In meiner Kolumne "Kissigs Portfoliocheck" nehme ich regelmäßig für das "Aktien Magazin" von Traderfox die Depots der besten Investoren unserer Zeit unter die Lupe.
Bei meinem 329. Portfoliocheck schaue ich wieder Bill Ackman über die Schulter, einem aktivistischer Investor, der bevorzugt Stammaktien börsennotierter Unternehmen kauft und dann das Management öffentlichkeitswirksam zu Änderungen drängt, damit der Markt den wahren Wert der Unternehmen erkennen kann.
Vor einigen Jahren erweiterte seinen Investorenwerkzeugkasten um neue Strategien und kauft sich heute überwiegend in großartige Unternehmen ein, die über solide Cashflows und einen enormen ökonomischen Burggraben verfügen. Dabei ist sein Portfolio extrem fokussiert auf nur die aussichtsreichsten Qualitätsunternehmen, auf die er dann große Summen setzt. Und wenn er sich irrt, schmeißt er diese Aktien schnell und konsequent aus dem Depot.
Ende des 3. Quartals 2025 hat sich seine Turnoverrate vom dem hohen Level des Vorquartals auf quasi 0 % reduziert, während der Wert seines Aktiendepots deutlich von 13,7 Mrd. auf 14,65 Mrd. USD zulegte. Auf den ersten Blick dominiert hier Langeweile, doch hinter den Kulissen sieht das anders aus. Am Ende des Quartals hielt er 11 bzw. 13 Positionen, darunter eine Neuerwerbung. Bei Nike hatte er im 1. Quartal 2025 seinen Aktienbestand in Call-Optionen getauscht, um so mit weniger Kapitaleinsatz einen größeren Hebel zu erzeugen. Diese hat er im 4. Quartal allerdings restlos verkauft, weil der Turnaround nicht wirklich in die Gänge kommt. Und auch bei Chipotle stieg er inzwischen komplett aus. Doch er machte bereits Andeutungen über ein neues gewichtiges Engagement.
An der Sektorgewichtung hat sich nicht viel verändert. Mit einem Anteil von 29,9 % dominieren weiterhin die zyklischen Konsumwerte vor Technologiewerten mit 20,3 % und der Finanzbranche mit 19,2 %. Dahinter folgen Kommunikationsdienste mit 18,6 %, Immobilienwerte mit 11,4 % und Industrieunternehmen mit weniger als 1 %.
Die größte Position mit gut 20 % Gewichtung ist Ride-Sharing-Anbieter Uber, den Ackman als "eines der am besten geführten und hochwertigsten Unternehmen der Welt" bezeichnete. Dahinter folgt unverändert der kanadische Finanzinvestor Brookfield, der zu den weltweit führenden alternativen Vermögensverwaltern zählt und inzwischen Assets im Volumen von deutlich mehr als 1 Billion Dollar verwaltet - und zu dem inzwischen auch Oaktree gehört, die Vermögensverwaltungsgesellschaft von Starinvestor Howard Stanley Marks. Kürzlich gab es einen Aktiensplit und der Aktienkurs notiert auf Allzeithochniveau, sodass Ackman hier allen Grund zur Freude hat, zumal es gute Argumente für eine Fortsetzung dieser Entwicklung gibt. Das gilt auch für die Google-Mutter Alphabet; kombiniert bringen es die A- und die C-Aktien auf rund 18,5 % Gewichtung in Ackmans Depot. Und dann schließt sich Howard Hughes Holdings an, bei der Bill Ackman inzwischen das Ruder übernommen hat, um aus dem Immobilienentwickler eine "moderne Berkshire" zu formen.
Aber Ackmans 13F offenbart nur seine börsennotierten US-Beteiligungen. Gewichtige Investments hält er auch an Universal Music Group sowie den beiden gestrauchelten Hypothekenriesen Fannie Mae und Freddie Mac. Und (auch) hier geraten die Dinge in Bewegung...
Disclaimer: Habe Alphabet, Berkshire, Brookfield, Howard Hughes, Uber auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

Hallo Michael, danke für den interessanten Artikel - vielleicht ist dazu für Dich und die Leser hier Bill Ackmanns Investment Case zu den GSEs interessant: https://x.com/BillAckman/status/1873818034428694837
AntwortenLöschenVielen Dank für den Hinweis. Ich hatte mir Fannie/Freddie im Mai ausführlicher vorgenommen in diesem Portfoliocheck: "Rast Bill Ackman ausgerechnet mit Hertz zu neuen Erfolgen?". Inzwischen wird das Szenario ja immer visibler. Bin gespannt, ob er Recht behält und wie "fett" der Batzen dann in seinem Portfolio wird, wenn die beiden dort als gelistete Companies aufschlagen.
LöschenÄhnliche Augenöffner hatte Daniel Lob ja in 2021 mit seinen Frühphasenbeteiligungen Upstart, SoFi und SentinelOne, die nach ihrem Börsendebut dem sichtbaren Wert seines Hedgefonds einen Raketenschub verpasst haben.
Daniel Loebs Investorenbrief aus dem ersten Quartal zurück, in dem er sich ausführlich Upstart und anderen Frühphasen-Investments gewidmet hat. Dabei ist gerade Upstart ein sehr interessantes Unternehmen.
In seinem damaligen Investorenbrief schrieb Loeb: "Unsere drei Top-Gewinner im ersten Quartal stammen aus unseren privaten Investitionen. Upstart, das im Dezember letzten Jahres an die Börse ging, SentinelOne, das immer noch privat ist, aber auf der Grundlage der jüngsten Sekundärtransaktionen und einer unabhängigen Bewertung aufgewertet wurde; und SoFi, das im Januar dem Börsengang über eine SPAC-Transaktion zustimmte. Diese Investitionen wurden vor etwa sechs Jahren getätigt, als die Unternehmen noch relativ neue Produkte und geringe Umsätze hatten. Es war erfreulich zu sehen, wie jedes dieser Unternehmen wuchs und wie sich ihre Managementteams entwickelten und reiften, während sie Innovationen entwickelten, Kundenbedürfnisse erfüllten und unserem Portfolio signifikante Renditen und Alpha hinzufügten. Diese Unternehmen unterstreichen auch unseren Ansatz des Lebenszyklus orientierten Investierens. Der frühe Einstieg ermöglicht es uns, einen bedeutenden Anteil an großartigen Unternehmen zu einem Einstiegspreis zu erwerben, der nur einen kleinen Bruchteil ihrer endgültigen öffentlichen Bewertungen ausmacht. Wir besitzen etwa 15 Prozent von Upstart und 10 Prozent von SentinelOne. Ursprünglich investierten wir in Upstart bei einer Bewertung von 145 Millionen Dollar und in SentinelOne bei einer Bewertung von 73 Millionen".
Loeb hat sich von den drei Unternehmen nicht allzu lange nach deren Börsendebut getrennt und damit einen Großteil der enormen Gewinne eingetütet. Der kräftige Einbruch in 2022 hat ihn hier also vergleichsweise wenig gekostet.
Ich schreibe das nur, weil es das Potenzial aufzeigt, das Ackman da im Keller seines Hedgefonds liegen hat. Und das dann schlagartig sichtbar würde.