Der Jahresauftakt an den Börsen ist gelungen – auch weil Donald Trump seine Truppen nach Venezuela schickte und deren Präsidenten Maduro ab- und festsetzte. Inzwischen muss sich dieser in New York vor einem Gericht verantworten.
Trump selbst bezeichnet sich als Friedenspräsident und erklärte (vor seiner zweiten Wahl), er würde Kriege beenden und keine anfangen. Doch das hat er nun - allerdings nicht in seiner eigenen Wahrnehmung, denn er behauptet einfach, die USA würden sich gegen Terroristen und Drogenbosse zur Wehr setzten, sich also gegen Aggressoren verteidigen. Wie schön für ihn, dass er sich seine Wahrheit immer so hindrehen kann, wie sie ihm passt. Trump lebt in seiner eigenen Welt.
Handfeste Konsequenzen haben seine Aktionen zumindest: China und Russland ist mit Venezuela ein wichtiger strategischer Partner verloren gegangen und Putin steht erneut als Loser da. Seine Unterstützung ist kaum etwas wert, das haben schon Gaddafi in Libyen und Assad in Syrien zu spüren bekommen. Für China stellt sich die Lage etwas anders da, denn dort wird man sich durch Trumps Attacke eher bestätigt sehen in seiner kriegsrasselnden Position gegenüber der "abtrünnigen Provinz" Taiwan.
Die Folgen an dieser Stelle und zwar für die ganze Welt, sind noch nicht absehbar. Klar ist aber, dass Venezuelas Öl künftig in die USA fließen wird und dass weltweit die Krisenherde und Kriegsschauplätze eher zu- als abnehmen. Schlecht für den Ölpreis, gut für Rüstungswerte. Diese mittel- und langfristigen Entwicklungen müssen Anleger nun in ihren Depots abbilden – nicht sofort, nicht morgen, aber zu lange warten sollte man damit auch nicht.
Für Donald Trump als Anwärter auf den Friedensnobelpreis sollte die Messe nun gelesen sein. Oder etwa nicht? Auch hier bleiben erstmal alle Wettscheine gültig...
Denn eine weitere Erkenntnis aus den letzten Monaten ist, dass es sich immer lohnt, Donald Trump Zucker um den Bart zu schmieren. Denn bei ihm gibt es immer was zu verdienen. Der Don agiert im Stile eines Mafia-Familienoberhaupts: er fordert und belohnt Loyalität, doch wer sich gegen ihn stellt, wird gnadenlos plattgewalzt. Auch deshalb eiert die EU so rückgratlos herum, wenn Trump seine Annektionsgelüste bzgl. Grönland artikuliert. Die rohstoffreiche Rieseninsel gehört zu Dänemark, einem NATO-Verbündeten der USA. Aber wie wenig Trump so etwas bedeutet, erleben wir schon seit seinem Amtsantritt. "America first" ist viel mehr als ein Slogan. Er ist inzwischen globale inszenierte Realpolitik dank Trumps "Monroe Doktrin 2.0": die beiden amerikanischen Kontinente "gehören" den USA und alle anderen, vor allem die Europäer, sollen sich hier raushalten. Dafür lassen die USA die Finger von Europa. Auch deshalb wird dieser Tage viel von "Einflusszonen" gesprochen, wenn es um Trump, Putin oder China geht.
Doch genau dieser Imperialismus hat letztlich zum 1. Weltkrieg geführt - wobei damals die Amis nicht wirklich mitgemischt haben, sondern die Europäer sich untereinander und weltweit in den Krieg trieben. "Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich", heißt es, und das kann leider nicht als Beruhigung dienen. Denn die zentrale Lehre aus zwei Weltkriegen war ist ja gerade, dass die europäische Integration und Zusammenarbeit der Schlüssel für Frieden ist - weltweit - und dass man sich nur gemeinsam gegen äußere Feinde wehren kann. Die EU ist die eine Antwort auf diese Herausforderungen, die NATO (unter der Führung der USA) war ist die zweite Antwort auf diese Bedrohungen - gegen Sozialisten und Faschisten und Imperialisten.
Doch leider folgen die USA unter Donald Trump einem zunehmend faschistischem Playbook; die Parallelen zu Mussolinis Italien sind echt erschreckend. Und aus dem Faschismus und dem Nationalsozialismus und dem Stalinismus und beinahe jeder Diktatur ist, dass nicht nur die Führungsriege das Problem war/ist, sondern ganz entscheidend die schweigende und duldende Masse.
"Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler. Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte."(Martin Niemöller)
(Nicht nur) für die Börse gilt: Unsicherheit und Wechselbäder begleiten uns auch in 2026. Ausgang offen…
Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

Schön dumm, wenn man sich nach Russland jetzt von amerikanischem Gas abhängig gemacht ist, das eigene deutsche Gas nicht fördern will und die noch funktionierenden Kernkraftwerke in die Luft sprengt. Bald gehen hier die Lichter aus.
AntwortenLöschenUm Gottes Willen, was ist nur in Sie gefahren? Fehlt nur noch, dass Sie Maduro jetzt auch noch als Musterdemokraten hinstellen. Ich glaube, Sie werden in Venezuela kaum jemanden finden der diesem Diktator eine Träne nachweint. Aber um die Menschen geht es schon lange nicht mehr. Das betrifft übrigens auch Grönland. Was hat Dänemark dort zu suchen? Glauben Sie ernsthaft, dass die Inuit nach dem Spiralen-Skandal noch ein Interesse daran haben, zu Dänemark zu gehören. Der ehemalige grönländische Regierungschef Múte B. Egede hatte es klar formuliert:
AntwortenLöschen"Wir wollen keine Dänen sein. Wir wollen auch keine Amerikaner sein. Wir wollen Grönländer sein."
Etwas mehr Sachlichkeit wäre bei Ihren politischen Analysen angebracht.
Übrigens: Mussolini ist durch die enge Verschmelzung von Politik, Wirtschaft und Medien an die Macht gekommen. Heute spricht man von "Public Private Partnerships" und was man darunter zu verstehen hat, können Sie gerade bei der EU beobachten, die es übrigens mit dem Völkerrecht auch nicht so genau nimmt, siehe Euroclear.
Hallo Michael, vielen Dank für Deine Einschätzung. Wie bewertest Du in diesem Zusammenhang die künftige Entwicklung der US Unternehmen die ihr Geld mit Royalties verdienen (wie z.B. TLP). Diese investieren ja aktuell auch hohe Summen in die notwendige Infrastruktur der Öl Förderung. Allerdings ist eine Möglichkeit ja sicherlich auch, dass der Öl und Gas Bedarf der USA insgesamt (auch für den KI Energiebedarf) in den kommenden Jahren weiter steigen könnte.
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