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Artikel aus "Der Nebenwerte Investor" Ausgabe 04/2026 vom 11.02.2026
Aktien in dieser Ausgabe: Eurokai, MBB, Uzin Utz
Eurokai: Europas wohl attraktivster Hafen -und Infrastrukturbetreiber
Die Eurokai GmbH & Co. KGaA ist eine deutsche Beteiligungs- und Holdinggesellschaft mit dem strategischen Fokus auf dem Containerumschlag und der Hafenlogistik in Europa und darüber hinaus. Sie wurde im Laufe der Jahrzehnte zu einem der wichtigsten Akteure im europäischen Seeverkehrsumfeld und hat sich durch Beteiligungen an Terminalbetreibern wie EUROGATE und Contship Italia eine führende Rolle im Markt gesichert. Die Kursverdopplung in den letzten 24 Monaten dürfte wohl erst der Anfang gewesen sein.
Eurokai vereint operative Aktivität über ihre Beteiligungen mit einer klaren Holdingfunktion. Sie ist damit weniger ein operativ tätiger Terminalbetreiber, sondern vielmehr das strategische Dach eines Netzwerkes von Logistik- und Hafenbetrieben, die gemeinsam einen integralen Bestandteil der globalen Lieferketten bilden.
Starkes Family Business
Die Eurokai-Aktie ist im regulierten Markt der Hamburger Börse gelistet und bietet Anlegern direkten Zugang zu einem international diversifizierten Logistikportfolio. Die Gesellschaft versteht sich als langfristig orientierte Holding mit starkem Familiencharakter, denn ein Großteil der stimmberechtigten Aktien befindet sich im Besitz der Familie Thomas H. Eckelmann und enger Verbündeter.
Es gibt zwei Arten von Aktien, die sich in 6,76 Mio. Stammaktien und 6,71 Mio. stimmrechtslose Vorzugsaktien aufteilen. In der Praxis spielt dies jedoch keine große Rolle, da Eurokai eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) ist, bei der die Aktionäre als Kommanditisten nur begrenzten Einfluss auf den Entscheidungsprozess haben.
Die drei beiden Geschäftsführer von Eurokai tragen denselben Nachnamen: Thomas Eckelmann ist 73 Jahre alt, seine Frau Cecilia Eckelmann Battistello 74 Jahre und Sohn Tom Eckelmann 41 Jahre.
Thomas Eckelmann (und seine Kinder) besitzen 76 % der Stammaktien und weitere 22 % werden von einer anderen reichen Familie aus Hamburg gehalten. Die Vorzugsaktien hingegen scheinen größtenteils im Streubesitz zu sein.
Das Geschäftsmodell fußt auf Beteiligung, Netzwerk und Skalierung
Im Kern ist Eurokai eine Beteiligungsgesellschaft, deren Hauptaufgabe darin besteht, Kapital in strategisch wichtige Hafen- und Logistikunternehmen zu investieren, diese zu begleiten und den Shareholder Value über die Zeit zu steigern.
Anders als klassische Betreiberunternehmen betreibt Eurokai selbst keine Terminals in eigener Regie, sondern wirkt über ihre Beteiligungen:
- Contship Italia S.p.A. – eine Gruppe von Terminals und Logistikdiensten mit Schwerpunkt auf Südeuropa.
- EUROGATE GmbH & Co. KGaA – Europas größte privatwirtschaftlich geführte Terminalbetreibergruppe, an der EUROKAI zu 50 % beteiligt ist.
Diese Beteiligungen erstrecken sich über zahlreiche operative Gesellschaften, die Containerterminals in wichtigen Seehäfen Europas und Nordafrikas betreiben.
Die strategische Ausrichtung ist langfristig angelegt und baut auf drei Säulen:
- Skalierbare Terminalinvestitionen – Beteiligung an großen Umschlagsanlagen und deren Weiterentwicklung.
- Intermodaler Ansatz – Nutzung von Schiene, Straße und sonstigen Verkehrsträgern zur Verbindung der Terminals mit dem europäischen Hinterland.
- Komplementäre Dienstleistungen – darunter Lagerung, Reparatur und Handel mit Containern sowie zusätzliche logistische Services.
Im Konzernverbund werden 12 Containerterminals an 9 Standorten in Europa und Nordafrika betrieben, die durch ein Netzwerk im Hinterland verbunden sind. Dieses Netzwerk ist ein Wettbewerbsvorteil: Es ermöglicht Eurokai-Beteiligungen, Umschlagskapazitäten effizient auszulasten und verschiedene Wirtschaftsräume miteinander zu verknüpfen.
Intermodalität als Wettbewerbsvorteil
Ein wichtiges Element des Geschäftsmodells ist die Intermodalität: Das bedeutet, dass Container nicht nur im Hafen umgeschlagen, sondern auch über kombinierte Verkehrswege (Bahn, Lkw, Binnenschiff) transportiert werden. Eurokai trägt damit dem Trend Rechnung, Lieferketten immer stärker miteinander zu vernetzen und Ports nicht nur als Endpunkte, sondern als Knotenpunkte im transeuropäischen Verkehr zu begreifen.
Diese Ausrichtung stärkt die wirtschaftliche Position. So kann Eurokai durch die Verbindung von Seehäfen mit wichtigen Wirtschaftsregionen über Beteiligungen nicht nur Umschlagsvolumina steigern, sondern zusätzliche Erlöse aus Bahn- und Lkw-Intermodaldiensten generieren.
Die operative Präsenz der Eurokai-Gruppe erstreckt sich dabei über mehrere strategisch positionierte Seehäfen, die aufgrund ihrer Lage und Kapazität hohe Marktanteile im europäischen Containerverkehr aufweisen. Zu den wichtigsten Standorten gehören:
- Hamburg – traditioneller und nach wie vor zentraler Standort für den deutschen Containerverkehr.
- Bremerhaven – einer der größten europäischen Containerhäfen mit hoher Umschlagskapazität.
- Wilhelmshaven – Deutschlands einziger tiefwasserfähiger Hafen, der für Ultra Large Container Vessels (ULCV) optimiert ist.
- Italienische Häfen wie La Spezia, Ravenna, Salerno und Cagliari – wichtig für den mediterranen Handel.
- Tangier (Marokko) und Limassol (Zypern) – starke Positionen an Schnittstellen zwischen Europa und Nordafrika.
Diese geografische Diversifikation ist ein Wettbewerbsvorteil, weil sie für Eurokai Risiken in einzelnen Regionen mindert und gleichzeitig Zugang zu wachsenden Märkten wie Nordafrika bietet. Zugleich erlaubt sie, unterschiedliche Wirtschaftszyklen und saisonale Schwankungen auszugleichen.
Starke finanzielle Entwicklung
Zahlen für das komplette Geschäftsjahr 2025 hat Eurokai bisher noch nicht vorgelegt, daher begnügen wir uns mit den Halbjahreszahlen. Und die konnten sich sehenlassen:
Der Konzernumsatz lag zum 30. Juni 2025 mit 130,8 Mio. Euro um 10,4 Mio. über dem Wert des Vorjahreszeitraums. Das Vorsteuerergebnis (EBT) legte mit 61,1 Mio. Euro sogar um 18,9 Mio. im Vergleich zum ersten Halbjahr 2024 zu, was durch die sehr positive Umschlagsentwicklung sowie die weiterhin hohen Lagergeld- und Reefererlöse sowohl im Segment CONTSHIP Italia als auch im Segment EUROGATE bedingt war.
Im Geschäftsbericht für 2024 hatte Eurokai für das Geschäftsjahr 2025 noch ein deutlich rückläufiges Konzernergebnis erwartet, was im Wesentlichen auf die deutlich rückläufige Ergebniserwartung für das Segment EUROGATE zurückzuführen war. Doch aufgrund der positiven Entwicklungen in den Segmenten CONTSHIP Italia und EUROGATE ging Eurokai zum Halbjahr davon aus, dass das Konzernergebnis für das Geschäftsjahr 2025 höher als ursprünglich erwartet ausfallen würde.
Diese Entwicklung ist bemerkenswert, weil sie zeigt, dass Eurokai trotz Herausforderungen im globalen Handel und geopolitischen Unsicherheiten in der Lage ist, operative Stärke und finanzielle Performance zu verbessern. Gleichzeitig sind Prognosen immer mit Unsicherheiten verbunden, besonders in einer Branche, die stark von globalen Handelsströmen abhängt. Dem entsprechend kam die Prognoseanhebung gut an und ließ den Aktienkurs weiter steigen.
Westerweiterung in Hamburg
Ein zentrales Projekt der Eurokai-Gruppe ist die Westerweiterung des EUROGATE-Terminals im Waltershofer Hafen in Hamburg. Gemeinsam mit der Hamburg Port Authority und der EUROGATE wurde ein Projekt- und Mietvertrag abgeschlossen, um die Kapazität des Terminals signifikant zu erweitern.
Kernpunkte dieses Projekts ist die Steigerung der jährlichen Umschlagskapazität von rund 4 Mio. TEU auf bis zu 6 Mio. TEU. Dabei soll ein größerer Drehkreis den Zugang für Ultra Large Container Vessels (ULCVs) deutlich erleichtern und zwar von mehr als 400 Metern Länge und über 60 Metern Breite. Damit wird sich die Zeit für Drehmanöver nahezu halbieren, was die Effizienz der Hafenabfertigung steigern kann. Dieses Projekt stärkt nicht nur den Hamburger Hafen als einen der wichtigsten maritimen Drehpunkte Europas, sondern positioniert auch EUROKAI als aktiven Mitgestalter der Infrastrukturentwicklung – und nicht nur als passiver Investor.
Ausbau strategischer Partnerschaften
Im November 2025 wurde bekannt, dass die EUROGATE GmbH & Co. KGaA, an der Eurokai zu 50 % beteiligt ist, Gespräche führt über den möglichen Verkauf einer Minderheitsbeteiligung von 20 % an der EUROGATE Container Terminal Hamburg GmbH an CMA Terminals SAS, einen Teil der französischen CMA CGM-Gruppe.
Ein erfolgreicher Abschluss der Transaktionen hätte weitreichende Auswirkungen. So dürfte eine stärkere Einbindung eines globalen Schifffahrts- und Logistikspielers wie CMA CGM zu mehr Volumen und längeren Kundennetzwerken führen. Gleichzeitig könnte Eurokai finanzielle Ressourcen für weitere Investitionen mobilisieren, indem sie Teile ihrer Beteiligung monetarisiert.
Solche strategischen Überlegungen zeigen, dass Eurokai offen für Partnerschaften ist, die über reine Beteiligungsstrategien hinausgehen – und dass sie bereit ist, das Portfolio dynamisch im Sinne von Rendite und Risiko anzupassen.
Attraktive Dividendenpolitik
Eurokai zahlt regelmäßig Dividenden an ihre Aktionäre. Für das Geschäftsjahr 2024 wurde eine Dividende von 1,50 Euro je Aktie ausgeschüttet und die Dividendenrendite liegt bei rund 2,7 %. Das stellt im Vergleich mit anderen Unternehmen der Logistik- und Infrastrukturbranche ein solides Einkommen für Anleger dar.
Darüber befindet sich die Aktie seit April 2025 in einem starken Aufwärtstrend mit einer bemerkenswerten Performance im Jahresverlauf und teils über 40 % Kursanstieg gegenüber dem Jahrestief. Die Gesamtrendite aus Kurssteigerungen und Dividendenzahlungen kann sich also ziemlich gut sehen lassen.
Bullcase vs. Bearcase
Investitionen wie die Westerweiterung in Hamburg zeigen, dass Eurokai daran arbeitet, die Kapazitäten ihrer operativen Standorte zu erweitern – und damit Marktanteile zu gewinnen, wenn die globalen Transportströme weiter wachsen. Der europäische Containerverkehr bleibt ein entscheidender Knotenpunkt für den internationalen Handel und profitiert langfristig von der Globalisierung und zunehmenden Lieferkettenkomplexität.
Dank Beteiligungen in Südeuropa, Nordafrika und Westeuropa kann Eurokai saisonale und konjunkturelle Schwankungen breiter streuen. Die Kombination verschiedener Häfen und intermodaler Angebote reduziert Abhängigkeiten von einzelnen Märkten.
Dennoch bleiben Containerterminalbetreiber stark abhängig von der Entwicklung des Welthandels. Konjunkturelle Abschwünge oder geopolitische Spannungen können direkt zu sinkenden Umschlagsvolumina und geringeren Erlösen führen.
Zudem unterliegen Projekte wie die Beteiligungsgespräche mit CMA CGM unter regulatorischer Kontrolle. Verzögerungen oder negative Entscheidungen könnten strategische Pläne beeinflussen.
Steigende Energie- und Personalkosten sowie volatile Nachfrage können Margen belasten – ein Faktor, der besonders in kostenintensiven Terminalbetrieben relevant ist. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Robotik reduziert die Kosten und erhöht die Umschlaggeschwindigkeit, was für die Reedereien ein schlagkräftiges Argument im Wettbewerb ist.
Fazit
Die Eurokai GmbH & Co. KGaA hat sich als wichtige Holding im europäischen Containerlogistik- und Terminalmarkt positioniert. Ihr Geschäftsmodell basiert auf strategischen Beteiligungen, intermodaler Vernetzung und der kontinuierlichen Optimierung von Hafeninfrastrukturen.
Aktuelle Entwicklungen – wie die Prognoseanhebung für 2025, Infrastrukturprojekte in Hamburg und mögliche Partnerschaften mit globalen Akteuren – unterstreichen potenzielle Wachstumspfade. Das Abschmelzen der nördlichen Polkappe ermöglicht neue und schnellere Verbindungen zwischen Asien und Europa und dürfte Eurokai damit in die Karten spielen.
Gleichzeitig bestehen Risiken, die sowohl strukturelle Faktoren (Handelsvolatilität) als auch strategische Unsicherheiten (M&A-Verhandlungen) betreffen.
Insgesamt steht Eurokai vor einer Phase, in der operative Stärke, globale Vernetzung und die Fähigkeit, externe Chancen zu nutzen, den langfristigen Erfolg bestimmen werden. Anleger sollten diese Entwicklung im Auge behalten, da Eurokai nicht nur Beobachter, sondern aktiver Gestalter des europäischen Logistikraums ist. Die Chancen überwiegen die Risiken und die Aktie sollte sich auch künftig als attraktive Bereicherung eines defensiv aufgestellten Depots erweisen.
Die 4 wichtigsten Dinge, die man über Eurokai wissen muss
- Eurokai ist eine börsennotierte Holding, die ihr Geld hauptsächlich mit Beteiligungen an großen Containerterminal-Betreibern wie EUROGATE und Contship Italia verdient und damit ein zentraler Akteur der europäischen Hafenlogistik ist.
- Das Geschäftsmodell lebt von langfristigen Infrastruktur-Assets, denn Umschlagterminals in strategischen Häfen bilden die Knotenpunkte globaler Lieferketten und erzeugen über Jahrzehnte relativ stabile Cashflows.
- Wachstum entsteht vor allem durch Kapazitätsausbau, Effizienzsteigerungen und Partnerschaften, etwa durch größere Terminals für Megacontainerschiffe oder durch Kooperationen mit Reedereien.
- Die größten Chancen liegen im wachsenden Welthandel, die größten Risiken in Konjunktur, Politik und Kosteninflation, weil schwächere Handelsvolumina oder höhere Energie- und Personalkosten die Erträge direkt beeinflussen.
Disclaimer: Habe Eurokai weder auf meiner Beobachtungsliste noch im Depot/Wiki.

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