Dienstag, 8. November 2016

Zahlen & Mehr: DIC Asset, Jungheinrich, Patrizia

▸ DIC Asset
Der Gewerbeimmobilienspezialist meldete 9-Monatszahlen und konnte durchaus überzeugen. Sein Konzernüberschuss legte um fast 40% auf €22,5 Mio. zu , was vor allem am starken Anstieg der Gewinne aus Immobilienverkäufen, einem deutlich verbessertes Zinsergebnis sowie steigenden Erträgen im Fondsbereich lag.

Die FFO (Funds from Operations) betrugen €36,9 Mio. und damit nur etwas mehr als im Vorjahr, als man €36,8 Mio. erzielte. Im Bereich Vermietung stiegen die annualisierten Mieteinnahmen von €13,6 Mio. auf €22,2 Mio. und die Leerstandsquote sank um 1,3% auf 11,9% ab. Im zukunftsträchtigen Fondsgeschäft wurden im laufenden Geschäftsjahr bereits Immobilien im Volumen von rund €110 Mio. für die bestehenden Fonds gekauft, womit DIC Asset bereits nach den ersten 9 Monaten das prognostizierte Jahresvolumen von €80 bis €100 Mio übertraf. Darüber hinaus wurden auch noch Einzelhandelsimmobilien im Gesamtvolumen von rund €220 Mio. für einen neuen Einzelhandelsfonds gekauft, der demnächst aufgelegt werden soll.

Dank der operativen Erfolge konnte DIC Asset seine Finanzverbindlichkeiten weiter senken, was zu einem dauerhaft verbesserten Finanzergebnis führt. Per 30. September sanken sie gegenüber dem Vorjahresende um rund €216 Mio auf €1,36 Mrd. und die durchschnittliche Verzinsung sank dabei um 0,1% auf 3,4%. Dabei konnte das Zinsergebnis deutlich von zuvor minus €46,3 Mio auf minus €34 Mio. verbessert werden und der Zinsaufwand sank auf €41,1 Mio. Für das Gesamtjahr rechnet DIC Asset mit Brutto-Mieteinnahmen zwischen €109 und €111 Mio. und hat die Prognose für den FFO von zuvor €43 bis €44 Mio. auf € 46 bis € 47 Mio. erhöht.

Meine Einschätzung
DIC Asset bewegt sich in einem boomenden Markt und hat mit der Übernahme von 25% der Anteile an der WCM einen echten Erfolgscoup gelandet - in 2017 dürfte hier der erste fette Dividendenscheck eintrudeln. Das Unternehmen wandelt sich hin zu einem Asset-Manager und will sich von volatileren und spekulativeren Unternehmensbereichen trennen. Hinzu kommt eine deutliche Unterbewertung der Aktien ggü. ihrem Substanzwert und vergleichbaren Unternehmen. Die Achillesferse war bisher immer die hohe Verschuldung sowie die vergleichsweise hohe Leerstandsquote. Beide Kennzahlen verbessern sich stetig und daher dürfte sich der Blick künftig mehr und mehr in Richtung der operativen Fortschritte richten und die guten Perspektiven aufgrund der Neuausrichtung weg vom volatilen Projektentwicklungsgeschäft in den Vordergrund rücken. Daher sollte DIC Asset auch bei einer deutlichen Börsenkorrektur nach unten hin gut abgesichert sein und aufgrund der massiven Unterbewertung, gepaart mit einer Reihe potenzieller Gewinntreiber, so dass sich dem langfristig orientierten Anleger bei der DIC Asset ein ausgezeichnetes Chance-Risiko-Verhältnis bietet.


▸ Jungheinrich
Der Gabelstaplerhersteller Jungheinrich ist im dritten Quartal vor allem dank einer hohen Nachfrage in Europa kräftig gewachsen. Der Umsatz stieg um 13,4% auf €754 Mio. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg um 2,5% auf €54,1 Mio. und unterm Strich blieben rund €34 Mio. hängen und damit etwas weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Die Bestellungen von Gabelstaplern und Lagertechnik legten im zweiten Quartal um 8,5% auf €781 Mio. zu und summierten sich in den ersten 9 Monaten des laufenden Jahres auf €2,4 Mrd., einem Plus von 15%. Die im August erhöhten Ziele für das Gesamtjahr bestätigte das Unternehmen. Demnach soll der Umsatz auf €3,0 bis €3,1 Mrd. steigen und das EBIT in der Spanne €228 bis €238 Mio. landen. 2015 hatte Jungheinrich einen Umsatz von €2,75 Mrd. ausgewiesen und ein EBIT von €213 Mio.

Meine Einschätzung
Jungheinrich ist konjunktur- und währungssensibel, kann jedoch immer wieder Rückgänge in Krisenregionen durch Fortschritte in anderen Regionen ausgleichen und sogar überkompensieren. Der Trend zu immer komplexerer Logistik, auch dank des boomenden Internethandels, sorgt für weiterhin volle Auftragsbücher und rentierliches Wachstum beim familiengeführten MDAX-Unternehmen. Für Langfristanleger bleibt Jungheinrich auch nach der erfreulichen Kursentwicklung der vergangenen Jahre weiterhin ein solides Investment. Der letzte Kursrücksetzer scheint sich als gute Einstiegs- bzw. Nachkaufgelegenheit herauszustellen.


▸ Patrizia Immobilien
Patrizia hat 9-Monatszahlen präsentiert und die sind so gut, dass man die bisherigen Jahresprognosen anheben muss. Die ursprüngliche Erwartung eines operativen Ergebnisses von €250 Mio. hat Patrizia Immobilien mit €252,5 Mio Millionen Euro schon nach neun Monaten erreicht. Im Vorjahr lag der Wert noch bei € 112,2 Mio. und wurde somit weit mehr als verdoppelt. Nach der Prognoseanhebung erwartet Patrizia bis zum Jahresende nun €265 Mio.

Auch der Gewinn kann sich mehr als sehen lassen, wurde allerdings durch einen Sondereffekt günstig beeinflusst. Denn man hat den so "Harald"-Wohnungsbestand an die Deutsche Wohnen verkauft, der allein mehr als €200 Mio. einbrachte und sehr lukrativ war. Doch auch ohne diesen Effekt hätte sich der operative Gewinn in den ersten 9 Monaten von €24,1 auf €43,9 Mio. fast verdoppelt.

Beim Ausblick aufs nächste Jahr geht Patrizia von von einem Nettowachstum der Assets under Management (AuM) von €2 Mrd. aus bei einem Gesamttransaktionsvolumen von etwa €4 Mrd. Auf dieser Basis erwartet das Management ein laufendes operatives Ergebnis von mindestens €55 Mio., das aber durchaus auch höher ausfallen könnte, wenn ein höheres Transaktionsvolumen, eine höheren leistungsabhängige Vergütung und/oder die Investition der liquiden Mittel von über €300 Mio. gelingen würde.

Meine Einschätzung
Patrizia Immobilien ist operativ weiterhin erfolgreich unterwegs. Die Transformation vom deutschen Immobilienbestandshalter hin zu einem europaweit agierenden Immobilien-Asset-Manager birgt angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase weiterhin großes Potenzial für geduldige Anleger. Der Fokus auf institutionelle Investoren trägt Früchte, denn diese haben angesichts ihrer immer weiter zusammenschrumpfenden Zinseinnahmen wenig Alternativen, als sich in neue Anlagen zu begeben, wie den Immobiliensektor. Und hier weist Patrizia Immobilien eine hohe Kompetenz und ausgezeichnete Vernetzung in der Branche auf, die Investoren selbst nicht im Vorbeigehen erwerben können. Daher wählen sie immer öfter Patrizia als kompetenten Partner und vertrauen den Süddeutschen ihr Investmentvermögen an.

Anleger sollten sich nicht von den Kursen zu sehr beeinflussen lassen, sondern vor allem auf die Unternehmensentwicklung schauen. Und hier läuft bei Patrizia alles im Plan und man kommt dem selbstgesteckten Ziel, die Assets under Management (AuM), also das verwaltete Vermögen, auf mehr als €20 Mrd. zu steigern, in großen Schritten näher. Und je mehr AuM Patrizia generiert, desto höher sind die stetigen Einnahmen aus Provisionen und Gebühren, die das eigene Säckel füllen. Unter Umständen dauert es noch ein bisschen, bis die Kurspotenziale gehoben werden und der Aktienkurs seinen langfristigen Aufschwung wieder aufnimmt. Doch Geduld ist ja bekanntlich die oberste Tugend des Investors...


DIC Asset, Jungheinrich und Patrizia Immobilien befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 7. November 2016

Börsenweisheit der Woche 45/2016

"Großartige Firmen zu einem großartigen Preis gekauft, sollten wie großartige Freunde sein – Du gibst sie nicht einfach jäh auf."
(Shelby Davis)

Sonntag, 6. November 2016

24 Prozent weniger Ergebnis? War Buffett wirklich so schlecht im letzten Quartal?

Auf die Zahlen der Investorenlegende Warren Buffett, dem "Orakel von Omaha", warten Anleger rund um den Globus immer ganz gespannt, hat er doch in seinen zurückliegenden 50 Jahren als Großaktionär und CEO seiner Investment Holding Berkshire Hathaway eine Rendite von annähernd 20 Prozent erzielt. Jahr für Jahr, wohlgemerkt. Und der Kurs der BRK-Aktien stieg von damals etwa $50 auf aktuell etwa $215.000 für eine Aktie der Klasse A - eine Wahnsinnsrendite für die Aktionäre.

Nun hat er Ergebnisse für das dritte Quartal 2016 vorgelegt und das Nettoergebnis fiel um 24% niedriger aus als im vergleichbaren Vorjahresquartal. Man könnte meinen, es reihe sich damit in eine ganze Reihe von schlechten Quartalsergebnissen ein, die an der Wall Street dieser Tage berichtet wurden. Doch ein zweiter Blick auf die Zahlen zeigt durchaus Interessantes und so schauen wir mal auf einzelne, durchaus prägende, Sparten bzw. Tochtergesellschaften.

Eisenbahn/Transport
Und hier sticht die Eisenbahnsparte heraus, wo Burlington Northern Santa Fe (BNSF) einen um 12% auf $1,02 Mrd. zurückgegangenen operativen Gewinn ausweisen muss, da das Frachtvolumen rückläufig ist aufgrund gesunkener Öl-, Gas- und Kohlepreise und daher auch die Preise, die hier vereinnahmt werden können. Diese Rückgänge sind durch andere wichtige Transportgüter, die Autos aus den Fertigungsstätten in Mexiko, (bisher) nicht zu kompensieren.

Versicherungen
Die Versicherungssparte, die u.a. den Versicherer Geico Corp. und den Rückversicherer Generel Re umfasst, erzielte ein operatives Investment-Einkommen von $850 Mio., während der operative Gewinn um 35% auf $272 Mio. sank.

Energie
Erfolge gab es in der Energiesparte Berkshire Hathaway Energy (vormals MidAmerican Energy), die $932 Mio. an Profiten ausweisen kann ggü. $786 im Vorjahresquartal. Die Sparte betreibt Kraftwerke in Großbritannien, Gaspipelines zwischen den großen Seen im Norden der USA bis runter nach Texas und hat Tochtergesellschaften u.a. in Iowa und Nevada. Dabei legt sie auch immer mehr den Fokus auf regenerative Energien, vor allem Solarenergie.

Sonderfaktoren und Sonstiges
Im dritten Quartal konnte BRK $2,35 Mrd. an Investmentgewinnen ausweisen, was deutlich unter den Vorjahreswerten liegt. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass dieses Ergebnis einerseits durch den Verkauf der Tochter Wrigleys an Mars um rund $1,6 Mrd. aufgehübscht wurde, während im Vorjahresquartal noch ein $4,4 Mrd. Sonderertrag zu Buche schlug aus dem KraftHeinz-Zusammenschluss. Daher sollte man den 24-prozentigen Rückgang des Nettoergebnisses auch nicht überbewerten, denn die Sondereinflüsse prägen diese Momentaufnahme doch deutlich und werden beim nächsten Vorjahres-Quartalsvergleich eine Rolle mehr spielen.

»Solange unsere Investments in jedem Jahr 15 Prozent zulegen, mache ich mir um Quartalszahlen keine Sorgen.«
(Warren Buffett)

Und dann war da noch Wells Fargo und es steht die Frage im Raum, was Buffett mit seinen Wells Fargo-Aktien gemacht hat. Die Antwort hierauf gibt der Quartalsbericht nicht, hier müssen wir uns noch einige Wochen gedulden, bis Buffett sein 13F-Formular mit seinen zum Quartalsende aktualisierten Aktienbeständen bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC einreichen muss. Dann werden wir sehen, ob und wie sein bisheriger 10-Prozentanteil an Wells Fargo sich verändert hat und dann wird Buffett auch Rede und Antwort stehen und seine Sicht auf den Wells-Fargo-Skandal öffentlich darlegen. Es bleibt also spannend...

Der Buchwert je Aktie, auf den Buffett ja immer abstellt als Gradmesser für seinen Unternehmenserfolg, war natürlich durch den massiven Einbruch bei Wells Fargo geprägt. Er erreichte per 30. September einen Wert von $163.783 je Aktie (Klasse A) und legte damit um 5,3% ggü. dem Vorjahreswert zu.

Meine Einschätzung
Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste. Allerdings seit einiger Zeit nur noch als Halteposition, weil die starke Abhängigkeit vom Versicherungsgeschäft meines Erachtens immer größere Risiken birgt. Und über diese Sparte sagte Buffet selbst, dass sie in den nächsten Zehn Jahren "nicht mehr so gut laufen werde wie in den letzten 30 Jahren". Ich bewerte es daher positiv, dass Buffett sein Engagement in diesem Bereich reduziert und im Gegenzug seine Konsumgüter- und Industriebeteiligungen erheblich ausbaut, nicht nur durch die $37 Milliarden schwere Übernahme von Precision Castparts oder seinen Duracell-Procter & Gable-Tausch. Allerdings schwächelt die Eisenbahnsparte, die Tochter BNSF, da sie stark vom Transport von Kohle und für die US-Öl- und Schiefergasindustrie abhängt, so dass unter dem Strich Berkshire Hathaway eine gute Halteposition für langfristig orientierte Anleger bleibt. Sie ist inzwischen wie ein Fonds der erfolgreichsten Unternehmen der USA.

Freitag, 4. November 2016

Zahlen & Mehr: GBK Beteiligungen, MBB, Softing

▸ GBK Beteiligungen
Die Beteiligungsgesellschaft habe ich hier im Blog noch nicht vorgestellt, obwohl ich die Aktien schon länger in meinem Depot liegen habe. Wer sich den Kursverlauf anschaut erkennt, dass er ziemlich unspektakulär vor sich hindümpelt, allerdings mit leicht steigender Tendenz. Und dann gibt es vor der Hauptversammlung regelmäßig anziehende Notierungen, dank der Dividenenjäger, und dann einen heftigen Einbruch - verursacht durch die Dividendenausschüttung. Denn die fällt bei GBK öfter mal recht üppig aus, da neben einer Basisdividende von €0,10 je Aktie auch häufiger Sonderdividenden ausgekehrt werden. Für das Geschäftsjahr 2014 gab es so €0,20 obendrauf und für 2015 sogar €0,60 je Aktie.

GBK Beteiligungen ist ein marktenger Small-Cap, also bevor jetzt alle losrennen, um sich einzudecken, bitte erst einmal in Ruhe weiterlesen! Es gehen nur wenige Stücke um und zwar im Freiverkehr, am meisten in Hamburg (ja, in meiner geliebten Hansestadt gibt es auch noch eine Börse!). Des Weiteren kann man auch in Stuttgart oder München ordern. Das war's. Also Vorsicht.

Das Unternehmen investiert seit seiner Gründung im Jahr 1969 in nicht-börsennotierte kleine und mittelgroße Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zum GBK-Portfolio zählen aktuell rund 30 mittelständische Beteiligungen, an denen man sich vielfach als Co-Investor offen und/oder mit mezzaninen Finanzierungsmitteln beteiligt hat. Hierzu gehören Unternehmen der Automobilindustrie, der Elektrotechnik, der Chemie, des Transports und der Logistik, des Maschinen- und Anlagenbaus, des Handels und E-Commerce und des Dienstleistungssektors.

 GBK Beteiligungen (Quelle: finanzen.net) 
Das Eigenkapital je Aktie wird von GBK per Ende 2015 mit €9,75 ausgewiesen, während der Aktienkurs so um die €10 notiert. Klingt jetzt nicht nach großer Unterbewertung, allerdings wurde zwischenzeitlich ja auch die Dividenden von €0,70 ausgekehrt und der Aktienkurs hat diesen Abschlag nicht nur aufgeholt, sondern liegt auf Jahressicht rund 10% im Plus. Dividende und Kurszuwächse zusammen haben GBK Beteiligungen über die letzten Jahre zu einem leisen, langweiligen, aber eben auch einträglichen Investment werden lassen. Darüber hinaus bietet die Bilanzierung nach HGB eben auch reichlich Platz für stille Reserven, die erst bei Veräußerung der Beteiligung so richtig ans Licht kommen.

Und GBK hat durchaus interessante Pfeile im Köcher. Während man zwar über die hohen Bewertungen im Einkauf stöhnt und hier eher zurückhaltend agiert, gelingen eben in dieser Phase gewinnträchtige Exits. So wurden im zweiten Quartal die Beteiligungen an der IS Inkasso GmbH und der Mackprang/Schlemmer Gruppe veräußert, die zusammen gut €7 Mio. an Gewinnrealisierung einbringen. Und gerade wurde die Veräußerung der Anteile an Raith GmbH bekanntgegeben, die noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung steht, welche noch im vierten Quartal 2016 erwartet wird. An dem Entwickler und Hersteller von Nanolithografiesystemen hatte sich  GBK im Jahr 2003  mit 17,6% beteiligt und wird einen positiven Ergebnisbeitrag für das Geschäftsjahr 2016 einstreichen. Der Veräußerungserlös überschreitet nach Abzug von Nebenkosten den Zeitwert, der der Beteiligung im Jahresabschluss zum 31.12.2015 beigemessen wurde, um rund €1,4 Mio. und es wird ein Veräußerungsgewinn nach KAGB in Höhe von rund €6,9 Mio. realisiert. Zum Vergleich: in 2015 lag der gesamte Jahresüberschuss der GBK AG bei €1,2 Mio.

Die hohen Sonderdividenden erklären sich daraus, dass GBK nicht immer alle Sondergewinne sofort ausschüttet, sondern Teile hiervon auf das/die nächsten/n Jahr/e vorträgt, um eine gewisse Glättung der Dividenden zu erreichen.

Sehr lesenswert sind die kurz und knackig gehaltenen Aktionärsbriefe, die ich jedem zur Lektüre empfehle, der sich ggf. die Aktien von GBK mal näher anschauen möchte. Der jüngste Aktionärsbrief betrifft das dritte Quartal 2016 und gibt eine Übersicht über einige Entwicklungen im Portfolio. Des Weiteren sollte man sich die Website des Unternehmens anschauen, dort findet man nicht viele Informationen, aber dafür um so wissenswertere.

Aufgrund der heutigen schönen Erfolgsnachrichten habe ich mir ein paar weitere Aktien zu €10 ins Depot gelegt. Nachdem ich lange mit mir gerungen habe, ob ich einen so marktengen Spezialwert auf meine Empfehlungsliste nehmen soll, werde ich es heute zu diesem Kurs tun.


▸ MBB
Das Beteiligungsunternehmen MBB erzielte im dritten Quartal ein Umsatz von €83,4 Mio. und damit 34,2 % mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das EBITDA lag bei €8,1 Mio. (+ 44,9%), das EBIT bei €6,2 Mio. (+ 58,0%) und unterm Strich ergab sich ein Ergebnis je Aktie von €0,60 (+ 30,4%). Erfreulich ist, dass dieses Wachstum mit einer deutlichen Margenverbesserung einhergeht, denn im dritten Quartal stieg die EBITDA-Marge von 9,0% auf 9,7% und die EBIT-Marge von 6,3% auf 7,5%. Auch das Eigenkapital stieg  zum 30. September 2016, trotz Zahlung einer erneut erhöhten Dividende in Höhe von €3,9 Mio. auf €97,2 Mio. an verglichen mit €87,7 Mio. zum Jahresende 2015. Dabei blieb die Eigenkapitalquote zum Ende des dritten Quartals 2016 nahezu unverändert bei sehr soliden €39,5%, während die Konzernliquidität gegenüber auf €58,4 Mio. gestiegen ist (Ende 2015 €54,0 Mio.).

Nach den vorläufigen Zahlen zum dritten Quartal erzielte MBB für den 9-Monatszeitraum einen Rekordumsatz von €242,7 Mio. gegenüber €186,6 Mio. im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Umsatzwachstum von 30,1% und auch ohne die seit November 2015 konsolidierte Aumann-Gruppe betrug das organische Umsatzwachstum 12,6%. Das EBITDA stieg in den ersten 9 Monaten um 36,0% auf €23,7 Mio. (17,4 Mio.) und das EBIT um 47,7% auf €18,1 Mio. (€12,2 Mio.). Das Konzernergebnis in Höhe von €8,9 Mio. im Vorjahreszeitraum wurde mit nun €11,1 Mio. ebenfalls deutlich um 24,2%. Nach 9 Monaten liegt das Ergebnis je Aktie bei €1,69 EUR (€1,36).

Meine Einschätzung
Der Geschäftsverlauf nach neun Monaten und die weiterhin sehr hohen Auftragseingänge untermauern die zum Halbjahr erhöhte Jahresprognose. MBB prognostiziert einem Umsatz von über €310 Mio. bei einem Ergebnis je Aktie in Höhe von mindestens €2,10. Und das Management sieht bereits heute positive Voraussetzungen für einen guten Start in das kommende Geschäftsjahr 2017, wobei die positive Entwicklung der Unternehmensgruppe vom Wachstum in allen Tochterfirmen getragen wird. Gerade die im Sondermaschinenbau tätigen MBB Unternehmen (MBB Fertigungstechnik, Delignit, Aumann) profitieren zunehmend vom Megatrend Elektromobilität. Mit einer Nettoliquidität von €5,9 Mio. (€8,1 Mio.) verfügt MBB somit weiterhin über hinreichenden finanziellen Spielraum für umfangreiche Investitionen in das organische Wachstum und weiterer Unternehmenszukäufe.


▸ Softing
Beim Anbieter von Messtechnikgeräten Softing müssen Anlegern noch weitere Geduld aufbringen, so viel lässt sich mit Sicherheit sagen. Denn Unternehmenslenker Trier hat die avisierten Unternehmenszukäufe erst einmal verschoben. Bisher sollte hier bis zum Jahresende Vollzug gemeldet werden, nun seien "interessantere Targets" aufgetaucht und würden geprüft, so dass eher mit dem ersten Quartal 2017 zu rechnen sei. Mit dem vorgelegten Zwischenbericht zu den ersten 9 Monaten liegt Softing in etwa auf der Höhe der eigenen verkündeten Erwartungen. Einen sehr launigen Bericht zur semantischen Wortklauberei seitens des CEOs Trier und eine gute Zusammenfassung des Zahlenwerks hat Gereon Kruse auf boersengefluester.de abgegeben. Den lege ich euch ans Herz und spare mir an dieser Stelle eigene Ausführungen zum Zahlen Werk. Quintessenz: es dauert noch und eine 2016er Überraschung dürfte es wohl auch nicht mehr geben. Insbesondere das US-Geschäft steht zur Zeit auf der Bremse.

GBK Beteiligungen, MBB und Softing befinden sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Nach dem Sündenfall: Lassen Negativzinsen für Sparer jetzt alle Dämme brechen?

Der Sündenfall ist biblisch belegt, Eva ließ sich von der Schlange verführen und naschte den Apfel vom Baum der Erkenntnis. Mit dem bekannten Ergebnis, dass wir Menschen aus dem Paradies vertrieben wurden und uns jetzt mit so profanen Dingen wie Geldanlage beschäftigen müssen.

Und der Sündenfall der Neuzeit ist ein solches Geldthema. Genauer gesagt, ist es das Einführen von Strafzinsen für Sparer. Und zwar ab dem ersten Euro. Die Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien eG wird als erste künftig Sparern Geld dafür abknöpfen, dass sie ihr Geld zur Bank tragen und dort anlegen; aktuell noch indirekt über neu eingeführte monatliche Kontogebühren zwischen €5 und €50. Nicht nur die Inflation lässt also das Geldvermögen schwinden, auch die Bank verstärkt dies darüber hinaus zusätzlich.

Natürlich macht die Volksbank dies nicht ohne Grund und schon gar nicht, um die Sparer zu schädigen. Sie reagiert damit auf die Politik der EZB, die durch künstliches Niederhalten der Zinsen, ausgelöst durch eine Flutung der Märkte mit billigem Geld, den Banken letztlich gar keine andere Wahl mehr lässt. Denn diese müssen für die Einlagen ihrer Kunden selbst bereits Strafzinsen entrichten bei der EZB.

Das Problem ist nicht neu, es wird seit Jahren an die Wand gemalt - nun ist es da. Neu ist hingegen, dass es ab dem ersten Euro gilt, also nicht mehr nur für vermögendere Privatkunden. Und die Konsequenz, die sich aus diesem ersten Sündenfall ergibt, die wird es in sich haben. Es wird eine Kaskade der Zinsabwertung geben!

Zahlen & Mehr: Genworth Financial, Main Street Capital, Starbucks

▸ Genworth Financial
Der US-Versicherer Genworth Financial legte Zahlen für das dritte Quartal vor und musste einen Nettoverlust von $380 Mio. ausweisen oder $0,76 je Aktie gegenüber $284 Mio. im entsprechenden Vorjahresquartal bzw. $0,57 je Aktie. Der Umsatz lag im Quartal bei $2,13 Mrd. Der operative Nettoverlust lag bei $0,81 je Aktie. Wie schon zuvor berichtet worden war, musste GNW eine weitere große Abschreibung auf sein Long-Term-Care-Portfolio vornehmen und zwar in Höhe von $475 Mio. bzw. $1,10 je Aktie. Ohne diese Abschreibung läge das operative Ergebnis je Aktie somit bei $0,29 und damit um $0,07 über den Erwartungen der Analysten. Während das Hypothekenversicherungsgeschäft weiter richtig gut läuft, bereitet das Business mit den langlaufenden Pflegeversicherungen weiter Probleme. Und dürfte der entscheidende Grund sein, weshalb GNW die Offerte der chinesischen Oceanwide Gruppe zu $5,43 je Aktie befürwortet und seinen Aktionären zur Annahme empfiehlt.

Meine Einschätzung
Die China-Offerte hatte den Aktienkurs von Genworth Financial um mehr als 15% unter Druck gesetzt, weil das Übernahmeangebot nur magere 4% Aufgeld auf den Vortagesschlusskurs bot. Dabei stellt sich die Situation doch so dar, dass bis Mitte 2017 Oceanwide die Aktien zu $5,43 einsammeln will - also jede Aktie, die man heute kauft, in gewisser Weise nach unten gut abgesichert ist. Auf der anderen Seite ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch andere Bieter, neben Versicherungen auch Finanzinvestoren, nun auf den Zug aufspringen könnten, um sich das Buchwert-Schnäppchen Genworth Financial (knapp $30 je Aktie) unter den Nagel zu reißen. Ich werde meine Aktien jedenfalls nicht hergeben und abwarten, was die Zukunft so bringt.


▸ Main Street Capital
Die Business Development Company (BDC) Main Street Capital konnte im vergangenen Quartal glänzen und erzielte ein Ergebnis von $0,82 je Aktie. Da zu diesem Ergebnis auch Sonderfaktoren beitrugen, beläuft sich das bereinigte Ergebnis auf $0,58 je Aktie und liegt über den Prognosen der Wall Street. Auch beim Umsatz lag MAIN im dritten Quartal mit $46,6 Mio. über den Erwartungen.

Meine Einschätzung
MAIN ist eine der solidesten BDCs und hat selten größeren Abschreibungsbedarf auf ihre NAV (Buchwert). Die Aktie notiert deshalb mit einem satten Aufschlag auf ihren NAV. Die monatlichen Dividenden von $0,19 werden halbjährlich noch durch eine Sonderausschüttung flankiert, die als nächstes wieder im Dezember anfallen und $0,275 betragen wird. Auf das Gesamtjahr gesehen hat MAIN dann $2,725 ausgeschüttet, was bei einem Aktienkurs von €29 eine Dividendenrendite von rund 8,5% ergibt. Ein solides Investment, insbesondere für Dividendenjäger.


▸ Starbucks
Der Kaffeeröster Starbucks stand zuletzt unter Druck, weil man im letzten Quartal gepatzt hatte und die Börsianer den Beteuerungen von CEO Howard Schulz nicht recht glauben wollten, dass es sich um einen einmaligen Ausrutscher gehandelt habe, der vor allem auf die Einführung des neuen Bonussystems zurückzuführen sei. Die jetzt für das abgelaufene Quartal vorgelegten Zahlen dürften nun allen Fans von Starbucks Freudentränen in die Augen treiben, denn man konnte das profitabelste Geschäftsquartal der 24-jährigen Unternehmensgeschichte präsentieren.

Verglichen mit dem Vorjahreswert legte der Gewinn um 23 Prozent auf $801 Mio. zu, während die Erlöse um 16 Prozent auf auf $5,7 Mrd. kletterten. Die Verkäufe in etablierten Filialen, die seit mindestens 13 Monaten am Markt sind, wuchsen weltweit um 4 Prozent. Im gesamten abgelaufenen Geschäftsjahr, das bis Ende September lief, steigerte Starbucks die Erlöse um 11 Prozent auf $21,3 Mrd. und die Zahl seiner über 75 Ländern verteilten Filialen um 2.042 auf 25.085. Insbesondere in Asien und hier in China boomt das Geschäft mit dem schwarzen Heißgetränk. Besonders gut dürfte auch bei den Aktionären ankommen, dass das Unternehmen die Dividende um ein Viertel auf 25 Cent je Aktie anheben wird.

Meine Einschätzung
Bei Starbucks steht der Kunde im Mittelpunkt, nicht das Produkt alleine. Und daher sind Starbucks-Aktien auch bei einer absolut betrachteten hohen Bewertung ein Top-Pick, der Top-Pick im Restaurant-Sektor. Denn relativ gesehen, also im Verhältnis zum Wachstum, liegt die Bewertung dieses schnell wachsenden Unternehmens im fairen Bereich. Der hohe Free-Cashflow dürfte dafür sorgen, dass Starbucks die Dividende auch nach den jetzigen kräftigen Schluck aus der tasse weiter anheben wird in den nächsten Jahren.

Doch der eigentliche Grund dafür Starbucks-Aktien zu kaufen, liegt natürlich in seinem profitablen Wachstum, das mit durchschnittlichen 18% jährlich erwartet wird. Insbesondere in China wird die Musik spielen, denn der starke Dollar sorgt hier nicht für schlechte Ergebnisse, sondern vor allem dafür, dass es für Starbucks immer günstiger wird, neue Läden zu eröffnen. Und Starbucks-CEO Howard Schultz spricht bereits offen davon, dass China irgendwann die USA als wichtigsten Markt ablösen dürfte. 500 neue Shops im Reich der Mitte pro Jahr sind ein ambitioniertes Wachstumstempo und Anleger haben die Chance, dieses Qualitätsunternehmen auf seinem Weg zu begleiten. Als Mitinhaber und damit Profiteur. Dabei kommt das Wachstum nicht nur durch neue Filialen, sondern die bestehenden wachsen beim Gewinn alleine schon um 4% pro Jahr - das ist beeindruckend und zeigt, wie stark das Starbucks-Business und seine Preissetzungsmacht, also sein ökonomischer Burggraben ("Moat") wirklich ist. Ich bin dabei und ich bleibe dabei.

Genworth Financial, Main Street Capital und Starbucks befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Donnerstag, 3. November 2016

Insiderkäufe und Analystenlob: Startet bei mVISE jetzt die Weihnachtsrallye?

Die mVISE AG ist ein Spezialist für cloudbasierte mobile Digitalisierung und hat einige schwere Jahre hinter sich. Seit 2015 läuft der Turnaround und immer deutlicher zeichnet sich ab, dass er zu einem Erfolg wird.

Nachdem mVISE vor Kurzem die Mehrheit an der Just Intelligence GmbH übernommen und starke Halbjahresergebnisse präsentiert hatte, kamen die Analysten von SMC-Research in ihrem Update zu einem Buy-Rating und einem Kursziel von €3,70 (zur Analyse). Sie gehen von einer Steigerung des Ergebnis je Aktie von €-0,05 für das Jahr 2015 auf €+0,24 in 2019 aus. Für das laufende Jahr erwarten die Analysten immerhin schon die Rückkehr in die Gewinnzone und ein ein EPS von €0,05, das sich in 2017 bereits auf €0,19 je Aktie steigern sollte.

Und auch mVISE-Vorstand Manfred Götz scheint sich seiner Sache sehr sicher zu sein, denn er kauft in den letzten Tagen massiv Aktien seines Unternehmens. So erwarb er am 2. November 15.000 Aktien zu €2,88 im Gesamtwert von €43.200 über XETRA, was für den doch recht marktengen Nebenwert ein nicht ganz kleines Volumen ist.

Meine Einschätzung
Ich habe mVISE seit einiger Zeit als aussichtsreiche, aber nicht ganz risikolose Turnaround-Spekulation in meinem Depot und auf meiner Empfehlungsliste und ich bin zuversichtlich, dass die operative Entwicklung weiterhin so positiv fortschreitet. Die Insiderkäufe und die konsequente Umsetzung der neuen Strategie sollten dem Kurs von mVISE weiter Auftrieb geben.

Patrizia: Business hui, Aktienkurs pfui. Noch...

Mit Immobilienaktien ist zuletzt kein Blumentopf zu gewinnen und dafür müssen eine ganze menge an Begründungen herhalten. Mal ist es die US-Präsidentenwahl, mal ist es die Furcht vor steigenden Zinsen, mal ist es eine angeblich drohende Immobilienblase am deutschen Häusermarkt. Und auch die Aktien von Gewerbeimmobilienspezialisten konnten sich diesem Trend nicht entziehen und gaben teilweise deutlich nach. Zeit für ein Umdenken!

Anstatt auf die Kurse zu starren und auf die Marktbewegungen, sollten wir uns an Warren Buffetts weise Worte erinnern, der uns rät, uns auf das Business zu konzentrieren, nicht auf die nervösen Verstimmungen von "Mr. Market". Also schauen wir mal, was Patrizia denn so gemacht hat die letzten Wochen...

»Denke nicht in Kursbewegungen, denke in Geschäftsergebnissen.«
(Warren Buffett)

Die Patrizia Immobilen AG hat sich von einem Immobilien-Bestandsunternehmen zu einem bankenunabhängigen Immobilien-Investmenthaus gewandelt. Dabei deckt man den gesamten Immobilien-Lebenszyklus ab und bietet den Kunden ein umfangreiches Angebot an Dienstleistungen rund um Wohnimmobilien. Patrizia bietet Akquisition & Consulting, Asset Management, Wohnungsprivatisierung, Immobilienmanagement, Projektentwicklung, Bautechnik und Sales. Zu den Kunden gehören institutionelle Investoren, gewerbliche und private Anleger sowie Selbstnutzer.

Nachdem man hervorragende Halbjahreszahlen vorlegen konnte, gab es für die Aktionäre eine zehnprozentige Dividendenausschüttung. Allerdings nicht in klassischer Form, denn Patrizia schüttet seit Jahren keine Bardividenden mehr aus, sondern beteiligt die Aktionäre am Unternehmenserfolg durch die Ausgabe von sog. Berichtigungsaktien. Statt einer Überweisung erhält der Aktionär also zusätzliche Aktien in sein Depot eingebucht. Und zwar bereits zum wiederholten Mal in Folge im Verhältnis 10 zu 1. Für 10 Bestandsaktien erhielt man also eine weitere hinzu, die nun auch wiederum am Unternehmenserfolg und am Gewinn beteiligt ist. Flapsig formuliert könnte man also sagen, die Dividendenrendite läge bei 10%.

 Patrizia Immobilien (Quelle: finanzen.net) 
Nachdem Patrizia sich sukzessive vom eigenen Immobilienbestand trennt, hat man zuletzt auch das Geschäft der Immobilienbewirtschaftung aufgegeben. Genauer gesagt, man die Sparte an die DIM Deutsche Immobilien Management (DIM Property Value GmbH) verkauft, die mit dem Start des nächsten Jahres die Geschäfte übernehmen wird - auch für die Patrizia-Liegenschaften, denn das ist teil des Deals, denn Patrizia benötigt ja auch in Zukunft einen kompetenten Dienstleister, der die ihr anvertrauten Vermögenswerte professionell und engagiert betreut. Für Patrizia wiederum ist der Verkauf ein weiterer Schritt im Zuge der strategischen Weiterentwicklung, bei der man sich noch stärker auf das Investment-Management fokussieren will, das eigentliche Kerngeschäft.

Einen eher kleineren Zukauf hat man in Leipzig getätigt, wo man 74 Neubauwohnungen für einen von Patrizia verwalteten Immobilienfonds erworben hat, folgte ein spektakulärer Deal, als man für den Samsung-Konzern den Commerzbank-Tower in Frankfurt übernahm. Noch deutlich größer ist der Zukauf, der zuletzt vermeldet wurde. Hier wurde für einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag ein Portfolio mit 3.488 Wohnungen in Westdeutschland erworben, deren Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern liegt. Der überwiegende Teil soll gehalten und aktiv bewirtschaftet werden. Die 3.488 Wohneinheiten verfügen über eine Gesamtfläche von 223.000 Quadratmetern und weisen nur eine geringe Leerstandsquote von weniger als drei Prozent auf. Der Ankauf erfolgt für ein Individualmandat im Auftrag einer großen deutschen Versicherung und erfolgte abseits der offiziell angebotenen Objekte, was die gute Vernetzung von Patrizia im europäischen Immobiliensektor belegt und ein ganz erhebliches Asset selbst darstellt.

Meine Einschätzung
Patrizia Immobilien ist operativ weiterhin sehr erfolgreich unterwegs. Die Transformation vom deutschen Immobilienbestandshalter hin zu einem europaweit agierenden Immobilien-Asset-Manager birgt angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase weiterhin großes Potenzial für geduldige Anleger. Der Fokus auf institutionelle Investoren trägt Früchte, denn diese haben angesichts ihrer immer weiter zusammenschrumpfenden Zinseinnahmen wenig Alternativen, als sich in neue Anlagen zu begeben, wie den Immobiliensektor. Und hier weist Patrizia Immobilien eine hohe Kompetenz und ausgezeichnete Vernetzung in der Branche auf, die Investoren selbst nicht im Vorbeigehen erwerben können. Daher wählen sie immer öfter Patrizia als kompetenten Partner und vertrauen den Süddeutschen ihr Investmentvermögen an.

Anleger sollten sich nicht von den Kursen zu sehr beeinflussen lassen, sondern vor allem auf die Unternehmensentwicklung schauen. Und hier läuft bei Patrizia alles im Plan und man kommt dem selbstgesteckten Ziel, die Assets under Management (AuM), also das verwaltete Vermögen, auf mehr als €20 Mrd. zu steigern, in großen Schritten näher. Und je mehr AuM Patrizia generiert, desto höher sind die stetigen Einnahmen aus Provisionen und Gebühren, die das eigene Säckel füllen.

Patrizia Immobilien befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot. Der aktuelle Kurs bei knapp €18 spiegelt aus meiner Sicht kaum den wahren Wert wider und ich denke, die Analystenziele vom Bankhaus Lampe bei €25, der Baader Bank bei €26 und die von Oddo Seydler mit €27 geben ein Bild, wohin die Reise eigentlich gehen sollte. Zwischen der mittleren Empfehlung von €26 und den aktuell aufgerufenen €18 liegen immerhin satte 45%. Die Frage ist nur, wann der Markt diese Unterbewertung erkennt und in der Folge abbaut. Insofern brauchen Anleger unter Umständen ein bisschen Geduld, bis die Kurspotenziale gehoben werden und der Aktienkurs seinen langfristigen Aufschwung wieder aufnimmt.



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ERGÄNZUNG VOM 07.11.2016
Patrizia hat heute 9-Monatszahlen präsentiert und die sind so gut, dass man die bisherigen Jahresprognosen anheben muss. Die ursprüngliche Erwartung eines operativen Ergebnisses von €250 Mio. hat Patrizia Immobilien mit €252,5 Mio Millionen Euro schon nach neun Monaten erreicht. Im Vorjahr lag der Wert noch bei € 112,2 Mio. und wurde somit weit mehr als verdoppelt. Nach der Prognoseanhebung erwartet Patrizia bis zum Jahresende nun €265 Mio.

Auch der Gewinn kann sich mehr als sehen lassen, wurde allerdings durch einen Sondereffekt günstig beeinflusst. Denn man hat den so "Harald"-Wohnungsbestand an die Deutsche Wohnen verkauft, der allein mehr als €200 Mio. einbracht und sehr lukrativ war. Doch auch ohne diesen Effekt hätte sich der operative Gewinn in den ersten 9 Monaten von €24,1 auf €43,9 Mio. fast verdoppelt.

Elektrisierend ist auch der Ausblick aufs nächste Jahr, wo Patrizia von von einem Nettowachstum der Assets under Management (AuM) von €2 Mrd. aus bei einem Gesamttransaktionsvolumen von etwa €4 Mrd. Auf dieser Basis erwartet das Management ein laufendes operatives Ergebnis von mindestens €55 Mio., das aber durchaus auch höher ausfallen könnte, wenn ein höheres Transaktionsvolumen, eine höheren leistungsabhängige Vergütung und/oder die Investition der liquiden Mittel von über €300 Mio. gelingen würde.

Dienstag, 1. November 2016

Aktienrückkauf: Hypoport will dem eigenen Aktienkurs kräftig Zunder geben

Das im SDAX notierte Fintech-Unternehmen Hypoport wird künftig eigene Aktien zurückkaufen und zwar bis zum 31. März 2017. Bis zu diesem Zeitpunkt wird das Unternehmen bis zu €5 Mio. für den Rückkauf eigener Aktien aufwenden, deren Kurs max. €80 betragen darf - jeweils zzgl. Nebenkosten.

Nicht nur Warren Buffett ist ein großer Befürworter von Aktienrückkäufen und schätzt ihren Mehrwert für die Aktionäre. Und so sollte diese Maßnahme dem Kurs Auftrieb verleihen, der nach der Kursvervielfachung im letzten Jahr zuletzt bis auf die Marke von €70 zurückgefallen war. Dabei konnte das Unternehmen gute Zahlen präsentieren und wächst weiterhin schneller als der Markt. Hypoport ist ein "Game-Changer" in der Bankenlandschaft und wird einer der großen Gewinner des Umbruchs in der Bankenbranche bleiben. Die Wachstumskurve hat sich abgeflacht, während sich die Gewinne verstetigen. Für Langfristanleger bietet Hypoport hervorragende Perspektiven, da die gegenwärtigen Zahlen noch durch die massiven Investitionen in die neue Versicherungsplattform belastet sind, die spätestens ab 2018 signifikante Ergebnisbeiträge generieren dürften.

Hypoport befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Montag, 31. Oktober 2016

Börsenweisheit der Woche 44/2016

"Das Problem bei Rohstoffen ist, dass Du darauf wettest, dass jemand anderes in einem halben Jahr mehr dafür bezahlen will. Der Rohstoff selbst bringt Dir nichts. Etwas zu kaufen und darauf zu hoffen, dass Dir jemand in zwei Jahren mehr dafür bezahlt, ist etwas komplett anderes, als etwas zu kaufen, von dem Du in Zukunft ein Einkommen erwartest."
(Warren Buffett)

Freitag, 28. Oktober 2016

Enttäuschung? Nein! Bei Amazon kauft jeder ein. Auch ich...

Amazon hat Quartalszahlen vorgelegt und konnte die Erwartungen der Wall Street beim Gewinn nicht erreichen und auch der Ausblick auf das so wichtige Weihnachtsquartal enttäuscht die Analysten. Die Aktie bricht daher um mehr als 5% ein und bietet damit eine neue gute Gelegenheit zum Einstieg.

Die Zahlen
Der Umsatz im abgelaufenen Quartal stieg auf $32,7 Mrd. und lag damit im Rahmen der Markterwartungen, während der Nettogewinn auf $252 Mio. kletterte bzw. 52 Cents je Aktie. Erhofft hatte man sich hier 78 Cents je Aktie und das sieht auf den ersten Blick enttäuschend aus, allerdings hilft der Vergleich mit dem Vorjahresquartal. Hier hat Amazon beim Umsatz um fast ein Drittel zugelegt und den Gewinn je Aktie sogar mehr als verdreifacht. Zudem schrieb Amazon das sechste Quartal in Folge schwarze Zahlen, auch daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Und da sind wir beim entscheidenden Punkt, dass nämlich Amazon-Chef Bezos keinen Millimeter von seiner Strategie abgewichen ist und Amazon dennoch Gewinne erzielt.

Die Strategie
Mehr, mehr, mehr, das ist Bezos Strategie. Was Amazon an Cashflows einbringt, investiert er in den Ausbau des Geschäfts und neue Geschäftsfelder. Aber in solche, die das originäre Amazon-Business stärken und erweitern. So sind denn auch die hohen Investitionen Schuld daran, dass der Nettogewinn nicht die Erwartungen erfüllt. Denn Amazon baut seine Logistik aus, stellt alleine für die Weihnachtszeit 120.000 Aushilfskräfte ein, und es forciert sein Prime-Angebot. Das ist eine Kosten-Flatrate für Kunden, für einen festen Preis pro Jahr erhält man seine Sendungen kostenlos, kann das Streamingangebot von Amazon kostenlos nutzen und künftig bekommt man gegen einen kleinen Aufpreis auch seine Lebensmittellieferungen direkt nach Hause. Das klingt jetzt nicht spektakulär, allerdings bindet Amazon so die Kunden an sich, denn wer schon per Abo die Kosten bezahlt hat, der nutzt auch das Angebot und eben nicht das der Konkurrenz. Und anders als Netflix bietet Amazon eben auch Bücher an und Klamotten und Lebensmittel und Musik und und und...

 Amazon (Quelle: finanzen.net) 
Und dann die neuen Angebote/Dienste von Amazon, wie der Echo. Nur ein kleines Gerät, ein digitaler Assistent mit dem integrierten Amazon-eigenen Sprachassistenten Alexa. Über Sprachbefehle werden verschiedene Dienste abgerufen, wie z.B. Musik abspielen, Termine ansagen, Waren auf die Einkaufsliste setzen. Klingt jetzt nicht gewaltig, aber es ist ein weiterer Zugang zum Amazon-Ökosystem, das die Nutzer jenseits der Website und der Handy-App an Amazon bindet und über Amazon Dienste und Waren ordern lässt. Dabei arbeitet Amazon auch daran, Haushaltshilfen und Handwerkerleistungen anzubieten. Amazon baut also einen Rundumservice um seine Kunden herum und an allen diesen Services verdient man - zunächst mit schmalen Margen, aber die Menge macht es. Denn ab einem gewissen Grad wird dieses Geschäft skalierbar. Und auch die eigenständige Lieferung von Lebensmitteln und Waren passt ins Konzept. Amazon will nicht mehr auf Paketdienste wie DHL oder UPS angewiesen sein. Man erprobt eigene Zustellungen und man setzt auch auf Drohnen. Die werden nicht zuvorderst schwere Pakete befördern, sondern kleine Lieferungen, wie Lebensmittel oder Waschpulver. Es muss also keine große Sammelbestellung mehr sein, sondern gerne auch mehrmals täglich kleine Dinge. Auch dazu dient der Dash-Button, den man sich z.B. an seine Waschmaschine klebt. Drückt man den, erhält Amazon die Meldung, dass es Ariel-Waschmittel liefern soll (oder Persil oder Spee, was auch immer der Kunde zuvor ausgewählt hat). Kein langwieriger Bestellprozess mehr, kein Losfahren zum Supermarkt. Einfach einen Knopf drücken und fertig.

In diese Projekte fließt das Geld, in die Zukunft. So hat es Amazon-Chef Bezos schon immer gehalten, er hat eine klare Vorstellung wie Amazon in Zukunft seine Kunden bedienen wird. Diese Zukunft lässt er nicht auf sich zukommen, sondern er gestaltet sie, er formt sie nach seinen Vorstellungen. Und er setzt auf starkes Kundenwachstum und darauf, diese Kunden langfristig an Amazon zu binden. Wen er einmal gewonnen hat, den will er nicht wieder hergeben. Amazon hat einen starken ökonomischen Burggraben (Moat) und baut diesen noch immer weiter aus.

AWS macht richtig Spaß
Und das betrifft nicht nur den Endverbraucher, sondern auch Firmenkunden. Insbesondere diejenigen, die Amazons Cloud-Angebot nutzen, die Amazon Web Services (AWS).  Der Umsatz der AWS-Sparte stieg um 55 Prozent auf $3,2 Mrd. und der operative Gewinn verdoppelte sich glatt auf  $861 Mio. Amazon ist hier mit weitem Abstand Marktführer vor Microsoft, IBM und Google. Der operative Gewinn aus der Datenwolke liegt inzwischen drei Mal so hoch wie der aller anderen Aktivitäten in Nordamerika zusammen.

Meine Einschätzung
Amazon ist kein Value Investment, kein behäbiges, beständiges Unternehmen, das viel Geld scheffelt und an die Aktionäre auskehrt. Amazon ist Wachstum, Amazon ist Innovation, Amazon ist Disruption. Und dennoch ist Amazon inzwischen profitabel, es kann sich die enormen Investitionen nicht nur aus dem Cashflow leisten, sondern auch unterm Strich bleibt immer mehr Geld hängen. Damit ist Amazon ein ganz klassisches Philip Fisher-Investment, ein Quality Investment mit einer starken Marke, enormen Wachstum, gigantischen Cashflows und ein Unternehmen mit einem starken ökonomischen Burggraben.

»Den größten Investmenterfolg erzielt, wer durch Glück oder gesunden Menschenverstand gelegentlich ein Unternehmen findet, das seinen Umsatz und seinen Gewinn über die Jahre weit besser steigern kann als die Industrie als Ganzes. Des Weiteren zeigt sich, dass wir, wenn wir glauben, ein solches Unternehmen gefunden zu haben, besser über einen langen Zeitraum investiert bleiben sollten.«
(Philip A. Fisher)

Amazon befindet sich seit einiger Zeit auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot. Und ich habe die heutige Kursschwäche zum Aufstocken genutzt, so dass Amazon inzwischen eine meiner größten Investitionen ist.

Novo Nordisk kriegt die Kurve nicht (mehr)...

Im August hatte der weltgrößte Insulinhersteller Novo Nordisk seine Prognosen für das laufende Jahr leicht gesenkt und der damalige Kurseinbruch schien eine gute Gelegenheit zu sein, sich vergleichsweise günstig in ein Top-Unternehmen in einem wachsenden Markt einzukaufen. Und diese Annahmen stimmen weiterhin, nur kriegt Novo Nordisk die PS selbst nicht (mehr) auf die Straße.

Miese Zahlen
Nachdem schon der Chef seinen Hut genommen hatte, musste der Konzern heute massiv zurückrudern, weil sich seit Februar das Umfeld in den USA zunehmend verschlechtert habe. Das klingt schon ganz anders, als noch die Aussagen zuvor, als man von eher vorübergehenden leichten Huppeln ausgegangen war. Für das Gesamtjahr rechnen die Dänen nur noch mit einem währungsbereinigten Umsatzplus zwischen 5 und 6 Prozent und der bereinigte operative Gewinn soll um 5 bis 7 Prozent zulegen. Das wäre jeweils ein Prozentpunkt weniger, als man bisher jeweils am oberen Ende der Spanne angenommen hatte. Der operative Gewinn ging um 3 Prozent auf 37,2 Mrd. dänische Kronen (€5 Mrd.) zurück. Unter dem Strich verdiente der Hersteller 29,2 Mrd. Kronen und damit 10 Prozent mehr als im Vorjahr, während der Umsatz um 4 Prozent auf 82,2 Mrd. Kronen zulegte.

Ganz mieser Ausblick
Und Novo Nordisk setzt noch einen drauf, indem nun die mittel- und langfristigen Prognosen und ziele massiv heruntergesetzt werden, weil die preise für Insulin und Wachstumshormone weltweit unter Druck stünden. Langfristig dürfte der operative Gewinn nur noch um 5 Prozent steigen und damit halb so stark wie ursprünglich erwartet.

Meine Einschätzung
Novo Nordisk ist hoch bewertet und das ist war angesichts des starken Wachstums auch gerechtfertigt gewesen. Die Probleme in den USA und der Wettbewerbsdruck wurden allerdings unterschätzt und setzen dem Unternehmen zu. Viel gewichtiger ist jedoch, dass die langfristigen Erwartungen um die Hälfte zurückgeschraubt wurden. Das ist ernüchternd und stellt eine hohe Bewertung natürlich infrage. Und nach dem Sündenfall ist vor dem Sündenfall... Das Vertrauen in das Unternehmen ist arg angeschlagen und es stellt sich die Frage, ob die nun reduzierten Prognosen nicht auch noch zu hoch sind und erfüllt werden können. Denn eine Besserung der Probleme ist nicht in Sicht, eher das Gegenteil.

Ich muss leider bekennen, dass ich mit meinem Einstieg daneben lag und ziehe die Konsequenzen - zu knapp €33 mit zweistelligem Verlust. Novo Nordisk stellt spätestens seit der heutigen Prognosekappung eher eine Blackbox dar und daher nehme ich sie von der Empfehlungsliste. Das Unternehmen muss seine Probleme in den Griff bekommen und erst dann kann es sich wieder als Investment empfehlen. Zur Zeit eignet es sich allenfalls als spekulativer Ritt mit der Aussicht auf eine Gegenreaktion auf den neuerlichen Kurseinbruch.

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Bei Genworth Financial auf den Übernahme-Poker setzen?

Die frühere Versicherungssparte des US-Giganten General Electric, Genworth Financial Inc. (NYSE: GNW), hat mit einigen Problemen zu kämpfen und deshalb ist der Kurs in den letzten beiden Jahren von $18 auf $2 eingebrochen. Kurz vor der Finanzkrise hatte er sogar einmal bei $37 gestanden, doch das ist Geschichte. Ich hatte GNW hier im Blog Anfang März vorgestellt und bin der Frage nachgegangen, ob es sich um ein Schnäppchen oder eine Value Trap handelt. Und habe eine erste Investition zu €1,72 getätigt.

Der Grund war, dass GNWs Buchwert über $30 je Aktie beträgt und der Aktienkurs verglichen hiermit ein Witz ist. Auf der Gegenseite ist zu vermerken, dass in GNWs Geschäften der Wurm drin ist. Nicht nur bei den klassischen Lebensversicherungen, deren Vertrieb man ausgesetzt hat, weil sie sich so gar nicht mehr rechne(te)n aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase, sondern viel mehr bei den Long Term Care-Produkten, also langlaufenden Pflegeversicherungen. Diese LTCs bereiten nicht nur Genworth Financial Sorgen, sondern der gesamten Branche, denn die Leute werden immer älter und die Behandlungen immer teurer. GNW selbst hatte dann auch noch seine Policen falsch kalkuliert und ist ist erst nach längerer Zeit auf den Rechenfehler aufmerksam geworden. Die auf dieses Basis abgeschlossenen Policen muss man aber dennoch erfüllen und die bereiten weiterhin und zunehmend Kopfschmerzen. So starke, dass im dritten Quartal eine erneute heftige Abschreibung hierfür fällig war. Nachdem man 2014 bereits $698 Mio. abgeschrieben hatte, folgten nun noch einmal $475 Mio. Und die Sorgen der Anleger sind, dass dies nicht die letzten Abschreibungen auf dieses Geschäft gewesen sein dürften. Und hier liegt der Hund begraben...

 Genworth Financial Inc. (Quelle: finanzen.net) 
Wie werthaltig ist der ausgewiesene Buchwert wirklich, wenn man ständig damit rechnen muss, dass dieser durch Abschreibungen zusammengeschrumpft wird? Denn Genworth Financial verdient im operativen Geschäft nicht genug, um derart hohe Abschreibungen zu kompensieren.

Nun, zwischen einem Aktienkurs von unter $5 und einem Buchwert von über $30 ist schon noch eine ganze Menge Luft. Und man darf auch nicht vergessen, dass die meisten dieser kritischen LTC-Policen aus Mitte der 1990er Jahre stammen und der betreffende Personenkreis immer kleiner wird, einfach durch den natürlichen Lauf des Lebens.

Also selbst wenn GNW den Wert seines LTC-Business irgendwann noch einmal heruntersetzen muss, ist dies keine endlose Todesspirale, sondern ein überschaubares Problem. Und bisher hat das GNW-Management auch immer den Eindruck vermittelt, die Probleme seien zwar nicht klein, aber beherrschbar - und dass man sie beherzt angehe.

Umso unverständlicher ist für mich, dass man sich für nur $5,43 je Aktie in die Arme eines chinesischen Versicherungskonzern flüchten will. Sicherlich, Oceanwide Holdings bringt auch frische Finanzmittel in GNWs Geschäft ein, das dort sehr willkommen sind, aber eine Lösung dieser kurzfristigen Liquiditätssorgen rechtfertigen doch keine Verschleudern der Zukunft!

»Für augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht.«
(Werner von Siemens)

Ich halte das Angebot der Chinesen für völlig unangemessen. Und dass das GNW-Management dieses auch noch zur Annahme empfiehlt, ist schlicht unglaublich. Vielleicht ist dies auch dem Umstand geschuldet, dass das GNW-Management bei diesem Deal an Bord bleiben soll - vermutlich ein nicht zu unterschätzender Aspekt in dieser Gemengelage.

Auch wenn ich glaube, dass man durchaus mit einigen größeren Investoren im Vorfeld der Offerte gesprochen hat, kann ich mir nicht vorstellen, dass viele Aktionäre dieses Angebot annehmen werden. Eine Mindestannahmequote hat Oceanwide nach meiner Kenntnis nicht vorausgesetzt und daher könnte es darauf hinauslaufen, dass ein großer Freefloat bestehen bleibt.

Eine andere Überlegung ist, ob nicht jemand anderes eine Übernahme von Genworth Financial starten könnte. Denn zu GNW gehören auch börsennotierte Sahneschnittchen, wie Genworth Canada, an denen GNW noch rund 57% hält im Wert von rund $1,15 Mrd. Oder Genworth Australia, deren 52%-Anteil von Genworth aktuell gut $3 Mrd. wert ist. Nur diese beiden Anteile zusammen machen schon einen Wert je GNW-Aktie von $3,50 aus.

Meine Einschätzung
Die China-Offerte hat den Aktienkurs von Genworth Financial ziemlich unter Druck gesetzt und er hat um mehr als 15% nachgegeben. Vor allem wegen der erneuten Abschreibungen auf das LTC-Business und weil das Übernahmeangebot nur magere 4% Aufgeld auf den Vortagesschlusskurs bot. Dabei stellt sich die Situation doch so dar, dass bis Mitte 2017 Oceanwide die Aktien zu $5,43 einsammeln will - also jede Aktie, die man heute kauft, in gewisser Weise nach unten gut abgesichert ist. Auf der anderen Seite ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch andere Bieter, neben Versicherungen auch Finanzinvestoren, nun auf den Zug aufspringen könnten, um sich das Buchwert-Schnäppchen Genworth Financial unter den Nagel zu reißen. Ich habe daher die heutigen Ausverkaufskurse unter €4 nochmals zum Nachkauf genutzt, und inzwischen meine Position verdoppelt. Ich glaube, hier geht noch mehr. Viel mehr...

Genworth Financial befindet sich als Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Montag, 24. Oktober 2016

Börsenweisheit der Woche 43/2016

"Den Starken zu schwächen, stärkt nicht den Schwachen."
(Abraham Lincoln)

Samstag, 22. Oktober 2016

Zahlen & Mehr: Funkwerk, Hypoport, Microsoft, PayPal, Sixt, Villeroy & Boch

:: Funkwerk
Funkwerk-Großaktionär Hörmann Finance wird ihre Beteiligung an der Funkwerk AG noch in diesem Jahr auf einen Mehrheitsanteil ausbauen. Die Anteile an Funkwerk übernimmt man gegen Verrechnung von Schulden von der Hörmann Funkwerk Holding GmbH und anschließend wird die Hörmann Finance 78,35% an der Funkwerk AG halten.

Meine Einschätzung
Grundsätzlich ändern tut sich nichts, auch zuvor schon hatte die Hörmann-Gruppe das Sagen bei Funkwerk. Nachdem bei Funkwerk inzwischen allerdings immer deutlicher der erfolgreiche Turnaround in den Vordergrund drängt, dürfte diese "Optimierung der Konzernstruktur" bei der Hörman-Gruppe wieder Übernahmephantasien bzgl. der Funkwerk AG beflügeln. Geduldige Anleger setzen auf die operativen Fortschritte und den nachhaltigen Turnaround; die Übernahme-Spekulation ist nur ein leckeres Zubrot.


:: Hypoport
Das im SDAX notierte Fintech-Unternehmen wartete mit vorläufigen 9-Monats-Zahlen auf und die konnten sich sehen lassen. So wird ein Umsatz von rund €113,5 Mio. (9M 2015: €103,1 Mio.) und ein Ertrag vor Zinsen und Steuern (EBIT) von rund €17 Mio. erwartet. Das EBIT konnte somit gegenüber dem ersten neun Monaten des Vorjahrs mit einer Steigerung um 15% überproportional ausgebaut werden (9M 2015: €14,7 Mio.). Und kurz zuvor hatte man auch Zahlen für das Transaktionsvolumen auf der Finanzplattform Europace vorgelegt, wo im dritten Quartal ein Rekordvolumen von €11,8 Mrd. erzielt wurde und damit 8% mehr als im Vorquartal. Für den bisherigen Jahresverlauf in den ersten 9 Monaten verzeichnet Hypoport allerdings einen leichten Rückgang der Summe auf €33,1 Mrd., was an den beiden schwachen Monaten April und Mai liegt, in denen sich die neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie besonders negativ ausgewirkt hatte.

Meine Einschätzung
Hypoport ist ein "Game-Changer" in der Bankenlandschaft und wird einer der großen Gewinner des Umbruchs in der Bankenbranche bleiben. Die Wachstumskurve hat sich abgeflacht, während sich die Gewinne verstetigen. Für Langfristanleger bietet Hypoport hervorragende Perspektiven, da die gegenwärtigen Zahlen noch durch die massiven Investitionen in die neue Versicherungsplattform belastet sind, aus denen in den folgenden Jahren dann hohe Erträge zu erwarten sind.


:: Microsoft
Der IT-Riese legte Quartalszahlen vor und diese fielen ziemlich positiv aus. Der Umsatz im Geschäftsbereich Windows-Software und Mobilfunk fiel um 2% auf $9,3 Mrd. und das beinahe vollständig aufgegebene Smartphone-Geschäft ("Nokia") brach um weitere 72% ein. Und auch die Gaming-Sparte um die Spielkonsole Xbox gab um 5% niedrigere Umsätze her. Während diese negativen Aspekte bereits erwartet wurden, konnte Microsoft in den übrigen Bereichen massiv punkten. Die Office-Sparte, die inzwischen verstärkt als Abo angeboten werden,legte 6% auf $6,7 Mrd. zu und die Cloud-Sparte wuchs sogar um 8% auf $6,4 Mrd. Insbesondere der Cloud-Dienst Azure, mit dem Unternehmen ihre Websites, Apps oder Daten verwalten können, konnte beim Umsatz nahezu um 100% zulegen. Unterm Strich legte der bereinigte Konzernumsatz um 3% auf $22,3 Mird. zu und auch der Überschuss von $4,7 Mrd. lag über den Erwartungen der Analysten. Obwohl er auf Jahressicht um 4% nachgab.

Meine Einschätzung
Satya Nadella trimmt Microsoft auf Zukunft und hat aus dem angestaubten Software-Dinosaurier wieder ein hippes Business geformt. Sein Credo "Cloud first, mobile first" trägt Früchte und hat die Aktien von Microsoft auf ein neues Allzeithoch katapultiert und somit sogar die einstigen Höchststände aus der Zeit des Internet-Hypes und dem Platzen der Dot-Com-Blase Anfang 2000 hinter sich gelassen. Trotz der Schwäche beim Windows-Betriebssystem, das unter weiterhin nachgebenden Absätzen bei PCs und Notebooks leidet, befindet sich Microsoft auf dem richtigen Weg und dürfte für Anleger auch künftig eine  erstklassige Wahl bleiben. Dazu trägt sicherlich auch bei, das Microsoft seine Quartalsdividende um 8% auf $0,39 anheben wird und ein weiteres Aktienrückkaufprogramm im Volumen von $40 Mrd. angekündigt hat.


:: PayPal
Der Bezahldienst Paypal konnte seinen Umsatz und Gewinn im vergangenen Quartal deutlich steigern. Die Erlöse kletterten im Vorjahresvergleich um 18% auf €2,7 Mrd., wie die ehemalige Ebay-Tochter mitteilte. Der Überschuss legte dabei um 7% auf €323 Mio. zu und für das traditionell konsumfreudige Weihnachtsquartal stellt PayPal ein Umsatzwachstum zwischen 14 und 17 Prozent in Aussicht.

Meine Einschätzung
PayPal profitiert vom zunehmenden Trend hin zu mobilen und bargeldlosen Bezahlformen und als Platzhirsch im E-Commerce-Business wächst man überproportional. Denn die wichtigste Währung beim Onlinebezahlen bleibt Vertrauen und hier hat PayPal eine sehr starke Marktstellung, einen ökonomischen Burggraben ("Moat"). Allerdings wird es künftig schwerer, sich hier zu behaupten, da mit Apple und Amazon zwei Giganten zu Konkurrenten heranwachsen, die über eine sehr breite Kundenbasis verfügen, denen man über die eigene Shops bereits Bezahldienstleistungen zur Verfügung stellt und die dort eigene Konten unterhalten. Und die beide ebenfalls über hohes Kundenvertrauen verfügen. PayPal wird sich hier jedoch auf absehbare Zeit behaupten können, auch weil der Markt insgesamt rasant weiter wächst.


:: Sixt Vz.
Der Autovermieter Sixt hat vorläufige Zahlen für das dritte Quartal präsentiert und im Anschluss seine Jahresprognose angehoben. Der Gewinn stieg von €79 Mio. auf rund €90 Mio. Diese deutliche Steigerung beruht nach Unternehmensangaben "im Wesentlichen auf einer im Geschäftsfeld Autovermietung im Ausland stark gestiegenen Nachfrage, verbunden mit einer hohen Auslastung der Vermietflotte und geringeren Refinanzierungskosten“. Für das Gesamtjahr rechnet Sixt nun mit einem Vorsteuerergebnis von mindestens €200 Mio.

Meine Einschätzung
Der umtriebige Autovermieter fährt weiter voll auf Kurs und bleibt der Top-Pick im Autovermietbusiness für langfristig orientierte Anleger, nicht nur wegen der üppigen Dividendenrendite.


:: Villeroy & Boch
Der Porzellan-Konzern hat seine 9-Monats-Zahlen vorgelegt und kann einen Umsatzanstieg um 2,8% auf €594,7 Mio. vermelden, während der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) sogar um 7,7% auf €23,8 Mio. gesteigert werden konnte. Das Konzernergebnis stieg auf €13,9 Mio. nach zuvor €12,5 Mio. Insbesondere mit dem robusten deutschen Heimatmarkt zeigte sich Villeroy & Boch zufrieden und bestätigte die bisherige Prognose für das Gesamtjahr, die einen Umsatzanstieg um 3 bis 6 Prozent vorsieht, während der operative Gewinn zwischen 5 und 10 Prozent gesteigert werden soll.

Meine Einschätzung
Villeroy & Boch gelingt es, seine Margen zu verbessern und sich auf seine Kerngeschäftsfelder zu konzentrieren. Daneben winken noch hohe Sondererträge aus Immobiliengeschäften, weil das Unternehmen in mehreren Ländern seine oftmals innenstädtischen Produktionsstätten aufgegeben hat und diese Liegenschaften nun verkauft werden. Insbesondere das Grundstück in Luxemburg dürfte hier in absehbarer Zeit zu über mehrere Jahren verteilten Erlösen führen. Und diese Kombination aus operativen Erfolgen und Mehrwert generierenden Sonderfaktoren macht Villeroy & Boch für Langfristanleger auch weiterhin interessant.

Funkwerk, Hypoport, Microsoft, PayPal, Sixt und Villeroy & Boch befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Freitag, 21. Oktober 2016

Wer kauft denn da bei S&T? Es ist der Hannes...

Kürzlich hatte S&T einen gewaltigen Deal angekündigt, den CEO Hannes Niederhauser als "den größten Deal seines Lebens" bezeichnet. Die taiwanesische Foxconn steigt mit 29,4% bei S&T ein, die wiederum selbst 29,9% an der Kontron AG übernimmt. Im Zuge dieser Transaktion steigt Großaktionär Grossnig komplett aus und auch Niederhauser verkauft rund die Hälfte seiner Aktien an die Foxconn.

Da Kontron seit Jahren hohen Verluste einfährt, kam die Nachricht bei vielen S&T-Aktionären nicht so gut an und der Kurs brach in ersten Reaktionen deutlich ein. Dabei bietet insbesondere die neue Kooperation mit Foxconn für S&T hervorragende Perspektiven, die Hannes Niederhauser mit Umsatzwachstum, Margenausweitungen und Gewinnsteigerungen beschreibt. Da wundert es dann einige, dass er sich von einem Teil seiner Aktien trennt, zumal er als CEO bei S&T kein Gehalt bezieht.

 S&T AG (Quelle: finanzen.net) 
Niederhauser hat für seine S&T-Aktien gut €11,10 von Foxconn erhalten und was tut er mit dem vielen Geld? Er kauft S&T-Aktien. Er nutzt also die niedrigen Kurse, um sich wieder einzudecken. So hat er am 19.10. Aktien zu durchschnittlich €9,40 erworben und am 20.10. weitere Aktien zu durchschnittlich €9,699. Und es dürften nicht seine letzten Käufe gewesen sein...

Teil des Foxconn-Deals war, dass er sich von einem Teil seines Aktienpaktes trennen musste, damit Foxconn einen großen Anteil auf Schlag sicher hatte. Das hindert Niederhauser jedoch nicht, über die Börse Aktien zu erwerben und seinen Anteilsbestand wieder auszubauen. Einen deutlicheren Beweis dafür, dass er an eine rosige Zukunft von S&T glaubt und der Foxconn-Deal in seinen Augen wirklich der Deal seines Lebens ist, gibt es wohl kaum. Und wenn man sieht, was der Visionär Niederhauser aus der kränkelnden Gericom/Maxdata für ein Unternehmen aufgebaut hat, dann könnte man geneigt sein, ihm auf seinem Weg (weiterhin) zu folgen. Und S&T-Aktien zu kaufen.

S&T befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot. Und auch ich habe die letzten Tage zum Aufstocken meiner Position genutzt. Mach's noch einmal, Hannes...


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ERGÄNZUNG VOM 25.10.2016
S&T meldet, das Hannes Niederhauser am 24.10.2016 weitere 25.000 Aktien zu €9,40 über XETRA erworben hat.

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Andere Ansichten: Schielt Clere auf das PNE-Portfolio?

Nachdem aus dem ehemaligen Kunststoffproduzenten Balda AG durch Veräußerung des operativen Geschäfts die Clere AG wurde, ist es ruhig geworden um das Unternehmen. Was nicht heißt, dass sich nichts tut. So will die Clere AG nach Berlin umziehen und hat kürzlich die Kapitalherabsetzung um €9 je Aktie vollzogen und diese steuerfrei an die Aktionäre ausgekehrt. Dies hat das Unternehmen €53 Mio. gekostet und die verbliebenen Mittel stehen für die Neuausrichtung hin zu Investments im Bereich erneuerbarer Energien und Beteiligungen zur Verfügung.

Hier kommt Börse Online ins Spiel, die in ihrer aktuellen Printausgabe von Gerüchte berichten, nach denen sich Clere um das zum Verkauf stehenden Windpark-Portfolio der PNE Wind bemühe. Die acht Windparks würden eine Nennleistung von 152 MW aufweisen und auf einen Wert von rund €300 Mio. taxiert - was sich Clere angesichts seiner Barmittel von knapp über €150 Mio. durchaus leisten könne. Und mit einer solchen Übernahme würde Clere auf einen Schlag bei den Großen mitspielen und zu einer ernstzunehmenden Hausnummer im Bereich der Erzeuger erneuerbarer Energien werden.

Montag, 17. Oktober 2016

Deutsche Beteiligungs AG übertrifft Gewinnprognose um mehr als 20 Prozent

Der Asset-Manager Deutsche Beteiligungs AG hat heute vorab seine ungeprüften Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2015/2016 vorgelegt, das am 30. September beendet war. Entgegen der bisherigen Prognosen, wonach ein um mindestens 20% über dem Vorjahresergebnis von €27 Mio. liegendes Ergebnis in Höhe von €40 Mio. angepeilt war, zeichnet sich nun ein noch deutlich erfolgreicheres Bild. Denn nun wird das Ergebnis zwischen €48 Mio. und €52 Mio. landen und damit noch einmal um 20 Prozent über den vorherigen Prognosen. Damit wird die DBAG im abgelaufenen Geschäftsjahr annähernd eine Gewinnverdopplung verbuchen können!

Dem Grunde nach überraschen die Ergebnisse nicht, denn bei Vorlage der Nun-Monatszahlen war bereits klar, dass das dritte Quartal ein negativer Ausrutscher war aufgrund des gerade erfolgten Brexit-Schocks. Schon damals hatte der Vorstand seine Jahresprognose bestätigt und ich hatte ausführlich erläutert, weshalb dieser Quartalsverlust enorme Gewinnpotenziale offenbarte. Kurze Zeit später zog die DBAG eine erfolgreiche Kapitalerhöhung durch, um die sich bietenden Marktchancen mittels zusätzlicher Co-Investments noch besser nutzen zu können. Und auch dieses reibungslose Einsammeln frischen Eigenkapitals war ein Zeichen, dass Investoren sehr wohl die hervorragende Wertschöpfung in der DBAG erkennen.

 DBAG (Quelle: finanzen.net) 
Ganz wesentlicher Treiber des Jahresergebnisses war das vierte Quartal und dabei das Bewertungsergebnis. Denn die DBAG bilanziert nach IFRS, daher werden zum jeweiligen Quartalsende die gehaltenen Beteiligungen zu Marktpreisen bewertet. Und die Börsen haben sich seit dem letzten Bewertungsstichtag am 30. Juni deutlich erholt, insbesondere auch die Londoner.

Verstetigte Dividendenpolitik
Auf die Dividendenhöhe hat das erneute Übertreffen der Prognosen keine  unmittelbare Auswirkung. Der Vorstand geht unverändert davon aus, dass der Vorschlag an die Hauptversammlung mindestens auf der Höhe der Dividende des vorangegangenen Geschäftsjahres liegen wird, die €1,00 je Aktie betragen hat. Hintergrund ist, dass die DBAG ihr Dividendenpolitik "verstetigen" möchte. Anstelle der bisherigen Aufteilung in eine Basis- und eine Sonderdividende soll künftig eine einheitliche und stabile Dividende gezahlt werden. Diese soll dann - wann immer möglich - kontinuierlich erhöht werden wie bei den großen Vorbildern, den Dividendenaristokraten.

Meine Einschätzung
Die Deutsche Beteiligungs AG ist weiterhin äußerst erfolgreich am Markt unterwegs. Ihre Ausrichtung als Asset-Manager, der Beteiligungs-Fonds auflegt und sich an diesen über Co-Investments auch selbst beteiligt, funktioniert hervorragend. Dabei ist das Risiko begrenzt, während die breite Diversifikation im DBAG-Portfolio die Aktie zu einem "Best-of-Deutscher-Mittelstand-Investment" macht. Die vorgelegten Ergebnisse zeigen, welches Potenzial im DBAG-Ansatz steckt - und damit in der Aktie.

Ich habe die DBAG auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot und die Aktie dürfte auch in den nächsten Jahren ihren Anlegern noch viel Freude bereiten. Sie nimmt zurecht einen Anlauf auf neue Allzeithochs, die bisher Anfang 2015 bei knapp über €34 erzielt wurden, als die bis dahin größte Beteiligung, die Homag AG, äußerst gewinnbringend veräußert werden konnte. Und über €34 steht der Himmel weit offen...

Börsenweisheit der Woche 42/2016

"Nicht die Unwissenheit, bringt dich in Schwierigkeiten, sondern das, was du sicher zu wissen glaubst, obwohl es gar nicht wahr ist."
(Mark Twain)

Samstag, 15. Oktober 2016

Investor-Update: Blue Cap, Deutsche Rohstoff, Eon, MPC, Patrizia, S&T, Suncor

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Kurz vor dem Oktober-Crash. 1987...!
Der "Crash-Monat" September ist überstanden und es war ein Non-Event. Fast. Obwohl die Volatilität seit vielen Wochen auf sehr niedrigem Niveau verharrt, gab es insbesondere beim DAX starke Kursschwankungen in der Range zwischen 10.300 und 10.700 Punkten. Mehrmals und immer wieder. Dass es nicht im September zu einer heftigen Korrektur gekommen ist, stellt für sich allein genommen keine Entwarnung für die Börsen dar. Denn auch der Oktober kann es in sich haben, wie der 25-Prozent-Einbruch am "Schwarzen Montag", dem 19. Oktober 1987 zeigte. Der Dow Jones Index hatte sich in den beiden Jahren zuvor annähernd verdoppelt und kurz vor dem Crash hatte die US-Notenbank FED erstmals seit Jahren den Leitzins wieder erhöht. Klingt ziemlich genau nach unserer Situation heute. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass hier Parallelen gezogen werden - und wenn man den Dow-Jones-Chart von damals mit dem aktuellen übereinander legt, sieht das wirklich nicht gut aus...

Freitag, 14. Oktober 2016

Steht SHW vor der Übernahme durch die chinesische Anhui ARN?

Beim Automobilzulieferer SHW scheint sich eine Übernahmeofferte anzubahnen. So berichtet "Die Vorstandswoche", angeblich habe ein Mitglied des Vorstands gegenüber den Analysten von Bankhaus Lampe bestätigt, dass derzeit Gespräche mit der chinesischen Anhui ARN, laufen würden, die eventuell SHW aufkaufen wollten. Sie bewerteten dieses Verhalten des Unternehmens als unanständig und kritisieren, dass eine solche Information nicht einzelnen Analysten zur Verfügung gestellt werden dürfe, sondern eine ad-hoc-pflichtige Meldung darstelle, die dem gesamten Kapitalmarkt zur Verfügung zu stellen sei. Dabei sei gerade SHW diesbezüglich Wiederholungstäter.

Losgelöst hiervon sieht "Die Vorstandswoche" aufgrund der zunehmenden Übernahmephantasie weiteres Kurspotenzial bei SHW.