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Montag, 16. Oktober 2023

Kissigs Nebenwerte-Analyse zu SMT Scharf: Der Bergbauspezialist leidet (nicht nur) unter China und Russland

Im Magazin "Der Nebenwerte Investor" von Traderfox finden sich regelmäßig Analysen von mir zu deutschen Nebenwerten. Das Magazin ist kostenpflichtig und wer dieses oder eine der weiteren Börsenzeitschriften von Traderfox bestellen möchte, gelangt ▶ hier zur Übersicht. Mehrwert für die Leser meines Blogs: Nach Erscheinen des Magazins darf ich meine Nebenwerte-Analysen dann auch hier veröffentlichen.


Artikel aus "Der Nebenwerte Investor" Ausgabe 13/2023 vom 20.09.2023

Samstag, 7. September 2019

Squeeze-out: Mit langem Atem sicher Geld verdienen

Firmenübernahmen sind "en vogue" und nicht selten sind Unternehmen betroffen, die an der Börse notiert sind; zuletzt kam US-Finanzinvestor KKR & Co. bei Axel Springer zum Zug und sammelte 42,5% der Aktien ein, so dass KKR zusammen mit Springer-Witwe Friede und CEO Döpfner auf rund 89% der Anteile kommt.

Der Ablauf Richtung Squeeze-out ist häufig gleich: der neue Mehrheitseigentümer unterbreitet den Minderheitsaktionären ein Angebot, das üblicherweise deutlich über dem letzten aktuellen Kurs vor der Übernahmeankündigung liegt, um möglichst viele Aktien angedient zu bekommen. Bisweilen kommt es auch zu Übernahmeschlachten, wenn mehrere Unternehmen sich um dasselbe Übernahmeobjekt rangeln.

Doch bei fast jeder erfolgreichen Übernahme bleiben einige Aktionäre zurück, die das Angebot nicht angenommen haben. Hat der Haupteigentümer mehr als 90% der Anteile zusammenbekommen, kann der die übrigen Aktionäre zwangsweise aus dem Unternehmen drängen. Das nennt man Squeeze-out und für die Abfindung der Herausgedrängten gibt es mittlerweile feste Regeln, so dass es eine vollständige Kompensation für den Verlust des Eigentums an den Aktien geben muss.

Die konkrete Höhe der Barabfindung ist jedoch meistens umstritten, denn der Übernehmende möchte nicht mehr bezahlen, als unbedingt nötig, während die Alteigentümer auf eine möglichst hohe Abfindung setzen. Und hier beginnt eine bisweilen lukrative Spekulation mit eingebautem Sicherheitsnetz - jedenfalls für Investoren mit langem Atem.

Sonntag, 30. Juni 2019

Kissigs Kloogschieterei: Die 26. Börsenwoche im Rückspiegel mit 3U Holding, Aurelius, Dr. Hönle, Gesco, Global Fashion Group, Intershop, KAP AG, Naspers, Prosus, Rocket Internet, Shareholder Value Beteiligungen

Weiterhin gibt die Politik den Ton vor für die Börsen. Die Staatsführer der mächtigsten 20 Nationen der Welt haben sich im Japanischen Osaka zum G20-Gipfel versammelt - und die Erwartungen sind extrem niedrig. Zu verhärten sind die Positionen, vor allem die USA unter Donald Trump mauern bei wichtigen Themen, wie dem Umwelt.- und Klimaschutz oder dem Freihandel, und daher wird es allenfalls eine hauchdünne gemeinsame Abschlussnotiz geben, die nur zeigt, dass mit dem Donaldissio nicht zusammenzuarbeiten ist. "The Don" fordert Gehorsam ein, unbedingten Gehorsam, von seinen Vasallen, nicht mehr, nicht weniger. Bekommt er aber meistens nicht, daher knirscht es überall auf dem Globus.

Und doch gab es dann positiven Überraschungen. Zunächst verkündeten die USA und China, man werde "weiter verhandeln". So eine Selbstverständlichkeit in einer zivilisierten Welt wird schon als Erfolg verbucht, unfassbar. Naja, besser als die Alternative. Und dann trafen sich Trump und Kim spontan (?) an der innerkoreanischen Grenze und zwar auf nordkoreanischem Gebiet. Das noch kein US-Präsident betreten hatte. Also Bewegung im Atomstreit mit Nordkorea? Oder doch eher wieder nur ein kurzfristiges PR-Strohfeuer, um irgendeinen "Erfolg" vorweisen zu können? Und um von den anhaltenden Misserfolgen auf anderen Gebieten ablenken zu können? Wie es Zauberlehrlinge halt so machen...?

Montag, 19. Februar 2018

Zahlen & Mehr: KAP, PEH Wertpapier

In der Rubrik "Zahlen & Mehr" gehe ich kurz auf aktuelle Unternehmensmeldungen ein und bewerte diese im Hinblick auf meinen Investmentcase.

KAP Beteiligungs-AG
Das Unternehmen hat seine vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2017 präsentiert und konnte Zuwächse sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis vermelden. Auf bereinigter Basis ergaben sich Steigerungen von 6% beim Konzernumsatz (409 Mio. Euro nach 386 Mio. im Vorjahr) und beim Konzernbetriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) konnte zum zweiten Mal in Folge eine Steigerung um mehr als 50% erzielt werden. Das EBIT lag 2017 bei 20,2 Mio. Euro (Vorjahr 12,9 Mio.) und damit nochmals deutlich über dem Ausblick des 2. Zwischenberichts von November 2017, als man noch von einem EBIT in Höhe von 16,5 Mio. Euro (bereinigt) ausging.

Freitag, 8. Dezember 2017

Zinsen, Inflation: Was bedeutet die Entwicklung für Asset-Manager wie Corestate Capital, Deutsche Beteiligungs AG, DIC Asset, Ernst Russ, MPC Capital und PEH Wertpapier?

Asset Manager legen im Auftrag ihrer Kunden Geld an, überwiegend für institutionelle Investoren wie Family Offices, Versicherungen, Pensionsfonds. Eine Reihe von ihnen bietet seine Dienstleistungen allerdings auch Privatkunden an, gerne über Fonds. Und diese Unternehmen hatten die letzten Jahre regen Zulauf, sie konnten ihre Assets under Management (AuM), also das von ihnen verwaltete Vermögen erheblich ausweiten. Was nicht zuletzt am immer weiter fallenden Zinsniveau in der Eurozone lag, das die Jagd auf Rendite immer mehr verschärfte. Im Zuge der Niedrigzinsphase kamen und kommen auch zunehmend "Bastionen der Sicherheit" in immer ärgere Bedrängnis, wie Versicherungen und Bausparkassen. Von Banken ganz zu schweigen, denen ist das Kerngeschäft komplett weggebrochen da ihre Zinsmarge immer weiter zusammenschrumpft. Ich hatte neulich wieder einmal ein längeres Gespräch mit dem Vorstand unserer örtlichen Sparkasse, bei dem es neben dem unerfreulichen Thema Filialschließungen auch um die aktuellen Entwicklungen an Finanz- und Geldmärkten ging. Insbesondere das anhaltende Niedrigzinsniveau und die neuen regulatorischen Vorgaben (Basel III) haben die Sorgenfalten nicht verringert in den letzten Monaten. Und daran wird sich in absehbarer Zeit auch nicht viel ändern...

Dienstag, 27. Juni 2017

Stada wird übernommen. Später, anders, aber sicher...

Die beiden Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven sind mit der Übernahme von Stada gescheitert. Obwohl sie die Annahmefrist verlängert und die Mindestannahmeschwelle von ursprünglich 75,0 auf 67,5 Prozent gesenkt hatten, waren zum Ende der verlängerten Annahmefrist am 22. Juni 2017 lediglich 65,52 Prozent der ausgegebenen Stada-Aktien angedient worden, so dass die 5,3 Mrd. Euro teure Übernahme des Generika-Herstellers aus Bad Vilbel auf der Zielgeraden verreckt ist. Dabei hatten Vorstand und Aufsichtsrat von Stada eine Annahme des Angebots ausdrücklich empfohlen.

Das Scheitern
Stada ist ein MDAX-Wert mit einem hohen Streubesitzanteil, was eine Übernahme schwierig macht. Des Weiteren ist in Deutschland erstmals das Phänomen ETF einem Übernahmeplan in die Quere gekommen. Denn diese passiven Indexfonds bilden den ihnen zugrunde liegenden Index 1:1 nach und können somit gar nicht eine Übernahmeofferte annehmen (anders als Aktienfonds) und ETFs halten immerhin rund 14 Prozent aller Aktien. Selbst bei vollständiger Annahme des Übernahmeangebots hätten also max. 86 Prozent angedient werden können. Die Finanzjournalisten haben das ETF-Phänomen/Problem sehr gut beschrieben.

Einer der aktivistischen Hedgefonds, die sich zuvor eingekauft und massiv auf eine Übernahme hingearbeitet hatten, Active Ownership, war während der Übernahmefrist zu Höchstkursen ausgestiegen. Auch das hat die Annahme nicht wahrscheinlicher gemacht und vielleicht waren es am Ende genau diese Aktien, die zum Erreichen der Mindestannahmeschwelle fehlten.

Die Lage
Bei der Shareholder Value Beteiligungen AG ist Stada die größte Depotposition und das Scheitern der Übernahme samt dem folgenden zweistelligen Kurseinbruch trifft das Unternehmen bzw. dessen Nettoinventarwert hart. Deren Vorstand hat sich heute zu einer Corporate News hinreißen lassen mit der Überschrift "Gier ist schlecht". Darin wird die vermeintliche Gier der Anleger, die Offerte nicht angenommen haben, kritisiert und andererseits erklärt, dass die SHB an ihrem Aktienpaket festhalten wird, da man weiterhin an eine Übernahme glaubt. Und zwar entweder durch Bain/Cinven oder ein anderes Konsortium.

Montag, 13. Februar 2017

Stada-Übernahme: Die Shareholder Value Beteiligungen AG als großer Profiteur

Die Shareholder Value Beteiligungen AG investiert in kleine und mittel-ständische, börsennotierte Aktiengesellschaften aus dem deutschsprachigen Raum. Sie verfolgt dabei konsequent den Value-Investing-Ansatz und nutzt den Innern Wert als zentrale Steuerungsgröße. Und dabei ist sie sehr erfolgreich, wie die Entwicklung von Kursverlauf und innerem Wert belegen. Und das zufriedene Grinsen im Gesicht ihrer Aktionäre, denn beide Werte konnte das Team um Frank Fischer und Reiner Sachs seit dem Tiefpunkt 2009 während der Finanzkrise mehr als verfünffachen.

Dabei waren die Aktien der SVB lange Zeit mit einem deutlichen Abschlag auf den NAV, den inneren Wert, zu kaufen, teilweise bis zu 20%. Diese Zeiten sind inzwischen vorbei und die Aktien notieren inzwischen eher mit einem leichten Aufschlag auf den NAV. Auch daran zeigt sich der Erfolg des Managements, dem Anleger offenbar zutrauen, ihr Geld auch in Zukunft zu mehren.

Eine Investition, die aktuell von sich Reden macht, sticht hier besonders hervor. Denn nachdem die SVB innerhalb des Delisting-Erwerbsangebots ihre Aktien von I:FAO als bis dato größte Position angedient hatte, rückte der Generika-Hersteller Stada zur größten Beteiligung im SVB-Portfolio auf. Diese hatte die SVB im letzten Sommer im Zuge der Querelen um den unrühmlichen Abgang des einstigen Firmenlenkers Hartmut Retzlaff und dem Einstieg mehrerer aktivistischer Finanzinvestoren aufgebaut. Und auch diese Griff scheint sich als Glücksgriff zu erweisen, denn die damaligen Kursen zwischen €30 und €40 hatte die Stada AG inzwischen längst hinter sich gelassen. Was nicht nur an operativen Fortschritten liegt, die das neue Management vorzuweisen hat, sondern insbesondere auch an der jüngsten Meldung, die einen weiteren Kurssprung von knapp 15% auslöste.

Donnerstag, 9. Juni 2016

Zahlen & Mehr: Deutsche Rohstoff, Publity, Shareholder Value Beteiligungen, Starbucks

:: Deutsche Rohstoff
Die beiden Explorationstöchter der DRAG nehmen das Bohrprogramm auf. Cub Creek Energy (CCE) beginnt mit 19 horizontalen Öl- und Gasbohrungen mit 2 Bohrgeräten, die auf zwei unterschiedlichen Bohrplätzen ("Markham" und "Vail") parallel zum Einsatz kommen. Alle Bohrungen sollen bis Mitte August abgeschlossen sein und der Produktionsbeginn dann im September oder Oktober erfolgen. Das Gesamtinvestitionsvolumen von CCE wird sich auf rund $45 Mio. USD belaufen, der Anteil ("Working Interest") von CCE an den Bohrungen wird bei nahezu 100% im Falle von Vail und mindestens 75% im Falle von Markham liegen. Beide Bohrplätze liegen in einem Gebiet, in dem CCE über detaillierte geologische Kenntnisse und Bohrerfahrung verfügt. Sie liegen nur wenige Meilen südlich des früheren Tekton Energy-Projekts und des Magpie-Gebietes, in dem Elster Oil & Gas (EOG) aktiv ist. EOG, an der die Deutsche Rohstoff zu 93% beteiligt ist, ist derzeit an sechs neuen Horizontalbohrungen im Magpie-Gebiet beteiligt. Diese Bohrungen werden in den kommenden Tagen fertiggestellt und nehmen im 3. Quartal 2016 die Produktion auf. Dabei kommt der DRAG und ihren Töchtern der gestiegene Ölpreis entgegen, der bei vergleichsweise niedrigen Bohr- und Förderkosten höhere Gewinne verspricht. Hinzu kommt, dass die DRAG beim Verkauf der damaligen Tochter Tekton hohe Steuern in den USA zahlen musste, die jedoch bei neuen Förderprogrammen zum Großteil wieder erstattet werden. Hierbei geht es um einen zweistelligen Millionenbetrag, den die DRAG "spart" und der dazu führt, dass man auch unterhalb von 40 je Barrel (WTI) "richtig Geld verdient", wie CEO Thomas Gutschlag es ausdrückte.

Darüber hinaus legten CCE und EOG ein aktualisiertes Reservengutachten vor, wonach sich die Öl & Gas Reserven der beiden Firmen seit Dezember 2015 um 84% erhöht haben. Ursächlich hierfür sind vor allem zahlreiche weitere Bohrplätze von CCE, die nun Teil des Reservengutachtens sind. Zusammengefasst ergeben die Reservengutachten eine nachgewiesene Reserve von 10,07 Mio. BOE (Barrel of Oil Equivalent) und eine wahrscheinliche Reserve von 12,55 Mio. BOE.

Noch ist Zeit, sich mit Aktien der DRAG aussichtsreich zu positionieren, denn der Aktienkurs notiert noch immer deutlich unterhalb des Buchwertes bzw. der Netto-Finanzposition. Der geplante vorzeitige Rückkauf der (zu) hoch verzinsten Anleihe wird das Finanzergebnis auf Sicht zusätzlich entlasten und die GuV weiter aufhübschen.

:: Publity
Die Publity Performance Fonds Nr. 5 GmbH & Co. KG nimmt eine weitere Auszahlung in Höhe von 15% des eingezahlten Kommanditkapitals bzw. an seine Anleger vor, immerhin gut €3,3 Mio. Die publity Performance Fonds Nr. 5 GmbH & Co. KG hatte bis zum Ende der Emissionsphase am 30. Juni 2013 mit 1.525 Anlegern ein Emissionskapital in Höhe von 22.063.000 Euro eingeworben. Die laufenden Einnahmen aus der Verwertung von Forderungen und Sicherheiten ermöglichen diese weitere Auszahlung, die im Juli 2016 erfolgen soll, wodurch der publity Performance Fonds Nr. 5 bereits 3 Jahre nach Ende der Emissionsphase insgesamt €12,54 Mio. bzw. rund 55% der Kommanditbeteiligungen vorzeitig an die Anleger ausgezahlt haben wird. Und auch für Publity selbst lohnt sich das Geschäft, da man durch Gebühren, Provisionen und eigene Anteile an dem Fonds partizipiert.

:: Shareholder Value Beteiligungen
Anfang Mai teilte die Shareholder Value Beteiligungen AG mit, dass man das Engagement bei der Stada AG weiter ausgebaut habe und diese nun hinter I:FAO die zweitgrößte im Depot sei. Der seit den Jahrestiefs erfolgte Anstieg summiert sich inzwischen auf gut 50% und ein großer Profiteur ist daher die SVB, deren Netto-Inventarwert (NAV) sich per Ende Mai auf €80,22 erhöht hat und damit seit Jahresbeginn immerhin bereits um 22,9%. Nachdem man die SVB-Aktien letztes Jahr nur mit Aufschlag auf den NAV kaufen konnte, notieren sie aktuell etwa zu NAV und bieten eine hervorragende Chance, sich langfristig an den aussichtsreichsten deutschen Nebenwerten zu beteiligen.

:: Starbucks
Der Kaffeehausgigant möchte den nächsten Schalter auf Wachstum umlegen und startet in Europa mit eigenen Starbucks-Kaffee-Pads für Nespresso-Maschinen. Starbucks bietet weltweit hochpreisigen Kaffee (und mehr) an man hat festgestellt, dass sehr viele Starbucks-Kunden zuhause eine Nespresso-Maschine hätten. Die ebenfalls mit ihren Pads das Hochpreissegment bedienen. Um den perfekten Starbucks-Genuss auch zuhause bieten zu können, hat Starbucks sich viel Zeit gelassen, genauer gesagt gut zwei Jahre. Und erst jetzt ist man mit dem Ergebnis so zufrieden, dass man die Kaffee-Pads den Kunden anbieten mag. Obwohl Starbucks die mit Abstand meisten Kunden in den USA hat, startet man mit dem neuen Produkt in Europa. Was merkwürdig klingt, hat einen profanen Hintergrund, denn die Top-Fünf der Kaffee-konsumierenden Staaten sind die Niederlande, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland. Und hier liegt der Anteil der "Ein-Portionen-Kaffee-Maschinen" am Gesamtverbrauch bei rund 40%, so dass Starbucks sich einem riesigen, noch völlig unerschlossenen, Markt gegenüber sieht, den man nun erobern will. Neben der Tee-Kooperation mit dem Biergiganten AB Inbev stellt Starbucks hier nun die Weichen zu noch stärkerem Wachstum, denn die Margen sind bei Kaffee-Pads aufgrund der viel niedrigeren Kosten noch viel größer als in den Ladengeschäften. Daher dürften neben dem Umsatz auch die Gewinne weiter explodieren und Starbucks bleibt der Top-Pick im Gastronomie-Business.

Die Deutsche Rohstoff, Publity, Shareholder Value Beteiligungen und Starbucks befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 6. Juni 2016

Bei Stada kann es nur besser werden!

Der Pharmakonzern Stada notiert seit vielen Jahren an der Börse und abgesehen von immer mal wieder aufkommenden Übernahmegerüchten ging es bei dem MDAX-Wert doch eher ruhig und beschaulich zu. Auf den ersten Blick. Denn hinter den Kulissen brodelt es gewaltig und die Unzufriedenheit wuchs - zu lange schon stottert das "System Retzlaff" und wirft immer mehr Fragen auf. Ob es um das exorbitante Gehalt von jährlich €7 Mio. des seit 23 Jahren an der Stada-Spitze agierenden Hartmut Retzlaff geht, oder die opulenten Pensionsansprüche von knapp €30 Mio., den Aufstieg und die fürstliche Vergütung des Retzlaff-Sohnes innerhalb der Konzerns, kostspielige Beraterverträge mit "Retzlaff nahestehenden Personen" oder weitreichende Verstöße gegen die Coporate Governance-Vorschriften geht, alles läuft in der Figur des Hartmut Retzlaff zusammen. Das stößt zunehmend auf Kritik von Aktionärsschützern und auch von aktivistischen Investoren, wie Active Ownership (AOC), die inzwischen mehr als 5% an dem Pharmakonzern zusammengekauft haben und auf die teilweise Neubesetzung des Aufsichtsrates drängen. Und hier nimmt das Drama nun Geschwindigkeit auf und für Anleger wird es zunehmend interessant...

Aktivistischer Investor macht mächtig Druck
AOC wollte drei Aufsichtratsplätze neu besetzen und dabei die bisherigen "altgedienten Apotheker" durch sachkundige Pharmaexperten ersetzen. Das stieß zunächst nicht auf die erwartete Ablehnung seitens der Stada-Spitze und der Punkt landete auf der Tagesordnung der ordentlichen Hauptversammlung. Die Stada-Spitze hatte sogar öffentlich wohlwollende Zustimmung zu diesen Benennungen signalisiert, nur um dann die totale Kehrtwende zu vollziehen. Die Hauptversammlung wurde um zwei Monate verschoben unter der Begründung, Stada wolle eigene Kandidaten finden und auf der nun später stattfindenden Hauptversammlung präsentieren. Ein Affront gegen die neuen Investoren und kaum ein schlauer Schachzug von Retzlaff & Co.

Denn diese waren not amused über diesen Tritt vors Schienbein und auch die Berichte, wonach Retzlaff mit dem Finanzinvestor CVC in Verhandlungen über eine Übernahme eingetreten sei, dürften bei AOC und anderen kritischen Investoren kaum auf Freude gestoßen sein. Ihr Ansinnen, tiefer und genauer in die Bücher zu schauen, auch der vielen verschachtelten Tochterfirmen, setzt Retzlaff unter Druck, denn aus dem Umkreis der Stada poppen immer wieder dubiose Ungereimtheiten hoch, die bei genauerer Betrachtung die eine oder andere unschöne Überraschung bergen dürften. Und auch CVC oder ein anderer "weißer Ritter" hätte tief und genau in die Bücher geschaut, da muss man kein Prophet sein, um das prognostizieren zu können.

Retzlaffs absehbarer Rücktritt
Am Ende ging es dann ganz schnell: "gesundheitliche Gründe" seien es, die Hertmut Retzlaff zum Ruhenlassen seiner Ämter zwängen, erklärte Stada gestern Abend ad-hoc. Aufgrund einer "schweren, voraussichtlich länger andauernde Krankheit" des Managers wurden seine Aufgaben auf den restlichen Vorstand bestehend aus Helmut Kraft und Matthias Wiedenfels verteilt. Wiedenfels wurde außerdem vom Aufsichtsrat zum Vorstands-Vorsitzenden berufen. Neben der grundsätzlichen Gemengelage könnte gerade diese Personalie jedoch auch auf einen Machtkampf hindeuten; die alternative Lesart könnte daher sein, dass Retzlaff alles auf eine Karte gesetzt hat - und verlor. Sein Rückzug dürfte dann nur der Anfang vom Ende des Systems Retzlaff gewesen sein und mit ihm wird der eine oder andere seiner Ziehsöhne sein üppiges Salär verlieren, wenn er sich mehr oder weniger geräuschlos neue Betätigungsfelder suchen muss.

 Stada AG (Quelle: finanzent.net) 
Die Chancen überwiegen
Für Anleger bieten sich hier interessante Optionen. Zunächst einmal das Offensichtliche, denn Stada ist nun reif für eine Übernahme. Der Streubesitz ist hoch, aber es gibt auch eine Reihe von Investoren mit Anteile um und bei 5%. Einen großen Ankerinvestor, der ein Quasi-Vetorecht hätte, gibt es bei Stada nicht. Neben Pharmakonzernen dürften sich auch weitere Finanzinvestoren in Stellung bringen, denn die Stada ist in interessanten Märkten aktiv, aber gerade in den wichtigsten Märkten in Russland und Osteuropa knackt es zuletzt immer stärker im Gebälk. Und auch die undurchsichtigen Strukturen in der Konzernstruktur könnten entstaubt und so erheblich Kosten reduziert werden. Eine Verbesserung der Margen steht schon länger auf der Agenda, nun könnte dies auch wirklich angegangen werden. Neue Köpfe bringen neue Ideen und neue Ideen kann Stada mehr als gut gebrauchen.

So verliert die wichtige Stada-Marke Ladival immer mehr Marktanteile, weil die Pflege der Marke vernachlässigt wurde und noch immer wie ein Relikt aus den 1970er Jahren daherkommt. Hier kann und muss frischer Wind neue (und alte) Potenziale heben. Und Ladival ist nicht das einzige Stada-Produkt, das ausschließlich über Apotheken vertrieben wird. Da ist es natürlich umso kritischer, dass Stada im Ansehen der Apotheker immer weiter absinkt und diese sich zunehmend mit anderen Marken und Firmen identifizieren. Hier muss Stada dringend gegensteuern und das bisherige Management unter Führung von Hartmut Retzlaff war hier entweder untätig oder unfähig, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Es wurde lieber in neue Marken und neue Märkte investiert, anstatt das Bewährte attraktiv zu halten und zu stärken. Eine kurzsichtige Strategie, die nun hoffentlich zu einem Ende kommt. Und die personellen Veränderungen müssen dabei nicht bei Retzlaff selbst enden, auch der Geschäftsführer der für Ladival zuständigen Stada-Tochter steht schon länger in der Kritik. Als Verantwortlicher wird ihm der Kamikazekurs bei Ladival angelastet, ebenso die seit Jahren anhaltende Fluktuationsflut bei den fähigen Mitarbeitern. Die "Früchte" dieses Missmanagements erntet Stada nun und es bleibt zu hoffen, dass hier Konsequenzen gezogen werden, um Ladival wieder eine Chance am Markt zu geben. Das Produkt ist für die Stada viel zu wichtig, um es weiterhin herunterwirtschaften zu lassen. Ich bin überzeugt, dass auch die Finanzinvestoren genau zu diesen Schlüssen gekommen sind und den Finger hier schnell und konsequent in die Wunde legen werden. Rendite, Margenverbesserung und Shareholder Value dürfen auch bei Stada keine "No-Gos" mehr sein.

Meine Einschätzung
Bei Stada wird in der nächsten Zeit viel in Bewegung kommen und nicht alles wird mit positiven Schlagzeilen einhergehen. Die Perspektiven hellen sich jedoch auf und die schlummernden Potenziale könnten gehoben werden. Ob dies "nur" operativ erfolgt, also mit der bisherigen Eigentümerstruktur, oder ob es (zusätzlich) noch zu einem Übernahmewettstreit kommt, bleibt abzuwarten. Anleger sollten sich hierdurch nicht verunsichern lassen. Im Gegenteil: Stada dürfte "im Spiel" bleiben und trotz des starken Kursanstiegs von den Jahrestiefs bietet sich bei €47 eine gute Gelegenheit, auf ein Gesunden zu setzen. Die zusätzliche Übernahmephantasie dürfte sich mindestens kursstützend, eher kurstreibend auswirken. Ich nehme die Stada-Aktie auf meine Empfehlungsliste, weil sie unter den neuen Rahmenbedingungen ein ausgezeichnetes Chance-Risiko-Verhältnis aufweist.


Ergänzung vom 06.06.2016, 21:06
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Schlagt mich, schimpft mich, aber ich habe meine Stada-Aktien noch am selben Tag wieder verkauft - nachdem ich zuvor umgeswitcht hatte in Aktien der Shareholder Value Beteiligungen AG (SVB). Das hat folgenden Grund: ich bin von dem Investment-Szenario, das ich in diesem Artikel skizziert habe, überzeugt. Daher habe ich zum Börsenstart um 8:00 gleich meine Position erworben und im Tagesverlauf stiegen die Stada-Aktien stark an. Ich erinnerte mich dann irgendwann an die Meldung der Shareholder Value AG zum aktuellen NAV per Monatsende Mai, und den darin enthaltenen Hinweis, dass Stada inzwischen deren zweitgrößte Position im SVB-Depot sei. Ich habe bereits seit vielen Jahren Aktien des Nebenwerte-Spezialisten SVB in meinem Depot und bin nicht immer dazu gekommen, mir die Meldungen sorgfältig anzusehen. Offensichtlich nicht, sonst wäre mir das mit der Stada nicht so durchgerutscht und ich hätte gar nicht erst Stada-Aktien direkt gekauft.

Früher notierten die SVB-Aktien oft mit einem Abschlag zum NAV von bis zu 20%, dann eine zeitlang im letzten Jahr sogar mit einem Aufschlag. Aktuell notieren sie in etwa zum NAV und daher habe ich die Entscheidung getroffen, anstatt direkt in Stada-Aktien zu investieren, lieber indirekt vom meinem Investment-Case zu profitieren und gleichzeitig noch die ausgewiesene Expertise von Frank Fischer und seinem Team für mich zu nutzen. Ich habe daher die Stada-Aktien mit einem Tagesgewinn von 3% veräußert, nachdem ich meine Uralt-Position in Shareholder Value-Aktien mehr als verdoppelt hatte. Ich nehme daher die Aktien der Shareholder Value Beteiligungen AG auf meine Empfehlungsliste und zwar mit dem durchschnittlichen Einstandskurs von Montag (selbstverständlich nicht meinem ursprünglichen Kaufkurs von vor vielen Jahren!).