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Freitag, 23. Juni 2023

Kissigs Portfoliocheck: Fidelity National Information Services will und muss sich gesund schrumpfen – und Seth Klarman wittert seine Chance

In meiner Kolumne "Kissigs Portfoliocheck" nehme ich regelmäßig für das "Aktien Magazin" von Traderfox die Depots der besten Investoren unserer Zeit unter die Lupe.

In meinem 228. Portfoliocheck schaue ich wieder Seth Klarman über die Schulter. Der Deep Value Investor kauft gerne Unternehmen, die von der Börse verschmäht und daher zu Rabattpreisen angeboten werden. Er investiert gerne mit großer Sicherheitsmarge und erzielt mit diesem Ansatz seit Jahrzehnten mit durchschnittlich 19 % überragende Renditen. Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass seit der Gründung 1982 der Anteil der im 13F-Formular ausgewiesenen Aktieninvestments immer lediglich einen Anteil zwischen 2,5 % und 15 % der gesamten verwalteten Vermögenswerte (AuM) seiner Baupost Group ausgemacht haben, der Rest verteilt sich auf Barmittel, Schuldtitel, Immobilien und Absicherungsgeschäfte.

Im 1. Quartal 2023 schichtete Klarman erneut 10 % seines Portfolios um. Der Wert seines Aktienportfolios sank von 6,13 auf 5, Mrd. USD und am Quartalsende hielt er 30 Werte, darunter 3 Neuaufnahmen. Mit 48,3 % (Q4/22: 46,3 %) Gewichtung sind die Communication Services weiterhin deutlich am stärksten in seinem Depot vertreten. Zweitstärkster Sektor bleiben die Technologiewerte mit 27,9 % (Q4/22: 28,5 %) vor Industriewerten mit 7,7 % (Q4/22: 6,6 %), zyklischen Konsumwerten mit 4,6 % (Q4/22: 6,2 %) und defensiven Konsumwerten mit 4,1 % (Q4/22: 3,8 %).

Komplett verkauft hat Klarman Meta Platforms, Micron und Amazon. Beachtenswert ist seine Tauschaktion bei den Banken-Backbone-Betreibern. So reduzierte er bei Fiserv seine Position nochmals um annähernd drei Viertel, nachdem er im Vorquartal bereits rund 43 % verkauft hatte, und erhöhte im Gegenzug beim direkten Wettbewerber Fidelity National Information Services seinen Bestand um weitere 125 % nach einer Aufstockung um 250 % im Vorquartal. FIS hat sich mit der 43 Mrd. USD teuren Übernahme des Paymentspezialisten Worldpay im Jahr 2019 komplett verhoben und tritt unter neuer Führung nun die Flucht nach vorn an, indem man sich von der Sparte wieder trennen und sich auf das profitable Kerngeschäft fokussieren will. Und Seth Klarman wittert seine Chance...

 
Disclaimer: Habe Amazon auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

Dienstag, 8. März 2022

Kissigs Portfoliocheck: Value Investor Seth Klarman wittert versteckte Werte beim Paymentgiganten Fiserv

In meiner Kolumne "Kissigs Portfoliocheck" nehme ich regelmäßig auf aktien-mag.de für das "Aktien Magazin" von Traderfox die Depots der besten Investoren unserer Zeit unter die Lupe.

In meinem 180. Portfoliocheck schaue ich wieder Seth Klarman über die Schulter. Der Deep Value Investor kauft gerne Unternehmen, die von der Börse verschmäht und daher zu Rabattpreisen angeboten werden. Er investiert gerne mit großer Sicherheitsmarge und erzielt mit diesem Ansatz seit Jahrzehnten mit durchschnittlich 19% überragende Renditen.

Im 2021er Schlussquartal schichtete Klarman 11% seines Depots um; am Ende hält er nun 53 Werte und darunter finden sich 8 Neuaufnahmen. Mit 40,6% Gewichtung ist der Technologiesektor am stärksten in Klarmans Depot vertreten, dicht gefolgt von Communication Services mit 38,4%. Das restliche Fünftel führen Finanzwerte mit 6,6% an vor Industrieaktien mit 5,1% und Gesundheitswerten mit 4,3%.

Größte Position ist Liberty Global PLC mit 15%, dahinter folgen gleichauf Quorvo und Intel mit jeweils 9,1%. Neueinsteiger Fiserv bringt es zum Start gleich auf 3,1% Depotgewicht und damit auf den neunten Platz in Klarmans Top 10. Fiserv ist sowas wie das Rückgrat der US-Bankenindustrie und teilt sich hier den Markt mit Fidelity National Information Services. Damit fließen solide und stetige Erlöse, der Rest ist Fintech...

-▶ zum Artikel auf aktien-mag.de

Donnerstag, 29. April 2021

Kissigs Portfoliocheck: Mit Fiserv setzt Bill Nygren auf einen Nachzügler im boomenden Markt der Digital Payments

In meiner Kolumne "Kissigs Portfoliocheck" nehme ich regelmäßig für das "Aktien Magazin" von Traderfox die Depots der besten Investoren unserer Zeit unter die Lupe.

Bei meinem 137. Portfoliocheck beschäftige ich mich mal wieder mit Bill Nygren, Portfolio Manager und CIO des Oakmark Funds, mit dem er seit dessen Gründung 1991 eine beeindruckende durchschnittliche jährliche Rendite von 13 Prozent vorweisen kann.

Bill Nygren fährt einen fokussierten Investmentstil mit einigen wenigen, ausgesuchten Werten. Zum Ende des 4. Quartals 2020 hatte er insgesamt 52 Werte im Depot, darunter lediglich vier neue. Seine Turnoverrate lag erneut bei überschaubaren 7%.

Seinen Schwerpunkt legt Nygren weiterhin vor allem auf Financial Services (36%), Communication Services (16%) und zyklischen Konsumwerten (14%). Dabei bleibt Alphabet die größte Position in seinem gut $13 Mrd. schweren Portfolio vor Ally Financial, Capital One und Facebook. Neu eingestiegen ist er beim digitalen Zahlungsdienstleister Fiserv sowie auch deren 16-prozentigem Großaktionär KKR & Co.

-▶ zum Artikel auf aktien-mag.de

Disclaimer: Habe Alphabet, Facebook, KKR auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

Dienstag, 22. Januar 2019

Portfoliocheck: Value Investor Chuck Akre profitiert von der First Data-Übernahme durch Fiserv. Dank KKR...

In meiner Online-Kolumne "Portfoliocheck" nehme ich regelmäßig auf aktien-mag.de für das "Aktien Magazin" von Traderfox die Depots der bekanntesten Value Investoren unserer Zeit unter die Lupe.

Bei meinem 18. Portfoliocheck schaue ich Charles T. Akre auf die Finger, der seinen Investoren in den letzten 29 Jahren überdurchschnittliche Renditen von 14,5% pro Jahr bescherte; in den letzten drei Jahren sogar 24,3% - und das, obwohl sich kaum eine Technologieaktie im Depot des Ausnahmeinvestors befindet. Da fragt man sich, wie er das wohl angestellt hat...

Nun, Chuck Akre setzt mit der Hälfte seines Kapitals auf ausgesuchte Werte aus dem Finanzsektor. Sein Investmentstil weist viele Parallelen zu Warren Buffett und Charlie Munger auf. Unter anderem ist er erklärter Anhänger des "Focus Investing" und daher konzentriert er sich auf einige wenige Depotpositionen.

Im dritten Quartal 2018 hat Chuck Akre an seinen Positionen kaum etwas verändert. Doch kann er sich über seine Entscheidung freuen, sich im ersten Halbjahr stark beim US-Finanzinvestor KKR & Co. eingekauft zu haben. Denn die sind größter Aktionär beim Zahlungsdienstleister First Data, die gerade vom Fintech Fiserv in einer 22 Milliarden Dollar schweren Aktientransaktion übernommen werden, woraufhin die First Data-Aktie einen Freudensprung von 20% machte...

zum Artikel auf aktien-mag.de

Disclaimer
KKR befindet sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Dienstag, 31. Juli 2018

Finanzinvestor KKR: Geläuterte Barbaren erzielen heute zivilisiert(er) hohe Renditen

Finanzinvestoren haben einen schlechten Ruf. Den haben sie sich auch redlich verdient, allerdings ist das rund 30 Jahre her. Allen voran ist hier der US-Gigant Kohlberg Kravis Roberts & Co. zu nennen, der Ende der 1980er Jahre mit der feindlichen Übernahme des Tabak- und Nahrungsmittelkonzerns RJR Nabisco Schlagzeilen machte und es in dem Buch "Barbarians At The Gate - The Fall Of RJR Nabisco" zu unrühmlicher Berühmtheit brachte. Es war die Blütezeit der fremdfinanzierten Übernahmen (Leveraged Buyouts, LBOs) und dank der Junkbond-Maschinerie von Michael Milken von Drexel Burnham war kein Konzern mehr sicher vor einer Übernahme. Auf einmal konnten die Kleinen ganz einfach die Großen schlucken! Es war die Zeit schier unerschöpflichen Geldes, nur dass Junkbonds ("Ramschanleihen" oder freundlicher: Hochzinsanleihen) zweistellige Renditen abwarfen und die "Corporate Raiders" die enormen Schulden schnellstmöglich dem übernommenen Unternehmen aufbürdeten, das diese dann aus seinem Cashflow abbezahlen musste. Was unweigerlich zu Massenentlassungen und zum Filetieren des Übernahmeopfers führte. Michael Douglas verkörpert in seiner Rolle Gordon Gekko in Oliver Stones Epos "Wall Street" jenen Typ des gewissenlosen Corporate Raiders, der auch dank Insiderinformationen unermessliche Reichtümer anhäufte.

Der ausufernde Insiderhandel erschütterte Ende der 1980er Jahre die Wall Street und führte zu spektakulären Verhaftungen und hunderten Millionen Dollar an Strafzahlungen. So gut wie jede führende Wall Street-Adresse war mehr oder weniger involviert: Goldman Sachs, Lehman Brothers, Bear Stearns, Morgan Stanley, Drexel Burnham, Bankers Trust, Salomon Brothers, Ivan Boesky, Michael Milken (Lesetipp hierzu: "Club der Diebe" von James B. Stewart). KKR allerdings nicht. Und vermutlich ist es der vielen negativen Publicity mindestens ebenso sehr zu verdanken wie der verschärften Gesetzgebung, dass sich KKR von der anfänglich allesfressenden Raubkatze zum weitgehend stubenreinen Salontiger gewandelt hat. Wenngleich man dem Schnurren nicht zu sehr trauen sollte, denn seine Krallen hat KKR noch immer, auch wenn man diese nicht mehr so häufig einsetzt. Denn es geht ums Business, um Rendite. Und dabei ist KKR heute erfolgreicher als jemals zuvor, so dass ein Blick auf das Unternehmen lohnen dürfte. Auch und wegen des gerade erreichten Allzeithochs...

Dienstag, 8. Dezember 2015

Wird First Data zum "Hidden Champion" im KKR-Portfolio?

Finanzinvestor KKR & Co. gehört zu den großen Private Equity-Firmen dieser Welt und der Alternative Asset Manager setzt stärker noch als Wettbewerber Blackstone Group oder auch Carlyle auf (börsennotierte) Unternehmenskäufe. Daher haben Ergebnis und Aktienkurs in diesem Jahr auch besonders unter den Turbulenzen an den Kapitalmärkten gelitten - insbesondere auch aufgrund des nicht unbeträchtlichen Engagements in der US-Öl- und Schiefergas-Industrie mit entsprechenden Problemen aufgrund des starken Preisverfalls dieser Rohstoffe. Zuletzt hatte KKR seine Anleger vergrätzt, weil man künftig nicht mehr den Großteil der erzielten Gewinne als Quartalsdividende auskehren wird, sondern nur noch eine feste Ausschüttung von 0,16 USD je Aktie - das macht bei einem aktuellen Kurs von 15 EUR zwar nicht unansehnliche 3,9% Dividendenrendite auf das Jahr gerechnet, ist aber weniger als die Hälfte dessen, was Aktionäre zuvor gewöhnt waren. Da half auch nicht die Ankündigung, ergänzende 500 Mio. USD in Aktienrückkäufe investieren zu wollen. Der Kurs verharrt in Lethargie.

First Data - wird der Flop noch zum Top?
Die Rede ist von First Data (FDC), einem "Anbieter von E-Commerce Lösungen für den Zahlungsverkehr. Die Produkt- und Dienstleistungslinie von First Data umfasst die Dienstleistung für Geschäftsabwicklung, -bearbeitung; Kreditkarte, Debitkarte, Prepaidkarte, Geschenkkarte, Gehaltsabrechnung und andere vorausbezahlten Darbietungen; Schutz gegen Betrug und Authentifizierungslösungen; Dienstleistungen für elektronische Scheckannahme durch TeleCheck; Internet-Kommerz und bewegliche Zahlungslösungen". So ist es bei Wikipedia nachzulesen. Der Umsatz im letzten Jahr betrug mehr als 11 Mrd. USD und weltweit werden 23.000 Menschen beschäftigt. Vergleichbare Konkurrenten, wie VISA oder MasterCard sind im letzten Jahr um 42% bzw. 30% im Wert gestiegen. Heute ist First Data der größte Zahlungsabwickler der Welt, der 1,7 Billionen USD in 74 Milliarden Transaktionen abwickelt. So der Stand per Ende 2014 und das entspricht mal eben 10% des U.S. BIP.

 KKR & Co. L.P. (Quelle: comdirect.de)
Für KKR ist First Data ist die bis dato größte Private-Equity-Übernahme in der Unternehmensgeschichte und alles andere als ein Erfolg. Denn KKR übernahm First Data im Jahr 2007 zum Höchstpreis unmittelbar vor dem Börsencrash, der durch die Finanzkrise und die Pleite der US-Investmentbank Lehman Bros. ausgelöst wurde. Für diesen mit 24 Mrd. USD überwiegend fremdfinanzierte Deal brachte KKR insgesamt 29,8 Mrd. USD auf und musste unmittelbar danach mit ansehen, wie seine neue Beteiligung dramatisch an Wert verlor, während das Zinsgewicht geradezu erdrückend wurde. Es folgten Umfinanzierungen und eine Abwertung der Beteiligung seitens KKR auf 60 Cents je Dollar.

Börsengang als Chance
Und nun gab es vor wenigen Wochen die Rückkehr an die Börse im größten Börsengang des Jahres. Mitten in die Börsenturbulenzen hinein "stolperte" FDC an den Aktienmarkt und schlug sich recht wacker. Denn obwohl FDC in einer Liga spielt mit VISA und Mastercard, verdient man unter dem Strich kein Geld. Was nicht nur internen Ineffizienzen geschuldet ist, sondern vor allem dem drückenden Fremdkapital. Denn auch nach der Eigenkapitalspritze durch das IPO liegt die Verschuldung First Datas immer noch bei überdurchschnittlichen 18,4 Mrd. USD. Durch die neuen Eigenmittel konnte FDC nun seine Verschuldung senken und so auch seine Zinslast. Anfang 2016 stehen 10 Mrd. USD zur Anschlussfinanzierung an, die aktuell mit 10,2% verzinst sind - eine Last aus den Jahren 2010 und 2011, als die Zinsen sehr viel höher standen als heute.

Und hier kommen wir zum interessanten Teil der Geschichte, der Zukunftsvision. Und vielleicht zu einem Happy End. Wollen doch mal sehen, ob wir die Kuh über den Eimer geschoben bekommen...

Freitag, 16. Oktober 2015

KKR: Milliarden-IPO First Data stolpert erfolgreich an die Börse

First Data ist die bis dato größte Private-Equity-Übernahme in der Geschichte und für Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co. L.P. (KKR) ist es bisher kein Erfolg. Denn KKR übernahm First Data (FDC) im Jahr 2007 zum Höchstpreis unmittelbar vor dem Börsencrash, der durch die Finanzkrise und die Pleite der US-Investmentbank Lehman Bros. ausgelöst wurde. Für diesen mit 24 Mrd. USD überwiegend fremdfinanzierte Deal brachte KKR insgesamt 29,8 Mrd. USD auf und musste unmittelbar danach mit ansehen, wie seine neue Beteiligung dramatisch an Wert verlor, während das Zinsgewicht geradezu erdrückend wurde.

KKRs Plan: First Data kauft sich selbst und gehört am Ende KKR
Nun, KKR hat es überstanden und First Data auch. Das ist im Business der Finanzinvestoren keine Selbstverständlichkeit, denn ein ganz übliches Vorgehen ist, dem fremdfinanzierten Übernahmeziel anschließend die Schulden aufzudrücken. Das neu erworbene Unternehmen muss dann viele Fremdmittel aufnehmen und im Gegenzug hohe Dividenden bzw. Sonderausschüttungen vornehmen - so wird aus Eigenkapital dann Fremdkapital und die Finanzinvestoren zahlen so schnell einen erheblichen Teil ihrer Finanzierung, die sie zu dieser Übernahme stemmen mussten, zurück. Das Eigentum verbleibt beim neuen Eigentümer, die Schulden beim übernommenen Unternehmen - und müssen von diesem dann bedient werden. Und zuvor verdient, sonst funktioniert der Plan nicht. Daher müssen die Übernahmeziele im Anschluss nicht selten drastische Sparmaßnahmen über sich ergehen lassen, um einerseits die Zinslasten bedienen zu können und andererseits auch "aufgehübscht" zu werden. Denn mittel- und langfristig ist das Ziel des Finanzinvestors, die übernommene Firma rentabler zu machen und mit einem satten Gewinn wieder zu verkaufen. Gerne auch über die Börse und in Teilschritten, um die Hebung des Unternehmenswertes auch völlig auskosten zu können..

Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt...
Im Grunde sollte es so auch bei First Data laufen, die KKR 2007 direkt nach der Übernahme von der Börse nahm. Es wurden aufgrund der schwierigen Situation weitere Finanzinvestoren als Partner ins Boot geholt, denn es war absehbar, dass die Finanzkrise einen Wiederverkauf in absehbarer Zeit nicht möglich machen würde. Also stellte man sich auf eine lange Beteiligungszeit ein und trimmte First Data auf Erfolgskurs. Heute ist First Data der größte Zahlungsabwickler der Welt, der 1,7 Billionen USD in 74 Milliarden Transaktionen abwickelt. So der Stand per Ende 2014 und das entspricht mal eben 10% des U.S. BIP. Dabei machte FDC 11,2 Mrd. USD Umsatz und 1,4 Mrd. USD Profit - vor Zinsen. Nach Zinsen steht unter dem Strich ein Verlust und das ist nicht verwunderlich, denn FDC muss noch 22,9 Mrd. USD an Schulden stemmen und bedienen. Damit hat man die ursprüngliche Verschuldung in den letzten Jahren bereits heruntergefahren, aber von Gewinnen ist man noch entfernt. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen der Branche, die aber weit weniger verschuldet sind.

Ziel des IPOs ist Senkung der Verschuldung und der Zinslast
Und so ist ein Ziel des IPOs auch, die Verschuldung zu senken. Die ausgegebenen 160 Mio. neuen Aktien kamen zu 16 USD an die Börse und damit unterhalb der ursprünglich von KKR erhofften Spanne von 18 bis 20 USD. Mit den eingenommenen rund 2,6 Mrd. USD ist First Data das größte IPO des Jahres und angesichts der turbulenten Marktverfassung damit durchaus ein Erfolg. Natürlich hat dabei auch die hohe Verschuldung eine Rolle gespielt, die ist für FDC durchaus eine Belastung und ein Malus aus Sicht von Investoren. Denn auch nach der Eigenkapitalspritze durch das IPO liegt die Verschuldung First Datas immer noch bei überdurchschnittlichen 18,4 Mrd. USD. Durch die neuen Eigenmittel konnte FDC also seine Verschuldung senken und so auch seine Zinslast. Anfang 2016 stehen 10 Mrd. USD zur Nachfinanzierung an, die aktuell mit 10,2% verzinst sind - eine Last aus den Jahren 2010 und 2011, als die Zinsen sehr viel höher standen als heute. Und jetzt eine große Chance für First Data, denn wenn sich der Zinssatz hier um einige Prozentpunkte senken lässt, hat das natürlich gewaltige Auswirkungen auf das Ergebnis nach Zinsen (EBT) und den Gewinn. Damit kommt die Gewinnschwelle in greifbare Nähe, denn 1 Prozent niedrigere Zinssätze bedeuten bei 10 Mrd. USD Darlehen jährlich geringere Zinslasten von 100 Mio. USD. Für 2 oder 3 Prozent kann sich das jeder selbst ausrechnen. Die Ratingagenturen heben jedenfalls bereits den Daumen und stufen nach dem Börsengang die Bonität First Datas nach oben - auch das ist ein klares Indiz, dass künftig die (Re-) Finanzierung für das Unternehmen deutlich günstiger werden wird.

Für KKR ist das IPO auf jeden Fall ein großer Erfolg, denn man ist mit 37% weiterhin der größte Aktionär von FDC. Bloomberg beziffert der Anteil, den KKR an Eigenkapital in FDC stecken hat, auf 3,9 Mrd. USD. Dabei muss man wissen, dass KKR in der Vergangenheit sein Engagement bei FDC bereits auf 60 Cents je Dollar abgeschrieben hat. Bei einem Aktienkurs von 16 USD wird der KKR-Anteil nun mit 4,5 Mrd. USD bewertet, knapp 15 Prozent höher.

Man kann davon ausgehen, dass FDC sich durch den wiedererlangten Zugang zum Kapitalmarkt künftig besser entwickeln wird und hiervon wird auch KKR profitieren. Denn operative Fortschritte werden sich in steigenden Aktiennotizen und damit einem höheren Beteiligungswert in KKRs Portfolio auswirken. Und hier muss man einmal auf die Relationen schauen, denn KKR selbst wird zur Zeit an der Börse mit 8 Mrd. USD bewertet.

 KKR & Co. L.P. (Quelle: comdirect.de)
KKRs Portfolio beeindruckt
Man muss nur mal einen Blick in KKRs Portfolio werfen, um zu sehen, welche Schätze sich dort verbergen. In Deutschland am bekanntesten dürfte WMF sein, die man vor einiger Zeit für mehr als 600 Mio. EUR übernommen und von der Börse genommen hat. Im Juli hat KKR die Diabetes-Sparte von Bayer übernommen und dafür 1 Mrd. € auf den Tisch gelegt. Anfang des Jahres wurde Alliance Boots an den Apothekenbetreiber Walgreen verkauft für 7,3 Mrd. USD und da nicht alles in bar floss, wurde KKR mit 4,6% der Anteile Großaktionär der neuen Muttergesellschaft Walgreen Boots Aliance. Beim heutigen Aktienkurs entspricht dieses Aktienpaket einem Wert von rund 3,2 Mrd. USD.

Allerdings muss man natürlich berücksichtigen, dass KKR nicht nur Eigenkapital in diese Beteiligungen investiert hat, sondern eben auch viele Fremdmittel, die Investoren zur Verfügung gestellt haben. Man kann also nicht die Summe der Beteiligungen einfach zusammenzählen und dann kommt man auf den fairen Wert des KKR-Portfolios. Das wäre schön einfach... Denn die "Assets under Management" (AUMs), also die von KKR verwalteten Gelder, muss KKR natürlich seinen Geldgebern irgendwann zurückzahlen und diese müssen daher vom Wert der Beteiligungen abgezogen werden. Was die Bewertung von KKR nicht gerade einfacher macht, jedenfalls nicht nach Benjamin Grahams Methode, also nach Zerschlagungswerten bzw. dem reinen Buchwert. Finanzinvestoren wie KKR und Blackstone kann man so nicht wirklich greifen, sondern anhand ihrer AUMs und ihrer ausschüttungsfähigen Gewinne. Aus der Entwicklung dieser beiden Zahlen lässt sich auf die Veränderung des fairen Wertes des Unternehmens schließen und früher oder später vollzieht der Aktienkurs diese Wertentwicklung dann irgendwann nach...

Einschätzung
KKR befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und ich habe die Position bereits im Vorfeld des First Data-IPOs deutlich ausgebaut, so dass sie nun die fast wieder an die Größe meiner Blackstone-Position heranreicht. Kurse unter 16 EUR sehe ich als Schnäppchenpreise an, auch wenn die Börsenturbulenzen negative Auswirkungen auf das Geschäft der Finanzinvestoren hat, wie sich gerade auch bei Blackstone in den Zahlen zum 3. Quartal zeigte. Auch KKR dürfte seinen ausschüttungsfähigen Gewinn gesteigert haben, wenn Ende Oktober die Quartalszahlen präsentiert werden, und mit einer hohen Quartalsdividende aufwarten.