Manchmal gelingt Unternehmen ein echter Marketing-Coup, wenn nämlich das eigene Produkt zum Begriff wird. Der Pritt-Stift von Henkel ist so ein Geniestreich, Tesafilm von Beiersdorf oder der Edding. 'Haste mal ein Tempo?' ist auch so eine gängige Redewendung, wenn man mal ein Taschentuch braucht. Bei der Werbung kommt es ja darauf an, einen Markennamen bekannt zu machen und den Bedarf nach diesem Produkt zu wecken. Das geht ins Geld, aber wenn man den Begriff Kleenex hört, weiß man sofort, um was es geht.
Was der Konsument in der Regel nicht weiß und was ihm auch völlig egal sein kann, ist der Hersteller dieses Produkts. Für Anleger hingegen ist diese Information Geld wert, denn wir sprechen von Konsumgütern, den langweiligen Dingen des täglichen Bedarfs, an die man nicht viele Gedanken verschwendet. Hier gibt es selten wirkliche Innovationen, Käufer campen nicht vor den Läden und es bilden sich keine langen Schlangen kreischender Teenager, wenn es mal wieder ein Produktupdate gibt. Und auch auf Partys wird kaum über Toilettenpapier oder Windeln gesprochen, da sind andere Themen hipper. Doch gerade diese kleinen Helferlein des Alltags, die jeder ständig benötigt, lassen Anlegerherzen höher schlagen, denn es besteht ein reger und steigender Bedarf, ohne selbst das alles verändernde Internet und der Drang in die mobile Welt ist keine Konkurrenz. Jedenfalls wäre mir bisher keine App bekannt, die beim Naseputzen helfen könnte und auch eine cloudbasierte Lösung scheint kaum vorstellbar…
Latente Goldgräberstimmung
Börsenaltmeister André Kostolany erinnerte immer gerne daran, dass während des Goldrausches nicht unbedingt die Goldsucher reich wurden, sondern vor allem diejenigen, die ihnen die nötigen Utensilien verkauften: Schaufeln, Spitzhacken oder auch Jeans. Das waren sichere Einnahmequellen, egal ob der Goldsucher nun auf eine Goldader stieß oder enttäuscht aufgeben musste.
In der Welt der nützlichen Nebensächlichkeiten ist Kimberly-Clark zuhause. Die Mutter des Kleenex wurde 1872 von John Kimberly, Havilah Babcock, Charles Clark und Frank Shattuck als Papierhersteller gegründet und expandierte hierauf aufbauend in viele weitere Bereiche. Neben den Konsumentenprodukten ist Kimberly-Clark besonders stark bei Hygiene- und Verbrauchsmaterialien positioniert und bei uns bekannte Marken sind u.a. Camelia, DryNites, Huggies, Kleenex, Servus oder Hakle. Die Produkte des Unternehmens sind eine gefühlte Selbstverständlichkeit, was dazu führt, dass auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Nachfrage nicht sinkt. Wird das Geld knapper, spart man nicht unbedingt zuerst am Toilettenpapier.