Die
Coero AG (vormals Nanostart) war bisher als Beteiligungsgesellschaft für auf Nanotechnologie spezialisierte Unternehmen unterwegs - und ist vollumfänglich gescheitert. Der Aktienkurs ist ins Bodenlose gefallen und die letzte aktive Beteiligung, die ebenfalls börsennotierte
ItN Nanovation musste kürzlich Insolvenz anmelden. An dem einstigen Hoffnungswert hält Nanostart per Ende 2015 noch 2.028.536 Stücke. Das Unternehmen selbst gehört zu 53,7% der BF Holding GmbH aus Kulmbach, die
Bernd Förtsch zurechenbar ist, der auch bei der FinTech Group die Strippen zieht, das inzwischen insolvente Deutsche Anleger Fernsehen (DAF) herausbrachte und die Börsenzeitschrift "Der Aktionär" herausgibt. Bernd Förtsch ist eine Reizfigur und nicht jedermanns Sache.
Bevor das Ende der "alten" Nanostart abzusehen war, hatte Bernd Förtsch den Aktionären im letzten Jahr ein Übernahmeangebot zu €1,20 gemacht. Gegen Jahresende wurden dann Pläne bekannt, die Nanostart unter neuem Namen neu zu positionieren und zwar als Immobilienwert. Hierzu sollte via Sacheinlage ein umfangreiches Immobilienportfolio in das Unternehmen eingebracht werden. Im Vorfeld der Umsetzung dieses Deals zog die Aktie merklich an, in der Spitze auf knapp €2,80. Dann platzte der Deal, Erklärungen gab es keine. Stattdessen wurde zur einberufenen Hauptversammlung
ein Tagesordnungspunkt nachgeschoben, der es in sich hat. Denn die HV soll "in einem ersten Schritt" eine Kapitalerhöhung von nicht weniger als 10 Mio. Stück genehmigen, mit Bezugsrecht der Altaktionäre. Klar ist, dass Bernd Förtsch also seine Aktienmehrheit nicht aus der Hand geben will und dass die KE angenommen wird - Förtsch hält ja die Mehrheit an Nanostart - bzw.
Coreo, wie die Gesellschaft künftig heißen soll. Dabei sind 10 Mio. neue Aktien fast eine Verdreifachung der Stückzahl, denn bisher bringt es Nanostart auf 6,24 Mio. Aktien im Nennwert zu €1. Parallel hierzu gab es Veränderungen im Vorstand. Per 1. Juli scheidet Carl Neef aus und bereits zum 15. Mai wurde Marin N. Marinov in den Vorstand berufen, ein ausgewiesener Immobilienexperte. Der Aktienkurs nahm die neuen Nachrichten jedenfalls sehr schlecht auf und rauschte wieder in den Keller bis unter €1,30, die bevorstehende Kapitalerhöhung und die Unsicherheit über den künftigen Weg lasten schwer auf der Aktie. Was den Interessen Bernd Förtschs nicht gänzlich zuwiderlaufen dürfte, denn dieser will im Rahmen der Kapitalerhöhung bestimmt mitziehen und seinen Anteil noch weiter ausbauen - und dafür wird er nicht einen Cent mehr bezahlen wollen, als unbedingt nötig.
Schnäppchen oder Value-Trap?
Warum sollte man sich also auf eine solche Gemengelage einlasen, wo liegt der Reiz, sich eine solche Aktie ins Depot zu legen? Die Antwort ist Geld. Zumindest die Aussicht auf Geld, auf eine gute Gelegenheit, viel Geld zu machen, indem man heute den Euro für 60 Cents kauft und auf die Chancen von morgen setzt. Klingt wie Vertretergeschwätz, ich werde aber gerne etwas konkreter...
Eine der Begründungen für die "Mega-Kapitalerhöhung "ist, dass Nanostart zurzeit keine Vermögenswerte habe, die man verkaufen könne oder aber deren Verkauf nach Ansicht des Vorstands aktuell nicht sinnvoll sei. Und bzgl. der ItN Nanovation kommen da auch keine Zweifel auf, der Kurs dümpelt bei unter 20 Cents herum und die Abschreibung auf diese Beteiligung hatte das 2015er Ergebnis von Nanostart grottenschlecht ausfallen lassen: bei einem Jahresumsatz von €2.188 fiel ein Verlust von €5.549.291 an.
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| Nanostart (Quelle: comdirect.de) |
Möge die Magforce mit dir sein...
Es gibt da aber noch eine andere Beteiligung und diese Position hat es in sich. Denn zum Jahresende 2015 flossen der Nanostart AG aus einem alten Darlehensverkaufsvertrag Magforce-Aktien im Wert von €12 Mio. zu. Wer sich über die Hintergründe informieren möchte, kann das
in diesem Artikel von Gereon Kruse tun. Zum Jahresende 2015 hielt Nanostart rund 10,7% der Magforce-Aktien, also bei zurzeit insgesamt 25.622.770 Anteile sind das rund 2,74 Mio. Aktien. Und diese notieren Stand heute bei €4,70, so dass die Nanostart-Position einen Wert von €12,88 Mio. aufweist. Schaut man auf die letzte
Research-Studie von GBC, liegt deren Kursziel sogar bei €14,30 per Ende 2016, also mehr als dem Dreifachen bzw. knapp €27 Mio. mehr bezogen auf das Nanostart-Aktienpaket.
Und hier kommen wir zum interessanten Teil, wo wir die Kuh über den Eimer schieben... Nanostart hat keine Schulden, einen Anteil an einer fast wertlosen Beteiligung an der iTN Nanvation und einen Anteil an Magforce im Wert von €12,88 Mio. Beim gegenwärtigen Aktienkurs der Nanostart von €1,35 und 6,24 Mio. Aktien weist Nanostart eine Börsenkapitalisierung von €8,5 Mio. auf, also 34% weniger als alleine die Magforce-Beteiligung wert ist! Die aufgelaufenen Verlustvorträge in der Nanostart AG, die bei einem Neustart als Immobilienunternehmen ja vollumfänglich zur Verfügung stehen, lasse ich mal außen vor, auch wenn diese selbst natürlich ein Asset darstellen, da man eine ganze Zeit lang entstehende Gewinne nicht versteuern müsste.
Meine Einschätzung
Ich weiß nicht, wie sich der Aktienkurs der Nanostart AG in der nächsten Zeit entwickeln wird. Ich gehe allerdings davon aus, dass er bis zum Abschluss der HV unter Druck bleiben wird - alleine schon, weil dies dem Großaktionär Bernd Förtsch gelegen kommt, denn dieser will die KE voll mitgehen und seinen Anteil an Nanostart eher noch ausbauen. Man erinnere sich an sein Übernahmeangebot von vor einem Jahr zum Kurs von €1,20 - und da waren die Magforce-Anteile noch nicht im Bestand der Nanostart AG. Ich weiß aber, dass ich heute Nanostart-Aktien mit 34-prozentigem Abschlag auf ihren Wert kaufen kann und dass die Kapitalerhöhung daran nichts ändern wird. Ob diese zu €1,20 oder €1,00 erfolgt, ist letztlich egal, denn für die 10 Mio. neuen Aktien erhält das Unternehmen mindestens €10 Mio. an frischem Geld. Für heutige Käufer bzw. Altaktionäre ändert sich durch die Kapitalerhöhung dies bezüglich also nichts. Die Neuausrichtung hin zu Immobilien wird kommen und auch wenn der Immobilienboom bereits seit einigen Jahren andauert und die Bäume nicht (mehr) in den Himmel wachsen dürften, wird hier noch einiges an interessanten Möglichkeiten aufzutun sein. Mit der Berufung des Immobilienexperten Marin N. Marinov in den Vorstand dürfte gewährleistet sein, das Chancen und Risiken adäquat berücksichtigt werden bei der Neuausrichtung. Und daher sollte sich ein Investment in Nanostart-Aktien für geduldige Anleger, die die nächsten, für den Aktienkurs ruppigen, Wochen durchzustehen bereit sind, durchaus lohnend sein. Ich habe mir jedenfalls ein paar Nanostart-Aktien ins Depot gelegt, denn für mich stellt sich Nanostart als
interessante Turnaround-Spekulation und aussichtsreicher Value-Play dar...