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Freitag, 8. April 2016

Balda heißt jetzt Clere und macht in Beteiligungen

Über die Balda AG und ihren langen Weg, endlich operativ erfolgreich zu werden bzw. zuletzt ihr operatives Geschäft zu verkaufen, habe ich ja mehrfach berichtet. Heute kam nun die lang ersehnte Meldung, dass die anstehenden Kapitalmaßnahmen endlich umgesetzt wurden und werden.

Der Kapitalherabsetzungsbeschluss der Hauptversammlung wurde im Handelsregister eingetragen und ist somit wirksam. Damit werden die Aktien im Verhältnis 10 zu 1 zusammengelegt, vermutlich mit Wirkung des 21. Aprils Die Aktien der Clere AG werden nach vollständiger wertpapiertechnischer Umstellung künftig die Wertpapierkennnummer A2AA40 und ISIN DE00A2AA402 tragen.

Ausschüttung von €9 je Neu-Aktie im Spätherbst
Die Kapitalherabsetzung (-> Hinweise zu den steuerlichen Auswirkungen) erfolgt zum Zweck der Rückzahlung eines Teils des Grundkapitals an die Aktionäre und so wurde das das Grundkapital der Gesellschaft von €58.890.636,00 um €53.001.567,00 auf €5.889.063,00 herabgesetzt. Somit entsteht je zusammengelegter Aktie ein Anspruch von €9,00, der in etwa 6 Monaten an die Aktionäre fließen wird. Der genau Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben werden, versicherte der Vorstand.

Darüber hinaus hatte die Hauptversammlung die Umfirmierung der Gesellschaft beschlossen und so heißt das Unternehmen ab sofort Clere AG und sich auf Investitionen und Beteiligungen im Bereich der Umwelt- und Energietechnik, der Vermögensverwaltung sowie der Mittelstandsbeteiligungen und -finanzierungen konzentrieren.

Kontrollerwerb durch Großaktionär van Aubel
Nur wenige Minuten nach Bekanntgabe der Eintragung platzierte Großaktionär Thomas van Aubel eine weitere Meldung; er hat nämlich weitere 871.143 Stückaktien hinzugekauft und hält nun über seine ihm vollständig gehörende Investmentgesellschaft Elector GmbH unmittelbar 18.202.826 Stimmrechte von insgesamt 58.890.630 Stimmrechten der Balda AG. Dies entspricht 30,91 % der Stimmrechte und löst damit ein Pflichtübergabeangebot aus.

Davon sollte man sich allerdings nicht zu viel versprechen, es wird kaum deutlich oberhalb des aktuellen Aktienkurses von €2,60 liegen. Interessanter ist vielmehr, dass van Aubel weitere Aktien hinzukauft und das könnte durchaus noch so weitergehen, denn immerhin notiert die Aktie auf aktuellem Niveau rund 30% unterhalb ihrer Netto-Cashposition.


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ERGÄNZUNG VOM 13.10.2016
Jetzt ist es soweit: die Aktien werden heute, am 13.10. "cum" Kapitalmaßnahme gehandelt und dann morgen "ex" (Quelle). Wer also heute zum Börsenschluss die Clere-Aktien in seinem Depot hat, erhält die Ausschüttung. Und morgen notiert die Aktie dann mit einem Abschlag.

Freitag, 29. Januar 2016

Balda: Das Murmeltier erwacht. Mal wieder...

Die damit das Angebot von H&T um 6 Mio. EUR überboten hatten. Das seinerseits selbst das (bereits nachgebesserte) Angebot der Paragon-Gruppe auf den letzten Meter ausgestochen hatte. Doch anstatt dass heute Nägel mit Köpfen gemacht werden können, legte H&T während der laufenden Hauptversammlung ein nochmals erhöhtes Kaufangebot auf den Tisch, das nun 90 Mio. EUR bietet (was bei rund 59 Mio. Aktien einem Brutto-Mehrwert von 0,17 EUR entspricht). Zusätzlich wird die Haftungshöchstgrenze aus vertraglicher Gewährleistung ggü. dem ursprünglichen Angebt von 11,9 Mio. auf 5,4 Mio. EUR reduziert. Vorstand und Aufsichtsrat werden sich nun mit dem neuen Angebot befassen.

Was dies nun konkret für Auswirkungen hat, ist ungewiss. Denn die letzte außerordentliche Hauptversammlung hatte das damalige Angebot der H&T ja mit erforderlicher Stimmmehrheit angenommen; dies ist Beschlusslage, die allerdings noch nicht umgesetzt wurde, da ja noch das Angebot von Stevanto auf dem Tisch lag. Hierzu sollte heute ein Beschluss erfolgen, der nun vermutlich nicht getroffen werden wird. Ob jetzt allerdings "einfach" der aktuelle HV-Beschluss mit einem höheren Kaufpreis vollzogen werden könnte, oder ob zu einer weiteren Hauptversammlung eingeladen werden müsste, bleibt abzuwarten.

Auf jeden Fall zeichnet sich ab, dass Balda auf lange Zeit nicht zur Ruhe kommen dürfte, denn dieses "Verfahren" wirft zu viele Zweifel auf, dass man fast sicher von einer Klagewelle ausgehen kann. Egal, welches Angebot am Ende den Zuschlag erhält.

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Ergänzung vom 28.01.2016, 15:49 Uhr

Nachdem der Vorstand der Balda AG verkündet hatte, das neue H&T-Angebot sei nach Prüfung für "heute abstimmungsfähig" eingestuft worden, wurde die Sitzung erneut unterbrochen, da ein weiteres Angebot "eintrudelte".

Soeben vermeldete Balda, auch die Stevanato-Gruppe habe ein nochmals erhöhtes Angebot vorgelegt, das ggü. ihrem bisherigen und eigentlich heute zur Abstimmung stehenden Angebot zwei wesentliche Veränderungen aufweise: der Kaufpreis wurde auf 95 Mio. EUR erhöht und die Haftungshöchstgrenze aus den vertraglichen Gewährleistungen wurde von vormals 10 Mio. auf 5,7 Mio. EUR gesenkt - jeweils vor Anrechnung von Freistellungen. Diese zusätzlichen 5 Mio. EUR über dem H&T-Angebot entsprechen brutto 8,5 Cents mehr je Balda-Aktie.

Vorstand und Aufsichtsrat prüfen nun auch dieses Angebot. Nachdem man grundsätzlich ja ein geändertes Angebot für den heutigen Tag als abstimmungsfähig erklärt hat, entwickelt sich diese außerordentliche Hauptversammlung zu einem interessanten Bieterwettstreit.

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Ergänzung vom 28.01.2016, 17:10 Uhr

Vorstand und Aufsichtsrat haben das neuerliche Angebot der Stevanato-Gruppe geprüft und empfehlen der heutigen Hauptversammlung, dieses anzunehmen.

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Ergänzung vom 28.01.2016, 23:50 Uhr

Die Hauptversammlung stimmte für den Verkauf der operativen Einheiten der Balda-Gruppe an die Stevanato-Gruppe zu einem Kaufpreis in Höhe von 95 Mio. Euro.

Des Weiteren stimmten die Aktionäre auch der Änderung des Unternehmensgegenstands sowie der Umbenennung der verbleibenden Gesellschaft in Clere AG mit deutlicher Mehrheit zu.

Die einzelnen Abstimmungsergebnisse lauten wie folgt:

TOP 1: Zustimmung, mit 98,8985 % der Stimmen.
TOP 2: Zustimmung, mit 97,0252 % der Stimmen.
TOP 3: Zustimmung, mit 98,4435 % der Stimmen.
TOP 4: Zustimmung, mit 98,4117 % der Stimmen.
TOP 5: Zustimmung, mit 98,4328 % der Stimmen.
TOP 6: Zustimmung, mit 98,2587 % der Stimmen.
TOP 7: Zustimmung, mit 98,4150 % der Stimmen.

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Ergänzung vom 04.02.2016, 16:05 Uhr

Die Balda AG hat das Angebot der Stevanato-Gruppe offiziell angenommen.

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Dienstag, 15. Dezember 2015

Neue Übernahmeofferte für Baldas Kunststoffsparte

Das Tauziehen um das operative Geschäft des Kunststoffproduzenten Balda geht in die nächste Runde. Nachdem die Hauptversammlung dem Verkauf an H&T zugestimmt hatte, legte nun die italienische Unternehmensgruppe Stevanato ein verbindliches Angebot vor, das sich am H&T-Angebot orientiere. Allerdings weicht es in zwei wichtigen Bereichen hiervon ab: die Italiener wollen auch die Marke "Balda" mit übernehmen und nutzen und sie bieten 80 Mio. EUR, also 6 Mio. EUR mehr als H&T.

Balda hatte ja bereits zum HV-Beschluss angekündigt, diesen nicht sofort in die tat umzusetzen, da Stevanato damals bereits ein Angebot avisiert hatte. Vorstand und Aufsichtsrat der Balda wollen nun das Angebot von Stevanato "unverzüglich" prüfen und in den nächsten Tagen mitteilen, ob aufgrund des Angebots von Stevanato zu einer außerordentlichen Hauptversammlung einladen wird. Diese würde dann voraussichtlich Ende Januar 2016 stattfinden. Und auch hier wäre wieder eine Mindestannahmequote von 75% des vertretenden Kapitals erforderlich - dem H&T-Angebot hatten 97,4% zugestimmt.

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Ergänzung vom 15.12.2015

Vorstand und Aufsichtsrat befürworten das Angebot der Stevanato-Gruppe und berufen voraussichtlich für den 29. Januar 2016 eine außerordentliche Hauptversammlung ein.

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Dienstag, 1. Dezember 2015

Balda-Hauptversammlung stimmt Verkauf an H&T zu

Die heutige Hauptversammlung der Balda AG hat die Weichen Richtung Zukunft gestellt. Im Mittelpunkt des Treffens mit rund 250 anwesenden Aktionären stand der geplante Verkauf des gesamten operativen Geschäfts an die Düsseldorfer Heitkamp & Thumann Gruppe zu einem Kaufpreis von 74 Mio. EUR, dem die Hauptversammlung mit 97,4% zugestimmt hat.

Gegenstand der Diskussionen war auch das unverbindliche Kaufangebot der italienischen Stevanato Gruppe über 80 Mio. EUR. Sollte die Stevanato Gruppe fristgerecht bis zum 14. Dezember 2015 ein verbindliches Angebot vorlegen, wird die Balda AG hierüber auf einer neu einzuberufenden außerordentlichen Hauptversammlung abstimmen lassen.

Auch der künftigen Ausrichtung als Mittelstandsfinanzierer (Erwerb, Halten, Verwaltung und Veräußerung von Beteiligungen an Gesellschaften und Unternehmen im In- und Ausland sowie die Kapitalanlage in sonstige Vermögensgegenstande jeder Art) wurde mehrheitlich gefolgt.

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Investor-Update: Balda, Softing

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Nebenwertetausch
Seit dem starken Kurseinbruch im September haben sich die Börsen und die meisten Aktien kräftig erholt. Da fällt es schwer, noch aussichtsreiche Nachzügler zu finden. Doch ich denke, das ist mir gelungen...

- Balda
Das Gezerre um Baldas Kunststoffsparte geht aktuell in die heiße Phase, denn gestern begann die Hauptversammlung, auf der über des Angebot von H&T abgestimmt werden soll. Heute erfolgte bereits der Dividendenabschlag von 1,10 EUR je Aktie, doch der Kurs fiel lediglich um 0,80 EUR. Ein schöner Zusatzgewinn.

Es wurden die nötigen Beschlüsse gefasst, doch die Geschichte ist noch längst nicht am Ende, denn die avisierte zweite Ausschüttung von 0,90 EUR je Aktie wird auf jeden Fall mindestens noch 6 Monate auf sich warten lassen. Denn nach dem heutigen Verkaufsbeschluss gibt es eine "Auszeit" von 6 Monaten bis zum Vollzug, also der Eintragung ins Handelsregister. Und dieser Zeitraum kann durchaus noch länger werden, wenn die vielen angekündigten (Anfechtungs-) Klagen vor Gericht gebracht werden. Da kann einem die Zeit schon lang werden, in der man sich als Aktionär die Frage stellen kann, was man nach der zweiten Ausschüttung mit seiner Aktie anfangen soll. Diese sind dann ja nicht wertlos, sondern Balda-Großaktionär van Aubel möchte aus der Balda ja eine Beteiligungsgesellschaft namens Clere machen. Was die genau machen und woran die sich beteiligen soll, steht noch in den Sternen. Evtl. soll sie auch zuvorderst dazu dienen, van Aubels übrigen Unternehmungen zu übernehmen und so an die Börse zu bringen. Ob man sich diese ganzen Unsicherheitsfaktoren als Aktionär antun muss, muss jeder für sich selbst entscheiden. Und für mich habe ich das: ich habe heute nach dem Dividendenabschlag meine Balda-Aktien restlos verkauft und mein Geld in eine aussichtsreichere Firma gesteckt.

+ Softing
Die Softing AG ist ein international führender Anbieter von Steuerungs- und Kommunikationstechniken. Das Unternehmen entwickelt komplexe qualitativ hochwertige Software, Hardware und Systeme, die in den Bereichen industrielle Automatisierung und Fahrzeugelektronik Anwendung finden. Hardware-Prototypen werden im eigenen Haus hergestellt, die Fertigung von Hardware-Produkten erfolgt dann extern. Nachdem im Vorjahr ein großer Zukauf in den USA erfolgte, wodurch nun mehr als die Hälfte der Umsätze außerhalb Deutschlands generiert werden, befindet man sich 2015 in einem Übergangsjahr. Konsolidierung statt Wachstum - und auch das Zahlenwerk sieht entsprechend "unschön" aus. Denn die Abschreibungen auf den Kaufpreis (PPA) verhageln die Bilanz. Dennoch wird die aufgrund der Unternehmenskäufe aufgelaufene Verschuldung in 2015 von 11 auf 9 Mio. EUR zurückgeführt und die Cash-Position im Jahresverlauf gleichwohl anwachsen. Operativ läuft ohnehin alles sehr zufriedenstellend und entgegen der saisonal üblicherweise schwachen Nachfrage in den Ferienmonaten Juli und August haben sich Umsatz und Ergebnis recht positiv entwickelt.

Die Perspektive für die nächsten Monate ist weiterhin gut. Das Unternehmen erwartet daher für 2015 einen Umsatz und ein Ergebnis am oberen Ende der kommunizierten Ziele. Dabei werden im laufenden letzten Quartal einige Großaufträge ausgeliefert, so dass hier bei den Zahlen eher noch positive Überraschungen zu erwarten sind. Softing hat in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres einen Auftragseingang von 63 Millionen Euro verzeichnet gegenüber 54,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum und ab dem kommenden Jahr soll neue, margenstarke Software Umsatzbeiträge liefern.

Der Aktienkurs hatte Mitte letzten Jahres die Marke von 18 EUR überschritten und ist zwischenzeitlich im Zuge der Herbstkorrektur sogar unter 10 EUR gefallen. Bei 10,82 EUR habe ich heute eine Position aufgebaut. Zwar ist die Aktie mit einem 2016er KGV von 16 und einer Dividendenrendite von 2,7% nicht völlig unterbewertet, aber ich denke, dass die Gewinnschätzungen ziemlich pessimistisch sind und Softing nach dem Übergangsjahr 2015 wieder auf seinen bekannten Wachstumspfad zurückkehren wird.


.: Cashquote
Meine Cashquote liegt in etwa bei 10 Prozent, da ich den Balda-Verkaufserlös gleich in Softing angelegt habe, die Dividende aber noch aufs Konto fließt. Dazu kommen noch die im Dezember anstehenden Dividenden von Corning, Johnson & Johnson, Microsoft, TICC, TCAP und Wells Fargo, die mein mein Konto weiter auffüllen helfen werden. Und natürlich die Starbucks-Dividende, die heute gutgeschrieben wurde.

Donnerstag, 26. November 2015

Weiteres Übernahmeangebot bei Balda

Bei Balda gibt es ein neues Übernahmeangebot - mal wieder. Nachdem zuletzt das ursprüngliche Angebot von Paragon seitens H&T überboten und damit obsolet wurde, vermeldet Balda heute, die italienische Unternehmensgruppe Stevanato habe ein bislang noch unverbindliches Angebot über 80 Millionen Euro vorgelegt. Balda will die für den 30. November geplante Hauptversammlung dennoch durchführen, auch wenn Stevanto bis zum 14. Dezember Zeit benötigt, um die Bücher zu prüfen und ggf. ein verbindliches Angebot abzugeben. Balda wolle dann ggf. die Zeit zwischen HV-Beschluss (sofern der Verkauf an H&T genehmigt wurde) und Vollziehen der Maßnahme dann nutzen, um eine dann evtl. nötige weitere Hauptversammlung anzusetzen. Interessant wird das Ganze nur, weil Stevanto 6 Mio. Euro mehr bietet als H&T mit seinem aktuellen Angebot.

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Mittwoch, 21. Oktober 2015

Neues Angebot beim Bietergefecht um Balda

Die Balda AG plant, ihr gesamtes operatives Geschäft zu verkaufen und die Einnahmen hieraus an die Aktionäre auszuschütten. Im Anschluss soll dann der Name und der Geschäftszweck der Gesellschaft geändert werden - wohin die Reise gehen soll, ist noch unklar.

Unklar ist auch, wer der Käufer sein wird und welchen Preis er letztlich zu bezahlen hat. Denn das vorliegende Angebot von Paragon, zu dessen Unterstützung sich Balda-Großaktionär van Aubel (29,43% über die Elector GmbH) verpflichtet hat, wurde heute nachgebessert. Zu diesem Schritt sah man sich wohl gezwungen, weil ein anderer Bieter, die Unternehmensgruppe Heitkamp & Thumann (H&T), Paragon überboten hatte.

Dies ist das neue Angebot von Paragon und es wirft einige interessante Fragen oder Optionen auf, je nach Betrachtungsweise:

Die Balda AG hat heute ein verbessertes Angebot zum Verkauf ihres gesamten operativen Geschäfts erhalten. Nachdem die Balda AG am 23. September 2015 mitgeteilt hatte, dass sie einen Kaufvertrag zum Verkauf ihres gesamten operativen Geschäfts mit zwei Erwerbergesellschaften, die von der Beteiligungsgesellschaft Paragon, München, verwaltet werden ("Paragon") abgeschlossen hatte, hat sie am 30. September 2015 von der Unternehmensgruppe Heitkamp & Thumann, Düsseldorf, ("H&T") ein notarielles Angebot zum Verkauf ihres gesamten operativen Geschäfts zu einem Kaufpreis von EUR 70 Mio. erhalten. Bei Annahme des Angebots von H&T würde der Gesellschaft aus dem Verkauf (einschließlich des auszuschüttenden Gewinns für das abgelaufene Geschäftsjahr) insgesamt ein Bruttobetrag (vor Freistellungen, Steuern und Kosten) von ca. EUR 73,9 Mio. zufließen. 
Mit notariellem Angebot vom heutigen Tag hat Paragon angeboten, den Kaufpreis von bisher EUR 62,9 Mio. auf nunmehr EUR 65,9 Mio. zu erhöhen. 
Unter dem bisherigen Kaufvertrag besteht für Paragon die Option, von der Balda AG (oder einem verbundenen Unternehmen) die Gewährung eines Verkäuferdarlehens über einen Betrag von bis zu EUR 25 Mio. zu einem Zinssatz von 7,5% über Drei-Monats-EURIBOR und mit einer Laufzeit von bis zu drei Jahren zu verlangen. Paragon steht das Recht zu, das Darlehen zu jedem Quartalsende vorzeitig zu tilgen. In dem Angebot vom heutigen Tag bietet Paragon an, den Darlehensbetrag um EUR 3 Mio. auf EUR 28 Mio. zu erhöhen, das Darlehen fest in Anspruch zu nehmen und auf vorzeitige Tilgung zu verzichten. Hieraus würden der Balda AG über die nächsten drei Jahre voraussichtlich weitere ca. EUR 6,2 Mio. zufließen (bei Annahme eines in etwa gleichbleibenden EURIBOR). 
Insgesamt würde der Gesellschaft aus dem Verkauf an Paragon (einschließlich des auszuschüttenden Gewinns für das abgelaufene Geschäftsjahr) und der über drei Jahre gestreckten Darlehenszinsen ein Bruttobetrag (vor Freistellungen, Steuern und Kosten) von insgesamt ca. EUR 75,9 Mio. zufließen. 
Das verbesserte Angebot von Paragon als auch der bereits mit Paragon abgeschlossene Kaufvertrag entfallen vollständig, wenn H&T (oder ein Dritter) den Kaufpreis aus ihrem Angebot auf mindestens EUR 74 Mio. erhöht. Tritt ein solcher Fall ein, so ist die Balda AG zudem verpflichtet, an Paragon eine Abstandszahlung von EUR 1,4 Mio. zu leisten. 
Auch das verbesserte Angebot steht unter der aufschiebenden Bedingung der Zustimmung der Hauptversammlung der Balda AG sowie der Kartellbehörden. 
Der Vorstand wird in Kürze zu der ordentlichen Hauptversammlung 2015 einladen, die vorsorglich für zwei Tage, nämlich für den 30. November und den 1. Dezember 2015, geplant ist.Auf dieser Hauptversammlung werden sowohl der mit Paragon abgeschlossene Kaufvertrag in der Fassung des heutigen Angebots als auch das Angebot von H&T vom 30. September 2015 zur Beschlussfassung vorgelegt. Die Verpflichtung der Elector GmbH, die mit ca. 29,43% der Aktien an der Balda AG beteiligt ist, für den Verkauf an Paragon zu stimmen, gilt auch für den Kaufvertrag mit Paragon in der Fassung des heutigen Angebots. 
Wie angekündigt, werden Vorstand und Aufsichtsrat außerdem vorschlagen, eine Dividende von EUR 1,10 je Aktie und, unter der Voraussetzung eines Verkaufs des operativen Geschäfts, Erträge aus einer geplanten Kapitalherabsetzung von EUR 0,90 je Aktie an die Aktionäre auszuschütten sowie den Unternehmensgegenstand zu ändern.

Alles klar soweit?
Das Interessante sind die Nebensätze, denn bisher sah es danach aus, dass auf der Hauptversammlung keine Mehrheit zustande kommen würde. Denn der Verkauf des operativen Geschäfts ist ein so wesentlicher Vorgang, dass der HV-Beschluss mit 75% Zustimmung erfolgen muss. Auch wenn sich dies "nur" auf das anwesende bzw. abstimmende Kapital bezieht und daher die wirkliche Annahmequote erheblich niedriger liegen dürfte, weil meistens nur etwa die Hälfte der Stimmrechte auf den Hauptversammlungen vertreten sind, liegt die Hürde dennoch hoch. Oder vielmehr lag. Denn der neue Vertrag zwischen Elector und Paragon sieht eine Ausstiegsklausel vor. Wenn nämlich H&T oder jemand anderes mindestens 74 Mio. EUR für das operative Geschäft von Balda bietet, dann sind die Verträge bzw. das Angebot von Paragon gegenstandslos. Und damit auch Electors/van Aubels Verpflichtung, seine 29,43% hierfür in die Waagschale zu werfen.

Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass dann auf der HV nur noch das konkurrierende Angebot zur Abstimmung stünde. Und dann ist eine Annahmequote von 75% ziemlich wahrscheinlich, denn van Aubel würde kaum dagegen stimmen, denn Balda würde ja auf dem operativen Geschäft "sitzen bleiben", es würden keine hohen Ausschüttungen erfolgen können und der von van Aubel angestrebten Schwenk hin zu einem neuen Betätigungsfeld des Unternehmens wäre erst einmal Geschichte. Daher würde er "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" das neue Angebot annehmen und ihm so zum Durchbruch verhelfen.

 Balda (Quelle: comdirect.de)
Paragon zieht mit. Zähneknirschend...
Paragon dürfte sich richtig ärgern, denn im vorherigen Bieterprozess hatte man sich zunächst durchgesetzt und wähnte sich mit der Stimmrechtsverpflichtung durch Elector bereits am Ziel. Dann trat H&T auf den Plan und warf Paragons Pläne über den Haufen. Diese mussten nun nachbessern und akzeptieren einen höheren Preis - und lassen sich dies durch eine Ausgleichszahlung abgelten. Denn sollte ein konkurrierendes Angebot über mindestens 74 Mio. € eingereicht werden und Paragon wäre raus aus dem Spiel, wird man von Balda eine "Strafzahlung" von 1,4 Mio. EUR erhalten. Nachdem man selbst sein Kaufpreisangebot gerade um 3 Mio. EUR erhöht hatte, ein verschmerzbares Zugeständnis aus Sicht der Balda-Aktionäre, denn sie erhielten noch immer mindestens 1,6 Mio. EUR Mehrwert durch das Bietergefecht. Und die Aussicht auf zeitnahen Vollzug der Beschlüsse, eben weil es auf der HV zu einer Entscheidung kommen kann.

Einschätzung
Balda-Aktionäre können weiter entspannt zuschauen, wie sich das Drama entwickelt. Erst mit der Einladung zur HV wird aufgedeckt werden, was aus der Rest-Balda einmal werden soll. Und auch erst dann ist eine Einschätzung möglich, ob man vielleicht schon vor der HV und den Ausschüttungen und den damit verbundenen Steuerbelastungen seine Aktien verkaufen sollte. Oder ob die künftigen Perspektiven einer neuen Balda unter neuem Namen und unter geänderter geschäftlicher Ausrichtung verlockend genug klingen, um an Bord zu bleiben. Balda bleibt vorerst eine Halteposition auf meiner Empfehlungsliste.


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Ergänzung vom 22.10.2015

Heute meldete sich H&T zu Wort mit einem offenen Brief an die Aktionäre, in dem auf die entscheidenden Nachteile des Paragon-Angebots eingegangen wird. So ist die nun erst bekannt gewordenen Klausel im Vertrag mit Paragon, dass die Barmittel der Balda AG für drei Jahre als verzinstes Darlehen an Paragon gehen sollen, "sehr unattraktiv", da auf diese Weise die Balda-Aktionäre die Übernahme durch Paragon selbst finanzieren würden - und das Ausfallrisiko tragen müssten, falls Paragon das Darlehen am Ende nicht zurückzahlen könne. Das mache, so H&T, das optisch höhere Angebot von Paragon wesentlich unattraktiver als die Offerte von H&T, bei der das operative Geschäft von Balda in ein bestehendes Familienunternehmen integriert würde.

H&T wirbt also für sein eigenes Angebot, ohne den Kaufpreis zu erhöhen. Bisher zumindest. Denn die entscheidende Balda-Hauptversammlung findet ja erst Ende November statt und das Paragon-Angebot wäre mit einem Gegenangebot von mindestens 74 Mio. EUR hinfällig. Selbst wenn sich H&T mit dem Gedanken trägt, sein Angebot auf diese Summe zu erhöhen, wird dies erst kurz vor dem HV-Termin stattfinden, um Paragon keine Gelegenheit mehr zu einer Gegenwehr zu geben. Es bleibt spannend...


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Ergänzung vom 23.10.2015

Heute gab Balda die Einberufung zur Hauptversammlung bekannt. Wenig überraschend empfehlen darin Vorstand und Aufsichtsrat die Annahme des Paragon-Angebots. Und im Anschluss soll der Geschäftszweck der Restgesellschaft geändert werden: sie soll künftig ihr eigenes Vermögen verwalten und/oder Unternehmensbeteiligungen und Grundstücke erwerben, halten und veräußern können. Der neue Name soll "Clere AG" lauten.


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Ergänzung vom 30.10.2015

Wie von mir ja bereits spekuliert wurde, hat H&T heute nachgelegt und das Paragon-Angebot aus dem Spiel genommen. H&T bietet die erforderlichen 74 Mio. EUR für das operative Geschäft von Balda und damit sind alle Vereinbarungen zwischen Balda und Paragon hinfällig - abgesehen von der "Strafzahlung" von 1,4 Mio. EUR, die nun an Paragon fällig wird. Insbesondere Großaktionär van Aubel ist nun nicht mehr verpflichtet, das Angebot von Paragon zu unterstützen, so dass aktuell nur noch zwei Optionen auf dem Tisch liegen: das erhöhte H&T-Angebot oder Balda behält sein operatives Geschäft. Unter diesen Gegebenheiten ist es wahrscheinlich, dass die HV das Angebot der H&T annimmt, die Ausschüttungen wie geplant erfolgen und dass aus Balda die Clere AG wird, die sich (zunächst) um die Verwaltung des eigenen Vermögens kümmern wird.

Mittwoch, 23. September 2015

Andere Ansichten: Balda mit Schluss-Strich und Riesen-Dividende

Gereon Kruse berichtet auf "boersengefluester.de" über die aktuelle Entwicklung bei der Balda AG, die heute bekanntgab, dass man das gesamte operative Geschäft inkl. der Tochtergesellschaften an eine Investorengruppe aus dem Umkreis der Münchner Paragon Partners für 62,9 Mio. Euro verkauft werden. Dies entspräche einem Preis von etwa 1,07 EUR je Balda-Aktie und solle von einer Hauptversammlung, die am 19. November 2015 einberufen werden soll, beschlossen werden. Hier solle auch über eine Dividende von 1,10 EUR je Aktie abgestimmt werden, die bezogen auf den Vortagesschlusskurs einer Rendite von immerhin 45 Prozent entspräche. Die Ausschüttungssumme belaufe sich auf knapp 64,8 Mio. EUR.

In einem weiteren Schritt solle über eine Kapitalherabsetzung befunden werden: das gegenwärtig in 58.890.636 Aktien unterteilte Gezeichnete Kapital solle auf 5.889.063 EUR gekürzt werden, um weitere 0,90 EUR auskehren zu können. Zwischen HV-Beschluss und Umsetzung läge jedoch eine sechsmonatige Sperrfrist, wie sie schon bei UMS oder AdCapital zu erleben war.

Auch danach wird sich noch Geld in der leeren Balda AG befinden und es bleibe abzuwarten, was Großaktionär van Aubel letztlich mit der Gesellschaft vorhabe. Festzuhalten sei jedenfalls, dass es Balda nicht gelungen sei, mit den vielen Millionen aus dem TPK-Anteilsverkauf eine klangvolle Börsenstory zu zimmern.

Balda befindet sich als Halteposition auf meiner Empfehlungsliste.

Samstag, 13. Juni 2015

Tiefschlag für Balda: 10 Prozent der Umsätze brechen weg

Freitagabend, kurz vor Börsenschluss, gab die Balda AG bekannt, dass der Hauptkunde ihrer US-Tochtergesellschaft Balda C. Brewer, Inc. im Bereiche Eyewear aufgrund einer internen Strategieentscheidung künftig den wesentlichen Teil der bezogenen Produkte selbst fertigen wird. Diese Nachricht bedeutet einen erheblichen Rückschlag für den Balda-Konzern, denn das Management geht davon aus, dass hiermit 10 Prozent der Umsätze des Gesamtkonzerns wegbrechen werden.

Die 9-Monatszahlen von Mitte Mai sind damit Makulatur, denn die Entscheidung hat für Balda gleich mehrere negative Auswirkungen. Zunächst werden aufgrund des Transformationsprozesses zwar erhöhte Umsätze erwartet, diese gehen jedoch auch mit erhöhten Aufwendungen einher. Ab Mitte 2016 wird der Umsatzanteil dann komplett entfallen und das bringt auch schon Unbill für das laufende Geschäftsjahr mit sich, das am 30. Juni endet. Denn hier wird es eine erhebliche Wertberichtigung auf den Firmenwert der US-Tochter geben, denn diese steht seit der Übernahme mit einem nicht unerheblichen Goodwill (Firmenwert) in der Balda-Konzernbilanz. Dazu kommen Einmalaufwendungen für den Umstrukturierungsprozess. Der operative Turnaround wird also auf unbestimmte Zeit verschoben, die US-Tochter, bisheriger Hoffnungsträger, wird zur Dauerbaustelle.

Die konkreten Auswirkungen auf den Jahresabschluss 2014/2015 sowie die Folgejahre lassen sich noch nicht beziffern, aber sie werden erheblich sein und keineswegs positiv. Balda bleibt weiterhin den Beweis schuldig, dass man gewinnbringend operativ tätig sein kann und zehrt von den großen Rücklagen aus den Verkäufen der ehemaligen Beteiligung am taiwanesischen Apple-Zulieferer TPK. Am der grundsätzlichen Spekulation hat sich durch die Meldung nichts geändert. Baldas Aktienkurs ist durch die hohen Cash-Bestände von rund 200 Mio. EUR solide abgesichert, was nicht bedeutet, dass der Aktienkurs die Marktkapitalisierung nicht unter diese Marke drücken und dort länger verharren kann. Dieses Geld soll für Zukäufe verwendet werden und die blieb Balda bisher schuldig. Nach den gegenseitigen Klagen bei der US-Tochter dürfte dieser Bereich nun zunächst mit sich selbst beschäftigt sein, um wieder auf Kurs zu kommen. Kaum vorstellbar, dass hier ein potenzieller Zukauf erfolgt, der dann bei der ohnehin schwierigen Operation auch noch integriert werden müsste.

Wer also auf schnelle Erfolge und Kursgewinne bei der Balda-Spekulation gesetzt hat, der dürfte zurecht enttäuscht sein. Für Anleger mit langem Atem hat sich "nur" der Zeithorizont nach hinten verschoben. Trotz des deutlichen Kurseinbruchs sollte man von (weiteren) Aktienkäufen aber erst einmal absehen und auf die Vorlage der Zahlen warten. Die konkreten Auswirkungen auf das Jahresergebnis des aktuellen Geschäftsjahres, die Höhe der Wertberichtigungen auf den Goodwill und vor allem die Auswirkungen auf die Folgejahre, insbesondere was das operative Geschäft angeht, müssen zunächst auf den Tisch, bevor eine Neubewertung der Anlageentscheidung vorgenommen werden kann. Balda bleibt daher zunächst auf meiner Empfehlungsliste, allerdings momentan nur als Halteposition mit negativem Ausblick

Dienstag, 12. Mai 2015

Operativ läuft es bei Balda immer besser

Die Balda AG hat 9-Monats-Zahlen vorgelegt und die bergen Licht und Schatten. Einerseits hebt man die Prognose an, weil man beim Umsatz um mehr als 20 Prozent zulegen konnte auf 61,9 Mio. EUR und nun 80 bis 82 Mio. EUR für das Gesamtjahr erwartet. Dies zeigt, dass Balda operativ weiter vorankommt und der Turnaround zunehmend Gestalt annimmt.

Auf der anderen Seite hingegen kassiert das Unternehmen ebenfalls seine Prognose, in diesem Geschäftsjahr bereits wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. Das EBIT werde nämlich von einmaligen Sondereffekten in Höhe von 2,4 Mio. EUR belastet, die "im Wesentlichen" auf Rückstellungen zurückzuführen seien, die aus den anhängigen Klageverfahren resultieren. So wird man von ehemaligen Geschäftspartnern verklagt und fordert selbst Schadensersatz von früheren eigenen Organmitgliedern. Als Konsequenz weist Balda für den Zeitraum Juli 2014 bis März 2015 ein Ergebnis nach Steuern von 4,5 Mio. EUR aus, das damit deutlich unter dem Vorjahreswert von 10,4 Mio. EUR liegt und eben "primär auf das geringere Finanz- und Steuerergebnis zurückzuführen" sei.

Entwicklung der operativen Segmente
"Im Berichtszeitraum verzeichnete das Segment Amerika ein Umsatzwachstum um 16,4% auf 34,0 Mio. EUR (Vorjahr: 29,2 Mio. EUR). Mit 1,2 Mio. EUR lag jedoch das EBITDA unter dem Vorjahreswert von 1,7 Mio. Euro, was ebenfalls auf die einmaligen Sondereffekte zurückzuführen ist. Dies ist auch deutlich im EBIT zu erkennen, das mit -0,9 Mio. EUR unter dem Vorjahreswert von -0,4 Mio. EUR lag. Mit 26,9% steigerte sich das Segment Europa signifikant und verzeichnete nach neun Monaten einen Umsatz von 27,8 Mio. EUR nach 21,9 Mio. EUR im Referenzzeitraum. Das Segment-EBITDA lag mit 1,9 Mio. EUR ebenfalls deutlich über dem Vorjahreswert von -0,3 Mio. EUR. Ebenfalls gestiegen ist das operative Ergebnis, Balda erwirtschaftete ein Segment-EBIT von 0,5 Mio. EUR nach -1,9 Mio. EUR im Vorjahr. Im Bereich Sonstige führten Kosten im Zusammenhang mit der Schließung von einem Tochterunternehmen in Singapur zu einem negativen EBITDA von -0,3 Mio. EUR nach -0,1 Mio. EUR in der Vergleichsperiode."

Fazit
Die operativen Fortschritte sind beeindruckend, insbesondere das starke Umsatzwachstum gibt Anlass zu Hoffnungen. Hier sollte es für Balda künftig auch darum gehen, bessere Margen zu erzielen, um wieder Geld zu verdienen. Die anhängigen Rechtsstreitigkeiten werden das Unternehmen und seine Aktionäre noch einige Zeit begleiten; allerdings überwiegen hier meines Erachtens die Chancen, die sich hieraus für Balda ergeben. Doch selbst wenn es hier zusätzliche Erträge geben sollte, muss der eigentliche Fokus doch auf dem operativen Geschäft liegen. Denn hier muss Balda endlich beweisen, dass sie erfolgreich unternehmerisch tätig sein können. Von einem möglichen Zukauf, den sich Balda ja leisten kann und will, war leider nicht die Rede. Insofern muss man als Aktionär auch hier noch Geduld aufbringen. Diese ist jedoch nach Benjamin Graham ohnehin die oberste Tugend des Investors. Und so bleibt die Erkenntnis, dass sich seit meiner Erstempfehlung wenig getan hat: der Aktienkurs ist annähernd unverändert, die Konten sind nach wie vor prall gefüllt und der mögliche große Zukauf lässt weiter auf sich warten. Die Rechtsstreitigkeiten mit ihren Chancen und Risiken gibt es on Top, doch operativ kommt Balda deutlich voran. Und daher bleibt der Wert weiter auf meiner Empfehlungsliste, denn die Spekulation auf deutliche Kurszuwächse hat weiterhin reichlich Nährboden.

Freitag, 13. Februar 2015

Balda gelingt der operative Turnaround

Die Balda AG hat Halbjahreszahlen für das Geschäftsjahr 2014/2015 (bis 30. Juni) vorgelegt und die können sich durchaus sehen lassen. Nachdem im Vorjahr operativ noch ein Verlust von 1,5 Mio EUR zu Buche schlug, kann nun ein Gewinn von 0,4 Mio. EUR ausgewiesen werden. Die Erlöse stiegen im gleichen Zeitraum um knapp 16 Prozent auf 40,4 Mio. EUR. Die prognose für das Gesamtjahr bekräftigte Balda und rechnet bei Erlösen zwischen 73 und 78 Mio. EUR mit einem positiven EBIT - allerdings geht der Vorstand inzwischen davon aus, bei der Umsatzspanne im oberen Bereich zu landen.

Der operative Turnaround ist jedoch nur ein Mosaikstein, wenn es um Balda geht, allerdings ein ganz wichtiger. Der eigentliche Reiz Baldas liegt in der "attraktiven Unterbewertung" der Aktie, der deutlichen Diskrepanz zwischen Buchwert/Liquiditätsausstattung und Marktkapitalisierung. Bei einem Aktienkurs von 3 EUR kommt Balda auf eine Börsenbewertung von rund 177 Mio. EUR, während das Nettoumlaufvermögen bei 195 Mio. EUR anzusetzen ist. Balda notiert hier also mit einem Discount, obwohl das Unternehmen operativ wieder schwarze Zahlen schreibt. Daher sind die Kursziele der Warburg Bank von 3,90 EUR oder von First Berlin bei 4,40 EUR auch mehr als verständlich und zeigen das Potenzial auf, das die Aktie noch bieten könnte.

Der dritte Aspekt sind die Rechtsstreitigkeiten, in die Balda verstrickt ist. Einerseits wird Balda von den ehemaligen Verkäufern des US-Geschäftsbereichs auf Schadensersatz verklagt wegen eines angeblich mutwillig herbeigeführten verminderten Kaufpreisanspruchs und hat nun selbst Gegenklage erhoben und die beiden Verkäufer als Geschäftsführer der US-Tochter abberufen. Des Weiteren ist Balda selbst auf Schadensersatz aus und zwar im zweistelligen Millionenbereich, die man von ehemaligen Vorstands- und Organmitgliedern einfordert. Ihnen werden Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit dem beabsichtigten Verkauf von Aktien an der TPK Holding Co. im Juli 2011 vorgeworfen, aufgrund derer die TPK-Aktien erst zu einem späteren Zeitpunkt zu einem deutlich geringeren Preis veräußert werden konnten.

Normalerweise sind Rechtsrisiken Anlegers Feind. Im Fall von Balda gehören sie seit Jahren zur Begleitmusik und wenn man sich die potenziellen Auswirkungen auf den Wert der Balda AG ansieht, scheint hier eher Bewertungspotenzial nach oben zu bestehen, als dass man sich größere Sorgen um unangenehme Nachzahlungen machen müsste, die sich deutlich auf den Wert des Unternehmens auswirken würden. Balda scheint auf dem aktuellen Kursniveau weiterhin erheblich unterbewertet zu sein und der Wermutstropfen, dass sich das Management in absehbarer Zeit nicht alleine auf das Voranbringen des operativen Geschäfts und mögliche Zukäufe konzentrieren kann, sondern sich auch auf die Rechtsstreitigkeiten konzentrieren muss, sollte den Aktienkurs nicht allzu lange mehr bremsen.

Balda befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 5. Januar 2015

Ärgerliche Übernahmenachwehen bei Balda

Kürzlich hatte ich die Balda AG als "attraktiv unterbewertet" vorgestellt und kurze Zeit darauf reichte das Unternehmen Schadensersatzklage gegen ehemalige Vorstandsmitglieder aufgrund angeblicher Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit dem beabsichtigten Verkauf von TPK-Aktien ein. Möglicherweise folgt hier noch mehr, denn Balda bzw. eine amerikanische Tochter wurde nun von selbst verklagt, wegen der Übernahme der amerikanischen C. Brewer im Dezember 2012. Der Verkäufer wirft der Balda Investments nun vor, durch "bestimmte Tätigkeiten eine Situation herbeigeführt zu haben, die das Erreichen der für die im Anteilskaufvertrag vereinbarte erfolgsabhängige Kaufpreisanpassung (Earn-out) festgelegten Parameter beeinträchtigt". Konkreter wurde man bisher nicht, man fordert aber 5 Mio. US-Dollar aus der Earn-out-Klausel und darüber hinaus die Zahlung sogenannter „Punitive Damages“ in noch unbestimmter Höhe. Die Kosten des Schiedsverfahrens soll ebenfalls die beklagte Balda-Gesellschaft tragen. Balda hält die Vorwürfe für unbegründet, will sich aber aufgrund des laufenden Verfahrens jetzt nicht genauer äußern.

Also, was wissen wir?
  1. Balda hat eine Gesellschaft in den USA gekauft und 5 Mio. US-Dollar weniger bezahlt, als man bereit war, auszugeben. Weil bestimmte Erfolgsparameter nicht erreicht wurden.
  2. Der Verkäufer will die 5 Mio. US-Dollar trotzdem haben und deshalb behauptet er, Balda habe vorsätzlich das Erreichen der Ziele erschwert oder behindert.
  3. Sollte das zutreffen, muss Balda Geld nachbezahlen, die Kosten des Verfahrens tragen und wohl noch eine Strafe oben drauf.
Aber... es dürfte nicht einfach werden, die Behauptung zu belegen, dass Balda die Ziele vorsätzlich nicht erreicht hat, (nur) um die Earn-Out-Zahlung zu vermeiden. Die Tatsache alleine, dass die hierfür zugrunde gelegten Ziele nicht erreicht wurden, löst ja keine Schadensersatzansprüche aus. Vielmehr muss ja Absicht, also zielgerichtetes Handeln, nachgewiesen werden. Unternehmerische Unvernunft oder eine falsche operative Entscheidung dürften kaum ausreichen.

Für mich klingt die Klage, zumal sie ja noch nicht einmal konkret begründet bzw. belegt wurde, eher nach moderner Wegelagerei. Balda sitzt auf Geld und der Ex-Geschäftspartner hofft, dass Balda sich mit einer Zahlung vor einer nervigen Auseinandersetzung freikaufen möchte.

Sollten die Vorwürfe hingegen stichhaltig sein und die Balda AG hier Schaden nehmen, wird man sicherlich die Verantwortlichen hierfür in Regress nehmen. Insofern bleibt abzuwarten, ob hier überhaupt ein finanzieller Schaden für Balda be- oder entsteht. An der grundsätzlichen Turnaround-Spekulation ändert sich hierdurch für mich nichts.

Montag, 22. Dezember 2014

Balda fordert Schadensersatz in Millionenhöhe

Die Balda AG hat heute bekannt gegeben, dass sie gegen ehemalige Organmitglieder Schadensersatzansprüche geltend machen wird und zwar gegen die ehemaligen Aufsichtsratsmitglieder Dr. Michael Naschke, Yu-Sheng Kai und Chun-Chen Chen und zugleich gegen den ehemaligen Alleinvorstands Rainer Mohr. Ihnen werden Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit dem beabsichtigten Verkauf von Aktien an der TPK Holding Co. im Juli 2011 vorgeworfen, aufgrund derer die TPK-Aktien erst zu einem späteren Zeitpunkt zu einem deutlich geringeren Preis veräußert werden konnten.

Das Schadenspotential soll sich nach derzeitiger Berechnung auf einen Wert im zweistelligen Millionenbereich belaufen. Inwieweit sich hieraus Mittelzuflüsse für die Gesellschaft erzielen lassen können, ist bisher nicht einzuschätzen. Die genannte Höhe würde aber eine signifikante Auswirkung auf das Ergebnis des Unternehmens haben; allerdings dürften sich die Rechtsstreitigkeiten eine geraume Zeit hinziehen.

Balda befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 8. Dezember 2014

Balda AG: Attraktive Unterbewertung?

Die Balda AG hat einen enormen Absturz und eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Einst ein gefeierter Star am deutschen Börsenhimmel, als man noch die Hartschalen für Nokia-Handys herstellte und vom Erfolg des damaligen Weltmarktführers profitierte, ging es dann konsequent bergab. Hausgemachte Probleme und Querelen haben nicht nur Anleger vergrault, sondern auch das operative Geschäft nachhaltig gestört - und auch die Führungsriege wurde nicht nur einmal gewechselt.

Inzwischen sieht die Welt für Balda wieder etwas anders aus. Ein neuer CEO lenkt die Geschicke, ein neuer 30-Prozent-Großaktionär (und Aufsichtsratschef) zieht im Hintergrund die Fäden und eine Neuausrichtung auf den Bereich Plastik, insbesondere für die Medizintechnik, bringt operativ die Wende. Das EBIT scheint die Pluszone erreicht zu haben, so zeigen es die jüngst veröffentlichten Zahlen zum ersten Geschäftsquartal 2014/15. Die Balda AG erwirtschaftete in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres 2014/15 einen Konzernumsatz von 20,7 Mio. EUR nach 17,5 Mio. EUR im Vorjahreszeitraum und das EBIT liegt bei 0,4 Mio. EUR. Es scheint so, als würde der operative Turnaround greifen und hier wird die Sache nun auch langsam interessant.

"Turnarounds seldom turn."
(Warren Buffett)

Denn Balda sitzt auf Geld, viel Geld, um genau zu sein. Dieser Cash- und Festgeldbestand von fast 200 Mio. EUR stammt aus dem Verkauf der Anteile an dem taiwanesischen Touch-Screen-Unternehmen TPK. Ein Großteil der Erlöse wurde bereits in Form von üppigen Dividenden an die Anteilseigner weitergereicht und hat zu dem schrecklichen Chartbild beigetragen, denn gute 4 EUR an Kursreduzierungen in den letzten vier Jahren sind auf diese Sonderausschüttungen zurückzuführen. Setzt man das Nettoumlaufvermögen von rund 195 Mio. EUR ins Verhältnis zur aktuellen Marktkapitalisierung von 159 Mio. EUR (58,89 Mio. Aktien bei einem Kurs von 2,70 EUR), deutet dies auf eine signifikante Unterbewertung hin. Ausführlich dargelegt hat dies jüngst Daniel Koinegg in seinem Bargain-Magazine. Weitere Ausschüttungen sind aktuell nicht geplant und so stellt sich die Frage, was Balda mit dem Geld anfangen will. Denn Unternehmen, die sinnlos Geld streuen, um Geschäft hinzuzukaufen, sind selten ein gutes Investment.

In einem aktuellen Interview mit Börse Online äußert sich der neue Firmenlenker Oliver Oechsle zu den Plänen des Unternehmens. Man denke über Zukäufe nach, insbesondere für den Bereich Medizintechnik. Hier sehe man die Zukunft für Balda.

"Unser idealer Partner wäre ein Unternehmen, das sich im Markt der Medizintechnik bewährt hat, international gut aufgestellt ist und räumlich zu Balda passt. Eine solche Akquisition würde uns helfen, die Internationalisierung voranzutreiben und die Profitabilität zu steigern".
(Oliver Oechsle, CEO Balda AG)

Man kann also davon ausgehen, dass Balda bereits auf der Suche nach einem entsprechenden Unternehmen ist; abzuwarten bleibt allerdings, ob diese mögliche Akquisition wirklich den Parametern entspräche und zu einem vernünftigen Preis unter Dach und Fach zu bringen wäre. Aktuell hat Balda schon zwei örtliche Standbeine, eines in Deutschland und eines in den USA. Ein Zukauf kann hier die Balance einseitig verschieben und ggf. die gerade erst zusammenwachsenden Unternehmenskulturen negativ beeinträchtigen. Entsprechend kritisch wäre ein Zukauf auch unter diesen Gesichtspunkten zu betrachten - es muss halt vieles passen. Zu oft hat Balda in der Vergangenheit die Selbstbeschäftigung im Fokus gehabt und nicht das Voranbringen des operativen Geschäfts.

Ein weiterer kritischer Aspekt sind die - inzwischen nur verhalten geäußerten - Vermutungen, der neue Großaktionär plane, Balda in Richtung Solarenergie neu aufzustellen. Das wäre der Kursentwicklung wohl kaum zuträglich und würde erhebliche neue Fragen aufwerfen. Momentan deutet allerdings nichts darauf hin, dass es solche Bestrebungen wirklich gäbe. Und auch ein weiterer negativer Aspekt muss mit ins Kalkül gezogen werden: so hat Gereon Kruse auf boersengefluester.de neulich ein mögliches Delisting der Balda AG ins Gespräch gebracht. Man muss nicht gesondert erwähnen, dass dies zumeist mit einschneidenden Kursverlusten für Aktionäre einhergeht, denn das Einstellen der Börsennotierung stellt schon ein erheblichen Einschnitt in die Verfügbarkeit des Vermögens dar. Auch wenn der BGH dies in seinem realitätsverkennenden Delisting-Urteil anders sieht.

Der Abstieg aus dem SDAX hat dem Aktienkurs nicht gut getan und es könnte sein, dass das Unternehmen noch mehr aus dem Fokus institutioneller Anleger verschwindet. Zumindest covern aktuell noch zwei Analysehäuser den Wert und Warburg Research stuft Balda als "Halten" ein mit einem Kursziel von 3,90 EUR, während First Berlin das Votum "Kaufen" vergibt mit einem Kursziel von 4,40 EUR.

Eine Investition in die Balda AG ist kein Selbstgänger, kein "No-Brainer", sondern durchaus mit weiteren Risiken behaftet. Dennoch scheinen die positiven Aspekte zu überwiegen, die aus einer erfolgreichen Konsolidierung des operativen Geschäfts herrühren und der deutlichen Unterbewertung des Aktienkurses. Der hohe Cashbestand bietet hier eine erhebliche Sicherheit, solange er eben nicht unsinnig verpulvert wird. Hier muss man entscheiden, ob man dem neuen Management diesbezüglich das entsprechende Vertrauen entgegenbringt. Bejaht man dies, kann sich eine Turnaround-Spekulation in Aktien der Balda AG mittel- und langfristig als sehr lukrativ herausstellen. Dennoch sollte man den Wert nur als kleine Depotbeimischung verstehen, denn es bestehen nach wie vor unübersehbare Risiken.