Sonntag, 7. April 2019

Kissigs Kloogschieterei: Die 14. Börsenwoche im Rückspiegel mit Amazon, Aurelius, Deutsche Beteiligungs AG, Eckert & Ziegler, MBB

Die vergangene Woche war die Woche der (deutschen) Nebenwerte. Während die Wachstumswerte sich eher gelangweilt durch die Woche schleppten, drehte so mancher Nebenwert richtig kräftig auf. Das lag nicht nur daran, dass einige von ihnen Jahresergebnisse präsentiert haben, die die zuvor äußerst negativen Markterwartungen übertroffen haben, sondern die allgemeine Stimmung am Markt hat sich auch weiter aufgehellt. Ken Fisher schrieb jüngst, Anleger sollten sich auf steigende Kurs einstellen, da in den USA langsam die Zeit des politischen Nichtstun beginnen würde, also die Phase, wo sich im zweiten Halbjahr einer Präsidentschaft Kongress und Präsident gegenseitig lahm legen. Und dieses Nichtstun wäre für die Börsen zumeist eine Phase des Wachstums, weil die Unternehmen und die Wirtschaft relativ frei von (dummen) Entscheidungen der Politik ihren Weg gehen könnten. Was soll man sagen, dieses "Konzept" scheint aufzugehen...


Börsentheater, 1. Akt: Die Politik


Gähn... Und wieder kein Brexit. Das Britische Parlament hat sich erneut auf nichts einigen können und schickte Theresa May erneut nach Brüssel, um dort eine erneute Verlängerung der Austrittsfrist zu erbetteln. Zur Erinnerung: nicht die EU hat die Briten vor die Tür gesetzt, sondern die Briten haben ihre Mitgliedschaft in der EU gekündigt. Zum 29. März 2019. Vor mehr als zwei Jahren schon. Und seitdem nichts auf die Reihe gekriegt. Und jetzt wollen die allen ernstes eine Fristverlängerung bis Ende Juni, also nach den Wahlen zum Europaparlament. Was für Vollpfosten! =(

Nicht nur, dass dann in GB eine Europawahl angehalten werden müsste mit Kandidaten, die ggf. nur für einige Wochen ins EU-Parlament einziehen würden. Nein, auch auf Seiten der EU würden alle Ansprechpartner wechseln, denn nach der Parlamentswahl wird auch die EU-Kommission neu besetzt. Kein Wunder, dass man auf Seiten der EU-Mitgliedsstaaten "not amused" ist. Vor allem aber bringt mehr Zeit ja nichts, wie die Briten mehrfach bewiesen haben. Sie haben sich monatelang gegenseitig gelähmt und sind nur in einem einig: ihren "No" zu jedem möglichen Weg. Das wird sich auch in drei Wochen oder drei Monaten oder drei Jahren nicht ändern. Also Augen zu und durch. Ganz klar zeigt sich nämlich, dass die EU ohne die(se) Briten besser dran ist...

Die Börsen nehmen das Ganze jedenfalls nicht mehr ernst und ignorieren diese Störgeräusche aus London. Und man kann nach dem langen Hickhack davon ausgehen, dass selbst ein Hard-Brexit nur kurz für einen Absacker sorgen dürfte. Am nächsten Morgen würde die Sonne einfach wieder aufgehen und niemand würde konkrete Auswirkungen feststellen. Abgesehen von den Brummifahrern, die sich dann an den neuen Zollgrenzen in die ellenlangen Warteschlangen einreihen müssten. Und auch an der einen oder anderen Stelle würde es kräftig ruckeln, aber ansonsten dürften die Menschen und die Börsen sich schnell anderen Themen zuwenden. So wie ich jetzt auch...


Börsentheater, 2. Akt: Die Unternehmen


Es gab in der letzten Woche wieder einige bemerkenswerte Entwicklungen bei Unternehmen, die  ich auf meiner Beobachtungsliste habe.

Amazon

Die für Anleger wohl wichtigste Nachricht für Amazon-Aktionäre stammte letzte Woche aus der Yellow-Press. Die Scheidung zwischen Jeff Bezos und seiner Frau MacKenzie ist einvernehmlich über die Bühne gegangen und sie bekommt 25% der gemeinsam gehaltenen Amazon-Aktien. Die sonstigen Aktivitäten kann Jeff behalten, wie auch 75% der Aktien selbst. Darüber hinaus hat sie ihm die Stimmrechte ihrer 25% übertragen und damit bleibt Jeff Bezos unangefochten der starke Mann bei Amazon. Darüber hinaus ist kaum anzunehmen, dass die nun rund 36 Milliarden schwere frisch Geschiedene ihr Aktienpaket (über die Börse) in absehbarer Zeit verkaufen wird. Und genau diese Unsicherheit hatte seit einigen Wochen auf dem Aktienkurs gelegen und zumindest dieser Hemmschuh für neue Hochs ist nun aus dem Weg geräumt. Der Kurs hat sich zuletzt auch wieder erfreulich(er) entwickelt und liegt "nur" noch knapp 10% unter seinem Allzeithoch, während andere Wachstumswerte (wie z.B. PayPal oder MasterCard) bereits am laufenden Band neue Höchststände produzieren. Amazon wird hier bald folgen, da bin ich mir ziemlich sicher...

Aurelius

Beim Münchner Finanzinvestor gab es einen weiteren Verkauf einer Tochter, ohne dass man finanzielle Details mitgeteilt hätte. Nachdem der NAV per Ende 2018 erstaunlich stabil gehalten werden konnte, dürfte der Börsenaufschwung zumindest nicht hinderlich sein bei dem Versuch, "reife" Unternehmen an andere Eigentümer weiter zureichen. Ob am Ende für Aurelius ein Gewinn dabei herausgekommen ist, bleibt abzuwarten. Denn Aurelius kauft ja notleidende, sanierungsbedürftige Unternehmen und/oder ungeliebte Randaktivitäten von Großkonzernen und stellt diese im Anschluss neu auf, um sie nach einigen Jahren mit hohem Gewinn wieder zu verkaufen. Das klappt häufig, aber nicht immer und mit der stark gestiegenen Zahl an Transaktionen steigt zwangsläufig auch die Zahl der Fehlgriffe. Was nicht schlimm ist, wenn man sich Geroge Soros' weiser Worte erinnert: "Es kommt nicht darauf an, ob man richtig liegt oder falsch. Entscheidend ist, wie viel man verdient, wenn man richtig liegt, und wie viel man verliert, wenn man falsch liegt".

Für Aurelius-Aktionäre steigt allerdings die Spannung, weil es auf die Hauptversammlung zugeht und die Höhe der Dividende noch immer nicht klar ist. Diese speist sich aus einer (unveränderten) Basisdividende von 1,50 Euro und wird ergänzt um eine  sog. Partizipationsdividende. Diese resultiert aus den Gewinnen von Beteiligungsverkäufen, die bis zur HV angefallen sind, und/oder aus vereinnahmten Bargain Purchases, also der Mitgift, die Aurelius ggf. beim Kauf von taumelnden Unternehmen einstreicht. Aus den Rekordverkäufen des Jahres 2017 (u.a. Secop, Getronics) hatte man im letzten Jahr nur anteilig ausgeschüttet und bewusst die sehr hohen Gewinnanteile auf mehrere Jahre gestreckt, um auch "in den nächsten Jahren" attraktive Bonusdividenden ausschütten zu können. Ich gehe daher davon aus, dass mindestens 2 Euro on top gesichert sind und rechne eher mit einer Gesamtdividende von 4 Euro je Aktie. Sollte Aurelius in den nächsten Wochen noch hohe zusätzliche Gewinne einstreichen können, könnte die Gesamtdividende auch noch höher ausfallen. Andererseits wären 4 Euro ja bereits eine Dividendenrendite nahe 10%, so dass viel mehr eigentlich unvernünftig wäre. Dann dürfte Dr. Markus eher dazu tendieren, die Dividendenkasse für die nächsten Jahre aufzufüllen (und so eine attraktive Partizipationsdividende auch für 2019 und 2020) in Aussicht stellen zu können, und ggf. ein weiteres Aktienrückkaufprogramm aufzulegen. So oder so sind das positive Aussichten für die Aktionär und die künftigen Kurserwartungen...

Deutsche Beteiligung

Die DBAG hat eine Art "positiver Gewinnwarnung" herausgegeben und das war auch genau so zu erwarten. Da die Meldung erst nach Börsenschluss am Freitag veröffentlicht wurde, wird die Marktreaktion auch erst am Montag erfolgen. Da die DBAG nach IFRS bilanziert, bewertet sie jeweils zum Quartalsende ihre Beteiligungen zu Marktpreisen und dies wirkt sich dann vollständig auf das Quartalsergebnis aus. Das hat zum 31.12.2018 aufgrund des Börsenabsturzes zu einen heftigen Verlust in dem Quartal geführt und im ersten Quartal 2019, das für die DBAG das zweite Geschäftsquartal ist (ihr Geschäftsjahr endet am 30. September), hat sich dieser Effekt nun umgekehrt dank der stark gestiegenen Börsenkurse. Daher wird die DBAG für ihr zweites Geschäftsquartal einen enormen Gewinnanstieg ggü. dem Vorjahresquartal ausweisen und zwar das "Vier- bis Sechsfache" der damals ausgewiesenen 7,8 Mio. Euro. Darüber hinaus meint die DBAG, der gestiegene Wert gehe zudem auf die (positive) wirtschaftliche Entwicklung bei den Unternehmen im Beteiligungsportfolio zurück.

Also, nicht gleich durchdrehen. Dieser Gewinn ist - wie zuvor auch der Verlust - nicht cashwirksam, sondern "nur" ein Bilanzeffekt. Die Meldung zeigt allerdings, dass die vorherigen negativen Einschätzungen überzogen waren und sich die DBAG weiterhin auf sehr gesunden Füßen bewegt. Nach dem Rekordjahr 2017 mit einer Reihe von Gewinn treibender Verkäufe war 2018 ein Jahr des Übergangs, in dem beinahe ausschließlich neue Beteiligungen erworben wurden. Und auch bisher gab es kaum Exits, weil die zahl der "reifen" Unternehmen im DBAG-Portfolio noch recht überschaubar ist. Diese Phase dürfte sich langsam ihrem Ende nähern und auch die wieder bessere Stimmung am Börsenhimmel dürfte bei Verkaufsverhandlungen nicht schädlich sein. Das größte Asset der DBAG ist allerdings ihre Fondsstruktur, da sie nicht nur direkt an den Beteiligungen Anteile hält, sondern zwischen 80% und 90% in den jeweiligen Fonds liegen - und die DBAG bekommt für die Verwaltung des Fonds (und die Entwicklung der Unternehmen) eine Provision, was ihr Ergebnis verstetigt und auch in schwierigen wirtschaftlichen Phasen dafür sorgt, dass ihre Kosten gedeckt sind. Sofern also die Wirtschaft nicht deutlich einbricht und/oder die Börsen abstürzen, dürfte die DBAG wieder zunehmend in den Fokus der Anleger rücken.

Eckert & Ziegler

Der Hersteller von radioaktiven Komponenten für medizinische, wissenschaftliche und messtechnische Zwecke hatte Ende Januar bereits gemeldet, dass er seine Prognosen für 2018 sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis deutlich übertroffen habe. Der Kurs hatte dies bereits vorweg genommen und sich dann eine Auszeit gegönnt nach dem Überschreiten der 100-Euro-Marke. Nun gab es am Freitag die endgültigen zahlen für 2018 und die Börse reagierte nochmals positiv (überrascht). Der Umsatz war 2018 um 21,7% gestiegen auf knapp 169 Mio. Euro, das EBITDA um 14,8% auf 32 Mio. Euro und das Ergebnis je Aktie um 12,3% auf 3,12 Euro. Daher will die EZAG die Dividenden um 50% von 0,80 Euro auf 1,20 Euro je Aktie anheben.

Die guten Zahlen kommen nicht von Ungefähr. So hatte man verlustreiche Aktivitäten auf- bzw. abgegeben und die Tochter EZ Bebig auf die Mutter verschmolzen und sich verstärkt dem aussichtsreichen Geschäftsfeld Radiopharma zugewandt. Und genau hieraus speist sich auch die Phantasie der Börse seit Mitte letzten Jahres, die mehr als eine Kursverdopplung brachte. Inzwischen ist die Bewertung schon recht üppig und preist einiges an positiver Entwicklung in den Kurs ein. Auf mittlere Sicht rechtfertigen die deutlich höheren Wachstumsraten auch Kurse jenseits der 100 Euro, vor allem, wenn die Investitionserfordernisse zurückgehen und dem entsprechend die Gewinne deutlicher anziehen.

MBB

MBB hat mitgeteilt, dass das Aktienrückkaufangebot mit einer Zuteilungsquote von rund 11,17% angenommen wurde. Der MBB seien von ihren Aktionären 5.792.584 Stückaktien im Rahmen des Aktienrückkaufangebotes angedient worden. Da sich das Angebot auf insgesamt bis zu 646.775 Aktien der Gesellschaft bezog, seien damit insgesamt 646.024 Stückaktien zurück erworben worden, was einem Anteil von 9,79% des Grundkapitals der Gesellschaft entspricht.

Die Abwicklung des Angebots wird voraussichtlich am 9. April 2019 erfolgen und dann auch die angedienten Aktien und bislang wegen des Rückkaufs gesperrten Aktien wieder frei gegeben werden. MBB beabsichtigt, im Anschluss an die Abwicklung sämtliche von der Gesellschaft gehaltenen eigenen Aktien (659.249 Stück) zum Zweck der Kapitalherabsetzung einzuziehen. Dies entspräche einem Anteil von 9,99% des Grundkapitals der Gesellschaft. Das Grundkapital der MBB SE wird nach Durchführung der Einziehung der eigenen Aktien und Wirksamwerden der Kapitalherabsetzung 5.940.751,00 Euro betragen und in 5.940.751 auf den Inhaber lautende Stückaktien mit einem rechnerischen Anteil am Grundkapital von 1,00 Euro je Aktie eingeteilt sein.

Seit der Ankündigung des Aktienrückkaufangebots hat sich der Kurs von 73 Euro auf 89 Euro erhöht. Man kann also sagen, dass das Management um CEO Nesemeier sich mit der Aktion sehr um den Shareholder Value verdient gemacht hat. Denn da die Aktien einen fairen Wert von über 100 Euro haben, macht das Unternehmen selbst bei einem Rückkauf zu den nachgebesserten 96 Euro je Aktie noch einen Gewinn. Das Einziehen der Aktien bedeutet, dass künftig jede ausstehende Aktie knapp 10 Prozent mehr Anteil am Unternehmen darstellt und dem entsprechend 10 Prozent mehr an Anteil am Gewinn. Dennoch verfügt MBB noch über reichlich Cash in der Kriegskasse, um weitere Unternehmen zu kaufen und/oder Add-on-Akquisitionen für Bestandstöchter zu finanzieren. Und, wie Nesemeier kürzlich äußerte, steht man hier in konkreten Gespräche mit interessanten Targets.

Die Frage ist, was nun der Kurs macht, nachdem das Aktienrückkaufprogramm abgeschlossen ist und die eingereichten und gesperrten Aktien wieder für den Handel zur Verfügung stehen. Eigentlich ist es mir egal was der Kurs macht, ich bin ja am Unternehmen beteiligt und vor allem an dessen Wertentwicklung interessiert, nicht am Kursverlauf seiner Aktien. Trotzdem wird es interessant sein, ob das ARP nur ein kurzes Strohfeuer ausgelöst hat und der Kurs sich wieder Richtung 70 Euro bewegt. Ich wage das allerdings zu bezweifeln. Einerseits hat sich der Kurs der größten Beteiligung Aumann (MBB-Anteil 38%) deutlich erholt und notiert wieder signifikant über 30 Euro. Daher ist alleine deshalb schon ein höherer MBB-Aktienkurs gerechtfertigt. Und dann werden zwar einige MBB-Aktien auf den Markt kommen von spekulativeren Anlegern, die ihre schnellen 20% Kursgewinn einstreichen wollen, aber auf der anderen Seite stehen Aktionäre bereit, die ihre angedienten Aktien durch Zukäufe wieder ausgleichen und ihren vormaligen Bestand an MBB-Aktien wieder aufstocken wollen. Es dürfte also in den nächsten Tagen zu einem erhöhten Angebot an Aktien kommen, aber auch zu einer erhöhten Nachfrage. Was sich in Summe ausgleichen könnte. Da ich selbst ja auch meine Aktien angedient hatte, hoffe ich natürlich auf einen kurzfristigen Rücksetzer, um die gleiche Anzahl günstig(er) nachkaufen zu können. Danach kann der Kurs gerne wieder einen Raketenstart hinlegen... ツ


Angst und Gier


Der Fear & Greed Index von CNN Money hat seine Vorwochenverluste mehr als wettgemacht und stieg von 49 auf 74 Zähler. Die Stimmung hat sich also um satte 25 Punkte aufgehellt und signalisiert nun wieder "entspannte Gier".

Mein "operativer Net Worth" ist hat sich dank der stärkeren Gewichtung der großen US-Werte in der letzten Woche eher unterdurchschnittlich entwickelt, denke ich, legte aber dennoch um fast 2% auf nun 21,9% zu. Damit hat er nicht nur die Verluste aus dem vierten Quartal 2018 vollständig ausgeglichen, sondern auch seinen bisherigen Höchststand aus dem Herbst letzten Jahres übertroffen. Des Weiteren liegt die bisherige 2019er Performance in absoluten Zahlen über dem Gewinn, den ich in meinem Rekordjahr 2017 eingestrichen habe. Damit bin ich mehr als zufrieden und das wäre als Ergebnis am Jahresende eine herausragende Rendite. Fühlt sich an wie ein vorgezogenes Ostergeschenk; andererseits habe ich gelesen, dass der April der statistisch beste Börsenmonat ist (nach dem Juli). Also lass ich es mal einfach laufen und freue mich einfach nur, dass mein "stoisches Aussitzen" während des jüngsten Börsencrashs (so schnell) belohnt wurde...

Auf gut Börsengeschäfte. Es bleibt spannend...

Disclaimer
Amazon, Aurelius, Deutsche Beteiligung, Eckert & Ziegler und MBB befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen