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Samstag, 21. Januar 2023

Leserfrage: "Dein Kursziel bei Genworth Financial ist fast erreicht - siehst Du den Wert weiter positiv?"

Blogleser Michael stellte mir eine interessante Frage: "Hallo Michael, das Durchhalten bei Genworth Financial hat sich ja gelohnt. Du hattest 5,40 USD auch mal als Ziel ausgegeben, das jetzt fast erreicht ist. Bist du hier weiter positiv für den Wert? Vielen Dank, Michael."

Ich habe mich entschieden, sie im Rahmen eines Blogbeitrags zu beantworten, weil sie sich vermutlich in ähnlicher Form einigen Lesern stellt.

Samstag, 13. November 2021

Genworth Financial: Deshalb ist mir dieser gestrauchelte Versicherungskonzern eine (zweite) Turnaround-Spekulation wert

Der Versicherungskonzern Genworth Financial ist für die Leser meines Blogs kein unbekannter. Anfang 2016 hatte ich den abgestürzten Wert erstmals als Turnaround-Spekulation vorgestellt und konnte auch schnell Erfolge einstreichen: der Kurs verdreifachte sich vom Tief bei $1,72 in etwa. Dann kam die Übernahmeofferte durch China Oceanwide, die nur marginal über dem damals aktuellen Kurs von gut $5 lag. Es schloss sich eine wahre Übernahmeposse an mit beinahe 20 (!) Verlängerungen der Deadline. Das Ganze zog sich aufgrund genehmigungsrechtlicher Schwierigkeiten über mehr als drei Jahre hin und endete jämmerlich. und genau hierin liegt die (neue) Chance...

Dienstag, 13. August 2019

Genworth Financial: Weshalb der 12. Anlauf im Übernahmepoker jetzt (relativ) sicher 25% Rendite einbringen wird

Der US-Versicherungskonzern Genworth Financial ist Lesern meines Blogs nicht ganz unbekannt: ich hatte die ausgebombten Aktien Anfang 2016 als Turnaround-Spekulation billig eingesammelt und mich kurze Zeit später über eine annähernde Kursverdreifachung gefreut. Dann funkte mir eine Übernahmevereinbarung dazwischen, denn China Oceanwide wollte Genworth Financial übernehmen und das fand auch die Zustimmung des Genworth Financial-Vorstands - obwohl die Übernahmeprämie mit 5% äußerst mickrig ausfiel.

Das war 2017 und seitdem tat sich... nichts. Oder fast nichts. Die letzten Genehmigungen stehen noch immer aus und zwar die aus Kanada und China. Oceanwide und Genworth haben soeben die sage und schreibe zwölfte (!) Verlängerung ihrer Übernahmevereinbarung unterzeichnet; die soll nun bis 31.12.2019 endgültig abgeschlossen sein.

Also wieder man Murmeltiertage bei Genworth Financial, doch dieses Mal könnte alles ganz anders kommen. Wirklich...

Samstag, 2. März 2019

Kissigs Kloogschieterei: Die 9. Börsenwoche im Rückspiegel mit 3U Holding, Aumann, General Electric, Genworth Financial, MBB, WashTec

Die vergangene Börsenwoche verlief eher ruhig, es gab nur das übliche politische Palaver, nichts Bewegendes.

"The Donald" hat den nordkoreanischen Diktator geherzt wie seinen Biggest Buddy, per Twitter der Welt große Ankündigungen versprochen, um am nächsten Tag unverrichteter Dinge vom Gipfel in Hanoi abdampfen zu müssen. Derweil zieht sich in den USA die Schlinge um seinen Kopf zunehmend enger zusammen, seit sein ehemaliger Anwalt Cohen öffentlich Aussagen muss darf. Wirklich beeindrucken tut das weder den Don noch den Rest der Welt. Dort richtet man die Augen weiterhin auf den Handelskonflikt USA vs. China und hofft auf so viel gesunden Menschenverstand, dass die es nicht total gegen die Wand fahren.

Und ebenso ergeht es uns EUlern mit den Briten und ihrem f*cking Brexit. Wenigstens scheint sich nun endlich mal substanzieller Widerstand in UK zu formieren, was zumindest einen No-Deal-Brexit unwahrscheinlicher macht. Ganz ehrlich Leute, das muss man schon alles als positive Nachrichten betrachten! Wirklich negative gab es übrigens auch nicht. Was nicht heißt, dass es nicht die eine oder andere Kursverwerfung gab, zumeist aufgrund vorgelegter Unternehmenszahlen...

Freitag, 30. November 2018

Genworth Financial: Das Ende (m)einer Übernahmespekulation...

Seit nunmehr fast drei Jahren hält mich der US-amerikanische Versicherungskonzern Genworth Financial in Atem. Nachdem Anfang 2016 der Aktienkurs kolossal eingebrochen war, stellte ich mir die Frage, ob es sich um ein Schnäppchen oder eine Value-Trap handeln würde. Ich kam zu dem Urteil, dass der Kurseinbruch deutlich übertrieben wäre und sammelte die Aktien zu €1,72 ein.

In der Folgezeit erholte sich der Kurs, weil die offensichtlich vorhandenen operativen Probleme, vor allem im Bereich der Langzeit-Pflegepolicen, dem Unternehmen wohl doch nicht den Garaus machen würden. Größte bedenken gab es auch wegen der hohen Verschuldung, so dass es nicht ganz unbegründete Zweifel gab, ob GNW sich würde refinanzieren können. Dem stand entgegen, dass GNW neben dem Versicherungsgeschäft zwei werthaltige, börsennotierte Hypothekentöchter in Australien und Kanada hat, so dass der Buchwert je GNW-Aktien eher im zweistelligen Kursbereich anzusiedeln war.

Dann platzte die Bombe: China Oceanwide unterbreitete - in Abstimmung und mit Zustimmung des GNW-Managements - im Oktober 2016 eine Übernahmeangebot, das mit $5,43 je Aktie nur wenige Prozentpunkte über den damaligen Aktienkurs lag. Es folgte eine lange Hängepartie und bis heute ist die Übernahme nicht vollzogen. Was an regulatorischen und politischen Hindernissen liegt. Nun ist man allerdings auf der Zielgeraden und nachdem der Aktienkurs sich wieder nahe an den Übernahmepreis heran gerobbt hat, stelle ich meine Position glatt und steige aus. Denn bei GNW lag ich total richtig. Und doch auch so falsch...

Freitag, 29. Juni 2018

Murmeltiertag: Genworth Financial geht mit China Oceanwide in die 5. Übernahmerunde

Und täglich grüßt das Murmeltier... so könnte man das Geschehen rund um die Übernahme des US-amerikanischen Versicherungskonzerns Genworth Financial (WKN: A0CA8M) durch China Oceanwide (WKN: A14M74) wohl am besten beschreiben. Nachdem die beiden Unternehmen die freundliche Übernahme zu 5,43 Dollar je GNW-Aktie vereinbart und die Hauptversammlungen jeweils grünes Licht gegeben hatten, standen "nur" noch einige behördliche Genehmigungen aus, so dass Mitte 2017 alles unter Dach und Fach sein sollte. Nun, wie wir wissen kam alles ganz anders und der Übernahmeprozess zieht sich bis heute wie Kaugummi hin. Und wird sich weiter hinziehen, wie die jüngste Meldung der Unternehmen erklärt...

Montag, 11. Juni 2018

Durchbruch? CFIUS genehmigt Genworth Financial-Übernahme durch China Oceanwide!

Die Übernahme des angeschlagenen US-Versicherungskonzerns Genworth Financial Inc. (GNW, WKN: A0CA8M) durch China Oceanwide zieht sich schon rund anderthalb Jahre hin und beide haben vor einigen Wochen den bereits vierten Anlauf unternommen, die Genehmigung des Deals durch das CFIUS (Committee on Foreign Investment in the United States) zu erhalten. Und die ist nun erfolgt, wenn auch unter Auflagen.

Das CFIUS sieht keine ungelösten Bedenken mehr hinsichtlich der Nationalen Sicherheit in Bezug auf die geplante Transaktion. Dies dürften die beiden Unternehmen auch dadurch erreicht haben, dass sie eine Erweiterung ihres Übernahmevertrags vereinbart hatten, nach der Genworth Financial einen US-amerikanischen Drittanbieter für die Verwaltung und den Schutz der persönlichen Daten der US-amerikanischen Versicherungsnehmer von Genworth Financial einsetzt. Das CFIUS hatte zuvor mehrfach Bedenken geäußert, dass diese Daten an ein chinesisches Unternehmen gehen könnten.

Mit der Genehmigung durch das CFIUS haben beide Partner die Übernahme noch nicht in trockenen Tüchern, aber sie haben die wohl höchste Hürde endlich aus dem Weg geräumt. Für Anleger kann sich dies nun als schneller Geldsegen erweisen...

Mittwoch, 23. Mai 2018

Was bewegt denn da den Aktienkurs von Genworth Financial?

Genworth Financial Inc. ist eine gestrauchelte US-Versicherungsgesellschaft, die ich seit mehr als zwei Jahren als Turnaround-Spekulation begleite. Vor anderthalb Jahren kam dann ein Übernahmeangebot seitens China Oceanwide für 5,43 Dollar je Aktie und ich riet damals, auf diesen Übernahmepoker zu setzen. Genworth Financial war einer meiner Favoriten für das Jahr 2017, denn die Übernahme sollte Mitte des Jahres unter Dach und Fach  sein.

Tja, was soll ich sagen, der Deal kam 2017 nicht zustande und siecht auch heute noch weiter vor sich hin, während der Aktienkurs immer weiter abbröckelte. Inzwischen ist 2018 fast halb rum und die beiden Unternehmen unternehmen gerade den vierten (!) Anlauf, um von der CFIUS die nötige Genehmigung zu bekommen. Die CFIUS ist für Übernahmen von US-Unternehmen durch Ausländer zuständig und es gibt bisher immer wieder Bedenken bzgl. der Personendaten der US-Versicherten von GNW. Jaja, Datenschutz als Thema in den USA, man könnte fast lachen...

Der Kurs von GNW notiert meilenweit unterhalb des fest vereinbarten Übernahmepreises von 5,43 Dollar je Aktie und bietet für den Erfolgsfall ein Upsidepotenzial von knapp 50% - nachdem der Aktienkurs die letzten Tage bereits merklich angezogen ist. Denn die Börse glaubte bisher nicht wirklich an den Deal, weil man seitens Trump eher eine Ablehnung erwartet...

Mittwoch, 27. Dezember 2017

2017 im Rückspiegel: Was trumpelt so blind durch Nacht und Wind...

Mein Ausblick auf das Jahr 2017 lautete: "Auch in 2017 dürfte es rau bleiben an den Börsen, Trump als neuer Präsidenten-Rambo wird schon für einige Irritationen sorgen auf der Bühne der Weltpolitik, die Eurozone bewegt sich nicht in ruhigen Fahrwassern und China... Tja, China bleibt ein Sorgenkind. Daher bleibt an der Börse nur eines sicher: die Kurse werden schwanken". Und was ist wirklich passiert?

Auch im Jahr 2017 stiegen die Kurse weiter an und weltweit konnten die Börsenindizes neue Höchststände feiern; die Geldanlage in Aktien konnte erneut überzeugen und die meisten Asset-Klassen hinter sich lassen. So überwand der Dow Jones die Marke von 24.500 Punkten, der S&P die von 2.700 Punkten, der NASDAQ die von 6.500 Punkten, der DAX schraubte sich auf über 13.300 Zähler hoch, womit er das sechste Jahr in Folge einen Anstieg verbuchen konnte. Und der MDAX touchierte die Marke von 27.000 Punkten und stellte einmal mehr die Performance des DAX weit in den Schatten.

Dabei schienen die Rahmenbedingungen für das Börsenjahr 2017 gar nicht so gut zu sein, denn die Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten und seine Art der "Fuck-You-Regentschaft" schüren vor allem Unsicherheit. Und Unsicherheit ist der Feind der Börse; Anleger lieben klare Verhältnisse und mögen keine plötzlichen Richtungsänderungen. Doch gerade die gibt es bei Trump im Minutentakt, wenn er denn überhaupt solange an einer Meinung festhält. Doch die Börsen haben sich an seine Art des Shit-Storms gewöhnt, Trump poltert und wütet, aber seine Administration fängt das meistens in der politischen Arbeit wieder ein. Trump und seine Tiraden werden weitgehend ausgeblendet und beeindrucken allenfalls kurzfristig die Märkte.

Dienstag, 3. Oktober 2017

Panikverkäufe: Steckt Genworth Financial jetzt in der Schuldenfalle?

Der US-Versicherer Genworth Financial Inc. (GNW) wird seit einer gefühlten Ewigkeit von der chinesischen China Oceanwide übernommen. Die Konditionen sind fix, die Aktionäre haben der Übernahme mit breiter Mehrheit zugestimmt, es fehlen nur noch einige staatliche bzw. regulatorische Genehmigungen. Und seit gestern ist das "Nur" wieder größer geworden, nachdem zuletzt die Aufsicht aus Virginia grünes Licht für den Deal gegeben hatte.

Was ist passiert?
Nicht viel. Genworth Financial und Oceanwide haben - erneut - ihren Antrag beim Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) zurückgezogen. Das CFIUS ist entscheidend bei Übernahmen von US-Unternehmen durch ausländische Investoren. Und tut sich schwer mit der Entscheidung. Die beiden Partner haben erklärt, an der Übernahme festzuhalten und beim CFIUS einen neuen (den dann dritten) Antrag einzureichen. Dann hat man erneute 30 Tage zzgl. einer Nachfrist von 45 Tagen Zeit, die noch bestehenden Fragen und bedenken zu klären bzw. auszuräumen.

Bis hierhin handelt es sich lediglich um eine weitere, ärgerliche Verzögerung. Der Knackpunkt sind aber die weiteren Ausführungen, die GNW in seinem Statement macht. So sagte Tom McInerney, Präsident und CEO von Genworth:
"At the same time, we are evaluating options to address our upcoming debt maturities and preserve the value of our businesses in the event the transaction with Oceanwide cannot be completed. We have approximately $600 million of debt that matures in May 2018, with no additional maturities until 2020. Options to address the 2018 debt maturity in the absence of a transaction with Oceanside include potential refinancing alternatives, current holding company cash, and/or potential asset sales."
Und das ist der Punkt, wo das Schwein durch den Knick bricht und der Aktienkurs ins Schlingern geriet.

Montag, 18. September 2017

Investor-Update: Berentzen, Deutsche Rohstoff, Genworth Financial, Gilead, Hercules Capital, Leifheit, Prospect Capital

In meine Investor-Updates notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Der September ist da!
Überall ist zu lesen, dass der böse September als schlechtester Börsenmonat nun endlich für den lang herbeigeredeten Crash sorgen wird. Und unisono werden die großen Finanzexperten nicht müde zu betonen, dass sie ihr Geld aus dem Aktienmarkt herausgenommen haben und es lieber in Gold oder sonstwas parken (ja, wo nur, wo es doch auf dem Konto Strafzinsen kostet?). Und die Bewertung der Aktien ist im Schnitt schon ambitioniert, allerdings wird gerne außer Acht gelassen, dass es kaum Alternativen gibt. Dank der Niedrigzinsen. Wer Anleihen kauft, muss sich bei nun leicht steigenden Zinsen mit sinkenden Kursen und unattraktiver Verzinsung herumschlagen. Gold... also bitte! Ich halte nichts von Gold als Geldanlage. Habe ich hier im Blog ja mehrfach ausgeführt, ist noch immer wo, bleibt auch so. Zum Thema Rohstoffe insgesamt hat Warren Buffett es mal schön verdeutlicht.

»Das Problem bei Rohstoffen ist, dass du darauf wettest, dass jemand anderes in einem halben Jahr mehr dafür bezahlen will. Der Rohstoff selbst bringt dir nichts. Etwas zu kaufen und darauf zu hoffen, dass die jemand in zwei Jahren mehr dafür bezahlt, ist etwas komplett anderes, als etwas zu kaufen, von dem du in Zukunft ein Einkommen erwartest.«
(Warren Buffett) 

Nun macht der September aber bisher nicht, was man von ihm erwartet. Denn die Kurse steigen, die Stimmung steigt und da so viele bereits ihr Geld aus dem Aktienmarkt abgezogen habe - und sich in den USA viele institutionelle Anleger über Puts gegen einen Markteinbruch abgesichert haben - besteht auch gar keine so große Wahrscheinlichkeit, dass viel Material auf den Markt geworfen werden dürfte, sollte es zu einem Negativszenario kommen. Seit anderthalb Jahren erleben wir, dass Abverkäufe immer wieder nach kurzer Zeit zum (Wieder-) Einstieg genutzt werden und der Markt nach kleinen Zwischenkorrekturen von um die 10% zu neuen Höhen strebt. Das muss sich nicht ständig wiederholen, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es noch eine Zeit lang so bleibt. Solange die Zinsen so niedrig sind und es keine wirklichen Alternativen zu Aktien gibt, wird das Geld immer schnell wieder in die Aktienmärkte zurückströmen. Trotz Crash-Angst und Crash-Gefahr kann man diese Gemengelage wohl als Sicherheitsnetz betrachten...

Samstag, 5. August 2017

Genworth Financial: Kommt die Übernahme durch China Oceanwide? Ja? Nein? Egal!

Ich wurde zu meiner aktuellen Einschätzung zu Genworth Financial Inc. gefragt, den strauchelnden US-Versicherer, den ich ja schon seit einiger Zeit als Turnaround-Spekulation begleite und bei dem ich im letzten Oktober riet, auf den Übernahmepoker zu setzen.

"Wie bewertest du den aktuellen Kursverlauf von Genworth Financial im Zusammenhang mit der Wahrscheinlichkeit einer geplanten Übernahme durch China Oceanwide? Ich kann zumindest in den hiesigen Foren keine Informationen finden, die darauf schließen lassen, dass die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Übernahme signifikant gefallen ist. Der Kursabschlag zur Übernahmeofferte ist aktuell schon recht groß und bringt mich in Versuchung, meine Position nochmals zu erhöhen. Die Q2-Zahlen waren auch überzeugend. Einzig der Kursverlauf irritiert."

Meine Einschätzung
Genworth Financial Inc. ist einer meiner Jahresfavoriten 2017. Der Kursverlauf ist ein echtes Trauerspiel. Bis jetzt. Ich war ja davon ausgegangen, dass bis Mitte 2017 die Übernahme "durch" ist und man die 5,43 Dollar kassieren kann. Das hat nicht geklappt. Die chinesische Oceanwide und GNW haben jetzt bekannt gegeben, dass sie eine Fristverlängerung bei Genehmigungsbehörden beantragt haben und dass sie den Merger/die Übernahme bis Ende Oktober 2017 anstreben. Alle Konditionen etc. bleiben ansonsten weiterhin intakt. Die Verzögerung belastet natürlich den Kurs, weil die Unsicherheit bleibt, ob die Übernahme wirklich kommt.

»Die Zukunft ist niemals klar: Schon für ein bisschen Gewissheit muss man einen hohen Preis zahlen. Unsicherheit ist deshalb der Freund von Langfristinvestoren.«
(Warren Buffett)

Dass sich die Übernahme um ein paar Monate verzögert, ist nicht schön und verunsichert viele Anleger. Andererseits bietet sich dadurch weiter die Chance, günstig an GNW-Aktien zu kommen. Wie Du schon schreibst, gab es in den letzten beiden Quartalen erfreuliche Ergebnisse.

Dienstag, 7. März 2017

Genworth Financial: Aktionäre stimmen für Oceanwide-Offerte. Und Dollarregen...

Der US-Versicherer Genworth Financial Inc. ist am Ziel. Jedenfalls hat er ein wichtiges Etappenziel erreicht, denn die Aktionäre haben mit überwältigender Mehrheit für die Fusion der US-Tochter des chinesischen Versicherers Oceanwide mit GNW gestimmt (hier das SEC-Formular 8-K). Im Zuge der Fusion werden GNW-Aktionäre in bar abgefunden und zwar mit einem festgelegten Preis von $5,43 je Aktie.

Nach der Zustimmung der Aktionäre stehen noch die Genehmigungen der Aufsichtsbehörden aus, bevor dann die Summen ausgezahlt werden. Ich hatte ja dazu geraten, auf den Übernahme-Poker zu setzen, und auch deshalb Genworth Financial zu einem meiner Jahresfavoriten für 2017 erklärt. Bezogen auf den aktuellen Kurs von $4,07 ergibt sich bis zu $5,43 ein Upside-Potenzial von rund 33% - sofern nicht die behördlichen Genehmigungen versagt werden, wovon nicht auszugehen ist, könnte das Geld vielleicht schon zur Jahresmitte an die Aktionäre fließen. Dann betrüge die Jahresrendite stolze und weit überdurchschnittliche 66%!

Genworth Financial befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Montag, 2. Januar 2017

2017 bringt weitere Chancen für Aktien und Risiken für Anleihen

Der DAX stieg in 2016 das fünfte Jahr in Folge, ohne dabei ein neues Allzeithoch zu markieren, das noch aus 2015 datiert und bei über 12.000 Punkten lag. Dennoch schloss er nach einer atemberaubenden Berg- und Talfahrt auf Jahreshöchstkurs bei 11.481 Punkten und damit um 6,9% höher als zum Jahresstart. Mein Depot, das ich im Jahresverlauf zunehmend stärker im Bereich deutscher Nebenwerte positioniert habe, konnte unterm Strich um 17,4% zulegen, womit ich sehr zufrieden bin - trotz meines verlustreichen Ausflugs in die Welt der Spekulation mit meinen zur Depotabsicherung erworbenen DAX-Puts. Bisher mein teuerstes Börsenexperiment und es regt nicht gerade zur Wiederholung an. Dow Jones, S&P 500 MDAX, sie alle konnten im Gegensatz zum DAX neue Allzeithöchststände markieren in diesem Jahr. Und was war das für ein Jahr...

Freitag, 4. November 2016

Zahlen & Mehr: Genworth Financial, Main Street Capital, Starbucks

▸ Genworth Financial
Der US-Versicherer Genworth Financial legte Zahlen für das dritte Quartal vor und musste einen Nettoverlust von $380 Mio. ausweisen oder $0,76 je Aktie gegenüber $284 Mio. im entsprechenden Vorjahresquartal bzw. $0,57 je Aktie. Der Umsatz lag im Quartal bei $2,13 Mrd. Der operative Nettoverlust lag bei $0,81 je Aktie. Wie schon zuvor berichtet worden war, musste GNW eine weitere große Abschreibung auf sein Long-Term-Care-Portfolio vornehmen und zwar in Höhe von $475 Mio. bzw. $1,10 je Aktie. Ohne diese Abschreibung läge das operative Ergebnis je Aktie somit bei $0,29 und damit um $0,07 über den Erwartungen der Analysten. Während das Hypothekenversicherungsgeschäft weiter richtig gut läuft, bereitet das Business mit den langlaufenden Pflegeversicherungen weiter Probleme. Und dürfte der entscheidende Grund sein, weshalb GNW die Offerte der chinesischen Oceanwide Gruppe zu $5,43 je Aktie befürwortet und seinen Aktionären zur Annahme empfiehlt.

Meine Einschätzung
Die China-Offerte hatte den Aktienkurs von Genworth Financial um mehr als 15% unter Druck gesetzt, weil das Übernahmeangebot nur magere 4% Aufgeld auf den Vortagesschlusskurs bot. Dabei stellt sich die Situation doch so dar, dass bis Mitte 2017 Oceanwide die Aktien zu $5,43 einsammeln will - also jede Aktie, die man heute kauft, in gewisser Weise nach unten gut abgesichert ist. Auf der anderen Seite ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch andere Bieter, neben Versicherungen auch Finanzinvestoren, nun auf den Zug aufspringen könnten, um sich das Buchwert-Schnäppchen Genworth Financial (knapp $30 je Aktie) unter den Nagel zu reißen. Ich werde meine Aktien jedenfalls nicht hergeben und abwarten, was die Zukunft so bringt.


▸ Main Street Capital
Die Business Development Company (BDC) Main Street Capital konnte im vergangenen Quartal glänzen und erzielte ein Ergebnis von $0,82 je Aktie. Da zu diesem Ergebnis auch Sonderfaktoren beitrugen, beläuft sich das bereinigte Ergebnis auf $0,58 je Aktie und liegt über den Prognosen der Wall Street. Auch beim Umsatz lag MAIN im dritten Quartal mit $46,6 Mio. über den Erwartungen.

Meine Einschätzung
MAIN ist eine der solidesten BDCs und hat selten größeren Abschreibungsbedarf auf ihre NAV (Buchwert). Die Aktie notiert deshalb mit einem satten Aufschlag auf ihren NAV. Die monatlichen Dividenden von $0,19 werden halbjährlich noch durch eine Sonderausschüttung flankiert, die als nächstes wieder im Dezember anfallen und $0,275 betragen wird. Auf das Gesamtjahr gesehen hat MAIN dann $2,725 ausgeschüttet, was bei einem Aktienkurs von €29 eine Dividendenrendite von rund 8,5% ergibt. Ein solides Investment, insbesondere für Dividendenjäger.


▸ Starbucks
Der Kaffeeröster Starbucks stand zuletzt unter Druck, weil man im letzten Quartal gepatzt hatte und die Börsianer den Beteuerungen von CEO Howard Schulz nicht recht glauben wollten, dass es sich um einen einmaligen Ausrutscher gehandelt habe, der vor allem auf die Einführung des neuen Bonussystems zurückzuführen sei. Die jetzt für das abgelaufene Quartal vorgelegten Zahlen dürften nun allen Fans von Starbucks Freudentränen in die Augen treiben, denn man konnte das profitabelste Geschäftsquartal der 24-jährigen Unternehmensgeschichte präsentieren.

Verglichen mit dem Vorjahreswert legte der Gewinn um 23 Prozent auf $801 Mio. zu, während die Erlöse um 16 Prozent auf auf $5,7 Mrd. kletterten. Die Verkäufe in etablierten Filialen, die seit mindestens 13 Monaten am Markt sind, wuchsen weltweit um 4 Prozent. Im gesamten abgelaufenen Geschäftsjahr, das bis Ende September lief, steigerte Starbucks die Erlöse um 11 Prozent auf $21,3 Mrd. und die Zahl seiner über 75 Ländern verteilten Filialen um 2.042 auf 25.085. Insbesondere in Asien und hier in China boomt das Geschäft mit dem schwarzen Heißgetränk. Besonders gut dürfte auch bei den Aktionären ankommen, dass das Unternehmen die Dividende um ein Viertel auf 25 Cent je Aktie anheben wird.

Meine Einschätzung
Bei Starbucks steht der Kunde im Mittelpunkt, nicht das Produkt alleine. Und daher sind Starbucks-Aktien auch bei einer absolut betrachteten hohen Bewertung ein Top-Pick, der Top-Pick im Restaurant-Sektor. Denn relativ gesehen, also im Verhältnis zum Wachstum, liegt die Bewertung dieses schnell wachsenden Unternehmens im fairen Bereich. Der hohe Free-Cashflow dürfte dafür sorgen, dass Starbucks die Dividende auch nach den jetzigen kräftigen Schluck aus der tasse weiter anheben wird in den nächsten Jahren.

Doch der eigentliche Grund dafür Starbucks-Aktien zu kaufen, liegt natürlich in seinem profitablen Wachstum, das mit durchschnittlichen 18% jährlich erwartet wird. Insbesondere in China wird die Musik spielen, denn der starke Dollar sorgt hier nicht für schlechte Ergebnisse, sondern vor allem dafür, dass es für Starbucks immer günstiger wird, neue Läden zu eröffnen. Und Starbucks-CEO Howard Schultz spricht bereits offen davon, dass China irgendwann die USA als wichtigsten Markt ablösen dürfte. 500 neue Shops im Reich der Mitte pro Jahr sind ein ambitioniertes Wachstumstempo und Anleger haben die Chance, dieses Qualitätsunternehmen auf seinem Weg zu begleiten. Als Mitinhaber und damit Profiteur. Dabei kommt das Wachstum nicht nur durch neue Filialen, sondern die bestehenden wachsen beim Gewinn alleine schon um 4% pro Jahr - das ist beeindruckend und zeigt, wie stark das Starbucks-Business und seine Preissetzungsmacht, also sein ökonomischer Burggraben ("Moat") wirklich ist. Ich bin dabei und ich bleibe dabei.

Genworth Financial, Main Street Capital und Starbucks befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Bei Genworth Financial auf den Übernahme-Poker setzen?

Die frühere Versicherungssparte des US-Giganten General Electric, Genworth Financial Inc. (NYSE: GNW), hat mit einigen Problemen zu kämpfen und deshalb ist der Kurs in den letzten beiden Jahren von $18 auf $2 eingebrochen. Kurz vor der Finanzkrise hatte er sogar einmal bei $37 gestanden, doch das ist Geschichte. Ich hatte GNW hier im Blog Anfang März vorgestellt und bin der Frage nachgegangen, ob es sich um ein Schnäppchen oder eine Value Trap handelt. Und habe eine erste Investition zu €1,72 getätigt.

Der Grund war, dass GNWs Buchwert über $30 je Aktie beträgt und der Aktienkurs verglichen hiermit ein Witz ist. Auf der Gegenseite ist zu vermerken, dass in GNWs Geschäften der Wurm drin ist. Nicht nur bei den klassischen Lebensversicherungen, deren Vertrieb man ausgesetzt hat, weil sie sich so gar nicht mehr rechne(te)n aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase, sondern viel mehr bei den Long Term Care-Produkten, also langlaufenden Pflegeversicherungen. Diese LTCs bereiten nicht nur Genworth Financial Sorgen, sondern der gesamten Branche, denn die Leute werden immer älter und die Behandlungen immer teurer. GNW selbst hatte dann auch noch seine Policen falsch kalkuliert und ist ist erst nach längerer Zeit auf den Rechenfehler aufmerksam geworden. Die auf dieses Basis abgeschlossenen Policen muss man aber dennoch erfüllen und die bereiten weiterhin und zunehmend Kopfschmerzen. So starke, dass im dritten Quartal eine erneute heftige Abschreibung hierfür fällig war. Nachdem man 2014 bereits $698 Mio. abgeschrieben hatte, folgten nun noch einmal $475 Mio. Und die Sorgen der Anleger sind, dass dies nicht die letzten Abschreibungen auf dieses Geschäft gewesen sein dürften. Und hier liegt der Hund begraben...

 Genworth Financial Inc. (Quelle: finanzen.net) 
Wie werthaltig ist der ausgewiesene Buchwert wirklich, wenn man ständig damit rechnen muss, dass dieser durch Abschreibungen zusammengeschrumpft wird? Denn Genworth Financial verdient im operativen Geschäft nicht genug, um derart hohe Abschreibungen zu kompensieren.

Nun, zwischen einem Aktienkurs von unter $5 und einem Buchwert von über $30 ist schon noch eine ganze Menge Luft. Und man darf auch nicht vergessen, dass die meisten dieser kritischen LTC-Policen aus Mitte der 1990er Jahre stammen und der betreffende Personenkreis immer kleiner wird, einfach durch den natürlichen Lauf des Lebens.

Also selbst wenn GNW den Wert seines LTC-Business irgendwann noch einmal heruntersetzen muss, ist dies keine endlose Todesspirale, sondern ein überschaubares Problem. Und bisher hat das GNW-Management auch immer den Eindruck vermittelt, die Probleme seien zwar nicht klein, aber beherrschbar - und dass man sie beherzt angehe.

Umso unverständlicher ist für mich, dass man sich für nur $5,43 je Aktie in die Arme eines chinesischen Versicherungskonzern flüchten will. Sicherlich, Oceanwide Holdings bringt auch frische Finanzmittel in GNWs Geschäft ein, das dort sehr willkommen sind, aber eine Lösung dieser kurzfristigen Liquiditätssorgen rechtfertigen doch keine Verschleudern der Zukunft!

»Für augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht.«
(Werner von Siemens)

Ich halte das Angebot der Chinesen für völlig unangemessen. Und dass das GNW-Management dieses auch noch zur Annahme empfiehlt, ist schlicht unglaublich. Vielleicht ist dies auch dem Umstand geschuldet, dass das GNW-Management bei diesem Deal an Bord bleiben soll - vermutlich ein nicht zu unterschätzender Aspekt in dieser Gemengelage.

Auch wenn ich glaube, dass man durchaus mit einigen größeren Investoren im Vorfeld der Offerte gesprochen hat, kann ich mir nicht vorstellen, dass viele Aktionäre dieses Angebot annehmen werden. Eine Mindestannahmequote hat Oceanwide nach meiner Kenntnis nicht vorausgesetzt und daher könnte es darauf hinauslaufen, dass ein großer Freefloat bestehen bleibt.

Eine andere Überlegung ist, ob nicht jemand anderes eine Übernahme von Genworth Financial starten könnte. Denn zu GNW gehören auch börsennotierte Sahneschnittchen, wie Genworth Canada, an denen GNW noch rund 57% hält im Wert von rund $1,15 Mrd. Oder Genworth Australia, deren 52%-Anteil von Genworth aktuell gut $3 Mrd. wert ist. Nur diese beiden Anteile zusammen machen schon einen Wert je GNW-Aktie von $3,50 aus.

Meine Einschätzung
Die China-Offerte hat den Aktienkurs von Genworth Financial ziemlich unter Druck gesetzt und er hat um mehr als 15% nachgegeben. Vor allem wegen der erneuten Abschreibungen auf das LTC-Business und weil das Übernahmeangebot nur magere 4% Aufgeld auf den Vortagesschlusskurs bot. Dabei stellt sich die Situation doch so dar, dass bis Mitte 2017 Oceanwide die Aktien zu $5,43 einsammeln will - also jede Aktie, die man heute kauft, in gewisser Weise nach unten gut abgesichert ist. Auf der anderen Seite ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch andere Bieter, neben Versicherungen auch Finanzinvestoren, nun auf den Zug aufspringen könnten, um sich das Buchwert-Schnäppchen Genworth Financial unter den Nagel zu reißen. Ich habe daher die heutigen Ausverkaufskurse unter €4 nochmals zum Nachkauf genutzt, und inzwischen meine Position verdoppelt. Ich glaube, hier geht noch mehr. Viel mehr...

Genworth Financial befindet sich als Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Freitag, 26. August 2016

Genworth Financial: Übernahme von AIGs United Guaranty-Sparte beflügelt

Vor einigen Tagen berichtete das Wall Street Journal, dass sich der weltgrößte Versicherungskonzern AIG seinem Ziel nähere, seine Immobilienkreditversicherungssparte loszuschlagen. Bisher hatte AIG den Plan verfolgt, einen Minderheitsanteil der Sparte an die Börse zu bringen, doch nun scheint die Arch Capital Group bereit zu sein, $3,4 Mrd. für die gesamte  United Guaranty-Sparte zu bezahlen.

Dies beflügelt auch den Aktienkurs von Genworth Financial Inc. (NYSE: GNW), denn die ehemalige Versicherungssparte des US-Giganten General Electric ist aufgrund erheblicher Probleme selbst auf der Suche nach einem Abnehmer seiner entsprechenden Sparte. Und der kolportierte Kaufpreis zeigt durchaus attraktive Konditionen auf, sowohl für den Käufer als auch den Verkäufer. Vielleicht ist hier für Genworth Financial mehr zu holen, als die Börse bisher annimmt.

 Genworth Financial Inc. (Quelle: finanzen.net) 
Mit einem Kurs, der bei nur rund 20% des NAV notiert, wird Genworth Financial aktuell als Quasi-Ausfall bepreist und der seit Monaten immer mehr Fahrt aufnehmende Turnaround wird noch weitgehend ignoriert.

Doch langsam scheint hier ein Umdenken einzusetzen und eine Neubewertung von Genworth Financial an der Börse könnte bevorstehen. Was nicht bedeutet, dass wir in absehbarer Zeit gleich die früheren All-Time-High-Kurse von knapp $37 sehen werden. Zur Zeit liegt der Kurs noch gut 80% unter dieser Marke und hat gerade erst die $4,5 überwunden (€4,10). Ein Blick auf den Langzeitchart zeigt, dass die starken Kurszuwächse mit der Kursverdopplung seit den Tiefstständen zu Jahresanfang nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind auf dem Weg zurück in normale Bewertungsrelationen...

Genworth Financial befindet sich als Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Donnerstag, 18. August 2016

Turnaround nimmt Fahrt auf: Genworth Financial schrumpft sich gesünder

Genwort Financial Inc. (NYSE: GNW) ist ein amerikanischer Versicherungskonzern und ich weise seit Jahren auf die verzwickte Lage der Versicherungen hin, die einerseits wegen der Niedrigzinsen kaum noch Erträge erwirtschaften, andererseits aber hohe Garantien an ihre Kunden leisten müssen, insbesondere aus Altverträgen bei der Lebensversicherung. Die Versicherungsbranche ist für Anleger mit hohen Risiken behaftet und schwindenden Chancen - bei Genworth Financial lohnt sich dennoch ein genauerer Blick.

Vor knapp einem halben Jahr lag der Aktienkurs noch bei rund €1,50 und hat sich seitdem auf €3 glatt verdoppelt. Als ich mich im März erstmals mit dem Unternehmen beschäftigte ("US-Versicherer Genworth Financial Bargain oder Value Trap?") standen noch alle Zeichen auf Sturm bei der ehemaligen Versicherungssparte des US-Giganten General Electric. Von den einstmaligen Höchstkursen von $20 im Jahr 2007 war nicht mehr viel übrig geblieben, denn neben der allgemeinen Branchenschwäche hatte Genworth Financial auch mit einer Reihe schwerwiegender, hausgemachter Probleme zu kämpfen. Und kämpft noch immer.

Das Geschäftsjahr 2015 brachte einen Gewinneinbruch von 66% da das Unternehmen zusammengeschrumpft wird, um durch das Absenken der Verschuldung wieder auf Kurs zu kommen. Das wurde nötig, da man für das Geschäftsjahr 2014 einen Rekordverlust von mehr als §1,2 Mrd. ausweisen musste. Der Nettogewinn fiel dann im Jahr 2015 von $154 Mio. oder $0,31 je Aktie auf $53 bzw. $0,11 je Aktie, während der operative Gewinn, der auch Ergebnisse aus Investmentgeschäften enthält, bei $0,21 je Aktie lag. So schrecklich diese Zahlen auch noch waren, sie übertrafen die noch pessimistischeren Analystenerwartungen deutlich. Und mit den Zahlen zum zweiten Quartal 2016 setzte sich der Turnaround fort und nimmt zunehmend Gestalt an.

 Genworth Financial Inc. (Quelle: finanzen.net) 
Quartalszahlen lassen Börsenkurs um 30% anspringen
Der Versicherer berichtete ein Nettoergebnis von $123 Mio. im zweiten Quartal oder $0,25 je Aktie und damit erneut deutlich über den durchschnittlichen Analystenschätzungen von $0,21 pro Aktie. Dabei stach besonders Genworths US-Hypothekenversicherungseinheit heraus, die alleine $61 Mio zum Netto-Betriebsergebnis beisteuerte, eine Steigerung von 24% gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das US-Lebensversicherungsgeschäft erwirtschaftete $55 Mio. Netto-Betriebsergebnis und damit weit weniger als die $91 Mio. des vorangegangenen Quartals, allerdings nur $2 Mio. unter dem Ergebnis des vergleichbaren Vorjahresquartals. Der Nettogewinn  im zweiten Quartal, der auch Gewinne und Verluste aus dem Anlageportfolio umfasst, betrug $172 Mio. oder $0,34 pro Aktie, wobei Genworth Financial von einem realisierten Gewinn nach Steuern von $85 Mio. aus dem Verkauf von US-Staatsanleihen profitierte.

Buchwertschnäppchen
Selbst bei einem Kurs von €3 wird Genworth Financial nur zu einem Bruchteil seines Buchwerts gehandelt, den das Unternehmen nach konservativer Berechnung mit $20,61 je Aktie angibt. Die Aktien notieren also zum 0,20-fachen oder 80% unterhalb ihres Buchwerts.

Ausblick
Genworth Financial hat erhebliche Probleme vor der Brust, insbesondere in der Sparte Lebensversicherungen. Hier hat man einen Stopp bei Neuabschlüssen verhängt und schrumpft das Unternehmen gesund, fokussiert sich auf die rentierlichen Bereiche. So hat man im zweiten Quartal sein europäisches Hypothekenversicherungsgeschäft verkauft und reduzierte seine Ausgaben auf Jahresbasis um rund $150 Mio. vor Steuern. Damit hat man die eigenen Kostensenkungsziele bereits erreicht, die man zu Beginn dieses Jahres verkündet hatte. Des Weiteren stieg die Liquidität von $760 Mio. auf $934 Mio. weiter an und sollte Anlegern ein stärkeres Vertrauen in die Bilanz des Unternehmens geben, die jedoch nach wie vor einen erhöhten Verschuldungsgrad aufweist.

Meine Einschätzung
Genworth Financial ist noch nicht über den Berg, es wäre zu früh, schon Entwarnung zu geben. Aber das Management hat die Zeichen der Zeit erkannt und trennt sich von unrentierlichen Randbereichen und trifft auch unpopuläre Entscheidungen, um den Versicherer wieder auf Kurs zu bringen. Erste Erfolge sind sichtbar und mit einem weiteren Abbau der Verschuldung und sich zunehmend verbessernden Bilanzkennzahlen und steigenden Ergebnissen sollte auch der Aktienkurs sich weiter in Richtung seines Buchwertes aufmachen. Ein Abschlag von 80% signalisiert einen Quasi-Ausfall, aber davon ist Genworth Financial inzwischen um einiges entfernt, so dass ein derartig hoher Abschlag nicht (mehr) gerechtfertigt erscheint.

Ich habe Genworth Financial als Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot und bin sehr zuversichtlich, mit der nötigen Geduld in den nächsten Jahren noch so einige Kursverdoppler auf Basis meines Ersteinstiegs bei €1,72 einzufahren. Dabei muss man bei diesem Turnaroundwert die Risiken bei der Unternehmenstransformation und deren Erfolgsaussichten stets wachsam im Blick behalten.

Freitag, 29. April 2016

Zahlen & Mehr: Apple, Genworth Financial, Johnson & Johnson, KKR, PayPal, Western Digital

:: Apple
Eben wurde bekannt, dass sich der aktivistische Investor Carl Icahn inzwischen vollständig aus Apple zurückgezogen und alle seine Aktien auf den Markt geworfen hat. Und das, obwohl er Apple öffentlich mit einem fairen Wert von $240 angesetzt hat. Ich hatte bereits vor einiger Zeit vermutet, dass er hier die Privatanleger aufs Glatteis zu führen versucht, um sein eigenes milliardenschweres Aktienpaket loswerden zu können, ohne dass ihm der Kurs total einbricht ("Verschleuderte Carl Icahn seine Apple-Aktien 50 Prozent unter Wert?"). Nun, das Manöver war ziemlich offensichtlich und auch wenn Icahn nun auf regulatorische Einflussnahmen in China als Begründung abzielt, ging es ihm doch alleine um seinen eigenen Profit. Auch vorgeschobene Gründe sind Gründe und Icahn verdiente an seinen "Apfeltagen" unterm Strich rund $1,5 Mrd.... (>>> zur Meldung)

:: Genworth Financial
Der Versicherungskonzern Genworth Financial Inc. musste im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch von 66% hinnehmen, schlug damit die Markterwartungen jedoch deutlich. Das Unternehmen, das die ehemalige Versicherungssparte des Industriegiganten General Electric war, wird aktuell zusammengeschrumpft, um durch das Absenken der Verschuldung wieder auf Kurs zu kommen, nachdem man für das Geschäftsjahr 2014 einen Rekordverlust von mehr als §1,2 Mrd. ausweisen musste. Der Nettogewinn fiel von $154 Mio. oder $0,31 je Aktie auf $53 bzw. $0,11 je Aktie. Der operative Gewinn, der auch Ergebnisse aus Investmentgeschäften enthält, lag bei $0,21 je Aktie und damit deutlich über den Erwartungen. (>>> zur Meldung, Engl.)

:: Johnson & Johnson
Beim Pharmazie- und Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson laufen die Geschäfte rund, hauptsächlich der starke Dollar und das Abgeben von Geschäftsbereichen haben das Zahlenwerk etwas belastet. Die weltweit 127.500 Mitarbeiter erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz von $70,1 Mrd. (Vorjahr: $74,3 Mrd.) und dabei einem Gewinn in Höhe von $15,4 Mrd. (Vorjahr: $16,3 Mrd.) und so wird das Unternehmen das 54. Jahr in Folge seine Dividende steigern. Für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2016 wird die Dividende von $0,75 auf $0,80 je Aktie angehoben, was einer Steigerung von 6,7% entspricht. (>>> zur Meldung).

:: KKR
Der Finanzinvestor KKR & Co. L.P. wird von den Börsenturbulenzen und dem niedrigen Ölpreis mächtig in Mitleidenschaft gezogen. Insbesondere seine großen börsennotierten Beteiligungen, Walgreen Alliance Boots und First Data mussten im ersten Quartal 2016 Kursverluste hinnehmen und das wirkte sich stark in den Zahlen der Private Equity Gesellschaft aus. So musste ein Nettoergebnis, das sowohl unrealisierte als auch realisierte Profite enthält, von Minus $553 Mio. bzw. $-0,65 je Aktie ausgewiesen werden, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Gewinn von $526 Mio. zu Buche stand. KKR ist stark von der Börsenverfassung abhängig und die taumelnden Aktienkurse hatten starke Auswirkungen auf die Ergebnisse. Umgekehrt wirken anziehende Börsenkurs allerdings ebenso stark und wie ein Turbo auf das KKRs Zahlenwerk. (>>> zur Meldung, Engl.)

:: PayPal
Der Zahlungsdienstleister PayPal Inc. kann sich im immer härter umkämpften Markt der Online- und Mobilbezahldienste behaupten. So kletterten im ersten Quartal 2016 die Erlöse im Vorjahresvergleich um 19% auf $2,5 Mrd. und der Überschuss konnte sogar um 43% auf $365 Mio. zulegen. Die Zahl der aktiven PayPal-Kundenkonten stieg um 11,5% auf 184 Mio und es wurden insgesamt 1,41 Mrd. Transaktionen wurden abgewickelt (>>> zur Meldung)

:: Western Digital
Der Speicher-Spezialist Western Digital ist unbestritten das Sorgenkind auf meiner Empfehlungsliste und der Aktienkurs notiert tief im Minus. Und die vorgelegten Zahlen zum dritten Geschäftsquartal sind nicht dazu geeignet, hieran etwas zu ändern. Kurz vor der angestrebten Übernahme des Konkurrenten SanDisk musste WDC einen Umsatzrückgang um 21% bekanntgeben und ein Absinken des Nettogewinns auf nur noch $283 Mio., nachdem vor einem Jahr noch von $441 Mio. verdient worden waren. Auch wenn der weiter schrumpfende PC-Markt seine Spuren hinterlässt, kann man diese Zahlen nur als große Enttäuschung ansehen. (>>> zur Meldung, Engl.)


Genworth Financial, Johnson & Johnson, KKR, PayPal und Western Digital befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Freitag, 4. März 2016

US-Versicherer Genworth Financial: Bargain oder Value Trap?

Genwort Financial Inc. (NYSE: GNW) ist ein amerikanischer Versicherungskonzern und ich weise seit Jahren auf die verzwickte Lage der Versicherungen hin, die einerseits wegen der Niedrigzinsen kaum noch Erträge erwirtschaften, andererseits aber hohe Garantien an ihre Kunden leisten müssen, insbesondere aus Altverträgen bei der Lebensversicherung. Im August 2013 warnte ich "Niedrigzinsniveau gefährdet Lebensversicherer", im Dezember 2014 "Versicherungsaktien: Renditen runter, Risiko rauf" und im Juni 2015 warf ich die Frage auf "Droht Lebensversicherern schon bald die Pleite?". Und das zunehmend kritischer werdende Umfeld bestätigt mich in meinen Befürchtungen zusehends.

Und nun habe ich US-Unternehmen gekauft, das genau in diesem "Horrorszenario" gefangen ist und massiv darunter leidet. Und eben weil es leidet und bereits extrem gelitten hat, habe ich es gekauft. Klingt schizophren, ist aber eigentlich reine Investment-Logik. Denn alle Anlagen weisen Chancen und Risiken auf und als Investor muss man diese gegeneinander abwäge, um zu einem Chance-Risiko-Verhältnis zu kommen. Und an dieses hängt man ein Preisschild, also den Aktienkurs, den man bereit ist, hierfür zu bezahlen. Das Preisschild vergleicht man mit dem aktuellen Aktienkurs und so weiß man, ob man kaufen, halten oder verkaufen sollte, ob man mit einer Sicherheitsmarge operiert und unter dem Fairen Wert kaufen kann oder ob der Kurs die potenziellen Chancen schon zu stark eingepreist hat und man lieber die Finger von dem Investment lassen sollte.

Über Genworth Financial bin ich gestolpert, als ich mich im Bereich der BDCs (Business Development Companies) umgesehen habe. Mein Interesse wurde durch den Namen geweckt, doch als ich sah, dass es sich um eine Versicherung handelt, wollte ich direkt weiterziehen. Allerdings sah der Chart dermaßen mitgenommen aus, dass ich einen längeren Blick riskiert habe. Und je mehr ich las, desto schlimmer wurde es. Und umso interessanter...

 Genworth Financial Inc. (Quelle: comdirect.de) 
Genworth Financial war früher eine Sparte des Industriegiganten General Electric und dieser besinnt sich seit vielen Jahren auf sein Kerngeschäft Industrie und stößt seine Randbeteiligungen im Bereich der Finanzen und Versicherungen ab. GNW kam 2004 im Zuge dieser Neuausrichtung als Spin-off an die Börse und betreibt eine Vielzahl von Versicherungsaktivitäten, von Immobilienversicherungen in den USA und Kanada, Kranken- und Pflegeversicherungen, Lebensversicherungen und Annuitätendarlehen. Und es war bisher eine wechselvolle Börsengeschichte, denn nach dem Start zu rund $20 ging es bis Mitte 2007 auf $37 hinauf, bevor die Finanzkrise den Aktienkurs auf Talfahrt schickte. 2008 und nochmals 2009 gab es ein Doppeltief bei knapp unter $1, doch schon 2010 gab es einen Angriff auf die Marke von $20, bis der starke Börseneinbruch 2011 erneut für Tränen sorgte. 2011 und 2012 lagen die Tiefstkurse bei $5 und im Sommer 2014 hatte sich der Kurs wieder an die $18 herangekämpft, von wo aus er in mehreren Etappen bis auf $1,60 abstürzte. Natürlich gab es immer Gründe für den Aufstieg und für den Kursverfall, doch eines ist klar: die Aktie  ist sehr volatil, eine Schwankungsbreite von $0,80 bis $37 ist ja nicht der Normalfall. Und dabei muss man berücksichtigen, dass GNW nach US-amerikanischer Definition ein Penny-Stock ist, also eine Aktie, die unter $5 notiert. Dabei ist GNW keine kleine Klitsche, sondern ein Fortune 500-Unternehmen, das auch bei einem Kurs von $2 noch immer eine Börsenkapitalisierung von $1 Mrd. aufweist, also mittleres MDAX-Niveau und auf Augenhöhe mit Jungheinrich. Zum Höchstkurs von $38 läge man mit dann $16 Mrd. Börsenkapitalisierung auf dem Niveau von Henkel.

Aber der Kurs alleine sagt ja nichts darüber aus, ob eine Aktie kaufenswert ist. Wir halten fest, GNW notiert nahe am historischen Tiefststand und wir schauen lieber mal auf die Gründe für den Absturz, denn auch ein "günstiger" Börsenkurs von $2 bietet immer noch ein Abwärtspotenzial von 100%, wenn man seine Hausaufgaben nicht macht, wie Peter Lynch es einmal ausdrückte.


 Genworth Financial Inc. (Quelle: comdirect.de) 
Die Risiken
Genworth hat ernste Probleme. Insbesondere läuft es im Lebensversicherungsbereich nicht rund, man hat die selben Probleme wie alle anderen Assekuranzen auch. Die Versicherten werden immer älter und das kostet viel mehr, als man einmal kalkuliert hatte. Und auf der anderen Seite steht der Versicherung zwar aufgrund der Beitragszahlungen ein starker Cash-Zufluss zur Verfügung, wegen der niedrigen Zinsen erwirtschaftet sie aber immer weniger mit diesen Mitteln, was die Renditen für die Versicherten schmälert und auch die Einnahmen für die Versicherung selbst. Sie hat also Probleme, in dieser Sparte ihre Kosten einzuspielen. Anfang Februar entschied man sich daher, bis auf weiteres den Vertrieb von Lebensversicherungen auszusetzen und auch langlaufende Annuitätenprodukte mit fester Zinsbindung. Die Aussicht auf wenig(er) Neugeschäft trieb den Aktienkurs deutlich zweistellig ins Minus und das war dann die Basis für meinen Einstieg. Denn diese Entscheidung ist nur konsequent, wenn man mit einem Produkt nichts verdient, sondern sogar noch Verluste macht (Genworth musste die letzten beiden Jahre größere Abschreibungen auf seinen Versicherungsbestand vornehmen bzw. die Erwartungen und Belastungen aus diesen Verpflichtungen, was den Jahresüberschuss ins Minus drückte), dann muss man eben auf Neugeschäft verzichten, bis man wieder eine auskömmliche Marge erwirtschaften kann.


"Wenn man für jeden ausgegebenen Dollar nur 90 Cents einnimmt, ist Wachstum keine Lösung."

Eine weiteres Problem ergibt sich bei den Long-Term-Cares (LTCs), denn Genworth hatte hier schlicht falsch gerechnet und es hat eine ganze Zeit gedauert, bis man den fehlerhaften Kalkulationen auf die Schliche gekommen ist. Eine deutliche Rückstellung für Unterdeckungen war die Folge und nun hat man neue Berechnungen angestellt und macht nur noch auf dieser Basis Neugeschäft. Nicht ganz unkritisch ist die Lage bei bereits bestehenden Verträgen, denn hier versucht Genworth nun deutlich höhere Prämien durchzusetzen, was bei den Versicherten nicht gut ankommt. Dennoch ist auch dies der richtige Schritt, eine Versicherung ist keine Wohlfahrtsveranstaltung, sondern ein Business, das mindestens auskömmlich sein muss.

Die Chancen
Genworth Financial hat seine Kernprobleme erkannt und behebt sie. Und das in einem nach wie vor herausfordernden Umfeld. Was uns zu den Chancen führt. Denn die beiden Verlustjahre resultieren aus Einmaleffekten, aus Rückstellungen und Abschreibungen. Diese sollten nicht zum Dauerzustand werden, denn Genworth hat ja gegengesteuert. Operativ verdient man immer noch Geld und dank der Prämienanhebungen wird das künftig wieder deutlich mehr werden. Die großen Belastungen waren Einmaleffekte und Genworth denkt darüber nach, seine Lebensversicherungssparte abzuspalten und gesondert an die Börse zu bringen. Das dürfte für beide Teile erfolgversprechend sein.

Gesenkte Kreditwürdigkeit
Als Versicherungskonzern hat Genwort Financial mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen. Aufgrund der beiden Verlustjahre wurde die Kreditwürdigkeit zuletzt heruntergestuft. Auch dies hat zum Kursabsturz geführt. Da die zugrundeliegenden Probleme jedoch konsequent angegangen wurden und werden und sich hier schnell Besserungen einstellen sollten, betrachte ich die verringerte Bonität eher als Chance. Sicher, die Refinanzierung kostet Genworth zunächst einmal mehr Geld, aber dieser Effekt wirkt bei einer weiter Anhebung der Bonität eben auch andersherum.

Betrachtet man diese Fakten und Annahmen und stellt sie ins Verhältnis zum Aktienkurs, dann liegt einem mit Genworth Financial ein echtes Schnäppchen zu Füßen. Denn der Kursabsturz auf unter $2 ist eine maßlose Übertreibung, Genworth steht nicht wie auf dem Hochpunkt der Finanzkrise vor dem unmittelbaren Zusammenbruch, sondern hat lösbare Probleme vor der Brust. Zusätzlich war der extreme Absturz natürlich auch der Ausverkaufsstimmung an den Börsen geschuldet, die von Januar bis Mitte Februar vorherrschte, hier kamen mehrere Faktoren zusammen.


"Preis ist was du bezahlst, Wert ist, was du bekommst."


Ich hatte mich deshalb Anfang letzter Woche zu €1,72 mit Aktien eingedeckt, weil ich glaube, dass Genworth Financial das Potenzial hat, seinen Aktienkurs zu vervielfachen. Die Probleme werden angegangen und somit werden die operativen Geschäftserfolge wieder mehr in den Fokus drängen, auch gerade bei den Anlegern. Und der ausgebombte Aktienkurs wird sich in der Folge wieder erholen. Die in den letzten Tagen bereits erfolgte starke Kurserholung ist meines Erachtens nur der Anfang auf dem Weg hin zu wieder zweistelligen Kursen. Wie lange Genworth Financial braucht, um wieder dorthin zu kommen, kann ich nicht abschätzen. Das ist für mich auch nicht wichtig. Entscheidend ist, dass ich davon überzeugt bin auf Grundlage der jetzigen Rahmenbedingungen und der Maßnahmen, die das Management in Angriff nimmt. Und unter dieser Prämisse ist es auch nicht wichtig, ob man bei €1,70 oder €2,50 einsteigt, man erhält für diesen Preis signifikant höheren Wert. Auf der anderen Seite ist das Abwärtsrisiko eher gering, denn die Ballung vieler negativer Faktoren hatte ja gerade zu dem massiven Kursabsturz geführt, zu einem wahren Sell-off. Begleitet mit einem stark angestiegenen Anteil an Short-Positionen, die nun bereits um die 40 Prozent im Minus liegen. Der Kursanstieg kann auch mit auf eine kleine Short-Squeeze zurückzuführen sein - das nimmt man als Investierter gerne dankend mit.

Genworth Financial befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.