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Freitag, 24. Dezember 2021

Kissigs Kloogschieterei: Kurze Gedankenspiele zu den explodierenden Energiepreisen und einer drohenden Pleitewelle bei den Energieversorgern

Wir erleben beispiellose Preissteigerungen an den Energiemärkten, sowohl im Spotmarkt bei Gas als auch bei Strom. Viele Anleger freuen sich und denken, das würde die Gewinne der Energieversorger antreiben. Zumal viele "Billigheimer" bei den Gaslieferanten in die Knie gehen und deren Kunden an die lokalen Platzhirsche zurückfallen, wo diese "abtrünnigen" Gaskunden wohnen: die sog. Grundversorger. In der Regel sind das die heimischen Stadtwerke, aber auch Eon ist vielerorts Grundversorger und auch MVV Energie aus Mannheim. Dessen Kurs gleicht einem Raketenstart und ich fürchte, dass er bald implodieren wird. Und dabei den Gewinnen folgt, die kräftig einbrechen dürften.

Ich bin nun wahrlich kein Pessimist und kein erst recht kein Crashprophet, aber in diesem Fall sehe ich wirklich schwarz. Und teile meine Ansichten mit euch in der Hoffnung, dass mich jemand mit mehr Durchblick davon überzeugen kann, dass ich zu schwarzmale und meine Sorgen überzogen und unbegründet sind...

Mittwoch, 18. Januar 2017

Capital Stage: Einfach Geld verdienen mit sauberem Strom

Warren Buffett sagte einmal, mit Energieversorgern würde man nicht reich, aber man bleibe es. Das mag in den Ohren der Aktionäre von Eon oder RWE wie Hohn klingen, aber Buffett hat beim Ausspruch seiner Worte ganz bestimmt nicht an die staatlich verordnete Energiewende in Deutschland gedacht, die für die Misere der deutschen Energieversorger verantwortlich ist. Denn im operativen Geschäft verdienen die Konzerne weiterhin auskömmlich Geld, sie verbrennen allerdings Milliarden mit Abschreibungen auf ihre alten Kraftwerksbeteiligungen, den Atomkraftwerken und den unrentablen Öl- und Gaskraftwerken.

»Mit Energieversorgern wird man nicht reich, aber man bleibt es.«
(Warren Buffett)

Die andere Seite der Energiewende ist, dass der deutsche Staat ganz vorne mit dabei ist, wegzukommen von konventionellen, fossilen Brennstoffen hin zu regenerativen Energiequellen, Also Bio, Wasser, Wind und Sonne. Durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) werden diese Energiequellen staatlich gefördert und mittels langlaufender Subventionen massiv unterstützt. Die Zeche zahlen übrigens nicht die Steuerzahler, sondern die Energiekunden über ihre Stromrechnung. Denn dort findet sich ein immer größer werdender Anteil an staatlichen Umlagen, insbesondere der EEG-Umlage, aus der diese Subventionen gespeist werden.

Konkurrenz aus Asien verdirbt die Preise
Diese Subventionen waren auch der Grund, weshalb in Deutschland, einem eigentlich sonnenarmen Land, die Produktionsstätten für Solarmodule wie Pilze aus dem Boden schossen. Gerade in der durch die EU noch besonders geförderten Region Ostdeutschland entstanden hunderte derartiger betriebe und nicht wenige fanden auch den Weg an die Börse. Doch es kam, wie es kommen musste. Die hohen Subventionen für die Solarmodule lockten auch zunehmend ausländische Anbieter an, insbesondere aus Asien, und die Milliarden flossen zunehmend ins Ausland ab. Die deutschen Unternehmen hatten es sich in ihrer subventionierten Nische zu bequem gemacht und sich nicht auf den steigenden Wettbewerb eingestellt. Als dann die Regierung die ausufernden Subventionen einbremste, rasten viele deutsche Konzerne in die Insolvenz. Erinnert sei nur kurz an Q-Cells, Solon oder Solarworld. Letztere kämpft noch immer mit Umstrukturierungen und massiven Verlusten, das Lebenslicht ist noch nicht ganz ausgeblasen.

Es gab aber auch andere Hochflieger, die Hersteller von Windrädern. Ob RePower oder Nordex, auch diese Branche machte und macht eine Berg- und Talfahrt durch. Anleger verdienten und verloren Millionen in diesem Bereich. Es stellt sich daher die Frage, weshalb ich mich dieses Themas überhaupt annehme…

Samstag, 15. Oktober 2016

Investor-Update: Blue Cap, Deutsche Rohstoff, Eon, MPC, Patrizia, S&T, Suncor

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Kurz vor dem Oktober-Crash. 1987...!
Der "Crash-Monat" September ist überstanden und es war ein Non-Event. Fast. Obwohl die Volatilität seit vielen Wochen auf sehr niedrigem Niveau verharrt, gab es insbesondere beim DAX starke Kursschwankungen in der Range zwischen 10.300 und 10.700 Punkten. Mehrmals und immer wieder. Dass es nicht im September zu einer heftigen Korrektur gekommen ist, stellt für sich allein genommen keine Entwarnung für die Börsen dar. Denn auch der Oktober kann es in sich haben, wie der 25-Prozent-Einbruch am "Schwarzen Montag", dem 19. Oktober 1987 zeigte. Der Dow Jones Index hatte sich in den beiden Jahren zuvor annähernd verdoppelt und kurz vor dem Crash hatte die US-Notenbank FED erstmals seit Jahren den Leitzins wieder erhöht. Klingt ziemlich genau nach unserer Situation heute. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass hier Parallelen gezogen werden - und wenn man den Dow-Jones-Chart von damals mit dem aktuellen übereinander legt, sieht das wirklich nicht gut aus...

Sonntag, 21. August 2016

Eon: Die Risiken überwiegen

Vor rund sieben Monaten hatte ich Eon als aussichtsreiche Turnaround-Spekulation vorgestellt und seitdem hat sich der Kurs unter stärkeren Schwankungen gen Norden orientiert. Meine damalige Annahme, die Aufspaltung in zwei Geschäftseinheiten würde für neue Impulse sorgen und das größte Risiko seien die Kosten für den Atomausstieg, haben sich nicht ganz so konkretisiert, wie ich dachte. Denn wenn auch die Lösung für den Atomausstieg teuer wird, ist sie letzten Endes nicht existenzgefährdend. Allerdings wird Eon wohl nicht wenig seines fossilen Kraftwerksgeschäfts veräußern müssen, um seinen Anteil an den Kosten stemmen zu können. Diese werden nun in die separate Einheit Juniper abgespalten und bei Eon entsteht nun hoher Abwertungsbedarf in Milliardenhöhe auf dieses Geschäft. Erneut.

Der Turnaround ist nicht gescheitert, er dauert noch an, mit offenem Ende. Es kann auch noch viel schlimmer kommen, bevor es (vielleicht) besser wird. Somit bleibt unterm Strich ein sich (wieder) verschlechterndes Chance-Risiko-Verhältnis mit einem sich eintrübenden Ausblick. Für mich bedeutet dies, dass ich die bisher nach dem halben Jahr aufgelaufene Rendite von 7,5% an Kursgewinnen und Dividendenausschüttung mitnehme und die Spekulation an diesem Punkt beende.

Ich streiche daher Eon von meiner Empfehlungsliste.

Freitag, 10. Juni 2016

Zahlen & Mehr: 7C Solarparken, Aurelius, Eon, mVISE, Publity

:: 7C Solarparken
Der Solarparkbetreiber konnte heute mit positiven Nachrichten aufwarten. So hat man das letztes Jahr erworbene Miskina-Portfolios mit einer Leistung von 13,7 MWp optimieren können durch eine Verbesserung der Performance Ratio sowie eine Refinanzierung der Projektdarlehen. Zwei der zum Portfolio gehören Anlagen konnten durch technische Optimierung von einem PR-Level von 70% auf nun 79% gehoben werden und durch diese Investition von €0,7 Mio. werden jährliche Erlössteigerungen von €160.000 erzielt.

Bei der Umfinanzierung konnte man ebenfalls einen großen Erfolg verbuchen. Die Nettoverschuldung sinkt per Ende Juni 2016 auf €31,9 Mio. und die durchschnittlichen Festzinsen wurden von 5,5% auf 2,05% reduziert. Die einmalige Vorfälligkeitsentschädigung beläuft sich auf €2,3 Mio.; ihr stehen nun jährliche Einsparungen in Höhe von €1 Mio. gegenüber.

Beide Maßnahmen liefen besser als erwartet und übertrafen die Prognosen des Vorstands vom letztjährigen Investorentag. Die Priorität des Vorstands verlagert sich nun auf Wachstum, um das 105 MWp-Ziel vor dem Jahresende 2017 zu erreichen.

:: Aurelius
Gestern fand die Hauptversammlung des Finanzinvestors Aurelius statt und heute wird die Bruttodividende von €2,45 je Aktie ausgezahlt, die sich aus einer Basisdividende von €0,90 und einer Partizipationsdividende von €1,55 zusammensetzt. Die Ausschüttung wurde damit um 22% gegenüber dem Vorjahr erhöht. Dem entsprechend passte Aurelius auch die Konditionen der begebenen Wandelanleihe an.

Aurelius betreibt inzwischen Büros in München, London, Stockholm und Madrid und zur weiteren Differenzierung des Aurelius-Geschäftsmodells, vor allem im angelsächsischen bzw. internationalen Markt, wurde die Umfirmierung der Gesellschaft in AURELIUS Equity Opportunities SE & Co. KGaA beschlossen.

Ergänzung vom 16.06.2016, 12:03
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In einem Interview mit "Vorstandswoche.de" sagte Aurelius-CEO Dr. Dirk Markus, Aurelius plane in diesem Jahr noch weitere 2 bis 5 Zukäufe zu tätigen. Zudem werde man sich noch ein paar Firmen trennen. Das zweite Halbjahr werde sehr "aktiv".

:: Eon
Die gestrige Hauptversammlung der Eon hat die Aufspaltung des Unternehmens in zwei Teile beschlossen. Eon will sein Geschäft mit den konventionellen Kraftwerken und den Energiehandel in die Gesellschaft Uniper auslagern, die schon seit Jahresbeginn operativ tätig ist. Eon konzentriert sich dann auf die erneuerbaren Energien, den Vertrieb und das Netzgeschäft. Die Eon-Aktionäre sollen mit der Aufspaltung für jeweils zehn Eon-Papiere zusätzlich eine Uniper-Aktie erhalten. Damit trennt Eon sich zunächst von rund 53% an Uniper, will jedoch auch die restlichen 47% mittelfristig verkaufen. Für den heftigen Kurseinbruch sorgte allerdings der Dividendenabschlag, denn Eon hatte eine Bruttodividende von €0,50 je Aktie ausgekehrt.

:: mVISE
Auch bei der mVISE AG trat die Hauptversammlung zusammen; bei dem Turnaround-Kandidaten gab es allerdings keine Dividende, daher standen die Berichte des Vorstands im Vordergrund.

Im Jahr 2015 konnte die Gesamtleistung der mVISE AG um 174% von €2,1 Mio. auf  €5,9 Mio. gesteigert werden und die Mitarbeiterzahl verdoppelte sich im selben Zeitraum von 32 auf 64, ebenso die Eigenkapitalquote von 24% auf 48%. Die Bereinigung defizitärer Geschäftsfelder ist abgeschlossen und sämtliche Altverbindlichkeiten wurden getilgt.

Der Turnaround setzt sich auch in 2016 fort, wie die voraussichtlichen Ergebnisse des ersten Halbjahres zeigen. Die erwartete Gesamtleistung steigt um mehr als 50% auf ca. €3,7 Mio. nach 2,4 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Ebenso erfreulich zeigt sich das erwartete EBITDA mit +€160.000 ggü. -€380.000 bereinigtem EBITDA im Vorjahreszeitraum. Der Vorstand der mVISE AG bestätigt daher die Prognose einer Gesamtleistung von knapp €10 Mio. für das Jahr 2016 bei einer angenommenen Konsolidierung der übernommenen Just Intelligence GmbH, Hamburg ab dem 3. Quartal 2016.

:: Publity
Die aufstrebende Immobilien-AG Gateway Real Estate hat sich durch eine Kapitalerhöhung im Verhältnis 1:6 brutto 19 Mio. Euro aus dem Kapitalmarkt geholt und mit dem Geld die ersten beiden größeren Deals der Gesellschaft finanziert. Dabei handelt es sich um das an Areva und Siemens vermietete Büroobjekt an der Paul-Gossen-Str. 100 in Erlangen für €76 Mio. und um die Baby-Walz-Zentrale in Bad Waldsee für €32,8 Mio. Verkäufer der beiden Liegenschaften ist die Publity AG, die diese beiden Objekte somit weniger als 6 Monate in ihrem Bestand hatte. Bisher hatte Publity seine Immobilien im Schnitt nach 16 Monaten weiterverkauft und bei diesen bisher gehandelten rund 500 Immobilien machte man einen durchschnittlichen Gewinn von 27%. Ob der Gewinn bei diesen beiden Liegenschaften in einer ähnlichen Größenordnung liegt, ist nicht bekannt - es ist aber davon auszugehen, dass Publity einen schönes Aufgeld hat einstreichen können, denn man erwirbt die Immobilien aus Notsituationen heraus und damit mit erheblichem Abschlag auf ihren Verkehrswert. Und da man zumeist mit 3% an den Objekten selbst beteiligt ist und sowohl beim Ankauf als auch beim (erfolgreichen) Verkauf Provisionen einstreicht, dürfte sich das Geschäft für Publity gelohnt haben.

Am 13.06.2016 stellt die Immobilien-Zeitung richtig, dass ihre Meldung nicht korrekt war. Verkäufer der beiden Liegenschaften war nicht die Publity AG, sondern diese hatte den Deal für Gateway lediglich als Asset-Manager begleitet. Ich gehe davon aus, dass die beiden Immobilien zu einem vom Publity für Finanzinvestoren betreuten Portfolio gehören.

7C Solarparken, Aurelius, Eon, mVISE und Publity befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Freitag, 3. Juni 2016

Zahlen & Mehr: Eon, GFT Technologies, Jungheinrich, MBB, Starbucks

:: Eon
Der Eon-Kurs kommt momentan nicht wirklich vom Fleck, auch wenn die Uniper-Abspaltung inzwischen Gestalt annimmt. Nachdem sich herauskristallisiert, dass der Atomkompromiss für Eon zwar teuer wird, aber eben auch kein Fass ohne Boden, sondern ein begrenztes Risiko, richtet sich der Fokus nun auf die Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung. Denn es scheint sicher, dass die Aufspaltung in Eon und Uniper sowie die Lasten für den Atomkompromiss nicht mit Bordmitteln zu stemmen sein werden. Allerdings rechnet die Bank of America "nur" mit einem Kapitalbedarf von €2 Mrd., was das Rückschlagspotenzial der Aktie nach unten begrenzen würde.

:: GFT Technologies
Das Unternehmen ist ein IT-Dienstleister mit Spezialisierung auf die Bereiche Finanzdienstleistungen und Logistik, also zwei Sparten, in denen in den nächsten Jahren weitere bedeutende Rationalisierungen anstehen und somit erhebliche Investitionen in die IT-Infrastruktur. Nachdem GFT zu den Highflyern des Jahres 2015 gehörte, hat der Kurs in diesem Jahr kräftig Federn gelassen und knapp ein Drittel nachgegeben von €32 auf knapp €21. Hier sollte sich der Einstieg wieder lohnen, zumal die ERGO-Versicherung, die Versicherungstochter des Rückversicherungskonzerns Munich Re, in den nächsten vier Jahren 2.400 Vollzeitstellen streichen will. Ergo ist hierbei kein Einzelfall, auch andere Versicherungen streichen radikal Jobs zusammen, wie Bei HDI, Talanx, oder Signal Iduna. Ergo will im Gegenzug nicht nur eine reine Online-Versicherung an den Markt bringen, sondern auch €1 Mrd. in die Hand nehmen, um "die veraltete Verwaltung und IT auf Vordermann zu bringen". Der Trend zur Digitalisierung in der Finanzbranche eröffnet GFT einen großen Markt, in dem man heute schon einer der erfolgreichsten Player ist. Auch Hypoport ist hier aussichtsreich positioniert.

:: Jungheinrich Vz.
Beim Gabelstaplerhersteller läuft es weiter wie geschmiert. Während der Hauptversammlung gab der Vorstand auch einen Überblick über das angelaufene Geschäftsjahr und prognostizierte weitere Zuwächse bei Umsatz und Gewinn. Die Hauptversammlung beschloss dann auch einen Aktiensplit im Verhältnis 1:3, der zeitnah umgesetzt werden soll. Dies sollte dem Aktienkurs - neben der hervorragenden operativen Unternehmensentwicklung, weiter Auftrieb geben.

:: MBB
Bei MBB spielt das Zukunftsthema E-Moblität eine immer größere Rolle, genauer gesagt bei den Töchtern Aumann, MBB Fertigungstechnik und Delignit. Insbesondere der Zukauf der Aumann-Gruppe Ende letzten Jahres katapultiert MBB in neue Dimensionen und das wird dem Kurs noch mehrfach in diesem Jahr neue Schubkraft verleihen. Die Zahlen zum ersten Quartal deuten es bereits an: 30% Umsatzzuwachs (€78 Mio. nach €60 Mio.), EPS im ersten Quartal bei €0,56 je Aktie nach €0,47 im Vorjahresquartal. Und die bisherige Prognose für das Gesamtjahr setzt MBB (noch!) mit €2,00 an. Würde man die €0,56 einfach linear auf das Jahr fortschreiben, würde dies jedoch €2,24 je Aktie bedeuten, also 12% oberhalb der bisherigen Prognose. Ich habe daher zuletzt bei MBB meine Position knapp unter €30 ausgebaut und sehe hier noch einiges an Potenzial; das Chance-Risiko-Verhältnis ist bei MBB weiterhin ausgezeichnet.

:: Starbucks
Die Aktie von Starbucks ist hoch bewertet, aber sie verzeichnet auch nimmer noch hohes Wachstum. Daher ist sie nicht zu teuer. Zuletzt gab der Kurs deutlich nach, weil Starbucks nur Zahlen im Rahmen der Erwartungen präsentiert hatte und nicht - wie gewohnt - die Erwartungen übertraf. Zuletzt ging man eine Kooperation mit dem weltgrößten Bierbrauer Anheuser-Busch InBev ein, um künftig beim Vertrieb von Fertiggetränken der Tee-Tochter Teavana zusammenzuarbeiten und hier ähnliche Erfolge zu erzielen, wie bei den Kaffeefertiggetränken. Der Markt für trinkfertige Tees habe in den USA ein Volumen von $1,1 Mrd. pro Jahr und wachse mit durchschnittlich 10 Prozent. Das aktuelle Kursniveau bietet sich als Nachkaufgelegenheit an, weil der Wachstumsmotor bei Starbucks kein bisschen stottert, sondern weiter an Fahrt aufnimmt.

Eon, GFT Technologies, Hypoport, Jungheinrich Vz., MBB und Starbucks befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 11. Januar 2016

Turnaround-Spekulation: Wenn Totgesagte länger leben

Vor drei Jahren habe ich mich bereits einmal mit Turnaround-Spekulationen beschäftigt und anhand einiger interessanter Werte das Prinzip dargelegt. Und grundsätzlich bleibt es immer das selbe "Spiel", abgestürzte Aktien von schlingernden Unternehmen möglichst am Tiefstpunkt einzusammeln, um dann von ihrer operativen Gesundung zu profitieren.


"Turnarounds seldom turn."


Dabei gibt es allerdings einiges zu beachten. Da ist zunächst das enorme Risiko, dass das Unternehmen den angepeilten Turnaround nicht schafft und am Ende in die Insolvenz schlittert. Wie Praktiker oder Schlecker. Dann steht man als Aktionär vor dem Totalverlust und daher sind Turnaround-Spekulationen eben keine Buy & Hold-Investments, die man kauft und liegen lässt, sondern sie bedürfen erhöhter und regelmäßiger Aufmerksamkeit. Und dann ziehen sich Turnarounds meistens lange hin, so dass man als Anleger eine  seeeeehr langen Atem braucht und auch zunächst weitere Kursverluste in Kauf nehmen muss. Und man muss unterscheiden lernen zwischen Fakten, die auf eine Erholung hindeuten, und bloßen Wünschen und Vermutungen, mit denen manche sich die Aktien schön reden. Letztere kosten Geld, erste bringen Geld.


"Nur weil eine Aktie fällt heißt das nicht, dass sie nicht noch weiter fallen kann."


Und leider bleibt am Ende die Erkenntnis, dass die meisten Turnarounds nicht klappen. Jedenfalls nicht für die Aktionäre, denn selbst wenn das Unternehmen am Ende gerettet ist, bleibt seinen Aktionären nicht selten nur der Totalverlust ihres Geldes. So wie bei Pfleiderer oder jetzt aktuell bei der Deutschen Forfait, wo letztlich Anleihegläubiger ihr Fremdkapital in neues Eigenkapital umgewandelt bekommen, während die Altaktionäre zuvor einen Kapitalschnitt hinnehmen mussten. Die neuen Eigentümer sind am Ende die ehemaligen Fremdkapitalgeber, während die alten Eigentümer enteignet sind. Auch das ist ein Risiko, das mit Aktien einhergeht, denn man ist Miteigentümer und damit voll im Risiko.


"Die meisten Anleger glauben, Qualität und nicht etwa der Preis sei der Maßstab dafür, ob eine
Geldanlage riskant ist. Doch qualitativ hochwertige Aktiva können riskant und Vermögenswerte
niedriger Qualität können sicher sein. Es ist alleine eine Frage des Preises, den man für sie bezahlt."


Das Entscheidende bei einer Turnaround-Spekulation ist also nicht der Preis der Aktien, sondern ihr Wert. Denn nur weil eine Aktie um 50 oder 80 Prozent gefallen ist, ist sie noch keine günstige Kaufgelegenheit. Denn wer nach einem 80-prozentigen Kurssturz von 100 auf 20 EUR kauft, erleidet bei einem weiteren Abrutschen auf 10 EUR einen Verlust von 50 Prozent - auch wenn dieser Rückgang aus Sicht der 100 EUR "nur" weitere 10 Prozent ausmacht. Um also nicht nur zocken zu müssen und darauf zu hoffen, dass sich die Aktie schon irgendwie und irgendwann wieder erholen würde, sollte man auf ihren Wert achten. Denn wenn unsere 20 EUR-Aktie zum Zeitpunkt des Kaufs 30 EUR Wert ist, ist die Aussicht mit ihr Geld zu verdienen wesentlich größer, als wenn ihr Wert nur 10 EUR ausmacht. Klingt wie eine Binsenweisheit, aber da sie (zu) selten beachtet wird und Anleger deshalb sehr viel Geld verlieren, ist sie durchaus ein weiteres Mal erwähnenswert. Und vor allem beachtenswert!

Werfen wir also mal ein Blick auf die Werte, die ich vor zwei Jahren vorgestellt habe: BlackBerry, IBM und TwinTec.

BlackBerry
 BlackBerry (Quelle: comdirect.de) 
Noch immer kämpft der einstige Handy-Pionier mit operativen Problemen, seine Handys haben inzwischen nur noch einen Marktanteil von weniger als 1 Prozent. Man hatte den Trend hin zu Touchscreens völlig verschlafen und ist als Anbieter inzwischen in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.

Der neue CEO Chen richtet das Unternehmen zunehmend auf Software und Sicherheitstechnik aus und immerhin verbrennt BlackBerry kein Geld mehr. Zuletzt wagte man sich sogar wieder an die Handy-Produktion und da man nun auch auf Android setzt als Betriebssystem, dürfte man mit seinem innovativen Konzept - die Telefone haben optional eine ausfahrbare Tastatur - insbesondere im Businessbereich punkten können. Der Turnaround ist also noch im Gang, inzwischen jedoch auf einer unternehmerischen soliden Basis.

IBM
 IBM (Quelle: comdirect.de) 
Der Großkonzern zieht sich immer mehr aus dem Bereich Hardware zurück und setzt zunehmend auf Software und cloudbasierte Anwendungen. Hinzu kommt das kognitive System Watson, mit dem viele Hoffnungen verbunden sind. Nachdem IBM das vierzehnte Quartal infolge Umsatzrückgänge zu verzeichnen hatte und beim Gewinn sogar die pessimistischte aller Analystenprognosen unterboten hatte, scheint sich hier wenig zum Besseren zu wenden. Allerdings verdient IBM noch immer kräftig und kauft eigene Aktien zurück, so dass sich der Gewinn je Aktie sowie die Dividenden ständig erhöhen. IBM wird daher von vielen Value-Anlegern, ganz vorne mit dabei Warren Buffett, als tolles Investment angesehen, auch wenn der Kurs seit Jahren nur eine Richtung kennt: nach unten. Immerhin... IBM war im Jahr 2015 nicht mehr der schlechteste Dow Jones-Wert, einen Titel, den man 2013 und 2014 unangefochten "erobert" hatte. Der Turnaroud ist hier vielmehr eine tiefgreifende Veränderung des Geschäftsmodells und es scheint nur wenig Gefahr zu bestehen, dass IBM grundlegend straucheln wird. Denn immerhin bedient man fast alle der Top 100-Unternehmen der USA und hat somit eine solide Basis. Ob IBM sich irgendwann doch noch als gutes Investment erweisen wird, bleibt abzuwarten. Und ich bleibe bei meiner Einschätzung, dass man sich mit einem Einstieg noch Zeit lassen kann, bis die Wandlung auch wirklich Früchte trägt.

TwinTec
 TwinTec (Quelle: comdirect.de) 
Dass es TwinTec noch gibt, ist schon ein Erfolg, denn man stand nur Tage vor dem Exitus. Seitdem gab es zwei Eigentümerwechsel und man hat einen neue CEO, der von der übernommenen Tochter Beaumot stammt und man kann durchaus Erfolge vorweisen. So sind die neuen Abgasreinigungssysteme ziemlich überzeugend und man setzt künftig nicht mehr nur auf Landwirtschaftliche und Industriefahrzeuge, sondern möchte auch im Pkw-Bereich Tritt fassen. Und zwar nicht nur bei der Nachrüstung, sondern möchte auch Erstausrüster für die Abgasnachbehandlung werden. Sich immer weiter verschärfende Abgasnormen, der stärkere Fokus auf der Feinstaubproblematik, auch in China, und natürlich der VW-Abgasskandal bzgl. der Dieselmotoren bieten hier enorme Chancen. Auf der Risikoseite bleibt, dass TwinTec nach wie vor rote Zahlen schreibt, wenn man dem positiven Bereich auch stetig näher kommt. Bisher ist jeder Kurserholungsversuch nach kurzer Zeit wieder abverkauft worden, so dass die Marke von 1 EUR kaum länger als für ein paar Wochen überschritten werden konnte. Nur für Anleger mit erhöhter Risikobereitschaft und langem Atem.


"Value-Investoren sollten bei den hässlichen, versteckten und unbeliebten Aktien suchen."


Doch nicht nur zurück möchte ich blicken, sondern auch verprügelte Unternehmen der Gegenwart mal einer kurzen Betrachtung unterziehen. Denn auch hier finden sich recht interessante Werte.

Drägerwerk Vz.
 Drägerwerk Vz. (Quelle: comdirect.de) 
Drägerwerk ist Marktführer in einem lukrativen und wachsenden Markt, der Schutz- und Sicherheitstechnik. Ob Rettungswesten, Atemmasken, medizinische Geräte oder Anwendungen für den Bergbau, die Lübecker sind mit ihren 13.000 Mitarbeitern immer vorne mit dabei. Und doch gelang es dem TecDax-Unternehmen im letzten Jahr nicht (mehr), Umsatz und Ergebnisse auf die Schiene zu bringen. Insbesondere die aussichtsreichen Auslandsmärkte USA, China und Brasilien machten Probleme, so dass sich unterm Strich der Jahresgewinn auf etwa 2,36 EUR je Aktie knapp halbierte. Als wenn das nicht schon schlecht genug wäre, verschreckte man die Anleger mit immer wieder neuem Verfehlen der eigene Prognosen und verspielte so zusätzlich Vertrauen an der Börse. Neben den Bekundungen, man wolle wieder profitabel(er) werden, lässt man allerdings auch Taten sprechen. So will man die Produktivität deutlich steigern, indem Verwaltung und Produktion gestrafft werden und so soll denn in 2016 ein Gewinn von 4,74 und 2017 von 5,73 EUR je Aktie erreicht werden. Da an Drägerwerk-Produkten eigentlich kaum ein Weg vorbeiführt, können Anleger auf einen erfolgreichen Turnaround setzen und sich ein paar Aktien ins Depot legen. Eine schnelle Rückkehr zu Kursen von über 120 EUR, wie sie im Frühjahr 2015 noch aufgerufen wurden, sollte man jedoch nicht erwarten. So schnell und so hoch dürften die Bäumen nicht (wieder) in den Himmel wachsen.

Eon
 Eon (Quelle: comdirect.de) 
Warren Buffett sagte einmal, mit Energieversorgern würde man nicht reich, aber man bleibe es. Nun, da hatte er noch nicht von der deutschen Energiewende gehört, die zum Großteil für den desaströsen Kursverlauf der Eon-Aktie verantwortlich ist. Der deutsche Energieversorger bietet so ziemlich alles, was momentan nicht angesagt ist: Atomkraftwerke, Kohlekraftwerke, Öl- und Gaskraftwerke und dazu noch die Beteiligung kommunaler Körperschaften, von Städten und Gemeinden, sowie eine immer stärker zunehmende staatliche Regulierung bei Preisen, Investitionen und Kosten. Einerseits werden die Netzentgelte durch die Bundesnetzagentur diktatorisch festgeschrieben und dann für einen 5-Jahreszeitraum inkl. linearer Abschmelzung festgeschrieben, andererseits macht der Vorrang erneuerbarer Energien samt subventionierter Festpreise fossile Kraftwerke immer unrentabler, so dass Stilllegen billiger als Betreiben ist - trotz hoher Milliardenabschreibungen. Ein Markt zum Weglaufen! Und das haben die Anleger seit 2008, als die Eon-Papier noch über 50 EUR kosteten, scharenweise getan. Und die Aussichten sind bei aktuell 8 EUR auch nicht rosiger geworden, denn die Gaskraftwerke (selbst die modernsten Europas!) können nicht wirtschaftlich betrieben werden, obwohl der Gaspreis auf Rekordtief notiert. Und der Atomausstieg wird Eon (und EnBW, RWE und Vattenfall) Milliarden kosten - hierfür haben die vier insgesamt 39 Milliarden EUR an Rückstellungen gebildet, die aber pessimistischen Gutachten zufolge evtl. nicht ausreichen werden. Und dann liegen sie auch nicht in Cashform vor, sondern sind in Form von Kraftwerken und Anlagen kapitalgebunden, so dass diese erst verkauft werden müssten, um sie zu monetarisieren. Es können durchaus Zweifel angebracht sein, ob sich er Papierwert dann auch wirklich erzielen lässt und sich hier nicht eine weitere Lücke auftut.

Eon selbst möchte sich aufspalten und hat hierzu zum Jahreswechsel seine konventionellen Parts in die neue Tochter "Uniper" eingebracht und hier noch als Aufhübschung die Wasserkraftsparte sowie den Gasgroßhandel hinzugefügt. Die "alte" Eon soll die neue Ausrichtung zeigen, das Zukunftsgeschäft. Also die erneuerbaren Energien, sie Stromnetze, den Vertrieb. Und auf Druck der Politik auch die Atomsparte. In diesem Jahr soll Uniper als Spin-off abgespalten werden und Eon stünde dann weitgehend "sauber" da.

Das große Risiko bleibt allerdings der Atomausstieg, die Kosten sind schlicht nicht kalkulierbar. Nach der Rechtslage sind die Energieversorger für die Entsorgung zuständig und für Ende Februar ist der Abschlussbericht der Atomkommission vorgesehen, der Klarheit über die Finanzierbarkeit bringen soll. Es scheint ausgeschlossen, dass die Energieversorger über die 39 Mrd. EUR an Rückstellungen hinaus zur Kasse gebeten werden, denn wenn man sich die Eigentümerstruktur von Eon und RWE ansieht, stehen hinter ihnen eben auch zahlreiche deutsche Kommunen und Städte. Und anders als der Bund, der mit Milliardenüberschüssen rechnen kann, stehen die Kommunen finanziell mit dem Rücken zur Wand. Und das nicht seit der unbezahlbaren Flüchtlingswelle. Die Kommunen sind schlichtweg auf die Dividendenzahlungen der Energieversorger angewiesen, weil sie ansonsten Kindergärten, Bibliotheken und Schwimmbäder schließen müssen. Es dürfte also auf einen Kompromiss hinauslaufen, der den Energieversorgern eine Überlebenschance bietet. Und genau dies ist die Chance für mutige und risikobereite Anleger. Sie legen sich jetzt einige Eon-Aktien ins Depot und setzen darauf, dass die Neuausrichtung gelingt, die Abschreibungen auf Kraftwerke sich künftig reduzieren und sich mit den neuen Geschäftsfeldern wieder gutes Geld verdienen lassen wird.

Hierbei ist Eon seinem Rivalen RWE vorzuziehen, denn der geht dem umgekehrten Weg bei der Aufspaltung: RWE bleibt das Schmuddelkind, während die Zukunftsgeschäftsfelder mittels einer Kapitalerhöhung an die Börse gebracht werden sollen.

H&R
 H&R (Quelle: comdirect.de) 
Die Spezialchemiefirma erzeugt chemisch-pharmazeutische Spezialprodukte auf Rohölbasis, wie Weichmacher, Weißöle, Paraffine, Druckfarbenöle und Bindemittel und betreibt in Deutschland zwei Raffinerien. Und damit ließ sich in den vergangenen Jahren immer weniger verdienen, vor allem der starke Einbruch beim Ölpreis hatte für zusätzlichen hohen Abwertungsbedarf gesorgt. Doch inzwischen zeichnet sich eine Wende beim operativen Geschäft ab und H&R und obwohl aufgrund der niedrigeren Rohölpreise der Umsatz deutlich zurückging, erzielt das Unternehmen wieder satte Gewinne; die um Sondereffekte bereinigte EBITDA-Marge schnellte wieder auf 8 Prozent hoch und Unternehmenslenker Hansen deutete an, dass H&R das Jahr am oberen Ende der eigenen Prognosen abschließen könne. Evtl. könne die Ergebniserwartung sogar um bis zu 15 Prozent übertroffen werden.

In den nächsten Jahren will Hansen den Internationalisierungskurs mit Fokus auf das stark wachsende Spezialitätengeschäft in Asien deutlich vorantreiben. Zu diesem Zweck hatte der Konzern Ende 2014 bereits 51 Prozent der chinesischen Geschäftsaktivitäten der Hansen & Rosenthal Gruppe übernommen und baute damit sein margenstärkeres Spezialitätengeschäft in Asien ausgebaut. Der Kurs Richtung Asien bringt zwar einerseits Konkurrenz und Margendruck, andererseits aber große Wachstumsmöglichkeiten, so dass der Konzern unterm Strich auf dem richtigen Weg sein dürfte und ab 2017 die Gewinne noch stärker ansteigen sollten.

Einschätzung
Von den drei genannten Werten dürfte H&R die sicherste Spekulation auf einen nachhaltigen Turnaround sein, weil er schon weiter fortgeschritten ist und sichtbare Erfolge zeigt. Eon bietet langfristig das größte Erholungspotenzial, wenn die genannten Entwicklungen denn auch so eintreffen. Auch das Risiko ist bei Eon vergleichsweise hoch. Und bei Drägerwerk bleibt abzuwarten, ob es dem Management gelingt, die (eigenen) Erwartungen wieder zu erfüllen. Dann winken neben starken operativen Verbesserungen auch hier Kursgewinne.

Bei allen positiven Lichtblicken und Hoffnungsschimmern, die man am Horizont erblicken mag, bleibt jedoch immer der Blick auf das Risiko die grundlegendste Tugend. Erst danach sollte man sich den Chancen zuwenden.

"Ein Kurs kann auch auf Null fallen."

Freitag, 27. September 2013

RWE / Eon: Dividende aus der Substanz wäre weiterer Sargnagel

Die Kommunen als Anteilseigner von RWE (und ebenso bei Eon) träfe es hart, wenn die Dividenden gekürzt würden, denn sie sind selbst Pleite. Und so begehren sie auf gegen die Pläne RWEs, aufgrund der katastrophalen unternehmerischen Entwicklungen, die Dividende zu kürzen. Die Forderung der Kommunen ist daher zwar unter kurzfristigen haushalterischen Gesichtspunkten verständlich, für alle Aktionäre (und zwar inkl. der Kommunen!) wären derartige Ausschüttungen aus der Substanz jedoch eine Katastrophe. Denn sie reduzieren das Vermögen des Unternehmens und nehmen ihm zusätzlich noch die Mittel, um diesen großen Umwälzungen unternehmerisch begegnen zu können. Dividenden, die nicht aus dem Gewinn ausgeschüttet werden, sind immer schädlich - dies ist die Ausnahme von der Ausnahme, denn bei dieser Regel gibt es keine Ausnahme!

Für die "privaten" Aktionäre sollten daher alle Warnleuchten angehen, denn die Kommunen werden aus reinem Selbsterhaltungstrieb diesen Kurs auch bis zum bitteren Ende durchziehen - ggf. über Jahre hinweg. Der kommunale Einfluss bei RWE und Eon, der früher gern als stabilisierend gewertet wurde, wird in der Krise zu einem weiteren Mühlstein um den Hals dieser Unternehmen. Man darf befürchten, dass RWE und Eon nicht zu Unrecht als "Dinosaurier der Energiebranche" bezeichnet werden. Möglicherweise sogar mit demselben Ende...