Donald Trump hat den "größten Öl-Deal der Weltgeschichte" verkündet und meint damit den US-Zugriff auf die Öl-Reserven Venezuelas.
Und es ist wirklich ein großer Schritt, denn Venezuela verfügt mit geschätzt 303 Mrd. Barrel über die größten Öl-Reserven der Welt. Wenn die USA nun hierauf den Zugriff erhalten und damit dann insgesamt mehr als 7% aller bestätigten Öl-Vorkommen kontrollieren, könnte dies durchaus bisherige Kräfteverhältnisse rund um den Globus verschieben. Der Fokus auf den Nahen Osten würde sinken, das Gewicht "des Westens" steigen.
Der Deal zwischen Washington und Caracas sichert der Firma North American Blue Energy Partners für 100 Jahre die Förderrechte an insgesamt 17 venezolanischen Ölfeldern. Die USA halten 35% passiven Unternehmensanteil und ein Vorzugsrecht über 20% des künftig geförderten Öls zum Selbstkostenpreis. Das veranlasste Trump zu einer selbst beweihräuchernden Jubelarie und dem Versprechen, dass die Benzinpreise in den USA schnell und deutlich sinkenden würden.
Dummerweise besteht auch dieser Trump'sche Deal nicht den Praxistest. Ja, die USA sichern sich den Zugriff auf das venezolanische Öl. Ja, die USA haben die Öl-Vorräte übernommen und können die verkaufen. Das ist auch schon alles für die nahe Zukunft.
Denn Venezuelas Ölindustrie geht am Stock. Es müssen erst einmal zwei- und vielleicht sogar dreistellige Milliardensummen investiert werden, um ihr wieder Leben einzuhauchen. Zudem liegen dort keine produzierten Barrel in Ölfässern rum, sondern die sind alle noch in der Erde - verteilt über 17 Ölfelder. Die berichteten 303 Mrd. Barrel Öl sind also nicht verfügbar!
Zudem ist venezolanisches Öl sehr schwer und säurelastig. Es ist daher kaum geeignet für die Verarbeitung zu Benzin und auch nicht zum Auffüllen der gefährlich stark geleerten strategischen Öl-Reserven der USA. Darüber hinaus haben die USA kaum Raffineriekapazitäten frei, in denen dieses Öl überhaupt verarbeitet werden kann.
Viel Lärm um (fast) nichts
Konkrete Auswirkungen des Deals gibt es also nicht wirklich. Auf Sicht von drei und fünf Jahren könnten - nach den ersten Milliardeninvestitionen von Chevron und Co. - vielleicht 1,5 bis 2 Mio. Barrel pro Tag gefördert und Richtung USA verschifft werden. Tendenz dann steigend.
Aber selbst dann ist dieses raffinierte Öl eher für den asiatischen Markt interessant - was nicht heißt, dass die USA es nicht dorthin exportieren könnten. Aber eben auch nicht morgen, sondern erst in einigen Jahren. Wenn überhaupt. Denn ob sich noch irgendjemand an Absprachen bzw. erzwungene Verträge mit den USA hält, wenn Trump in zweieinhalb Jahren endlich aus dem Amt geschieden ist, wird sich noch zeigen.
Trump täuscht sich also mal wieder – auch sich selbst. Das merken inzwischen auch immer mehr US-Bürger und verweigern ihm die Gefolgschaft. Konsequenzen könnten sich aus den Midterm-Wahlen im November ergeben, wo Trumps Republikaner beste Chancen haben, ihre Mehrheit in beiden Kongresskammern zu verlieren. Es bleibt spannend…
Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig





















