Der NATO-Gipfel in Ankara fand in einer Zeit der Unsicherheit und des Umbruchs statt. In der Ukraine wütet der russische Eroberungskrieg im vierten Jahr und ein Ende ist nicht abzusehen – auch weil die Ukraine sich als hartnäckiger Gegner erwiesen hat, der Putins "mehrtägige Spezialoperation" in einen ausgewachsenen Krieg verwandelt hat, in dem Russland längst von der Siegerstraße abgekommen ist. Und im Nahen Osten schießen Amerikaner und Iraner wieder aufeinander und Trump erklärte soeben das "Memorandum of Understanding", das den Weg zu einem Frieden ebnen sollte, für beendet. Überall rauchende Colts.
Es könnte eine Sternstunde des westlichen Verteidigungsbündnisses sein, doch die Allianz zeigt Schwächen – und auch die gehen auf Trump zurück. Schon länger kritisiert er die NATO-Verbündeten und stellt inzwischen der Nutzen der Verteidigungsallianz (für die USA) infrage. Im Kern hat er dabei gute Argumente auf seiner Seite und auch deshalb ist Bewegung in die Europäer gekommen, endlich ihre Verteidigung wieder in die eigenen Hände zu nehmen. Die Bedrohung durch den russischen Bären für Mittel- und Westeuropa ist nicht mehr zu ignorieren – auch weil Trump sich als "Putins best Buddy" geoutet hat und am liebsten nur "beautiful deals" mit ihm abschließen will, die den USA – und vor allem dem Trump-Clan – Vorteile bringen. Eigennutz als dominierende Triebfeder.
Und Eigennutz ist es auch, was die NATO aktuell antreibt. Der eigene Schutz ist elementar, das Abnabeln von den USA ebenfalls. Wenn der "große Bruder" wankelmütig wird und vielleicht sogar zum Aggressor (Grönland), kann man sich weder auf seinen Beistand noch auf seine Waffensysteme verlassen. Die Europäer und NATO-Partner Kanada suchen den Schulterschluss zu einer "NATO-". Die Stärke der "europäischen NATO", wie Bundeskanzler Merz sie nannte, liegt in der eigenen Stärke.
Die Europäer müssen besser zusammenarbeiten, sie müssen ihre Waffensysteme besser koordinieren und aufeinander abstimmen und das gilt auch für die nachgelagerten Bereiche, wie Beschaffung, Wartung, Reparaturen. Vereinheitlichung und Standardisierung müssen staatliche Insellösungen ersetzen, um effizienter zu werden und im wahrsten Sinne schlagkräftiger. Die Alternative dazu zeigt sich in der Ukraine, wo ein fressgieriger Nachbar Millionen Leben zu opfern bereit ist, um seine imperialen Ziele durchzusetzen.
Europa muss aufrüsten und sich wieder selbst verteidigen können. Davon profitieren die heimischen Rüstungsunternehmen und so haben Rheinmetall, Hensoldt und Vincorion zuletzt Erfolge bei den Auftragseingängen zu verzeichnen. Der Trend geht dabei, natürlich, Richtung Drohnen und mobiler Angriffs- und Verteidigungssysteme und hier punkten die deutschen Hersteller vor allem durch eine Vielzahl an Joint Ventures und Kooperationen. Zudem bietet sich Deutschland als Industriestandort mit bestens ausgebildeten Facharbeitern als Standort für die Produktion amerikanischer Waffensysteme außerhalb der USA geradezu an - und die Kooperation von Rheinmetall mit Lockheed Martin zur Produktion der ATACMS-Raketen zeigt diesen neuen Trend.
Für Deutschland bietet sich hier auch eine andere Chance: die in größerem Umfang freigesetzten Mitarbeiter der strauchelnden Automobilindustrie stehen beinahe übergangslos der Rüstungsindustrie zur Verfügung. In einer Studie hat EY dargelegt, dass die 1,5% des BIP, die europäischen NATO-Staaten in sicherheitsrelevante Infrastruktur investieren müssen jährlich etwa 320 Mrd. Euro entspricht und das davon 62 Mrd. Euro auf Deutschland entfallen werden. Dies wird ein massiver Konjunkturimpuls und die Investitionen dürften eine jährliche Produktionswirkung von 822 Mrd. Euro auslösen und damit europaweit rund 4,4 Mio. Jobs schaffen, wovon auf Deutschland rund 723.000 entfallen sollten.
Profitieren wird unsere (teilweise marode) Infrastruktur, also Bauunternehmen und Betonhersteller. Aber ebenso wird mehr Geld in Energieinfrastruktur fließen und natürlich in den Schutz unserer Infrastruktur vor physischen Bedrohungen und Cyberattacken.
"Si vis pacem, para bellum (Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor)."(Vegetius)
Es ist ein Ammenmärchen, dass Rüstungsinvestitionen verlorenes Geld seien, weil die erworbenen Waffensysteme anschließend nur rumstehen und Kosten verursachen würden. Auch durch sie entsteht Wertschöpfung, durch ihre Entwicklung, Produktion, Wartung, Nutzung, Instandhaltung, Pflege. Und vor allem dienen sie unserem Schutz. Deutschlands großer Wohlstand ist auch das Resultat daraus, dass seit 80 Jahren kein Krieg mehr unser Land in Schutt und Asche gelegt hat. So konnte der erarbeitete Wohlstand über mehrere Generationen weitergegeben werden. Für Deutschland, das zuvor etwa alle 40 Jahren verheerende Kriege erlebt hat, war das ein ganz neues Gefühl - allerdings weiß heute bei uns fast niemand mehr, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist und jeden Tag aufs Neue sichergestellt werden muss. Deutschlands Mitgliedschaft in der EU und der NATO sind seine Garanten, nicht Friedensgebete und Mahnwachen.
Die Friedensdividende ist längst verspeist und nun ist wieder Realpolitik angesagt: Europa muss erkennen, dass es sich selbst am nächsten ist. Für Anleger bieten sich hier ebenfalls Chancen, denn die Wiederaufrüstung Europas ist eine Generationenaufgabe, die gerade erst Fahrt aufnimmt. Und Deutschlands Rüstungsschmieden spielen ganz vorne mit. Die erste Euphoriewelle ist verebbt und nüchternem Realitätsdenken gewichen: seit jeher eine solide Basis für gute Geschäfte und langfristig steigende Aktienkurse.
Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig
Disclaimer: Habe Hensoldt, Rheinmetall, Vincorion auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

Hallo Michael,
AntwortenLöschenda habe ich doch eine ganz andere Sichtweise als du. Kritiklos übernimmst du die gewünschte öffentliche Meinung, dass Trump und Putin die Bösen sind. Warum wurde denn der von dir zitierte "russische Bär" geweckt. War es nicht die vertragswidrige Osterweiterung gerade dieser NATO bis an die Pforte der Bärenhöhle?
Und wenn du das Heil der deutschen Wirtschaft in einer florierenden Rüstungs-(Kriegs-)industrie siehst, dann muss ich auch hier vehement widersprechen. Die Geschichte hat eindeutig gelehrt, wohin das jedes Mal geführt hat. Dass statt PKWs zukünftig Panzer und Geschütze gebaut werden, scheint dir egal zu sein. Über den volkswirtschaftlichen Nutzen kann man streiten. Über die Endkonsequenz nicht. Aber Wertschöpfung durch Waffen? Da müssen die Dollarzeichen schon deutlich größer sein als der gesunde Menschenverstand.
Und ob die Mitgliedschaften in der EU und NATO Friedensgaranten sind, das wird die Geschichte am Ende noch beweisen müssen. Bei dem derzeitigen Kriegsgeschrei und dem dazugehörenden Personal kann man da ebenfalls leicht anderer Meinung sein. Mir wird es dabei sogar Angst und Bange. Und wie erklärst du dann z.B. die neutrale Schweiz, die bereits seit über 200 Jahren an ihrer militärischen Enthaltsamkeit festhalten und immer noch friedlich zwischen ihren Alpengipfeln hocken? Keine EU, keine NATO, aktuell 0,7% Militärausgaben, über das wirtschaftliche und Wohlstandsgefälle gegenüber Deutschland sind wir uns vermutlich einig.
Danke dass ich hier meine Meinung sagen darf.
Du scheinst nicht viel von meiner Meinung zu halten, wenn du behauptest, ich würde "kritiklos die gewünschte öffentliche Meinung" nachplappern. Dem ist nicht so, Ich bilde mir meine eigene Meinung und ich neige nicht dazu, Stammtischparolen zu übernehmen oder mir zu wenig Gedanken zu machen. Ich bin zu meiner Meinung gekommen, auch weil ich verschiedene Aspekte abgewägt und mehrere Seiten betrachtet habe. Nur weil Medien dieselbe Ansicht vertreten wie ich, heißt das nicht, dass ich mir meine eigene Meinung nicht selbst gebildet habe.
LöschenIch kann sehr gut nachvollziehen, dass sich viele Russen und Putin gedemütigt fühlen, weil die einstige Sowjet Union kollabiert ist, die ja keine Union war, sondern russisch besetztes Territorium, und dass der sich anschließende 25-jährige Macht- und Bedeutungsverlust an ihnen nagt. Ich kann ebenso gut nachvollziehen, dass die Expansion der NATO Richtung Osten und der massiv gewachsene Einfluss der Amerikaner überall auf der Welt die Russen ängstigt und sie sich hierdurch bedroht fühlen.
Aber... das ist keine Rechtfertigung für den Eroberungskrieg Putins gegen die Ukraine. Denn die EU- und NATO-Osterweiterung fand friedlich und mit jeweiliger Zustimmung der beteiligten Völker/Staaten statt. Sie ist auch Ausdruck der Angst vor einer erneuten Okkupation durch Russland. Ein kleiner Klientelstaat, aus dem ein großes expansives maximal aggressives Reich hervorgegangen ist, das seine Nachbarstaaten ausbeutet und unter harter Knute hält. Und Putin macht seit Jahren keinen Hehl draus, dass er genau dieses Reich wieder errichten will. Und Gewalt/Krieg ist für ihn dabei nur Mittel zum Zweck. Dass im Westen viele Jahre lang niemand seinen Worten Bedeutung beigemessen hat, ist eigenes Versagen. Aber auch kein Freifahrtschein für Putin. Auch Hitlers "Mein Kampf" hat niemand Ernst genommen, bis er seinen Judenhass dann in die Tat umgesetzt hat. Und Appeasement-Politik hat weder gegen Hitler gewirkt noch beeindruckt sie Putin.
Trump kritisiere ich, weil er ein egomanischer Narziss ist, der die USA in eine Diktatur verwandelt und sich und seinen Clan gnadenlos bereichert. Er hat keine Moral, keine Ethik, keine Würde. Er ist ein Sexualstraftäter und Kinderschänder, der leider von den dämlichen Amerikaner (erneut) zum Präsidenten gewählt worden ist und keine Hemmungen hat, jede denkbare Schandtat im Amt zu begehen und jedes Tabu zu brechen. Weil er am Ende sich selbst und alle seine rückgratlosen Mittäter und Helfer begnadigen wird.
Dein Beispiel Schweiz ist übrigens ziemlich ungeeignet. Denn die Schweiz ist von großen starken Nachbarn und weitgehend der EU und NATO umgeben. Die kann niemand angreifen, ohne vorher die EU/NATO anzugreifen. Da ist es leicht, sich einfach zurückzulehnen und die anderen die Verteidigung "zum Nulltarif" zu übernehmen.
Abschließend möchte ich noch anmerken, dass die EU-und NATO-Mitgliedschaft für Deutschland, Frankreich, Italien und England durchaus Friedensgaranten waren und sind. Diese Länder haben über Jahrhunderte in wechselnden Konstellationen Krieg gegeneinander geführt und (erst) seit sie die EG und die NATO mitgegründet haben, reden sie, anstatt aufeinander zu schießen. Die Außenverteidigung ist eine Sache, aber der innere Frieden in der EU und NATO ist der entscheidende Punkt. Bei aller Kritik, die man an beiden Institutionen haben kann und sollte.
Lieber Michael,
LöschenBravo! Besser kann man es kaum sagen und ich unterstreiche nahezu jedes einzelne Wort.
Beste Grüße
Rolf
Hallo Anonym,
Löschenam ehesten wirkst du wie jemand, der andere Meinungen unreflektiert nachplappert. Aus einer Ablehnung für den Staat, die Medien oder etwas irgendetwas anderes heraus übernimmst du schwache und oft schon widerlegte oder zumindest ins rechte Licht gerückte Argumente an. Du kannst Putin gut finden und in ihm das Opfer sehen, aber prüfe selbst deine Argumente kritisch und such dir eine bessere Basis für deine Sichtweise. So ist es einfach nur blindes und unreflektiertes Anführen von Pseudoargumenten.
Im Übrigen: Der russische Bär wurde geweckt? Putin drangsaliert sein Volk immer mehr, jagt Millionen in einen Fleischwolf, destabilisiert Nachbarstaaten seit Jahrzehnten, bringt Leid und Schrecken in dutzende Länder zur Erhaltung von Machtprojektionsmöglichkeiten, hängt imperialistischen Allmachtsfantasien nach und hetzt in seinen Medien gegen alle freiheitlichen Staaten und spielt leichtfertig mit nuklearen Szenarien. Wenn überhaupt, hat der Bär Tollwut und sollte eingesperrt werden...
Man darf in diesem Land überall seine Meinung sagen. Das ist so schräg. Bei Herrn Putin geht man in den Knast oder fällt aus dem Fenster.
LöschenDer Blogbetreiber (zur Info: CDU-Mitglied) schreibt, er würde keine Stammtischparolen übernehmen, sondern sich seine eigene Meinung bilden. Jetzt wäre noch interessant zu erfahren, welche Informationsquellen der Blogbetreiber nutzt, um sich diese eigene Meinung zu bilden.
LöschenBezüglich NATO-Osterweiterung: Ich habe kürzlich einen alten Spiegel aus dem Jahr 2009 bei meiner Mutter gefunden. Dort gab es auch eine Artikel über die NATO-Osterweiterung. Auch findet man auf Youtube Fernsehsendung des ÖRR von 2014. Sehr interessant, wie sie die damalige Berichterstattung diametral von der heutigen unterscheidet. Also entweder haben Spiegel und ÖRR 2009 und 2014 gelogen, oder sie lügen heute.
Immer wieder wird die Osterweiterung der NATO als Entschuldigung für Putin Angriffe heran gezogen. Von denen, die diese "Argument" vorbringen, wird immer übersehen (?), dass
LöschenZum Zeitpunkt des angeblich abgegebenen Versprechens (1990 bei den 2+4 Verhandlungen) die baltischen Staaten sowie die Ukraine als separate Staaten noch gar nicht existierten. Die UdSSR war immer noch da. Deren Zusammenbruch erfolgte erst Ende 1991. Fast zwei Jahre später.
Wie also sollte seinerzeit "der Westen" ein Versprechen abgegeben haben bezogen auf Staaten, die noch gar nicht vorhanden waren?
(Es gab hingegen eine Zusage dazu, keine NATO Truppen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR zu stationieren. Diese Zusage wurde eingehalten!)
Zudem hat Gorbatschow selbst mehrfach bestätigt, das es solch ein Versprechen bezüglich der Osterweiterung nicht gab.
Wer schon einmal geschäftlich mit Russen zu tun hatte weiß, dass sich diese jedes Detail (wirklich JEDES) schriftlich bestätigen lassen und dies dokumentieren.
Und ausgerechnet in dieser existenziellen Frage der NATO Erweiterung gibt es nichts schriftliches, keinen Vertrag, kein ratifiziertes Dokument? Irgendwie schon komisch, dass Moskau dazu noch nichts veröffentlicht hat.
Putin sagt "trust me bro" und alle seine Fanz glauben es... :-)
Und natürlich bleibt unabhängig davon IMMER die Frage offen, inwieweit diese ganze Sache überhaupt eine Legitimation für Putins Krieg geben soll.
Und über den russisch ukrainischen Grenzvertrag von 2003, den Putin selbst unterzeichnet hat und der die Krim explizit als Teil der Ukraine nennt haben wir da noch gar nicht gesprochen ...
Zu der Frage, warum es keine schriftliche Zusage gab, stand auch etwas in dem Spiegel-Artikel aus dem Jahr 2009. Wie mein Vorschreiber ja selbst zugibt, erfolgte der Zusammenbruch der UdSSR und die Auflösung des Warschauer Pakts erst 1991. Der Gedanke, dass Mitglieder des Warschauer Pakts Mitglieder der NATO werden könnten, war also im Jahr 1990 völlig abwegig.
LöschenZu der Behauptung, Gorbatschow hätte zugegeben, dass es kein Versprechen zur Nicht-Ausdehnung der NATO nach Osten kommt, sagt Gorbatschow folgendes:
"Das Thema ‚NATO-Erweiterung‘ wurde in jenen Jahren überhaupt nicht diskutiert, und es wurde auch nicht aufgeworfen. [...] Ein anderes Thema wurde diskutiert: dass die militärischen Strukturen der NATO sich nach der Vereinigung nicht auf das Territorium der damaligen DDR ausdehnen durften.“
Wie oben geschrieben, gab es keine solche schriftliche Zusage, weil damals niemand daran gedacht hat, dass es einen NATO-Beitritt von Ländern des Warschauer Pakts geben könnte. Es wurde aber eindeutig zugesagt, dass sich die NATO nicht in das Gebiet der ehemaligen DDR ausbreiten darf. Jeder normal denkende Mensch weiß, dass Gorbatschow dann auch davon ausgegangen sein muss, dass es keine Osterweiterung jenseits der DDR geben wird.
Ich verwende mal deine (bewusst?) an Beleidigung grenzende Formulierung "jeder normal denkende Mensch weiß", dass zwischen "es wurde diskutiert" und es wurde "zugesagt/vereinbart/zugesichert" Welten liegen.
LöschenFakt ist doch, dass 1990/91 niemand wusste, wie sich der ehemalige Ostblock entwickeln würde. Das waren doch alles sozialistisch-sowjetisch indoktrinierte Staaten, die auf unterschiedlichen Wegen versuchten, ihre Freiheit zu erlangen. Mal friedlich, mal mit Gewalt (Rumänien). Dass die sich allesamt von der Sowjet Union und/oder Russland abwenden würden, war absehbar. Wie weit das gehen würde, dass es schnell Bestrebungen Richtung EU und zur Absicherung der Erreichten später auch in die NATO geben würde, ist aus der Entwicklung heraus entstanden. Die NATO hatte ja auch Richtung Russland die Hand ausgestreckt mit der "Partnerschaft für den Frieden".
Aus dem Nichtbedenken von 1990/91 eine Legitimation zu einer Invasion in die Ukraine und die fortgesetzte militärische Bedrohung der souveränen Baltischen Staaten abzuleiten, ist einfach nur Bullshit, um hier keine Missinterpretationen aufkommen zu lassen.
Darf Iran dann auch Drohnen auf Kuba stationieren (falls er das nicht sowieso schon getan hat)? Ist es ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg, wenn die USA daraufhin Kuba bombardieren?
LöschenOhne vorherige ausdrückliche Kriegserklärung ist jeder Angriff ein Verstoß gegen das Völkerrecht, sofern es nicht die Gegenwehr gegen einen völkerrechtswidrigen Angriff den Anderen ist. So haben die USA Japans Angriff auf Pearl Harbour gewertet, auch wenn die Japaner ihrerseits mehrfach erklärt hatten, die US-Blockade gegen Japan bereits als Kriegserklärung zu verstehen. Und wir brauchen auch nicht diskutieren, ob der Angriff Israels und der USA auf den Iran in 2025 und 2026 gegen das Völkerrecht verstoßen haben. Das steht für mich zweifelsfrei fest. Und ebenso Putins Angriff auf die Ukraine, sowohl die Krim-Annektion als auch die Invasion seit 2022.
Löschen"Darf Iran dann auch Drohnen auf Kuba stationieren (falls er das nicht sowieso schon getan hat)? Ist es ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg, wenn die USA daraufhin Kuba bombardieren?"
LöschenUnd wieder werden Äpfel mit Birnen verglichen.
Würde der Iran Drohnen auf Kuba stationieren, würden die USA Kuba attackieren und Kuba angreifen. Natürlich.
ABER:
Der Unterschied besteht darin, dass Putin die Ukraine angegriffen hat, um sie als Staat zu eliminieren und sie sich als Teil Russlands einzuverleiben.
Putin führt einen Eroberungskrieg. Alle Argumente von wegen Verteidigung gegen eine NATO Aggression etc. sind Lügen, Märchen, dummes Zeug.
Geben Putins Lakaien um Medvedev und Solowjow auch seit Jahren offen zu. Nur mal bei RT zuhören wenn dort wieder "Nach Berlin" gefordert wird und man von der Auslöschung des Westens - gerne mit der Bombe - träumt. Aber "Kriegstreiberei" ist das natürlich für die unverbesserlichen Fanboyz Moskaus niemals.
Putins Krieg ist ein klarer Verstoß gegen so ziemlich jeden Vertrag, den die UdSSR und damit auch Russland seit 1945 ratifiziert hat: UN Charta, Schlussakte von Helsinki, usw. usw.
Und dann kommen solche Clowns und palavern was von angeblichen Zusagen 1990 die man hätte beachten müssen und deswegen sei der Ukraine Krieg ok und gerechtfertigt und kein Problem ("Aber die USA").
Oh Mann....
Die Unterstellung, Herr Kissig würde „kritiklos die gewünschte öffentliche Meinung übernehmen“, verkennt aus meiner Sicht den Kern seines Beitrags: Er benennt, dass Russland einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt und Europa darauf reagiert, indem es seine Verteidigungsfähigkeit stärkt. Die Verantwortung dafür auf eine angeblich „vertragswidrige“ NATO‑Osterweiterung zu schieben, blendet aus, dass souveräne Staaten ein Recht auf freie Bündniswahl haben und Moskau kein Vetorecht über deren Sicherheitsentscheidungen besitzt. Wer diese Realität ignoriert, macht faktisch den Aggressor zum Opfer. Er analysiert die sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Folgen dieser Lage für Anleger – wer daraus „Dollarzeichen größer als gesunder Menschenverstand“ konstruiert, argumentiert eher polemisch als inhaltlich.
AntwortenLöschenSehr gut Michael!! Und wie Fennischfuchser richtig schreibt, Täter-Opfer-Umkehr ist beim Vladimir-Fanclub sehr beliebt...
AntwortenLöschenEs hat halt null mit Fanclub zu tun. Der deutsche Moralweltmeister würde eher sein Land wirtschaftlich zu Grunde richten anstatt die ökonomisch richtigen Dinge zu tun.
LöschenWas ist denn „ökonomisch richtig“?
LöschenKleine Erinnerung. Als Deutschland zuletzt von Russland abhängig war (1945 bis 1988) war das ökonomisch nicht so prickelnd.
Von Freiheit und Demokratie ganz zu schweigen.
Puuhh das meine ich mit Moralweltmeister.. Kauf doch einfach weiter das Gas und wir haben billige Energie
Löschen„Puuhh das meine ich mit Moralweltmeister.. Kauf doch einfach weiter das Gas und wir haben billige Energie“
LöschenPutins Gas ist billig??
Putins Gas war die preiswerteste Energie der letzten Jahrzehnte. Im Jahr 2020 hatten wir ca. 500TWh Strombedarf, 850 TWh Gasbedarf, davon 65% aus Russland. Der Abstieg der deutschen Industrie hängt u.a. mit dem Wegfall von Energieimportem aus Russland zusammen. Das ist ein Fakt.
Löschen2020: Gashandelspreise: 10€/MWh, Strom 30€/MWh. Also ja, Putins Gas war billig.
Ach herrlich die weltmeisterliche Naivität zu glauben, Putin würde für sein Gas nur einen Preis in Geld verlangen …
LöschenEs ist doch sehr unwahrscheinlich, dass Putin Deutschland überhaupt Gas liefert, selbst wenn darum (eine AfD Regierung?) wieder bitten würde.
LöschenDenn hätte er ein Interesse an einer wieder erstarkenden deutschen Wirtschaft, wo dann der Staat mit höheren Einnahmen auch einen höheren Verteidigungshaushalt finanzieren könnte?
Putin will ein schwaches, zerstrittenes, armes Deutschland. Denn dem kann er seinen Willen aufzwingen.
Wie damals zu Zeiten der UdSSR, als diese die Geschicke der DDR bestimmte. Und diese Zeit strebt Putin seiner eigenen Aussage nach wieder an.
Martin, das sehe ich etwas anders. Putin hat zwar ein Interesse an einem nicht zu starken Deutschland, aber als Abnehmer seines Erdgases kämen wir ihm sehr recht. Denn Deutschland ist ja nicht sein Fokus bei der Westexpansion seines neuen Zarenreiches, das sind die Ukraine, die Baltischen Staaten und (nach der Einverleibung von Belarus) auch wieder Polen. Erst danach würde er seinen Blick "real" nach Deutschland richten.
LöschenUnd all diese Bestrebungen Putins muss er mit ÖL- und Gasverkäufen finanzieren. Vor allem die momentan aktiven Operationen. Also würde er liebend gern Deutschland mit Erdgas versorgen.
Die Frage ist doch, ob Deutschland und die EU nicht sein billiges Öl und Erdgas wieder kaufen sollten, weil sie damit ihre Standortbedingungen massiv verbessern - und damit mehr Geld für Verteidigung und alles andere zur Verfügung hätten. Aber das ist eher eine politische Frage, denn wirtschaftlich erscheint sie ziemlich klar zu sein (abseits der Sanktionen, die aber ja die EU selbst verhängt hat und bei denen der G7 und der USA maßgeblicher Treiber war).
Keine leichte Entscheidung, weil beide Wege echte Morstritte beinhalten...