebenfalls Liquidität abgesaugt, die somit auf die Hälfte zusammengeschrumpft ist.

Apple, it's time to say goodbye!

Ciao, Bella... Letzte Woche hatte ich im Investor-Update bereits angekündigt, dass ich die Aktien von Apple aus meinem Depot geworfen hätte und nun komme ich dazu, dies auch zu begründen - und sie von meiner Empfehlungsliste zu streichen, wo sich die Aktie seit gut einem Jahr befand.

Damals fragte ich mich, ob Apple noch ein Investment wert sei und bei einem (splitbereinigten) Aktienkurs von 61,207 EUR schien dies eindeutig auf der Hand zu liegen - Starinvestor Carl Icahn bezeichnete ein Investment in Apple rückwirkend als sog. "No-Brainer", also als eine Anlage, bei der man absolut nichts falsch machen konnte und das glasklar ersichtlich gewesen sei. Soweit wäre ich nicht gegangen, denn Apple hatte Mitte letzten Jahres einen deutlichen Kurssturz hinter sich - was auch mit ein Grund für meine Kaufempfehlung war. Denn Apple hat auch weiterhin starke Argumente auf seiner Seite und damals eben auch noch eine deutlich niedrigere Bewertung und erheblich mehr Potenzial.

Was damals für Apple sprach - und jetzt nicht mehr
Das iPhone steht für Zweidrittel der Gewinne des Apple-Konzerns und es ist nicht gelungen, diese Abhängigkeit zu reduzieren. Im Gegenteil! Ob iPad oder Apple Watch, das iPhone treibt die Cash-Maschine an und diese läuft auch weiterhin noch ziemlich beeindruckend. Allerdings mehren sich Zweifel, ob dies so bleibt. Denn nach anfänglicher Euphorie in China und Süd-Korea schwächt sich dort der Absatz ab, in Süd-Korea sogar um dramatische 50 Prozent. In China könnte der dortige Börsencrash auch den Absatz hochwertiger Produkte und insbesondere des iPhone negativ beeinflussen und wirklich innovativ kommen die neuen Modelle auch nicht daher. Apple versteht es nicht (mehr), auf dem erreichten sehr hohen Niveau Innovationen zu erschaffen, Apple lebt von seiner Marke, seinem Status. Und wenn man bedenkt, dass Apple fast die gesamten Gewinne im globalen Smartphone-Geschäft einstreicht (92%), obwohl andere viel höhere Marktanteile haben, sieht man das enorme Klumpenrisiko, das für Apple im iPhone schlummert.

Daneben gibt es eine Reihe von weiteren störenden Faktoren: die ständig steigende Verschuldung, trotz der enormen Cashflows. Die sind dem Umstand geschuldet, dass Apple einen Großteil seiner Umsätze und Gewinne außerhalb der USA einfährt und dieses Geld nicht in die USA transferieren kann, weil dann bis zu 30 Prozent an Steuern fällig würden. Für die großen Summen, die für Dividenden und Aktienrückkäufe aufgewendet werden, steht dieses Kapital also nicht zur Verfügung, sondern das Unternehmen nimmt Schulden auf, um sie zu finanzieren. Obwohl der Cash-Berg unter dem Strich weiter wächst. Und auf der anderen Hand bezahlt Apple fast keine Steuern, was nicht nur der EU ein zunehmender Dorn im Auge ist. Hier kann es für Apple mit seinem länderübergreifenden Steuerverschachtelungen noch sehr unangenehm und teuer werden.

 Apple (Quelle: comdirect.de)
Und auch das immer schrillere Trommeln des Star-Investors Carl Icahn, der Apple bei 200 Dollar fair bewertet sieht, gibt mir sehr zu denken. Denn Icahn ist ein extrem aktivistischer Investor und mich beschleicht das Gefühl, dass er eher einen kursschonenden Exit seines großen Aktienpaktes vorbereitet, als dass er Kleinanleger auf eine tolle Gelegenheit hinweisen möchte. Mit anderen Worten: er begibt sich auf die Suche nach Dummen, denen er seine riesige Position andrehen kann. Nun erwarte ich von ihm keine moralischen-ethischen Wunder, er ist schlicht Kapitalist, und wer an der Börse investiert oder spekuliert, muss selbst wissen, was er tut. Aber ich muss ja nicht unbedingt auf ihn hören und wie ein Lemming über die Klippe folgen...

Fazit
Am Ende glaube ich, dass Apple inzwischen mehr als fair bewertet ist und sich seine Zukunftsaussichten ziemlich eingetrübt haben. Jedenfalls gegenüber der Situation vor einem Jahr, als ich zum Einstieg riet. Mit knapp 90 Prozent Rendite - inkl. der Bruttodividenden - war dieses Investment schon herausragend erfolgreich und hat meine Erwartungen weit mehr als erfüllt. Die von mir erwarteten Wert- und Kurssteigerungen sind viel schneller eingetreten, als ich dachte. Und in der Summe der Faktoren ist das Glattstellen der Position dann auch nur konsequent.

Donnerstag, 9. Juli 2015

Deutsche Rohstoff AG: Wird Wolfram doch noch sexy?

Üblicherweise blickt man mit Grausen auf das Thema Rohstoffe, denn die Preise scheinen seit Jahren nur eine Richtung zu kennen: nach unten. Dies ist den im vergangenen Rohstoff-Hype (zu) stark ausgebauten Kapazitäten der meisten Lagerstätten zuzuschreiben und dem Versuch der großen Produzenten, durch die Beibehaltung der Überkapazitäten trotz stark sinkender Preise die kleineren Wettbewerber aus dem Markt zu drängen. Zu diesen kleinen Mitspielern gehört auch die im Entry Standard notierte Deutsche Rohstoff AG deren Schwerpunkte auf Öl & Gas und sogenannten Hightech-Metalle wie Wolfram, Zinn und Seltene Erden liegen. Das Geschäftsmodell gründet auf der (Wieder-) Erschließung von Vorkommen, die bereits in der Vergangenheit gut erkundet worden sind und alle Projekte befinden sich in politisch stabilen Ländern mit hohen Umweltstandards.

Die Erlöse der DRAG leiden unter dem Preisverfall, der Aktienkurs ebenso. Allerdings nicht immer zurecht, denn die DRAG hat in den vergangenen Jahren mehrfach bewiesen, dass sie ein gutes Näschen hat. So wurden die Gold-Aktivitäten verkauft, kurz bevor der Goldpreis von seinem Hoch bei 1.900 Dollar auf heute knapp 1.1. Dollar abstürzte. Und Anfang letzten Jahren verkaufte man für rund 200 Mio. Dollar die US-Öl- und Gast-Tochter, während am Ende des Jahres der Ölpreiszusammenbruch um gut 50 Prozent folgte. Seitdem sitzt die DRAG auf einem großen Berg an Cash und investiert diesen klug in Bereiche, die preislich momentan am Boden liegen, auf mittlere und lange Sicht aber große Möglichkeiten versprechen.

 Deutsche Rohstoff (Quelle: comdirect.de)
Wolfram muss man haben
Und damit ist nicht nur die US-Öl- und Gasbranche gemeint, wo der für die DRAG größte Hebel liegt. Sondern unter anderem bei dem so wichtigen Wolfram, das so gut wie in jedem High-Tech-Produkt steckt. Auch hier gibt es einen seit Jahren anhaltenden Preisverfall und die DRAG musste Ende letzten Jahres eine größere Abschreibung auf ihre Wolfram-Aktivitäten vornehmen. Doch sie hat sich clever aus der Affäre gezogen, indem sie ihre eigenen Aktivitäten veräußerte und sich so bei einem größeren Wolfram-Produzenten einkaufte, der auch die Geschäfte in diesem Bereich führt. Die kanadische Altonty Industries, an der die DRAG nun 23,5 Prozent hält, strebt an, zum größten Wolfram-Produzenten außerhalb Chinas zu werden. Dazu wollte man mit Woulfe Mining fusionieren, der 100%-Eigentümerin des Sangdong Wolfram/Molybdän-Projekts in Südkorea, das über eine abgeschlossene Machbarkeitsstudie und eine sehr große Wolfram-Ressource verfügt. Dieser Versuch scheiterte jedoch und Almonty gab sich mit einem Anteil von 8% zufrieden und einer Wandelschuldverschreibung. Zunächst.

Doch nun der Paukenschlag: Almonty fusionert mit Woulfe Mining im Wege eines Aktientauschs. Die Vereinbarung sieht den Umtausch sämtlicher Woulfe Aktien in Almonty Aktien vor und Woulfe-Aktionäre würden 40,2% am neuen Unternehmen halten. Mit anderen Worten, Almonty wird der Bestimmer mit einem Anteil von 59,8%.

Konditionen
Der Abschluss der Transaktion wird für Anfang September erwartet und beinhaltet folgende Kernpunkte:

  • Umtausch von 0,1029 Almonty-Aktien pro Woulfe-Aktie. Dies entspricht einem Kurswert von 0,07 CD pro Woulfe-Aktie und damit einem Aufschlag von 16,7% gegenüber dem Kurs vom 6. Juli 2015.
  • Dieses Tauschverhältnis gilt auch für sämtliche ausstehenden Woulfe-Optionen.
  • Woulfe-Verbindlichkeiten und -Wandelschuldverschreibungen bleiben mit ihren bisherigen Bedingungen bestehen.
  • Im Falle eines Nichtzustandekommens der Fusion unter den vereinbarten Bedingungen ist Woulfe Mining Corp. zu einer Zahlung von 770.000 CAD an Almonty verpflichtet.

DRAG-Anteil wird verwässert
Almonty wird im Zuge der Transaktion 34.828.500 neue Aktien begeben. Der Anteil der Deutschen Rohstoff AG an der neuen Gesellschaft wird dann 14.1 Prozent betragen (aktuell 23,5). Das Unternehmen wird damit neben den aktiven Bergwerken Los Santos (Spanien) und Wolfram Camp (Australien) sowie dem Explorationsprojekt Valtreixal (Spanien) Zugriff auf das Sangdong Wolfram-Projekt in Südkorea bekommen, einem der größten unentwickelten Wolfram-Projekte der Welt. Die kürzlich veröffentlichte Machbarkeitsstudie bescheinigt dem Projekt erfreulich robuste ökonomische Kennzahlen.

Dass der Anteil der DRAG an dem fusionierten Wolfram-Produzenten sinkt, muss nicht traurig stimmen. Das gemeinsame Unternehmen hat eine wesentlich bessere Marktstellung als die beiden alleine und die Perspektiven haben sich somit auch für die DRAG verbessert. Es ist davon auszugehen, dass hier in den nächsten Jahren noch der eine oder andere Euro bzw. Dollar in das Unternehmen fließen muss, um den Abbau zu gewährleisten und hier werden sich für die DRAG noch wieder Chancen bieten, ihren Anteil günstig aufzustocken. Aktuell hält man jedenfalls noch eine Almonty-Wandelschuldverschreibung in Höhe von 7,5 Mio. CAD mit einer Laufzeit von 2,5 Jahren, die mit 4 Prozent p.a. verzinst wird und von der DRAG ab einem Aktienkurs von 1,45 CAD in Almonty-Aktien umgetauscht werden kann.

Einschätzung
Die Fusion sollte dazu führen, dass die DRAG an einem wettbewerbsfähigen Wolfram-Produzenten maßgeblich beteiligt ist und wenn der Weltmarktpreis für Wolfram seine Talfahrt beendet und bei einer Konjunkturerholung wieder zu steigen beginnt, kann die DRAG auch in dieser Sparte doch noch Erfolge einfahren, die bisher ausgeblieben sind. Doch Rohstoffe sind ein zyklisches Geschäft und der kluge Investor handelt antizyklisch, um große Erfolge einzufahren. Die DRAG hat mehrfach bewiesen, dass sie mit ihrem Kurs sehr gut und erfolgreich fährt und für Anleger sollte sich ein entsprechendes antizyklisches Investment in Aktien der DRAG mittel- und langfristig auszahlen. Die Deutsche Rohstoff AG befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot. Ich halte sie für deutlich unterbewertet und für einen Top-Pick im Bereich der deutschen Nebenwerte sowie für eine der besten Chancen, um bei einem Wiedererstarken des Ölpreises und anderer Rohstoffe mit von der Partie zu sein.

Dienstag, 7. Juli 2015

WCM platziert Kapitalerhöhung vollständig und startet gleich rasant durch

Die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG hat einen gewaltigen Kraftakt hinter sich und er ist geglückt: bei ihrer Bezugsrechts-Barkapitalerhöhung wurden alle angebotenen 76.010.706 Aktien zu einem Preis von 2,05 EUR platziert. Das Grundkapital der WCM AG erhöht sich somit um 76.010.706 EUR auf 109.793.244 EUR und WCM flossen brutto insgesamt 155,8 Mio. EUR zu.

Dass die Kapitalerhöhung erfolgreich war, ist schon bemerkenswert, denn immerhin ist die WCM erst seit einem halben Jahr überhaupt wieder operativ tätig, nachdem man eine jahrelange Zeit des wirtschaftlichen Siechtums und eine Pleite hinter sich hatte. Und das Volumen der Kapitalerhöhung war auch nicht von schlechten Eltern, immerhin wurde das Grundkapital um den Faktor 2,25 erhöht (Bezugsverhältnis 4:9).

Alle Aktien platziert - mit Nachhilfe
Dass nicht alle Altaktionäre die Kapitalerhöhung voll mitgehen würden, stand von vornherein fest, denn das Volumen war für viele einfach nicht zu stemmen. Wer für 10.000 EUR Aktien im Depot hatte, hätte bei einem Bezugsverhältnis von 4:9 22.500 EUR an zusätzlichen Mittel aufbringen müssen - insbesondere für Kleinanleger kaum darstellbar. Und so kam als erstes die Meldung über die Platzierung von 67,9% der angebotenen Aktien, die über die Bezugsrechte geordert worden waren. Und obwohl dies nicht überwältigend klang, war doch bereits hier schon klar, dass alle Aktien abgesetzt werden konnten. Denn die Berenberg Bank hatte sich bei der Durchführung der Kapitalerhöhung verpflichtet, bis zu 24,99% aller WCM-Aktien abzunehmen. Wohlgemerkt bezogen auf das Grundkapital nach der Kapitalerhöhung. Und diese Garantie musste nun weitgehend gezogen werden, so dass wie erwartet angekündigt wurde, diese Aktien im Rahmen einer Privatplatzierung in- und ausländischen Investoren zum Bezugspreis von 2,05 EUR anzubieten. Und über Nacht konnte Vollzug vermeldet werden.

 WCM (Quelle: comdirect.de)
WCM kassiert und investiert
Damit kann WCM durchatmen und durchstarten. Die dringend benötigten Gelder sind nun vorhanden und WCM kann sukzessive die vielen Gewerbeimmobilien, die man in den letzten Wochen akquiriert hatte, auch rechtsverbindlich erwerben. Nachdem bereits vor Kurzem zwei Kaufverträge notariell beurkundet wurden, folgt heute gleich der nächste Zukauf: der Erwerb des Gewerbeportfolios von 16 Objekten im Rhein-Main-Gebiet und in Dresden, der am 24. April angekündigt worden war, wurde nun notariell beurkundet. Verkäufer des Gewerbeportfolios sind zwei dänische Tochtergesellschaften von zwei in Norwegen beheimateten Immobiliengesellschaften. Die 16 Büro- und Einzelhandelsimmobilien haben eine Mietfläche von ca. 88.800 Quadratmetern und weisen einen Vermietungsstand von rund 90 Prozent auf. Die annualisierten Mieteinnahmen betragen rund 9,9 Mio. EUR, so dass sich die Mietrendite auf den Nettokaufpreis sich zum Zeitpunkt der Akquisition bei rund 9 Prozent befindet. Der Nettokaufpreis auf 100%-Basis beträgt rund 113 Mio. EUR und das Closing der Transaktion wird im Oktober 2015 erwartet.

Steuerliche Verlustvorträge bergen Potenzial von 36 Cents je Aktie
Als zusätzliches Bewertungsschmankerl hat WCM noch die üppigen Verlustvorträge sowie das steuerliche Einlagenkonto zu bieten. Als im Dezember 2014 die vorherige Kapitalerhöhung durchgeführt wurde, war das einerseits eine Barkapitalerhöhung und andererseits erfolgte eine Kapitalerhöhung gegen Sacheinlagen (Immobilienvermögen). Das Gutachten, das den Einbringungspreis feststellte, legte den Wert der Verlustvorträge auf 2,70 EUR je Aktie fest. Die sind noch immer vorhanden, nur wurden sie durch die Kapitalmaßnahmen natürlich verwässert. Zunächst gab WCM 14.441.269 neue Aktien aus, was die Anzahl der Aktien verdoppelte. Zusätzlich wurden 4.900.000 Mio. Aktien im Wege der Sacheinlage bezahlt und nun erfolgte die große Kapitalerhöhung durch Schaffung von weiteren 76.010.706 Aktien. Insgesamt wurden die ursprünglichen 2,70 EUR je Aktie somit auf 0,36 EUR je Aktie verwässert. Um diesen Wert ist WCM bei jedem Peer-Group-Vergleich seinen Mitbewerbern voraus, denn diesen Wert "sieht" man nicht sofort.

Ausblick
WCM zeigt, dass man es ernst meint und die Kapitalerhöhung belegt, dass die Investoren an einen Erfolg glauben. Das Tempo, mit dem WCM sein mittelfristiges Ziel eines Gewerbe-Immobilienbestands von 1 Milliarde Euro angeht, bleibt atemberaubend und durch den Mittelzufluss aus der Kapitalerhöhung kann CEO Stavros Efremidis aus dem Vollen schöpfen. Der Aktienkurs der WCM kann die nächsten Tage noch etwas unter Druck bleiben, bis die massive Kapitalerhöhung verarbeitet ist, weil der eine oder andere Aktionär vielleicht nur auf schnelle Kursgewinne aus war. Die Neuen Aktien sind vom 1. Januar 2015 an gewinnberechtigt und werden voraussichtlich am 8. Juli 2015 in die Notierung für die Aktien der Gesellschaft an der Frankfurter Wertpapierbörse einbezogen - und zwar im Prime Standard. Dieser Aufstieg in das höhere Börsensegment bringt nicht nur höhere Publizitätspflichten und mehr Rechte für Aktionäre mit sich, sondern sichert WCM gerade bei institutionellen Investoren aus dem Ausland einen höheren Aufmerksamkeitsgrad. Das mittelfristige Ziel einer SDAX-Aufnahme ist WCM so jedenfalls noch einen Schritt näher gekommen.

WCM befindet auf meiner Empfehlungsliste und dürfte auf absehbare Zeit "die wohl heißeste Spekulation" im deutschen Immobiliensektor bleiben. Für die nächsten Tage und Wochen ist mit einem anhaltend hohen News-Flow zu rechnen, der den Kurs positiv begleiten dürfte.

Montag, 6. Juli 2015

Buffetts Kraft-Akt: Der neue Nahrungsmittel-Gigant heißt Kraft Heinz Co.

Der nicht börsennotierte Ketchup-Hersteller Heinz hat die Übernahme des börsennotierten Mitbewerbers Kraft Foods vollendet und notiert nun unter dem Namen "Kraft Heinz Co." an der Börse. Heinz gehörte zuvor mehrheitlich zu Warren Buffetts Investment-Imperium Berkshire Hathaway und er hatte bei dem damaligen Kauf einen brasilianischen Partner mit an Bord, den Finanzinvestor 3G. Dieser stemmt auch dieses Mal gemeinsam mit Buffett die Übernahme.

Kurz vor Abschluss der Übernahme hatte Buffett seinen Anteil bei Heinz sogar noch aufgestockt, so dass er nun unbestrittener Großaktionär der neuen Kraft Heinz Co. ist. Der Konzern ist mit rund 28 Milliarden Dollar Umsatz in den USA die Nummer 3 und weltweit die Nummer 5 der Branche und ist u.a. bekannt für seine Marken Oscar Mayer, Philadelphia, Velveeta, Maxwell House, Ore-Ida, Jell-O, Kraft Cheese und Heinz Ketchup. Branchen-Primus mit weitem Abstand bleibt der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé mit rund 95 Milliarden.

Nach der Übernahme halten Berkshire Hathaway und 3G zusammen 51 Prozent der Kraft Heinz Co. und kontrollieren 6 der 11 Sitze des Boards (Aufsichtsrat). Warren Buffett übernimmt einen dieser Sitze, Alex Behring, 3Gs Geschäftsführender Partner wird Vorstandsvorsitzender. Wie vor einigen Jahren auch Heinz, schwächelte Kraft Foods zuletzt operativ und seine Margen begannen, zu erodieren. Daher ist davon auszugehen, dass ein nicht unwesentlicher Teil des Wertschöpfungspotenzials in der neuen KHC aus Synergieeffekten besteht, also Einsparungen.

Die neuen Aktien werden ab dem 6. Juli an der NASDAQ gehandelt und die bisherigen Kraft Foods-Aktionäre erhalten für diese Kraft Heinz-Aktien und eine Extra-Dividende von 10 Milliarden USD in Cash.

Diese Milliarden-Übernahme zeigt einmal mehr, dass Buffett die einfachen Geschäftsmodelle liebt und Unternehmen, deren Produkte die Kunden bei jeder Wirtschaftslage nachfragen werden. Neben Versicherungen und Finanztiteln machen daher Konsumwerte einen nicht unerheblichen Teil seines Portfolios aus.

Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Börsenweisheit der Woche 27/2015

"Die Zeiten des größten Pessimismus sind die besten Zeiten, um zu kaufen und die Zeiten des äußersten Optimismus sind die besten Zeiten, um zu verkaufen."
(Sir John Templeton)

Freitag, 3. Juli 2015

Investor-Update: Apple, H.P.I. Holding, MAX Automation, MBB

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

- Apple
Nachdem ich mit so einigen Geräten Kunde bei Apple bin und durchaus zufrieden, habe ich schon mit mir gerungen, ob ich die Aktien nicht doch noch im Depot behalten sollte. Apple ist inzwischen das wertvollste Unternehmen der Welt, aber es hat seine Innovationskraft eingebüßt. Einziger Wachstumstreiber und Hoffnungsschimmer bleibt das Iphone, das ist zu wenig. Die Apple Watch ist eher enttäuschend und die Erlöse aus dem Apple-Kosmos (iTunes, Apple Stream) zwar stetig, aber eben auch nicht mehr. Nachdem Carl Icahn so laut für einen Kurs von 200 USD trommelt, stutze ich schon - ich denke, er tut dies nicht aus Nächstenliebe, sondern aus knallhartem Eigeninteresse. Er ist ja mittlerweile Großaktionär bei Apple und Kurs schonend könnte er dort nur aussteigen, wenn andere massiv kaufen.

Sei's drum, ich nehme nach gut einem Jahr fast 90 Prozent Rendite mit und suche mir aussichtsreichere Investmentmöglichkeiten.

- H.P.I. Holding
Hier wurde kurzerhand die nächste stark verwässernde Kapitalerhöhung durchgezogen und in Kombination mit dem seit 2 Jahren vor sich hin siechenden Aktienkurs scheint mir die Zeit reif für einen Verkauf. Nachdem ich mit GEA und M.A.X Automation neue attraktive Zugpferde im Bereich Maschinenbau / Beteiligungsunternehmen im Stall habe, fällt mir der Abschied nicht schwer.

Seit meiner Erstempfehlung im Februar 2012 stehen inkl. der erfolgten Dividendenzahlungen gut 50% bisher an Gewinnen zu Buche, also eine Durchschnittsrendite von 15% p.a. Das ist durchaus ansehnlich und daher das Investment für mich keine Enttäuschung. Allerdings erfolgte der größte Kurszuwachs im ersten Jahr und seither herrscht eher Tristesse.

= MAX Automation
Gerade gekauft, schon die erste Dividende eingefahren, satte 3 Prozent (brutto). Dazu noch der Kursanstieg, so dass mich dieses neue Investment von letzter Woche bereits mit mehr als 10 Prozent nach vorne gebracht hat. Damit ist die Performance etwa doppelt so gut wie bei GEA, meinem anderen Schnäppchen-Kauf vom letzten Freitag und Jungheinrich Vz., die beide runde 5% im Plus notieren ggü. dem Freitagmorgen-Kurseinbruch.

- MBB
Heute gab das Research-Haus Oddo Seydler bekannt, dass man das Coverage für die MBB-Aktien einstelle. Das war nicht der Grund für meinen Verkauf, sondern die zuletzt zurückhaltenden Entwicklungsperspektiven. MBB hat extrem profitiert vom Schnäppchen-Zukauf der Claas Feinmechanik und der Aktienkurs hat sich daraufhin toll entwickelt. Es war ein "No-Brainer", man konnte ein Jahr lang gar nicht falsch machen mit der MBB-Aktie. Außer, sie nicht zu haben oder zu verkaufen. Aber seit einiger Zeit passiert nichts mehr, die Investitionen erfolgen in die Töchter, was ich für positiv halte, aber die größte Beteiligung, die MBB Fertigungstechnik, muss Umsatz- und Ergebnisrückgänge verkraften. Und während andere Beteiligungsgesellschaften, wie Aurelius, mutares, Deutsche Beteiligung, Indus usw. fleißig zukaufen, sitzt MBB auf seinem Cash-Polster und tut... nichts. Die Liquidität wirft keine Zinsen ab und ein Teil davon ist sogar in Gold angelegt. Damit tue ich mich ja besonders schwer. Auch hier sehe ich eher begrenztes Entwicklungspotenzial und räume den Titel aus meinem Depot.

Seit meiner Erstempfehlung ging es inkl. Dividendenzahlungen um 131 Prozent nach oben und bei einer Anlagedauer von nicht ganz drei Jahren ergibt sich eine Jahresrendite von 48 Prozent.

.: Cashquote
Durch die Verkäufe ist meine Cashquote weiter angestiegen, aber ich werde ja nächste Woche einen nicht unerheblichen Teil davon in die neuen WCM-Aktien aus der Kapitalerhöhung stecken, wenn ich meine Bezugsrechte ausübe. Und angesichts des nächsten Akts im Griechen-Drama, sog. Volksabstimmung, dürfte eine etwas erhöhte Liquidität ja nicht schaden. Sollten die Griechen mit "Nein" stimmen beim Referendum am Sonntag, dürfte es kurzfristig am Montag nochmals zu erfreulich günstigen Kaufkursen kommen. Und sollten die Griechen "ja" sagen, dann mache ich mich eben wieder nach bewährtem Muster auf die Suche nach lukrativen Investitionsmöglichkeiten. Die Börse bietet immer Chancen. Immer!

Erpressung auf Griechisch

Quelle: handelsblatt.com
So sieht es aus, das Titelblatt der heutigen Print-Ausgabe des Handelsblatts. Schauen wir mal, wie Griechenland sich am Sonntag beim Referendum entscheidet. Aus meiner Sicht führt kein Weg am Sparen vorbei, um wieder auf die Füße zu kommen. Zumal die Sparbemühungen mit dem Abbau von Korruption, Steuerhinterziehung und Steuervermeidung einhergehen sollen und von der EU sowie den Euro-Staaten mit Milliarden unterstützt würden. Und zwar nicht nur als Finanzhilfen, sondern auch durch flankierende Investitionen in Griechenland, was dringend benötigte Euros ins Land brächte und Arbeitsplätze sowie Wirtschaftswachstum. Aber die Griechen mögen die Aussichten ganz anders bewerten - und die leeren Geldautomaten als vorübergehende Unpässlichkeit. Klar ist, egal wie das Referendum ausgeht, am Montag ist nicht das Ende, sondern nur der Anfang des nächsten Akts im Griechen-Drama.. Gerne demnächst auch wieder ohne den Linksradikalen Alexis Tsipras...

Erneute Kapitalverwässerung bei der H.P.I. Holding

Seit zwei Jahren ist der Aktienkurs der mittelständischen Beteiligungsgesellschaft H.P.I Holding ein einziges Trauerspiel und kommt einfach nicht vom Fleck. Nachdem sich das Unternehmen bereits im August 2013 frisches Geld besorgt hatte, hat nun eine weitere Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts der Altaktionäre stattgefunden. Der Anteil der Altaktionäre an ihrem Unternehmen wird also nochmals verwässert, und zwar erheblich. Beim letzten Mal wurden 5,2 Mio neue Aktien ausgegeben, dieses Mal sind es weitere 2,08 Mio. Setzt man diese beiden Kapitalerhöhungen ins Verhältnis zu den ursprünglichen 15,6 Mio Aktien, ergibt sich eine um rund 47% höhere Aktienanzahl und die Anteile der Altaktionäre wurden um fast ein Drittel verwässert.

Fluch und Segen von Kapitalerhöhungen
Nun sind Kapitalerhöhungen ja nicht per se unerfreulich, denn sie stärken einerseits das Eigenkapital des Unternehmens und erhöhen somit seine Bonität und senken dem entsprechend ggf. seine Zinkosten bei der Fremdfinanzierung über Kredite oder Anleihen. Und andererseits kommt es entscheidend darauf an, wofür die frischen Gelder verwendet werden sollen.

Zukäufe im Visier
Im August 2013 wurde frisches Geld benötigt, um Zukäufe zu tätigen und damals ging es um konkrete Vorhaben. Ein paar kleinere Ad-on-Zukäufe für die wichtigste Beteiligung, die Berger-Gruppe und dann ein neues zweites Standbein neben der Fassring-Produktion: die HMS Hans Sauermann GmbH & Co. KG.

Nach der wenig erfolgreichen Episode mit der Beteiligung Zimmer & Kreim, die zuletzt operativ Verluste bescherte und dann auch noch aufgrund Erfolglosigkeit nachträglich den Verkaufspreis abschmelzen ließ und so zu einem unerfreulich negativen Jahresergebnis führte, sollte die HMS ein solides neues Geschäftsfeld erschließen. Denn als europäischer Marktführer in der Spannringbranche ist Berger hier am Wachstumsende angelangt. Doch bei HMS läuft es noch nicht rund, die letzten Zahlen haben das Dilemma schonungslos aufgedeckt. Bisher war der Zukauf noch kein Gewinn und enttäuscht.

Und jetzt also wieder eine neue Kapitalerhöhung und die Altaktionäre müssen darauf hoffen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Das zweite Halbjahr ist gerade angebrochen und H.P.I. konnte noch immer keinen Vollzug vermelden bei einer Akquisition für die Berger-Gruppe die bereits Ende 2014 "kurz vor dem Abschluss" stand, wie das Unternehmen berichtet hatte. Das lässt Zweifel am Management aufkommen und in der Verkündung der Kapitalerhöhung von heute heißt es lapidar, der Mittelzufluss solle für den Ausbau des Beteiligungsportfolios verwendet werden.

Streichung von meiner Empfehlungsliste
Leute, das ist zu wenig! Seit 2 Jahren kommt der Aktienkurs nicht vom Fleck, weil das Unternehmen nicht vorwärts kommt. Die Dividende stagniert, die Gewinne sind rückläufig, die vollmundig immer wieder angekündigten Akquisitionen lassen auf sich warten oder erweisen sich, freundlich formuliert, als "ambitionierte Herausforderungen". Mag sein, dass die H.P.I. Holding irgendwann mal die Kurve kriegt, aber dem Vorstand ist es seit einiger Zeit nicht (mehr) gelungen, zu überzeugen. Ich überlege daher, das schön langweilige Beteiligungsdornröschen von meiner Empfehlungsliste streichen. Seit meiner Erstempfehlung im Februar 2012 stehen inkl. der erfolgten Dividendenzahlungen bisher gut 50% an Gewinnen zu Buche, also eine Durchschnittsrendite von 15% p.a. Das ist durchaus ansehnlich und daher das Investment für mich keine Enttäuschung. Allerdings erfolgte der größte Kurszuwachs im ersten Jahr und seither herrscht für Aktionäre eher Tristesse. Ende August steht die Hauptversammlung an, die werde ich noch abwarten, bevor ich über das Investment entscheide.

Mittwoch, 1. Juli 2015

Andere Ansichten: Bilanz-Schnäppchen und Cigar-Butts

Das "Preis und Wert Aktienblog" hat sich Benjamin Grahams Standardwerk "The Intelligent Investor" vorgenommen und insbesondere die in Kapital 15 beschriebene "Resteverwertung" unter die Lupe genommen. Der von Graham als "Cigar Butts", also Zigarrenstummel, beschriebene Ansatz versucht, rein aus bilanzieller Sicht deutliche Unterbewertungen in hässlichen, unbeachteten Aktien aufzuspüren und diese mit erheblichen Abschlag auf den Buchwert aufzuspüren, also zügig eine untere Schwelle für den Wert einer Aktie zu erhalten. Ob und in welchen Fällen diese "Bilanz-Schnäppchen eine fast sichere Sache" sind und für eine kurze Spekulation taugen, wird anschaulich dargestellt und auch die Schwierigkeiten beleuchtet, die diese Strategie mit sich bringt.

Andere Ansichten: Missverständnisse bei der Buy&Hold Strategie

Das Blog "smart-reich-werden.de" räumt mit zwei Missverständnissen bei der Buy&Hold-Strategie auf. Nach einer kurzweiligen Zusammenfassung der Strategie wird erläutert, dass es sich nicht um einen Ansatz handele, irgendwelchen "Mist zu kaufen", und dass es auch keine Rechtfertigung dafür sei, einfach "Mist zu behalten". Denn auch beim langfristigen Investieren in Aktien komme es ganz entscheidend darauf an, die richtigen Aktien auszuwählen und nur die guten Unternehmen im Depot zu behalten, insbesondere bei Kurseinbrüchen.

Und wie jeder Investmentansatz benötige auch Buy&Hold eine Exit-Strategie zum richtigen Ausstieg aus den Investments. Bu&Hold dürfe keinesfalls als Ausrede benutzt werden, um eigene (Fehl-) Entscheidungen zu rechtfertigen oder zu begründen.