Vincorion ist ein weitgehend unbekanntes, aber technologisch etabliertes Unternehmen innerhalb der europäischen Sicherheits- und Luftfahrtindustrie. Dabei präsentiert sich die ehemalige Jenoptik-Tochter als Anbieter missionskritischer Energie- und Mechatroniksysteme für militärische und zivile Anwendungen.
Das Unternehmen ist erst seit Mitte März an der Börse notiert und hat seitdem zweimal Zahlen vorgelegt. Der Aktienkurs ist volatil, liegt aber inzwischen um mehr als 25% über dem Ausgabepreis von 17 Euro. Da stellt sich die Frage, ob da für Anleger noch mehr zu holen ist...
Mit seinen Quartalszahlen wusste Vincorion zuletzt erneut zu überzeugen: Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal 2026 um 44,5% auf 81,2 Mio. Euro und das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) legte um mehr als ein Drittel auf 16 Mio. Euro zu, während die entsprechende operative Marge von 21,1% auf 19,7% etwas nachgab.
Highlight war der Auftragseingang, dem im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 33,9 auf 180,8 Mio. Euro hochschnellte, so dass das Auftragsbuch auf rund 1,2 Mrd. Euro anschwoll. Ein Großteil des für 2026 geplanten Umsatzes sei dabei bereits gedeckt, erklärte CEO Kajetan von Mentzingen, und die Nachfrage sei unverändert hoch.
Die Jahresziele für das Ergebnis bestätigte der CEO, während Vincorion nun jedoch beim Umsatz das obere Ende der ausgegebenen Spanne von 280 bis 320 Mio. Euro anpeilt. Die EBIT-Marge wird weiter bei 18% bis 19% erwartet.
Der Kurs hat ordentlich zugelegt die letzten Wochen und bald läuft die Lockup-Frist aus, so dass Großaktionär Star Capital seine restlichen Anteile an Vincorion versilbern dürfte.
Was zu erwarten ist
Beginnen wir mit einem kleinen Exkurs: Sanierungsexperte Mutares hatte Steyr Motors im Rüstungshype an die Börse gebracht und soeben hat Steyr Motors erneut operativ versagt und seine Prognosen kappen müssen. Und sowas ist bei IPOs kein Einzelfall, da werden oft zu hohe Erwartungen geschürt, (nur) um einen möglichst hohen Emissionspreis festlegen zu können. Nicht umsonst wird OPI auch mit "it's probably overpriced" übersetzt und die Statistik zeigt, dass die meisten Neuemissionen in den ersten Jahren nach ihrem Börsengang nicht nur dem Markt hinterher hinken, sondern ihren Zeichnern Verluste bescheren - teilweise sehr heftige.
Was treibt Vincorion?
Die Zeichen stehen also nicht gut für Vincorion, aber wenn 80% der IPOs floppen heißt das auch, dass bei 20% was zu holen war. Seit dem Börsengang gab es bei Vincorion zweimal Quartalszahlen und beide Male fielen die solide aus. Eigentlich sogar sehr stark, aber die Prognosen waren ebenfalls auf profitables Wachstum eingestellt, so dass die Messlatte durchaus recht hoch lag. Zuletzt waren die Zahlen sogar noch besser als erwartet und nun wird das obere Ende der Prognosespannen anvisiert. Das Management und das Unternehmen haben sich also bewährt!
Was treibt Star Capital?
Der ehemalige Alleineigentürmer und seit dem Börsengang weiterhin Großaktionär Star Capital hat belegt, dass er nicht zu gierig war beim IPO, sondern einen fairen Preis festgelegt hat. Der Kurs notiert deutlich über dem Ausgabepreis und darüber freuen sich auch die strategischen Investoren, die Star Capital beim IPO fette Aktienpakete abgenommen haben. Die dürften also durchs Interesse an weiteren Anteilen haben, wenn Star Capital verkaufen will. Aber auch weitere Investoren wissen jetzt ja ganz genau, was sie für ihr Geld bekommen würden, das ist positiv zu werten.
Zudem herrscht in der Branche großer Konsolidierungsdruck (in Europa), so dass auch Interessenten aus dem Rüstungssektor Interesse an einem großen Stück an Vincorion haben könnten.
Klar ist, dass es bei einem Aktienpaketverkauf einen Kursrücksetzer geben wird, weil dabei immer ein Abschlag ggü. dem aktuellen Börsenkurs herausgehandelt wird. Das kann man aber vernachlässigen, weil sowas in der Regel nach ein paar Wochen aus dem Kurs rausgeschwitzt ist - sofern das Unternehmen nicht auf einmal operativ versagt. Ich mache mir hier also gar keine Sorgen.
Meine EInschätzung zu Vincorion
Der Rüstungszulieferer ist stark positioniert und kann seinen stark wachsenden Auftragseingang eindrucksvoll in profitablen Umsatz verwandeln. Der große Rüstungshype ist vorbei, aber der Rüstungssuperzyklus wird die Geschäfte in den nächsten Jahren und Jahrzehnten antreiben, denn die Welt rüstet auf. Die europäischen NATO-Staaten (und Kanada) fahren ihre Budgets entsprechend hoch und Vincorion gehört mit seinen Produkten und Leistungen zu den Profiteuren.
Der Aktienkurs wird vom grundsätzlichen Trend her diese Entwicklung nachzeichnen. Kurzfristige Abweichungen nach oben oder unten haben wir ja schon öfter erlebt und die werden uns auch künftig begleiten. Auch das muss Anleger nicht beunruhigen. Es läuft einfach und Vincorion stellt meiner Ansicht nach eine ziemlich attraktive Ergänzung zu meinem Kerninvestment Rheinmetall dar.
Disclaimer: Habe Rheinmetall, Vincorion auf der Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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