Montag, 11. Januar 2016

Börsenweisheit der Woche 02/2016

"Je mehr die Theorie der effizienten Märkte geglaubt wird, umso weniger effizient werden die Märkte."
(George Soros)

Donnerstag, 7. Januar 2016

Ölpreis im Sturzflug - Blackstone steigt jetzt antizyklisch ein. Und Du?

Während die Kurse taumeln, folgen die Anleger der Masse und verkaufen. Wie die Lemminge. Dabei ist allen bewusst, dass an der Börse antizyklisches Handeln die großen Gewinne bringt. Nur bei der Umsetzung, da hapert es dann.

Dass es anders geht, beweisen seit Jahrzehnten die erfolgreichsten Investoren rund um den Globus, wie Warren Buffett, Charlie Munger, John Paulson und... Stephen A. Schwarzman. Der Gründer und Chef des Finanzinvestors Blackstone Group L.P. kauft, wenn andere verkaufen. Und wurde so zu Multi-Milliardär. So kaufte Blackstone zum Hochpunkt der Finanzkrise den strauchelnden Banken Hausfinanzierungen ab und wurde so zum größten Immobilienbesitzer der USA. Und aus diesen Geschäften resultieren noch heute erhebliche Gewinne, die die üppigen Quartalsdividenden speisen, die Blackstone regelmäßig an seine Aktionäre auskehrt.

Es bot sich eine (fast) einmalige Chance, als die Banken strauchelten, die Börsen crashten und die Immobilienpreise ins Bodenlose abstürzten. Und mit ihnen die Kurse der verbrieften Finanzierungen. Im Rückblick sind viele Anleger der Meinung, man hätte damals zugreifen müssen, weil ja "klar" gewesen sei, dass sich das Finanzsystem, die Banken, die Aktienkurse wieder erholen würden. Nun, im Rückblick sind wir alle schlauer. Und mutiger.

 Ölpreis, WTI (Quelle: comdirect.de)
Genau diesen Mut, den haben einige Wenige aufgebracht, damals und zuvor schon und heute wieder. Denn auch heute blickt eine ganze Branche und mit ihr ganze Länder in den Abgrund. Ich spreche von den Rohstoffen und hier insbesondere von Öl und Gas. Denn der Preis für das "schwarze Gold" ist eingebrochen. Zunächst bereits Ende 2014, als er sich halbierte, doch die Stabilisierungsversuche über das vergangene Jahr hinweg waren nur ein Luftholen auf dem weiteren Weg nach unten. Die Prognose der Investmentbank Goldman Sachs, Öl könne noch auf 20 USD fallen, bevor es wieder aufwärts gehe, war bei Kursen von 45 USD noch eine weit entfernte Möglichkeit. Doch nun bei Kursen von 33 USD eine ins Kalkül zu ziehende Realität.

Und dieser Preisverfall kommt nicht von ungefähr, sondern ist durchaus nachvollziehbar. Denn die Welt hat sich verändert, in den USA boomt(e) die Fracking-Industrie und erschloss große Mengen an Schiefergas- und Ölvorkommen, so dass die USA von einem Öl- und Gasimporteur zu einem Exporteur werden. Das reduzierte nicht nur die globale Nachfrage nach dem Öl der OPEC, aus der Nordsee und aus Russland, sondern führt auch zu ganz neuen Machtverhältnissen. Denn die OPEC, allen voran Saudi-Arabien, reagiert nicht wie in früheren Zeiten und senkt als größter Ölförderer der Welt ihren Output. Nein, Saudi-Arabien behält seine Förderquoten bei und nimmt den Preisverfall billigend in Kauf. Hintergrund ist, dass die US-Frackingindustrie zu viel höheren Kosten fördert, als die Saudis. Ende 2014 lagen die Förderkosten bei rund 75 USD, während die Saudis für unter 10 USD das Öl aus dem Wüstensand pumpen können. Das Kalkül der Saudis war also, dass ein stark sinkender Ölpreis der neuen amerikanischen Konkurrenz ganz schnell das Licht ausblasen dürfte, so dass sich der Ölpreis wieder erholen würde. Man wollte nicht wie in früheren Zeiten einseitig die eigene Produktion runter fahren und so der Konkurrenz zu höheren Einnahmen verhelfen.

Nun, der Schuss ging - bisher - voll nach hinten los. Denn die Fracker schafften das schier Unmögliche und konnten ihre Kosten drastisch senken. So fördern viele inzwischen zu deutlich unter 40 USD und das Ergebnis ist, dass die Lager weltweit überquellen von Rohöl und so gut wie jeder zuvor ausgemusterte Öltanker als Ölspeicher reaktiviert wurde. Dazu kommt noch, dass bisherige Ölförderländer, die nicht produzierten oder nicht auf dem Weltmarkt verkaufen konnten, jetzt wieder ihr Öl anbieten. Die kriegsgeschüttelten Irak und Lybien, der Iran und auch Russland fördert so viel Öl wie seit Ende der Sowjetunion nicht mehr. Denn diese Länder sind sehr einseitig auf Ölverkäufe ausgerichtet und ihre Staatshaushalte geraten wegen der gefallenen Ölpreise stark ins Wanken. Nicht nur Venezuela, auch Russland und Saudi-Arabien müssen drastisch sparen und brauchen ihre Währungsreserven in atemberaubender Schnelligkeit auf.


"Sei vorsichtig bei Fremdfinanzierung, sie kann dich in Bedrängnis bringen."
(Walter Schloss)


Und die Fracker? Nun, die aktiven Bohrungen in den USA gehen zurück. Die Förderung hingegen nur marginal, denn neue Methoden lassen aus den selben Bohrlöchern länger und mehr Öl (und Gas) strömen. Was die Kosten senkt, denn das Bohren ist das teuerste, danach sind die Betriebskosten relativ gering. Und was Personal, Lizenzen, Rechte, Equipment angeht, so sind die Preise im letzten Jahr massiv gesunken und ermöglichen immer günstigere Förderkosten. Allerdings gibt es einen weiteren hohen Kostenblock, der bisher noch wenig flexibel war: die Zinslast. Denn die meisten US-Fracker sind über beide Ohren fremdfinanziert, was bei niedrigen Zinssätzen erst einmal nicht unvernünftig klingt. Allerdings bekamen und bekommen diese hoch risikobehafteten Unternehmen natürlich keine Zinssätze wie bei einem grundbuchlich abgesicherten Hausdarlehen, sondern müssen zweistellige Zinssätze akzeptieren.

 Blackstone Group (Quelle: comdirect.de)
Und hier schließt sich der Kreis zu Stephen A Schwarzman, seiner Blackstone Group und dem antizyklischen Investieren in "einmalige" Chancen hinein. Denn viele der Kredite und Anleihen der Frackingindustrie laufen aus und sie sind zumeist an den Öl- und Gaspreis gekoppelt, der als Sicherheit dienen soll. Aufgrund des massiven Einbruchs werden viele Frackingunternehmen Probleme haben, Anschlussfinanzierungen zu erhalten. Und die Segel streichen müssen. Was in den USA heißt, dass sie zunächst das Insolvenzverfahren nach Chapter 11 durchlaufen, bei dem sie ggf. ihre Schuldenlast abwerfen können. Sofern die Gläubiger zustimmen. Doch es geht um zweistellige Milliardenbeträge, die dann teilweise abgeschrieben werden müssen, daher ist das kein Selbstgänger. Einige Banken, gerade kleinere im Süden der USA, könnten hier selbst (wieder) in ernste Probleme kommen. Und so schlägt die Stunde der "alternativen Finanzierer", wie Blackstone, KKR und auch vielen Business Development Companies (BDCs), die gegen hohe Zinsen bereit sind, sich hier zu engagieren.


"Das Geheimnis der Spekulation: kaufe, wenn das Blut auf den Straßen fließt."
(Nathan Mayer Rothschild)


Die Panik grassiert und das Geld flieht aus dem Sektor. Und daher bieten sich für mutige Spekulanten außergewöhnliche Gelegenheiten, günstig einzusteigen. Die Unternehmen, die händeringend auf der Suche nach frischem Geld sind, akzeptieren auch schlechtere Bedingungen. Die Investoren erhalten höhere Beteiligungen an den Unternehmen, deren Förderung und/oder höhere Zinssätze, als es bei einer "normalen" Marktlage der Fall wäre. Und das wird sich unter Umständen für die Investoren enorm auszahlen, jedenfalls wenn sie einen langen Atem haben und nicht darauf angewiesen sind, dass sich die Ölpreise innerhalb von einem oder zwei Jahren wieder auf 50 USD oder mehr erholen.

Und gerade Blackstone ist hier in der wohl aussichtsreichsten Position, die Grundlage für die Gewinne - und hohen Dividendenausschüttungen - von morgen zu legen. Denn Blackstone ist bisher dem Sektor ferngeblieben und ist daher unbeschadet durch den bisherigen Krisenverlauf gekommen. Zum Ende des letzten Geschäftsquartals saß man auf 85 Milliarden USD an liquiden Mitteln, die nach lukrativen Investitionsmöglichkeiten suchen. Und insbesondere für Investitionen in den Öl- und Gassektor hatte man bereits vor mehr als einem Jahr rund 16 Milliarden USD in Energie-Spezialfonds eingesammelt, die bisher noch nicht investiert worden sind. Blackstone hat das Geld und nun auch die Gelegenheit.


"Sei gierig, wenn andere ängstlich sind und sei ängstlich, wenn andere gierig sind."
(Warren Buffett)


Und so kommt die Meldung, dass Blackstones Finanzierumgsarm GSO Capital Partners eine Partnerschaft mit Rivington Securities eingegangen ist, einem Startschuss gleich. Denn die in Houston, Texas beheimatete Rivingston ist ein Kredit-Makler für die US-Downstream-Energiebranche, also die fördernden Unternehmen. Rivingston kennt die Firmen, die Geld benötigen aus dem Effeff, während Blackstone über das entsprechende Geld verfügt. Und die Partnerschaft mit Rivingston dürfte nur der Anfang gewesen sein und noch weitere Partnerschaften bevorstehen.

Im Schnitt realisiert Blackstone etwa nach 5 Jahren seine Gewinne, bisweilen dauert es auch etwas länger. Sollte Blackstone hier ein ähnlich gutes Näschen haben, wie seinerzeit bei der Finanzkrise, winken enorme Gewinne für die Investoren. Dabei ist es nicht einmal erforderlich, dass der Ölpreis wieder auf 100 USD steigt. Da Blackstone zu heutigen Bedingungen einsteigt, wird auch schon ein Ölpreis von 40 USD satte Gewinne abwerfen - und nicht zu vergessen: in der Zwischenzeit kassiert Blackstone hohe Zinseinnahmen sowie Managementgebühren für seine Fonds. Und diese Einnahmen kommen den Blackstone-Aktionären in Form satter Quartalsdividenden zugute, bevor auch nur die erste Darlehensrückzahlung ansteht. Und was der Ölpreis macht in den nächsten Jahren? Wir werden sehen. Vor anderthalb Jahren sah niemand einen massiven Ölpreisverfall voraus, die Prognosen bewegten sich eher Richtung 200 als Richtung 50 USD. Dabei ist die weltweite Nachfrage in etwa auf dem gleichen Niveau wie damals und die weltweite Förderung nur leicht höher. Der Ölpreis ist vor allem durch Spekulation getrieben, weniger durch realwirtschaftliches Angebot und Nachfrage. Und wenn man die Spannungen zwischen Iran und Saudi-Arabien betrachtet, kann sich hier schnell einiges ändern. Denn sollte die Ölförderung der Saudis und damit des größten Ölproduzenten der Welt in Gefahr geraten oder gar ausfallen, würde der Ölpreis raketengleich abgehen.


"Wenn man billig einkauft, muss man Geduld mitbringen und abwarten, bis der Markt einem zustimmt."
(Joel Greenblatt)


Doch darauf setze ich nicht. Ich setze auf Blackstones guten Riecher für außergewöhnliche Chancen und ihr gutes Gespür für lukrative Geschäfte. Blackstone positioniert sich nahe am Tiefpunkt in einer krisengeschüttelten Industrie und dürfte auf mittlere Sicht zu den ganz großen Profiteuren gehören. An der Börse wird gerade der Blues gespielt und das ist für Aktienkäufer zumeist der ideale Zeitpunkt, um einzusteigen. Antizyklisch eben. Mutig. Ich habe daher gestern weitere Aktien von Blackstone nachgekauft und halte den Finanzinvestor weiterhin für einen der langfristig aussichtsreichsten Werte auf meiner Empfehlungsliste.

Dienstag, 5. Januar 2016

Weshalb Microsoft gestern, heute und morgen ein Kauf ist...

Die Aktien des Tech-Giganten Microsoft habe ich erstmals im Oktober 2012 als verkanntes Value-Investment gekauft. Das ist es heute nicht mehr. Verkannt. Ein Value-Investment hingegen schon. Der seit gut einem Jahr amtierende neue CEO Satya Nadella hat es geschafft, die Unternehmenskultur komplett zu verändern, verkruste Strukturen aufzubrechen und das Elfenbeimturmdenken zugunsten eines kooperativen Ansatzes zu verändern. Microsoft schottet sich und seine Produkte nicht vor konkurrierenden Systemen ab, sondern nutzt diese inzwischen als Plattform, um seine Produkte auf breiterer Basis zu vertreiben. Und es ist - endlich!!! - im Internet angekommen und spielt ganz vorne mit beim Megatrend Cloud-Computing. Konsequent nach Nadellas Firmenphilosophie: "mobile first, cloud first". Smart!

Dabei scheut sich Nadella auch nicht, Fehlentwicklungen konsequent entgegenzuwirken. So hat er vor einiger Zeit das noch unter seinem Vorgänger Steve Ballmer zugekaufte Nokia-Handygeschäft gnadenlos zusammengestrichen und eine große Anzahl von Mitarbeitern vor die Tür gesetzt. Und dafür Microsofts höchsten Quartalsverlust aller Zeiten in Kauf genommen. Tough!

Montag, 4. Januar 2016

Börsenweisheit der Woche 01/2016

"Wenn Sie schon sonst nichts über Kurs-Gewinn-Verhältnisse wissen, dann sollten Sie wissen, dass Sie Aktien mit hohen KGVs meiden sollten. Ein Unternehmen mit hohem KGV braucht ein unglaubliches Gewinnwachstum, um den hohen Preis zu rechtfertigen."
(Peter Lynch)

Samstag, 2. Januar 2016

2016 werden wir neue Höchststände sehen. Und dann?

Von 9.764 auf 10.743 Punkte bzw. um 9,56 Prozent legte der DAX in 2015 zu und stieg damit das vierte Jahr in Folge. Doch der Jahresverlauf war alles andere als linear, es war eine wahre Achterbahnfahrt, denn Mitte April waren es sogar schon einmal 1.500 Punkte mehr gewesen, als der DAX sein neues Allzeithoch bei 12.390,75 Punkten erreichte.

Als ich im letztes Jahr schrieb "2015 können die Aktienkurse nicht weiter steigen. Oder doch?" deutet sich bereits meine Skepsis an und doch kam ich letzten Endes zu einem insgesamt positiven Jahresausblick. Und die ersten Wochen des neuen Jahres gaben mir Recht, die Aktienkurse explodierten geradezu, der Ölpreis gab ebenso weiter nach wie der Euro gegenüber dem Dollar. Eine perfekte Anlegerwelt. Fast.

Mittwoch, 30. Dezember 2015

2015 war das Seuchenjahr des Warren Buffett

Star-Investor Warren Buffett schlägt mit der Aktienkursentwicklung seiner Beteiligungsholding Berkshire Hathaway regelmäßig den S&P 500 Index, doch in diesem Jahr liegt er ziemlich weit hinten. Und das, wo er sein 50. Jubiläum feiert als Chef von Berkshire Hathaway und auf eine durchschnittliche Aktienkursentwicklung von annähernd 20 Prozent blicken kann. Jahr für Jahr, wohlgemerkt.

Doch bereits nach dem zweiten Quartal zeichnete sich ab, dass es in diesem Jahr nicht einfach werden würde für Buffett. Denn einige seiner größten Aktienpositionen im Depot erwiesen sich Flops und das konnten die übrigen Werte nicht ausgleichen.

Unternehmen               Anteil per 30.09.      Kurs am 02.01.      Kurs am 31.12.    Veränderung
Wells Fargo                     18,95 %                  54,70 $                   55,00 $          +   0,05 %
Kraft Heinz Co. *)                     18,03 %                  72,96 $                  74,03 $          +   1,47 %
Coca Cola                     12,59 %                  42,14 $                  43,59 $          +   3,44 %
IBM                       9,22 %                162,06 $                139,93 $          -  13,66 %
American Express                       8,82 %                  93,02 $                  70,61 $          -  24,09 %
Phillips 66                       3,70 %                  72,29 $                  82,81 $          + 14,55 %
Procter & Gamble                       2,98 %                  90,44 $                  80,36 $           - 11,14 %
Walmart                       2,85 %                  85,90 $                  61,70 $           - 28,17 %
*) notiert erst seit 06.07.2015 an der Börse

 Berkshire Hathaway (Quelle: comdirect.de) 
Und so liegt denn die Aktienkursentwicklung von Berkshire Hathaway rund 11 Prozent hinter der Performance des S&P 500 und mit 10,47 Prozent sogar absolut betrachtet deutlich im Minus auf Jahressicht. Allerdings sollte man Buffett noch nicht abschreiben, denn zu seinen Beteiligungen gehören auch viele nicht börsennotierte Unternehmen, wie die Versicherung Geico, der Rückversicherer BH Re, die Eisenbahn BNSF oder der Energieversorger BH Energy (ehemals MidAmerican Energy). Hinzu kommen noch Preferred Stocks bzw. Wandelanleihen im Wert zweistelliger Milliardenbeträge bei Dow Chemical und der Bank of America.

Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste. Sie ist wie ein Indexfonds von Werten mit herausragender Marktstellung und daher sollte die Aktie in keinem langfristig orientierten Depot fehlen.

Bing: Wird Microsofts vergessenes Business zur Cash-Cow?

Der Softwaregigant Microsoft ist bekannt für sein Windows-Betriebssystem, seine Office-Bürosoftware und seine Spielekonsole X-Box. Und natürlich seit der NOKIA-Übernahme auch noch für seine Handysparte mit den Lumia-Geräten. Daneben betreibt man noch etwas namens "bing", das niemand wirklich auf der Rechnung hat, dank seiner chronischen Erfolglosigkeit. Ein Suchmaschinen-David, der gegen Goliath Google niemals bestehen kann. Und doch...

Es war ein verzweifelter Versuch Microsofts, verloren gegangenen Boden gutzumachen, als man seine Suchmaschine bing 2009 zunächst als Beta-Version an den Markt brachte. Denn man hatte der Trend hin zum Internet völlig verschlafen und wollte hier Google den Milliardenmarkt der Online-Anzeigen nicht kampflos überlassen. Technisch war bing von Anfang an annähernd auf Augenhöhe, doch selbst die Kooperation mit Yahoo, die ihren eigenen Algorithmus zugunsten von bing aufgaben (und das natürlich für einen großen monatlichen Scheck von Microsoft), konnte Googles Dominanz kaum ankratzen. Im Jahr 2011 verbrannte bing pro Quartal 1 Milliarde Dollar! Inzwischen hat der chronisch erfolglose Internet-Dinosaurier Yahoo sich in Googles Arme geflüchtet und spätestens hier schien klar zu sein, dass Microsoft einen weiteren Kampf mit den übrigen Techgiganten verloren hatte...

Montag, 28. Dezember 2015

Börsenweisheit der Woche 52/2015

"John Maynard Keynes hat im Grunde gesagt: 'Versuche nicht herauszufinden, was der Markt tut. Such Dir ein Unternehmen heraus, das Du verstehst, und konzentriere Dich darauf'."
(Warren Buffett)

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Investor-Update: Burberry, KCAP, Main Street Capital, Suncor, TICC

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Doch noch eine Weihnachtsrallye...
Fast schon ein klassisches Börsenmuster: bis Mitte Dezember eher fallende Kurse, dann die Trendwende hin zur Jahresendrallye. Naja, Weihnachtsrallye, das Jahr ist ja noch nicht vorbei und wir haben noch drei Handelstage in diesem stimmungs- und schwankungsanfälligen Jahr 2015. Ich habe mich zu Weihnachten mit ein paar neuen Unternehmen beschenkt und musste mich auch von einem trennen, bei dem ich die Risiken nicht ausreichend gewürdigt, sondern zu sehr auf die Chancen geschaut hatte. Und den Preis dafür bezahlen muss(te).

Mittwoch, 23. Dezember 2015

MAX Automation: altmayerBTD-Verkauf endlich geglückt

Die im Hightech-Maschinenbau tätige Beteiligungsholding M.A.X. Automation kann heute die Beendigung ihrer Fokussierung auf ihr Kerngeschäft bekanntgeben. So wurden Vereinbarungen für den Verkauf der operativen Geschäfte der Gruppengesellschaft altmayerBTD GmbH & Co. KG geschlossen, bei denen sowohl der Betriebsteil BTD (Behältertechnik) als auch der Betriebsteil altmayer (Anlagenhersteller für Schüttgüter) im Rahmen von Asset Deals durch zwei Management Buy Out's (MBOs) mit wirtschaftlicher Wirkung zum 31. Dezember 2015 veräußert werden.

Mit diesen beiden Transaktionen schließt die M.A.X. Automation die vor rund zwei Jahren begonnene Fokussierung auf ihre Kernbereiche Industrieautomation und Umwelttechnik ab. 

Käufer für BTD mit Sitz in Dettenhausen nahe Stuttgart ist die BTD Behälter- und Speichertechnik Dettenhausen GmbH, die vollständig dem bisherigen Vorsitzenden der Geschäftsleitung von altmayerBTD, Udo Weinert, zuzurechnen ist. Der Kaufpreis bewegt sich im mittleren einstelligen Millionenbereich. Die Betriebsimmobilie in Dettenhausen wird an den Käufer vermietet, der eine Kaufoption für den betriebsnotwendigen Teil hat.

Die Aktivitäten von altmayer mit Sitz im saarländischen Rehlingen werden an eine Erwerbsgesellschaft veräußert, deren Gesellschafter der altmayer-Geschäftsführer Andreas Weber, einige Mitarbeiter und ein Privatinvestor sind. Der Kaufpreis liegt im unteren einstelligen Millionenbereich. Der Vollzug dieser Transaktion wird nach Erfüllung aller vertraglichen Bedingungen bis Ende Januar 2016 erwartet.

Die Verkäufe der beiden Betriebsteile werden im Konzernabschluss 2015 zu einem Veräußerungsverlust führen. Dem steht eine stille Reserve aus der im Vermögen der MAX Automation verbleibenden Immobilie in Dettenhausen gegenüber. Ungeachtet des Veräußerungsverlustes bestätigt der Vorstand die Prognose für das Gesamtjahr 2015 und geht unverändert von einem Konzern-EBIT zwischen 20 und 22 Mio. EUR aus.

Durch die Veräußerung wird sich die MAX Automation künftig voll auf ihre neuen Bereiche Industrieautomation und Umwelttechnik konzentrieren, wie seit dem Einstieg der Günther-Gruppe als neuem Großaktionär vor rund zwei Jahren als strategisches Ziel vorgegeben.

Deutsche Beteiligungs AG gelingt Millionen-Exit

Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) hat die Spheros-Gruppe, einen Hersteller von Klimasystemen für Busse, an den börsennotierten französischen Automobilzulieferer Valeo verkauft. Diese übernimmt sämtliche Anteile, die von der DBAG direkt gehaltenen werden und darüber hinaus auch die des von der DBAG verwalteten DBAG Fund V, weiterer Co-Investoren sowie des Spheros-Managements. Der Vollzug der unterzeichneten Kaufverträge steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden.

Die DBAG hatte die Spheros-Gruppe im Dezember 2011 erworben und erzielt mit dem jetzt vereinbarten Veräußerungserlös mehr als das Doppelte des ursprünglichen Investments in Höhe von 13,9 Mio. EUR. Der Veräußerungserlös übersteigt den Wertansatz der Beteiligung im jüngsten Konzernabschluss der DBAG nach IFRS (30. September 2015) und  führt deshalb im IFRS-Zwischenabschluss der DBAG für das erste Quartal 2015/2016 (31. Dezember 2015) zu einem Ergebnisbeitrag von bis zu 4 Mio. EUR. Da allerdings in der Bilanz der DBAG nach dem deutschen HGB alle Beteiligungen mit ihren jeweiligen ursprünglichen Anschaffungskosten bewertet sind, ergibt sich nach HGB ein Veräußerungsgewinn zwischen 15 und 18 Mio EUR.

>>> zur Meldung

Dienstag, 22. Dezember 2015

TICC Capital: Aktionäre lassen BSP-Deal durchfallen

Das TICC-Board möchte den externen Manager der BDC (Business Development Company) wechseln und war sich bereits mit einem Anbieter einig, mit Benefit Street Partners (BSP). So sollen die bestehenden Assets aus CLOs und "Syndicated Loans" abgewickelt werden und im Anschluss auf "Private Debts" gesetzt werden. Doch immer mehr Aktionäre hinterfragten diesen Deal kritisch und sind der Meinung, es wäre lediglich der beste Deal für die Board-Mitglieder, nicht aber für die Aktionäre. Und so gab es Gegenvorschläge und sogar gerichtliche Auseinandersetzungen über die Zukunft von TICC.

Heute fand nun die lange erwartete außerordentliche Hauptversammlung statt, auf der die Entscheidung fallen sollte. Und die Mehrheit sprach sich für die Annahme des BSP-Angebots aus, aber es waren nicht genug Stimmen, um die Zweidrittel-Hürde zu überspringen, die hier nötig gewesen wäre. Der Deal mit BSP ist damit gescheitert.

Da auch die alternativen Angebote keine Mehrheit finden würden, dürfte es nun darauf hinauslaufen, dass eine Investmentbank damit beauftragt wird, die Alternativen und darauf basierend den besten Deal für die TICC-Aktionäre auszuloten - genau so, wie bereits von mehreren großen TICC-Aktionären im Vorfeld dieser außerordentlichen Hauptversammlung gefordert wurde.

Unter dem Strich bleibt jedenfalls die Erkenntnis, dass sich das TICC-Board aus reinem Eigennutz über alle Bedenken hinweggesetzt hat, um das für sich Beste herauszuschlagen. Und damit kolossal gescheitert ist! Die weitere Entwicklung dürfte spannend bleiben - man kann jedenfalls davon ausgehen, dass die nächsten Angebote mehr Wert für die TICC-Aktionäre bieten werden. Ob TICC Capital Corp. eine eigenständige BDC bleiben, oder ob sie fusioniert bzw. einfach übernommen wird, bleibt abzuwarten. Bis dahin "trösten" sich die Aktionäre mit der üppigen Quartalsdividende von 0,29 USD. Bei einem aktuellen Börsenkurs von 5,35 EUR und einem EUD/USD-Verhältnis von 1,09 ergibt dies eine annualisierte Dividendenrendite von satten 19,9 Prozent. Allerdings dürfte die Dividende von 0,29 USD je Quartal nicht mehr lange auf diesem hohen Niveau verbleiben können, denn auch bei TICC - wie anderen BDCs - dürften einige Assets niedriger bewertet werden müssen, was dem Engagement in der US-Fracking-Industrie geschuldet ist.

>>> zur Meldung

Beteiligungsgesellschaften: Die Perlentaucher des deutschen Mittelstands

Ziemlich genau drei Jahre ist es her, dass ich hier darüber schrieb, welche Potenziale deutsche Beteiligungsgesellschaften bergen. Zeit für ein Resümee und eine Überarbeitung.

Anlass war seinerzeit, dass der mir persönliche bekannte damalige DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann eine Studie seines Hauses vorgelegt hatte, wonach 56 Prozent der Existenzgründer Schwierigkeiten hätten, die Finanzierung einer Betriebsübernahme zu stemmen. Das hat(te) insofern besorgniserregende Auswirkungen, als dass auch heute noch 40.000 deutsche Unternehmen auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger sind, der das Unternehmen fortzuführen bereit ist.

Und ironischerweise betraf dies kürzlich auch das Elmshorner Unternehmen Kölln-Flocken, deren Geschicke Hans Heinrich Driftmann Jahrzehnte lang als Geschäftsführender Gesellschafter gelenkt hat und nun an die Spitze des Aufsichtsrates wechselt*). Auch die Kölln-Werke, bekannt für ihre hervorragenden Frühstücksmüslis, Livio- und Mazola-Öl, haben sich mit dem ehemaligen schleswig-holsteinischen Umwelt- und Landwirtschaftsminister Dr. Christian von Boetticher nun erstmals einen externen Manager ins Boot holen müssen. Allerdings bleibt die Familie Kölln/Driftmann Eigentümer des Unternehmens.

Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und stellt rund 90 Prozent aller Arbeitsplätze, weshalb ungesicherte Unternehmensnachfolgen nicht nur für den jeweiligen Betrieb alleine ein Problem darstellen, sondern auch für die Mitarbeiter und unsere Volkswirtschaft als Ganzes.

Doch was des einen Leid, ist des anderen Freud oder hier eher die Chance. Denn für Beteiligungsunternehmen ist es eine große Chance, ein schier unendlicher Markt, um ihre Aktivitäten zu entfalten. Das hat auch Warren Buffett erkannt, als er mit seiner Beteiligungsholding Berkshire Hathaway Anfang des Jahres für 400 Mio. USD den Hamburger Produzenten für Motorradzubehör Detlev Louis übernahm. Die Summe ist für Buffetts Verhältnisse eher bescheiden, kauft er doch gerade für 37 Mrd. USD den Luftfahrtzulieferer Precision Castparts. Doch der Louis-Deal stellt für ihn eine Art Türöffner dar: "Wir haben den Code für Deutschland geknackt", sagte er.

Nun, Buffett kommt nach Deutschland, um sich hier nach interessanten Übernahmemöglichkeiten umzusehen. Und viele deutsche Unternehmen sind schon da und ebenfalls auf der Suche nach den schönsten Perlen des deutschen Mittelstands. Die sind zumeist nicht billig zu haben, sondern erfordern heutzutage erhebliche Anstrengungen, um mit ihnen einen Mehrwert zu erzielen. Vor einigen Jahren reichte es noch aus, ein Unternehmen zu kaufen und auf einen allgemeinen Aufschwung des Marktes zu setzen, um mit Profit wieder aussteigen zu können. Doch heute sind die Anforderungen gewachsen und nicht selten müssen die Beteiligungsgesellschaften ihre neuen Töchter erst noch aufwändig hochpäppeln, um ihre Potenziale zu bergen. Durch Add-on-Käufe, durch Sanierungen und Umstrukturierungen. Das nimmt Zeit und Geld in Anspruch und nicht immer führen die Anstrengungen zum gewünschten Ergebnis: dem gewinnträchtigen Verkauf. Daher reicht es auch für Anleger nicht (mehr), einfach irgendeine der vielen an deutschen Börsen notierten Beteiligungsgesellschaften zu kaufen, sondern er muss schon die richtigen erwischen, um selbst an den großen Chancen dieser Branche teilhaben zu können. Wir schauen uns daher mal eine Reihe von möglichen Kandidaten kurz an. Dabei lassen wir Frühphasenentwickler ("Venture Capital") wie die mic AG und reine Investmentgesellschaften, die in Aktien börsennotierten Unternehmen investieren, wie die Allerthal-Werke AG, die Scherzer & Co. AG oder die Shareholder Value Beteiligungen AG außen vor.

Montag, 21. Dezember 2015

Börsenweisheit der Woche 51/2015

"Sinnvolles Investieren ist... einfach mal nichts zu tun."
(Michael C. Kissig)

Freitag, 18. Dezember 2015

Investor-Update: DBAG, Dow Chemical, Paul Hartmann

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Zinswende, na und?
Der lang erwartete Zinsentscheid der US-Notenbank ist endlich da. Und nachdem die meisten Marktteilnehmer von einem Börsenabsturz ausgingen - und sich daher schon mit ausreichend Cash aufmunitioniert bzw. Aktien verkauft hatten - gingen die Börsen mächtig ab, getreu dem Motto "Buy the rumors, sell the facts". Der Euro hat auch nicht wirklich mehr nachgegeben gegenüber dem Dollar, auch hier war schon viel eingepreist. Allerdings denke ich, dass der Dollar mittelfristig tendenziell weiter zur Stärke neigen dürfte, was einerseits den US-Unternehmen operativ Sorgen bereiten, andererseits aber für die Dividendenausschüttungen und Aktienkurse auf Euro-Basis nette Zugewinne bieten könnte. Da ich für Europa und besonders Deutschland momentan positiv(er) gestimmt bin als für die USA, sehe ich eher hier weitere Kaufgelegenheiten und werde selektiv zuschlagen.

+ Deutsche Beteiligungs AG
Eine der ältesten deutschen Beteiligungsgesellschaften, bei der mit knapp 20 Prozent die Drogerie-Familie Rossmann an Bord ist. Das SDAX-Mitglied ist etwas anders aufgestellt als Aurelius und weniger auf Sanierung und Exit aus, sondern mehr auf Bestandsaufbau wie auch meine beiden Investments M.A.X. Automation  und MBB. Daneben hat man vor einigen Jahren, klassisch wie Finanzinvestoren KKR oder Blackstone, Beteiligungsfonds aufgelegt, in die Investoren Geld einbringen können, ohne sich an der DBAG AG beteiligen zu müssen. Die DBAG übernimmt an diesen Fonds auch selbst Anteile bzw. tritt bei Investment des Fonds als Co-Investor mit auf. Zusätzlich erhält sie von den Fonds noch Management Fees. 2014 war ein Ausnahmejahr durch den Verkauf der mit Abstand größten Beteiligung Homag AG und des daraus resultierenden Rekordgewinns (sowie entsprechender Rekorddividende). Das ist so nicht wieder zu erwarten, aber das viele Geld wird sukzessive in neuen Unternehmen investiert, daher dürften Umsatz und Gewinne kräftig ansteigen. Die jüngste Dividendenankündigung von 50 Cents Basisdividende und 50 Cents Jubiläumsaufschlag sorgte für leichte Enttäuschung bei einigen Anlegern, die aufgrund der hohen Ausschüttung für 2014 von einer höheren Gesamtdividende ausgingen. Ich hingegen halte es für sinnvoller, die Liquidität in weitere interessante und renditeabwerfende Übernahmen zu investieren und finde eine Dividendenrendite von 3,5 Prozent durchaus attraktiv (genug). Eine weitere Mittelstandsperle, die ich mir Montagmorgen für 27 EUR in mein Depot gelegt habe.

- Dow Chemical
Die Chemiebranche sieht sich weltweit mit der schwächelnden Konjunktur konfrontiert, doch die Fusionsankündigung von Dow Chemical mit DuPont hat den Aktienkurs gegen den Trend mächtig beflügelt. Auf die Fusion soll dann die Aufspaltung in drei separate Sparten-Unternehmen erfolgen und zwar im Wege eines Spin-offs. Das ist für deutsche Anleger insofern ein Problem, als dass leider immer noch nicht abschließend gesetzlich geregelt ist, wie diese Spin-offs ausländischer Unternehmen steuerrechtlich zu bewerten sind. Daher werden sie vom deutschen Fiskus teilweise als Ausschüttung an die Aktionäre betrachtet und wie Dividenden versteuert - ein echt unschöner Nebeneffekt. Das werde ich mir ersparen und habe die hohen Kurszuwächse genutzt und meinen Bestand an Dow Chemical zu knapp 52 EUR veräußert. Nach vier Monaten verbleibt inkl. vereinnahmter Bruttodividenden ein Gewinn von knapp 52 Prozent.

+ Paul Hartmann
Wie der Zufall so spielt durfte ich kürzlich einen spontanen mehrtägigen Krankenhausaufenthalt über mich ergehen lassen und dabei sind mir diverse Hartmann-Gerätschaften ins Auge gefallen. Ich erinnerte mich dunkel daran, mir diese Firma vor zwei, drei Jahren schon mal angesehen zu haben, da stand der Kurs über 100 EUR niedriger, aber ich habe nicht investiert. Nicht weil das Unternehmen nicht interessant wäre, ganz im Gegenteil. Aber es wies einen erheblichen Makel auf: 80 Prozent der Anteile waren in einer Hand gebündelt, nämlich einem Pool von Aktionären, die so eine (feindliche) Übernahme verhindern wollten. Verkäufe der Pool-Mitglieder waren ausschließlich außerbörslich und untereinander möglich. Der Freefloat war dem entsprechend gering und das Handelsvolumen von wenigen hundert Stücken war für mich ein K.O.-Kriterium. Denn wenn bei dem Unternehmen etwas schief läuft und alle gleichzeitig verkaufen wollen, fällt der Kurs ins Bodenlose. Auch bei einem Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über 1,4 Milliarden Euro. Doch nun ist alles anders... Naja, einiges. Denn der Pool-Vertrag wurde aufgelöst und alle Aktien können theoretisch wieder über die Börse verkauft werden.

Doch was ist nun der Charme dieses Unternehmens für mich als Investor? Paul Hartmann stellt eine breite Palette an medizinischen Produkten her, von Verbandsmaterialien über Pflege- und Desinfektionsmittel hin zur Inkontinenzversorgung. Alles Themen, mit denen man absolut nichts zu tun haben will, aber wenn man dann doch betroffen ist, führt kaum ein Weg vorbei an den Produkten von Paul Hartmann. Und die meisten bekommt man davon "voll automatisch" verabreicht, weil sie die Pfleger und Ärzte in den Praxen und Krankenhäusern verwenden.

Unsere Bevölkerung wird immer älter und das Thema Infektionen spielt eine immer stärkere Rolle - so erklärt sich der Wachstumsmarkt für Paul Hartmann. Und der ist langweilig, aber krisensicher. Und durchaus lukrativ. In den ersten 9 Monaten konnte das Unternehmen seinen Umsatz um 4,5 Prozent auf 1,4 Mrd EUR steigern und das EBIT sogar um 9,5 Prozent auf knapp 100 Mio. EUR. Der gleiche Betrag blieb auch als Freier Cashflow übrig, eine Steigerung im Jahresvergleich um 130 Prozent. Die Eigenkapitalquote liegt bei soliden 55 Prozent und eine Nettoverschuldung sucht man vergebens. Für Langfristanleger also ein solider Wert mit stetigen, moderaten Zuwachsraten und begrenztem Risiko. Dafür bietet Paul Hartmann eine Dividendenrendite von 2 Prozent und ein 2016er KGV von etwa 12. Und natürlich wieder aufkeimende Übernahmephantasie, denn der Pool-Vertrag der Schutzgemeinschaft war Ergebnis eines (gescheiterten) Übernahmeversuchs des Finanzinvestors Apax im Jahr 2008. Gut möglich, dass die solide Bilanz und das krisenfeste Geschäftsfeld nach dem Ende der Schutzgemeinschaft wieder Finanzinvestoren oder interessierte Konkurrenten auf den Plan ruft. Zumal der Großaktionär alleine über gut 50 Prozent der Anteile verfügt und hier schnell Nägel mit Köpfen gemacht werden könnten, wenn man sich mit diesem einig wird. Ich bin seit Mittwoch zu 380 EUR an Bord und werde so meinen nächsten Krankenhausaufenthalt viel mehr genießen können, weil er mir dann etwas Geld in die eigenen Taschen spült. Wenn er sich denn schon nicht vermeiden lässt.


.: Cashquote
Meine Cashquote liegt weiterhin bei knapp 10 Prozent, dank des Dow Chemical-Teilverkaufs sowie diverser Dividendeneinnahmen, die ich in meine beiden Neuerwerbungen investiert habe.

WCM kauft weiter kräftig zu

Die auf Gewerbe- und Handelsflächen spezialisierte WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG vermeldete soeben den Ankauf weiterer Liegenschaften. So kaufte man zwei im Bau befindliche Fachmarktzentren im Berliner Umland und in Sachsen-Anhalt, die nach Fertigstellung im 3. und 4. Quartal 2016 schlüsselfertig übergeben werden. Als Ankermieter in beiden Objekten fungieren die Handelsriesen ALDI und REWE. Der Kaufpreis für die beiden Fachmarktzentren beträgt rund 25,8 Mio. EUR . Die gesamte Mietfläche der Objekte beläuft sich auf 13.660 Quadratmeter. Die beiden Objekte werden bei Fertigstellung vollständig vermietet sein und die Mietverträge weisen eine durchschnittliche Laufzeit von 12,4 Jahren auf. Die Mieteinnahmen von insgesamt rund 1,7 Mio. EUR ergeben auf Basis des Nettokaufpreises eine Mietrendite von 6,5 Prozent.

Darüber hinaus sicherte sich die WCM noch exklusiv Rechte zum Erwerb eines weiteren Baumarkts. Die im Jahr 2012 errichtete Immobilie ist in attraktiver Lage einer der stärksten Wirtschaftsregionen Deutschlands gelegen und wird von einem der führenden Baumarktbetreiber für 15 Jahre gemietet. Der geplante Kaufpreis beträgt rund 22,0 Mio. EUR und erzielt annualisiert rund 1,6 Mio. EUR an Mieteinnahmen, was einer Anfangsrendite von 7,1 Prozent entspricht. Den Vollzug des Erwerb des rund 13.500 m² großen Baumarktes wird von WCM für Ende Februar 2016 erwartet.

Durch die jüngste Kapitalerhöhung stehen der WCM AG ausreichende Mittel zur Finanzierung des Eigenkapitalanteils für alle drei Objekte zur Verfügung. Dabei wird eine Gesamtfinanzierung mit einem LTV von ca. 55 Prozent angestrebt, wodurch sich eine durchschnittliche FFO-Rendite auf die Gesamttransaktion von rund 11 Prozent errechnet.

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Dienstag, 15. Dezember 2015

Neue Übernahmeofferte für Baldas Kunststoffsparte

Das Tauziehen um das operative Geschäft des Kunststoffproduzenten Balda geht in die nächste Runde. Nachdem die Hauptversammlung dem Verkauf an H&T zugestimmt hatte, legte nun die italienische Unternehmensgruppe Stevanato ein verbindliches Angebot vor, das sich am H&T-Angebot orientiere. Allerdings weicht es in zwei wichtigen Bereichen hiervon ab: die Italiener wollen auch die Marke "Balda" mit übernehmen und nutzen und sie bieten 80 Mio. EUR, also 6 Mio. EUR mehr als H&T.

Balda hatte ja bereits zum HV-Beschluss angekündigt, diesen nicht sofort in die tat umzusetzen, da Stevanato damals bereits ein Angebot avisiert hatte. Vorstand und Aufsichtsrat der Balda wollen nun das Angebot von Stevanato "unverzüglich" prüfen und in den nächsten Tagen mitteilen, ob aufgrund des Angebots von Stevanato zu einer außerordentlichen Hauptversammlung einladen wird. Diese würde dann voraussichtlich Ende Januar 2016 stattfinden. Und auch hier wäre wieder eine Mindestannahmequote von 75% des vertretenden Kapitals erforderlich - dem H&T-Angebot hatten 97,4% zugestimmt.

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Ergänzung vom 15.12.2015

Vorstand und Aufsichtsrat befürworten das Angebot der Stevanato-Gruppe und berufen voraussichtlich für den 29. Januar 2016 eine außerordentliche Hauptversammlung ein.

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Montag, 14. Dezember 2015

Ringmetall greift über den Teich und kauft US-Firma Self Industries

Lange haben die Aktionäre der mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Ringmetall (vormals H.P.I. Holding) auf diese Akquisition warten müssen, denn angekündigt war sie schon seit vielen Monaten. Ich hatte ja auch bereits Im Sommer über die anhaltenden Gerüchte berichtet und gemeint, bei Ringmetall sei ganz schön was im Busch.

Heute kommt nun die Verkündung der Übernahme und es handelt sich um die im Jahr 2000 gegründete Self Industries, einem Spezialanbieter von Dichtungs- und Verschluss-Systemen mit Sitz in Birmingham, Alabama. Mit dem Zukauf gelingt Ringmetall der Einstieg in den US-Markt und man verspricht sich von dem 28 Millionen USD Umsatz erzielenden Unternehmen die "Möglichkeit weitreichender Technologie- und Vertriebssynergien".

"Mit insgesamt über 90 Millionen Euro Umsatz auf Konzernebene ergeben sich nun ganz neue Möglichkeiten für Prozessoptimierungen und Cross Selling-Ansätze", sagt Ringmetall-Vorstand Petri. Und auch für Michael McDowell, President von Self Industries, stellt die Akquisition einen "Perfect Fit" dar, so dass er auch in Zukunft als Teil des Managements mit an Bord bleiben und die weitere Entwicklung des Konzerns in Nord- und Südamerika unterstützen wird.

Zur Letzten Hauptversammlung der Ringmetall AG hatte man angekündigt, dass Ringmetall-Vorstand Rafael für einige Jahre in die USA gehen wird, um zunächst die Akquisition vorzubereiten und danach die Integration in den Ringmetall-Konzern erfolgreich umzusetzen. Auch könne der nun erfolgte Zukauf ohne weitere Kapitalmaßnahme und somit aus Eigenmitteln durchgeführt werden.

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Exodus: Buffett verkauft weitere 5 Prozent an Munich Re

Investment-Legende Warren Buffett hat(te) eine Vorliebe für Versicherungsaktien, insbesondere die Rückversicherungsbranche hatte es ihm stark angetan. Und auch außerhalb der USA hatte er sich eingekauft in die Größten der Welt: die deutsche Munich Re (Münchener Rückversicherung) und die Swiss Re. Da die Versicherungen weltweit aufgrund er Niedrigzinsphase in ernsthafte Schwierigkeiten kommen, habe ich ja bereits seit längerem vor Investments in diesem Bereich gewarnt und sehe sie als Value Traps an. Und ich habe auch die starke Ausrichtung von Buffets Investmentholding Berkshire Hathaway auf diese Branche kritisiert.

Nachdem ich bereits im Mai spekuliert hatte, dass Buffett wohl bei den beiden großen Rückversichern sein Engagement zurückfahren dürfte, ließ er Ende September (endlich) Taten folgen. Er musste bekanntgeben dass sein Anteil an der Munich Re unter die Schwelle von 10 Prozent gefallen war. Und er reduzierte fleißig weiter, denn Freitagabend vermeldete er, sein Bestand sei inzwischen auf 4,6 Prozent gefallen uns damit hat er binnen zwei Monaten ganze 5 Prozent aller Aktien der Munich Re auf den Markt geworfen. Und wir können davon ausgehen, dass er auch die restlichen Anteile seines 1,4 Milliarden Euro schweren Pakets noch schnellstmöglich abbauen wird.

Grämen muss Buffett sich indes nicht, haben die Munich-Re-Aktien seit seinem Einstieg von vor 5 Jahren doch eine Performance von 80 Prozent hingelegt - zuzüglich der üppigen Dividendenausschüttungen.

Berkshire Hathaway befindet sich als Halteposition auf meiner Empfehlungsliste. Das Reduzieren der Versicherungsaktien und das stärkere Engagement im Industrie- und Konsumsektor lassen die Aktie unter Chance-Risiko-Aspekten allerdings zunehmend wieder attraktiver erscheinen.


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Elefantenhochzeit: Dow Chemical macht(e) Dupont den Hof

Jetzt ist es amtlich: die beiden amerikanischen Chemie-Riesen Dow Chemical und Dupont schicken sich an, durch ihre 130-Milliarden-Dollar Fusion den deutschen Chemie-Giganten BASF vom Thron zu stoßen und zur weltweiten Nummer 1 aufzusteigen.Zumindest vorübergehend. Denn nach der Fusion will man sich in die drei einzelnen und jeweils börsennotierten Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufspalten. Aufgrund des gewählten Aktienumtauschverhältnisses werden die Altaktionäre von Dow Chemical und Dupont nach der Fusion in etwa die gleichen Anteile am fusionierten Unternehmen halten.

Der Zusammenschluss soll bereits innerhalb der ersten 24 Monate zu Kosteneinsparungen von rund 3 Mrd. USD führen und darüber hinaus erwartet man rund 1 Mrd. USD an Wachstums-Effekten. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Fusion rechnen die Unternehmen für das zweite Halbjahr 2016 gerechnet und innerhalb von weiteren 18 bis 24 Monaten soll dann die Aufspaltung in die drei börsennotierten Spezialisten erfolgen.

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Börsenweisheit der Woche 50/2015

"Sobald bei einem schwierigen Unternehmen ein Problem gelöst ist, taucht das nächste auf - in der Küche ist niemals nur eine Küchenschabe."
(Warren Buffett)

Freitag, 11. Dezember 2015

Aurelius mit zweistelligem Millionengewinn aus Verkauf von Hotel-Immobilien

Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius hat nach den erst vor einigen Wochen verkündeten Verkauf einer Hotel-Immobilie in Hannover und davor auch in München nun einen weiteren Vollzug angekündigt. In diesen Immobilien werden Hotels der Marke GHOTEL betrieben, die ebenfalls zum Aurelius-Konzern gehören, und die 2011 aus einer Sondersituation bei der damaligen Deutschen Annington heraus erworben wurden. Es handelte sich insgesamt um 5 Immobilien, drei in München, eine in Hannover und eine in Braunschweig. Der Braunschweiger Standort wurde bereits 2012 weiter veräußert, eine der Münchner Liegenschaften folgte vor wenigen Wochen und steuert einen "signifikant zweistelligen Ergebnisbeitrag" zum Jahresergebnis bei, ebenso das Hannoveraner Objekt. Und nun folgten die beiden verbliebenen Liegenschaften in München-Isarvorstadt und München-Nymphenburg.

Mit dieser Transaktion ist das gesamte Portfolio veräußert worden und erneut erfolgt der Verkauf zu einem "signifikant über Buchwert" liegenden Verkaufspreis, der im laufenden Geschäftsjahr 2015 bei Aurelius zu einem positiven Ergebnisbeitrag im deutlich zweistelligen Millionenbereich führen wird. Dieser soll hälftig in Form einer Partizipationsdividende an die Aurelius-Aktionäre ausgeschüttet werden.

Der Aurelius-Vorstand bekräftigt seine Prognose, für das laufende Geschäftsjahr 2015 ein neues Rekordergebnis in der Firmengeschichte zu erzielen. Dieses soll bei einem Gesamt-EBITDA von über 220 Mio. Euro liegen.

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Mittwoch, 9. Dezember 2015

Im Interview... mit Aktienkaufen24

Das Interview mit mir führte Alois Greiner von Aktienkaufen24.com, wo der Artikel am 8. Dezember 2015 zuerst erschienen ist.

Value Investor Michael C. Kissig von intelligent-investieren im Interview.

Michael Kissig über die Story seines ersten Aktieninvestments, seinen Bewertungsansatz, den Umgang mit den eigenen Emotionen, das Minimieren von Risiken und die Wichtigkeit der Beurteilung weicher Faktoren des zu analysierenden Unternehmens für den Anlageerfolg.